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Full text of "Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie."

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FOR  THE  PEOPLE 
FOR  EDVCATION 
FOR  SCIENCE 


LIBRARY 

or 

THE  AMERICAN  MUSEUM 

OF 

NATURAL  HISTORY 


✓ 


Centralbiatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg,  in  Breslau,  in  Berlin. 


Jahrgang  1913. 

Mit  zahlreichen  Figuren  im  Text. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sclie  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser 
1913. 


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Alle  Rechte,  auch  das  der  Übersetzung,  Vorbehalten. 


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Druck  der  K.  Hofbuchdruckerei  Zu  Gutenberg  (Klett  Hartmann),  Stuttgart. 


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Inhalt. 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Seite 

Ändert.  Hermann:  Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte 

Arten.  Mit  2 Textfignren 278.  295 

Andree,  K.:  Reine  Translation  oder  abnorme  Knickung  beim  Stein- 
salz ? 696 

Arrhenius,  Sv  ante:  Widerlegung  der  physikalischen  Einwände 

gegen  die  Kohlensäuretheorie 582 

Backlund,  Helge:  Ueber  chemische  Veränderungen  in  mechanisch 

deformierten  Gesteinen 593.  634 

Balss,  Heinrich:  Ueber  fossile  Galatheiden.  Mit  1 Textiigur  . 155 

Bauer,  Max:  Berichtigung 25 

Baumhauer,  H. : Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse,  Aetz- 

erscheinungen  und  Symmetrie  des  Natroliths.  Mit  7 Textfiguren  304 

Beger,  P.  J. : Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv 457 

B e re  k , M. : Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 

des  Polarisationsmikroskops.  Mit  7 Textfiguren  . . 388.  427.  464 

— Berichtigung  und  Nachtrag  zu  meiner  Mitteilung  „Zur  Messung 

der  Doppelbrechung  usw.“ 580 

Berichtigung 192.  288 

Beut  eil,  A. : Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  und  die  da- 
durch hervorgerufene  Einwirkung  auf  Silber  und  Kupfer.  Mit 

3 Textfiguren 758 

Boeke,  H.  E:  Bemerkung  über  die  Theorie  von  J.  Johnston  bezüg- 
lich des  Verhaltens  fester  Stoffe  unter  ungleichförmigem  Druck  321 
Born,  Axel:  Ueber  neuere  Gliederungsversuche  im  estländischen 

höheren  Untersilur 712 

Brouwer,  H.  A. : Neue  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf 

Timor 570 

Busz,  K.  und  F.  W.  Rüsberg:  Mineralogisch-chemische  Unter- 
suchungen an  Olivin-  und  Melilithkristallen  in  Hochofen- 
schlacken   625 

Cornelius,  H.P. : Geologische  Beobachtungen  im  Gebiete  des  Forno- 

gletschers  (Engadin) 246 

D e e c k e , W. : Georg  Böhm  f 289 

— Paläontologische  Betrachtungen.  III.  Ueber  Echinoiden  . 498.  526 

Diener,  C. : f Friedrich  Teller 119 

Doelter,  C.  und  E.  Dittler:  Bauxit  oder  Sporogelit? 193 

Doss,  Bruno:  Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  in  Sapropelen  490 

— Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär 

im  Finnischen  Meerbusen  nebst  Bemerkungen  über  die  Ent- 
stehung der  Insel 601 

Endeil,  K.:  Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite  von  Tromsö 

und  vom  Tromsdaltind.  Mit  1 Textfigur 129 

— Ueber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  bei  Herschbach  im 

Westerwald 676 

Erdmannsdörffer.  0.  H. : Ueber  Koenenit  von  Sarstedt.  Mit 

1 Textfigur 449 

Fischer,  Herrn.:  Ein  mariner  (?)  Oolitli  aus  Zentralafrika  . . 112 

Freudenberg,  W. : Flephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  und  die 

schwäbische  Hochterrasse 475.  646 

Friedländer,  Immanuel:  Ueber  vulkanische  Erscheinungen  am 

Aetna  und  in  Japan 379 


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Sette 

Gaäl,  St.  v.:  Kurze  Antwort  auf  den  PÄVAi’schen  (?)  Artikel  (Sar- 

matischer  Dacittuff  etc.) 405 

Gagel,  C. : Ueber  das  Alter  der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  und  die 

Beweiskraft  der  „Leitgeschiebe“  für  das  Alter  der  Moränen  . 215 
Gans,  R. : Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  der  kolloidalen 

wasserhaltigen  Touerdesilikate  . . . . • 699.  728 

Geinitz,  E. : Zur  Verdeutschung  des  Wortes  „Drumlin“ 676 

Goldschmidt,  V.:  Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteins- 
analyse und  spezifischen  Gewichtsbestimmung  . • 39 

Goldschmidt,  V.  M , J.  Rekstad,  Th.  Vogt:  Zu  Herrn  J oh. 

Koenigsberger’s  geologischen  Mitteilungen  über  Norwegen  . 324 
Grünling,  F.:  Maucherit  Ni3  As2,  ein  neues  Nickelmineral  aus  den 

Kobaltrücken  des  Mansfelder  Kupferschiefers 225 

Heeger,  W. : Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  fein  ver- 
teilter Carbonate  im  Gesteinsschliff 44 

Hennig,  Edw. : Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika 81 

He  ritsch.  Franz:  Melongena  Deschmanni  R.Hoernes  — Melongena 

Botlcyana  J.  Knett 303 

— Zur  Geologie  des  Jesenkoberges  (Westlicher  Bacher)  ....  610 

— Die  zeitliche  Trennung  der  Deckenschübe  in  den  Ostalpen  . . 614 

Hoel,  Adolf:  Notiz  zu  K.  Schneider:  „Die  vulkanischen  Erschei- 
nungen der  Erde“  498 

Hoffmann,  Guido:  Vergleich  des  unteren  Dogger  im  Schwäbischen 

Jura  mit  dem  von  Hannover.  Mit  1 Textfigur 470 

Hopmann,  P.  Michael:  Einige  Bemerkungen  über  die  Einschlüsse 

im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley • 722 

Horn,  Max:  Vorläufige  Mitteilung  über  den  ladinischen  Knollenkalk- 
komplex der  Südalpen 508 

Hundt,  Rudolf:  Die  Eiszeit  im  Frankenwalde.  Mit  5 Textfiguren  146 

— Eine  Ergänzung  zu  „Organische  Reste  aus  dem  Untersilur 

des  Hüttchenberges  bei  Wünschendorf  an  der  Elster“ 180 

Huene,  Friedrich  von:  Ad  notam 480 

— Ueber  die  reptilführenden  Sandsteine  bei  Eigin  in  Schottland  617 
Jooss,  Carlo  H. : Ueber  Limnaea  ( Limnaea  s.  str.)  turnt a Klein 

emend.  Jooss.  Mit  8 Textfiguren 58 

Kaiser,  E.:  Ueber  die  ARRHENics’sche  Theorie  der  Eiszeiten  . . . 769 
Kaemmerer,  Paul:  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur 

des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee).  Mit  6 Textfiguren  17 

— Weitere  Studien  über  die  Struktur  des  Meteoreisens  von  Car- 
thage (Tennessee).  Mit  6 Textfiguren 261 

Kessler,  P.:  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  der  Bitliynischen 

Halbinsel 1 

Killig,  Fr.:  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  in  ein  dichtes 
Paragonitgestein  von  der  Korundlagerstätte  am  Ochsenkopf  in 

Sachsen 203 

Kittl,  Erwin:  Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit.  Mit 

1 Textfigur 450 

Koen  igs  b e r g e r , J. : Nachtrag  zur  Notiz  über  einen  anortbositi- 

schen  Gneis  von  Norwegen 25 

— Antwort  auf  die  Bemerkungen  der  Herren  V.  M.  Goldschmidt, 

J.  Rekstad,  Th.  Vogt 520 

— Notiz  über  kristalline  Schiefer  in  Spanien 642 

Kormos,  Th.:  Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän  13 

— Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  in  der  Umgebung  von 

Tata  (Ungarn) 109 

Kowarzik,  Rudolf:  Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene 

Funde  des  Moschusoclisen  aus  dem  belgischen  Diluvium  . . . 178 


Inhalt. 


V 

Seite 

Kraus,  E.  H.  und  C.  W.  Cook:  Die  Kristallformen  des  Jodyrits 

von  Tonopah,  Nevada 385 

Laub  mann,  11  : Ueber  Pseudomorphosen  von  Quarz  nach  Kalkspat 

aus  den  Flußspatgängen  am  Wölsenberg  in  der  Oberpfalz  . . 353 
Lazarevic,  M. : Zu  Tüöan’s  „Bauxitfrage“ 258 

— Nochmals  „Zu  Tlcan’s  Bauxitfrage“  . . • 600 

Leidhold,  CI.:  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische  Be- 
wegungen in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen) 139 

Ueber  ein  Vorkommen  von  Fossilien  in  den  Hunsrückschiefern 

der  Gegend  nördlich  von  Oberstein 652 

Leitmeier,  H.:  Bemerkungen  über  die  Unterschiede  in  den  Angaben 

von  Schmelzpunkten  der  Silikate 513 

Löffler,  Richard:  Ergänzende  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Grund- 
gebirges im  Ries 752 

Maier,  W. : Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  der 

Kontaktzone  des  11t.  Tibidabo  bei  Barcelona 26 

Mare  es,  Friedrich  v. : Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von 

Sarstedt.  Mit  einer  geologischen  Skizze 346 

Meyer,  Erich:  Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen  im  Sam- 

land  und  im  Fläming 561 

Meyer,  Hermann  L.  F. : Kalkalgen  im  Wellenkalk  der  Rhön  . . 402 

— Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald.  Mit  einer 

Kartenskizze 742 

Michel,  H. : Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten 161 

— Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  im  Böhmischen  Mittel- 
gebirge. Mit  2 Textliguren 195 

— Urausscheidungen  und  Einschlüsse  im  Sodalithsyenit  von  der 

Hradlischka  westlich  Großpriesen  a.  d.  Elbe 767 

Mitteilungen  aus  dem  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Bonn  : 

20.  Hopmann,  P.  Michael:  Einige  Bemerkungen  über  die 

Einschlüsse  im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley 722 

Monsen,  Astrid:  Ueber  die  Packung  tertiärer,  diluvialer  und 

rezenter  Sande  und  das  Porenvolumen  von  Sandsteinen  . . . 242 
Mügge,  0.:  Ueber  die  Größenordnung  der  Gravitations-Anisotropie 

in  Kristallen.  Mit  1 Textfigur 33 

— Zweckmäßige  Indikatoren  aus  Glas 133 

Mylius,  H.:  Entgegnung  an  A.  Tornquist.  Mit  1 Textfigur  . . . 252 
Nacken,  R. : Vergleich  der  optischen  und  der  thermischen  Methode 

zur  Bestimmung  von  Schmelztemperaturen.  Mit  2 Textfiguren  328 
Naumann,  M. : Knickung  der  Würfelfläche  bei  Steinsalz  als  eine 

Folge  „reiner“  Translation.  Mit  1 Textfigur 698 

Noetling,  Fritz:  Die  Packung  losen  Sandes 681 

01  bricht,  K. : Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  der  Umgebung 

von  Hannover.  Mit  6 Textfiguren 51 

Oppenheim,  Paul:  Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen  am  Karpathen- 
rande überschobenen  Tertiärs 85 

Osann,  A.:  Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil.  Mit  4 Text- 
figuren   481 

Pävai-Vajna,  Franz  von:  Ueber  sarmatischen  Dacittuff  in 
der  Umgebung  von  Nagyenyed  nebst  einigen  Bemerkungen  zur 
Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal.  Mit  3 Textfiguren  ....  164.  209 

Quiring,  H. : Eifeldolomit  und  alttriadisclie  Verebnung 269 

Rack,  Georg:  Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores.  Mit  2 Text- 
figuren   134 

— Ueber  das  gegenseitige  Verhalten  des  Zinnchloriirs  und  der 

Chloride  des  Kaliums  und  Natriums  beim  Kristallisieren  aus 
dem  Schmelzfluß.  Mit  2 Textfiguren 373 


VI 


Inhalt. 


Seite 


Renz,  Carl  und  Fritz  Frech:  Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas 
und  der  angrenzenden  Gebiete.  20.  Carl  Renz:  Geologische 
Studien  im  Artemisiongebirge  (Grenze  von  Arkadien  und  Argolis)  338 

— Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas  und  der  angrenzenden  Ge- 
biete. 22.  Carl  Renz:  Geologische  Untersuchungen  in  Epirus  534 

Rose,  H. : Ueber  die  kristallographische  Orientierung  von  Muscovit- 
spaltungsplatten  mit  Hilfe  der  Biegungs-  und  Aetzfiguren.  Mit 

2 Textfiguren 657 

Rosic.ky,  V.  und  St.  J.  Thugutt:  Epidesmin,  ein  neuer  Zeolith  422 
Rüsberg,  F.  W. : Ueber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochofenschlacken  689 
Schneider,  Karl:  Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde  . . 102 
Schöndorf,  Fr:  Ueber  positive  Strandverschiebungen  im  Oberen 

Jura  des  südöstlichen  Deisters 438 

Schroeder,  Henry:  Das  Vorkommen  der  Gattung  Lophiodon  in 

der  Braunkohle  Sachsens . 351 

Schumoff-Deleano,  Vera:  Einige  Versuche  über  das  Zusammen- 
kristallisieren von  Diopsid  und  Jadeit.  Mit  1 Textfigur  . . 227 
Schwa rtz,  Friedrich:  Ueber  das  Auftreten  des  Geruches  beim 

Reiben  von  Mineralien 660 

Schwarz,  M.  v. : Zwei  neue  Modelle  der  Dichtebestimmungsivage. 

Mit  1 Textfigur 565 

Sch wiet ring,  Fr.:  Bemerkungen  zu  den  Untersuchungen  von 

C.  Viola  über  die  Totalreflexion  des  Lichtes  an  einem  Kristall  577 
Semper,  Max:  Berichtigung 27 

— Zur  eocänen  Geographie  des  nordatlantischen  Gebiets  ....  234 

Sigmund,  Al.:  Anatas  in  den  Niederen  Tauern 666 

Simionescu,  J. : Megcdosaunis  aus  der  Unterkreide  der  Dobrogea 

(Rumänien).  Mit  1 Textfigur 686 

Slavik,  F. : Adolf  Hofmann  f 721 

Sokol,  R. : Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  während 

der  Diluvial- Akkumulation.  Mit  2 Textfigureü 91 

— Nachtrag  zu  „ Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc.“  ....  122 
So  eil  n er,  J. : Ueber  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstuhl  . . 230 

— Ueber  Leucitneplielintinguaitporphyr  aus  dem  Kaiserstuhl  . . 367 
Spengler,  E : Einige  Bemerkungen  zu  E.  Haug:  Les  nappes  de 

charriage  des  Alpes  calcaires  septentrionales,  3 eme  partie, 
le  Salzkammergut  272 

— Der  angebliche  Hauptdolomit  bei  Gosau 616 

— Zur  Systematik  der  obercretacischen  Nautiliden 115 

Stahl,  W. : Pisolithe.  Mit  1 Textfigur 337 

Stremine,  H. : Ueber  das  Verhalten  des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr 

mit  Kobaltsolution.  Entgegnung  an  St.  J.  Thugutt  ....  313 
Tep p n e r , Wilfried:  Testudo  Eiedli  R.  Hoerxes.  Mit  1 Textfigur  381 
Thiel,  G. : Ueber  das  Vorkommen  von  Kohlensäure  in  Kohlenflözen  683 
Tschirwinsky,  W. : Zur  Frage  über  die  Identität  des  Podolits 

und  Dahllits.  Mit  1 Textfigur 97 

Tue  an,  Fran:  Zur  Bauxitfrage 65 

— Zu  Tucan’s  „Bauxitfrage“ 387 

— Bauxit  in  neuem  Licht 495 

— Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  auf  der 

Insel  Braö  in  Dalmatien  mit  besonderer  Berücksichtigung  der 
Bauxitfrage.  Mit  3 Textfiguren 668 

— Zur  Wherry’s  Nomenklatur  • 768 

— Wieder  „Zu  Tuüan’s  Bauxitfrage“ 768 

Uhlig,  J. : Ueber  das  Löslichkeitsschema  KCl,  MgCL  und  Wasser 

(Carnallitscliema)  bei  50°.  Mit  1 Textfigur 417 

van  der  Veen,  A.L.  W.E.:  Die  Beweglichkeit  d.  Silbers  in  Zinnobererde  257 


Inhalt. 


VII 

Seite 

Yolz,  W. : Oberer  Jura  in  West-Sumatra.  Mit  5 Textfiguren  . . 753 
Wagner.  Georg:  Beiträge  zur  Kenntnis  des  oberen  Hauptmuschel- 

kalks  in  Elsaß-Lothringen.  Mit  einer  Kartenskizze  . . .551.  584 
Walther,  Karl:  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 
gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 

Mit  2 Textfiguren 68 

Weber,  M. : Beispiele  von  Priinärschieferung  innerhalb  der  böhmi- 
schen Masse.  Mit  2 Textfiguren 772 

Wept'er,  E.:  Ueber  das  Vorkommen  von  „ Cyprina  islandica “ im 

Postpliocän  von  Palermo. 173 

Westphal,  Otto:  Beitrag  zur  Kenntnis  der  optischen  Verhältnisse 

des  Periklas.  Mit  1 Textfigur 516 

Wetze  1.  W. : Untersuchungen  über  das  Verhältnis  von  Chalcedon 

und  Quarzin  zu  Quarz  356 

Wlierry,  Edgar  T. : Zur  Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und 

Kolloidmineralien 518 

Wich  mann,  Arth.:  Ueber  sogen.  Pisolithe  aus  dem  Mansfelder 

Flüzgebirge 457 

Wilckens,  Otto:  Zur  Benennung  der  alpinen  Ueberschiebungs- 

decken 435 

Wulff,  Georg:  Grundlagen  der  Kristallröntgenogrammetrie.  Mit 

2 Textfiguren 260 

Zimmermann,  Ernst:  Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W.  Einige 

Bemerkungen  zu  dem  gleichlautenden  Aufsatz  des  Herrn  Nebk  397 

Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Berek,  M. : Mineralogischer  Demonstrationsapparat.  Mit  3 Text- 
figuren   181 

Korr  eng,  E. : Ueber  die  Herstellung  von  Dünnschliffen  und  Dauer- 
präparaten aus  salzartigen,  aus  dem  Schmelzfluß  kristallisierten 

Stoffen 408 

Leiss,  C : Mineralogisches  Demonstrationsmikroskop  mit  Tischrevolver. 

Mit  2 Textfiguren 558 

Miigge,  0.:  Bemerkungen  zum  Wiilfing’schen  Demonstrationsmodell 

für  einfache  Schiebungen  123 

Wülfing,  E.  A. : Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schie- 
bungen. Mit  6 Textfigureu 28 

Besprechungen. 

Abderhalden,  Emil:  Fortschritte  der  naturwissenschaftlichen 

Forschung 592 

Beckenkamp,  J. : Statische  und  kinetische  Kristalltheorien.  Erster 
Teil:  Geometrische  Eigenschaften  der  Kristalle  und  deren  Ver- 
anschaulichung durch  geometrische  Strukturbilder 413 

Brauhäuser,  M. : Die  Bodenschätze  Württembergs 191 

Brauns,  R. : Mineralogie • 288 

Cohen.  Ernst:  Jacobus  Hekricus  van’t  Hoff.  Sein  Leben  und 

Wirken 285 

Doelter,  C. : Handbuch  der  Mineralchemie 160.  688.  784 

Dreher,  0.:  Das  Färben  des  Achats 319 

Duparc,  Louis  et  Alfred  Mounier:  Traite  de  technique  minera- 

logique  et  petrographique 656 

Farrell,  J.  H. : Practical  Field  Geology,  including  a Guide  to  the 
SightRecognition  of  One  Hundred  Twentv  Common  or  Important 

Minerals  by  Professor  A.  .1.  Moses 352 

Gratacap,  L.  P. : A Populär  Guide  to  Minerals 128 


VIII  Inhalt. 

Seite 


Günther,  C.  Godfrey:  The  Examination  of  Prospects 352 

Henniger,  Karl  Anton:  Die  Metalle  nach  Vorkommen,  Gewin- 
nung, Verwendung  und  wirtschaftlicher  Bedeutung 224 

van’t  Hoff,  J.  H.:  Untersuchungen  über  die  Bildungsverhältnisse 
der  ozeanischen  Salzablagerungen,  insbesondere  des  Staßfurter 

Salzlagers 286 

Lewis.  J.  Volney:  Determinative  Mineralogy  with  Tables  for  the 
Determination  of  Minerals  bv  Means  of  their  Chemical  and 

Physical  Cliaracters 320 

Lienau,  Detlev:  Die  Entstehung  der  Ackerböden,  erläutert  an 
den  geologisch- agronomischen  Verhältnissen  in  der  Provinz 
Sachsen , im  Herzogtum  Anhalt  und  in  den  Thüringischen 

Staaten 287 

Linclc,  Gottlob:  Grundriß  der  Kristallographie  für  Studierende 

und  zum  Selbstunterricht 592 

Phillips,  Alexander  H. : Mineralogy.  an  Introduction  to  the 

Theoretical  and  Practical  Study  of  Minerals 127 

Rinne,  F. : Allgemeine  Kristallographie  und  Mineralogie 591 

— Elementare  Anleitung  zu  kristallographisch-optischen  Unter- 
suchungen vornehmlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops  318 
Rogers,  Austin  F. : Introduction  to  the  Study  of  Minerals  . . . 624 

Sigmund,  Alois:  Die  mineralogische  Abteilung 512 

Wein  schenk,  E. : Petrographisches  Vademecum 688 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 

Londoner  Mineralogische  Gesellschaft 126.  189.  412.  590 


Miscellanea. 

Akademische  Ferienkurse  in  Hamburg.  Vom  24.  Juli  bis  6.  Aug.  1913  384 
Beschluß  der  akademischen  Behörden  der  schwed.  Universität  Lund, 
um  die  Mittel  zur  Erbauung  eines  neuen  Geolog,  meteorol. 
Institutes  in  Lund  heim  schwedischen  Reichstag  nachzusuchen  720 

Ferienkurse  Jena.  Vom  4.— 16.  August  1913 224 

Geologische  Aufnahme  des  Duppauer  Gebirges  im  nordwestl.  Böhmen  448 

Personalia. 


Baltzer,  A 

. . . 720 

Ivoert,  W 

. . . 256 

Böhm,  G. 

. . . 224 

Kossmat,  F. 

. . . 688 

Cellier,  J.  S. 

. . . 352 

Laspeyres,  H.  .... 

. . . 512 

C'boffat,  P 

. . . 784 

Pompeckj,  J.  F.  ... 

Corstorphine,  G.  S.  . . 

. . . 352 

Potonie,  H 

. . . 784 

Credner,  H 

. . . 512 

Redlich,  K.  

Dyhrenfurth,  G.  ... 

. . . 752 

Riemann,  K 

. . . 256 

Fleury,  E 

. . . 784 

Rimann,  E 

. . . 64 

Fuchs,  A 

. . . 256 

Salomon,  W 

. . . 320 

Haas,  H 

. . . 592 

Slavik.  F 

. . . 288 

Hennig,  E. 

. . 384 

Stille.  H 

. . . 352 

Hibsch,  J.  E. 

. . . 448 

Sustschinsky,  P.  P.  . . 

Holzapfel,  E 

. . . 416 

Volz,  W. 

. . . 192 

Jezek,  Boh 

. . . 288 

Weigel.  0 

. . . 160 

Keßler,  P 

. . . 96 

Wilckens,  0. 

. . . 512 

Kit tl,  E 

. . . 384 

Zambonini.  F 

. . . 784 

König,  G.  A 

. . . 192 

Druckfehlerberichtigung 


128.  320 


Sachregister. 


IX 


Sachregister 

zum  Centralblatt  für  Mineralogie  etc.  1913. 


Die  Original-Mitteilungen  sind  kursiv  gedruckt. 


Achat,  Färbung  319. 

Achsenwinkel,  optischer,  Bestimmung 
in  Dünnschliffen  190. 

Ackerböden,  Entstehung  287. 

Adinole,  Uruguay,  südl.,  Epidot-  68.  77. 
.1  dular.  St.  Gotthard.  Schmelztemperatur 
333. 

Albit,  Pfitschial,  Schmelztemperatur  333. 
Alkalitrachyt,  Timor  571. 

Allgäuer  Juraklippen  252. 

Alpen 

1 'berschiebungsdecken  435. 
nördliche  Kalk-,  Decken  272. 
östliche  zeitliche  Trennung  der  Decken- 
schübe 614. 

südliche,  ladinischer  Knollenkalkkom- 
plex 508. 

Älttriadische  Verebnung  und  Eifeldolo- 
mit 269. 

Aluminatsilikate,  kolloidale  wasserhaltige, 
chemische  oder  physikalische  Natur 
700.  728. 

Amphibolit,  Tromsö  und  Tromsdaltind, 
Granat-  129. 

Anatas,  Gatschiberg  im  Sölktal,  Niedere 
Tauern  666. 

Andalusit,  Kappiger-Ley,  Einschluss  im 
Leucittuff  723. 

Andesit 

Flores,  Augit-,  Augit-Olivin-  und 
Hypersthen-Augil  135. 

Jesenkoberg,  (Westl.  Bacher)  611. 
Anisotropie.  Gravitation s-,  der  Kristalle, 
Größenordnung  33. 

Anorthit.  Schmelztemperatur  331. 
Anorthositischer  Gneis,  Norwegen  25. 
Aniozonit,  Wölsenberg  (Oberpfalz)  353. 
Apparat  zu  mineralogischen  Demonstra- 
tionen 181. 

siehe  auch  Polarisations  mikroskop. 
Aragonit,  Mansfeldcr  Flözgebirge,  in 
Pisolithen  337. 

Archosuchier,  siehe  Pseudosuchier. 
Arrhenius’  Theorie  der  Eiszeiten  582. 

769. 

Artenbildung  durch  pseudospontane  Eco- 
lution 27. 


Artemisiongebirge,  Hellas  338. 

Ätzfiguren  am  Muscovit,  zur  kristallo- 
graphischen  Orientierung  657. 

Aufschmelzungszone  der  Erdkruste  326. 
521. 

Augit  in  Hohofenschlacken  689. 

JBasall 

Hessen  25. 

Böhmisches  Mittelgebirge,  Bhönit  195. 

Uruguay,  südl.,  und  Kontakt  70. 

Bauxit 

Definition  495. 

Natur  65. 

kroatischer  Karst  258.  387.  600.  768. 

und  Sporogelit  193. 

Bauxitf  rage  und  mehliges  Si02  von  Milna 
Insel  Bra£,  Dalmatien  668. 

Bestimmende  Mineralogie  von  J.  Yoi- 
ney  Lewis  320. 

Biegungsfigur,  siehe  Druckfigur  657. 

Bithynische  Halbinsel,  Geol.  1. 

Böhm,  Georg,  Nekrolog  289. 

Böhmen,  Elbe-Ebene,  Sinken  während  der 
Diluvial- Akkumulation  91 . 

Böhmische  Masse,  Primärschieferung  772. 

Bronzit,  geschmolzener  450. 

siehe  auch  Enstatit  und  Klino- 
enstatit. 

Cambrium,  Spanien,  Gesteine  642. 

Camptonit,  Timor  577. 

Carbon,  Hagen  i.  B\,  Fauna  des  Culm 
397. 

Carbonate  mikrochemische  Untersuchung 
feinverteilter,  in  Gesteinsschliffen  44. 

Carnallit,  Zersetzung  beim  Umkristalli- 
sieren 323. 

Carnallitschema  417. 

Cavloccschuppe,  Engadin  247. 

Chalcedon  und  Quarzin,  Verhältnis  zu 
Quarz  356. 

Chemische  Analyse,  quantitative,  von 
Mineralien  und  Gesteinen  656. 

Chemische  Veränderung  in  mechanisch 
deformierten  Gesteinen  593.  634. 

Chinesische  Wagschalen  und  Gewichte 
aus  Amethvst  für  Edelstcinhändler 
190. 


X 


Sachregister. 


Cimolit,  Verhallen  v.  d.  L.  mit  Kobalt- 
solution  313. 

Cölestin , Zentralafrika  113. 

Cricetulus  phaeus,  Pleislocän  Velebit- 
gebirge  15. 

Crislobalit  und  Tridymit  aus  Quarz  ent- 
standen 680. 

Culrn,  Hagen  i.  ll\,  Fauna  397. 

Cyanüglimmerschiefer , Kappiger-Ley, 
Einschlüsse  im  Leucittuff  723. 

? Cylindrella  silesiaca,  Wellenkalk.  Rhön 
' 404. 

Cyprina  islandica.  Postpliocän,  Palermo 
173. 

Dacit . Jesenkoberg  (westl.  Bacher)  611. 

Dacittuff 

Nagyenyed,  sarmatisch  164.  209. 

Siebenbürgen,  sarmatischer  405. 

Dahllit,  Identität  mit  Podolit  97. 

Dauerpräparate  aus  salzartigen , aus  dem 
Schmelzfluß  kristallisierten  Stoffen 
408. 

Decken,  nördl.  Kalkalpen  272. 
siehe  Alpen. 

Deckenschübe,  Ostalpen,  zeitliche  Tren- 
nung 614. 

Deformierte  (mechanisch)  Gesteine,  che- 
mische Veränderungen  593.  634. 

Deister,  siidöstl.,  Strandverschiebungen  im 
Oberjura  438. 

Demonstrationsapparat,  mineralogischer 
181. 

Devon  . 

Eifel,  Dolomit  und  alttriadische  Ver- 
ebnung  269. 

Oberstein  a.  d.  Nahe,  Fossilien  im 
Hunsrückschiefer  652. 

Diabas,  Uruguay,  sü dl.,  und  Kontakt  72. 

Diapositivprojektion,  Apparat  187. 

Diasporbauxit  65. 

Dichte.  Wage  zur  Bestimmung  565. 
siehe  auch  spezifisches  Gewicht  und 
Indikatoren. 

Dictyodora  Zimmermanni,  Untersilur, 
Wünschendorf  a.  Elster  180. 

Diluviale  Wirbeltierfauna,  Steinheim- 
Murr  475.  646. 

Diluvium 

Hannover  51. 

Norddeutschland,  Diskordanz  der 
Schichten  im  Samland  und  im 
Fläming  561. 

siehe  auch  Quartär,  Glazial  etc. 

Diopsid,  Zusammenkristallisieren  mit 
Jadeit  227. 

Disthen  siehe  Cyanit. 

Dogger,  Schwaben  und  Hannover,  Ver- 
gleichung des  unteren  470. 


Dolomit,  mikrochemische  Unterscheidung 
von  Kalkspat  in  Dünnschliffen  44. 

Dolomitfazies  des  Zechsteins,  Spessart  und 
Odenwald  747. 

Dolomitfrage,  Hauptmuschelkalk  in  El- 
saß-Lothringen 584. 

Doppelbrechung 
Messung  580. 

Messung  mit  Hilfe  des  Polarisations- 
mikroskops 388.  427.  464. 

Druck,  ungleichförmiger,  Theorie  J. 
Johnston's  bezüglich  des  Verhaltens 
fester  Stoffe  321. 

Druckfigur,  kristallographische  Orien- 
tierung beim  Muscovit  657. 

Drumlin , Verdeutschung  in  Drümmel  676. 

Drümmel,  Verdeutschung  von  Drumlin 
676. 

Dünnschliffe 

Apparat  zur  Herstellung  126. 
aus  salzartigen  aus  dem  Schmelzfluß 
kristallisierten  Stoffen  408. 

Duppaucr  Gebirge.  Böhmen,  geologische 
Aufnahme  448. 

Dynamometamorphose 
chemische  Veränderung  in  mechanisch 
deformierten  Gesteinen  593.  634. 
Hardangerdecke , Norwegen  327. 

Echinoiden  498.  526. 

Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung 
269. 

Einfache  Schiebungen,  Demonstrations- 
modell 28. 

Eisenkiesknolle  190. 

Eiszeit,  Frankenwald  146. 

Eiszeiten.  Theorie  von  Arrhenius  582 . 769. 
siehe  auch  Glazial. 

Eklogit,  Tromsö  und  Tromsdaltind  129. 

Elbe-Ebene,  Böhmen,  Sinken  während  der 
Diluvial- Akkumulation  91.  122. 

Elephas  antiquus,  meridionalis,  primi- 
genius  und  trogontherii,  Diluvium, 
Steinheim- Murr  475.  646. 

— primigenius  Fraasi  und  die  schwäb. 
Hochterrasse  475.  646. 

Emmerief f -Kliff,  Sylt,  Alter  der  Moräne 
215. 

Enantiomorphismus  und  optische  Ak- 
tivität der  Molekular-  und  Kristall- 
struktur 189. 

Enstatit,  Meteoriten  161. 

siehe  auch  Bronzit  u.  Klinoenstatit. 

Eocän,  nordatlantisches  Gebiet,  Geo- 
graphie 234. 

Epidesmin  422. 

Epidotadinole,  siidl.  Uruguay  68.  77. 

Epidot  schiefer,  Uruguay.,  siidl.  73. 

Epirus,  Geologie  534. 


XI 


Sachregister. 


Eruptivgesteine,  böhmische  Masse,  pri- 
märe Schieferung  772. 

Erzlagerstätten,  Spessart  und  Odenwald, 
Manganerze  749. 

Essexil,  Kaiserstuhl  231. 

.Faulschlamm  mit  freiem  Schwefel  490. 

Fayalit,  Kristalle  in  Ilohofenschlacken 

625. 

Feldspate,  Schmelztemperaturen  331. 

Felsitporphyr,  Südpatagonien  und  Feuer- 
land, chemische  Veränderungen  hei 
mechanischer  Deformation  593. 

Fläming,  siehe  Diluvium. 

Flores,  Gesteine  der  Insel  134. 

Flüssigkeiten.  Indikatoren  zur  Bestim- 
mung des  spezif.  Gewichts  39.  133. 

Flußspat,  Zentralajrika  113. 

Flußspatgänge,  11  ’ölsenberg  (Ober pfalz), 
Pseudomorphosen  von  Quarz  nach 
Kalkspat  353. 

Fornogletscher,  Engadin,  Geologie  246. 

Frankenwald.  Eiszeit  146. 

Frankolit,  Beziehungen^: u Podolit  etc.  101. 

Frittung  der  Sedimente,  südliches  Uru- 
guay 6S. 

Gahbro,  Tromsö  129. 

Galatheiden,  fossile  155. 

Galatheites,  Jura  138. 

Gangunterschiede.  Bestimmung  mittels 
des  Polarisationsmikroskops  464. 

Gasquelle , Kokskär  - Insel , Finnischer 
Meerbusen,  brennende  601. 

Gefrittete  Sedimente,  Uruguay,  siidl.  68. 

Gegenwärtige  tektonische  Bewegungen, 
Hiddensee  (Rügen)  139. 

Geologische  Aufnahmen,  Karten  etc., 
Böhmen,  Duppauer  Gebirge  448. 

Geruch  beim  Reiben  von  Mineralien  660. 

Gewicht,  spezifisches  Indilcatoren  zur  Be- 
stimmung von  Flüssigkeiten  39.  133. 
siehe  auch  Dichte. 

Glazial 

Frankenwald  Eiszeit  146. 

Norddeutschland,  Diskordanz  der 
Schichten  im  Samland  und  im  Flä- 
ming 561. 

Sylt.  Aller  der  Moräne  am  Emmerleff- 
J Kliff  215. 

siehe  auch  Eiszeit. 

Gleitflächen,  siehe  Schiebungen,  ein- 
fache. 

Gletscher,  siehe  Fornogletscher. 

Glimmer,  siehe  Muscovit. 

Glis  glis,  Pleistocän,  Ungarn  14.  15. 

Gneis 

chemische  Veränderung  in  mechanisch 
deformiertem  593.  634. 

böhmische  Masse,  Schieferung  772. 


Gneis 

Norwegen,  anorthositisclier  25. 

Südpatagonien  und  Feuerland  596. 

Gneisbildung,  Europa  326.  523. 

Gösau,  angeblicher  Hauptdolomit,  kein 
Fenster  616. 

Granat 

Umkristallisieren  323. 

Kappiger-Ley,  Einschlüsse  im  Leucil- 
tuff  723. 

Granatamphibolit,  Tromsö  und  Troms- 
daltind  129. 

Granit 

Bachergebirge,  Steiermark  613. 

Fornogletscher,  Engadin  248. 

Sumatra,  Alter  757. 

Granitmassiv,  Lausitz. , Lamprophyre  457. 

Granitmylonit,  Hardangerjökelen  524. 

Graphische  Bestimmung  von  Winkeln 
und  Indizes  in  Zonen  190. 

Gravitations-Anisotropie  der  Kristalle , 
Größenordnung  33. 

Griechenland 

Artemisiongebirge  339. 

Epirus,  Geologie  534. 

Hauerit,  Zersetzung  an  der  Luft  und  Ein- 
wirkung auf  Silber  und  Kupfer  758. 

Hauptdolomit,  Gosau,  angeblicher  616. 

Hauptmuschelkalk,  Elsaß-Lothringen  551. 
584. 

Hebungen,  gegenwärtige,  Hiddensee  (Rü- 
gen) 139. 

Hellas,  Artemisiongebirge  338. 

Hiddensee  (Rügen),  gegenwärtige  tek- 
tonische Bewegungen  139. 

Hochterrasse,  schwäbische  und  Eleplias 
primigenius  Fraasi  475.  646. 

Hoff,  Jacobus  Henricus  van’t,  Ne- 
krolog von  Ernst  Cohen  285. 

Hof  mann,  Adolf,  Nekrolog  721. 

Hohofenschlacken 

mit  Augit  und  Wollaskmit  689. 

mit  Olivin  und  Melilith  625. 

Hornfels,  Mt.  Tibidabo  bei  Barcelona, 
korundhaltiger  26. 

Hunsrückschiefer,  nördl.  Oberslein,  Fos- 
silien 652. 

Ilmenit,  Binnenthal,  Lengenbachstein- 
bruch  126. 

Indikatoren 

für  das  spezifische  Gewicht  von  Flüssig- 
keiten 39. 

aus  Glas  133. 

Indizes  und  Winkel  in  Zonen,  graphische 
Bestimmung  190. 

Inoceramus  balticus,  crassus,  Schloen- 
bachi  u.  var.  cripsioides,  Walters- 
dorfensis  und  Weisei  295  ff. 


XII 


Sachregister. 


Inoceramus  inconstans  undverwandte 
Arten  278.  295. 

— inconstans  var.  plana  284. 

Jadeit,  Zusammenkristallisieren  mit 
Diopsid  227. 

Jesenlcoberg  ( westlicher  Bacher),  Geo- 
logie 610. 

Jodyrit,  Tonopali,  Nevada,  Krist.  385. 

Jura 

Galatliea  155. 

Deister,  oberer,  Strandverschiebungen 
im  südöstlichen  438. 

Deutsch-Osiafrika,  fehlt  81. 

Epirus  535. 

Sarstedt  347. 

Schwaben  und  Hannover,  Vergleichung 
des  unteren  Doggers  470. 

Sumatra,  oberer,  des  westlichen  753. 

Juraklippen,  Allgäuer  und  Vorarlber- 
ger 252. 

Kalkalgen,  Wellenkalk,  Rhön  402. 

Kalkolivin,  Kristalle  in  Hohofenschlacken 
628. 

Kalkspat 

Kristalle  aus  einem  Wasserbehälter 
127. 

mikrochemische  Unterscheidung  von 
Dolomit  in  Dünnschliffen  44. 

Wölsenberg  (Oberpfalz),  Quarz,  pseudo- 
morph nach  K.,  in  den  Flußspat- 
gängen 353. 

Kalkspatkompensator  427.  469. 
siehe  auch  Kompensator. 

Kämmererit,  Unst  (Shetlandsinsel)  591. 

Kappiger-Ley,  Laachtr  See,  Einschlüsse 
im  Leucittuff  721. 

Keil,  doppeltbrechender,  Farbenfolge  580. 

Iieratophyr,  Timor  571. 

Kersantit,  Lausitzer  Granitmassiv  457. 

Kieselsäure,  siehe  auch  Siliciumdioxyd. 

Kieselsäuremineralien,  Noneegen  325. 
520. 

Klinoenstatit,  Meteoriten  161. 

Knollenkalkkomplex,  ladinischer  Süd- 
alpen 508. 

Kohlenflöze  enthalten  Kohlensäure  683. 

Kohlensäure  in  Kohlenflözen  683. 

Kohlensäuretheorie  von  Arrhenius , Wider- 
legung der  E.  Kaysef sehen  Einwände 
582.  769. 

Kokslcär- Insel,  Finnischer  Meerbusen, 
Naturgas  und  Entstehung  601. 

Kolloidale  wasserhaltige  Tonerdesilikate, 
chemische  oder  physikalische  Natur 
699.  728. 

Kolloidmineralien,  Nomenklatur  518. 
768. 

Kompensator , neuer  390. 


Kompensatoren  427. 

ältere  388. 

siehe  auch  Kalkspatkompensator. 

Koenenit,  Sarstedt  449. 

Kontakt,  Tromsö  und  Tromsötind,  Gra- 
natamphibolit  und  Marmor  132. 

Kontaktbildungen 

Mt.  Tibi  dabo  bei  Barcelona  26. 

Uruguay,  siidl.,  Epidotadinole  68. 

Kontaktmetamorphose,  Hörtekollen,  Nor- 
wegen 531. 

Korund,  Kappiger-Ley,  Einschluss  im 
Leucittuff  723. 

Korundhaltiger  Hornfels,  Mt.  Tibidabo 
bei  Barcelona  26. 

Kreide 

Inoceramus  inconstans  und  verwandle 
Arten  295. 

Porosität  der  Sandsteine  245. 

Deutsch-Ostafrika,  Urgon  81. 

Dobrudscha  (Rumänien),  Megalosaur 
rus  in  der  unteren  686. 

Epirus  536. 

Gosau  616. 

Indien,  Systematik  der  Nautiliden  der 
oberen  115. 

Jesenkober g (westl.  Bacher)  613. 

Sarstedt  346.  348. 

Kristall,  Totalreflexion  des  Lichts  577. 

Kristalle 

geometrische  Eigenschaften  und  deren 
Veranschaulichung  durch  geometr. 
Strukturbilder  413. 

Größenordnung  der  Gravitafions- Aniso- 
tropie 33. 

Kristalline  Schiefer,  Spanien  642. 

Kristallmodell.  Apparat  zum  Schneiden 
nach  V.  Goldschmidt  190. 

Kristallographie 

von  Linck  592. 

von  Rinne  591. 

und  Kristalloptik,  graphische  Me- 
thoden 126. 

Kristallographisch-optischer  Demonstra- 
tionsapparat 181. 

Kristallstruktur,  sichtbar  gemacht  durch 
Röntgenstrahlen  590. 

Kristall-  und  Molekularstruktur,  opt. 
Aktivität  und  Enantiomorphismus 
189. 

Iiristallröntgenogrammetrie  260. 

Kristalltheorien,  statische  und  kinetische 
413. 

Labradorit,  St.  John's  Point,  Co.  Down 
126. 

Ladinischer  Knollenkalkkomplex , Süd- 
alpen 508. 

Lamprophyr,  iMusitzer  Granitmassiv  457. 


Sachregister. 


XIII 


Lausitzer  Granitmassiv, Lamprophyre  457. 

Lcucitphoml  ithtu  ff,  Kappiger-Ley. 
Laacher  See,  Einschlüsse  722. 

Leucittinguait porphyr,  Ihringen.  Kaiser- 
stuhl 367. 

Limnaea  turrita  Klein  emend.  Joos  nebst 
rar.  Millen  und  var.  lacusMformis 
(T.  slagnaloides) , Obenniocän,  Ober- 
sehicaben  58. 

Lophiodon,  Braunkohle  Sachsens  351. 

Löslichkeitsschema  KCl,  Mg  CI.,  und 
Hasser  ( Carnallitschema ) 417. 

Ludwigia  sehndensis,  unterer  Dogger, 
Hannover  473. 

Manganerze,  Odenwald  und  Spessart,  im 
Zechst  et  n 749. 

Manganfayalit,  Kristalle  in  Hohofen- 
schlacken  626. 

Maucherit,  Mansfelder  Kupferschiefer- 
rücken 225. 

Mechanisch  deformierte  Gesteine,  chemi- 
sche Veränderungen  593.  634. 

Megalosaurus  in  der  Unterkreide,  Do- 
brudscha  ( Rumänien ) 686. 

Melaphyr,  Uruguay,  südl.,  und  Kontakt 
70. 

Meldith,  Kristalle  in  Hohofensclüacken 
625.  631. 

Melonaena  Deschmanni  und  Rotkyana 
303. 

Metamorphose 
böhmische  Maße  784. 
siehe  auch  Kontakt-,  Dynamometa- 
morphose  etc. 

mechanische,  siehe  deformierte  Ge- 
steine. 

Meteoreisen,  Cartliage,  Tennessee , Struk- 
tur 17.  261. 

Meteoriten 
Klinoenstalil  161. 

Baroti  (Pendschab,  Indien),  Sept. 
1911.  590. 

Microtus  ratticeps,  Löß,  Alf  old  15. 

Mikrochemische  Untersuchung  fein  ver- 
teilter Carbonate  in  Gesteinsdünn- 
schliffen 44. 

Mikrophotographischer  Apparat  181. 

Mikroskop,  siehePolarisationsmikroskop. 

Minenlchemie,  Doelter  169. 

M inevallager  statten, 

England.  Cornwall,  Virtuous  Lady- 
Grube  bei  Tavi stock  126. 
Montgomeryshire  412. 
siehe  auch  Erzlagerstätten. 

Mineralogie 
L.  P.  Gratacap  128. 

Alexander  H.  Phillips  127. 
siehe  auch  bestimmende  Mineralogie. 


Mineral  Varietäten,  Nomenklatur  518. 768. 

Molekular-  und  Kristallstruktur,  opt. 
Aktivität  und  Enantiomorphismus 
189. 

Moschusochsen,  Diluvium,  Belgien  178. 

Muschelkalk 

Elsaß- Lothringen,  Haupt-  551.  584. 

Rhön,  Kalkalgen  im  Wellenkalk  402. 

Mitsamt,  kristallographische  Orientierung 
mittels  Biegungs-  und  Aetzfiguren 
657. 

Mylonit  599.  637 . 

Hardangerjökelen,  Granit-  524. 

Myriopora  Verbeeki,  oberer  Jura,  West- 
Sumatra  754. 

XatroUth.  Krislallform  und  Aetzerschei- 
nungen  304. 

Naturgas.  Insel  Kokskär  im  Finnischen 
Meerbusen  601. 

Nautüiden,  Systematik  der  obercrelaci- 
schen  115. 

Nekrolog 

Friedrich  Teller  119. 

Hofmann,  Adolf  721. 

van’t  Hoff  von  E.  Cohen  285. 

Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und 
Kolloidmineralien  518.  758. 

Nordatlantisches  Gebiet,  eoeäne  Geo- 
graphie 234. 

Norwegen 

Geologie  324.  520. 

— , Kritik  J.  Königsbergers  324. 

Olivin,  Kristalle  in  Hochofenschlacken 
625. 

Oolith,  Zentralafrika,  mariner  (?)  112. 

Optische  Aktivität  und  Enantiomor- 
phismus  der  Molekular-  und  Kri- 
stallstruktur 189. 

Ovibos  moschatus,  Diluvium , Belgien  178. 

Packung  losen  Sandes  242.  681. 

Parcigonit,  Ochsenkopf  in  Sachsen,  ent- 
standen aus  Phyllit  203. 

Periklas,  optische  Verhältnisse  516. 

Perm 

Eigin,  Schottland,  fossil  führende  Sand- 
steine 617. 

Odenwald  und  Spessart,  Zechslein  742. 

Permutit  748. 

Petrochemische  Untersuchungen  481. 

Phonolithtuff  siehe  Leueitphonolithtuft. 

Phosphorit,  Podolien  und  ähnliche  Mine- 
ralien 97. 

Phyllit,  Ochsenkopf  in  Sachsen,  Umwand- 
lung in  ein  dichtes  Paragonitgestein 
203. 

Pisolith,  Mansfelder  Flözgebirge  337.  457. 

Pleistocän, 

Ungarn  13. 


XIV 


Sachregister. 


Pleistocän 

Ungarn , Umgegend  von  Tata  109. 

siehe  auch  Quartär. 

Podolit , Podolien.  Identität  mit  Dahllit  97. 

Polarisationsmikroskop 

Messung  der  Doppelbrechung  427. 

elementare  Anleitung  von  Rinne  318. 

Porphyrit,  Jesenkoberg  (wesll.  Bacher), 
Gänge  610. 

Porphyroidformation,  Südpalagonien  und 
Feuerland,  chemische  Veränderungen 
bei  mechanischer  Deformation  593. 

Postpliocän,  Palermo,  Cyprina  islandica 
173. 

siehe  auch  Quartär. 

Primärschieferung  innerhal  bder  böhm. 
Masse  772. 

Projektion,  siehe  stereographische  Pro- 
jektion 413. 

Projektionsapparat-  mikroskopischer  1S2. 

Pseudomorphose.  Quarz  und  Kalkspat, 
W olsenberg  (Oberpfalz)  in  den  Fluß- 
spatgängen 353. 

Pseudomorphosen,  Spateisenstein  nach 
Flußspat  und  Schwerspat,  Tavistock 
126. 

P scudospontane  Evolution,  Artenbildung 
27. 

Pseudo  suchier,  Vorfahren  der  Ptero- 
saurier  und  Vögel  480. 

Quartär 

Packung  diluvialer  und  rezenter  Sande 
242.  681. 

Belgien,  Moschusochse  178. 

Bithynische  Halbinsel  1. 

Böhmen,  Sinken  der  Elbe-Ebene  wäh- 
rend der  Diluvial- Akkumulation  91. 

Frankenwald,  Eiszeit  146. 

Hannover,  Diluvium  51. 

Iiokskär- Insel,  Finnischer  Meerbusen 
601. 

Kroatien,  Karst,  Fauna  17. 

Norddeutschland , Diskordanz  diluvialer 
Schichten  im  Samland  und  im 
Fläming  561. 

Palermo,  Cyprina  islandica  im  Post- 
pliocän 173. 

Schwaben,  Hochterrasse,  Schotter  und 
Elephas  primigenius  Fraasi  475. 646. 

— , Steinheim- Murr,  diluviale  Wirbel- 
tierfauna 475.  646. 

Ungarn,  Pleistocän  13.  109. 
siehe  auch  Postpliocän  u.  Pleistocän. 

Quarz 

U eher  gang  in  Tridymit  und  Crislo- 
balil  680. 

Verhältnis  zu  Quarzin  und  Chalcedon 
356. 


Quarz 

Wölsenberg  (Oberpfalz),  Pseudomor- 
phose nach  Kalkspat  in  den  Fluß- 
spatgängen 353. 

Quarz  in  und  Chalcedon,  Verhältnis  zu 
Quarz  356. 

Quarzit  Herschbach  (Westerwald),  ter- 
tiärer, Entstehung  676. 

Quarzitsandstein,  Uruguay,  südlich,  ge- 
f rittet  78. 

Rehgehörn,  pleistocäner  Süßwasserkalk, 
Süttö  16. 

Reiben  von  Mineralien,  Geruch  660. 

Reptil  führender  Sandstein,  Eigin,  Schott- 
land 617. 

Rhönitbasalt,  Böhm.  Mittelgebirge  195. 

Ries,  Grundgebirge  752. 

Röntgenstrahlen  machen  die  Kristall- 
struktur sichtbar  590. 

Salzablagerungen,  ozeanische,  Bildung 
nach  van’t  Hoff  286. 
siehe  auch  Steinsalz. 

Salzartige  Stoffe , aus  dem  Schmelzfluß 
kristallisiert  408. 

Salzkammergut,  Decken  272. 

Samland,  siehe  Diluvium. 

Sand,  Packung  des  losen  681. 

Sande,  Packung  tertiärer,  diluvialer  und 
rezenter  242. 

Sandstein 

Porenvolumen  242. 

Uruguay,  gefrittet  78. 

Sanidin,  Laacher  See,  Schmelztempera- 
tur 335. 

Sanidinit,  Kappiger-Ley,  im  Leucittuff 
725. 

Sapropele  mit  freiem  Schwefel  490. 

Schafberggruppe,  Tektonik  272. 

Schiebungen,  einfache,  Demonstrations- 
modell 28.  123. 

Schlacken , siehe  auch  Hohnfen- 
schlacken. 

Schleif äpparat  126. 

Schmelzpunkte  der  Silikate,  Unterschiede 
in  den  Angaben  513. 

Schmelztemperatur,  Sanidin,  Laacher  See 
335. 

Schmelztemperaturen,  Vergleichung  der 
optischen  und  der  thermischen  Me- 
thode zur  Bestimmung  328. 

Schwefel,  freier,  in  Sapropelen  490. 

Sedimente,  gefritteie,  südl.  U ruguay  68. 

Shonkinitisch-theralilische  Gesteine,  Ti- 
mor 573. 

Siebenschläfer,  Pleistocän,  Iiöszeg.  Un- 
garn 14. 

Silber,  Pfalz,  Beweglichkeit  in  Zinnober- 
erde 257. 


Sachregister. 


XV 


Siliciumdioxyd,  Milna,  Insel  Brau,  Dal- 
matien, mehliges,  Beziehung  zur 
Bauxitfrage  6 68. 

Silikate,  Unterschiede  in  der  Angabe  der 
Schmelzpunkte  513. 

Sülimanit,  Kappiger-Ley,  Einschluss  im 
Leucittuff  723. 

Silur 

Esthland.  Gliederung  des  höheren  Unler- 

712. 

II iittehenberg  bei  Wünschendorf  a.  El- 
ster, Dictyodora  Zimmermanni  und 
Palaeodictyum  Eiseleanum  ISO. 

Sodalithsyenit  Hradlischka  westl.  Groß- 
priesen a.  Elbe,  Urausscheidungen 
und  Einschlüsse  767. 

Spateisenstein,  Tavistock , Pseudomor- 
phosen  nach  Flußspat  und  Schwer- 
spat 126. 

Spessartit,  Lausitzer  Granitmassiv  462. 

Spezifisches  Gewicht  von  Flüssigkeiten 

Indikatoren  zur  Bestimmung  39. 

Indikatoren  aus  Glas  133. 
siehe  auch  Dichte. 

Sporogelit  und  Bauxit  193. 

Sporogelitbauxit  65.  - 

Staffelil,  Beziehung  zu  Frankolit  etc.  101. 

Staurolithglimmerschiefer,  Kappiger-Ley, 
Einschlüsse  im  Leucittuff  7 23. 

Steiermärkisches  Landesmuseum,  Graz, 
Mineralogische  Abteilung  512. 

Steinsalz,  Translation  696.  698. 
siehe  auch  Salz. 

Stereographische  Projektion,  neuer  Trans- 
porteur 413. 

Slrandver Schiebungen,  Oberjura,  südöstl. 
Deister  438. 

SlrontianU,  Mansfdder  Flözgebirge,  in 
Pisolithen  337. 

Strukturbilder  zur  Veranschaulichung 
der  geometrischen  Eigenschaften 
der  Kristalle  413. 

Sumatra,  Geologie  753. 

Sumbava,  Gesteine,  Osann' sehe  Werte 
139. 

Syenit,  siehe  auch  Sodalithsyenit. 

Sglt.  Alter  der  Moräne  des  Emmerleff- 
Iiliff  215. 

Teller,  Friedrich,  Nekrolog  119. 

Temperatur  der  Atmosphäre,  abhängig 
vom  COz-Gehalt  der  Luft  583.  769. 

Terra  rossa,  siehe  Bauxitfrage. 

Terrasse,  siehe  auch  Hochterrasse. 

Tertiär 

Packung  der  Sande  242.  681. 

Epirus  536. 

Herschbach,  Westerwald,  Entstehung 
von  Quarziten  676. 


Tertiär 

Nordatlantisches  Gebiet,  eoeäne  Geo- 
graphie 234. 

Sachsen,  Lophiodon  in  der  Braun- 
kohle 351. 

Siebenbürgen,  uniersarmaiischer  Dacil- 
tuff  405. 

Teschen,  am  Karpathenrande  über- 
schoben 85. 

Ungarn,  Nagyenyed , sarmatisch  164. 
209. 

Testudo  Riedli  Sotzka-Schichten,  Trifail 
381. 

Theralitisch-shonkinitische  Gesteine,  Ti- 
mor 573. 

Timor,  Gesteine  der  Alkalireihe  570. 

Titaneisen,  siehe  llmenit. 

Tone,  siehe  Tonerdesilikate  und  Alu- 
minatsilikate. 

Toner desilikate,  kolloidale  wasserhaltige, 
chemische  oder  physikalische  Natur 
699.  728. 

Topas,  Neu-Braunschweig  (Kanada), 
Kristallhabitus  590. 

Totalreflexion  des  Lichts  an  einem 
Kristall  577. 

Trachyt,  siehe  auch  Alkali  trachyt. 

Transporteur , neuer  stereographischer  413. 

Trias 

Eifel,  alttriadische  Yerebnung  und 
Eifeldolomit  269. 

Eigin,  Schottland,  fossilführende  Sand- 
steine 617. 

Elsaß-  Jjothr innen , Hau 'plwiuscJiclIccilk 
551.  584. 

Epirus  544. 

nördliche  Kalkalpen  272. 

Ithön  Kalkalgen  im  Wellenkalk  402. 

Südalpen,  ladinischer  Knollenkalkkom- 
plex 508. 

Tridymit  und  Cristobalii  aus  Quarz 
entstanden  680. 

Tromsö,  Granatamphibolit  u.  Eklogit  129. 

Tundrafauna,  Köszeg,  Ungarn  14. 

Ueberschiebungsd ecken,  Alpen  435. 

Urgon,  Deutsch-Ostafrika  81. 

Vogelarten , neue  pleistocäne,  Felsnische 
Puskaporos  bei  Hamor,  Ungarn  13. 

Vorarlberger  Juraklippen  252. 

Vulkane,  Systematik  und  Nomenklatur 
von  Ii.  Schneider  104. 

Vulkanische  Erscheinungen 

Aetna  und  Japan  379. 

der  Erde  102. 

Wage  zur  Dichtebestimmung  565. 

Wagschalen  und  Gewichte,  chinesische, 
aus  Amethyst,  für  Edelsteinhänd- 
ler 190. 


XVI 


Sachregister. 


Wasserhaltige  kolloidale  Tonerdesilikate , 
ehern,  und  physik.  Natur  699.  728. 
Wellenkalk,  Rhön,  Kalkalgen  402. 
Wherry’s  Nomenklatur,  siehe  Nomen- 
klatur. 

Winkel  und  Indizes  in  Zonen,  graphische 
Bestimmung  190. 

Wollastonit  in  Hohofenschlacken  689. 694. 
Württemberg.  Bodenschätze  191. 


Zechstein,  Spessart  and  Odenwald  742. 

Zeolithe,  siehe  Tonerdesilikate,  wasser- 
haltige, kolloidale. 

Zinnchlorür,  Verhalten  zu  K CI  und  Na  CI 
beim  Kristallisieren  aus  dem  Schmelz- 
fluß 373. 

Zinnobererde,  Pfalz,  Beweglichkeil  des 
Silbers  257. 

Zinnstein , Zwillinge  126. 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  etc. 


1 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  der  Bithynischen 

Halbinsel. 

Von  P.  Kessler. 

Überblickt  man  von  irgend  einer  Höhe  Bithyniens  das  Land, 
so  sieht  man  sofort,  daß  man  sich  auf  einer  ehemaligen  Ebene 
befindet,  die  den  Eindruck  eines  Berglandes  nur  durch  die  mehr 
•oder  minder  tief  eingeschnittenen  Täler  erweckt.  Philippson 
schildert  diesen  Eindruck . den  er  auf  dein  Gipfel  des  Bulgurlu 
(auch  Biijük  Tscliamlidja  genannt)  empfangen  hat,  mit  folgenden 
Worten  1 : 

„Wenn  man  von  dem  kahlen  Gipfel  des  Berges  nach  Norden 
blickt,  könnte  man  sich  auf  eine  Höhe  unseres  Rheinischen  Schiefer- 
gebirges versetzt  glauben,  so  völlig  stimmen  die  Formen  und 
Farben  der  Landschaft  überein. L 

Den  Hauptgrund  dieser  Ähnlichkeit  anführend  fährt  er  fort: 
„Auch  hier  entspricht  die  Oberfläche  nicht  dem  verwickelten 
Faltenbau,  sondern  bildet,  wenn  wir  uns  die  Erosionstäler  zu- 
geschiittet  denken,  eine  fast  ebene  Hochfläche  von  200 — 300  nt 
Meereshöhe , die  von  unserem  Standpunkt  etwas  nach  Norden  an- 
steigt, nur  hie  und  da  von  einer  flachen  runden  Kuppe  oder  Rücken 
überragt , wo  ein  härteres  Gestein  , namentlich  Quarzit , auftritt. 
Es  ist  eine  typische  Denudatiousfläclie.“ 

Wohl  alle  Geologen  und  Geographen , die  das  Land  bereist 
haben,  haben  denselben  Eindruck  gehabt  ; ich  erwähne  nurFrrzNER2 
und  Cvijic3 4. 

Auch  auf  der  europäischen  Seite  des  Bosporus  läßt  sich  diese 
Fläche  ungefähr  in'  derselben  Höhe  nachweisen,  und  zwar  hat  die 
Einebnung  in  gleicher  Weise  Devon  und  Tertiär  betroffen +.  Be- 
reits 1870  gab  Hochstetter5  an,  daß  auf  dieser  Hochfläche  im 
Belgrader  Wald  (nördlich  Konstantinopel)  hauptsächlich  aus  Quarz, 

1 Geologische  und  geographische  Wahrnehmungen  auf  einer  Orient- 
reise. Sitzungsber.  Naturhist.  Ver.  preuß.  Rheinlande  usw.  1897.  p.  20. 

2 Forschungen  auf  der  Bithynischen  Halbinsel.  Rostock  1903.  p.  137. 

3 Grundlinien  der  Geographie  und  Geologie  von  Macedonien  und  Alt- 
serbien. Ergänzungsheft  162  zu  Petermann’s  Mitt.  p.  376. 

4 Philippson  a.  a.  0.  p.  25. 

5 Die  geologischen  Verhältnisse  des  östlichen  Teiles  der  europäischen 
Türkei.  Jahrb.  k.  k.  Geol.  Reichsanst.  1870.  20.  p.  365. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


1 


2 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


aber  auch  Kieselschiefer,  Hornstein  und  Jaspis  bestehende  Schotter 
in  etwa  10  m Mächtigkeit  liegen1.  Man  könnte  daher  leicht  ver- 
anlaßt sein,  die  Gerolle  und  die  Einebnung  einem  sehr  breiten 
alten  Flußlaufe , den  man  als  Urbosporus  ansehen  könnte , zuzu- 
schreiben. Damit  steht  jedoch  im  Widerspruch,  daß  auch  in  weit 
nach  Osten  gelegenen  Teilen  der  Bithynischen  Halbinsel  sich  so- 
wohl die  Hochfläche  wie  die  Geröllablagerungen  feststellen  lassen. 
Sie  nehmen  jedoch  nicht  durchweg  dieselbe  Höhenlage  ein,  so  daß 
man  gezwungen  ist,  entweder  ursprüngliche  Ablagerung  in  ver- 
schiedenem Niveau  oder  nachträgliche  Störungen  anzunehmen. 
Beide  Möglichkeiten  zieht  auch  Philippson  in  Betracht,  wenn  auch 
nur  für  das  beschränkte  Gebiet  im  Nordosten  des  Bosporus;  dort 
läuft  ein  etwas  über  die  übrige  Fastebene  sich  erhebender  Rücken 
rechtwinkelig  zum  Schichtstreichen  von  West  nach  Ost  der  Küste 
des  Schwarzen  Meeres  entlang.  Trotzdem  er  aus  verschieden 
harten  Gesteinen  besteht,  hat  er  eine  fast  ebene  Oberfläche. 

Sehr  viel  bedeutendere  Höhenunterschiede  zeigen  sich  weiter 
im  Osten  der  Halbinsel,  doch  stets  haben  die  Bergzüge  eine  ab- 
geflachte Oberfläche  und  auch  die  höheren  unter  ihnen  sind  häufig 
mit  Schotter  bedeckt.  Die  Bergzüge  des  Devons , die  der  Trias 
und  die  der  Kreide  zeigen  hierin  keinerlei  Unterschied. 

Da  aber  diese  abgeflachten  Bergformen  nicht  nur  in  zwei 
oder  drei , sondern  in  mehreren  verschiedenen  Höhenlagen  Vor- 
kommen, möchte  ich  ihren  Niveauunterschied  zum  größten  Teile 
eher  auf  nachträgliche  Verschiebungen  bezw.  verschieden  starke 
Hebung  zurückführen , als  sie  als  Reste  ursprünglich  verschieden 
hoher  Denudationsflächen  ansehen,  wenn  ich  auch  nicht  bestreiten 
will,  daß  auch  hier  vielleicht  primäre  Unterschiede  Vorkommen 
können.  In  manchen  höheren  Bergen,  vor  allem  in  denen,  deren 
Höhe  aus  Quarzit  besteht , wird  man  wohl  auch  Härtlinge  zu 
erblicken  haben. 

Nach  dem  bisher  Gesagten  ist  also  die  Bithynische  Halbinsel 
eine  alte  Peneplain,  die  ungleichmäßig  gehoben  wurde.  Die  Zeit 
der  Bildung  dieser  Peneplain  ist  nicht  ohne  weiteres  klar.  In 
den  Schottern  sind  bisher  auf  asiatischer  Seite  keine  Versteine- 
rungen gefunden  worden  mit  Ausnahme  eines  Kieselholzes 2.  Auf 
dieses  eine  Fossil , dessen  Bestimmung  mißlich  ist  und  das  schließ- 
lich auch  eingeschwemmt  sein  kann,  eiue  Zeitbestimmung  zu  gründen, 
scheint  mir  nicht  angebracht. 

1 Schon  Tchihatcheff,  Asie  mineure  Abt.  4.  3.  p.  393,  erwähnt  die 
Gerolle,  sowohl  von  der  europäischen  Seite  von  der  Umgegend  von  Pirgos 
im  Belgrader  Wald,  wie  von  der  asiatischen  von  Arnautkiöi  und  anderen 
Punkten  beider  Seiten,  ist  sich  aber  über  ihre  Herkunft  und  Stellung 
keineswegs  im  klaren. 

2 Kessler,  Zum  geologischen  Aufbau  der  Bithynischen  Halbinsel. 
Dies.  Centralbl.  1909.  p.  6'57. 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel.  3 

Die  Schotter  bestehen  hauptsächlich  aus  Quarzit  und  Kiesel- 
schiefer.  Die  Schotter  vom  Belgrader  Wald,  die  gleiche  Zusammen- 
setzung haben  und  wohl  auch  nach  ihrer  Lage  als  gleichaltrig 
anzusehen  sind,  wurden  von  Hochstetter  den  Belvedereschottern 
des  Wiener  Beckens  wegen  ihrer  lithologischen  Ähnlichkeit  gleich- 
gestellt. Ich  halte  es  für  äußerst  gewagt,  Flußablagerungen  so 
weit  entfernter  Gebiete  wegen  ihres  gleichen  Aussehens  gleiches 
Alter  zuzuerkennen  und  möchte  vorziehen,  das  Alter  der  Schotter 
vorläufig  unbestimmt  zu  lassen. 

Eine  Peneplain  kann  sich  nur  in  einem  Gebiete  bilden,  das 
von  der  Erosionsbasis  nur  durch  minimalen  Höhenunterschied  ge- 
trennt ist.  Die  Niveauverschiebung  gegen  die  jetzige  Erosions- 
basis muß  in  ihrem  Maximum  so  viele  Meter  betragen,  wie  jetzt 
die  höchsten  Reste  der  Peneplain  sich  über  das  Meer  erheben. 
Daß  aber  die  Verschiebung  der  Erosionsbasis  nicht  allein  durch 
ein  Sinken  des  Schwarzen  Meeres  veranlaßt,  sondern  auch,  und 
wohl  hauptsächlich,  auf  ein  Auf  steigen  der  alten  Peneplain  zurück- 
zuführen ist,  scheint  mir  durch  die  verschiedene  Höhenlage,  bezw. 
durch  das  im  folgenden  noch  zu  zeigende  Fallen  der  Peneplain  nach 
Norden,  mindestens  sehr  wahrscheinlich.  Wäre  das  letztere  allein 
durch  eine  Senkung  im  Norden,  nicht  auch  durch  eine  Hebung 
im  Süden  veranlaßt,  so  hätte  in  der  Vorzeit  das  Schwarze  Meer, 
die  Erosionsbasis,  einen  ebenso  hohen  Stand  gehabt  haben  müssen, 
wie  jetzt  die  Rücken  der  abradierten  Höhen  liegen,  müßte  es  also 
ungefähr  600  m höher  gestanden  haben  als  jetzt.  Dafür  lassen 
sich  aber  keinerlei  Beweise  anführen.  Es  muß  vielmehr  eine 
Hebung  der  Peneplain  angenommen  werden. 

Die  höchsten  Höhen  liegen  im  allgemeinen  im  Süden  der 
Halbinsel.  Unmittelbar  vom  Golfe  von  Ismid  steigen  sie  bei  Hereke 
bis  zu  600  m an.  Hat  man  den  steilen  Anstieg  überwunden,  so 
stellt  man  oben  auf  einem  fast  ebenen  Gelände,  in  das  nur  einzelne 
tiefe  nach  Süden  verlaufende  Täler  eingeschnitten  sind.  Nacli  Norden 
senkt  sich  im  allgemeinen  die  Fastebene;  die  Höhe  der  Bergflächen 
in  der  Nähe  des  Schwarzen  Meeres  beträgt  im  Höchstfälle  nur- 
mehr etwa  150  — 200  m.  Doch  auch  hier  sind  Ausnahmen.  So 
steigt  der  Kurudju  Tepe,  den  ich  aus  eigener  Anschauung  nicht 
kenne,  nach  der  dem  Buche  von  Fitzner  beigegebenen  Karte  bis 
zu  600  m an. 

Daß  trotz  vereinzelter  Ausnahmen  die  Senkung  nach  Norden 
ziemlich  regelmäßig  ist,  beweist  die  Richtung  aller  größeren 
Wasserläufe.  Die  nach  Süden  mündenden  Bäche  haben  alle  ihren 
Ursprung  nahe  der  Südküste,  während  z.  B.  der  Giök  Su,  der  in 
das  Schwarze  Meer  mündet,  seine  Quelle  nur  etwa  3 km  nördlich 
des  Golfes  von  Ismid  hat. 

Die  Wasserscheiden  zwischen  den  nach  Norden  und  nach  Süden 
fließenden  Bächen  sind  meist  niedrig.  So  liegt  die  Wasserscheide 

1* 


4 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


zwischen  dem  östlich  Pendik  in  den  Golf  von  Ismid  mündenden 
Biijük  Dere  und  dem  nach  Norden  in  den  Riwa  Dere  abfließenden 
Domus  Dere  nur  in  etwa  100  m Meereshöhe,  während  sich  ringsum 
die  Höhen  bis  auf  über  200  m erheben.  Die  nach  Süden  mündenden 
Bäche  scheinen  also  räuberisch  in  das  Gebiet  der  nach  Norden 
entwässernden  eingedrungen  zu  sein.  In  früherer  Zeit  haben 
demnach  die  nach  Süden  laufenden  Bäche  eine  noch  geringere  Länge 
gehabt  als  jetzt. 

Trotzdem  haben  viele  von  ihnen  ein  unverhältnismäßig  breites 
Tal.  Zwischen  Daridja  und  Hereke  mündet  ein  Bach,  das  Dil 
Dere,  der  nur  etwa  1 1 km  lang  ist  und  den  man  3 oder  4 km 
vor  seiner  Mündung  zur  Not  noch  überspringen  kanu.  Sein  in 
die  Kreide  nnd  Triasschichten  eingeschnittenes  Tal  ist  trotzdem 
weit  über  1 km  breit.  Es  scheint  mir  klar,  daß  dieser  Bach  nicht 
das  breite  Tal  gebildet  haben  kann , selbst  wenn  man  andere 
klimatische  Verhältnisse  in  der  Vorzeit  annimmt.  Da  aber  ganz 
allgemein,  wie  gesagt,  die  nach  Süden  abfließenden  Bäche  in  das 
Gebiet  der  nach  Norden  fließenden  Vordringen,  muß  auch  er  früher 
einen  noch  kürzeren  Lauf  und  wahrscheinlich  eine  noch  geringere 
Wassermenge  gehabt  haben.  Von  dem  nach  Norden  fließenden 
ebenfalls  Biijek  Dere  heißenden  Bach,  der  in  seinem  weiteren 
Verlauf  als  Riwa  Dere  zum  größten  Wasserlauf  der  Halbinsel 
wird,  oder  vielmehr  von  einem  seiner  Nebenbäche,  trennt  ihn  nur 
eine  niedrige  Schwelle,  da  beide  Bäche  durch  ein  4 km  breites 
sanftes  Tal  zwischen  den  Ortschaften  Denlisli,  Airan  und  Djumakiöi' 
verbunden  sind  L Doch  auch  das  Biijiik  Dere  bezw.  sein  Neben- 
bach kann  nicht  das  Tal  des  Dil  Dere  gebildet  haben,  da  für  ihn 
im  Süden  nur  ein  Niederschlagsgebiet  von  wenigen  Kilometern 
vorhanden  gewesen  wäre,  das  auch  unter  den  günstigsten  Um- 
ständen niemals  die  nötigen  Wassermassen  geliefert  hätte,  um  ein 
derartiges  Tal  auszutiefen.  Es  bleibt  also  nur  die  einzige  Mög- 
lichkeit , daß  dieses  Tal  bereits  gebildet  wurde , als  die  topo- 
graphischen Verhältnisse  der  Halbinsel  noch  ganz  anders  waren. 
Nur  ein  Fluß  mit  sehr  viel  größerer  Wassermenge,  was  in  diesem 
Falle  gleichbedeutend  mit  einem  längeren  Lauf  erscheint,  kann 
dieses  Tal  ausgetieft  haben.  Wäre  der  Fluß  von  Norden  ge- 
kommen, so  müßte  eine  Umkehrung  der  Höhenverhältnisse  in  der 
Art  stattgefunden  haben,  daß  früher  der  nördliche  Teil  der  Halb- 
insel ein  höheres  Niveau  eingenommen  habe,  als  der  südliche. 
Für  eine  derartige  schaukelnde  Bewegung  der  ganzen  Halbinsel 
um  ihre  Längsachse  haben  wir  keinerlei  Anhaltspunkte.  Kam 
der  Fluß  von  Süden,  so  kann  er  das  Tal  nur  gebildet  haben,  als 
an  Stelle  des  jetzigen  Golfes  von  Ismid  noch  ein  Land  lag,  das 
zu  seinem  Niederschlagsgebiet  gehörte. 


v.  d.  Goltz  , Anatolische  Ausflüge.  (Zit.  nach  Fitzxer,  a.  a.  0.) 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel.  5 

Nun  hat  Hörnes  in  neuerer  Zeit  gezeigt1 2,  daß  der  alte 
Flußlauf  des  Bosporus  nicht  wie  der  jetzige  Meeresstrom  sein 
Wasser  von  Nord  nach  Süd,  sondern  in  umgekehrter  Richtung 
ergoß.  Im  Süden  hat  also  höchstwahrscheinlich  zu  dieser  Zeit 
das  Marmarameer  noch  nicht  bestanden,  sondern  an  seiner  Stelle 
hat  ein  Festland  gelegen.  Auf  dieses  haben  ja  viele  Forscher, 
teilweise  auch  aus  anderen  Gründen,  deren  Anführung  hier  zu 
weit  führen  würde,  geschlossen. 

Man  kann  daher  sehr  wohl  annehmen,  daß  das  vorhin  er- 
wähnte Flußtal  der  bithynischen  Halbinsel  ebenfalls  aus  einer  Zeit 
stammt,  in  der  der  Golf  von  Ismid  noch  nicht  gebildet  war. 

Stimmt  diese  Annahme,  so  muß  man  auch  auf  dem  der 
bithynischen  Halbinsel  jenseits  des  Golfes  von  Ismid  gegenüber- 
liegenden Festlande  noch  jetzt  einen  Fluß,  oder  wenigstens  ein 
Flußtal  linden,  das  in  der  südlichen  Verlängerung  des  erwähnten 
Flußtales  liegt. 

Gegenüber  der  Mündung  des  Dil  Dere  liegt  in  noch  nicht 
3 kin  Entfernung  von  der  Nordküste  des  Golfs  das  etwa  6 km 
nach  Norden  vorspringende  Dil  Burnu.  Von  der  Mündung  des 
Baches  aus  gesehen  schiebt  es  sich  wie  ein  schmaler  niedriger 
Wall  zwischen  den  westlichen  und  östlichen  Teil  des  Golfes  von 
Ismid.  Man  bleibt  bei  seinem  Anblick  keinen  Augenblick  darüber 
im  Zweifel,  daß  es  im  wesentlichen  aus  ganz  jungen  Anschwem- 
mungen besteht,  wenn  auch  nach  Tchihatcheff  2 eine  kleine  Stelle 
mit  anstehendem  festen  Gestein  vorkommt.  In  der  Tat  mündet 
an  der  einen  Seite  der  Landzunge  das  Yalak  Dere,  das,  etwas 
nördlich  des  Isnik  Giöl  (Giöl  = See)  entspringend,  einen  Lauf  von 
über  20  km  hinter  sich  hat.  Dieser  Wasserlauf  scheint  sehr 
wohl  imstande  gewesen  zu  sein,  das  Tal  des  ihm  jetzt  gegenüber 
mündenden  Baches  in  seinem  Oberlauf  auszutiefen. 

Inwieweit  sich  ähnliche  Beobachtungen  an  anderen  Bächen 
Bithyniens  machen  lassen,  ist  mir  nicht  bekannt.  Ein  Beibringen 
anderer  Beispiele  wäre  jedenfalls  sehr  wünschenswert. 

Wir  kommen  aber  auch  so  zu  dem  Schluß , daß  die  alte 
Peneplain  der  Halbinsel  samt  dem  gegenüber  liegenden  Teil  des 
kleinasiatischen  Landes  zuerst  gehoben  wurde,  und  daß  dann  erst 
der  Einbruch  des  Golfes  von  Ismid  erfolgte.  Nach  Osten  sehen 
wir  den  Golf  in  den  Sabandjasee  verlängert,  der  etwa  36  m über 
dem  Meeresspiegel  liegt  und  ungefähr  17  km  westlich  des  Golfes 
von  Ismid  beginnt.  Da  seine  Erstreckung  ebenfalls  Ost-West  ist 
und  er  in  der  Verlängerung  des  Golfes  von  Ismid  liegt,  darf  man 
annehmen,  daß  er  an  denselben  Spalten  wie  dieser  abgesunken  ist. 


1 Die  Bildung  des  Bosporus  und  der  Dardanellen.  Sitzungsber.  kais. 
Akad.  Wien,  math.-naturw.  Klasse.  118.  Abt.  I.  Juni  1909. 

2 Asie  mineure.  Abt.  4.  3.  p.  395. 


6 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


Die  anatolische  Balm  benutzt  zwischen  dem  Gotr  und  dem  See 
ein  Tal.  das  sich  an  seiner  höchsten  Stelle  nur  wenige  Meter  über 
den  Spiegel  des  Sabandja  erhebt.  Der  Sabandja  wird  jetzt  nach 
Nordosten  durch  den  Tscliark  Su  in  den  Sakaria  entwässert,  es 
ist  aber  wohl  kaum  ein  Zweifel  möglich,  daß  dieses  Tal  einen 
alten  Abfluß  des  Sees  in  den  Golf  von  Isinid  darstellt,  da  eine 
Verbindung  in  umgekehrter  Richtung  äußerst  unwahrscheinlich 
erscheint. 

Der  Sakaria  fließt  jetzt  etwa  6 km  östlich  des  Sabandjasees 
nach  Norden  und  liegt  auf  ungefähr  gleicher  Höhe  wie  dieser  See. 
Das  Land  zwischen  See  und  Fluß  ist  flach,  so  daß  die  Vermutung 
nahe  liegt,  daß  der  Sakaria  einst  in  den  Sabandja  geflossen  sei 
und  durch  diesen  seinen  Abfluß  in  den  Golf  von  Ismid  genommen 
habe.  Mächtige  Schottermassen , die  nach  Tchihatcheff  1 am 
Ostende  des  Sees  liegen,  nach  Westen  aber  an  Mächtigkeit  ab- 
nehmen und  schließlich  auskeilen,  scheinen  die  Vermutung  zu 
bestätigen.  Demnach  hat  wahrscheinlich  der  nach  demselben 
Autor  im  Unterlauf  enge  Sakaria  seinen  Abfluß  nach  Norden  erst 
in  junger  Zeit  gefunden. 

Verlegungen  der  Flußläufe  scheinen  im  Osten  des  Sabandja, 
wenn  auch  nur  in  geringem  Maße  noch  in  jüngster  Zeit  statt- 
gefunden zu  haben.  Die  Justinianbrücke,  die  einst  über  den 
Tscliark  Su  ging,  führt  jetzt  mehrere  hundert  Meter  vom  Fluß 
entfernt  über  trocknes  Land1  2 3.  So  interessant  und  wichtig  die 
alten  Verhältnisse  des  Sakaria  und  seiner  Nebenflüsse  für  die 
Frage  der  Entstehung  des  Golfs  von  Ismid  wäre,  muß  ich  mich 
auf  diese  wenigen  Worte  beschränken,  da  icli  diesen  Teil  Bithyniens 
nicht  durch  eigene  Anschauung  kenne  und  die  Literaturangaben 
gar  zu  dürftig  sind,  um  irgend  welche  Schlüsse  zu  ziehen.  Ganz 
ungewiß  erscheint  mir,  nach  welcher  Richtung  der  Sakaria  vor 
Entstehung  des  Golfes  von  Ismid  abgeflossen  ist,  da  hier,  will 
man  auch  nur  eine  einigermaßen  gesicherte  Hypothese  aufstellen,  das 


1 a.  a.  0.  p.  395. 

2 Nach  der  Darstellung  der  FiTZNER’schen  Karte.  Anders  ist  die 
Darstellung  in  Meyer’s  „Türkei“  p.  392:  ,3  km  nördlich  von  Bahnstation 
Hamidieh  liegt  die  alte  Brücke  des  Sophon  . . .,  561  n.  Chr.  vom  Kaiser 
Justinian  erbaut  und  jetzt  noch  fast  vollkommen  erhalten;  sie  führt  an- 
geblich über  ein  verlassenes  Bett  des  Sangarios , der  jetzt  als  Sakaria 

3 km  westlich  von  der  Brücke  vorüberiließt.  Da  aber  in  diesem  Falle 
die  Wellenbrecher  der  Brücke  auf  der  der  Strömung  entgegengesetzten 
Seite  liegen,  ist  es  wahrscheinlicher,  daß  der  Fluß  ehemals  das  Schwarze 
Meer  nicht  erreichte,  sondern  nördlich  von  Adabasar  in  einer  westlichen 
Kurve  unter  der  Brücke  hindurchfloß  und  sich  durch  den  See  von  Sabandscha 
in  den  Golf  von  Ismid  ergossen  hat.  Es  ist  aber  auch  möglich,  daß 
Justinian  den  Strom  in  dieser  Weise  ablenken  wollte  . . . Unter  der  Brücke 
hindurch  fließt  jetzt  der  Tschark  Su  . . .“ 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel. 


Kartenmaterial  vollkommen  versagt.  Gerade  diese  Frage  wäre 
aber  zur  Feststellung  der  geologischen  Geschichte  des  östlichen 
Teils  Bithyniens  von  großer  Wichtigkeit. 

Mag  nun  der  Sakaria  in  den  Sabandja  geflossen  sein  oder 
nicht,  ein  breiter  alter  Flußlauf  verbindet  jedenfalls  den  Sabandja 
mit  dem  Golfe  von  Ismid.  Nur  entweder  ein  Tieferlegen  der 
Erosionsbasis  des  Tscliark  Su  oder  eine  Erhöhung  der  Schwelle 
zwischen  dem  Sabandja  und  dem  Meere  kann  die  Entwässerung 
des  Sabandja  nach  Norden  eingeleitet  haben,  vielleicht  mag  auch 
beides  Zusammentreffen.  Tatsächlich  sehen  wir  im  Gebiete  des 
Golfes  von  Ismid  jetzt  Anzeichen  niedrigeren  Wasserstandes  als  er 
ihn  früher  hatte. 

An  vielen  Stellen  läßt  sich  eine,  allerdings  nicht  ganz  regel- 
mäßige Terrasse  an  der  Südküste  der  Halbinsel  verfolgen,  deren 
Höhe  ich  leider  nicht  in  Meterzahl  angeben  kann,  die  aber,  falls 
es  sich  nicht  um  zwei  verschiedene  Terrassen  handelt,  was  ich 
jedoch  nicht  glaube,  im  Osten  höher  liegt,  als  im  Westen.  Ebenso 
spricht  der  Zuwachs  an  Land  längs  des  ganzen  Golfes  für  eine 
negative  Strandverschiebung  in  jüngerer  Zeit. 

Fitzxeh1  führt  schlagende  Beispiele  für  Landzuwachs  im  Osten 
des  Golfes  in  großer  Zahl  au.  Ich  will  nur  hervorheben,  daß  die 
ganze  Ebene  von  Ismid,  deren  Niederschlagsgebiet  im  ganzen 
höchstens  400  qkm  umfaßt,  während  sie  selbst  etwa  35  qkm  mißt, 
aus  jüngsten  Ablagerungen  besteht.  Das  weit  in  den  Golf  hinaus- 
geschobene Delta  des  Yalak  Dere  habe  ich  bereits  erwähnt.  Aber 
auch  weiter  im  Westen  sehen  wir  bei  Tuzla,  wie  sich  zwischen 
die  alten  Gesteine  des  Festlandes  und  die  des  St.  Georgkaps  junge 
Schwemmassen  gelegt  haben,  die  nun  beide  verbinden  2. 

Trotzdem  hat  der  Golf  von  Ismid  noch  beträchtliche  Tiefen, 
die  stets  der  Südseite  näher  liegen  als  der  Nordseite.  Vier  Ab- 
schnitte lassen  sich  im  Golfe  unterscheiden: 

1.  Der  östlichste  von  der  Ebene  von  Ismid  bis  zur  Ein- 

schnürung beim  Kavak  Burnu;  die  größte  Tiefe  ist  22  in,  die 
größte  Breite  5 km. 

2.  Der  breitere  Teil  von  hier  bis  zum  Dil  Burnu,  dem 

Drepanon  der  Alten,  mit  100  m größter  Tiefe  und  10  km 

größter  Breite. 

3.  Der  Teil  bis  zur  Enge  zwischen  Dardja  Burnu  und 

Tschatal  Burnu  mit  110  m größter  Tiefe  zwischen  den  beiden  Kaps. 

4.  Der  äußere  Teil,  im  Westen  mit  Tiefen  über  1000  m. 

Viel  langsamer  fällt  der  Meeresgrund  an  der  Nordküste  der 

bithynischen  Halbinsel  ab.  Im  allgemeinen  läuft  die  — 20  m- 

Kurve  in  4 — 5 km  Entfernung  von  der  Küste.  Trotzdem  also 


1 a.  a.  0.  p.  54. 

* Toüla,  Geologenfahrten  am  Marmarameere.  p.  11. 


8 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren 


der  Abfall  viel  flacher  ist  und  bei  weitem  größere  Wasserläufe 
in  das  Schwarze  Meer  als  in  den  Golf  von  Ismid  münden,  hat 
sich  keiner  der  Flüsse  ein  Delta  in  das  Meer  vorbauen  können. 
Im  Gegenteil,  einige  enden  an  Limanen  und  Buchten. 

Um  festzustellen,  ob  diese  Verhältnisse  allein  durch  ein  An- 
steigen des  Spiegels  des  Schwarzen  Meeres  oder  auch  durch  ein 
Sinken  der  Nordküste  der  bithynischen  Halbinsel  eingetreten  sind, 
müssen  weitere  Gebiete  in  Betracht  gezogen  werden. 

Am  Schwarzen  Meere  lassen  sich  die  Limane  vom  Asowschen 
Meer  längs  der  Nordküste  und  Westküste  bis  zum  Bosporus  und 
dessen  Umgebung  verfolgen. 

Am  Bosporus  selbst  liegen  einige  Limane,  von  denen  der 
bekannteste  das  Goldne  Horn  ist,  das  den  auf  etwa  7 km  Er- 
streckung überschwemmten  Unterlauf  des  Kiathane  Su  und  Alibey 
Su  darstellt.  Ferner  sind  die  westlich  von  Konstantinopel  in  das 
Marmarameer  mündenden  Buchten  von  Kiitschiik-  und  Biijük- 
Tschekmedje  Limane. 

An  der  Südküste  der  Krim,  im  Osten  und  Süden  des  Schwarzen 
Meeres  fehlen  die  Limane.  An  den  Vorbergen  des  Kaukasus  enden 
nach  Hörnes  1 sogar  die  Täler  hoch  oben  an  einem  Steilabfall. 
Daraus  könnte  man  wohl  den  Schluß  ziehen,  daß  das  ganze  Gebiet 
um  das  Schwarze  Meer  in  jüngerer  Zeit  eine  Bewegung  derart 
durchgemacht  habe,  daß  sich  der  westliche  und  nordwestliche  Teil 
gesenkt,  der  östliche  und  südöstliche  sich  gehoben  habe.  Damit 
in  Übereinstimmung  zu  stehen  scheint,  daß  die  Verbindung  des 
Schwarzen  Meeres  mit  dem  Kaspischen  durch  die  Manytschmeer- 
enge  in  einer  gewissen  Zeit  des  Quartärs  noch  bestanden  hat, 
jetzt  aber  unterbrochen  ist.  Diese  Bewegung  des  Schwarzen 
Meeres  müßte  sich  zeitlich  durch  die  Ablagerungen  an  den  Limanen 
feststellen  lassen.  Man  wird  wohl  kaum  bezweifeln,  daß  die 
sämtlichen  Limane  ziemlich  gleichaltrig  sind.  Der  Miusliman,  an 
der  Nordküste  des  Asowschen  Meeres,  westlich  von  Taganrog,  ist 
nach  den  Untersuchungen  Sokolows2  in  braune  Mergel  und 
Lehme  und  tiefer  in  Ablagerungen  mit  Päludina  diluviana  und 
anderen  Südwasserformen,  von  denen  ich  hier  nur  Dreissensia 
rostriformis  nennen  will,  eingeschnitten.  Nimmt  man  die  Schichten 
mit  Päludina  diluviana  als  altglacial  oder  auch  vielleicht  prä- 
glacial  an,  so  muß  das  Einschneiden  der  Flüsse  nicht  unwesentlich 
jünger  sein,  da  sie  ja  auch  noch  die  diese  bedeckenden  mächtigen 
braunen  Mergel  durchschnitten  haben. 

Das  tiefe  Einschneiden  der  Flußtäler  an  der  Nordküste 
Bithyniens,  das  die  Ursache  zur  Bildung  der  kleinen  Limane  war, 

1 a.  a.  0.  p.  17. 

1 Der  Miusliman  und  die  Entstehungszeit  der  Limane  Südrußlands. 
Verli.  d.  russ.  kaiserl.  Mineralog.  Ges.  in  St.  Petersburg.  2.  Ser.  40.  1902. 
(Zit.  nach  Hörnes  p.  19.) 


geologischen  Geschichte  der  Bithynischen  Halbinsel. 


9 


fällt  also  wahrscheinlich  auch  in  diese  Zeit.  Die  Senkung  des 
Landes  oder  das  Ansteigen  des  Wasserspiegels,  das  die  Täler 
unter  Wasser  gesetzt  hat,  muß  also  noch  in  jüngerer  Zeit  er- 
folgt sein. 

Sprechen,  wie  oben  gezeigt,  die  Verbreitung  der  Limane  im 
Westen  des  Schwarzen  Meeres  und  das  Fehlen  aller  Anzeichen 
einer  positiven  Strandverschiebung  im  Osten  anscheinend  für  eine 
Senkung  im  Westen  und  eine  Hebung  im  Osten,  so  scheinen  sich 
doch  Einwände  geltend  machen  zu  lassen. 

Der  wichtigste  ist  die  Verbreitung  der  Dreissensia  rostri- 
formis  auf  dem  Grunde  des  Schwarzen  Meeres.  Diese  kommt  heute 
subfossil  in  Tiefen  bis  zu  800  m vor.  Man  darf  aus  ihrer  Dick- 
schaligkeit,  die  auf  ein  Leben  im  seichten  Wasser  deutet,  schließen, 
daß  entweder  seither  der  Spiegel  des  Schwarzen  Meeres  gestiegen 
sei,  oder  der  Boden  sich  gesenkt  habe.  Die  Dreissensia  soll  nun 
nach  Hörnes1  ringförmig  die  größten  Tiefen  des  Schwarzen 
Meeres  umschließen.  Wäre  das  wirklich  so,  daß  die  Verbreitung 
der  Dreissensia  an  bestimmte  Isobathen  gebunden  wäre 2,  so  spräche 
das  allerdings  gegen  jede  einseitige  Bewegung  am  Schwarzen 
Meere.  Tatsächlich  sagt  aber  auch  Hörnes,  daß  die  Dreissensien 
sich  in  verschiedenen  Tiefen  finden.  Eine  von  Andrussow  gegebene 
Karte 3 des  Schwarzen  Meeres  zeigt  nun  allerdings  drei  Stellen 
mit  Dreissensia  rostriformis  zwischen  den  Isobathen  von  100  und 
500  Faden,  aber  auch  eine  bei  — 30.  Als  beim  Miusliman  über 
dem  jetzigen  Wasserspiegel  liegend  ist  vorhin  schon  ein  Punkt 
erwähnt  worden.  Noch  weitere  Daten  führt  Hörnes  nach  Andrussow 
an  und  zwar  die  Tiefen  von  48,  50,  53,  105,  240,  363,  387 
Faden  (zu  6 Fuß).  Ich  glaube  daher,  daß  man  aus  der  Ver- 
breitung der  Dreissensia  keinerlei  Schlüsse  auf  gleichmäßiges 
Steigen  des  Wasserspiegels  oder  gleichmäßiges  Sinken  des  Unter- 
grundes ziehen  darf. 

Unter  den  Gründen,  die  für  eine  Hebung  im  Osten  sprechen, 
wurde  das  Enden  der  Täler  hoch  über  dem  Wasserspiegel  er- 
wähnt. Hörnes4  führt  dieses  nicht  auf  jüngere  Hebung  zurück, 
sondern  darauf,  daß  „die  Zerstörung  des  Landes  durch  das  Meer 
hier  so  rasch  eingreift,  daß  sie  der  Erosion  voraneilt.“  Wenn 
aber  das  Steigen  des  Wasserspiegels  die  Überschwemmung  der 
Limane  veranlaßt  hätte,  ist  nicht  einzusehen,  warum  am  Tieflande 
von  Kolchis , an  dem  nur  verhältnismäßig  unbedeutende  Flüsse 
münden,  ein  bedeutender  jüngerer  Landzuwachs  stattgefunden  hat. 

1 a.  a.  0.  p.  15. 

1 Sokolow,  Über  die  Entstehung  der  Limane  Südrußlands.  Memoires 
du  comite  geologique.  X.  4.  1895.  p.  96.  (Zit.  nach  Hörnes  p.  15.) 

3 La  Mer  Noire.  Guide  des  excursions  du  VII  Congres  g6ol.  Intern. 
1897.  XXIX. 

4 a.  a.  0.  p.  17. 


10 


P.  Kessler.  Zur  jüngeren 


Immerhin  mögen  auch  erhebliche  Schwankungen  des  Wasser- 
spiegels durch  klimatische  Einflüsse  erfolgt  sein,  aber  die  Haupt- 
ursaclie  des  Ertrinkens  der  alten  Flußtäler  scheint  mir  eine  Senkung 
im  Westen  des  Schwarzen  Meeres  zu  sein. 

Ich  glaube,  daß  man  die  Verhältnisse  vom  Schwarzen  Meer 
auch  auf  die  bithynisclie  Halbinsel  übertragen  darf  und  annehmen 
kann,  daß  sie  zur  selben  Zeit  wie  die  russischen  Limane  eine 
Senkung  erfahren  hat.  Ob  auch  hier  die  Senkung  im  Westen 
stärker  war  als  im  Osten,  erscheint  mir  nicht  ohne  weiteres  sicher. 
Doch  scheint  mir  folgendes  dafür  zu  sprechen.  Zurzeit  als  der 
Bosporusfluß  das  Ägäische  Festland  nach  Norden  entwässerte, 
bestanden,  wie  oben  gezeigt,  auch  bereits  die  Flüsse  Bitli3rniens, 
vor  allem  das  Eiwa  Dere.  Die  Flüsse  der  europäischen  Halbinsel, 
deren  Hebungsvorgänge  wohl  etwas  anders  verliefen  als  die  der 
asiatischen,  fließen  nach  Südosten,  mündeten  also  in  den  Bosporus- 
fluß. Jetzt  ist  im  Schwarzen  Meer  die  50  m-Isobathe  von  der 
Riwamündung  nur  wenige  Kilometer  weiter  entfernt,  als  von  dem 
Eingang  der  Bosporusstraße  in  das  Schwarze  Meer.  Die  Erosions- 
basis der  nach  Süden  fließenden  Flüsse  auf  europäischer  Seite 
muß  also  mindestens  ungefähr  ebenso  hoch  gelegen  haben  als 
die  der  bithynisclien.  Nun  haben  die  bei  Büjiik  und  Kiitschiik- 
Tschekmedje  (18  und  35  km  westlich  Konstantinopel ) mündenden 
Flüsse  große  Limane,  die  an  der  bithynisclien  Nordküste  münden- 
den nur  unbedeutende.  Da  ihre  Länge  und  die  Höhe  ihrer  ehe- 
maligen Erosionsbasis  ungefähr  dieselbe  ist,  wenn  letztere  für  die 
bithynisclien  nicht  noch  niedriger  lag,  scheint  mir  die  verschiedene 
Limanenbildung  sich  nur  durch  verschiedene  Senkung  erklären  zu 
lassen.  Allerdings  könnte  man  einwenden,  daß  die  Buchten  von 
Kütschük-  und  Büjiik-Tschekmedje  in  das  niedere  Gelände  der  weichen 
Tertiärmergel  eingeschnitten  sind,  während  das  Riwa  Dere  am 
Steilabfall  der  harten  Devonschiefer  sich  nur  ein  schmales  Tal  graben 
konnte.  Aber  das  Goldne  Horn  ist  ja  in  dieselben  Devonschiefer 
des  Steilabfalls  der  Perafläche  eingeschnitten.  Allerdings  könnte 
auch  die  ehemalige  Nordküste,  an  der  sich  größere  Limane  be- 
funden hätten , durch  die  kräftigere  Brandung  des  Schwarzen 
Meeres  nach  Süden  verlegt  worden  und  die  Limane  so  zerstört 
sein;  aber  an  der  europäischen  Siidküste  müßten  trotz  geringerer 
Brandung  ähnliche  Vorgänge  stattgefunden  haben,  da  hier  weit 
weichere  Gesteine  anstehen. 

Noch  ist  die  Frage  zu  erörtern,  ob  die  Überschwemmung  der 
Flußtäler  vor  oder  nach  dem  Einbruch  des  Golfs  von  Ismid  statt- 
gefunden hat.  Keinerlei  gehobene  marine  oder  auch  süße  Ab- 
lagerungen — das  Eindringen  des  Meeres  braucht  nicht  mit  dem 
Niedergehen  des  Golfes  zusammenzufallen  — aus  jüngerer  Zeit  geben 
uns  an  der  Siidküste  Bithyniens  hierüber  Aufschluß.  Zwar  ist 
auch  auf  dem  Grunde  des  Bosporus  und  des  Marmarameeres  Breis- 


geologischen  Geschichte  der  Bitbynischen  Halbinsel. 


11 


sensia  rostriformis  gefunden  worden , so  eine  Verbindung  eines 
einstigen  süßen  Marmarabeckens  mit  dem  Schwarzen  Meer  durch 
ein  bereits  versunkenes  Bosporustal  beweisend,  wenigstens  nach 
der  Anschauung  vieler  Autoren,  ob  sie  aber  auch  subfossil  im 
Golfe  von  Ismid  vorkommt,  ist  mir  nicht  bekannt.  Jedenfalls 
glaube  ich  nicht,  daß  man  die  noch  jetzt  zahlreichen  Erdbeben 
an  der  Südküste  der  bithyuischen  Halbinsel  als  Beweis  des  ganz 
jungen  Einbruchs  anführen  kann,  denn  nach  dem  oben  ausgeführten 
scheint  sein  ganzes  Gebiet  gerade  in  der  Hebung  begriffen  zu 
sein  oder  war  es  wenigstens  vor  kurzer  Zeit. 

Möglicherweise  hat  die  Hebung  des  ganzen  südlichen  Gebietes, 
die  ja  bereits  vor  Anlage  der  Flußtäler  der  bithynischen  Halb- 
insel bestanden  und  diesen  ihre  Richtung  vorgeschrieben  hat,  seither 
nicht  zu  wirken  aufgehört,  wobei  allerdings  im  Westen  nur  eine 
äußerst  schwache  Hebung  eingetreten  sein  kann,  da  sonst  das 
Gefälle  des  Bosporus  nach  Norden  stärker  sein  müßte.  Im  Osten 
scheint  sie  kräftiger  zu  sein  und  hebt  nun,  nachdem  der  Ein- 
bruch des  Golfs  von  Ismid  zur  Ruhe  gekommen  ist,  samt  dem  übrigen 
Gebiet  auch  die  von  seinem  Wasser  bedeckte  Fläche. 

Ferner  bleibt  noch  die  Frage  offen,  wann  das  Mittelmeer  mit 
dem  Schwarzen  Meere  in  Verbindung  trat.  Wohl  gleichzeitig  mit 
der  Überflutung  der  Limane  und  in  ursächlichem  Zusammenhang 
mit  der  Senkung,  die  ihre  Überflutung  hervorgerufen  hat,  drang 
das  Mittelmeer  in  den  Pontus  ein  und  brachte  sein  Salzwasser 
bis  weit  in  die  Mündungen  der  alten  Flüsse,  in  denen  nun 
Austern,  Pecten  und  andere  Seetiere  leben  konnten  ü Es  liegt 
natürlich  sehr  nahe,  den  niedrigen  Wasserstand,  bei  dem  das  allein 
möglich  war,  nur  auf  klimatische  Ursachen  zurückznführen,  da  ja 
auch  heute  die  großen  Binnenmeere  der  abflußlosen  Gebiete  viel- 
fach ihren  Spiegel  unter  dem  des  Meeres  haben.  Es  scheint  mir 
aber,  als  habe  auch  im  Schwarzen  Meere  selbst  eine  Senkung 
gewirkt.  Im  Pontus  läßt  sich,  wie  bereits  gesagt,  das  Bett  des 
Bosporusflusses  bis  zur  200  m-Isobathe  verfolgen.  Auf  der  etwa 
16  km  weiten  Entfernung  von  der  Isobathe  50  bis  zur  Isobathe 
100  fällt  der  alte  Lauf  mit  ungefähr  3 zu  Tausend.  Auf  der 
6 km  weiten  Entfernung  von  der  Isobathe  100  bis  zur  Isobathe 
200  aber  mit  dem  ganz  abnormen  Gefäll  von  ungefähr  1,7  zu 
100.  Ein  derartiges  Gefälle  hätte  allerdings  vielleicht  bei  einem 
schnellen  Sinken  des  Spiegels  des  Pontus  entstehen  können,  wäre 
aber  bald  wieder  geringer  geworden.  Aber  auch  im  Süden  des 
Marmarameeres  kann  man  das  Bett  des  Ägäischen  Flusses  bis 
unter  die  100  m-Linie  verfolgen.  Hier  ist  es  ausgeschlossen,  die 
tiefe  jetzige  Lage  anders  als  durch  Senkung  zu  erklären  und  ich 


Sokolow,  a.  a.  0.  p.  103.  (Zit.  nach  Hörnes  a.  a.  0.  p.  23.) 


12 


P.  Kessler,  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  etc. 


Marmarameer  und  Ägäis 
nach  Hörnes 

Bithynische  Halbinsel  und 
benachbarte  Gegenden 

Fluviatile  Ablagerungen  am  Helles- 
pont  mit  der  Pikermi-Fauna, 
wahrscheinlich  gleichzeitig  mit  den 
Schotterablagerungen  imBelgrader 
Wald  hei  Konstantinopel.  Beginn 
der  Entwässerung  des  ägäischen 
Festlandes  gegen  den  Poutus. 

Das  alte  gefaltete  und  verworfene 
Gebiet  der  Bithynischen  Halbinsel 
und  des  Bithynischen  Festlandes 
ist  allmählich  zur  Peneplain  ge- 
worden. 

Paludinenseen  auf  dem  ägäischen 
Festland, Bildung  der  Dreissensien- 
und  Cardienschichten  von  Gallipoli. 
Der  ägäische  Fluß  bildet  die  oberen 
„reifen“  Täler  der  Dardanellen  und 
des  Bosporus. 

Die  Peneplain  hebt  sich  allmählich, 
und  zwar  im  Süden  stärker  als  im 
Norden.  Beginn  der  Herausbildung 
der  nach  Norden  fließenden  Flüsse. 

Einschneiden  der  canonartigen  Tiefen 
des  Bosporus  und  der  Dardanellen, 
des  Goldenen  Horns  und  anderer 
Limantäler  (Kütschük-  undBiijük- 
Tschekmedje).  Beginn  des  Ein- 
bruchs der  Ägäis,  Eindringen  des 
Mittelmeeres  vom  Süden  her. 

Vertiefung  der  Flußtäler. 

Auch  der  nördliche  Teil  der  Ägäis 
geht  zur  Tiefe.  Eindringen  des 
hochstehenden  Mittelmeeres  in  die 
Dardanellen , das  Marmarameer 
und  den  Bosporus.  Hochliegende 
mediterrane  Ablagerungen  an  den 
Dardanellen  und  an  der  Nordküste 
des  Marmarameeres. 

Einbruch  des  Ismider  Grabens.  Kurze 
Bäche  bilden  sich  an  seiner  Nord- 
küste und  dringen  räuberisch  in 
das  Gebiet  der  nach  Norden  fließen- 
den älteren  Bäche  vor,  teilweise 
ihr  Bett  benutzend.  Eindringen  des 
Mittelmeers.  Senkung  im  west- 
lichen Teil  der  Halbinsel.  Über- 
schwemmung des  Bosporus  und 
anderer  Flußtäler  durch  Senkung 
im  Westen. 

Übergang  in  die  heutigen  Ver- 
hältnisse; Ausbildung  der  oberen 
ausgesüßten  und  der  unteren 
salzigen  Gegenströmung  im  Bos- 
porus, welche  immer  weniger  im- 
stande ist,  das  Gleichgewicht  her- 
zustellen. 

Durch  starken  Landzuwachs  und  ge- 
hobene Küstenterrassen  zeigt  sich 
eine  Hebung  im  Süden,  besonders 
im  Südosten  der  Halbinsel. 

Th.  Kormos,  Kleinere  Mitteilungen  a.  d.  ungar.  Pleistocän.  13 


glaube,  daß  mau  ebenso  auch  am  Pontus  junge  Senkung  als  Ur- 
sache der  tiefen  Lage  des  alten  Flußlaufes  annehmen  kann.  Man 
wird  wohl  dieser  Senkung,  die  wahrscheinlich  zeitlich  und  ursächlich 
mit  der  Senkung  des  ganzen  westlichen  Schwarzen  Meergebietes 
zusammenfiel , neben  klimatischen  Einflüssen  den  niederen  Stand 
des  Schwarzen  Meeres  zu  damaliger  Zeit  zuschreiben  müssen. 
Im  wesentlichen  nur  auf  klimatische  Einflüsse  will  Hörnes  die 
Verschiebungen  im  Stande  des  Pontus  zurückführen  uud  darin  kann 
ich  ihm  nach  allem  bisher  ausgeführten  nicht  beistimmen.  Das 
ändert  aber  nicht,  daß  sich  die  zeitliche  Folge  der  Vorgänge,  wie 
ich  sie  aus  der  Morphologie  der  bithjmischen  Halbinsel  geschlossen 
habe,  mit  der  von  Hörnes  für  das  Marmarameer  und  die  Ägäis 
gegebenen  gut  vereinbaren  läßt.  Die  Einordnung  der  Vorgänge 
in  die  geologischen  Zeiträume,  die  noch  nicht  ganz  geklärt  zu 
sein  scheint,  will  ich  bei  dem  Vergleiche  mit  der  Darstellung  von 
Hörnes  1 lieber  weglassen,  ebenso  wie  den  an  derselben  Stelle 
gegebenen  Überblick  über  die  Geschichte  des  Schwarzen  Meeres, 
bei  dem  sich  der  "Widerspruch  mit  meiner  Auffassung  allzusehr 
geltend  macht. 

Nicht  eine  erschöpfende  Darstellung  der  jüngeren  geologischen 
Geschichte  Bithyniens  sollen  die  vorangehenden  Zeilen  geben, 
sondern  nur  ein  paar  Schlüsse  aus  der  Morphologie  sollten  gezogen 
werden.  Auch  diese  sehe  ich  keineswegs  als  unumstößlich  an. 
Neuere  Untersuchungen  können  vielleicht  manches  in  anderem 
Lichte  erscheinen  lassen , für  manches  aber  auch  neue  Beweise 
bringen.  Nur  weniges  ist  bisher  zur  geologischen  Untersuchung 
Bithyniens  geschehen  und  genauere  Untersuchung  wäre  dringend 
wünschenswert. 


Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän. 

Von  Dr.  Th.  Kormos. 

1.  Neue  Vogelarten  aus  der  Felsnische  Puska- 
poros  bei  Hämor. 

Herr  Oberlehrer  W.  Capek,  der  bekannte  mährische  Orni- 
thologe, hatte  die  Freundlichkeit,  neuerdings  wieder  mehrere  aus 
der  Felsnische  Puskaporos  bei  Hämor  (Kom.  Borsod)  stammende 
Vogelreste  zu  untersuchen.  In  diesem  Material  befinden  sich  — 
abgesehen  von  Arten , welche  aus  dieser  Nische  bereits  bekannt 
sind1 2  — mehrere  Vögel,  die  von  hier  bisher  nicht  nachgewiesen 
waren.  Ich  kann  über  folgende  Arten  berichten  : 

1 a.  a.  0.  p.  63. 

2 Th.  Kormos,  Die  pleistocäne  Fauna  der  Felsnische  Puskaporos  bei 
Hämor.  Mitteil.  a.  d.  Jahrb.  k.  ung.  geolog.  Eeichsanst.  Bd.  XIX.  H.  3. 


14 


Tb.  Kormos, 


1.  Falco  peregrinus  Tunst. 

2.  Numenius  (phaeopus  L.  ?) 

3.  Coturnix  coturnix  L. 

4.  Anas  boscas  L.  «rul 

5.  Mer g us  albellus  L. 

Mit  diesen  5 Arten , welche  in  der  pleistocänen  Vogelfauna 
Ungarns  durchweg  neu  sind,  hat  sich  die  Zahl  der  aus  der  Puska- 
poros  bekannten  Vogelarten  auf  35  erhöht. 

2.  Noch  etwas  über  die  Tundrafauna  von  Köszeg. 

Dieses  Thema  wurde  von  mir  unlängst  etwas  näher  be- 
sprochen *.  Das  Material  meiner  diesbezüglichen  Untersuchungen 
stammt  aus  den  Händen  des  Herrn  kgl.  Ungar.  Reichsgeologen 
E.  v.  Maros,  der  dasselbe  im  Jahre  1904  sammelte.  Dem  Letzt- 
genannten gelang  es  damals  unter  anderem  auch  einige  wohl- 
erhaltene Reste  (7  Unterkieferhälften  und  1 Schädelbruchstück)  des 
Halsbandlemmiugs  ( Dicrostonyx  torquatus  foss.  Nhrg.)  zu  sammeln, 
eines  Tieres,  welches  für  die  hocharktischen  Tundren  charakte- 
ristisch ist. 

Während  des  vergangenen  Jahres  bot  sich  mir  Gelegenheit, 
diesen  interessanten  Fundort  mit  meinem  Freund  v.  Maros  be- 
suchen zu  können.  Derselbe  befindet  sich  in  dem  — am  Sza- 
böhegy  gelegenen  — SAYBOLD’schen  Phyllitbruch,  wo  wir  diesmal, 
außer  einigen  von  hier  bereits  bekannten  Arten , auch  Reste 
anderer  Tiere  vorfanden.  Es  sind  das: 

Putorius  nivalis  L. 

Microtus  nivalis  Martins 
„ grcgalis  (Pallas) 

Lcpus  europaeus  (Pallas)  und 

Cr  ex  er  ex  (L.) 

aus  dem  Stamm  der  Vertebraten  und 

Fruticicola  slrigella  Drap. 

Eulota  fruticum  Müll,  und 

Taehea  vindobonensis  Fer. 

von  den  Mollusken. 

Durch  einen  eigentümlichen  Zufall  konnten  wir  bei  dieser 
Gelegenheit  gar  keine  Lemmingreste  antreffen. 

3.  Ein  pleistocäner  Schlupfwinkel  des  Sieben- 
schläfers. 

Ebenfalls  bei  Köszeg,  im  Gneisbruch  unterhalb  der  Kalvarie, 
im  Gyöngyösbachtal  fanden  wir  die  Spuren  eines  pleistocänen 
Schlupfwinkels  des  Siebenschläfers  (Glis  glis  L.).  In  diesem  Stein- 

1 Th.  Kormos,  Über  eine  arktische  Säugetierfauna  im  Pleistocän 
Ungarns.  Dies.  Centralbl.  1911.  p.  300 — 303. 


Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän. 


15 


hrucli  entdeckten  wir  nämlich  eine  mit  Bohnerz  ausgefüllte  verti- 
kale Spalte , aus  welcher  die  Knochenreste  dieses  Nagetiers  in 
großer  Anzahl  zutage  kamen.  Knochen  anderer  Tiere  sind  uns 
von  hier  nicht  zu  Händen  gelangt.  Deshalb  und  weil  an  dieser 
Stelle  auch  benagte  und  ganz  fossil  aussehende  Haselnüsse  vor- 
liegen , ist  es  klar , daß  die  Siebenschläfer  im  Pleistocän  hier 
hausten. 

4.  Glis  glis  L.  aus  dem  Pleistocän  des  Komitats 
Komärom. 

Herr  H.  Horusitzky,  kgl.  Chefgeologe,  sammelte  im  Jahre 
1900  bei  Baromlak  (Kom.  Komärom)  in  einer  Tiefe  von  3 m 
aus  dem  — unter  den  Lößschichten  gelagerten  — Sand  nebst 
einigen  Mollusken  (Succinea  oblonga  Drap.,  Limnaeus  stagnälis  L., 
Bithynia  ventricosa  Gray  und  Sphacrium  corneum  Müll.)  mehrere 
Nagetierknochen  (3  Femora,  1 Tibia,  3 Ilei).  Dieselben  lagen 
bisher  unberührt  in  unserem  Museum,  bis  ich  unlängst  Gelegen- 
heit hatte,  die  Stücke  zu  untersuchen.  Nun  kann  ich  aber  mit- 
teilen , daß  die  erwähnten  Knochen  ohne  Ausnahme  den  Sieben- 
schläfer (Glis  glis  L.)  repräsentieren. 

5.  Das  erste  Vorkommen  des  Microtus  ratticeps 
Keys,  et  Blas,  im  Löß  des  Alföld. 

Herr  kgl.  Chefgeologe  P.  Treitz  sammelte  im  Jahre  1902  um 
die  Lößkeller  der  Gemeinde  Solt  (Komitat  Pest)  aus  dem  Löß 
eine  Anzahl  kleiner  Knochen , welche  aber  zu  näheren  Unter- 
suchungen größtenteils  nicht  geeignet  sind.  Unter  diesen  Resten 
befanden  sich  jedoch  auch  zwei  Unterkieferbruchstücke , dessen 
eines  von  einem  Hamster  ( Cricetus  cricetus  L.),  das  andere  aber 
von  Microtus  ratticeps  Keys,  et  Blas,  herrührt.  Letzterer  ist  be- 
kanntlich ein  nordisches  Tier,  welches  sich  als  Relikt  aus  der 
Glazialperiode  in  Ungarn  (Csallököz)  bis  zum  heutigen  Tage  er- 
halten hat. 

Aus  dem  ungarischen  Pleistocän  ist  dieses  Tier  schon  mehr- 
fach nachgewiesen  (Höhlen  von  Novi  und  O-Ruzsin , Höhlen  des 
Biikkgebirges , Köszeg),  wurde  aber  im  Löß  des  Alföld  (große 
ungarische  Ebene)  bisher  nicht  gefunden.  Dieser  Fund  zeigt  uns 
deutlich , daß  die  weit  ausgedehnten  Lößdistrikte  des  ungarischen 
Alföld  in  faunistischer  Hinsicht  noch  viel  des  Interessanten  bieten 
werden. 

6.  Cricetulus  phaeus  (Pallas)?  am  Fuße  des  Velebit- 
geb  irge  s. 

Herr  Prof.  Dr.  A.  v.  Dügen  entdeckte  im  Jahre  1910  bei 
Carlopago  in  Kroatien  (Komitat  Lika-Krbava)  eine  Knochenbreccie 
und  hatte  die  Freundlichkeit,  mir  von  diesem  einige  Belegstücke 
zur  Untersuchung  zu  übergeben.  Der  Fundort  befindet  sich  in 
dem  Punta  Tatina  genannten  Tal. 

Die  untersuchten  Stücke  bestehen  aus  einem  fest  verkitteten 


16  Th.  Kormos,  Kleinere  Mitteilungen  a.  d.  Ungar.  Pleistocän. 


Kalksteinmaterial  und  zeigen  hier  und  dort  Knochenspuren.  Durch 
Zerschlagen  der  Breccienstücke  gelang  es  mir , mehrere  Knoclien- 
bruchstücke  und  kleine  Zähnchen  los  zu  lösen,  unter  welchen  ich 
einen  kleinen  Teil  aus  dem  Unterkiefer  eines  Marder -artigen 
Kaubtieres,  einen  halben  oberen  Hirschzahn,  Zähne  und 
Unterkieferbruchstücke  zweier  — bisher  näher  nicht  bestimmten  — 
Microtus- Arten , einen  sehr  eigentümlichen  und  mir  gänzlich  un- 
bekannten wurzeligen  Zahn  eines  W ü li lmaus- artigen  Tieres, 
einen  zahnlosen , linken  Unterkieferast  eines  Cricetulus , und  das 
Pygale  einer  großen  Schildkröte  (Testudo?)  feststellen  konnte. 
Letzteres  hat  viel  Ähnlichkeit  mit  jenem  meiner  großen  plioeänen 
Art  (Testudo?)  von  Polgärdi. 

Der  erwähnte  Unterkiefer  eines  Cricetulus  zeigt  so  große  Ähn- 
lichkeit mit  jenem  des  von  verschiedenen  Punkten  Ungarns  be- 
kannten fossilen  C.  pliacus  Pallas  , daß  ich  denselben  — wenn 
auch  keine  Zähne  vorhanden  sind  — in  den  Formenkreis  dieses 
kleinen  Steppenhamsters  verweisen  zu  dürfen  gedenke.  Sollte  sich 
an  dieser  Stelle  ein  ausgiebigeres  Material  vorfinden,  so  dürften  bei 
dem  Vergleich  noch  die  Arten  C.  arenarius  (Pallas),  C.  songarus 
(Pallas)  und  hauptsächlich  C.  atticus  Nhrg.  mit  in  Betracht  ge- 
zogen werden.  Meines  Wissens  ist  das  Vorkommen  im  Pleistocän 
bei  Carlopago  das  südlichste  dieser  Tiergruppe.  Letzterer  Um- 
stand, sowie  auch  die  übrigen  Beziehungen  dieser  Fauna  verdienen 
wohl  eine  weitere  Beachtung. 

7.  Ein  interessantes  Rehgehörn  aus  dem  pleisto- 
cänen  Süß wasser kalk  von  Süttö. 

Herr  kgl.  Sektionsgeologe  Dr.  A.  Liffa  erfreute  mich  im  ver- 
gangenen Jahre  durch  ein  — in  dem  Aprili’schen  Kalksteinbruch 
bei  Süttö  — gefundenes  interessantes  Rehgehörn.  Dasselbe  ist 
ein  abgeworfenes  Stück,  von  welchem  der  größte  Teil  der  Stange 
fehlt.  Letztere  ist  oberhalb  der  Rose  36  mm  breit  und  30  mm 
dick,  also  breit  und  flach.  Die  Augensprosse  zeigt  schon  an  der 
Stangenbasis  die  Tendenz  zur  Abzweigung.  In  einer  Höhe  von 
54  mm  über  die  Rose  sehen  wir  einen  breiten  Sattel,  aus  welcher 
die  00  mm  lange  Augensprosse,  mit  der  Stange  einen  sehr  spitzeu 
Winkel  bildend , steil  emporragt.  Auf  dem  Gehörn  selbst  sind 
keinerlei  Spuren  einer  Verletzung  oder  gar  Abnormität  zu  sehen. 
Die  niedrige  Stellung  der  Augensprosse  einerseits,  die  Länge  und 
die  steile  Richtung  derselben  anderseits  verleihen  diesem  Gehörn 
ein  besonderes  Interesse.  Das  sind  nämlich  Charaktere , welche 
bei  dem  heutigen  Rehgehörn  nur  in  den  seltensten  Fällen  Vor- 
kommen, die  aber  unserem  Stück  ein  gewisses,  Dicroceras- ähnliches 
Aussehen  verleihen.  Bei  dem  mioeänen  Dicrocerus  ist  das  Gehörn, 
wie  bekannt,  meist  zweispitzig,  d.  i.  „Gabler“  und  die  Verzweigung 
der  Sprossen  beginnt  knapp  oberhalb  der  Rose.  Bei  dem  Reh 
dagegen  steht  die  Basis  der  Augensprosse  in  den  meisten  Fällen 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  etc. 


17 


sehr  hoch  an  der  Stange,  so  daß  das  Gehörn  von  Siitt«  in  dieser 
Hinsicht  eine  Mittelstellung  zwischen  Capreolus  und  Dicrocerus  eiu- 
nimmt.  Ich  denke  wohl  nicht  irre  zu  gehen,  wenn  ich  behaupte, 
Maß  uns  diese  Erscheinung  einen  interessanten  Fall  des  Ata- 
vismus zeigt. 

8.  Neuere  Beiträge  zur  Fauna  des  kroatischen 
Karstes. 

Ich  habe  bereits  über  meine  Ausgrabungen  Bericht  erstattet, 
durch  welche  im  Jahre  1911  die  ersten  Spuren  des  pleistocänen 
Urmenschen  im  Karstgebiete  zum  Vorschein  kamen  '.  Die  Höhle, 
wo  diese  Ausgrabungen  stattfanden , liegt  in  der  Umgebung  der 
Gemeinde  Lokve,  am  Slemeberg,  in  einer  Höhe  von  864  m ii.  d.  M. 
und  ist  in  meinem  zitierten  Aufsatz  eingehender  beschrieben.  Im 
Sommer  1912  setzte  ich  hier  die  Ausgrabungen  fort , doch  das 
Ergebnis  war  jetzt  unzureichend.  Es  stellte  sich  heraus,  daß 
der  Urmensch  sich  in  dieser  Höhle  nur  vorübergehend  aufhielt 
und  hier  kein  beständiges  Heim  hatte.  Auch  die  Fauna  ist  sehr 
arm , denn  außer  den  sehr  häufigen  Bärenknochen  sammelte  ich 
das  erstemal  nur  einige,  allenfalls  sehr  interessante  Pantherreste. 
Meine  diesjährigen  Arbeiten  werden  an  der  Fauna  nicht  viel  ändern, 
es  ist  aber  immerhin  erwähnenswert,  daß  bei  dieser  Gelegenheit 
ein  oberer  rechtsseitiger  Nagezahn  eines  Murmeltieres  ( Arctomys 
marmota  Schreb?)  und  ein  Tarsometatarsus  eines  Alpenschnee- 
huhus  ( Layopus  mutus  Montin)  zum  Vorschein  kamen.  Das  Murmel- 
tier ist  bei  Krapina  in  zahlreichen  Überresten  gesammelt  worden, 
für  das  Karstgebiet  ist  aber  sein  Vorkommen  im  Pleistocän  neu. 
Ebenfalls  neu,  ja  sogar  für  Kroatien  und  Slavonien  überhaupt,  ist 
meines  Wissens  das  Vorhandensein  eines  Alpenschneehuhns  in 
dieser  Fauna. 


Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur  des  Meteor- 
eisens von  Carthage  (Tennessee). 

Von  Paul  Kaemmerer  in  Dresden. 

Mit  G Textüguren. 

Bei  der  Durchsicht  der  Meteoreisen-Sammlung  im  Kgl.  Mineralog. 
Museum  zu  Dresden  fiel  ein  Stück  des  1840  gefundenen  Eisens1 2 
von  Carthage  (Tennessee),  das  bisher  als  Oktaedrit  mit 


1 Kormos,  Die  ersten  Spuren  des  Urmenschen  im  Karstgebiete.  Mit 
Taf.  II  u.  Fig.  15 — 17.  Mitteilungen  aus  der  Höhlenforschungskommission 
d.  ung.  geol.  Gesellsch.  Jahrg.  1912.  Heft  1.  p.  97. 

- Troost,  Description  of  three  varieties  of  Meteoric  Iron.  1.  Meteoric 
Iron  from  Carthage,  Smith  County,  Tennessee.  Am.  Journ.  (2.)  2.  p.  356  f. 
1846.  Wegen  der  übrigen  Literatur  über  das  Meteoreisen  von  Carthage 
vergl.  E.  A.  Wülfing,  Die  Meteoriten  in  Sammlungen,  p.  64.  1897. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  2 


18 


P.  Kaemraerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung 


mittleren  Lamellen* 1  registriert  war,  durch  die  eigenartige 
Anordnung  der  Lamellenspuren  auf  der  Hauptschnittfläche  auf,  die 
sich  scheinbar  mit  der  angenommenen  Oktaedritstruktur  nicht  ver- 
einigen ließ.  Herr  Dr.  Schreiter,  der  mich  hierauf  aufmerksam 
machte,  regte  mich  zu  einer  Entscheidung  der  Strukturfrage  an. 
Herr  Geheimrat  Prof.  Dr.  Kalkowsky  stellte  mir  in  liebenswürdiger 
AVeise  die  beiden  im  Museum  vorhandenen  Stücke  des  Eisens  von 
Carthage,  ferner  ein  Stück  aus  der  Sammlung  des  Mineralogischen 
Instituts  der  Kgl.  Techn.  Hochschule  zu  Dresden  zur  Verfügung; 
ebenso  wurde  mir  die  vorhandene  Literatur  zugänglich  gemacht. 
Für  alles  Entgegenkommen  möchte  ich  auch  an  dieser  Stelle  meinen 
Dank  aussprechen. 

Da  zunächst  vermutet  wurde,  das  vorliegende  Eisen  könnte 
zu  dem  Typus  gehören,  den  F.  Rinne  bei  dem  Meteoreisen  von 
Goamus,  Farm  Gibeon,  D.-S.-AV. -Afrika,  als  Tesseraoktaedrit 
beschrieben  hat2,  so  wurde  dieses  Stück  aus  der  Leipziger 
Sammlung  zum  Vergleich  erbeten.  Es  wurde  in  dankenswerter 
Weise  bereitwilligst  zur  Verfügung  gestellt,  erwies  sich  aber  als 
gauz  anders  geartet  wie  das  hier  vorliegende.  Das  Eisen  von 
Carthage  ist  also  jedenfalls  kein  Tesseraoktaedrit. 


Fig.  1.  Lage  der  vier  Lamellenscharen. 

Die  Betrachtung  des  Eisens  zeigt,  daß  die  Kamazitlamellen 
vier  Haupt  scharen  bilden , also  parallel  vier  verschiedenen 
Ebenen  laufen  und  auf  jeder  Schnittfläche  im  allgemeinen  vier 
verschiedene  Richtungen  der  Lamellenspuren  erkennen  lassen.  Unter 
den  vollständigen  Kristallformen  der  Holoedrie  des  regulären  Systems 
findet  sich  nun  allerdings  nur  das  Oktaeder  als  die  Form,  die 
aus  vier  verschieden  gerichteten  Ebenen  aufgebaut  ist.  Dennoch 
ergibt  eine  andere  Überlegung,  daß  das  vorliegende  Eisen  kein 
Oktaedrit  sein  kann.  Eine  der  seitlichen  Begrenzungs- 
flächen (Fig.  1,  AB  CD)  ist  nämlich  nahezu  einer  Lamellen- 
schar parallel,  zeigt  demgemäß  nur  drei  Spurenrichtungen. 
Eine  von  diesen  Spuren  nun  steht  annähernd  senkrecht 

1 Auskunft  über  Strukturarten  der  Meteoreisen  gibt  E.  Cohen, 
Meteoritenkunde.  1894 — 1905. 

1 F.  Rinne,  Ein  Meteoreisen  mit  Oktaeder-  und  AVürfelbau  (Tessera- 

oktaedrit). N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1910.  I.  p.  115. 


der  Struktur  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee). 


19 


auf  der  Hauptschnittfläche  des  Eisens  (Fig.  1 , C D E F) ; 
diese  selbst  zeigt  wieder  vier  Spurenrichtungen,  je  zwei  nahezu 
senkrecht  zueinander.  Wäre  also  die  Struktur  oktaedritisch , so 
müßte  die  seitliche  Begrenzungsfläche  einer  Oktaeder- 
fläche parallel,  die  Hauptschnittfläche  zu  einer 
Oktaeder  kante  senkrecht  stehen,  d.  h.  parallel  einer  Fläche 
des  Rhombendodekaeders  sein.  Untersucht  man  aber,  welche 
Spuren  entstehen,  wenn  ein  Oktaeder  nach  der  Fläche  des  Rhomben- 
dodekaeders geschnitten  wird,  so  ergeben  sich  nur  drei  ver- 
schiedene Spuren.  Diese  bilden,  wie  sich  durch  Rechnung  oder 
Konstruktion  leicht  ermitteln  läßt,  ein  gleichschenkliges  Dreieck 
mit  den  Basiswinkeln  54°  45'.  Hat  nun  auch  die  Schnittfläche 
nicht  ganz  genau  die  Lage  der  Dodekaederfläche,  so  ist  doch  eine 
solche  Abweichung,  wie  sie  die  Spurenrichtungen  auf  der  Haupt- 
fläche des  Eisens  gegen  die  oben  genannten  Richtungen  aufweisen, 
ausgeschlossen.  Auch  die  Verfolgung  der  Übergangswinkel 
der  Lamellen  an  den  Kanten  läßt  bald  erkennen,  daß  hier  eine 
Anordnung  nach  Oktaeder  flächen  nicht  vor  liegt. 


Fig.  2.  Grundriß  des  Eisens  I mit  Lamellenspuren. 

Da  somit  der  Oktaedrittypus  für  das  Meteoreisen  von  Carthage 
nicht  angenommen  werden  kann,  so  muß  der  Versuch  gemacht 
werden,  die  Anordnung  der  Lamellen  unter  einem  anderen 
Gesichtspunkte  zu  deuten. 

Die  Durcharbeitung  verschiedener  Möglichkeiten  brachte  mich 
schließlich  auf  den  Gedanken,  daß  die  Lamellen  des  Eisens  parallel 
zu  Flächen  des  Rhombendodekaeders  gehen  könnten.  Dieser 
Annahme  stand  zunächst  im  Wege,  daß  bei  einem  solchen  Dode- 
kaedertypus die  Schnittflächen  mehr  Spuren  zeigen  müßten,  als 
vorhanden  waren.  Das  nähere  Studium  zeigte  dann,  daß  man  eine 
Erklärung  der  Struktur  geben  kann,  wenn  dem  Aufbau  des  Eisens 
ein  Rhorabendodekaeder  zugrunde  gelegt  wird,  bei  dem  nur 
die  Zonen  von  zwei  Hauptachsen  ausgebildet  sind,  die  Zone  der 
dritten  Hauptachse  aber  fehlt,  oder  nur  gelegentlich  ganz 
untergeordnet  zur  Geltung  kommt.  Wenigstens  hat  sich  diese  An- 
nahme unter  allen  Möglichkeiten  am  besten  bewährt.  Ich  gehe 
nun  etwas  näher  darauf  ein. 

Es  lagen,  wie  erwähnt,  drei  Stücke  des  Eisens  zur  Unter- 

2* 


20 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung 


suchung  vor.  Das  größte  (I)  hat  die  in  Fig.  2 gezeichnete 
Grundfläche  und  eine  Höhe  von  durchschnittlich  0,9  cm.  Die 
Lamellenbreite  schwankt  zwischen  reichlich  3 mm  und  1 mm. 
Außer  der  Ober-  und  Unterfläche  bieten  auch  die  nach  AC  und 
AB  geschnittenen  Seitenflächen  die  WiDMANNSTÄTTEN’schen  Figuren 
dar.  Der  Taenit  begleitet  in  ganz  schmalen  Bändchen  den  Kamazit ; 
stellenweise  ist  er  gar  nicht  zu  Anden.  Risse  linden  sich  nach 
allen  Lamellenrichtungen  hie  und  da ; das  System  der  Lamellen 
ist  nicht  ganz  ungestört  und  macht  einen  sehr  groben  Eindruck. 

Wesentlich  das  gleiche  gilt  von  dem  Stück  II,  das  ein  Teil- 
stiick  von  I zu  sein  scheint,  den  Begreuzungsflächen  nach  zu  ur- 
teilen. Seine  Grundfläche  ist  nur  viel  kleiner  (Fig.  3)  und  es  hat 
fünf  künstliche  Flächen  mit  WiDMANNSTÄTTEN’schen  Figuren. 

Das  Stück  III  ist  eine  anders  als  die  vorigen  orientierte  Platte 
mit  lauter  künstlichen  Seitenflächen,  von  denen  zwei  zur  Ober- 


fläche schief,  zwei  nahezu  senkrecht  gehen.  Den  Grundriß  zeigt 
Fig.  4.  Die  Höhe  ist  etwa  5 mm. 

Wo  die  Grobheit  der  Lamellen  die  Winkelmessuug  zu  un- 
sicher machte,  konnten  mit  Vorteil  die  zu  den  Lamellenspuren 
parallelen  Liniensysteme  in  den  Plessitfeldern  als  Ersatz  heran- 
gezogen werden. 

Ich  erwähnte  oben,  daß  die  Hauptfläche  von  I und  II  nahezu 
senkrecht  steht  zu  einer  in  der  einen  Seitenfläche  als  Spur  auf- 
tretenden Kante.  Deutet  mau  diese  Kante  nach  der  neuen  Auf- 
fassung als  eine  Dodekaederkante  (die  Kante  c auf  AB  CD  in 
Fig.  1),  so  muß  nun  die  Hauptfläche  einer  Oktaederfläche  parallel  sein. 

Wird  aber  ein  vollständiges  Rhombendodekaeder  nach  einer 
Oktaederfläche  geschnitten , so  entstehen  6 Spuren  verschiedener 
Richtung,  von  denen  jede  mit  den  benachbarten  Winkel  von  30° 
bildet.  Da  nun  nach  unserer  Annahme  die  Zone  einer  der  Haupt- 
achsen fehlen  soll,  so  erhält  man  in  diesem  Falle  nur  vier  Spuren- 
richtungen, die  der  Reihe  nach  die  Winkel  60°,  30°,  6 0°, 
30°  miteinander  bilden.  Diese  vier  Spuren  zeigen  sich  nun  tat- 
sächlich auf  der  Hauptfläche  des  Eisens.  Da  diese,  wie  erwähnt, 


Fig.  3.  Grundriß  des  Eisens  II 
mit  Lamellenspuren. 


Fig.  4.  Grundriß  des  Eisens  III 
mit  Lainellenspuren. 


der  Struktur  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee). 


21 


nur  angenähert  die  Lage  einer  Oktaederfläche  hat,  haben  die 
Winkel  der  Spuren  natürlich  nicht  genau  die  oben  genannten 
Werte;  sie  liegen  aber  in  der  Nähe  und  auch  die  Größenänderung 
erfolgt  in  dem  gleichen  Sinne.  Aus  der  Abweichung  ergibt  sich 
nun  wieder  die  Möglichkeit,  die  Lage  der  Schnittfläche  genauer 
zu  bestimmen,  worauf  ich  noch  eingehen  werde.  Was  ferner 
die  liier  gemachte  Annahme  stützt , ist  der  Umstand , daß  die 
Übergänge  der  Lamellenspuren  an  der  Schnittkante  tatsächlich  in 
der  entsprechenden  Weise  stattfinden.  Fig.  5 a stellt  ein  solches 
„offenes“  Dodekaeder  dar,  bei  dem  die  Zone  der  senkrechten  Haupt- 
achse fehlt.  Es  sind  nur  die  vier  Flächen  a,  b,  c,  d mit  ihren 
parallelen  Gegenflächen  vorhanden.  Hat  die  vordere  Fläche  in 
Fig.  1 etwa  die  Lage  der  Fläche  d,  so  würde  die  Hauptfläche, 
parallel  einer  Oktaederfläche,  etwa  die  vier  stark  gezeichneten 
Spuren  auf  a,  b,  c und  d hervorbringen,  während  die  punktierten 
Spuren  fehlen  würden.  Fig.  5 b zeigt  die  Platte  der  Fig.  1 zum 
Vergleich  mit  dem  Dodekaeder  orientiert.  Wie  man  sieht,  ergeben 


Lage  der  Hauptschnittfläche  der  Eisen  I und  II  gegen  das 
unvollständige  Dodekaeder. 

sich  die  richtigen  Übergänge  der  Spuren  an  der  Kante  C D hier  aus 
der  Lage  der  Dodekaederflächen. 

Bei  genauer  Absuchung  waren  übrigens  auf  jedem  der  Stücke 
einige  wenige  und  kurze  Lamellenspuren  zu  finden , die  sich  im 
Sinne  der  fehlenden  Flächen  dem  ganzen  System  einzufügen  schienen. 

Die  genauere  Bestimmung  der  Lage  der  Hauptschnittflächen 
zu  den  Flächen  des  Dodekaeders  bezw.  zum  Achsensystem  kann  auf 
die  Verfahren  gegründet  werden,  die  für  die  oktaedrischen 
Meteoreisen  von  A.  Brezina1 2  und  A.  Himmelbauer  2 ausgearbeitet 
worden  sind.  A.  Brezina  hat  die  Aufgabe  rechnerisch  behandelt 

1 A.  Brezina  , Meteoritenstudien  II.  Über  die  Orientierung  der 
Schnittflächen  an  Eisenmeteoriten.  Denkschr.  d.  K.  Akad.  d.  Wissensch., 
math.-nat.  Kl.  44.  p.  121.  1882. 

2 A.  Himmelbauer,  Orientierung  von  Schnittflächen  an  Meteoreisen. 
Min.-petr.  Mitt.  28.  p.  153.  1909. 


22 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung 


und  für  die  Oktaedrite  eine  Tafel  aufgestellt,  aus  der  man  mit 
Hilfe  der  gemessenen  Winkel  der  Lamellenspuren  auf  der  Schnitt- 
fläche die  Lage  dieser  Fläche  gegen  das  Achsensystem  ermitteln 
kann.  Dieses  Prinzip  läßt  sich  natürlich  auch  auf  das  Dodeka- 
eder übertragen.  Die  analytische  Geometrie  bietet  die  Formel, 
aus  der  man  den  Winkel  zweier  Geraden  im  Raum  berechnen 
kann,  wenn  diese  Geraden  selbst  durch  die  Gleichungen  der  sie 
erzeugenden  Ebenen  gegeben  sind.  Ist  etwa  die  Gerade  Cj  dar- 
gestellt durch  die  beiden  Ebenengleichungen : 

y = mz  + a 
x = nz  + b 

eine  andere  Gerade  G2  durch : 

y = pz  + c 
x = qz  + d, 

so  ergibt  sich  der  Winkel  </>  zwischen  G,  und  G2  aus: 

1 + mp  + nq 


COS  (f  — 


V (1  + nP  + n2)  (1  + p*  + q2). 


Z.  B.  ist  x + y + z = 0 die  Gleichung  für  die  Oktaeder- 
fläche (111).  Die  Dodekaederflächen  (101)  und  (011)  haben  die 
Gleichungen  x + z = 0 und  y -f-  z = 0.  Die  Schnittgerade  von 
(111)  und  ( 1 0 1 ) wäre  dann: 

i (y  = o 


die  von  ( 1 1 1 ) und  (011): 


II. 


y = — z> 

x = 0 


Hieraus  folgt: 


COS  (f>  I,  II  = 


V 4 


= = + l 


Daher  cp  1,11=60°  bezw.  120°. 

Es  ist  das  der  Winkel  der  Spuren  a und  b in  Fig.  1 oder 
Fig.  5 auf  der  Hauptschnittfläche. 

Mit  Hilfe  dieser  Formel  könnte  man  also  auch,  wie  A.  Brezina 
für  das  Oktaeder,  für  das  Dodekaeder  eine  Tafel  aufstellen,  die 
die  Winkel  der  Schnittgeraden  angibt,  die  bei  wechselnder  Lage 
einer  Ebene  auf  dieser  von  den  sie  schneidenden  Dodekaederflächen 
hervorgebracht  werden. 

Die  allgemeine  Lösung  der  Aufgabe , aus  den  auf  der 
Schnittfläche  gemessenen  Spurenwinkeln  die  Lage  der  Fläche  gegen 
die  Achsen  zu  bestimmen,  bietet  algebraische  Schwierigkeiten.  Diese 
können  aber  entweder  auf  die  oben  geschilderte  Weise  nach 
A.  Brezina  oder  auch  so  umgangen  werden,  daß  man  das  graphische 
Verfahren  von  A.  Himmelbauer  auf  das  Dodekaeder  überträgt. 


der  Struktur  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee}. 


23 


A.  Himmelbauer  arbeitet  mit  dem  WuLFp’schen  stereo- 
graphischen Netz  unter  einer  Kugelprojektion  des  Oktaeders,  die 
auf  durchsichtigem  Papier  gezeichnet  ist.  Er  ermittelt  den  Pol 
der  Schnittfläche  als  den  Schnittpunkt  mehrerer  Kurven,  „Isoklineu“ 
genannt.  Es  gibt  eine  Keihe  von  Ebenen,  auf  denen  die  Schnitt- 
geraden mit  zwei  bestimmten  Oktaeder  flächen  immer  den  gleichen 
Winkel  bilden.  Die  zu  dieser  Ebenenreihe  gehörigen  Pole  liegen 
auf  einer  rIsoklineK. 

Diese  Isoklinenmethode  läßt  sich  offenbar  vom  Oktaeder 
sofort  auf  das  Khombendodekaeder  übertragen.  Ich  habe  das  bei 
der  vorliegenden  Aufgabe  ausgeführt,  um  so  mehr,  als  die  leider 


X 

Fig.  6. 

Poltigur  von  zwei  Zonen  des  Rliombendodekaeders  (a,  b,  c,  d),  geschnitten 
durch  eine  Oktaederfläche  o und  zwei  an  den  Eisen  I — III  vorkommende 
andere  Flächen  s,  und  s2. 

nicht  große  Genauigkeit,  mit  der  sich  die  Winkelmessungen  an 
den  Lamellenspuren  anstellen  ließen,  die  rechnerische  Mühe  der 
Tafelmethode  nach  A.  Brezina  nicht  gelohnt  hätte. 

In  der  Fig.  6 ist  zunächst  die  Polflgur  des  Rhombendodeka- 
eders gezeichnet,  wie  es  Fig.  5a  entspricht,  mit  fehlender  Zone 
der  Vertikalachse,  a,  b,  c,  d bedeuten  die  vier  Flächen;  A,  B,  C,  D 
ihre  Pole.  X,  Y,  Z bezeichnen  die  positiven  Richtungen  der  Achsen. 
Die  in  Fig.  5 a als  schneidende  Fläche  angenommene  Oktaederfläche 
( 1 1 1 ) ist  dann  durch  o mit  dem  Pol  0 dargestellt. 

Die  Ebene  s,  mit  dem  Pol  S,  ist  die  nach  dem  isoklinen 
Verfahren  genauer  bestimmte  Hauptschnittfläche  der  Eisen  I und  II. 


24 


P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  etc. 


Diese  Platten  sind  nicht  genau  planparallel ; die  gezeichnete  Fläche 
hat  die  Lage,  wie  sie  etwa  den  Mittelwerten  der  gemessenen 
Spuren winkel  entspricht:  a,  b = 50°,  b,  d = 32  °,  «^  d,  c=  59  °, 

c,  a = 39°.  Diese  Lage  ist  charakterisiert  durch  die  Winkel 
S1X=62°,  S,  Y = 52  S,  Z = 5 1 0 gegenüber  der  etwas  abweichen- 
den Lage  der  Oktaederfläche  0,  die  bestimmt  ist  durch  OX  = OY 
= OZ  = 54°  45'. 

Die  Figur  enthält  schließlich  noch  die  Hauptfläche  s2  des 
Eisens  III  mit  dem  Pol  S2.  Die  Lage  dieser  Fläche  ließ  sich 
ebenfalls  graphisch  durch  die  Isoklinen  bestimmen  mit  Hilfe  der 
gemessenen  Winkel  der  Lamellenspuren.  Es  fand  sich  im  Mittel: 
«£a,  b = 50 °,  b,  c=  39°,  ^ c,  d=70°;  d,  a = 21°. 

Daraus  ergibt  sich  die  Lage  des  Pols  S2  derart,  daß  an- 
nähernd S2  X = 8 1 °,  S2  Y = 71  ü,  S2  Z = 2 1 0 ist. 

Die  Spuren  auf  den  Seitenflächen  zeigten  Eiclitungen , die 
nach  meiner  Beobachtung  mindestens  qualitativ  den  Forderungen 
genügten,  die  sich  theoretisch  auf  Grund  der  graphischen  Dar- 
stellung an  sie  stellen  ließen,  besonders  in  bezug  auf  die  Art 
des  Übergangs  an  den  Kanten. 

Nach  alledem  ordnet  sich  also  auch  das  Stück  III  der  An- 
nahme unter,  daß  die  Kamazitlamellen  im  Meteoreisen 
von  Carthage  den  Flächen  zweier  Hauptachsenzonen 
des  ßhombendodekaeders  parallel  gehen,  während  die 
dritte  Zone  höchstens  ganz  untergeordnet  auftritt. 

Was  sonstige  Beobachtungen  über  dodekaedrische  Lamellen 
in  Meteoreisen  anlangt , so  hat  A.  Brezina  1 au  den  Eisen  von 
Tazewell,  Ballinoo,  Narrabura-Creek,  Augustinowka 
und  Joe  Wright2  festgestellt,  daß  dem  Bestandteil  Schreibersit 
die  Anordnung  nach  Dodekaederflächen  zukommt  und  daß  dabei 
häufig  der  Kamazit  den  Schreibersit  als  Wickelkamazit  umgibt. 
Speziell  am  Eisen  von  Augustinowka  wurden  wulstiges  Anschwellen 
der  Balken  und  breiter  Wickelkamazit  bemerkt.  Mit  dieser  wulstigen 
Verbreiterung  ist  wohl  dasselbe  bezeichnet,  was  beim  vorliegen- 
den Eisen  von  Carthage  als  Grobheit  der  Lamellen  auffällt. 

Jedenfalls  würde  sich  nun  zunächst  die  Frage  erheben,  ob 
die  dodekaedrische  Struktur  des  Meteoreisens  von 
Carthage,  die  hier  nachzuweisen  versucht  wurde,  auch  auf  die 
Orientierung  des  Schreibersits  zurückzuführen  ist,  oder  ob 
der  Kamazit  selbständig  sich  in  dieser  Anordnung  ausgebildet  hat. 

Möglicherweise  könnte  auch  gerade  nur  in  den  vorliegenden 
Stücken  des  Eisens  das  Dodekaeder  herrschen,  während  in  anderen 
Partien  Oktaedrit-Struktur  vorhanden  wäre. 

1 A.  Brezina,  Über  dodekaedrische  Lamellen  in  Oktaedriten.  Sitz.- 
Ber.  d.  K.  Akad.  d.  Wissenscli.  in  Wien.  113.  1904.  I.  p.  577—583. 

2 Über  diese  Vorkommnisse  vergl.  E.  Cohen  , Meteoritenkunde  IIL, 
p.  258;  286;  262;  387.  1905. 


J.  Koenigsberger,  Nachtrag  etc.  — M.  Bauer,  Berichtigung.  25 
Zusammenfassung. 

Das  Meteoreisen  von  Carthage  (Tennessee)  wurde  bisher 
als  Oktaedrit  mit  mittleren  Lamellen  registriert.  Die  im 
Kgl.  Mineralog.  Museum  zu  Dresden  befindlichen  Stücke  dieses 
Eisens  zeigen  aber  auf  den  Schnittflächen  Systeme  von  Lamellen- 
spuren, die  sich  mit  Oktaedrit- Struktur  nicht  vereinigen  lassen. 
Die  Versuche , die  zu  anderer  Deutung  der  Struktur  gemacht 
wurden,  ergaben,  daß  sich  die  Beobachtungen  am  besten  mit  der 
Annahme  erklären  lassen,  daß  die  Anordnung  der  Lamellen 
parallel  zwei  Zonen  des  Rhombendodekaeders  ist. 

Im  Hinblick  auf  andere  Vorkommnisse  von  dodeka- 
edrischen  Lamellen  (vergl.  p.  24)  wird  die  Frage  zu  er- 
heben sein,  ob  und  in  welcher  Weise  der  Schreibe rsit  am 
Aufbau  des  Meteoreisens  von  Carthage  beteiligt  ist. 


Nachtrag  zur  Notiz  über  einen  anorthositischen  Gneis  von 

Norwegen. 

Von  J.  Koenigsberger  in  Freiburg  in  Br. 

In  der  Fundortsbezeichnung  des  anorthositischen  Gneises  (Cen- 
tralbl.  1912.  No.  19)  ist  infolge  einer  Schliffverwechslung  ein 
Irrtum  unterlaufen.  Der  Gneis  ist  am  Harjangenfjord  bei  Narvik 
uud  nicht  am  Eidsfjord,  Seitenarm  des  Hardangerfjord,  gefunden. 
Der  Gneis  bei  Eidsfjord  entspricht  einem  granitisch-syenitisclien 
Magma  mit  Biotit,  überwiegendem  Mikrolin,  etwas  Quarz  und  sein- 
wenig  Oligoklas ; er  steht  also  nicht  im  direkten  Gegensatz  zu  dem 
Granit  von  Fossli.  Die  Adern  des  anorthositischen  Injektions- 
gneises am  Harjangenfjord  bei  Narvik  bestehen  dagegen  aus  Biotit, 
etwas  Muscovit , beide  idiomorph , und  weit  überwiegend  aus 
Andesin-Plagioklas , nach  dem  Albitgesetz  verzwillingt.  Quarz 
und  Kalifeldspat  scheinen  völlig  zu  fehlen.  Das  von  diesen  Adern 
injizierte  Gestein  besteht  aus  nichtverzwillingtem  Oligoklas-Andesin, 
Quarz,  Biotit,  Hornblende  und  Erzen  und  selten  etwas  Orthoklas. 


Berichtigung. 

Von  Max  Bauer  in  Marburg. 

Herr  Walter  Boese  in  Berlin  hat  in  seiner  Arbeit:  Petro- 
graphisclie  Untersuchungen  an  jungvulkanischen  Ergußgesteinen 
von  Säo  Thome  und  Fernando  Poo 1 die  basaltischen  Gesteine 
von  Fernando  Poo  mit  denen  in  Niederhessen  verglichen.  Er 
schreibt  auf  Grund  meiner  vorläufigen  Berichte  in  den  Sitzungs- 


1 W.  Boese,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  1912.  p.  317. 


26  W.  Maier,  Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  etc. 

berichten  der  Berliner  Akademie.  41.  1900  2 resp.  1024  und  44. 
1903.  p.  1 resp.  992.  „Was  den  mineralogischen  Aufbau  anbelangt, 
so  sind  die  hessischen  Feldspatbasalte  am  häufigsten  „ganz  normal 
aus  Plagioklas,  Augit  und  Magneteisenerz  zusammengesetzt,  meist  in 
der  gewöhnlichen  Weise  Olivin  in  größeren  oder  geringeren  Mengen 
enthaltend , zuweilen  auch  ohne  diesen  in  allen  möglichen  Über- 
gängen“ (1.  c.  1900),  im  Jahre  1903  berichtet  M.  Bauer  jedoch, 
„daß  olivinfreie  Basalte  noch  nicht  nachgewiesen  seien“. 

Danach  könnte  es  scheinen , als  ob  zwischen  meinen  beiden 
Mitteilungen  ein  Widerspruch  bestände.  Dies  ist  jedoch  nicht 
der  Fall.  Wie  aus  deren  p.  2 zu  ersehen  ist , bezieht  sich  die 
erste  Mitteilung  von  1900  auf  das  ganze  Gebiet  zwischen  Schwalm 
und  Fulda  bis  etwa  auf  die  Höhe  von  Ziegenhain  als  südliche 
Grenze.  In  diesem  Gebiet  sind  einige  wenige  olivinfreie  Basalte 
gefunden  worden.  Die  zweite  Mitteilung  von  1 903  behandelt  nur 
das  weit  beschränktere  Gebiet  ringsum  die  Stadt  Homberg  a.  Efze 
(p.  1,  resp.  992).  In  diesem  engeren  Umkreis  war  damals  kein 
olivinfreier  Basalt  bekannt  und  dasselbe  gilt  meines  Wissens  auch 
heute  noch. 


Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  der  Kontakt- 
zone des  Mt.  Tibidabo  bei  Barcelona. 

Von  W.  Maier  in  Tuttlingen. 

In  meiner  Inaug.-Diss.  „Die  Kontaktzone  des  Mt.  Tibidabo 
bei  Barcelona"  beschrieb  ich  am  Schlüsse  des  über  die  Hornfelse 
handelnden  Abschnittes  Quarzbiotitmuscovithornfelse  als  Gesteine 
von  mattem,  blauschwarzem  Aussehen,  die  sehr  zähe  und  dicht 
sind  und  von  den  sonst  herrschenden  Cordierithornfelsen  abweichen. 
Besonders  interessant  erwiesen  sie  sich  durch  reichlichen  Gehalt 
an  Turmalin  und  Korund. 

Herr  V.  M.  Goldschmidt  in  Kristiania  hatte  nun  die  Freundlich- 
keit, mich  auf  die  Unwahrscheinlichkeit  der  Paragenesis  Quarz — 
Korund  aufmerksam  zu  macken.  Wiederholte  konoskopische 
Prüfung  der  als  Quarz  angesprochenen  Körner,  die  allerdings 
durch  deren  geringe  Größe  sehr  erschwert  wird,  ließ  erkennen, 
daß  die  überwiegende  Mehrzahl  der  Körner,  von  denen  einzelne 
Zwillingslamellen  zeigen,  optisch  zweiachsig  und  positiv  ist. 
Manche  der  Körner  erwiesen  sich  aber  als  optisch  negativ  und 
besaßen  kleinen  Achsenwinkel.  Die  Prüfung  wurde  sowohl  durch 
Herrn  Goldschmidt  als  durch  mich  vorgenommen.  Quarz  kann 
soweit  nicht  vorliegen,  sondern  die  Mehrzahl  der  Körner  ist  Albit 
und  der  Rest  wohl  Cordierit.  An  Stelle  der  Bezeichnung  Quarz- 
biotitmuscovithornfels  muß  also  albitfiihrender  Hornfels  treten. 
Als  solcher  nimmt  er  nunmehr  keine  singuläre  Stellung  mehr  ein, 
sondern  ist  mit  den  im  Anhang  beschriebenen  albitfiihrenden 


M.  Semper,  Berichtigung. 


27 


Kalksilikathornfelsen  zu  vereinigen,  zwischen  denen  (wie  beschrieben) 
linsenförmig  eingesprengt  nahezu  reine  Albitgesteine , aber  auch 
solche  gefunden  wurden,  die  außer  Biotit  u.  Lithionglimmerblättchen 
reichlich  Titanit,  Korund  und  Kassiterit  führen. 


Berichtigung. 

Von  Max  Semper  in  Aachen. 

In  meinem  Aufsatz  über  Artenbildung  durch  pseudospontane 
Evolution  (dies.  Centralbl.  1912.  p.  140)  streifte  ich  die  Dis- 
kussion über  Steinmann’s  geologische  Grundlagen  der  Abstam- 
mungslehre und  führte  dabei  (1.  c.  p.  149,  Fußnote)  eine  Be- 
merkung Pompeckj's  als  Beispiel  eines  mehr  hitzigen  als  treffenden 
Schlages  an.  Es  dürfte  sicherlich  niemand,  der  sich  mit  Brachio- 
-poden  beschäftigt,  wirklich  und  bewußt  den  Stiel  der  Brachiopoden 
„funktionell  dem  Siplio  der  Zweischaler  gleichstellen“  wollen, 
sondern  wenn  etwas  Derartiges  sich  als  Meinung  eines  Autors  zu 
ergeben  scheint,  so  kann  das  nur  Folge  einer  gewissen  Hastigkeit 
der  Ausdrucksweise  sein.  Inzwischen  hat  Herr  Pompeck.t  mich 
freundschaftlich  darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  nicht  er,  sondern 
daß  Herr  Steinmann  sich  dieser  Mißdeutbarkeit  ansgesetzt  hat. 
Leider  hatte  ich  bei  der  Niederschrift  meines  Aufsatzes  unter- 
lassen, die  betr.  Stelle  (Geologische  Grundlagen  etc.  p.  184)  noch- 
mals aufzuschlagen  und  muß  jetzt  gestehen,  dass  ich  aus  dem 
Wortlaut  dort  auch  nichts  anderes  herauslesen  kann , als  was 
Pompeckj  herausgelesen  hat.  Hoffentlich  wird  eine  zweite  Auf- 
lage der  „Grundlagen“  über  die  wirkliche  Meinung  aufklären. 

Herrn  Ew.  Wüst  verdanke  ich  die  Kenntnis  eines  Auf- 
satzes von  L.  Dödeklein  (Phylogenetische  Betrachtungen.  Biolog. 
Centralbl.  VII.  1888.  p.  395  ff.).  Danach  führt  die  Betrachtung 
von  Entwicklungsreihen  bei  fossilen  Säugern  zur  Annahme  einer 
erblich  wei’denden  und  dann  im  Weiterverlauf  das  Maximum  der 
Nützlichkeit  überschreitenden  Entwicklungstendenz,  also  zu  einer 
Theorie,  die  ich  als  die  der  pseudospontanen  Evolution  zu  be- 
zeichnen vorschlug.  Wenn  demgemäß  eine  andere  Fußnote  meines 
Aufsatzes  (1.  c.  p.  142),  die  freilich  nichts  als  ein  Hinweis  auf 
das  Vorhandensein  älterer,  inhaltlich  identischer  Theorien  sein  sollte 
und  nicht  im  entferntesten  auf  Vollständigkeit  abzielte,  nun  um 
den  Namen  Döderlein’s  und  dann  auch  Eimer’s  erweitert  werden 
muß,  so  erfährt  sie  dadurch  keine  Veränderung  des  Inhalts,  denn 
die  Ausdrücke  „Zweckmäßigkeit“  oder  „Nützlichkeit“  sowie 
„Tendenz“  zu  einer  bestimmt  gerichteten  Entwicklung  sind  ent- 
schieden stark  teleologisch  belastet  und  deshalb  wohl  besser  zu 
vermeiden.  Indessen  bedaure  ich,  von  diesem  Aufsatz  nicht  früher 
erfahren  zu  haben,  wie  mir  überhaupt  zoologische  Literatur  hier 


28 


E.  A.  Wülfing, 


fast  nur  durch  Zufall  bekannt  wird ; es  wäre  vielleicht  nicht  zweck- 
los gewesen,  den  Einfluß  zu  analysieren,  den  die  Beschaffenheit 
des  fossilen  Forschungsmaterials  (Säugetiere  — Bracliiopoden)  auf 
die  Auffassung  der  Tatsachen  und  auf  die  Begriffsbildung  ausübt. 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schiebungen. 

Von  E.  A.  Wülfing  in  Heidelberg. 

Mit  6 Textfiguven. 

In  dies.  Centralbl.  1912  p.  417  beschreibt  0.  Mügge  zwei  Mo- 
delle zur  Demonstration  einfacher  Schiebungen,  die  vor  allem  eine 
konkrete  Vorstellung  von  den  Elementen  dieser  Deformation  geben 
und  sie  eindeutiger  und  schneller  verständlich  zu  erklären  ver- 
mögeii,  als  es  mit  bloßen  Worten  in  Kürze  geschehen  könnte.  Es 
läßt  sich  an  diesen  Modellen  zeigen , was  man  unter  erster  und 
zweiter  Kreisschnittebene , was  man  unter  Gleitungsachse  oder 
Schiebungsrichtung,  und  vor  allem,  was  man  unter  reziproken 
Schiebungen  zu  verstehen  hat.  Auch  läßt  sich  demonstrieren,  auf 
welche  Weise  sich  bei  der  sogen,  einfachen  Schiebung  ein  Kreis 
rein  äußerlich  in  eine  Ellipse  umwandelt. 

Wenn  nun  auch  das  Modell  in  seinen  Endzuständen  vor  und 
nach  der  Umwandlung  in  der  Tat  für  das  schnelle  Begreifen  der 
Schiebungselemente , besonders  im  triklinen  System , wofür  es  ja 
gebaut  ist,  Vorteile  bietet,  so  kann  dieser  pädagogische  Wert  viel- 
leicht nicht  in  demselben  Maße  betont  werden  in  bezug  auf  die 
Art  und  Weise , wie  diese  Endzustände  erreicht  werden , nämlich 
durch  gesetzmäßiges  Übereinanderhingleiten  von  Tafeln.  Wir 
wissen  allerdings  nichts  darüber , wie  sich  der  innerliche  Vor- 
gang der  homogenen  Deformation  abspielt,  können  aber  doch  be- 
haupten , daß  er  nur  nach  den  äußeren  Umrissen  zu  einem  Ge- 
bilde führt,  wie  es  in  dem  MüGGE’schen  Modell  nach  Verschiebung 
der  Holzlamellen  zustande  kommt.  Denn  diese  verschobenen  La- 
mellen sind  mit  dem  in  seiner  ursprünglichen  Lage  gebliebenen 
Holzklotz  immer  noch  von  derselben  kristallographischen  Orien- 
tierung; es  ist  eine  treppenförmige  Wachstumsform  entstanden, 
aber  keine  Zwillingsbildung  eingetreten.  Diese  wird  nur  dadurch 
rein  äußerlich  erreicht,  daß  die  Gleitung  bis  zu  einer  bestimmten 
Grenze  gegangen  ist,  nicht  früher  aufgehört  hat  und  nicht  weiter  ging. 

Schon  die  dem  innerlichen  Prozeß  durchaus  nicht  gerecht 
werdenden  alten  Bezeichnungen  wie  „Schiebung“  oder  „einfache 
Schiebung“  oder  „Gleitung“  mögen  genug  Verwechslung  hervor- 
gerufen haben.  Ein  Modell  aber,  welches  tatsächlich  eine  Gleitung 


Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schiebungen. 


29 


im  gewöhnlichen  Wortsinn  benutzt,  kann  gar  leicht  irrtümliche 
Vorstellungen  weiter  verbreiten  oder  befestigen  und  ist  daher, 
vom  pädagogischen  Standpunkt  aus  betrachtet,  einer  Ergänzung- 
zugänglich.  In  der  Tat  handelt  es  sich  bei  dem , was  man  bei 
Kristallen  als  Gleitung  zu  bezeichnen  pflegt,  nirgends  um  das,  was 
man  sonst  im  Leben  eine  Gleitung  nennt.  Niemals  sehen  wir  an  den 
sogen.  Gleitflächen  der  Kristalle,  daß  sich  Materie  an  Materie 
gleitend  vorbeibewegt,  wie  der  Schlitten  auf  dem  Eise  gleitet, 
oder  wie  sich  der  Kolben  der  Dampfmaschine  an  der  Zylinderwand 
fortschiebt.  Anders  ist  es  bei  den  von  der  Zwillingsfläche  etwas 
weiter  entfernt  liegenden  Teilen;  diese  erfahren  allerdings  gegen 
den  in  Kühe  gebliebenen  Kristall  eine  Fortschiebung.  Keineswegs 
aber  geschieht  dies  dadurch,  daß  benachbarte  Kristallbausteine 
aneinander  vorbeigleiten.  Dieses  Fehlen  jeglicher  Gleitung  bei  den 
sogen.  Gleitflächen  der  Kristalle  auch  bei  einem  Modell  zu  betonen, 
scheint  mir , wie  gesagt,  pädagogisch  nicht  unwichtig,  da  sonst 
gar  leicht  eine  Verwechslung  zwischen  Translation  und  „Gleitung“ 
angebahnt  wird , wie  sie  infolge  der  unglücklichen  Bezeichnung 
oft  genug  schon  vorgekommen  sein  mag.  Auch  die  Umwandlung 
ein  und  desselben  Kreises  in  verschiedene  Ellipsen,  wie  sie  an 
den  MüGGE’schen  Modellen  möglich  ist,  könnte  zu  Verwechslungen 
Veranlassung  geben. 

Derartige  Bedenken  haben  mich  beschäftigt  und  zur  Kon- 
struktion eines  Modells  geführt,  das  als  Ergänzung  der  Mügge- 
schen  Modelle  betrachtet  werden  mag. 

Zunächst  wurde  dabei  an  eine  Deformation  der  Kri- 
stallbausteine selbst  gedacht.  Es  wurde  also  bei  Kalk- 
spat der  Prozeß  in  der  Ebene  der  Schiebung  durch  Bau- 
steine von  parallelogrammatischem  Querschnitt  (Winkel 
= 109° 8',  Kantenlänge  30 : 37,8)  dargestellt,  die  sich 
mit  Hilfe  von  passenden  Gelenken  in  den  Ecken  der 
Parallelogramme  deformieren  lassen , wie  das  in  Fig.  1 a 
bis  1 e schematisch  angedeutet  ist.  Man  müßte  aber  dann 
annehmen , daß  der  Baustein  des  Kalkspats  oder  sein 
Raumgitter  — oder  wie  man  den  letzten  integrierenden 
Bestandteil  eines  Kristalls  nennen  will  — während  der 
Zeit  der  Deformation  folgende  kristallographische  Wand- 
lungen erlebt:  Aus  seiner  rhomboedrischen  Symmetrie 
würde  der  kohlensaure  Kalk  in  monokline , darauf  in 
rhombische,  dann  abermals  in  monokline  und  schließlich 
wieder  in  rhomboedrische  Symmetrie  übergehen.  Er  wäre 
also  während  der  kurzen  Zeit  der  Deformation  in  jeder 
Schicht  zwar  immer  noch  kohlensaurer  Kalk,  aber  kein 
Kalkspat  geblieben,  sondern  müßte  vorübergehend  mono- 
kliner und  auch  rhombischer  kohlensaurer  Kalk  gewesen 
sein.  Diese  Vorstellung  ist  sicherlich  nicht  als  einfach  zu 
bezeichnen,  ganz  abgesehen  davon,  daß  dahingestellt 
bleiben  möge,  ob  sie  den  Tatsachen  entsprechen  kann. 


Solange  wir  über  die  inneren  Vorgänge  der  Umwandlung 
nichts  Näheres  zu  sagen  wissen , werden  wir  wohl  gut  tun , die 
Eigenschaften  der  Bausteine  des  kohlensauren  Kalks  auch  während 
der  kurzen  Zeit  der  Deformation  genau  so  wie  vorher  und  nach- 
her anzunehmen  und  in  der  Lagerung  dieser  Bausteine  gegen- 
einander das  bestimmende  Moment  bei  der  Neubildung  zu  suchen. 
Bei  dieser  Überlegung  kann  man  an  die  alte  Vorstellung  von  der 
Hemitropie  ankniipfen  und  die  üblichen  Modelle  zur  Demonstration 
der  Zwillingsbildung  in  eine  große  Zahl  von  Einzelhemitropien 
zerlegen.  Ich  lasse  also  von  dem  nachfolgend  beschriebenen 
Modell 1 die  Zwillingsbildung  nicht  an  der  starren  Einheit  einer 
ganzen  Schicht  eintreten , sondern  nehme  sie  an  den  einzelnen 
Kristallbausteinen  mittelst  Drehung  um  180°  vor  und  erreiche 
damit  die  Verdeutlichung  einer  Schiebung  der  von  der  „Gleitfläche“ 
weiter  abstehenden  Teile,  ohne  daß  irgendwo  zwischen  den 
benachbarten  Bausteinen  etwas  von  Schiebung  oder  Glei- 
tung eingetreten  wäre. 

Das  in  den  Figuren  2 bis  6 in  der  Ebene  der  Schiebung  ab- 
gebildete Modell  enthält  4 X -1  Täfelchen,  die  im  folgenden  als  Kri- 
stallbausteine bezeichnet  werden  mögen.  Ihre  Umrisse  entsprechen 
dem  symmetrischen  Querschnitt  eines  Kalkspat-Grundrliomboeders, 
also  dem  Querschnitt,  der  bei  einem  regelmäßig  gewachsenen 
Rhomboeder  durch  eine  Polkante  und  die  kurze  Diagonale  der 
gegenüberliegenden  Rhomboederfläche  geht.  Die  Richtung  dieser 
Polkante,  also  auch  die  Fläche  des  nächststumpferen  Rhomboeders, 
liegt  im  Modell  vertikal,  und  die  Richtung  der  kurzen  Diagonale 
steigt  bei  Fig.  2 nach  rechts  an,  zeigt  sich  bei  den  Figuren  3,  4 
und  6 geknickt  und  fällt  bei  Fig.  5 nach  rechts  ab.  Die  Bau- 
steine sind  mit  ihren  rechten  und  linken  Nachbarn  durch  leicht 
drehbare  Achsen  verbunden.  Diese  Achsen  stehen  senkrecht  auf 
der  sogen.  Gleitfläche,  also  bei  Kalkspat  senkrecht  auf  der  Rhombo- 
ederfläche (0112).  Jeder  Baustein  kann  sich  in  keiner  Weise, 
um  dies  noch  einmal  zu  betonen,  gegen  seine  Nachbarn  rechts  und 
links  verschieben  oder  gleitend  fortbewegen , er  kann  sich  einzig 
und  allein  um  die  angegebenen  Achsen  drehen.  Die  Vorstellung 
von  der  vermeintlichen  leichten  Gleitung  nach  (0112)  ist  also  hier 
durch  die  Vorstellung  von  der  leichten  Drehbarkeit  um  1 80 0 um 
die  Senkrechte  auf  (0112)  ersetzt  worden.  Ob  damit  der  wahre 
innere  Vorgang  dargestellt  ist,  bleibt  außerhalb  der  Diskussion. 
Es  bleibt  hierbei  auch  unerklärt , warum  diese  Drehung  nur  um 
180°  erfolgt  und  nicht  in  einer  Zwischenlage  stehen  bleibt.  Jeden- 
falls zeigt  sich  kein  Widerspruch  in  der  Orientierung  der  Teile 
vor  und  nach  der  Verschiebung  mit  den  in  Wirklichkeit  be- 
obachteten homogenen  Deformationen. 

1 Das  Modell  wurde  auf  der  Naturforscherversaminlung  in  Münster 
im  September  d.  J.  der  Abteilung  für  Mineralogie  etc.  vorgeführt. 


Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schiebungen. 


31 


In  dem  Modell,  das  den  Querschnitt  durch  nur  eine  Schicht 
von  Bausteinen  darstellt,  liegen  alle  Drehachsen  in  einer  einzigen 
vertikalen,  aber  in  lauter  verschiedenen  horizontalen  Ebenen,  und 
zwar  liegen  bei  Fig.  2 die  rechten  Drehachsen  immer  höher,  bei 
Fig.  5 immer  niedriger  als  die  linken. 

Zunächst  wird  durch  zwei  vertikale  Glasplatten , die  in  dem 
galgenförmigen  Rahmen  stecken  und  deren  innen  abgeschrägte 


Fig.  3. 


1. 


■SBSS 

Fig.  6. 


Enden  kan  der  Linie  rechts  zu  erkennen  sind , alles  in  fester 
Lage  gehalten.  Nach  ihrem  Zurückziehen  nach  links  um  eine 
Bausteinkolonne  können  die  Drehachsen  der  rechten  Bausteine 
in  Tätigkeit  treten  und  die  erste  Vertikalreihe  zum  Umklappen 
bringen  (vergl.  Fig.  3 mit  Fig.  2).  Dadurch  ist  die  Zwillings- 
bildung eingetreten;  eine  Verschiebung  irgendwelcher  Teile  inner- 
halb der  4X4  Bausteine  hat  aber  bis  jetzt  nicht  stattgefunden. 
Erst  wenn  nach  dem  weiteren  Zurückziehen  der  haltenden  Glas- 


32 


E.  A.  Wülfing,  Demonstrationsmodell  etc. 


platten  die  zweite  Vertikalreihe  umklappt  (Fig.  4),  findet  für  die 
erste  schon  ningeklappte  Vertikalreihe  eine  Abwärtsbewegung  in 
Gestalt  einer  Parallelverschiebung  statt.  Das  Maß  dieser  Ver- 
schiebung ist  bekanntlich  ein  ganz  bestimmtes  und  erfolgt  pro- 
portional dem  Abstand  von  der  Zwillingsebene , ist  also  um  so 
größer,  je  weiter  die  umgeklappten  Bausteine  nach  links  fort- 
schreiten (vergl.  Fig.  2 mit  Fig.  5). 

Diese  Parallelverschiebung  der  weiter  voneinander  abstehenden 
Kristallteile  ist  sicherlich  Veranlassung  gewesen , bei  dieser  Um- 
wandlung überhaupt  von  einer  Schiebung  oder  gar  von  einer 
Gleitung  zu  reden.  Daß  es  sich  im  Grunde  aber  doch  um  etwas 
ganz  anderes  handelt,  dazu  soll  das  Modell  eine  leicht  faßbare 
Vorstellung  geben. 

Schließlich  kann  man  auch  an  dem  Modell  die  Art  der  Ent- 
stehung von  Hohlräumen  (den  KosE’schen  Kanälen)  demonstrieren. 
Man  muß  nur  das  Umklappen  der  Bausteinreihe  nicht  gleichmäßig 
ausführen,  sondern  manche  Bausteine  bei  dem  Akt  der  Hemitropie 
überspringen , wie  das  in  Fig.  6 zu  erkennen  ist.  Besonders  be- 
quem lassen  sich  derartige  Stellungen  erreichen,  wenn  man  nach 
Entfernung  der  Glasscheiben  das  ganze  Modell  horizontal  auf  einen 
Tisch  legt  und  dazu  die  Fußplatte  über  den  Tisch  hinausragen 
läßt,  ein  Verfahren,  das  zur  Demonstration  der  Zwillingsstellungen 
vor  einem  kleineren  Zuhörerkreise  auch  ganz  zweckmäßig  ist. 
Um  aus  der  Stellung  der  Fig.  2 in  die  der  Fig.  4 überzugehen, 
schiebt  man  die  beiden  rechten  Bausteinreihen  über  den  Rand  des 
Tisches  hinaus , bewegt  den  rechten  mit  B bezeichneten  Balken, 
leicht  nach  oben  oder  unten  drehend,  zur  Seite  und  erreicht  so 
die  Stellung  der  Fig.  4.  Darauf  klappt  man  von  der  zweiten  und 
dritten  Vertikalreihe  die  untere  Hälfte  nach  unten , während  man 
die  obere  Hälfte  stehen  läßt.  Auf  diese  Weise  bildet  sich  eine 
symmetrisch  gelegene  Öffnung,  die  sich  mehrfach  verändern  und 
wie  in  Fig.  6 auch  unsymmetrisch  gestalten  läßt. 

Das  Modell  hat  eine  Höhe  von  30  cm  und  steht  auf  einer 
Grundplatte  von  45  cm  Länge  und  10  cm  Breite.  Die  Firma 
Dr.  F.  Krantz  in  Bonn  hat  die  Herstellung  übernommen. 

Heidelberg,  den  22.  Oktober  1912. 


0.  Miigge,  Ueber  die  Größenordnung  etc. 


33 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  die  Grössenordnung  der  Gravitations- Anisotropie 
in  Kristallen. 

Von  0.  Mügge  in  Göttingen. 

Mit  1 Textfigui-. 

Mackenzie1  hat.  1894  die  Frage  aufgeworfen,  ob  die  An- 
ziehung, welche  ein  Kristall  (Kalkspat)  auf  eine  andere  Substanz 
ausübt,  von  der  Lage  der  letzteren  zu  seiner  optischen  Achse  ab- 
hängt, so  daß  er  in  der  einen  Richtung  so  wirken  würde,  als 
wäre  er  von  größerer  Masse  als  in  der  andern.  Es  würde  sich 
das  durch  eine  Abweichung  vom  NEwroN’schen  Gesetz  bemerklicli 
machen , indem  eine  Kugel  aus  anisotroper  Substanz  nicht  mehr 
so  anzielien  würde , als  wäre  ihre  Masse  in  ihrem  Mittelpunkte 
konzentriert.  Daraufhin  unternommene  Versuche  ergaben  zwar, 
daß  die  Anziehung  von  Kalkspatkristallen  auf  Blei  und  andere 
Kalkspäte  unabhängig  von  der  Orientierung  der  Achse  des  Kalk- 
spates war,  indessen  gestatteten  die  Versuche  nur  Abweichungen 
von  mehr  als  0 o der  Gesamtanziehung  zu  erkennen. 

Genauere  Versuche  haben  darüber  später  J.  H.  Poynting  und 
P.  L.  Gray2  angestellt.  Sie  beruhen  auf  der  Erwägung,  daß, 
wenn  eine  Anisotropie  im  Schwerefelde  bei  Kristallen  existiert, 
zwei  kristalline  Massen  eine  richtende  Wirkung  aufeinander  aus- 
üben müssen  und  daß  man  eine  solche  in  der  Tatsache  finden 
könnte , daß  Kristalle  beim  Wachsen  Teilchen  aus  ihrer  Mutter- 
lauge in  orientierter  Stellung  auf  sich  niederschlagen.  Durch 
Versuche  konnten  indessen  auch  sie  eine  Anisotropie  nicht  nach- 
weisen , es  ergab  sich  vielmehr , daß  die  Anziehungen  zwischen 
zwei  Quarzkugeln  bei  paralleler  und  gekreuzter  Lage  ihrer  Haupt- 
achsen nicht  mehr  als  1 : 16500  voneinander  abweichen  können. 
Die  folgenden  Bemerkungen  sollen  zeigen,  daß  eine  Anisotropie 
der  Schwere  zwar  zu  erwarten , ihre  Größenordnung  aber  eine 
ganz  außerordentlich  kleine  ist. 

Fig.  1 soll  einen  Querschnitt  durch  einen  Kristall  von  qua- 
dratischem Umriß  vorstellen,  in  welchem  die  kleinsten  Teilchen  — 

1 Mackenzie,  John  Hopkins  Univ.  Circulars.  13.  p.  76.  1894.  (N. 

Jahrb.  f.  Min.  etc.  1901.  I.  -380-.) 

" J.  H.  Poynting  und  P.  L.  Gray,  Phil.  Trans.  Roy.  Soc.  London. 
A.  192.  p.  245.  1899.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1.  c.) 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


3 


34 


0.  Mügge,  Ueber  die  Größenordnung 


der  Kürze  halber  im  folgenden  Molekeln  genannt  — , netzförmig- 
parallel den  Seiten  des  Quadrats  angeordnet  sind ; der  Querschnitt 
liege  in  einem  Erdradius  und  AB  sei  dem  Schwerpunkt  der  Erde 
zugewandt.  Senkrecht  zur  Zeichnungsebene  mögen  der  in  der 
Figur  angedeuteten  gleichartige  Gitterebeuen  in  gleichen  Abständen 
aufeinander  folgen , wir  betrachten  aber  nur  eine  dieser  Ebenen, 
welche  also  der  Dicke  von  nur  einer  Molekelschicht  entsprechen 
soll.  Der  Querschnitt  Fig.  1 betrage  1 cm2,  auf  seiner  Seite  A B 
mögen  sich  m+  1 Molekeln  befinden,  auf  der  Seite  AC  (in  der 
Richtung  des  Erdradius)  dagegen  (n  + 1)  Molekeln.  Wir  wählen 

als  Längeneinheit  — — cm  , dann  befinden  sich  also  die  Teilchen 
auf  AB  in  einem  Abstande  von  n Einheiten,  die  auf  AC  im  Ab- 


n+i 


3 

2 


stände  von  m Einheiten , die  Länge  des  Erdradius , oder  genauer 
der  Abstand  zwischen  der  mittleren  Molekel  der  Reihe  A B und 
dem  Schwerpunkt  der  Erde  (gemessen  in  unserer  sehr  kleinen 
Einheit)  betrage  r. 

Setzen  wir  das  Produkt  aus  der  Masse  einer  Molekel  und  der 
Masse  der  Erde  gleich  1,  so  ist  die  Anziehung  für  die  mittlere 

Molekel  der  Reihe  A B proportional  für  die  anderen  Molekel  der 

Reihe  A B ist  ihr  Abstand  vom  Schwerpunkt  der  Erde  um  einen 
kleinen  Betrag  größer  als  r,  dieser  ist  aber  verschwindend  klein, 
auch  gegenüber  dem  Abstand  zweier  benachbarter  Molekelreihen 
parallel  AB.  Die  Gesamtanziehung  zwischen  allen  Molekeln  der 
Reihe  AB  einerseits  und  der  im  Schwerpunkt  der  Erde  vereinigt 

gedachten  Masse  der  Erde  anderseits  beträgt  daher  (m  + 1)  . 

Für  alle  Molekeln  der  nächsten  A B parallelen  Reihe  beträgt 


der  Gravitations-Anisotropie  in  Kristallen. 


35 


dagegen  die  Anziehung  (m  + 1) 


1 


(r  -f  m)2 


ebenso  (m  +1) 


(r  -f  2 m) 


usw.  bis  (m  + 1) 


für  die  dritte  Reihe 
1 


(r  + n . m)2 


Die  Summe  der  Anziehungen  für  sämtliche  Molekeln  der  La- 
melle in  der  Stellung,  wo  sich  der  Schwerpunkt  der  Erde  auf  der 
in  der  Mitte  von  A B errichteten  Normalen  befindet , wollen  wir 
2'm  nennen,  sie  beträgt  demnach: 

1)^,  + ^ _j_  mj2  + _|_  2 m)2  (r  _|_  n . lry  ]• 


Kehrt  man  die  Seite  A C der  kristallinen  Lamelle  dem  Schwer- 
punkt der  Erde  zu,  indem  man  die  Lamelle  um  ihren  geometrischen 
Mittelpunkt  um  90  0 in  der  Ebene  der  Zeichnung  dreht,  so  beträgt 

die  Anziehung  für  die  Molekeln  der  ersten  Reihe  (n  + 1)  y-,  für  die 


zweite  Reihe  (n  4-  1) — , ...  usf. , für  die  letzte  Reihe  (n  + 

v ' (r  + n)2  ’ v 1 

— ; . Die  Gesamtanziehung  in  der  Richtung  senkrecht  A 

(r  -(-  m . n)2 

welche  wir  — n nennen  wollen,  ist  also: 


1) 

C, 


-yn-(n-fl)[y+  (r  y n)2  + (l.J2n}*  + 


(r  + m.  n) 


] 


Machen  wir  nun  die  Annahme,  daß  m—  IO8  ist,  was  un- 
gefähr den  Dimensionen  der  Molekel  entspricht , daß  dagegen  der 
Abstand  der  Molekeln  in  der  Richtung  A C zehnmal  so  groß  sei 
(in  den  meisten  Fällen  ist  vermutlich  der  Unterschied  der  Ab- 
stände erheblich  geringer!),  also  n = 1 07,  so  wird  r,  der  Radius 
der  Erde,  der  in  Zentimetern  von  der  Größenordnung  IO8  ist,  in 
unserer  Einheit  gleich  108  X 107  X Iß8  = 1023  zu  setzen  sein. 
Es  liegen  also  für  ^m  und  .^n  zwei,  praktisch  genommen,  un- 
endliche Reihen  vor,  über  welche  ich  meinem  verehrten  Kollegen 
C.  Runge  folgende  Mitteilungen  hinsichtlich  ihrer  oberen  und 
unteren  Grenzwerte  verdanke: 

„Es  ist: 


r r + m r (r  + m)  ^ r2  ^ 
ebenso : 


1 


r + 


m 

2“ 


1 


1 


r + m r + 2 m (r  + m)  (r  + 2 m) 

1 

i m 

r+^ 


< 


(r  + m)2 

1 


< 


l(r  + m)2  ■ 


r + 


3m 


ebenso : 


3* 


36 


0,  Mügge,  lieber  die  Größenordnung 


1 1 m 

r-f-2m  r-|-3m  (r  -f-  2 m)  (r  + 3 in) 
m m 1 1 

< (r'4- 2m)*  <frXS^_||V=  ■ 3m  ' 

usw. 


(r  + 2m)!-(|)'  r + 


folglich,  wenn  man  summiert: 

T 1 fl  l_  , l _i -| 

r r + (n  + l)m  Lr2  (r  4-  m)2  ' (r+2m)2  ' ' ' ' (r  + n . m)2  J 


< 


(r-f-m)2  (r+2m)2 

1 1 
m r + (n  + i)m 


oder  nach  Multiplikation  mit 
n + 1 m 1 


m + 1 


r r --  ( I 1 % f 1 I 1 I 1 1 

n + 1 <(in+  jLr2  + (r  + m)l  + (r  + 2mpi“‘"(r_+n.m)2J 


1 + m 


< 


n + 1 m + 1 

r ‘ r 


Durch  Vertauschung  von  m und  n erhält  man  ebenso  — n. 
Nach  Umformung  der  oberen  und  unteren  Grenzwerte  in 
(m  + 1)  (n  + 1)  / ^ (m  + 1)  (n  + l) 


r*  + r . m . n -f-  r , 


< — in  < 


r*  r . m . n — 


2n  + 1 


und 

(m  ~t~  1)  (n  ~4~  1)  vn  (m  -f-  1)  (n  -j~ 1)  . 

r2  4-  r . m . n 4-  r . n ^ — , 2 m -(-  1 

r-4-r.m.n — n- 

erkennt  man,  daß  die  unteren  Grenzwerte,  wir  nennen  sie  N m u 
und  Nun,  von  — m und  N n sich  nur  unterscheiden  durch  den 
letzten  Summanden  des  Nenners.  Ist,  wie  in  Fig.  1 angedeutet, 
m n,  so  gilt  ersichtlich 

4 m u < 2nu. 


Die  oberen  Grenzwerte,  2mo  und  Nno,  unterscheiden  sich 
ebenfalls  nur  durch  den  letzten  Summanden  des  Nenners.  Die 
Differenz  dieser  beiden  Summanden  ist: 

2 n 4- 1 2 in  -f  1 

m2 — . n2, 


ihr  Vorzeichen  ist  identisch  mit  dem  von 

2 n . m1  -f  mJ  — 2m.  n2  — n2  = (m  — n)  (2  m . 11  -(-  m -f-  n). 

Ist  also  m > n,  so  ist  nV  > 2 m^~-1  . n2  und  für  die  oberen 

Grenzen  gilt 


2mo  >2no. 


der  Gravitations-Anisotropie  in  Kristallen. 


37; 


Die  Grenzen  von  2'n  liegen  also  zwischen  denen  von  — m 
und  die  größtmögliche  Anisotropie  der  Gravitation  liegt  also 
zwischen  den  beiden  Werten 


J m o : 2 n u > 1 und  2mu:2no<l, 


Durch  Einsetzen  der  Werte  aus  I und  II  erhält  man  hierfür 


2mo 

Anu 


r-  + r . nt . n -f-  r . n 


r . m . n -f-  r . n 


r1  + r . m . n — 


2 n -f  1 


r2  -f-  r . m . n — 


n . 


m- 

4 


Da  r sehr  groß  ist  gegenüber  m und  n,  kann  man  in  erster 
m2 

Annäherung  — r-  vernachlässigen,  und  erhält  so : 

Arno  r2-+-r.m.n-f-r.n 

An u , n . m2 

r2  -f-  r . m . n — 


Setzt  man  hierin  r = 1023,  m = 1 08,  n = 107,  so  entsteht: 
Amo  _ 1023  + 10,ä  + 101 
Anu  ~ 1023  + 10lä  — 0.5 


oder,  wenn  man  jetzt  auch  0,5  vernachlässigt: 

Amo  _ 10'6+  103  + 1 
Anu  — IO16  = 103 

Analog  entsteht 

Amu  _ 10,5+  107 

A n o _ 1 0 1 io 7-f  1 

Die  Anziehung  in  beiden  Richtungen  stimmt  also  bis  auf 
mindestens  eine  Einheit  der  15.  Dezimale  überein,  so  daß  einst- 
weilen keine  Hoffnung  besteht,  die  Differenz  nachzuweisen.  Das 
Verhältnis  kann  sich  möglicherweise  der  Einheit  noch  viel  stärker 
nähern,  da  ja  die  beiden  Grenzwerte  von—  n zwischen  denen  von 
— m liegen;  absolute  Gleichheit  tritt  ein,  wenn  m und  n beide 
unendlich  werden,  eine  Anisotropie  ist  aber  zu  erwarten, 
wenn  die  Kristalle  tatsächlich  aus  diskreten  Teilchen 
aufgebaut  sind.  Wenn  m = n < oo  ist,  werden  zwar  die 
Anziehungen  in  der  Richtung  der  Normalen  von  AB  und  AC  ein- 
ander gleich,  nicht  aber  in  den  zwischenliegenden  Richtungen, 
auch  nicht  bei  regulären  Kristallen.  Die  Anziehung  wird  hier 
z.  B.  in  der  Richtung  einer  AViirfelkante  etwas  verschieden  sein 
von  der  in  der  Richtung  der  Würfelflächendiagonalen , indessen 
müßte  die  Anisotropie  noch  erheblich  geringer  ausfallen  als  in 
dem  berechneten  Beispiel , da  hier  m : n = yA  ist.  Ähnliches  gilt 
für  Anziehungsrichtungen  in  der  Basis  hexagonaler,  tetragonaler 
und  trigonaler  Kristalle. 

Mit  der  Geringfügigkeit  der  Gravitations-Anisotropie  mag  es 
Zusammenhängen , daß  eine  Abhängigkeit  der  kristallographischen 


38 


0.  Mügge,  Ueber  die  Größenordnung  etc. 


Orientierung  aufgewachsener  Kristalle  von  der  Schwere  niemals 
beobachtet  ist l. 

Eine  Verschiedenheit  der  Anziehung  in  Richtung  und  Gegenrich- 
tung ist  nicht  zu  erwarten,  solange  die  Molekeln  als  Kugeln  angesehen 
werden  dürfen ; nimmt  man  aber  die  Molekeln  selbst  als  azentrisch 
an , so  wird  allerdings  eine  solche  auftreten  können , aber  ihre 
Größenordnung  müßte  noch  kleiner  sein,  als  vorhin  abgeleitet2 * * * *. 

Man  kann  fragen , ob  nicht  in  dem  Falle , daß  auch  r sehr 
klein,  aber  immerhin  noch  groß  gegenüber  m und  n ist,  also  bei 
der  Anziehung  kleiner  Kugeln  von  isotropem  oder  quasiisotropem 
Material  auf  „Kristallkeime“  von  molekularen  Dimensionen  eine 
stärkere  Bevorzugung  gewisser  Richtungen  der  Keime  hinsichtlich 
der  Anziehung  eintreten  kann.  (Solche  Verhältnisse  wären  z.  B. 
denkbar  bei  der  Verdichtung  meteorischer  Staubmassen , die  sich 
in  großer  Entfernung  von  anderen  Himmelskörpern  befinden  und 
also  ihrer  Anziehung  entzogen  sind,  aber  in  die  Nähe  gröberer 
Staubteilchen  geraten.)  Setzt  man  dementsprechend  z.  B. 
r = 10‘,  in  = 10,  n = 3, 

(dann  ist  also  die  Kantenlänge  des  quadratischen  Blättchens  gleich 
I0X3X  10  ~ 8 cm  = 3 X 10~7  cm  und  seine  Entfernung  vom 
Schwerpunkt  des  anziehenden  gröberen  Staubteilchens  r=  10  — 3 cm 
= 0,01  mm),  so  lassen  sich  .jetzt  nicht  nur  Grenzwerte  von  .i  m 
und  2u,  sondern  letztere  selbst  noch  berechnen.  Aber  man  findet 
auch  jetzt  noch  keine  Abweichung  zwischen  beiden,  welche  über 
1 : 5 Millionen  hinausginge  und  erst  für  m = 10,  n = 3 und 
r=  1000  weicht  das  Verhältnis  beider  um  1:1 00«  >0  von  der 
Einheit  ab.  Dann  ist  aber  die  Entfernung  des  feineren  Stäubchens 
vom  Schwerpunkt  des  größeren  schon  submikroskopisch , nämlich 

1 Eine  merkliche  Einwirkung  der  Schwere  auf  die  Winkel  der  Kri- 
stalle durch  ungleiche  Anziehung  der  unteren  und  oberen  Molekelschichten 
scheint  nach  Obigem  auch  ausgeschlossen , nicht  aber  eine  Deformation 
durch  das  Gewicht  des  Kristalls  selbst.  Eine  solche  ist  sogar  von  Bre- 
zina (Sitzungsber.  Wien.  Akad.  64.  p.  297.  1871)  behauptet  und  Brauns 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1887.  I.  p.  145)  hat  dies  durch  Messungen  an  re- 
gulären Oktaedern  von  Bleinitrat  zu  erhärten  gesucht.  Indessen  könnten 
die  beobachteten  Abweichungen  von  den  theoretischen  Winkelwerten  auf 
der  Beeinflussung  der  Lage  von  Vizinalflächen  durch  die  (von  der  Schwere 
abhängigen)  Strömungen  der  Mutterlauge  beruhen.  Entscheidende  Mes- 
sungen müßten  nicht  an  gewachsenen , sondern  an  Spalt-  oder  andern, 
nur  von  der  Struktur  abhängigen  Flächen  angestellt  werden. 

2 Zwar  ist  festgestellt,  daß  manche  Kristalle  mit  polaren  Achsen 

das  eine  Ende  derselben  hinsichtlich  der  Aufwachsung  bevorzugen,  in- 

dessen ist  dieses  Ende  keineswegs  immer  das  untere  oder  obere  (d.  h.  dem 

Erdmittelpunkt  nähere  oder  fernere);  es  kann  dies  vielmehr,  wie  Johnsen 

(N.  Jahrb.  t'.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXIII.  p.  278.  1907)  hervorgehoben,  mit 

der  verschiedenen  Lösungsgeschwindigkeit  in  Richtung  und  Gegenrichtung 
dieser  Achse  Zusammenhängen. 


Y.  Goldschmidt,  Ueber  Indikatoren  etc. 


39 


nur  0,1  fi.  Kristalline,  raumgitterartige  Struktur  wird  also  eine 
kristallographische  Orientierung  infolge  des  Gesetzes  der  Massen- 
anziehung erst  bei  nahezu  molekularen  Abständen  und  Dimensionen 
der  anziehenden  Massen  bewirken  können. 

Man  könnte  geneigt  sein  zu  schließen,  daß  bei  den  eingangs 
■erwähnten  Versuchen  demnach  keine  Aussicht  sei , eine  merkliche 
Anisotropie  zu  finden.  Indessen  sind  die  vorstehenden  Betrach- 
tungen auf  jene  Versuche  nicht  ohne  weiteres  anwendbar.  Es 
liegen  bei  ihnen  wesentlich  kompliziertere  Verhältnisse  vor ; einmal 
weil  bei  einem  Teil  der  Versuche  beide  Massen  anisotrop  waren, 
zweitens  weil  die  Entfernung  ihrer  Mittelpunkte  nicht  groß  war 
gegenüber  ihren  Dimensionen  nnd  also  die  Voraussetzung  nicht 
mehr  zutrifft,  daß  alle  Punkte  einer  Reihe  der  ersten  Masse,  wie 
AB  in  Fig.  1 merklich  gleich  weit  vom  Mittelpunkt  der  zweiten 
entfernt  und  somit  die  Anziehungsrichtungen  für  alle  Teilchen 
auch  nicht  mehr  einander  parallel  sind. 


Ueber  Indikatoren 

zur  mechanischen  Gesteinsanalyse  und  spezifischen 
Gewichts-Bestimmung. 

Von  V.  Goldschmidt  in  Heidelberg. 

In  diesem  Centralbl.  1912.  p.  508  publiziert  G.  Linck  ein 
hübsches  nnd  nützliches  Kästchen  mit 

Indikatoren  zur  Bestimmung  des  spezifischen  Gewichts 
von  Flüssigkeiten, 
und  bemerkt  dazu  in  der  Einleitung: 

„Man  kommt  häufig  in  die  Lage,  sich  eine  Lösung  von  bekanntem 
spezifischen  Gewicht  herzustellen , oder  das  spezifische  Gewicht  eines 
Körpers  annähernd  bestimmen  zu  müssen.  Da  es  aber  umständlich  und 
zeitraubend  ist,  dies  mit  der  hydrostatischen  Wage  auszuführen,  so  hat 
man  sich  vielfach  Indikatoren  hergestellt,  die  aber  meist  zu  weite  Ab- 
stände zwischen  den  einzelnen  Skalenteilen  zeigen  und  meines  Wissens 
nicht  in  den  Handel  kamen.“ 

Linck’s  Indikatoren  sind  24  Würfelchen  aus  Glas  in  einem 
Kästchen.  Preis  bei  Krantz  in  Bonn  20  Mk.  Sie  haben  folgende 
spezifische  Gewichte : 


No.  Sp.  G. 

1 

No. 

Sp.  G. 

No. 

Sp.  G 

No. 

Sp.  G. 

No. 

Sp.  G. 

No.  Sp.  G. 

1 2,240 

|5 

2,480 

9 

2.617 

13 

2.870 

17 

3,180 

21  3,350 

2 2.330 

6 

2,518 

10 

2,690 

14 

2,935 

18 

3.205 

22  3,480 

3 2,387 

, 7 

2.550 

11 

2,750 

15 

3,040 

19 

3,240 

23  ! 3,530 

4 2,410 

8 

2,576 

12 

2,785 

16 

3,110 

20 

3,275 

24  3,555 

40 


V.  Goldschmidt, 


Solche  Indikatorenkästchen  sind  sehr  nützlich.  Wenn  irgend 
einer,  so  bin  icli  ihrer  Vorzüge  bewußt;  denn  ich  selbst  habe 
(1881)  die  Indikatoren  mit  diesem  Namen  und  zu  dem  gleichen 
Zweck,  wie  Linck  ihn  darlegt,  in  unsere  Wissenschaft  eingeführt. 

1880  übergab  ich  ein  solches  Kästchen  mit  dem  Aufdruck: 

Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteinsanalyse 

dem  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Heidelberg,  1883  ein 
ebensolches  der  Geologischen  Reichsanstalt  in  Wien.  Die  beiden 
dürften  sich  dort  noch  vorfinden. 

Im  Jahre  1893  übernahm  der  Mechaniker  P.  Stoe  in  Heidel- 
berg die  Herstellung  und  den  Verkauf  solcher  Indikatorenkästchen. 
Sie  finden  sich  in  seinem  Katalog  angezeigt.  Seit  einigen  Jahren 
führen  sie  auch  Dr.  F.  Krantz  in  Bonn  und  R.  Fuess  in  Berlin 
in  ihrem  Katalog. 

Der  Preis  war  ursprünglich  16  Mk.  Er  stieg  mit  der  An- 
zahl der  Indikatoren  auf  20  Mk.  Von  den  durch  P.  Stoe  her- 
gestellten  Indikatorenkästchen  wurden  bisher  ca.  200  verkauft. 

Da  diese  Tatsachen  der  Aufmerksamkeit  Linck’s  entgangen 
sind  (wie  aus  dessen  oben  zitierter  Bemerkung  hervorgeht),  so 
darf  wohl  angenommen  werden , daß  sie  auch  anderen  unbekannt 
geblieben  sind.  Es  möge  daher  gestattet  sein , einige  diesbezüg- 
liche Stellen  hier  abzudrucken  und  einige  Ergänzungen  zuzufügen. 

Wir  lesen  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1881.  Beil.-Bd.  I.  p.  215: 

„Um  der  Lösung  jederzeit  ein  bestimmtes  spezifisches  Gewicht  geben 
zu  können,  bediene  ich  mich  statt  der  mißlichen  Verdünnung  mit  be- 
rechneten Wassermengen  der  folgenden  Methode : 

Man  stellt  eine  Reihe  von  Mineralien  her,  deren  spezifisches  Gewicht 
man  genau  bestimmt  hat  und  benützt  sie  zur  Einstellung  der  Lösung  auf 
bestimmte  Dichte  als  Indikatoren.  Durch  diese  markiert  man  nach 
einem  auf  die  mikroskopische  Untersuchung  resp  spezifische  Gewichts- 
bestimmung gegründeten  Plan  die  Grenzpunkte,  zwischen  denen  man  die 
Ausfällung  vornehmen  will.  Hat  man  z.  B.  zu  trennen:  Augit,  Horn- 
blende. Oligoklas.  Orthoklas,  so  führt  man  als  Indikatoren  ein:  Labrador 
und  Albit.  Es  fällt  beim  Einträgen  in  die  konzentrierte  Lösung  sofort 
der  Augit.  Beim  Verdünnen  bis  zum  Ausfallen  des  Labrador  sinkt  alle 
Hornblende  zu  Boden.  Vor  oder  mit  Albit  fällt  dann  der  Oligoklas  und 
nur  der  Orthoklas  bleibt  suspendiert.  Durch  eine  größere  Zahl  von  In- 
dikatoren kann  man  die  Grenzen  beliebig  eng  ziehen  und  die  reinen 
Körner  von  Zwischenprodukten  freier  halten.“ 

Verliandl.  geol.  Reichsanst.  Wien.  1883.  p.  68 : 

Die  hier  zu  betrachtenden  Indikatoren  sind  Körner  von  bestimmtem 
spezifischem  Gewicht,  die,  in  eine  schwere  Lösung  eingelegt,  bei  deren 
allmählicher  Verdünnung  bis  zu  einem  gewissen  Punkte  eben  suspendiert 
erscheinen  und  dadurch  das  augenblickliche  spezifische  Gewicht  der  Lösung 
anzeigen.  Sie  sind  dazu  bestimmt,  die  Grenzen  zu  markieren,  zwischen 


Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteinsanalyse  etc. 


41 


denen  man  die  Abscheidung  von  Gesteinselementen  in  schweren  Lösungen 
vornehmen  will  und  dürften  sich  zu  diesem  Zweck  allgemein  einführen. 
Für  den  Petrograplien  ist  es  daher  erforderlich , eine  Leihe  richtig  be- 
stimmter Indikatoren  zur  Hand  zu  haben,  von  der  er.  wie  aus  einem  Ge- 
wichtssatz, die  Körner  entnehmen  kann.  Jeder  kann  sich  nach  Bedarf 
eine  solche  Reihe  hersteilen , doch  ist  die  Beschaffung  des  Materials,  die 
Ausführung  der  spezifischen  Gewichtsbestimmungen  eine  zeitraubende 
Arbeit,  zu  der  sich  nicht  jeder  entschließt,  und  wäre  es  daher  jedenfalls 
wünschenswert,  wenn  man  solche  Indikatorensätze  gleich  fertig  kaufen 
könnte. 

Um  dies  einzuleiten,  der  Sache  einmal  greifbare  Gestalt  zu  geben 
und  die  eventuellen  Schwierigkeiten  zu  beseitigen . habe  ich  eine  Anzahl 
solcher  Indikatorenkästchen  selbst  hergestellt  und  dürfte  die  Mitteilung 
der  Gesichtspunkte  von  Interesse  sein , die  bei  einer  solchen  Zusammen- 
stellung maßgebend  waren. 

Grenzen.  Die  obere  Grenze  wurde  durch  die  Maximaldichte  der 
Jodidlösung  bestimmt,  da  mir  nur  diese  zurzeit  zu  Gebot  stand.  Wer  mit 
schwereren  Lösungen  arbeitet,  muß  die  obere  Grenze  entsprechend  hinauf- 
rücken. Als  untere  Grenze  habe  ich  den  Schwefel  (2,07)  genommen.  Dar- 
unter sind  petrographisch  wichtige  Mineralien  kaum  zu  finden.  Leichter 
sind  der  Mellit,  einige  Opale  und  Zeolithe,  die  Kohlen  und  Harze  usw. 

Intervalle.  Dieselben  sollen  im  allgemeinen  ca.  0,05  betragen, 
jedoch  in  dem  petrographisch  wichtigsten  Gebiet  (2,55 — 2,75)  etwas  enger 
sein  (ettva  0,03).  Hierin  wurde  eine  Gleichmäßigkeit  noch  nicht  erzielt, 
da  noch  nicht  genug  Mineralien  und  Fundorte  auf  ihr  spezifisches  Gewicht 
geprüft  wurden. 

Die  Zahl  der  Indikatoren  ergibt  sich  aus  Grenzen  und  Inter- 
vallen. Es  wurden  vorläufig  20  aufgenommen,  jedoch  in  dem  Kästchen 
noch  5 Räume  freigelassen,  damit  sich  jeder  nach  Bedarf  einige  zufugen 
könne. 

Material.  Es  war  zunächst  die  Frage,  ob  natürliche  Indika- 
toren (Mineralien)  oder  künstliche  zu  nehmen  seien.  Von  letzteren 
kommen  namentlich  Glasflüsse  in  Betracht.  Diese  haben  in  der  Tat 
manche  Vorzüge,  namentlich  den,  daß  man  ihnen  jedes  beliebige  spezifische 
Gewicht  geben  und  so  gleichmäßige  Intervalle  herstellen  kann.  Die 
glatte  Oberfläche,  die  man  durch  Guß  erzielt,  sowie  der  muschelige  Bruch 
gestatten  nicht  das  Festsetzen  von  Luftblasen.  Sie  sind  frei  von  Sprüngen 
und  Poren  und  homogen.  Dem  Übelstand , dass  man  ihren  Rang  nicht 
unmittelbar  am  Aussehen  erkennt,  könnte  man  durch  verschiedene  Faibe 
und  Form  begegnen.  Auch  beabsichtige  ich , einmal  eine  solche  Reihe 
herzustellen,  sobald  es  die  Zeit  erlaubt. 

Nicht  homogene  künstliche  Indikatoren,  etwa  hergestellt 
durch  mechanische  Verbindung  eines  schweren  und  eines  leichten  Materials, 
möchte  ich  nicht  empfehlen , da  jede  Beschädigung  oder  Abnutzung  das 
spezifische  Gewicht  ändert. 

Natürliche  Indikatoren  (Mineralien).  Bei  ihnen  ist  auf  folgendes  zu  achten  : 

Unangreifbarkeit  durch  die  Lösung  ist  natürlich  erstes  Erfordernis. 
So  sind  z B.  für  Borowolrramatlösung  die  Carbonat®  Dicht  zu  gebrauchen,  während  sie 
von  der  Jodidlösung  nicht  angegriffen  werden.  Metalle  sind  zu  vermeiden. 

Homogenität  ist  an  sich  nicht  erforderlich,  denn  es  muß  für  jedes  Indikator- 
korn, sozusagen  persönlich,  das  spezifische  Gewicht  bestimmt  worden  sein;  doch  ist  sie 


42 


V.  Goldschmidt, 


erwünscht,  damit,  wenn  der  Indikator  auch  beschädigt  wird  (und  das  kann  leicht  ge- 
schehen, ohne  daß  man  es  merkt),  sein  spezifisi  hes  Gewicht  nicht  verändert  werde. 

Dichtigkeit.  Der  Indikator  darf  nicht  porös  und  nioht  locker  sein,  damit  die 
Flüssigkeit  nicht  eindringe  und  ein  edrungei  e Flüssigkeit  von  anderer  Dichte  als  die 
umgebende,  oder  ein  getrocknete,  den  Indikator  falsch  mache. 

Härte  und  Festigkeit  sollen  möglichst  groß  sein,  denn  von  ihnen  hängt  die 
Dauerhaftigkeit  ab. 

Glatte  Oberfläche  ist  sehr  wesentlich,  da  sich  in  die  Unebenheiten  der  Ober- 
fläche Luftblasen  einklemmen,  die  auch  bei  gutem  Umrähren  sich  nicht  entfernen.  Am 
besten  sind  in  dieser  Beziehung  Stücke  mit  vollkommener  Spaltungsfläche,  spiegelnder 
Kristalloberfläche  oder  glasig  muscheligem  Bruch. 

Das  Aussehen  der  Körner  soll  möglichst  charakteristisch  sein,  so  daß  man  sofort 
das  Mineral  erkennt  und  eine  Verwechslung  nicht  stattfinden  kann. 

Größe.  8tarke  Erbsengroße  ist  die  geeignetste,  so  daß  das  Korn  sich  mit  der 
Pinzette  noch  bequem  fassen  läßt  und  doch  deuilich,  wie  eine  Fahne  unter  dem  Gesteins- 
pulver hervorragt. 

ReichlichesVorkommen  des  Minerals  und  leiohte  Beschaff  barkeit  ist  natür- 
lich wünschenswert,  damit  Mühe  und  Kosten  der  Herstellung  möglichst  gering  ausfallen. 

Es  dürfte  sich  empfehlen,  nicht  nur  zu  dem  Korn  eine  Etiquette  zu  legen,  auf  der 
das  spezifische  Gewicht  nebst  Name  und  Fundort  verzeichnet  sind,  sondern  auch  dem 
Ganzen  ein  Inhaltsverzeichnis  beizageben,  damit,  wenn  eine  Angabe  verwischt  wird  oder 
verloren  geht,  nicht  eine  neue  spezifische  Gewichtsbestimmung  erforderlich  wird. 


Seit  der  ersten  Einführung-  vor  nun  mehr  als  30  Jahren  sind 
meine  Indikatorenkästchen  stetig  verbessert,  die  Zahl  der  Indika- 
toren vermehrt  und  immer  passeudere  nach  Eigenschaften  und 
Intervallen  ausgesucht  worden. 

Jedes  Indikatorkorn  liegt  in  einem  Fach,  das  zugleich  die 
Angabe  von  Name  und  spezifischem  Gewicht  des  Indikators  ent- 
hält. Dasselbe  Verzeichnis  ist  in  den  Deckel  des  Kästchens  ein- 
geklebt. Die  neuesten  Kästchen  enthalten  zugleich , wo  nötig, 
eine  Aufzeichnung  der  Form  und  Farbe  des  Indikators,  so  daß  er 
eicht  erkannt  werden  kaun. 

Material  zu  den  Indikatoren.  Schon  in  der  oben  ab* 
gedruckten  Publikation  von  1883  wurde  die  Frage  diskutiert,  ob 
natürliche  Indikatoren  (Mineralien)  oder  künstliche  (Gläser)  zu 
nehmen  seien  und  die  Ausführung  von  gläsernen  Indikatoren  in 
Aussicht  genommen.  1896  besprach  ich  die  Frage  mit  Dr.  Schott 
in  Jena  und  erhielt  damals  und  auch  in  späteren  Jahren 
Gläser  aus  den  Vorräten  von  Schott  & Gen.  für  die  Indikatoren- 
kästchen. 

Damals  wurde  aufs  neue  die  Frage  erwogen,  ob  es  besser 
sei,  alle  Indikatormineralien  durch  Gläser  zu  ersetzen.  Ich  gab 
aber  dem  aus  Mineralien  und  Gläsern  gemischten  Satz  den  Vorzug 
aus  Gründen , die  mir  auch  heute  noch  maßgebend  sind.  Einige 
dieser  Gründe  mögen  hervorgehoben  werden. 


Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteinsanalyse  etc.  43 


1.  Die  natürlichen  wie  die  gemischten  Indikatoren  sind  nach 
ihrem  Aussehen  (auch  ohne  Nummer)  kenntlich.  Das  ist  beim 
Arbeiten  angenehm. 

2.  Der  Arbeitende  kann  seine  Skala  nach  oben  und  unten 
erweitern,  sowie  durch  Einschiebung  ergänzen.  Dafür  sind  in 
meinem  Kästchen  Plätze  freigelassen. 

Es  wird  aber  jeder  gern  den  Indikatorensatz,  mit  dem  er  ar- 
beitet, seinen  Wünschen  und  Bedürfnissen  anpassen. 

3.  Die  schweren  Gläser  sind  nicht  unempfindlich  gegen  den 
Angriff  der  Lösung.  Linck  hebt  dies  in  seiner  von  Krantz  aus- 
gegebenen Gebrauchsanweisung  hervor. 

Bei  den  natürlichen  Indikatoren  sind  gerade  unter  den  schwersten 
die  widerstandsfähigsten. 

4.  Es  erscheint  am  besten,  für  einen  Indikatorensatz  die  Vor- 
teile der  natürlichen  und  der  künstlichen  Indikatoren  zugleich 
auszunutzen. 

Allerdings  muß  durch  den  Hersteller  der  Kästchen  (nicht 
durch  den  Käufer)  für  jedes  Indikatorkorn  das  spezifische  Gewicht 
bestimmt  werden.  Dies  läßt  sich  nur  dann  mit  Vorteil  durch- 
führen, wenn  von,  jedem  Indikator,  sei  er  künstlich  oder  natürlich, 
eine  größere  Zahl  in  der  schweren  Lösung  gleichzeitig  suspen- 
dierter Körner  zur  Verfügung  steht.  Es  war  nicht  leicht,  das 
passende  Material  zu  beschaffen.  Dem  Käufer  und  Benutzer  der 
Indikatoren  ist  es  aber  nicht  wesentlich,  wie  der  Hersteller  die 
Schwierigkeiten  überwunden  hat. 

In  meinen  Kästchen  ist  die  Zahl  der  Indikatoren  nicht  ganz 
gleich.  Sie  richtet  sich  nach  dem  spezifischen  Gewicht  des 
verfügbaren  Materials , das  so  ausgewählt  wurde , daß  die  Ab- 
stände möglichst  gleichmäßige  sind.  Danach  schwankt  die  Zahl 
der  Indikatoren  im  Kästchen  zwischen  30  und  36.  (In  Linck’s 
Satz  24.) 

Ein  solches  Kästchen  enthält  beispielsweise  34  Indikatoren 
mit  den  folgenden  spezifischen  Gewichten. 


No. 

Sp.  G. 

No.  Sp.  G. 

No. 

Sp.  G. 

No.  Sp.  G. 

1 No. 

Sp.  G. 

No. 

Sp.  G. 

1 

2,060 

1 

7 2,311 

13 

2.531 

19  , 2,699 

25 

2,962 

31 

3,147 

2 

2,148 

8 2,363 

14 

2,552 

20  2,720 

26 

2,981 

32 

3,189 

3 

2,164 

9 2,404 

15 

2,570 

21  2,740 

27 

3,013 

33 

3.224 

4 

2,209 

10  2,448 

16 

2,612 

22  2,762 

28 

3,044 

34 

3,295 

5 

2,252 

11  2,476 

17 

2,646 

23  2,883 

29 

3,058 

— 

— 

6 

2,298 

12  2,492 

18 

2,661 

24  2,936 

30 

3,091 

— 

— 

44 


W.  Heeger, 

Es  ist  erfreulich,  daß  durch  Linck’s  Publikation  wieder  auf 
die  Nützlichkeit  solcher  Indikatorensätze  für  mineralogische  und 
petrographische  Untersuchungen  hingewiesen  wurde  und  es  ist  zu 
wünschen , daß  dieselben  in  beiderlei  Ausführung  zur  Förderung 
unserer  'Wissenschaft  beitragen  möchten. 

Heidelberg,  August  1912. 


Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  fein  verteilter 
Carbonate  im  Gesteinsschliff. 

Von  W.  Heeger  in  Jena. 

Im  folgenden  sollen  einige  Mitteilungen  gemacht  werden  über 
die  Erkennung  und  deutliche  Scheidung  von  Calcit  und  Dolomit 
in  Schliffen  solcher  Gesteine,  die  sie  in  feinster  Verteilung  und 
nebeneinander  enthalten  können,  und  ferner  über  die  gleichzeitige 
Feststellung  der  Teilnahme  von  FeO  an  ihrer  Zusammensetzung. 

Sehr  allgemein  wird  zur  Unterscheidung  von  Calcit  und  Dolo- 
mit im  Dünnschliff  die  sogenannte  „LEMBERG’sche  Lösung“  1 an- 
gewandt, eine  wässerige  Lösung  von  Al  Cl3  zusammengekocht  mit 
Blauholzextrakt,  unter  deren  Einwirkung  sich  auf  CaC03  ein 
blau  violett  gefärbter  Lack  von  Al(OH)3  bildet.  Da  aber  bei 
feinerer  Verteilung  des  Calcits  dieser  Lack  nur  schlecht  oder  gar- 
nicht  haften  bleibt,  müßte  die  Verwendung  dieses  Reagenses  in 
vielen  Fällen  zu  Irrtümern  Veranlassung  geben.  Dies  letzte  gilt 
auch  für  die  bekannte  „LixciUsche  Lösung“2 3  — NH4-Pliosphat 
mit  verdünnter  Essigsäure  — . deren  Wirkung  auf  dem  Nieder- 
schlag einer  schützenden  Decke  von  Struvit,  d.  i.  Mg-N  ^-Phos- 
phat, auf  dem  Mg-haltigen  Carbonat  beruht,  während  der  Calcit 
von  der  Essigsäure  weggelöst  wird.  — Zur  Erkennung  auch  fein 
verteilter  calcitischer  Massen,  z.  B.  auch  der  aus  zersetzten  Sili- 
katen gebildeten,  gibt  indessen  Lemberg  3 noch  eine  Reaktion  als 
dienlich  an,  die  nach  geeigneter  Anwendung  von  AgNG3  erst 
zur  Bildung  vonAg2C03  führt  und  schließlich  durch  Einwirkung 
von  K„Cr04  auf  eine  Fällung  von  Ag„  Cr  04  hinausläuft.  — Die 
Reaktion  scheint  sehr  empfindlich,  die  klare  rote  Farbe  des 
Ag2Cr04  an  allen  Stellen,  wo  CaC03  lag,  wird  außerordentlich 
deutlich  sichtbar.  Aber  nun  bemerkt  schon  Lemberg  selbst  als 
einen  allgemeinen  Übelstand  aller  solcher  chemischen  Methoden, 
besonders  wenn,  wie  hier,  die  Lösungen  längere  Zeit  und  bei 

1 Vergl.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1888.  p.  857 — 859.  — 
Ebenda  1892.  p.  824. 

- Vergl.  Abhandlungen  z.  geol.  Spezialkarte  v.  Els.-Lothr.  III,  1. 
p.  17.  (Ber.  üb.  d.  XVI.  Vers,  des  oberrh.  geol.  Ver.) 

3 Lemberg,  Mikrochem.  Untersuchungen  einiger  Mineralien.  Zeitschr. 
d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1892.  p.  231. 


Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 


45 


erhöhter  Temperatur  einzuwirken  haben,  daß  sich  diese  iu  Risse 
•ziehen,  infolgedessen  nicht  genügend  auswaschen  lassen  und  mit 
anderen  Lösungen  in  Wechselwirkung  treten,  daher  auch  gerade 
bei  dieser  Methode  eine  Verifizierung  des  Carbonats  durch  eiue 
Säureprüfung  nicht  zu  umgehen  sei.  Das  macht  ohne  weiteres 
verständlich,  daß  diese  Methode  in  locker  und  fein  gefügten  Ge- 
steinen zur  ersten  Auffindung  vonCaC03  usw.  nichtsehr  bequem 
ist.  — Es  sind  nun  noch  eine  ganze  Reihe  anderer  Unter- 
scheidungsarten bekannt  geworden,  teils  zur  flüchtigen  Erkennung1 
der  Mengenverhältnisse  von  CaO  und  MgO,  teils  zu  quantitativer 
Trennung  und  auch  für  die  mikroskopische  Prüfung.  Auf  diese 
letzten  muß  ich  hier  im  Hinblick  auf  die  danach  zu  erörternde 
Methode  etwas  näher  eingehen : Eine  von  Fr.  Hinden  2 im  Jahre 
1904  als  „neu“  bezeiclmete  Methode  durch  Braunfärbung  des 
Calcits  unter  Einwirkung  von  Fe  Cl3-Lösung,  eventuell  in  Verbin- 
dung mit  der  „Säureprüfung“,  geht,  wie  Thugutt3  dargetan  hat, 
•auch  schon  auf  den  Altmeister  all  dieser  mikrochemischen  Metho- 
den, Lemberg4,  zurück.  Sie  hat  den  großen  Nachteil,  daß  natür- 
lich etwa  schon  vorhandene  Fe-Hydroxydmassen  außerordentlich 
störend  wirken  müssen ; und  dieser  Nachteil  bleibt  bestehen,  wenn 
man  das  Fe-Hvdroxyd  durch  (N  H()„  S in  schwarzes  FeS  über- 
führt, ja  es  wird  unter  Umständen  durch  vorhandene  Erzkörner, 
organische  Substanzen  usw.  die  Schärfe  des  Bildes  noch  mehr 
beeinträchtigt5 6 7.  Lemberg  hat  daher,  um  zugleich  bessere  Dauer- 
präparate zu  erhalten , schließlich  das  Fe  S noch  durch  Be- 
handlung mit  Ferri cyankalium , K3Fe(CN)fi,  in  Turnbulls-Blau, 
Fe3 [Fe (C N)fi]0 , übergeführt Bedenkt  man  noch,  daß  wegen 
der  leichten  Oxydierbarkeit  des  FeS  alles  möglichst  rasch  er- 
folgen muß , was  eine  oft  erwünschte  genaue  Überwachung  der 
einzelnen  Vorgänge  ausschließt , so  wird  man  schließlich  gegen- 
über solch  mehr  oder  weniger  umständlichen  Methoden  es  vor- 
ziehen , sich  wenigstens  für  die  Gesteine , wo  Calcit  nur  in 
kleinsten  Körnchen  vorhanden  sein  kann,  auf  die  Behandlung  mit 
geeignet  verdünnten  Säuren  zu  beschränken. 

Der  mikrochemische  Nachweis  des  Fe  0 nach  einer  zuerst 
von  K.  Krech  ' angegebenen  Methode  führte  mich  nun  nach  ver- 

1 Z.  B.  Cornu,  Dies.  Centralbl.  1906.  p.  550;  vergl.  ferner  2 Hinden. 

2 Fr.  Hinden,  Neue  Reaktion  zur  Unterscheidung  von  Calcit  und 
Dolomit.  Verhandl.  d.  Naturf.  Ges.  in  Basel  1904.  15.  (2.)  201.  Referat 
hierüber  von  M.  Bauer  im  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1905.  I.  p.  23. 

3 Dies.  Centralbl.  1905.  p.  265. 

4 Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellscli.  1887.  p.  489  ff. 

5 Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1888.  p.  357. 

6 Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1892.  p.  823. 

7 K.  Krech,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  oolithisclien  Gesteine  des 

Muschelkalks  um  Jena.  Inaug.-Diss.  Jena.  Auch:  Jahrb.  d.  K.  Preuß, 
geol.  Landesanst.  1909.  I.  p.  59 — 133. 


46 


W.  Heeger, 


scliiedenen  Versuchen,  gegründet  auf  die  Tatsache  eines  geringen 
FeO-Gehaltes  in  den  meisten  Gesteinscarbonaten,  zu  einer  in  sehr 
vielen  Fällen  brauchbaren  Unterscheidungsart  von  Calcit  und 
Dolomit  und  zur  deutlichen  Sichtbarmachung  auch  kleinster  car- 
bonatischer  Teilchen. 

Krech  behandelte,  um  nachzuweisen,  daß  ein  Dolomitmineral 
in  von  ihm  untersuchten  Gesteinen  Fe-haltig  sei,  den  Schliff  mit 
einer  frisch  bereiteten  Ferricyankaliumlösung,  der  er  einige  Tropfen 
verdünnte  HCl  — es  soll  noch  keine  sichtbare  C 02-Entwicklung 
auftreten  — zusetzte.  „Unter  ihrer  Einwirkung  färbten  sich  die 
Dolomitkörner  deutlich  blau  ....  Calcit  dagegen  nicht“  .... 
„wenngleich  Geduld  nötig  ist“  l. 

Bei  den  Versuchen , dies  Reagens  überhaupt  zur  Unter- 
scheidung von  Calcit  und  Dolomit  brauchbar  zu  machen , zeigte 
sich  nun,  daß  hinsichtlich  der  Mengenverhältnisse  der  daran  be- 
teiligten Stoffe  gerade  das  Umgekehrte  als  das  oben  angegebene 
dienlicher  ist:  Ist  das  betreffende  Carbonat  durch  die  HCl  nur 
genügend  angegriffen,  dann  reicht  die  geringste  Spur  von  Ferri- 
cyankalium  aus,  um  die  Blaufärbung  zu  bewirken.  Als  ziemlich 
allgemein  brauchbar  erwies  sich  eine  Lösung,  in  der  auf 

etwa  2 — 3 ccm  ungefähr  ^ HCl  einige  Tropfen  Ferri- 
cyankaliumlösung zugesetzt  waren.  Mit  noch  stärker 
verdünnter  HCl  oder  mit  Essigsäure  verläuft  die  Reaktion  be- 
sonders für  den  Dolomit  zuweilen  unbequem  langsam. 

Im  folgenden  seien  die  bisherigen  Resultate  kurz  zusammen- 
gefaßt : 

Der  Verlauf  der  Reaktion  wird  u.  d.  M.  verfolgt.  Ist 
Calcit  vorhanden,  so  muß  sich  wegen  der  für  dies  Carbonat  ja 
noch  immer  starken  Säure  sofort  auch  eine  noch  ziemlich  lebhafte 
CO,-Entwicklung  bemerkbar  machen.  Sind  die  calcitischen  Massen 
sofort  in  großer  Verbreitung  erkannt,  so  empfiehlt  sich  wohl,  das 
Reagens  gleich  oder  nach  wenigen  Sekunden  abzuspülen,  um  die 
weitere  Auflösung  zu  verhüten.  Zugleich  hat  sich  das  Carbonat 
intensiv  blau  gefärbt,  wenn  es  nicht  vollkommen  Fe-frei  ist, 
worauf  ich  noch  (p.  50)  zurückkommen  w'erde. 

Bei  der  von  Lemberg  erwähnten  langwierigen  Behandlung, 
die  schließlich  auch  auf  Turnbulls-Blau  hinauslief,  bemerkt  jener 
bereits,  daß  sich,  indem  der  blaue  Farbstoff  schwindet,  kleine 
weiße  Stellen  in  den  blauen  Feldern  bilden.  Sind  nun  aber  die 
Calcitkörner  kleiner  oder  liegen  sie  nicht  eng  beieinander,  wie 
z.  B.  oft , w'enn  wir  es  mit  calcitischem  Füllmaterial  in  Sand- 
steinen zu  tun  haben , so  braucht  man  bei  der  neuen  Methode 
nicht  so  ängstlich  zu  sein.  Es  verschwindet  zwar  bei  längerer 


1 1.  c.  p.  68.  1. 


Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 


47 


Einwirkung  das  Carbonat  bald  vollkommen  und  die  Stelle  wird 
isotrop,  aber  die  blaue  Farbe  bleibt  bei  nicht  allzu  heftigem 
Abspiilen  liegen  und  bedeckt,  bei  kleinem  Korn,  das  ganze  Feld. 
— Mit  dieser  Methode  ließen  sich  auch  äußerst  fein  verteilte1 
carbonatische  Massen  ermitteln,  indem  oft  unter  einem  oder  wenigen 
sich  bildenden  Bläschen  ein  blaues  Pünktchen  zu  beobachten  war, 
oft  mitten  zwischen  anderem  — dolomitischen  — Carbonat  den 
Calcit  verratend  oder  wenigstens  das  Carbonat1  zwischen  den 
in  so  feiner  Verteilung  ja  ähnlich  bunt  irisierenden  Glimmern, 
Gipsen  usw. , wo  es-  dem  Auge  allein  entgehen  mußte , und  um- 
gekehrt : Erkennung  von  Glimmer , Gips  usw.  zwischen  Carbonat. 
(Färben  sich  z.  B.  auf  dem  klastischen  Material  in  Sandsteinen 
auch  staubförmig  verteilte  dünnste  Mengen  blau,  so  wird  man  wohl 
nicht  fehlgehen,  sie  für  feinste,  beim  Schleifen  verriebene  Massen 
anzusprechen.) 

Ist  nun  Dolomit  oder  ein  anderes  schwerer  angreifbares 
Carbonat  als  CaC03  bezw.  (Ca,  Fe)C03  vorhanden,  so  wirkt  das 
Reagens  allmählich,  je  nach  der  Angreifbarkeit  des  betreffenden  Car- 
bonats , ohne  Gasentwicklung  oder  Auflösung.  Wir  beobachten 
u.  d.  M.,  bis  uns  die  Färbung  — gelblichgrün  infolge  der  Durch- 
sicht durch  den  Tropfen  der  Lösung  — kräftig  genug  erscheint : 
dies  ist  oft  schon  nach  einer  Minute  oder  weniger,  oft  erst  nach 
^ Stunde  oder  mehr  der  Fall,  doch  ist  sie  selbst  dann  noch  nicht 
so  intensiv  blau  wie  sofort  bei  Calcit,  im  Gegenteil  fast  immer 
etwas  trüb.  Es  macht  sich  eben  hier  die  auch  bei  Behandlung 
nur  mit  Säure  besonders  nach  dem  Trocknen  zu  beobachtende 
Trübung  durch  Bildung  von  Chloriden  — bei  LmcK’scher  Lösung' 
statt  dessen  Struvit  — bemerkbar.  Zu  beachten  ist,  daß  her- 
nach durch  das  Trocknen  die  Intensität  des  besonders  im  auf- 
fallenden Lichte  schönen  Blaus  noch  wesentlich  steigt.  — Während 
nun  bei  Calcit  mit  dem  Auf  hören  der  C02-Entwicklung  auch  die 
Färbung  beendet  ist,  fehlt  ein  solches  Kriterium  beim  „unlös- 
lichen“ Dolomit:  Sicher  ist,  wenn  die  Färbung  sehr  bald  erscheint, 
aber  auch  nach  vielleicht  10  Minuten  kaum  stärker  geworden 
ist,  daß  dann  nichts  weiter  zu  erwarten  und  somit  ein  nur  ge- 
ringer Fe-Gelialt  vorhanden  ist.  Geht  sie  indessen  immer  weiter 
und  führt  schließlich  bei  übertrieben  langer  Dauer  zu  einem  tief- 
dunkelblauen Lack,  so  muß  man  auf  höheren  Fe-Gehalt  schließen. 
Es  liegt  nun  nahe  anzunehmen,  je  höher  der  Fe-Gehalt,  desto 
langsamer  würde  die  Färbung  beginnen,  weil  der  Fe-Gehalt  die 
„Löslichkeit“  der  Carbonate  herabzudrücken  scheint.  Und  in  der 
Tat  fand  sich  des  öfteren  eine  Übereinstimmung  dieser  Ansicht 
mit  dem  analytischen  Befunde.  Aber  es  hat  sich  herausgestellt, 
daß  man  auch  bei  baldigem  Beginn  der  Anfärbung  nicht  ohne 


Vergl.  hierzu  noch  hier  p.  50. 


48 


W.  Heeger, 


weiteres  auf  geringen  Fe-Gelialt  schließen  darf.  Denn  dieser 
Anfangspunkt  des  Sichtbarwerdens  der  Einwirkung  ist  ja.  außer- 
ordentlich stark  durch  physikalische  Eigenschaften  beeinflußt: 
Korngröße,  feine  Zerreißung,  die,  wie  längst  experimentell  er- 
wiesen *,  die  Löslichkeit  erhöht,  Rauhigkeit  der  Oberfläche,  Spal- 
tungstracen  — kurz,  alle  die  Oberflächenenergie  beeinflussenden 
Eigenschaften  der  Minerale  müssen  die  Wirksamkeit  der  Säure 
auf  das  Carbonat  verändern,  wie  sich  denn  die  Reaktion  auch 
immer  an  all  den  locis  minoris  resistentiae  zuerst  bemerkbar 
macht.  Sie  veranschaulicht  demnach  vor  allem  auch  die  Angreif- 
barkeit des  betreffenden  Carbonates. 

Weitere  Erfahrungen  verdanke  ich  einigen  Versuchen,  die 
von  Herrn  GnüxBERG-Jena  an  Schliffen  von  quantitativ  analysierten 
Mineralien  vorgenommen  wurden : Es  zeigte  sich  hier,  daß  bei 
eigentlichem  „ Dolomit“  ein  geringer  Unterschied  im  Fe-Gehalt 
auf  deu  Anfangspunkt  der  Sichtbarwerdung  der  Anfärbung  nicht 
merklich  verschiebend  einwirkt,  so  daß  wohl  aus  der  verschiedenen 
Intensität  der  Färbung  nach  der  gleichen  Zeit  der  Eiuwirkung  auf 
annähernd  proportional  verschiedenen  Fe-Gehalt  geschlossen  werden 
darf.  Im  allgemeinen  waren  bei  GrCnberg’s  Versuchen  „ Calcit  “ in 
wenigen  Sekunden,  „Dolomit“  und  „Aukerit“  in  5 Minuten  völlig- 
gefärbt,  .Magnesit“  und  _ Braunspat ' begannen  sich  nach  ^ Stunde 
zu  färben;  anderseits  dauerte  es  wieder  bei  einem  „ Anker it“  mit 
20°/oFeC03  etwa  30  Minuten,  bis  eine  einigermaßen  sichtbare 
Färbung  erzielt  wurde. 

Ich  glaube  daher  doch,  daß  im  ganz  frischen  Zustand  auch 
bei  den  „Dolomiten"  ein  höherer  Fe-Gehalt  den  Beginn  der  An- 
färbuug  verzögern  wird.  Sobald  aber  das  Carbonat  auch  chemisch 
schon  etwas  angegriffen  ist,  wird  die  Widerstandsfähigkeit  be- 
deutend herabgedrückt:  So  ließ  sich  des  öfteren  dort,  wo  sich 
aus  dem  Dolomit  Fe-Hvdroxyd  ausgeschieden  hatte,  eine  bedeutend 
schnellere  Anfärbung  feststellen,  als  bei  noch  unzersetztem  Mineral, 
so  daß  sich  daraus  der  zunächst  paradox  klingende  Schluß  ergibt, 
daß  dies  „Fe  O-Reagens“  bisweilen  das  FeO  am  schnellsten  anzeigt, 
wo  das  wenigste  FeO  vorhanden  ist. 

Eine  besonders  interessante  Erscheinung  ist  das  Auftreten 
von  mehr  oder  weniger  zonar  verlaufender  Verschiedenheit  oder 
überhaupt  von  Inhomogenitäten  in  der  Einwirkung,  wie  sie 
sowohl  von  Grünberg  an  Mineralschliften,  wie  von  mir  bei  car- 
bonatischem  Füllmaterial  in  Sandsteinen  gefunden  wurden:  Im 
letzteren  Fall  blieb  bisweilen  um  einen  mittleren  sofort  gefärbten 
Kern  mit  scharfer  Grenze  ein  äußerer  Rand  fast  oder  ganz  un- 
gefärbt, ging  aber  doch  auch  gleich  in  Lösung,  was  nur  auf 
verschiedene  Verteilung  und  z.  T.  vollkommenes  Fehlen  von  Fe- 


Vergl.  W.  Ostwalu,  Zeitschr.  f.  phys.  Chemie  etc.  1900.  p.  495 — 503. 


lieber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 


49 


Gehalt  zurückzufüliren  ist.  Verfällt  bei  solchen  „Verwachsungen“ 
alles  bald  der  Auflösung,  so  ist  es  ziemlich  unwahrscheinlich, 
daß  „Dolomit“  beteiligt  ist,  zumal,  wie  Grünberg  nachgewiesen 
hat,  CaFeC206  immer  noch  leichter  löslich  ist  als  CaMgC2  06. 
Es  sei  aber  bemerkt,  daß  sich  ganz  ähnliche  Verwachsungen  auch 
im  Dolomit  in  denselben  Gesteinen  finden1.  Ob  auch  Verwach- 
sungen von  „Calcit“  und  „Dolomit“  2 Vorkommen,  wie  sie  andere 
mit  „LEMBERG’scher  Lösung“  nach  gewiesen  haben  sollen,  gelang 
mit  dem  Reagens  bisher  nicht  einwandfrei  festzustellen,  obwohl 
schon  durch  sofortige  Wiederabspülung  oder  Verwendung  schwächerer 
Säure  eine  bessere  Überwachung  des  Vorgangs  ermöglicht  wurde. 
Es  ist  zunächst  zu  bedenken,  falls  es  wirklich  innige  Verwach- 
sungen verschiedener  Carbonate,  die  sich  nicht  bloß  durch  ihren 
Gehalt  an  FeO  unterscheiden,  gibt,  daß  dann  natürlich  die  an  dem 
leichter  angreifbaren  Teile  einsetzende  Auflösung  sich  auch  auf 
den  anderen  leichter  verpflanzen  wird,  also  dieser  Teil  dann  auch 
leichter  der  Auflösung  und  somit  der  Einwirkung  irgendwelcher 
Reaktionen  verfallen  muß,  als  wenn  er  allein  bestände.  — Ander- 
seits ist  es  nicht  ausgeschlossen,  daß  gei’ade  lediglich  der  Wechsel 
im  FeO-Gelialt  zu  Täuschungen  Veranlassung  gibt.  Ich  glaube 
z.  B.  auch,  wenn  Lemberg  meint,  daß  der  Fe  C 03-Gehalt  während 
nur  kurzer  Einwirkung  bei  der  Fe  C13-(N  H4)2  S-Methode  nicht 
störe,  doch,  daß  es  gerade  auf  diesen  zurückzuführen  ist,  wenn 
bei  seiner  Weiterbehandlung  mit  Ferricyankalium  die  mit  Turn- 
bulls  Blau  bedeckten  Stellen  nicht  gleichmäßig  gefärbt  wurden, 
sondern  hier  „hellblaue  und  dunkelblaue  Stellen“  abwechselten. 
Gerade  dort,  wo  eben  die  chemischen  Verhältnisse  nicht  so 
gleichmäßig  und  einfach  sind,  gibt  die  neue  Methode,  die  nicht 
erst  Fe  zuführt,  sondern  den  meist  ab  ovo  vorhandenen  Fe-Gehalt 
der  Carbonate  benutzt,  hierüber  wenigstens  einen  gewissen  Auf- 
schluß. Es  hat  sich  durch  Vergleichsversuche  so  gut  wie  einwand- 
frei erwiesen,  daß,  wo  die  Behandlung  mit  „LEMBERG’scher  Lösung“ 
oder  auch  der  „AgN  03 — K2  Cr  04-Methode“  eine  nicht  gleichmäßige 
Wirkung  hervorrief,  wie  zonare  oder  sogar  gesprenkelte , bis- 
weilen auch  „schriftgranitische“  Verteilung,  daß  in  diesen  Ge- 
steinen eben  Kriställchen  vorliegen,  die,  scheinbar  homogen,  an 
verschiedenen  Stellen  verschiedenen  Fe-Gehalt  aufweisen.  Manch- 
mal zeigen  sich  solche  Inhomogenitäten  auch  schon  durch  geringe 
Triibungs-  oder  Farbenunterschiede  ohne  weiteres  an,  ferner  auch 
durch  auffällige  Auslöschung  zwischen  + Nicols 3. 


1 Vergl.  Heeger,  Petrogenet.  Stud.  üb.  d.  unt.  u.  mittl.  Btsdst.  i. 
östl.  Thür.  Inaug.-Diss.  Jena.  1912. 

2 Vergl.  Heeger,  1.  c.  Coomäraswämy  , Q.  J.  G.  S.  1902.  p.  412. 
Skeats,  Q.  J.  G.  S.  1905.  PI.  X. 

3 Vergl.  auch  K.  Krech,  1.  c.  p.  69  u.  Hef.ger,  1.  c. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


4 


50  W.  Heeger,  Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  etc. 

Bei  ganz  feinem  Korn 1 wird  sich  wohl  überhaupt  eine 
ganz  einwandfreie  Unterscheidung,  ob  Calcit  oder  Dolomit  vor- 
liegt, kaum  verwirklichen  lassen.  Schon  mechanische  Zerreibungen, 
z.  B.  in  Sandsteinen  durch  klastischen  Quarz,  oder  auch  nach- 
trägliche vielleicht  beim  Schleifen  entstandene  Kratzer  machen 
sich  sofort  durch  schnelle  Anfärbung  bemerkbar:  Da  wird  sich 
manches  Mal  auch  aus  Dolomit,  selbst  bei  der  schwachen  Säure, 
C 02  entwickeln.  Man  kann  dann  nur  noch  ans  Analogien 
schließen. 

Tritt  überhaupt  keine  Färbung  auf,  was  sich  in  Gesteins- 
schliffen an  einigen  Calcitkörnern  ausnahmsweise  beobachten  ließ 
— bei  Dolomit  bisher  noch  nicht  — , so  scheint  es  in  diesen  Ge- 
steinen immer  so,  als  ob  es  sich  um  eine  Neuausscheidung  nach 
einer  mehr  oder  weniger  weit  fortgeschrittenen  Auflösung  handelt. 
So  fanden  sich  Fe-freie  Umwachsungen  um  abgerundete  Fe-haltige 
Kerne.  Die  Umwandlungen  fanden  offenbar  unter  Bedingungen 
statt,  unter  denen  Fe"  nicht  mehr  bestehen  konnte;  es  wurde  zu 
Fe'"  oxydiert,  infolgedessen  bei  dem  Wiederabsatz  des  CaC03 
nicht  wieder  mit  aufgenommen  und  hinterblieb  als  Hydroxyd. 

[Anmerkung:  Da  sich  auch  in  dem  von  Krech  untersuchten 
Gestein  der  Calcit  nicht  färbte,  handelt  es  sich  dort  vielleicht  ebenso  um 
eine  Neuausscheidung.  Daß  hier  bei  Zerstörungen  „nur  Dolomit  der  Auf- 
lösung verfiel“ 2,  ist  mit  obiger  Ansicht  ebenfalls  zu  vereinbaren,  während 
Kr.  ungewöhnliche  Lösungsbedingungen  annebmen  zu  müssen  glaubt.  — 
Ganz  etwas  Ähnliches  — frischen  Calcit  neben  stark  zerfressenem  Dolo- 
mit — fand  ich  in  einem  Buntsandsteinkonglomerat3.  — Vielleicht  ban- 
delt es  sich  ferner  auch  bei  den  von  Kr.  beschriebenen  „Pseudomorphosen 
von  Aggregaten  nach  Individuen“ 4 um  Ausscheidung  von  Ca  C 0,-Kriställ- 
chen  an  der  Stelle  ursprünglicher  größerer  Fe-Dolomitkristalle ; denn 
auch  hier  fehlt  die  Begleitung  von  Fe-Hydroxyd  nicht,  und  die  gute  primär- 
rhomboedrische  Umgrenzung  der  Aggregate  spricht  für  Dolomit.] 

Läßt  sich  nach  allem  Gesagten  aus  dieser  mikrochemischen 
Methode,  namentlich  bei  Beachtung  der  Zeitdauer  und  möglichster 
Gleichartigkeit  der  geprüften  ‘ Stellen  in  physikalischer  Hinsicht, 
immerhin  bis  zu  einem  gewissen  Grade  ein  Schluß  auf  die  Stärke 
der  Beteiligung  von  Fe  neben  der  Unterscheidung,  ob  Calcit  oder 
Dolomit  vorliegt,  fällen,  so  ist  doch  an  eine  Benutzung  solcher 
Arten  von  chemischen  Einwirkungen  auch  zu  quantitativen 
Trennungen  nur  mit  Vorsicht  heranzugehen,  wie  es  Htnden  für 
die  Fe  Cl3-Methode  vorschlägt  und  neuerdings  Mahler  a mit  einer 


1 Man  beachte  auch  die  enorme  Vergrößerung  bei  Skeats,  1.  c. 
Taf.  XII  Fig.  1. 

2 Krech,  1.  c.  p.  69. 

3 Vergl.  Heeger,  1.  c. 

4 1.  c.  p.  66  u.  T.  VI.  1. 

ä Inaug.-Diss.  Freibnrg  1906. 


K.  Olbriclit,  Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  etc. 


51 


Cu-Nitratlösung  ausgefiilirt  hat:  Dies  mag  für  im  Laboratorium 
hergestellte  reine  Präparate  bei  gleichen  Zeiträumen  der  Einwir- 
kung einwandfreie  Resultate  liefern,  wie  sich  kürzlich  bei  Unter- 
suchungen von  K.  Spangenberg  1 mit  gutem  Erfolge  gezeigt  hat ; 
aber  bei  natürlichen  Carbonaten  werden  oft,  ohne  daß  man  es 
ahnt,  allerhand  Beimengungen,  also  vor  allem,  wie  gezeigt,  die 
gerade  hier  benutzten  Fe-Salze,  je  nach  ihrem  Prozentsatz  auf 
die  Energie  der  Reaktion  und  somit  auf  deren  Leistung  in  be- 
stimmter Zeit  einen  stark  verschiebenden  Einfluß  ausüben  müssen. 

Die  Vorteile  dieses  „Ferricyankalium-Säure-Reagenses“  für 
m ikrochemische  Untersuchungen  indessen  seien , abgesehen 
von  der  jederzeit  rasch  erzielten  Gebrauchsfertigkeit  — die  „Lem- 
BERG’sclie  Lösung“,  umständlich  herzustellen,  läßt  bekanntlich  leicht 
nach  — noch  dahin  zusammengefaßt,  daß  sich  in  ihm  die  „Säure- 
prüfung“, die  Prüfung  ob  Calcit  oder  Dolomit,  deren  Sichtbar- 
machung durch  Anfärbung,  d.  h.  in  manchen  Fällen  überhaupt 
das  Auffinden  von  Carbonat,  endlich  der  Nachweis  des  FeO  und 
der  durch  den  Fe-Gehalt  etwa  bedingten  Inhomogenitäten  in  einer 
einzigen,  bei  gewöhnlicher  Temperatur  in  ihrer  Wirkung  schnell 
genug  sichtbar  werdenden  Reaktion  vereinigen. 

Jena,  Mineralogisches  Institut,  Oktober  1912. 


Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  der  Umgebung 
von  Hannover. 

Von  K.  Olbricht. 

Mit  6 Textfiguren. 

Im  Jahre  1910  hatte  ich  Gelegenheit,  die  Aufschlüsse  in  der 
glazialgeologisch  noch  wenig  bekannten  Umgebung  von  Hannover 
zu  begehen.  Über  die  Ergebnisse  dieser  Untersuchungen  habe 
ich  kurz  im  Globus  berichtet  (I.)  und  kam  zu  folgenden  An- 
schauungen : 

Die  AVürm Vereisung  (dritte  Vereisung  des  Landesanstalt) 
überschritt  in  zwei  großen  Zungen  noch  das  Allertal,  ihre  Sandr 
liegen  dicht  im  Norden  der  Stadt  Hannover  vor  mehreren  End- 
moränenbögen. Das  ostwestlich  gerichtete  Leinetal  von  Hannover  bis 
Wunstorf  ist  wahrscheinlich  durch  den  Rand  des  Würmeises  bedingt; 
vorher  floß  die  Leine  — wie  Schotter  zeigen  — in  der  breiten 
wiesenbedeckten  Senke,  die  heute  von  der  Wietze  benutzt  wird1 2. 

1 Inaug.-Diss.  Jena  1912. 

2 In  einer  Arbeit  über  „äußere  Jungendmoränen  in  Norddeutschland“ 
(Zeitschr.  f.  Gletscherkunde.  1912.  p.  250  usw.)  kommt  Werth  zu  einer 
Begrenzung,  die  der  Wirklichkeit  nicht  immer  entspricht.  Da  seine  Arbeit 
zudem  stellenweise  auf  nicht  hinreichender  Orts-  und  Literaturkenntnis 
aufgebaut  ist,  werde  ich  an  anderer  Stelle  auf  dieselbe  zurückkommen. 

4* 


52 


K.  Olbricht,  Neue  Beobachtungen 


Außerhalb  des  vom  Würmeise  bedeckten  Gebietes  stehen  die 
stark  eisenschüssig  verwitterten  Ablagerungen  der  älteren  Riß- 
vereisung an,  sie  bestehen  aus  liegenden  Sanden,  denen  eine  Grund- 
moräne aufgelagert  ist,  die  meist  sandig  verwittert  ist,  ohne  je- 
doch von  jüngeren  Decksanden  überschüttet  zu  sein.  Daraus  schloß 
ich  schon  früher,  daß  die  eiszeitlichen  Gletscher  beim  Vorrücken 
mächtige  Sande  aufschütteten,  diese  dann  mit  einer  Grundmoränen- 
decke bedeckten , die  zumeist  noch  heute  die  Oberfläche  bildet, 
ohne  von  jüngeren  Decksanden  überschüttet  zu  sein.  Daraus  sich 
ergebende  Folgerungen  über  den  Aufbau  des  typischen  Diluvial- 
protils  habe  ich  schon  vor  Jahren  gezogen  und  formuliert  (II. 
p.  613).  Ihre  Bewahrheitung  würde  um  so  wichtiger  werden,  als 
durch  sie  auch  die  von  Passarge  (III.  p.  257  usw.)  aufgestellte 


These,  daß  den  vier  alpinen  Schottern  nur  zwei  Vereisungen  zu 
entsprechen  brauchen,  als  durchaus  hypothetisch  hingestellt  werden 
müßte. 

Die  Schichten  dieser  älteren  Vereisung  werden  von  einer 
Lößdecke  überkleidet  und  sind  mehrfach  zu  Moränen  wällen  auf- 
gepreßt. Eine  Mehrteilung  des  älteren  Diluviums  ist  nicht  un- 
möglich, aber  durch  keinerlei  zwingende  Aufschlüsse  zu  beweisen. 

Im  Sommer  dieses  Jahres  konnte  ich  meine  Studien  neu  auf- 
nehmen und  mehrfach  erweitern.  Es  gelang  mir  nicht  nur,  zahl- 
reiche neue  Moränenwälle  aufzufinden,  sondern  auch  die  Lößgrenze 
genauer  festzulegen.  Einen  kurzen  Auszug  aus  diesen  Beobach- 
tungen habe  ich  schon  kurz  an  anderer  Stelle  gegeben  (IV.)  und 


im  Diluvium  der  Umgebung  von  Hannover. 


53 


durch  eine  Karte  erläutert.  In  den  folgenden  Zeilen  möchte  ich 
noch  etwas  eingehender  auf  diese  Beobachtungen  zurückkommen, 
da  sie  für  das  Verständnis  der  Glazialgeologie  dieser  Gegend 
nicht  unwichtig  sind. 

Westlich  von  Springe  liegen  zu  beiden  Seiten  der  nach 
Münder  führenden  Landstraße  mehrere  Hügel,  die  durch  ihren 
Sandreichtum  schon  auf  dem  Meßtischblatt  dieser  meist  aus  festem 
Gestein  aufgebauten  Gegend  auffallen.  Die  Begehung  zeigt,  daß 
diese  nach  allen  Seiten  hin  abfallenden  Hügel  die  Erosionsreste 
eines  zungenförmig  angeordneten  Moränenwalles  sind  (Fig.  1). 
Mehrfach  ist  dieser  durch  tiefe  Gruben  aufgeschlossen.  Es  ergibt 
sich  folgendes  Gesamtbild:  Über  mächtigen,  oft  gestauchten  Sanden 
mit  eingelagerten  Tonlinsen  lagern  eisenschüssig  verwitterte  Schotter, 
die  z.  T.  offenbar  nur  Umlagerungsprodukte  sind,  die  Decke  wird 
von  Resten  einer  Grundmoräne  gebildet.  Die  Schichten  sind  mehr- 
fach stark  gestört,  so  daß  die  Sande  Linsen  in  den  Schottern 
bilden.  An  den  Flanken  liegen  Lößlehme,  die  bis  zu  2 m mächtig 
werden,  jedoch  die  höchsten  Spitzen  frei  lassen.  Es  handelt  sich 
hier  um  sehr  schön  erhaltene  Reste  von  Aufpressungsmoränen, 
die  an  einem  zungenförmigen  Eisrande  entstanden  und  sich  wahr- 
scheinlich zur  Zeit  eines  lokalen  Vorstoßes  während  der  Abschmelz- 
zeit bildeten. 

Weitere,  bis  zu  15  m Tiefe  aufgeschlossene  Endmoränenwälle 
linden  wir  im  Norden  von  Hachmühlen.  Den  hier  aufgeschlossenen 
gefalteten  Sanden  und  Kiesen  ist  eine  stark  zementierte  Schicht 
eingelagert,  die  möglicherweise  einer  älteren  Vereisung  entspricht. 

Einen  wundervollen  Moränenwall  bildet  das  im  Westen  von 
Münder  sich  erstreckende  Massiv  des  Eilenberges,  das  weithin  das 
Landschaftsbild  beherrscht  und  bis  40  m die  Umgebung  überragt. 

Die  tiefsten  Aufschlüsse  liegen  bei  Hamelspringe  in  130  m 
Meereshöhe.  Hier  liegen  als  Basis  kalkhaltige,  stark  zementierte 
Schotter  (Fig.  2 ) mit  zahlreichen  eingesprengten 
nordischen  Geschieben.  Diese  Schotter  wer- 
den als  Bausteine  abgebaut  und  von  einer 
deutlichen,  zu  ihrem  Einfallen  diskordant  ver- 
laufenden Oberfläche  abgeschnitten.  Über 
dieser  deutlich  erhaltenen  alten  Oberfläche 
folgen  mächtige  Sande,  Schotter  und  Grund- 
moränen, wobei  die  oft  wenig  geschichteten  Schotter  offenbar  nur 
Umlagerungsprodukte  und  eine  Fazies  der  Grundmoräne  darstellen. 
An  den  Flanken  lagern  Lösse,  die  in  den  westlich  sich  anschließenden 
Ziegeleigruben  mehrere  Meter  mächtig  werden.  Wir  haben  es 
hier  offenbar  mit  den  Ablagerungen  von  zwei  Vereisungen  zu  tun, 
die  — wie  sich  auch  Herr  Professor  Hauthal  überzeugen  konnte  — 
nachträglich  zu  einem  Moränenwall  aufgepreßt  wurden.  Die  Be- 
gehung der  zahlreichen  Aufschlüsse  des  teilweise  nur  mit  Gräsern 


Alter  Schotter 
Fig- 2. 


54 


K.  Olbricht,  Neue  Beobachtungen 


bewachsenen  Eilenbergs  zeigt , daß  dieser  bis  auf  den  höchsten 
Gipfel  (+  186  m)  aus  meist  gestauchten  Schottern  besteht,  also 
einen  deutlichen  Moränenwall  darstellt,  der  die  stattliche  Höhe 
von  mehr  als  40  m erreicht.  Wie  dieser  früheren  Beobachtern 
— • namentlich  Spethmann  — entgehen  konnte , ist  mir  unver- 
ständlich. 

Weitere  Moränenwälle  finden  wir  bei  Einbeck  hausen. 
Sie  markieren  einen  Eisrand,  der  einem  Gletscher  entsprach,  der 
durch  die  tiefe  Senke  zwischen  dem  Nordmannsturm  und  der 

Hohen  Warte  den  Deister  querte. 

Die  Vereisung,  welche  diese  Moränenwälle  schuf,  kann  sich 
also  nicht  mehr  sehr  weit  nach  Süden  erstreckt  haben , da  sie 

so  auffallend  von  den  Formen  des  Untergrundes  beeinflußt  wurde. 
Das  paßt  zu  den  Anschauungen  Grupes  (V.),  nach  denen  das 

Rißeis  bei  Hameln  bis  an  die  Weser  reichte  und  im  Leinetal  noch 
bis  in  die  Alfelder  Gegend  ihre  Grundmoräne  hinterließ.  Viel- 
leicht gehören  zu  dem  Zuge  dieser  Endmoränenreste  auch  die  Kies- 
hügel  bei  Banteln  im  Leinetal. 

Auch  hier  haben  wir  wieder  den  Fall  vor  uns,  daß  der 

äußerste  Rand  von  Vereisungen  nicht  immer  durch  Moränenwälle 
bezeichnet  werden  braucht,  diese  vielmehr  zumeist  lokalen  Vor- 
stößen — kleinere  Klimaschwankungen?  — während  der  Ab- 
schmelzzeit ihre  Entstehung  verdanken  a. 

Wir  haben  es  also  in  unserem  Gebiete  mit  den  Ablagerungen 
von  zwei  Vereisungen  zu  tun,  von  denen  die  der  jüngeren  Riß- 
vereisung sich  bis  Alfeld  und  Hameln  ausdehnen,  während  die  der 
älteren  Mindelvereisung  nur  an  einer  Stelle  (bei  Hamelspringe)  in 
Gestalt  alter,  stark  zementierter  Schotter  erhalten  sind.  Der  sich 
zwischen  beide  schiebenden  Interglazialzeit  entspricht  die  Ver- 
festigung der  älteren  Schotter  und  die  Herausbildung  der  Dis- 
kordanz. Diese  Untersuchungen  harmonieren  durchaus  nicht  mit 
den  Anschauungen  Schucht’s  über  den  Lauenburger  Ton  (VI.), 
passen  aber  so  gut  zu  den  Beobachtungen  in  Thüringen  und 
anderen  Gebieten,  daß  es  wohl  unbedingt  nötig  erscheint,  den 
Lauenburger  Ton  in  mindestens  zwei  Unterabteilungen , zwischen 
die  sich  eine  Vereisung  schiebt,  zu  zerlegen.  Ich  erinnere  hier- 
bei ebenfalls  an  mein  Übersichtskärtchen  der  norddeutschen  Ver- 
eisungen (VII.). 

Lößlehme  bedecken  im  Süden  von  Hannover  (vergl.  Kärtchen) 
in  breiten  Streifen  das  Flachland,  das  hier  fast  waldlos  ist  und 
von  üppigen  Ackerländern  eingenommen  wird  (vergl.  auch  Karte 
in  IV,  wo  die  Pflanzendecke  eingezeichnet  ist)  und  reichen  weit 
hinein  in  die  Gebirge,  hier  meist  die  Senken  erfüllend,  während 
die  Kämme  lößfrei  sind. 


Vergleiche  hierzu  die  vorige  Anmerkung. 


im  Diluvium  der  Umgebung  von  Hannover. 


oa 


Ein  schöner  Lößaufschluß  befindet  sich  bei  Einbeckhausen 
(Fig.  3),  wo  die  Lösse  bis  6 m Tiefe  aufgeschlossen  sind  und  mit 
deutlich  erkennbarer  Diskordanz  über  den  glazialen  Schichten 


Fig.  3. 


liegen. 

Schon  die  Übersichtskarte  zeigt,  daß  die  Lösse  in  größter 
Erstreckung  sich  im  Windschatten  des  Deisters  erhalten  haben 
und  weiter  nördlich,  wo  ungehemmt  die  Westwinde  wehen  können, 
fehlen.  Die  heutige  Nordgrenze  der  Lösse  ist  also  meines  Er- 
achtens nicht  die  Grenze  der  ehemaligen  Löß- 
verbreitung überhaupt,  sondern  diese  reichte 
einst  viel  weiter  nach  Norden.  Dies  schloß 
ich  zum  ersten  Male  aus  der  Verbreitung  der 
Mergelsande , die  meines  Erachtens  nichts 
anderes  als  umgelagerte  Lösse  sind.  Ebenso 
deutete  ich  zum  ersten  Male  die  Feinsande  des 
Fläming  und  die  Flottlehme  der  Lüneburger  Heide  als  Lösse  und  be- 
wies dies  auch  durch  Auffinden  einer  Dreikanterschicht,  die  dem  kar- 
tierenden Geologen  Stoller  der  Landesanstalt  entgangen  ist  (X. 
p.  52).  Die  Feinsande  des  Fläming  hält  auch  schon  Linstow  für 
Lösse,  während  die  Flottlehme  der  Heide  von  StoLLER  immer  noch 
als  Eissedimente  erklärt  werden,  obgleich  über  ihre  Lößnatur  ge- 
wichtige Zweifel  gar  nicht  mehr  bestehen  können  (X.  p.  52  usvv.). 

In  Fig.  4 habe  ich  nach  den  Aufnahmen  der  Landesanstalt 
die  Flottlehme  der  Heide  in  eine  Höhenkarte  eingetragen.  Ein- 
mal fällt  es  uns  auf,  daß  diese  Flottlehme  im  Windschatten  des 
Siising  liegen,  zugleich  erkennen  wir  ihre  ganz  eigenartige  streifen- 


förmige Anordnung,  die  offenbar  nicht  die  ursprüngliche  Ver- 
breitungsgrenze ist.  Die  Karte  zeigt  eigenartige  Gesetzmäßig- 
keiten. Die  Flottlehme  sind  überall  an  den  Stellen  abgetragen, 
wo  durch  tiefe  Täler  die  Winde  ungehindert  wehen  können,  nur 
so  lassen  sich  die  eigenartigen,  nach  Osten  zu  spitz  zulaufenden 
Einbuchtungen  erklären,  die  deutlich  den  Tälern  folgen ; die  Karte 
zeigt  dieses  besser,  als  langatmige  Beschreibungen. 


56 


K.  Olbricht,  Neue  Beobachtungen 


Die  Entstehung  des  Flottlehmgebietes  weist  auf  Grund  der 
Aufnahmen  folgende  Geschichte  auf : 

Lange  Zeit  nach  dem  Abschmelzen  der  Gletscher  werden  auf 
Erosionsdiskordanzen  Lösse  aufgeweht  (X.  p.  52),  deren  Verbrei- 
tung offenbar  ehemals  eine  viel  größere  war.  Auf  die  Lößzeit 
folgt  eine  Zeit  — oder  mehrere?  — , in  der  die  Lösse  unter  dem 
Einfluß  der  für  das  heutige  Klima  kennzeichnenden  Westwinde 
zum  großen  Teil  wieder  abgetragen  werden.  Dies  muß  in  einer 
Übergangszeit  geschehen  sein,  als  die  Westwinde  schon  wehten, 
aber  die  Pflanzendecke  noch  nicht  den  Boden  vor  jeder  Abtragung 
schützte.  Heute  werden  unter  dem  Einfluß  der  Pflanzendecke  die 
ehemaligen  Formen  erhalten.  Eine  ähnliche  Anordnung  zeigen 
auch  die  Feinsande  des  Fläming  (Fig.  5). 

Diese  Folgerungen  aus  den  Lößgebieten  der  Heide  und  der 
Umgebung  von  Hannover  werden  sicher  auch  für  die  übrigen  Löß- 

Belzig 

Treuenbrietzen 

Jüterbog 

Fig  5 ' 

1W00000. 

gebiete  Geltung  haben.  Es  wäre  hierfür  unbedingt  nötig,  daß 
unter  einheitlicher  Leitung  und  mittelst  Rundschreiben  an  Löß- 
kenner der  verschiedenen  Teile  Europas  zuerst  einmal  die  Be- 
arbeitung einer  großzügigen  Übersichtskarte  der  Lößverbrei- 
tung in  Angriff  genommen  würde. 

Meine  Anschauungen  möchte  ich  in  folgenden  Sätzen  kurz 
präzisieren : 

1.  Lösse  entstehen  nicht  am  Rande  der  abschmelzenden 
Gletscher,  sondern  sind  durch  nicht  zu  gering  zu  veranschlagende 
Erosionsdiskordanzen  von  den  glazialen  Ablagerungen  getrennt. 

2.  Sie  entstanden  auch  nicht  unter  dem  Einfluß  des  heutigen 
Klimas,  da  dieses  durch  seine  Pflanzendecke  jede  Abtragung  ver- 
hindert. 

3.  Es  bleiben  nur  Trockenzeiten  über,  die  zeitlich  nicht 
mit  den  Vereisungen  zusammenfallen.  In  diesen  war  offenbar 
zeitweise  auch  die  Ausdehnung  des  europäischen  Kontinentes  eine 
viel  größere , wie  die  belgischen  und  nordfranzösischen  Lösse  es 
andeuten.  Vielleicht  war  Europa  zeitweise  seewärts  durch  die 
200  m-Tiefenlinie  begrenzt  und  in  diesem  großen  Kontinente 
konnte  in  trockeneren  Zeiten  eine  ausgedehnte  Lößbildung  ein- 
setzen. 

4.  In  den  Übergangszeiten  zwischen  dem  kontinentalen  und 


im  Diluvium  der  Umgebung  von  Hannover. 


57 


atlantischen  Klima  wurden  die  Lösse  bis  auf  wenige  an  besonders 
geschützter  Stelle  erhaltenen  Reste  abgetragen. 

5.  Da  offenbar  nicht  nur  der  weitaus  größte  Teil  der  Lösse 
nach  seiner  Ablagerung  wieder  abgetragen  wurde,  sondern  auch 
die  Grenzen  der  Ablagerungsgebiete  in  den  einzelnen  Zeiten  sich 
nicht  immer  deckten,  ist  es  durchaus  nicht  notwendig,  daß  überall 
mehrere  durch  Laimenzonen  getrennte  Lößbildungen  vorhanden 
sein  müssen.  Es  ist  sogar  wahrscheinlich,  daß  die  älteren  Lösse 


Verbreitung  der  Lösse  bei  Hannover. 
1:750000 


in  noch  viel  größerem  Umfange  abgetragen  wurden,  als  die  jüngeren, 
so  daß  ein  Vorhandensein  mehrerer  Lösse  an  ein  und  derselben 
Stelle  sogar  ein  Ausnahmefall  sein  wird.  Von  solchen  Gebieten 
aus  muß  dann  unbedingt  die  Gliederung  der  Lösse  ausgehen. 

6.  Die  Abtragung  der  Lösse  wird  besonders  auf  fluvio- 
glazialem  und  fluviatilem  Wege  erfolgt  sein.  Auf  erstere 
Weise  entstanden  die  Mergelsande;  fluviatile  Umlagerungsprodukte 
stellen  wahrscheinlich  die  Aulehme  dar. 

Litteraturverweis. 

I.  K.  Olbricht  : Das  Diluvium  in  der  Umgebung  von  Hannover. 
Globus  1910.  p.  277  usw. 

II.  K.  Olbricht  : Neuere  Beobachtungen  usw.  Dies.  Centralbl.  1910. 
p.  609  usw. 


58 


Carlo  H.  Jooss. 


III.  Passarge  : Physiologische  Morphologie.  Hamburg  1912. 

IV.  K.  Olbricht  : Das  Landschaftsbild  der  LTmgebung  Hannovers.  Han- 
noverland 1912.  p.  218. 

V.  Grube  : Zur  Frage  der  Terrassenbildungen  im  mittleren  Flußgebiete 
der  Weser  usw.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1904.  p.  470  usw. 
Derselbe:  Die  Flußterrassen  des  Wesergebietes  usw.  Ebenda  1912. 
p.  265  usw. 

VI.  Schucht  : Der  Lauenburger  Ton  als  leitender  Horizont  usw.  .Tahrb. 

d.  k.  preuß.  geol.  Landesanst.  1908.  p.  130  usw. 

VII.  K.  Olbricht  : Einteilung  und  Verbreitung  der  glazialen  Ablage- 
rungen in  Norddeutschland.  Dies.  Centralbl.  1911.  p.  507  usw. 

VIII.  K.  Olbricht  : Grundlinien  einer  Landeskunde  der  Lüneburger  Heide, 
p.  23  oben. 

IX.  K.  Olbricht:  Über  das  Klima  der  Postwürmzeit.  Dies.  Centralbl. 
1909.  p.  599. 

X.  K.  Olbricht  : Die  Blätter  Bevensen . Bienenbüttel  usw.  Ebenda. 
1912.  p.  9 usw. 

Breslau  am  20.  12.  12. 


Ueber  Limnaea  (Limnaea  s.  str.)  turrita  Klein  emend.  Jooss. 

Von  Carlo  H.  Jooss  in  Stuttgart. 

Mit  8 Textfiguren. 

In  seinen  Land-  und  Süßwasser-Conchylien  der  Vorwelt  er- 
wähnt Sandberger  in  dem  Kapitel  „Binnenmollusken  der  Ober- 
miocänschichten“  auf  p.  582  eine  Limnaea  aus  der  Gruppe  der 
stagnalis,  welche  er  in  einem  Exemplar,  dem  aber  die  Spitze  fehlt, 
1872  am  Deutschliof  entdeckt  habe  und  die  in  Bruchstücken  auch 
von  Mundingen  bekannt  sei.  1877  fand  dann  Herr  Professor 
Dr.  Konrad  Miller,  Stuttgart,  die  gleiche  Art  in  einem  voll- 
ständigen Exemplar  im  Obermiocän  von  Mörsingen  und  benannte 
dieselbe  vorläufig  Limnaea  stagnaloides  n.  sp.,  ohne  sie  jedoch  unter 
diesem  Namen  bisher  zu  veröffentlichen’.  Seitdem  wurden  noch 
einige  weitere  Stücke  von  dieser  so  seltenen  Art  in  unserem  Ober- 
miocän gefunden , so  daß  dieselbe  nun  genauer  untersucht  und 
verglichen  werden  konnte , wobei  sich  folgendes  herausstellte : 

1 Trotzdem  wurde  dieser  Name  von  den  Herren  Hauptmann  W.  Kranz, 
Swinemünde,  und  Pfarrer  Dr.  Th.  Engel,  Eislingen,  in  die  Fachliteratur 
eingefiibrt.  (Vergl.  hierüber:  Kranz,  W.,  Stratigraphie  und  Alter  der 
Ablagerungen  bei  Unter-  und  Oberkirchberg , südlich  Ulm  a.  D.  Dies. 
Centralbl.  1904.  p.  537  u.  550;  ferner:  Engel.  Th,  Geognostischer  Weg- 
weiser durch  Württemberg.  3.  Auf!.  Stuttgart  1908.  p.  534,  540,  560. 
p.  540  führt  Engel  die  von  Miller  L.  stagnaloides  benannte  Art  sogar 
aus  den  brackischen  Schichten  am  Hochsträß  an,  worin  dieselbe  in  Wirk- 
lichkeit gar  nicht  vorkommt.) 


60 


Carlo  H.  Jooss, 


Die  vorliegenden  Exemplare  sind  zweifellos  aus- 
gewachsene Stücke  der  seither  als  kleine,  schlanke 
Art  angesehenen  Limnaea  turrita  Klein1,  und  die 
Kenntnis  der  letzteren  beruhte  bis  jetzt  nur  auf 
unvollständigen  Stücken.  Bei  zwei  meiner  Exemplare 
waren  nämlich  aus  Versehen  die  Gehäusespitzen , bestehend  aus 
den  4-1-  bezw.  5 ersten  Windungen  abgebrochen  worden  und  dabei 
war  mir  die  große  Ähnlichkeit  dieser  Gehäusespitzen  mit  L.  turrita 
Klein  aufgefallen.  Ein  Vergleich  mit  den  beiden  Originalexemplaren 
Klein’s,  welche  sich  in  der  hiesigen  Kgl.  Naturaliensammiung  be- 
finden, hatte  dann  die  vollkommene  Übereinstimmung  ergeben.  Außer- 
dem konnte  aber  auch  festgestellt  werden,  daß  die  beiden  Original- 
exemplare Klein’s  nur  Bruchstücke  (aus  den  4f  bezw.  5 ersten 
Umgängen  bestehend)  sind,  die,  nach  Analogie  mit  den  oben  er- 
wähnten Gehäusespitzen,  zweifellos  derselben  Art  wie  die  letzteren 
angehören,  d.  h.  daß  diese  Art  also  die  eigentliche  L.  turrita  Klein 
darstellt,  welche  demnach  erst  jetzt  richtig  bekannt  wird. 

Limnaea  turrita  ist  höchstwahrscheinlich  ein  direkter  Vor- 
läufer unserer  rezenten  Limnaea  ( Limnaea  s.  str.)  stagnalis  L.  Sie 
scheint  zur  Obermiocänzeit,  ähnlich  wie  L.  stagnalis  in  der  Gegen- 
wart, einen  größeren  Formenkreis  besessen  zu  haben,  wenigstens 
lassen  sich  unter  dem  vorliegenden  Materiale  deutlich  mehrere 
Formen  unterscheiden,  die  nun  hier  beschrieben  werden  sollen. 

1.  Limnaea  turrita  Klein  emend.  Jooss,  Typus,  Fig.  1 — 1 a. 
Dieser  gleicht  auffallend  der  var.  vulgaris  Wstld.  unserer  rezenten 
L.  stagnalis  L.  und  unterscheidet  sich  von  dieser  nur  durch  langsamere 
Aufwindung  und  etwas  stärkere  Wölbung  der  Umgänge,  welche  durch 
etwas  tiefere,  mehr  wagrecht  verlaufende  Nähte  voneinander  getrennt 
sind.  Von  der  var.  vulgaris  Wstld.  wurden  in  Fig.  2 — 2 a und 
3 — 3 a zwei  Exemplare  zum  Vergleich  mitabgebildet.  Das  erstere 
(Original  in  coli.  Jooss.)  wurde  in  den  mittelpleistocänen  Sauer- 
wassersanden am  Sulzerrain  in  Cannstatt-Stuttgart  gefunden,  während 
das  letztere  (Original  ebenfalls  in  coli.  Jooss.)  aus  dem  Achensee 
in  Nordtirol  stammt.  Die  Diagnose  der  typischen  Form  ist: 

Schale  fest,  kaum  merklich  schlitzförmig  genabelt,  Gewinde 
verlängert,  spitz,  Umgänge  7 — 8,  durch  mäßig  tiefe  Nähte  getrennt, 
langsam  und  regelmäßig  anwachsend , mit  feinen , von  kräftigen 
Blinzeln  in  gleichmäßigen  Zwischenräumen  unterbrochenen  Streifen 
bedeckt,  letzter  Umgang  so  hoch  als  die  übrigen  zusammengenommen, 
Mündungsachse  schief,  zur  Gehäuseachse  einen  spitzen  Winkel  bildend, 
Mündung  länglich  eiförmig,  Mündungshöhe  ca.  die  Hälfte  der 
Gesamthöhe  betragend,  Mundränder  scharf,  durch  eine  dünne,  breite 
Schwiele  verbunden,  Spindel  verdreht.  H.  27 — 31  mm1,  gr.  Br. 
13 — 14  mm,  Mh.  14 — 15  mm,  Mbr.  8 — 9 mm. 

1 Jalneshefte  d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturkunde  in  Württemberg.  IX.  Bd. 
Jahrg.  1853.  p.  220.  Taf.  V Fig.  17. 


Ueber  Limnaea  (Limnaea  s.  str.)  turrita  Klein  emend.  Jooss.  ßl 


Vorkommen:  Ziemlich  selten  im  S^/rana-Horizont  — den 
kalkigen  Mergeln  mit  Melanopsis  kleini  Kurr  — am  Deutschhof 
bei  Pflummern,  äußerst  selten  im  Sylvana- Kalk  von  Mörsingen  bei 
Zwiefalten  (Original  in  coli.  Johner,  Riedlingen)  und  Mundingen 
bei  Ehingen. 

Neben  dem  Typus  finden  sich  dann  in  Mörsingen,  ebenfalls  als 
große  Seltenheit,  Übergangsformen  (eine  solche  wurde  in  Fig.  4 — 4 a 
abgebildet,  das  Original  befindet  sich  in  coli.  Miller.)  zu 

2.  Limnaea  turrita  Klein  emend  Jooss,  var.  milleri  nov.  var. 
Fig.  5 — 5 a und  6 — 6 a.  Diese  zeigt  dem  Typus  gegenüber  folgende 
Unterscheidungsmerkmale:  Gewinde  verkürzter,  letzter  Umgang 
höher  und  bauchiger,  Mündungshöhe  fast  § der  Gesamthöhe  betragend. 
Leider  fehlen  den  beiden  abgebildeten  Exemplaren  die  Anfangs- 
windungen , so  daß  sowohl  die  Zahl  der  Umgänge  als  auch  die 
Höhe  des  Gehäuses  bei  denselben  nur  schätzungsweise  angegeben 
werden  kann.  Erstere  mag  — nach  Analogie  zweier  weiterer, 
etwas  beschädigter  Exemplare  — 7 — 8,  letztere  30 — 3 1 mm  be- 
tragen haben.  Gr.  Br.  15  — 16  mm,  Mh.  19 — 21  mm,  Mbr.  8 — 9 mm. 

Ich  benenne  diese  Varietät  nach  meinem  verehrten  ehemaligen 
Lehrer,  Herrn  Professor  Dr.  Konrad  Miller  in  Stuttgart. 

Vorkommen:  Sehr  selten  im  S^/va»«-Kalk  von  Mörsingen 

(Fig.  5 — 5 a,  Original  in  coli.  Jooss.)  und  im  Sande  mit  Helix 
(Otala)  sylvana  Klein  von  Biberach  a.  d.  Riß  (Fig.  6 — 6 a,  Original 
ebenfalls  in  coli.  Jooss). 

Eine  weitere,  zweifellos  auch  hierher  gehörende  Form  unter- 
scheide ich  als 

3 .Limnaea  turrita  Klein  emend.  Jooss,  mut.  lacustriformis 
nov.  mut.  Fig.  7 — 7 a.  Cliar. : Gewinde  stark  verkürzt,  zusammen- 
geschoben, letzter  Umgang  ziemlich  bauchig,  oben  schwach  gekantet. 
Runzeln  kräftig  hervortretend,  Mündung  ca.  § der  Gesamthöhe  ein- 
nehmend. Leider  fehlen  bei  dem  abgebildeten  Stück  ebenfalls  die  An- 
fangswindungen, so  daß  die  Zahl  der  Umgänge  und  die  Gehäusehöhe 
bei  demselben  nur  abgeschätzt  werden  können.  Erstere  dürfte 
zwischen  6|  und  7\  geschwankt,  letztere  ca.  2 1 mm  betragen  haben. 
Gr.  Br.  13,2  mm,  Mh.  13  mm,  Mbr.  7,75  mm. 

Vorkommen : Äußerst  selten  im  Sylvana- Kalk  von  Mörsingen. 
(Original  in  coli.  Johner,  Riedlingen.) 

Die  var.  lacustriformis  erinnert  lebhaft  an  die  var.  lacustris 
Stüder  unserer  rezenten  L.  stagnalis  L.,  von  welcher  in  Fig.  8 — 8 a 
ein  Exemplar  zum  Vergleich  mitabgebildet  wurde,  das  vom  Boden- 
seeufer bei  Bregenz  stammt.  (Original  in  coli.  Jooss.)  Sie  unter- 
scheidet sich  jedoch  von  der  var.  lacustris  Studer  besonders  durch 

1 Zur  Bezeichnung  der  Maße  gebrauche  ich  von  jetzt  ab  folgende 
Abkürzungen:  H.  = Höhe,  gr.  Br.  = größte  Breite,  Mh.  = Mündungshöhe, 
Mbr.  = Mündungsbreite,  D — Dicke. 


62 


Carlo  H.  Jooss, 


geringere  Dimensionen  der  Schale , gewölbtere  Umgänge  und  die 
Form  und  Stellung  der  Mündung.  Wie  die  var.  lacustris  ist  sie 
wohl  eine  Form  des  bewegten  Wassers1. 

Limnaea  turrita  Klein  einend.  Jooss,  Typus  nebst  var.  milleri 
und  mut.  lacustriformis  wurde  bis  jetzt  nur  im  Obermiocän  Württem- 
bergs beobachtet.  Was  die  seither  als  L.  turrita  Klein  von  ver- 
schiedenen Autoren  aus  dem  Obermiocän  von  Undorf  bei  Regens- 
burg a.  D.2,  dem  Mittelmiocän  von  Sansan  (dep.  Gers.)3  und  dem 
Untermiocän  des  Mainzer  Beckens4  erwähnten,  kleinen  Limnaeen  be- 
trifft, so  glaube  ich  jetzt,  daß  es  sich  hier  keinenfalls  um  .Tugend- 
formen von  L.  turrita  Klein  einend.  Jooss  oder  eine  ihrer  Va- 
rietäten handelt , sondern  daß  unter  dem  oben  erwähnten  Namen 
seither  die  Jugend-  oder  noch  wahrscheinlicher  die  Trockenformen 
anderer  Limnaea- Arten  zusammengeworfen  wurden. 

1 Die  var.  lacustris  Studer  lebt  nach  Geyer  („Unsere  Land-  und 
Süßwasser-Mollusken“.  Stuttgart  1909.  p.  74)  an  den  flachen  Ufern  bewegter 
Seen.  Die  Gehäuseform  der  var.  lacustris  läßt  sich  biologisch  wohl  fol- 
gendermaßen erklären:  Um  durch  den  Wellenschlag  nicht  von  seinem 
Aufenthaltsort  losgerissen  und  ans  Ufer  gespült  zu  werden , bedarf  das 
Tier  einer  größeren  Adhäsionsfläche,  es  muß  daher  den  letzten  Umgang 
seines  Gehäuses  entsprechend  erweitern.  Um  ferner  den  Wellen  möglichst 
wenig  Angriffsfläche  zu  bieten,  bleibt  das  Gehäuse  kleiner  und  das  Gewinde 
wird  mehr  zusammengeschoben.  Die  stärker  als  beim  Typus  ausgeprägten 
Anwachsstreifen  der  Umgänge  dürften  ihre  Erklärung  vielleicht  in  dem 
durch  das  Anklammern  bedingten  größeren  Aufwand  an  Muskelkraft  finden? 

2 Vergl.  hierüber:  v.  Ammon,  L. , Ein  Beitrag  zur  Regensburger 
Tertiärfauna.  Correspondenzblatt  d.  zool.-mineralog.  Ver.  zu  Regensburg. 
27.  Jahrg.  1873.  p.  189.  — Clessin,  S.,  Die  tertiären  Binnenconchylien  von 
Undorf.  Ebenda.  31.  Jahrg.  1877.  p.  38.  — Clessin,  S.,  Die  Conchylien  der 
obermiocänen  Ablagerungen  von  Undorf.  Malakozool.  Blätter.  N.  F.  Bd.  VII. 
1884.  p.  88.  — Clessin,  S.,  Die  Conchylien  etc.  Berichte  d.  naturw.  Ver. 
zu  Regensburg.  IV.  Heft  für  die  Jahre  1892 — 1893.  p.  25.  — Clessin,  S., 
Die  Conchylien  etc.  Ebenda.  XIII.  Heft  für  die  Jahre  1910 — 1911.  p.  12. 

3 Sandberger,  F.,  Die  Land-  u.  Süßwasser-Conchylien  d.  Vorwelt.  Wies- 
baden 1870 — 75.  p.  581.  Taf.  XXVIII  Fig.  26— 26b.  — Bourguignat,  S.R., 
Histoire  malacologique  de  la  colline  de  Sansan.  Bibliothöque  de  Fecole  des 
liautes  etudes;  Sect.  de  Sciences  nat.  T.  XXII.  1881.  Art.  No.  3.  p.  117. 
pl.  6 fig.  200—201. 

4 Böttger,  0.,  Die  fossilen  Mollusken  der  Hydrobienkalke  von  Buden- 
heim bei  Mainz.  Nachrichtsblatt  d.  deutschen  Malakozool.  Ges.  40.  Jahrg. 
1908.  p.  153.  — Jooss,  C.  H„  Die  Molluskenfauna  der  Hydrobienschichten 
des  Hessler  bei  Mosbach-Biebrich.  Jahrbücher  d.  Nassauischen  Ver.  f.  Naturk. 
in  Wiesbaden.  64.  Jahrg.  1911.  p.  71.  No.  44.  — Wenz,  W.,  Die  unteren 
Hydrobienschichten  des  Mainzer  Beckens,  ihre  Fauna  und  ihre  strati- 
graphische Bedeutung.  Notizblatt  d.  Ver.  f.  Erdkunde  u.‘d.  Großh.  geol. 
Landesanstalt  zu  Darmstadt  f.  d.  Jahr  1911.  IV.  Folge.  32.  Heft.  p.  157. 
No.  11.  — Fischer,  K,,  und  Wenz,  W.,  Verzeichnis  und  Revision  der 
tertiären  Land-  und  Süßwasser-Gastropoden  des  Mainzer  Beckens.  Neues 
Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  1912.  p.  490. 


lieber  Limnaea  (Limnaea  s.  str.)  turrita  Klein  einend.  Jooss.  63 


Den  Herren  Professor  Dr.  Kon n ad  Miller  , Stuttgart , und 
Verwaltungsaktuar  Alfred  Johner,  Riedlingen  a.  D.,  welche  mir 
die  in  ihren  Sammlungen  befindlichen  Exemplare  von  L.  turrita  Klein 
emend.  Jooss  bereitwilligst  zur  Untersuchung  anvertrauten,  ferner 
Herrn  Professor  Dr.  Eberhard  Fraas,  welcher  mir  in  liebenswür- 
digster Weise  die  Untersuchung  der  in  der  hiesigen  Kgl.  Naturalien- 
sammlung  befindlichen  KLEiN’schen  Originalexemplare  von  L.  turrita 
gestattete,  sowie  Herrn  Oberlehrer  D.  Geyer,  Stuttgart,  welcher 
mich  in  bekannt  freundlicher  Weise  mit  rezentem  Vergleichsmaterial 
unterstützte,  sei  an  dieser  Stelle  nochmals  herzlichst  gedankt. 

Literatur. 

1853.  Limnaeus  turritus  Klein,  Jahreshefte  d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturkunde 
in  Württemberg.  JX.  Jahrg.  p.  220.  Taf.  V Fig.  17. 

1874.  Limnaeus  turritus,  Sandberger,  Die  Land- und  Süßwasserconchylien 
d.  Vorwelt.  p.  581.  Taf.  XXVIII  Fig.  26-26  b. 

1874.  Limnaeus  sp.,  Sandberger,  Die  Land-  und  Süßwasserconchylien  d. 
Vorwelt.  p.  582. 

1877.  Limnaeus  stagnaloides  Miller  in  schedulis. 

1883.  Limnaeus  turritus,  Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch  Württem- 
berg. I.  Aufl.  p.  286. 

1896.  Limnaeus  turritus.  Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch  Württem- 
berg. II.  Aufl.  p.  406. 

1904.  Limnaeus  stagnaloides.  Kranz,  Dies.  Centralbl.  1904.  p.  537  u.  550. 
1908.  Limnaeus  stagnaloides . Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch 
Württemberg.  III.  Aufl.  p.  534  u.  560. 

1908.  Limnaeus  turritus,  Engel,  Geognostischer  Wegweiser  durch  Württem- 


berg. 

III.  Aufl. 

p.  564. 

Figurenerklärung. 

Fig.  1 — 1 a. 

Limnaea 

turrita  Klein  emend.  Jooss,  Typus,  Obermiocän, 
Mörsingen. 

„ 2-2  a. 

V 

stagnalis  L.  var.  vulgaris  Wstld.  , mittleres  Plei- 
stocän,  Cannstatt-Stuttgart. 

„ 3-3  a. 

V 

stagnalis  L.  var.  vulgaris  Wstld,  rezent,  Achensee, 
Nordtirol. 

„ 4— 4 a. 

» 

turrita  Klein  emend.  Jooss , Übergang  zur  var. 
milleri  Jooss,  Obermiocän,  Mörsingen. 

„ 5 — 5 a. 

71 

turrita  Klein  emend.  Jooss,  var.  milleri  Jooss,  Ober- 
miocän, Mörsingen. 

„ 6 — 6 a. 

n 

turrita  Kl.  emend.  Jooss,  var.  milleri  Jooss,  Ober- 
miocän, Biberach  a.  d.  Riss. 

» 7— " a. 

7) 

turrita  Klein  emend.  Jooss,  var.  lacustriformis 
Jooss,  Obermiocän,  Mörsingen. 

„ 8-8  a. 

7) 

stagnalis  L.  var.  lacustris  Stüder,  rezent,  Boden- 
seeufer bei  Bregenz. 

64 


Carlo  H.  Jooss,  lieber  Limnaea  etc.  — Personalia. 


Berichtigung. 

In  meiner  „Vorläufigen  Mitteilung  über  eine  vermutlich  alt- 
tertiäre  Schneckenfauna  aus  dem  Ries“,  dies.  Centralbl.  1911, 
Heft  3,  p.  88 — 91,  sind  einige  Berichtigungen  nötig,  es  soll  heißen: 
p.  89,  Linie  8,  „ein  eigenes  Subgenus“  statt  „eine  eigene  Sektion“. 
„ 89,  unten  in  der  Anmerkung,  sind  die  Artennamen  von 
„P.  bohemica  Böttger“  auf  Linie  10  bis  „P.  mal- 
leolata  Sandb.“  auf  Linie  12  zu  streichen.  (Vergl.  hier- 
über auch  Jahreshefte  d.  Ver.  f.  vaterl.  Naturkunde  in 
Württemberg.  68.  Jalirg.  1912.  S.  164,  unten,  An- 
merkung 2.) 

90,  Linie  15,  „Limnaea  pachygaster“ statt „Limnuspachygasler“. 
32,  „Dunker“  statt  „Duncker“. 

„im  unteren  Untermiocän  Südfrankreichs“  statt 
„im  oberen  Oligocän  Südfrankreichs“. 

39,  beide  Male  „Noulet“  statt  „Moulet“. 

44,  „Ericia  schneidi“  für  „Ericia  schneidti“. 

2,  „Schneid“  für  „Schneidt“. 

5,  6 „in  den  oberen  Horizont  der  unteren  Süß- 
wasserkalke, also  ins  oberste  Oligocän,  zu  ver- 
weisen. 

C.  H.  Jooss,  Stuttgart. 


90, 

merkung 
Linie  15, 

90, 

» 32, 

90, 

* 34, 

90, 

n 39, 

90, 

„ 44, 

91, 

„ 2, 

91, 

„ 4, 

Personalia. 

Angenommen:  Professor  Dr.  J.  F.  Pompeckj  in  Göt- 

tingen einen  Ruf  als  Nachfolger  von  Professor  Dr.  E.  v.  Koken 
in  Tübingen. 


Berufen:  Dr.  Eberhard  Rimann,  Privatdozent  für  Minera- 
logie und  Geologie  an  der  Technischen  Hochschule  in  Dresden, 
von  der  Regierung  der  Vereinigten  Staaten  von  Brasilien  als  Nach- 
folger von  Professor  E.  Hussac  an  die  Geologische  und  Minera- 
logische Landesanstalt  in  Rio  de  Janeiro  für  den  Posten  eines 
Chefmineralogen  und  Petrographen. 


I 


P.  Tucan,  Zur  Bauxitfrage. 


65 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Zur  Bauxitfrage. 

Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram.  Kroatien». 

1. 

E.  Dittler  und  C.  Doeltek  haben  in  diesem  Centralblatte1 
und  der  Kolloid-Zeitschrift 2 ihre  Untersuchungen  über  die  Bauxit- 
frage publiziert,  die  meiner  Meinung  nach  einer  Richtigstellung 
bedürfen.  Die  beiden  Autoren  vertreten  die  Ansicht,  daß  Bauxit 
kein  Gestein,  sondern  ein  Mineral  sei.  Neben  den  zwei  kristalli- 
sierten Tonerdehydraten:  Diaspor  und  Hydrargillit  (Gibbsit),  exi- 
stiert noch  ein  amorphes  Tonerdehydrat:  Bauxit,  und  diese  drei 
Tonerdehydrate  bilden  zusammen  mit  Limonit , Roteisen , Kaolin 
»Ton)  Gesteine.  Die  Gesteine,  welche  Diaspor  als  Hauptmenge  ent- 
halten, bezeichnen  erwähnte  Autoren  nach  dem  Vorgänge  P.  Kruschs 
als  Diasporite,  und  demnach  könne  man  analog  Gesteine  mit  vor- 
wiegendem Gibbsit  als  Gibbsitite  bezeichnen.  Die  aus  Diaspor 
und  Gibbsit  mit  Eisenoxyden , Kaolin  bestehenden  Massen  fassen 
die  beiden  Autoren  als  Kristalloid-Alumolithe  zusammen.  Kolloid- 
Alumolithe  bezw.  Bauxite  seien  ihrer  Meinung  nach  jene  Gesteine, 
deren  Hauptmasse  aus  Bauxit  besteht. 

Diesen  Ansichten  möchte  ich  nicht  beipflichten.  Nach  den 
umfangreichen  Untersuchungen  an  vielen  Bauxiten  und  an  Terra 
rossa,  die  Professor  M.  Kispatic  und  ich  durchführten 3,  geht  un- 
zweideutig hervor , daß  wir  im  Bauxit  ein  Mineralgemenge  vor 
uns  haben.  Bauxit  ist  eine  Gesteinsart,  deren  Haupt- 
gemengt eil  aus  Tonerdehydrat,  Al2  03.H.20  besteht. 
In  den  meisten  Fällen  ist  dieses  Tonerdehydrat  eine  kolloide 
Modifikation  des  Diaspor s,  die  Professor  M.  Kispatic 
als  Sporogelit  bezeichnete.  Nach  der  überwiegenden  Menge 
des  Sporogelits  oder  Diaspors  kann  man  von  Sporogelitbauxit 
oder  D i as p orba u xi t sprechen.  Sporogelitbauxite  sind  viel  ver- 

1 E.  Dittler  und  C.  Doelter,  Zur  Charakteristik  des  Bauxits.  Dies. 
Centralbl.  1912.  p.  10.  — Zur  Nomenklatur  der  Tonerdehydrate.  Ibidem. 

1912.  p.  104. 

2 E.  Dittler  und  C.  Doelter  . Die  Anwendung  der  Kolloidchemie 
auf  Mineralogie  und  Geologie.  Bauxit  ein  natürliches  Tonhydrogel.  Kol- 
loid-Zeitschrift. 9.  1911.  p.  282. 

3 Fr.  Tijüax,  Terra  rossa,  deren  Natur  und  Entstehung.  N.  Jahrb. 
f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  401.  — M.  Kispatic  , Bauxite  des  kroa- 
tischen Karstes  und  ihre  Entstehung.  Ibid.  p.  513. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  5 


66 


F.  Tucan, 


breiteter  als  Diaspovbauxite,  und  wenn  die  letzteren  verkommen, 
enthalten  sie  immer  Sporogelit  in  ziemlicher  Menge.  Hydrargillit 
erscheint  nach  bisherigen  Untersuchungen  in  Bauxiten  nie  in 
solcher  Menge,  daß  man  von  Hydrargillitbauxiten  sprechen  könnte. 
Höchstens  könnte  die  Rede  von  h y d r ar  g i 1 1 i t f üh r e n den 
Sporogelit-  bezw.  Diasporbauxiten  sein. 

Auch  die  Bezeichnung  „Woclieinit“  und  „Kljakit“  sind  un- 
richtig , da  das  Material , welches  man  mit  diesen  Benennungen 
bezeichnet,  nichts  anderes  ist  als  echter  Bauxit. 


2. 

Ebenso  werden  nach  unseren  Untersuchungen  die  Ansichten 
von  F.  Cornu  und  M.  Lazarevic1  über  den  Bauxit  und  seine 
„Adsorptionsverbindungen“  hinfällig,  da  Bauxit  keine  „voll- 
kommen homogene2  und  isotrope“  Masse  ist  und  da 
sein  Si0.3-  u nd  Ti02- Gehalt  von  mechanisch  beige  mengten 
Quarz-  (und  einem  mehligen  Si02,  dann  von  einem 
Kieselsäuregel,  Si  02 . 2 H.,  0)  und  Titan  mineralen  (haupt- 
sächlich Rutil)  h e r r ü h r t.  (Vergl.  auch  meinen  Aufsatz  im 
Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  427.)  P2 0-  , CaO  und  S03,  welche  Bestand- 
teile man  in  manchen  Bauxitanalysen  anfiihrt,  stammen  unzwei- 
deutig von  Apatit,  Calcit,  Gips  und  Anhydrit,  welche 
Minerale  ich  im  unlöslichen  Rückstände  der  Kalke  und  Dolomite 
und  in  der  Terra  rossa  gefunden  habe.  Gerade  so  ist  es  mit 
der  Vanadinsäure,  welche  in  einigen  Bauxiten  konstatiert 
wurde:  sie  kann  von  Vanadinmineralen  stammen,  obgleich 
dieselben  bis  jetzt  in  Bauxiten  (und  Terra  rossa)  noch  nicht  ge- 
funden wurden. 


3. 

Bei  dieser  Gelegenheit  möchte  ich  nur  einige  Worte  über 
die  Adsorptionsverbindungen  im  Mineralreiche  sagen.  Mit  der 
Deutung  dieser  Verbindungen  muß  man  überhaupt  sehr  umsichtig 

1 F.  Cornu  und  M.  LazareviÖ,  Adsorptionsverbindungen  im  Mineral- 
reiche. Kolloid-Zeitschr.  4.  1909.  p.  295. 

2 Cornu  und  Lazareviö  schreiben:  „U.  d.  M.  erweisen  sich  die  eisen- 
reichen Bauxite  vollkommen  homogen  und  isotrop,  weshalb  angenommen 
werden  muß,  daß  hier  kein  mechanisches  Gemenge  vorliegt.  Sehr  viele 
Bauxite  enthalten  ferner , abgesehen  von  Si  02 , das  wohl  sicher  in  Form 
von  Tonerdekieselsäuregel  vorhanden  ist,  P206,  V20s,  S03,  CaO.  Die  Phos- 
phorsäure ist  sicher  adsorptionsartig  gebunden,  da  Übergänge  zum  reinen 
Aluminiumphosphat  bekannt  sind.  Die  Vanadinsäure,  welche  gleichfalls 
häuüg  vorkommt,  spielt  entweder  eine  analoge  Bolle  wie  die  Phosphor- 
säure, oder  liegen  Gelgemenge,  entstanden  aus  entgegengesetzt  elektrisch 
geladenen  Hydrosolen,  vor,  oder  aber  es  handelt  sich  um  Gelgemenge  im 
Sinne  des  CASSius’schen  Purpurs.  Viele  Bauxite  enthalten  ferner  Titan- 
säure. Auch  diese  Vorkommen  erscheinen  u.  d.  M.  vollkommen  homogen.“ 


Zur  Bauxitfrage. 


67 


sein,  da  man  aus  chemischen  Analysen  keinen  Schluß  auf  dieselben 
ziehen  kann.  Viele  (amorphe)  Minerale  enthalten  z.  B.  in  solcher 
Menge  Kieselsäure,  daß  man  dieselben  sehr  leicht  als  kieselsaure 
Verbindungen  zusammenfassen  könnte.  Als  ein  gutes  Beispiel  für 
einen  solchen  Fall  führe  ich  die  chemische  Analyse  eines  weißen 
Bauxits  von  Skocaj  im  kroatischen  Karste  an : 


SiO,  . . . . 

. . . 44.48 

Ti  02  . . . . 

. . . 1.20 

A1.,03  . . . 

Fe2  0,  . . . 

. 0,51 

CaO.... 

. . . 0.89 

H„0  . . . . 

. . . 13.98 

00,  ...  . 

. . . 0.75 

100.05 

Aus  der  angeführten  Analyse  kann  man  nur  den  Schluß 
ziehen,  daß  wir  es  hier  mit  einem  wasserhaltigen  Aluminiumsili- 
kate zu  tun  haben.  Und  auch  nach  den  mikroskopischen  Unter- 
suchungen müßten  wir  schließen,  daß  vor  uns  ein  solches  vorliege. 
Und  doch  ist  dem  nicht  so , denn  nach  genauen  Untersuchungen 
besteht  dieser  Bauxit  aus  Sporogelit,  welchem  eine  ziemlich 
große  Menge  (32'49°/o)  des  mehligen  Si02  mechanisch  bei- 
gemengt ist.  Dieses  Si02  aber  können  wir  dann  im  Präparate 
u.  d.  M.  nicht  wahrnehmen,  weil  es  in  so  feinem  Staube  vorkommt,, 
daß  man  es  neben  Sporogelit  nicht  bemerken  kann.  Daß  ein 
solches  Si02  in  der  Natur  als  eine  selbständige  Verbindung  wirk- 
lich existiert,  habe  ich  schon  bei  einer  anderen  Gelegenheit  be- 
wiesen1 2. Wenn  ich  mit  diesem  Bauxite  dieselben  Löslichkeits- 
versuche wie  mit  jenem  mehligen  SiO,  unternehme,  so  erziele  ich 
ganz  dieselben  Resultate.  Ein  Teil  der  Si02  (11  • 99°/o)  ist  im 
Sporogelit  auch  als  Kieselsäuregel,  Si  02 . 2 H,  0 mechanisch  ad- 
sorbiert. 

Daß  man  die  Homogenität  eines  Minerals  mikroskopisch  nicht 
immer  bestimmen  kann , geht  aus  folgendem  Beispiele  klar  her- 
vor. Ich  habe  einen  Bauxit  von  Grgin  brieg  (in  Kroatien)  ana- 


lysiert. Die  Analyse  ergab : 

Si  02  23,53 

Alj  Os 25,69 

Fe203  38,23 

CaO 0,18 

Glühverlust  ....  12,30 


99,93 3 

1 Mit  Spuren  von  Mn  0,  Mg  0,  Li,  0,  Xa2  0 und  K,  0. 

2 Fr.  Tcöan  : Ein  mehliges  Siliciumdioxyd.  Dies.  Centralbl.  1912. 
p.  296. 

3 Mit  Spuren  von  Ti02,  Li,  0,  Na,  0.  K,  0. 


5* 


68  K.  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 

Was  kann  man  aus  dieser  Analyse  entnehmen?  Liegt  hier 
ein  Eisenaluminiumsilikat  oder  ein  mechanisches  Gemenge  vor? 
Wenn  man  das  zur  Analyse  benützte  Material  u.  d.  M.  unter- 
sucht, so  erweist  es  sich  als  eine  vollkommen  homogene  und  iso- 
trope Masse.  Und  doch  ist  dies  kein  homogenes  Material,  sondern 
«in  typisches  mechanisches  Gelgemenge.  Auf  optischem  Wege 
können  wir  nicht  zwei  amorphe  (kolloide)  Substanzen 
eine  von  der  anderen  unterscheiden,  wenn  dieselben 
miteinander  Vorkommen.  So  ist  z.  B.  Sporogelit,  der  nur 
ein  wenig  Hämatogelit  (Fe203)  als  adsorbiertes  Gelgemenge  ent- 
hält, dem  reinen  Hämatogelit  u.  d.  M.  vollkommen  gleich.  Ebenso 
ist  vollkommen  reiner  Sporogelit  demjenigen,  der  über  40  °/o  meh- 
ligen Si02  enthält,  gleich,  usw'. 

Und  so  sind  gleich  dem  Bauxit  meiner  Meinung  nach  auch 
viele  amorphe  Minerale,  welche  man  heute  als  wasserhaltige  Alu- 
miniumsilikate betrachtet,  nichts  anderes  als  Tonerdehydrate 
mit  verschiedenen  mechanisch  adsorbierten  Gelgemengen. 

Zagreb  (Agram),  Min.-petrogr.  Institut,  1912. 


Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und  gefritteten 

Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 

Von  Karl  Walther  in  Montevideo. 

Mit  2 Textfiguren. 

In  einer  früheren  Veröffentlichung  1 2 war  schon  kurz  von  einem 
Vorkommen  die  Rede,  das  den  südlichsten  Vorposten  der  brasilisch- 
uruguayischen  „Gondwana-Formation“  bildet.  Die  Zuweisung  jenes 
isolierten  Vorkommens  von  Piedras  de  Afilar  östlich  Monte- 
video zum  hangenden  Teile  der  permo-mesozoischeu  Uberdeckung, 
<1.  h.  zu  den  Säo  Bento-Sclri ehten , ergab  sich  wesentlich  aus  der 
Art  der  Lagerung  dieser  Bildungen,  ein  Horizontieruugsverfähren, 
das  sich  aus  dem  Fossilmangel  der  Schichten  und  dem  Fehlen  des 
wichtigen  Vergleichshorizontes , der  sogen.  Serra  Geral-Effusiv- 
decken,  ergab. 

Es  soll  nun  im  folgenden  auf  Grund  einer  petrographischeu 
Beschreibung  1 versucht  werden,  für  jene  stratigraphische  Behaup- 
tung eine  neue  Stütze  aufzustellen  und  so  das  Fehlen  des  Ver- 
gleichshorizontes zu  ersetzen. 

1 K.  Walther,  Über  Transgressionen  der  oberen  „Gondwana-For- 
mation“ in  Südbrasilien  und  Uruguay.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  398. 

2 Dieselbe  stützt  sich  sowohl  auf  die  von  mir  gesammelten  Stücke, 
als  auf  Teile  einer  Sammlung  von  uruguayischen  Gesteinen,  die  durch 
Herrn  A.  Fi.ossdorf  in  Buenos  Aires  zusammengebracht  und  von  Herrn 
Dr.  A.  Gallinal  der  Geologischen  Abteilung  der  Landwirtschaftlichen 
Hochschule  hier  geschenkt  wurde. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  69 


Wie  erwähnt,  zeichnen  sich  die  in  einer  Anhöhe  isoliert  aus 
dem  Diluvium  herausragenden,  z.  T.  in  einem  Steinbruche  auf- 
geschlossenen Schichten  von  Piedras  de  Afilar  petrographisch  durch 
eine  starke  sekundäre  Verhärtung  aus,  „derzufolge  die  Tonschiefer 
stellenweise  ihre  Schichtung  verlieren  und  die  weißlichen  und 
rötlichen  Sandsteine  massigen  quarzitischen  Charakter  annehmen“ 
(1.  c.  p.  404).  Dabei  wurde  daran  erinnert,  daß  C.  Guillemain  1 
den  genannten  petrographischen  Charakter  einer  Silifizierung  zu- 
geschrieben habe,  und  der  Gedanke  ausgesprochen,  daß  dieser 
Vorgang  mit  der  reichlichen  Emanation  von  kieseligen  Lösungen 
in  analogen  Vorkommen  in  Einklang  stehen  würde.  Die  Be- 

schaffenheit einer  Anzahl  Schliffe  der  vorliegenden  Gesteine  weist 
jedoch,  wie  gezeigt  werden  soll,  auf  eine  andere  Art  der  Um- 
wandlung hin. 

Die  mesozoischen,  nach  SW  einfallenden  Sedimentgesteine  von 
Piedras  de  Afilar  setzen  sich  von  oben  nach  unten  aus  z.  T.  fein- 
sandigen sonst  tonigen  Schiefern2 3,  hellen  Quarzitsand- 
steinen und  rötlichen  Sandsteinen  zusammen.  Über  die 
Mächtigkeit  dieser  Abteilungen  läßt  sich  leider  nichts  aussagen, 
da  Karten  bis  auf  die  Übersichtskarte  der  Republik  in  1 : 500  000 
fehlen  und  die  Aufschlüsse  mit  Ausnahme  des  von  den  Sand- 
steinen eingenommenen  Gebietes  sehr  mangelhaft  sind.  Letztere 
stehen  in  den  höheren  Teilen  der  genannten  Anhöhe  an,  während 
die  Schiefer  an  der  Westseite  der  Höhe  größtenteils  von  Lehm 
bedeckt  sind  und  nur  vereinzelt  in  Wasserrissen  zutage  treten. 

I.  Geologische  Beschreibung. 

Es  ist  möglich,  daß  sich  innerhalb  der  Schiefer  ein 
jüngerer,  rein  pelitischer,  und  ein  älterer,  fein-psammitischer  zu  den 
Sandsteinen  überleitender  Horizont  unterscheiden  lassen  würde, 
wenn  die  Aufschlüsse  besser  wären.  Man  beobachtet  nämlich  an 
einer  Stelle,  die  näher  dem  Haugenden  des  Sandsteins  gelegen  ist, 
ein  etwas  gröberes  Gesfeinskorn  bei  lichtgrauer  matter  Färbung. 
Die  Schichtung  ist  fast  gänzlich  verschwunden  und  markiert  sich 
nur  noch  durch  eine  schwache  Streifung.  Im  Gegensätze  zu  diesen 
schwach  sandigen  Bildungen  zeigen  sich  an  anderer  Stelle  dunkle 
Tonschiefer  mit  schwachem  Glanz,  deren  Fissilität  z.  T.  besser 
erhalten  geblieben  ist,  die  aber  einen  stark  gealterten  „paläo- 

1 Der  erste  Versuch  einer  geologischen  Karte  von  Uruguay.  Peter- 

mann’s  Mitteilungen.  1910.  IU  p.  306. 

3 Ich  gebrauche  hier  vorläufig  diesen  Ausdruck  — obwohl  die  Ge- 
steine teilweise  fast  massigen  Charakter  haben  — mit  Hinsicht  darauf, 
daß  dieser  erst  sekundär  erworben  wurde.  Weiter  unten  bei  der  Be- 
schreibung des  mikroskopischen  Befundes  soll  eine  Bezeichnung  eingefiihrt 
werden,  die  durch  Hervorkehrung  des  am  meisten  bezeichnenden  Gesteins- 
komponenten  dem  augenblicklichen  Zustande  besser  gerecht  wird 


70  K-  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


zoischen“  Habitus  aufvveisen,  der  von  demjenigen  der  analogen  Bil- 
dungen in  der  älteren  „Santa  Catharina-Formation“  merkbar  absticlit. 

Man  denkt  bei  diesen  Beobachtungen  unwillkürlich  sofort  an 
Beeinflussung  durch  die  Hitzewirkung  eines  benachbarten  Eruptiv- 
gesteins, da  von  einer  Umwandlung  durch  mechanische  Kräfte  bei 
den  zwar  aufgerichteten , aber  keineswegs  gefalteten  Sedimenten 
keine  Rede  sein  kann.  Seltsamerweise  läßt  sich  jedoch  bei  dem 
Vorkommen  nahe  der  Bahnlinie  außer  einigen  losen  Bröckchen 
stark  verwitterten  basischen  Eruptivgesteins  nichts  nach  weisen, 
was  die  Umwandlung  der  Tonschiefer  hätte  verursachen  können. 
Bei  einem  anderen  Fundpunkte  zeigt  sich  dagegen  ein  massen- 
haftes Vorkommen  eines  schmutzig  dunkelgrünen,  spezifisch  schweren 
und  äußerst  zähen  Eruptivgesteins,  das  in  zahlreichen  kugeligen 
Gebilden  von  Faust-  bis  über  Kopfgröße  den  Boden  bedeckt  und 
auch  in  Blöcken  — offenbar  dem  Ausstreichen  geringmächtiger 
Gänge  — in  der  Nähe  ansteht. 

Wir  haben  es  hier  mit  einem  Mitgliede  jener  Diabas-Melaphyr- 
familie  zu  tun,  deren  Eruption  in  teils  gang-  teils  deckeu- 
förmiger2  Gestalt  in  die  Zeit  der  hangenden  Säo  Bento-Schichten 

1 Vergl.  als  Beispiel  hierzu  C.  Güillf.main,  Zur  Geologie  Uruguays 
Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  63  1911.  Monatsber.  p.  208.  Fig.  3. 

2 Vergl.  hierzu  K.  Walther,  Über  permotriassische  Sandsteine  und 
Eruptivdecken  etc.  N.  Jalnb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  worauf  auch 
hinsichtlich  der  hier  gewählten  Definition  der  Begriffe  Diabas  und  Mela- 
phyr,  sowie  die  Ausscheidung  des  Begriffes  Basalt  aus  der  Alkalikalkreihe 
hingewiesen  sei  (1.  c.  p.  600).  Als  einziger  Rest  der  Basaltfamilie  bliebe 
der  Dolerit  (in  der  Mehrzahl  seiner  Vorkommen),  auf  dessen  nahe  Ver- 
wandtschaft mit  intersertalen  Diabasen  A.  Schwantke  wiederholt  hin- 
gewiesen hat  (z.  B.  dies.  Centralbl.  1910  p.  673).  Den  Rest  dieser  Do- 
lerite  - ■ Diabase  würde  man  als  doleritartige  (intersertale)  Basalte  und  die 
Alkalidiabase  als  diabasartige  Basalte  z.  T.  mit  intersertaler  Struktur  zu 
bezeichnen  haben,  während  die  Vorkommen  „echter“  Basalte  mit  „pazi- 
fischem“ Charakter  bei  dem  „Trapp“  E.  Weinschenk's  unterzubringen 
wären.  Es  würde  sich  auf  diese  Weise  verhalten 

Basalt  bezw.  diabasartiger  Basalt  Porphyrischer  Diabas 

Intersertalem  Basalt,  z.  T.  diabasartig  Diabas 

. Trapp  . Melaphyr 
und  - . -U.  und  — Vf 
Dolerit  lholent 

Die  Unterbringung  der  Alkalidiabase  bei  den  „Basalten“  halte  ich 
für  vorteilhafter  als  die  bei  den  Essexiten  und  Theralithen.  0.  H.  Erd- 
mannsdörffer,  der  die  Namen  Essexit-  und  Theralith-Diabas  vorschlägt 
(Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol.  Ges.  1907.  Monatsber.  p.  16)  gibt  selbst  an, 
daß  diese  Gesteine  sich  zum  Essexit  und  Theralitb  verhalten  wie  die 
Diabase  zu  den  Gabbrogesteinen.  Diabas  sensu  stricto  bliebe  also  ein 
Alkalikalkgestein  ebenso  wie  Melaphyr  und  Trapp.  Die  BRÖGGER’sche 
Bezeichnung  Essexitmelaphyr  halte  ich  deshalb  nicht  für  glücklich.  Wie 
unabhängig  ein  „echter“  Diabas  vom  geologischen  Alter  und  von  me- 
chanischer Beeinflussung  sein  kann,  wird  im  folgenden  gezeigt  werden. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 


71 


fällt  und  deren  Neigung  zu  kugeliger  Absonderung  ich  1.  c.  er- 
wähnt habe. 

Aber  auch  dieses  diabasartige  gangförmige  Gestein  kann  die 
geschilderte  Umwandlung  nicht  hervorgerufen  haben,  denn  ab- 
gesehen davon,  daß  es  gerade  bei  dem  erstgenannten  Vorkommen 
bis  auf  geringe  Spuren  fehlte,  weist  der  andere  Fundpunkt  eiuen 
nur  stark  gealterten  Tonschiefer  auf,  dessen  Schichtung  jedoch 
nahezu  erhalten  blieb.  Zudem  zeigt  sich  mit  aller  Deutlichkeit, 
daß  der  Einfluß  des  gangförmigen  Eruptivgesteins  begreiflicher- 
weise ein  ganz  beschränkter  wenn  auch  sehr  intensiver  war : er 
reichte  nur  auf  ein  bis  zwei  Handbreiten  in  den  Tonschiefer  und 
wandelte  diesen  in  ein  äußerst  hartes,  muschelig  und  scharfgratig 
brechendes  hornfelsähnliches  Gestein  um1.  Seine  Farbe,  ein 
gelbliches  Grün,  läßt  es  schon  makroskopisch  als  ein  Epidot- 
gestein erkennen.  Die  ursprüngliche  Fissilität  des  Tonschiefers 
ging  ganz  verloren  und  markiert  sich  lediglich  noch  durch  eine 
Art  Maserung,  die,  im  frischen  Gestein  kaum  sichtbar,  bei  der 
Verwitterung  hervortritt.  An  der  Oberfläche  überzieht  sich  das 
Gestein  mit  einer  bis  1 mm  starken,  schwach  erdigen  weißlichen 
Rinde,  die  durch  blasser  gefärbtes  Gestein  allmählich  in  den  gelb- 
grünen Hornfels  überführt.  Wo  in  dieser  hellen  Rinde  sich  noch 
eine  schmale  bräunliche  Zone  wenig  unterhalb  der  Oberfläche  be- 
findet, dürfte  es  sich  um  eingedrungene  limonitische  Substanz 
handeln,  zumal  da  diese  Erscheinung  nur  an  den  Schichtköpfen 
auftritt.  Beide  Vorgänge  rufen  eine  Lockerung  hervor,  derart, 
daß  am  Ausstreichen  die  ursprüngliche  Schichtung  wieder  sicht- 
bar wird. 

Die  Unterlagerung  des  Tonschiefers  durch  den  Quarzit- 
sandstein ist  nicht  aufgeschlossen.  Mit  seinem  Beginn  wächst 
der  Böschungswinkel  der  Anhöhe  merklich.  Er  ist  ein  einfachen 
weißliches  oder  durch  Fe-Verbindungeu  rötlich  gesprenkeltes  sein- 
hartes  Gestein , das  vorübergehend  in  Montevideo  zum  Pflastern 
benützt  wurde,  eine  Verwendung,  von  der  aber,  da  sich  das  Ma- 
terial als  sehr  klüftig  erwies,  wieder  Abstaud  genommen  wurde. 
Wegen  seiner  Härte  ragt  das  Gestein  überall  gratartig  aus  dem 
Boden  heraus,  der  begreiflicherweise  sehr  nährstoffarm,  trocken 
und  wenig  tiefgründig  ist  und  infolgedessen  außer  dürftigem  Gras- 
wuchs nur  Kaktuspflauzen  trägt. 

Unter  dem  Quarzit  befindet  sich,  durch  den  erwähnten  Stein- 
bruch aufgeschlossen,  ein  massiger  Sandstein,  der  in  seiner 

1 Leider  läßt  sich  dieses  Produkt  nirgends  im  Kontakt  mit  dem 
Eruptivgestein  nachweisen,  sondern  findet  sich  nur  in  dessen  nächster 
Umgebung  in  losen,  sehr  verschieden  großen  Stücken.  Dies  deutet  wohl 
darauf  hin,  daß  der  Kontakt-„Hof“  an  Durchmesser  sehr  variiert,  ja  viel- 
leicht stellenweise  sich  gar  nicht  gebildet  hat. 


K.  Walther.  Heber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


72 

rötlichen  Farbe  und  seinem  ziemlich  feinen  Korn  an  1.  c.  von 
mir  aus  dem  Norden  des  Landes  beschriebene  Gesteine  erinnert. 
Seine  Bestandteile  sind  allerdings  weit  inniger  zementiert,  doch 
reicht  seine  Härte  nicht  an  die  des  oben  geschilderten  Quarzit- 
sandsteins. 


II.  Ergebnisse  der  mikroskopischen  Untersuchung. 

1.  Diabas. 

U.  d.  M.  erkennt  man,  wie  das  wenig  frische  Gestein  vor- 
wiegend aus  uralitischer  blaßgrüner  Hornblende  gebildet  wird, 
deren  (nicht  starker)  Pleochroismus  sich  zwischen  schwach  bläulich- 
grün nach  c,  gelblichgrün  nach  b und  fast  farblos  nach  ü bewegt. 
Das  Mineral  zeigt  keine  kristallographische  Begrenzung,  sondern 
bildet  zerfaserte  Individuen,  die  pinselartig  endigen  und  auf  diese 
Weise  innig  verbunden  sind,  eine  Erscheinung,  welche  die  große 
Zähigkeit  des  Gesteins  erklärt.  Die  Fasern  sind  meist  verbogen 
und  verquetscht,  was  auf  Volumzunahme  bei  der  Uralitisierung 
hindeutet.  Welchen  Ursachen  dieser  Prozeß  in  unserem  Falle 
zuzuschreiben  ist,  mag  nur  negativ  dahin  entschieden  werden,  daß 
es  sich  dabei  nicht  um  gebirgsbildende  Vorgänge  gehandelt  haben 
kann,  wie  ohne  weiteres  aus  der  bereits  angegebenen  Lagerung 
der  umgebenden  Schichten  hervorgeht.  Auch  an  kontaktmetamorphe 
Einflüsse  durch  eine  — in  der  Tiefe  steckende  und  gänzlich  hypo- 
thetische — granitische  Masse  ist  nicht  zu  denken,  so  sehr  unser 
Gestein  makro-  und  mikroskopisch  einem  deutschen  Gestein,  das 
auf  diesem  Wege  entstand1 2,  ähnlich  ist.  Denn  sowohl  nach  den 
Untersuchungen  C.  Guillemain’s  2 als  auch  nach  meiner  eigenen 
Kenntnis  der  hiesigen  geologischen  Verhältnisse  gehört  der  Granit 
als  verbreitetster  Repräsentant  der  intrusiven  Bildungen  ausschließ- 
lich dem  sogen.  Grundgebirge  an  und  findet  sich  nicht  in  jüngeren 
Schichten.  Man  muß  daher  hier  wohl  an  eine  durch  postvulka- 
nische Prozesse  bedingte  Gesteinszersetzung  denken,  wie  E.  Wein- 
schenk es  bei  der  Grünsteinbildung  und  Saussuritisiernng  nebst 
Uralitisierung  tut3.  — Die  Menge  des  zwillingsgestreiften  F el  d - 

1 „Hornblendegestein  vom  Knoblauchsberg  im  Erzgebirge“  aus  der 
Sammlung  von  7 H Gesteinen  und  Dünnschliffen  als  Belegstücke  für  Kon- 
taktmetamorphose.  Herausgegeben  von  Dr.  F.  Krantz  in  Bonn,  beschrieben 
von  Prof.  Dr.  W.  Brohns. 

2 1.  c.  p.  208. 

8 Allgemeine  Gesteinskunde.  2.  Aufl.  p.  150.  Es  möge  im  Zusammen- 
hänge hiermit  daran  erinnert  sein , daß  A.  Schwantkk  (dies.  Centralbl. 
1910.  p.  174)  den  immer  noch  nicht  erklärten  hohen  Gehalt  an  Natrium, 
der  für  den  Diabaskontakt  oft  so  bezeichnend  ist,  als  Begleiterscheinung 
der  Eruption  aufgefaßt  wissen  möchte.  Ob  die  Na-Injektion  gleichzeitig 
mit  der  Eruption  erfolgte  oder  nicht,  vielmehr  zusammen  mit  der  Er- 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  7R 

spats  ist  scheinbar  nicht  groß,  es  ist  jedoch  zu  bedenken,  daß 
dieses  Mineral  einerseits  vielfach  in  Klinozoisit  um  ge  wandelt  und 
von  der  „schilfigen'*  Hornblende  (die  gleichfalls  das  genannte 
sekundäre  Mineral  lieferte)  häufig  förmlich  überwuchert  wurde. 
Anderseits  entgeht  der  Feldspat  oft  dadurch  der  Beobachtung,  daß 
er  pseudomorph  durch  chloritische  Substanz  mehr  oder  weniger 
verdrängt  wurde.  Welches  Glied  der  Plagioklasreihe  vorliegt, 
läßt  sich  unter  diesen  Verhältnissen  optisch  natürlich  nicht  defi- 
nieren. — Ilmenit  bezw.  titanhaltiger  Magnetit  ist  im  frischen 
Gestein  sicher  reichlich  vorhanden,  in  den  vorliegenden  Präpa- 
raten ist  das  Mineral  zum  größten  Teil  in  Leukoxen  übergeführt, 
wobei  am  restierenden  Metall  Schalenbau  mehrfach  gut  hervortritt. 

2.  Epidotschiefer. 

Schon  aus  der  obigen  Erwähnung  vom  Vorkommen  eines 
epidotreichen  hornfelsartigen  Kontaktproduktes  wird  man  ersehen 
haben,  daß  der  früher  gebrauchte  Ausdruck  toniger  bezw.  san- 
diger Schiefer  einen  chemischen  Komponenten  außer  acht  läßt, 
der  für  den  in  Rede  stehenden  stratigrapliischen  Horizont  in 
hohem  Maße  charakteristisch  ist:  das  Calcium.  Dieses  Element 
findet  sich  — wie  im  folgenden  Abschnitt  zu  zeigen  sein  wird  — 
in  dem  Hornfelse  ebenso  wie  in  den  „Schiefern“  in  großer  Menge 
als  Silikat  in  der  Form  von  Angehörigen  der  Epidotgruppe.  Ich 
behalte  also  das  Grundwort  „Schiefer“  bei,  obwohl,  wie  oben 
schon  gesagt  wurde,  nur  ein  Teil  der  Gesteine  seine  Fissilität 
behalten  hat,  und  füge  als  Bestimmungswort  den  charakteristischen 
Bestandteil  Epidot  hinzu. 

Das  Korn  der  Epidotschiefer  ist  mit  einer  Ausnahme  — die, 
wie  zu  Anfang  bereits  gesagt,  vielleicht  einem  tieferen  Horizont 
angehört  — das  sehr  feine  pelitischer  Bildungen,  wodurch  be- 
kanntlich die  mineralogische  Definition  der  Komponenten  bedeutend 
erschwert  wird. 

In  jenem  etwas  gröber  klastischen  Gesteine  enthüllt  sich 
schon  bei  der  Anfertigung  des  Schliffes  die  sekundär  verloren 
gegangene  Schichtung.  Es  zeigt  sich  u.  d.  M.,  daß  sie  bedingt 
wurde  durch  Lagen  gröberen  Materials,  unter  dem  in  erster  Linie 
natürlich  Bröckclien  von  Quarz,  dann  aber  auch  von  zwillings- 
gestreiftem Feldspat  und  vereinzelt  von  Epidot  zu  beobachten 


starrung  des  Magmas  und  postvulkanisch  — wie  bei  A.  Schwantke  aus 
der  Anführung  der  Zeolithisierung  und  „juveniler“  Emanationen  hervor- 
geht— , ist  in  unserem  Falle  belanglos.  Im  Falle  einer  nach  der  eigent- 
lichen Eruption  erfolgten  Na-(und  Si  02-)Zufuhr  würde  sich  auch  der 
Widerspruch  gegen  die  herrschende  Meinung  klären,  wonach  im  normalen 
Intrusivgesteinskontakt  der  chemische  Bestand  sich  wesentlich  nicht  ändert 
(man  vergl.  hierzu  0.  H.  Eromannsdörfker  in  dies.  Centralbl.  1910.  p.  797).. 


74  K.  Walther,  lieber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


sind.  Die  Erhaltung  dieses  gröberen  Materials  erhellt  aus  dem  oben 
über  die  fast  ungestörte  Lagerung  des  Gesteinskomplexes  Gesagten. 

An  der  Zusammensetzung  der  Epidotschiefer  insgesamt  be- 
teiligen sich  — außer  Quarz  und  nicht  näher  zu  deutender,  in 
winzigen  rostbraunen  Körnchen  auftretender  ferritischer  Substanz 
die  Komponenten:  chloritisches  Mineral,  Epidot  und  kohlige  Substanz. 

Ob  sich  unter  den  allerorts  reichlich  vorhandenen  farblosen 
oder  schwach  gefärbten  glimmerähnlichen  Blättchen  außer  den 
cli loritischen  Bestandteilen  auch  ein  Mitglied  der  Glimmer- 
familie verbirgt,  kann  ich  mit  Sicherheit  nicht  sagen.  Auch  die 
Zurechnung  zu  einer  bestimmten  Spezies  der  erstgenannten  Sili- 
kate stößt  auf  Schwierigkeiten.  Auf  den  Biotit  als  Ausgangs- 
material derselben  1 dürften  schon  die  massenhaft  vorhandenen, 
z.  T.  in  deutlichem  Zusammenhänge  mit  den  chloritischen  Blätt- 
chen stehenden  limonitischen  Körnchen  deuten. 

Hinsichtlich  der  Anordnung  des  in  Rede  stehenden  Minerals  ver- 
dient hervorgehoben  zu  werden,  daß  in  zwei  parallel  zur  Schichtung 
gerichteten  Schliffen  neben  basalen  auch  große  Mengen  leistenförmiger 
Blättchen  sich  linden,  die  in  zwei  nahezu  senkrecht  zueinander 
verlaufenden  Systemen  angeordnet  sind.  Eine  Erklärung  hierfür 
vermag  ich  nicht  anzugeben.  Ferner  zeigt  sich,  daß  in  dem- 
selben Gestein  sich  eine  Art  schwacher  Fleck-  oder  Knoten- 
struktur mikroskopisch  dadurch  ausspricht,  daß  der  Glimmer  ver- 
einzelt zu  kleinen  Häufchen  Zusammentritt.  Sie  bestehen,  wie 
man  bei  starker  Vergrößerung  erkennt,  aus  parallel  ungeordneten 
und  zusammen  auslöschenden  Blättchen,  deren  Ebene  senkrecht 
zur  Schichtung  liegt.  Eine  Anreicherung  kohliger  Substanz  in 
diesen  Flecken  — - wie  dies  aus  den  Granitkontakthöfen  bekannt 
ist  — läßt  sich  jedoch  nicht  feststellen. 

Die  leistenförmigen  Blättchen  des  Minerals  sind  meist  farblos, 
etwas  größere  Individuen  zeigen  jedoch  mehrfach  eine  schwache 
Färbung  und  geringen  Pleochroismus  zwischen  gelblichgrün  par- 
allel den  Spaltrissen  und  fast  farblos  senkrecht  hierzu.  Im 
Gegensätze  zu  den  flächenförmigen  weisen  die  farblosen,  Spalt- 
risse führenden  Schnitte  lebhafte  Interferenzfarben  auf,  bei  gerader 
Auslöschung  und  positivem  Charakter  der  Zone.  Gefärbte  pleo- 
chroitische  Individuen  dagegen  sind  außerordentlich  schwach 
doppelbrechend.  Basale  spaltrißfreie  Blättchen , die  z.  T.  aus- 
gebleicht und  schwach  lichtbrechend  sind,  z.  T.  sich  bei  gelb- 
grüner Färbung  durch  geringe  Doppelbrechung  verraten,  geben 
im  konvergenten  polarisierten  Licht  häufig  ein  gutes  Achsenbild 
mit  negativem  Charakter  der  Bisektrix  und  zugehörigem  Achsen- 
winkel von  beträchtlicher  Größe. 

1 Vergl.  H.  Rosenbusch,  Mikroskop.  Physiograpliie.  4.  Aufi,  II,  2. 

p.  131 1. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  75 


Der  faserige  Charakter  der  leistenförmigen  Chloritblättcheu 
und  ihre  meist  höhere  positive  Doppelbrechung  unterscheiden  sie 
von  einer  der  gleich  zu  schildernden  Varietäten  der  Epidot- 
gruppe. Die  Angehörigen  derselben  häufen  sich  in  dichten, 
z.  T.  wenig  durchsichtigen  körnigen  Massen  an  und  stellen  dem 
Studium  infolge  außerordentlicher  Kleinheit  der  Individuen  be- 
trächtliche Schwierigkeiten  entgegen , so  daß  man  stets  eine 
4 — öOOfache  Vergrößerung  benötigt.  Hervorzuheben  ist,  daß  in 
zwei  Gesteinen  außer  den  regellos  verteilten  Kriställchen  und 
Körnchen  noch  eine  Anordnung  gleicher,  sehr  feiner  und  schwei- 
durchsichtiger  Produkte  in  langgezogenen,  unregelmäßig  gestalteten 
und  gewundenen  parallel  gerichteten  Bändern  zu  beobachten  ist. 
Schon  aus  ' dieser  Anordnung,  mehr  aber  noch  aus  erhalten  ge- 
bliebenen Resten  des  ursprünglichen  Minerals  läßt  sich  schließen, 
daß  man  es  hier  mit  einer  Verdräugungspseinlomorphose  von 
Epidot  nach  Chlorit  zu  tun  hat,  analog  wie  dies  nach  Biotit 
bekannt  ist. 

Es  sind  mindestens  zwei  Ausbildungsweisen  des  Calcium- 
silikates  vorhanden  und  es  ist  bemerkenswert,  daß  sie  stets  in 
der  Art  miteinander  verwachseu  sind,  daß  das  fast  ausschließlich 
in  körnigen  Aggregaten  auftretende  Mineral  den  Kern,  die  immer 
kristallographisch  begrenzte  Varietät  aber  die  äußere,  an  dem- 
selben Kristall  vielfach  sehr  ungleichmäßig  starke  und  stellen- 
weise fehlende  Umhüllung  bildet  (s.  Fig.  1 ’).  Ersteres  besitzt. 


auch  au  den  dünnsten  Stellen  des  Schliffs  meist  deutlich  gelbe 
Farbe  und,  soweit  die  eben  genanute  Eigenschaft  eine  Beobach- 
tung darüber  zuläßt,  hohe  Doppelbrechung.  Vereinzelt  — in 
erster  Linie  in  dem  oben  erwähnten  gröber  klastischen  , Ton- 
schiefer“ — sind  die  Individuen  etwas  größer  und  schwach  pris- 
matisch begrenzt  bei  negativem  Charakter  der  Prismenzone. 

Interessanter  als  die  eben  geschilderte  typisch  pistazitische 
Varietät  ist  die  andere  — wenn  es  sich  in  der  Tat  nur  um  eine 

1 Mir.  dem  AnBE'schen  Apparate  bei  5001'acher  Vergrößerung  ge- 
zeichnet. Hierbei  beträgt  die  Höhe  des  Kriställchens  ca.  7 mm.  Die 
Abbildung  zeigt  den  nicht  seltenen  Fall,  daß  die  idiomorphe  Umhüllung, 
die  in  ihrer  Orientierung  keine  ersichtliche  Beziehung  zu  den  umschlossenen 
Körnern  aufweist,  diese  nicht  gänzlich  umhüllt.  Das  vorliegende  Indivi- 
duum ist  relativ  gedrungen ; im  allgemeinen  sind  die  Kristalle  stärker 
nach  der  Vertikalachse  (s.  u.)  gestreckt. 


76  K.  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


handelt  — , deren  Zurechnung  zu  einer  bestimmten  Abart  auf 
Schwierigkeiten  stößt.  Die  Ausbildung  des  Minerals  in  winzigen, 
aber  doch  sehr  scharfen  Kristallen  ist  prismatisch,  wobei  die  In- 
dividuen hie  und  da  pyramidal  endigen,  meist  jedoch  einer  kri- 
stallographischen  terminalen  Begrenzung  entbehren.  Als  Selten- 
heit linden  sich  Schnitte  nach  der  Symmetrieebene  (s.  die  bei 
gleicher  Vergrößerung  gezeichneten  Fig.  1 und  i ’),  die  nach  der 


Vertikalachse  gestreckt  sind  und  lebhaft  an  die  entsprechenden 
Schnitte  des  Cerepidots  erinnern1  2.  Eine  Spaltbarkeit  ist  an  den 
klinopiuakoidalen  Sektionen  nicht  zu  beobachten,  dagegen  weisen 
die  übrigen  Kristalle  trotz  winziger  Dimensionen  vielfach  deut- 
liche Risse  parallel  ihrer  Zone  auf.  Den  Grad  der  Spaltbarkeit 
in  diesem  Sinne  — nach  der  Basis  — erkennt  man  daraus,  daß 
größere  Individuen  hie  und  da  an  den  Enden  ausgefranst  sind 
und  hierbei  zahlreiche  sekundäre  Kriställchen  liefern. 

Die  Farbe  des  Minerals  ist  vereinzelt  blaß  bläulickgrün, 
meist  ist  es  jedoch  farblos.  Als  Seltenheit  treten  stärker  gefärbte 
größere  Individuen  auf,  die  sich  dann  stets  durch  deutlichen 
Pleochroismus  auszeichnen.  Derartige  Kristalle  sind  parallel  zur 
vorwiegenden  Längsrichtung,  d.  h.  also  zu  b,  schwach  grünlich 
bis  fast  farblos,  während  sie  senkrecht  hierzu  graugrüne  Farbe 
zeigen. 

Während  das  Brechungsvermögen  des  Minerals  ziemlich  be- 
trächtlich ist,  weist  die  Doppelbrechung  sehr  geringe  Werte  auf. 
Die  stets  normalen  Interferenzfarben  reichen  höchstens  bis  zu 
einem  schwach  weißlichen  Ton,  zeigen  jedoch  meistens  ein  dunkles 
Grau,  wenu  sie  nicht  fast  isotrop  erscheinen.  Der  Charakter  der 
Doppelbrechung  der  makrodiagonalen  Zone  ist  negativ,  derjenige 
der  nach  c gestreckten  Kristalle  positiv.  Während  erstere  be- 
kanntlich gerade  auslöschen,  läßt  sich  bei  den  klinopinakoidalen 
Schnitten  unter  Anwendung  der  „teinte  sensible“  eine  minimale 
Schiefe  nach  vorn,  d.  h.  im  stumpfen  Winkel  ß feststellen. 

1 Das  der  letzteren  Abbildung  zugrunde  liegende  Kriställchen  hat 
bei  500facher  Vergrößerung  eine  Höhe  von  ca.  13,5  mm.  Da  die  Schnitte 
natürlich  nur  annähernd  klinopinakoidal  geführt  sind , entsprechen  die 
Winkel  nicht  den  beim  Epidot  festgestellten. 

2 Rosenbüsch- Wülfing,  Mikroskopische  Physiographie.  4.  Aufl.  p.  287. 
Fig.  145. 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  77 

Diese  Eigenschaft  läßt  eiuen  Teil  der  schwach  doppelbrechen- 
deu  Kriställchen  mit  Sicherheit  als  Klinozoisit  erkennen. 
Möglicherweise  bilden  die  nach  c gestreckten  Individuen  nur  eine 
Abart  der  nach  der  Symmetrieachse  prismatischen  Kristalle,  eine 
Variabilität,  die  bei  den  Angehörigen  der  Epidotgruppe  nicht 
besonders  auffällt. 

Die  Verteilung  der  allenthalben  in  beträchtlichen  Mengen 
vorhandenen  kohligen  Substanz  ist  gleichmäßig  bis  auf  ein 
Vorkommen,  in  dem  sich  eine  schwache  Anhäufung  des  Pigments 
in  einzelnen  unregelmäßigen  Flecken  konstatieren  läßt. 

3.  Epidotadinole. 

Dieses ' Gestein,  das,  wie  oben  gesagt  wurde,  eine  schmale 
Koutaktzone  an  einem  Diabase  bildet,  setzt  sich,  im  Dünnschliff 
betrachtet,  neben  Quarz  aus  Epidot,  Calcit  und  Strahlstein  zu- 
sammen. Schon  unter  der  Lupe  zeigen  sich  auf  der  angeschliffenen 
Fläche,  besonders  wenn  man  sie  anfeuchtet,  regelmäßig  verteilte 
dunklere  Punkte,  die  das  Gestein  sprenkeln.  Im  Schliff,  dessen 
Herstellung  wegen  der  außerordentlichen  Härte  des  Materials  sehr 
zeitraubend  ist  und  der  besonders  dünn  sein  muß,  um  vollkommen 
durchsichtig  zu  sein,  erkennt  mau,  daß  die  bei  reflektiertem  Lichte 
dunkleren  Punkte  im  hindurchgehenden  Lichte  farblos  sind.  Sie 
bestehen  — analog  wie  es  bei  Spilositen  bekannt  ist  — haupt- 
sächlich aus  Quarzkörnern.  Ob  sich  unter  diesen  auch  ein  albi- 

tischer  Feldspat  versteckt,  konnte  bei  der  Kleinheit  der  Individuen 
optisch  nicht  festgestellt  werden.  Ich  bestimmte  daher  chemisch 
den  Alkaligehalt  des  Gesteins  im  Aufschluß  nach  J.  Lawrence 
Smith.  Die  Summe  von  K20  und  Na2  0 belief  sich  jedoch  nur 
auf  3,fi8°/0,  ein  gesteigerter  Gehalt  von  Albit  ist  deshalb  nicht 
vorhanden. 

An  der  Zusammensetzung  der  hellen  Flecken  beteiligen  sich 
vereinzelte  Epidotkörner  sowie  dasjenige  Mineral,  das  besonders 
beim  Zurücktreten  des  genannten  Silikates  sichtbar  wird : der 
Strahlstein.  So  wenigstens  möchte  ich  jene  zahllosen  außer- 
ordentlich feinen,  nur  bei  starker  Vergrößerung  sichtbar  werdenden 
schlanken  Nadeln  deuten,  die,  häufig  büschelig-faserig  und  radial- 
strahlig  angeordnet,  wie  ein  Gewebe  den  ganzen  Schliff  durchziehen. 
Die  terminal  nicht  kristallographisch  begrenzten  Nüdelchen  sind 
farblos  oder  schwach  bläulichgrün  gefärbt,  besitzen  nicht  unbedeu- 
tende Lichtbrechung,  aber  — bei  positivem  Charakter  der  Prismen- 
zone — geringe  Doppelbrechung,  eine  Erscheinung,  die  vielleicht 
auf  teilweise  serpentinige  Umwandlung  zurückzuführen  ist.  Die 
Interferenzfarben  sind  so  niedrig,  daß  sie  mit  dem  sogen.  Viertel- 
Hndulationsglimmerplüttchen  in  Kreuzstellung  vollkommen  reduziert, 
werden.  Ein  Teil  der  Nadeln  weist  deutliche  Schiefe  der  Aus- 
löschung auf. 


78  K.  Walther.  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 


Wie  schon  nach  dem  makroskopischen  Befunde  vermutet  war, 
rührt  die  gelbe  Farbe  des  Gesteins  von  Pistazit  her,  der  in 
großer  Menge  in  unregelmäßigen,  stark  licht-  und  doppelbrechen- 
den Körnern  von  gelber  Farbe  auftritt.  Es  handelt  sich  um  das- 
selbe Mineral,  wie  es  aus  den  Schiefern  beschrieben  wurde,  doch 
besitzt  es  hier  gröberes  Korn  und  ermangelt  durchweg  jener  für 
die  letztgenannten  Gesteine  so  charakteristischen  klinozoisitischen 
Umwachsung. 

Die  kohlige  Substanz  der  oben  geschilderten  Epidot- 
schiefer ist  fast  ganz  weggeführt  und  auf  einzelne  z.  T.  schon  im 
Handstück  erkennbare  kleine  Flecken  reduziert. 

Was  die  bereits  oben  erwähnte,  besonders  an  den  Schicht- 
köpfen bemerkbare  Verwitterungsrinde  anlangt,  so  zeigt 
sich  u.  d.  M. , daß  dort  die  Aktinolithnädelchen  nahezu  ganz 
fehlen  und  daß  der  Pistazit  gebleicht  erscheint.  Mit  der  erst- 
genannten Erscheinung  und  der  oben  vermuteten  teilweisen  serpen- 
tinösen  Umwandlung  darf  man  wohl  den  nicht  unbeträchtlichen 
Gehalt  des  Gesteins  an  Calcit  in  Verbindung  bringen.  Die 
Anwesenheit  dieses  Minerals  konnte  durch  Behandeln  des  Schliffs 
mit  kalter  verdünnter  Essigsäure  nachgewiesen  werden.  Hierbei 
löst  sich  das  Mineral  und  läßt  stellenweise  die  charakteristischen 
Blätterbrüche  sehen.  Entsprechend  seiner  sekundären  Entstehung- 
tritt der  Kalkspat  in  unregelmäßig  begrenzten  Putzen  auf. 

Die  gleichfalls  schon  erwähnte,  hie  und  da  unter  der  Ober- 
fläche gelegene  braune  Zone  rührt  in  der  Tat  von  eingedrungenen 
oxydischen  Eisenverbindungen  her. 

Über  die  Wahl  der  Bezeichnung  Adinole  soll  weiter  unten 
gesprochen  werden.  Von  den  umgebenden  Schiefern  unterscheidet 
sie  sich  dadurch,  daß  in  ihr  die  dort  reichlich  vorhandene  kohlige 
Substanz  nahezu  ganz  weggeführt  und  daß  an  die  Stelle  des 
chloritischen  Minerals  nunmehr  reichliche  Mengen  von  Aktinolith 
getreten  sind. 


4.  Quarzitsandstein  und  Sandstein. 

Die  früher  ausgesprochene  Vermutung,  daß  nämlich  die  auf- 
fallende Verhärtung  dieser  Gesteine  sich  von  einem  Silifizierungs- 
prozesse herleite,  bestätigt  sich  bei  der  mikroskopischen  Unter- 
suchung nicht.  Es  zeigt  sich  vielmehr,  daß  der  angegebene 
Charakter  der  Gesteine  metamorphen  Einflüssen  zuzuschreiben  ist, 
denen  zufolge  das  ursprüngliche  tonige  Bindemittel  umkristalli- 
sierte. Es  bildete  sich  dabei  in  großen  Mengen  ein  Mineral,  das 
ich  für  Sericit  halte.  Es  schmiegt  sich  in  Bündeln  winziger, 
meist  prismatischer  farbloser  Kristalle  um  die  Quarzkörner  und 
zeigt  lebhafte  Interferenz  färben  bei  positivem  Charakter  der  Zone. 
Eine  Untersuchung  etwaiger  basaler  Blättchen  durch  Betrachtung 
im  konvergenten  polarisierten  Lichte  ist  bei  der  Kleinheit  der 


gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay.  79 

Individuen  leider  nicht  möglich.  Was  jedoch  an  der  obigen  Be- 
stimmung festhalten  läßt,  ist  die  Beobachtung,  daß  der  Sericit 
in  den  rötlichen , den  Quarzit  unterlagernden  Sandsteinen  schon 
im  Handstücke  in  glitzernden  farblosen,  durch  das  ganze  Gestein 
verteilten  Blättchen  erkennbar  ist.  Sie  erweisen  sich  mikro- 
skopisch durch  vollkommene  Spaltbarkeit  und  hohe  Interferenzfarben 
mit  Sicherheit  als  Glimmer.  Es  liegt  also  nur  an  der  Kleinheit 
der  Individuen , daß  der  Quarzitsandstein  ein  mattes  Aus- 
sehen trägt. 

Außer  Quarz  und  Glimmer  beteiligen  sich  lediglich  noch 
limonitische  Produkte  am  Aufbau  des  Gesteins.  Aus  ihnen  als 
ursprünglich  touigen  Psammiten  mögen  sich  durch  allmähliche 1 
Verfeinerung  des  Korns , Zunahme  der  tonigen  und  Aufnahme 
mergeliger  und  kohliger  Bestandteile  die  im  vorigen  Abschnitte 
beschriebenen  Pelite  entwickelt  haben. 

III.  Folgerungen. 

Die  im  obigen  gebrauchte  Bezeichnung  Epidotadinole  ergab 
sich  aus  der  Beobachtung,  daß  hier  ein  durch  große  Mengen  von 
Epidot  ausgezeichnetes  Glied  derjenigen  Diabas- Kontaktgebilde 
vorliegt,  die  sich  durch  gesetzmäßige  Anordnung  ihrer  Bestand- 
teile kennzeichnen.  Dabei  muß  hervorgehoben  werden,  daß  es 
sich  nicht  um  einen  typischen  Vertreter  dieser  Gruppe  handelt. 
Hiergegen  spricht  schon  der  geringe  Gehalt  an  albitischem  Feld- 
spat. Es  weist  eben  unsere  Adinole  zwar  den  äußeren  hornfels- 
artigen Habitus  dieser  nächst  dem  Diabas  gelegenen  Gesteine, 
aber  die  Struktur  äußerer  Zonen  auf,  von  denen  jedoch  in  unserem 
Falle  nichts  zu  beobachten  ist. 

Auf  Schwierigkeiten  stoßen  wir  bei  Erörterung  der  Frage, 
welche  Kräfte  die  beschriebenen  Sedimente  außerhalb  des  ganz 
unbedeutenden  Diabaskontakt- „Hofes“  umgewandelt  haben,  und 
zwar  kompliziert  sich  der  Fall  dadurch,  daß  man,  wie  gezeigt, 
weder  gebirgsbildende  Kräfte  noch  Nähe  eines  Tiefengesteins  zur 
Deutung  heranziehen  kann.  Man  ist  daher  zu  der  Annahme  ge- 
zwungen, daß  die  Metamorphose  von  einer  jetzt  gänzlich  weg- 
geführten Eruptivdecke  vom  Charakter  der  Diabas-Melaphyr-Trapp- 
Gruppe  — wie  solche  im  Norden  des  Landes  sehr  verbreitet  — 
herrührt.  Von  ihrem  ehemaligen  Vorhandensein  legt  unser  Diabas- 
gang Zeugnis  ab,  der  die  Rolle  eines  Zufuhrkanals  spielte.  Wenn 
dem  so  ist,  so  steht  zu  erwarten,  daß  der  Charakter  der  Um- 
wandlung im  wesentlichen  der  einer  Hitzewirkung  ist  und  sich 
in  einer  Frittung  der  betroffenen  Sedimente  ausspricht.  In  der 
Tat  gehört  der  Verlust  der  Schichtung  zu  den  wichtigsten  Merk- 
malen aller  unserer  Gesteine;  er  ist  natürlich  dort  am  stärksten, 


1 s.  oben  p.  73. 


BO  K.  Walther,  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  etc. 


■wo  dieselben  einerseits  dem  Eruptivgestein  direkt  anliegen,  wie 
es  bei  der  Adinole  der  Fall  ist,  anderseits  wo  sie  schon  primär 
weniger  deutliche  Schichtung  aufwiesen,  wie  es  bei  den  Sand- 
steinen und  gröber  körnigen  Schiefern  (s.  p.  74)  der  Fall  ge- 
wesen sein  mag.  Weiterhin  gewinnt  die  obige  Annahme  dadurch 
an  Wahrscheinlichkeit,  daß  das  Wesen  der  Umwandlung  in  Epidot- 
adinole und  Epidotschiefer  dasselbe  ist.  Die  Anwesenheit  von 
reichlichem  Epidot  in  den  Schiefern  mag  zunächst  befremden,  da 
man  dieses  Mineral  als  Neubildung  im  wesentlichen  nur  in  zen- 
tralen Zonen  kontaktmetamorpher  Umwandlungen  sowie  in  kristal- 
linen Schiefern  kennt.  In  letztgenannter  Gruppe  gehört  es  jedoch 
zum  typomorphen  Mineralbestande  der  obersten  der  angenommenen 
Zonen  dynamometamorpher  Umwandlung  ’,  in  der  die  Temperatur 
noch  relativ  niedrig  ist.  Man  muß  auch  bedenken,  daß  es  bei 
gleichzeitiger  Anwesenheit  von  Al,  Ca  und  Si02  nur  zur  Bildung 
eines  Al-Ca-Silikates  und  nicht  etwa  zu  der  eines  reinen  Al-Sili- 
kates  (Sillimanit,  Andalusit)  nebst  Calcit  kommen  kann.  Für  die 
etwaige  Annahme,  daß  in  der  Verwachsung  von  Pistazit  und 
Klinozoisit,  wie  sie  fiir  die  Schiefer  im  Gegensätze  zu  der  Adinole 
so  bezeichnend  ist,  ein  Merkmal  geringeren  Grades  der  Umwand- 
lung liege,  fehlen  noch  vergleichende  Daten  hinsichtlich  der  künst- 
lichen Darstellung  der  Mineralien. 

Bemerkenswert  ist  der  Umstand,  daß  die  Schiefer  wohl  eine 
Neubildung  von  Epidot,  sonst  aber  so  gut  wie  nichts  von  den 
Strukturen  aufweisen,  wie  sie  so  charakteristisch  in  den  äußeren 
Zonen  kontaktmetamorpher  Umwandlungen  auftreten,  handle  es 
sich  um  echt  intrusive  Gesteine  oder  solche,  die  vorübergehend 
diese  Erscheinungsform  angenommen  haben,  wie  es  Diabase  tun. 
Das  einzige,  was  hier  namhaft  zu  machen  wäre,  sind  die  in  einem 
Gesteine  zu  beobachtenden  vereinzelten  augenartigen  Chlorit-  und 
die  in  einem  anderen  Gestein  auftretenden  kohligen  Anhäufungen. 
Während  man  also  in  der  Epidotadinole  einen  schwachen  Reprä- 
sentanten der  Gesteine  aus  dem  Spilosit-Adinol-Kontakt  vor  sicli 
hat,  gehören  die  Epidotschiefer  der  anderen  Kategorie  von  meta- 
morphen  Gebilden  an , die  man  als  Hornschiefer  bezeichnet. 
Beispiele  werden  aus  dem  Diabas-  und  Tholeiit-Kontakt  in  der 
Literatur  aufgefiihrt. 

Nach  der  stratigraphisch-geologischeu  Seite  hin  ergibt  sich 
aus  obigen  Betrachtungen  das  Folgende : 

1.  Wenn  man  zur  Erklärung  der  geschilderten  Umwandlung 
von  ehemaligen  Sandsteinen  mit  tonigem  in  solche  mit  glirnme- 
rigem  Bindemittel  und  von  ehemaligen  dolomitischen  Schiefertonen 
in  Epidot-Chloritschiefer  eine  früher  vorhandene  Eruptivgesteins- 


1 U.  Grubenmann,  Die  kristallinen  Schiefer.  2.  Aufi.  p.  80. 


Edw.  Hennig.  Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 


81 


decke  im  Hangenden  annimmt,  so  wird  dadurch  erwiesen,  daß  die 
angegebenen  Sedimente  in  der  Tat  dem  jüngsten  Teile  der  „ Santa 
Catharina-Formation“,  d.  h.  den  Säo  Bento-Schicliten.  zugehöreu. 
wie  dies  schon  früher  von  mir  auf  Grund  ihrer  Lagerungsverhält- 
nisse in  Ermanglung  paläontologischer  Beweise  wahrscheinlich 
gemacht  wurde 

2.  Da  es  ausgeschlossen  ist.  daß  die  Metamorphose  durch 
die  im  Hangeudeu  befindlichen  Schiefertone  hindurch  die  liegenden 
Sandsteine  umgewandelt  hat,  so  folgt,  daß  die  Aufrichtung  der 
Schichten  vor  der  Effusion  des  Diabasgesteins,  d.  h.  also  vor 
der  Zeit  der  „Serra  Geral- Eruptivgesteine"  vor  sich  gegangen 
ist.  demnach  also  nur  die  Schichtköpfe  umgewandelt  hat. 

3.  Die  von  der  angenommenen  Eruptivdecke  ausgehende  Kon- 
taktmetamorphose war  also  zweifellos  nur  .auf  geringe  Entfernung 
hin  wirksam.  Da  nun  aber  Sandsteine  und  Schiefer  das  gleiche 
Maß  der  Umwandlung  anfweisen,  obwohl  jene  in  einem  topo- 
graphisch höheren  Niveau  gelegen  sind  als  diese,  so  ist  anzu- 
nehmen, daß  der  Effusion  des  Diabases  eine  Periode  der  Abtra- 
gung vorausging,  die  ein  Belief  schuf,  das  dem  jetzigen  ähnlich 
war.  Auf  diese  Weise  betrachtet,  würden  die  „Serra  Geral- 
Eruptivgesteine"  als  das  hangende  Glied  der  brasilisch-uruguav- 
schen  „Gondwanaformation"  in  ein  recht  hohes  mesozoisches 
Niveau  hinaufrücken  — in  Analogie  mit  gleichartigen  Bildungen 
auf  der  Westseite  des  südamerikanischen  Kontinents1 2. 

Montevideo,  12.  September  1912. 


Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 

Von  Dr.  Edw.  Hennig. 

In  Borxhardt’s  prächtigem  Werke  über  die  Geologie  und 
Oberflächengestaltung  Deutsch -Ostafrikas  rindet  sich  die  Angabe 
von  Jura  am  Durchbruch  des  Mavndyi  durch  die  Kiturika -Berge 
im  Hinterlande  der  Kilwa-Kissiwani-Bucht.  Zwar  ist  mit  der  die 
Arbeit  allenthalben  auszeichnenden  Sorgfalt  auf  die  Mangelhaftig- 
keit der  Beweise  für  dieses  Vorkommen  (ein  am  Mbambala-Fuße  auf- 
gelesener Ammonit)  ausdrücklich  hingewiesen.  Auf  der  geologischen 
Kaite  kommt  das  Hypothetische  der  Annahme  aber  natürlich  nicht 
zum  Ausdruck.  Dort  ist  vielmehr  aus  bloßer  Wahrscheinlichkeit 
heraus  die  blaue  Farbe  allseitig  über  den  Fundort  hinaus  in  den 

1 Über  Transgressionen  der  oberen  „Gondwanaformation“  in  Süd- 
brasilien und  Uruguay.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  398. 

2 Es  sei  hier  daran  erinnert,  daß  in  dem  BERGHAUs'sehen  „Atlas  der 
Geologie".  Karte  No.  14,  bearbeitet  von  G.  Steinmann  , hinsichtlich  der 
brasibsch-uruguayiscben  Sandsteine  gesagt  wird : .Im  Norden  paläozoisch 
oder  cretaceisch.  im  Süden  der  Trias  oder  Kreide  angehörend  und  hier 
mit  Einschaltungen  basischer  Effusivgesteine“. 

Centralblatt  f.  Mineralogrie  etc.  1913. 


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Ethv.  Hennig, 


Talsohlen  angelegt  und  der  Jura  damit  als  Liegendes  der  gleich- 
falls nur  durch  spärliche  Beobachtungen  belegten  Unterkreide  dar- 
gestellt. Das  Gelände  der  Kiturika-Berge  weicht  zudem  auf  der 
topographischen  Unterlage  von  den  ruhigen  ebenen  Plateauformen 
des  südlichen  Muera-  und  Makonde-Landes  sehr  erheblich  ab  und 
nähert  sich  dem  des  unruhig  gestalteten  nördlich  gelegenen  Matumbi- 
Berglandes,  das  nach  der  MüLLER’schen  Bearbeitung  der  Bornhardt’- 
schen  Aufsammlungen  ebenfalls  aus  Jura  aufgebaut  erscheint. 

Nun  wurde  seither  bekannt,  daß  im  Kilwa-Hinterlande  große 
Höhlenbildungen  auftreten,  und  zwar  sowohl  in  den  Matumbi-Bergen, 
wo  sie  sogar  beträchtliche  Dimensionen  erreichen , als  auch  in 
Kiturika.  Damit  schien  ein  neuer  Beweis  für  die  Gleichartigkeit 
beider  Gebiete  erbracht  um  so  mehr,  als  ja  auch  im  Tanga-Ge- 
biete jurassische  höhlenbildeude  Kalke  seit  langem  bekannt  sind. 

Meine  Marschroute  vom  Grabungsgebiete  des  Tendaguru  zu 
den  von  Herrn  Bischof  SpREtTER-Daressalaam  neuentdeckten , von 
Herrn  Janknsch  als  aussichtsreich  erkannten  Dinosaurierfund- 
stellen von  Makangaga-Mbate  im  Kilwa-Hinterlande  wählte  ich  so, 
daß  icli  stellenweise  der  BoRNHARDT’schen  Route  folgen  konnte 
und  somit  an  Hand  seiner  Angaben  den  vermeintlichen  Jura  sicher 
aufünden  mußte.  Diese  Ablagerungen  hatten  für  mich  ein  er- 
höhtes Interesse  dadurch , daß  ich  im  Zentralbahngebiete  hinter 
Daressalaam  einen  allmählichen  Übergang  vom  Dogger  bis  zu  den 
Grenzschichten  gegen  die  Kreide  geglaubt  hatte  feststellen  zu 
können.  Die  Tendaguru-Schichtenserie  bestand  aber  nach  unseren 
bereits  zweijährigen  Erfahrungen  offenbar  sehr  wesentlich  aus  den 
tiefsten  Schichten  der  Kreide.  Es  war  daher  nicht  ohne  Be- 
deutung, die  Lagerungsverhältnisse  zwischen  Jura  und  Kreide  bei 
dieser  Gelegenheit  auch  im  Süden  prüfen  zu  können;  denn  die 
besseren  BoRNHARDT’schen  Fundpunkte  des  Jura  von  Matumbi  und 
Mahokondo  lagen  zu  sehr  außerhalb'unseres  Arbeitsgebietes,  als  daß 
wir  sie,  wie  wir  gewünscht  hätten , bis  dahin  hatten  besuchen  können. 

Nun  war  es  zwar  eine  wichtige  Feststellung,  aber  aus  den 
genannten  Gründen  doch  auch  eine  arge  Enttäuschung,  daß  ich 
unmittelbar  neben  dem  BoRNHARDT’schen  Fundpunkte  des  vermeint- 
lichen Jura- Ammoniten  unzweifelhaftes  Neocom  als  das  Liegende 
des  dortigen  Aufschlusses  erkannte,  und  zwar  diejenige  Schicht,  die 
mir  vom  Tendaguru  her  als  Oberstes  einer  1 50  m mächtigen 
Folge  wohl  bekannt  war.  Bornhardt  gegenüber  hatte  ich , ab- 
gesehen von  dem  langen  Aufenthalte  in  jenen  Gegenden , eine 
wesentlich  günstigere  Beobachtungsmöglichkeit  dadurch , daß  ich 
unweit  jener  Stelle  Lager  bezog,  am  Nachmittag  des  Ankunfts- 
tages den  ganzen  Berghang  am  linken  Kihendye-Ufer  brennen 
ließ  und  von  den  zu  diesem  Zwecke  ausgesandten  Leuten  bereits 
mehrere  gute  Exemplare  des  Leitfossils  Trigonia  Schwärzt  erhielt. 
Am  andern  Morgen  konnte  ich  bequem  absuchen  und  diese  Trigonie 
in  ganzen  Nestern  feststellen.  Der  unter  dem  sie  enthaltenden 


Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 


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Saudstein  am  Flusse  ausstreichende  unreine  Ton  entsprach  durch- 
aus unserer  obersten  Saurierschicht,  in  der  ich  mich  den  Tag 
vorher  (freilich  durch  dichtesten  Graswuchs  am  Beobachten  völlig- 
behindert) bewegt  hatte.  Fiir  die  Anwesenheit  von  Jura  sprach 
nichts,  bestand  sogar  nicht  mehr  die  geringste  Wahrscheinlichkeit. 

Über  dem  Sandstein  mit  Tr.  Schwarzi  folgte  unmittelbar  ein 
Korallenkalk ; es  war  somit  bei  unwesentlicher  Lokalfärbung  ganz 
das  gleiche  Profil  gegeben  wie  bei  Pilepile  im  Namgaru-Tale  süd- 
westlich von  der  Mtschinga-Bucht  im  Lindi-Bezirke , eine  höchst 
wichtige  Verbindungsbrücke  zwischen  dem  Norden  und  Süden 
unseres  Expeditionsbereiches.  Der  Kalk  ging  hier  nach  oben  hin 
in  mehrere  Meter  mächtige  fossilleere  Bänke  über , die  an  der 
Berglehne  eine  Steilkante  bildeten.  Darüber  folgten  die  sandigen 
„Makonde“ -Schichten  des  Plateaulandes  mit  dem  „Leithorizonte" 
des  Ne/rafrt-Sandsteins.  Weiter  konnte  ich  einstweilen  aus  Zeit- 
mangel dem  Problem  nicht  nachgehen.  Nur  wurde  mir  beim  Über- 
schreiten des  Manganya  (eines  Teilstückes  von  Kiturika)  in  den 
wenigen  Durchblicken,  die  der  undurchdringliche  Busch  gewährte, 
vollends  klar,  daß  Kiturika  ein  Plateau  sei  und  sich  auch  der 
Höhenlage  nach  (sc.  dem  Einfallen  entsprechend  niedriger)  durch- 
aus dem  Verbände  der  Makonde-  und  Muera-Hochflächen  einfügte. 
Auf  einem  späteren,  vom  neuen  Standquartiere  Makangaga  aus 
unternommenen , durch  Verpflegungsschwierigkeiten  erzwungenen 
Orientierungsmarsche  betrat  ich  jedoch  das  von  Ramsay  auf  der 
Karte  festgelegte  eigentliche  Höhlengebiet  zu  beiden  Seiten  des 
Mavudyi.  Da  stellte  sich  denn  zu  meinem  nicht  geringen  Er- 
staunen (endgültig  natürlich  erst  bei  der  hiesigen  Bearbeitung 
des  Fossilmaterials)  heraus , daß  dort  in  Deutsch - Ostafrika 
unverfälschtes  Urgon  auftritt.  Die  Unterlagerung  der  hier 
plötzlich  mächtig  anschwellenden  Kalke  durch  das  Neocom  wurde 
nun  auch  im  Osten  (A lectryonia  rectangularis!)  und  im  Norden 
(Schtcarzi-Sdncht  und  Saurierschicht)  zweifellos  festgestellt  und 
damit  war  das  Alter  der  Kalke  als  Aptien  bereits  genügend  ge- 
sichert. Am  Einfluß  des  Kihendye  in  den  Mavudyi  aber  wurde 
ein  Dutzend  typischer  Pachjmdonten  aufgesammelt,  die  sich  als  das 
wichtige  Leitfossil  des  Oberurgons  von  Südwesteuropa , Toucasia 
carinala  Math.  sp.  herausstellten.  Wie  das  europäische  Unterurgon 
noch  das  höhere  Neocom  umfaßt,  so  dehnt  sich  auch  im  Kilwa-Bezirke 
die  Kalkfaziesbildung  auf  den  das  Aptien  unterlagernden  Schwarzi- 
Horizont  hier  und  dort  aus.  Und  ebenso  greift  sie  nach  oben  hin 
im  Kiturika-Gebirge  selbst  auf  die  sandigen  „Makonde “-Schichten 
über,  die  dadurch  in  ihrer  Mächtigkeit  stellenweise  bis  zum  Ver- 
schwinden reduziert  werden.  Als  Einlagerungen  in  diese  Makonde- 
Schichten  hatten  wir  bereits  im  Süden , namentlich  zu  beiden 
Seiten  des  Namgaru , aber  auch  (Jaxensch)  am  Ostabhange  des 
Likonde-Plateaus  die  Kalke  kennen  gelernt.  Sie  stellen  sich  so- 
mit als  ein  deutliches  Äquivalent  dieser  sandigen  Schichten  dar, 

6* 


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Edvv.  Hennig,  Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika. 


und  zwar  umziehen  sie  interessanterweise  in  großem  Bogen  das 
Plateauland  an  der  Ostseite  gegen  das  offene  Kreidemeer  hin.  Schon 
dadurch,  sowie  durch  die  ersichtlich  wiederholten  Unterbrechungen 
und  durch  den  schnellen  lokalen  Wechsel  ihrer  Mächtigkeit  geben 
sie  sich  auf’s  deutlichste  als  fossiles  Riff  zu  erkennen , hinter 
dem  die  sandige,  nunmehr  als  „Makonde“ -Fazies  (im  Gegensatz 
zur  Kiturika-Fazies)  zu  bezeichnende  Ausbildung  dieser  höchsten 
Ablagerungen  des  Plateaulandes  zur  Entwicklung  gelangte.  In 
Kituhawi  am  Namgaru  waren  übrigens  bereits  früher  von  meinen 
Leuten  eine  Reihe  großer  Nerineen  aufgesammelt  worden,  die  ich 
nunmehr  im  Kiturika — Makangaga-Gebiete  in  denselben  Urgou- 
kalken  geradezu  in  Massen  wieder  auffand.  Korallen  sind  da- 
gegen nur  kolonienweise  eingestreut  und  keineswegs  immer  sehr 
günstig  erhalten.  Man  darf  die  Riff-Fazies  eher  als  „Schnecken- 
kalk“ bezeichnen.  Vielfach  findet  man  eigentümliche  Gesteine, 
die  offenbar  in  der  Meeresbrandung  am  Riff  entstanden  sind  und  in 
der  Tat  dessen  östlichen  Rand  einzuhalten  scheinen.  Sie  zeigen 
konglomeratisch  angehäufte  Trümmer  von  Kalk,  Korallen  und  Pacliyo- 
donten,  die  wieder  durch  kalkiges  Bindemittel  verkittet  sind. 

Bei  Makangaga  liegen  die  Kalke  nur  noch  in  schwachen  ver- 
einzelten Erosionsresten  (so  am  Berge  Ndalakasha,  am  Fuße  des 
Mbatata  an  der  Ivilwa-Löwole-Straße  wenig  westlich  von  Mbate  und 
bei  Migerigen  *)  vor.  An  der  Austrittspforte  des  Mavudyi  aus  den 
Kiturika-Bergeu  erreichen  sie  ihre  größte  Mächtigkeit  und  dort 
enthalten  sie  auch  die  Höhlen.  Das  Gebirge  ist  durch  seinen 
dichten,  im  Tale  selbst  von  zahlreichen  Büffelherden  als  Versteck 
auserkorenen  Busch  nahezu  unzugänglich  oder  doch  für  geologische 
Beobachtungen  überaus  ungeeignet.  Da  mir  auch  wenig  Zeit  zu 
Gebote  stand,  in  den  Höhlen  sicherlich  Löwen  und  Schlangen  an- 
zutreffen sind,  ich  aber  über  keine  genügend  starke  Laterne  ver- 
fügte und  auch  meine  treuesten  schwarzen  Begleiter  sich  scheuten 
mir  zu  folgen,  so  war  mir  eine  genauere  Untersuchung  der  Höhlen 
leider  unmöglich.  Ich  stattete  ihnen  nur  einen  kurzen  Besuch  bei 
Noro  ab,  einem  Orte,  der  sich  als  Lagerplatz  leider  nicht  eignete, 
weil  die  Regierung  ihn  als  Leprakrankenheim  ausei’sehen  hatte. 
Soweit  ich  unter  diesen  Umständen  erkennen  konnte,  handelt  es  sich 
hier  vorwiegend  nicht  um  Höhlen  in  der  Art  derer  von  Matumbi  oder 
vom  Sigiflusse  bei  Tanga,  sondern  mehr  um  Spalten  und  Klüfte,  die 
seit  der  Hebung  des  Landes  auch  jetzt  noch  alljährlich  zur  Regenzeit 
von  den  Sickerwässern  angelegt  bezw.  erweitert  wurden.  Es  ist 
eine  Karstlandschaft.  Oben  darauf  lagert  noch  eine  dünne  sandige 
Decke , offenbar  ein  Rest  der  ohnehin  nicht  stark  entwickelt 
gewesenen  „ Makonde“ -Fazies , der  durch  Hinabspülen  alljährlich 
an  Masse  Einbuße  erleiden  muß.  Das  Endziel  dieser  Erosions- 
tätigkeit ist  also  bei  der  jetzigen  Höhenlage  die  Bloßlegung  der 


K.  J.  Böhm,  Zeitschr.  deutsch,  geol.  Ges.  1912.  p.  209 — 211. 


P.  Oppenheim.  Zur  Altersfrage  etc. 


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Karstobertiäche.  Da  die  Plateauebene  des  Kiturika  wie  überhaupt 
des  gesamten  Kreideplateaulandes  nach  von  Staff’s  Untersuchungen 
einer  tertiären  Landoberlläche  entspricht,  haben  wir  einigermaßen 
analoge  Verhältnisse  wie  im  Jui-a  der  Schwäbischen  Alb.  So  be- 
steht denn  also  theoretisch  die  Möglichkeit,  daß  auch  in  den 
Spaltenbildungen  von  Kiturika  sich  eingeschwemmte  Reste  tertiärer 
Säugetiere  linden  könnten.  Es  war  mir  natürlich  besonders 
schmerzlich , diesem  Problem  nicht  mehr  nachgehen  zu  können. 
Ganz  leicht  dürfte  das  aus  dem  Grunde  nicht  sein,  weil  ohne  sehr 
erhebliche  und  auch  kostspielige  Rodnngsarbeiten  einigermaßen 
Sicheres  nicht  darüber  zu  erfahren  sein  wird. 

Interessant  im  höchsten  Maße  aber  muß  das  Auftreten  der 
Urgonfazies  an  sich  schon  erscheinen.  Diese  Fazies  ist  bisher 
ausschließlich  als  auf  das  Mittelmeergebiet1  beschränkt  bekannt 
gewesen.  Die  amerikanischen  Vorkommnisse  lassen  sich  nicht 
entfernt  in  der  Weise  vergleichen,  wie  dieses  von  Deutscli-Ost- 
afrika.  Zwischen  den  in  Nordafrika  und  Griechenland  einerseits 
festgestellten  Vorkommnissen  und  dem  unsrigen  scheint  bisher 
jede  Vermittlung  zu  fehlen.  Um  so  erstaunlicher  wirkt  die  weit- 
gehende fazielle  und  faunistische  Übereinstimmung.  Es  sei  im 
übrigen  auf  meine  Ausführungen  zu  dem  Thema  in  den  Veröffent- 
lichungen der  Tendaguru-Expedition  (Archiv  für  Biontologie,  Berlin 
1913)  verwiesen  und  nur  noch  der  Umstand  betont,  daß  auch  die 
den  Schwarzi- Horizont  ihrerseits  unterlagernde  Saurierschicht,  die 
etwa  dem  Wealden  entspricht,  im  Bereiche  der  Kiturika-Berge  eben- 
falls einer  kleinen  faziellen  Abänderung  unterliegt,  indem  sie  toniger 
ausgebildet  ist  als  anderwärts.  Der  Jura  aber  ist  in  dem  ganzen 
Gebirge  zu  streichen. 

Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen  am  Karpathenrande  über- 
schobenen  Tertiärs. 

Von  Paul  Oppenheim. 

In  einem  ungemein  anregenden  Aufsatze  hat  uns  vor  kurzem 
Herr  W.  Petrascheck2  eingehende  Mitteilungen  darüber  gemacht, 
daß  in  einer  breiten  Zone  am  Rande  der  nördlichen  Karpathen  die 
Kreide  das  Tertiär  übei’lagert  und  überschoben  hat.  Zwar  waren 
Einzelheiten  dieses  Phänomens  schon  früher  durch  Petrascheck  3 

1 Einer  freundlichen  Mitteilung  des  Herrn  Professor  Kilian  ent- 
nehme ich,  daß  seine  Schilderung  des  Urgon  in  der  „Lethaea“  bereits  im 
Drucke  ist ; auch  verdanke  ich  seinem  gütigen  Interesse  eine  bestätigende 
Nachprüfung  meiner  Fossilbestimmungen. 

2 Die  tertiären  Schichten  im  Liegenden  der  Kreide  des  Teschener 
Hügellandes,  mit  einem  Beitrag  über  den  Fossilinhalt  von  Th.  Fuchs. 
Verhandl.  der  k.  k.  geol.  Reichsanst.  1912.  Xo.  2.  p.  75  ff. 

3 Wie  Michael  (vergl.  Anm.  3)  angibt,  schon  1906  in  einem  in 
Ostrau  gehaltenen  Vortrage.  — Vergl.  auch  Mitteil.  d.  Wiener  geol.  Ge- 
sellsch.  I.  1908.  p.  66  ff. 


86 


P.  Oppenheim.  Zur  Altersfrage  des  bei  Tesclien 


selbst  und  durch  Michael  1 mitgeteilt  worden , und  Victor 
Uhlig  hatte  die  Tatsache  in  ihrer  ganzen  Bedeutung  wohl 
zuerst  erkannt1 2.  Aber  die  ganze  Ausdehnung  des  Phänomens, 
die  stratigraphische  Zusammensetzung  des  Tertiärs , vor  allen 
Dingen  auch  das  Auftreten  von  Gerollen  der  Kreide  in  dem  iiber- 
scliobenen  Tertiär,  welches  der  Vermutung  Baum  gibt,  daß  die 
Wurzel  dieser  Kreide  selbst  in  nicht  zu  großer  Ferne  gesucht 
werden  darf,  ist  erst  durch  die  unablässigen  Bemühungen  von  Petra- 
scheck ermittelt  und  weiteren  Kreisen  zugänglich  gemacht  worden. 

Das  Alter  der  überschobenen  Tertiärbildungen , welche  aus 
einer  vielfachen  Wechsellagerung  dünner  Mergel-  und  Sandstein- 
bänke mit  gelegentlicher  Einschiebung  von  Tuffiten  bestehen  sollen, 
und  deren  tiefste  Teile  in  einer  mächtigen  Konglomerat-  oder 
Schotterbildung  endigen,  wurde  von  Uhlig  als  alttertiär  an- 
genommen3. In  diesem  Sinne  betrachtet  auch  Petrascheck  die 
Verhältnisse  in  den  ersten  Seiten  seines  Aufsatzes  und  zu  der 
Hypothese , daß  es  sich  um  alttertiäre  Ablagerungen  handle, 
welche  von  Galizien  aus  nach  Mähren  herüberstreichen,  steht  auch 
in  leidlich  guter  Übereinstimmung  ein  Fund  von  Meletta- Schuppen4 5 
und  einer  kleinen  Cyrena  cf.  semistriata,  welche  der  Verfasser  von  der 
Bohrung  Altbielitz  auf  p.  86  a.  a.  0.  angibt.  Die  nicht  allzu 
seltenen,  aber  gemeinhin  ziemlich  ungünstig  erhaltenen  organischen 
Reste,  welche  die  Tiefbohrungen  ergaben,  wurden  nun  Herrn  Hof- 
rat Theodor  Fuchs  zur  Untersuchung  vorgelegt.  Dieser  gelangt 
a.  a.  0.  p.  88  (14)  zu  dem  Resultat,  daß  er  „auf  alle  Fälle 
die  vorliegenden  Mergel  noch  dem  M i o c ä n z n r e c h n e n 
müsse  und  nicht  dem  Alttertiär“.  Für  jeden  nun,  der 
das  österreichische  Alttertiär  im  N.  des  alpino-karpathischen  Bogens 
in  seiner  mannigfachen  Zusammensetzung  näher  kennt,  und  der 
die  unablässigen  und,  ich  glaube,  erfolgreichen  Bemühungen  zu  der 
Aufklärung  seiner  Zusammensetzung,  wie  sie  besonders  Rzeiiak  3 

1 Die  Lagerungsverhältnisse  und  Verbreitung  der  Carbonschichten 
im  südlichen  Teile  des  oberschlesischen  Steinkohlenbeckens.  Monatsber. 
d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1908.  p.  17. 

2 Über  die  Tektonik  der  Karpathen.  Sitzungsber.  k.  Akad.  d.  Wiss. 
116.  Math  -nat.  Kl.  p 871.  — Die  karpatliische  Sandsteinzone  und  ihr  Ver- 
hältnis zum  sudetischen  Carbongebiet.  Mitt.  d.  geol.  Gesellsch.  Wien.  I. 
1908.  p.  36  ff. 

3 Wie  zumal  aus  dem  zweiten,  in  den  Mitteilungen  der  geologischen 
Gesellschaft  in  Wien  veröffentlichten  Aufsätze  Uhlig's  hervorgeht  (vergl. 
besonders  a.  a.  0.  p.  39),  hat  der  Autor  überhaupt  nicht  an  die  Möglich- 
keit gedacht,  in  dem  überschobenen  Tertiär  etwas  anderes  als  Alttertiär 
zu  sehen ! 

4 Hinsichtlich  der  Brauchbarkeit  dieser  Schuppen  für  die  Horizon- 
tierung wolle  man  die  weiter  unten  folgenden  Bemerkungen  vergleichen. 

5 Vergl.  u.  a.  besonders:  Die  Niemtschitzer  Schichten,  ein  Beitrag 
zur  Kenntnis  der  karpathisclien  Sandsteinzone  Mährens.  Verhandl.  d. 
naturf.  Ver.  in  Brünn.  34.  1896. 


am  Karpathenrande  iiberschobenen  Tertiärs. 


87 


und  Abel  1 zu  danken  sind,  näher  verfolgt  hat , wirkt  nun  diese 
These  von  Th.  Fuchs  mit  der  ganzen  Wucht  einer  äußerst  ge- 
lungenen Überraschung,  und  ich  weiß  nicht,  ob  man  sich  mehr 
wundern  soll  über  diese  Auffassung  von  Theodor  Fuchs  und  ihre 
Begründung,  oder  über  den  Umstand,  daß  Petkascheck  selbst  im 
folgenden  seine  durch  Autoritäten  wie  Uhlig  gestützte  frühere  Auf- 
fassung zugunsten  der  FucHs’schen  Theorie  fallen  zu  lassen  sich 
veranlaßt  sah,  zumal  er  selbst  a.  a.  0.  p.  91  annimmt,  daß  stellen- 
weise mit  größter  Wahrscheinlichkeit  der  miocäne  Ostrauer  Tegel 
den  iiberschobenen  Tertiärschichten  diskordant  auflagert.  Es  dürfte 
daher  im  Interesse  der  Wissenschaft  liegen , diese  Thesen  von 
Theodor  Fuchs  nicht  unwidersprochen  und  sich  so  in  der  Lite- 
ratur festsetzen  zu  lassen , zumal  bei  der  anerkannten  Autorität 
des  Verfassers  in  den  Fragen  des  Neogens  die  dem  Gegenstand 
Fernerstehenden  leicht  geneigt  sein  könnten,  die  FucHs'schen 
Theorien  ohne  weitere  Prüfung  als  gesichert  anzunehmen. 

Die  Herrn  Fuchs  aus  den  iiberschobenen  Tertiärmergeln  vor- 
gelegte Fauna  ist  eine  anscheinend  recht  ungünstig  erhaltene 2 
und  ziemlich  vieldeutige.  Sie  besteht  aus  einem  kleinen  Tapes,  ver- 
kohlten Pflanzenresten,  Temfo-Ttöhren,  rätselhaften  hohlen  Stacheln, 
kleinen  verzwergten  Austern , aus  Fragmenten  von  Bulla , einem 
kleinen.  Spatangiden,  einer  unbestimmten,  der  Tettina  planata  nahe- 
stehenden Tellina,  einer  fraglichen  Lucina,  und  vor  allem  aus 
Pteropoden,  welche  mit  von  Kittl3 4  seinerzeit  aus  dem  Miocän 
des  Ostrau — Karwiner  Gebietes  beschriebenen  Vaginellen  in  näherem 
Zusammenhänge  stehen.  Alle  diese  Dinge  dürften  kaum  eine  Alters- 
bestimmung ermöglichen.  Größeren  Wert  dürften  für  diese  die 
il/rfdto-Schuppen  beanspruchen,  welche  aus  der  Bohrung  von 
Schumburg  a.  a.  0.  p.  15  (89)  angegeben  werden.  Ist  doch  Meletta, 
wie  allgemein  bekannt , und  auch  bei  Zittel  1 zu  lesen , eine  im 
wesentlichen  oligocäne  Fischgattung,  welche  zumal  in  den  Kar- 
pathen in  diesem  Zeitpunkte  ungemein  häufig  gewesen  sein  muß. 
Aber  auch  dieses  Moment  scheint  nicht  von  unbedingter  Bedeutung, 
da,  wie  Zittel  a.  a.  0.  p.  78  angibt,  eine  Behauptung,  die  sich 
augenblicklich  meiner  Nachprüfung  entzieht,  die  Gattung  auch  im 
oberen  Miocän  (also  wohl  in  den  sarmatischen  Schichten 5),  von 

1 Studien  in  den  Tertiärbildungen  des  Tullner  Beckens.  Jahrb.  k.  k. 
geol.  Reichsanst.  53.  Wien  1903.  p.  91  ff. 

2 Petrascheck  schreibt  selbst  a.  a.  0.  p.  87  (13),  daß  „trotz  der 
günstigen  Umstände,  die  für  das  Sammeln  gegeben  waren,  doch  nur  eine 
minimale  Ausbeute  bestimmbarer  Objekte  erzielt  werden  konnte“. 

3 Über  die  miocänen  Pteropoden  von  Österreich-Ungarn.  Annalen 
des  k.  k.  naturhist.  Hofmuseums.  I.  1886.  p.  47. 

4 Paläozoologie.  III.  p.  277. 

6 Vergl.  C.  M.  Paul.  Zur  Stellung  der  Radobojer  Schichten.  Verb, 
k.  k.  Reichsanst.  1874.  p.  223  ff.  Vergl.  p.  225.  Ganz  irrtümlich  ist  am  Rande 
der  Abbildung  Fig.  285  bei  Zittel  a.  a.  0.  für  Meletta  sardhntes  Heck. 


88 


P.  Oppenheim.  Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen 


Radoboj  in  Kroatien  häufig  sein  soll.  Anderseits  sind  auch  die 
Pteropodenreste , die  Vaginellen , den  seinerzeit  von  Kittl  be- 
schriebenen Arten  nur  genähert,  nicht  ihnen  unbedingt  identifiziert, 
so  daß  also  auch  nach  dieser  Richtung  hin  für  die  Annahme  von 
Miocän  keine  unbedingte  Notwendigkeit  vorliegt.  Da  also  die 
fossile  Fauna  selbst  eine  endgültige  und  zweifellose  Entscheidung 
nicht  gestattet , so  fragen  wir  uns  um  so  mehr , welche  Gründe 
einen  Forscher  wie  Theodor  Fuchs  bewogen  haben  können,  mit 
so  apodiktischer  Sicherheit  ein  miocänes  Alter  für  diese  Schichten 
anznnehmen.  Wir  müssen  uns  daher  näher  mit  der  Beweisführung 
des  Autors  beschäftigen. 

Es  dürfte  zu  dem  Zwecke  einer  Nachprüfung  der  hier  von  Fuchs 
niedergelegten  Resultate  gut  sein,  sich  zu  erinnern,  daß  der  gleiche 
Autor  im  Jahre  1902  1 eine  recht  interessante  und  bedeutungsvolle 
akademische  Schrift  veröffentlicht  hat  unter  dem  Titel:  „Über  ein 
neuartiges  Pteropodenvorkommen  aus  Mähren , mit  Bemerkungen 
über  einige  mutmaßliche  Äquivalente  der  sogenannten  Niemtschitzer 
Schichten.“  Wir  werden  sehen,  daß  Fuchs  hier  nahezu  die  gleichen 
Fragen  behandelt,  aber  zu  durchaus  entgegengesetzten  Resul- 
taten gelangt.  Nachdem  Fuchs  in  dem  hier  betrachteten  Aufsatze 
(1912)  festgestellt  hat,  daß  die  ihm  „vorgelegten  harten  Mergel  der 
Überschiebung  sich  petrographisch  sehr  wesentlich  von  den  voll- 
kommen plastischen  Miocänmergeln  unterschieden,  aus  denen  Kitte 
seine  Pteropoden  beschrieb , und  daß  sie  ein  entschieden  älteres 
Gepräge  aufwiesen“,  weist  er  auf  Analogien  in  den  Apenninen 
hin.  Er  betont,  daß  es  auch  hier  zwei  Schlierhorizonte  resp. 
Pteropodenmergel  gebe,  von  denen  „die  oberen  im  allgemeinen 
weicher,  mitunter  fast  plastisch  seien,  während  die  unteren  meist 
ein  vollkommen  flyschähnliches  Aussehen  hätten  und  mit  dem  Flyscli 
so  innig  verbunden  seien,  daß  sie  von  demselben  gar  nicht  be- 

die  Herkunft  aus  dem  Unter oligocän  von  Radoboj  angegeben;  dieser 
augenscheinliche  Irrtum  setzt  sich  noch  in  die  neueste  Ausgabe  der  „Grund- 
ziige  der  Paläontologie“  II.  1911  hinein  fort,  wo  ebenfalls  vom  Unter- 
oligocän  von  Radoboj  die  Rede  ist.  Wenn  anderseits  in  diesem  letzteren 
Werke  im  Einklänge,  z.  B.  mit  Rolle:  Die  geologische  Stellung  der 
Sotzkaschichten  in  Steiermark.  Sitzungsber.  d.  Wien.  Akad  30.  1859 
(Sitzung  vom  14.  Mai  1858)  p.  20  des  Sep.  hier  augenscheinlich  im  Hin- 
blick auf  M.  vulgaris  Valenc.  von  dem  rezenten  Auftreten  der  Gat- 
tung die  Rede  ist,  so  verliert  diese,  wenigstens  generisch,  damit  jede 
Bedeutung  für  die  Horizontierung.  (Ein  Aufsatz  Rzehak’s:  „Über  das 
Vorkommen  der  Clypeidengattung  Meletta “ in  den  Verb.  d.  naturf. 
Vereins  in  Brünn,  19.,  von  welchem  ich  erst  nach  Abschluß  dieser  Zeilen 
genauere  Kenntnis  erlangte,  bewegt  sich  ungefähr  in  den  gleichen  Er- 
wägungen.) 

1 Über  ein  neuartiges  Pteropodenvorkommen  aus  Mähren  nebst  Be- 
merkungen über  einige  mutmaßliche  Äquivalente  der  sogen.  „Niemtschitzer 
Schichten“.  Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wissensch.  Wien.  Math.-naturw. 
Klasse.  111.  Abt.  I.  Mai  1902.  p.  433  ff. 


am  Karpathenrande  überschobenen  Tertiärs. 


89 


stimmt  getrennt  werden  könnten“.  Und  damit  kein  Zweifel  übrig 
bliebe,  auf  welche  bestimmten  Vorkommnisse  er  sich  dabei  bezieht, 
nennt  er  den  Macigno  von  Porretta  und  den  Calcare  fetido  von  Bargi. 
Hinsichtlich  dieses  letzteren  Vorkommnisses  lesen  wir  nun  bei 
Fuchs  1902  \ „daß  es  die  größte  Ähnlichkeit  mit  den  konkretionären 
Knollen  der  Niemtschitzer  Schichten  habe“.  Hinsichtlich  beider  Bil- 
dungen, des  Macigno  von  Porretta  und  des  Calcare  fetido  von  Bargi, 
lesen  wir  1902,  „daß  sowohl  der  erstere  mit  seiner  großen  Lucina 
als  auch  der  darunterliegende  Mergel  mit  dem  „Calcare  fetido“  trotz 
des  miocänen  Habitus  seiner  Fauna  doch  eine  ältere  Bildung  dar- 
stelle und  dem  vormiocänen  Alttertiär  zugezählt  werden  müsse,  eine 
Ansicht,  die  in  neuerer  Zeit  übrigens  auch  von  Oppenheim  (1.  c.) 
mehrfach  geäußert  worden  sei“.  Also  die  unteren  Pteropoden- 
mergel  des  Apennin , der  Macigno  von  Poretta  und  der  Calcare 
fetido  von  Bargi,  sind  nach  Fuchs  1902  alttertiär,  1912  gehören 
sie  dem  Miocän  an.  Ein  Grund  für  diese  doch  im  höchsten  Maße 
auffallende  Änderung  des  Standpunktes  wird  nicht  angegeben. 
1912  lesen  wir  über  die  beiden  sogenannten  Schliere  von  Nieder- 
österreich und  Mähren,  daß  „der  typische  Schlier  über  den  Horner 
Schichten  läge,  doch  gebe  es  auch  in  diesem  Gebiete  einen  schlier- 
ähnlichen Horizont  mit  Pteropoden,  der  unter  den  Horner  Schichten 
läge,  und  diese  seien  die  von  Rzehak  zuerst  näher  charakterisierten 
Niemtschitzer  Schichten,  die  mitunter  auch  einen  flyschähnlichen 
Charakter  annähmen“.  Dagegen  schreibt  Fuchs  1902  von  den 
Niemtschitzer  Schichten  a.  a.  0.  p.  7 (439),  „daß  man  schließlich 
doch  zu  der  Überzeugung  komme,  daß  es  sich  doch  um  eine  Ab- 
lagerung vormiocänen  Alters  handeln  müsse“,  und  auf  der  folgenden 
Seite:  „Diese  Niemtschitzer  Schichten  wurden  in  früheren  Zeiten 
ganz  allgemein  zu  dem  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  mächtig 
entwickelten  miocänen  Schlier  gerechnet  und  ist  es  ein  großes 
Verdienst  Rzehak’s,  durch  seine  umfassenden  und  minutiösen 
Untersuchungen  die  Selbständigkeit  dieser  Schichten  erkannt  und 
ihnen  ihre  richtige  Stellung  im  Systeme  angewiesen  zu  haben.“ 
Wir  sehen , 1912  sind  die  Niemtschitzer  Schichten  miocän  und 
nicht  alttertiär,  1902  sind  sie  alttertiär,  und  es  ist  ein  Ver- 
dienst Rzehak’s,  ihnen  diese  ihre  Stellung  angewiesen  zu  haben. 
Ein  Grund  für  diese  auffallende  Änderung  des  Standpunktes  fehlt 
auch  hier. 

Endlich  schreibt  Fuchs  über  die  entsprechenden  Niveaus  in 
Oberösterreich  1912,  „daß  es  hier  zwei  verschieden  aussehende 
Schliermergel  gäbe,  den  weichen,  plastischen  Schlier  von  Atnang1 2 
und  die  harten  Mergelkalke , die  in  der  Bohrung  von  Hall  in  so 


1 a.  a.  0.  p.  12  (444). 

2 Soll  wohl  augenscheinlich  „Ottnang“  heißen,  der  Flecken  in  Ober- 
österreich, aus  dessen  Umgebung  die  bekannte,  von  R.  Hoernen  beschriebene 
Schlierfauna  stammt.  Ritter  s geographisches  Lexikon  kennt  kein  „Atnang“. 


•90 


P.  Oppenheim,  Zur  Altersfrage  etc. 


großer  Mächtigkeit  aufgeschlossen  wurden“.  Dagegen  scheint  es 
Fuchs  1902  a.  a.  0.  p.  11  (443)  „wohl  gerechtfertigt,  wenn  man 
die  fossilf ährenden  Mergelkalke  von  Hall  nicht  sowohl  dem  mio- 
cänen  Schlier,  als  vielmehr  den  Niemtschitzer  Schichten  zuzähle“. 
Da  in  der  gleichen  akademischen  Schrift  1902  die  Niemtschitzer 
Schichten  als  alttertiär  aufgefaßt  werden,  so  ist  es  klar,  daß  auch 
hier  Fuchs  die  Mergelkalke  von  Hall  dem  Alttertiär  zuzählen  will. 

Man  sieht,  die  Gründe,  welche  Fuchs  1912  für  ein  miocänes 
Alter  der  iiberschobenen  Tertiärschichten  am  Karpathenrande  an- 
gibt, hat  der  gleiche  Autor  bereits  1902  vollkommen  widerlegt. 
Nun  gebe  ich  prinzipiell  ohne  weiteres  zu,  daß  man  in  10  Jahren 
seinen  Standpunkt  wechseln  und  zu  verschiedenen  Ansichten  ge- 
langen kann.  Was  ich  aber  nicht  zugeben  kann,  und  wogegen 
ich  mit  aller  Energie  protestieren  muß,  ist,  daß  ein  Autor  eine 
früher  von  ihm  vertretene  Meinung  wechselt  und  in  ihr  Gegenteil 
verändert,  ohne  die  Gründe  anzugeben,  die  ihn  zu  dieser  Stellungs- 
änderung veranlaßt  haben,  ja , daß  er  seine  frühere  Arbeit  nicht 
«inmal  zitiert  und  so  dem  wissenschaftlichen  Publikum  die  Möglich- 
keit einer  Kontrolle  seiner  jetzigen  Stellung  nimmt.  Es  ist  leicht 
möglich , daß  über  das  Alter  der  Niemtschitzer  Schichten  noch 
nicht  das  letzte  Wort  gesprochen  und  daß  man  in  Einzelheiten 
hier  von  Rzehak  abweichen  kann.  Solange  die  wohlbegründeten 
und  durch  sorgfältige  Einzelbeobachtungen  gestützten  Annahmen 
und  Angaben  dieses  Autors  aber  nicht  bündig  widerlegt  wurden, 
bestehen  sie  zu  Recht,  und  kein  anderer  Forscher  ist  befugt,  sich 
ohne  weiteres  über  sie  hinwegzusetzen  und  sie  sozusagen  mit  einer 
Handbewegung  zu  kassieren.  Ich  selbst  habe  seit  geraumer  Zeit 
einen  großen  Teil  der  paläontologischen  Materialien  von  Rzehak 
in  Händen  und  glaube  behaupten  zu  dürfen,  daß  dieser  in  den 
meisten  wesentlichen  Punkten  im  Recht  ist,  ohne  daß  ich  mich 
hier  vor  Abschluß  meiner  Untersuchungen  in  allen  Einzelheiten 
festlegen  möchte.  In  jedem  Falle  darf  aber  wohl  behauptet  werden, 
daß  die  iiberschobenen  Tertiärschichten  des  Karpathenrandes  bei 
Teschen,  wenn  sie  wirklich,  wie  Fuchs  behauptet,  den  Niemtschitzer 
Schichten  Rzehaic’s  entsprechen,  nicht  dem  Miocän,  sondern  den 
alttertiären  Bildungen  angehören ; denn  ob  der  Niemtschitzer  Hori- 
zont nun  dem  Eocän  oder,  wie  ich  als  das  Resultat  meiner  nahezu 
vollendeten  Bearbeitung  ihrer  Fauna  glauben  mochte,  dem  unteren 
bis  mittleren  Oligocän  anzugliedern  ist  — seine  Hin  ein - 
Ziehung  in  das  Miocän  ist  ausgeschlossen,  solange 
bei  der  Lösung  derartiger  Fragen  die  paläontologische 
Forschung  zu  entscheiden  berufen  und  befugt  ist! 


R.  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  etc.  91 


Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  während  der 
Diluvial- Akkumulation. 

Von  R.  Sokol  in  Pilsen. 

Mit  2 Textfiguien. 

Bei  sechs  Tiefbohrungen  in  der  Umgebung  von  Sadskä  (öst- 
lich von  Prag)  zeigte  sich  die  merkwürdige  Tatsache,  daß  die 
diluvialen  Sand-  und  Schotterschichten  bedeutend  tiefer  reichen  als 
da&  historische,  stellenweise  in  die  Kreideschichten  (harte  Mergel 
und  Pläner)  eingeschnittene  Elbbett  (175  m M.H.). 

I.  Bei  der  Tiefbohrung  am  Ufer  der  in  den  Jahren  1858 
bis  1861  regulierten  Mäanderschlinge  der  Elbe  („Alte  Elbe“), 
gleich  beim  alten  Badehause,  wurden  von  der  Firma  Julius  Thiele 
aus  Ossegg  (Böhmen)  folgende  Schichten  erbohrt: 


Lage  der 
Ober- 
kante 

Lage  der 
Unter- 
kante 

Mächtig- 

keit 

Ul 

m 

m 

1.  Gelber  Sand 

0 

8,40 

8,40 

2.  Grauer  r 

8,40 

13,30 

4,90 

3.  Eigroßer  Schotter  mit  Sand  . . . 

4.  Kreidegrund  (166.8  m M.H.,  8.2  m 

13,30 

16,20 

2,90 

unter  dem  Elbbette)1 

16.20 

— 

— 

11.  Etwa  250  m weit  im  Osten  wurde  eine 

ähnliche  Schichten- 

Serie  (Firma  J.  Zima  aus  Chlumec  a. 

d.  Cidlina)  aufgefunden : 

Lage  der 
Ober- 

Lage  der 
Unter- 

Mächtig- 

keit 

• 

kante 

kante 

m 

Ul 

m 

1.  Sand  mit  Humus 

0 

0,50 

0,50 

2.  Weißer  feiner  Sand 

0,50 

2,90 

2.40 

3.  Gelber  Sand  

2,90 

7.00 

4.10 

4.  Grauer 

7,00 

9,00 

2 00 

5.  „ „ ein  wenig  gröber  . . . 

9,00 

1 2,00 

3,00 

6.  Schotter  mit  Sand 

7.  Kreiilesrund  (169.5  m M.H.,  5,5  m 

12,00 

13,50 

1.50 

unter  dem  Elbbette) 

13,50 

— 

— 

III.  Im  Süden  beim  neuen  Kurhause  am  Rande  des  Waldes, 

etwa  250  m südlich  von  der  ersten 

Bohrung,  wurden 

folgende 

Schichten  durchsunken  (Firma  J.  Zima) : 

1 Für  die  im  Mittel  18  km  breite,  mit  Diluvialterrassen  bedeckte 
Elbeniederung  ist  diese  Differenz  keineswegs  unansehnlich.  Sie  gleicht 
fast  ^ der  Mächtigkeit  der  Anschwemmungen. 


92 


R.  Sokol,  lieber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen 


Lage  der 
Ober- 
kante 
m 

Lage  der 
Unter- 
kante 
m 

Mächtig- 

keit 

m 

1.  Sandiger  Humus 

0 

0,20 

0,20 

2.  Gelber  Sand 

0.20 

0,70 

0,50 

3.  Weißer 

0,70 

3,50 

2,80 

4.  Gelber  „ 

3,50 

3.70 

0,20 

5.  Weißer  „ 

3,70 

7,00 

3,30 

6.  Grauer  

7,00 

12,00 

5,00 

7.  ,,  gröberer  Sand 

12,00 

15,00 

3,00 

8.  Schotter  mit  Sand 

15.00 

15,50 

0,50 

9.  Kreidegrund  (167,5  m M.H.,  7,5  m 
unter  dem  Elbbette) 

15,50 

— 

Die  obere  Kante  aller  drei  Bohrlöcher  weist  eine  Meereshöhe 
von  ungefähr  183  m auf. 


IV.  In  einer  Entfernung  von  370  m im  Westen  von  der 
ersten  Bohrung  wurde  ein  Bohrloch  von  der  Prager  Böhmischen 
Sparkasse  angelegt.  Dasselbe  befindet  sich  bei  der  Mündung  des 
Mühlbaches  in  die  „Alte  Elbe“  (177  m M.H.).  Die  Schichtenfolge: 


Lage  der 

Ober- 

kante 

m 

Lage  der 
Unter- 
kante 
m 

Mächtig- 

keit 

m 

1.  Rotschwarzer  Schlamm 

0 

0,70 

0.70 

2.  Grauer  Sand  und  nußgroßer  Schotter 

0,70 

4,35 

3,65 

3.  Schwarzgrauer  eigroßer  Schotter 

mit  Sand 

4,35 

8,85 

4,50 

4.  Kreidegrund  (168,15  m M.H.,  6,85  m 

unter  dem  Elbbette) 

8,85 

— 

— 

V.  Bohrloch  im  Osten  der  Stadt  Sadskä  (188,5  m M.H., 
1250  m weit  südlich  vom  Elbeufer): 


Lage  der 
Ober- 
kante 
m 

Lage  der 
Unter- 
kante 
m 

Mächtig- 

keit 

m 

1.  Humus 

0 

1,00 

1.00 

2.  Feiner  Sand 

1,00 

8,00 

7,00 

3.  Lehm,  durch  Humus  schwarzgefärbt 
und  schlammig 

8,00 

11,00 

3,00 

4.  Sand  mit  Schotter 

11,00 

19,00 

8,00 

5.  Schotter  mit  wenig  Sand 

19,00 

21,00 

2,00 

6.  Kreidegrund  (167,5  m M.H.,  7,5  m 
unter  dem  Elbbette) 

21,00 

— 

während  der  Diluvial-Akkumulation. 


93 


VI.  Etwa  200  m westlich  davon  wurde  wieder  eine  Bohrung1  an- 
gebracht. wo  die  dritte  Schicht  eine  größere  Mächtigkeit  gewann,  aber 
die  gesamte  Mächtigkeit  des  Diluviums  blieb  unverändert.  Die  beiden 
letzteren  Bohrungen  wurden  von  der  Firma  ,T.  Zima  durchgeführt. 

Die  dnrchörterten  Sand-  und  Schotterschichten  gehören  drei 
Akkumulationsterrassen1  verschiedenen  Alters,  der  jüngsten  Terrasse, 
deiv-höher  liegenden  Zvei'ineker  Terrasse  und  der  noch  höheren 
Tl'ebestovicer  Terrasse , deren  letztere  eine  Unterlage  für  beide 
anderen  bildet  und  diese  auch  an  Mächtigkeit 2 * und  relativer  Höhe 
der  Oberkante  (bis  1 4 m)  übertrifft , wie  aus  der  bestellenden 
Fig.  1 ersichtlich  ist.  Oben  ist  die  Terrasse  mit  einer  wenig 
mächtigen  Sandschicht  bedeckt a. 


Fig.  1.  Schematisches  Profil  der  diluvialen  Bildungen  bei  Sadskä. 

K = Kreidegrund,  T = Trebestovicer  Terrasse,  Z = Zvörineker  Terrasse, 
A = jüngste  Terrasse.  J— U = Lage  der  Bohrlöcher. 

Der  Fluß  fließt  jetzt  höher,  die  erosive  Tätigkeit  scheint 
gelähmt  zu  sein.  Bei  dem  Versuche,  die  Entwicklung  der  Er- 
scheinung aus  der  D}-namik  des  Flusses  zu  erklären , muß  man 
dreierlei  Ursachen  in  Erwägung  ziehen.  Entweder  hob  sich  das 
untere  Denndationsniveau,  d.  h.  die  Meeresoberfläche  bei  der  Mün- 
dung der  Elbe,  oder  der  ganze  Unterlauf  des  Flusses  ist  gestiegen. 
Ein  zweiter  Fall  wäre  der,  daß  das  Terrain  im  Oberlaufe  ein- 
gesunken ist.  Es  dürfte  aber  auch  ein  dritter  Fall  möglich  sein,  daß 
nämlich  bei  der  unveränderten  Höhe  des  Ober-  und  des  Unterlaufes 
nur  die  beschriebene  Gegend  („Nimburger“  Ebene  nach  Schneider4) 
nach  der  Ablagerung  der  Trebestovicer  Terrasse  eingesunken  ist. 

1 Ct'r.  Autor:  Die  Terrassen  der  mittleren  Elbe  in 
Böhmen.  Verhandlungen  der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  in  Wien.  1912. 
No.  11.  S.  272  ff. 

2 Bis  27  m mächtig,  also  um  11  m mehr  als  bei  Leipzig  (cfr.  Wahn- 
schaffe: Die  Oberflächengestaltung  des  norddeutschen 
Flachlandes.  1909.  p.  70). 

(fr.  Autor:  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  der  geologi- 
sche n Ver  hä  ltn  i s se  in  der  Umgebung  von  Sadskä.  Bulletin 
international  de  l'Acadömie  des  Sciences  de  Boheme.  1909.  p.  3 ff. 

4 K.  Schneider:  Zur  Orographie  und  Morphologie  Böh- 
mens. 1908.  p.  173. 


94 


R.  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen 


Für  das  Steigen  des  unteren  Denudationsniveaus  haben  wir 
keine  schwerwiegenden  Belege.  Man  muß  zwar  zugeben,  daß  sich 
nach  dem  Verschwinden  der  Eismassen  in  Norddeutschland  ein 
relatives  Ansteigen  des  erleichterten  Landes  im  Sinne  der  isostati- 
schen Theorie  vollzog.  Es  blieb  aber  auch  die  Meeresoberfläche 
keineswegs  von  einer  vertikalen  Veränderung  verschont;  sie  ging 
zurück , da  die  Eismassen  ihre  gewaltige  Anziehungskraft  nicht 
mehr  ausübten.  Beide  Wirkungen  arbeiteten  folglich  im  entgegen- 
gesetzten Sinn.  Wichtig  ist,  Avie  es  Engelmann1  feststellte,  daß 
die  Divergenz  der  Terrassen  im  Unterlaufe  der  Elbe  in  Böhmen 
wächst.  Es  scheint  daraus  zu  folgen,  daß  das  fragliche  Niveau 
eher  gesunken  ist.  Die  herannahenden  und  das  abfließende  Wasser 
stauenden  Eismassen  Deutschlands  in  diluvialen  Eiszeiten  konnten 
nur  für  den  bisher  vielumstrittenen  Unterlauf  des  Elbeurstromes  von 
Bedeutung  sein , nicht  aber  für  den  Flußlauf  in  Böhmen.  Das 
Elbbett  in  Böhmen  konnte  sich  dadurch  nicht  erhöhen.  Um  das 
zu  beweisen , möchte  ich  zuerst  die  Frage  beantworten , Avas  ge- 
schieht, Avenn  die  Gefällskurve  (Fig.  2,  schwache  Linie)  durch  das 
Steigen  des  unteren  Denudationsniveaus  kürzer  wird. 


Fig.  2.  Die  alte  Gefällskurve  eines  Flusses  (volle  schwache  Linie),  die 
neue  Gefällskurve  nach  dem  Erhöhen  des  unteren  Denudationsniveaus  bis 
zu  B (starke  Linie),  die  mutmaßliche  Gefällskurve  beim  Ausbleiben  dieses 
Erhöhens  (gestrichelte  Linie).  Die  beiden  letzteren  nach  dem  Ablaufe  eines 
großen  Teiles  des  Erosionszyklus  gedacht. 

Das  Wasser  folgt  nur  der  Sclnvere , und  wenn  die  voran- 
gehende Wassermenge  plötzlich  (bei  B in  Fig.  2)  ihre  Geschwindig- 
keit verliert,  steigt  das  Wasser,  setzt  suspendierte  Körner  ab  und 
fließt  auf  der  Oberfläche  der  letzteren  Aveiter.  Eine  Rückwirkung 
auf  die  weit  stromaufwärts  gelegenen  Massen  scheint  auf  den  ersten 
Blick  kaum  möglich , wohl  aber  wird  sich  die  verkürzte  Gefälls- 
kurve ein  wenig  anders  entwickeln  als  der  entsprechende  Teil 
der  langen  Gefällskurve.  Das  liegende  Stück  der  letzteren  bleibt 
stets  geneigt,  jenes  der  ersteren  A\rird  aber  bald  fast  wagerecht, 
d.  h.  der  liegende  Ast  der  verkürzten  Gefällskurve  wird  nur  zur 
Horizontalebene  des  Denudationsniveaus  vertieft,  bei  der  ursprüng- 
lichen langen  Gefällskurve  wird  der  bezügliche  Teil  iu  allen 
Punkten  gleichmäßig  vertieft.  Es  A'ollzieht  sich  demgemäß  im 

1 R.  Engelmann:  Die  Terrassen  der  Moldau-Elbe  zwischen 
Prag  und  dem  Böhm.  Mittelgebirge.  Geogr.  Jahresber.  aus  Österr.  191 1. 


während  der  Diluvial- Akkumulation. 


93 


Teile  A — B der  langen  Kurve  eine  tiefere  Erosion,  als  wenn  sie 
verkürzt  wäre.  Das  Ansteigen  der  Meeresoberfläche,  die  Hemmung 
durch  Eismassen,  die  Hebung  des  unteren  Denudationsniveaus  über- 
haupt wirkt  demgemäß  lähmend  auf  die  Erosion.  Wenn  die  vorigen 
vertikalen  Bedingungen  wieder  eintreten,  wird  das  Flußbett  in  A 
zerschnitten  werden  und  ein  neues  Flußbett  samt  einer  neuen 
Terrasse  wird  sich  unterhalb  des  alten  entwickeln.  Bei  uns  liegt 
aber  der  Fall  ein  wenig  anders.  Die  Oberfläche  unserer  jungen 
Terrassen  (Fig.  1,  A,  Z)  liegt  zwar  tiefer  als  jene  der  älteren 
Terrasse  (Fig.  1,  T),  das  Flußbett  dagegen  höher.  Es  muß  folg- 
lich bei  uns  der  das  steigende  untere  Denudationsniveau  voraus- 
setzende Erklärungsversuch  scheitern  selbst  ohne  die  Beobachtungen 
Engelmann’s. 

Dasselbe  gilt  von  dem  zweiten  Erklärungsversuch , der  den 
sinkenden  Oberlauf  des  Flusses  1 voraussetzt.  Eine  ähnliche  Unter- 
suchung zeigt,  daß  auch  dann  die  Erosion  verlangsamt,  nnser 
Flußbett  aber  nicht  erhöht  würde. 

Es  bleibt  nur  der  dritte  Teil  übrig,  daß  nämlich  die  Elbe- 
ebene in  dem  beschriebenen  Gebiete  nach  der  Ablagerung  der 
Tfebestovicer  Terrasse  eine  Senkung  erlitten  hat.  Den  Grund 
dazu  dürfte  man  wohl  in  dem  enormen  Gewichte  der  abgelagerten 
Massen  suchen. 

Die  Wassermassen , die  bei  jeder  Hochflut  das  Flußbett  er- 
füllen, arbeiten  eifrig  an  der  seitlichen  Erosion  des  Geländes,  ver- 
tiefen aber  das  Flußbett  unmerklich , wie  es  der  im  Laufe  der 
Jahrhunderte  beständige  Wasserstand  und  die  nicht  verschwindenden 
Stromschnellen  beweisen.  Ich  meine , daß  auch  die  Glazialfluten 
ohne  bedeutende  Wirkung  für  die  Tiefenerosion  (Tiefenschurf)  waren. 

Von  der  Tiefen erosion  muß  man  den  Vorgang  der  Akkumu- 
lation scharf  trennen.  Letztere  kann  nur  dort  gedeihen , wo  der 
Fluß  mäandrieren  und  in  den  „toten“  Schlingen  während  der 
Hochfluten  viel  Sand  und  Schotter  in  relativ  ruhigerem  Strome 
ablagern  kann.  Es  sind  keine  Seen  dazu  nötig,  gerade  umgekehrt. 
Es  konnten  unsere  Sand-  und  Schotterschichten  keineswegs  in 
Seen  entstehen,  da  sie  zwei  chai’akteristische  Merkmale  der  See- 
ablagerungen, eiu  Lehmlager  in  der  Mitte  des  Beckens  und  durch 
Wellenschlag  entstehende  Blockdämme  an  seinem  Bande  nicht  be- 
sitzen. Wenn  die  Elbe  in  der  toten  Serpentine  bei  der  Hochflut 
reiche  Sedimente  ablagert,  gilt  es  zugleich  nicht  von  ihrem  ge- 
wöhnlichen Flußbett.  Steigt  die  Oberfläche  des  Stromes , so  ver- 
größert sich  zugleich  seine  Transportfähigkeit.  Das  Hauptbett 

1 Diese  vertikale  Veränderung  ist  sehr  wahrscheinlich,  da  Meissner 
gewisse  Andeutungen  von  Versenkungen  der  Elbeniederung  bei  der  Mün- 
dung der  Stillen  Adler  entdeckte.  (A.  Meiszner:  Die  Talgeschichte 
der  Stillen  Adler  in  Böhmen.  Geogr.  Jahresber.  aus  Österr.  IX. 
1911.  p.  221.) 


96  R.  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc.  — Personalia. 


wird  gereinigt  und  alles,  was  in  der  Stromlinie  abgelagert  wurde, 
wird  fortgeschwemmt.  Bringt  der  Fluß  viel  Material , muß  er 
auch  viel  fortschaffen.  Wenn  ausnahmsweise  (z.  B.  infolge  eines 
Felssturzes  oder  Hebung  des  Oberlaufes)  eine  Knickung  in  der 
Gefällskurve  entstünde , würde  sie  bald  durch  rückschreitende 
Erosion  eingeebnet  werden  ’.  Es  ist  wohl  der  Schluß  richtig,  daß 
die  Meereshohe  der  Flußsohle  nicht  von  klimatischen  Änderungen 
dauernd  beeinflußt  wird,  und  daß  folglich  bei  uns  nur  die  erwähnten 
"tektonischen  Vorgänge  die  Hauptrolle  spielten.  Die  isostatische 
Einsenkung  im  Sinne  des  RüHL’schen  Erklärungsversuchs1  2 gewinnt 
noch  mehr  an  Bedeutung,  da  es  in  der  breiten,  mit  diluvialen 
Schichten  vollgepfropften  „Nimburger“  Ebene  an  alten  unter- 
irdischen Störungslinien 3 4 nicht  fehlt. 

Ähnliche  Verhältnisse  in  diluvialen  Schichten  hat  Hibsch  4 im 
Unterlaufe  der  Elbe  in  Böhmen  beobachtet.  In  der  Erosionsmulde 
von  Bodenbach — Tetschen  reicht  die  „Mittelterrasse“  bis  zum 
felsigen  Grunde,  so  daß  alle  Flußanschwemmungen  der  jüngeren 
Zeiten  („Niederterrasse“)  über  den  Absätzen  der  ..Mittelterrasse“ 
sich  ablagerten.  Nach  der  Ablagerung  dieser  Terrasse  fand  in 
Nordböhmen  eine  bis  in  Felsengrund  reichende  Flußrinnenvertiefung 
nicht  mehr  statt,  ebensowenig  eine  allgemeine  Abtragung,  da  die 
denudierendeu  Kräfte  erlahmten. 

Da  auch  in  Deutschland  z.  B.  an  der  Küste  der  Ostsee  und 
der  Nordsee  die  Unterkante  des  Diluviums  nach  der  Küste  zu 
bedeutend  unter  die  jetzigen  Flußbette 5 herabsinkt,  dürften  die 
hier  angedeuteten  Folgerungen  eine  allgemeine  Bedeutung  haben. 


Personalia. 

Habilitiert:  Dr.  P.  Kessler  als  Privatdozent  für  Geologie 
und  Paläontologie  in  Straßburg  i.  E. 

1 Damit  steht  im  Einklang  die  Beobachtung  Stiny’s,  daß  bei  ver- 
heerenden Wildbachausbrüchem  (z.  B.  bei  der  großen  Hochwasserflut  des 
Jahres  1882)  zwar  die  Sohle  ganz  beträchtlich  erhöht  wird;  aber  in  den 
folgenden  Jahren  tiefen  sich  die  Alpenflüsse  und  -büche,  ihr  altes  Bett 
suchend  , wieder  ein.  Diese  Tieferlegung  der  Sohle  kann  lokal  über  den 
Aufschüttungsbetrag  hinausgehen.  (J.  Stiny:  Fortschritte  des  Tiefen  - 
schurfes  in  der  Gegenwart.  Geol.  Rundschau.  Leipzig  1912.  ßd.  III. 
Heft  3.  p.  166  ff.) 

- A.  Hühl  : Isostasie  und  Peneplain.  Zeitschr.  d.  Ges.  f.  Erd- 
kunde zu  Berlin.  1911.  p.  479  ff. 

a Autor:  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  des  Untergrundes 
der  Kreide  in  Böhmen.  Verhandl.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  in  Wien. 
1912  p.  292  ff. 

4 J.  E.  Hibsch:  Versuch  einer  Gliederung  der  Diluvial- 
gebilde im  nordböhm.  Elbtale.  Jahrb.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanstalt 
in  Wien.  44.  p.  644,  646.  648. 

5 Wahnschaffe,  1.  c.  p.  66  ff. 


W.  Tschirwinsky,  Zur  Frage  über  die  Identität  etc. 


97 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Zur  Frage  über  die  Identität  des  Podolits  und  Dahllits 
Von  W.  Tschirwinsky  in  Kiew. 

Mit  1 Textfigur. 

Im  Jahre  1910  erschien  im  American  Journal  of  Science  eine 
Mitteilung  von  W.  Schallek1,  in  welcher  der  Autor,  meine  Ana- 
lysen des  Podolits  mit  den  Dahllit-Analysen  H.  Bäckström’s  ver- 
gleichend, deu  Schluß  einer  Identitätsmöglichkeit  beider  genannten 
Minerale  zieht. 

In  meiner  Mitteilung  „Über  Podolit,  ein  neues  Mineral2“, 
führte  ich  zwei  Analysen  an , von  denen  die  eine  an  einzelnen 
kleinen  Kristallen  vollzogen  wurde  (No.  7).  Die  Menge  der  Sub- 
stanz, welche  ich  für  die  Analyse  sammeln  konnte,  war  sehr  klein, 
was  die  Genauigkeit  der  Analyse  etwas  vermindert  hat.  Die  andere 
No.  1)  führte  ich  dagegen  an  einer  überaus  reinen  Podolit- 
konkretion  aus.  Letztere  ist  bedeutend  wichtiger,  da  sie  mit 
besonderen  Vorsichtsmaßregeln  ausgeführt  wurde  und  die  Durch- 
schnittszahlen einer  ganzen  Reihe  von  Bestimmungen  liefert,  was 
ich  leider  in  meiner  Mitteilung  nicht  verzeichnet  habe 3. 

Ich  nahm  eine  Anzahl  vou  Bestimmungen  gerade  deshalb  vor, 
um  überzeugt  zu  sein,  daß  das  von  mir  beschriebene  Mineral  sich 
chemisch  von  dem  ihm  nahestehenden  Mineral  Dahllit  unterscheidet. 
Deshalb  würde  ich  es  für  überflüssig  halten,  eine  neue  Analyse 
vorzunehmen.  Aber  bei  meinen  früheren  Analysen  war  die 
(Quantität  des  Kristallisationswassers  nicht  ermittelt  worden  und 
W.  Schallek  bemerkt  vollkommen  richtig,  daß  solche  sekundäre 
Minerale,  wie  Podolit  und  Dahllit,  Kristallisationswasser  enthalten 
müssen. 

Zurzeit  habe  ich  eine  neue  Analyse  (No.  9)  der  reinen 
Podolitkonkretion  (sekundärer  umkristallisierter  podolischer  Phos- 
phorit aus  dem  Dorf  Krutoborodinzy)  gemacht.  Die  Probe  ist 
sorgfältigst  mikroskopisch  untersucht  worden.  Die  Hauptmasse  der 

1 W.  Schaller,  The  probable  Identity  of  Podolitl»  with  Dahllire, 
p.  309 — 311.  Siehe  gleichfalls  die  Übersetzung  in  Zeitschrift  für  Kristallo- 
graphie. 1911.  p.  559 — 561.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  I.  -34-.) 

2 Dies,  Centralbl.  f.  Min.  etc.  1907.  279. 

3 Darüber  siehe  den  gleichzeitig  gedruckten  Aufsatz  „Chemische  und 
mikroskopische  Untersuchung  der  Podolischen  Phosphorite“.  .Mömoires 
de  la  Society  des  Naturalistes  de  Kieft“.  1907.  p.  785.  Mit  deutschem 
Resume.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1909.  II.  -357-.) 

Centralbl  att  f.  Mineralogie  etc.  1913.  7 


98 


W.  Tschirwinsky,  Zur  Frage 


Konkretion  besteht  aus  fest  verwachsenen  kleinen  (0,05 — 0,15  min) 
Kristallen  und  Sphärolithen ; Ca  C 03  ist  nicht  vorhanden , doch 
scheiden  sich  beim  Lösen  der  Kristalle  in  H CI  C 02-Bläschen  aus, 
weshalb  jeder  Gedanke  daran , daß  vielleicht  ein  Gemenge  von 
Kalkspat  vorliege,  vollständig  ausgeschlossen  ist.  Von  fremden 
Beimischungen  wurde  sekundärer  Quarz,  Flocken  organischen  Stoffes, 
dunkelbraunes  Eisenoxyd  und  eine  unbedeutende  Quantität  von 
Glaukonit  gefunden. 

Die  Analyse  No.  9 ergab  folgende  Resultate: 


1.  Bestimmung  2.  Bestimmung 

Mittel 

Hygroskop.  Wasser.  . . . 

0.34 

0,39 

0,37 

Allgem.  Wasserquantität  . 

(1,48) 

(1,57) 

(1,53) 

Kristallisationswasser  . . 

1.14 

1,18 

1,16 

Ca  0 ...  . 

50,72 

— 

50,72 

P4Or,  . . . . 

37,08 

— 

37,08 

C 0 

4,32 

— 

4,32 

F 

0.29 

— 

0,29 

Si02  . . . . 

4.18 

— 

4,18 

Organische  Substanz  . . . 
Al,  03,  Fe2  03,  K2  0,  Na2  0 

0,52 

0.52 

98.64 

und  anderes  

— 

— 

1,36 

100.00 

Aus  dieser  Analyse  ersieht  man  erstens,  daß  die  untersuchte 
Podolitkonkretion  sich  als  äußerst  rein  erweist:  nach  Abzug  des 
ungelösten  Restes  fallen  auf  die  übrigen  Elemente  nur  1,36  °/o. 
Zweitens  finden  wir,  daß  beim  Vergleich  der  Daten  der  oben 
angeführten  Analyse  mit  meinen  zwei  früheren  Analysen  sie  alle 
ein  sehr  ähnliches  Resultat  ergeben,  was  aus  den  folgenden  Zahlen 
zu  ersehen  ist: 

Podolit 


Kristallin.  Aggregat 

Kristalle 

N 1 

N 7 

CaO  . 

....  51,31 1 

51,15 

p2o6 

....  36,44  1 

39,04 

Al,  0:t 

....  0,46 

— 

Fe,  0, 

....  1,73 

3,04 

Org.  Stoff  . . 0,56 

— 

k2o 

....  0,45 

— 

Na,  0 

....  0,66 

— 

o o,  . 

. . . . 4.18 2 

3,90 

F . . 

. . . . 0,26 M 

— 

SiO.,  . 

....  4,87 

97,13 

100,92 

0,08  (0  für  F). 

100,84 

1 Mittel  aus  3 Analysen.  2 Mittel  aus  5 Analysen.  ::  Mittel  aus 

4 Analysen. 


über  die  Identität  des  Podolits  und  Dahllits. 


99 


Die  Säuren  mit  Basen  verbindend  und  auf  100  umrechnend, 
haben  wir: 


Tabelle  I (Podolit) 

Theoretische  Zusammensetzung  Ca3  (P  04), 

Ca  (JO* 

3Ca3(P04)j  • Ca  CO,  . 

. .90,29 

9,77 

^ NI 

. 89.56' 

10,44  1 

N 7 

. 90,57 

9,43 

N 9 

. 89.18 

10,82 

Durchschnitt  der  drei 

. .99,77 

10.23 

Folglich  ergeben  die  bisher 

gemachten 

drei  Podolitanalysen 

sehr  ähnliche  Resultate  und  entsprechen  sehr  nahe  der  Formel 
dCa3(P04)o  • CaCOg.  Wenn  man  das  Kristallisationswasser  in 
Betracht  zieht,  welches  von  allen  oben  angeführten  Analysen  nur 
bei  der  Analyse  No.  9 bestimmt  wurde,  so  kann  der  Bestand  des 
Podolits  genauer  durch  die  Formel  12Ca3(P04)2  • 4CaC03  • 3H20 
oder  kürzer  3 Ca3(P04)2  • CaC03  • 3/*  H,  0 ansgedrückt  werden, 
wie  aus  folgendem  Vergleich  zu  ersehen  ist  : 


Tabelle  II  (Podolit ) 


V 

Cas(P(>4)2 

Ca  C ü3 

H2<) 

Analyse  N 9 

theoretisch : 

. 88.06 

10,68 

1,26 

3 Cas  ( P 0412  Ca  C 03  • •/«  H2  0 . 

. 89,12 

9,58 

1,30 

Bei  der  Bestimmung  des  Wassergehaltes  im  Podolit  bediente 
ich  mich  der  Methode  Brush-P enfield.  Es  besteht  wohl  schon 
lange  das  Bedürfnis  nach  rationelleren  und  einheitlichen  Methoden 
zur  Bestimmung  des  Wassergehaltes  in  den  Phosphaten.  Der 
Wassergehalt  wird  bei  alten  Analysen  und  nicht  selten  auch  jetzt 
einfach  durch  den  Glühverlust  ermittelt;  wenn  man  jedoch  in  Be- 
tracht zieht,  daß  eine  ganze  Reihe  von  flüchtigen  Verbindungen 
in  den  Phosphaten  enthalten  ist,  wie  Fluor,  CO,  und  namentlich  mit 
dem  Phosphat  verbundene  Kohlensäure  (Podolit,  Dahllit,  Statfelit, 
Frankolit),  wobei  letztere  nicht  vollkommen  ausgeschieden  wird, 
so  vertraut  man  den  Daten,  welche  den  Wassergehalt  der  Phos- 
phate2 betreffen,  nicht  vollständig. 

Die  trefflichste  Methode  zur  Bestimmung  des  Wassergehaltes 
in  den  Phosphaten  ist,  meiner  Ansicht  nach,  die  Brush-Penfield’scIic 
und  zur  Ermittlung  des  Fluorgehaltes  diejenige  von  Rose-Jannasch. 

Was  den  Dahllit  anbelangt,  so  haben  wir  bisher  folgende  zwei 
Analysen  desselben : 


1 Durchschnitt  aus  einer  Reihe  von  Bestimmungen. 

- Dieser  Umstand  bewog  mich  u.  a.  in  meiner  Arbeit  „Zur  Frage 

über  die  mineral  Natur  der  Phosphorite“  nur  deren  entwässerten  Bestand 
anzuführen.  N.  .Tahrb.  1911.  II.  p.  71. 


7 * 


100 


W.  Tschirwinsky,  Zur  Frage 




a 1 

. 38,40 

b1 2 

38,44 

CaO 

53,00 

F 

— 

C 0.2 

. 5,30 

6,29 

h2o 

. 2,10 

1,37 

Al.j  -j-  Fe2  03  + F • 

. 0,57 

0,79 

Fe203 

100,02 

0,11 

K20 

0,89 

100.89 

Na2  0 

Die  Säuren  mit  Basen  verbindend  und 

auf  1 00 

umrechnend 

haben  wir: 

Tabelle  III  (Dahllit) 

theoretisch 

Ca3(P04)2 

CaCOg 

H20 

2 Ca3  (P  04)2  ■ Ca  C 03  • '/2  H2  0 

. 85,05 

13,72 

1,23 

a . . . . 

12,30 

2,14 

b . . . . 

. 84,26 

14,36 

1,38 

Mittel  aus  beiden 

. 84.91 

13,33 

1,76 

Tabelle  IV  (Dahllit) 

theoretisch 

Ca3  (P  04)s 

. Ca  CO; 

1 

2 Cas  (P  04)2  • Ca  C 03  . . 

. . 86,11 

13,88 

a . . . . 

. . 87,43 

12,57 

b . . . . 

. . 85,44 

14,56 

Mittel  aus  beiden  . . . 

. . 86,44 

13,56 

Aus  den  angeführten  Tabellen  sehen  wir,  daß  beide  Analysen 
(a  und  b)  der  Formel  2Ca3(P04)2  ■ CaC03  + aq.  sehr  nahe  ent- 
sprechen, doch  ist  der  Wassergehalt  etwas  verschieden : die  Anal}rse  1> 
entspricht  mehr  ‘/2  H»  0,  die  Analyse  a dagegen  mehr  der  Formel 
mit  1 H„  0.  Folglich  kann  der  Bestand  des  Dahllits  auf  Grund  der 
vorhandenen  2 Analysen  durch  die  Formel  2 Ca3(P04)2  • CaC03 
-f-  iiH20,  wo  n = xj-i  — 1,  ausgedriickt  werden. 

Wenn  wir  nun  die  Tabellen  I und  IV,  II  und  III  vergleichen, 
so  sehen  wir,  daß  der  Podolit  und  Dahllit  sich  wirklich  chemisch 
unterscheiden,  indem  der  Podolit  im  Vergleich  zum  Dahllit  ärmer 
an  Kohlensäure  und  reicher  an  Phosphorsäure  ist.  Am  besten 
läßt  sich  dieser  Unterschied  durch  das  Verhältnis  P205:C02  aus- 
drücken : 


1 M.  Pisani  in  Lacroix,  Compt.  rend.  150.  1390.  1910:  auch 

A.  Lacroix,  Mineralogie  de  la  France.  1910.  4.  556. 

2 W.  Brögger  und  H.  Bäckström,  Dahllit,  ein  neues  Mineral  von 
Ödegärden,  Bamle , Norwegen.  Meddelanden  frän  Stockholms  Högskola. 
No.  77,  in  Ofv.  Vet.-Akad.  Förh.  1888.  493.  Auszug  Zeitschr.  f.  Krist. 
1890.  17.  426  und  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1890.  II.  -223-,  Auch  Zeitschr. 
f.  Krist,  23.  1894.  p.  164. 


über  die  Identität  des  Podolits  und  Dahllits. 


101 


Analyse  Podolit  P2  05 : C 02  Dahllit  P2  05  : C 03 

N.  1 8,72 : 1 Anal,  a . . . . 7,24  : 1 

N.  7 10  : 1 , b ....  6,11  :1 

N.  9 8,58  : 1 durchschnittlich  6,67  : 1 


durchschnittlich  . 9,10  : 1 

Auf  Grund  der  angeführten  Facta  muß  man  meiner 
Meinung  nach  zur  Überzeugung  kommen , daß  der  Podolit 
und  Dahllit  zwei  völlig  selbständige,  wenn  auch  chemisch 
verwandte  Minerale  sind.  Podolit  — 3 Ca3 (P  Oj)2 CaC 03 
+ nH20,  Dahllit  — 2 Ca3(P04)2CaC03  + nH,0,  wo  n=  */  — l. 

Was  die  physikalischen  und  optischen  Eigenschaften:  Härte, 
spezifisches  Gewicht,  Farbe,  Brechungsexponent,  optischen  Charakter, 
Stärke  der  Doppelbrechung1  anbelangt,  so  sind  sie  einander  sehr 
ähnlich , doch  muß  man  bedenken , daß  noch  zwei  andere , dem 
Podolit  und  Dahllit  verwandte  Minerale  — Frankolit  und  Staff'elit  — 


beinahe  dieselben  Eigenschaften  besitzen.  Mit  letzterem  hat  der 
Podolit  noch  mehr  Ähnlichkeit,  dank  den  gleichen  optischen  Ano- 
malien, welche  sich  dann  äußern,  wenn  der  Durchschnitt  senkrecht 
zur  Vertikalachse  verläuft2. 

A.  Lacroix  hält  (1.  c.  p.  558)  den  Frankolit  und  Staff'elit  für 
identische  Minerale.  Mir  scheint,  daß  eine  solche  Schlußfolgerung 
noch  durch  neue  Analysen  bestätigt  werden  muß.  Es  unterliegt 

1 Nur  die  Frage  über  die  Doppelbrechung,  welche  beim  Podolit  0.0075 
beträgt,  bleibt  ungelöst;  was  den  Dahllit  und  Staffelit  anbelangt,  so  führen 
die  Forscher  keine  genaue  Ziffer  an,  sondern  weisen  nur  darauf  hin,  daß 
dieselbe  „etwas  größer  als  heim  Apatit“  ist. 

2 A.  Lacroix,  Mineralogie  de  la  France.  1910.  4.  558,  u.  W.  Tschir- 
winsky,  Über  Podolit  etc.,  dies.  Centralbl.  1907.  p.  281. 


102 


K.  Schneider. 


keinem  Zweifel,  daß  der  „Frankolit“,  dessen  Analyse  Lackuix  auf 
1>.  559  anführt,  mit  dem  Staffelit  identisch  ist,  dessen  Namen  er 
auch  tragen  müßte '. 

Auf  der  vorstehenden  Photographie  sind  zwei  Podolitkonkre- 
tionen  (sekundäre  umkristallisierte  podolische  Phosphorite  aus  dem 
Dorf  Krutoborodinzy)  abgebildet,  welche  die  Form  eines  dreiachsigen 
Ellipsoids  haben  (Achsenlänge  8,4,  18,4  und  14,4  cm).  Die  Analyse 
No.  9 bezieht  sich  auf  die  rechts  abgebildete. 

Man  muß  bemerken,  daß  nicht  alle  sogenannten  umkristalli- 
sierten Phosphorite  der  besagten  Gegend  Podolite  sind ; viele  haben 
einen  bedeutenden  Fluorgehalt,  deshalb  kann  man  voraussetzen, 
daß  sie  auch  andere  Phosphate,  analog  dem  Staffelit  und  Frankolit, 
enthalten.  In  optischer  Beziehung  sind  sie  nicht  zu  unterscheiden 1  2. 

Um  einen  genauen  Unterschied  festzustellen,  ist  eine  Fluor- 
bestimmung notwendig. 

Kiew,  Universität  des  Heil.  Wladimir,  Min.  Kabinett. 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 

Von  Karl  Schneider  in  Kaaden  a.  Eger. 

Mein  im  Juni  1911  bei  Gebrüder  Bornträger  in  Berlin  heraus- 
gegebenes Werk  „Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde“  hat  im 
allgemeinen  eine  freundliche  Aufnahme  in  der  Fachliteratur  gefunden. 
Wenigstens  sprechen  dafür  die  ausführlichen  Besprechungen,  welche 
das  Werk  allenthalben  gefunden  hat3,  wenn  auch  im  einzelnen, 
wie  zu  erwarten  war,  manche  Entgegnungen  gegeben  wurden.  Es 
ist  daher  notwendig,  auf  einzelne  Ausführungen  zu  antworten,  da 
diese  vielfach  auf  eine  falsche  Voraussetzung  und  Auffassung 
zurückzuführen  sind. 

1 Zum  Vergleich  des  chemischen  Bestands  des  Frankolits  und 
Staffelits  siehe  Dana,  System  of  Mineralogy.  p.  766,  die  Analysen  No.  1 1 
und  No.  37  und  ebenso  die  von  J.  Both  in  seiner  „Allgemeinen  und 
chemischen  Geologie“  1879  gegebene  Formel  des  Frankolits. 

2 Näheres  darüber  siehe  meine  Arbeit  „Zur  Frage  über  die  minera- 
logische Natur  der  russischen  Phosphorite.“  N.  Jalnb.  1911.  II.  p.  59  — 61. 
54 — 55.  73,  auch  „Chemische  und  mineralogische  Untersuchung  der  podo- 
lischen  Phosphorite“,  1.  c.  p.  744 — 789  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1902.  II.  -357-). 

:i  Von  Besprechungen  kamen  mir  zu:  Salomon,  W.,  Geologische  R. 
2.  p.  241.  — Milne,  J.,  Nature.  87.  p.  410/11.  — B(ecker).  J. , Am.  J. 
of  Sc.  32.  p.  323.  — Arldt,  Th..  Naturw.  R.  1912.  p.  37/38  — Graf,  E.. 
Wissenschaft!.  R.  Jg.  1911/12.  p.  163.  — Sapper,  K.,  dies.  Centralbl.  1912. 
p.  1 — 8 und  G.  Z.  1912.  p.  346/347.  — Johannsen,  A. , The  journal  of 
Geology.  1912.  p.  84—88.  — Hoernes,  R..  P.  M.  1912.  p.  287.  — Allg. 
Handelsblatt  Amsterdam.  29/2.  1912.  — Friedländer,  J , Gerland’s  Bei- 
träge zur  Geophysik.  11.  p.  299 — 315. 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


103 


Zunächst  gegen  den  mehr  allgemeinen  Vorwurf,  ich  habe  das 
Wesen  des  Vulkanismus  zu  einseitig  oder  überhaupt  nicht  erfaßt, 
indem  ich  den  chemisch-physikalischen  Verhältnissen  keine  oder 
doch  zu  geringe  Aufmerksamkeit  gewidmet  habe. 

Der  Kern  der  Frage  liegt  eben  in  der  Auffassung.  Ich  habe 
den  Vulkanismus  folgendermaßen  definiert  und  für  diese  Begriffs- 
bestimmung auch  die  Anerkennung  erhalten:  Vulkanismus  ist  jene 
Erscheinung,  bei  welcher  aus  der  Erdtiefe  juvenile  Massen 
in  oder  auf  die  Erdkruste  gebracht  werden. 

Danach  liegt  das  Wesen  des  Vulkanismus  in  den  Massen, 
welche  umgelagert  werden,  und  implicite,  wie  sie  sich  in  ihrer  Ge- 
samtheit in  oder  auf  der  Erdkruste  lagern.  Richtig  ist  daher  nui- 
der  Vorwurf,  daß  ich  auch  den  Intrusionserscheinungen  Beachtung 
schenken  muß.  Aus  äußeren  Gründen  habe  ich  aber  davon  Ab- 
stand genommen. 

Nur  in  den  Massen,  ihrem  kosmischen  Auftreten,  ihrem 
Werden  in  bestimmten  Formen  infolge  eigener  Phasenentwicklung 
des  Vulkanismus,  ihrer  Periodizität  in  der  Zeitfolge  und  ihrer  Ver- 
breitung nach  geographischen  Gesetzen  sehe  ich  das  Wesen  des 
Vulkanismus.  Und  diese  vier  großen  Leitgesetze  sind  es  auch, 
welche  sich  durch  mein  Werk  hindurchziehen.  Nur  auf  dieses 
begrenzte  Gebiet  kann  sich  meiner  Meinung  nach  die  deskriptive 
Vulkanologie  verlegen  und  die  Fragen , welche  das  Wesen  des 
Phänomens  nach  diesen  angegebenen  Richtungen  hin  heischt , zu 
beantworten  suchen,  denn  trotz  Laboratorium  und  Beobachtung  im 
Felde  bleibt  der  Weg,  in  welcher  Weise,  wie  diese  Prozesse 
vor  sich  gehen,  ein  genetischer,  d.  h.  theoretisch-hypothetischer. 

Welche  Resultate  immer  auf  chemisch-physikalischem  Wege 
im  Laboratorium  gebracht  werden,  können  sie  doch  über  das  Wesen 
des  Vulkanismus  meiner  Meinung  nach  keinen  Aufschluß  bringen, 
wie  ich  ausdrücklich  hervorgehoben  und  begründet  habe. 

Man  wird  mich  besser  verstehen,  wenn  ich  ein  Analogon  aus 
der  dynamischen  Geologie  wähle.  Das  Wesen  der  Gebirgsbildung 
besteht  in  der  Umlagerung  vorhandener  Erdkrustenstücke, 
wie  es  vor  sich  geht,  ob  durch  Faltung  oder  Schub,  Hebung  oder 
Senkung,  ist  ein  anderer  Weg.  Das  Gebirge  an  sich,  ohne 
genetische  Probleme  zu  erörtern,  ist  Objekt  des  nächsten 
Studiums  und  führt  zur  Einteilung  der  verschiedenen  Gebirgs- 
kategorien. 

Ist  auf  Grund  solcher  Überlegungen  das  Arbeitsgebiet  ab- 
gesteckt, so  muß  ich  versuchen,  wieder  nur  aus  den  Massen 
das  Wesentliche  und  Charakteristische  herauszuschälen.  Dieser 
Weg  führte  naturgemäß  zur  Aufstellung  einer  Systematik,  welche 
abweichen  mußte  von  den  bisherigen  gleichartigen  Versuchen,  da 
der  Weg,  der  eingeschlagen  wurde,  ein  bislang  unbegangener  war. 
Die  so  gefundene,  rein  deskriptive  Systematik  leitete  hinüber  zu 


104 


K.  Schneider, 


der  genetischen  Einteilung  und  ergab,  daß  beide  sicli  decken.  Da- 
mit aber  ist  eine  der  höchsten  Forderungen,  welche  die  Wissen- 
schaft an  eine  Disziplin  stellt,  erfüllt.  Sollte  die  Systematik  klar 
und  deutlich  werden,  mußte  auch  die  Nomenklatur  der  einzelnen 
Gruppen  und  Spezialformen  fest  und  bestimmt  sein. 

Diese  Systematik  und  Nomenklatur  ist  der  zweite  mehr  all- 
gemeine Vorwurf,  der  gegen  mein  Werk  erhoben  wurde.  All- 
gemein ist  die  Anerkennung,  daß  ich  von  den  modernen  Bestre- 
bungen, lokale  Bezeichnungen  als  termini  technici  einzuführen,  Ab- 
stand genommen  habe.  Zugestimmt  wurde  mir,  daß  ich  die  völlig 
irrigen  Bezeichnungen  „ homogen“  und  „Stratovulkan“  einer  Kritik 
unterzogen  habe  und  dafür  richtigere  Worte  (rheumatitische, 
rheuklastische  und  klasmatische  Vulkane)  prägte.  Nicht  nur  darin, 
daß  diese  Namen  „im  Sprachgebrauch  vielfach  bequemer  zu  hand- 
haben sein  dürften  als  die  bisherigen“,  sondern  darin,  daß  sie  die 
Natur  der  jeweiligen  Feuerberge  kurz  und  scharf  bezeichnen,  liegt 
meiner  Meinung  nach  der  Fortschritt.  Nichts  ist  in.  E.  unwissen- 
schaftlicher, als  von  „Aschen“ vulkanen  zu  sprechen.  Die  deutsche 
Sprache  bezeichnet  unter  „Asche“  etwas  ganz  Bestimmtes,  den  Rück- 
stand nach  einem  Verbrennungsprozeß.  Seitdem  die  Anschauung 
abgelehnt  ist,  daß  brennende  Kohlen-  und  Schwefellager  die  Ur- 
sache vulkanischer  Paroxysmen  sind , seitdem  ist  auch  die  Be- 
zeichnung „Asche“  für  den  feinen  und  feinsten  Auswurf  von  Vul- 
kanen falsch. 

Für  „Aschen“,  Lapilli,  Rapilli,  Bomben  habe  ich  eben  Klas- 
matika  eingeführt.  Gewiß  kann  man  das  halbdeutsche  Wort  Locker- 
material, Lockerprodukt  als  Sammelnamen  gebrauchen.  S.  Passarge 
hat  erst  vor  kurzem  wieder  deutsche  Termini  für  die  deutsche 
Wissenschaft  verlangt1.  Im  nationalen  Kampfe  aufgewachsen,  stehe 
ich  gewiß  auf  der  völkischen  Seite.  Aber  unsere  Sprache  hat 
einmal  keine  kurze  Bezeichnung  für  ein  Gebilde,  das  wie  der 
Vesuv  aus  ehemals  flüssigen  u u d lockeren  Massen  aufgebaut  ist, 
wie  es  die  Wissenschaft  braucht.  Das,  was  in  dem  Begriff  rheu- 
klastisch  gesagt  ist,  kann  mir  kein  deutsches  Wort  so  kurz  und 
scharf  wiedergeben.  Spreche  ich  aber  von  rheuklastischen  Ge- 
bilden , so  muß  ich , logisch  konsequent  vorgehend , die  beiden 
Grundtypen  auch  in  gleicher  Form  mit  einem  Kunstausdruck  be- 
zeichnen und  von  rheumatitischer  und  klasmatischer  Förderung 
reden. 

Ist  das  Wesen  des  Vulkanismus  in  den  Massen,  die  gefördert 
werden,  und  damit  in  den  so  geschaffenen  Gebilden,  so  kann  ich 
nur  tiefer  eiudringen,  wenn  ich  diese  in  eine  Systematik  zu  bringen 
versuche,  sofern  die  Natur  eine  solche  gestattet.  Auch  diese 
so  gewonnenen  Typen  verlangen  eine  feste  Nomenklatur.  Ich 

1 S.  Passarge,  Physiolog.  Morphologie.  Hamburg  1912.  p.  19  (151). 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


105 


habe  mich  wieder  für  Kunstausdrücke  entschieden.  Sie  sind  es, 
welche  wohl  die  meiste  Ablehnung  erfahren  haben.  „Sie  werden 
nicht  den  Beifall  der  Philologen  finden.“  Bei  aller  Hochachtung 
vor  der  Philologie  lassen  mich  die  Philologen  kühl,  wenn  ich  nur 
mit  den  geschaffenen  Terminis  das  Kichtige  getroffen  habe.  Die 
Paläontologie , Medizin  u.  v.  a.  Wissenschaften  werden  mit  ihren 
Kunstausdrücken  nicht  immer  den  Beifall  der  Sprachforscher  ge- 
funden haben  und  doch  haben  ihre  Bezeichnungen  der  jeweiligen 
Disziplin  nach  vorn  geholfen  und  ihr  in  den  meisten  Fällen  eine 
Exaktheit  geschaffen,  um  die  wir  sie  beneiden  können. 

Ich  hebe  aus  meiner  Terminologie  die  Aspite  oder  A spule 
hervor.  Der  deutsche  Name  ist  Schildvulkan.  Hat  sich  nicht  in 
der  letzten  Zeit  das  Bestreben  geltend  gemacht,  dafür  das  isländische 
Wort  Dyngja  einzuführen  mit  der  Begründung,  die  isländischen 
Schildvulkane  sehen  doch  anders  aus  als  das,  was  ein  umgestürzter 
Schild  vorstellt?  Enthalten  nicht  die  „Aspiden“  eine  Keihe  von 
Variationen  des  Begriffes  „Schild“  ? Der  Bau  einer  „Konide“  ist 
anders,  als  das,  was  wir  uns  unter  einem  Kegel  vorstellen.  Die 
Flanke  eines  Kegels  ist  geradlinig,  die  einer  Konide  aber 
entspricht,  wie  ich  gezeigt  habe  (p.  56),  einer  Konkavlinie,  und 
zwar  von  allem  Anfang  an,  nicht  erst  durch  äußere  Agenzien  ge- 
worden. Ein  „Dom“  ist  etwas  anderes  im  Deutschen,  als  was 
wir  unter  Domvulkan  falscherweise  bezeichnen.  Um  die  konvexe 
Seite  der  Flankenböschung  auszudrücken,  müßten  wir  richtiger 
von  „Kuppelbergen“  sprechen.  Die  Tholoide  (^föAoc?,  die  Kuppel) 
ist  kürzer  als  das  zusammengesetzte  Wort  Kuppenberg,  Kuppel- 
berg. Ein  „Nadelberg“  ist  für  die  deutsche  Sprache  und  unsere 
nächste  Vorstellung  doch  so  weit  verschieden , daß  wir  den  ter- 
minus  Belonite  eher  annehmen  werden.  Das  französische  cöne 
= Kegel , Zapfen , Zuckerhutform  kann  aus  praktischen  Gründen 
der  Konide  wegen  nicht  gewählt  werden. 

Die  Homate,  der  Ringwallberg , und  das  Maar  erklären  sich 
aus  dem  Gesagten,  es  bleibt  nur  die  Pedionite  = die  vulkanische 
Ebene.  Der  landläufige  Ausdruck  ist  Deckenergüsse.  Mit  Ver- 
laub! Ist  ein  stromartiger  Erguß  nicht  auch  bereits  eine  Decke? 
Selbst  Klasmatika  lassen  weite  Decken  entstehen.  Der  Terminus 
soll  nichts  anderes  besagen  und  besagt  zunächst  auch  nichts  weiteres, 
als  daß  Länge  und  Breite  in  einem  nahezu  gleichen  Verhält- 
nisse großer  und  größter  Dimensionen  zu  verstehen  sind. 

Unvollständigkeit  wird  meinem  orographischen  System  vor- 
gehalten, indem  eruptive  Rückengebirge,  Explosionsgräben  und 
Vulkanspalten  keinen  Platz  gefunden  haben.  Mit  nichten ! Eine 
jede  Systematik,  welcher  Art  immer  sie  ist,  muß  versuchen,  die 
Grundformen  aufzudecken.  Noch  ist  kein  rezentes  eruptives 
Rückengebirge  vor  unseren  Augen  mit  einem  Male  entstanden.  Daß 
es  antike  Gebirge  dieser  Art  gibt,  ist  nicht  zu  leugnen,  aber  diese 


106 


K.  Schneider. 


sind  noch  nicht  als  Ein  heitsgebilde  erkannt  worden,  sondern 
zusammengesetzter  Natur,  vielleicht  über  „Spalten“  — jenes 
unglückselige  Wort  in  der  vulkanologischen  Terminologie  — auf- 
geführt. Ich  nehme  das  bekannte  Beispiel  die  Lakispalte  in 
Island,  und  lege  Sapper’s  Karte  im  Maßstab  1 : 12500  (N.  Jahrb. 
f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXVI)  vor.  Aus  dieser  ist  nur  eines  ohne 
Tüftelei  und  Sophismus  sicher  zu  erkennen,  daß  entlang  des 
„Spaltenergusses“  eine  Unzahl  von  kleinen  und  größeren  Homaten  zu 
stehen  kommt.  ..Es  sind  topographische  Signale“,  daß  wohl  nur 
an  diesen  Stellen  Laven  ergossen  wurden,  die  in  reichlicher  Menge 
vorhanden,  Zusammenflüssen  und  hier  zur  Einheit  verschweißten. 
Die  „Spalte"  selbst  aber  wird  als  tektonischer  Genese  angesprochen, 
wobei  es  offen  bleibt,  ob  sie  vor,  gleichzeitig  oder  nach  dem 
Paroxysmus  von  1783  entstanden  ist.  Würden  die  einzelnen  Erguß- 
stellen reichliches  Lockermaterial  ergeben  haben,  so  daß  Koniden 
entstanden  wären,  so  wären  diese  mit  ihren  unteren  Teilen  zu- 
sammengewachseu,  aus  den  einzelnen  Eruptionsgebilden,  den  Koniden, 
wäre  ein  klasmatisches  Rückengebirge  entstanden.  Es  ist  somit 
ein  vulkanisches  Rückengebirge,  wie  z.  B.  der  Myvatner  Bergzug, 
keine  Grundform,  sondern  ein  zusammengesetztes  Gebilde,  wie  ich 
ähnliche  Beispiele  auf  p.  72  angeführt  habe. 

Nur  die  Explosionsgräben  bleiben  somit  noch  übrig.  Ich  lasse 
diese  Frage  einstweilen  offen , ob  sie  nicht  in  die  Gruppe  der 
Maare  oder  zwischen  diese  und  die  Homaten  zu  stehen  kommen. 
Da  sie  negative  Formen  sind,  gehören  sie  jedenfalls  nahe  zu  den 
Maaren  und  kommen  für  die  positiven  Vulkanformen  nicht  in  Betracht. 

Vielleicht  ist  es  nicht  ohne  Interesse,  daß  Herr  S.  Passarge 
in  seinem  oben  genannten  Werke  (p.  197),  das  von  gleichen  Grund- 
lagen bezüglich  der  Auffassung  der  Morphologie  getragen  ist,  wie 
ich  es  für  die  Vulkanologie  ausgesprochen  habe,  zu  einer  ähnlichen 
Systematik  kam  wie  ich.  Ich  stelle  beide  einander  gegenüber. 


Passabge  1 

Familie  1 . Intrusionen 

„ 2.  Eruptionsformen. 

Gattung  a : 

Explosive  Aufschüttungen. 
Spezialformen : 

Tuffröhren  ( 1 ) Tuffdecken  (2) 
Maare  (3)  Stratovulkane  (4). 
fehlt 


Gattung  h 
Effusive 


Aufschüttungen. 


Schneider  1 
fehlt 

Eruptionsformen. 

Gattung  a: 

Klasmatische  Vulkane. 
Unterabteilung: 

Maare  (1,  3),  Homate. 

Gattung  b : 

Rheuklastische  Vulkane . 
Konide  (4). 

Gattung  c: 

Rheumatitische  Vulkane. 


fassung. 


Die  in  Klammern  gesetzten  Zahlen  entsprechen  der  gleichen  Auf- 


Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


107 


Passarge 
Spezialformen  : 

Domvulkane  (5),  Schildvul- 
kaue  (6),  Decken  (7). 
Polydynamiscli : 

Gemischtejitrato  vulkane,  Cal- 
dera Vulkane,  Hufeisen  Vul- 
kane, Vulkanstümpfe. 


Schneider 
Unterabteilung : 

Belonite,  Tholoide  (5),  Aspide 
(6),  Pedionite  (7). 
Zusammengesetzte  Formen : 
Aspikonide,  Aspihomate,  Ho- 
makonide  u.  a. 


Es  liegt  mir  fern,  in  diesem  Zusammenhang  gegen  die  Pas- 
SARGE’sche  Einteilung  in  irgendeiner  Weise  zu  polemisieren.  Nur 
das  will  ich  feststellen , daß  er  zu  einer  nahezu  gleichen  Syste- 
matik geführt  wurde  wie  ich , da  er  von  gleichen  Erwägungen 
ausgegangen  ist.  Daß  diese  natürlichen  orographischen  Systeme 
weitaus  richtiger  sind  als  die  bislang  benützten,  ist  wohl  ohne 
weiteres  einzusehen. 

Warum  ich  mich  für  die  Einzelformen  neue  Kunstausdrücke 
zu  geben  entschlossen  habe,  wurde  oben  ausgeführt.  Über  ihre 
Verwendbarkeit  und  Brauchbarkeit  hat  sich  J.  Milne  geäußert, 
indem  er  von  ihnen  sagte,  sie  gleichen  einem  sancepan  in  which 
yon  can  cook  potatoes  without  water. 

Es  sei  mir  nunmehr  gestattet,  gegen  Einzelheiten  Stellung 
zu  nehmen.  Jeder  mit  der  Materie  nur  halbweg  Vertraute  weiß 
die  Schwierigkeiten  der  Literaturbeschaffung  und  -einsiclit  zu  wür- 
digen und  danach  ein  Werk,  das  auf  so  vielen  neuen  Wegen  geht, 
zu  beurteilen.  Auf  p.  106  schließe  ich  nur,  wie  ganz  deutlich 
zu  ersehen  ist,  daß  auf  Hawaii  auch  klasmatische  Ausbrüche  statt- 
haben, nicht  nur  rheumatitische , wie  allgemein  immer  wieder 
wiederholt  wird.  Was  ich  bezüglich  der  Koniden  (p.  61)  anführe 
und  Herrn  Prof.  Sapper  unverständlich  erscheint,  ist  durch  Herrn 
J.  Friedländer’s  Ausführungen  (1.  c.  p.  30b)  so  erklärt,  wie  ich  es 
auffasse.  Daß  Herr  Prof.  Sapper  nunmehr  die  Entwicklung  des 
Vulkanismus  in  drei  Phasen  anerkennt,  wenn  „sie  auch  noch  weiter 
nachgeprüft  werden  müsse,  und  wenngleich  zuzugeben  ist,  daß  sie 
in  gewissen  Gebieten  tatsächlich  zu  beobachten  ist“,  ist  von  Be- 
deutung, da  sich  meine  Phasenlehre  auch  anderweitig  durchgesetzt 
hat.  Auf  p.  84  habe  ich  tatsächlich  nur  135  Mill.  allerdings  m3 
statt  Fuß  angegeben , was  aber  immer  noch  einer  Menge  von 
4.32  Mill.  m3  entspricht.  Das  Beispiel  des  Masaya  zeugt  nicht 
gegen  mich,  da  man  es  hier  doch  nicht  mit  einem  Maar  in  meinem 
■Sinne  zu  tun  hat.  Für  die  50  km3  ist  meine  Quelle  Ursache,  aber 
selbst  5 km3  genügen  mir  und  sprechen  für  mich. 

Die  von  mir  gegebene  Deutung  des  Vesuvausbruches  vom 
Jahre  79  ist  eben  Anschauungssache.  Gegen  mich  spricht  jeden- 
falls nichts.  Ich  werde  nicht  verfehlen,  in  einem  anderen  Zusammen- 
hänge nochmals  das  gleiche  Problem  zu  behandeln.  An  dieser 


108  K.  Schneider,  Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde. 


Stelle  soll  dann  auch  die  Grundlage  der  Auswurfsinassenberechnung 
gegeben  werden. 

Was  meinen  Vorschlag  eines  seismischen  Dienstes  an  Vul- 
kanen aubelangt  (p.  2 :-J 7 ) , so  können  die  negativen  makroseismischen 
Beobachtungen  bei  einzelnen  Ausbrüchen  heute  noch  nicht  dagegen 
sprechen.  Wir  wissen  eben  nicht,  ob  nicht  den  von  Herrn  Prof. 
Sapper  gegebenen  Beispielen  doch  auch  Bodeubewegungen  voran- 
gingen. Es  sei  nur  an  jene  Bewegungen  der  Erdkruste  erinnert, 
welche  v.  Rebeur-Paschwltz  in  der  Zeit  vom  4.  April  1892 
bis  10.  März  1804  beobachten  konnte1,  von  denen  man  nie 
etwas  auch  nur  ahnen  hätte  können.  Die  Sache  würde  ja  erst 
spruchreif  werden,  wenn  mechanische  Registrierungen  an  verschie- 
denen Feuerbergen  vorliegen  würden.  Der  Vorwurf  des  Herrn 
J.  Friedländer  (1.  c.  p.  30o)  bezüglich  des  Matavanu  trifft  nicht 
mich , sondeni  meine  gerade  an  dieser  Stelle  wörtlich  gegebene 
Quelle,  und  wenn  ich  Suess  d.  A.  bezüglich  des  juvenilen  Wassers 
in  der  allgemeinen  Einleitung  Recht  zu  geben  scheine  im  Gegen- 
satz zu  späteren  Ausführungen,  so  dürfte  mein  Standpunkt  in  den 
mit  nächstem  erscheinenden  , Beiträgen  zur  Theorie  der  heißen 
Quellen“  2 3 nunmehr  präzisiert  werden.  Von  den  Aspiden  behaupte 
ich  nur,  daß  sie  in  der  Gegenwart  als  „tätige“  Berge  selten  sind 
und  bei  ihnen  Klasmatika  in  den  Hintergrund  treten  bezw.  fehlen 
(p.  50,  07).  Was  Herr  Friedländer  (p.  303)  bezüglich  der 
Hawaii- Vulkane  ansführt,  deckt  sich  mit  meinen  Ausführungen 
vollständig  und  ist  nur  ein  Beleg  für  meine  Phasenlehre.  Was 
er  gegen  meine  Deutung  vom  Jahre  79  sagt,  will  ich,  wie  an- 
gedeutet, in  anderem  Zusammenhang  nochmals  bringen.  Wenn  er 
aber  meine  Quelle  bezüglich  des  Ätnaansbruches  vom  Jahre  1910/11 
und  damit  mich  zurückweist , so  kann  ich  nunmehr  die  Berichte 
von  A.  Ricco  und  G.  Ponte  anführen  *,  die  mir  nicht  zuwider- 
laufen. 

Der  humoristisch  gehaltene  Einwurf  gegen  meine  Ausführungen 
bezüglich  der  Abnahme  des  Vulkanismus  seit  dem  Diluvium — Al- 
luvium kann  mit  Gleichem  bezahlt  werden.  Der  Vergleich  hinkt, 
die  Sache  liegt  anders.  Nehmen  wir  den  Beginn  des  19.  Jahr- 
hunderts. Damals  gab  es  in  Europa  weitaus  mehr  selbständige 
Könige,  Fürsten  und  souveräne  Herren  als  zu  Beginn  des  20.  Jahr- 
hunderts. Eine  „Abnahme  des  Phänomens“  ist  also  doch  wohl  auch 
hier  festzustellen.  Nicht  der  Zeitabschnitt,  sondern  der  Zeitpunkt, 
von  dem  aus  gerechnet  wird,  ist  der  ausschlaggebende.  AA'as  bezüg- 
lich der  neuseeländischen  Vulkane  gesagt  wird,  ist  nicht  richtig. 

1 Beiträge  zur  Geophysik.  2.  p.  480. 

2 Geol.  Rundschau. 

3 Ricco,  A,  Eruzione  Etnea  del  1911.  Modena  1911.  — Ponte,  G. 
Sulla  cenere  vulcanica  dell’  eruzione  Etnea  del  1911.  Rend.  r.  acc.  Lincei 
1912.  2u9  ff. 


T.  Kormos,  Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  etc.  109 


tlie  61  erloschenen  Vulkane  linden  sich  nach  v.  Hochstetter  um 
den  Ort  Auckland,  die  im  Katalog  genannten  5 Feuerbei-ge  aber 
im  I)ep.  Wellington  und  Dep.  Auckland.  Die  von  mir  aufgestellten 
Gesetze  über  die  Verbreitung  der  Vulkane  lassen  sich  z.  T.  ge- 
wiß zusammenfassend-kürzer  geben,  lösen  aber  sofort  auf  anderer 
Seite  eine  Reihe  vou  Einwürfen  aus,  wie  ich  schon  erfahren  habe. 
Was  ich  im  9.  Gesetz  niederschrieb  und  Herrn  Friedländer  eine 
selbstverständliche  Tatsache  ist,  nunmehr  auch  in  Kayser’s  Lehr- 
buch, Bd.  1.  p.  652  (Ausg.  1912)  Aufnahme  gefunden  hat,  hat 
mir  bei  der  ersten  Veröffentlichung  in  meinem  Buche  „Zur  Ge- 
schichte und  Theorie  des  Vulkanismus“  öffentlich  die  Kritik  der 
^zu  geringen  Fundierung  von  Behauptungen“  privat  — Verbal- 
injurien eingetragen.  Den  gelinden  Spott  wegen  der  scheinbaren 
Inkonsequenz  von  10  (!)  Vulkanzonen  und  1 5 (!)  Vulkanbogen  muß 
ich  ablehneu,  da  genauere  Lektüre  doch  das  Zusammenfallen  der 
beiden  Dinge  aufdeckt. 

Und  nun  noch  ein  Wort  bezüglich  des  Vulkankataloges.  Ein 
Katalog  in  der  von  mir  gegebenen  Weise  hat  bislang  nicht  be- 
standen, wenn  auch  eine  Reihe  von  Vorarbeiten  zu  Hilfe  war.  Ich 
war  mir  daher  nicht  im  geringsten  im  Zweifel . daß  er  Lücken 
anfweisen  wird.  Manche  sind  durch  äußere  Umstände  hervorgerufen 
worden,  dem  Zettelkataloge  leicht  unterworfen  sind.  Daher  er- 
klären sich  die  berechtigten  Einvviirfe  des  Herrn  Prof.  Sappek 
(1.  c.  p.  6),  zumal  gerade  diese  Feuerberge  im  Text  mit  Ausbruchs- 
zeiten genannt  sind,  im  Katalog  aber  leider  fehlen.  Wie  vielfach 
die  mangelnden  Quellen  für  die  Richtigkeit  ausschlaggebend  sind, 
zeigt  Herr  Fkiedländer,  der  seine  eigenen  Quellen,  die  ich  be- 
nützte, nunmehr  in  der  Besprechung  meines  Buches  richtigstellt. 
Ich  würde  gewiß  jegliche  Richtigstellung  im  Interesse  der  Sache 
nur  begrüßen,  um  sie  später  bei  einer  eventuellen  Neubearbeitung 
des  Werkes  verwerten  zu  können. 

Da  es  nicht  angeht,  auf  jeden  einzelnen  kleiuen  Vorwurf  zu 
antworten,  habe  ich  nur  gegen  allgemeinere  An  würfe  Stellung  ge- 
nommen. Ich  hoffe,  daß  bei  einer  eventuellen  weiteren  öffentlichen 
Besprechung  der  sachliche  Ton  in  gleicher  Weise  gewahrt  wird  wie 
bisher,  wofür  ich  den  Herren  Referenten  besonders  verbunden  bin. 

Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  in  der  Umgebung 
von  Tata  (Ungarn). 

Von  Dr.  T.  Kormos  in  Budapest. 

Gelegentlich  meiner  Ausgrabungen  bei  Tata  (Komitat  Komärom) 
im  Jahre  1910  1 unterließ  ich  nicht,  auch  die  anderen,  in  der  Uiu- 

1 Th.  Kormos:  Die  paläolithische  Ansiedelung  bei  Tata.  Jahrb.  d. 
k.  nng.  Geologischen  Reiehsanst.  20.  H.  1.  1912. 


110 


T.  Kormos,  Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen 


gebung  beiindlichen  Siißwasserkalk-Ablagerungen  des  näheren  zu 
besichtigen,  deren  einige  sich  als  sehr  interessant  erwiesen.  In 
dem  nächstfolgenden  will  ich  über  die  wichtigsten  diesbezüglichen 
Funde  kurz  berichten. 

Der  eine  Fundort  befindet  sich  nördlich  von  Tata,  in  der  Ge- 
markung der  Ortschaft  Szomöd,  östlich  von  der  Bahnkreuzung  und 
nächst  des  Eisenbahnwächterhauses  No.  61.  Hier  sieht  man  einen 
größeren  Kalktuffkomplex  von  ovaler  Form,  welcher  an  mehreren 
Punkten  aufgeschlossen  wurde.  Einer  dieser  Aufschlüsse  zeigt  das 
folgende  Profil : 

1.  unten  poröser  Kalktuff  (bis  1 — 1,5  m aufgeschlossen),  mit 
tonigen,  schlammigen  Adern  und  darin  vielen  Schuecken ; 

2.  darüber  15  cm  fluviatiler  Schotter;  dann 

3.  eine  dünne  Sandschicht  (5  cm);  über  dieser 

4.  noch  eine  Schotterschicht  (15  cm);  dann 

5.  1,2  m Sand  und  zu  oberst 

(1.  eine  50  cm  mächtige  Humusdecke. 

ln  den  schlammigen  Zwischenlagerungen  des  Kalktuffs  sind 
Mollusken  in  großer  Anzahl  zu  sammeln;  Thermalschnecken  sind 
darunter  besonders  häufig.  Die  hier  gesammelten  Arten  sind: 
Helix  (Striatella)  striata  Müll.  Planorbis  ( Propidiscus)  margi- 


natus  Müll. 

— ( Armiger)  nautilem  L. 

Bithynia  tentaculala  L. 
Carychium  minimum  Müll. 


— ( Vallonia ) ptdchella  Müll. 

Pupa  ( Torquilla ) frwnentum  Drap. 

— (Vertigo)  antivertigo  Drap. 

— ( — ) pygmaea  Drap. 

Succinea  (Amphibina)  Pfeiffer i Belgrandia  (t)  tataensis  Korm. 

Rossm.  Microcolpia  acicularis  Fer. 

— -'4  (Lucena)  oblonga  Drap.  Melanella  Holandri  Fer.  (var.) 

Limnaea  ( Gulnaria)  peregra  Müll.  Neritina  Prevostiana  C.  Pfr. 
Pisidium  sp.  (juv.) 

Das  Vorhandensein  der  eigentümlichen  Belgrandia  (?)  tataensis 
( 1.  c.),  ferner  die  hier  vorherrschenden  Gattungen  Microcolpia.  Melanella 
und  Neritina  zeigen  uns  deutlich,  daß  diese  Fauna  mit  jener  von 
Tata  ident  und  gleichalt  ist. 

Interessant  und  erwähnenswert  ist  ein  hier  gefundenes,  aus 
bräunlichgrauem  Feuerstein  verfertigtes  Steinwerkzeug  von  schaber- 
ähnlichem Habitus,  welches  an  der  einen  Seite  helle  Patina  und 
abgerollte  Spuren  einer  unvollkommenen  paläolithischen  Bearbei- 


Der  zweite  an  dieser  Stelle  zu  besprechende  Fundort  ist  von 
Tata  siidostwärts,  in  der  Gemarkung  Vertes-Szüllös  gelegen.  Hier 
konnte  ich  in  dem  — nächst  der  Landstraße  gelegenen  — Gräfl. 
Esterhäzy’schen  Kalktuff brucli  ein  sehr  interessantes  Profil  be- 
obachten. Zu  unterst  im  Aufschluß  befindet  sich  ein  zerfallendes, 
verwittertes  Konglomerat,  welches  viele  Dreikanter  enthält.  Dieses 
Konglomerat,  welches  überwiegend  aus  Quarzkiesel  besteht,  ist  mit 


in  der  Umgebung  von  Tata  (Ungarn). 


111 


jener  Schotterdecke,  welche  sicli  weiter  südlich  hei  Bänhida  erstreckt 
und  Tausende  von  Dreikantern  führt,  zweifelsohne  in  Zusammen- 
hang. Ich  denke  wohl  nicht  irre  zu  gehen,  wenn  ich  behaupte, 
daß  das  Alter  dieser  Schotterdecke  in  das  Ende  der  Pliocän-Periode 
zu  stellen  ist.  Die  scharfkantigen  Gerolle  verdanken  ihren  Ur- 
sprung gewiß  jenen  Wüstenerscheinungen,  welche  zu  dieser  Zeit 
durch  die  klimatischen  Verhältnisse  hervorgerufen  wurden. 

Oberhalb  des  erwähnten  Konglomerats  befindet  sich  eine  80  cm 
mächtige  Sandschicht,  deren  Körner  stark  abgerundet  und  glänzend 
sind,  darüber  folgt  eine  Sandsteinbank  (60  cm)  und  schließlich 
4 — 5 m harter  Quellenkalk  mit  sandigen,  scliotterigen  Zwischen- 
lagerungen. Die  Kalkschichten  sind  endlich  mit  2 — 3 m Schutt 
und  Humus  bedeckt. 

Im  Kalkstein  befinden  sicli  stellenweise  einzelne. Gehäuse  von 
Süßwassermollusken  (Linmaea  ovata,  L.  palustris)]  auch  wurden 
hier,  laut  Angaben  der  hier  Arbeitenden,  des  öfteren  Knochenreste 
großer  Säugetiere  gefundeu.  Herr  Professor  Dr.  A.  Koch  sammelte 
aus  diesem  Kalkstein  im  Jahr  1868  nebst  einigen  nicht  viel  sagenden 
Arten  (Helix  fruticum,  Pupa  frumentum,  Linmaea  peregra)  auch 
zwei  Exemplare  der  Cyclostoma  (Ericia)  elegans  Müll.,  welche  sich 
in  der  Sammlung  der  K.  ung.  Geologischen  Reichsanstalt  befinden. 
Ich  selbst  konnte  hier  aus  einer  zwischengelagerten  sandigen  Kalk- 
schlammader folgende  Arten  sammeln : 

Helix  ( Stiiatella ) striata  Müll.  Succinea  ( Lucena)  ohlonga  Drap. 
Cochlicopa  (Zua)  lubrica  Müll.  Limnaca  (Linmopliysa)  palustris 
Pupa  (Torquilla)  frumentum  Drap.  Müll,  (in  3 Varietäten) 

I Ultimi  aus  (Chondrula)  tridens 
Müll. 

Succinea  ( A mphibina)  elegans  Risso. 

An  der  oberhalb  des  herrschaftlichen  Kalksteinbruches  gelegenen 
Hügellehne  ist  der  Süßwasserkalk  und  der  Kalktutf  an  einer  großen 
Fläche  aufgeschlossen.  Hier  befindet  sicli  der  Gemeindesteinbruch, 
an  dessen  nordwestlicher  Seite  klar  ersichtlich  ist,  daß  dem  Kalk- 
tuff grauer  Sand  unterlagert,  welcher  mit  den  obenerwähnten  Drei- 
kantern gewiß  in  genetischem  Zusammenhang  steht  und  die  Spuren 
einer  Wüstendeflation  zeigt.  An  dieser  Stelle  ist  eine  trichter- 
förmige Spalte  im  Kalktutf  mit  schotterführendem,  braunem  Sand 
erfüllt,  welcher  zahlreiche  Vertebratenreste  enthält.  Hier  konnte 
ich  folgende  Säugetiere  feststellen  : 

Ursus  sp.  juv.  (Tibia), 

Meies  taxus  Bold.  (Humerus,  mc,  Cinf. ), 

Canis  lupus  L.  (mt4  sin), 

Felis  catus  L.  (mt-Bruchstück), 

Felis  (leo  L.?)  (Radius-Bruchstück), 

Myoxus  glis  L.  (Unterkiefer,  Humerus), 

Lcpus  europaeus  Pall.  (Zähne,  ein  Calcaneus), 


— ( Gidnaria ) peregra  Müll. 

Bithynia  tentaculafa  L. 
Microcalpia  acicularis  Fer. 


112 


H.  Fischer, 


Oervus  elaphus  L.  (phal.2,  phal.3), 

Capra  (sp.?)  (Calcaneus,  phal.2,  plial.3, 

Bison  priscus  Boj.  (Unterkiefer-Bruchstück  mit  zwei  Zähnen, 
ein  pm,  ein  Humerns-Bruclistück), 

Sus  scrofa  L.  (phal.2,  ein  Scapula  und  ein  Radius-Bruchstück, 
ein  Schneidezahn-Bruchstück), 

Bhinoceros  ( antiquitatis  Blumb.  ?)  (ein  Milchzahn,  mehrere  Zahn- 
bruchstücke). 

Außerdem  Schlangenwirbel  und  Rippen,  sowie  Froschknochen. 

Diese  Spaltenausfüllung  scheint  allenfalls  jünger  zu  sein  als 
der  Kalktuff  selbst,  gehört  jedoch  gewiß  noch  zum  Pleistozän, 
wie  das  durch  das  Vorhandensein  von  Rhinocerosresten  bewiesen 
ist.  Der  Dachs  und  der  Siebenschläfer,  sowie  die  Wildkatze  waren 
bisher  in  der  pleistozänen  Fauna  der  Umgebung  von  Tata  nocli 
nicht  bekannt. 

An  anderen  Stellen  des  erwähnten  Gemeindesteinbruchs  wechsel- 
lagert der  Kalktuff  mit  schlammigen,  sandigen  Adeirn.  Hier  und 
dort  sind  allenfalls  weitere  Knochenspuren  vorhanden,  doch  ist 
das  — indem  es  sich  bloß  um  unbestimmbare  Knochensplitter 
handelt  • — - nicht  von  Belang.  Auch  Schnecken  sind  nicht  beson- 
ders häufig,  obwohl  es  mir  gelang,  in  einer  schotterigen  Zwischen- 
lagerung  recht  viele  Exemplare  der  Microcolpia  acicularis,  Neritina 
Prevostiana  und  einige  des  Pisidium  amnicutn  zu  sammeln.  An 
einem  anderen  Punkt  erbeutete  ich  aus  einer  schlammigen  Zwischen- 
schicht eine  Anzahl  Limnaea  ovata,  etliche  kleine  Planorbis  und 
mehrere  Exemplare  einer  kleinen  Pisidium  Art. 


Bin  mariner  (?)  Oolith  aus  Zentralafrika. 

Von  Herrn.  Fischer  in  München. 

Herr  Professor  Stromer  von  Reichexbach  erhielt  vor  einiger 
Zeit  durch  Herrn  Kapitän  Michel  aus  München  zwei  Handstücke 
eines  oolithischen  Kalkes,  welche  bei  Manwengo  am  Itimbiri,  einem 
nördlichen  Nebenfluß  des  Kongo  (zirka  3°  nördl.  Breite  und  24  u 
östl.  Länge),  gelegentlich  dortselbst  im  Flußbett  vorgenommener 
Sprengungen  gesammelt  worden  waren.  Leider  wurden  in  dem 
Gestein  trotz  eifrigen  Suchens  keine  Fossilien  gefunden  Trotzdem 
bin  ich  bei  näherer  Untersuchung  zu  dem  Schluß  gekommen,  daß 
das  fragliche  Gestein  als  mariner  Oolith  anzusprechen  ist.  Diese 
Feststellung  würde  insofern  größere  Tragweite  gewinnen,  als  damit 
wieder  ein  neuer  Fundort  marinen  Gesteins  aus  dem  zentralen 
Afrika  festgestellt  wäre,  ein  Beweis  für  eine  ehemalige  Meeres- 
bedeckung Afrikas,  wie  sie  bisher  kaum  angenommen  wurde. 

Bereits  durch  L.  Lacoin  (Observations  sur  la  Geologie  du 
Pays  de  l’Oubangui  au  Tschad.  — Bull.  Soc.  geol.  de  France. 


Ein  mariner  (?)  Oolith  aus  Zentralafrika. 


113 


Paris  1903.  Serie  4.  t 3.  p.  484—496)  sind  Kalkvorkommen  am 
Ubangi  bekannt  geworden.  Zwei  Vorkommen  aus  der  Umgebung 
von  Mondjimbo  werden  von  dem  genannten  Autor  als  Siißwasser- 
kalke  angesehen.  Ein  jweiteres  Kalkvorkommen  bei  Fort  de  Possei 
(calcaire  jaunätre,  marmoreen,  ä demi-translucide,  qu’interromprent 
des  surfaces  micacees)  wird  mit  einem  gleichaussehenden  Kalk  aus 
der  Umgegend  von  Kisantu  an  der  Kongobahn  1 identifiziert  und  als 
devonisch  angesehen.  Fossilien  hat  aber  auch  Lacioin  in  keinem 
seiner  Kalke  gefunden. 

Das  mir  vorliegende  Material,  für  dessen  Überlassung  ich  Herrn 
Professor  Stromer  von  REtCHENBACH  an  dieser  Stelle  bestens  danken 
möchte,  gehört  zweifellos  ein  und  derselben  Schichtgruppe  an,  ob- 
wohl die  beiden  Handstücke  makroskopisch  ziemlich  verschieden 
sind.  Die  eine  Varietät  (A)  ist  ein  hochkristalliner  typisch  oolithischer 
Kalk,  die  andere  (B)  zeigt  ihre  oolithischen  Eigenschaften  erst  bei 
der  Betrachtung  mit  einer  Lupe,  außerdem  ist  das  vorliegende  Hand- 
stiick  von  Stylolithenzügen  durchsetzt.  Die  nämlichen  Differenzen 
der  Gesteinsausbildung  werden  z.  B.  sehr  häufig  auf  kurzer  Distanz 
in  den  Schaumkalkbänken  des  unteren  Muschelkalks  in  Unterfranken 
gefunden,  dessen  frappierende  Ähnlichkeit  (bei  unterwittertem  Vor- 
kommen!) mit  dem  afrikanischen  Kalk  ich  hier  besonders  erwähnen 
möchte. 

Bei  mikroskopischer  Betrachtung  der  beiden  Oolithvarietäten  er- 
gibt sich  das  makroskopisch  verschiedene  Aussehen  als  Folge  der  Ooid- 
bildung.  A zeigt  vorzüglich  ausgebildete  Ooide  mit  konzentrischer 
und  radialer  Struktur,  die  in  der  typischen  Speichenstruktur  noch 
erhalten  ist.  Doppelooide  treten  nicht  selten  auf.  Interessant  ist 
das  Vorkommen  von  teilweise  wieder  aufgelösten  Ooiden  und  von 
Pseudooiden,  unter  welchen  man  gewöhnlich  Zusammenballungen 
dichteren  Gesteinsmaterials  versteht.  Interpositionen  von  Ton  sind 
meist  auf  die  Ooide  beschränkt,  die  selbst  durch  Calcit  verkittet 
sind.  Recht  häufig  tritt  auch  Cölestin  als  Ausfüllmasse  auf, 
weniger  häufigFlußspat.  Reste  von  Kieselnadeln  (Monactinelliden!) 
sind  neben  einem  gekammerten  undefinierbaren  Fossilrest  die  einzigen 
Anzeichen  einer  Fauna,  die  in  dem  Oolith  noch  festzustellen  wäre. 

Bei  B sind  die  Ooide  kleiner  und  zeigen  selten  mehr  als  einen 
Ring.  Auch  die  Speichenstruktur  ist  undeutlicher.  Als  Ausfüll- 
masse tritt  hier  recht  häufig  ein  bräunlich  bis  bräunlichgrünes 
Silikat  auf,  das  in  seinem  optischen  Verhalten  an  Glaukonit  er- 
innert. Flußspat  und  Cölestin  treten  seltener  auf  wie  bei  A, 
beweisen  aber  gleichwohl  die  Identität  beider  Oolithvarietäten. 
Von  allothigenen  Mineralien  wurden  im  Dünnschliff  Quarz  und 
Feldspat  und  etwas  Muscovit  beobachtet. 

1 Vergl.  J.  Cornet,  La  Geologie  du  bassin  du  Congo.  Bull.  Soc. 
Beige  de  Geologie.  XII.  1898.  p.  26  ff.  p.  47  werden  Kalke  vom  Itimbiri- 
Rubi  erwähnt,  die  ebenfalls  devonisch  sein  sollen. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913 


8 


114 


H.  Fischer,  Ein  mariner  (?)  Oolitli  aus  Zentralafrika. 


Die  weitere  Untersuchung  beschränkt  sich  auf  Gestein  A. 
Seine  chemische  Analyse  ergab  folgendes  Resultat: 

2,22  °l  o Rückstand  beim  Auflösen  in  zehnprozentiger  Salzsäure 
0,385  „ 1 eg  Oj,  -f-  Äl20, 

53,70  B CaO 
1,11  MgO 
0,035  „ P2Os 

42,20  „ Glühverlust  (C02  -f-  hydrat.  Wasser) 

0:47  „ S03 

0,04  „ Hygroskop.  Wasser 

Summe  100,15  °/u- 

Das  Gestein  hat  also  ungefähr  folgende  Bestandteile: 

95  °/u  kohlensauren  Kalk 

2 „ kohlensaure  Magnesia 

0,7  „ schwefelsaure  Erdalkalien 
2,3  „ Silikate,  Quarz,  Cölestin  und  Flußspat. 

Dieser  Rückstand  wurde  geglüht  gewogen.  Die  blaue  Farbe 
des  bereits  mit  der  Lupe  erkannten  Flußspats  war  dabei  zerstört 
wordeu.  Nach  weiterer  Behandlung  mit  konzentrierter  heißer 
Schwefelsäure  und  Abschlämmen  waren  noch  Quarz,  Feldspat, 
Rutil  etc.  verblieben. 

Präparate  von  Schlämmrückständen  nach  Auflösen  des 
Kalkes  in  zehnprozentiger  Salzsäure  ergaben  folgendes  Bild:  Den 
Hauptanteil  des  Schlämmrückstandes  bildet  weiß  bis  rötlich  ge- 
färbter Cölestin  und  ihm  gegenüber  stark  zurücktretend  blau- 
gefärbter Flußspat.  Allothigener  Quarz  und  Feldspat  ist  nicht 
selten,  ebenso  authigener  Feldspat,  dagegen  authigener  Quarz  sein- 
selten.  Es  verdient  wohl  hervorgehoben  zu  werden,  daß  der  bereits 
früher  (Beitrag  zur  Kenntnis  der  unterfränkischen  Triasgesteiue. 
Geognost.  Jahresh.  1908.  p.  9)  von  mir  in  weiter  Verbreitung  für 
unterfränkische  Triasgesteine  festgestellte  authigene  Feldspat  nun 
auch  für  afrikanische  Sedimentgesteine  nachgewiesen  ist.  Die  Neu- 
bildung von  Feldspäten  geht  also  tatsächlich  durchweg  bei  der 
Umkristallisation  von  Kalkgesteinen  in  derselben  gesetzmäßigen 
Weise  vor  sich  wie  die  Bildung  der  Neuquarze.  An  allothigenen 
Mineralien  ündet  sich  noch  nicht  selten  Rutil,  Turmalin  und  Mus- 
covit,  auffallend  selten  Zirkon. 

Als  ein  mineralogischer  Beweis  für  die  marine  Entstehung 
unseres  Ooliths  dürfte  wohl  das  häuüge  Auftreten  des  Cölestins 
angesehen  werden,  welcher  anscheinend  bei  gewisser  Konzentration 
aus  dem  Meerwasser  ausgeschieden  wird,  in  dem  er  an  und  für 
sich  nur  in  geringer  Menge  vorhanden  ist.  Auch  in  dem  Auftreten 
des  Cölestin  hat  der  afrikanische  Oolitli  ein  auffallendes  Analogon 
im  unterfränkischen  Schaumkalk,  so  daß  man  wohl  annehmen  darf, 
daß  beide  Gesteine  unter  ähnlichen  Verhältnissen  entstanden  sind. 


E.  Spengler,  Zur  Systematik  etc. 


115 


Zur  Systematik  der  obercretacischen  Nautiliden. 

Von  Dr.  Erich  Speng  er  in  Graz. 

ln  der  „Revue  critique  de  Paleozoologie“  veröffentlichte 
P.  Lemoine  1 eine  Kritik  meiner  Revision  der  Nautiliden  und  Be- 
lemniten  des  Tricliinopolydistriktes 2 und  erhob  dabei  gegen  mich 
den  Vorwurf,  ich  sei  in  der  Zersplitterung  der  Arten  zu  weit 
gegangen.  Insbesondere  hätte  ich  bei  derjenigen  Formengruppe, 
welche  Blanford  unter  dem  Namen  ,, Nautilus  Boucliarclianus  d’Orb.“ 
vereinigt  hatte,  eine  viel  zu  enge  Artfassung  angewandt.  Darauf 
möchte  ich  folgendes  entgegnen : 

1.  Es  ist  unrichtig,  wenn  P.  Lemoine  behauptet,  ich  hätte 
die  13  Exemplare,  welche  auf  Taf.  III — V in  Blanford’s  Mono- 
graphie3 abgebildet  sind,  auf  6 Arten  verteilt,  in  Wirklichkeit 
habe  ich  hier  nur  5 Arten  unterschieden;  denn  mit  der  Bezeich- 
nung Nautilus  aff.  justus  (cf.  occlusus?)  bei  Fig.  3 auf  Blanford’s 
Tafel  IV  wollte  ich  nur  ausdrücken,  daß  die  Form  in  die  Ver- 
wandtschaft des  N.  justus  Blanf.  gehört  oder  vielleicht  mit  dem 
N-  occlusus  Chice  identisch  ist;  da  Chice  letzteren  zwar  genau 
beschrieben4,  aber  leider  nicht  abgebildet  hat,  konnte  ich  nichts 
Bestimmtes  über  die  Identität  der  indischen  Form  mit  N.  occlusus 
aussagen.  Es  verbleiben  also  die  5 Arten : 

Nautilus  sphaericus  Forb. 

„ sublaevigatus  d’Orb.  var.  Indien  Stob. 

„ cf.  Baluchistanensis  Spengler 

„ Pseudobouchardianus  Spengler 

„ aff.  justus  Blanf.  (cf.  occlusus  Chice). 

2.  Wie  diese  Zusammenstellung  ergibt,  sind  nur  2 von  diesen 
5 Arten  von  mir  begründet.  Es  ist  ein  Irrtum  Lemoine’s  zu 
glauben , daß  Stoliczea  alle  4 Figuren  der  Tafel  V unter  der 
Bezeichnung  N.  sublaevigatus  var.  sphaericus  vereinigt  hat;  in 
Wirklichkeit  teilt  Stoliczea,  der  doch  gewiß  nicht  zu  den  „pul- 
verisateurs  d’especes“  gehört,  die  4 Figuren  der  Tafel  V zwei 
Arten  zu:  Fig.  1 u.  3 gehören  zu  N.  sublaevigatus  var. 5,  Fig.  2 

1 Revue  critique  de  Paleozoologie.  1912.  p.  106. 

2 E.  Spengler,  Untersuchungen  über  die  siidindische  Kreideformation. 
IV.  Teil.  Die  Nautiliden  und  Belemniten  des  Trichinopolydistriktes.  Bei- 
träge zur  Paläontologie  und  Geologie  Österreich-Ungarns  und  des  Orients. 
1910.  p.  125. 

3 H.  F.  Blanford,  The  fossil  Cephalopoda  of  the  Cretaceous  Rocks 
of  Southern  India  (Belemnitidae — Nautilidae).  Palaeontologia  indica.  Cal- 
cutta  1861. 

4 G.  C.  Crice:  Cretaceous  fossils  of  Natal.  III.  The  Cephalopoda 
from  the  deposit  at  the  north  end  of  False  Bay,  Zululand.  p.  224. 

b F.  Stolickza,  Notes  on  the  Belemnitidae  and  Nautilidae  of  the 
S.  Indian  Cretaceous  Rocks.  Palaeontologia  indica.  1865.  p.  203. 

8* 


116 


E.  Spengler,  Zur  Systematik 


und  4 zu  X.  spliaericus  Foubes.  Stoliczka  unterscheidet  also  die 
indische  Form,  Taf.  V Fig.  1 u.  3,  von  dem  typischen  X.  sub- 
laevigatus d’Orb.  durch  den  Zusatz  „var.c.  Ich  habe  durch  den 
weiteren  Zusatz  „indica“  diese  von  Stolickza  aufgestellte  Variation 
uur  genauer  bezeichnet;  die  eigentliche  Formenabspaltung  rührt 
also  von  Stoliczka  her,  nicht  von  mir.  Die  Spezies  ,,X.  jiistus“ 
wurde  von  Blanford  begründet.  „X.  occlusus“  nennt  G.  C.  Crick, 
wie  schon  erwähnt,  eine  Form  aus  der  südafrikanischen  Ober- 
kreide, deren  Vereinigung  mit  X.  Justus  in  Erwägung  zu  ziehen 
wäre1;  ich  habe  also  auch  hier  keine  neue  Art  abgespalten, 
sondern  im  Gegenteil  mich  für  die  Vereinigung  zweier  bereits  be- 
kannter Arten  ausgesprochen. 

Bloß  die  beiden  Namen  „pseudobouchardianus“  und  ,,Balu- 
chistanensis“  wurden  von  mir  aufgestellt;  ersterer  wurde  lediglich 
deshalb  begründet,  um  der  Ansicht  vorzubeugen,  daß  die  Taf.  IV 
Fig.  7 abgebildete  Form,  welche  tatsächlich  mit  X.  Bouchardianus 
d’Orb.  sehr  gut  übereinstimmt,  als  wirklicher  Bouchardianus  und 
daher  als  ein  Relikt  aus  dem  Gault  aufgefaßt  wird2 3;  es  erscheint 
mir  nämlich  viel  wahrscheinlicher , daß  sich  so  außerordentlich 
indifferente  Formen  wie  der  X.  Bouchardianus  d’Orb.  zweimal 
bilden  können,  als  daß  sich  diese  Formen  vom  Gault  bis  in  das 
obere  Senon  unverändert  erhalten  haben,  ohne  daß  sie  in  den  da- 
zwischenliegenden Stufen  gefunden  wurden.  Als  Typus  des  neu- 
begründeten X.  Baluchistanensis  Spengler  wurden  die  von  Noet- 
ling  ® zu  X.  sublaevigatus  gestellten  Formen  bezeichnet,  mit  denen 
PI.  IV  Fig.  1 u.  2,  PI.  VI  Fig.  1 (Blanford)  gut  übereinstimmen. 
Daß  Noetling’s  Form  vom  typischen  X.  sublaevigatus  d’Orb.  sein- 
deutlich  verschieden  ist,  ergibt  auf  den  ersten  Blick  ein  Vergleich 
der  Abbildungen  bei  Noetling  und  d’Orbigny4.  Als  Unterschiede 
habe  ich 5 das  langsamere  Breitenwachstum  und  die  dorsale  Lage 
des  Siphos  bei  X.  Baluchistanensis  bezeichnet. 

3.  Es  entspricht  nicht  den  Tatsachen , daß  die  Zusätze  cf., 
aff.,  ? der  Ausdruck  einer  schwierigen  Unterscheidung  der 
Arten  sind , sondern  sie  sollen  nur  andeuten , daß  bei  dem  un- 
günstigen Erhaltungszustände  einige  Exemplare  die  Bestimmung 
überhaupt  mit  Schwierigkeiten  verknüpft  war. 

4.  Auch  ich  bin  von  der  sehr  nahen  Verwandtschaft  der 
auf  der  Tabelle  p.  14  meiner  Arbeit  zusammengestellten  Formen 

1 E Spengler,  Untersuchungen  über  die  südindische  Kreideformation. 
4.  p.  142. 

2 E.  Spengler,  1.  c.  p.  16,  17. 

3 F.  Noetling,  Fauna  of  the  upper  Cretaceous  beds  (Maestrichtien) 
of  the  Mari  Hills.  Palaeontologia  indica.  1897.  p.  69.  PI.  XIX  Fig.  1,  2; 
PI.  XX  Fig.  1,  2. 

4 d’Orbigny,  Palaeontologie  Fran<-aise.  Terr.  Cretacös.  PI.  17. 

5 E.  Spengler.  1.  c.  p.  15. 


der  obercretacischen  Nautiliden. 


117 


überzeugt,  was  ich  durch  die  Zusammenfassung  zu  einer  „Gruppe  des 
X.  sublaevigatus “ 1 zum  Ausdruck  brachte.  Auch  bin  ich  weit  ent- 
fernt davon,  zu  glauben,  daß  es  sich  hier  ebenso  wrie  bei  den  meisten 
Ammonitenarten  der  neueren  Autoren  wirklich  um  biologisch 
selbständige  Spezies  handelt,  sondern  die  Zerteilung  in  einzelne 
Arten  ging  lediglich  aus  dem  Bestreben  hervor,  unter  den  glatten 
Nautiliden  der  Kreideformation  scharf  charakterisierte  Typen  zu 
schaffen,  welche  sich  in  exakter  Weise  von  den  Formen  anderer 
Gebiete  durch  m orph  o 1 o gis ch e Mei-kmale  trennen  lassen.  Daß 
eine  Vergleichung  von  Nautiliden  anderer  Gebiete  mit  den  von 
Blanfokd  als  X.  Boucliardianus  zusammengefaßten  Formen  schwer 
möglich  ist,  zeigt  schon  die  Umdeutung  dieser  Gruppe  durch  die 
verschiedensten  Autoren. 

Es  war  mir  nun  nicht  möglich,  zwischen  den  auf  Blanford’s 
Tafeln  III,  IV,  V einerseits  und  auf  deu  Tafeln  VI  u.  VII  Fig.  1 
und  2 anderseits  abgebildeten  Formen  einen  scharfen  Gegensatz 
im  Sinne  Blanford’s  herauszufinden.  Vergleicht  man  etwa  Taf.  IV 
Fig.  2 und  Taf.  V Fig.  1,  anderseits  Taf.  IV  Fig.  2 und  Taf.  VI 
Fig.  1,  so  zeigen  zweifellos  die  beiden  letzteren  eine  weit  größere 
Ähnlichkeit  als  die  beiden  ersteren , obwohl  die  ersteren  nach 
Blanford  zu  einer  Art,  die  letzteren  jedoch  zu  zwei  verschiedenen 
Spezies  gehören. 

Würde  man  aber  die  Formen  aller  5 Tafeln  zu  einer  Art 
vereinigen,  so  hätte  man  unter  einem  Namen  so  verschiedenartige 
Typen  zusammengefaßt,  daß  nicht  einmal  eine  scharfe  Trennung 
von  den  von  d’Orbigny  unterschiedenen  drei  Arten : X.  Clementinus, 
X.  Boucharclianus,  X.  sublaevigatus  möglich  wäre,  was  zur  weiteren 
Folge  auch  eine  Vereinigung  dieser  drei  Arten  haben  müßte.  Auch 
X.  Dekagi  Mort.,  X.  depressus  Bixkh.,  X.  justus  Blanf.  und  viel- 
leicht noch  einige  andere  Arten  müßten  eingezogen  werden.  Tut 
man  dies  aber,  so  wird  die  große  Variabilität  der  glatten 
Kreidenautiliden  nicht  registriert. 

So  bleibt  nichts  übrig  als  sehr  enge  Artfassung.  Es  kommt 
praktisch  so  ziemlich  auf  dasselbe  hinaus , ob  man  die  einzelnen 
Typen  „Arten“  oder  „Varietäten“  nennt;  letzteres  ist  aber 
nur  dann  möglich,  wenn  sich  unter  den  früher  beschriebenen  Arten 
eine  nächstverwandte  findet ; steht  die  neue  Form  aber 
zwei  oder  mehreren  älteren  Arten  gleich  nahe,  ist  die  Be- 
zeichnung als  Varietät  nicht  anwendbar.  Ich  bin  fest  überzeugt, 
daß  sich  bei  reicherem  Material  abermals  Formen  finden  werden, 
die  zwischen  den  abgebildeten  Typen  stehen;  ich  habe  daher 
die  Arten  hier  möglichst  so  gefaßt,  daß  sie  unmittelbar  aneinander- 

1 Die  Gruppe  des  Nautilus  sublaevigatus  dürfte  im  wesentlichen  der 
Untergattung  Eutrephoceras  Hyatt's  entsprechen.  Vergl.  E.  Spengler. 
1.  c.  p.  136. 


118 


E Spengler,  Zur  Systematik  etc. 


schließen ; so  heißt  z.  B.  ein  glatter,  globoser,  sehr  eng  genabelter 
Nautilus  mit  16 — 11)  Septeu  auf  1 Umgang  N.  sublaevigatus,  wenn 
die  Breite  68 — 80  °/o  des  Durchmessers  beträgt,  N.  sphaericus, 
wenn  die  Breite  über  80  °/o  steigt,  N.  Delcayi,  wenn  die  Breite 
!H)  % überschreitet  und  der  Nabel  auf  Schalenexemplaren  ganz 
verschwindet,  N.  Huxleyanus  hingegen,  wenn  bei  sonst  vollständiger 
Übereinstimmung  mit  N.  Dekayi  oder  sphaericus  die  Septenzahl 
geringer  als  1 6 wird,  N.  Baluchistanensis,  wenn  bei  sonstiger  Über- 
einstimmung  mit  N.  sublaevigatus  das  Breitenwachstum  langsamer 
wird,  oder  genauer,  wenn  die  Breite  der  vorhergehenden  Windung 
mehr  als  60  °/o  der  folgenden  beträgt  usw.  Es  ist  dies  allerdings 
eine  künstliche  Trennung  der  Arten , aber  eine  natürliche  ist  bei 
diesen  durch  allmähliche  Übergänge  verknüpften  Formen  nicht 
möglich. 

Es  ist  nur  eine  Forderung  der  Deszendenzlehre , daß  eine  in 
starker  Entwicklung  befindliche  Formengruppe  eine  sehr  starke 
Variabilität  mit  allen  möglichen  Übergängen  zwischen  den  einzelnen 
Varietäten  zeigt.  Sicherlich  sind  die  glatten,  globosen  Nautiliden 
der  Kreide  eine  solche.  Denn  im  Jura  herrschen  meistens  Typen 
mit  abgeflachten  Seitenwänden  (subgen.  Cenoceras  Hyatt),  erst  in 
der  Kreide  werden  die  eng-  oder  ungenabelten , glatten  Formen 
mit  globosem  Windungsquerschnitt  (subgen.  Eutrcphoceras  Hyatt) 
häufiger. 

Auch  bei  den  durch  den  Rippenwiukel  auf  der  Externseite 
scharf  charakterisierten  Formen  von  Cymatoceras  in  der  unteren 
Utaturgroup  habe  ich  stets  die  außerordentlich  nahe  Verwandt- 
schaft der  7 hierher  gehörigen  Typen  hervorgehoben1  und  unter 
diesen  7 wieder  8 näher  aneinander  angeschlossen  (C.  Negama 
Blanf.,  C.  crebricostatum  Blanf.  und  C.  pseudo negama  Spengler). 
Auch  hier  sind  die  „Arten“  zunächst  nur  zum  Zwecke  leichterer 
Vergleichung  mit  fremden  Formen  möglichst  scharf  gefaßte  mor- 
phologische Typen.  Ihr  wahrscheinlicher  Zusammenhang 
wird  durch  die  dort  gegebene  Gruppeneinteiluug  angedeutet,  wobei 
es  jedoch  für  uns  unmöglich  ist,  zu  entscheiden,  ob  etwa  alle  7 
eine  Art  im  biologischen  Sinne  gebildet  haben  oder  C.  Kayeanum, 
Kossmati,  virgatum  die  erste,  C.  Negama,  crebricostatum,  pseudo- 
negama  die  zweite,  C.  semilobatum  die  dritte  Art,  oder  ob  endlich 
alle  7 selbständige  Spezies  darstellen;  letzteres  ist  insofern  un- 
wahrscheinlich , als  es  ein  merkwürdiger  Zufall  wäre , daß  von 
einigen  dieser  Arten  nur  1 oder  2 Exemplare  bisher  gefunden 
wurden  — trotzdem  aber  muß  daran  festgehalten  werden , die 
einzelnen  morphologischen  Typen  durch  besondere  Namen  zu  fixieren. 
Auch  in  diesem  Falle  ist  hier  die  Artspaltung  noch  lange  nicht  so 
weitgehend  wie  bei  einigen  Ammoniten-  und  Gastropodengattungen. 

1 Ich  habe  dies  durch  die  Zusammenfassung  zu  einer  Gruppe  des 
„Cymatoceras  Kayeanum“  getan  (l.  c.  p.  3,  10). 


f Friedrich  Teller. 


119 


Auch  bei  weiterer  Artfassung  bleibt  der  lokale  Charakter 
der  indischen  Nautilidenfauna  erhalten.  Dieser  Gegensatz  gegen- 
über der  Ammonitenfauna 1 ist  leicht  verständlich , wenn  wir 
bedenken , daß  Nautilus  ein  Tienthonisches  Tier  ist , während  die 
Ammoniten  wahrscheinlich  zum  größten  Teil  nektonische  Tiere 2 
waren.  Daß  besonders  auch  Cymatoceras  zu  den  benthonischen 
Tieren  gehörte,  dafür  spricht  die  ungewöhnlich  dicke  Schale  dieser 
Formen.  Sehr  deutlich  läßt  C.  viryatum  diese  Erscheinung  er- 
kennen. Das  auf  Taf.  XI  Fig.  3 a,  b meiner  Arbeit  abgebildete 
Exemplar  ist  so  erhalten,  daß  auf  der  in  Fig.  3 b sichtbaren  Seite 
die  Schale  erhalten  geblieben  ist,  während  die  andere  Seite  den 
Steinkern  zeigt.  Auf  ersterer  erblickt  man  die  sehr  charakte- 
ristischen , kräftigen  Bündelrippen , letztere  Seite  ist  vollkommen 
glatt;  nur  auf  dem  Externteil  (Fig.  3 a),  auf  dem  gleichfalls  die 
Schale  verloren  gegangen  ist,  prägt  sich  auch  die  Schalenskulptur 
dem  Steinkerne  auf.  Diese  Unabhängigkeit  der  Schalen-  und 
Steinkernskulptur  läßt  deutlich  den  Unterschied  einer  berippten 
Nautilus-Schule  von  den  meisten  berippten  Ammonitenschalen  er- 
kennen. 


| Friedrich  Teller. 

In  Friedrich  Teller  hat  die  k.  k.  Geologische  Reichsaustalt 
in  Wien  eines  ihrer  ausgezeichnetsten  Mitglieder  verloren.  Durch 
35  Jahre  hat  er  seine  Arbeitskraft  diesem  Institut  gewidmet,  mit 
dessen  Interessen  er  mit  jeder  Faser  seines  Wesens  so  fest  ver- 
knüpft war,  daß  er  nicht  zögerte,  dieselben  in  einem  für  seine 
Laufbahn  entscheidenden  Augenblick  über  die  eigenen  zu  stellen. 
Denjenigen,  die  gehofft  hatten,  sein  Lebenswerk  durch  die  Berufung 
zur  Leitung  der  k.  k.  Geologischen  Reichsaustalt  in  absehbarer 
Zeit  gekrönt  zu  sehen,  hat  sein  Tod  eine  schmerzliche  Enttäuschung 
bereitet.  Am  Abend  des  10.  Januar  1913  erlag  er  nach  schwerem, 
qualvollem  Leiden  den  Folgen  einer  Operation,  die  eine  bösartige 
Neubildung  hätte  beseitigen  sollen.  Nicht  am  Abend  eines  viel- 
bewegten  Lebens , sondern  im  reifen  Mannesalter  hat  ihn  ein 
tückisches  Schicksal  seiner  Tätigkeit  entrissen,  deren  erfolgreiche 
Wirksamkeit  einen  glänzenderen  Abschluß  versprach. 

Teller  wurde  am  28.  August  1852  in  Karlsbad  geboren.  Er 
begann  seine  wissenschaftliche  Laufbahn  an  der  k.  k.  Universität 

1 Übrigens  ist  auch  die  Zahl  der  vollkommen  identischen  Am- 
monitenaiten  zwischen  Südindien  und  den  anderen  Kreidegebieten  nicht 
besonders  groß  (vergl.  die  Tabelle  bei  Korsmat,  Untersuchungen  über  die 
südindische  Kreideformation.  Beiträge  zur  Pal.  und  Geol.  Österreich- 
Ungarns  und  des  Orients.  No.  11.  p.  141 — 148). 

2 Vergl.  C.  Diener,  Lebensweise  und  Verbreitung  der  Ammoniten. 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  II.  2.  p.  67.) 


120 


f Friedrich  Teller. 


in  Wien,  zuerst  als  Assistent  am  zoologisch-anatomischen  Institut 
Professor  Brühl’s,  später  als  Assistent  an  der  geologischen  Lehr- 
kanzel unter  Professor  E.  Suess,  zu  dessen  Lieblingsschülern  er  zählte. 
In  den  Jahren  1875  und  187ti  war  er  einer  der  eifrigsten  Mit- 
arbeiter an  den  unter  Neumayr’s  Führung  eingeleiteten  geologischen 
Aufnahmen  österreichischer  Forscher  in  Griechenland,  deren  Er- 
gebnisse in  den  Denkschriften  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften 
in  Wien  niedergelegt  worden  sind.  Er  gab  eine  Beschreibung  des 
geologischen  Baues  der  Insel  Euböa , des  südöstlichen  Thessalien 
und  der  Insel  Chios  und  lieferte  in  Gemeinschaft  mit  Neumayr  und 
Bittrer  einen  Überblick  über  die  geologische  Struktur  ausgedehnter 
Teile  der  Ägäischen  Küstenländer.  Wenn  man  die  damaligen 
Leistungen  der  österreichischen  Geologen  in  Griechenland  gerecht 
beurteilen  will,  so  darf  man  nicht  vergessen,  daß  es  sich  hier  um 
Pionierarbeiten  in  einem  sehr  kompliziert  gebauten  Gebiet  handelt, 
dessen  Stratigraphie  durch  eine  faziell  gleichartige  Ausbildung  alters- 
verschiedener, zugleich  ungewöhnlich  fossilarmer  Sedimente  ver- 
dunkelt wird.  Daß  das  geologische  Kartenbild  von  Griechenland  heute 
wesentlich  anders  aussieht  als  vor  30  Jahren,  daß  insbesondere  die 
Mannigfaltigkeit  der  Formationen  eine  weit  größere  ist,  als  man 
damals  annehmen  zu  sollen  glaubte,  darf  denjenigen,  die  mit  unter 
den  ersten  Erforschern  des  Landes  waren,  'wohl  kaum  zum  Vor- 
wurf gemacht  werden. 

Im  Jahre  1877  trat  Teller  als  Praktikant  in  die  k.  k.  Geolo- 
gische Reichsanstalt  ein.  In  ihrem  Verband  ist  er  seither  ununter- 
brochen verblieben.  Im  Jahre  1900  erreichte  er  die  Stelle  eines 
Chefgeologen,  nachdem  er  schon  1896  mit  dem  Titel  und  Charakter 
eines  k.  k.  Bergrates  ausgezeichnet  worden  war. 

Sein  erstes  Arbeitsfeld  war  die  Zentralzone  der  Ostalpen  (Ötz- 
taler Massiv  1877/78,  Brixener  Granitmasse  1879/81,  Westfliigel 
der  Hohen  Tauern,  Hochpustertal  1882/83).  Von  1884  an  war 
er  mit  geologischen  Detailuntei’suchungen  und  der  Kartierung  der 
südöstlichen  Kalkalpen  im  Gebiete  der  Karawanken,  Julischen  Alpen, 
Steiner  Alpen  und  des  Savesystems  betraut. 

Aus  der  ersten  Phase  seiner  Anstaltstätigkeit  sind  besonders 
die  ausgezeichnete  Arbeit  über  die  erzführenden  Diorite  von  Klausen1 
und  eine  /Reihe  von  paläontologischen  Monographien  bemerkenswert. 
Die  letzteren  betreffen  zumeist  Wirbeltierfunde  in  den  öster- 
reichischen Alpenländern,  so  den  Schädel  eine^  Ceratodus 2 aus  den 
Lunzer  Schichten,  Authracotherienreste  aus  Südsteiermark  und  Dal- 
matien 3,  einen  pliocänen  Tapir  aus  Südsteiermark4.  Aber  auch 

1 Jahrb.  Geol.  Reichsanst.  1882.  p.  589 — 684. 

* Abhandl.  Geol.  Reichsanst.  15.  1891. 

3 Beiträge  z.  Paläontologie  Österreich-Ungarns  etc.  4.  1884. 

* Jahrb.  Geol.  Reichsanst.  38.  1884. 


f Friedrich  Teller. 


121 


aut'  dem  Gebiete  der  Evertebrata  hat  Teller  , der  ein  vortreff- 
licher Kenner  der  Bivalven  und  Braclnopoden  war,  sich  durch  seine 
Monographie  der  Pseudomonotis  ochotiea  Verdienste  erworben  und 
zuerst  auf  die  Bedeutung  dieser  Formengruppe  für  die  arktisch- 
pazifische Trias  hingewiesen  \ Alle  die  genannten  Monographien 
dürfen  geradezu  als  Muster  paläontologischer  Detailarbeit  bezeichnet 
werden.  Sie  rechtfertigen  durchaus  einen  im  Dezember  1901  von 
der  philosophischen  Fakultät  der  Wiener  Universität  erstatteten 
Vorschlag,  die  Teller  primo  loco  an  Stelle  Uhlig’s  an  die  Lehr- 
kanzel für  Paläontologie  berufen  zu  sehen  wünschte. 

Allein  Teller’s  Neigung  zur  Feldgeologie  war  stärker  als  sein 
Interesse  für  eine  akademische  Lehrtätigkeit.  Auch  widerstrebte 
es  seinem  hoch  entwickelten  Pflichtgefühl,  dem  Institut,  dem  er  die 
beste  Kraft  seines  Lebens  gewidmet  hatte,  durch  sein  Ausscheiden 
einen  unersetzlichen  Verlust  zuzufügen.  Schwieriger  noch  als  heute 
wäre  damals  ein  Mann  zu  finden  gewesen,  der  mit  gleicher  Arbeits- 
kraft, Erfahrung  und  Sorgfalt  die  Redaktion  der  Druckschriften, 
insbesondere  der  geologischen  Spezialkarte  der  Österr.-Ungar.  Mo- 
narchie, hätte  weiterführen  können.  Seine  organisatorischen  und 
administrativen  Fähigkeiten  haben  auch  die  außerhalb  der  Reichs- 
anstalt stehenden  österreichischen  Fachgenossen  anläßlich  des  Inter- 
nationalen Geologen-Kongresses  in  Wien  19<)3  schätzen  gelernt,  um 
dessen  befriedigenden  Verlauf  er  sich  in  erster  Linie  durch  die  Zu- 
sammenstellung der  Exkursionen  und  die  Herausgabe  des  „Führers“, 
eines  weit  über  das  Bedürfnis  des  Augenblickes  hinausreichenden 
Kompendiums  der  österreichischen  Geologie,  verdient  gemacht  hat. 

Teller  war  unzweifelhaft  einer  der  hervorragendsten  Alpen- 
geologen und  der  beste  Kenner  der  südöstlichen  Alpen.  Es  ist  zu 
bedauern,  daß  die  Überlastung  mit  administrativen  Arbeiten  ihn 
verhindert  hat,  seine  Erfahrungen  über  den  Bau  dieses  ausgedehnten 
Gebietes  in  einem  zusammenfassenden  Werk  zur  Darstellung  zu 
bringen.  Wertvolle  Bausteine  zu  einem  solchen  enthält  seine  letzte 
größere  wissenschaftliche  Publikation  in  den  Denkschriften  der 
kais.  Akademie  der  Wissenschaften  1910  über  die  Ergebnisse  der 
im  Auftrag  der  Akademie  durchgeführten  Aufnahme  des  Kara- 
wanken-Tunnels.  Sonst  sind  die  Resultate  seiner  Untersuchungen 
zerstreut  in  vielen  kurzen  Mitteilungen  in  den  Verhandlungen  der 
k.  k.  Geol.  Reichsanstalt  und  in  den  Erläuterungen  zu  den  von 
ihm  in  Druck  gelegten  Spezialkartenblättern.  Seine  große  Be- 
scheidenheit hielt  ihn  leider  nur  zu  oft  davon  ab,  die  Bedeutung 

1 Pelecypodenfauna  von  Werchojansk,  in  „Arktische  Triasfaunen“, 
Mem.  Acad.  Imp.  d.  Sciences  St.  Petersbourg.  33  No.  6.  1886. 

Die  Zahl  der  paläontologischen  Arbeiten  Teller’s  ist  mit  dieser  Auf- 
zählung keineswegs  erschöpft.  Es  sei  hier  nur  an  seine  verschiedenen 
kleineren  Mitteilungen  über  Bivalven  (Rudistenfauna  der  Kreide  des  Eger- 
tales,  Schloßapparat  von  Diceras  etc.)  erinnert. 


122 


f Friedlich  Teller. 


Nachtrag  zu  Sokol. 


eigener  Forschungen  in  das  richtige  Licht  zu  stellen.  So  findet 
sich  eine  der  interessantesten  unter  allen  Entdeckungen,  die  seit 
Jahrzehnten  in  den  Ostalpen  gemacht  worden  sind,  der  Nachweis 
von  nordalpinen  Hallstätter  Kalken  mit  Monotis  salinaria  an  der 
Rudnica  (Wochein),  versteckt  in  dem  Jahresbericht  des  Anstalts- 
direktors für  19  i 2 p.  15).  'Wer  aber  die  Mühe  eines  eingehenden 
Studiums  der  zahlreichen  Verhandlungsberichte  nicht  scheut,  der 
wird  aus  ihnen  reiche  Belehrung  und  Anregung  schöpfen.  Dem- 
jenigen vor  allem,  der  einmal  die  Beziehungen  der  Hauptzone 
der  Südalpen  zu  den  sogenannten  Dinariden  kritisch  prüfen  wird  — 
hier  liegt  der  Schlüssel  für  die  Entscheidung  der  Gültigkeit  der 
Deckenlehre  für  die  Ostalpen  — , dem  werden  Teller’s  Arbeiten 
eine  wahre  Fundgrube  eines  wertvollen,  bisher  viel  zu  wenig  be- 
achteten Tatsachenmaterials  sein. 

Teller  war  in  erster  Linie  Aufnahmsgeologe.  Ihm  kam  es 
darauf  an,  Tatsachen  zu  sammeln  und  mitzuteilen,  ohne  seine 
Stellung  zu  den  modernen  Theorien  auf  dem  Gebiete  der  Alpen- 
tektonik  zu  präzisieren.  Er  hat  es  vermieden,  sich  an  den  Dis- 
kussionen , die  durch  die  Übertragung  der  Deckenlehre  aus  den 
Westalpen  nach  Österreich  hervorgerufen  wurden , zu  beteiligen, 
teils  aus  Bescheidenheit,  teils  weil  er,  seiner  liebenswürdigen,  kon- 
zilianten Natur  entsprechend,  ein  abgesagter  Feind  jeder  Polemik 
war  — auch  in  den  Streit  zwischen  E.  v.  Mojsisovics  und  Bittxer 
hat  er  niemals  eingegriffen.  Aber  gerade  das  verleiht  seinen  Ar- 
beiten im  Felde  ihren  hohen  Wert,  daß  ihre  Ergebnisse  vollkommen 
unbeeinflußt  von  einer  Theorie,  ausschließlich  auf  Grundlage  ein- 
wandfreier Beobachtung  gewonnen  worden  sind,  daß  sie  als  ge- 
sicherte Grundlagen  weiterer  Forschung  auch  einen  Wechsel  der 
theoretischen  Anschauungen  überdauern  werden. 

Das  bezeichnende  für  alle  Arbeiten  Teller’s  ist  der  hohe 
Grad  ihrer  Zuverlässigkeit,  die  Genauigkeit  der  Beobachtung,  die 
Gewissenhaftigkeit  der  Darstellung.  Diese  Eigenschaften  haben 
seinen  wissenschaftlichen  Ruf  begründet,  dessen  Anerkennung  in 
der  Ernennung  Teller’s  zum  Ehrendoktor  der  Universität  in 
Czernowitz,  zum  korrespondierenden  (1 902)  und  endlich  zum  wirk- 
lichen Mitglied  (1912)  der  kais.  Akademie  der  Wissenschaften  in 
Wien  einen  Ausdruck  gefunden  hat.  G.  Diener. 


Nachtrag  zu  Sokol,  Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc. 

(Dies.  Centralbl.  1913.  p.  91  u.  ff.): 

„Es  ist  in  Anbetracht  der  auch  sonst  beobachteten  Störungen 
doch  wohl  wahrscheinlicher,  daß  Senkungen  tektonischen  Ursprungs 
vorliegen.  Für  isostatische  Bewegungen  ist  die  Belastung  durch 
Flußsedimente  doch  wohl  nicht  ausreichend.“ 


0.  Mügge,  Bemerkungen  etc. 


123 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Bemerkungen  zum  Wülfing’aohen  Demonetrationsmodell  für 
einfache  Schiebungen 

Von  0.  Mügge  in  Göttingen. 

Wie  ich  bereits  gelegentlich  der  Vorführung  des  Wülfing- 
sclien  Modells  auf  der  Versammlung  der  Deutschen  mineralogischen 
Gesellschaft  zu  Münster  i.  W.  im  September  1912  betonte,  sollen 
die  von  mir  beschriebenen  Modelle1 2  lediglich  die  geometrischen 
Verhältnisse  der  beiden  Arten  von  einfachen  Schiebungen  und  zwar 
für  den  allgemeinsten  Fall  eines  triklinen  Kristalls  erläutern3. 
Sie  erfüllen  auch  diesen  Zweck  nur  annähernd,  da  Schichten  von 
nur  molekularen  Dicken  durch  solche  von  mehreren  mm  Dicke 
vorgestellt  werden  und  daher  der  Betrag  der  relativen  Translation 
zweier  benachbarter  Schichten  in  demselben  Verhältnis  gegenüber 
dem  vergrößert  erscheint,  der  sich  ergeben  würde,  wenn  man  an- 
nehmen dürfte,  daß  die  kristallographische  Umorientierung  nur  auf 
der  neuen  Ordnung  kleinster  Teilchen  von  der  Form  des  Modells 
beruhte.  Ob  aber  diese  Annahme  berechtigt  wäre,  erscheint  sehr 
zweifelhaft,  obwohl  der  geometrische  Effekt  durch  ein  solches  Modell 
mit  Schichten  von  nur  molekularer  Dicke,  wie  gesagt,  vollkommen  er- 
reicht würde.  Mehr  durch  ein  Modell  darzustellen,  scheint  mir  gegen- 
wärtig nicht  möglich,  da  nichts  darüber  bekannt  ist,  wie  weit  die 
kristallographische  Orientierung  außer  von  der  Anordnung  der  Teil- 
chen auch  von  ihrer  Orientierung  und  ihren  Eigenschaften  abhängt. 

Wülfing  will  nun  in  seinem  Modell  über  das  Geometrische 
hinaus  auch  noch  die  Änderung  der  Orientierung  der  „Bausteine“ 
erläutern;  die  Form  dieser  „Bausteine“  ist  natürlich  eine  hypo- 
thetische, W.  nimmt  sie  für  den  Kalkspat  von  der  Form  des  Spalt- 
rhomboeders und  deutet  die  Änderung  der  Orientierung  durch 
Hemitropie  um  die  Normale  der  Gleitfläche  an.  Ein  derartiges  Mo- 
dell ist  aber  offenbar  geeignet,  erhebliche  Mißverständnisse  hervor- 
zurufen. Die  einfache  Schiebung  wird  bewirkt  durch  ein  Kräfte- 
paar in  der  Ebene  der  Schiebung  parallel  der  Schiebungsrichtung, 
das  außer  einer  Kompression  in  der  Richtung  der  kurzen  Diagonale 
des  Rhomboederquerschnittes  in  der  Ebene  der  Schiebung  eine 
Drehung  um  die  Normale  der  letzteren,  nicht  aber,  wie  beim 
W.’schen  Modell,  um  die  Normale  der  Gleitfläche  bewirkt. 
Nimmt  man  an,  wie  es  die  Beobachtung  über  die  Umorientierung 
an  die  Haud  gibt,  daß  jedes  Elementarrhomboeder  so  deformiert 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  28. 

2 1.  c.  1912.  p.  417. 

2 Für  den  einfachen  Fall  des  Kalkspats  wären  m.  E.  derartige, 
immerhin  kostspielige  Modelle  kaum  erforderlich,  zumal  der  Unterschied 
von  Schiebungen  erster  und  zweiter  Art  hier  fortfällt. 


124 


0.  Mtigge,  Bemerkungen 


wird,  daß  seine  neue  Form  mit  der  alten  wieder  deckbar  ist,  in- 
dem die  lange  Diagonale  des  Querschnittes  mit  der  Ebene  der 
{Schiebung  zur  kurzen  und  umgekehrt  wird,  während  die  zur  Ebene 
der  Schiebung  Senkrechte,  wie  es  auch  die  Richtung  der  Kräfte 
erwarten  läßt,  keinerlei  Veränderungen  erfährt,  so  muß,  damit  der 
Zwillingsstellung  des  deformierten  Teiles  genügt  wird,  die  Drehung 
um  die  Normale  der  Ebene  der  Schiebung,  wie  Liebisch1  gezeigt 
hat,  19°  8'  betragen. 

Ob  ein  derartiger  Vorgang,  dessen  Effekt  also  sowohl  mit  der 
Veränderung  der  Form  wie  der  Orientierung  und  mit  der  Richtung 
der  wirkenden  Kräfte  im  Einklang  wäre,  sich  wirklich  abspielt, 
ist  trotzdem  wohl  sehr  zweifelhaft,  so  daß  es  sich  nicht  empfiehlt, 
ihn  durch  ein  Modell,  das  außerdem  ziemlich  kompliziert  oder  doch 
kostspielig  werden  würde,  darzustellen. 

Noch  in  einer  andern  Hinsicht  scheint  das  W.’sche  Modell 
geeignet,  Irrtümer  hervorzurufen.  W.  meint,  man  tue  gut,  einst- 
weilen in  der  Lagerung  der  „Bausteine“  das  bestimmende  Moment 
bei  der  Neubildung  zu  suchen.  Er  verfährt  allerdings  nicht  ganz  in 
diesem  Sinue,  da  ja  in  seinem  Modell  die  Neulagerung  nur  als  Folge 
der  Umorientierung,  nämlich  der  Hemitropie  um  die  Normale  der 
Gleitfläche,  erscheint.  W.  sagt  nun  nichts  darüber,  daß  es  dann 
ganz  von  der  Form  der  gewählten  „Bausteine“  abhängt,  ob  das 
Modell  die  geometrischen  Verhältnisse  richtig  wiedergibt.  Bei  der 
für  den  Kalkspat  gewählten  Form  trifft  dies  zwar  zu,  weil  hier 
der  „Baustein“  die  Eigentümlichkeit  hat,  auch  nach  der  Deforma- 
tion wieder  von  Flächen  gleicher  kristallographischer  Bedeutung 
begrenzt  zu  werden.  Wenn  jemand  aber  diesen  „Bausteinen“  die 
Form  geben  würde  (1012)  (Gleitfläche)  (1010)  (zweite  Kreis- 
schnittsebene) und  etwa  (1 210)  (Ebene  der  Schiebung),  so  würde  er 
wohl  damit  schwerlich  auf  Zustimmung  rechnen  können,  und  doch 
würde  nur  eine  derartige  oder  ähnliche,  dem  Elementarparallelepiped 
eines  rhomboedrischen  Gitters  nicht  entsprechende  Form  des  „Bau- 
steins“, die  Verhältnisse  für  den  Fall  richtig  wiedergeben,  daß 
die  Hauptachse  Richtung  der  Grundzone  ist2.  Ganz  allgemein 
lassen  sich  die  geometrischen  Verhältnisse  einer  einfachen  Schie- 
bung3 nicht  durch  Hemitropie  von  Bausteinen  von  der  Form  der 
Eleinentarparallelepipede  der  Raumgitter  um  die  Normale  der  Gleit- 
flächen nachahmen,  obwohl  die  Umorientierung  natürlich  der  Zwil- 
lingslage entspricht.  Die  genannte  Hemitropie  der  „Bausteine“, 
d.  i.  die  für  das  W.’sche  Modell  charakteristische  Bewegung,  in 
der  also  der  Anfänger  doch  das  Wesentliche  sehen  wird,  hat  eben 

1 Liebisch,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  6.  p.  105.  1889. 

2 Wie  es  nach  unveröffentlichten  Beobachtungen  von  Ganten  am 
Millerit  der  Fall  ist.  Analoges  gilt  für  die  einfachen  Schiebunger  bei 
Aragonit,  Titanit  u.  a. 

3 Erster  Art ; für  die  zweiter  Art  gilt  dasselbe. 


zum  Wülfing'schen  Demonstrationsmodell  etc. 


125 


mit  deu  einfachen  Schiebungen  nichts  zu  tun,  weder  wenn  sie  am 
einzelnen  Modell,  noch  wenn  sie  an  einem  Aggregat  von  solchen 
ausgeführt  wird. 

Zum  Schluß  noch  einige  Worte  über  die  Benennungen,  deren 
Unzweckmäßigkeit  W.  mehrfach  beklagt.  Da  ist  zu  bedenken, 
daß  angesichts  der  Kompliziertheit  der  Vorgänge  und  wegen  der 
historischen  Entwicklung  sowohl  unserer  Kenntnisse  darüber  wie 
auch  ihrer  Nomenklatur  natürlich  nicht  zu  erwarten  ist,  daß  man 
aus  der  wörtlichen  Bedeutung  der  Fachausdrücke,  ohne  Kenntnis 
ihrer  Definition,  die  Erscheinungen  richtig  verstehe.  Die  von 
Liebisch  (1.  c.)  nach  dem  Englischen  gewählte  Bezeichnung  „ein- 
fache Schiebung“  ist  im  Deutschen  meines  Wissens  nicht  in  einem 
andern  als  dem  von  LtEBtscH  definierten  Sinne  angewandt,  ebenso 
ist  es  mit  der  Bezeichnung  „Translation“,  und  ebenso  ist  kein 
Zweifel,  daß  beide  Vorgänge,  nicht  scharf  definiert,  von  E.  Reusch 
als  „Gleitung“  beschrieben  sind.  Daß  trotzdem  „einfache  Schie- 
bungen“ und  „Translationen“  in  der  Literatur  noch  jetzt  zuweilen 
durcheinander  geworfen  werden  und  über  die  Lage  der  Gleitflächen 
in  manchen  Lehrbüchern  sich  noch  unrichtige  Angaben  finden,  ist 
allerdings  zu  beklagen,  liegt  aber  nicht  an  der  mangelhaften  De- 
finition und  Benennung  der  Vorgänge,  sondern  daran,  daß  die 
Autoren  es  versäumt  haben,  sich  darüber  hinreichend  zu  unter- 
richten. Die  Bezeichnung  der  „einfachen  Schiebungen“  durch 
„Zwillingsgleitung“  würde  daran  kaum  etwas  ändern,  die  Ersetzung 
von  „Translation“  durch  „einfache  Gleitung“  oder  Ähnliches  könnte 
leicht  zu  Verwechslungen  führen  (man  denke  an  die  Benennungen 
der  optischen  Bezugsflächen !). 

Es  geht  m.  E.  nicht  an,  Fachausdrücke,  die  nicht  zweideutig 
sind,  20  bis  30  Jahre  nach  ihrer  Einführung  durch  andere  zu 
ersetzen ; deshalb  habe  ich  mich  wiederholt  auch  dagegen  aus- 
gesprochen, die  seit  mindestens  40  Jahren  wohlbekannte  und  auch 
schon  früher  in  ihrer  geologischen  (und  chemischen)  Bedeutung 
gewürdigte  „Korn Vergrößerung“  jetzt  auf  einmal  „Sammelkristalli- 
sation“, die  Drehachsen  Gyrole,  die  Drehspiegelungsachsen  Gyroide 
zu  nennen  u.  ä.  Zumal  Begriffe,  welche  nicht  von  Mineralogen 
selbst  aufgestellt,  sondern  aus  verwandten  Disziplinen  übernommen 
sind,  sollten  nur,  wenn  es  durchaus  nötig  ist,  umgetauft  werden, 
an  überflüssigen  Benennungen  ist  in  der  Mineralogie  kein  Mangel. 


126 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 

Londoner  Mineralogische  Gesellschaft.  Stiftungsfeier 
am  12.  November  1912  unter  dem  Vorsitz  von  Dr.  A. 
E.  H.  Tutton. 

Professor  W.  J.  Lewis : Ilmenit  aus  dem  Lengen- 
bach steinbruch.  In  dem  Dolomit  fand  sich  ein  kleiner,  im 
Habitus  unregelmäßiger  Kristall  mit  den  Formen  (110),  (101), 
(100),  (112),  (lll)  und  (275).  Die  besten  Ablesungen  wurden 
erhalten  von  Paaren  von  Flächen  (101)  und  zwischen  diesen  und 
Flächen  eines  Prismas,  und  zwar  sind  die  entsprechenden  Winkel 
= 64°  47'  und  57°  33'. 

Professor  W.  J.  Lewis : Mehrfache  Zwillinge  von 
Zinnstein.  Dreifache  Zwillingsbildung  ist  gut  und  regelmäßig 
entwickelt  an  gegenüberliegenden  Seiten  des  Kristalls , der  aus 
zwei  Hauptteilen  besteht  mit  Zwillingsachsen , die  alle  in  einer 
Ebene  liegen  und  die  so  gebildeten  Drillinge  sind  in  etwas  un- 
regelmäßiger Weise  verwachsen.  Ferner  sind  einige  der  Indivi- 
duen nach  Pyramidenflächen  verzwillingt,  die  gegen  die  allgemeine 
Fläche  so  geneigt  sind,  daß  die  Hinterseite  des  Kristalls  nicht 
gleich  der  Vorderseite  ist. 

Arthur  Russell:  Bericht  über  Mineralien,  die  in  der 
Virtuous  Lady-Grube  bei  Tavistock  gefunden  worden 
sind.  Folgende  Spezies  sind  vorgekommen:  Spateisenstein  in 
Pseudomorphosen  nach  Flußspat  und  Schwerspat,  die  von  den  Berg- 
leuten .,boxes“  resp  „slippers“  genannt  werden.  Markasit  in  garben- 
ähnlichen Aggregaten;  Arsenkies  in  zwei  Abarten;  Anatas,  auf 
einem  Kristall  ein  kleiner  Brookitkristall  aufgewachsen,  der  einzige, 
der  dem  Vortragenden  von  diesem  Fundort  bekannt  geworden  ist. 

Dr.  A.  Hutchinson : Einige  graphische  Methoden  für 
Kristallographie  und  Kristalloptik.  Diagramme  für 
Ausdrücke  mit  Sinussen,  wie  sin  £ = ß sin  V werden  sehr  ver- 
einfacht, wenn  man  log  sin  als  Koordinaten  nimmt;  das  Resultat 
ist  dann  eine  Reihe  paralleler  Geraden. 

Dr.  A.  Hutchinson  und  W.  Campbell  Smith:  Labradorit 
von  St.  John’s  Point,  Co.  Dow' n.  Die  großen  frischen  Kristalle 
aus  dem  Basalt  haben  physikalische  Eigenschaften  — spez.  Gewr. 
= 2,7u6,  Auslöschungsschiefe  auf  010  und  001  resp.  = — 23° 
und  —11°,  Brechungskoeffizienten:  a = 1,5630,  ß = 1,5665, 
y — 1,5712  — , die  sehr  nahe  übereinstimmen  mit  der  Stelle  in  der 
Plagioklasreihe,  gegeben  durch  eine  chemische  Zusammensetzung, 
die  nahezu  durch  die  Formel:  33  Ab,  5 Or,  62  An  ausgedrückt  wird. 

Dr.  G.  F.  H.  Smith:  Apparat  zur  Herstellung  von 
Gesteinsdünnschliffen.  Es  wird  der  Apparat  beschrieben, 
der  kürzlich  für  die  mineralogische  Abteilung  des  Britischen  Mu- 
seums hergestellt  worden  ist. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte.  — Besprechungen.  ] 27 


Russell  F.  Gwixnell  : Kalkspatkristalle  aus  einem 
Wasserbehälter.  Die  Kristalle  sind  während  des  trockenen 
Sommers  1911  von  dem  Wasser  einer  Quelle  aus  dem  Mergel  von 
Beiton  Park  bei  Grantham,  Lines.,  abgesetzt  worden;  sie  maßen 
0,1  mm  in  ihrer  größten  Dimension  und  waren  von  dem  Haupt- 
rhomboeder (101 1)  begrenzt. 

Besprechungen. 

Alexander  H.  Phillips:  Mineralogy,  an  Introduction 
to  the  Theoretical  and  Practical  Study  of  Minerals. 
New  York  bei  Macmillan  Company.  1912.  p.  VIII  + 699.  Mit 
534  Figuren  im  Text. 

In  diesem  Buch  strebt  der  Verfasser  dem  Anfänger  das 
Wesentliche  der  verschiedenen  Abteilungen  der  Mineralogie  knapp 
darzustellen,  daher  darf  das  Buch  nicht  als  ein  Nachschlagewerk 
betrachtet  werden.  Dasselbe  zerfällt  in  drei  Teile : Kristallographie, 
spezielle  Mineralogie  und  bestimmende  Mineralogie,  welchen  Teilen, 
respektiv  218,  32  7 und  i 37  Seiten  gewidmet  werden. 

Der  erste  Teil  umfaßt  erstens  eine  Einleitung  von  32  Seiten, 
worin  die  fundamentalen  Ideen  der  geometrischen  Kristallographie 
besprochen  werden.  Im  zweiten  Kapitel  werden  die  verschiedenen 
und  allgemein  angewandten  Kristallprojektionen  behandelt.  Dann 
folgen  vier  Abschnitte,  welche  die  32  Klassen  der  Symmetrie  be- 
sprechen, anfangend  mit  dem  kubischen  Systeme,  worin  die  Mieks- 
sche  Nomenklatur  benutzt  wird.  Das  siebente  Kapitel  ist  den 
Kristallverwachsungen  und  Zwillingen  gewidmet.  Das  achte  Ka- 
pitel umfaßt  eine  kurze  Beschreibung  der  Kristallmessung,  aber 
nur  mittels  des  einkreisigen  Goniometers.  In  den  nächsten  58  Seiten 
werden  die  optischen  Eigenschaften  der  Kristalle  behandelt.  Der 
Anfänger  wird  zweifelsohne  vielen  Schwierigkeiten  hier  begegnen ; 
da  durch  die  gegebene  Reihenfolge  des  Materials  man  nicht  all- 
mählich von  den  einfachen,  leicht  begreiflichen  Tatsachen  zu  den 
mehr  komplizierten  übergeht,  verliert  der  Abschnitt  viel  an  Klarheit. 

Im  zweiten  Teile  des  Buches  werden,  nach  einer  Besprechung  in 
drei  Abschnitten  von  der  Beziehung  der  Mineralien  zu  den  Elementen, 
der  Bildung  der  Mineralien  und  der  physikalischen  Eigenschaften. 
225  Mineralien  nach  der  DAx.vschen  Klassifikation  beschrieben. 

Der  dritte  Teil  enthält  vier  Abschnitte.  Der  erste  beschreibt 
die  üblicheren  Instrumente,  Reagentien  und  chemischen  Reaktionen 
zur  Bestimmung  der  Mineralien.  Der  zweite  Abschnitt  enthält 
Tabellen  zur  Bestimmung  der  Mineralien  mittels  der  physikalischen 
Eigenschaften,  und  der  dritte  solche  zur  Beobachtung  der  ge- 
wöhnlichen gesteinsbildendeu  Mineralien  im  Dünnschliff.  Der  vierte 
Abschnitt  dieses  Teiles  umfaßt  Tabellen  zur  Bestimmung  der 
Mineralien  mittels  der  früher  beschriebenen  chemischen  Reaktionen. 


128 


Besprechungen.  — Druckfehlerberichtigung. 


Im  allgemeinen  sind  die  Diskussionen  und  Beschreibungen 
klar  und  leicht  verständlich.  Jedoch  bedarf  folgender  Satz  p.  15: 
r Wliere  there  are  axes  of  symmetry  preseut,  the  axes  of  highest 
svmmetry  are  chosen  as  crystallographical  axes“  der  Revision,  da 
dieses  in  den  heakistetraedrischen,  dyakisdodekaedrisclien  und  zahl- 
reichen anderen  Klassen  mit  den  Tatsachen  nicht  in  Einklang 
steht.  Die  Stellung  im  Buche  von  Fig.  3 4,  p.  25,  ist  nicht  die 
richtige.  Das  Gewicht  des  Culliuan  Diamants,  p.  283,  ist  als 
3253,75  Karat  angegeben,  was  bedeutend  zu  hoch  ist.  Dieser 
Diamant  ist  bekanntlich  am  25.  Januar,  und  nicht,  wie  liier  an- 
gegeben, am  6.  Juni  1905  entdeckt  worden.  Die  Ausstattung 
des  Buches  ist  sehr  gut,  nur  ist  zu  bedauern,  daß  die  photo- 
graphischen Abbildungen  der  Kristalle  und  Mineralien  nicht  besser 
ausgefallen  sind.  E.  H.  Kraus. 


L.  P.  O-ratacap:  A Populär  Guide  to  Minerals.  New 
York  bei  D.  van  Nostrand  Company.  1912.  p.  IV  + 330.  Mit 
400  Figuren  im  Text,  74  photographischen  Tafeln  und  einer 
Landkarte  der  Vereinigten  Staaten. 

Obgleich  dieses  Buch  als  Führer  durch  Mineraliensammlungen  im 
allgemeinen  dienen  soll,  ist  es  doch  besonders  für  die  wohlbekannte 
Bementkollektion  im  American  Museum  of  Natural  History  in  New 
York  geeignet.  Die  Anordnung  der  Mineralien  folgt  der  Dana- 
schen  Klassifikation.  Die  74  Tafeln,  welche  photographische  Ab- 
bildungen von  Kristallen  und  Mineralien  der  Bementsammlung  ent- 
halten , sind  besonders  gut  ausgefallen.  In  einer  Einleitung  von 
103  Seiten  versucht  der  Verfasser  dem  Anfänger  das  Wesentliche 
über  Kristallographie,  Struktur , physikalische , optische  und  che- 
mische Eigenschaften  der  Mineralien  zu  geben.  Es  ist  sehr  zu 
bedauern,  daß  so  viele  Kristallfiguren  dieses  Abschnittes  so  schlecht 
gezeichnet  und  unrichtig  aufgestellt  sind,  so  z.  B.  um  nur  einiges 
anzugeben:  Fig.  6,  7,  13,  19,  130  und  216.  Auf  60  Seiten  wird 
die  historische  Entwicklung  der  Mineralogie  besprochen  und  dann 
werden  die  allerwichtigsten  und  schönsten  Stufen  der  Bement- 
kollektion mit  Angabe  der  Sammlungsnummer  knapp  beschrieben. 
Eine  Landkarte  begleitet  das  Buch,  worauf  die  wichtigsten  Mineral- 
fundorte in  den  Vereinigten  Staaten  angegeben  sind. 

E.  H.  Kraus. 


Druckfelilerberichtigung. 

Dieses  Centralbl.  1912  p.  783  Zeile  1 v.  o.  muß  es  heißen: 
eine  einfache  Spalte  statt  diese  einfache  Spalte. 


K.  Endeil,  lieber  Granatamphibolite  und  Eklogite  etc. 


129 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite  von  Tromsö  und  vom 

Tromsdaltind. 

Von  K.  Endeil  in  Berlin. 

Mit  1 Textfigur. 

In  der  anorthositisch-gabbroi  tischen,  vermutlich  postsilurisclien 
Aufschmelzzone  bei  Tromsö  1 im  arktischen  Norwegen  linden  sich 
au  verschiedenen  Stellen  granitische,  amphibolitisclie  und  pyroxeni- 
tisclie  Gesteinsarten.  Ihr  Auftreten  ist  bekannt  durch  die  zahlreichen 
Untersuchungen  von  lv.  Uetersen2,  der  eine  geologische  Karte  dieses 
sehr  ausgedehnten  Distriktes  aufgenommen  hat.  Das  größte  zu- 
sammenhängende Gebiet  sind  die  Gabbros  der  Lyngenhalbinsel. 
Dies  etwa  90  km  lange  Massiv  besteht  zum  Teil  aus  Anorthosit- 
gabbro  mit  Parallelstruktur.  Soweit  die  starke  Vergletscherung 
eine  nähere  Untersuchung  zuläßt,  sind  die  Gabbros  stark  differen- 
ziert und  gehen  häufig  in  Gabbroschiefer,  an  manchen  Stellen 
(besonders  bei  dem  Berg  Rassevarcokka  am  Siidende  des  Lyngen- 
fjords)  auch  in  Chlorit-  und  Serpentinschiefer  über. 

Etwa  40  km  westlich  von  den  Lyngengabbros  treten  auf  der 
Insel  Tromsö  Granatamphibolite  und  Eklogite  auf,  die  in  Glimmer- 
schiefer eingelagert  sind.  Auch  der  1250  m hohe  Gipfel  des  Tromsö 
gegenüberliegenden  Tromsdaltinds  wird  von  Granatamphibolit  ge- 
bildet. Bei  Lanaes  auf  der  Südostseite  der  Insel  Tromsö  sind  die 
Amphibolite  und  Eklogite  linsen-  und  stockförmig  ausgebildet. 
Treten  sie  geschichtet  auf,  so  ist  ihre  Lagerung  konkordant  mit 
den  liegenden  Schiefern.  Randlich  werden  sie  meist  von  Kalk- 
bändern  eingefaßt.  Beim  Tromsdaltind  durchsetzt  ein  massiver 
Granatamphibolit  das  nietamorphe  oder  norwegische  Silur  von  Tromsö 
(Tromsöglimmerschiefer  nach  K.  Petersen)  und  den  Anorthositgneis3 
in  einer  Höhe  von  etwa  600  m über  NX.  Längs  der  Grenze  ünden 
sich  an  schönen  Kontaktmineralien  reiche  Marmore,  die  besonders 
am  Euß  des  NW-Grates  des  Tromsdaltinds  beobachtet  werden  können. 
Je  mehr  man  sich  dem  Gipfel  nähert,  um  so  schieferiger  wird  das 
Gestein.  Der  Gipfel  selbst  wird  von  Granatamphibolitschiefer 
gebildet. 

Im  Sommer  1911  hatte  ich  Gelegenheit,  jene  Gegend  auf  einer 
Studienreise  aus  eigener  Anschauung  kennen  zu  lernen.  Von  dem 

' Nach  J.  Königsberger.  Geol.  Rundschau.  3.  (1912.)  304— 306. 

2 K.  Petersen,  Geologist  Kart  over  Tromsöamt.  Tromsö  Museums 
Aarshefter.  14.  1891. 

3 Vergl.  J.  Königsberger,  a.  a.  0.  304. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


9 


130 


K.  Endell,  Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite 


gesammelten  Material  gebe  ich  vorläufig  nur  eine  petrographisclie 
und  chemische  Beschreibung  der  Granatamphibolite  und  Eklogite. 

Die  Eklogite  sind  feinkörnige  Gesteine  von  lauchgrüner 
bis  graugrüner  dichter  Grundmasse,  in  der  porphyrisch  Granaten 
eingesprengt  sind.  Die  Hauptgemengteile  Granat  und  Omphacit 
sind  ziemlich  regelmäßig  verteilt.  Die  Eklogite  kommen  zusammen 
mit  Granatamphiboliten  vor  und  sind  mit  ihnen  durch  stetige  Über- 
gänge verbunden.  Die  Eklogite  treten  meist  massiv  auf.  während 
die  G r a n a t a m p h i b o 1 i t e häufig  schieferig  ausgebildet  sind.  Diese 
enthalten  in  einem  feinen  grünlichschwarzen  Grundgewebe  aus  Horn- 
blende Grauatporpliyroblasten. 

Der  Eklogit  von  Lanaes  bei  Tromsö  zeigt  u.  d.  M. 
porphyroblastische  Struktur  in  diablastischem  Grundgewebe.  Neben 
den  Hauptgemengteilen  Pyroxen  und  Granat  treten  als  akzessorische 
Gemengteile  auf:  Rutil,  Hornblende,  Plagioklas,  Quarz,  Magnetit 
und  Pyrit.  Der  Py r o x e n ist  hell  smaragdgrün  bis  graugrün  und 
erscheint  im  Dünnschliff  meist  farblos  oder  nur  mit  einem  Stich 
ins  Grünliche.  Dieser  Omphacit  bildet  die  Grnndmasse  kleiner 
Körner  von  gleichmäßiger  Größe  und  trümmerartigem  Habitus,  in 
der  die  Granaten  liegen.  Rundlich  gehen  die  Omphacite  häufig 
in  faserige  Hornblende  über,  deren  Fasern  am  Ompliacitkorn  selbst 
am  feinsten  sind.  Einschlüsse  finden  sich  selten. 

Die  braunroten  bis  rötlichen  Granaten  sind  z.  T.  kristallo- 
graphisch  gut  begrenzt  unter  vorherrschender  Entwicklung  von 
( 1 10',  z.  T.  rundlich  mit  oft  ausgefranstem  Rand.  Der  Granat 
ist  gewöhnlich  stark  zerklüftet  und  im  Gegensatz  zum  Omphacit 
sehr  reich  an  Einschlüssen,  deren  Größe  und  Art  stark  wechselt. 
Am  häufigsten  tritt  Rutil  auf,  ferner  auch  Quarz,  Plagioklas,  Horn- 
blende und  Erz.  Die  „Hornblendisierung  des  Granats“ 
konnte  in  typischer  Ausbildung  beobachtet  werden.  Sie  geht  von 
der  Plieripherie  und  schmalen  Rissen  im  Innern  aus,  wobei  die 
neu  entstandene  Hornblende  eine  schmale  einheitliche  Randzone 
bildet.  Diese  Umwandlung  des  Granats  sowie  auch  des  Pvroxens 
ist  in  einzelnen  Fällen  soweit  vorgeschritten,  daß  nur  noch  Kerne 
von  Omphacit  und  Granat  in  einem  feinen  diablastischen  Grund- 
gewebe aus  Hornblende  und  saurem  Plagioklas  liegen.  Die  so  ent- 
standenen Eklogitamphibolite  stellen  dann  die  Übergangsformen  zu 
den  Mesogesteinen  der  IV.  Gruppe  der  Gkubesm  Axx’schen  Einteilung 
dar  Der  häufigste  akzessorische  Gemengteil  der  Eklogite  ist  der 
Rutil,  dessen  Spaltbarkeit  nach  dem  Prisma  meist  gut  entwickelt 
ist.  Quarz,  Plagioklas,  Magnetit  und  Pyrit  kommen  nur 
in  kleinen  eingesprengten  Körnern  vor. 

Die  Granatamphibolite  zeigen  u.  d.  M.  ein  fein  dia- 
blastisches  Gefüge  von  grüner  Hornblende  und  wenig  Plagioklas, 


U.  Grubexmanx,  Die  kristallinen  Schiefer.  II.  Aufl.  1911.  198. 


von  Tromsö  und  vom  Tromsdaltind. 


131 


welchem  Granatporphyrobiasten  und  Körner  von  Quarz,  Magnetit, 
Titan it  und  Rutil  eingestreut  sind.  Die  Struktur  entspricht  etwa 
der  eines  Diabases. 

Die  Hornblende  ist  grünlich  bis  blaugrünlich  gefärbt.  Die 
Intensität  der  Farbe  und  Doppelbrechung  variiert  stark,  woraus 
geschlossen  werden  kann,  daß  es  sich  um  isomorphe  Mischungen 
von  grüner  Hornblende  mit  natriumhaltigem  glaukophanartigem 
Amphibol  handelt.  Die  gleiche  Erscheinung  beobachtete  L.  Hezner  1 
an  Granatamphiboliten  aus  dem  Ötztal  und  erbrachte  durch  die 
chemische  Analyse  eine  Bestätigung  dieser  Vermutung.  Die  Horn- 
blendekörner sind  ohne  eigene  Form,  gebucht  und  gelappt.  Der 
Pleochroismus  ist  ziemlich  stark: 

// C grün  mit  geringer  Beimengung  eines  bläulichen  Tones 
W:  //b  graugrün  ^> // Ct  gelbgrün. 

Für  die  Auslöschungsschiefe  der  grünen  Hornblende  wurde  21 — 23° 
gefunden.  Auch  dieser  Wert  variiert  mit  der  chemischen  Zu- 
sammensetzung. Die  Hornblende  enthält  Einschlüsse  von  Plagio- 
klas, Titanit  und  Rutil. 

Auf  einem  Schliff  des  Granatamphibolits  von  Lanaes  konnten 
in  der  Hornblende  pleoch roitische  Höfe  festgestellt  werden, 
die  winzig  kleine  braune  Kriställchen  (Zirkon?)  umgaben.  Nach 
den  Untersuchungen  von  0.  Mügge  2,  J.  Joly3  und  G.  Hövermann4  ver- 
danken diese  ihre  Entstehung  der  Aussendung  von  a-Teilchen  radioak- 
tiver Substanzen,  die  von  der  vermutlich  tliorithaltigen  Verwitterungs- 
rinde des  Zirkons  ausgehen.  Da  so  schwach  radioaktive  Mineralien  wie 
der  Zirkon  höchstens  ein  a-Teilchen  im  Jahr  aussenden  können  Ä, 
so  ist  eine  große  Anzahl  von  Jahren  bis  zur  Entstehung  der  pleo- 
chroitisclien  Höfe  erforderlich.  Ihre  Anwesenheit  spricht  also  für 
ein  hohes  geologisches  Alter  des  Gesteins. 

Die  etwa  1 mm  großen,  braunroten  Granaten  unterscheiden 
sich  nur  wenig  von  denen  der  Eklogite.  Als  Einschlüsse  enthalten 
sie  Plagioklas,  Hornblende,  Titanit  und  Rutil. 

Unter  den  akzessorischen  Gemengteilen  tritt  besonders  Titanit 
hervor.  Die  Titanite  haben  meist  Insekteneierform  und  enthalten 
häufig  im  Kern  Rutil,  aus  dem  sie  sich  wohl  gebildet  haben. 
Ganz  vereinzelt  kommen  auch  Quarz  und  Magnetitkörnchen  vor. 

Die  Bauschananalyse  eines  frischen  Granatamphibolits  vom 
Tromsdaltind  ergab  folgende  AVerte : 


1 L.  Hezner.  Min.-petr.  Mitt.  22.  (1903.)  437.  505. 

2 0.  Mügge,  Dies.  Centralbl.  1907.  p.  397—399.  1909.  p.  65, 113, 142. 

3 J.  Joly,  Phil.  Mag.  6.  1907.  p.  381 — 383;  Scint.  Proc.  Royal  Dublin 
Soc.  13.  1911.  p.  86. 

4 G.  Hövermann.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  (1912.) 
p.  321—400. 


9* 


132 


K.  Endell,  Ueber  Granat amphibolite  und  Eklogite  etc. 


Granatamphibolit  vom  Tromsdaltind1. 

Spez.  Gew.  = 3,2. 

Gewichtsprozente  Molekularprozente 


Si  0„ 43,32  52,5 

Ti  02 2,35 

A1203  15.14  8,5 

Fe203  ...  ...  7.09 

FeO 11.00  16,1 

Mn  0 0,22  — 

CaO 9.90  11,6 

Mg  0 5,34  8.7 

K20  0.44  0,3 

Na2  0 2,18  2.3 

P2Oä 0,28 

H2  0 1,77 


100,03  100.0 

S = 52,5 : A = 2.6 ; C = 8,5  ; F = 24.8  ; T = 0 : M = 3,1 ; K = 0,9. 

Projektionswerte  nach  Osann:  Uj  . c-  f135. 

Ein  Vergleich  mit  der  IV.  Gruppe  der  GitrßEXMAXK’scheu 
Einteilung  der  kristallinen  Schiefer  (Eklogite  und  Granatamphi- 
bolite)  und  dem  OsANN’schen  Gabbrobezirk  in  seiner  chemischen 
Klassifikation  der  Eruptivgesteine  zeigt  recht  gute  Übereinstimmung. 
Diese  einem  Gabbro  ähnliche  chemische  Zusammensetzung  deutet 
neben  der  Struktur  auf  einen  eruptiven  Ursprung  des  Gesteins. 
Daß  aus  einem  Gabbro  oder  Diabas  ein  Amphibolit  entstehen  kann, 
ist  schon  in  verschiedenen  Gebieten  kristalliner  Schiefer  beobachtet 
worden.  Die  Granat  amphibolite  von  Tromsö  stellen 
also  wohl  ein  Spalt ungs-  oder  Umwandlungsprodukt 
der  Gabbros  des  Tromsödistriktes  dar. 

Der  Kontakt  des  Granatamphibolits  mit  ge- 
schichteten Marmoren  zeigt  sich  am  schönsten  bei  der  Latein- 
schule in  Tromsö  und  in  Haughen’s  Steinbruch.  Der  Marmor  liegt 
teils  annähernd  horizontal,  teils  ist  er  durch  Amphibolitmassen  in 
die  Höhe  gequetscht.  Charakteristisch  ist  eine  etwa  1 in  breite 
Grenzzone,  in  der  die  Mineralien  des  Amphobolits  stark  vergrößert 
zusammen  mit  neuen  Kontaktmineralien  auftreten  (Fig.  1).  Horn- 
blende, Feldspat  und  Granat  haben  Durchmesser  bis  zu  4 cm.  Der 
Brechungsindex  der  großen  weißlichen  Feldspate  ist  niedriger  als 
der  Brechungsindex  des  Kanadabalsams.  Die  Auslöschungsschiefe 
beträgt  auf  P im  Mittel  3°  25'.  Es  handelt  sich  also  um  einen 
Oligoklasalb.it  von  der  Zusammensetzung  90Ab  lOAn. 

An  manchen  Stellen  kommen  bis  zu  1 cm  lange,  kurzsäulige, 
hemimorph  ausgebildete  gelbe  Turmaline  vor,  die  in  dieser 
schöngelben  Färbung  von  andern  Fundorten  nicht  bekannt  sein 


Analysiert  von  Dr.  A.  LiNUNF.R-Breslau. 


Marmor 


0.  Miigge,  Zweckmäßige  Indikatoren  aus  Glas. 


133 


dürften.  Die  Anwesenheit  von  Turmalin  deutet  auf  die  Zufuhr  von 
bor-fluor-haltigen  Gasen,  deren  mineralbildende  Kraft  wohl  die 
erhebliche  Kornvergrößerung  in  der  Nähe  des  Kontaktes  hervor- 
gebracht hat.  Außerdem  linden  sich  noch  folgende  Kontakt- 
mineralien in  mehr  oder  weniger  guter  Ausbildung:  K’util, 


6 ranatamphibolit 


Grenzzone  beim  Kontakt  des  Granat amphibolits  mit 
Marmor  in  Haughen's  Steinbruch  bei  Tromsii. 


Titanit,  Pyrit,  Magnetkies,  Zoisit,  Apatit.  K.  Peter- 
sex 1 beobachtete  ferner  Skalpolith  und  Ortith,  A.  Helland1 2 
mikroskopisch  Zirkon.  Die  Kontaktmarmore  am  Fuß  des  Troins- 
daltinds  zeigen  ziemlich  die  gleichen  Mineralien,  jedoch  sind  an 
der  dort  von  Geröll  etwas  verschütteten  Grenze  die  Aufschlüsse 
nicht  so  schön  wie  in  den  Steinbrüchen  bei  Tromsö. 

Berlin,  Januar  1913. 


Zweckmässige  Indikatoren  aus  G-las. 

Von  0.  Mügge  in  Göttingen. 

Zur  Ergänzung  der  ausführlichen  Mitteilungen  von  V.  Gold- 
schmfdt  in  dies.  Centralbl.  1913.  p.  39  erlaube  ich  mir  darauf  hin- 

1 K.  Peterse.v,  Tromsö  Museums  Aarshefter.  1.  1878.  51 — 52. 

2 A.  Helland,  ebenda.  19. 


ffUOZZ'UQJQ 


134 


Gr.  Rack, 


zuweisen,  daß  in  der  Lösung  leicht  sichtbare  und  durch  die  ein- 
gravierte Dichte-Zahl  nicht  verwechselbare  Indikatoren  aus  Glas, 
zugleich  von  solcher  Größe,  daß  sie  im  HAKADA’sclien  Trennungs- 
apparat verwendet  werden  können,  ohne  daß  dieser  während  der 
Trennung  oben  geöffnet  zu  werden  braucht  und  so,  daß  bei  .jeder 
abgetrennten  Portion  der  zugehörige  Indikator  liegt,  von  .Johnsen 
und  mir  in  dies.  Centralbl.  1905.  p.  152  beschrieben  sind. 


Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores. 

Von  Georg  Rack  in  Berlin. 

Mit  2 Textfiguren. 

In  meiner  Arbeit  „Petrographisclie  Untersuchungen  an  Erguß- 
gesteinen von  Soembawa  und  Flores“  1 habe  ich  einige  Gesteine 
des  mittleren  Teils  der  Insel  Flores  (Umgebung  von  Geni  und 
Eudeh)  untersucht,  die  ausschließlich  Vertreter  der  Kalkalkalireihe 
waren. 


Fig.  1. 


1 G.  Rack,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  42 — 84.  1912. 


Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores.  1B5 

Das  liiesige  Mineralog.-petrographische  Institut  enthielt  noch 
eine  kleine  Anzahl  bisher  unbearbeiteter  Handstöcke  von  Flores, 
die  Herr  En.  v.  Mertens  1 auf  seiner  Reise  nach  der  Südsee  int 
Jahre  1 86 H gesammelt  hat.  Das  von  ihm  bereiste  Gebiet  be- 
schränkt sich  auf  die  Umgebung  des  an  der  östlichen  Küste  ge- 
legenen Forts  Lareutoeka,  in  dessen  unmittelbarer  Nähe  der  Vul- 
kan Illimandiri  liegt  (s.  Fig.  1). 

Auch  diese  Gesteine  sind  Kalkalkaligesteine,  und  zwar  ge- 
hören sie  zur  Familie  der  Andesite. 

1.  Augit-Olivi n- Andesite. 

Schlucht  Semmduk  bei  Lareutoeka.  (Xo.  2.) 2 — Ein 
festes  Gestein  mit  schwach  glänzender  Grundmasse.  Mit  dem 
unbewaffneten  Auge  erkennt  man  weißliche  Plagioklase , deren 
Kern  manchmal  durch  Einschlüsse  dunkler  gefärbt  ist,  ferner 
schwarze  Augite  und  rotbraune  Olivine. 

Der  Feldspat,  ein  der  Labradorreihe  angehörender  PI agi  o- 
klas,  zeichnet  sich  durch  eine  vorzügliche  Spaltbarkeit  und  Zwil- 
lingsbildung aus.  In  einigen  Individuen  ist  die  Zonarstruktur  gut 
zu  erkennen.  Der  einheitliche  Kern  ist  dann  durchweg  sehr  breit, 
und  auf  diesen  breiten  Kern  folgt  eine  Anzahl  äußerst  schmaler 
Zonen,  die  in  ihrer  Gesamtheit  etwa  % der  Breite  des  Kerns  be- 
sitzen. Nicht  alle  Individuen  enthalten  Glaseinschlüsse.  Manche 
Kristalle  sind  fast  einschlußlos.  Die  Einschlüsse  sind  parallel 
zu  den  Begrenzungsflächen  angeordnet. 

Der  grünliche,  nicht  pleochroitische  Augit  kommt  ziemlich 
häufig  vor.  Man  beobachtet  die  Begrenzungen  (111),  (100), 
(010)  und  (110).  Verzwillingungen  treten  nicht  auf.  Die  Dis- 
persion der  optischen  Achsen  ist  gering.  Der  Augit  ist  fast  stets 
mit  Magnetit  verwachsen  oder  enthält  diesen  als  Einschluß. 

Der  ebenso  häufig  wie  der  Augit  vorkonnnende  Olivin  ist 
wasserklar  und  besitzt  eine  ausgezeichnete  Idiomorphie.  Die  Ab- 
sonderung nach  der  Basis  gibt  sich  durch  breite  Risse  kund.  Ver- 
einzelt sieht  man  die  Spaltbarkeit  uach  (Olü). 

Die  Grundmasse  besteht  aus  Plagioklas,  Augit,  Magnetit- 
körnchen und  einem  bräunlichen  Glase,  das  von  allen  Bestandteilen 
den  größten  Anteil  an  der  Zusammensetzung  hat.  Plagioklas  und 
Augit  sind  idiomorph  begrenzt  und  isometrisch  ausgebildet. 

Vulkan  Illimandiri  bei  Lareutoeka.  (Xo.  4.)  — Das 
rötliche  Gestein  hat  blasige  Hohlräume,  die  bis  10  mm  breit  sind. 
Einsprenglinge  sind  Plagioklas,  Augit  und  Olivin. 

Der  nach  dem  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  verzwillingte 
basische  Plagioklas  tritt  fast  durchweg  in  leistenförmigen 

1 Ed.  v.  Mertens,  Banda,  Timor  und  Flores.  Zeitschi’,  d.  Gesellsch. 
f.  Erdk.  Berlin.  24  p.  83.  1889. 

2 Gibt  die  Nummer  der  Sammlung  an. 


136 


G.  Rack. 


Schnitten  auf,  die  auf  eine  taf'elige  Ausbildung  schließen  lassen. 
Die  Leistchen  werden  bis  1 mm  lang.  Glas-  und  Augiteinscliliisse 
sind  sehr  zahlreich. 

Der  Anteil  des  Augits  und  des  Olivins  unter  den  Einspreng- 
lingen ist  gleich.  Der  Augit  ist  grünlich  und  zeigt  gelegentlich  gut 
ausgebildete  Zonarstruktur.  Auch  der  Olivin  ist  grünlich.  Er 
unterscheidet  sich  im  gewöhnlichen  Lichte  leicht  vom  Augit  durch 
die  braunrot  verwitterten  Ränder  und  Spalten.  Die  Magnetit- 
einschlüsse beschränken  sich  fast  nur  auf  den  Augit. 

Die  pilotaxitische  Grundmasse  besteht  hauptsächlich  aus 
einem  sauren  Plagioklas,  aus  Augit  und  Magnetit.  Man  trifft  auch 
rotbraun  zersetzten  Olivin  und  wenig  Glas  an. 

Das  Verhältnis  der  Einsprenglinge  zur  Grundmasse  ist  etwa 
wie  3:2.  Nach  dem  mikroskopischen  Befunde  könnte  man  das 
Gestein  als  Basalt  bezeichnen , makroskopisch  besitzt  es  aber 
durchaus  andesitischen  Charakter. 

2.  Hypersthen- Augit- Amlesite. 

Bei  der  alten  Kirche  in  Laren toeka.  (No.  5.)  — Das 
dichte  Gestein  ist  rötlichgrau.  Die  Bruchflächen  sind  flachmuschelig. 

Die  Einsprenglinge  sind  nicht  zu  bedeutender  Größe  gelangt. 
Der  vorherrschende  Plagioklas  erreicht  höchstens  eine  Länge  von 
0,4  mm  und  ist  nach  dem  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  verzwil- 
lingt.  Der  monokline  Pyroxen  ist  als  Einsprengling  spärlich  vor- 
handen, ebenso  die  braune  Hornblende,  deren  Ränder  bereits  stark 
opazitisiert  sind.  Der  zahlreicher  auftretende  idiomorphe  Hypersthen 
erreicht  nicht  die  Größe  der  anderen  Gemengteile.  Teilweise  ist 
er  rötlichbraun  gefärbt. 

Die  Grundmasse  überwiegt  gegenüber  den  Einsprenglingen. 
Sie  ist  pilotaxitisch  und  besteht  aus  vielen  sauren  Plagioklas- 
leistchen,  ferner  aus  wenig  Orthoklas,  rötlichbraun  bestäubten 
Hypersthensäulchen  und  wenig.  Glas. 

Vulkan  Illimandiri  bei  Laren  toeka.  (No.  1.)  — Das 
feste  Gestein  ist  deutlich  porphyrisch.  In  der  grauvioletten  Grund- 
masse  liegen  vorwiegend  glasklare  bis  schwach  milchweiße  Feld- 
spate. Die  dunklen  Gemengteile  treten  an  Menge  dem  Plagioklas 
gegenüber  zurück.  Das  Gestein  hat  ein  trachytisches  Aussehen. 

Der  Feldspat,  ein  ziemlich  basischer,  polysynthetisch  ver- 
zwillingter  Plagioklas,  tritt  in  Kriställchen  bis  zu  3 mm  Länge 
auf.  Die  Begrenzungen  sind  idiomorpli.  Gewöhnlich  sind  mehrere 
Individuen  zu  einem  Kristallkomplex  verwachsen.  Einschlüsse 
sind  selten. 

Der  hellgrüne  Augit  ist  z.  T.  stark  korrodiert.  Iu  einigen 
Kristallen  hat  er  noch  seine  geradlinigen  Begrenzungen  bewahrt. 
Zwillinge  nach  (100)  sind  häufig. 

Hypersthen  tritt  in  kleinen  schlanken  Säulchen  auf. 


Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores. 


137 


Die  bräunliche,  stark  pleochroitiscke  Hornblende  ist  stets 
randlick  resorbiert.  c:c  = 2 — 3°.  Sie  kommt  weniger  zahlreich 
vor  als  Augit  und  Hypersthen.  Augit  nnd  Hornblende  sind  oft 
mit  größeren  Magnetitkriställchen  verwachsen. 

Die  vorherrschende  Grunduiasse  besteht  zum  größten  Teil 
ans  Feldspatleistchen  in  teilweise  fluidaler  Anordnung.  Aus  der 
fast  geraden  Auslöschung  der  Leistcheu  kann  man  schließen,  daß 
sie  saurer  sind  als  die  Einsprenglingsplagioklase.  Xebeu  dem 
Plagioklas  tritt  noch  Orthoklas  in  allotriomorpher  Begrenzung  auf. 
Außerdem  beteiligen  sich  winzige  Magnetitkörnchen  und  Augitkri- 
ställchen  am  Aufbau  der  Grundmasse. 

Vulkan  lllimaiuliri.  (Xo.  G.)  — Ein  festes,  deutlich  por- 
phyrisches  Gestein  mit  kleineren  und  größeren  Blasenräumen,  die 
auf  ein  Erstarren  unter  Gasexhalationen  hiuweisen.  Als  Einspreng- 
linge erkennt  man  fast  nur  Plagioklas,  gelegentlich  Pyroxen. 

Der  Plagioklas,  ein  Labrador,  auch  Labrador-Bytownit, 
überragt  an  Größe  die  anderen  Gemengteile.  Er  enthält  viel 
Glas  eingeschlossen.  Der  gewöhnliche  grünliche  Augit  ist  nicht 
pleochroitiscli  und  oft  nach  H O)  verzwillingt.  Der  Hypersthen, 
der  auch  manchmal  durch  Eisenhydroxyd  rötlichbrauu  gefärbt  ist, 
zeigt  einen  deutlichen  Pleochroismus  von  lilarötlichen  nach  bläu- 
lichgrünen Farbentönen.  Augit  und  Hypersthen  kommen  zuweilen 
auch  in  regelmäßiger  Verwachsung  vor,  wobei  der  Kern  stets  aus 
Hypersthen,  die  Umrandung  aus  Augit  besteht.  Die  Pyroxeue  sind 
gewöhnlich  0,75 — 0,5  mm  lang,  doch  kommt  noch  eine  zweite 
Generation  vor,  deren  Kristalle  zwischen  0, 1 und  0,05  mm  schwanken. 
Spärlich  tritt  rundlich  stark  resorbierter  Biotit  auf. 

Die  Grundmasse  besteht  hauptsächlich  aus  Feldspatleistchen, 
die  saurer  sind  als  die  Eiusprenglingsplagioklase,  ferner  aus  wenig 
Orthoklas,  Magnetitkörncheu  und  Glasbasis. 

Vulkan  111  im  an  di  ri.  Xo.  10.)  — Ein  festes,  graues  Ge- 
stein mit  porphvrischen  Einsprenglingen  von  Plagioklas  und  Pyroxen. 

Der  Plagioklas  ist  stets  polv synthetisch  verzwillingt.  Xeben 
dem  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  beobachtet  mau  vereinzelt  Peri- 
klinlamellen.  Glaseinschlüsse  sind  mitunter  sehr  zahlreich  vor- 
handen. Der  hellgrüne  Augit  ist  idiomorph  begrenzt,  manchmal 
nach  (100)  verzwillingt.  C:c  = 43°.  Der  Hypersthen  ist 
ebenfalls  geradlinig  begrenzt  und  deutlich  pleochroitiscli.  Er  ist 
nicht  so  häufig  wie  der  monokline  Pyroxen.  Regelmäßige  Ver- 
wachsungen zwischen  Augit  und  Hypersthen  sind  keine  Seltenheit. 
Spärlich  tritt  eine  braungrüne,  stark  resorbierte  Hornblende 
auf.  c:c=13°.  Außerdem  beobachtet  man  noch  ein  gelblich- 
grünes  Umwandlungsprodukt,  dessen  Begrenzungen  auf  Olivin 
als  ursprüngliches  Mineral  deuten. 

Die  Grundmasse  ist  holokristallin.  Sie  besteht  vorwiegend 
aus  saurem  Plagioklas,  aus  Augit  und  Magnetitkörnchen.  Glas- 


G.  Rack,  Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores. 


13S 


basis  ist  nicht  beobachtet  worden.  Der  Magnetit  ist  z.  T.  in 
Brauneisenerz  umgewandelt,  wodurch  ganze  Partien  der  Grnrnl- 
masse  rötlichbraun  gefärbt  sind. 

3.  Augitaiidesite. 

Vulkan  II lim  an  d ir  i.  (Xo.  3.)  — Das  rötliche  Gestein  ist 
feinporös.  Die  Einsprenglinge  sind  in  geringer  Anzahl  vorhanden. 
Ausnahmslos  sind  es  einschlußarme  Plagioklase  mit  idiomorphen  Be- 
grenzungen. In  der  Hauptsache  besteht  das  Gestein  aus  einem  röt- 
lichbraunen  Glase,  das  von  Feldspatuädelchen  und  Magnetitkörnchen 
erfüllt  ist.  Aus  der  glasigen  Grundmasse  leuchten  öfters  auch  stark 
doppeltbrechende  Körnchen  auf,  die  wahrscheinlich  Augite  sind. 

Vulka  n 111  im  an  dir  i.  (No.  7.)  — Schon  mit  dem  bloßen 
Auge  ist  in  dem  schwarzgrauen  Gestein  ein  Überwiegen  der  Grund- 
masse zu  bemerken.  Die  idiomorph  begrenzten,  verzwillingten 
Plagioklase  sind  deutlich  zonar  struiert.  Der  Augit  ist  grünlich, 
nicht  pleochroitisch.  Die  feinkörnige  Grundmasse  enthält  Feldspat, 
Augit  und  reichlich  Magnetitkörnchen.  Neben  den  verzwillingten 
Plagioklasleistchen  kommen  noch  Kalifeldspat  vor.  Glas  ist  nicht 
beobachtet  worden. 


o Flores 


Fig.  2. 


t'l.  Leidhold,  Ueber  angeblich  gegen w.  tekton.  Bewegungen  etc.  139 


Berichtigung. 

In  meiner  oben  erwähnten  Arbeit:  „Petrographische  Unter- 
suchungen an  Ergußgesteinen  von  Soembawa  und  Flores“  ist  mir 
bei  der  Berechnung  der  OsANx’schen  Werte  A und  C ein  Fehler 
unterlaufen.  Ich  teile  im  folgenden  die  richtigen  Werte  für  die 
OsANN’schen  Größen  mit  (vergl.  Fig.  2). 


Analyse 

No. 

s 

A C 

F 

a 

c 

f 

11 

Reihe 

Typenformel 

I. 

72,19 

4,74 

5,87 

6,59 

K - 
0,0 

6,8 

7,7 

8,0 

(t 

S 72,19 

a5,5 

C7 

f7,5 

n8,0 

II. 

70,69 

4.61 

6,44 

7,21 

5,0 

Ul 

7,9 

7.9 

(( 

s70.69 

a5 

c7 

u 

n7,9 

IV. 

65,54 

4,85 

6.50 

11,76 

4.2 

5,6 

10.2 

7,7 

(C 

s05.54 

a4 

C6 

ÜO 

n7  7 

V. 

60,32 

5,67 

6.29 

15.76 

41 

4.5 

11,4 

6.8 

q 

P 

s60,32 

a4 

C4,5 

Li,c 

n6,8 

VI. 

64,84 

5,60 

6,38 

11,20 

4.8 

5,5 

9 7 

8 

(i 

S04,84 

a5 

('ö,C 

L),5 

n8.0 

VII. 

58,42 

4,28 

8,62 

15,79 

2,9 

6,0 

11.1 

8 

(( 

S58  42 

a8 

C6 

hl 

11 8.0 

VIII. 

54.91 

4,20 

8,83 

19,03 

2,6 

5,5 

11,9 

6.6 

ß 

S54,91 

a2,ö 

C5.5 

h-2 

11 0.6 

IX. 

56,63 

2,68 

11.59 

14,85 

1,8 

8,0 

10.2 

6,5 

ß 

S50,03 

a2 

C8 

üo 

n6,5 

XII. 

53,55 

6,73 

3,15 

28.63 

3,1 

L7 

15,2 

5,7 

ß 

®53,55 

a3 

C2 

f15 

n5,7 

XIII. 

72,76 

4,98 

4,35 

8.58 

5,6 

4,9 

9,5 

8.9 

(C 

S 72.70 

a5,5 

c5 

ko 

n8,9 

XIV. 

57,59 

4,19 

5,50 

23,03 

2,6 

3,3 

14,1 

9 

(( 

S57,59 

a2,ö 

c3.r, 

f14 

n9 

XV. 

58,79 

5,06 

7.54 

16.01 

3,5 

5.3 

11.2 

8,9 

(C 

S58,79 

a3,5 

C5,ö 

f'll 

"8  9 

XVII. 

72,55 

4,48 

4,27 

9,96 

4,8 

4,6 

10.6 

7.6 

(C 

s72,55 

a5 

C4  5 

ho.ö 

"7,6 

XVIII. 

68,55 

4.50 

5,80 

10,85 

4.3 

0,0 

10,2 

7.8 

« 

s68,55 

a4,5 

c3,5 

ho 

n7,8 

XIX. 

61,47 

3,05 

8,2016,03 

2,2 

6,0 

11,8 

8,3 

(C 

S01,47 

a2,5 

c(i 

hl.  5 

"8.3 

XX 

60,89 

3,24 

7,68 

17,27 

2.3 

5,5 

12,2 

8.0 

(C 

sö0,89 

a2.5 

C5,5 

h 2 

"8  0 

Berlin,  Min.-petr.  Institut  der  Universität,  Dezember  1912. 


Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische  Bewegungen  in 
der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 

Von  CI.  Leidhold  in  Straßburg  i.  E. 

Schon  seit  längerer  Zeit  sind  die  großartigen  Abrutschungen 
und  Abstürze  und  in  Verbindung  damit  die  bedeutenden  Landverluste 
an  dem  Steilufer  der  kleinen  Insel  Hiddensee,  westlich  von  Rügen, 
bekannt.  Der  geologische  Aufbau  und  die  Morphologie  der  Insel 
sind  schon  verschiedentlich  beschrieben  worden  von  Elbert  l, 

1 Die  Landverluste  an  den  Küsten  etc.  X.  Jahresbericht  der  geo- 
graph.  Gesellschaft  zu  Greifswald,  p.  1 — 27.  Über  die  Standfestigkeit  des 
Leuchtturms  auf  Hiddensee.  Ebenda,  p.  28 — 41. 


140  CI.  Leidhold.  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische 


E.  W.  Schmidt1 2,  M.  Haltenbekger 2 u.  a.  Jedem  Besucher  der 
Insel  wird  der  Gegensatz  auffallen  zwischen  dem  bis  70  m 
hohen  Diluvialkern,  den  man  wohl  am  besten  als  Stück  eines 
Staumoränenzuges  auffaßt,  und  den  beiden  sich  nach  Süden 
anschließenden  alluvialen  Inselschwänzen,  dem  14,5  km  langen 
Hiddenseer  Flachland  mit  dem  Gellen  im  Westen  und  dem  Alt 
Hessin  im  Osten.  Während  an  den  beiden  Inselanhäugen  im  all- 
gemeinen Landzuwaclis  erfolgt,  wird  von  dem  Diluvialkern  Jahr 
für  Jahr  ein  breiter  Streifen  Landes,  fast  1,5  m jährlich,  abgetragen. 
Die  großen  Abrutschungen  und  Abstürze  am  Steilufer  und  im  Zu- 
sammenhang damit  das  Auftreten  rundlicher  Bruchsysteme  und  Spalten 
im  Oberland  wurden  von  den  verschiedenen  Beobachtern  zurückge- 
führt auf  das  Zusammenwirken  der  Brandung,  der  Verwitterung,  der 
Sickerwässer  etc.,  also  hauptsächlich  auf  rein  exogene  Vorgänge. 

Neuerdings  glaubt  nun  Prof.  Jaekel3  den  Nachweis  bringen 
zu  können,  daß  „der  Inselkern,  vielleicht  auch  ihre  Inselschwänze 
noch  gegenwärtig  in  starker  Hebung  begriffen  ist  und  daß  die 
Bruchsysteme  am  Nordwestufer  des  Dornbusches,  die  noch  in  den 
letzten  Jahren  erhebliche  Vertikalbewegungen  zeigten , der  un- 
mittelbare Ausdruck  dieser  tektonischen  Vertikalbewegungen  sind“. 
Jaekel  trennt  zunächst  die  rundlichen  Uferabbriiche  im  Norden  und 
Nordosten  des  Dornbusches  (Swantiberg,  Euddorn4)  von  den  größeren 
„tektonischen“  Störungen  am  Leuchtturm,  Bakenberg  etc.  Während 
erstere  im  allgemeinen  kleinere  parabolische  Stücke  aus  dem  Ufer- 
raud  ausschneiden,  laufen  die  Spalten  am  Leuchtturm  über  Hügel 
und  Täler  auch  weiter  vom  Steilrand  entfernt.  Bei  diesen  rezenten 
Störungen  kämen  die  Spalten  am  Leuchtturm,  am  Bakenberg,  Renn- 
baum in  Betracht  , ferner  der  sogen.  Backenqueibruch  und  einige 
ältere  Quersenken  am  Rennbaum  und  nördlich  der  Swantewitschlucht. 

Nun  sind  die  rundlichen  Uferabbriiche  im  Norden  der  Insel, 
die  auch  nach  Jaekel  ihre  Entstehung  rein  exogenen  Vorgängen 
verdanken,  in  ihrem  Ausmaß  keineswegs  zu  unterschätzen.  Es 
kommen  auch  hier  Spalten  von  100  m Länge  und  mehr  vor5; 
nach  jedem  größeren  Absturz  bildet  sich  weiter  landeinwärts  ein 
neuer  Riß  und  stellt  eine  neue  Scholle  Landes  zum  Abbruch  bereit. 

1 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1910.  Beil.-Bd.  XXIX.  p.  316  ff. 

2 Über  Art  und  Umfang  des  Landverlustes  und  Landzuwachses  auf 
Hiddensee.  Dissertation.  Budapest  1911. 

3 Über  gegenwärtige  tektonische  Bewegungen  etc.  Zeitschr.  d.  deutsch, 
geol.  Gesellsch.  1912.  Monatsberichte  No.  5. 

4 Vergl.  die  Texttigur  No.  1 bei  Jaekel. 

5 Nach  freundlicher  Mitteilung  vom  kgl.  Wasserbauamt  in  Stralsund 
fanden  die  neuesten  Abrutschungen  Ende  September  dieses  Jahres  500  m 
nördlich  vom  Kanonenschuppen  in  einer  Länge  von  ungefähr  100  m statt. 
Außerdem  ist  südlich  von  dieser  Abrutschstelle  noch  eine  Strecke  von 
150  in  Länge  in  Bewegung. 


Bewegungen  in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 


141 


Betrachten  wir  die  große  Spalte  vor  dem  Leuchtturm  auf 
einer  der  Karten  der  kgl.  Wasserbauinspektion  W in  Stralsund, 
wie  wir  sie  bei  E.  W.  Schmidt  finden  (1.  c.  p.  355),  so  wird  man 
erkennen,  daß  die  Spalte,  deren  Entfernung  vom  Uferrand  landein- 
wärts im  Maximum  1 50  m beträgt,  ziemlich  parallel  mit  der  Steil- 
küste verläuft  und  dabei,  wenn  auch  nicht  vollständig,  einen 
vorspringenden  Teil  des  Ufers  ausschneidet , der  etwa  zwischen 
dem  Kanonenhaus  und  der  Swantewitschlucht  gelegen  ist.  Herr 
Jaekel  scheint  bei  seinen  Untersuchungen  übersehen  zu  haben, 
daß  die  Bildung  der  Erdspalte  vom  Herbst  1907  weiter  nichts 
ist  als  eine  neue  Bewegung  längs  einer  seit  einer  Reihe  von 
Jahren  bestehenden  Spalte.  Der  Unterschied  besteht  nur  darin, 
daß  die  Spalte  im  Herbst  1907  sich  nach  NNO  und  SSW  ver- 
längert hat  und  daß  die  Bewegung  in  dem  westlichen  Teil  des 
alten  Risses,  der  hier  nach  dem  Steilrand  verlief,  anscheinend 
nicht  stattgefunden  hat.  Ein  Vergleich  der  ELBEitT’sclien  Karte1, 
wo  diese  ältere  Randspalte  eingezeiclmet  ist,  mit  der  von  E.  W. 
Schmidt  zeigt  den  Zusammenhang  zwischen  dem  alten  und  neuen 
Riß  ganz  klar.  Erwähnen  möchte  ich  noch , daß  die  Spalte 
am  Steiluferrand  beginnt,  um  erst  dann  in  wechselnder  Richtung 
zwischen  NNO  und  ONO  ziemlich  unabhängig  von  der  Oberflächen- 
gestalt über  flache  Täler  und  Bergrücken  zu  verlaufen , eine  Er- 
scheinung, auf  die  bereits  Schmidt  (1.  c.  p.  348)  aufmerksam 
gemacht  hat.  Es  scheint  sich  in  dem  Gebiet  zwischen  Swantewit- 
schlucht und  Kanonenschuppen  allmählich  jener  Zustand  heraus- 
zubilden, den  Elbert  vermutet  hat.  Durch  die  Zunahme  der 
Rutschungen  in  der  Swantewitschlucht  und  durch  die  Unterspülung 
und  langsame  Abtragung  der  westlich  des  Flederberges  liegenden 
Mergelscholle,  beginnen  die  Bakenberg-  und  Flederbergscholle  all- 
mählich ihren  Halt  zu  verlieren.  Damit  würden  nun , was  das 
praktische  Interesse  dieser  Spaltenbildung  anbetrifft,  die  Aussichten 
für  die  Standfestigkeit  des  Leuchtturms  keineswegs  so  günstig 
sein,  wie  meist  angenommen  wird. 

Bei  dem  Bruchsystem  südwestlich  des  Bakenberges,  das  nach 
Jaekel  ebenfalls  durch  rezente  tektonische  Bewegungen  bedingt 
sein  soll,  treten  uns  die  Abrutschungen  in  Form  mehrerer  von 
einander  durch  erhebliche  Niveauunterschiede  getrennter  terrassen- 
förmiger Abbrüche  entgegen,  die  z.  T.  als  „Grabenbrüche“  aus- 
gebildet sind,  wie  bereits  Schmidt2  konstatiert  hat.  Man  wird 
auch  bei  diesen  Bruchbildungen  den  parabolischen  Ausschnitt  aus 
der  Uferkante  erkennen,  nur  ist  der  Radius  des  parabolischen 
Stückes  hier  weitaus  größer  als  bei  den  Abbrüchen  am  Nordufer 
des  Dornbusches ; der  Höhenunterschied  zwischen  dem  stehenge- 
bliebenen Stück  und  der  losgelösten  Scholle  ist  in  der  Mitte  am 

1 Über  die  Standfestigkeit  etc.  1.  c.  Tafel  IV. 

2 1.  c.  p.  322. 


142 


CI.  Leidhold,  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische 


größten  und  verringert  sich  nach  beiden  Seiten  zum  Steilufer 
hin  allmählich  immer  mehr.  Wäre  ein  tektonischer  Vorgang 
die  Ursache  dieser  Rutschungen  gewesen,  so  müßte  die  Be- 
wegung längs  einer  ziemlich  flach  einfallenden  Verwerfung  statt- 
gefunden haben,  was  mit  den  „tektonischen  Vertikalbewegungen" 
und  „Grabenbrüchen“  schwer  in  Einklang  zu  bringen  ist.  Bei 
der  Bildung  des  Bruchsystems  südwestlich  des  Bakenberges  spielen 
die  hier  stark  entwickelten  interglazialen  Sande  eine  wichtige 
Rolle.  Infolge  der  geringen  Kohäsion  der  Sande  können  größere 
einheitliche  Abrutschungen,  wie  wir  sie  beim  Geschiebemergel  be- 
obachten , nicht  stattlinden ; das  Land  rutscht  vielmehr  terrassen- 
förmig ab.  Die  Bildung  der  Randspalten  ist  auch  hier  nur  auf 
eine  Massenverlagerung  durch  einfachen  Böschungsschub  zurück- 
zuführen. Indem  nämlich  unten  am  Strand  die  Sande  etc.  weg- 
geschwemmt werden , verlieren  die  Erdschollen  im  Oberland  ihr 
Widerlager  und  setzen  sich  in  Bewegung,  wobei  die  einmal  vor- 
handenen Niveauunterschiede  zwischen  den  einzelnen  Terrassen 
und  „Grabenbrüchen“  allmählich  größer  werden,  wie  die  Messungen 
von  Elbkkt  und  Schmidt  ergeben  haben.  Die  ganze  800  m lange 
Strecke  ist  also  dauernd  im  Abrutschen  begriffen.  Unter- 
stützt werden  die  Bewegungen  in  diesem  Gebiet  durch  das  Auf- 
treten von  undurchlässigen,  zum  Meer  einfallenden  C//prina- Tonen  1 
und  anderen  marinen  Tonbänken,  die  für  die  hangenden  Partien 
als  Gleitflächen  dienen. 

Als  weiterer  Beweis  für  rezente  tektonische  Störungen  werden 
der  sogen.  Bakenquerbruch  und  einige  andere  Quersenken  an- 
gegeben. Diese  Spalten,  die  senkrecht  gegen  den  Uferrand  ge- 
richtet sind,  sollen  mit  der  Annahme  einfacher  Abstürze  und  Ab- 
rutschungen gänzlich  unvereinbar  sein.  Diese  Annahme  trifft  in- 
dessen nicht  zu,  da  auch  an  Abrutschungen  anderer  Gebiete  ähnliche 
Querbrüche  bekannt  sind.  Wie  mir  Herr  Geheimrat  F.  Wahn- 
schaffe liebenswürdigerweise  mitteilte , konnte  er  analoge  Quer- 
spalten wie  auf  Hiddensee  auch  bei  den  Abrutschungen  des 
Brodtener  1 fers  bei  Travemünde,  der  Samländisclien  Küste  zwischen 
Cranz  und  Roselinen,  und  ferner  bei  Rutschungen  in  den  Septarien- 

1 Über  die  Stellung  des  Cyprinentons  im  Diluvium  gehen  bei  dem 
Mangel  klarer  Aufschlüsse  die  Ansichten  der  verschiedenen  Beobachter 
immer  noch  sehr  auseinander.  A.  Günther  (Dislokationen  auf  Hiddensee. 
1891)  erklärte  ihn  für  jungdiluvial,  Drücke  (Führer  durch  Pommern.  1899) 
für  präglazial.  Elbkkt  stellte  ihn  dann  ins  ältere  Interglazial ; dieser 
Ansicht  schloß  sich  Drücke  in  seiner  Geologie  von  Pommern  an.  Nach 
den  neueren  Untersuchungen  von  Nordmann  (Eem  Zonere.  Dänin,  geol. 
Undersögelse.  II.  17.  Referat  von  E.  Koken  im  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1911. 
II.  p.  441)  an  den  ungestörten  Profilen  von  SW-.Jiitland  sollen  die  frag 
liehen  Schichten  ins  letzte  Interglazial  zu  stellen  sein.  Dagegen  möchte 
N.  0.  Holst  (Alnarps  floden.  Referat  von  E.  Koken.  Dies.  Jahrb.  1912. 
I.  p.  18)  den  Eemablagerungen  wieder  ein  präglaziales  Alter  zusprechen 


Bewegungen  in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 


143 


tongraben  bei  Kratzwiek  und  Cavelwisch  (nördlich  von  Stettin) 
beobachten.  Der  Bakenquerbruch  ist  meines  Erachtens  nur  im 
Zusammenhang  mit  den  zahlreichen  radialen  Spalten  und  Klüften 
des  Swantewitschluchtgebietes  zu  verstellen.  Die  am  oberen  Ende 
der  Schlucht  einsetzende  Querspalte  dürfte  nur  eine  Folgeerschei- 
nung der  Rutschungen  sein,  die  teils  auf  feuchtem  Ton  erfolgten, 
teils  durch  Unterspülung  veranlaßt  wurden. 

Nach  meinen  Beobachtungen , die  im  wesentlichen  mit  den 
Ergebnissen  der  Untersuchungen  von  Schmidt,  Elbert  und  Halten- 
berger iibereinstimmen , ist  für  die  Abrutschungen  und  die  in 
ihrem  Gefolge  auftretende  Spaltenbildung  zunächst  die  geographische 
Lage  des  Eilandes  von  Bedeutung.  Als  westlichste  Insel  des 
ehemaligen  Rügensclien  Archipels  ist  ihr  diluvialer  Kern  bei  seiner 
NO — SW-Erstreckung  den  in  unserem  Gebiet  heftigsten  Stürmen 
aus  NO  über  Norden  bis  NW  in  hervorragendem  Maße  ausgesetzt. 
Nach  keiner  der  genannten  Richtungen  hin  ist  irgendwelcher  Schutz 
vorhanden,  so  daß  jeder  größere  Sturm  zur  Vernichtung  des  Dorn- 
busches beiträgt.  Die  stärksten  Winde  wehen  von  Ende  August 
bis  Mitte  April.  Gerade  in  diese  Zeit  fallen  nun  auch  die  großen 
Abrutschungen  und  die  Spaltenbildungen;  so  fanden  u.  a.  im  Ok- 
tober 1 007  und  Februar  1908  die  von  Jaekel  beschriebenen 
Abbrüche  statt,  nachdem  beide  Male  ein  heftiger  Sturm  voran- 
gegangen war.  Bei  gewöhnlicher  Brandung  besteht  die  Arbeit  des 
Meeres  darin,  aus  dem  abgerutschten  und  ins  Meer  vorgeschobenen 
Material  die  feineren  Bestandteile  heranzuschlämmen,  während  die 
größeren  Geschiebe  sich  am  Strande  allmählich  anhäufen. 

Der  Küstenstrom  sorgt  dafür,  daß  die  in  die  See  geführten 
Partikelchen  nicht  zum  Absatz  gelangen,  sondern  südwärts  trans- 
portiert werden.  Während  bei  gewöhnlicher  Wellenbewegung  das 
Meer  nur  an  zwei  Stellen  das  eigentliche  Steilufer  erreicht,  greift 
die  Brandung  bei  starken  Stürmen  auch  unmittelbar  die  ganze 
Küste  an , wobei  es  zur  Bildung  von  Hohlkehlen  und  Höhlen 
kommt.  Indessen  ist  ihre  Entstehung  meist  auf  eine  einfache  Aus- 
waschung von  Sandschmitzen  zurückzuführen,  die  im  Geschiebe- 
mergel auftreten.  Gleichzeitig  werden  die  am  Ufer  ausstreichenden 
interglazialen  Sande  ausgewaschen  und  bedingen  dadurch  ein  Ab- 
rutschen der  darüber  liegenden  Massen.  Ebenso  wirken  die  unten 
am  Strand  auftretenden  Tonbänke,  die  z.  T.  unter  den  Meeres- 
spiegel reichen , wenn  sie  von  dem  Meerwasser  durchtränkt  und 
zum  Ausquellen  gebracht  werden  L Bei  starken  Stürmen  wird 

1 Derartige  Vorgänge  dürften  zu  den  als  Subsolifluktion  bezeichneten  Er- 
scheinungen zu  rechnen  sein  (A.  Heim,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1908.  II.  p.  136.) 
Eine  gröbere  subaquatische  Rutschung  scheint  vor  ungefähr  35  Jahren  vor 
dem  Tietenufer  stattgefunden  haben.  Wie  Elbert  berichtet  (Über  die 
Standfestigkeit  etc.  p.  19)  soll  damals  eine  Insel  aus  dem  Meer  emporgestiegen 
sein,  die  .,ganz  mit  den  Blöcken  des  Unterwasserstrandes  bedeckt  war“. 


144  CI.  Leidhold,  Heber  angeblich  gegenwärtige  tektonische 


auch  der  im  Laufe  der  Zeit  sicli  bildende  Strandwall , welcher 
sonst  immerhin  etwas  Schutz  gewährt,  von  den  Wellen  weggeräumt. 
Dazu  kommt  im  Winter  die  Wirkung  der  gegen  die  Küste  an- 
getriebenen und  angeschobenen  Eismassen. 

Es  würde  den  Rahmen  dieser  Mitteilung  überschreiten . im 
einzelnen  auf  alle  die  Vorgänge  und  Kräfte  einzugehen,  die  eine 
Massenverlagerung  in  den  Erdschollen  und  damit  ein  Abrutschen  unter 
Bildung  von  Spalten  und  Klüften  auf  Hiddensee  hervorrufen.  Es  mag 
nur  hingewiesen  werden  auf  den  Einfluß  der  Temperaturdifferenzeu, 
des  Spaltenfrostes , der  durch  die  Zerklüftung  des  Mergels  (Dia- 
klasen)  wirksam  unterstützt  wird , auf  die  Auflockerung  des  Ge- 
schiebemergels infolge  der  eindringenden  CO,-haltigen  Tageswässer, 
auf  die  Wirkung  von  Wind,  Regen  und  Schnee,  die  für  die  Fort- 
führung des  Verwitterungsschuttes  sorgen  und  damit  neue  Flächen 
freilegen  und  z.  T.  selbst  aktiv  das  Steilufer  angreifen.  Der 
Regen  hinterläßt  bis  metertiefe  Erosionsi  illen,  die,  sich  nach  hinten 
allmählich  verlängernd,  zur  Abtrennung  einzelner  Grate  führen. 
Von  besonderer  Bedeutung  für  die  Abrutschungen  sind  die  Sicker- 
wässer und  die  Quellen  in  Verbindung  mit  der  wechselreichen 
Schichtenfolge.  Die  Niederschlagswasser  sammeln  sich  auf  den 
undurchlässigen  Tonen  resp.  dem  tonigen  unteren  Geschiebemergel 
und  durchtränken  sie,  wodurch  die  hangenden  Partien  bei  dem 
Einfallen  der  Schichten  zum  Meer  unter  Bildung  von  Spalten  und 
Klüften  in  gleitende  Bewegung  gebracht  werden.  Dieser  Vorgang 
ist  eine  ganz  gewöhnliche  Erscheinung  an  dem  Steilufer  zwischen 
Hucke  und  Enddorn.  Über  das  Auftreten  der  sogen.  Wassersäcke, 
schlammerfüllten  Einbruchskesseln  an  der  Grenze  von  Sand  und 
Mergel,  über  ihre  Entstehung  und  Wichtigkeit  bei  den  Abrutschungen 
und  der  Spaltenbildung  findet  man  eingehende  Beschreibungen  bei 
Emsekt  und  Schmidt. 

Nach  Gredner1  käme  für  die  Abbruche  und  Zerreißungen 
der  Diluvialmassen  am  Dornbusch  hauptsächlich  der  Umstand  in 
Betracht,  daß  „sich  die  westliche  Steilküste  gegenwärtig  bereits 
bis  in  unmittelbare  Nähe  der  Kulminationslinie  des  Hügelrückens 
vorgeschoben  hat , und  dadurch  einer  Sackung  und  einem  immer 
weiter  um  sich  greifenden  Fortschreiten  der  Abrutschung  des  stehen- 
gebliebenen Hügelrestes  nach  jener  Steilseite  hin  in  hohem  Grade 
Vorschub  geleistet  ist“.  Auffällig  ist  ferner,  daß  die  rezente  tek- 
tonische Spaltenbildung  gerade  auf  das  Gebiet  der  stärksten  Ab- 
tragung beschränkt  ist  und  dabei  vom  Ufersteilrand  im  Maximum 
nur  150 — '200  m entfernt  ist.  Es  drängt  sich  dabei  die  Frage  auf, 
weshalb  nicht  auch  weiter  im  Innern  des  Dornbusches  oder  an 
der  entgegengesetzten  Küste,  am  Schwedenufer,  derartige  durch 
Hebung  bedingte  rezente  Spalten  vorhanden  sind. 

1 R.  Crednf.r,  Rügen.  Eine  Inselstudie.  Forschungen  zur  deutschen 
Landes-  und  Volkskunde.  VII.  1893.  p.  479. 


Bewegungen  in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen). 


145 


Jaf.kei.  möchte  nun  auch  für  die  Entstehung  der  beiden 
Inselschwänze  eine  Hebung  annehmen.  Nur  mit  Hilfe  einer  posi- 
tiven Strandbewegung  von  1.$  bis  2 in  glaubt  er  die  1 4 , ö km1 
langen  Landmassen  des  Hiddenseer  Flachlandes  erklären  zu  können. 
Der  nördliche  Teil  dieses  Inselanhanges  wird  nun  sicherlich  aus 
dem  weggeführten  Material  des  Dornbusches  gebildet  sein ; darauf 
deutet  schon  die  Zunahme  der  Menge  und  Korngröße  der  Gerolle 
mit  der  Annäherung  an  den  Diluvialkern  2 3 4 5 6. 

P.  Lehmann  * ist  sogar  der  Meinung,  daß  von  dem  ehemaligen 
Dornbusch  die  Hälfte  bereits  unter  Wasser  liegt:  Die  Frage  nach 
der  Herkunft  der  kolossalen  Sandmassen  am  Darss , Zingst  und 
auf  Hiddensee  Siid  ist  schon  von  Deecke  4 beantwortet.  Deecke 
kommt  auf  Grund  eingehender  Untersuchungen  zu  dem  Resultat, 
daß  diese  Sandmassen  dem  jetzigen  Plantagenetgrund  (nordwest- 
lich von  Hiddensee)  entstammen,  der  zur  Ancylus- Zeit  als  Stück 
eines  Stanmoränenzuges  über  den  jetzigen  Meeresspiegel  ragte. 
Mit  dem  hereinbrechenden  Litorina-Meer  wurde  dieser  Diluvialkern 
völlig  abgetragen ; die  weggeführten  Massen  setzten  sich  dann 
allmählich  an  den  Inselkerneu  und  im  Hinterland  an.  Für  den 
südlichen  Teil  des  Hiddenseer  Flachlandes  wurde  die  Anschwem- 
mung noch  verstärkt  durch  den  am  Zingst  entlang  laufenden 
Küstenstrom.  Diese  Anlagerungen  von  Sand  im  Süden  der  Insel 
linden  noch  gegenwärtig  in  großem  Maße  statt , so  daß  dauernd 
einer  der  größten  Saugbagger  der  Ostsee  damit  beschäftigt  ist,  die 
Fahrrinne  zwischen  der  Insel  und  dem  Festland  vor  der  völligen 
Versandung  zu  schützen.  Der  Landzuwachs  am  Gellen  betrug 
nach  E.  Bollj  und  Haltexberger  vom  Jahre  1695 — 1835,  also 
in  noch  nicht  150  Jahren  1300  m;  am  östlichen  Inselschwanz  Alt- 
Bessin  ca.  500  m.  An  letzterem  erfolgte  ferner  von  1835 — 1886 
noch  ein  Zuwachs  von  200  m.  Wie  rasch  die  Hakenbildung  und 
Verlandung  seit  der  Litorina- Zeit  im  Ostseegebiet  vor  sich  gegangen 
ist.  konute  neuerdings  Keilhack  6 an  der  Verlandung  der  Svvine- 


1 .Taekel  spricht  irrtümlicherweise  von  einem  16  km  langen  Insel- 
schwanz. 

2 Vergl.  G.  Braun.  Entwicklungsgeschichtliche  Studien  an  europäi- 
schen Flachlandküsten  und  ihren  Dünen.  Veröffentlichungen  des  Instituts 
für  Meereskunde.  1911.  Heft  15.  p.  18. 

3 P.  Lehmann,  Probleme  der  Morphologie  Rügens.  Verhandl.  d. 
17.  deutsch.  Geographentages  in  Lübeck  1909. 

4 W.  Deecke.  Ein  Versuch,  die  Bänke  der  Ostsee  vor  der  pommer- 
schen  Küste  geologisch  zu  erklären.  X.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XX. 
1905.  p.  445. 

5 E.  Boll  , Geognosie  der  deutschen  Ostseeländer  zwischen  Eider 
und  Oder.  Neubrandenbnrg  1846.  p.  55. 

6 K.  Keilhack.  Die  Verlandung  der  Swinepforte.  Jahrb.  d.  K.  Preull. 
geol.  Landesanst.  1912.  II.  p.  209. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  10 


146 


B.  Hundt, 


pforte  zeigen.  Die  Erklärung  des  Hiddenseer  Flachlandes  als 
eines  einfachen  Anschwemmungslandes  gewinnt  noch  mehr  an 
Wahrscheinlichkeit,  wenn  man  mit  Jaekel  in  diesem  Inselschwanz, 
verschiedene  Inselkerne  annimmt;  an  ihnen  setzten  sich  bald 
die  angespülten  Sande  an,  und  die  einzelnen  Kerne  verwuchsen 
so  in  relativ  kurzer  Zeit  zu  dem  einheitlichen  Hiddenseer  Flachland. 

Nach  allem  scheint  mir  weder  eine  Hebung  der  Inselanhänge 
noch  des  Diluvialkerns  von  Hiddensee  erwiesen.  Die  angeblich 
rezenten  tektonischen  Brüche  und  Spalten  am  Dornbusch  sind 
zurückzuführen  auf  einfache  „Translokationen“,  die  durch  eine 
Anzahl  örtlich  stark  entwickelter  Kräfte  und  Vorgänge  wirksam 
gefördert  werden.  Die  Inselschwänze  sind  nach  der  Lüorina- Zeit 
durch  einfache  Anschwemmung  entstanden  und  verdanken  ihr 
Material  teils  dem  Dornbusch,  teils  dem  Plantagenetgrund. 

Die  Eiszeit  im  Frankenwalde. 

Von  Rudolf  Hundt  in  Gera. 

Mit  5 Textfiguren  nach  Originalphotographien. 

Für  den  Frankenwald  glaubte  man  schon  einmal  eine  regel- 
rechte Vergletscherung  nachgewiesen  zu  haben.  In  dem  Gehänge- 
sclmtt  von  Wurzbach  und  Saalburg  sah  Dathe  1 die  Beweise  eines 
eiszeitlichen  Gletschers , durch  den  diese  Lokalmoränen  erzeugt 
worden  seien.  Zimmermann  'l  wies  jedoch  zuletzt  einwandfrei  nach, 
daß  es  sich  nicht  um  Lokalmoränen  eiszeitlicher  Gletscherwirkungen 
handele , sondern  daß  das  verdächtige  Material  durch  Abgleiten 
des  Gehängeschuttes  in  seine  jetzige  sekundäre  Lage  gekommen 
ist.  Schon  vorher,  im  Jahre  1884,  führte  Penck  die  Beobach- 
tungen von  Dathe  als  „pseudoglaziale  Erscheinung“  an.  Wenn 
nun  auch  Grund-  und  Endmoränen  im  Sinne  einer  nordischen  Ver- 
gletscherung nicht  nachzuweisen  sind,  so  sprechen  mehrere  Er- 
scheinungen doch  entschieden  dafür,  daß  die  Eiszeit,  die  in  ihrer 
größten  Ausdehnung  bis  fast  an  den  Frankenwald  heranreichte, 
nicht  ohne  Spuren  an  diesem  Gebirge  zu  erzeugen,  vorübergegangen 
ist.  Liegt  doch  dieses  Gebirge  in  der  Zone,  in  der  die  „peri- 
glaziale Fazies  der  mechanischen  Verwitterung“,  wie  Professor 
Dr.  Walery  von  Lozinski3  die  durch  Eisesnähe  bedingte  Erhöhung 

1 Dathe,  Gletschererscheinungen  im  Frankenwalde  und  vogtländischen 
Berglande.  Jahrb.  d.  Geol.  Landesanstalt.  1881.  p.  317 — 330. 

2 Zimmermann:  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1899.  p.  20  u.  21 
Dieselbe  Zeitschrift.  1899.  p.  14.  Erläuterung  zu  Blatt  Lobenstein  der 
Geologischen  Spezialkarte. 

3 Lozinski,  Die  „periglaziale  Fazies“  der  mechanischen  Verwitterung. 
Bulletin  international  de  l’Acadeinie  des  Sciences  de  Cracowie.  Classe  des 
Sciences  mathematiques  et  naturelles,  p.  10—25.  — Ders.,  Die  periglaziale 
Fazies  der  mechanischen  Verwitterung.  Naturwissensch.  Wochenschrift. 
Neue  Folge.  X.  p.  641 — 647. 


Die  Eiszeit  im  Frankenwalde. 


147 


der  Spaltenfrost  Wirkung  nennt , herrschen  mußte.  Und  die  Ver- 
öffentlichungen Lozixski’s  regten  mich , wie  auch  Gespräche  mit 
Herrn  Landesgeologen  Prof.  Dr.  E.  Zimmermaxx  an,  die  Erschei- 
nungen zu  beobachten,  die  sich  sehr  gut  durch  dieses  Phänomen 
erklären  lassen.  Herrn  Prof.  Dr.  Walery  yox  Lozixski  danke  ich 
auch  hier  für  seine  stetige,  liebenswürdige  Auskunft  und  Herrn 
Bergreferendar  Manfred  yox  Ehrensteix  für  seine  photographischen 
Aufnahmen. 

Von  den  Erscheinungen,  die  der  Eiszeit  im  Frankenwalde 
ihre  Entstehung  bezüglich  Weiterbildung  verdanken,  führe  ich  an  : 

1 . Talformen  im  0 b e r 1 a u fe  mit  Xivation  am  Tal- 
Schlüsse. 

Der  südliche  Eisrand  nordischer  Vergletscherung  zog  sich 
bis  ins  Jndental  bei  Gera  im  Vorlande  des  Frankenwaldes  hin.  Es 
ist  überhaupt  der  weiteste  südlichste  Vorstoß,  den  das  Inlandeis  in 
Thüringen  aufwies  mit  i>0°48'30"  nördlicher  Breite.  Das  in  Frage 
stehende  Gebiet  periglazialer  Fazies  mechanischer  Verwitterung 
liegt  im  Mittel  5uu22' — 30'  nördlicher  Breite.  Die  Annäherung 
beider  Gebiete  ist  demnach  eine  größere  als  in  den  anderen  deut- 
schen Mittelgebirgen , in  denen  Lozixski  Blockmeere  beschrieben 
hat,  wie  Hochwald  im  Hunsrück,  Felsberg  im  Odenwald.  Dieser 
nahe  Eisrand  war  für  die  Erniedrigung  der  Temperatur  von  großer 
Bedeutung,  denn  die  Erhöhung  der  Spaltenfrostwirkung  wurde 
durch  solche  Nähe  aufs  höchste  gesteigert.  Die  härtesten  Gesteine 
mußten  dem  Spaltenfrost  nachgeben  und  in  Bänke  zerfallen,  deren 
lockere  Anhäufung  den  späteren  Wasserläufen  leichtere  Arbeit 
beim  Schaffen  einer  Talsohle  bereitete. 

Daß  dieses , durch  Eisnähe  tiefgehaltene  Klima  auf  dem 
Franken walde  erlaubte,  Schneeanhänfungen  zu  bilden,  erhält  eine 
Stütze  in  den  oberen  Talformen  der  Frankenwaldtäler.  Die 
neuerschienenen  Blätter  der  geologischen  Karte  von  Lobenstein 
von  Zimmermaxx  und  die  .geologische  Karte  der  Umgebung  von 
Bad  Stehen  im  Franken  walde“  von  Karl  Walther  zeigen  die 
wannenförmigen  Quellgebiete  der  Bäche  recht  gut.  Es  ist  merk- 
würdig und  auffallend,  daß  man  in  dem  Franken wald  in  der  Kegel 
an  den  Bachlänfen  zwei  deutlich  verschiedene  Talformen  studieren 
kann. 

Die  eine  zeigt  sich  im  Oberlaufe,  im  Quellgebiet,  die  andere 
talabwärts  ist  ein  typisches  Erosionstal.  das  sich  bis  zur  Mündung 
hinzieht.  Der  Oberlauf  dieser  Bäche  ist  muldenförmig  verbreitert. 
Steht  man  in  ihm,  so  hat  man  nie  das  Gefühl,  sich  im  Tale  eines 
Baches  zu  betinden.  Wie  eine  flache  Schüssel,  aus  der  ein  Viertel 
herausgebrochen  ist,  liegen  diese  Talschlüsse  da.  Meist  sind  sie 
vermoort  oder  vom  eluvialen  Lehm  angefüllt,  dem  örtlich  reichlich 
Blöcke  anstehenden  Gesteins  eingelagert  sind  (Gemäßgrnnd).  Manche 
gleichen  Riesenschüsseln  wie  der  Gemäßgrund  bei  Lobenstein, 

10* 


148 


R.  Hundt, 


andere,  von  geringerem  Umfang  sind  lieblich  und  vor  allem  typisch 
(Sclilegelbach  oder  Saubach).  Siehe  Abb.  I. 


Abb.  I.  Im  „embryonalen  Kar“  des  Sclilegelbaches.  Rechts,  nicht  mehr  auf 
der  Abbildung  sichtbar,  liegt  das  Dorf  Schlegel.  Man  sieht  deutlich  die  sanfte 
Linie,  die  das  Kar  begrenzt.  Links,  am  Walde,  beginnt  das  Erosionstal, 
das  sehr  bald  tief  einschneidet.  Im  Hintergründe  die  Stebener  Rerge. 

Am  typischsten  sind  sie  in  der  Nähe  von  Stehen  und  Ober- 
steben und  in  der  Nähe  des  Lobensteiner  Culm  zu  studieren.  Hier 
sind  sie  der  Frankenwald-Fastebene  vorzüglich  zur  vertikalen 
Gliederung  geeignet. 

Der  Schnee,  der  sich  in  ihnen  anhäufte,  scheint  zur  Zeit  der 
größten  Inlandvereisung  verfilmt  gewesen  zu  sein  und  in  größerer 
Ausdehnung  aus  der  talabwärts  liegenden  Öffnung  des  „embryo- 
nalen Kars“,  wie  Lozixski  1 diese  Nivation  am  Talschluß  nennt, 
herausgeflossen  zu  sein , so  dem  zukünftigen  Tale  seinen  Weg 
weisend,  der  so  dem  Gelände  in  voller  Breite  eingeschliffen  wurde. 
Die  flächenhafte  Erosionswirkung  des  verfilmt  gewesenen  Schnees 
verursachte  diese  Karwirkung,  die  im  Frankenwald  nirgends  solche 
lokale  Endmoränen  aufweist,  wie  z.  B.  die  Kare  im  Riesengebirge. 
Vielleicht  waren  sie  aber  doch  vorhanden  und  sind  erst  nachträglich 
zerstört  worden,  wie  die  Blockmeere  im  Stebenbach,  Thüringer 
Moschwitz , Hohlebruunental  anzudeuten  scheinen.  Die  Schnee- 
anhäufung in  diesem  oberen  Teile  rief  auch  eine  tiefgründige  Ver- 
witterung in  situ  hervor,  durch  die  ein  Teil  jener  Formation  ent- 
standen ist  und  weiter  fortgebildet  wurde , die  man  als  Eluvium 


1 Lozinski  , Quartärgeologische  Beobachtungen  und  Betrachtungen 
aus  Schweden  Aus  der  Natur.  Sonderabzug,  p.  617 — 630. 


Die  Eiszeit  im  Frankenwalde. 


149 


kartierte1.  Und  vielleicht  waren  alle  Talscliliisse  früher  mit  elu- 
vialein  Schutt  angefüllt,  den  dann  das  Wasser  der  postdiluvialen 
Zeit  teilweise  ganz  ins  Tal  verfrachtete,  wenigstens  geschah  es 
sicher  mit  den  feineren  Verwitterungsprodukten,  denn  sehr  oft  finden 
sich  in  den  Talschliissen  nur  noch  vereinzelte,  gerundete  Blöcke. 
Vielleicht  hat  auch  Menschenhand  von  hier  manchen  großen  Stein 
zum  Häuserbau  weggeschleppt.  Viele  von  ihnen  hat  das  Moor 
und  der  Rasen  eingegraben.  Diese  spärliche  Blockbestreuung  be- 
obachtete ich  besonders  im  Thüringer  Moschwitztale,  dessen  Xeben- 
tälern  (Hohlebrunnental , Tal  nach  dem  Knöcklein , Tal  nach 
Langenbach).  Die  Vegetation  hat  aber  gerade  an  diesen  Stellen 
sehr  viel  Blockmaterial  zugedeckt. 

Eine  merkwürdige  Tatsache  stellte  sich  heraus,  als  die  Höhen- 
linien der  einzelnen  Talschlüsse  untereinander  verglichen  wurden. 
Außer  dem  Lohbachtal  bei  Steben  (512  m)  liegen  alle  in  Frage 
kommenden  Talschlüsse  in  ungefährer  Höhe  von  620 — 650  m. 

Im  folgenden  seien  die  Bäche  angeführt , die  am  Quellgebiet 
Xivation  in  Form  embryonaler  Kare  aufweisen: 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 
y. 

10. 

11. 

12 

13. 

14. 

15. 


Koselbach  mit  den  Eibig-Wieseu 650 

Kabiesgrund  bei  Lobenstein 640 

Gemäßgrund  am  Sieglitz 650 

Langwassertal 650 

Schlegelbach 616 

Steben  bacli 552 

Binsig 600 — 620 

Thüringer  Moschwitz 640 

Tal  nach  der  Thüringer  Moschwitz  vom  Knöcklein  625 

Tal  nach  der  Thüringer  Moschwitz  von  Langebach  640 

Tal  der  Ölsnitz  bei  Geroldsgriin  640 

Lohbachtal 542 


m 

7) 

7) 

7) 


7 


7) 

7 

71 

7) 


7) 


Thierbachtal  bei  Steben 600 

Tal  von  Harra  nach  Kießling 560 

Hohlebrunnental 640 


Auf  Blatt  Hirschberg  kommen  in  der  Xähe  von  Göttengrün 
die  Talformen  in  Betracht,  die  später  einmal  genauer  beschrieben 
werden  sollen.  Auf  dem  eben  im  Buchhandel  erschienenen  Blatte 
Hirschberg  der  Geologischen  Karte  von  E.  Zimmermaxx  sind  die 
hier  in  Betracht  kommenden  Talformen  sehr  gut  dargestellt. 

Diese  „embryonalen  Kare“  sind  allem  Anschein  nach  gleich 
bei  Beginn  der  Eiszeit  mit  Schneeanhäufungen  und  während  der 
Eiszeit  hindurch  fortwährend  davon  erfüllt  gewesen.  Sie  sind  der 


1 Zimmermaxx  gibt  in  den  breiten  Talmulden  des  Blattes  Hirschberg 
auch  Eluvium  an,  kartiert  es  aber  nicht  genau,  um  die  wichtigere  Gesteins- 
unterlage kartographisch  festzulegen.  Erläuterung  zur  Karte,  p.  206. 


150 


R.  Hundt. 


älteste  Teil  des  jetzigen  Tales,  das  sich  damals  als  erstes  tieferes 
Niveau  der  präoligocänen  Fastebene,  wie  sie  Phiuppi  1 darstellt, 
einnagte.  Es  ist  auch  beachtenswert,  daß  sich  die  schiisselförinigen 
greisenhaften  Täler  nur  in  härteren  Gesteinen  vorzüglich  erhalten 
haben  wie  in  Diabasen , oberkambrischen  Quarziten , kontakt  er- 
härteten Devonschichten.  Im  Culmgebiet  hingegen  können  die 
Talschlüsse  ebenso  gebildet  gewesen  sein , aber  die  postglaziale 
Zeit  hat  mit  Hilfe  des  Wassers  den  Typus  sehr  bald  verwischt. 
Das  zeigen  die  Talschlüsse  im  Friesangebiete  bei  Ebersdorf  auf 
Blatt  Lobenstein.  Als  dann  mit  dem  Rückzug  des  nordischen 
Eises  von  seinem  südlichen  Vorsprung  eine  Erhöhung  der  Tem- 
peratur und  eine  Verminderung  der  Wirkung  des  Spaltenfrostes 
eintrat,  fingen  die  Schnee-  und  Firnanhäufungen  auch  an  zu 
schmelzen.  Das  Wasser  floß  der  natürlichen  Abdachung  nach  auf 
der  Fastebene  geradlinig  der  tiefsten  Stelle  zu,  an  der  schon  ein 
größeres  Gewässer  die  gesammelten  Bäche  aus  dem  Gebirge  in 
die  von  Eis  befreiten  Teile  der  Ebene  führte.  Die  nicht  wenigen 
Tauwässer,  sehr  reich  an  Schutt  und  Schleifmaterial  des  Kar- 
eluviums , schliff  sich  sehr  bald  ein  enges  Tal  ein , in  dem  die 
Wasser  nach  der  tieferliegenden  Gegend  rauschten.  So  entstand 
die  zweite  Hälfte,  das  Erosionstal  der  Frankenwaldbäche,  das  sich 
mit  größerem  Gefälle  nach  dem  Hauptfluß  hin  senkt,  während  die 
oberen  Talschlüsse  nur  sehr  geringes  Gefäll  aufweisen.  Die 
typischsten  Beispiele  trifft  man  im  Abfluß  des  Gemäßgrundes  (Sieg- 
litzbach), Thüringer  Moschwitz  unterhalb  der  Krötenmühle,  Schlegel- 
bach, Stebenbacli  an.  Auf  Abb.  I sieht  man,  wie  sich  am  offenen 
Ausgange  des  embryonalen  Kars  das  Tal  sofort  zum  Erosionstal 
verengt.  An  dieser  Verengung  erkennt  man  häufig  eine  Anhäufung 
von  Blockmaterial,  besonders  charakteristisch  am  Stebenbacli,  oder 
man  sieht  nackte,  hochragende  Felsen  an  der  Talverengung  wie 
am  Schlegelbach.  Es  wird  dadurch  die  Vermutung  mehr  zur  Tat- 
sache erhärtet,  daß  sich  vielleicht  der  verfilmt  gewesene  Schnee  nach 
der  Öffnung  des  embryonalen  Kars  hin  bewegte  und  durch  seine 
durch  Schleifmaterial  erhöhte  Flächenerosion  das  Kar  bedeutend 
erweiterte  und  rundete.  Auf  diese  Weise  können  auch  die  An- 
häufungen von  Blockmassen  an  dem  Übergang  von  embryonalem 
Kar  zum  Erosionstal  erklärt  werden  (Stebenbacli , Unteres  Holile- 
brunnental , beide  Blockmeere  im  Tale  der  Thüringer  Moschwitz), 
wenn  man  sich  vorstellt,  daß  dorthin  an  jene  Stelle  die  Blöcke 
hingetrieben  wurden,  deren  Wanderung  aber  wegen  der  Enge  des 
Erosionstales  unterbrochen  werden  mußte.  Abb.  II  läßt  uns  in 
ein  solches  Tal,  das  Hohlebrunnental,  hineinsehen,  das  deutlich 
den  Typus  der  oberen  Franken waldtäler  aufweist. 

1 Philippi,  Ueber  die  präoligocäne  Landoberfläche  in  Thüringen. 
Zeitselir.  d.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  .1910.  p.  305 — 404. 


Die  Eiszeit  im  Franken walde. 


151 


Abb.  II.  Blick  vom  Tale  der  Thüringer  Möschwitz  in  das  Hohlebrunnen- 
tal  mit  vereinzelter  Blockbestreuung.  Hechts  steigt  das  Gelände  zum 
Lobensteiner  Culm  an.  Das  Tal  zeigt  Nivation  am  Talschlusse.  Steht 

man  auf  der  Höhe,  dann  blickt  man  ins  Langwassertal  hinein. 

Blockmeere. 

Das,  was  Lozinski  in  den  oben  erwähnten  deutschen  Mittel- 
gebirgen vor  allen  Dingen  als  Beweis  für  die  Wirkung  der  peri- 
glazialen Fazies  der  Verwitterung  ansieht , sind  die  Blockmeere. 
Von  ihnen  erwähnt  er  a.  a.  0.  p.  1 0 im  Odenwald  das  Auftreten 
in  eruptivem  Gesteine. 

Der  Frankenwald  zeigt  wie  der  Odenwald  in  den  mir  dazu 
gehörenden  Blockmeeren  ebenfalls  in  erster  Linie  Eruptivgesteine, 
daneben  auch  feste,  schwer  verwitternde  altpaläozoische  Quarzite. 
Zum  großen  Teile,  davon  zeugen  wenigstens  die  spärlichen  Block- 
bestreuungen, z.  B.  im  oberen  Teile  der  Thüringer  Moschwitz,  sind 
diese  früher  sicher  zahlreicher  vorhandenen  Blockmeere  durch 
spätere,  vielleicht  mit  großer  Wasserfülle  ausgestatteten  Wasser- 
läufe zerstört  worden  und  mancher  Block,  der  jetzt  im  jüngeren 
Erosionstal  die  Romantik  dieses  Teiles  mit  erhöhen  hilft,  ist  durch 
solche  Kräfte  aus  seiner  primären  Lagerstätte  herausgerissen 
worden.  Auch  die  zwei  typischen  Blockmeere , wie  sie  uns  die 
Abbildungen  aus  dem  Thüringer  Moschwitztal  zeigen,  liegen  auf 
sekundärer  Lagerstätte.  Also  hat  auch  sie  irgendwelcher  Trans- 
port entweder  durch  verfilmten  Schnee  oder  durch  Abschmelz- 
wasser der  verfirnt  gewesenen  Talschlüsse  auf  diese  Lagerstätte 
gebracht.  Für  einen  solchen  Transport  mit  einem  unbekannten 
Beförderungsmittel  spricht  auch  die  Art  der  Lagerung  im  Thüringer 
Moschwitztale.  Steht  man  bachaufwärts  und  blickt  das  Tal  hin- 


152 


R.  Hundt 


unter,  so  kann  man  beobachten , wie  sicli  aus  der  Art  der  Lage- 
rung der  Blöcke  eine  Dreiecksforin  konstruieren  läßt,  deren  Basis 
bacliaufwärts  und  dessen  Spitze  bachabwärts  liegt.  Bei  dem 
Blockmeer,  wie  Zimmermann  a.  a.  0.  schon  diese  Anhäufung  an 
der  Krötenmühle  nennt,  ziehen  sich  auch  von  den  linken  Hängen, 
die  nordwärts  liegen,  Blockmeere  ins  Tal,  ohne  daß  sie  beim 
Blockmeer  im  Tale  den  charakteristischen  Dreieckstyp  verwischen. 
Abb.  III  und  Abb.  IV.  Zu  diesem  Blockmeer  hat  Paläopikrit  das 
Material  geliefert.  Die  Blöcke  machen , halb  von  Moor  bedeckt, 
den  Eindruck  erratischer  Wanderblöcke,  die  auch  irgendwo  in  der 
norddeutschen  Tiefebene  liegen  könnten.  Denselben  Eindruck 
rufen  die  Blöcke  hervor,  die  750  in  bachabwärts  liegen.  Nur 


Abb.  III.  Blockmeer  am  nördlichen  Berglmng  nach  der  Krötenmühle  im 
Thüringer  Moschwitztale.  Die  Paläopikritblöcke  ziehen  sich  ins  Tal  hinab, 
die  kahlen  Höhen  im  Hintergründe  steigen  nach  Stehen  und  Carlsgrün 
hinan  und  lassen  andere  Talschlüsse  mit  Nivation  erkennen. 

sind  sie  schon  tiefer  in  die  Rasenfläche  eingelagert,  so  daß  dieses 
Blockmeer  schwieriger  zu  erkennen  ist.  Abb.  V.  Hier  liegen 
aber  die  Paläopikritfelsen  sicher  auf  sekundärer  Lagerstätte,  weil 
das  Erosionstal  der  Thüringer  Möschwitz  an  dieser  Stelle  zwischen 
Oberem  Cambrium  fließt.  Wieder  besitzt  das  Blockmeer  die  cha- 
rakteristische Dreiecksform.  Weiter  oben  wurde  schon  eine  Block- 
bestreuung  erwähnt,  die  sich  in  den  Talschlüssen  bis  hinauf  in 
den  obersten  Teil  zieht  (Tal  nach  dem  Knöcklein,  nach  Langen- 
bach, Hohlebrunnental).  Abb.  II.  Es  lagern  dabei  immer  nur 
einzelne  größere  Blöcke  über  die  große  Fläche  hingestreut.  Die 
anderen  kleineren  Blöcke  hat  der  Rasen  vollständig  eingedeckt. 


Die  Eiszeit  irn  Frankenwalde. 


153 


Zu  diesen  Blockanhäufungen  ist  wolil  auch  das  Blockmeer  auf  dem 
Lobensteiner  Cnlm  zu  rechnen,  dessen  Spitze  so  charakteristisch 
steil  über  der  Umgebung- herrscht.  Diese  höchste  Kuppe  (729,2  m) 
ist  ganz  zerklüftet.  Die  Blöcke  aus  Diabas  liegen  wirr  durch- 
einander. Alles  macht  den  Eindruck,  als  hätte  die  postdiluviale 
Zeit  nicht  genügt,  diese  Felsmassen  so  stark  zu  verwittern.  Der 
erhöhte  Spaltenfrost  war  hier  an  diesem  Lobensteiner  Culm  tätig, 
der  als  Nunatek  rings  aus  den  mit  verfilmtem  Schnee  angefüllten 
Talschlüssen  herausschaute,  die  gerade  um  ihn  herum  in  Menge 
liegen  (Hohlebrunnental,  Thüringer  Moschwitz,  Fränkische  Mosch- 
witz , Gemäßgrund , Schlegelbach,  Langwassertal).  Der  Spalten- 
frost mußte  so. seine  vernichtende  Wirkung  in  erhöhtem  Maße  an 


Abb.  IV.  Blockmeer  im  Tale  der  Thüringer  Möschwitz  an  der  Kröten- 
miilüe.  die  wenig  talaufwärts  von  dieser  Stelle  aus  liegt.  Nach  links  hin 
steht  dieses  Talblockmeer  mit  dem  auf  vorhergehender  Abbildung  dar- 
gestellten in  Verbindung.  Vergleicht  man  es  mit  der  Abb.  V,  so  erkennt 
man  bei  dem  hier  eine  größere  Breite. 

dieser  so  deutlich  hervortretenden  Bergspitze  verrichten.  Auf  den 
Feldern  liegen  auffällig  viele  Blöcke.  Sie  bedecken  die  flachen 
Abhänge  des  Berges.  Sie  sind  an  den  Feldrainen  meistens  zu 
natürlichen  Mauern  aufgeschichtet.  Viele  von  ihnen  haben  später 
Wasser  und  Wind  weiter  hinab  ins  Tal  geführt.  Mir  scheint 
dieses  Blockmeer , das  von  geringer  horizontaler  Ausdehnung  ist, 
neben  einem  weiter  unten  zu  erwähnenden  das  einzige  auf  pri- 
märer Lagerstätte  liegende  zu  sein.  Leider  war  es  unmöglich, 
eine  annähernd  gute  Photographie  zu  bekommen,  weil  von  diesem 


154 


R.  Hundt,  Itie  Eiszeit  im  Frankenwalde. 


Blockmeer  die  Vegetation  (Baumwuchs)  Besitz  ergriffen  hat.  Das 
andere,  auf  primärer  Lagerstätte  nicht  mehr  klar  zu  erkennende 
Blockmeer  liegt  auf  dem  Bergrücken , den  der  Weg  von  der 
Krötenmühle  nach  Schlegel  übersteigt.  Auf  der  Höhe  liegen  hier 
mächtige  Diabasblöcke,  die  man  jetzt  zu  Mauern  um  die  Felder  auf- 
geschichtet  hat.  Hier  hat  die  Menschenhand,  um  Land  für  den  Acker- 
bau zu  gewinnen,  die  Blöcke  von  ihrem  alten  Lagerplatz  entfernt. 

Zu  der  periglazialen  Fazies  mechanischer  Verwitterung 
scheinen  auch  die  ungeheuren  Blockanhäufungen  zu  gehören  , die 
an  manchen  Stellen  an  Steilrändern  unserer  Erosionstäler  in  der 
Nähe  der  Mündung  liegen.  Sie  lagern  immer  auf  der  Südseite 


Abb.  V.  Blockmeer  750  iti  talabwärts  von  der  Krötenmühle.  Im  Hinter- 
gründe ziehen  sich  die  Berghänge,  enger  und  steiler  werdend,  zusammen 
und  formen  das  jüngere  Erosionstal  der  Thüringer  Möschwitz 


der  Täler,  wo  der  Spaltenfrost  nachweisbar  am  stärksten  wirken 
muß,  in  dem  Teile  des  Tales,  wo  es  sich  weitet,  also  dem  süd- 
lichen Sonnenstrahl  günstige  Gelegenheit  zur  Wirkung  bietet.  Die 
schönsten  solcher  Blockanhäufungen,  die  noch  nicht  von  einer 
Vegetation  bewachsen  sind  und  die  einen  kahlen,  öden  Eindruck 
hervorrufen , sah  ich  am  rechten  Ufer  der  Wettera,  kurz  bevor 
sie  bei  Klosterhammer  in  die  Saale  mündet.  Das  Material  zu 
diesen  eckigen,  ziemlich  großen  Blöcken  lieferte  Diabas  und 
kontakterhärteter  unterdevonischer  Schiefer.  Auch  am  Unterlauf 
der  Thüringer  Moschwitz  treten  solche  Flächen  auf,  deren  einziger 
Bewohner  Himbeersträuehe  sind.  Einen  großen  Teil  des  Materials, 
das  ehedem  der  Spaltenfrost  so  locker  verwittert  hatte,  hat  auch 
das  überschwemmte  Bächlein  dann  mit  sich  fortgeführt. 


H.  Balss,  Ueber  fossile  Galatheiden. 


155 


Ueber  fossile  Galatheiden. 

Yon  Dr.  Heinrich  Balss, 

Assistent  an  der  zoologischen  Staatssammlung  (München). 

Mit  1 Textfigur. 

Unsere  Kenntuisse  der  fossilen  Galatheiden  sind  bisher  außer- 
ordentlich gering;  Ortmann  (Bronn’s  Klassen  und  Ordnungen 
p.  1307)  sagt,  daß  sie  fossil  überhaupt  unbekannt  seien  und  auch 
in  der  von  F.  Broili  bearbeiteten  zweiten  Auflage  von  K.  v.  Zittel’s 
Grundzüge  der  Paläontologie  heißt  es  (p.  514),  daß  die  Bestim- 
mungen nur  unsicher  seien.  Angeregt  durch  die  Bearbeitung  der 
(rezenten)  Galatheiden  der  deutschen  Tiefsee-Expedition  „ Valdivia“ 
unterzog  ich  das  in  der  hiesigen  paläontologisclien  Staatssammlung 
aufbewahrte  Material  einer  Revision.  Für  die  Überlassung  dieser 
Sammlung  sage  ich  Herrn  Professor  Dr.  A.  Rothpletz  und  Herrn 
Privatdozent  Dr.  E.  Dacque  meinen  besten  Dank;  Herrn  Professor 
Dr.  E.  Stromer  von  Reichenbach  bin  icli  die  Anregung  zu  dieser 
Arbeit  und  für  manchen  Hinweis  verpflichtet.  Herr  Professor 
E.  Fr  aas  (Stuttgart)  hat  mich  ebenfalls  durch  Zusendung  von  Ma- 
terial unterstützt. 

I.  Liste  der  bisher  beschriebenen  Arten. 

Soweit  ich  in  die  Literatur  eindringen  konnte,  fand  ich  bisher 
folgende  Arten  erwähnt,  deren  Beschreibung  sich  allerdings  nur 
auf  die  Form  des  Carapax  stützt: 

Oberster  Weißer  Jura. 

1.  Gastrosaccus  Wetzleri  H.  v.  Meyer.  1856.  p.  51.  Taf.  X Fig.  3 und  4. 

„ „ „ „ „ 1860.  p.  219.  Taf.  23  Fig.  34. 

„ „ W.  Mörike.  1897.  p.  46. 

„ r J.  Carter.  1898.  p.  18.  Taf.  I Fig.  3. 

= Prosopon  aculeatmn  Qüenstedt  (Der  Jura),  p.  779.  Taf.  35 
Fig.  46  und  47. 

= Galathea  acutirostris  W.  Mörike.  p.  53.  Taf.  VI  Fig.  7. 

Diese  Form  wurde  zuerst  von  H.  v.  Meyer  zu  den  Proso- 
poniden,  also  den  primitivsten  Brachyuren  gestellt;  allein  Mörike 
wies  mit  vollem  Rechte  nach,  daß  die  Form  eine  Galatheide  sei. 
da  die  Gestalt  des  Carapax  wie  die  Oberflächenskulptierung 
bei  beiden  gut  übereinstimme. 

Vorkommen:  Weißer  Jura,  Örlinger  Tal,  Niederstotzingen 

(Württemberg),  Stramberger  Schichten  bei  Stramberg  etc.  (Mähren), 

Coral  Rag  of  LJpware  (England). 

2.  Galathea  eatecta  Mörike.  1897.  p.  52.  Taf.  VI  Fig.  5.  Remes.  1895. 

p.  200. 

Vorkommen  : Stramberger  Schichten,  bei  Mischlowitz  etc.  (Mähren)- 

3.  Galathea  Zitteli  Mörike.  1897.  p.  52.  Taf.  VI  Fig.  6.  Remes.  1895. 

p.  200. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  bei  Wischlitz,  Stramberg 

(Mähren). 


156 


H.  Balss. 


4.  Galathea  antiqua  Mörike.  1897.  p.  54.  Taf.  VI  Fig.  4. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  (Mähren). 

5.  Galatliea  Meyeri  Mörike.  1897.  p.  55.  Taf.  VI  Fig.  8. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  (Mähren). 

6.  Galathea  verrucosa  Mörike.  1897.  p.  55.  Taf.  VI  Fig.  9. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten  (Mähren). 

7.  Galatliea  striata  Remes.  1895.  p.  200.  Fig.  3. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten,  Stramberg  (Mähren). 

8.  Galathea  tuberosa  Remes.  1895.  p.  200.  Fig.  4. 

Vorkommen:  Stramberger  Schichten,  Stramberg. 

* 

Marine  oberste  Kreide. 

9.  Galathea  strhjifera  Steenstrup.  Segerbeiic»,  1900.  p.  6.  Taf.  I Fig.  2. 

Vorkommen : Faxekalk,  Skandinavien. 

10.  Galatliea  mitnidoides  Segerberg.  1900.  p.  7.  Taf.  I Fig.  5. 

Vorkommen:  Faxekalk,  Skandinavien. 

11.  Galatliea  ubagliesii  Pelseneer.  1886.  p.  167. 

Vorkommen:  Mastrichtien  von  Limburg. 

12.  Munida  defecta  Segerberg.  1900.  p.  8.  Taf.  I Fig.  6.  Woodward. 
1901.  p.  490. 

Vorkommen:  Faxekalk,  Skandinavien. 

Marines  Tertiär. 

13.  Galatliea  uffinis  Risturi.  1886.  p.  36.  Taf.  II  Fig.  18. 

„ .,  Lörenthey.  1909.  p.  228. 

Vorkommen:  Pliocan  Siziliens  und  Sardiniens. 

14.  Falaeomunida  defecta  Lörenthey.  1902.  p.  103. 

Vorkommen:  Tertiär  Ungarns  (Kleiner  Schwabenberg  bei  Bu- 
dapest). 

1 1.  Gehören  diese  Formen  zur  Klasse  der  Galatheiden  ? 

Die  bisherige  Annahme,  daß  diese  Formen  zu  den  Galatlieiden 
zu  stellen  seien,  stützte  sich  besonders  auf  die  Form  des  Carapax 

und  seine  Bewehrung  mit  Quer- 
linien und  Stacheln  an  der  Seite. 
Mörike  wies  dann  noch  auf  die 
Identität  der  Cervicalfurche  auf 
der  Oberfläche  des  Carapax  bei 
rezenten  und  fossilen  Formen 
hin.  Ich  möchte  hier  noch  auf 
einen  dritten  Umstand  hin- 
deuten; er  betrifft  das  Ver- 
halten der  linea  anomurica. 
Diese  Linie  teilt  bei  den  rezen- 
ten Anomuren  die  Seitenfläche 
des  Carapax  in  zwei  Hälften,  von  denen  die  obere  mit  dem  Rücken- 
scliild  fest  verbunden  ist,  während  die  untere  ein  Stück  für  sich 
darstellt.  (Fig.  1.)  Wenn  man  daher  das  Rückenschild  einer 


Fig.  1. 

Carapax  von  Munida  hamffica  Pen. 
von  der  Seite  gesehen. 

La  — linea  anomurica  (aus  Bouvier 
1897). 


l'eber  fossile  Galatheiden. 


157 


Galatheide  loslöst,  dann  bleibt  immer  noch  ein  Stuck  der  Seiten- 
fläche daran  haften.  Genau  so  verhalten  sich  nun  auch  die  fossilen 
Stöcke;  überall  ist  bei  den  Carapaxfragmenten  — die  wir  ja  allein 
besitzen  — noch  ein  Stück  der  Seitenfläche,  das  daran  sitzt,  bis 
znr  linea  anomurica  miterhalten.  Wir  haben  damit  wohl  einen 
weiteren  Beweis,  daß  die  fossilen  Stücke  zu  den  Anomuren  gehören, 
unter  welchen  dann  nur  die  Galatheiden  in  Frage  kommen. 

III.  Kritische  Bemerkungen  zur  Einordnung  ins  System  der 
rezenten  Formen. 

Um  diese  Formen  in  das  System  der  rezenten  Formen  ein- 
ordnen  zu  können,  ist  es  vor  allem  nötig,  uns  über  dieses  selbst 
klar  zu  werden.  Wir  unterscheiden  unter  den  jetzt  lebenden 
Arten  — abgesehen  von  den  Porcellaniden,  die  als  aberrante  Gruppe 
außerhalb  unserer  Betrachtung  bleiben  — mit  Ortmaxx  3 Familien 
mit  10  Gattungen,  die  sich  hauptsächlich  durch  die  Form  der 
Kiemen  und  die  Form  der  Anhänge  an  den  Beinen  unterscheiden  — 
alles  Kriterien,  die  fossil  nicht  erhaltungsfähig  sind.  Doch  können 
wir  Gruppen  nach  der  Form  des  C'arapax  und  seiner  Oberfläche 
unterscheiden,  die  sich  folgendermaßen  charakterisieren: 


Rostrum 

ry 

(_  arapax- 
Seitenwand 

Carapax- 

Oberfläche 

Vorkommen 

Aeglea 

dreieckig,  unge- 
zähnt, gekielt 

mit  Ein- 
kerbungen, 
ohne  Stacheln 

mit  Suturen, 
ohne  Warzen, 
oder  Quer- 
linien 

Süßwasser 

Südamerikas 

Chirostylus 

zugespitzt 

stachelig 

mit  großen 
Stacheln 

Tiefsee 

Uroptychus 

dreieckig,  unge- 
zähnt. ungekielt 

glatt  oder  ge- 
zähnt 

glatt 

Tiefsee 

Eumunida 

5 Stacheln 

mit  Zähnen 

mit  Querlinien 

litoral 

Galatliea 

dreieckig,  mit 
Sägezähnen  auf 
jeder  Seite,  ohne 
Mittelkiel 

gezähnt 

mit  Querlinien 

litoral 

Mun  ida 

dornförmig,  an 
jeder  Seite  ein 
Stachel 

mit  Zähnen 

mit  Querlinien 

, litoral  und 
Tiefsee 

Munidopsis 

breit,  dreieckig, 
meist  ohne  Seiten- 
zähne, manchmal 
mit  Mittelkiel 

gezähnt  oder 
ungezähnt 

meist  glatt 
oder  runzelig 

Tiefsee 

158 


H.  Balss, 


Suchen  wir  nun  die  fossilen  Formen  in  dieses  System  ein- 
zuordnen, so  sehen  wir  gleich,  daß  alle  Formen  des  Jura,  die  unter 
dem  Namen  „Galathea“  gehen  (also  No.  1 — 8 der  Tabelle),  nicht 
in  dieser  Gattung  verbleiben  dürfen,  da  sie  alle  ein  ungezähntes 
Rostrum  haben,  das  oft  sogar  einen  Mittelkiel  trägt,  wie  er  bei 
Galathea  nicht  vorkommt.  Wir  müssen  daher  für  diese  Formen 
eine  neue  Gattung  aufstellen,  die  ich  „Galatheites“  zu  nennen  vor- 
schlage. Diese  Gattung  wäre  so  zu  charakterisieren : Der  Cephalo- 
thorax  übertrifft  an  Länge  etwas  die  Breite,  seine  OberÜäche  wird 
entweder  von  tiefen  Querlinien  oder  von  Runzeln  und  Warzen 
bedeckt,  die  selbst  in  geraden  Linien  angeordnet  sind.  Ferner  ist 
auf  seiner  Oberfläche  die  Cervicalfurche  vorhanden,  die  sich  an  den 
Seiten  in  zwei  Aste  gabelt.  Die  Seitenränder  können  mit  Zähnen 
bewehrt  sein.  Das  Rostrum  ist  eine  breite,  dreieckige  Platte,  deren 
Ränder  ungezähnt  sind ; auf  seiner  Oberfläche  kann  ein  Mittelkiel 
vorhanden  sein.  Die  Größe  des  Carapax  beträgt  im  Durchschnitt 
10 — 17  mm. 

Eine  merkwürdige  Ähnlichkeit  besteht  nun  mit  der  rezenten 
Gattung  Munidopsis,  deren  Vertreter  in  der  Tiefsee  leben.  Natür- 
lich läßt  sich  eine  Verwandtschaft  nicht  sicher  beweisen,  da  wir 
von  der  fossilen  keine  Scheren,  Füße,  Augenstiele  etc.  erhalten 
haben;  auch  stellt  man  Munidopsis  als  höchstentwickelte  Form  der 
Gruppe  ans  Ende  des  Systems,  so  daß  man  annehmen  sollte,  daß 
sie  auch  geologisch  erst  zuletzt  auftrete,  aber  immerhin  ist  doch 
die  Ähnlichkeit  der  fossilen  Formen,  besonders  in  bezug  auf  das 
Rostrum,  recht  gut  ausgesprochen ; so  stellt  denn  auch  Bouvier 
(1897.  p.  87)  Gastrosaccus  Wetzleri  in  die  Mitte  zwischen  Gala- 
theiden und  Diptychiden.  Auch  wäre  eine  Ähnlichkeit  jetziger 
Tiefseeformen  mit  früheren  Litoralformen  nicht  mehr  so  erstaun- 
lich, nachdem  wir  aus  anderen  Gruppen  des  Tierreichs  noch  mehr 
solcher  Fälle  kennen  gelernt  haben ; ich  verweise  hier  nur  auf 
E.  Stromer  von  Reichenbach’s  Lehrbuch  der  Paläozoologie.  2.  p.  2931. 

Über  die  Formen  aus  der  Kreide  ist  wenig  zu  sagen.  Galathea 
strigifera  Steenstrup  hat  nach  Segerberg’s  Angabe  ein  Rostrum, 
dessen  Ränder  zu  beiden  Seiten  mit  Zähnen  bewaffnet  sind  und 
wäre  also  eine  echte  Galathea.  Ebenso  soll  seine  Munida  primacra 
mit.  zwei  Dornen  am  Rostrum  bewehrt  sein,  so  daß  wir  es  tat- 
sächlich mit  einer  Munida  zu  tun  hätten ; doch  sind  die  Abbil- 
dungen wenig  deutlich.  Bei  der  Galathea  uhaghesii  Pelseneer  fehlt 
das  Rostrum  völlig,  so  daß  wir  über  ihre  Stellung  nichts  Sicheres 
sagen  können. 

Bei  den  Formen  aus  dem  Tertiär  bemerke  ich,  daß  Galathea 
affinis  Ristori  sicher  bestimmt  ist  und  eine  echte  Galathea  dar- 

* Ich  bemerke,  daß  dem  Verfasser  hier  ein  kleiner  Irrtum  unterlaufen 
ist,  indem  er  statt  „Peneiden“  „ Tkaumastocheles “ schreiben  wollte. 


Feber  fossile  Galatbeiden. 


159 


stellt,  von  der  Palaconntnida  defecia  Lörenthey  läßt  sich  da- 
gegen ebenfalls  nichts  Bestimmtes  sagen,  da  auch  bei  ihr  das 
Rostrum  fehlt. 

IV.  Zur  Biologie  der  fossilen  Formen. 

1.  Lebensweise:  Die  heutigen  Galatheiden  leben  ruhig, 
ohne  sich  viel  zu  bewegen,  an  Felsen,  Korallriffen  etc.,  wo  sie  auf 
ihre  Beute  lauern.  Auch  die  fossilen  Formen  scheinen  diese  Lebens- 
weise geführt  zu  haben,  da  man  sie  meist  zusammen  mit  Korallen 
oder  auf  Bryozoenbänken  findet. 

2.  Parasiten.  Schon  H.  v.  Meyer  beschrieb  18(50,  p.  220, 
daß  bei  den  fossilen  Formen  oft  die  eine  Hälfte  der  Kiemengegend 
blasenartig  aufgetrieben  sei  und  deutet  dies  als  krankhafte  Wuche- 
rung. Auch  bei  rezenten  Formen  findet  sich  eine  solche  Wuche- 
rung oft,  wie  ich  konstatieren  konnte  und  wie  sie  auch  schon 
manchmal  abgfebildet  wurde  (vergl.  A.  M.  Edwards  und  E.  L.  Bou- 
vier.  1897.  Taf.  VIII  Fig.  4),  und  zwar  wird  sie  hier  von  para- 
sitischen Isopoden  den  Genera  Gi/i/e  und  Plcurocn/plus  angehörig 
verursacht,  welche  in  der  Kiemenhöhle  sich  ansiedeln  und  diese 
Auftreibung  durch  ihr  Wachstum  verursachen.  (Vergl.  Ortmann, 
Bronn  p.  1S4.)  Daher  dürfen  wir  schließen,  daß  auch  die  Auf- 
treibungen der  jurassischen  Galatheiden  von  solchen  parasitischen 
Isopoden  gebildet  wurden. 

Literaturverzeichnis. 

A.  Über  rezente  Galatbeiden: 

Bodvikr,  E.  L. : Sur  l'origine  somarienne  des  Crabes,  in:  Bulletin 
de  la  Societö  philomatique  de  Paris.  8 Serie.  Tome  VIII.  1897. 

Edwards.  A.  Milne  und  E.  L.  Bouvier:  Les  Galathöides  du  ,, Blake“, 
in : Memoirs  of  the  Museum  of  comparative  Zoology,  Harvard 
College.  35.  1897. 

Ortmann,  A.  E. : Malacostracen,  in  : Bronn’s  Klassen  und  Ordnungen 
des  Tierreichs. 

B.  Über  die  Fossilen : 

Cartf.r,  J. : A Contribution  to  the  Palaeontology  of  the  Decapod 
Crustacea  of  England.  Quaterly  Journal  of  the  geological  So- 
ciety. 54.  1898. 

Lörenthey,  J. : Beiträge  zur  Kenntnis  der  tertiären  Decapodenfauna 
Ungarns.  Math.-naturwiss.  Berichte  Ungarns.  18.  Leipzig  1903. 

— Beiträge  zur  Kenntnis  der  tertiären  Decapoden  Sardiniens,  in : 
Math,  natunviss.  Berichte  aus  Ungarn.  24.  Leipzig  1907. 

Meyer,  H.  v. : Jurassische  und  triassische  Crustaceen,  in  „Palaeonto- 
graphica“.  4.  1856. 

— Die  Prosoponiden.  „Palaeontographica“.  7.  1859 — 61. 

Mörike.W.:  Die  Crustaceen  der  Stramberger  Schichten,  io  : „Palaeonto- 
graphica“. Supplem.  II.  6.  Abteilung.  1897. 


160 


Besprechungen.  — Personalia. 


Pelseneer:  Notice  sur  les  Crustaces  Decapodes  du  Mastriclitien  du 
Limburg,  in : Bulletin  du  Müsse  royal  d’histoire  naturelle  de 
Belgique.  4.  1880. 

Rem  es,  M. : Beiträge  zur  Kenntnis  der  Crustaceen  der  Stramberger 
Schichten,  in:  Bulletin  international,  Classe  des  Sciences  mathe- 
matiques  et  naturelles  de  l’Academic  des  Sciences  de  l'empereur 
Francois  Joseph  I.  2 Prague  1895. 

Ristori,  (LJ.:  Crostacei  Brachiuri  e Anomuri  del  Pliocene  italiano, 
in:  Bolletino  della  Societä  geologica  italiana  5.  1886.  Roma. 

Segerberg,  K.  0. : De  Anomura  och  Brachyura  Decapoderna  inom 
Skandinaviens  yngre  Krita,  in:  Geol.  Foren  i Stockholm  Fürhandl. 
22.  H.  5.  1900. 

Woodward,  Id  : On  some  Crnstacea  collccted  by  Miss  Birley  and 
Miss  Copeland  from  the  Upper  cretaceous  of  Faxe,  Denmark. 
Geolog.  Magazine.  Serie  IV.  8.  p.  480. 


Besprechungen. 

C.  Doelter : Handbuch  dei'  Mineralchemie.  6.  Liefe- 
rung. Leipzig  bei  Theodor  Steinkopff.  1912.  p.  801  — 1008.  Mit 
zahlreichen  Abbildungen,  Tabellen  und  Diagrammen. 

Mit  der  vorliegenden  sechsten  Lieferung  ist  der  erste  Band 
dieses  wichtigen  Werkes  vollendet.  Sie  enthält:  Die  Silikat- 
sclnnelzen  von  C.  Doelter,  Fortsetzung  und  Schluß  (p.  801 — 804). 
Die  Silikate  und  Aluminate  des  Zements  von  E.  Dittler  (p.  804 
— 815).  Allgemeines  über  Zemente  von  F.  R.  von  Arlt  (p.  815 
— 855).  Glas  von  E.  Zschimmer  (p.  855 — 918).  Glasuren  und 
Emails  von  E.  Berdel  (91.8 — 925).  Die  Schlacken  von  J.  H. 
L.  Vogt  (p.  925 — 960).  Dazu  kommen  Zusätze  und  Berichti- 
gungen (p.  960 — 966),  ein  Autorenregister  (p.  966—984)  und  ein 
Sachregister  (p.  984 — 1008)  nebst  Titel  und  Vorwort  zu  dem  Band. 
Möge  das  Buch  auch  in  den  folgenden  Bänden  in  der  bisherigen 
Weise  rasch  vorwärts  schreiten.  Max  Bauer. 


Personalia. 

Habilitiert:  Dr.  O.  Weigel  in  Göttin  ge.n  für  Mineralogie 
und  Petrographie. 


H.  Michel,  Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten. 


161 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 


Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten. 

Von  H.  Michel  in  Wien. 

Als  im  Jahre  1879  F.  Fouque  und  A.  Michel-Levy  1 künstlich 
Meteoritentypen  darstellten,  fanden  sie  in  einem  solchen  künstlichen 
feldspatfreien  Typus  eiuen  monoklinen,  polysyuthetisch  verzwillingten 
Pyroxen,  der  nach  ihren  Angaben  mit  den  Pyroxenen  ans  den  Meteoriten 
von  Kragujewatz  und  Rittersgrün  übereinstimmte.  Sie  nahmen 
für  diesen  Pyroxen  die  Zusammensetzung  MgSi03  au  und  waren 
der  Ansicht,  daß  er  identisch  sei  mit  den  von  Ebelmen  1851, 
Hautefeuille  1864  und  St.  Meunier  1880  dargestellten  monoklinen 
Magnesiapyroxenen.  J.  H.  L.  Vogt1 2  hat  das  gleiche  Mineral  in 
Schlacken  angetroffen,  in  denen  es  mit  Enstatit  und  Diopsid  zu- 
sammen vorkam  und  sich  gleichzeitig  mit  Enstatit  gebildet  hatte. 
Jedoch  hat  sich  später  Vogt.3  gegen  die  Einreihung  dieses  Minerals 
in  die  Pyroxengruppe  und  gegen  die  Bezeichnung  „ Mg- Pyroxen “ , 
die  von  M.  Levy  und  FouquE  gebraucht  worden  war,  ausgesprochen. 

Seit  langem  war  bekannt,  daß  dieses  Mineral  in  den  Meteoriten 
vielfach  vorkommt  und  W.  AVahl4  hat  in  letzter  Zeit  nachgewiesen, 
daß  dieses  monokline  Mg-Silikat  (sowie  das  entsprechende  Fe-Silikat) 
in  den  Meteoriten  mit  den  Pyroxenen  der  Diopsid-Hedenbergitreihe 
zu  isomorphen  Mischkristallen,  den  Eustatitaugiten,  zusammentreteu. 
Aber  nicht  nur  als  Komponente  in  diesen  für  die  Meteoriten 
charakteristischen  Eustatitaugiten  tritt  es  auf,  es  kommt  auch 
selbständig  vor,  und  W.  AVahl  beschreibt  es  als  „Pyroxen  der 
Chondrite“  aus  den  Chondriten  von  Mezö  Madarasz  und  Bjurböle 
und  schlägt  dafür  den  Namen  Klinoenstatit  vor. 

AVie  jedoch  aus  den  älteren  Literaturangaben  hervorgeht, 
ist  es  auch  in  anderen  Meteoriten  (Rittersgrün)  vorhanden. 
Gelegentlich  einer  Untersuchung  der  Plagioklase  der  Meteoriten 
fiel  dem  Verf.  das  verhältnismäßig  häufige  Auftreten  dieser  Pyroxene 


1 F.  FouquE  uni  A.  Michel-Levy,  Reproduction  ar tificielle  de  divers 
types  de  meteorites.  Bull,  de  la  Soc.  Min.  4.  1881.  p.  279. 

2 J.  H.  L.  Vogt,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Gesetze  der  Mineralbildung 
in  Schmelzmassen  und  in  neovulkanischen  Ergußgesteinen.  Kristiania  1902. 
p.  71—78. 

3 J.  H.  L.  Vogt,  Die  Silikatschmelzlösungen.  I.  Vid.  skrifter.  I. 
Math.-nat.  Kl.  1903.  No.  8.  p.  46. 

4 W.  Wahl,  Die  Enstatit  augite.  Tschermak’s  min.-petr.  Mitt.  28.  p.  1. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  11 


162 


H.  Michel 


in  fast  allen  Gattungen  der  Meteoriten  auf,  und  namentlich  war 
das  Zusammenvorkommen  mit  Enstatit,  bisweilen  in  einem  und 
demselben  Individuum,  merkwürdig.  Es  zeigten  sich  nämlich  auf- 
fällig oft  monokline  Spindeln  in  den  rhombischen  Pyroxenen. 

Wenn  man  nun  sich  der  von  Groth  1 1904  ausgesprochenen 
Ansicht  anschließt,  daß  Enstatit  und  Klinoenstatit  im  Verhältnis 
der  Polysymmetrie  zueinander  stehen,  wofür  namentlich  F.  Zam- 
bonini  2 wertvolle  Beweise  gegeben  hat,  läßt  sich  dieses  merkwürdig 
häufige  Auftreten  des  Klinoenstatits  in  den  Meteoriten  leicht  aus 
den  physikalischen  Verhältnissen  erklären,  denen  die  Meteoriten 
sowohl  während  der  Entstehung  als  auch  während  ihres  Fluges 
durch  den  Weltraum  ausgesetzt  sind.  Daß  die  für  die  Meteoriten 
zutreffenden,  von  den  irdischen  Verhältnissen  abweichenden  physi- 
kalischen Bedingungen  zur  Erklärung  dieser  Erscheinung  außer 
einer  von  den  irdischen  Gesteinen  verschiedenen  chemischen 
Zusammensetzung  herangezogen  werden  müssen,  ist  nicht  von  der 
Hand  zu  weisen.  Zu  diesen  abweichenden  Verhältnissen  ist  jeden- 
falls in  erster  Linie  die  verhältnismäßig  raschere  Abkühlung  der 
Meteoriten,  namentlich  der  Chondrite,  während  ihrer  Bildung  zu 
rechnen.  Einem  kleineren  Himmelskörper  ursprünglich  angehörig, 
zeigen  die  Chondrite  in  ihren  Chondren  Bildungen,  wie  sie  in 
ähnlicher  Weise  in  manchen  irdischen  Gesteinen  als  Produkte  einer 
raschen  Abkühlung  angetrotfen  werden.  Wenn  schon  für  die 
primäre  Entstehung  eine  raschere  Abkühlung  angenommen  werden 
kann,  so  ist  der  Meteorit  während  seines  Fluges  durch  den  Welt- 
raum Erhitzungen  ausgesetzt,  denen  sicher  eine  rasche  Abküh- 
lung folgt.  Verf.  war  geneigt,  dieser  großen  Abkühlungsgeschwin- 
digkeit eine  Wirkung  auf  das  Auftreten  des  Klinoenstatits  zuzu- 
schreiben. 

Versuche,  die  Hofrat  Dölter1 * 3  kürzlich  am  künstlichen  und 
natürlichen  MgSi03  unternahm,  ergaben  nun,  daß  die  GRora’sche 
Ansicht  von  der  Polysymmetrie  zwischen  Enstatit  und  Klinoenstatit 
die  wahrscheinliche  sei,  indem  die  Abkühlungsgeschwindigkeit  auf  die 
Ausscheidung  von  Enstatit  oder  Klinoenstatit  einwirkt.  Bei  rascher 
Abkühlung  bildet  sich  der  grob  makroskopisch  verzwillingte 
Klinoenstatit,  bei  langsamer  Abkühlung  wird  die  Verzwilligung 
so  fein,  daß  scheinbar  rhombische  Formen  entstehen,  es  bildet  sich 
Enstatit. 

Nun  trifft  aber  gerade  raschere  Abkühlung  für  viele,  wenn 
nicht  die  meisten  Meteoriten  zu,  und  so  können  wir  das  Auftreten 
der  Klinoenstatite  in  den  Meteoriten  leicht  dadurch  erklären. 


1 P.  Groth,  Einleitung  in  die  chemische  Kristallographie.  1904.  p.  7. 

- F.  Zambonini,  Die  morphotrppischen  Beziehungen  zwischen  Enstatit, 
Diopsid  etc.  Zeitschrift  f.  Krist.  46.  p.  1. 

3 Bisher  unveröffentlicht. 


Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten. 


163 


Wenn  sich  auch  primär  Enstatit  in  einem  Meteorit  gebildet  haben 
mag,  so  kann  durch  die  Erhitzung  und  rasche  Abkühlung  während 
des  Fluges  sekundär  teilweise  Klinoenstatit  gebildet  worden  sein ; 
und  gerade  das  außerordentlich  häufige  Auftreten  von  mehr  oder 
weniger  Spindeln  von  Klinoenstatit  im  Enstatit  der  Meteorite 
könnte  durch  solche  Erhitzuugsprozesse  während  des  Fluges  erklärt 
werden.  Wahrscheinlich  ist  dabei  nicht  der  Schmelzpunkt  des 
Pyroxens  erreicht  worden,  wohl  aber  müssen  Temperaturen  erreicht 
worden  sein,  die  ihm  ziemlich  nahe  kommen.  Es  ist  ja  auch  das 
häufige  Auftreten  des  Klinoenstatits  in  künstlichen  Schmelzen  auf 
nichts  anderes  als  auf  die  im  Vergleich  mit  natürlichen  Verhältnissen 
immer  viel  zu  rasche  Abkühlung  zurückzuführen. 

Im  Widerspruch  mit  diesen  Ansichten  stehen  die  Angaben 
von  Allen,  Wright  und  Clement1,  die  Polymorphie  und  eine 
Umwandlungstemperatur  für  Enstatit-Klinoenstatit  annehmen.  Sie 
nehmen  auch  an,  daß  hei  langsamer  Abkühlung  mehr  von  der 
monoklinen  Form  des  MgSi03  entstehe.  Beispielsweise  sei  im 
Stein  von  Bishopville  nur  deswegen  so  wenig  Klinoenstatit  vorhanden, 
weil  er  rasch  abgekiihlt  sei2. 

Doch  ergibt  sich  dann  ein  schwer  lösbarer  Widerspruch  insofern, 
als  für  irdische  Gesteine  zweifellos  langsamere  Abkühlung  angenom- 
men werden  muß,  der  Klinoenstatit  sich  jedoch  nicht  bildet,  so  daß 
also  wohl  die  oben  vertretene  Ansicht  mehr  Wahrscheinlichkeit  hat. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität  Wien. 


1 E.  T.  Allen,  F.  E.  Wright  and  J.  K.  Clement.  Minerals  of  the 
composition  MgSiOs.  American  Journ.  of  Science.  XXII.  131.  p.  431. 

2 Bei  einer  außerordentlich  raschen  Abkühlung,  wie  sie  erreicht  wird, 
wenn  der  Tiegel  mit  der  Schmelze  unmittelbar  hei  der  Erstarrungstemperatur 
in  ein  Gefäß  mit  Wasser  geworfen  wird,  stellen  sich  tatsächlich  pseudo- 
rhombische Gebilde  ein,  die  jedoch  nur  dadurch  zustande  kommen,  daß  sich 
äußerst  feinstrahlige  Aggregate  bilden,  in  denen  durch  Überlagerung 
Kompensation  eintritt;  an  günstigen  Stellen  läßt  sich  jedoch  der  monokline 
Charakter  der  einzelnen  Fasern  erkennen.  Die  pseudorhombischen  Aggregate 
sind  also  nur  durch  parallele  Aggregation  und  durch  die  Feinheit  der 
Nadeln  bedingt  und  zu  unterscheiden  von  den  durch  langsame  Abkühlung 
erhaltenen  rhombischen  Produkten,  die  ihre  Form  einer  submikroskopischen 
Verzwillingung  verdanken.  In  der  Tat  dürfen  wir  für  die  Meteoriten  wohl 
keine  so  plötzliche  Abschreckung  abnehmen,  sondern  dürfen  eher  mit  einer, 
wenn  auch  noch  immer  raschen,  so  doch  allmählicheren  Abkühlung  rechnen. 
( Dies  wird  beispielsweise  zutreffen,  wenn  wir  als  Ursache  der  Erhitzung 
den  Flug  durch  eine  Atmosphäre  oder  Annäherung  an  einen  Himmelskörper 
annehmen.) 


11* 


164 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  sarmatischen  Dacittuff 


Ueber  sarmatisohen  Dacittuff  in  der  Umgebung  von  Nagyenyed 
nebst  einigen  Bemerkungen  zur  Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal l. 

Von  Dr.  Franz  von  Pävai-Vajna. 

Mit  3 Textfiguren. 

In  einer  vor  zwei  Jahren  erschienenen  Arbeit2  befaßte  ich 
mich  detaillierter  nur  mit  den  sarmatischen  Ablagerungen  in  der 
NO- Abzweigung  des  Päräu-Bärsä  genannten  tiefen  Grabens.  Ich 
erwähnte  aber  schon  dort,  daß  in  der  Umgebung  von  Nagyenyed 
diese  Ablagerungen  an  mehreren  Stellen  unter  den  jüngeren 
pannonischen  Schichten  zutage  treten. 

Ich  will  mich  hier  in  erster  Reihe  mit  den  Aufschlüssen  in  der 
Talenge  von  Miriszlö  befassen,  da  hier  in  den  gut  aufgeschlossenen 
sarmatischen  Schichten  Tuffeinlagerungen  sichtbar  sind,  auf  Grund 
deren  diese  Ablagerungen,  abgesehen  von  meiner  erwähnten  Arbeit, 
in  der  Literatur  überall  als  dem  Obermediterran  angehörend,  an- 
geführt werden. 

Nördlich  der  Landstraße  in  der  Nähe  der  Komitatgrenze 
sammelte  ich  aus  den  hier  aufgeschlossenen  dicken,  festen  Sand- 
bänken schon  im  Jahre  1909  für  die  sarmatische  Stufe  bezeichnende 
Fossilien.  Ihre  spezielle  Bearbeitung  nahm  ich  aber  erst  jetzt  vor. 
als  ich  die  Lagerungsverhältnisse  dieses  stark  gefalteten  Gebietes 
studierend  erkannte,  daß  die  erwähnten  Tuffbänke  tatsächlich  den 
sarmatischen  Ablagerungen  angehören. 

Unsere  älteren  Forscher  erwähnen  öfters,  daß  in  den  sarmatischen 
Ablagerungen  Tuffschichten  Vorkommen,  doch  sind  dieselben  meistens 
als  Andesittuffe  bezeichnet.  So  umschließen  z.  B.  die  Labradorit- 
Augit-Andesittuffe  im  südlichen  Teil  des  Vihorlat-Gutin-Gebirges 
sarmatische  Fossilien 3,  ebenso  wie  die  Hypersthen-Andesittuffe  bei 
Laäz 4.  Im  Tale  von  Fenycs  enthalten  die  kalkigen  Andesittuffe 


1 St.  Gaal,  Die  Neogenablagerungen  des  Siebenbürger  Beckens.  Dies. 
Centralbl.  1912.  p.  436.  Man  vergleiche  auch  den  Aufsatz  Dr.  W.  Pktra- 
schkok’s,  Die  sieben biirgischen  Enlgasaufschliisse  des  ungarischen  Fiskus. 
Montanistische  Rundschau.  1912.  p.  289.  Aus  diesem  Artikel  ist  zu  ersehen, 
welch  glänzende  Resultate  die  auf  Grund  der  Antiklinaltheorie  angelegten 
Bohrungen  entgegen  den  Behauptungen  GaAls  ergaben. 

Meine  Ausführungen  erschienen  ungarisch  mit  Ausnahme  des  tektoni- 
schen Teils  in  den  Bänyäszati  es  Kohäszati  Lapok.  Berg-  und  Hütten- 
männische Blätter. 

5 Die  geologischen  Verhältnisse  der  Umgebung  von  Olahlapäd.  Fi'ddt. 
Közl.  40  p.  420 

3 Karl  Hofmann,  Bericht  über  die  im  östlichen  Teile  des  Szilägyer 
Komitates  während  der  Sommerkampagne  1878  vollführten  geologischen 
Spezialaufnahmen.  Földt.  Közl.  1879.  9.  p.  280. 

4 Julius  Petkö.  Die  Tertiärbildungen  des  Tehär-Bnroi-Tales.  Aufnahme- 
bericht von  1885.  Jahresbericht  der  kgl.  ung.  geol.  Anst.  1887.  p.  133. 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


165 


ebenfalls  sarmatisclie  Fossilien  Bei  Räkosd  hingegen  linden  wir 
nur  in  den  höheren  sannatischen  Schichten  (No.  9)  den  Schotter 
der  Amphibol- Andesite  der  Berge  bei  Deva 3.  Die  Andesite  der 
Hargita  brachen  sogar  nur  zur  Zeit  der  pannonischen  und  levan- 
tinischen  Ablagerungen  hervor  3. 

Im  allgemeinen  kann  mau,  wie  dies  schon  von  mehreren 
Forschern  konstatiert  wurde,  beobachten,  daß,  von  dem  Szentendre- 
Visegräder  Gebirge  ausgehend,  gegen  0 respektive  SO  zu  wir  linden, 
daß  sich  die  gegen  das  Ende  des  unteren  Mediterrans  beginnenden 
Aiulesitausbrüche  gegen  0 und  SO  zu  sukzessive  bis  in  das  Ende 
des  Tertiärs  fortsetzen,  als  die  Andesitvnlkane  der  westlichen 
Gebiete  wahrscheinlich  schon  längst  erloschen  waren.  Es  erscheint 
deshalb  als  sehr  natürlich,  daß  sich  im  Siebenbürger  Becken  und 
besonders  in  den  sannatischen  Ablagerungen  am  Bande  derselben 
Andesittuffe  vortinden  können,  ja  vielleicht  sogar  vorfinden  müssen. 

Dieser  Umstand  macht  es  nötig,  daß  das  Material  der  einzelnen 
Tulfschichten  im  Siebenbürger  Becken  in  jedem  einzelnen  Falle 
einer  eingehenden  Untersuchung  unterzogen  werde. 

Auch  in  der  Nähe  der  Siebenbürger  Teile  fanden  im  oberen 
Mediterran  Andesitausbriiche  statt4  (Borossebes,  Iviszindia,  Fel- 
menes),  so  daß  wir  auch  schon  in  unseren  obermediterranen 
Ablagerungen  mit  den  jedenfalls  viel  mächtigeren  Dacittuffen  ab- 
wechselnde feine  Andesittuffe  erwarten  können. 

Dasselbe  muß  ich  aber  auch  von  den  Dacittuffen  betreffs  der 
sannatischen  Ablagerungen  sagen.  Die  Dacite  brachen  im  Gebiete 
Siebenbürgens  im  oberen  Mediterran  hervor  (1.  c.  p.  3131,  die 
Daciteruption  des  Csicsöberges  durchbrach  aber  die  Schichten  des 
oberen  Mediterrans  und  die  diesen  eingelagerten  älteren  Dacittuff- 
schichten,  so  daß  dieser  Ausbruch  ganz  am  Ende  des  oberen 
Mediterrans  oder  eventuell  schon  im  Sannatischen  erfolgte.  (Ibid.) 

Im  Tale  der  Weißen  Körös  ist  der  Lajtakalk  von  Xagyag 
bis  Hercegäuy  von  einer  Dacittuffdecke  überlagert5,  so  daß  auch 

1 J.  Petkö,  Das  östliche  Zusammentreffen  des  Kodru-Märn  und 
Hygs-Droisa-Gebirgs.  Jahresbericht  von  1893.  Jahresber.  d.  kgl.  ung 
geol.  Anst.  1893.  p.  76. 

‘ Stefan  Gaal,  Jahresbericht  der  kgl.  ung.  geol.  Anst.  für  1910. 

3 Anton  Koch,  Die  Tertiärbildungen  des  Beckens  der  siebenbürgischen 
Landesteile.  II.  Teil.  p.  316 — 317  des  ungarischen  Textes.  L Both 
v.  Telegd,  Geologischer  Bau  des  siebenbürgischen  Beckens  in  der  Umgebung 
von  Baläzsfalva.  Jahresber.  für  1906.  Jahresber.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst. 
f.  1906.  p.  149. 

4 J.  Petkö.  Die  Tertiärbildungen  des  Fehär-Karös-Tales  zwischen 
dem  Hyges-Droisa-  und  Pleß-Kodru-Gebirge.  Aufnahmebericht  für  1885. 
Jahresber.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst.  f.  1885.  p.  116  — 125. 

s Dr.  M.  Pälfy,  Die  geologischen  Verhältnisse  und  die  Erzlagerstätten 
des  siebenbürgischen  Erzgebirges.  Jahrb.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst.  1911. 
p.  224  des  ungarischen  Textes. 


166 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  lieber  sarmatischen  Dacittuff 


dieser  Dacit  jünger  ist.  Mit  einem  Worte,  es  ist  die  Möglichkeit 
gegeben,  daß  wir  in  den  besonders  am  W-  und  NW-Rande  des 
Siebenbürger  Beckens  vorkommenden  sarmatischen  Ablagerungen 
auch  Dacittuffe  finden. 

Ludwig  Roth  v.  Telegd  erwähnt  in  seinem  Berichte  vod 
1898  im  Zusammenhänge  mit  den  sarmatischen  Schichten  bei 
Örmeuyes  tatsächlich  auch  Dacittuff.  Ebenso  erwähnt  er  in  seiner 
Aufnahme  von  1906  bei  Szäszcsanäd  den  sarmatischen  Ablagerungen 
angehörende  Dacittuffe.  Leider  ist  in  keinem  der  vorkommenden 
Fälle  von  einer  detaillierteren  Untersuchung  die  Rede. 

Als  ich  dann  in  den  in  der  Talenge  von  Miriszlo  aufgeschlossenen 
Ablagerungen  die  sarmatische  Stufe  bezeichnende  Fossilien  gefunden 
hatte,  erregten  die  Lagerungsverhältnisse  wie  auch  das  Material 
der  mit  jenen  zusammenhängenden  Tuffschichten  mein  Interesse  in 
hohem  Grade.  Das  beigefügte  Profil,  welches  ich  auf  Grundlage 
vieler  Messungen  zusammengestellt  habe,  fixiert  die  Lage  der 
Tuffschichten  deutlich  (Fig.  1). 

Mein  Kollege  Dr.  S.  Papp  war  so  freundlich,  die  den  obersten 
Tuffschichten  (I.)  entnommenen  Proben,  unter  welchen  ich  in 
geringer  Entfernung  noch 

Cardium  cf.  plicatum  Eichw.  und 
Trochus  pictus  Eichw. 

gefunden  habe,  mikroskopisch  zu  untersuchen.  Das  Resultat  seiner 
Untersuchungen  ist  das  folgende:  „Auch  die  oberste  Schichte  des 
Miriszloer  Dacittuffs  ist  sehr  feinkörnig.  Makroskopisch  können 
im  graulichweißen  Gestein  kaum  einige  Biotit-  und  Muscovit- 
blättchen  wahrgenommen  werden.  Unter  dem  Mikroskop  kann 
man  in  der  isotropen,  stellenweise  aus  winzigen  Kristallisations- 
produkten bestehenden  Grundmasse  größere,  zerstückelte  Quarz- 
körner,  Plagioklas -Feld  spat- Fragmente,  seltener  chloritisierte 
B i o t i t blättchen  und  Museo vitfetzchen  erkennen.  Die  Quarze 
enthalten  libellenartige  Flüssigkeitseinschlüsse.  In  der  Bindemasse 
kommt  stellenweise  auch  Calcit  vor.“ 

Das  Dasein  von  Plagioklasfeldspaten  und  vulkanischem  Quarz, 
insbesondere  aber  das  letztere  ist  ein  schlagender  Beweis  dafür, 
daß  wir  es  in  diesem  Falle  mit  Dacit-  und  nicht  mit 
Andesittuff  zu  tun  haben.  Nachdem  mir  selbst  die  ent- 
sprechenden Apparate  nicht  zur  Verfügung  gestanden  sind,  habe 
ich  zur  Vervollständigung  der  Untersuchung  den  Herrn  Chemiker- 
aspirant L.  Väsärhelyi  ersucht,  den  Si02-Gehalt  dieses  Tuffs  zu 
bestimmen. 

Väsähheuyi  hat  dieses  seiner  engeren  Heimat  entstammende 
Gestein  mit  einer  peinlichen  Genauigkeit  untersucht  und  dessen 
Si02- Gehalt  in  63,43  °/o  angegeben,  welcher  Kieselsäuregehalt 
noch  immer  auf  Dacit  hin  weist. 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


167 


An  dieser  Stelle  spreche  ich  meinen  genannten  Freunden,  die 
so  uneigennützig  die  Erweiterung  unserer  Kenntnisse  augestrebt 
haben,  meinen  besten  Dank  aus. 

Unter  den  in  der  Miriszloer  Talenge  aufgeschlossenen  Schichten 
sind  das  unterste  mächtige  Tuffschichtenkomplexgewölbe  (III.)  und 
die  darunter  befindlichen,  größtenteils  tonigen  Sedimente  älter. 
Obwohl  ich  in  diesen  Schichten  keine  Fossilien  gefunden  habe, 
muß  ich  doch,  den  dicken  Tuff  in  Betracht  gezogen,  die  darunter 
und  darüber  gelagerten  tonigen  Produkte  als  obermediterran  be- 
trachten. Unmittelbar  auf  ihnen  haben  sich  größtenteils  aus 
Sandeu  bestehende  Schichten  mit  zwei  dünneren  Tuffmittellagerungen 
abgelagert.  In  diesen  Sandeu  sind  gleichfalls  nur  wenig  Fossilien 
vorhanden,  jedoch  sind  in  diesen  dickbankigen,  wenig  kompakten, 
groben  Varietäten  schwach  erhaltene  Fossilienfragmente  häufig 
genug  zu  finden.  Aus  diesen,  über  dem  Weg  gut  aufgeschlossenen, 
dicken  Sandbänken  habe  ich  bisher  folgende  Fossilien  bestimmen 
können: 

Jfactra  sp.  Hydrobia  cf.  Toumoiteri  Mayer 

Ervilia  poddica  Eichw.  Hydrobia  sp. 

Cardittm  cf.  praeplicatum  Hilb.  Morensternia  angulata  Andruss. 
Cardium  sp.  Morensternia  inflata  Andruss. 

Modiola  sp.  Tornatina  ( Bulla)  Lajotikaireana 

Congeria  sp.  Bast,  und 

Trochus  papilla  Eichw.  Heterostegina  costata  d Orb. 

Cristellaria  sp. 


Fig.  1. 

Profil  der  Antiklinale  von  Miriszlö. 


Die  hier  anfgezählten  Fossilien  sind  ebenso  wie  die  aus 
bedeutend  höheren  Schichten  stammenden,  schon  erwähnten  beiden 
Fossilien  ausgesprochen  für  die  sarmatische  Stufe  bezeichnende 
Arten.  Obwohl  die  Heterostegina  costata  genügend  häufig  vorkommt, 
beweist  ihre  starke  Abgewetztlieit  dennoch,  daß  sie  aus  den  medi- 
terranen Sedimenten  hereingewaschen  ist.  Dasselbe  kann  ich  auch 
von  der  anderen,  gut  entwickelten  Foraminifere  sagen.  Übrigens 
können  wir  bei  der  Bestimmung  des  Alters  immer  nur  die  Fauna 
jüngsten  Charakters  berücksichtigen,  und  falls  wir  darauf  achten, 
kann  unsere  Fauna  auch  zur  Bestimmung  eines  noch  engeren 
Zeitraumes  benützt  werden. 

Ich  habe  schon  früher  1.  c.  p.  428)  hervorgehoben,  daß  in 
Olählapäd  das  Fossilienmaterial  der  Fossiliennester,  mit  den  Fossilien 


168 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Heber  sarmatischen  Dacittuff 


der  sie  einschließenden  Schichten  verglichen,  einen  Unterschied 
aufweist,  insofern  dort  auf  tieferes  Sarmatikum  hinweisende 
Ser  pulen,  Ervilien,  Hydrobien  und  Bullen  die  Haupt- 
rolle spielen.  Es  stammen  diese  fossilienführenden  Blöcke  aus 
den  untersten  sarmatischen  Schichten.  In  der  jetzigen  Fauna 
kommen  Ervilien,  Hydrobien  und  Bullen  in  der  größten 
Individuenzahl  vor.  Folglich  kann  ich  die  untersten  sarmatischen 
Schichten  in  der  Miriszloer  Talenge  als  anstehend  konstatieren, 
was  sowohl  den  Lagerungsverhältnissen  als  auch  jener  Analogie 
entspricht,  welche  deren  Fauna  und  auch  die  Fauna  der  aus- 
ländischen gleichaltrigen  Sedimente  aufweisen,  wo  manche  Individuen 
noch  an  das  Obermediterran  erinnern. 

Jedenfalls  ist  es  wünschenswert,  daß  wir  uns  durch  weitere 
Fortsetzung  der  Forschungen  an  eben  dieser  Stelle  davon  über- 
zeugen, ob  auch  bei  uns  die  Übergangs-Buglowaschichten  und  die 
untersten  sarmatischen  Sedimente  (volhynische  Schichten)  jede  für 
sich  unterschieden  werden  können,  wie  das  schon  in  Bußland 1 
und  in  Rumänien2  und  auch  an  der  Grenze  unseres  Vaterlandes, 
in  der  Bucht  von  Bahna,  festgestellt  worden  ist3.  Vielleicht 
gelingt  es  mir  noch  in  der  Zukunft,  an  dieser  Stelle,  welche  in 
betreff  der  sarmatischen  Sedimente  so  lehrreich  erscheint,  aus- 
führlichere Untersuchungen  zu  bewerkstelligen.  Vorläufig  fixiere 
ich  schon  hier,  daß  in  der  Miriszloer  Talenge  die 
untersten  sarmatischen  S e d i m e u t e , die  sogenannten 
volhynischen  Schichten,  anstehend  vorhanden  sind 
und  innerhalb  deren  noch  Dacittuffschichten  Platz 
nehmen,  folglich  haben  sich  die  Siebenbürger 
Daciter uptionen  auch  noch  im  unteren  Sarmatikum 
fortgesetzt. 

Auf  neuere  Vorkommen  von  sarmatischen  Schichten  bin  ich 
in  den  neueren  Rodungen  des  Olählapäder  Waldes  in  den  rechts- 
seitigen Nebeuzweigen  des  Päräu-Bärsä  gestoßen.  Diese  neueren 
Vorkommen  haben  meine  Ansicht,  daß  von  Nagyenyed  unmittelbar 
gegen  NW  sich  die  sarmatischen  Ablagerungen  in  einem  zusammen- 
hängenden Schichtenkomplexe  unter  den  obermediterranen  und 
pannonischen  Sedimenten  befinden,  noch  mehr  befestigt. 

Südlich  von  dem  tiefen  Einschnitte  des  Päräu-Bärsä  habe  ich 
den  ersten  Ausbiß  im  tiefen  Graben  des  Pävai- Waldes,  gleich 
nördlich  von  der  Lichtung,  welche  sich  auf  der  Generalstabskarte 
1 : 25  (>00  bei  der  Gote  365  befindet,  gefunden.  Hier  tritt  in  der 
Grabensohle  unter  den  pannonischen,  gelben  sandigen  Tonen  eine 
feinkörnige  Konglomeratbank  auf,  in  welcher  genügend  schwach. 

1 W.  Laskarew,  Die  Fauna  der  Buglowascbichten  in  Volhynien. 

1 G.  Murgoci,  Tertiarul  din  Oltenia.  Annuarul  1907. 

8 G.  Wacovei,  Basinul  tertiär  de  la  Bahna.  Annuarul  1909. 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


169 


erhaltene  Fossilien  vorhanden  sind,  von  welchen  icli  folgende 
bestimmt  habe: 


Mactrci  sp.  Cerithium  pictmn  Bast. 

Tapes  gregaria  Partsch  (=  Potamides  mitralis) 

Modiola  sp.  Cerithium  rubiginosum  Eichw. 

Murex  sp.  (cf.  suhlavatus  Bast.)  Troclius  podolicus  Dub. 

In  dem  von  der  schon  erwähnten  Lichtung  (Urik.)  nordwestlich 
hinziehenden  Graben  tritt  unmittelbar  unter  den  gelben  panuonischen 
Schichten  eine  dem  soeben  behandelten  Konglomerat  ähnliche  Bank 
zutage.  Hier  dominiereu  aber  schon  nicht  mehr  die  Cerithien, 
sondern  die  Modioien.  Eine  auf  der  Grabensohle  liegende 
mächtige  Scholle  ist  voll  von  Bruchstücken  der  Modiola  und 
Cardium  sp.,  aus  welchen  man  aber  leider  die  einzelnen  Arten 
kaum  genau  bestimmen  kann.  Die  A/orf/o/rt-Schalenfragmente  weisen 
hauptsächlich  auf  Modiola  voThynica  Eichw.  hin. 

In  der  anstehenden  Konglomeratbank  waren  die  Fossilien 
derart  schlecht  erhalten,  daß  man  nur  folgende  bestimmen  konnte : 


Ervilia  cf.  pusilla  Phil. 
Tapes  gregaria  Partsch 
Tapes  sp. 

Cardium  obsoletum  Eichw. 


Cardium  sp. 

Modiola  sp. 

Cerithium  pictum  Bast. 

(=  Potamides  mitralis) 
Hg  drob  ia  sp. 


In  dem  von  der  Cote  365  direkt  westlich  laufenden  Graben 
habe  ich  in  den  sandigen  Ablagerungen  unter  den  panuonischen 
Schichten  gleichfalls  Cardium-  und  il/orffoZa-Schalenfraginente  ge- 
funden. Infolgedessen  kann  ich  in  bezug  darauf,  daß  sowohl  in 
den  Haupttälern,  wie  im  Maros-Tale,  den  Tälern  des  Örmenyeser  l, 
Miriszlöer  (Pävai,  1.  c.  p.  426),  Olählapäder  (ibid.  p.  426)  und 
Felenyeder  (Koch,  1.  c.  p.  316—317)  Baches,  ja  sogar  auch  schon 
in  deren  Nebenverzweigungen  an  mehreren  Stellen  die  sarmatischen 
Bildungen  bekannt  sind,  aussprechen,  daß  von  Nagyenyed 
gegen  NW  eine  lange  Strecke  hindurch  die  sar- 
matischen Ablagerungen,  wie  es  scheint,  in  einer 
zusammenhängenden  Schichte  zwischen  den  panno- 
n i s c h e n und  obermediterranen  Ablagerungen  vor- 
handen sind. 

Was  nun  aber  die  kürzlich  erwähnten  Fossilien  betrifft, 
obwohl  diese  auf  Grnndlage  meiner  in  Päräu-Bärsä  erworbenen 
Erfahrungen  (1.  c.  p.  426)  mangelhaft  sind,  so  weisen  sie  auf 
jene  Sedimente  hin,  in  welchen  hauptsächlich  die  Tapes, 
Cerithien  und  Trochus  vorherrschen  und  in  welchen  die 
Serpulen-,  Hydrobien-  und  Bullen -führende  Blöcke  schon 


1 Ludwig  Roth  y.  Telegd,  Der  NO-Rand  des  siebenbiirgischen  Erz- 
gebirges in  der  Umgebung  von  Vidaly,  Nagy-Oklos,  Oiäh-Räkos  und  Örmönyes. 
Jahresbericht  für  1898.  Jahresber.  d.  kgl.  ung.  geol.  Anst.  f.  1898.  p.  101. 


170 


Fr.  v.  Pävai-Vajna.  Ueber  sarmatischen  Daciituff 


als  sekundär  hereingewaschen  eine  Rolle  spielen.  Dieser  letztere 
Umstand  weist  jedenfalls  darauf  hin,  daß  das  weitere  eingehende 
Studium  dieser  Sedimente  zur  Erkennung  von  größeren  Alt  er  s- 
und  Lagerungsunterschieden  führen  kann. 

Neben  dieser  Tatsache  dürfen  wir  nicht  nur  so  einfach  vorüber- 
schreiten. Ich  habe  nach  meinem  besten  Wissen  festgestellt,  daß 
in  jenem  Sedimentkomplex,  in  welchem  die  erwähnten  Schollen 
vorhanden  sind,  die  für  die  pannonische  Stufe  charakteristischen 
großen  Congerien  ( Partschi , ornithopsis  subglobosa  etc.)  und  Melanopsen 
( vindobonensis , Martimana)  überhaupt  nicht  Vorkommen.  Hingegen 
schließen  sie  in  großer  Menge  die  Fossilien  des  Sarmatikums  in  sich 
ein  und  sind  folglich  ebenfalls  sarmatisclie  Ablagerungen.  Ich  glaube, 
daß  nicht  die  vaterländischen  sarmatischen  Bildungen  daran  schuld 
sind,  daß  wir  sie  nicht  in  die  ihnen  gebührenden  Stufen  einreihen 
können,  sondern  die  ungarischen  Geologen,  da  bis  heute  doch  nie- 
mand die  vaterländischen  sarmatischen  Ablagerungen  einem  wirk- 
lich ernsten  Studium  unterworfen  hat.  Unser  bisheriges  Wissen 
besteht  nur  aus  zerstreuten  Daten,  Details,  welche  uns  vielleicht 
noch  immer  nicht  dazu  berechtigen,  um  die  höheren  sarmatischen 
Bildungen  ausschließen  zu  können.  Denn  wo  steht  es  geschrieben, 
daß  sicli  auch  bei  uns  genau  dieselben  Arten  entwickeln  mußten, 
wie,  sagen  wir,  auf  den  russischen  Gebieten?  Ich  bin  überzeugt, 
daß  derjenige,  der  unsere  sarmatischen  Fossilien  eingehend  studieren 
wird,  neben  den  vielfach  aufgezählten  Schablonen  noch  viele  neue 
Arten  finden  wird,  vielleicht  auch  solche,  welche  dort  drüben  vor- 
handen sind.  Endlich  kann  man  auch  nicht  ableugnen,  daß  an 
manchen  Stellen,  wie  auch  bei  Olählapäd  im  Päräu-Bärsä,  zwischen 
den  Ablagerungen  der  sarmatischen  und  pannonischen  Stufe  die 
Überreste  einer  Erosionszeit  zu  sehen  sind.  An  andei’en  Stellen 
jedoch  spricht  man  von  einem  sukzessiven  Übergang,  woraus  un- 
willkürlich folgt,  daß  wir  noch  sehr  viele  und  sehr  eingehende 
Detailstudien  machen  müssen,  bis  es  uns  erlaubt  ist,  über  das 
gesamte  ungarische  Sarmatikum  eine  ernste  Ansicht  auszusprechen. 

Zu  weiteren  Studien  bietet  sich  als  geeignetes  Terrain  auch 
die  Umgebung  von  Nagyenyed,  nachdem  ich  dort  neuerdings  noch 
auf  ein  interessantes  Vorkommen  gestoßen  bin,  wo  sich  allem  An- 
schein nach  tatsächlich  auch  schon  die  jüngeren  Bildungen  den 
sarmatischen  Fossilien  beimengen.  Leider  konnte  ich  dieses  Gebiet 
bisher  nicht  sorgfältiger  durchstudieren  und  ausbeuten;  die  süd- 
westlich von  Tinöd  aus  groben  Sauden  flüchtig  aufgelesenen  Fossilien 
sind  aber  sehr  schwach  erhalten.  Dieses  neuere  Vorkommen  von 
sarmatischen  Ablagerungen  befindet  zieh  nämlich  dort,  wo  sich 
zwischen  Tinöd  und  der  Gote  366  der  Feldweg  auf  die  hohe 
Pliocänterrasse  hinaufzieht,  beiläufig  in  der  mittleren  Höhe. 

Hier  sind  häufig  die  Cardien  vorhanden,  unter  denen  mehrere 
noch  am  meisten  dem  Cardium  obsoletum  Eichw.  gleichen,  zwei 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


171 


andere  aber  dem  Cardium  Novdkovsliyi  varietas  „elongata“  „ßu 
Andrussow’s  welclie  schon  in  den  hohen  Aktschagylschichten 
vorkommt.  Bedauerlich  ist  es,  daß  die  starke  Korrodation  keine 
genauere  Bestimmung  erlaubt  hat.  Auch  ist  es  mir  gelungen, 
zwei  Congerienbruchstiicke  zu  sammeln,  jedoch  sind  auch  diese  sehr 
mangelhaft  erhalten  und  so  kann  ich  höchstens  nur  so  viel  be- 
merken, daß  das  eine  Fragment  an  Congeria  Bat.uti  Brus,  erinnert. 

Wenn  es  mir  späterhin  möglich  sein  wird,  entsprechendes 
Material  zu  sammeln,  dürfte  ich  auch  höchstwahrscheinlich  zu 
einem  genauen  Resultate  gelangen  darüber,  ob  sich  hier  den  Akt- 
schagylschichten oder  schon  den  ebenfalls  russischen  politischen 
Ablagerungen  von  Schemacha  entsprechende  Bildungen  abgelagert 
haben.  Die  Cardien  weisen  nämlich  einigermaßen  auf  die  hier 
vorkommenden  Gestalten 1  2,  was  aber  nur  im  Besitze  eines  besseren 
Materials  entschieden  werden  kann,  und  stehen  wir  heute  hier  noch 
vor  einer  ganz  offenen  Frage.  Im  Zusammenhang  hiermit  mache 
ich  die  Bemerkung,  daß  ich  an  der  Südseite  der  nördlich  gelegenen 
Cote  329  tatsächlich  schon  stark  gefaltete  fossilienführende  unter- 
pannonische  Schichten  gefunden  habe  mit  den  Fossilien : Limno- 
carditnn  Andrussowi  var.  spinosum  Lör.  , Lininocardium  cf.  V/dco- 
tinovici  Brus.,  Limnocardium  Syrmicnse  R.  Hörxes  und  Congeria 
banatica  R.  Hörnes.  Wenn  wir  aber  die  bei  Nagyenyed  befind- 
lichen intensiven  Schichtenfaltungen  in  Betracht  nehmen,  halte  ich 
es  für  wahrscheinlich,  daß  es  mir  auch  an  anderen  Stellen  ge- 
lingen wird,  die  sarmatischen  Ablagerungen  eingekeilt  vorzufinden. 
So  können  z.  B.  zwischen  dem  Viehmarkt  und  der  Station  in  der 
Gegend  der  Cote  267,  mit  Berücksichtigung  der  dort  immer  häufiger 
auftretenden  Tuffschichten,  nicht  überall  paniionische  Ablagerungen 
vorhanden  sein,  wir  müssen  vielmehr  dem  Beispiele  der  Miriszloer 
Talenge  gemäß  eben  an  sarmatisclie  und  obermediterrane  Ablage- 
rungen denken.  Diese  meine  Behauptung  dürfte  in  der  Zukunft 
bekräftigt  werden,  jedoch  nur  durch  eine  peinliche  Detailaufnahme, 
weil  man  in  einem  derart  gefalteten  und  erodierten  Terrain  sehr 
leicht  die  Ablagerungen  der  einen  oder  anderen  Stufe  übersehen 
kann,  was  nur  Mißverständnisse  erregen  könnte. 

Ich  habe  auch  schon  darauf  hingewiesen  (1.  c.  p.  426),  daß 
die  am  rechten  Marosufer  gefundenen  sarmatischen  Sedimente  auch 
am  linken  Ufer  vorhanden  sind.  Die  petrographische  Ähnlichkeit 
und  besonders  die  stark  gestörten  Lagerungsverhältnisse  erschweren 
freilich  auch  dort  die  genaue  Absonderung. 

Was  nun  den  Kontakt  der  sarmatischen  Ablagerungen  mit  den 
Ablagerungen  der  unterpannonischen  Stufe  betrifft,  so  muß  ich 


1 Andrussow,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  kaspischen  Neogen.  Die 
Aktschagylschichten.  Taf.  V.  Fig.  22. 

2 Andrussow.  Pontische  Schichten  des  Schemachinischen  Distriktes. 


172 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  lieber  sarmatischen  Dacittuff  etc. 


auch  liier  hervorheben,  daß  wir  stellenweise,  wie  z.  B.  im  Oläli- 
lapäder  Traväs- Walde  und  überhaupt  vom  Dorfe  gegen  NW  zwi- 
schen den  Ablagerungen  der  beiden  Stufen  die  deutlichen  Spuren 
einer  Erosionsperiode  erblicken  können,  außerdem  ist  auch  noch 
die  petrographische  Verschiedenheit  ins  Auge  fallend,  dann  weisen 
auch  die  Fossilien  eine  ganz  andere  Type  auf.  Neuerdings  habe 
ich  auch  zwischen  den  tonigen  Ablagerungen  Unterschiede  im  Ein- 
fallen entdeckt,  welche  auf  Diskordanz  beruhen,  abgesehen  von  der 
großen  Farben  Verschiedenheit,  welche  zwischen  den  tonigen  Schichten 
der  sarmatischen  und  pannonischen  Stufe  sehr  gut  sichtbar  ist. 
Ich  muß  mich  daher,  im  Interesse  der  Tatsache,  entschieden  gegen 
jene  Behauptung  des  Herrn  Dr.  Stephan  Gaäl’s  verwahren,  daß 
auch  in  Olahlapäd  ein  sukzessiver  Übergang  zwischen  den  sarma- 
tischen und  pannonischen  Ablagerungen  vorhanden  ist,  wie  ich  dies 
aus  einzelnen  Teilen  seines  letzthin  auch  dieses  Thema  bekritteln- 
den Artikels,  zu  meinem  Bedauern,  herauslesen  muß.  Mein  Be- 
dauern begründet  sich  dadurch , daß  ich  Herrn  Gaäl  persönlich 
an  jene  Stellen  geführt  habe,  wo  die  Erosionsspuren  zwischen  den 
Ablagerungen  der  sarmatischen  und  pannonischen  Stufe  am  deut- 
lichsten sichtbar  sind  und  auch  die  petrographische  und  faunistische 
Verschiedenheit  am  größten  ist.  Mein  Trost  ist  aber,  daß  Herr 
Direktor  v.  Loczy  meine  Beobachtung  betreffs  der  Erosion  auch 
dort  bekräftigt  hat,  wo  diese  weniger  augenscheinlich  ist,  nicht 
minder  aber  auch  das  Bewußtsein , daß  die  Beobachtungen  des 
Herrn  Gaäl,  insbesondere  aber  jene,  welche  sich  auf  meine  Ab- 
handlung beziehen,  beinahe  durchaus  irrig  sind.  Wir  dürfen  uns 
aber  über  solche  Irrtümer  nicht  verwundern,  wenn  wir  wissen, 
daß  er  derartig  kurzsichtig  ist,  daß  er  eine  Rutschung  für  einen 
diapiren  Kern,  ein  am  Wasser  schwimmendes  eisenhaltiges 
Häutchen  für  Petroleum,  die  Donax  dentigera  für  V.  lucida 
angesehen  hat.  Nur  könnte  man  erwarten,  daß  er  solche  Arbeiten, 
zu  deren  Durchführung  ein  scharfes  Auge  nötig  ist,  nicht  bekritteln 
wird,  auch  dann  nicht,  wenn  der  Betreffende  Privatdozent  einer 
Universität  ist.  Dieser  Titel  bietet  bei  weitem  noch  nicht  die  Be- 
rechtigung, ohne  jedwede  Begründung  solche  Tatsachen  in  Ab- 
rede zu  stellen,  welche  Andere,  man  kann  sagen,  mit  großer  Be- 
mühung festgestellt  haben.  Meines  Wissens  pflegt  keine  ernste, 
wissenschaftliche  Arbeit,  um  so  weniger  eine  Kritik,  durch  Ver- 
drehungen Verwirrungen  hervorzurufen  oder  eine  Polemik  zu  ver- 
anlassen. Im  Artikel  des  Herrn  Gaäl  Anden  wir  leider  dies  alles 
und  als  ewig  dankbarer  Schüler  des  Herrn  Prof.  Koch  kann  ich 
nur  bedauern,  daß  gerade  in  dem  zu  seinen  Ehren  herausgegebenen 
Gedenkbuche  dergleichen  Dinge  Vorkommen,  worauf  hinzuweisen 
ich  gerade  im  Interesse  derjenigen  Wissenschaft  bemüßigt  bin, 
mit  deren  Grundprinzipien  er  mich  bekannt  gemacht  hat. 

(Schluß  folgt.) 


E.  Wepfer,  Ueber  das  Vorkommen  von  „Cyprina  islandica“  etc.  173 

Ueber  das  Vorkommen  von  „Cyprina  islandica"  im  Post- 
pliocän  von  Palermo. 

Von  E.  Wepfer  in  Freiburg  i.  B. 

Cerulli-Irelli  , der  die  dankenswerte  Aufgabe  übernommen 
hat,  die  Fauna  des  Mte.  Mario  monographisch  zu  bearbeiten  (s. 
Palaeontogr.  italica  1907  u.  ff.),  beschreibt  u.  a.  auch  das  Vor- 
kommen der  Cyprina  islandica  L und  weist  meines  Erachtens  ganz 
einwandfrei  nach,  daß  zwischen  den  Formen  im  Postpliocän  des 
Mte.  Pellegrino  bei  Palermo  und  denen  des  Mte.  Mario  keine 
solchen  Unterschiede  bestehen,  die  eine  Trennung  rechtfertigen 
würden.  Auch  ich  habe  mich  an  mehreren,  z.  T.  in  Ficarazzi 
bei  Palermo  selbst  gesammelten  Exemplaren  überzeugt,  daß  die 
Gestalt  der’  Schalen , ja  auch  die  Bezahnung  bei  den  einzelnen 
Individuen  schwankt,  daß  demnach  auf  geringe  Unterschiede  hierin 
kein  großer  Wert  gelegt  werden  darf.  Auch  kann  nicht  verkannt 
werden , daß  die  nordische  C.  islandica  nach  den  von  Cerulli- 
Irelli  (1.  c.)  gegebenen  Maßen  kaum  davon  zu  trennen  ist. 

Ohne  Zweifel  ist  es  an  und  für  sich  recht  auffällig,  daß 
nordische  Formen  an  der  Nordküste  Siziliens  zu  einer  Zeit  gelebt 
haben , da  das  Meer  von  noch  jetzt  im  Mittelmeer  lebenden 
Schnecken,  Muscheln  u.  a.  geradezu  wimmelte.  Diese  Annahme 
wird  unterstützt  durch  die  Tatsache,  daß  diese  für  nordisch  er- 
klärten Formen  jetzt  im  Mittelmeer  nicht  mehr  leben,  oder,  wie 
di  Monterosato  (Catalogo  delle  Conchiglie  fossili  di  Mte.  Pelle- 
grino et  Ficarazzi  presso  Palermo.  Boll.  Com.  8.  1877)  sich  vor- 
sichtiger ausdrückt,  noch  nicht  gefunden  sind,  — allerdings  lebt 
Pectuncidus  glycymeris  im  Adriatischen  Meer,  und  Fusus  (Ncptunea) 
sinistrorsa  ist  in  zwei  Exemplaren  an  der  algerischen  Küste  gefischt 
worden!  — (Meli:  Boll.  soc.  geol.  1894.  p.  166  ff. ) 

Eine  solche  Tatsache  an  und  für  sich  sagt  aber  wenig ; denn 
wir  sind  ja  auch  heute  noch  nicht  imstande,  jedesmal  Gründe  da- 
für anznführen,  warum  eine  lebende  Meeresfauna  ganz  bestimmte 
Plätze  bevorzugt,  während  sie  andere,  die  für  unsere  Sinne  die 
gleichen  Lebensbedingnngen  bieten,  meiden.  Daß  dies  auch  früher 
der  Fall  war,  das  lehrt  uns  das  Vorkommen  bezw.  Nichtvorkommen 
der  Fossilien  des  öfteren,  und  daß  sich  diese  Verteilung  im  Laufe 
der  Zeit  ändern  kann,  ohne  daß  wir  mangels  ersichtlicher  Gründe 
hierfür  irgendwelche  zu  wenig  belegte  Hypothesen  substituieren 
dürfen,  ist  klar. 

Ist  es  tatsächlich  Cyprina  islandica  L. , die  zur  Diluvialzeit 
an  der  sizilianischen  Küste  gelebt  hat,  so  ist  jedes  weitere  Wort 
gegen  die  Hypothese  einer  Abkühlung  des  Meeres  infolge  des  all- 
gemeinen Sinkens  der  Temperatur  überflüssig 

„C.  islandica  L.“  vom  Mte.  Mario  und  (die  ohne  Zweifel  da- 
zugehörige) von  Palermo  variieren  erheblich  in  der  äußeren  Form, 


174 


E.  Wepfer,  Ueber  das  Vorkommen 


und  ebenso  tut  dies  C.  islandica  L.  etwa  aus  dem  Varanger  Fjord,  oder 
aus  den  alten  Meeresterrassen  bei  Tromsö,  und  zwar  nicht  mehr, 
als  dies  auch  bei  andern  Muscheln  Vorkommen  kann.  Es  fragt 
sich  nur,  wie  weit  die  Variationsmöglichkeit  einer  C.  is- 
lanclica , oder  allgemeiner  einer  Cyprina  (wie  z.  B.  der  C.  rotundata 
aus  dem  Mainzer  Meeressand)  überhaupt  gehen  kann , ohne  daß 
eine  wie  die  andere  aussieht ! 

Sacco  gibt  in  dem  großen  Werk:  I m oll usclii  dei  ter- 
r e n i terziari  d e 1 Piemonte  e d e 1 1 a L i g u r i a , an  , daß 
C.  islandica  L.  im  Astiano  und  Piacenziano  d.  i.  im  älteren 
Pliocän  zu  Hause  ist  und  Gignoux  (Sur  la  classiücation  du  Plio- 
cene  et  du  Quaternaire  dans  l’Italie  du  Sud-Comptes  rendus  Acad. 
Sc.  Paris.  29  mars  1910)  entnehme  ich  die  Angabe  über  das  Vor- 
kommen von  C.  islandica  im  älteren  Pliocän  von  Algier.  Sacco’s 
Abbildungen  (Teil  XXVIII.  Taf.  II,  1 . 2)  stimmen  sehr  gut  mit 
rezenten  Exemplaren  dieser  Spezies  vom  Varanger  Fjord;  ich 
wüßte  keinen  Unterschied  namhaft  zu  machen.  Zwischen  den  im 
Umriß  ziemlich  variierenden  Cyprinen  aber,  die  Cerulli-Irelli 
4-  c.  Taf.  VII,  3- — 10;  VIII,  1.  2)  aus  dem  Pliocän  des  Mte.  Mario 
abbildet  und  denen  des  Piemont  einen  Strich  zu  ziehen , wäre 
unzulässig. 

Wir  haben  also  die  Reihenfolge:  1.  C.  islandica  im  älteren 
Pliocän  des  Piemont  (und  Algier)  und  in  den  Schichten  des 
Mte.  Mario,  2.  C.  islandica  in  den  entschieden  jüngeren  Schichten 
von  Ficarazzi  (ob  man  diese  nun  dem  Pliocän  oder  dem  Diluvium 
zurechnen  will).  Sacco  vervollständigt  in  dem  obengenannten 
Werk  diese  Reihe  zu  folgender  Stammreihe: 

Lebend : C.  islandica  L. 

Pliocän : C.  islandica  L. 

Miocän : C.  rotundata  A.  Br. 

Oligocän  : C.  perovalis  Koen.  j C.  rotundata  A.  Br.  — C.  scutellaria  Lk. 
Eocän : C.  lunulata  Desh.  i C.  scutellaria  Lk. 

Dieser  Stammbaum  ist  sehr  einleuchtend,  ganz  sicher  aber 
scheint  mir  zum  mindesten  die  direkte  Weiterentwicklung  von 
C.  islandica  aus  dem  älteren  Pliocän  des  Piemont  und  vom  Mte. 
Mario  zu  derjenigen  aus  den  Schichten  von  Ficarazzi.  In  dem 
Auftreten  von  C.  islandica  (u.  a.)  schon  im  mediterranen 
Pliocän  soll  aber  — und  das  ist  die  herrschende  Anschauung, 
wie  sie  z.  B.  auch  in  Kayser’s  Lehrbuch  Ausdruck  lindet  — ein 
Beweis  für  die  zunehmende  Abkühlung  des  Klimas 
zu  Ende  der  Tertiär  zeit  liegen.  Nun  kommt  aber  C.  is- 
landica bereits  im  unteren  Pliocän  des  Piemont  vor  (s.  o.,  nach 

1 p.  12  heißt  es:  „Credo  perö  che  il  suo  valore  stratigraiico  sia 
minore  di  quanto  alcuni  vollevo  att.ribuirgli“. 


von  „Oyprina  islandica“  im  Postpliocän  von  Palermo. 


175 


Sacco  im  Piacenziano  und  Astiano),  d.  h.  zu  einer  Zeit,  da  bei 
uns  noch  stellenweise  Edelkastanie  und  Lorbeer,  in  Südfrankreich 
aber  noch  Palmen  (Chamaerops  und  Sabal)  gedeihen.  Ob  man 
angesichts  dieser  klimatischen  Verhältnisse,  die  günstiger  als 
unsere  jetzigen  waren,  bereits  das  Auftreten  „nordischer“  Formen 
auf  das  Konto  der  in  ferner  Zukunft  kommenden  Eiszeit  setzen 
darf,  scheint  mir  sehr  zweifelhaft.  Auch  im  nordischen  Pliocän, 
z.  B.  von  England,  tritt  C.  islandica  auf,  und  zwar  bereits  in 
den  ältesten  Schichten,  dem  Coralline  Crag,  besonders  aber  in  dem 
Red  Crag,  der  im  Alter  dem  älteren  Pliocän  etwa  Südfrankreichs- 
am  Mt.  Luberon  mit  Hipparion  etc.  entsprechen  soll  (cf.  Deperet  : 
Sur  Läge  absolu  des  faunes  ä Mammiferes  pliocenes  du  Plateau 
central  et  des  eruptions  volcaniques  contemporains.  Bull.  soc.  geol- 
de  France.  1893.  p.  XCIV  ff.).  Dieses  Vorkommen  wäre  demnach 
genau  gleichalterig  dem  in  Piemont,  und  man  müßte  dann,  der 
üblichen  Methode  folgend,  an  irgendeine  Meeresverbindung  denken, 
die  C.  islandica  zu  einem  Vorstoß  nach  dem  „abgekühlten“  Süden 
benutzt  hätte. 

Ich  habe  bereits  eingangs  daran  erinnert,  daß  wir  den  Grund 
für  gewisse  Wanderungen  nicht  stets  einzusehen  vermögen;  wenn 
aber  eine  boreale  Form,  wie  es  C.  islandica  heute  ist,  in  ein  südliches 
Klima  auswandert,  so  ist  sie  eben  dort  keine  boreale  Form 
mehr,  sie  hat  sich  dem  neuen  Klima  angepaßt,  und  alle  Schlüsse 
auf  das  Klima,  die  man  aus  ihrem  Auftreten  zieht,  sind  hinfällig. 

Interessant  ist  das  Vorkommen  der  C.  islandica  im  Pliocän 
des  Piemont  und  des  Mte.  Mario  in  anderer  Beziehung:  Entweder 
wir  glauben  an  ihre  Wanderung  nach  dem  Süden  zur  Pliocänzeit, 
dann  sehen  wir  in  ihr  ein  Beispiel  dafür,  daß  diese  Form,  die 
heute  boreal  ist,  recht  anpassungsfähig  war.  Ihre  damals  größere 
Verbreitung  bietet  nichts  besonders  Auffallendes , wenn  man  die 
Klimafrage  außer  acht  lassen  kann,  und  so  gliedert  sich  ihr 
Vorkommen  im  Pliocän  von  Italien  und  Diluvium  von  Sizilien 
ganz  zwanglos  in  den  von  Sacco  anfgestellten  Stammbaum  ein. 
Die  andere  Möglichkeit  aber  liegt  einerseits  in  der  erheblichen 
Variationsbreite  der  Art  C.  islandica,  anderseits  in  der  großen 
Ähnlichkeit,  die  große  Cyprinen  untereinander  haben;  mit  anderen 
Worten:  es  ist  durchaus  nicht  gesagt,  daß  die  als  „ C . islandica  L. “ 
bezeichneten  Formen  des  piemontesischen  und  römischen  Pliocäns, 
sowie  des  sizilischen  Diluviums  wirklich  dieser  Art  angehören, 
sondern  sie  sind  eben  Abkömmlinge  von  Cyprinen  aus  älteren 
Tertiärschichten,  und  bei  der  für  große  Formen  der  Gattung 
Cffprina  ziemlich  beschränkten  Variationsfähigkeit  haben  sich  die- 
selben Formen  der  Schale  in  verschiedenen  Meeren  wiederholt. 

Daß  wir  im  Pliocän  Siziliens  keine  Cyprina  finden,  die  als 
Vorfahre  der  „unmittelbar  auftretenden  C.  islandica “ gelten  könnte, 
ist  mit  als  Beleg  für  die  Einwanderung  zur  Diluvialzeit  aus  dem 


176 


E.  Wepfer,  Ueber  das  Vorkommen 


Norden  herangezogen  worden,  in  Wirklichkeit  aber  ganz  un- 
wesentlich: — wenn  wir  erwarten  könnten,  immer  gleich  an  Ort  und 
Stelle  die  Vorfahren  einer  Form  in  der  nächstälteren  Ablagerung 
zu  linden,  so  stünde  es  gut  um  unsere  Wissenschaft!  — Die  Vor- 
fahren liegen  in  diesem  Fall  im  Pliocän  vom  Mte.  Mario  und  dem 
des  Piemont,  und  deren  Vorfahren  wiederum  mögen  C.  rotundata 
u.  a.  sein,  — zugleich  auch  die  Stammeltern  unserer  subfossilen 
und  rezenten  C.  islandica  der  nördlichen  Meere. 

Von  einem  allmählichen  Vorrücken  der  „C.  islandica“  nach 
dem  Süden  von  der  Pliocänzeit  ab  bis  ins  Diluvium  kann  demnach, 
da  sie  ja  bereits  im  älteren  Pliocän  von  Algier  (s.  o.)  vorkommt, 
nicht  die  Rede  sein,  abgesehen  davon,  daß  eine  solche  Wanderung 
nur  eine  scheinbare  sein  könnte  (sie  kann  wirklich  durch  die 
Lückenhaftigkeit  der  Überlieferung  vorgetäuscht  werden):  — durch 
diese  Ausführungen  scheint  mir  erwiesen,  daß  der  „C.  islandica “ 
in  Sizilien  zu  viel  Bedeutung  beigelegt  worden  ist. 

Von  den  übrigen,  durch  di  Monterosato  (1.  c.)  u.  a.  als 
boreal  bezeichneten  Arten  kommt  Pectunculus  glycymeris  nach 
PERunra-lRELLi  (1.  c.  1907.  p.  118)  am  Mte.  Mario  vor,  in  Formen, 
die  er  mit  solchen  aus  dem  Postplioeän  der  Insel  Rhodos  ver- 
gleichen konnte,  und  lebt  ferner  im  Adriatischen  Meer.  Dosinia 
lupinus  var.  lincta  findet  sich  nach  demselben  nicht  nur  am  Monte 
Mario  (1.  c.  1908.  p.  46/47),  sondern  nach  Sacco  (1.  c.  Teil  XXVIII. 
p.  49)  auch  im  Astiano  und  Piacenziano  des  Piemont;  Pecten 
septemradiatus  kommt  nach  Sacco  (1.  c.  Teil  XXIV.  p.  38)  in  den- 
selben Stufen  des  älteren  Pliocän  vor  und  ebenso  Trochus  cinereus 
im  Astiano  (1.  c.  Teil  XXI.  p.  24). 

Freilich  sind  noch  zwei  Arten  vorhanden,  die  besonders 
schwer  zugunsten  der  nordischen  Einwanderung  ins  Gewicht  fallen1 : 
es  sind  Mi/a  truncata  und  Panopaea  norvegica,  die  im  italienischen 
Pliocän  offenbar  fehlen  und  vielleicht  wirklich  nordische  Formen 
sein  könnten;  sie  leben  auch  jetzt  nicht  mehr  im  Mittelmeer.  Sie 
wären  aber  demnach  erst  zur  Diluvialzeit  eiugewandert, 
was  zur  Not  verständlich  erscheint  — falls  sich  nicht  auch  ihre 
Vorfahren  noch  im  Pliocän  des  Mediterrangebiets  finden  sollten. 

Wer  sich  je  mit  den  jüngsten  tertiären  Bildungen  Italiens 
beschäftigt  hat,  der  weiß,  welche  Schwierigkeiten  sich  einer  ge- 
nauen Altersbestimmung  jener  oft  außerordentlich  fossilreichen 
Schichten  entgegenstemmen.  Beim  Studium  der  dem  Gebirge  rand- 

1 Ich  bin  Herrn  Professor  Frech  sehr  dankbar,  daß  er  mich  in  diesem 
Zusammenhang  an  das  Vorkommen  von  Nephrops  norvegicus  im  Mittel- 
meer  erinnert  hat;  ich  bin  der  Ansicht,  daß  sich  die  weite  Verbreitung 
dieses  Decapoden  (norweg.  Küste,  Adria,  Golf  von  Neapel)  für  diese  Frage 
nicht  direkt  verwerten  läßt,  da  eine  Wanderung  in  dieser  wie  in  jener 
Richtung  denkbar  ist.  solange  nicht  paläontologische  Tatsachen  entscheiden 
können.  Und  die  fehlen  meines  Wissens  bis  jetzt  noch. 


von  „Cyprina  islandica"  im  Postpliocän  von  Palermo.  177 

lieh  angelagerten  Geröllageu,  Sande  und  Tone,  drängt  sich  - — 
ganz  abgesehen  von  dem  Charakter  der  Ablagerungen  selbst  — 
schon  rein  dui’cli  das  Landschaftsbild  das  Bewußtsein  auf,  im 
alten  Meeresstrand  darin  zn  stehen.  Aus  dieser  Tatsache  allein 
ergibt  sich  die  Notwendigkeit,  mit  raschem  faziellem  Wechsel  zu 
rechnen:  in  der  Umgebung  eines  felsigen  Vorsprungs  hält  sich 
eine  andere  Fauna  auf,  als  am  flachen  Strand  am  Ausgang  eines 
Tales.  Und  daraus  sollte  sich  ein  für  allemal  der  Versuch  ver- 
bieten , durch  bloßes  Abzählen  der  Arten  und  Abwägen  ihres 
Mengenverhältnisses  an  den  verschiedenen  Fundpunkten  das  gegen- 
seitige Alter  feststellen  zu  wollen.  Und  doch  finden  wir  diese 
Methode,  deren  Unzuverlässigkeit  durch  das  Weiterleben  so  vieler 
plioeäner  Formen  in  der  Jetztzeit  gewissermaßen  ad  oculos  de- 
monstriert wird,  so  oft  angewendet.  Die  einen  Formen  werden 
am  alten  Strand  hier,  die  anderen  dort  gelebt  haben,  und  daraus 
ergiebt  sich  schon  eine  Verschiedenartigkeit  der  Faunenzusam- 
mensetzung,  ohne  daß  ein  verschiedenes  Alter  angenommen  wer- 
den muß. 

Anderseits  ist  es  die  Langlebigkeit  gewisser  Arten,  die  dazu 
verführen  könnte , gewisse  Ablagerungen , die  für  verschieden  alt 
angesehen  werden,  für  gleichalterig  zu  halten ; so  finden  sich  im 
Pliocän  von  Palombara  Marcelliua  bei  Rom,  das  älter  sein  soll  als 
die  Schichten  des  Mte.  Mario  \ Bänke  mit  Cladocora  caespitosa ; die- 
selben Bänke  findet  man  in  den  Steinbrüchen  des  „Siciliano“  an 
den  Falde  del  Pellegrino  (Palermo),  also  im  marinen  Diluvium. 
Im  Hinblick  auf  diese  Schwierigkeiten  glaube  ich  die  Vermutung 
aussprechen  zn  können , daß  bei  der  angedeuteten  Methode  des 
Abzählens  erhebliche  Irrtümer  sich  einschleichen  müssen,  und  der 
Schluß,  daß  dort,  wo  wir  etwa  Mya  truncata  und  Panopaea  nor- 
vegica finden,  Diluvium  und  nicht  Pliocän  vorliegt,  scheint  mir 
eventuell  aus  derselben  Quelle  dieses  gleichen  Irrtums  fließen  zu 
können.  Dieser  Gedankengang  ist  es,  der  berechtigte  Zweifel 
über  die  Verwendbarkeit  auch  dieser  beiden  Arten  im  Sinne  nordi- 
scher Faktoi'en  in  mir  auf  kommen  läßt. 

Betreffs  der  übrigen  als  boreal  bezeichneten  Formen  kann  ich 
zunächst  nur  der  Vermutung  Ausdruck  geben , daß  es  sich  dabei 
teils  um  irrige  Bestimmungen,  teils  um  ähnliche  Verhältnisse  wie 
bei  Cyprina  islandica  handeln  mag,  die  vielleicht  auch  z.  T.  unter 
dem  Einfluß  der  überschätzten  Bedeutung  der  C.  islandica  stehen 
mögen. 

1 Cerulli-Irelli  e de  Axgelis  d'Ossat  : I molluschi  fossili  pliocenici 
di  Palombara  Marcellina.  Boll.  soc.  geol.  17.  p.  88  ff. 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


12 


178  R-  Kowarzik,  Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene 


Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene  Funde  des 
Moschusochsen  aus  dem  belgischen  Diluvium. 

Von  Rudolf  Kowarzik. 

Während  der  Sommermonate  1912  unternahm  ich  mit  Unter- 
stützung des  k.  k.  Ministeriums  für  Kultus  und  Unterricht  eine 
Studienreise  durch  Nordeuropa.  Obwohl  der  Zweck  dieser  Reise 
in  der  Lösung  des  Problems  der  Abstammung  der  Schafe  be- 
stand, habe  ich  doch  auch  Gelegenheit  gefunden,  auf  mein  letztes 
Interessengebiet  zurückzukommen,  nämlich,  weiteres  Material  zur 
Phylogeuie  des  Moschusochsen  zu  untersuchen.  Da  es  sich  um 
bisher  in  die  Literatur  nicht  aufgenommene  aber  sehr  wichtige 
Funde  handelt,  will  ich  ganz  kurz  eine  Besprechung  derselben 
bringen. 

Im  „Musee  Royal  d’Histoire  Naturelle“  in  Brüssel  zeigte  mir 
Herr  Professor  Louis  Dollo  zwei  Reste  des  diluvialen  Moschus- 
ochseu,  die  beide  aus  belgischem  Boden  stammen  und  die  ersten 
in  diesem  Lande  entdeckten  Zeugen  des  ehemaligen  Vorkommens 
dieses  arktischen  Tieres  sind.  Es  handelt  sich  um  Reste  eines 
Männchens  und  eines  Weibchens. 

Ersteres,  das  die  Nummer  3094  trägt,  ist  zweifellos  das  best- 
erhaltene Exemplar,  das  in  irgend  einem  Museum  steht.  Außer 
dem  ziemlich  vollständigen  Schädel  sind  die  drei  letzten  Halswirbel, 
neun  Rücken-  und  drei  Lendenwirbel  erhalten.  Vier  Rippenfragmente 
und  ein  Stück  der  linken  Scapula  vervollständigen  das  Skelet. 

Was  den  Schädel  anbelangt,  so  bildet  eine  tiefe  Tränengrube 
das  hervorstechendste  Merkmal  desselben.  Auf  die  Bedeutung  der 
Tränengrube  zur  Erkenntnis  der  Phylogenie  des  Moschusochsen 
habe  ich  in  meiner  Monographie  dieser  Gattung1  hingewiesen.  Am 
vorliegenden  Schädel  ist  nur  das  rechte  Tränenbein  erhalten,  das 
linke  fehlt.  Das  Basioccipitale  ist  fast  quadratisch,  der  Hinter- 
hauptskamm  nur  schwach  gebogen,  fast  gerade.  Die  Muskeleindrücke 
unter  demselben  sind  sehr  tief,  was  — wie  ich  in  der  erwähnten 
Arbeit  ausgesprochen  habe  — auf  ein  mächtiges  Gehörn  deutet. 
Die  gewaltigen  fast  unverletzten  Hornzapfen  am  besprochenen 
Exemplare  bestätigen  diese  Annahme.  Von  den  Hornzapfen  ist 
der  linke  ganz,  der  rechte  in  der  Mitte  entzweigebrochen.  Doch 
wurde  das  verlox-en  gegangene  Stück  durch  eine  Masse  ersetzt,  so 
daß  der  Zapfen  in  seiner  ursprünglichen  Länge  und  Gestalt  sich 
darstellt. 

Außer  den  geschilderten  Teilen  ist  noch  der  obere  Teil  der 
Augenröhren,  das  linke  Nasale,  ein  Teil  des  linken  Oberkiefers 
und  ein  kleineres  sowie  ein  größeres  Stück  des  Oberkiefers  erhalten. 

1 Der  Moschusochs  im  Diluvium  Europas  und  Asiens.  Denkschriften 
der  math.-naturwisseusch.  Klasse  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissen- 
schaften. Wien  1912.  87. 


Fnnde  des  Mosehusochsen  a.  d.  belgischen  Diluvium. 


179 


Was  das  Sktdett  anbelangt,  sind  au  den  erhaltenen  Wirbeln 
die  verschiedenen  Apophysen  größtenteils  abgebrochen,  wie  das  bei 
so  stark  exponierten  Knochen  kein  Wunder  ist.  Zwischen  dem 
ersten  und  dem  zweiten  Rückenwirbel  fügt  sich  eine  kurze  rechte 
Rippe  an,  zwischen  dem  zweiten  und  dritten  wieder  eine  kleinere 
Rippe  derselben  Seite  und  eine  auf  der  linken  Seite.  Zwischen 
dem  fünften  und  sechsten  Wirbel  lenkt  rechts  ebenfalls  ein  Rippen- 
fragment ein.  Der  dritte  und  der  sechste  Halswirbel  tragen  Dorn- 
fortsätze, ersterer  ist  länger,  letzterer  kürzer. 

Es  war  ein  glücklicher  Gedanke  Professor  Dollo's,  das  Skelett 
des  gefundenen  Tieres  durch  ein  Gestell  aus  Eisen  nachzubilden, 
wobei  die  erhaltenen  Reste  an  der  entsprechenden  Stelle  eingefügt 
wurden.  So  hat  man  ein  gutes  Bild  von  der  Größe  und  den  Ver- 
hältnissen des  Moschusochsen,  wie  er  im  Diluvium  in  Belgien  gelebt 
hat.  Die  besprochenen  Reste  wurden  bei  Tirlemont  im  Jahre  1886 
gefunden. 

Das  zweite  im  ..Musee  d'Histoire  Naturelle“  vorhandene  Exem- 
plar ist  durch  den  Schädel  eines  Weibchens  repräsentiert.  Der- 
selbe umfaßt  den  Gehirnteil,  den  oberen  Teil  der  linken  Augen- 
röhre, ein  Stück  des  linken  Tränenbeines,  beide  Hornzapfen  sowie 
einen  Teil  des  linken  Jochbogens  und  zwar  den  Processus  zygo- 
maticus  des  Schläfenbeines.  Im  erhaltenen  Tränenbeine  ist  eine 
deutliche  Tränengrube  vorhanden.  Der  Hinterhauptskamm  ist  stark 
gebogen,  die  Gruben  unter  demselben  bei  weitem  nicht  so  tief  wie 
bei  dem  beschriebenen  Männchen.  Damit  im  Zusammenhang  stehen 
auch  die  schwachen  Hornzapfen,  lauter  Erscheinungen,  wie  ich  sie 
in  meiner  zitierten  Monographie  als  Charakteristik  des  weiblichen 
Moschusochs-Schädels  ausgesprochen  habe.  Das  Stück  wurde  bei 
Rupelmonde  im  Jahre  1888  gefunden. 

Was  nun  das  Alter  beider  Funde  anbetrifft,  so  gehören  beide 
unzweifelhaft  der  Mammutzeit  an  — wie  mir  Herr  Professor  Doixo 
diesbezüglich  mitteilte.  Über  die  Bedeutung  dieser  Reste  möchte 
ich  folgendes  sagen.  In  meiner  erwähnten  Arbeit  habe  ich  aus 
meinen  Untersuchungen  die  Schlußfolgerung  gezogen,  daß  die  zwei 
von  mir  unterschiedenen  Gruppen  des  rezenten  Moschusochsen,  die 
östliche  — Ovibos  moscliatus  — ■ und  die  westliche  — 0.  maclcen- 
sianus  — eine  verschiedene  Phylogenie  besitzen.  Nur  die  der 
letztgenannten  spielt  sich  auf  europäischem  Boden  ab,  während  die 
Vorfahren  der  östlichen  Gruppe  nie  den  Boden  unseres  Kontinents 
betreten  haben.  Die  beiden  eben  beschriebenen  Funde  stehen  nun 
damit  vollständig  im  Einklang.  Es  handelt  sich  um  zwei  typische 
Vertreter  des  Ovibos  mackensianus  Kow.,  also  um  Tiere,  die  sich 
von  den  im  Westen  der  großen  nordamerikanischen  Wasserscheide 
wohnenden  Moschusochsen  gar  nicht  unterscheiden.  Deren  unmittel- 
barste Vorfahren  sind  aber  in  Sibirien  und  in  Europa  zu  suchen, 
weil  dieser  Typus  von  Moschusochsen  am  Schlüsse  der  Eiszeit  vor 


180  R-  Hundt,  Eine  Ergänzung  zu  -Organische  Reste“  etc. 

der  allzugroßen  Wärme  hauptsächlich  auf  dem  Wege  über  Rußland 
und  Sibirien  und  die  damals  noch  ein  Festland  bildende  Behrings- 
straße nach  Nordamerika  zurückwich.  Der  Umstand , daß  der 
Typus  Ovibos  mackensianus  in  Belgien  schon  zur  Mammutzeit 
vollständig  entwickelt  war,  spricht  am  besten  dafür,  wie  richtig 
meine  Trennung  der  lebenden  Moschusochsen  in  zwei  verschiedene 
Gruppen  war,  und  die  Grenze  zwischen  beiden  gewinnt  dadurch 
noch  an  Bedeutung. 

Zum  Schlüsse  danke  ich  noch  Herrn  Professor  Louis  Dollo 
lierzlichst  für  seiu  freundliches  Entgegenkommen  und  die  Erlaubnis, 
photographische  Aufnahmen  der  Funde  machen  zu  können. 

Über  neue  interessante  Funde  diluvialer  Moschusochsen  auf 
amerikanischem  Boden  werde  ich  im  dritten  Teile  meiner  Mono- 
graphie, die  sich  mit  der  Phylogenie  des  Typus  Ovibos  moschatus  — 
der  die  Polarländer  und  das  östlichste  Nordamerika  bewohnt  — 
beschäftigt,  berichten. 


Eine  Ergänzung  zu  „Organische  Reste  aus  dem  Untersilur 
des  Hüttchenberges  bei  Wünschendorf  an  der  Elster“.1 

Von  Rudolf  Hundt-Gera. 

Die  in  der  Arbeit  „Organische  Reste  aus  dem  Untersilur  etcA 
erwähnten  beiden  Problematika  Silur- Dictyodora  und  Silur- Palaeo- 
dictyum  wurden  von  A.  Auerbach  nachträglich  auch  publiziert2. 
Er  führt  die  Silur -Dictyodora  als  IJictyodora  Liebeana  Weiss  an. 
Diesen  Namen  hat  E.  Zimmermann  für  die  Culm -Dictyodora  vorge- 
schlagen, nachdem  er  nachgewiesen  hatte,  daß  die  verschiedenen 
Schnitte  des  Fossils  unter  drei  verschiedenen  Namen  in  der  Wissen- 
schaft bekannt  waren 3.  Deshalb  möchte  ich  für  diese  Silur-Z)ic- 
tyodora  nachträglich  den  Namen  Di  ct y odo  r a Z i tn  m e r tu  a n n i n . sp. 
einführen,  benannt  nach  dem  Königl.  Preuß.  Landesgeologen  Prof. 
Dr.  E.  Zimmermann,  der  die  ersten  Reste  dieser  Dictyodora 
Zimmer  mann  i n.  sp.  im  Untersilur  von  Lössau  bei  Sclileiz  auf- 
fand4, dem  wir  auch  die  ausführliche  Monographie  der  Dictyodora 
Liebeana  Weiss  verdanken.  Daß  die  Dictyodora  Zimmermanni  n.  sp. 


1 Dies.  Centralbl.  1912.  3.  p.  91 — 95. 

A.  Auerbach,  Dictyodora  Liebeana  Weiss  aus  dem  Untersilur  von 
Wünschendorf.  53—54  Jahresber.  d.  Gesellsch.  v.  Freund,  d.  Naturwissen- 
schaft zu  Gera.  p.  127 — 128. 

3 E.  Zimmermann  : Dictyodora  Liebeana  Weiss,  und  ihre  Beziehung 
zu  Vexillum  Rouault,  Palaeochorda  marina  Geinitz  und  Crossojtodia 
Henrici  Geinitz.  32 — 35  Jahresber.  d.  Gesellsch.  v.  Freund,  d.  Natur- 
wissensch.  zu  Gera  p.  28 — 63. 

4 E.  Zimmermann:  Dictyodora  Liebeana.  Naturwissenschaftliche 

Wochenschr.  1893. 


M.  Berek,  Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


181 


auch  anderweitig  im  Untersilur  gefunden  worden  ist,  stellte  der 
Verfasser  schon  fest1,  z.  B.  in  den  „schistes  de  Barrancos“  Por- 
tugals. An  den  bisher  im  Untersilur  Wünscliendorfs  gesammelten 
Didyodora-Resten  fiel  schon  Auerbach  die  geringe  Höhe  der  Exem- 
plare auf,  die  nach  Zimmermann  an  den  Gulmexemplaren  an  der 
für  ihre  Erhaltung  besonders  günstigen  Stelle  bei  Wurzbach  6 cm  und 
vom  Schiefenbruch  Luitpold  bei  Heinersdorf  im  Frankenwalde  bis  20  cm 
beträgt2.  Auch  die  Schleifenbildung  ist  bei  der  Dictyodora  Zimmer - 
mannt  eine  andere , engere,  als  bei  Dictyodora  Liebeana  Weiss. 

Das  andere  Problematikum,  das  Palaeodictyum , das  auch 
im  Culm  ein  stetiger  Begleiter  der  Dictyodora  ist,  wurde  in  den 
Untersilurschichten  der  Hiittchenberge  bei  Wünschendorf  mit  auf- 
gefunden. Für  dieses  schlage  ich  den  Namen  P alaeodict yum 
Eiseleanum  n.  sp.  vor,  nach  dem  verdienten  Erforscher  Ost- 
thüringer  Graptolithen  Robert  Eisel  benannt.  Er  ist  viel  weniger 
häufig  als  Dictyodora  Zimmermanni  und  die  in  der  ersten  Arbeit 
genannten  Wurmspuren. 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 

Von  M.  Berek  in  Wetzlar. 

Mit  3 Textfiguren. 

(Mitteilung  aus  den  optischen  Werken  von  E.  Leitz,  Wetzlar.) 

Der  im  folgenden  beschriebene  Apparat  erfüllt  nachstehende 
Anforderungen : 

1.  Bei  min  er  alogisch - petrographischen  Übungen 
und  Vorlesungen  kann  der  Dozent  einem  kleineren  Zuhörer- 
kreise alle  Arten  der  mikroskopischen  Untersuchungsmethoden  im 
polarisierten  Licht  in  horizontaler  oder  vertikaler  Projektion  bei 
beliebiger  Vergrößerung  vorführen. 

2.  Der  Apparat  ermöglicht  die  Projektion  von  Übersichts- 
bildern bis  zur  Größe  von  24  mm  Durchmesser  und  ist  daher 
geeignet  für  die  Demonstration  der  Gesetze  der  Doppelbrechung 
und  Polarisation  an  größeren  Kristallplatten  und  Keilen. 

3.  Er  ist  für  die  Projektion  von  Diapositiven  bis  zum 
Format  9X12  einschließlich  verwendbar. 

4.  Er  gestattet  m ik  r o p h o t ograp  h is  che  Aufnahmen 
in  beliebig  kleiner  bis  stärkster  Vergrößerung  auszuführen. 

5.  Er  eignet  sich  infolge  seiner  Lichtstärke  in  vertikaler 
Lage  ausgezeichnet  für  kristall-optische  Messungen  aller  Art. 

1 Rudolf  Hundt:  Vertikale  Verbreitung  der  Dictyodora  im  Palaeo- 
zoikum.  Dies.  Centralbl.  1912.  p 542 — 543. 

5 E.  Zimmermann.  Erläuterung  zu  Blatt  Lobenstein  p.  51. 


182 


31.  Berek. 


6.  Er  ist  als  Beobach  tun  gs  in  st  rum  ent  dem  Mikroskop 
vorzuziehen,  weil  er  den  Beobachter  unvergleichlich  weniger  ermüdet. 
V . Er  ist  als  Zeichen  a p p a r a t benutzbar. 


Fig.  1. 


Allgemeine  Anordnung. 

Die  auf  einer  Tischplatte  montierte  gußeiserne  Säule  S (Fig.  1), 
welche  die  Hochstell-  und  Drehvorrichtung  für  Horizontal-  und 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat  bei  vertikaler  Mikroprojek- 
tion mit  photographischer  Kamera. 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


18o 

Vertikalprojektion  trägt,  entspricht  ganz  der  Anordnung  des  Zeichen- 
lind  Projektionsapparates  nach  L.  Edinger1,  welcher  in  wissenschaft- 
lichen Kreisen  eine  weite  Verbreitung  gefunden  hat.  Nach  Lösung 
der  Schraube  li  kann  der  Träger  T des  gesamten  optischen  Systems 
in  zwei  mit  cm-Teilung  versehenen  Gleitschienen  gehoben  oder  ge- 
senkt werden.  Der  Träger  T besitzt  ebenfalls  Gleitschienen,  in 
denen  die  einzelnen  Teile  der  optischen  Anordnung  mit  Klemm- 
vorrichtungen befestigt  werden  können.  Um  von  der  Vertikal-  zur 
Horizontal-Projektion  überzugehen,  zieht  man  den  Knopf  1;  (in 
Fig.  3 sichtbar)  an  und  dreht  T um  die  Horizontalachse  h beliebig 
nach  links  oder  rechts,  bis  k wieder  einschnappt. 

Lichtquelle  ist  der  positive  Krater  einer  allseitig  zentrierbaren 
Liliputbogenlampe  für  Gleich-  oder  Wechselstrom  mit  5 Amp.  Strom- 
verbrauch. Diese  Handregulierlampe  kann  auf  Wunsch  mit  einem 
regulierbaren  Uhrwerk  ausgestattet  werden,  welches  die  Kohlen, 
entgegen  der  nur  zeitweise  erfolgenden  elektromagnetischen  Re- 
gulierung, ununterbrochen  (D.R.P.  angemeldet)  vorwärtsschiebt, 
so  daß  der  positive  Krater  seine  Lage  unverändert  beibeliält.  Zu 
der  Lampe  gehört  ein  passender  Vorschalt- Widerstand.  Die  Lampe 
kann  mittels  Steckkontaktes  an  jede  Hausleitung  angeschlossen 
werden. 

Im  Prinzip  abweichend  gegenüber  dem  Projektionsapparat 
nach  L.  Edinger  ist,  entsprechend  den  anderen  Anforderungen  an 
den  Strahlengang,  die  gesamte  optische  Anordnung.  Die 
metallische  Hülse  H,  welche  die  Lampe  teilweise  umschließt,  läßt 
sich  beiseite  klappen.  In  den  mit  ihr  verbundenen  Arm  E läßt  sich 
ein  Teil  des  Beleuchtungssystems  zusammen  mit  dem  Polarisator  ein- 
setzen.  Dieser  Teil  der  optischen  Anordnung  enthält,  von  der  Licht- 
quelle aus  gezählt,  zunächst  eine  in  metallene  Stäbchen  gefaßte 
Kollektorlinse,  welche  zur  Erzielung  großer  Lichtstärke  von  dem 
sehr  hohen  Öffnungsverhältnis  von  annähernd  1 gewählt  ist.  Diese 
Linse  bildet  den  Krater  in  dem  Polarisator  ab,  der  aus  einem 
Prisma  nach  Glan-Thompson  besteht.  Um  eine  schädliche  Er- 
hitzung des  Prismas  zu  vermeiden,  wird  der  ordentliche  Strahl  im 
Kalkspat  nicht,  wie  bei  den  übrigen  Prismen,  an  der  Wandung  des 
Polarisators  absorbiert  und  seine  Energie  in  Wärme  umgesetzt, 
sondern  er  tritt  schräg  nach  vorn  durch  das  in  der  Hülse  G sicht- 
bare Fenster  aus  (D.R.G.M.  382  769.  382  7G8)2.  Am  Ende  dieser 
Hülse  sitzt  die  Collimatorlinse,  aus  der  ein  nahezu  paralleles 
Strahlenbündel  austritt.  Die  genannten  optischen  Teile  sind 
gegen  Wärmezuleitung  von  der  metallischen  Hülse  H ausgiebig 
isoliei’t.  Bei  mehrstündiger  ununterbrochener  Benutzung  des  Appa- 
rates wird  zwar  die  Metallhülse  H entsprechend  heiß , doch 


1 L.  Edinger,  Zeitschr.  f.  wiss.  Mikrosk.  etc.  24.  26;  1907. 

2 W.  v.  Ignatowsky,  Zeitschr.  f.  Instr.  1910,  217. 


184 


M.  Berek, 


weisen  die  darin  sitzenden  optischen  Teile,  vor  allein  der  Polari- 
sator, eine  schädliche  Erwärmung  nicht  auf.  Die  auf  die  Kollektiv- 
linse von  den  Kohlen  der  Lampe  herniederfallenden  Kohlenteilchen 


Fig.  2.  Mineralogischer  Demonstrationsapparat  mit  Universaldrehtisch 

nach  Fedorow. 

sind  von  Zeit  zu  Zeit  mit  Hilfe  eines  Pinsels  abzustreichen.  Der 
Hebel  g und  der  Lampentrieb  r,  die  in  dem  abgebildeteu  Modell 
noch  vom  Apparat  nach  L.  Edinger  übernommen  sind,  erweisen 
sich  bei  vorliegendem  Strahlengang  als  überflüssig  und  werden 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


185 


daher  zukünftig  bei  der  Ausführung  des  Apparates  fortgelassen. 
Die  Lampe  wird  gleich  von  vorherein  in  passender  Höhe  am 
Träger  T montiert. 

Auf  den  Gleitschienen  des  Trägers  T sitzen  ferner  verschieb- 
bar zwei  mit  Klemmvorrichtungen  versehene  Reiter  A und  B. 
A besitzt  einen  Doppelarm.  Der  eiue  M trägt  den  mittels  Zahn  und 
Trieb  s verstellbaren  Kondensorrevolver.  Dieser  enthält  drei  Kon- 
densoren und  ein  Leerloch,  entsprechend  den  verschiedenen  zu  be- 
nutzenden Vergrößerungen.  Eine  seitliche  an  der  Triebbewegung  s 
angebrachte  Skala  gibt  Aufschluß  über  die  günstigste  Wahl  des 
Kondensors  bei  gegebenem  Objektiv,  sowie  gleichzeitig  über  die 
günstigsten  Stellungen  der  einzelnen  Kondensoren.  Über  der 
Öffnung  der  festliegenden  Revolverscheibe  sitzt  eine  Apertur-Iris- 
blende. Der  andere  Arm  X trägt  einen  drehbaren  Objekttisch, 
welcher  in  ganze  Grade  mit  5 ' = Nonius- Ablesung  geteilt  ist. 

Der  Reiter  B endlich  (stets  ganz  am  Ende  der  Schiene  T 
zu  befestigen)  trägt  eine  mittels  Zahn  und  Trieb  t verschiebbare 
und  Feineinstellung  v versehene  Schlittenführung,  in  welche  das 
Projektionssystem  (Mikroskop,  Projektionsobjektive)  eingeschoben 
und  in  einer  durch  Anschlag  markierten  Lage  festgeklemmt  wer- 
den kann. 


Verwendungsmöglichkeiten. 

1.  Mikroprojektion. — Für  die  Mikroprojektion  im  polari- 
sierten Licht  wird  in  die  Schlittenführung  des  Armes  B ein  minera- 
logischer Mikroskoptubus  eingeschaltet.  Die  Objektive 
werden  mittels  einer  Schlittenzange  z am  Tubusende  befestigt  und 
sind  in  zwei  aufeinander  senkrechten  Richtungen  zentrierbar.  Da 
jedes  Objektiv  seine  eigene  Zeutriervörriclitung  hat,  so  kann  man 
auch  beim  Wechseln  der  Objektive  mit  stets  zentriertem  System 
arbeiten,  wenn  einmal  für  jedes  Objektiv  die  Zentrierung  ausgeführt 
ist.  Unter  dem  Okular  sitzt  der  ausschaltbare  Analysator  n in 
einem  drehbaren,  mit  Gradteiluug  versehenen  Kreise.  Der  Über- 
gang von  der  orthoskopischen  zur  konoskopischen  Pro- 
jektion vollzieht  sich,  wie  bei  subjektiver  Beobachtung  im  Mi- 
kroskop, einfach  durch  Einschalten  der  AMici-BERTRAxu’schen  Linse  b. 
Diese  ist  in  der  Längsrichtung  des  Tubus  verschiebbar  und  außer- 
dem mit  Hilfe  zweier  Justierschrauben  zentrierbar.  Ihre  relativ 
kurze  Brennweite  gewährleistet  die  Möglichkeit,  verhältnismäßig 
große  Achsenbilder  zu  erzielen.  Die  Scharfstellung  erfolgt  durch 
Heben  und  Senken  der  Bertrandlinse. 

Der  Apparat  kann  auch  zur  Projektion  von  Achsenbildern  dicker 
Präparate  eingerichtet  werden. 

Ueber  die  erreichbaren  Vergrößerungen  mit  Hilfe  der  gebräuch- 
lichen Achromate  und  HuYGHENs’schen  Okulare  gibt  bei  einem 


186 


M.  Berek. 


Abstand  von  250  nun  zwischen  der  Projektionswand  und  dem 
Okular  folgende  Tabelle  Aufschluß : 

Vergrößerungen  der  Achromate  mit  den  HuYOHKNs'schen  Okularen 
bei  250  mm  Abstand  von  der  Projektionswand. 


Objektiv 

0 

Okular 

i | ii 

ui 

1 

13 

16 

19 

26 

2 

23 

29 

35 

46 

3 

41 

51 

62 

82 

4 

73 

91 

109 

146 

5 

133 

167 

200 

267 

6 

192 

240 

288 

384 

7 

250 

312 

375 

500 

Die  Vergrößerungszahlen  ändern  sich  proportional  der  Ände- 
rung des  Abstandes  zwischen  Okular  und  Projektionswand.  Bei 
einem  Schirmabstand  von  2\  m bei  horizontaler  Projektion  gelten 
also  die  zehnfachen  Vergrößerungswerte  der  Tabelle.  Solche 
Schirmabstände  kann  man  auch  für  die  stärksten  Vergrößerungen 
enthalten,  wenn  in  verdunkeltem  Raum  durch  Schirmwände  für  hin- 
reichende Abblendung  des  seitlichen  Lichts  gesorgt  wird.  Eine 
passende  Verdunklungsvorrichtung  für  horizontale  Projektion  wird 
auf  Wunsch  geliefert,  ist  jedoch  bei  Beschränkung  auf  schwächere 
und  mittelstarke  Systeme  (z.  B.  Objektiv  4 mit  Okular  1)  gänzlich 
entbehrlich.  Die  vertikal  auf  die  Tischplatte  ausgeführte  Projektion 
ist  so  hell,  daß  sie  bei  Tageslicht  ausgeführt  werden  kann. 

Als  Projektionsschirm  benutzt  man  eine  Gipstafel  oder  einen 
Bogen  Papier;  Aluminiumschirme  erweisen  sich  außer  wegen  ihres 
geringen  Streuungswiukels  bei  der  Projektion  von  Achsenbildern 
auch  deswegen  als  weniger  brauchbar,  weil  sie  die  Farbwerte  un- 
gewohnt wiedergeben. 

Abgesehen  von  der  Verwendung  bei  Demonstrationen  bietet 
dieser  Apparat  gegenüber  der  subjektiven  Beobachtung 
eine  Reihe  von  Vorteilen: 

Eine  gegenseitige  Aussprache  am  Mikroskop  ist  durch  das 
Nacheinandereinsehen  sehr  erschwert.  Doppelokulare  lassen  sich 
aber  für  mineralogische  Instrumente  nicht  benutzen , weil  infolge 
der  Polarisation  bei  der  Prismen-Reflexion  bei  gekreuzten  Nikols 
je  nach  Lage  des  Doppelokulars  der  eine  Beobachter  nichts  sieht 
oder  die  Intensität  für  beide  Beobachter  zu  gering  ist , bei  aus- 
geschaltetem Analysator  aber  das  Gesichtsfeld  dem  einen  Beobachter 
wie  zwischen  parallelen,  gekreuzten  oder  auch  beliebig  orientierten 
Prismen  erscheint.  In  vertikaler  Lage  bietet  hingegen  der  vorliegende 


Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


187 


Apparat  ein  einfach  zu  handhabendes  Mittel  zur  gegenseitigen 
Verständigung  und  Belehrung.  Audi  als  Arbeitsinstru- 
ment ist  der  Demon strati onsapparat  in  vertikaler  Lage  jedem  Mikro- 
skop vorzuziehen.  Zunächst  ist  die  Beobachtung  mit  beiden  Augen, 
sowie  die  Möglichkeit,  beim  Arbeiten  eine  beliebige  zwanglose 


Fig.  3.  Horizontale  Diapositivprojektion. 


Haltung  einnehmen  zu  können,  nicht  in  demselben  Maße  ermüdend. 
Andererseits  entspringt  aus  der  Verwendung  einer  höheren  Licht- 
intensität auch  die  Möglichkeit,  Messungen  mit  größerer  Ge- 
nauigkeit ausführen  zu  können.  Besonders  charakteristische  Stellen 
und  Stellungen  mit  Bezug  auf  das  Okular-Fadenkreuz  können  auf 
einem  auf  den  Projektionstisch  gelegten  Stück  Papier  einfach 


1<S8 


M.  Berek,  Mineralogischer  Demonstrationsapparat. 


nach  ge  zogen  werden.  Wie  bei  der  subjektiven  Beobachtung, 
so  können  auch  hier  bei  der  Projektion  Kompensator  nach  Babinet, 
Okularspektroskop , Heiztische  und  Abkiihlungsvorrichtungen  und 
andere  Nebenapparate  benutzt  werden. 

Im  besonderen  möge  noch  auf  die  Verwendbarkeit  des  Uni- 
versal-Dreli  tisch  es  nach  Fedorow  hingewiesen  werden.  Be- 
kanntlich ist  die  Anwendbarkeit  dieses  Drehtisches  auf  besonders 
groß  gebaute  Mikroskopmodelle1  oder  Spezialstative 2 beschränkt. 
Da  bei  dem  vorliegenden  Demonstrationsapparat  eine  Behinderung 
der  Drehungsmöglichkeiten  durch  das  Stativ  wie  bei  mittleren 
Mikroskopmodellen  nicht  stattlindet,  außerdem  vorteilhafterweise 
die  Auflagefläche  des  Objekttisches  der  Lichtquelle  zugewandt 
ist,  so  steht  nichts  im  Wege,  auch  eine  so  große  Ausführungsform 
des  Universal-Drehtisches  zu  verwenden,  daß  Präparate  gewöhn- 
lichen Formats  benutzt  werden  können  (Fig.  2).  Man  braucht  nur 
den  Kondensorrevolver  M mittels  des  Triebes  s hinreichend  vom 
Objekttisch  zu  entfernen.  Auch  hier  fällt  die  erhöhte  Lichtstärke 
bei  vertikaler  Projektion,  sowie  die  Möglichkeit,  bequem  demon- 
strieren zu  können,  vorteilhaft  ins  Gewicht. 

2.  Projektion  von  Übersichtsbildern.  — Für  die  Pro- 
jektion im  polarisierten  Licht  bei  sch  wachster  Vergrößerung 
wird  statt  des  Mikroskoptubus  ein  besonderes , in  kurzem  Rohr- 
ansatz gefaßtes  Projektionsobjektiv  eingeschaltet.  In  das  Ende 
des  kurzen  Rohres  wird  der  Analysator  vom  Mikroskoptubus  ein- 
gesetzt. Der  Kondensorrevolver  wird  auf  das  Leerloch  eingestellt. 
Die  Vergrößerung  ist  bei  einem  Schirmabstand  von  250  mm  eine 
zirka  dreifache.  Das  übersehene  Feld  des  Präparates  hat  einen 
Durchmesser  von  24  mm. 

Diese  Anordnung  ist  daher  für  Übersichtsbilder  von  Dünn- 
schliffen, ganzen  Kristallplatten,  Kristallkeilen,  Glimmertreppen, 
gepreßten  Gläsern  und  ähnlichem  mit  Vorteil  zu  verwenden.  Legt 
man  z.  B.  auf  den  Drehtisch  ein  Kalkspatrhomboeder,  entfernt 
den  Analysator  und  bildet  die  möglichst  weit  zugezogene  Irisblende 
auf  der  Projektionswand  ab,  so  kann  man  bequem  die  Grundgesetze 
der  Doppelbrechung  und  Polarisation  demonstrieren. 

Die  Helligkeit  bei  dieser  Art  von  Projektion  ist  besonders  groß. 

3.  Diapositiv-Projektion  (Fig.  3).  — An  Stelle  der 
bisherigen  Beleuchtungsvorrichtung  wird  ein  großer  Doppelkonden- 
sor eingesetzt.  Unmittelbar  davor  wird  der  Diapositivrahmen  mit 
auswechselbaren  Schiebern  bis  zum  Format  9X12  mittels  zweier 
Klemmschrauben  befestigt.  Der  Arm  A wird  entfernt  und  in  den 
Schlitten  des  Armes  B das  anastigmatische  Projektionsobjektiv 
(Sumraar  f = 115  mm,  F : 5)  mit  Irisblende  eiugeschoben.  Bei 
einem  Schirmabstand  von  2|  m ist  die  Vergrößerung  eine  ca.  22 fache. 


1 Z.  B.  Stativ  A von  E.  Lkitz,  Wetzlar. 

* C.  Leiss,  Dies  Centralbl.  1912.  p.  733. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


189 


4.  Photographische  Aufnahmen  (Fig.  1).  — Für  photo- 
graphische Aufnahmen  dient  eine  an  der  Säule  S mit  zwei  Klem- 
men zu  befestigende  Kamera,  mit  Balgen,  Zeit-  oder  Moment- 
verschluß und  Lichtabschluß  als  Verbindungsstück  mit  dem  Apparat. 
Bei  Benutzung  des  Aufsatz-Analysators  wird  das  Verbindungsstück 
mit  Hilfe  des  Analysators  an  den  Analysatorteilkreis  angeklemmt 
und  so  getragen.  Die  Einstellung  erfolgt  bei  gehobenem  Balgen 
auf  einer  in  den  aufliegenden  Rahmen  eingeschobenen  Papierwand. 
Es  empfiehlt  sich,  vorher  die  an  beiden  Seiten  des  Balgens  befind- 
lichen Litzen  an  den  beiden  Knöpfen  am  Verschlußbrett  zu  be- 
festigen. Die  Kassette  ist  für  Platten  bis  zum  Format  24  X 30  cm 
verwendbar. 

Der  Demonstrationsapparat  ist  für  jede  der  Verwendungs- 
möglichkeiten 1 — 4 gesondert  lieferbar. 

Die  Notwendigkeit,  einen  kleinen  für  mineralogische  und  petro- 
graphische  Praktikumszwecke  geeigneten  Projektionsapparat  mit 
Polarisationsvorrichtung  zu  konstruieren,  ergab  sich  für  die  optischen 
Werke  von  E.  Leitz  auf  Grund  einer  Anregung  und  Bestellung 
des  Herrn  Geheimrats  Professor  Dr.  F.  Rinne  in  Leipzig,  in  dessen 
Institut  auch  das  erste  Exemplar  des  Apparates  in  Gebrauch  ist. 

Die  schwierigen  Aufgaben  in  der  mechanischen  Ausführung 
hat  Herr  Werkmeister  P.  Weilinger  elegant  gelöst. 

Wetzlar,  Januar  1913. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


Londoner  Mineralogische  Gesellschaft.  Sitzung  am 
21.  Januar  1913  unter  dem  Vorsitz  von  Dr.  A.  E.  H. 
Tutton.  F.  R.  S. 

T.  V.  Barkeu  und  J.  E.  Marsh:  Optische  Aktivität 
und  Enantiomorphismus  der  Molekular-  und  Kristall- 
struktur. Die  allgemeine  Natur  der  enantiomorphen  Strukturen, 
die  die  optische  Aktivität  im  flüssigen  und  kristallisierten  Zustand 
begleiten,  wurde  besprochen,  und  es  wurde  hervorgehoben,  daß, 
da  die  optische  Aktivität  der  Kristalle  von  sechs  Substanzen, 
darunter  Bittersalz  und  Natriumchlorat , nicht  aus  der  Kristall- 
struktur abgeleitet  werden  kann,  sie  auf  eine  enantiomorphe  Gestalt 
der  Atome  in  den  Molekülen  bezogen  werden  muß.  Passende 
enantiomorphe  Formen  sind  aus  chemischen  Gründen  abgeleitet 
worden,  indem  die  Konstitution  der  Verbindungen  auf  einer  Modi- 
fikation von  Werner’s  Theorie  der  Koordination  beruht.  Die 
Symmetrie  der  neuen  Raumformeln  ist  in  vielen  Fällen  identisch  mit 
der  Symmetrie  der  Kristalle,  und  besonders  der  Natronsalpeter 
kann  am  besten  betrachtet  werden  als  ein  Racemat,  herrührend 


190 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


von  der  gegenseitigen  Durchdringung  von  optischen  Antipoden  mit 
räumlichen  Konfigurationen  ähnlichen  denen,  die  für  die  aktiven 
Formen  des  Natriumchlorats  vorausgesetzt  werden,  derart,  daß  die 
Symmetrie  des  doppelten  Moleküls  mit  der  des  Rhomboeders  identisch 
ist.  Derselbe  Typus  der  Molekularstruktur  ist  auch  zu  vermuten 
beim  Kalkspat  und  der  rhomboedrischen  Form  des  Natriumchlorats, 
die  sich  bei  höherer  Temperatur  bildet.  Es  wird  geschlossen,  daß 
viele  Fälle  von  Dimorphismus  von  ähnlicher  Art  sind  und , all- 
gemeiner, daß  polymorphe  Umwandlung  eingeleitet  wird  durch  eine 
Neuordnung  der  Atome  im  Molekül. 

H.  Colltngridge : Bemerkung  über  die  Bestimmung 
des  optischen  Achsen  winkeis  an  Kristallen  in  Dünn- 
schliffen. In  dem  Fall,  wo  eine  optische  Achse  in  dem  Sehfeld 
sichtbar  ist , kann  die  Position  der  zweiten  Achse  zweckmäßiger 
bestimmt  werden,  als  nach  den  Methoden  von  Becke  und  Wright 
aus  der  optischen  Achsenebene  und  der  Auslöschungsrichtung  durch 
das  Zentrum  des  Feldes. 

Dr.  G.  F.  H.  Smith:  Graphische  Bestimmung  von 

Winkeln  und  Indizes  in  Zonen.  Zwei  Methoden  werden 
beschrieben,  die,  abweichend  vom  Monogramm,  nicht  auf  recht- 
winkelige Zonen  beschränkt  sind.  Bei  der  einen  wird  eine  doppelte 
Tangentenskala  auf  eine  Schar  von  Linien  gelegt,  die,  wie  bei 
einer  gnomonischen  Projektion,  auf  eine  Zonenebene  augeordnet 
sind,  in  der  Weise,  daß  die  01-  und  11-Linien  die  Skala  unter 
den  gegebenen  Winkeln  schneiden ; die  zu  beliebigen  Indizes  ge- 
hörigen Winkel  oder  umgekehrt  können  direkt  auf  der  Skala 
abgelesen  werden.  Bei  der  zweiten  Methode  wird  ein  doppeltes 
Diagramm  angewendet,  dessen  eine  Hälfte  eine  neue  Form  des 
Mariogramms  und  die  zweite  eine  Darstellung  der  Winkel,  deren 
Kotangenten  die  Differenz  der  Ivotangenten  der  gegebenen  AVinkel 
ist.  Die  Methode  ist  allgemein  und  unbeschränkt  in  ihrer  Anwendung. 

Dr.  J.  Drugman : Über  Goldschmidt’s  Apparat  zum 
Schneiden  von  Kristallmodellen.  Der  Mechanismus  wurde 
beschrieben  und  seine  Verwendung  erläutert. 

Professor  H.  L.  Bowman:  Über  eine  Knolle  von  Eisen- 
kiesen. Die  oktaedrische  Form  und  die  Streifung  auf  den  Flächen, 
welche  die  Ecken  der  winzigen  Kriställchen  abstumpfen , lassen 
diese  eher  zum  Pyrit  gehörig  erscheinen  als  zum  Markasit,  wie  es 
gewöhnlich  geschieht. 

Eine  aus  einer  Amethystdruse  geschnittene  chinesische  Schale 
uud  ein  Satz  von  Wagschalen  und  Gewichten , wie  sie  von  den 
einheimischen  Juwelenhändlern  in  Indien  zum  Wiegen  der  Perlen 
benützt  werden,  wurde  von  F.  N.  A.  Fleischmann,  resp.  von 
E.  Hopkins  ausgestellt. 


Besprechungen. 


191 


Besprechungen. 

M.  Brauhäuser:  Die  Bodenschätze  Württembergs. 
Stuttgart  1912.  325  p.  37  Fig. 

Das  Werk  stellt  eine  Übersicht  dar  über  die  in  Württemberg 
vorhandenen  Erze,  Salzlager,  Bausteine,  Mergel,  Tone,  Ziegelerden, 
Torflager,  Quellen,  über  ihre  Verbreitung-,  Gewinnung  und  Ver- 
wertung. In  überaus  geschickter  und  anziehender  Weise  wird 
zunächst  ein  Überblick  gegeben  über  den  geologischen  Auf- 
bau Württembergs.  Es  werden  — schon  immer  mit  Bezug- 
nahme auf'  die  nutzbaren  Mineralien  und  Gesteine  — die  einzelnen 
Württembergs  Boden  zusammensetzenden  Formationen  und  Schicht- 
glieder besprochen,  wobei  besonderer  Wert  auf  deren  Entstehungs- 
geschichte, ihre  äußeren  Erscheinungsformen  und  auf  die  Faktoren, 
die  diese  bedingen , gelegt  wird.  Im  speziellen  Teil  werden  die 
einzelnen  Bodenschätze  nach  ihrer  praktischen  Seite  besprochen. 
Er  umfaßt  folgende  Abteilungen: 

Bergbau. 

1 . Erzbergbau : Gold  — Silber  — Kobalt  — Kupfer  — 
Blei  — Mangan  — Wismut  — Eisen.  Anhang:  Schwer- 
spat und  Flußspat. 

2.  Salzgewinnung  und  Salzbergbau:  Sulz  — Hall  — Niedern- 
hall — Clemenshall  — Wilhelmshall  — Friedrichshall  — 
Heilbronn. 

Baumaterialien. 

1.  Bausteine. 

2.  Mörtel  und  Zement. 

3.  Tone  und  Ziegelerde. 

4.  Anderweitige  Baumaterialien. 

Straßenmaterial. 

1.  Pflastersteine  und  Randsteine. 

2.  Schottermaterial. 

Anderweitig  benützbares  Gestein. 

T orfgewinnu  n g. 

Quellen. 

Grundwasse  r. 

Mineralquellen  und  Thermen. 

Wildbad  — Liebenzell  — Teinach  — Mergentheim  — Niedernau  — 

Stuttgart  — Hoheneck  — Teußer  Bad  — Göppingen  — Boll  — 

Sebastiansweiler  — Ditzenbach  — Ueberkingen  — Jordan- 
bad — Brielquelle  und  Nierazbad  — Laimnau. 

Böden  und  natürliche  Meliorationsmittel. 

Anhang:  Geologische  Karten. 

Es  muß  hierbei  besonders  erwähnt  werden  das  liebevolle  Ein- 
gehen auf  die  Kenntnisse,  die  frühere  Jahrhunderte  von  den  Boden- 
schätzen besassen  und  auf  die  Verwendung  dieser  im  Lauf  der 


192 


Besprechungen.  — Berichtigung.  — Personalia. 


Zeiten.  Dadurch  und  weil  Verf.  seine  Angaben  durch  wertvolles 
statistisches  Material  bis  zur  Gegenwart  aus  z.  T.  noch  nicht  be- 
arbeiteten Urkunden,  alten  Fachzeitschriften  etc.  stützt,  wird  das 
Werk  auch  volkswirtschaftlich  sehr  wertvoll.  — Aus  dem  reichen 
Inhalt  kann  nur  einzelnes  noch  besonders  hervorgehoben  werden, 
so  der  Abschnitt  über  die  natürlichen  Bausteine,  der  viele 
z.  T.  neue  Angaben  enthält  über  Verwitterung,  Wetterbeständig- 
keit, Wechsel  in  der  Güte  des  Materials;  die  Eignung  der  Gesteine 
zu  Straßen  material  wird  eingehend  besprochen.  Besonders 
gut  gelungen  ist  der  ausführliche  Abschnitt  über  Quellen,  Grund- 
wasser  und  Mineralquellen.  Sogar  die  B ö d e n werden  auf 
Grund  ihrer  geologischen  Herkunft  besprochen,  an  Hand  der  An- 
gaben der  schönen  neuen  geologischen  Spezialkarte  Württembergs. 

So  findet  der  Fachmann  vieles  aus  der  weit  zerstreuten  Einzel- 
literatur hier  verständnisvoll  und  durch  eigene  Forschungen  des 
Verf.’s  vermehrt  zusammengefaßt,  dem  geologisch  interessierten 
Laien  wird  leichtverständlich  und  in  außerordentlich  anziehender 
und  gefälliger  Sprache  die  Kenntnis  nicht  nur  der  Bodenschätze, 
sondern  auch  eines  guten  Teiles  württembergischer  Heimatkunde 
vermittelt.  H.  Schneiderhöhn. 


Berichtigung. 

In  der  Abhandlung:  Petrographisch  chemische  Untersuchung 
einiger  jungvulkanischer  Gesteine  aus  der  Umgebung  des  Victoria- 
sees etc.  von  M.  Goldsohlag,  dies.  Centralbl.  1912.  No.  19. 
p.  586 — 599  sind  folgende  Korrekturen  anzubringen: 
p.  592  Zeile  17  statt  s:  62,17;  A:  9,56;  C:  4,06;  F:  9,59;  muh  es  heißen: 
s:  63,03;  A:  8.33;  C:  5,49;  F:  9,37. 


„ 592 

„ 19 

s:  62,17:  a:  8,23;  c:  3,49;  f:  8,26  ; k:  0,96 

muß  es 

heißen:  s:  63,03;  a:  7,18;  c : 4,73 ; f:  8,08; 

k:  1,03; 

d 592 

, 21 

7) 

s : 62 ; a : 8 ; c : 3,5 ; f : 8,5 ; muß  es  heißen 

: s : 63 ; 

a : 7 ; c : 5 ; f : 8 ; 

„ 595 

» 29 

7) 

F:  42,22  muß  es  heißen:  F:  41,65; 

, 597 

* 3 

F:  30,27  „ „ „ F:  31,27; 

n 

a:  2,48  ; c:  1,88;  f:  15,63:  muß  es  heißen : 

a:  2,42; 

c:  1,83;  f:  15,75. 

■ 599 

» 9 

7) 

3,49  muß  es  heißen:  4.73. 

Personalia. 

Am  15.  Januar  1913  starb  der  bekannte  Chemiker  und 
Mineraloge  Dr.  Georg-  August  Koenig,  seit  1892  Professor  der 
Chemie  an  dem  Michigan  College  of  Mines  in  Houghton,  Mich., 
früher  Professor  der  Chemie,  Mineralogie  und  Geologie  an  der 
University  of  Pennsylvania  in  Philadelphia.  Er  studierte  in 
Berlin,  wurde  in  Heidelberg  zum  Doktor  promoviert  und  beschrieb 
u.  a.  mehrere  neue  Mineralien. 

Ernannt:  a.  o.  Professor  Dr.  W.  Volz  zum  o.  Professor  der 
Geographie  in  E r 1 a n g e n. 


C.  Doelter  und  E.  Dittler,  Bauxit  oder  Sporogelit? 


193 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Bauxit  oder  Sporogelit? 

Bemerkungen  zu  der  Arbeit  von  M.  Kispatic  „Bauxite  des  kroatischen 
Karstes  und  ihre  Entstehung“. 

Von  C.  Doelter  und  E.  Dittler  (Wien). 

In  unserer  Abhandlung 1 2 versuchten  wir  mit  Hilfe  von  Färbe- 
versuchen nachzu weisen , daß  in  den  bisher  als  „Bauxit“  be- 
zeichneten  Gesteinen  neben  den  Mineralien  Diaspor,  Hydra  r- 
gillit  (Gibbsit)  und  einigen  akzessorischen  Gemengteilen 
ein  kolloides  Tonerdehydrat  existiert,  welchem  wir  den  ursprüng- 
lichen Namen  „Bauxit“  beließen,  indem  wir  zugleich  für  das  das 
kolloide  Tonerdehydrat  enthaltende  Gestein  den  Namen  „Bauxitit“ 
(ähnlich  dem  Quarzit,  Diasporit)  vorschlugen.  Wir  haben  damals 
die  den  „Bauxit“  als  Hauptgemengteil  enthaltenden  Gesteine  als 
Kolloid- Alumolithe  den  vornehmlich  aus  Diaspor,  Gibbsit  und 
Kaolin  bestehenden  Kr i s t a 1 1 o i d - A 1 um o 1 i t h e n gegenübergestellt. 

M.  Kispatic  2 ist  nun  erfreulicherweise  unabhängig  von  uns  und 
auf  einem  anderen  als  dem  von  uns  eingeschlagenen  Wege  zu 
ähnlichen  Resultaten  gekommen.  Er  fand  die  Bauxitite  aus  einem 
der  Hauptmenge  nach  aus  Al2  03  • 1H2  0 bestehenden  Kolloide  zusam- 
mengesetzt, das  er  mit  dem  neuen  Namen  Sporogelit  bezeichnete3. 

Der  von  uns  vorgeschlagene  Name  Bauxit  für  das  Tonerde- 
kolloid und  Bauxitit  für  das  Gestein  dürfte  aber  nach  unserem 
Dafürhalten  besser  entsprechen,  weil  das  Gestein,  ähnlich  wie  z.  B. 
Quarzit,  Diasporit  nach  seinem  Hauptbestandteile  „Bauxit“ 
benannt  werden  würde. 

M.  Kispatic  betrachtet  den  S p o r o ge  1 i t als  die  Gelform  des 
Diaspor  (daher  der  Name)  und  läßt  ihm  wie  diesem  ein  Molekül 
H20  zukommen;  es  ist  jedoch  zweifelhaft,  ob  der  Wassergehalt 
wirklich  ein  konstanter  ist. 

M.  Kispatic  teilte  den  Wassergehalt  aus  dem  Glühverlust 
(H2  0 -f-  C 02)  der  analysierten  Proben  in  der  Weise  auf,  daß  er 
konsequent  1 Molekül  H2  0 für  das  Kolloid  und  den  Diaspor  in 
Anspruch  nahm  und  den  Rest  auf  Hydrargillit  und  die  Gel- 

1 E.  Dittler  und  C.  Doelter,  „Bauxit,  ein  natürliches  To n- 
er deh y d r o gel“.  Z.  f.  Chem.  u.  Ind.  der  Koll.  IX,  6.  p.  282;  ferner  Dies. 
Centralbl.  1912.  1 und  4. 

2 M.  Kispatic,  Bauxite  des  kroatischen  Karstes  und  ihre  Entstehung. 
N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  1912.  p.  513. 

3 Wollte  man  einen  neuen  Namen  einführen,  was  uns  jedoch  überflüssig 
erscheint,  so  hätte  wohl  der  CoRNü'sche  Name  Kliachit  die  Priorität. 

CentralblaU  f.  Mineralogie  etc.  1913.  13 


194 


C.  Doeltev  und  E.  Dittler.  Bauxit  oder  Sporogelit? 


f o r m e n des  Eisenoxyds  und  der  Kieselsäure  (letztere  mit 
2 H2  0 ?)  verrechnete.  Abgesehen  davon,  daß  auch  dem  Eisen- 
oxyd, welches  doch  auch  in  kolloider  Form  — M.  Kispatiö  nennt 
es  Hämatogelit  — vorliegt,  ein  größerer  Teil  des  Wassergehaltes 
zugesprochen  werden  müßte,  scheint  diese  ganz  willkürliche  Be- 
rechnungsweise auch  aus  dem  Grunde  nicht  einwandfrei,  weil  der 
Bauxit  (Sporogelit)  als  Gel  kaum  ein  Hydrat  von  konstanter  Zu- 
sammensetzung darstellen  dürfte. 

Wir  haben  durch  Versuche  nachweisen  können,  daß  künst- 
lich dargestellte  Hydrogele  der  Tonerde  allmählich  wasserärmer 
werden  und  daß  der  Wassergehalt  je  nach  der  Konzentration 
der  Ausgangsstoffe,  der  Lagerungszeit  und  der  Erwärmung 
wechselt.  Aus  diesem  Grunde  haben  wir  auch  dem  Kolloid  „Bauxit“ 
kein  bestimmtes  Äquivalent  Wasser  zngesprochen. 

Jüngere  „Bauxite“  dürften  mehr  Wasser  enthalten,  wie  auch 
der  von  M.  Kispatiö  untersuchte  „Kljakit“  beweist,  bei  -welchem 
die  restlichen  10,9 1 °/o  H20  nur  schwer  und  nur  unter  der  An- 
nahme eines  Kieselsäuregels  mit  2H20  untergebracht  werden  können. 

Bei  einem  Vergleich  der  beiderseits  geschaffenen  Nomen- 
klaturen ergibt  sich  im  übrigen  Identität  dieser  Mineralien  und 
Mineralgemenge,  wie  kurz  folgende  Tabelle  beweist: 


Ki spatic  und  Tucan  : 

1.  Sporogelit 
(kolloides  Tonerdehydrat 
AL  03  • 1 H2  0) 


Doelter  und  Dittler: 

1 . Bauxit 

(kolloides  Tonerdehydrat 
Al2  03xH2  0); 

2.  Bauxi tit 
(Gestein  mit  überwiegend 
Bauxit) ; 
Bauxitit 
3.  Dias po rite 


4.  Gibbsitite. 


2.  Bauxit  = 

(Gestein  mit  überwiegend  Sporo- 
gelit) 

Sporogelitbauxit  = 

3.  Diasporbauxit  = 

4.  hydrargillitführende 
Sporogelit  - bezw.  Diaspor- 

bauxite  = 

Wenn  F.  TuCan  1 den  Namen  Bauxit  für  das  Mineralgemenge 
und  nicht  für  das  kolloide  Tonerdehydrat  (nach  M.  Kispatic  Sporo- 
gelit) angewendet  wissen  will,  so  wird  ohne  besonderen  Vorteil 
für  die  Sache  die  Namensgebung  schwerfällig  und  unübersichtlich, 
überdies  kommt  ein  neuer  Name  hinzu,  der  wegen  des  hypothetisch 
angenommenen  Wassergehaltes  keine  Berechtigung  besitzt  von 
„Diaspor“  abgeleitet  zu  werden. 

Wir  glauben  aus  dem  Umstande,  daß  unsere  Untersuchung  ein 
Jahr  früher  publiziert  wurde  und  die  von  uns  vorgeschlageue  Nomen- 
klatur einfacher  ist,  unseren  Namen  den  Vorzug  geben  zu  müssen. 
Mineralogisches  Institut  der  k.  k.  Universität  Wien. 


F.  Tucan,  Zur  Bauxitfrage.  Dies.  Centralbl.  1913.  3.  65. 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  etc.  195 


Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  im  Böhmischen 
Mittelgebirge. 

Von  H.  Michel  in  Wien. 

Mit  2 Textfiguren. 

Seit  J.  Soellner  1 den  Rhönit  beschrieben  hat,  sind  in  zahl- 
reichen Gesteinsgebieten,  die  atlantische  Gesteine  führen,  Gesteine 
mit  Rliönit  nachgewiesen  worden,  die  bisweilen  Rhönit  als  wesent- 
lichen Gemengteil  zeigen.  J.  Soellner  selbst  hat  eine  größere 
Anzahl  dieser  Rhönitbasalte  beschrieben,  die  zum  größten  Teile 
aus  der  Rhön  stammen. 

Gelegentlich  der  Aufnahme  der  Erzgebirgsbruchzone  im  Westen 
von  Bodenbach  a.  E.  fand  der  Verf.  eine  größere  Anzahl  von 
rhönitführenden  Basalten  vor,  von  denen  einige  Rhönit  als  wesent- 
lichen Gemengteil  enthalten  und  demnach  die  Bezeichnung  Rliönit- 
basalt  verdienen.  J.  Soellner  erwähnt  unter  seinen  Rhönitbasalten 
auch  vier  aus  Böhmen,  vom  Hasenberge  zwischen  Kfesin  und 
Sedlitz,  von  Zirkovitz,  von  Schlüsselburg  und  vom  Rabenstein  bei 
Sebusein.  Das  letztere  Vorkommen,  dem  Böhmischen  Mittelgebirge  an- 
gehörig, ist  sehr  bemerkenswert,  weil  es  sich  als  Melilithbasalt  erwies, 
der  sonst  im  Mittelgebirge  keine  nennenswerte  Verbreitung  besitzt 
und  lediglich  am  Nordostrand  in  größeren  Körpern  und  Gängen  auftritt. 

Mit  Ausnahme  dieser  Angaben  von  Soellner  sind  sonst 
Rhönitbasalte  aus  dem  Böhmischen  Mittelgebirge  nicht  beschrieben 
worden,  lediglich  das  Auftreten  von  Rliönit  in  mehreren  Gesteinen 
als  Resorptionsprodukt  von  Hornblende  wurde  von  J.  E.  Hibsch  2 
erwähnt.  Die  vom  Verf.  am  Nord  Westrand  zahlreich  Vorgefundenen 
rhönitführenden  Gesteine  scheinen  im  Innern  des  Mittelgebirges 
bedeutend  seltener  zu  sein,  wie  dies  in  gleicher  Weise  für  die  am 
Nordostrand  auftretenden  Melilithgesteine  gilt.  Hier  am  Rande  gegen 
das  Erzgebirge  zu  führen  fast  alle  Gesteine  Rhönit  als  akzessorischen 
Gemengteil,  in  einigen  derselben  ist  er  aber  ebenso  reichlich  wie 
Pyroxen  vorhanden. 

Wenn  der  Rhönit  bereits  iu  jenen  Gesteinen,  in  denen  er  als 
akzessorischer  Gemengteil  auftritt,  den  Habitus  des  Gesteines  be- 
trächtlich zu  verändern  vermag,  so  ist  das  in  weit  höherem  Maße 
dort  der  Fall,  wo  sich  — zumeist  in  einem  lokalen  Differentiations- 
produkt  eines  Gesteins  — der  Rhönitgehalt  vermehrt.  Die  Rhönit- 
basalte sind  in  den  beiden  Fällen,  die  im  folgenden  etwas  näher 
besprochen  werden  sollen,  lokale  Ausbildungen  von  Nephelinbasalt 
und  Nephelinbasanit.  Es  sind  offenbar  ganz  besondere  Verhältnisse 
nötig,  damit  sich  Rhönit  in  reichlicherem  Maße  bilden  kann. 

Von  mancher  Seite  ist  die  Ansicht  vertreten  worden,  daß  der 
gesamte  Rhönitgehalt  eines  Gesteins  durch  Aufschmelzung  eines 

1 J.  Soellner,  Neues  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXIV.  p.  475. 

5 J.  E.  Hibsch.  Tscherm.  Min.  u.  Petrogr.  Mitt.  29.  p.  406. 

13* 


196 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten 


primären  äquivalenten  Hornblendequantums  entstanden  sei.  So  hat 
H.  Bücking  1 Gesteine  aus  der  Bliön  beschrieben,  in  denen  das  un- 
zweifelhaft der  Fall  ist,  und  deshalb  erkennt  H.  Bücking  dein  Rhönit 
auch  nicht  jene  klassifikatorische  Bedeutung  zu  wie  H.  Bosen- 
busch, der  den  Rhönit  als  „eine  Art  Leitmineral  für  die  Effusiv- 
formen  der  essexitischen  Magmen,  die  Trachydolerite“  bezeichnet. 
Unzweifelhaft  beweisen  die  noch  zahlreich  in  diesen  Gesteinen 
vorhandenen  Pseudomorphosen  von  Rhönit  — Augit  — Olivin  — 
Plagioklas  — Magnetit  — nach  Hornblende  eine  Enstehung  von 
Rhönit  aus  Hornblende.  Unter  anderen  hat  J.  Soellner  2 solche 
Pseudomorphosen  gleichfalls  beschrieben,  und  besonders  X.  Galkin 1 *  3 
hat  sich  mit  dieser  Frage  beschäftigt  und  gezeigt,  daß  diese  Um- 
setzung chemisch  gut  möglich  ist.  Es  findet  wohl  auch  in  vielen 
Fällen  diese  Umsetzung  derart  statt,  daß  sich  auch  in  der  Grund- 
masse auf  Kosten  der  Hornblende  Rhönitkristalle  bilden. 

So  richtig  das  für  die  von  H.  Bücking  beschriebenen  Gesteine 
sein  mag,  ebenso  sicher  trifft  das  für  unsere  Gesteine  nicht  zu. 
Es  findet  sich  keine  Spur  einer  primären  Hornblende  mehr  in  dem 
ganzen  Gesteinskörper,  obwohl  derselbe  keine  bedeutende  Größe 
besitzt  und  deshalb  eine  so  vollständige  Resorption  der  Hornblende 
nicht  zu  erwarten  ist.  Man  müßte  eine  vollständige  Einschmelzung 
annehmen,  und  zwar  zu  einer  Zeit,  zu  der  sich  das  Einschmelzungs- 
produkt völlig  gleichmäßig  in  der  ganzen  zur  Eruption  gekommenen 
Masse  verteilen  konnte.  Eine  so  vollständige  und  frühzeitige  Ein- 
schmelzung läßt  sich  aber  auf  keine  Art  beweisen  und  ist  auch 
sehr  unwahrscheinlich ; wenn  sie  möglich  wäre,  könnte  man  für 
alle  Gemengteile  sekundäre  Entstehung  behaupten. 

In  unseren  Gesteinen  ist  vielmehr  der  Rhönit  direkt  aus  der 
Schmelze  entstanden. 

Die  Untersuchung  zweier  Vorkommen  ergab  folgendes  : 

Basaltisches  Gestein  vom  Kahlen  Berg  bei  E u 1 a n 
westlich  Bodenbach. 

Infolge  des  Auftretens  des  Gesteins  auf  der  Kreuzungsstelle 
des  hier  ungefähr  WO  verlaufenden  Erzgebirgsbruches  mit  einem 
XS  streichenden  Radialbruch  ist  das  Gestein  nahezu  frei  von  Ein- 
schlüssen. Zudem  ist  auch  der  Untergrund  durch  den  präcretacischen 
Bruch , an  dem  das  Elbtalgebirge  gegenüber  dem  Erzgebirge  ab- 
gesunken ist,  gelockert.  Als  Einsprenglinge  treten  Olivin,  Pyroxen, 
Magnetit  auf.  Die  Grundmasse  besteht  entweder  aus  Pyroxen, 
reichlich  Magnetit,  Plagioklas,  Nephelin,  Apatit  und  spärlicher 

1 H.  Bücking,  Die  Basalte  und  Phonolithe  der  Rhön,  ihre  Verbreitung 
und  chemische  Zusammensetzung.  Sitzber.  d.  Berl.  Akad.  1910.  p.  490. 

s J.  Soellner,  1.  c.  p.  541. 

3 X.  Galkin,  Chemische  Untersuchung  einiger  Hornblenden  und  Augite 
aus  Basalten  der  Rhön.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  Beil.-Bd.  XXIX.  p.  681. 


im  Böhmischen  Mittelgebirge. 


197 


Glasbasis,  oder  aber  aus  Pyroxen,  reichlich  Rhönit,  sehr  wenig 
Plagioklas,  fast  keinem  Magnetit,  Nephelin , Apatit  und  Glas- 
basis. Zwischen  diesen  beiden  im  Schliff  ganz  verschiedenes 
Aussehen  gewährenden  Ausbildungsformen  des  Gesteins  gibt  es 
Uebergänge. 

Die  Einsprenglinge  sind  im  ganzen  Gesteinskörper  die  gleichen, 
der  Olivin  ist  nahezu  optisch  neutral,  enthält  also  rund  10 — 12°/o 
Fe9Si04,  häufig  stark  korrodiert,  in  den  großen  Korrosionsbuchten 
haben  sich  größere  Plagioklasindividuen  gebildet  in  Gesellschaft 
mit  zierlichen  Titaneisenskeletten,  an  die  wiederum  senkrecht 
Biotitschüppchen  angesetzt  sind. 

Der  Pyroxen  ist  ein  Titanaugit  mit  starkem  Sanduhrbau  und 
mehrfacher  Zonarstruktur.  Häufig  ist  ein  grüner  Kern  vorhanden, 
an  den  sich  zunächst  eine  farblose  Hülle,  sodann  eine  Hülle  von 
Titanaugit  ansetzt.  Orientierung  und  Lichtbrechung  ändern  sich 
gesetzmäßig  in  diesen  Anwachspyramiden  und  Zonen. 

Am  meisten  Interesse  beansprucht  natürlich  der  Rhönit,  der 
in  der  Grundmasse  auftritt  und  der  das  Aussehen  der  Grundmasse 
stark  beeinflußt.  Er  ist  einsprenglingsartig  in  größeren  Individuen 
wie  auch  in  feinen  Körnern  in  der  Grundmasse  verteilt  vorhanden; 
es  entspricht  sein  Auftreten  also  dem  Typus  1 von  J.  Soellner. 
Er  zeigt  den  Pleochroismus:  hellschmutziggelbgrün,  dunkelbraun- 
grün, rotbraunschwarz  in  der  von  Soellner  angegebenen  Orien- 
tierung. Ebenso  ergibt  sich  eine  gute  Übereinstimmung  in  den 
Flächenwinkeln  und  Auslöschungsschiefen.  Die  überaus  feine  poly- 
synthetische Zwillingsbildung  nach  b(010)  ist  gleichfalls  häufig. 
Lichtbrechung  ist  größer  als  Kanadabalsam,  die  Doppelbrechung 
ist  wegen  der  starken  Eigenfarbe  und  der  großen  Absorptions- 
unterschiede schwer  abzuschätzen.  Immer  sind  die  Individuen 
reichlich  mit  Pyroxenkörnern  der  Grundmasse  durchspickt,  woraus 
hervorgeht,  daß  der  Rhönit  trotz  seines  einsprenglingsartigen  Auf- 
tretens der  Effusivperiode  angehört,  ja  sogar  ein  jüngerer  Gemeng- 
teil ist  als  der  Pyroxen  der  Grundmasse. 

Abhängig  vom  Rhönitgehalt  erweist  sich  nun  der  Gehalt  an 
Plagioklas  und  Magnetit  einerseits,  andererseits  auch  das  Korn, 
des  Gesteins.  Die  rhönitfiihrenden  Partien  des  Berges  liefern  ein 
bedeutend  feinkörnigeres  Gestein  mit  kleineren  Einsprenglingen 
von  Olivin  und  Titanaugit  und  einer  Grundmasse  fast  ohne  Magnetit 
und  mit  sehr  wenig  Plagioklas,  die  rhönitfreien  Partien  besitzen 
viel  größere  Einsprenglinge  von  Olivin  und  Augit  sowie  eine  an 
den  lichten  Gemengteilen  reichere  und  auch  magnetitreichere 
Grundmasse. 

Es  ist  also  der  Rhönit  vertreten  durch  Plagioklas  und  Magnetit. 
Auf  die  Relation  zwischen  Rhönit  und  Magnetit  haben  bereits 
J.  Soellner  und  X.  Galkin  hingewiesen.  Nach  Soellner  (1.  c. 
p.  502)  kann  man  sich  den  Rhönit  zusammengesetzt  denken  aus: 


198 


H.  Michel.  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten 


1 Fe"Fe2"'  (SiTi)  06 
1 Fe"  Al.,  (Si  Ti)  Os 
1 Mg  AI,  (Si  Ti)  06 
3 (Mg  Ca),  Si04. 

Aus  diesen  Formeln  ersieht  man,  daß  sich  statt  des  Rhönits 
ein  Gemenge  von  Pyroxen,  Olivin,  Magnetit  sowie  einem  tonerde- 
reicheren Mineral  bilden  kann.  Das  tonerdereiche  Mineral  wird 
wahrscheinlich  ein  Feldspat  sein,  der  aus  dem  Magma  Alkalien 
bindet.  Ersichtlich  ist  nur  die  Bildung  des  Plagioklases  und 
Magnetites,  da  die  Olivine  und  Pyroxene  unter  den  bei’eits  vor- 
handenen verschwinden. 

Es  hat  also  bereits  im  Magma  nach  seiner  chemischen 
Zusammensetzung  die  Möglichkeit  gelegen,  Rliünit  zu  bilden,  nur 
ist  er  lediglich  in  lokal  beschränkten  Partien  gebildet  worden.  Es 
sind  Uebergänge  im  Rhönitgehalt  vorhanden,  die  zwischen  zwei 
Extremen  schwanken.  Das  eine  Endglied  ist  der  reine  Rhönit- 
basalt,  das  andere  Endglied  ist  ein  Nephelinbasanit. 

Für  die  Bestandfähigkeit  des  Rhönits  scheinen  ähnliche 
Bedingungen  zu  gelten  wie  für  die  basaltische  Hornblende, 
wenigstens  findet  sich  Rhönit  dort,  wo  Hornblende  auch  bestand- 
fähig  wäre,  im  Innern  des  Eruptivkörpers,  andererseits  beweisen 
die  Pseudomorphosen  nach  Hornblende,  in  denen  der  Rhönit  auf- 
tritt,  daß  doch  verschiedene  Existenzbedingungen  für  beide  Minerale 
notwendig  sind.  Da  der  Rhönit  stets  nur  der  Effusivperiode  an- 
gehört, außerdem  zu  den  jüngeren  Bildungen  der  Grundmasse  zu 
zählen  ist,  aber  nie  als  intratellurischer  Einsprengling  auftritt, 
darf  man  wohl  annehmen,  daß  bei  dem  in  der  intratellurischen 
Periode  herrschenden  Druck  und  bei  hohen  Temperaturen  Rhönit 
nicht  bestandfähig  ist,  wohl  aber  kann  Hornblende  bestandfähig 
sein.  Dagegen  muß  bei  den  Temperaturen,  wie  sie  gegen  das 
Ende  der  Effusivperiode  auftreten,  Rhönit  bei  höherer  Temperatur 
beständig  sein,  auch  scheint  ein  verhältnismäßig  größerer  Druck 
dazu  erforderlich  zu  sein,  weil  der  Rhönit  in  den  inneren  Partien 
des  Eruptivkörpers  auftritt.  In  Anlehnung  an  ein  von  Prof.  F.  Becke  1 
gegebenes  Diagramm  über  die  Existenzbedingungen  der  Hornblende 
seien  die  hier  geäußerten  Vermutungen  über  die  Existenzbedingungen 
des  Rhönits  gleichfalls  graphisch  und  im  Verhältnis  zu  denen  der 
Hornblende  wiedergegeben.  (Fig.  1.) 

In  dieser  Figur  bedeutet  wie  im  BECKE’sclien  Diagramm  die 
Linie  FF  die  Grenze  für  die  Temperaturen,  bei  denen  die  Schmelze 
zu  erstarren  beginnt,  unterhalb  der  Linie  SS  ist  alles  erstarrt. 
Die  Linien  HH  und  IiR  sollen  die  oberen  Grenzen  darstellen, 
bei  denen  Hornblende  und  Rhönit  noch  bestandfähig  sind.  Die 
Linie  AD  stellt  nun  die  Zustände  dar,  die  ein  Ergußgestein  bei 

1 F.  Becke,  Gesteine  der  Columbretes.  Tschermak's  Min.  u.  Petr.  Mitt. 
16.  p 331. 


im  Böhmischen  Mittelgebirge. 


199 


der  Erstarrung  durchmacht,  und  zwar  gibt  das  stark  ausgezogene 
Stück  A B die  Zustände  wieder,  die  eintreten  müssen,  damit  sich 
primäre  Hornblende  bilden  kann, 
das  gestrichelte  Stück  der  Kurve 
AB  jedoch  die  Zustände  für  den 
Fall,  daß  es  zu  keiner  Bildung 
von  primärer  Hornblende  kommt. 

Die  Existenzkurve  von  Rhönit 
ist  nun  gegenüber  der  von  Horn- 
blende so  eingetragen,  daß  die 
oben  vermuteten  Bedingungen 
erfüllt  sind.  Inwieweit  diese 
Vermutungen  in  der  Natur  erfüllt 
erscheinen,  ist  schwer  sicher  zu 
entscheiden.  Die  graphische  Dar- 
stellung soll  nur  qualitativ  die 
Verhältnisse  darstellen  und  ist 
nur  auf  Vermutungen  gegründet. 

Daß  Rhönit  auch  den  Magnetit  zu  ersetzen  vermag,  spricht 
dafür,  daß  zu  den  Bildungsbedingungen  für  Rhönit  auch  der  Um- 
stand gehört , daß  sich  das  Magma  eisenreich  erhalten  kann  bis 
zum  Zeitpunkt  der  Rhönitbildung.  Gleichzeitig  geht  daraus  hervor, 
daß  die  Magnetitbildung  nicht  immer  in  das  früheste  Stadium  der  Ge- 
steinsverfestigungfällt, sondern  daß  Magnetit  auch  als  verhältnismäßig 
junger  Gemengteil  auftreten  kann.  Durch  die  Rhönitbildung  werden 
dann  dem  Magma  so  viel  Eisen  und  Tonerde  entzogen,  daß  sich  weder 
Magnetit  noch  ein  Feldspat  oder  Feldspatvertreter  mehr  bilden  kann. 

Mau  könnte  auch  daran  denken,  daß  zur  Rhönitbildung  eine 
bestimmte  chemische  Zusammensetzung  vorhanden  sein  muß,  die 
dadurch  erreicht  und  erst  dann  erreicht  wird,  wenn  sich  die  Ein- 
sprenglingsgeneration von  Olivin  und  Pyroxen  ausgeschieden  hat, 
ohne  daß  dort  jedoch  Magnetit  in  größerer  Menge  sich  gebildet  hätte. 
Deshalb  fehlt  er  in  der  Einsprenglingsgeneration  und  auch  überall 
dort,  wo  sich  viel  Magnetit  ausgeschieden  hat.  Wieso  die  Magnetit- 
bildung bis  zur  Rhönitbildung  verhindert  wird,  läßt  sich  nicht  sagen. 
Die  Analyse  eines  rhönitführenden  Stückes  dieses  Gesteins  ergab  : 

Gewichtsprozente  * Molekülprozente 


Si02  . . . . 

43,57 

TiO,  . . . . 

. . . 3,32 

2.45 

Fea  0,  • . . 

. . . 4.77 

— 

Fe  0 . . . . 

. . . 6,99 

9,82 

Al,0,  . . . . 

. . . 11,86 

7,36 

Mg 0 . . . . 

...  11, *7 

18,40 

Ca  0 ...  . 

. . . 12,04 

13,50 

NaaO  . . . . 

. . . 1.66 

1,84 

k2o  . . . . 

. . . 3.68 

2,45 

P2o5  . . . . 

. . . 0,76 

0,61 

Ht  0 ...  • 

. . . 1,82 

— 

100,48 

100,00 

200 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten 


Die  OsANN’sclien  Zahlen  ergaben  sich  folgend: 

S = 46,02,  A.  = 4,29,  F = 38,65,  C = 3,07 
s = 46,0,  a = 2,0,  c = 1,0,  f = 17,0 
n = 4,5  yd,  m = 7,5  v <f,  k = 0,65. 

Diese  Zahlen  führen  zu  dem  Typus  Hutberg  der  Familie  der 
Limburgit.e  und  Augitite  mit  der  Typenformel  s = 47,5,  a = 2, 
c = 1,  f — 17  oder  dem  Typus  Käsegrotte  der  Nephelinbasalte 
mit  der  Typenformel  s = 44,  a = 2,  c = 1,  f = 17.  Die 
Projektionspunkte  aller  drei  Gesteine  fallen  übereinander,  nur  die 
Kieselsäureordinaten  sind  verschieden.  Von  den  Typen  der  Nephelin- 
basanite,  zu  denen  die  nicht  rhönitfülirenden  Partien  des  Gesteins- 
körpers am  ehesten  zu  stellen  wären , weicht  unser  Gestein  ab, 
so  daß  immerhin  eine,  wenn  auch  nur  geringfügige  Abweichung 
in  der  chemischen  Zusammensetzung  dieser  lokalen  Ausbildungsform 
angenommen  werden  könnte. 

Aus  den  beigegebenen  Molekülprozenten  läßt  sich  leicht  er- 
sehen, daß  in  reichlichem  Maße  Feldspatvertreter  vorhanden  sein 
müssen  und  daß  das  Fe  in  Orthosilikaten  vertreten  sein  muß. 
Das  Gestein  ist  bei  weitem  nicht  mit  Kieselsäure  gesättigt. 

.T.  Soellner  hat  einen  ähnlich  differenzierten  größeren  Eruptiv- 
körper bei  Forst  in  der  Pfalz  am  Pechsteinkopf  angetroffen  und 
beschrieben  (1.  c.  p.  528). 

Ganz  ähnliche  Verhältnisse  wie  in  der  Quellkuppe  des  Kahlen 
Berges  bei  Eulau  scheinen  bei  dem  Deckenreste  gewaltet  zu  haben, 
der  den 

Hutberg  südlich  Königs w a 1 d bei  Bodenbach 

bildet.  Nur  ist  es  liier  schwieriger,  Vermutungen  darüber  auf- 
zustellen , warum  es  in  einzelnen  Teilen  zur  Rhönitbildung  kamr 
weil  es  sich  hier  um  einen  Deckenrest  handelt,  dessen  ursprüngliche 
Form  durch  Errosion  ganz  verloren  gegangen  ist. 

Die  beiden  Extreme,  die  hier  anzutreffen  sind,  sind  einerseits 
wieder  ein  echter  Rliönitbasalt,  andererseits  ein  Nephelinbasalt. 
Das  gänzlich  verschiedene  Aussehen  dieser  beiden  Typen  wird 
wiederum  durch  den  Rhönitgehalt  bedingt.  Der  Rliönit  ersetzt 
abermals  Magnetit  und  Nephelin,  die  gleichzeitig  statt  Rliönit  in 
dem  Nephelinbasalt  gebildeten  Olivine  und  Pyroxene  verschwinden 
unter  den  sonst  im  Gestein  vorhandenen. 

Das  eine  Endglied,  der  Rliönitbasalt,  zeigt  große  Ein- 
sprenglinge von  Olivin  und  Pyroxen,  so  daß  das  Gestein  ein  grob- 
körniges Aussehen  gewinnt,  im  Gegensatz  zu  dem  Rliönitbasalt  des 
Kahlen  Berges,  der  dort  die  feinkörnigere  Varietät  darstellte.  Der 
Olivin  ist  negativ,  2 V„  = 86"  entsprechend  23°/»  Fe2Si04.  Den 
Pyroxeneinsprenglingen  fehlt  durchwegs  der  grüne  Kern,  sie  haben 
meist  einen  blaßvioletten  bis  farblosen  Kern,  um  welchen  braun- 
violetter  Titanaugit  als  Hülle  angelagert  ist.  Sanduhrbau  und 


im  Böhmischen  Mittelgebirge. 


201 


Zonarstruktur  fehlen  auch  hier  nie.  Die  Olivineinsprenglinge  über- 
wiegen an  Zahl  und  Größe  weitaus. 

Die  Grundmasse  besteht  zum  großen  Teil  ans  einem  dunkel- 
braunvioletten  Titanaugit  mit  einer  Auslöschungschiefe  c y im 
Mittel  — 5ö°. 

Fast  in  gleicher  Menge  ist  Rhönit  vorhanden  in  großen, 
einsprenglingsartigen  Individuen,  die  jedoch  durchwegs  der  Effusiv- 
periode  angehören.  Reich  durchspickt  mit  Pyroxenkörnern,  kann 
sich  der  Rhönit  erst  ganz  zum  Schluß  der  Pyroxenbildungsperiode 
ausgeschieden  haben  und  muß  eine  sehr  große  Kristallisationskraft 


Fig.  2. 


besitzen  , um  noch  solch  große  Individuen  mit  stellenweise  sehr 
scharf  idiomorpher  Umgrenzung  zu  bilden.  Neben  den  großen 
Individuen  finden  sich  auch  zahlreich  in  der  Grundmasse  verstreute 
kleinere  Rhönitkörner.  Der  Rhönit  zeigt  den  charakteristischen 
Pleochroismus,  Zwillinge  nach  b (0 1 0)  sind  recht  häufig.  Auch 
gut  kristallographisch  begrenzte  Schnitte  senkrecht  zu  (010),  also 
mit  scharfer  Zwillingslamellierung  und  einer  Auslöschung  von 
7° — 12"  sowie  Schnitte  parallel  010  mit  einer  Auslöschung  von 
39° — 40°  lassen  den  Rhönit  mit  Sicherheit  erkennen. 

Neben  der  gewöhnlichen  Zwillingsbildung  nach  (010)b,  ver- 
gleichbar den  Albitzwillingen  der  Plagioklase,  finden  sich  Doppel- 
zwillinge, von  denen  Fig.  2 einen  zeigt. 


202 


H.  Michel,  Ueber  das  Auftreten  von  Rhönitbasalien  etc. 


Das  in  der  Figur  breiter  erscheinende,  von  oben  nach  unten 
verlaufende  Individuum  ist  nahezu  genau  parallel  zu  b(010)  ge- 
troffen, das  schräg  von  links  oben  nach  rechts  unten  verlaufende 
Individuum  ist  in  der  Zone  der  b-Achse  annähernd  senkrecht  zur 
c-Achse  getroffen  und  zeigt  daher  scharfe  Zwillingslamellen  nacli 
(010).  (Ich  verweise  bei  dieser  Gelegenheit  auf  die  von  Soellner 
gemachte  Angabe,  daß  wegen  der  großen  Undurchsichtigkeit  des 
Rhönits  eine  bedeutend  stärkere  Lichtquelle  zur  Untersuchung 
nötig  ist.)  Über  das  Gesetz,  das  diesem  Durchdringungszwilling 
zugrunde  liegt,  lassen  sich  nur  Vermutungen  aussprechen.  Es  hat 
den  Anschein,  als  wäre  die  b (OlO)-Fläche  des  einen  Individuums 
parallel  der  c-Fläche  (001)  des  anderen,  als  wäre  die  Achse  a 
gemeinsam.  Dieses  Gesetz  ließe  sich  dann  mit  dem  Bavenoer 
Gesetz  vergleichen. 

Neben  Rhönit  und  Pyroxen  findet  sich  in  der  Grundmasse 
noch  etwas  Magnetit,  ab  und  zu  ein  Körnchen  Nephelin,  das  in 
der  bräunlich  getrübten,  gekörnelten  Glasbasis  liegt.  Apatitnädelchen 
sind  zahlreich  vorhanden,  desgleichen  sind  häufig  skelettartige 
Bildungen , wahrscheinlich  Mikrolithe  von  Hornblende  und  Titan- 
eisenskelette  in  der  Grundmasse  zu  sehen. 

Das  andere  Endglied,  der  Nephelinbasalt  ohne  Rhönit, 
ist  ein  feinkörniges  Gestein  von  violettschwarzer  Farbe  und  fast 
muscheligem  Bruch.  Es  führt  nur  wenig  Einsprenglinge  von  Olivin 
und  Magnetit.  Der  Olivin  ist  optiscli  neutral  entsprechend  einem 
Gehalt  an  10 — 12°/o  Fe2Si04  und  häufig  korrodiert.  Magnetit 
bildet  gleichfalls  größere  Individuen,  Pyroxen  ist  als  Einsprengling- 
äußerst  selten. 

Die  Grundmasse  besteht  aus  Pyroxen,  Magnetit,  Apatit, 
Nephelin,  Analcim  und  Glas  mit  Titaneisenskeletten.  Magnetit 
und  Nephelin  treten  reichlich  an  Stelle  des  hier  nicht  zur  Aus- 
bildung gelangten  Rhönits  auf,  und  zwar  in  wohlbegrenzten  großen 
Kristallen. 

In  diesem  Falle  ist  es  schwer,  über  die  Verhältnisse  zu 
urteilen , die  bei  der  Eruption  diese  wechselnde  Ausbildung  ver- 
ursacht haben.  Der  Rhönitbasalt  bildet  eine  auf  dem  Nephelin- 
basalt aufgelagerte  Partie,  vielleicht  ist  er  nur  eine  Oberflächen- 
fazies,  vergleichbar  manchen  Glasbasalten  am  Rande  und  an  den 
Oberflächen  größerer  Eruptivkörper  des  Böhmischen  Mittelgebirges. 

Zwischen  den  beiden  Endgliedern  vermitteln  Gesteine  mit 
einem  Rhönitgehalt  und  geringerem  Gehalt  an  Nephelin  und 
Magnetit,  als  der  Nephelinbasalt  besitzt.  Diese  Zwischenglieder 
zeigen  gewöhnlich  Koagulationsstruktur,  der  Nephelin  ist  in  größeren 
lichten  Flecken  angereichert,  die  anderen  Partien  sind  ganz  nephelin- 
frei und  führen  nur  das  braune  Glas. 

Es  beeinflußt  also  auch  hier  der  Rhönitgehalt  wesentlich  das 
ganze  Gestein. 


Fr.  Killig,  lieber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  etc. 


203 


Beide  hier  angeführten  Beispiele  von  Rhünitbasalten  zeigen, 
daß  der  Rhönitbasalt  ein  extremes  Endglied  von  Reihen  darstellt, 
die  von  Nephelinbasalt  und  Nepheliubasanit  zu  ihm  mit  zahlreichen 
Übergängen  führen.  Die  Bezeichnung  Rhönitbasalt  ist  aber  wohl 
nur  bei  solchen  Gesteinen  am  Platze,  die  im  wesentlichen  aus  der 
Kombination  Olivin,  Pyroxen.  Rliönit  gebildet  sind  und  wenig 
Magnetit,  Feldspäte  oder  Feldspatvertreter  führen,  dafür  stellt  sieh 
ein  trübes  Gesteinsglas  ein. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität  Wien,  Jänner  1913. 


Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  in  ein  dichtes  Paragonit- 
gestein  von  der  Korundlagerstätte  am  Ochsenkopf  in  Sachsen1 

Yon  Fr.  Killig  in  Rüdersdorf. 

Der  Ochsenkopf  bei  Schwarzenberg  in  Sachsen  ist  von  alters 
her  bekannt  als  Fundort  von  Schmirgel,  der  dem  Phyllit  lagerartig 
konkordant  eingeschaltet  war  und  im  18.  und  19.  Jahrhundert 
sogar  bergmännisch  abgebaut  wurde;  indessen  ist  von  dem  Berg- 
bau heute  fast  nichts  mehr  erhalten : Schächte  und  Stollen  sind 
verschüttet,  und  selbst  die  Halden  kaum  noch  zu  erkennen. 

Der  Korund  ist  unzweifelhaft  regionalnietamorphen  Ursprungs ; 
die  Nähe  eines  im  Phyllit  deutlich  hervortretenden  Kontakthofes, 
der  vom  benachbarten  Eibenstocker  Granitmassiv  herrührt,  läßt 
zwar  eine  kontaktmetamorphe  Entstehung  näher  liegend  erscheinen, 
doch  konnte  au  der  Hand  eines  Proliles,  das  auf  Grund  der  An- 
gaben in  den  vom  Königlichen  Bergamt  in  Freiberg  zur  Verfügung 
gestellten  Akten  rekonstruiert  wurde,  der  Nachweis  erbracht  werden, 
daß  zwischen  Korund  und  Kontakthof  eine  mindestens  300  Meter 
mächtige  Masse  normalen  unveränderten  Pli y llits  einge- 
schaltet ist. 

Das  Hauptgestein  des  Phyllitgebietes  um  den  Ochsenkopf  ist 
ein  blaugrüner  oder  auch  grauer  Phyllit  von  äußerst  feinschiefe- 
riger Beschaffenheit  und  mit  höchst  untergeordnetem  Quarzgehalt, 
während  den  Phylliten  in  der  weiteren  Umgebung  ein  auffallender 
Quarzreichtum  eigen  ist.  Entsprechend  dem  schon  makroskopisch 
festgestellten  Befund  erscheint  der  Phyllit  im  Schliff  aus  wasser- 
hell durchsichtigen  Glimmer  bestehend,  dessen  Blättchen  in  Strängen 
angeordnet  sind  und  nur  spärlich  mit  Chloritblättchen,  Eisenerz- 
partikelchen und  Rutilkörnern  vergesellschaftet  sind,  während  Quarz 
in  diesen  Phylliten  nur  selten  in  Augen  oder  Lagen  auftritt. 

1 Vergl.  Mitteilungen  des  Naturw.  Vereins  zu  Greifswald.  1912.  p.  27  ff. : 
Fr.  Killig:  „Das  Korund-  und  Paragonitvorkommen  am  Ochsenkopf  bei 
Schwarzenberg  in  Sachsen*.  Inaug.-Diss.  Greifswald. 


204 


Fr.  Killig,  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit 


Die  chemische  Untersuchung  dieser  quarzarmen  bis  -freien 
Phyllite  ergab  folgende  Zusammensetzung : 

1.  2.  3. 


Si02  . 

. . . 51,79 

51,63 

47,02 

46,97 

42,69 

42,41 

Ti  0, 

. . . 0,72 

0,79 

0,53 

0,59 

0,64 

0,82 

Al2  0, 

. . . 30,96 

30,40 

33.38 

33,36 

40,52 

40,62 

Fe.,  ü3 

. . . 0,85 

0,80 

0.81 

0,60 

0,69 

0,75 

Fe  0 . 

. . . 1,89 

1.92 

2,29 

2,53 

1,40 

1.36 

MgO 

. . . 1,36 

1,42 

2,00 

1,79 

1,83 

1,97 

CaO  . 

. . . 0,69 

0,85 

1,07 

0,95 

0,71 

0,75 

Na»  0 

. . . 0,90 

1,13 

1,05 

1,13 

0,83 

0.70 

K2Ö  . 

. . . 4,96 

5,11 

6.14 

6,12 

5,99 

5,50 

h2o  . 

. . . 6,08 

6,09 

5,79 

6,07 

5,59 

5,10 

co2  . 

...  — 

— 

Sp. 

Sp. 

— 

— 

P20, 

...  — 

— 

Sp. 

Sp. 

— 

— 

100,20 

100.14 

100,08 

100,11 

100,89 

99,99 

1 Phyllit  mit  untergeordneten  Quarzlagen.  Halde  am  Ochsenkopf. 


o J Feinschuppiger  quarzfreier  Phyllit  vom  verschütteten  Schacht. 

Auffällig  an  diesen  Analysen  ist  der  hohe  Alkali-  und  Ton- 
erdegehalt der  Gesteine.  Diese  chemische  Zusammensetzung  ist 
jedoch  nicht  nur  für  die  Phyllite  des  engeren  Ochsenkopfgebietes 
charakteristisch,  sondern  auch  für  entsprechende  Gesteine  aus  der 
weiteren  Umgebung , so  z.  B.  für  einen  äußerlich  sowohl  wie 
mikroskopisch  sich  vom  Ochsenkopfphyllit  kaum  unterscheidenden 
Phyllit  vom  oberen  Sachsenstein , nördlich  vom  Ochsenkopf,  und 
von  einigen  Aufschlüssen  in  Bockau  am  Fuße  des  Ochsenkopfes. 
Äußerlich  durch  seine  schwarze  Färbung  und  mikroskopisch  durch 
einen  Feldspat-  und  Granatgehalt  scheint  ein  Phyllit  von  der 
„Neubeschertglückfundgrube“  bei  Antonsthal  am  Ochsenkopf  aus 
der  Reihe  herauszufallen;  wie  die  andern  Phyllite  zeigt  jedoch 
auch  dieser  den  hohen  Alkali-  und  Tonerdegehalt.  Von  allen  aus 
der  Umgebung  des  Ochsenkopfes  untersuchten  Phylliten  weicht 
nur  ein  sich  äußerlich  wie  mikroskopisch  von  den  andern  nicht 
unterscheidendes  Gestein  vom  Turm  an  der  „Morgenleithe“  durch 
einen  auffallend  niedrigen  Alkaligehalt  von  den  übrigen  ab. 

Die  Analysen  dieser  Phyllite  ergaben : 


4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

SiO»  . 

....  42.81 

42,66 

58,41 

52,54 

48,07 

Ti  0»  . 

....  0,90 

0,61 

0,60 

0,56 

0,50 

A12(53 

....  30.83 

38,34 

23,82 

32.77 

37,19 

Fe,  0., 

....  3,71 

0,72 

0,75 

0,95 

1,00 

Feb  . 

. . 2,26 

1,20 

1,22 

1,54 

2.42 

MgO  . 

....  3,46 

2,20 

1,71 

1,36 

1,69 

CaO  . 

....  1,76 

0,85 

1,17 

0,95 

1,05 

Na,  0 

....  0.61 

1,01 

1,36 

0,82 

0,37 

K,  0 . 

....  7,17 

6,61 

6.72 

3.32 

1,88 

h2o  . 

....  5,62 

5,88 

4.22 

5.27 

5,80 

CO,  . 

....  0,82 

Sp. 

— 

— 

— 

P2  05. 

....  0,15 

— 

— 

— 

10u,10 

100.08 

99,98 

100,08 

99,97 

in  ein  dichtes  Paragonitgestein  etc. 


205 


4.  Schwarzer  Feldspatphyllit  von  der  „Neubeschertglückfundgrube“  bei 
Antonsthal. 

5.  Phyllit,  quarzführend,  oberer  Sachsenstein. 

6.  Phyllit  mit  Spuren  kontaktmetamorpher  Veränderungen.  Bockau. 

7.  Phyllit,  quarzführend,  schieferig,  Bockau. 

8.  Phyllit,  Turm  an  der  Morgenleithe. 

Der  K o r u n d kommt  in  den  Phyllitmassen  am  Ochsenkopf 
in  grobkristallinen,  schwarzblauen  Knollen  meist  in  einem  eben- 
falls schon  den  alten  Mineralogen  wohlbekannten  dichten  Gestein 
vor,  dessen  Beschaffenheit  einer  Bestimmung  nach  rein  äußerlichen 
Kennzeichen  große  Schwierigkeiten  bereitete;  die  hellgrauen  oder 
bräunlichgranen,  bisweilen  auch  rötlichen  oder  zart  grünen  Massen 
wurden  bald  mit  Agalmatolith,  bald  mit  Nephrit,  Talk  usw.  identi- 
fiziert. Eine  eingehende  chemische  Untersuchung  dieser  dichten 
Gesteinsmassen  und  der  zahlreichen  Abarten  ergab  jedoch,  daß  es 
sich  hier  um  eine  dichte  Varietät  von  Paragouit  handelt. 

Da  man  in  den  wenigen  aus  Sammlungen  stammenden  Stücken 
— an  Ort  und  Stelle  war  Korund  nicht  mehr  zu  finden  — meist 
Korund  und  Paragonit  nebeneinander  vorfindet,  liegt  die  Annahme 
nahe,  daß  beide  in  einem  genetischen  Zusammenhang  stehen,  und 
es  ist  in  der  Tat  bereits  einmal  der  Versuch  gemacht  worden, 
auf  Grund  des  Zusammenvorkommens  von  Korund  und  Paragonit 
einen  Schluß  auf  die  Entstehung  des  letzteren  zu  ziehen.  F.  A. 
Genth  stellt  in  seiner  Arbeit  „Über  Korund,  seine  Umwandlungen 
und  die  ihn  begleitenden  Mineralien“1,  in  der  er  für  eine  große 
Anzahl  von  Korundvorkommen  auf  Grund  von  mehr  oder  minder 
deutlichen  Pseudomorphosen  Umwandlungen  von  Korund  in  die 
verschiedensten  Mineralien : Glimmer,  Andalusit,  Cyanit  und  andere 
tonerdereiche  Substanzen  unzweifelhaft  nachgewiesen  hat,  den  Para- 
gonit vom  Ochsenkopf  als  ein  Umwandlungsprodukt  des  Korunds  hin. 

Indessen  beweisen  der  geologische  Befund  und  die  petro- 
graphische  Untersuchung,  daß  der  Paragonit  nicht  aus  Korund 
entstanden  sein  kann.  Für  das  geologische  Vorkommen  ließen 
die  Angaben  in  den  Akten  über  den  Bergbau  erkennen,  daß  zwar  der 
Korund  nur  auf  einen  bestimmten  Horizont  im  Phyllit  beschränkt 
war,  das  Auftreten  des  Paragonits  aber  keineswegs  an  das  des 
Korunds  gebunden  war;  der  Paragonit  durchsetzte  immer  in  un- 
regelmäßigen, sich  verzweigenden  Trümmern  und  Sclimitzen,  die 
sich  im  Phyllit  vielfach  verloren,  in  beliebigen  Richtungen  den 
immer  gleichmäßig  unter  dreißig  Grad  nach  Westen  einfallenden 
Phyllit , trat  also  völlig  unabhängig  vom  Fallen  und  Streichen 
desselben  auf  und  zeigte  somit  auch  geologisch  keinerlei  genetische 
Beziehungen  zum  Korund  und  dessen  Auftreten.  Hingegen  ließ 
die  petrographische  Untersuchung  einiger  Handstücke  unzweideutig 


•Touin.  f.  prakt.  Chemie.  1874.  9.  p.  93. 


Fr.  Killig,  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit 


206 


erkennen,  daß  der  Paragonit  aus  dem  Phyllit  hervor- 
gegangen ist:  es  fanden  sich  Stücke,  die  alle  denkbaren  Über- 
gänge von  Phyllit  in  Paragonit  bisweilen  auf  engstem  Raume 
vereinigt  zeigen. 

Ein  Handstück  besteht  z.  B.  an  einer  Ecke  aus  normalem 
schwarzgrünem  Phyllit,  der  die  feinglimmerige  Beschaffenheit  und 
den  ausgezeichneten  Seidenglanz  zeigt,  die  den  Phylliten  der 
Hegend  um  den  Ochsenkopf  allgemein  eigen  sind;  einige  Zenti- 
meter weiter  wird  diese  Masse  einen  Schein  heller,  dann  grau, 
wobei  sie  den  Glanz  verliert  und  einen  stumpfen  Schimmer  erhält, 
hierauf  allmählich  rötlichgrau,  und  schließlich  besteht  das  Hand- 
stiick  aus  jenem  hellen , bräunlichgrauen,  dichten  Paragonit,  wie 
er  von  allen  Handstücken  des  Vorkommens  am  Ochsenkopf, 
mögen  sie  nun  Korund  führen  oder  nicht,  bekannt  ist.  Sowohl 
au  diesem  eben  beschriebenen  Handstück  als  auch  an  größeren 
Blöcken  von  dichtem  Paragonit  läßt  sich  jedoch  gewöhnlich  eine 
undeutliche,  verwischte  Schieferung,  zum  mindesten  jedoch  immer 
noch  eine  Art  roher  Lagenstruktur  erkennen,  die  sich  aus  dem 
Phyllit,  wo  sie  deutlich  ausgeprägt  ist,  durch  eine  Übergangszone 
in  das  Paragonitgestein  hinein  verfolgen  läßt.  An  einigen  Hand- 
stücken desselben  tritt  besonders  auf  Klüften  noch  ein  feiner  Saum 
eines  blätterigen  Minerals  auf,  das  schließlich  auch  in  Nestern 
in  größeren  Mengen  gefunden  wurde  und  auf  Grund  seines  minera- 
logischen Verhaltens  sowie  einer  Analyse  ebenfalls  als  Paragonit 
bestimmt  wurde,  — das  erste  bis  jetzt  beobachtete  Vorkommen  von 
blätterigem  Paragonit. 

Wie  makroskopisch  läßt  sich  auch  mikroskopisch  der  Über- 
gang des  Phyllits  in  Paragonit  beobachten:  die  farblose,  etwas 
trübe  Glimmermasse  des  Phyllits  mit  den  geringen  Mengen  von 
Chlorit  und  Eisenerzpartikelchen  bekommt  allmählich  einen  helleren 
Ton,  indem  Chlorit  und  Eisenerze  seltener  werden.  Die  beglei- 
tenden Bestandmassen  erscheinen  etwas  zersetzt  und  verschwinden 
schließlich  ganz,  während  die  im  Phyllit  seltenen  goldgelben 
Rutilkörnchen  im  Übergang  zahlreicher  werden;  im  Paragonit- 
gestein erfüllen  sie  schließlich  in  Scharen  oder  auch  zu  Flecken  und 
Schlieren  vereinigt  das  Gesichtsfeld,  das  besonders  bei  Abblendung 
des  Lichtes  in  unzähligen  Pünktchen  goldgelb  aufleuchtet.  Zweifellos 
gellen  diese  Rutilmengen  aus  den  Eisenerzpartikelchen  hervor,  da, 
wie  die  nachfolgenden  Analysen  zeigen,  eine  Zunahme  von  Titan- 
säure im  Paragonitgestein  nicht  zu  verzeichnen  ist. 

Die  chemischen  Analysen  einer  Reihe  von  Proben , die 
einem  oben  beschriebenen  Handstück  entnommen  wurden,  bestätigen 
die  mit  dem  unbewaffneten  Auge  und  dem  Mikroskop  beobachtete 
Umwandlung  des  Phyllits;  der  auffällig  hohe  Kaligehalt  desselben 
macht  nach  und  nach  einem  zunehmenden  Natrongehalt  Platz,  und 
das  Kali  wird  schließlich  bei  den  reinsten  Varietäten  des  Para- 


in  ein  dichtes  Paragonit gestern  etc. 


207 


gonitgesteins  bis  auf  wenige  Zehntelprozente  durch  Natron  ersetzt 
Die  Analysen  ergaben  folgende  Werte: 


5. 

9. 

10. 

11. 

12. 

13. 

14. 

Si02.  . 

. 42,66 

43.09 

44,82 

44,54 

43,86 

44,01 

45,12 

TiO,  . 

. 0,61 

0,57 

0,60 

0.62 

0,57 

0,67 

0,71 

AL  63  • 

. 38,34 

38,03 

38,54 

38,79 

37,21 

39,14 

39,57 

Fe203  . 

. 0,72 

0,83 

0,45 

0,41 

0,73 

0,62 

0,31 

Fe  0 . . 

. 1,20 

1,90 

0,20 

0,15 

1,90 

0,16 

sp. 

MgO  . 

. 2,20 

1,11 

0,59 

0,36 

0,28 

0.22 

0,11 

Ca  0 . . 

. 0.85 

0,82 

0,67 

0,79 

0,78 

0,65 

0,49 

Na»  0 . 

. 1,01 

1,12 

3,28 

4.87 

5,23 

7.03 

7,94 

K20.  . 

. 6,61 

7,31 

5,32 

3,88 

3,62 

1,76 

0,47 

H»0  . . 

. 5,88 

5.33 

5,67 

5,58 

5,80 

5,82 

5,50 

100,08 

100,11 

100.14 

99,99 

99,98 

100,08 

100,22 

[5.  Normaler  Phyllit,  vom  oberen  Sachsenstein  (zum  Vergleich).] 

9.  Phyllit,  normal. 

10.  Phyllit  mit  ersten  Anzeichen  einer  Veränderung. 

11. — 12  Übergänge. 

13.  Dichter  Paragonit,  grau. 

14.  Dichter  Paragonit,  grau  bis  rosa. 

Das  Material  zu  den  Analysen  wurde  einem  einzigen  Handstück 
entnommen. 

Es  seien  noch  einige  Analysen  von  Stücken  angeführt,  die 
zwar  nicht  den  Zusammenhang ' zwischen  Phyllit  und  Paragonit 
unmittelbar  erkennen  ließen , aber  zweifellos  derartigen  Über- 
gangsstücken entstammen,  und  zeigen,  wie  mannigfach  das  Ver- 
hältnis von  Kali  und  Natron  in  diesen  Stücken  bei  äußerlich  ge- 
ringfügigen Unterschieden  sein  kann ; die  Analysen  ergaben : 


15. 

16. 

17. 

18. 

Si  0.,  . . . 

44,67 

45,14 

44,58 

TiO,  . . . 

. . . 1,10 

0,35 

0,33 

1,13 

AL03.  • • 

. . . 38,92 

36,17 

39,38 

39,87 

Fe203.  . . 

. . . 0.41 

0,87 

0,74 

0.70 

Fe  0 . . . 

0,14 

0,16 

0,18 

MgO  . . 

. . . 0,10 

0,82 

0,35 

0,55 

Ca  0 . . . 

. . . 1.03 

2,32 

0.73 

0,49 

Na,  0 . . . 

. . . 4,47 

5.08 

3,98 

3,10 

K, 0 . . . 

. . . 4,06 

5,00 

4,85 

4,04 

h2o  . . 

. . . 5,76 

4,60 

4,26 

5,34 

100,02 

100,02 

99,92 

99,98 

15. — 18.  Übergänge  von  Phyllit  in  Paragonit. 

Die  Werte  für  Kali  und  Natron  dieser  Analysen  entsprechen 
Zwischengliedern,  die  in  der  vorigen  Analysenreihe  offenbar  nur 
fehlen,  weil  das  Handstiick  die  Gewinnung  von  Material  zu  einer 
größeren  Anzahl  Analysen  nicht  gestattete;  aus  beiden  geht  jedoch 


208 


Fr.  Ivillig,  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  etc. 


mit  Sicherheit  hervor,  daß  im  dichten  Paragonit  tatsächlich  ein 
Umwandlungsprodukt  des  Phyllits  vorliegt. 

Bei  der  Frage  nacli  der  Ursache  der  Umwandlung 
muß  man  zunächst  in  Betracht  ziehen,  daß  am  Ochsenkopf  das 
Paragon itgestein  überall  da,  wo  es  in  Verbindung  mit  Phyllit  zu 
beobachten  war,  fast  ausschließlich  auf  Klüften  auftritt,  von  denen 
aus  die  Umwandlung  vor  sich  gegangen  zu  sein  scheint.  Besonders 
bedeutungsvoll  aber  ist  der  Umstand,  daß  nach  Angabe  der  Akten 
über  den  Bergbau  — auf  den  Halden  ist  auch  davon  nichts  mehr 
zu  linden  — in  Verbindung  mit  Paragonit  meistens  be- 
trächtliche Lagerstätten  von  sulfidischen  Erzen  auf- 
traten; dies  deutet  darauf  hin,  daß  auf  Klüften  aufsteigende 
wässerige  Lösungen  den  Anlaß  zur  Umwandlung  des  Phyllits  in 
Paragonit  gaben.  Die  natronzuführenden  Wasser  sind  vielleicht 
als  eine  Folgeerscheinung  der  Eruption  des  benachbarten  Eiben- 
stocker  Granitmassivs  aufzufassen. 

Auch  bei  der  Betrachtung  anderer  Erzlagerstätten  kann  man 
häufig  ebenso  wie  am  Ochsenkopf  feststellen , daß  vielfach  die 
Gesteine  in  Verbindung  mit  der  Erzablagerung  eine  teilweise  schon 
äußerlich  sichtbare  Umwandlung  erlitten  zu  haben  scheinen.  Es 
sei  hier  erinnert  an  die  dem  Paragonitgestein  vom  Ochsenkopf 
ganz  ähnlichen  Bildungen  von  ungarischen  Erzlagerstätten  wie 
Schemnitz  ',  Nagyag 2 3,  Felsö  Remete'4  und  Kapnik4,  sowie  von  einem 
japanischen  Bergbau  in  Satsuma5 *:  von  allen  diesen  Orten  sind 
Gesteine  bekannt,  die  durch  ihren  Zusammenhang  mit  anderen  Ge- 
steinen erkennen  lassen,  daß  sie  aus  diesen  zweifellos  unter  der 
Einwirkung  der  erzablagernden  Lösungen  hervorgegangen  sind. 
Merkwürdigerweise  werden  sie  alle  ohne  Rücksicht  auf  ihre  che- 
mische Zusammensetzung,  die  meistens  noch  gar  nicht  ermittelt 
ist,  ohne  weiteres  als  Agalmatolithe  bezeichnet.  Zu  der  gleichen 
Art  von  Gesteinen  gehört  das  sogenannte  „Weiße  Gebirge“  von 
Holzappel  a.  d.  Lahn,  Wellmich  und  Wehrlau  am  Rhein,  wo  der 
Zusammenhang  der  Umwandlung  der  Gesteine  mit  der  Erzablage- 
rung  zuerst  von  A.  Bauer1’  erkannt  wurde;  die  gleiche  Erschei- 
nung stellte  A.  v.  Groddeck7  im  Anschluß  an  Bauer’s  Arbeit  an 
Gesteinen  von  Erzlagerstätten  von  Mitterberg  in  Salzburg  und 

1 Berichte  über  d.  Mitt.  v.  Freund,  d.  Naturw.  i.  Wien.  ges.  v.  Hai- 
dinger. 6.  1816—50. 

J Jahrb.  d.  geol.  Reichsanst.  8.  p.  717;  ferner:  Klaproth,  Beiträge. 

2.  p.  21. 

3 F.  v.  Richthofen:  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  13.  p.  261. 

4 Jahrb.  d.  geol.  Reichsanst.  2.  p 245. 

6 F.  v.  Richthofen:  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  13.  p.  261. 

s Karsten’s  Archiv.  1841.  15.  p.  137. 

7 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  II.  1883—84.  p.  72. 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  lieber  sarmatischen  Daeittuff  etc. 


209 


Agordo  iu  den  Yenetianischen  Alpen  fest,  wo  die  Bildung  der  als 
„ Lagerschiefer“  bezw.  „Weiße  Schiefer“  bezeichneten  glinimerigen 
und  sich  ebenfalls  fettig'  anfühlenden  Gesteine  im  wesentlichen  in 
einer  Sericitisierung  des  Nebengesteins  in  Verbindung  mit  der 
Eizablagerung  besteht. 

Das  Paragonit-  und  Erzvorkommen  am  Ochsenkopf  unter- 
scheidet sich  von  den  vorgenannten  Lagerstätten  wesentlich  dadurch, 
daß  bei  jenen  eiue  wenn  auch  sich  meist  in  sehr  beschränkten 
Grenzen  haltende  Zuführung  von  Kali  stattfand,  während  hier 
n a t r o n haltige  Lösungen  in  Verbindung  mit  den  erzablagernden 
Prozessen  eine  Verdrängung  des  Kaligehaltes  verursachten ; somit 
ist  hier  im  Gegensatz  zu  der  Sericitisierung  bei  den  vor- 
genannten Lagerstätten  zum  ersten  Male  eine  „Paragoniti- 
siernng"  des  Nebengesteins  beobachtet  worden. 


TJeber  sarmatischen  Daeittuff  in  der  Umgebung  von  Nagyenyed 
nebst  einigen  Bemerkungen  zur  Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal. 

Von  Dr.  Franz  von  Pavai-Vajna. 

Mit  3 Textfiguren. 

(Schloß.) 

Nun  aber  zur  Sache! 

Ich  ersuche  Herrn  Privatdozenten  Dr.  Stephan  Gaäi.  uud  alle 
diejenigen,  die  den  bewußten  Artikel  gelesen  haben,  sie  mögen  in 
erster  Reihe  zur  Kenntnis  nehmen , daß  ich  nicht  betreffs  des 
„Päräu  Lazului“  nachgewiesen  habe,  daß  dort  „die  auf  den  unteren 
Horizont  gelagerten  sandigen,  schotterigen  Sedimente  Blöcke  des 
unteren  Horizontmaterials  enthalten“.  Ich  habe  mich  nämlich  in 
diesem  Sinne  nur  über  Päräu  Bärsä  geäußert,  nachdem  meine 
Untersuchungen  hauptsächlich  darauf  Bezug  haben.  Jedoch  muß 
ich  hier  auch  sogleich  eingestehen,  daß  ich  den  von  Herrn  Gaal 
erwähnten  unteren  Horizont  damals  noch  nicht  als  „anstehend“ 
konstatiert  habe  und  in  Olählapäd  auch  noch  heute  nicht  kenne 
und  daher  die  sandigen,  schotterigen  Sedimente  auch  nicht  darauf 
lagern  lassen  konnte.  Ferner  konnte  Herr  Gaal  „die  fossilien- 
führenden Blöcke“  gar  nicht  untersuchen,  weil  von  diesen  nur 
einer  zurückgeblieben  ist,  die  anderen  habe  ich  selbst  aufgearbeitet. 
Dieser  eine  jedoch,  welchen  ich  ihm  gezeigt  habe,  stammt  überhaupt 
nicht  aus  den  Sedimenten  des  unteren  Horizontes  und  ich  erwähne 
die  Cerithium-,  Hydrdbia-,  Limnocardhun - etc.  Arten  nicht  aus  diesem, 
sondern  führe  Modiöla  volhynica , eine  gestreckte  Tapes  sp.  und 
Cardium  lithopodolicum  an;  es  ist  also  wieder  von  etwas  anderem 
die  Rede,  als  wovon  ich  geschrieben  habe.  Ja  selbst  wenn  er  an 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  14 


210 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  sarmatischen  Dacittuff 


das  Fossilienmaterial  der  „Fossiliennester“  gedacht  hätte,  würde 
seine  Behauptung  nicht  den  Tatsachen  entsprechen,  weil  ich  doch 
diesbezüglich  ganz  bestimmt  hervorgehoben  habe,  daß  dort  wieder 
die  „Serpeln,  Ervilien,  Hydrobien  und  Bullen  die  Hauptrolle  spielen, 
und  zwar  in  verhältnismäßig  großen  Individuen  und  in  einer  großen 
Artenanzahl“,  wie  auch  an  anderen  Stellen,  wo  wir  es  mit  unter- 
sarmatischen  Sedimenten  zu  tun  haben  und  überhaupt  nicht  die 
Cerithilm-,  Hydrobia-,  Limnocardium- Arten , wie  das  Herr  Gaal 
schreibt.  Sodann  erlaube  mir  Herr  Gaäl  noch,  daß  ich,  in  Er- 
innerung an  die  oben  erwähnte  Donax- Art,  das  Vollkommen  von 
Dreissensia  pölymorpha  Pall.  nov.  var.  und  ]).  Bugensis  Andruss., 
welche  aus  dem  in  Frage  stehenden  Blocke  herstammen  sollen, 
anzweifle,  da  sowohl  ich  selbst,  wie  alle  diejenigen,  die  aus  diesem 
Blocke  Fossilien  gesehen  haben,  nur  Modioien  statt  Dreissensien 


Profil  der  Päräu  Bärsä  bei  Olälilapäd  nächst  des  dritten 
linken  Seitengrabens. 

a.  = sarmatischer  Ton ; b.  = sarmatischer  sandiger  Schotter  mit  Gevölle 
und  Konglomerat : c.  = pannonischer  Sand  und  Schotter  mit  großem  Ge- 
rolle : d.  = pannonischer  Planorbis- Mergel ; e.  = pleistocänes  lößartiges 
Gestein  und  roter  Ton. 

erkannt  haben.  Übrigens  möge  er  meine  Zweifel  hauptsächlich 
jenem  Umstande  zuschreiben,  daß  er  mir  die  fraglichen 
Fossilien  trotz  meiner  Bitte  nicht  zur  Besichtigung 
übersendet  hat. 

Schon  aus  dem  bisher  Gesagten  ist  es  klar,  mit  welcher 
geringen  Gründlichkeit  Herr  Gaäl  die  Artikel  anderer  Leute  hand- 
habt und  die  eigenen  verfaßt. 

In  Olälilapäd  bestehen  die  sarmatischen  Ablagerungen,  wie 
ich  das  schon  in  meiner  Abhandlung  wiederholt  hervorgehoben 
habe,  aus  dunklem  bläulichgrauem  Ton,  sandigem  feinkörnigem 
Schotter  und  gröberem  sandigem  Schotter,  welche  sehr  häufig 
konglomeratisch  sind.  In  diesem  kommen  die  pannonische 
Stufe  bezeichnende  Fossilien  überhaupt  nicht  vor. 
Im  Traväs- Walde  zeigt  die  Oberfläche  dieser  Ablagerungen  Aus- 
waschungen, welche  als  von  einer  einheitlichen  Decke  von  grob- 
körnigem losem,  weniger  sandigem  stark  abgerolltem  Schotter  aus- 
gefüllt  werden  (Fig.  2).  In  diesen  Ablagerungen  sind  die  sarmatischen 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyed  etc. 


211 


Ablagerungen  brüchig,  stark  abgerollt;  die  Fossilien  der  unter- 
pannonischen  Stufe  kommen  darin  in  größerer  Anzahl  vor,  so  z.  B. : 
Congeria  Partschi,  ornithopsis,  subglobosa,  Jldanopsis  Martiniana, 
M.  vindobonensis  usw.  Mit  einem  Worte,  wir  können  zwischen  den 
beiden  Sedimenten  eine  petrographische  Abweichung  gut,  eine 
erosionale  Auswaschung,  eine  Verschiedenheit  der  Fauna  gut  sehen, 
was  jedoch  Herrn  Gaäl  noch  immer  nicht  genügt,  beziehungsweise 
sieht  er  auch  dieä  nicht  richtig,  denn  er  schreibt,  daß  „bei  der 
Einmündung  des  dritten  Nebengrabens  diese  Schichte  neuerdings 
auftaucht,  hier  jedoch  schon  Schotter  ist“.  Das  heißt,  er  sieht 
etwas,  sagt  aber  trotzdem:  „Pävay  hat  von  diesem  Orte  ein  Proül 
gezeichnet,  doch  muß  ich  bemerken,  daß  er  dieses  einheitliche 
Glied  unrichtigerweise  in  b-  und  c-Schichten  trennt  und  noch 
weniger  kann  man  die  c-Schicht  als  pannonisch  bezeichnen.“ 
„Dasselbe  steht  auch  von  dem  Profil  von  Puszta  und  Olän  (p.  412).“ 
(Gaal,  1.  c.  p.  445.) 

Herr  Gaal  möge  mir  erlauben  zu  bemerken,  daß  diese  charak- 
teristische Verneinung  ohne  jede  Begründung  etwas  Ungewohntes 
ist.  Unwillkürlich  fällt  mir  dabei  der  Fall  ein,  als  er  das  Vor- 
kommen der  Campylca  banatica  (Partsch)  Rm.  in  den  Pleistocän- 
Ablagerungen  halb  und  halb  nur  darum  abgeleugnet  hat  *,  um  in 
eben  derselben  Mitteilung  mit  seinen  Gyertyänoser  Exemplaren 
beweisen  zu  können,  daß  diese  Art  tatsächlich  auch  bei  Miriszlö 
im  Pleistocän  existiert  haben  konnte.  Herr  Gaal  täuschte  sich 
außerordentlich,  wenn  er  dachte,  daß  ich  ein  derartiges  Vor- 
gehen auch  zum  zweiten  Male  stillschweigend  hinnehme,  muß 
aber  zugleich  ungemein  bedauern , daß  ich  als  junger  Mensch 
auch  so  etwas  bemerke,  was  er  und  andere  erst  später  gesehen 
haben. 

Nachdem  ich  aber  befürchte,  daß  Herr  Gaal  zu  guter  Letzt 
irgendwo  auch  noch  das  beweist,  daß  meine  beanstandeten  Profile 
dennoch  richtig  sind,  beeile  ich  mich,  nochmals  auf  jene  schon 
wiederholt  hervorgehobene  Verschiedenheit  der  petrographischen 
Verhältnisse  und  der  Fauna  wie  auch  auf  die  Erosionsauswaschung 
hinzuweisen.  Nun  glaube  ich  aber,  bleibt  Herr  Gaäl  der  einzige 
Fachmann,  der  es  bezweifelt,  daß  an  der  in  Rede  stehenden 
Stelle  die  Sedimente  verschiedenen  Alters  aufeinander  lagen. 
Ferner  dürfte  mich  Herr  Gaal  noch  aufklären,  warum  „die  C- 
Schichte  noch  weniger  pannonischen  Alters  sein  kann“  (1.  c.  p.  445), 
wenn  er  doch  in  deren  Fortsetzung  (laut  Gaäl!)  auf  die  Schalen 
der  Congeria  Partschi  Crjz.  gestoßen  ist  (1.  c.  p.  445).  Hat  er 
dieses  Fossil  auch  in  sarmatischen  Ablagerungen  aufgefunden? 
Wirklich  schade,  daß  er  dies  zu  publizieren  vergessen  hat. 


1 St.  Gaäl.  Neuere  Beiträge  zur  Verbreitung  von  Campylaea  banatica 
im  Pleistocän.  Földt.  Közl.  40.  p.  268. 


14* 


212 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  sarmatischen  Bacittuff 


Wenn  nun  Herr  Gaal  meine  Neugierde  derart  gespannt  hat. 
so  möge  er  mir  noch  die  Frage  erlauben,  weshalb  ich  stellen- 
weise auch  solche  Schichten  als  sarmatisch  betrachtet  habe,  „die 
dickschalige  Congerien  enthalten“  (1.  c.  p.  446).  Es  dünkt  mir. 
er  spricht  hier  schon  wieder  von  etwas  anderem,  als  was  ich  ge- 
schrieben habe. 

Schließlich  muß  ich  noch  im  Zusammenhänge  mit  diesen 
sandigen  schotterigen  Ablagerungen  meiner  Freude  Ausdruck  ver- 
leihen, daß  er  darauf  hinweist,  daß  dieselben  wahrscheinlich 
im  Weichbilde  der  Gemeinden  Csäkö,  Miriszlö  und  Örmenyes  auf- 
zutinden  sind;  nur  schade,  daß  ich  dies  schon  seinerzeit  festgestellt 
habe.  Auch  dies  scheint  seiner  Aufmerksamkeit  entgangen  zu  sein, 
geradeso  wie  jener  Umstand,  daß  ich  der  Wagehals  war,  der  im 


Fig.  3. 

Die  kleine  Synklinale  der  Falte  bei  Marosgombäs,  bevor  Herr  Gaal  sie 

aufschloß. 


Marosgombäser  Park  auf  jene  gewisse  steile  Synklinale  gestoßen 
ist.  Das  Charakteristischste  ist  aber  dennoch,  daß  Herr  Privat- 
dozent Gaäl  diese  erst  noch  „aufschließen“  mußte,  um  zu  sehen, 
mit  was  er  es  zu  tun  habe,  wo  wir  doch  zur  selben  Zeit,  als 
Herr  Gaäl  mit  uns  dort  war,  das  Ganze  derart  gut  gesehen  haben, 
daß  mein  Kollege  diese  Stelle  sogar  gleich  photographiert  hat. 
(Fig.  3.)  Es  wäre  angezeigt  gewesen,  wenn  er  auch  in  Lapäd 
derartige  Aufschlüsse  gemacht  hätte , dann  würde  er  vielleicht 
auch  das  erblickt  haben,  was  andere  auch  so  sehen,  weil  wahrlich 
nicht  alle  Grenzen  so  scharf  sind  wie  „zwischen  dem  Liegenden 
des  Planorbis-  Sandmergels  (Pävay,  Fig.  21  Schicht  d)  und 
dem  früher  oben  charakterisierten  Schotter“.  Ferner  sagt  Herr 
Gaäl:  „Aber  auch  von  der  Lagerung  von  Olählapäd  konnte  ich 
feststellen,  daß  sich  das  im  Hangenden  des  B-Horizontes  befindliche 
Sediment  unmittelbar  oder  übergänglich  auflagerte.  Wenn  wir 


in  der  Umgebung  von  Nagyenyecl  etc. 


213 


aber  voraussetzen,  daß  auf  den  mittleren  Abschnitt  des  Obermiocäus 
(Senkung)  im  oberen  Horizont  eine  Hebung  folgte,  so  müßten  die 
Beweise  dessen  gerade  im  Strandgürtel  am  besten  zu  sehen  sein“ 
(1.  c.  p.  446).  Ich  bezweifle  demnach  die  Genauigkeit  des  Herrn 
Gaäl,  nachdem  er  doch  die  Erosionsspnren  an  einer  ganz  anderen 
Stelle,  als  an  der  von  mir  beschriebenen , sucht.  Zwischen  den 
sandigen  und  schotterigen  Ablagerungen  der  sarmatischen  und 
pannonisclien  Stufe  sind  diese  zu  linden  und  nicht  über  den 
letzteren. 

In  Anbetracht  der  Methode  und  wie  Herr  Gaal  in  der  Um- 
gebung von  Xagyenyed  und  Olählapäd  gearbeitet  hat,  können  wir 
getrost  sagen,  daß  auch  seine  weiteren  auf  die  Stratigraphie  des 
Siebenbürger  Beckens  bezüglichen  Daten  nicht  besser  und  um 
keinen  Haarstrich  verläßlicher  sind.  Gewiß  liegt  auch  dort  der 
Fehler  nicht  in  den  bewußten  Schichten,  sondern  darin,  daß  Herr 
Gaal  das  Siebenbürger  Becken  nicht  genügend  kennt,  da  sich 
seine  Beobachtungen  nur  auf  einzelne  Partien  desselben  und  auch 
hier  nur  auf  einzelne  Glieder  des  Keogeus  beschränken.  Daß  er 
daraus  dennoch  hochwichtige  Folgerungen  gezogen  Hat , tat  er 
wahrscheinlich  in  dem  Glauben,  daß  „er  als  einziger  Kenner  dei 
Siebenbürger  neogenen  Bucht“  über  alle  Kritik  erhaben  stellt. 
Soviel  ist  gewiß,  daß  nur  derjenige  einen  solchen  Artikel  verfassen 
kann,  der  vergißt,  daß  auch  noch  andere  in  dieser  Gegend  arbeiten, 
die  man  nicht  mit  dem  einfachen  Wort,  sondern  mit  der  Kraft 
der  Beweise  überzeugen  muß. 

Xun  aber  zur  Tektonik,  da  sich  Herr  Gaal  im  Siebenbürger 
Becken  auch  damit  befaßt  hat.  Seine  Aufgabe  war  wenigstens 
teilweise  diese  und  zwar  der  schönste  Teil  der  tektonischen  Auf- 
nahme. Leider  hat  aber  diese  Arbeit,  nach  meiner  Meinung,  keine 
genießbaren  Früchte  gezeitigt,  statt  schön  ausgearbeiteter  Profile. 
Es  hat  sich  das  Wunder  ereignet,  daß  dort,  wo  15 — 20  Fachleute 
die  im  Becken  befindlichen  Faltungen  erblickt  haben  und  deren 
Verlauf  ein  ganzes  Heer  von  ausführlich  arbeitenden  Geologen 
mit  tausend  und  abertausend  Fallmessuugen  bewiesen  haben,  Herr 
Gaäl  gar  nichts  gesehen  und  die  Schichten  des  Beckeninnern  in 
einer  horizontalen,  ursprünglichen  Lagerung  gefunden  hat,  und 
zwar  nach  einer  sehr  eingehenden  Untersuchung,  was  am  besten 
seine  30 — 40,  sage  dreißig  bis  vierzig  an  verschiedenen  Punkten 
des  Beckens  vorgenommenen  Messungen  des  Fallens  und  Streichens 
beweisen.  Mit  geringer  Mühe  können  wir  diese  auf  seiner  Karte 
auftinden.  Allerdings  liefern  diese  nicht  den  Beweis  von  einer 
horizontalen  Lagerung,  was  jedoch  den  Herrn  Privatdozenten  Gaäl 
nicht  in  Verlegenheit  setzt,  weil  doch  „laut  den  neuesten  meeres- 
erforschenden  Expeditionen  auch  mit  1 5 0 einfallende,  ursprüngliche 
Schichtungen  Vorkommen“.  Statt  sich  an  die  Meeresforscher  zu 
wenden,  wäre  es  viel  besser  gewesen,  wenn  Herr  Gaäl  die  durch 


214 


Fr.  v.  Pävai-Vajna,  Ueber  samatischen  Dacittuff  etc. 


ihn  vertretene  Siebenbiii'ger  neogene  Bucht  zurate  gezogen  hätte. 
Er  hätte  dort  zwischen  den  ungestörten  Schichten  der  Ufer- 
ablagerungen auch  noch  steiler  einfällende  gefunden,  hätte  aber 
nicht  einmal  in  diesem  Falle  recht  gehabt,  weil  es  im  Innern  des 
Beckens  keine  Ufer  gegeben  hat,  und  wenn  es  auch  solche  in  der 
Tiefe  gegeben  hätte,  so  hätten  diese  kaum,  nach  einer  Bedeckung 
durch  Tone,  Sande,  welche  einige  hundert  Meter  mächtig  sind, 
auch  Herrn  Gaal  zuliebe  nicht,  ihre  Wirkung  an  der  heutigen 
Oberfläche  wahrnehmen  lassen.  Oder  ist  es  vielleicht  eine  besondere 
Laune  des  Schicksals,  daß  auf  jenen  seiner  Angabe  nach  nicht 
existierenden  Antiklinalen  gerade  im  Innern  des  Beckens  in  vielen 
Kilometern  Entfernung  voneinander  die  Gasbrunnen  durcligehends 
alle  das  Gas  nur  so  ausströmen  lassen,  dessen  Quantität  heute 
täglich  mehr  als  2 000  000  Kubikmeter  beträgt,  was  wir  gerade 
jenen  verleugneten  Antiklinalen  wie  auch  jenen  wahren  Fachleuten 
verdanken,  die  jene  erkannt  haben?  Vielleicht  ist  auch  das  ein 
bloßer  Zufall,  daß  eben  diese  Falten  in  der  Tiefe  ein  bedeutend 
steileres  Einfallen  aufweisen? 

In  diesem  Falle  ist  meiner  Meinung  nach  wieder  nur  Herr 
Privatdozent  Gaäl  der  einzige  Fachmann,  dem  ich  beweisen 
muß,  daß  die  Schichtenneigungen  von  2,  4,  8,  16°,  bei  ihrer  ent- 
gegengesetzten Eichtling  nichts  als  Beweise  einer  antiklinalen 
Lagerung  sind,  daß  ferner  der  Antiklinale  von  Särusäs  auch  noch 
in  ihren  Krümmungen  8 — 10  andere  Falten  parallel  folgen,  deren 
steiles,  50 — 60 — 80°  betragendes  Einfallen  auch  er  gegen  den 
Beckenrand  zu  erblickt  hat.  Ich  kann  es  selbst  von  seinen 
Schülern  nicht  voraussetzen , daß  sie , wenn  er  ihnen  auf  der 
Karte  eines  Beckens  auch  nur  mit  2 — 3°  in  entgegengesetzter 
Richtung  in  länglicli  dahinziehenden,  sich  krümmenden  Reihen  in 
einigen  Zentimeter  Entfernung  voneinander  die  Streich-  und  Fall- 
zeichen aufzeichnet,  nicht  erkennen  würden,  daß  die  Schichten 
dieses  Beckens  von  irgendeinem  tektonischen  Vorgang  berührt 
wurden. 

Nach  meiner  persönlichen  Auffassung  gesellt  sich  hierzu  noch 
Unkenntnis  des  Terrains,  denn  ich  kann  nicht  verschweigen,  daß 
Herr  Gaäl  schreibt:  „an  der  südlichen  Uferlinie  ist  die  Schich- 
tung in  den  neogenen  Ablagerungen  im  allgemeinen  horizontal", 
wo  ich  doch  am  rechten  Ufer  des  Oltflusses  am  Fuße  der  Fogaraser 
Berge  an  den  Antiklinalen  der  mediterranen  und  sarmatischen 
Schichten  20°,  15°,  29°,  70°  Einfallen  gemessen  habe?  Ferner 
glaube  ich,  daß  Herr  Gaäl  mit  folgenden  Äußerungen  Verwirrungen 
anrichtet:  „In  der  Umgebung  von  Nagyenyed,  ferner  bei  Kis-Akna, 
Kerelö  Szt.  Päl,  Bäzna,  aber  hauptsächlich  in  der  Gegend  von 
Szäszregen  erscheinen  den  NW — SO  streichenden  Falten  und  be- 
sonders Brüchen  des  Mittelmiocäns  gegenüber  NO — SW  verlaufende 
tektonische  Dislokationen  des  ObermiocänsU  Wo  er  doch  selbst 


C.  Gagel,  lieber  das  Alter  etc. 


215 


anerkennt,  daß  die  Schichten  der  sarmatischen  und  pannonischen 
Stute  auch  gefaltet  sind , und  zwar,  wie  ich  es  mit  zahllosen 
Messungen,  die  ein  Einfallen  nach  3,14,  4,15  und  2,13  Stunden 
ergaben,  beweisen  kann,  in  NW — SO  streichenden  Falten.  Nun 
sind  aber  die  sarmatischen  und  pannonischen  Ablagerungen  auch 
nach  der  Ansicht  des  Herrn  Gaal  obermiocänen  Alters,  konnten 
sich  daher  noch  vor  ihrer  Geburt  im  Mittelmiocän  nicht  gefaltet 
haben.  Daraus  folgt,  daß  auch  die  NW — SO  streichenden  Fal- 
tungen und  Brüche  kein  mittelmiocänes  Alter  besitzen. 

Natürlicherweise  wird  der,  der  diese  Faltungen  in  der 
Natur  selbst  noch  nie  studiert  hat  und  der  sich  nicht  einmal  der 
Mühe  unterworfen  hat,  z.  B.  die  Arbeiten  von  Mrazec  durch- 
zusehen, welche  sich  mit  den  Faltungs Verhältnissen  eines  ähnlichen 
Gebietes  befassen,  oft  sehr  eigentümliche  Faltungsformen  finden. 
Es  scheint,  daß  er  nicht  einmal  die  Zeichnungen  Löczv’s  angesehen 
hat,  welche  dieser  nach  Mrazec  mitteilt,  obwohl  er  jenen  Artikel, 
welchem  diese  beigefügt  sind,  ganz  gewiß  erhalten  hat.  Nur  so 
ist  es  zu  verstehen,  daß  Herr  Gaäl  in  seiner  Kritik  betreffs  der 
durchspießenden  Falten  dergleichen  Fragen  stellen  kann:  „Was 

hält  dann  die  Decke  starr  unbeweglich  angespannt,  als  die  von 
unten  wirkende  Kraft  den  Kern  hineindrückt?“  Diese  Frage  verrät 
deutlich,  daß  er  von  der  ganzen  Sache  nur  den  Namen  kennt. 

Das  aber  müßte  er  dennoch  wissen,  daß  auch  jene  Deck- 
schichten eine  gewisse  Festigkeit  und  einen  Widerstand  besitzen, 
durch  dessen  Überspannung  infolge  des  Druckes  der  tieferen  Schichten 
jene  zerreissen,  verdünnt  werden  und  jene  tieferen  älteren  Sedimente 
unter  den  weiteren  Faltungsprozessen  sehr  schön  zwischen  die 
viel  jüngeren  Produkte  hineingeraten,  ohne  irgendwelche  größere 
Hexerei.  Wenn  wir  noch  hinzufiigeu,  daß  der  diapyre  Kern  nicht 
im  Zeiträume  eines  Augenblickes  zur  Geltung  gelangt  wie  eine 
gutgeartete  Kanonenkugel,  sondern  Jahrtausende  hindurch,  so 
dürfte  es  vielleicht  genügend  klar  sein,  wie  unwahrscheinlich  die 
Frage  des  Herrn  Privatdozenten  Gaäl  für  jeden  ist,  der  betreffs 
der  Durchspießungsfalten  nur  einigermaßen  orientiert  ist. 

S chemnitz  (Selmecbänya),  den  24.  Januar  1913. 


Ueber  das  Alter  der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  und  die 
Beweiskraft  der  „Leitgeschiebe“  für  das  Alter  der  Moränen 

Von  C.  Gagel. 

In  meiner  kleinen  Notiz : Über  einen  Grenzpunkt  der  letzten 
Vereisung  (des  Oberen  Geschiebemergels)  in  Schleswig-Holstein  1 


1 Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1907.  28.  p.  581. 


216 


C.  Gagel,  Ueber  das  Alter 


habe  ich  mich  bemüht,  den  Beweis  dafür  schlüssig  zu  machen, 
daß  die  Hauptmoräne  des  Boten  Kliff  auf  Sylt  zur  Haupteiszeit 
gehöre  und  daß  im  Gegensatz  dazu  im  Emmerleff-Kliff,  25  km 
östlich  davon,  schon  die  Moräne  der  letzten  Vereisung,  der  Obere 
Geschiebemergel,  vorhanden  sei.  Ich  habe  darin  betont,  daß  die 
früher  schon  vorgebrachten  Beweise,  besonders  die  von  Zeise  und 
Petersen  , für  dieses  Alter  der  Boten  Kliff-Moräne  schon  sein- 
einleuchtend  seien  — insbesondere  die  ungemein  intensive,  bis  auf 
fast  20  m Tiefe  herunterreichende  Verwitterungszone  dort  im 
Boten  Kliff  • — , daß  aber,  um  diesen  Beweis  schlüssig  zu  machen, 
noch  der  Nachweis  einer  in  demselben  Gebiet  und  unter  denselben 
klimatischen  Bedingungen  abgesetzten,  aber  wesentlich  we- 
niger stark  verwitterten  Moräne  erforderlich  sei,  damit  der  schon 
mehrfach  gemachte  Ein  wand , die  Hauptmoräne  des  Koten  Kliff 
könne  doch  eventuell  Moräne  der  letzten  Eiszeit  (Oberer  Geschiebe- 
mergel) sein , der  nur  unter  den  abweichenden  klimatischen  Be- 
dingungen der  Nordsee  so  wesentlich  weiter  verwittert  sei,  als  die 
gewöhnliche  Obere  Moräne  hinter  (östlich)  der  großen  Endmoräue, 
seiner  anscheinenden  Beweiskraft  entkleidet  würde. 

Diesen  bis  dahin  fehlenden  Schlußpunkt  des  hier  an  dieser 
Stelle  besonders  nötigen  und  wichtigen  einwandfreien  Beweises 
glaube  ich  in  der  völlig  frischen,  z.  T.  noch  blaugrauen 
Moräne  des  Emmerleff-Kliff  an  eben  derselben  feuchten  Nordsee- 
küste und  nur  25  km  vom  Boten  Kliff  entfernt  gefunden  zu  haben 
und  habe  als  Verstärkung  des  so  von  mir  m.  E.  schlüssig  ge- 
machten Beweises  nebenher  noch  die  anscheinend  abweichende 
Geschiebeführung  des  Emmerleff-Kliff,  die  Führung  einer  großen 
Untereocänscholle  und  das  anscheinende  Fehlen  norwegischer 
Geschiebe,  von  denen  ich  bei  zweistündigem  Suchen  keins  ge- 
f u n d e n hätte  ’,  herangezogen. 

In  seiner  letzten  Arbeit  über  Sylt1 2  sucht  nun  Herr  Stoli.ey 
aus  der  Gescliiebefiihrung  der  Emmerleff-Kliff-Moräne,  die  „neben 
reichlichem  baltischen  -Material,  einigen  Schonensclien 
Basalten  und  mehreren  einheimischen  Geschieben  zwei  Khombeu- 
porphyre,  einen  norwegischen  Blauquarz,  mehrere  typische  Porphyre 
aus  Dalarne,  zahlreiche  Dalasandsteine  und  Quarzite  und  einige 
mittelschwedische  Urkalke“  enthält,  zu  beweisen,  daß  diese  Emmer- 
leff-Kliff-Moräne ebenfalls  Moräne  der  Haupteiszeit  sei  und  knüpft 
daran  eine  seiner  beliebten  Polemiken  gegen  mich,  in  der  er  die 
Beweiskraft  der  verschiedenen  Verwitterungstiefe  bei  verschiedenen 


1 Aus  dieser  sehr  vorsichtigen  Angabe  von  mir  ist  dann  später  leider 
die  Behauptung  konstruiert  worden , norwegische  Geschiebe  seien  am 
Emmerleff-Kliff  nicht  vorhanden. 

2 Stolle y,  Nochmals  das  Quartär  und  Tertiär  von  Sylt.  N.  Jabrb. 
f.  Min.  etc.  1912.  p.  154  ff. 


der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  etc. 


217 


Moränen  zwar  nicht  ganz  leugnet,  aber  docli  erheblich  abzuschwächen 
sucht.  Merkwürdigerweise  führt  Herr  Stolley  mich  und  mein 
energisches  Eintreten  für  eine  dreimalige  Vereisung  Norddeutsch- 
lands als  erwünschte  Stütze  seiner  Auffassung  vom  Sylter  Diluvium 
an  und  übersieht  dabei  doch  völlig,  daß  er  mit  dieser  ganz  un- 
nötigen und  unzutreffenden  Polemik  den  Hauptstützpunkt  meiner 
(und  seiner)  Auffassung  selbst  zu  untergraben  trachtet  und  daß, 
wenn  diese  seine  Polemik  und  Argumentation  richtig  wäre , er 
überhaupt  gar  keine  schlüssigen  Beweise  für  seine  Auf- 
fassung vom  Sylter  Diluvium  hätte. 

Ich  muß  hier  zunächst  nun  wiederum  feststellen,  daß  Herr 
Stolley  auch  hier,  wie  schon  öfter,  über  eine  Frage  urteilt,  ohne 
die  wichtigste  und  wesentlichste  Literatur  dazu  zu  kennen  oder  — 
was  noch  bedenklicher  wäre  — ohne  sie  zu  beachten. 

Schon  Zeise  1 hat  in  seiner  Doktordissertation  nachgewiesen, 
daß  — im  großen  und  ganzen  betrachtet  — der  Obere  und  der 
Untere  Geschiebemergel  (O.G.  und  U.G.)  sich  in  ihrer  Gesell  iebe- 
führung  nicht  wesentlich  unterscheiden  und  Zeise’s  Beweis  wird 
heute  noch  wesentlich  schlüssiger  als  zur  Zeit  seiner  Erhebung, 
da  ein  Teil  der  von  Zeise  als  U.G.  betrachteten  Vorkommen  sich 
ebenfalls  noch  als  O.G.  erwiesen  hat  (z.  B.  Fehmarn). 

Ferner  hat  J.  Kork2  auf  Grund  sehr  sorgfältiger  und  um- 
fangreicher Aufsammlungen  im  O.G.  und  U.G.  bei  Otersen — - Glinde — 
Schulau  unterhalb  Hamburg  mit  Sicherheit  festgestellt : 1 . daß 
dort  im  Unterelbegebiet  gerade  die  von  Stolley  als  für  U.G.  so 
besonders  charakteristisch  betrachteten  Rhombenporphyre  und  Da- 
larne-Gesteine  im  Oberen  Geschiebemergel  viel  häufiger  Vor- 
kommen als  im  U.G.  (6,3  °/o  und  33  °/o  im  O.G.  gegen  <»,7°/o 
und  20°/o  im  U.G.),  2.  aus  Aufsammlungen  meiner  Kollegen  im 
Osten  Holsteins  des  weiteren  festgestellt,  daß  auch  dort  — viel 
weiter  im  Osten  — die  Ansicht  Stolley’s,  daß  die  Rhomben- 
porphyre dem  Oberen  Geschiebemergel  fehlen,  ebenfalls  sicher 
unzutreffend  ist,  und  auf  mangelhafter  Beobachtung  beruht. 

Endlich  habe  ich  selbst  schon  vor  Jahren,  und  zwar  an  mög- 
lichst kenntlicher  und  kaum  übersehbarer  Stelle3  den  Nachweis 
geführt,  daß  im  alleräußersten  Osten  Holsteins  unter  10u20'  ö.  L., 
am  Ostkliff  von  Fehmarn,  im  zweifellos  Oberen  Geschiebe- 
mergel, der  hier  die  typische  Grundmoränenebene  hinter  der  großen 

1 0.  Zeise,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  Ausbreitung  sowie  besonders 
der  Bewegungsrichtungen  des  Inlandeises  in  diluvialer  Zeit.  Königs- 
berg i.  Pr.  1889. 

2 ln  H.  Schröder  und  J.  Stoller,  Diluviale  marine  und  Süßwasser- 
Schichten  bei  Ütersen — Schulau.  Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1906. 
27.  p.  473—479. 

3 C.  Gagel,  Geologische  Notizen  von  der  Insel  Fehmarn  und  aus 
Wagrien.  I.  Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1905.  26.  p.  255 — 259. 


218 


C.  Gagel,  Ueber  (las  Alter 


Endmoräne  bildet  und  wundervoll  aufgeschlossen  ist,  fast  genau 
dieselbe  Geschiebevergesellscliaftung  vorhanden  ist,  wie  sie  Stolley 
jetzt  vom  Emmerletf-Kliff  anführt  und  als  Beweis  für  U.G.  benutzen 
will,  nämlich  reichliche  Rhombenporphyre  und  Ostseegesteine, 
Dalarnegesteine  (Venjanporphyrit,  Bred  wadporphyr,  Elfdalenporphyr), 
Paskalawikporphyr  und  Basalt  etc.,  daneben  noch  Ramsaasakalk 
und  Faxekalk.  Das  reichliche  Vorkommen  von  Rhomben- 
porphyren auf  Fehmarn  ist  schon  von  Zeise  festgestellt,  und  zwar 
das  von  großen  geschliffenen  Geschieben  (nicht  etwa  von 
kleinen,  verrollten  Gerollen)  ebenso  wie  von  mir  (z.  T.  in  Gemein- 
schaft mit  meinen  Kollegen  Schröder  und  Schmierer).  Wie  diese 
norwegischen  Leitgeschiebe  in  solcher  Anzahl  und  so  weit  nach 
Osten  kommen  — östlicher  als  ihr  Ursprungsgebiet  — 
ist  völlig  rätselhaft,  aber  es  ist  eine  Tatsache. 

Es  ist  also  durch  vielfache  tatsächliche  und  kontrollier- 
bare Beobachtungen  sehr  verschiedener  Forscher  erwiesen , 
und  zwar  schon  lange  erwiesen,  daß  die  von  Stolley  hartnäckig 
verteidigte  Ansicht  von  der  Beschränkung  der  Rhomben porphyre 
auf  den  U.G.  und  von  der  angeblich  für  deu  U.G.  charakteristischen 
Vergesellschaftung  von  norwegischen  und  mittelschwedischen  Ge- 
schieben weder  für  den  Westen  noch  den  Osten  der  Cimbrisclien 
Halbinselzutreffend  ist,  sondern  sogar  anscheinend  mehr  für 
den  O.G.  zutrifft,  und  trotzdem  bringt  Herr  Stolley  dieses  längst 
abgetane  Argument  als  Beweis  für  U.G.  immer  wieder  vor  und 
benutzt  es  sogar  als  polemisches  Mittel  gegen  meine  ganz  anders 
begründeten  und  bisher  nicht  widerlegten  Anschauungen  vom  Alter 
der  Emmerleff-Kliff-Moräne. 

Gegen  die  Wichtigkeit  der  Verwitterungsmächtigkeit  für  die 
Beurteilung  der  Altersverhältnisse  der  Moränen,  mit  der  ich  meinen 
Beweis  geführt  zu  haben  glaube,  bringt  zwar  Herr  Stotley  kein 
einziges  Argument  vor,  sondern  beschränkt  sich  nur  auf  die  be- 
weislose Anführung  seiner  erheblich  abweichenden  Überzeugung  — 
will  aber  in  demselben  Atemzug  für  sich  als  Ersten  das  Verdienst 
in  Anspruch  nehmen,  auf  die  Wichtigkeit  dieser  Verhältnisse  unter 
bestimmten  Umständen  hingewiesen  zu  haben,  was  aber  tatsächlich 
auch  nicht  der  Fall  ist,  denn  als  zweifellos  Erster  in  Norddeutsch- 
land hat  lange  vor  Stolley  (1883)  Jentzsch  auf  die  inter- 
glazialen Verwitterungszonen  hingewiesen,  was  Herr  Stolley  auch 
wieder  nicht  zu  kennen  scheint. 

Ich  bin  natürlich  nicht  so  unbedacht,  jede  Moräne  mit  ge- 
ringer Verwitterungsrinde  ohne  weiteres  deshalb  als  Oberen  Ge- 
schiebemergel zu  betrachten,  wie  Herr  Stolley  anzunehmen  scheint, 
und  ich  bin  mir  natürlich  völlig  darüber  klar,  daß  so  unter  Um- 
ständen auch  Moränen  der  Haupteiszeit  beschaffen  sein  können, 
deren  vermutlich  sehr  mächtige  Verwitterungsrinde  dann  größten- 
teils zerstört  sein  würde  — was  schon  ans  meiner  oben  zitierten 


der  Moräne  am  Einmerleff-Klifi  etc. 


219 


Arbeit  zur  Genüge  hervorgeht  — , aber  es  müßten  dann  doch 
Anzeichen  derartiger  energischer  Denudations-  und  Erosions- 
wirkungen nachweisbar  seiu,  was  am  Emmerletf-Kliff  keineswegs 
der  Fall  ist,  das  in  fast  völlig  ebener  Landschaft  mit  ganz  ge- 
ringen Niveaudifferenzen  gelegen  ist , wo  keinerlei  energische 
Erosions-  oder  Denudationsfaktoren  bezw.  -Wirkungen  nachweisbar 
sind,  ebensowenig  wie  am  Roten  Kliff,  wo  diese  kolossale  Ver- 
witteruugszone  erhalten  ist. 

Dagegen  betrachte  icli  das  entgegengesetzte  Argument,  die 
vorhandene,  sehr  mächtige  Verwitterungszone,  allerdings  als 
völlig  sicher  beweisend  für  ältere  Eiszeiten. 

Überall,  von  Ostpreußen  durch  Pommern,  die  Mark,  Mecklen- 
burg, bis  ins  äußerste  Schleswig-Holstein,  zeigt  der  sichere  Obere 
Geschiebemergel  hinter  dem  Hauptendmoränenzug  und  noch  be- 
trächtlich vor  diesem  eine  ganz  geringe  Verwitterung  von  f bis 
höchstens  lf  m Mächtigkeit,  abgesehen  von  einem  ganz  lokalen 
Vorkommen  in  Hinterpommern,  wo  die  Verwitterung  stellenweise 
auf  3 ja  bis  4 m steigt. 

An  recht  verschiedenen  Stellen  in  Schleswig-Holstein  ist  nun 
unter  diesem  völlig  frischen  Diluvium  eine  8 — 12  ja 
bis  20  m mächtige  ältere  Verwitterungszone  nachgewiesen,  die  die 
postglaziale  Verwitterungskruste  6 bis  fast  10  mal  an  Stärke  und 
an  Intensität  der  Zersetzung  übertrifft1. 

Im  Westen  Schleswig-Holsteins  kommt  ferner  an  verschiedenen 
Stellen  unmittelbar  neben  dem  völlig  frischen  jungen  Diluvium 
diese  sonst  darunter  liegende  mächtige  Verwitterungszone  zutage 
(ebenda  p.  249)  — ich  weiß  nicht,  wie  man  diese  völlig  klaren 
Verhältnisse  bei  dem  Mangel  aller  beobachtbaren  anormalen  Er- 
scheinungen und  Bedingungen  anders  deuten  kann  als  so,  daß  die 
sonst  unter  dem  frischen  jungen  Diluvium  liegende  ältere  — oft 
intensiv  braunrote  bis  rostrote  — Verwitterungszone  (die  z.  T.  in 
Verbindung  mit  interglazialen  Pflanzenlagern  mit  Arten  sehr  ge- 
mäßigten Klimas  steht),  hier  im  äußersten  Westen,  wo  das  frische 
junge  Diluvium  sein  Ende  erreicht,  in  die  Höhe  kommt. 

Daß  alle  etwa  denkbaren  anormalen  Verhältnisse  und  Be- 
dingungen für  eine  etwa  vorhanden  gewesene  und  ungewöhnlich 
starke  postglaziale  Verwitterung  in  diesen  westlichen  Gebieten 
fehlen,  dafür  gibt  es  eben  nur  den  einen,  zwingenden  Be- 
weis dadurch,  daß  tatsächlich  ganz  frische,  also  junge  Moränen, 
z.  T.  unmittelbar  neben  den  ganz  verwitterten  liegen  — bei 
Fehlen  aller  Denudations-  und  Erosionserscheinungen. 


’ C.  Gagel,  Die  Gliederung  des  schleswig-holsteinischen  Diluviums. 
Jahrb.  d.  pr.  geol.  Landes-Anst.  1910.  31.  2.  Teil,  p 248.  — Über  inter- 
glaziale Verwitterungszonen  in  Schleswig-Holstein.  Zeitschr.  d.  Deutsch, 
geol.  Gesellsch.  62.  1910.  p.  322—325. 


220 


C.  Gagel,  Ueber  das  Alter 


Wirkliche  Gründe  gegen  diese  Auffassung,  wonach  die  Einmer- 
leff-Kliff-Moräne  Oberer  Geschiebemergel  sein  muß,  hat  Herr 
Stolley  überhaupt  nicht  angeführt  außer  der  angeblich  mit  Oberem 
Geschiebemergel  unvereinbaren  Geschiebeführung,  deren  Wert  oben 
beleuchtet  ist;  und  andere  Gründe  für  das  altdiluviale  Alter 
der  Roten  Kliff-Moräne  auf  Sylt  als  eben  dieselbe  Geschiebe- 
führung, die  aber  auch  für  den  Oberen  Geschiebemergel  bei 
Ütersen — Schulau  und  auf  Fehmarn  erwiesen  ist,  führt  Herr 
Stolley  nicht  an. 

Herr  Stolley  will  also  diese  beiden,  so  dicht  beieinander- 
liegenden  Moränen,  die  so  völlig  verschieden  erhalten 
sind,  für  gleich  alt  erklären  auf  Grund  einer  lange  als  falsch 
erwiesenen  Voraussetzung  und  wundert  sich  dann  noch,  daß 
Geinitz  und  Wolff  seine  Argumentation  nicht  für  beweisend  halten 
und  an  seine  Diluvial-Gliederung  auf  Sylt  nicht  glauben. 

Ich  möchte  hinzufügen,  daß  auf  Föhr,  dicht  südlich  von  Sylt, 
die  Gegensätze  zwischen  der  völlig  frischen  jungen  und  der  völlig 
zersetzten  alten  Moräne  noch  viel  schärfer  aneinanderstoßen  — auf 
1,5  km  bei  der  Laurentikirche  und  bei  Borgs  um  1 — als  auf  Sylt 
und  Emmerleff-Kliff  und  daß  die  Geschiebeführung  dort  auch  an- 
scheinend dieselbe  ist. 

Das  m.  E.  einzig  beweisende  und  jedenfalls  bisher  nicht  wider- 
legte Argument  für  das  hohe  Alter  der  Roten  Kliff-Moräne  lehnt 
Herr  Stolley  also  ab  — ohne  diese  Ablehnung  objektiv  zu  be- 
gründen — und  führt  statt  dessen  immer  wieder  ein  Argument 
an,  das,  wenn  es  richtig  wäre,  das  Gegenteil  von  dem  be- 
weisen würde,  was  Herr  Stolley  damit  bezweckt  und  zu  beweisen 
wünscht. 

Tatsächlich  hat  ja  auch  schon  seit  Meyn’s  Zeiten  lange  die 
Meinung  geherrscht  und  wird  z.  T.  heute  noch  vertreten,  daß  die 
Hauptmoräne  des  Roten  Kliff  Oberer  Geschiebelehm  sei,  und  zu- 
erst ist  Zeise  in  seiner  Doktordissertation  (1.  c.)  dieser  Auffassung 
energisch  entgegengetreten,  allerdings  mit  Gründen,  die  wir  heute 
großenteils  nicht  als  zutreffend  oder  zwingend  mehr  anerkennen. 

Ziehend  von  den  ZEisE’schen  Argumenten  ist  m.  E.  heute  eben 
nur  noch  das  von  ihm  zuerst  beobachtete,  fast  völlige  Fehlen  von 
Kalk-  und  Kreidegeschieben,  also  die  nahezu  völlige  Verwitterung 
der  bis  20  m mächtigen  Moräne,  die  nur  an  ihrer  mächtigsten 
Stelle  bei  Kämpen  am  Grunde  noch  eine  kleine  unverwitterte  Partie 
enthält. 

Die  Mitwirkung  Zeise’s  an  der  Aufklärung  der  Sylter  Ver- 
hältnisse ist  von  Stolley  ebenso  unbeachtet  und  unerwähnt  ge- 
lassen wie  die  meine  (1.  c.  p.  164),  wo  Stolley  zwar  die  Auf- 


1 Haeberlin,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Diluviums  auf  Föhr.  Zeitschr. 
d.  Deutsch,  geol.  Gesellsch.  1911.  p.  587. 


der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  etc. 


221 


fassnng  Wolff’s,  als  ob  nur  eine  Moräne  am  Roten  Kliff  vor- 
handen sei,  energisch  bekämpft,  aber  mit  keinem  Wort  erwähnt, 
daß  ich  schon  vor  zwei  .Jahren  die  Auffassung  Wolff’s  mit  sehr 
zwingenden  Gründen  widerlegt  habe  (Zeitschr.  d.  Deutsch,  geol. 
Gesellsch.  62.  1910.  p.  81 — 84),  was  besonders  bei  Herrn  Stolley, 
der  aus  dem  Übersehen  selbst  ganz  versteckter  Notizen  seiner 
eigenen  Arbeiten  die  unerquicklichsten  Polemiken  herleitet,  einiger- 
maßen sonderbar  anmutet. 

Dieses  Argument,  das  sich  implicite  aus  Zeise’s  Beobachtungen 
ergibt  — die  fast  völlige  Verwitterung  der  sehr  mächtigen  Mo- 
räne — hat  man  verschiedentlich  abzuschwächen  gesucht  mit  dem 
Hinweis  auf  das  sehr  feuchte  Nordseeklima  und  das  Sprühwasser 
der  Brandungsgischt,  die  diese  so  ungewöhnlich  mächtige  Ver- 
witterung bedingt  haben  sollen,  und  mit  der  Behauptung,  die  Haupt- 
moräne des  Roten  Kliffs  sei  ganz  ungewöhnlich  sandig  und  daher 
so  sehr  stark  verwittert,  was  aber  tatsächlich  nicht  der  Fall  ist. 
Die  Rote  Kliff-Moräne  ist  größtenteils  ganz  normal  lehmig 
und  gar  nicht  besonders  wasserdurchlässig,  wie  ich  schon  mehrfach 
betont  habe. 

Das  einzige,  gegen  diese  Ansicht  und  Begründung  von  dem  jungen 
Alter  der  Sylter  Hauptmoräne  vorgebrachte  und  m.  E.  schlagende 
Argument  ist  meine  Beobachtung  der  ganzfrischen  Moräne  unte  r 
denselben  Bedingungen  des  Nordseeklimas  dicht  dabei  am 
Emmerleff-Kliff,  die  obenein  als  besonders  charakteristisch  die 
Untereocänscholle  führt,  ein  Umstand,  der  schon  vielfach  in  Holstein 
und  Schleswig  im  sicheren  Oberen  Geschiebemergel,  aber  noch 
niemals  im  sicheren  Unteren  Geschiebemergel  beobachtet  ist;  und 
auch  in  der  Sylter  Hauptmoräne,  die  so  viel  fremde  große  Schollen 
enthält,  fehlt,  soviel  bis  jetzt  bekannt,  das  Untereocän. 

Wenn  Herr  Stolley  also  mit  ruhiger  Überlegung  und  mit 
der  nötigen  Kenntnis  der  einschlägigen  Literatur  an  die  erneute 
Diskussion  der  auch  nach  meinem  Dafürhalten  besonders  wichtigen 
Sylter  Verhältnisse  herangegangen  wäre,  so  wäre  er  wohl  zu 
anderen  Resultaten  gekommen  und  wäre  vor  seinen  völlig  hin- 
fälligen Schlüssen  und  seiner  ganz  gegenstandslosen  und  über- 
flüssigen Polemik  bewahrt  geblieben. 

Nach  meinen  nunmehr  12jälirigen  Erfahrungen  in  ganz  Schles- 
wig-Holstein scheint  die  einzige,  einigermaßen  sichere  Tatsache  in 
bezug  auf  die  Geschiebeführung  von  O.G.  und  U.G.  der  ganz  auf- 
fällig hohe  Kalk-(Kreide-)Gehalt  der  oberen  Grundmoräne  zu  sein, 
der  stets  sehr  viel  höher  zu  sein  scheint  als  der  der  älteren  Ge- 
schiebemergel, sowie  der  Gehalt  an  verschleppten  Tertiär-  (vor 
allem  Untereocän)  Schollen  in  der  oberen  Grundmoräne  (vergl. 
auch  die  Erläuterungen  zu  Blatt  Kiel.  Berlin  1912). 

Ich  habe  diese  anscheinend  durchgehende  Tatsache  mit 
den  interglazialen  tektonischen  Störungen  in  Beziehung  gebracht. 


222 


C.  Gagel.  Ueber  das  Alter 


die  die  bis  dahin  tief  begrabenen  älteren  Schichten  plötzlich  in 
die  Höhe  brachten  und  den  Angriffen  des  letzten  Inlandeises  aus- 
setzten. Diese  Tatsache  in  Holstein  wird  bestätigt  durch  die 
Beobachtungen  von  Korn  und  Jentzsch  aus  Ost-  und  Westpreußen, 
wo  ebenfalls  die  oberste  Moräne  erheblich  kreidereicher  ist.  Ob 
sie  eine  wirklich  durchgehende,  unverbrüchliche  Kegel  darstellt, 
wird  sich  hoffentlich  bei  der  Untersuchung  der  sehr  zahlreichen 
Geschiebemergelproben  am  Kaiser- Wilhelm-Kanal  mit  größerer 
Sicherheit  ergeben. 

Im  übrigen  kennen  wir  im  wesentlichen  denselben  Ge- 
schiebeinhalt jetzt  aus  allen  drei  Moränen  und  aus  allen 
Gegenden  Schleswig-Holsteins  und  Jütlands1,  und  alle  Angaben 
über  die  absolute  Beschränkung  gewisser  Geschiebe  (besonders  der 
norwegischen)  auf  bestimmte  Horizonte  (U.G.)  oder  bestimmte 
Gebiete  (den  Westen  des  Landes)  sind  jetzt  schon  als  falsch 
erwiesen,  als  vorschnelle  Verallgemeinerungen  unvollständiger  Be- 
obachtungen. 

Aus  den  relativen  Mengungsverhältnissen  der  norwegischen, 
mittelschwedischen  und  baltischen  Geschiebe  in  bestimmten  Moränen 
einen  Schluß  auf  ihr  Alter  zu  ziehen,  dazu  sind  die  vorhandenen 
Beobachtungen  erst  reclit  viel  zu  lückenhaft  und  obenein  viel  zu 
sehr  von  Zufälligkeiten  der  gerade  vorhandenen  Aufschlüsse  ab- 
hängig und  auch  hier  kann  man  jetzt  schon  sagen,  daß  gewisse 
mit  Vorliebe  festgehaltene  Vorstellungen  von  den  Bewegungs- 
richtungen des  Inlandeises  in  den  verschiedenen  Eiszeiten  sicher 
nicht  zutreffend  sind. 

Das  sicher  erwiesene,  relativ  häufige  Vorkommen  großer, 
geschliffener  Rhombenporphyrgeschiebe  im  sicheren  Oberen 
Geschiebemergel  der  Fehmarner  Ostkliffs  von  Marienleuchte  bis 
südlich  Gahlendorf  — also  östlicher  als  ihr  Heimatsgebiet  — ist 
eine  mit  diesen  ziemlich  allgemein  verbreiteten  Anschauungen  über 
die  vorwiegende  NS. -Bewegung  während  der  Haupteiszeit  und 
den  vorwiegend  baltischen  Eisstrom  zur  letzten  Eiszeit  - — beson- 
ders am  Schlüsse  derselben  — völlig  unvereinbar  und  zeigt,  daß 
unsere  Kenntnisse  in  dieser  Beziehung  noch  in  den  ersten  An- 
fängen stecken. 

Erheblich  westlicher,  in  der  Gegend  von  Kiel  und  Ratzeburg, 
sind  diese  Rhombenporphyre  offensichtlich  ganz  wesentlich  seltener 
und  auch  viel  kleiner,  was  nach  unseren  bisherigen  Anschauungen 

1 Sehr  interessant  und  lehrreich  in  dieser  Beziehung  siud  die  alten 
und  sehr  sorgfältigen  Geschiebezählungen  des  ausgezeichneten  Geologen 
Forchhammer.  die  leider  wegen  der  schwer  zugänglichen  Stelle  ihrer  Ver- 
öffentlichung ganz  in  Vergessenheit  geraten  sind  und  der  heutigen  Gene- 
ration völlig  unbekannt  zu  sein  scheinen.  Forchhammer:  .Die Bodenbildung 
der  Herzogtümer  Schleswig-Holstein  und  Lauenburg.“  Festgabe  für  die 
Versammlung  Deutscher  Landwirte  in  Kiel  1847.  p.  22. 


der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  etc. 


223 


über  die  Eisbewegung  eine  ganz  unverständliche  Anomalie  be- 
deutet. 

Wenn  in  einem  en  gb  egre  n z ten  Gebiet  zwei  übereinander- 
liegende Moränen  einen  so  verschiedenen  Geschiebeinhalt  haben, 
wie  die  unterste  und  die  Hauptmoräne  von  Sylt,  so  wird  man  das 
wohl  als  Argument  (neben  anderen,  wichtigeren)  für  ihr  verschie- 
denes Alter  verwenden  dürfen;  solche  Resultate  aber  auf  größere 
Entfernungen  zu  verallgemeinern,  ist  nach  unseren  jetzigen  Kennt- 
nissen schon  absolut  unzulässig. 

Ich  möchte  z.  B.  daran  erinnern,  daß  der  Unterste  Geschiebe- 
mergel unter  dem  letzteii  Interglazial  in  Skerumhede  in  Jütland 
zwar  ostbaltische  Geschiebe  führt1,  aber  keine  norwegischen  und 
nordöstlichen  Geschiebe,  also  einen  völlig  anderen  Geschiebeinhalt, 
hat  als  die  Hauptmoräne  von  Sylt  und  Hamburg,  trotzdem  Skerum- 
hede viel  nördlicher  (näher  dem  Christianafjord)  liegt  als  Sylt  und 
Hamburg. 

Ebenso  hat  schon  Forchhamjier  festgestellt  (1.  c.  p.  23),  daß 
auch  oberflächlich  die  Rhombenporphyre  nördlich  vom  Oddesand 
ganz  plötzlich  rapide  abnehmen,  während  sie  weiter  südlich  reich- 
lich vorhanden  sind. 

Das  ist  eine  ebenso  schwer  erklärliche  „Anomalie“  wie  die 
zahlreichen  Rhombenporphyre  im  Osten  von  Fehmarn  im  jüngsten 
Geschiebemergel  und  beweist  die  Notwendigkeit  äußerster  Vorsicht 
in  allen  diesbezüglichen  Schlüssen. 

Dagegen  ist  das  von  mir  herangezogene  Argument  für  das 
verschiedene  Alter  von  Emmerleff-Klift-  und  Roten  Kliff-Moräne  — 
die  lOfach  so  tief  gehende  Verwitterung  in  letzterem  — jetzt 
nicht  nur  an  dieser  Stelle,  sondern  auch  noch  von  verschiedenen 
anderen  Stellen  Schleswig-Holsteins,  Nordhannovers  und  der  Lau- 
sitz in  derselben  Weise  bekannt  geworden,  z.  B.  von  Föhr,  von 
Siiderstapel,  von  Elmshorn  und  von  der  Gegend  von  Ütersen- 
Schulau  bei  Hamburg ; und  von  der  letzten  Stelle  ist  es  auch 
stratigraphisch  durch  Kartierung  erwiesen  (siehe  die  erwähnte 
Arbeit  von  Schröder  und  Stoeler),  daß  die  außerordentlich  tief- 
gründig und  intensiv  verwitterte  (ferrettisierte)  Moräne  die  ältere 
ist,  weniger  norwegische  Geschiebe  enthält,  unter  der  jungen 
Moräne  der  letzten  Eiszeit  mit  den  zahlreichen  norwegischen 
Geschieben  liegt , und  obenein  noch  von  verschiedenen  sicheren 
Interglazialbildungen  bedeckt  wird2. 

Wer  trotz  dieses  m.  E.  jetzt  völlig  schlüssigen  Beweises  durch 
die  verschiedenen  Verwitterungsmächtigkeiten  im  bewiesenen 

1 Jessen,  Milthers,  Nordmann,  Herzog,  Hartz:  En  Boring  gennem 
de  kwartäre  Lag  ved  Skerumhede.  Danmarks  geol.  Unders.  II  R.  No.  25. 

2 Vergl.  auch  eine  im  Druck  befindliche  Arbeit:  C.  Gagel,  Das 
Ratzeburger  Diluvialprofil  und  seine  Bedeutung  für  die  Gliederung  des 
Diluviums.  Jahrb.  pr.  geol.  L.-A.  für  1913.  I.  1. 


224 


[Besprechungen.  — Miscellanea.  — Personalia. 


O.G.  und  U.G.  nicht  von  dem  verschiedenen  Alter  der  beiden 
Moränen  am  Emmerleff-Kliff  und  am  Roten  Kliff  überzeugt  ist,  für 
den  ist  tatsächlich  der  Beweis  für  das  höhere  Alter  der  Roten 
Kliff-Moräne  überhaupt  nicht  zu  führen,  der  muß  sie  dann  auch 
folgerichtig  beide  für  dasselbe,  für  Oberes  Diluvium  halten  bezw. 
kann  das  ganze  Diluvium  für  eine  einheitliche  Ablagerung  ansehen. 

Berlin,  den  16.  November  1912. 


Besprechungen. 

Karl  Anton  Henniger:  Die  Metalle  nach  York  om- 
ni e n . G e w innu  n g , Y e r w e n d u n g und  wirtschaftliche r 
Bedeutung.  Leipzig  bei  Theod.  Thomas,  o.  .T.  223  p.  Mit 
22  Abbildungen  im  Text. 

Das  Bändchen,  No.  17 — 21  der  naturwissenschaftlich-tech- 
nischen Yolksbücherei  der  deutschen  Naturwissenschaftlichen  Ge- 
sellschaft gibt  eine  kurze  Darstellung  der  bekannteren  Metalle  und 
ihrer  wichtigsten  Yerbindungen  hinsichtlich  ihres  Yorkommens, 
ihrer  Gewinnung  und  ihrer  Verwendung.  Es  ist  für  das  große 
Publikum  bestimmt  und  daher  in  allgemein  verständlicher  Weise 
abgefaßt,  ohne  eingehendere  und  spezielle  naturwissenschaftliche 
Kenntnisse  vorauszusetzen.  Auch  die  Glasfabrikation , das  Löten 
der  Metalle  und  das  Färben  und  Patinieren  derselben  sind  in  be- 
sonderen Abschnitten  berücksichtigt.  Einige  statistische  Mitteilungen 
bilden  den  Schluß.  Max  Bauer. 


Miscellanea. 

Ferienkurse  Jena.  Vom  4. — 16.  Aug.  1913.  (Für  Damen 
und  Herren.) 

Diese  Kurse  finden  in  diesem  Jahre  zum  25.  Mal  statt. 

Es  werden  im  ganzen  mehr  als  50  verschiedene  Kurse  ge- 
halten, meist  zwölfstündige. 

Naturwissenschaftliche  Abteilung:  Naturphilosophie; 
Botanik;  botanisch-mikroskopisches  Praktikum;  Zoologie;  zoo- 
logisches Praktikum;  Astronomie;  Mineralogie;  Chemie;  Physik; 
Physiologie ; physiologische  Psychologie. 

Ferner  sei  auf  die  pädagogischen , literaturgeschichtlichen, 
religionswissenschaftlichen  und  staatswissenschaftlichen  Kurse  hin- 
gewiesen. 

Ausführliche  Programme  sind  kostenfrei  durch  das  Sekretariat 
der  Ferienkurse  (Jena,  Gartenstraße  4)  zu  haben. 

Personalia. 

Gestorben:  Prof.  Dr.  Georg  Böhm  in  Freiburg  i.  Br.  am 
18.  März  1913. 


F.  Grünling,  Maucherit  Ni,  As,,  ein  neues  Nickelmineral  etc.  225 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Maucherit  Ni3  As,,  ein  neues  Nickelmineral  aus  den  Kobalt- 
rucken des  Mansfelder  Kupferschiefers. 

Von  F.  Grünling,  München. 

(Vorläufige  Mitteilung.) 

Im  Januar  vorigen  Jahres  erhielt  das  mineralogische  Institut 
■der  Ivgl.  Universität  hier  vom  Inhaber  der  süddeutschen  Mineralien- 
zentrale, Henm  Dipl. -Ing.  W.  Maucher,  hier,  eine  Anzahl  Stufen 
I eines  unbekannten  Minerals  zur  näheren  Untersuchung.  Herr 
Maucher  hielt  das  Mineral  zuerst  für  Bammelsbergit,  da  die 
äußeren  Merkmale  mit  dessen  Beschreibung  völlig  übereinstimmen. 
Bald  erkannte  er  aber  auf  Grund  des  anderen  Lötrohrverhaltens, 
daß  ein  neues  Mineral  vorliegen  müsse.  Er  veranlaßte  zunächst 
im  hüttenmännischen  Institut  der  Kgl.  Technischen  Hochschule  zu 
Breslau  durch  Herrn  Professor  C.  Friedrich  eine  Bestimmung  der 
Hauptbestandteile  und  hierauf  im  Kgl.  Bayer.  Staatslaboratorium 
hier  durch  Herrn  Professor  Dr.  Prandtl  eine  Gesamtanalyse  des 
Minerals,  wodurch  mit  Sicherheit  festgestellt  war,  daß  es  sich 
um  eine  bisher  im  Mineralreich  nicht  bekannte  Nickelverbindung 
handle.  — Wegen  dringender  anderer  Arbeiten  konnte  die  nicht 
ganz  einfache  kristallographische  Untersuchung  des  Minerals  bisher 
nicht  ausgeführt  werden,  weshalb  ich  im  Nachstehenden  eine  Be- 
schreibung des  Minerals,  das  ich  mit  dem  Namen  seines  Entdeckers 
belege  und  Maucherit  nenne,  unter  Zurückstellung  der  Kristall- 
beschreibung folgen  lasse. 

Als  Fundort  für  das  neue  Mineral  wird  Eisleben  in  Thüringen 
angegeben.  Die  Mineralvergesellschaftung  läßt  erkennen,  daß  man 
es  mit  einem  Vorkommen  der  bekannten  Kobaltrücken  des  Kupfer- 
schiefergebiets zu  tun  hat.  Die  Begleiter  des  Maucherits  sind  nämlich 
Nickelin,  Chloanthit,  gediegen  Wismut,  Manganit,  Calcit,  Baryt, 
Anhydrit  und  Gips.  Das  Nebengestein  ist  Kupferschiefer,  z.  T. 
auch  Weißliegendes  oder  Fäule.  Als  älteste  Bildung  dieser  Bücken, 
das  sind  Gänge  von  kurzer  Erstreckung  im  Streichen  und  Fallen 
bei  einer  Mächtigkeit  von  wenigen  Millimetern  bis  etwa  20  cm, 
erweist  sich  Nickelin  in  dünnen  Krusten  zarter  spitzpyramidaler 
Kriställchen.  Dieser  Nickelin  erfüllt  auch  die  feinsten  Klüftclien 
des  Nebengesteins.  Hierauf  folgt  Calcit  in  Skaleuoedern,  mit  deren 
letzter  Wachstumsphase  die  Bildung  des  Maucherits  zusammenfällt, 
so  daß  beim  Auslösen  des  Calcits  die  Negative  der  Skalenoeder 
in  der  Maucheritmasse  sichtbar  werden.  Dann  folgt  rötlicher 
Baryt  in  rechteckigen  Tafeln,  die  auch  etwas  in  den  Maucherit 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  15 


226  F.  Grünling,  Maucherit  Ni3As2,  ein  neues  Nickelmineral  etc. 


hineinragen  und  deren  letzte  Bildungsphase  von  der  Ausscheidung 
der  Hauptmasse  des  Nickelins  begleitet  wird.  Dieser  jüngere 
Nickelin  tritt  in  parallelfaserigen  Krusten  und  in  stumpf- 
pyramidalen  Kristallen  auf,  die  nicht  selten  Durchkreuzungs- 
zwillinge nach  einer  Pyramidenfläche  oder,  wenn  rhombisch,  nach 
einer  Domenfläche  erkennen  lassen.  Auf  dem  Nickelin  findet  sich 
selten  gediegen  Wismut  in  kleinen  undeutlichen  Kriställchen  und 
manchmal  auch  dünne  Krusten  eines  zinnweißen  undeutlich  kri- 
stallisierten Minerals,  das  seinen  Lötrohrverhalten  nach  als  Chlo- 
anthit  anzusprechen  ist.  Auf  dem  Baryt  sitzen  manchmal  zarte 
Kristallbündel  von  Manganit.  Hierauf  folgt  wieder  Calcit  und  röt- 
licher, blätteriger  Anhydrit,  der  stellenweise  in  Gips  umgewandelt 
ist.  Die  Gänge  sind  fast  stets  völlig  geschlossen,  so  daß  die  Kri- 
stalle der  Erze  erst  nach  dem  Auslösen  des  Kalkspats  mit  H CI 
und  Ausstechen  des  Baryts  und  Anhydrits  sichtbar  werden. 

Der  Maucherit  zeigt  im  frischen  Bruch  rötlich  silberweiße 
Farbe,  die  sich  nach  einiger  Zeit  in  ein  rötliches  Platingrau  oder 
in  ein  graues  Kupferrot  ändert.  Die  derben  Massen  zeigen  un- 
deutlich faserige,  dichte  oder  zellige  Struktur.  Nicht  selten  sind 
die  Räume  zwischen  den  Fasern  oder  Blättern  mit  Nickelin  erfüllt, 
wie  auch  oft  die  Kristallblätter  ganz  mit  Nickelin  überwachsen 
sind.  Die  Kristalle  bilden  dünne,  stark  glänzende,  rechteckige 
Täfelchen  mit  zugeschärften  Kanten  von  1 bis  10  mm  im  Geviert 
und  sind  fast  stets  zu  quirlförmigen  Viellingen  gruppiert  dergestalt, 
daß  die  einen  Kanten  der  Quadrate  in  eine  Ebene  fallen,  die 
anderen  sich  parallel  laufen.  Die  Kanten  der  Kristallblättchen 
zeigen  eine  scharfe  Riefung.  Das  Kristallsystem  konnte  noch  nicht 
festgestellt  werden  ; wahrscheinlich  ist  es  tetragonal  oder  rhombisch. 
Die  Härte  ist  5.  Die  Dichte  ist  nach  der  Bestimmung  des 
Herrn  Professors  Dr.  Prandtl  bei  19°  C 7,83.  Der  Strich  ist 
schwärzlich  grau,  der  Bruch  uneben,  spröde. 

Im  geschlossenen  Röhrchen  ein  ganz  schwaches  Sublimat  von 
arseniger  Säure  gebend,  dekrepitiert  nur  ganz  wenig,  verändert 
die  Farbe  kaum.  Auf  Kohle  schmilzt  er  unschwer  zur  blanken 
Kugel,  die  im  Oxydationsfeuer  Arsenrauch  ausstößt  und  die  Kohle 
mit  As.,  03  beschlägt. 

Mit  Boraxglas  erhält  man  zunächst  die  Kobalt-,  dann  die 
Nickelperle. 

Die  chemische  Zusammensetzung  ist  gemäß  den 
Analysen  von  Friedrich  (I)  und  Praxiitl  (II): 


As 

S 

Ni 

Co 

Pb 

Fe 

Gangart  Summe 

Ni,  As, 

. . 46,00 

— 

54.00 

— 

— 

— 

— 100,00 

I . 

. . 45,66 

— 

49,51 

0.93 

— 

— 

- 96.10 

11  . . 

. . 43,67 

0,17 

52,71 

2,15 

0,20 

0,40 

0,40  99,70 

Sie 

entspricht 

also 

fast 

genau 

der 

Formel 

(Ni,  Co)3As,  und 

somit  der  Zusammensetzung  mancher  Nickelspeisen. 


V.  Schumoff-Deleano,  Einige  Versuche  etc. 


227 


Einige  Versuche  über  das  Zusammenkristallisieren  von 
Diopsid  und  Jadeit. 

Von  Vera  Schumoff-Deleano  (St.  Petersburg). 

Mit  1 Textfigur. 

C.  Hintze1  führt  in  seinem  Handbuche  Analysen  von  Jadeiten 
an,  deren  Gehalt  an  CaO  und  MgO  im  Maximum  bis  zu  14  bis 
15°/o  bezw.  8,62  o/0  beträgt.  Nur  wenige  Jadeite  scheinen  Ca-frei, 
aber  alle  enthalten  Mg  und  dieses  Element  in  um  so  größerer 
Menge,  je  geringer  der  Ca-Gehalt  wird.  MgO  wird  isomorph 
durch  FeO  vertreten.  Würde  man  aus  dem  CaO-  und  MgO-Gehalt 
auf  Beimengung  der  Diopsidkomponente  schließen,  so  käme  man 
mit  Vernachlässigung  der  Alkalien,  wenn  man  die  Rechnung  durch- 
führt, bei  z.B.  Analyse  XXII  auf  einen  Diopsidgehalt  von  4U — 42  °/o2, 
bei  Analyse  IX  auf  einen  Diopsidgehalt  von  nahezu  50°/o3. 

Schon  Kenngott4  wies  darauf  hin,  daß  der  Jadeit  sich  als 
ein  mit  Diopsid  gemengtes  Silikat  berechnen  lasse.  Die  Anwesen- 
heit von  Ca  0 und  Mg  0 dürfe  nicht  immer  auf  mechanische 
Beimengungen  zurückgeführt  werden. 

E.  Cohen  5 fand  stets  einen  Überschuß  an  Si  02  in  Jadeiten, 
auch  dann,  wenn  er  die  MgO  als  MgAl2Si06  und  RO  Si02  in 
Rechnung  brachte.  E.  Cohen  glaubte  daher,  daß  im  Jadeit  noch 
eine  kieselsäurereichere  Verbindung  existieren  müsse,  wie  etwa 
MgAl2Si40)2  oder  CaAl2Si4Ol2,  Verbindungen,  wie  sie  auch  zur 
Erklärung  des  Ägirinsilikates  angenommen  werden.  C.  Doelter6 
versuchte  zuerst  Jadeit  rein  darzustellen,  aber  ohne  Erfolg. 
Auch  Mischungen  von  NaFeSi206  mit  dem  Jadeitsilikat  kamen 
nicht  zur  Kristallisation.  Auch  bei  großem  Na-Gehalt  der  künst- 
lichen Pyroxenmischungeu  kristallisiert  nur  ein  Na-armer  oder  -freier 
Augit  aus.  Im  allgemeinen  beobachtete  C.  Doelter  ein  Anwachsen 
der  Auslöschungsschiefe  im  Diopsid  mit  Zunahme  des  A1203- 
Gehaltes. 

Die  monoklinen  Pyroxene  lassen  aus  ihren  optischen  Eigen- 
schaften Unterschiede  in  ihrer  chemischen  Zusammensetzung  erkennen. 
Der  Zusammenhang  ist  ein  sehr  verwickelter  und  es  ist  bisher  nicht 
gelungen,  alle  Grundverbindungen  mit  Sicherheit  zu  erkennen7. 

Die  Beimengung  des  MgO-  und  Fe  O-Gehaltes  im  Jadeitmolekül 
und  ihr  Einfluß  auf  die  optischen  Eigenschaften  des  letzteren 

1 C.  Hintze,  Handbuch  der  Mineralogie.  1897. 

3 Ca  0 = 1 1 °/o,  Mg  0 (+  Fe  0)  = 7,24  “/„. 

3 CaO  = 14,57 °/0,  MgO  (+  FeO)  = 14,11  o/o. 

4 Kenngott  (Übers,  min.  Forsch.  1862—65.  p.  199)  und  Hintze 
(Mineralogie.  II.  1898). 

5 E.  Cohen.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1884.  II.  p.  52. 

6 C.  Doelter,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1884.  II.  p.  63;  1885.  I.  p.  48. 

7 Fr.  Becke,  Optische  Eigenschaften  der  Silikate  in  C.  Doelter, 
i Handbuch  der  Mineralchemie.  II.  1.  1912. 


15* 


228 


V.  Sclmmoff-Deleano,  Einige  Versuche  über  das 


Minerals  sind  noch  nicht  studiert  und  eine  Abhängigkeit  ist  bisher 
noch  nicht  festgestellt  worden. 

Zwischen  Diopsid  und  gemeinem  Augit,  also  einem 
tonerdehaltigen  Gliede,  existieren  Mischungsglieder,  welche  durch 
Zunahme  des  Winkels  cy  von  40  — 90°  und  Verstärkung 
der  Doppelbrechung  ausgezeichnet  sind.  Ein  gesetzmäßiger 
Zusammenhang  fehlt  jedoch. 

Mischkristalle  von  Diopsid  und  Jadeit  herzustellen,  ist  noch 
nicht  versucht  worden,  obwohl  das  nahe  übereinstimmende  Mol. -Volu- 
men 72  bei  Diopsid  und  68  bei  Jadeit,  sowie  die  durch  Spaltbar- 
keit und  optische  Verhältnisse  bedingte  Verwandtschaft  der  beiden 
Pyroxene  die  Möglichkeit  einer  Mischkristallbildung  vermuten  ließ. 

Es  wurde  reinster  Jadeit  von  Tibet  gepulvert  und  in  kleinen 
Portionen  mit  künstlichem  Diopsid  aus  dem  Schmelzflüsse  aus- 
kristallisieren gelassen.  Der  zu  den  Versuchen  verwendete  Jadeit 
zeigte  in  einem  orientierten  Dünnschliff  010  eine  Auslöschungs- 
schiefe c y 33°  76'.  Bis  zu  einem  Zusatz  von  5°/'o  Jadeitsilikat 
zum  Diopsid  ergaben  sich  nach  zwölfstündiger  Auskristallisation 
nahezu  glasfreie  Kristalle  mit  einer  Auslöschungsschiefe  c y‘  39°; 
die  Doppelbrechung  der  Pyroxene  war  positiv.  Die  Lichtbrechung 
in  Jodmethylen  gemessen  nach  n,„  = 1,689.  Für  reinen  Diopsid 
wird  für  n„  = 1,70  angegeben.  Bei  mehr  als  5%  Jadeit  finden 
sich  zwischen  den  großen  Kristallen  noch  körnige  Kristalle  mit 
einer  Maximalauslösclmng  von  c y‘  zu  35°  und  38°  in  unregel- 
mäßiger Durchwachsung.  Die  Schmelzpunktbestimmung  ergab  In- 
homogenität, indem  sich  nach  der  C.  DoELTER’sclien  Methode  im 
Heizmikroskop  fand : 

Intervall  I 1150 — 1200°  für  die  kleinen  Kristalle, 

Intervall  II  1260 — 13"0°  für  die  großen  Individuen. 

Das  letztere  Intervall  stimmt  überein  mit  den  von  C.  Doelxer 
angegebenen  Schmelzpunkten  für  Diopsid  12s0 — 1310°  L 

Auch  die  folgenden  Versuche:  Diopsid  mit  10%  und  15% 
natürlichem  Jadeit,  ergaben  ein  ähnliches  Besultat.  Immer  fanden 
sich  (teilweise  neben  schon  viel  Glas  bei  Mischung  3)  neben  fast 
reinem  Diopsid  Kristalle  mit  einer  beträchtlich  kleineren  Aus- 
löschungsschiefe cy‘  bis  zu  35°,  welche  offenbar  als  Mischkristalle 
von  Diopsid  und  Jadeit  gedeutet  werden  müssen.  Diese  Misch- 
kristalle sind  später  erstarrt  als  die  Diopside  und  bilden  eine  Art 
Eutektikum ; denn  das  Schmelzintervall  der  leichter  schmelzbaren 
Zwischenmasse  war  wie  bei  Mischung  1 1150 — 1200°. 

Bei  einem  Mehrzusatz  von  Jadeit  als  15°/o  erstarrten  die 
Schmelzen  vollkommen  glasig.  Reiner  Jadeit  schmilzt  bei  1000 
bis  1060° 1  2.  Bei  einem  Versuch,  die  Kurve  zu  konstruieren  und 

1 C.  Doelter,  Zeitschr.  f.  Elektrochemie.  12.  (1906.) 

2 C.  Doelter,  Tschermak’s  Min.-petr.  Mitt.  22.  (1903.) 


Zusammenkristallisieren  von  Diopsid  und  Jadeit. 


229 


die  erhaltenen  Zahlen  in  dieselbe  einzutragen,  würde  sich  ungefähr 
folgendes  etwas  schematisierte  Bild  ergeben : 


Fig.  1. 


Die  Kurve  ist  nur  bis  zur  Mischung  mit  1 5 °/o  Jadeitsilikat- 
zusatz gezeichnet  und  deutet  sehr  beschränkte  Mischbarkeit  (inner- 
halb weniger  Prozente)  an.  Bei  mehr  als  5 % Jadeitsilikat  ent- 
stehen neben  Mischkristallen  Diopsid  — wenig  Jadeit  eutek- 
tische Schmelzen  mit  Diopsid  als  erstes  Ausscheidungsprodukt. 
Nachfolgend  die  Belege  1 : 

1.  Diopsid  + 1 °/o  Jadeit 

ein  Schmelzintervall  1260 — 1300 u; 

2.  Diopsid  + 3°/o  Jadeit 

ein  Schmelzintervall  1240 — 1260°; 

3.  Diopsid  -f-  4%  Jadeit 

ein  Schmelzintervall  1200 — 1220°; 

4.  Diopsid  -j-  5°/o  Jadeit 

zwei  Intervalle:  I.  1150—1200°, 

U.  1260—1300°; 

5.  Diopsid  + 10  °/o  Jadeit 

zwei  Intervalle:  I.  1140  — 1200°, 

II.  1250—1280°; 

6.  Diopsid  -f-  15%  Jadeit 

zwei  Intervalle:  I.  1150  — 1190°, 

II.  1250—1290°. 

Das  hier  gegebene  Bild  ist  nur  ein  vorläufiges,  es  soll  vor- 
nehmlich zeigen,  daß  künstlich  homogene  Diopsidmischungen  mit 
mehr  als  5%  Jadeit  nicht  hergestellt  werden  können. 

Um  den  Einfluß  des  Al2  Oä-Gehaltes  auf  das  Diopsidmolekül 
festzustellen,  wurde  folgender  Versuch  ausgeführt: 

1 Die  Erhitzungsdauer  im  Heizmikroskop  betrug  3 Stunden.  Die 
Vergrößerung  war  250  fach. 


230 


J.  Soellner,  Ueber  das  Auftreten 


NaA102  wird  von  Diopsid  in  geringer  Menge  aufgenommen, 
wie  folgender  Versuch  beweist: 

Zu  19.5  g CaMgSi206  wurden  5 g käufliches  Na  A102  (=  25°/o) 
gemischt  und  einer  Temperatur  von  zuerst  l 300  °,  dann  800  0 durch 
10  Stunden  hindurch  ausgesetzt.  Es  entstanden  neben  stark  doppel- 
brechenden Kristallskeletten,  welche  durch  Ausziehen  mit  heißem 
Wasser  leicht  sich  entfernen  ließen , Diopside  mit  einem  Aus- 
löschungsmaximum c y‘  von  39  — 41°.  Der  Tonerdegehalt  drückte 
die  Schiefe  der  Auslöschung  offenbar  hinauf.  In  dem  wässerigen 
Auszug  befand  sich  noch  feines  NaA102.  Die  Versuche  hierüber 
wären  fortzusetzen. 

Resultat: 

1.  Diopsid  kann  aus  dem  Schmelzfluß  bis  etwa  5°/o  Jadeit 
aufnehmen,  ohne  daß  eine  wesentliche  Änderung  der  optischen  Eigen- 
schaften (Auslöschungsschiefe,  Lichtbrechung)  eintritt. 

2.  Jadeit  kristallisiert  „frei“  nicht  ans,  auch  nicht  bei 
Zusatz  von  Kristallisatoren,  wie  Wolfram  säure,  molybdän- 
saures  Na  t r i u m u.  a. 

3.  Bei  mehr  als  5°/o  Jadeitzusatz  zur  Diopsidmischuug  kri- 
stallisiert Diopsid  und  daneben  bildet  sich  eine  kleinkörnige  Grund- 
masse, bestehend  aus  Diopsid  und  Jadeit  (+  Diopsid)  mit 
Glas.  Das  Glas  drückt  die  Schmelzpunkte  herab , so  daß  die 
Kurven  in  Wirklichkeit  um  etwa  20  0 höher  zu  liegen  kämen. 

4.  Aus  einer  Na  Al  0,-Schmelze  scheint  Diopsid  A1203  auf- 
zunehmen und  kristallisiert  dann  in  Nadeln  mit  einer  etwas  höheren 
Auslöschungsschiefe  als  39°. 

Mineralogisches  Institut  des  Hofrats  C.  Doelter  der  k.  k.  Univer- 
sität Wien. 


Ueber  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstuhl. 

Von  J.  Soellner  in  Freiburg  i.  Br. 

Die  Essexite  wei’den  von  Rosenbusch  1 definiert  als  „liypidio- 
morphkörnige  Tiefengesteine,  welche  bei  beträchtlichem  Gehalt  an 
farbigen  Gemengteilen  durch  die  Vorherrschaft  eines  basischen 
Kalknatronfeldspates  in  Verbindung  mit  einem  Pyroxenmineral  bei 
völliger  Abwesenheit  des  Quarzes  und  einem  der  Menge  nach 
wechselnden  Gehalt  an  Orthoklas  und  Mineralien  der  Nephelin- 
gruppe neben  dem  Kalknatronfeldspat,  von  barkevikitischem  Am- 
phibol und  braunem  Biotit  neben  dem  Pyroxen  stofflich  charakte- 
risiert sind.  Titanhaltiger  Magnetit  und  Apatit  liefern  die  reich- 
lichen Nebengemengteile.  Olivin  ist  ein  sehr,  fast  allgemein  ver- 
breiteter, Titanit  ein  nicht  gerade  seltener  Übergemengteil“. 


1 Rosenbusch,  H.,  Mikr.  Physiogr.  IV.  Aufl.  II,  1.  p.  391. 


von  Essexit  im  Kaiserstuhl. 


231 


Gesteine  dieses  Charakters  sind  bisher  aus  Mitteleuropa  nur 
sehr  wenig  bekannt  geworden.  Berühmt  ist  der  von  Hibsch  1 näher 
untersuchte  Essexit  von  Bongstock  in  Böhmen.  Das  einzige  deutsche 
Vorkommnis  war  bisher  der  sogenannte  Dolerit  von  der  Löwen- 
burg im  Siebengebirge,  der  von  Busz2  und  Rosexbusch3  zu  den 
Essexiten  gestellt  wird.  Um  so  interessanter  ist  es,  daß  im  Kaiser- 
stuhl, einer  Gesteinsprovinz  von  ausgesprochen  foyaitisch-thera- 
lithischem  Charakter  in  größerer  Ausdehnung  ein  Gestein  vorkommt, 
das  der  oben  angeführten  Definition  des  Essexits  vollständig  ent- 
spricht und  das  auch  seinem  ganzen  geologischen  Verhalten  nach 
den  Eindruck  eines  Tiefengesteins  erweckt.  Das  Auftreten  von 
Essexit  im  Kaiserstuhl  ist  um  so  bedeutungsvoller,  weil  man  von 
hier  schon  seit  längerer  Zeit  Ergußgesteine  wie  Tephrite,  Trachy- 
dolerit  etc.  und  Ganggesteine  wie  Monchiquite,  Mondhaldeit  etc. 
kennt,  die  auf  ein  essexitisch-theralitliisches  Tiefengestein  schließen 
lassen.  Von  Graeff4  ist  vor  20  Jahren  ein  Stück  körnigen 
Tephrits  (Theralith)  kurz  beschrieben  worden,  das  sich  unter  den 
älteren  Beständen  der  Freiburger  Sammlung  vorfand.  Nach  der 
alten  FrscHEn’schen  Etikette  stammt  dasselbe  vom  Horberig  bei 
Oberbergen.  Anstehend  konnte  das  Gestein  daselbst  nicht  aufge- 
funden werden.  Nach  Graeff  handelt  es  sich  bei  diesem  Vor- 
kommnis allem  Anschein  nach  nur  um  einen  körnigen  Einschluß 
aus  einem  porphvrischen  Gestein  (wahrscheinlich  Tephrit).  Das 
hier  zu  beschreibende  Gestein  dagegen  ist  auf  größere  Strecken  an- 
stehend aufgeschlossen,  und  zwar  hauptsächlich  in  dem  sogenannten 
, Krummen  Graben“  zwischen  Oberbergen  und  Oberrotweil.  Der 
Krumme  Graben  ist  ein  tiefeingeschnittenes  Tal  im  zentralen  Teile 
des  Kaiserstuhls,  das  auf  der  Nordwestseite  des  Todtenkopfes 5 
zwischen  Scheibenbuck  und  Strümpfekopf  in  nordwestlicher  Dich- 
tung verläuft  und  zwischen  Oberrotweil  und  Obei’bergen  in  das 
Haupttal,  das  Krottenbachtal,  einmiindet.  Die  Ausmündung  des 
Tales  liegt  ca.  240 — 245  m ii.  d.  M.  und  50  — 55  m höher  als 
die  Sohle  des  Bheintales  westlich  von  Niederrotweil.  Geht  man 
das  Tal  des  „Krummen  Grabens“  nach  Südosten  aufwärts,  so  steigt 

1 Hibsch,  J.  E.,  Erläuterungen  zu  Blatt  Bongstock-Bodenbach  der 
geol.  Karte  des  Böhm.  Mittelgebirges.  Min.  u.  petr.  Mitt.  19.  1900.  p.  1. — 
Erläuterungen  zu  Blatt  Großpriesen  d.  geol.  Karte  des  Böhm.  Mittelgebirges. 
Ibid.  21.  1902.  p.  465. 

2 Busz,  K.,  Essexit  von  der  Löwenburg  im  Siebengebirge  a.  Rh.  Ver- 
handl.  naturhist.  Ver.  d.  preuß.  Rheinlande  u.  Westf.  62.  Jahrg.  173. 
Bonn  1905. 

3 Rosenbüsch,  H..  Mikrosk.  Phys.  IV.  Aufl.  II,  1.  p.  404. 

* Graeff,  Fr.,  Über  körnigen  Tephrit  (Theralith)  aus  dem  Kaiser- 
stuhl. Bericht  über  d.  XXVI.  Versammlg.  des  oberrhein.  geol.  Vereins.  1893. 

3 Siehe  die  Blätter  Breisach  und  Eichstetten  der  topograph.  Karte 
1:25000  des  Großherzogtums  Baden  oder  die  Karte  in  Knop,  Der  Kaiser- 
stuhl i.  Br.  Leipzig  1892. 


232 


.1.  Soellner,  Feber  das  Auftreten 


dasselbe  auf  eiue  Entfernung-  von  ca.  1 400  m nur  sehr  schwach 
unter  3 — 4°  an.  Im  Hintergrund  des  Tälchens,  ehe  der  steilere 
Anstieg  beginnt,  steht  nun  in  ca.  340  m Höhe  ü.  d.  M.  uud  rund 
220  m unter  dem  Gipfel  des  Todtenkopfes  (558,7  m),  der  höchsten 
Erhebung  des  Kaiserstuhls,  am  geographisch  rechten  Talhang  nahe 
der  Talsohle  ein  mittel-  bis  feinkörniges,  schwarz  und  weiß  ge- 
sprenkeltes festes  Gestein  an,  das  in  seinem  Aussehen  den  mittel- 
bis  feinkörnigen  Varietäten  des  Rongstocker  Essexits  so  täuschend 
ähnlich  sieht,  daß  Stücke  von  beiden  Fundorten  fast  miteinander 
verwechselt  werden  könnten.  Das  Gestein  ist  längs  des  Weges 
und  Waldrandes  auf  eine  Strecke  von  ca.  120  m gut  aufgeschlossen. 
Überlagert  wird  es  am  Hang  vou  Löß.  In  geringer  Menge  finde! 
man  den  Essexit  auch  in  unmittelbarer  Umgebung  von  Oberbergen, 
am  Südfuß  des  Heßleterbucks  und  in  losen  Stücken  auf  der  Höhe 
des  Scheibenbucks  südlich  von  Oberbergen.  In  beiden  letzteren 
Fällen  handelt  es  sich  wahrscheinlich  nur  um  Apophysen  des  in 
der  Tiefe  anstehenden  Essexitstockes,  während  im  Krummen  Graben 
dieser  selbst  angeschnitten  sein  muß.  Wie  groß  die  Ausdehnung 
des  Essexitstockes  im  zentralen  Teile  des  Kaiserstuhles  ist,  steht 
noch  nicht  fest.  Die  weitere  Kartierung  wird  das  Nähere  ergeben. 

Gut  aufgeschlossen  und  bekannt  ist  er  zurzeit  nur  an  der 
vorerwähnten  Stelle  im  Hintergrund  des  Krummen  Grabens.  Hier 
wird  der  Essexit  auch  deutlich  von  Gängen  von  Mondhaldeit  und 
von  Tracliydolerit  durchsetzt. 

Der  Essexit  ist  z.  T.  außerordentlich  frisch,  erscheint  schwarz 
und  weiß  gesprenkelt  und  hat  eine  mittlere  Korngröße  von  ca.  1 mm. 
Schon  makroskopisch  sind  zahlreiche  dunkle  Kriställcheu  von 
Pyroxen  und  schwarze  Biotitblättchen  zu  erkennen.  Unter  den 
weißen  Partien  ragen  zuweilen  frische,  glasige  Orthoklaskriställchen 
hervor.  U.  d.  M.  erweist  sich  das  Gestein  als  bestehend  aus : 
A u g i t , Biotit,  Hornblende,  basischem  Plagioklas, 
Orthoklas,  einem  Mineral  der  Nephelin-  oder  Soda- 
1 ithgruppe,  Magnet  eisen,  Apatit  und  Titan  it  in  hyp- 
i d i o m o r p h - k ö r n i g e r Ausbildung. 

Unter  den  dunklen  Gemengteilen  ist  der  wichtigste  und  ver- 
breitetste ein  blaßrötlich-violetter  Titanaugit  in  zahlreichen, 
zuweilen  bis  2,5  mm  großen  idiomorphen  Kristallen.  Er  ist  tafelig 
nach  { 1 0()J  entwickelt,  zeigt  zuweilen  Zonarstruktur  und  poly- 
synthetische  Zwillingslamellierung  nach  JlOO).  Die  Auslösclmngs- 
schiefe  beträgt  C : c im  stumpfen  Winkel  ß ca.  50  °.  Der  Augit 
enthält  reichlich  Einschlüsse  von  Magneteisen,  Apatitsäulchen  und 
Biotitfetzen. 

Neben  Pyroxen  tritt  allgemein  rotbrauner  Biotit  in  bis 
1 mm  großen  Blättchen  auf.  Dieselben  sind  nicht  regelmäßig 
umgrenzt,  sondern  in  der  Regel  in  Fetzen  und  Lappen  entwickelt. 
Der  Pleochroismus  desselben  ist  kräftig,  zwischen  blaßgelb  und 


von  Essexit  im  Kaiserstulil. 


233 


dunkelrotbraun , auf  (00 1)  kleiner,  aber  deutlicher  Achsenwinkel 
sichtbar,  die  Achsenebene  verläuft  parallel  (oio},  also  Glimmer 
zweiter  Art.  Aufschnitten  nach  (010)  ist  eine  kleine  Auslöschungs- 
schiefe wahrnehmbar.  Die  Biotitfetzen  umschließen  häufig  Augit, 
Plagioklas,  Apatit  und  Eisenerze.  Umgekehrt  Biotit  auch  als  Ein- 
schluß in  Augit. 

Hornblende  tritt  in  dem  Gestein  vom  Krummen  Graben 
nur  spärlich  auf,  dagegen  ist  sie  in  Stücken  vom  Südfuß  des 
Heßleterbucks  und  von  der  Höhe  des  Scheibenbucks  reichlicher 
entwickelt.  Es  ist  eine  braune,  anscheinend  barkevikitische  Horn- 
blende mit  starkem  Pleochroismus  a blaßgelb,  b und  c annähernd 
gleich  braun.  Die  Auslöschungsschiefe  c : c auf  {010}  = ca.  10°. 
Zwillingsbildung  nach  (100}  zuweilen  wahrnehmbar.  Sehr  ver- 
breitet ist  auch  hier  die  bei  Essexit  fast  konstante  Verwachsung* 
von  Pyroxen,  Amphibol  und  Biotit.  Fetzen  von  Hornblende  sind 
in  paralleler  Orientierung  und  ohne  eigene  Umgrenzung  dem  Augit 
eingewachsen,  das  gleiche  gilt  für  Biotit.  Bei  Biotit  läßt  sich 
zuweilen  beobachten , daß  die  Spalttracen  desselben  denen  der 
Hornblende  oder  des  Augits  parallel  liegen.  Hornblende  und  Biotit 
erscheinen  auch  beide  als  regelmäßige  Umhüllungen  von  Pyroxen. 
Unter  den  wesentlichen  farblosen  Gemengteilen  ist  der  älteste  ein 
basischer  Plagioklas.  Derselbe  ist  tafelig  nach  (oioj  ent- 
wickelt mit  vorwiegend  idiomorpher  Ausbildung.  Zwillingsbildung' 
nach  Albit-  und  Karlsbader  Gesetz  ist  verbreitet.  Seinem  optischen 
Verhalten  nach  gehört  er  in  die  Labradorreihe  mit  geringen 
Schwankungen  im  Kalkgehalt.  Eine  deutliche  Zonarstruktur  fehlt 
.jedoch.  Durch  Verwitterung  sind  die  Kristalle  in  manchen  Stücken 
schon  stark  getrübt  unter  Ausscheidung  eines  farblosen  Glimmer- 
minerals und  von  Calcit. 

Orthoklas  kommt  neben  Plagioklas  teils  als  schmaler  Saum 
um  diesen,  teils  als  regelrechte  Füllmasse  vor.  Wenn  die  Menge 
des  Orthoklases  sehr  beträchtlich  ist,  hat  er  häufig  die  Form  von 
hypidiomorphen  Täfelchen.  Diese,  tafelig  nach  (Oll],  werden  bis 
3 mm  lang  und  1 mm  dick  und  zeigen  in  der  Kegel  Zwillings- 
bildung nach  dem  Karlsbader  Gesetz.  Der  Orthoklas  besitzt 
normalsymmetrische  Achsenlage  mit  kleinem  Achsenwinkel.  Ist  die 
Orthoklasfüllmasse  auf  größere  Strecken  einheitlich  orientiert,  so 
hält  sie  zahlreiche  andere  Mineralien,  vor  allem  idiomorphe  Plagio- 
klaskristalle, umschlossen.  Das  Mengenverhältnis  zwischen  Plagio- 
klas und  Orthoklas  schwankt  recht  beträchtlich.  Manche  Stücke 
sind  reich  an  Orthoklas  neben  zurücktretendem  Plagioklas , in 
andern  Stücken  ist  Orthoklas  stark  in  der  Minderheit.  Bemerkens- 
wert ist  der  völlig  frische  Habitus  des  Orthoklases  selbst  dann, 
wenn  der  Plagioklas  schon  ziemlich  stark  verwittert  ist.  Neben 
den  Feldspäten  kommt  als  letztes  Kristallisationsprodukt  teils  eine 
trübe  isotrope  Füllmasse  mit  geringer  Lichtbrechung,  teils  schwach 


234 


M.  Semper,  Zur  eocänen  Geographie 


doppelbrechende  zeolithische  Aggregate,  untermengt  mit  Carbonaten, 
in  den  Zwickeln  des  Gesteins  vor.  Die  trübe  isotrope  Füllmasse, 
wahrscheinlich  Analcim,  ist  vermutlich  aus  ursprünglichem 
Nephelin  hervorgegangen.  Frischer  Nephelin  konnte  aller- 
dings nicht  mit  Sicherheit  nachgewiesen  werden.  Ob  die  doppel- 
brechenden Aggregate  auf  Zersetzung  eines  Minerals  der  Sodalith- 
gruppe  zurückzuführen  sind,  steht  dahin.  Die  Menge  dieser 
Füllmassen  ist  ebenfalls  eine  sehr  wechselnde.  In  orthoklasreichen 
Partien  treten  sie  sehr  stark  zurück,  in  orthoklasarmen  Stücken, 
wie  z.  B.  in  denen  von  der  Höhe  des  Scheibenbucks,  wird  dagegen 
ihre  Menge  eine  recht  beträchtliche.  Als  akzessorische  Gemeng- 
teile kommen  in  Betracht:  Magnet  eisen  in  größeren,  schlecht 
ausgebildeten  Kristallen,  häufig  von  einem  Kranz  von  Biotit  um- 
geben, Apatit  in  ziemlich  dicken  Säulchen  und  schließlich 
Titanit  in  blaßgelben,  bis  0,5  mm  großen  spitzrhombischen 
Durchschnitten  mit  kleinem  Achsenwinkel.  Olivin,  der  in  manchen 
Essexiten  eine  Rolle  spielt,  fehlt  hier  vollständig. 

Die  eingehende  Untersuchung  dieses  interessanten  Vorkommens, 
insbesondere  auch  in  chemischer  Beziehung,  erfolgt  sobald  als 
möglich,  sowie  die  Verbreitung  des  Essexits  im  Kaiserstuhl  etwas 
näher  festgelegt  ist. 

Freiburg  i.  Br.,  den  11.  März  1913. 


Zur  eocänen  Geographie  des  nordatlantischen  Gebiets. 

Von  Max  Semper,  Aachen. 

Wenn  die  folgenden  Bemerkungen  an  die  Darstellung  geknüpft 
sind,  die  E.  Haug  in  seinem  Traite  de  geologie  über  die  paläo- 
geographischen  Verhältnisse  des  Eocän  gegeben  hat1,  so  muß 
gleich  von  vorneherein  der  Verdacht  polemischer  Absichten  ab- 
gewehrt werden.  Ich  beabsichtige  viel  weniger  eine  dort  über- 
sehene Einzelheit  zu  verbessern,  als  an  einem  besonders  prägnanten 
Beispiel  eine  in  der  heutigen  Geologie  übliche  Anschauungsweise 
zu  charakterisieren  und  daran  anschließend  die  Frage  zu  berühren, 
ob  hier  nicht  für  manche  in  neuerer  Zeit  lebhaft  verfolgte  Zwecke 
ein  bedeutsames  Hindernis  verborgen  liegt. 

Die  geographische  Beschaffenheit  des  nordatlantischen  Gebiets 
wird  nämlich  an  genannter  Stelle  in  dreifachem  Zusammenhang 
beschrieben , erstens  auf  Grund  der  Verbreitung  der  unter-  und 
mitteleocänen  Säugetierfaunen,  zweitens  auf  Grund  der  Verbreitung 
der  neritischen  Meeresbewohner,  drittens  auf  Grund  gewisser  Eigen- 
tümlichkeiten im  Auftreten  der  Nummuliten.  Hieraus  ergäbe  sich 
— in  der  gleichen  Reihenfolge  aufgezählt  — erstens,  daß  die  im 


1 E.  Haug,  Traite  de  geologie.  Bd.  II.  p.  1397 — 1598.  1911. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


235 


Untereocän  bestehende  Landverbindung  im  Mitteleocän  unterbrochen 
worden  sei  ',  zweitens,  daß  während  des  ganzen  Eocäns,  besonders 
aber  im  Mitteleocän,  eine  zusammenhängende  Küstenlinie  Europa 
nnd  Nordamerika  verband1 2,  drittens,  daß  während  des  ganzen 
Eocän  boreale  Meeresströme  die  amerikanische  Ostkttste  bespült 
und  für  die  (erst  im  Oligocän  einwandernden)  Nummuliten  un- 
bewohnbar gemacht  hätten 3.  Diese  borealen  Meeresströme  können 
nur  angenommen  werden,  wenn  man  sich  den  Atlantischen  Ozean 
mit  einem  arktischen  Meer  verbunden  denkt.  Es  besteht  also  ein 
scharfer  Widerspruch  zwischen  den  Ergebnissen  dieser  drei  Schluß- 
reihen, um  so  mehr,  als  die  sich  zunächst  einstellende  Vermutung, 
es  möchten  sich  diese  Angaben  doch  auf  irgend  eine  Weise  ver- 
einigen lassen,  sich  bei  genauerer  Betrachtung  als  nicht  stichhaltig 
erweist. 

Man  könnte  der  weiteren  Betrachtung  entgegenhalten , daß 
eben  die  bisherige  Kenntnis  der  Tatsachen  nicht  ausreiche,  um  zu 
einer  klaren  Vorstellung  über  die  Paläogeographie  des  eocänen 
Atlantik  zu  gelangen,  und  daß  hier  nur  ein  neuer  Beweis  für  die 
Unmöglichkeit  einer  wirklichen  Paläogeographie  vorläge.  Doch 
wäre  die  hierin  sich  aussprechende  Resignation  erst  zulässig,  wenn 
es  erweislich  gar  keine  Möglichkeit  gäbe,  diese  Widersprüche  zu 
beseitigen.  Jedenfalls  sind  sie  unauflöslich,  solange  die  oben- 
genannten Aussprüche  unverändert  stehen  bleiben.  Woher  sollten 
die  borealen  Meeresströme  ausgegangen  sein , die  im  Untereocän 
den  Nummuliten  die  Besiedlung  der  ostamerikanischen  Gewässer 
verboten,  wenn  der  Atlantische  Ozean  vom  arktischen  durch  eine 
Landbrücke  getrennt  war?  Wie  konnten  im  Mitteleocän  diese 
Ströme  auf  die  Wassertemperaturen  im  Golf  von  Mexiko  einwirken, 
wenn  sie  doch  weiter  im  Norden  nicht  imstande  waren,  den  da- 
mals gerade  besonders  engen  Zusammenhang  der  neritischen  Faunen 
zu  unterbrechen?  Wie  konnte  schließlich  dieser  Zusammenhang 
so  deutlich  sein,  wenn  der  nordatlantische  Kontinent  durch  einen 
(natürlich  als  breit  vorzustellenden)  Meeresarm  in  eine  europäische 
und  eine  amerikanische  Hälfte  zerlegt  war4,  also  schon  durch  die 
räumliche  Entfernung  zwischen  den  neritischen  Zonen  der  außer- 
dem noch  klimatisch  ungleichartigen  Küstengebiete  tiergeographische 
Verschiedenheiten  bewirkt  oder  begünstigt  werden  mußten? 

Läßt  sich  nun  keine  Beschaffenheit  dieses  Gebiets  ausdenken, 
welche  all  diesen  Anforderungen  genug  täte , so  sind  doch  diese 
Anforderungen  selbst  keineswegs  unvermeidlich.  Am  auffälligsten 

1 Ebenda,  p.  1553,  1558. 

2 Ebenda,  p.  1523,  1559. 

3 Ebenda,  p.  1567. 

4 Haüg  spricht  zwar  nur  ohne  nähere  Angabe  von  „Unterbrechung 
des  Zusammenhangs“,  gemeint  ist  aber  offenbar  „Unterbrechung  durch 
einen  Meeresteil“. 


236 


M.  Semper,  Zur  eocänen  Geographie 


ist  dieses  bei  den  au  die  Nummuliten  geknüpften  Schlüssen.  Für 
das  Untereocän  kann  das  Bestehen  einer  landfesten  Verbindung 
zwischen  Afrika  und  Südamerika  noch  mit  den  verhältnismäßig 
triftigsten  Gründen  behauptet  werden  darf  man  mit  ihr  rechnen, 
so  bleibt  es  unverständlich,  weshalb  die  Nummuliten  nicht  schon 
damals  entlang  dieser  Küstenlinie  überwanderten,  da  zu  dieser  Zeit 
der  Atlantik  vom  arktischen  Meer  entschieden  abgeschnitten  war. 
Freilich  kennen  wir  auch  keine  mit  Bestimmtheit  dem  Untereocän 
augehörigen  Bildungen  in  den  Antillen  oder  sonst  im  amerikanischen 
marinen  Tertiär1 2.  Im  Mittel-  und  Obereocän  liegt  für  die  Annahme 
der  südlichen  Landbrücke  kein  direkter  Anhaltspunkt  mehr  vor; 
im  Gegenteil  widersprechen  ihr  andere  Tatsachen , nämlich  die 
Verwandtschaften  zwischen  den  Eocänfaunen  von  Kamerun  und 
Angola3  und  den  entsprechenden  Westeuropas  und  des  Mittelmeers. 
Trotzdem  begannen  damals  mediterrane  Formen  nach  Mittelamerika 
überzuwandern4,  die  Nummuliten  als  die  letzten,  im  Oligocän.  Sie 
treten  dort  in  kleinen  Formen  auf,  wie  sie  in  Europa  stets  sich 
vorfinden,  wenn  die  übrigen  Merkmale  der  Faunen  auf  den  Einfluß 
kühlerer  Meeresströme  deuten  5 *,  jedoch  sind  andere  übergewanderte 
Foraminiferen , denen  sonst  größere  Empfindlichkeit  gegen  Tem- 
peraturerniedrigung zugeschrieben  wird M,  in  Amerika  ihre  Vorläufer 
und  Begleiter ; auch  zeigt  die  sonstige  Fauna,  die  unverändert  aus 
den  unteren,  nummulitenfreien  Vicksburg-Schicliten  in  die  oberen, 
nummulitenführenden  übergeht,  keine  Spur,  daß  irgend  eine  Ver- 
änderung in  den  Lebensbedingungen  eingetreten  sei 7.  Unzweifel- 
haft setzten  zu  niedrige  Meerestemperaturen  der  Nummuliten- 
verbreitung  eine  Grenze,  und  wohl  mit  Recht  beruft  sich  Stromek 
hierauf,  um  das  Fehlen  dieses  Typus  in  den  Eocänbildungen  an 
der  Westküste  Südafrikas  zu  erklären8,  aber  da  die  Existenz 
der  Nummuliten  außerdem  an  Seichtwasser  gebunden  war,  so  würde 
ein  Afrika  und  Südamerika  trennender  Meeresteil  ebenfalls  ihre 
Ansiedlung  an  den  amerikanischen  Küsten  verhindert  haben.  Dieses 
alles  spricht  mehr  für  die  ältere  Annahme,  wonach  im  Mittel-  und 
Obereocän  kein  brasilianisch-afrikanisches  Festland  mehr  bestand, 
sondern  nur  eine  Inselkette  zwischen  Nordafrika  und  den  Antillen, 
die  sich  — vielleicht  im  Zusammenhang  mit  naclx-mitteleocänen 

1 Hai’g,  1.  c.  p.  1558,  1559  ff. 

2 Ebenda,  p.  1528,  1525. 

s Ebenda,  p.  1526. 

4 Ebenda,  p.  1525,  1560. 

ä Ebenda,  p.  1567. 

3 Ebenda,  p.  1567. 

7 Dall  und  Harris,  Neocene.  Bull.  U.  8.  geol.  Surv.  No  84.  1892. 

p.  181,  182,  185. 

3 Stromer,  Die  Geschichte  des  afrikanischen  Festlandes  nach  neueren 

Forschungen.  Xaturwiss.  Wochenschrift.  1910.  p.  163. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


237 


Gebirgsbildungen  in  Marokko 1 — gegen  Ende  des  Eocäns  erhob 
und  sich  erst  zu  Beginn  des  Oligocäns  so  dicht  schloß , daß  die 
Nummuliten  eine  Brücke  geschlagen  fanden,  zu  freilich  anderweitig 
nicht  besonders  günstigen  Lebensbezirken. 

Scheint  demnach  die  Verbreitung  der  Nummuliten  verständlich 
zu  werden  auch  ohne  Annahme  borealer  Meeresströme  an  der 
amerikanisch-atlantischen  Küste,  so  wird  die  Existenz  solcher 
Ströme  aus  andern  Erwägungen  direkt  unwahrscheinlich.  Nach 
j>e  Geer  brach  der  nordatlantische  Kontinent  im  späteren  Tertiär 
nieder2:  mit  diesem  Ereignis,  das  den  arktischen  Gewässern  den 
Zutritt  zum  Atlantischen  Ozean  eröffnete  und  dort  den  heutigen 
ähnliche  Zirkulationsverhältnisse  hervorrufen  mußte,  läßt  sich  das 
plötzliche  Vordringen  der  Chesapeakefauna  kühlen  Charakters  bis 
in  den  Golf  von  Mexiko3  ungezwungen  in  Zusammenhang  setzen. 
Ein  ähnlich  scharfer  Fauneuwechsel  hätte  auch  durch  die  ver- 
mutete mitteleocäne  Meeresverbindung  hervorgebracht  werden  müssen, 
jedoch  findet  sich  davon  nicht  die  mindeste  Spur.  Auf  der  europä- 
ischen Seite  läßt  sich  eocäner  Laterit  in  Irland4  wenig  mit  der 
Annahme  eines  benachbarten  kühlen  Meeres  vereinen  und  bei  Be- 
trachtung der  marinen  Faunen  zeigt  sich , daß  der  im  Pariser 
Becken  zur  Mitteleocänzeit  sehr  auffällige  tropische,  speziell  indo- 
pazifische Einschlag  sich  au  benachbarten , aber  unmittelbar  am 
Atlantik  gelegenen  Äquivalenten  noch  verstärkt5 6.  Man  kann  also 
nirgendwo  eine  Spur  der  vermuteten  arktischen  Meeres  Verbindung 
in  der  Zusammensetzung  der  Faunen  entdecken.  Vielmehr  ging 
die  einzige  Verbindung  beider  Ozeane,  die  sich  erkennen  läßt, 
durch  das  Pariser  Becken  hindurch , und  sie  bestand  in  einem 
Meeresarni , dessen  weiterer  Verlauf  nach  den  Darstellungen 
de  Geer’s  und  nach  der  Verbreitung  der  diluvialen  Eocängeschiebe5 
vermutlich  nicht  im  Gebiet  der  Nordsee  und  westlich  von  Skan- 
dinavien zu  denken  ist 7 8,  sondern  im  Gegenteil  östlich  von  Skan- 
dinavien, quer  durch  das  später  vereiste  Gebiet  hindurch s. 

Soweit  also  marine  Organismen  in  Betracht  kommen,  spricht 
alles  mehr  für  die  während  des  ganzen  Eocän  unveränderte  Exi- 
stenz eines  nordatlantischen  Kontinents.  Die  gegenteilige  Annahme 


1 Haug,  1.  c.  p.  1573. 

1 G.  de  Geer,  Kontinentale  Niveauveränderungen  im  Norden  Europas. 
Compte  rendu  intern.  Geol.  Congr.  1910.  p.  849  ff. 

3 Dali,  und  Harris,  1.  c.  p.  186. 

4 Cole.  The  red  zone  in  the  basaltic  series  of  the  County  of  Antrim. 
Geol.  Mag.  1908.  p.  341. 

5 Hadg,  1.  c.  p.  1457. 

6 Ebenda  p 1444. 

7 Ebenda  p.  1559. 

8 M.  Semper,  Das  paläothermale  Problem.  II.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol. 
Ges.  1899.  p.  202. 


238 


M.  Semper,  Zur  eocänen  Geographie 


führt  nur  zu  Schwierigkeiten  und  Unverständlichkeiten,  und  so  ist 
zu  fragen,  oh  das  ihr  hauptsächlich  zugrunde  liegende  Argument, 
die  Verbreitung  der  eocänen  Säugetiere  Europas  und  Amerikas, 
ihre  Übereinstimmung  im  unteren,  ihre  Verschiedenheit  im  mitt- 
leren und  oberen  Eocän,  nicht  einer  gleichberechtigten  Umdeutung 
zugänglich  ist. 

Die  nordamerikanischen  Fundorte  eocäner  Säugetiere  liegen 
ganz  im  Westen  des  Kontinents  ; der  gesuchte,  von  Europa  trennende 
Meeresarm  braucht  nicht  im  atlantischen  Gebiet , sondern  konnte 
auch  weiter  westlich  gelegen  sein , in  demselben  nord-südlichen 
Streifen,  der  schon  in  der  Kreidezeit  einmal  überflutet  war.  Die 
eocänen  Sedimente  im  Mississippital  enden  fast  genau  an  der  Stelle, 
bis  zu  der  von  Norden  her  das  diluviale  Inlandeis  reichte.  Man 
könnte  vermuten,  daß  die  nördliche  Fortsetzung  der  Eocängebilde 
zerstückelt  und  daher  übersehen  worden  sei,  ähnlich  wie  das  nord- 
deutsche Eocän  größtenteils  vernichtet  wurde  und  sich  bis  zum 
Beginn  der  Detailaufnahmen  der  Beobachtung  so  gut  wie  ganz 
entzog.  Jedoch  weisen  die  Eocänbildungen  von  Kentacky  und 
Missouri,  sowie  die  südlicheren  von  Texas  und  Arkansas  deutlich 
auf  unmittelbare  Nähe  des  Landes  und  scheinen  sämtlich  in  einem 
breiten  Flußästuar  gebildet  zu  sein  '. 

Dafür  gelangt  man  im  Verfolg  einiger  Andeutungen  in 
Osborn’s  zusammenfassender  Schilderung  der  eocänen  Säuger1  2 3 auf 
einen  aussichtsreicheren  Weg.  Obwohl  die  von  ihm  übernommene 
paläogeographische  Karte  Matthew’s  für  das  Mitteleocän  den 
Atlantischen  Ozean  ungefähr  in  der  gegenwärtigen  Umgrenzung 
zeigt,  erwähnt  der  Text,  daß  die  damalige  Isolation  von  Europa 
und  Amerika  auch  durch  klimatische  Verschiedenheiten  hervor- 
gebracht sein  könne,  daß  zwischen  den  Faunen  beider  Erdteile 
ähnliche  Unterschiede  beständen,  wie  allgemein  zwischen  „konti- 
nentalen“ und  „peninsularen“  Faunen  usw.  Wenn  sich  nun  be- 
legen läßt,  daß  im  Untereocän  und  im  Oligocän  die  Lebensverhält- 
nisse in  Europa  und  Amerika  sich  ähnlich,  im  Mittel-  und  Ober- 
eocän  aber  unähnlich  waren , so  ist  damit  manches  für  die  Ent- 
scheidung obigen  Problems  erreicht,  vielleicht  sogar  mehr,  als  einer 
umständlichen  Analyse  von  Gattungs-  und  Artmerkmalen  mit  Aus- 
deutung auf  klimatische  oder  sonstige  bionomische  Anpassung  über- 
haupt in  Aussicht  steht. 

Europa  bildete  im  Untereocän  nach  Ausweis  der  zahlreichen 
Siißwasserablagerungen  ein  zusammenhängendes,  freilich  wohl  ebenes 
und  reich  bewässertes  Festland,  war  also  darin,  wie  auch  in  der 
Flora  zum  Ausdruck  kommt8,  dem  Westen  Nordamerikas  sehr 
ähnlich.  Das  Meer  drang  nur  in  ziemlich  schmalen  und  flachen 

1 W.  B.  Clark,  Eocene.  Bull.  U.  S.  geol.  Surv.  No.  83.  1891.  p.  202. 

2 Osborn,  The  age  of  mammals.  1910.  p.  137  ff. 

3 Haug,  1.  c.  p.  1530. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


239 


Buchten  ein,  überflutete  aber  durch  die  mitteleocäne  Transgression 
die  ganze  Fläche  bis  auf  eine  Anzahl  alter  Gebirgskerne,  die 
wenig  umfangreiche  Inseln  bildeten.  Damit  zugleich  trat  eine 
völlige  Umwandlung  der  Floren  und  marinen  Faunen  ein  durch 
Zuwanderung  von  jetzt  indischen  Elementen,  deren  Heimat  auch 
für  damals  im  indopazifischen  Gebiet  zu  suchen  ist,  und  zwar 
weisen  nicht  nur  Meeresbewohner,  sondern  auch  Landbewohner, 
offenbar  verschleppt  durch  Meeresströmungen,  auf  solche  Herkunft1. 
Im  Oligocän  ward  die  Meeresbedeckung  in  Europa  zwar  nicht  wesent- 
lich geringer,  eher  in  manchen  Teilen  noch  verbreitert;  da  aber 
die  Meere  nunmehr  ihre  Hauptzuflüsse  nicht  mehr  aus  tropischen, 
sondern  aus  nördlichen  kühleren  Regionen  erhielten,  so  entstand  ein 
klimatischer  Typus,  der  sich  vom  kontinentalen  weniger  stark  unter- 
schied, als  der  ozeanisch-warme  der  vorhergehenden  Epochen. 

Zu  solchen  Schwankungen  findet  sich  in  Nordamerika  keine 
Parallele 2.  Die  Verschiedenheiten , welche  zwischen  den  sich 
folgenden  Faunen  bemerkbar  werden,  erklären  sich  z.  T.  daraus, 
daß  durch  die  Zufälle  der  Erhaltung  andere  Ausschnitte  aus  der 
Gesamtfauna  überliefert  worden  sind;  in  vielen  Fällen  aber  ver- 
folgte, durch  äußere  Einflüsse  ungestört,  die  Entwicklung  die  an- 
fänglich eingeschlagenen  Bahnen  weite]1.  Die  Zeiten  der  faunistischen 
Übereinstimmung  weisen  also  nach  andern  Erwägungen  zugleich 
eine  Annäherung  der  allgemeinen  Lebensverhältnisse  in  Europa 
und  Amerika  auf;  umgekehrt  sind  zu  andern  Zeiten  faunistische 
und  bionomische  Verschiedenheiten  miteinander  verbunden.  Man 
ist  also  auch  nicht  gezwungen,  für  diese  letzteren  Fälle,  aller 
sonstiger  Argumente  zum  Trotz,  auf  räumliche  Trennung  der  Kon- 
tinente zu  schließen,  kann  auch  unkontrollierbare  Annahmen  über 
die  Beschaffenheit  des  unbekannten  nordatlantischen  Landes,  Un- 
passierbarkeit infolge  von  Wüstenbildung  oder  Hinweise  auf  die 
Tse-tse-Fliege  und  Ähnliches  3 beiseite  lassen  und  wird  bei  der  An- 
sicht stehen  bleiben  müssen,  daß  Europa  im  Mittel-  und  Obereocän 
maringeographisch  und  fioristisch , aber  auch  in  bezug  auf  die 
Säugetierfauna  zu  einer  östlichen,  indischen  Provinz  gehörte,  daß 
diese  nur  so  weit  auf  das  nordatlantische  Festland  Übergriff,  als 
der  klimatische  Einfluß  des  mediterran-indischen  Meeres  reichte, 
daß  aber  die  Grenzgebiete  unbekannt  und  wahrscheinlich  jetzt 
unter  dem  Atlantischen  Ozean  begraben  sind. 

Es  ist  also  keineswegs  unmöglich,  in  dieser  Weise  eine  in 
sich  widerspruchslose  Auffassung  von  den  tiergeographischen  und 
maringeographischen  Zuständen  des  atlantischen  Gebiets  im  Eocän 
zu  entwickeln;  nur  bleibt  diese  Auffassung  zu  einem  wesentlichen 
Teil,  wie  man  sagt,  „hypothetisch“,  d.  h.  es  fehlt  ein  Beweis,  und 


1 Haus,  1.  c.  p.  1549. 

2 Osbokn,  1.  c.  p.  138,  181,  208. 

3 Osborn,  1,  c.  p 38,  285. 


240 


51.  Semper.  Zur  eocänen  Geographie 


es  läßt  sich  auch  wohl  kaum  beweisen,  daß  z.  B.  die  Gattungs- 
und Artmerkmale  der  mitteleocänen  Säuger  außer  für  begrenzt- 
lokale auch  für  allgemein-regionale  Lebensbedingungen  charak- 
teristisch sind,  also  liier  für  ozeanisch-warmes,  dort  für  kontinen- 
tales Klima.  Es  bliebe  auch  nach  Durchforschung  eines  denkbar 
reichen  Materials  doch  nur  ein  Glaube,  eine  durch  Willensakt 
übernommene  Überzeugung,  wenn  man  den  von  Osborn,  wie  er- 
wähnt, in  zweiter  Linie  angeführten,  von  Haug  ganz  in  den  Hinter- 
grund geschobenen  Faktoren  der  tiergeographischeu  Begrenzung 
den  Vorrang  zuschreibt  und  die  von  ihnen  dargebotene  Erklärung 
für  ausreichend  erachtet.  Demgegenüber  machen  die  zu  Anfang 
wiedergegebenen  Schlüsse  Haug’s,  solange  man  jeden  für  sich  allein 
betrachtet,  den  Eindruck  positiver  Beweisbarkeit  und  Bestimmtheit, 
und  es  ist  kein  Zweifel,  daß  sie,  isoliert  genommen,  den  einzelnen 
hier  entgegengestellten  weit  überlegen  scheinen.  Die  Schwäche 
jener  ersteren  tritt  erst  hervor,  wenn  man  sie  zu  einem  Gesamt- 
bild vereinigt;  umgekehrt  leiten  diese  letzteren  ihre  Berechtigung 
hauptsächlich  daraus  ab,  daß  sich  mit  ihrer  Hilfe  ein  widerspruch- 
loses Gesamtbild  gewinnen  läßt. 

Wie  man  sich  aber  auch  gegen  diese  Sätze  im  einzelnen 
verhalten  möge,  so  viel  ist  doch  unzweifelhaft:  daß  eine  wider- 
spruchsvolle Gesamtanschauuug  auch  im  einzelnen  nichts  erklärt 
und  nicht  aufrecht  erhalten  werden  kann.  Dadurch  wird  man  vor 
die  schwierig  zu  handhabende  Frage  gestellt:  wie  ist  es  zu  er- 
klären, daß  Haug  das  Vorhandensein  dieser  Widersprüche  nicht 
bemerkte,  oder  es,  was  wahrscheinlicher  ist,  absichtlich  mit  Still- 
schweigen überging?  An  einer  andern  Stelle  des  Traite  wird  ein 
ähnlicher  Widerspruch  angemerkt,  als  nämlich  das  Auftreten  nah- 
verwandter permischer  Landbewohner  auf  der  nördlichen  und  süd- 
lichen Halbkugel  zur  Annahme  eines  die  Tethys  überquerenden 
Landweges  zwang,  während  die  marinen  Fossilien  für  ungestörten 
Zusammenhang  der  westlichen  und  östlichen  Meere  zu  sprechen 
schienen '.  Nun  handelt  es  sich  beim  Eocän  um  verschiedene, 
untereinander  unabhängige  Tatsachenreihen ; Widersprüche  ent- 
stehen erst,  wenn  aus  den  Beobachtungen  mit  Hilfe  hypothetischer 
Prämissen  (Annahmen  über  die  Ursachen  der  Tierverbreitung  und 
Faunenbegrenzung)  Schlüsse  gezogen  werden;  im  Perm  aber  sind 
es  viel  unmittelbarer  die  Tatsachen,  die  sich  kreuzen.  Die  Be- 
reicherung der  geologischen  Erfahrung,  die  im  letzten  Jahrhundert 
errungen  wurde,  ist  wesentlich  dadurch  geschaffen,  daß  sich  die 
Forschung  mit  ausschließlicher  Energie  der  ersten  Aufgabe  der 
Geologie  und  Paläontologie,  der  Beschreibung  des  gegenwärtigen 
Befundes,  zuwandte.  Hierbei  war  nur  geringes  Handwerkszeug  an 
Hypothesen  erforderlich  und  dieses  brauchte  niemals  in  Diskussion 


1 Haug,  1.  c.  p.  821. 


des  nordatlantischen  Gebiets. 


241 


gezogen  zu  werden.  In  der  Gegenwart  aber  wird  auch  die  andere 
Aufgabe:  Rekonstruktion  der  vorzeitlichen  Zustände,  immer  um- 
fassender in  Angriff  genommen.  Bei  ihr  ist  ein  beträchtliches 
Rüstzeug  an  Hypothesen  unentbehrlich,  wenn  man  überhaupt  zu 
Schlüssen  gelangen  will,  aber  die  Forschung  verhält  sich  ihrem 
gedanklichen  und  begrifflichen  Material  gegenüber  mit  wenigen 
Ausnahmen  genau  so,  wie  sie  es  in  der  vorhergehenden  Tätigkeit 
mit  Erfolg  geübt  hatte:  sie  diskutiert  es  so  wenig  wie  möglich, 
ja,  in  manchen  Fällen  scheint  es,  als  suche  sie  es  völlig  zu 
ignorieren,  und  als  habe  sie  das  Bewußtsein  dafür  verloren,  daß 
Tatsachen  einerseits  und  andererseits  Schlüsse,  die  liier  notwendig 
immer  mindestens  zur  Hälfte  Hypothesen  als  Prämissen  haben,  zu 
unterscheiden  sind1  und  wissenschaftlich  ganz  verschiedene  Be- 
handlungsweisen  erfordern . 

Wenn  also  in  dem  hier  besprochenen  Werk  und  bei  diesem 
Thema  entweder  die  Aufmerksamkeit  erlahmte  oder  die  Diskussion 
abgebrochen  wurde,  sobald  es  auf  eine  Prüfung  der  verwendeten 
Hypothesen  ankam,  so  ist  das  nicht  für  den  Autor,  sondern  für 
das  heute  in  der  Geologie  als  maßgebend  anerkannte  Verhalten 
bezeichnend,  ein  prägnantes  Beispiel  und  nicht  bloß  eine  zufällige 
Einzelheit.  Es  verrät  sich  darin  der  Wunsch  und  die  Überzeugung, 
positiv  gesicherte,  exakt  gewonnene  Ergebnisse  zu  besitzen  und 
sich  auf  solche  zu  beschränken.  Widersprechen  sich  dann  bei  der 
Rekonstruktion  der  Vorzeit  die  als  exakt  und  Tatsaclien-gleich 
gewerteten  Schlüsse,  so  wird  man  dem  nur  geringe  Bedeutung  bei- 
messen, weil  man  von  diesem  Standpunkt  aus  die  Fehlerquelle  nur 
in  unvermeidlichen  Lücken  der  Tatsachenkenntnis  suchen  kann. 
Das  Aufsuchen  von  Widersprüchen  und  Unstimmigkeiten  erscheint 
dann  überflüssig  oder  gar  irreführend ; in  Wirklichkeit  ist  es  aber 
für  die  rekonstruierende  Geologie  als  eine  mit  Hypothesen  arbei- 
tende Wissenschaft  weit  wichtiger  als  das  Herbeischaffen  von  Be- 
stätigungen, denn  es  ist  das  einzig  vorhandene  Mittel  um  Wahrheit 
und  Irrtum  der  Hypothesen,  ursprünglich  reiner  Phantasiegebilde, 
aber  von  entscheidendem  Einfluß  auf  die  Resultate,  zu  prüfen  und 
Notwendigkeiten  zur  Abänderung  oder  Verbesserung  aufzuflnden. 

Gegen  Hypothesenänderungen,  die  unter  Berücksichtigung  be- 
kannter, aber  bisher  beiseite  gelassener  Tatsachen  Widersprüche 
hinwegräumen,  wird  sich  niemand  wehren.  Eine  andere  Frage  ist, 
wie  man  sich  Widersprächen  gegenüber  verhalten  solle,  wenn  zur 
Veränderung  der  mitwirkenden  Hypothesen,  anders  wie  in  vor- 

1 Zu  vergleichen  ist  u.  a.  die  Diskussion  zwischen  G.  Andersson  und 
H.  Brockmann-Jerosch  (Compte  rendu  intern.  Geol.  Congr.  1910.  p.  373. 
413)  über  „Tatsachen“  und  „Hypothesen“  betr.  das  Klima  der  Eiszeit  und 
Nacheiszeit,  d.  h.  also  über  Schlüsse,  die  aus  Prämissen  von  teils  Tatsachen, 
teils  Hypothesen  gezogen  sind  und  daher  niemals  reine  Tatsachenfeststel- 
lungen werden  künneri. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913 


16 


242 


A.  Monsen,  Ueber  die  Packung 


liegendem  Fall,  aus  Mangel  einschlägiger  Beobachtungen  keine 
Handhaben  gegeben  sind.  Man  wird  sich  dann  darauf  beschränken 
müssen,  solche  Hypothesen  als  reine  „Arbeitshypothesen“,  nur 
gültig  zu  bestimmten  Zwecken  und  in  begrenztem  Bereich,  stehen 
zu  lassen.  Im  übrigen  aber  darf  man  sich  vielleicht  auf  einen 
Ausspruch  Goethe’s  beziehen,  der  an  Cuvier’s  Neigung  zu  positiv- 
bestimmter Ausdrucksweise  Anstoß  nahm  und  im  Anschluß  an 
dessen  discours  sur  le  revolutions  de  la  surface  du  globe  bemerkte: 
„Der  Mensch  gibt  überall  Probleme  zu  und  kann  doch  keines 
ruhen  und  liegen  lassen;  und  dieses  ist  auch  ganz  recht,  denn 
sonst  würde  die  Forschung  aufhören;  aber  mit  dem  Positiven  muß 
man  es  nicht  so  ernsthaft  nehmen,  sondern  sich  durch  Ironie 
darüber  erheben  und  ihm  dadurch  die  Eigenschaft  des  Problems 
erhalten;  denn  sonst  wird  man  bei  jedem  geschichtlichen  Rückblick 
konfus  und  ärgert  sich  über  sich  selbst.“ 

Die  Geologie  ist  schon  oft  in  der  Lage  gewesen,  sich  in  dieser 
Weise  ärgern  zu  müssen,  und  es  steht  bis  jetzt  zu  befürchten, 
daß  gleiches  ihr  in  Zukunft  nicht  erspart  bleiben  wird. 


Ueber  die  Packung  tertiärer,  diluvialer  und  rezenter  Sande 
und  das  Porenvolumen  von  Sandsteinen. 

Von  stud.  geol.  Astrid  Monsen  in  Königsberg  Pr. 

In  seiner  Abhandlung:  „Die  Annahme  der  submarinen  Erhebung 
des  Alpenzuges  und  über  Versuche,  Vorstellungen  über  submarine 
Gebirgsbewegung  zu  erlangen“,  zeigt  Professor  Tornquist  auf  Grund 
eingehender  Versuche,  die  mit  Seesand  ausgeführt  wurden,  wie 
außerordentlich  verschieden  locker  und  fest  sedimentierte  Sande 
in  ihren  physikalischen  Eigenschaften  sind  und  weist  darauf  hin, 
daß  diese  Tatsache  für  Lösung  wichtiger,  geologischer  Probleme 
in  Betracht  zu  ziehen  ist. 

Das  verschiedene  physikalische  Verhalten  des  Sandes  ist  durch 
die  verschiedenen  Porositätsverhältnisse  des  Sandes  bedingt.  Die 
Porosität,  d.  h.  das  Volumen  der  Poren  des  Sedimentes  zum  Gesamt- 
volumen desselben,  oder  die  Packung  des  Sedimentes  schwankt 
in  sehr  weiten  Grenzen,  je  nachdem  die  Sandkörner  sich  mit 
größeren  Flächen  oder  an  den  Kanten  berühren.  Als  Maximum 
der  Porosität  kann  47,54  Volumenprozent  Poren,  als  Minimum 
25,95  ü/o  Poren  eines  Sandes  angesehen  werden. 

Es  schien  von  Bedeutung,  die  in  der  Natur  vorkommenden 
Sande  an  Ort  und  Stelle  ihrer  natürlichen  Ablagerung  auf  ihre 
Porosität  und  Packung  hin  zu  untersuchen.  Es  wurden  zu  diesem 
Zwecke  die  in  der  Umgegend  von  Königsberg  anstehenden  Sande 
von  mir  einer  Prüfung  unterzogen,  über  die  ich  hier  vorläufig  kurz 


tertiärer,  diluvialer  und  rezenter  Sande  etc. 


243 


berichte,  da  ich  den  Abschluß  der  Arbeit  noch  eine  Zeitlang  hinaus- 
schieben  muß. 

Es  kamen  hierfür  Sande  des  Tertiär,  Diluvium,  Alluvium 
und  die  rezenten  Diinensande  in  Betracht,  deren  einzelne  Elemente 
durch  kein  Zement  verbunden  sind,  was  in  älteren  Formationen 
nur  ausnahmsweise  der  Fall  ist,  wie  z.  B.  bei  den  untersilurischen 
Glaukonitsanden  der  russischen  Ostseeprovinzen  und  den  im  Unter- 
gründe Ostpreußens  erbohrten  Jurasanden. 

A.  Tertiäre  Sande 

a)  des  Zipfelberges  bei  Groß-Kuhren,  Samland: 

1.  Unteroligocänes  Sediment  der  fernei’en Uferzone  des  Oligocän- 
meeres. 

2.  Grober  Quarzsand,  Grenzschicht  zwischen  Unter-Oligocän 
und  Miocän.  Litoralsediment. 

3.  Miocäner  Quarzsand  zwischen  unteren  und  oberen  Letten. 
Limnisches  Flach wassersediment. 

b)  der  Seeberge  zwischen  Palmnicken  und  Dirschkeim: 
Miocäner,  feinkörniger  Sand.  Limnisches  Flachwassersediment. 

c)  Tertiärer  Quarzsand,  etwa  10  cm  breiter  Streifen,  anstehend 
in  der  Bernsteingrube  von  Palmnicken. 

B.  Diluviale  Sande. 

a)  Diluvialer  Sand,  anstehend  in  Palmnicken,  Tagebau  der  Bern- 
steinwerke. 

C.  Alluviale  Sande. 

a)  Diinensande  der  Wanderdüne  der  Kurischen  Nehrung  zwischen 
Eossitten  und  Pilikoppen. 

1.  Sand  der  Sturzdüne  des  Predinberges. 

2.  Sand  des  Dünenkammes  des  Predinberges. 

3.  Sand  der  Luvseite  des  Predinberges. 

4.  Sand  des  Perwellberges  bei  Eossitten. 

5.  Sand  der  Kunzener  Berge  bei  Alt  Kunzen. 

b)  Seesand. 

1.  Seesand  am  Strande  der  Kurischen  Nehrung  bei  Eossitten. 

2.  am  Strande  bei  Groß-Kuhren. 
a ) Seesand  in  der  Schälung. 

(3)  Sand  in  der  See. 

y)  Strandsand  an  Schälung. 

Das  Porenvolum,  d.  h.  die  Summe  der  Hohlräume  (Poren)  in 
einem  bestimmten,  zumeist  lockeren  oder  verkitteten  Sediment, 
wurde  durch  Prüfung  der  genannten  Sande  am  Orte  ihrer  Ablagerung 
mit  eigens  dazu  konstruierten  Apparaten  wie  folgt  ermittelt  und 
in  Volumprozenten  berechnet: 


16* 


244 


A.  Monsen,  Ueber  die  Packung 


Tertiäre  Sande. 
Fundort 

Mittelwerte  des 
Porenvolums  d.  h. 
Porenvolumen  durch 
Sedimentvolumen 

1.  Zipfelberg  bei  Groß-Kuhren,  Samland:  Unter- 
oligocäner  glaukonitischer  Quarzsand. 

40,5  °/o. 

2.  Zipfelberg : grober  Quarzsand.  Grenzschicht 
zwischen  Unteroligocän  und  Miocän. 

40  °/o. 

Zipfelberg:  Gestreifter,  miocäner Quarzsand  zwischen 
unteren  und  oberen  Letten. 

36,5  °/c. 

Seeberge  zwischen  Palmnicken  und  Dirschkeim: 
Miocäner  Glimmersand. 

33  #/o. 

Palmnicken:  Kgl.  Bernsteinwerke,  in  der  Grube, 
etwa  10  cm  mächtiger,  zwischen  blauer  Erde 
anstehender  Streifen  groben  Quarzsandes. 

Diluviale  Sande. 

35,9  °/o. 

Fundort 

Mittelwerte 
des  Porenvolums 

Palmnicken,  Bernstein  werke,  Tagebau:  Diluvialer 
Quarzsand  unter  Geschiebemergel. 

32  o/o. 

Alluviale  Sande. 
Fundort 

Dünensande  der  Wanderdüne  der  Kurischen  Nehrung 
zwischen  Bossitten  und  Pilikoppen. 

1.  Rezenter  Dünensand  der  Sturzdüne  des  Predin- 
berges : 

«)  Ganz  unten  am  Fuß  der  Sturzdüne. 

37.5  o/o. 

ß)  An  verschiedenen  Höhen  des  Abhanges 
der  Sturzdüne. 

42  o,'o. 

Sand  des  frisch  aufgewehten  Dünenkammes. 

46  °/o. 

y)  An  der  Luvseite. 

2.  Sand  des  Perwellberges  bei  Rositten : 

40  o/o. 

«)  Ganz  am  Fuße  der  Düne. 
ß)  In  verschiedenen  Höhen. 

37,6  o/o. 
40  o/o. 

Rezenter  Dünensand  der  Kunzener  Berge  bei  Kunzen. 
Sturzdüne. 

43,5o/o. 

Seesand. 

1.  Seesand  am  Strande  der  Kurischen  Nehrung 
bei  Rossitten. 

40°  0. 

2.  Am  Strande  bei  Groß-Kuhren: 
«)  Sand  in  der  See. 

43  «/o. 

ß)  Straudsand  an  der  Schälung. 

35  0/0. 

y)  Lockerer,  trockener  Strandsand. 

42,8  0/0. 

tertiärer,  diluvialer  und  rezenter  Sande  etc. 


245 


Die  Untersuchung  ergab  demnach,  daß  marine  Saude,  die  nicht 
der  uferfernen  Litoralzone  angehören,  feste  Packung  besitzeu.  Da- 
gegen gehen  die  Sande  des  oberen  Unter-Oligocän  häutig  in  lockere, 
offenbar  litorale,  ufernahe  Packung  über. 

Dagegen  sind  Süßwasserablagerungen  fester  gepackt,  ebenso 
die  diluvialen.  Dünensande  zeigen  direkt  anstehend  lose,  aber 
unter  dem  Druck  der  darauflagernden  Düne  festere  Packung. 

Hiermit  stehen  Beobachtungen  über  Porosität  in  Sandsteinen 
im  Einklang. 

Ich  untersuchte  bisher  folgende  Sandsteine: 

A.  Kreidesandsteine. 

1.  Quadersandsteine  aus  dem  Cenoman,  Turon,  Senon. 

a)  Über-Quader  von  Herrenleite. 

b)  Sandstein  von  Quedlinburg,  Senon. 

c)  Cenomaner  Sandstein,  Unter-Quader,  Götzenbruch  bei 
Kabenau. 

d)  Quadersandstein,  Kommunebruch  bei  Königstein. 

e)  Labiatus-Qnadev , Bildhauersandstein,  Groß-Cotta  bei 
Pirna,  Turon. 

f)  Zflbiafws-Quader,  Bildhauersandstein,  Bosen  (?)  Bosen- 
dorf bei  Pirna,  Turon. 

g)  Unter-Quader,  untere  Schicht,  Dohna,  Branamiihle. 

h)  Oberer  Quader,  Ucketaler  Grund. 

i)  Unter-Quader,  obere  Schicht,  Dohna,  Branamiihle. 

j)  Muschelquader,  Coschütz  bei  Dresden. 

k)  Elbsandstein,  Bodenbach. 

l)  Unterer  Quadersandstein  von  Bannewitz  bei  Dresden. 

2.  Bunter  Sandstein,  Heidelberg  am  Neckar. 

3.  Bunter  Sandstein,  Casseley  in  der  Eifel. 

Die  Prüfung  der  erwähnten  Sandsteine  hatte  zur  Aufgabe, 
das  ursprüngliche  Porenvolum  der  Sandsteine  festzustellen,  d.  h. 
das  absolute  Poren  volum  ohne  Ce  ment  zu  bestimmen,  um  da- 
durch der  Frage  über  die  natürliche  Ablagerung  des  Sediments 
näher  zu  kommen.  Wie  zwei  Beispiele  zeigen  mögen : 

1.  Ldbiatus- Quader,  Bosendorf  bei  Pirna,  Turon,  mit  ur- 
sprünglichem Porenvolum  38,6  °/o; 

2.  Unter  Quader  und  Schicht,  Dohna,  Brauamülile,  mit  ur- 
sprünglichem Porenvolum  32,7  %, 

steht  hier  das  Porenvolum  mit  dem  bei  den  fossilen  und  rezenten 
litoralen,  küstenfernen  und  küstennahen  Sanden  ermittelten  im 
Einklang. 

Meine  weitere  Arbeit  soll  sich  auf  die  Betrachtung  möglichst 
vieler  Sandsteine,  besonders  auf  deu  Buntsandstein,  beziehen. 

Königsberg  Pr.,  28.  Januar  1913,  Geologisches  Institut. 


246 


H.  P.  Cornelius,  Geologische  Beobachtungen 


Geologische  Beobachtungen  im  Gebiete  des  Fornogletschers 

(Engadin). 

Von  H.  P.  Cornelius. 

Auf  der  Exkursion  in  die  Alpen , welche  die  Geologische 
Vereinigung  im  Sommer  1912  veranstaltete,  erfuhr  ich  zu  meiner 
großen  Überraschung  aus  dem  Munde  von  Herrn  Geheimrat 
G.  Steinmann  dessen  Ansicht,  nach  welcher  die  Granitmasse  der 
Albigna-Disgrazia-Gruppe  tertiären  Alters  wäre.  Steinmann  gründete 
diese  Ansicht  auf  das  Auftreten  des  Granits  im  allgemeinen,  sowie 
auf  dessen  petrograpliische  Beschaffenheit,  welche  keinerlei  An- 
zeichen einer  stärkeren  mechanischen  Beanspruchung  erkennen  läßt. 
Ich  unternahm  darauf,  um  über  diese  Frage  ins  klare  zu  kommen, 
zu  Anfang  September  des  letzten  Jahres  einige  Exkursionen  in 
das  Fornogebiet.  Dieselben  lieferten  Resultate , welche  mir  in 
mancher  Beziehung  interessant  genug  scheinen,  um  die  Bekannt- 
gabe eines  kurzen  vorläufigen  Berichts  zu  rechtfertigen. 

Fassen  wir  zunächst  die  tektonische  Situation  unseres  Gebietes 
ins  Auge!  Wie  ich  kürzlich1  mitgeteilt  habe,  wird  der  aus 
Gneisen  und  Phylliten  der  Malojaserie  bestehende  kristalline  Kern 
der  rhätischen  Decke  in  Val  Maroz , unmittelbar  westlich  von 
Casaccia , von  Grünschiefern  unterlagert , welche  dem  verkehrten 
Schenkel  der  nämlichen  Decke  angehören.  Desgleichen  bilden  die 
Grünschiefer  und  Serpentine  von  Val  Malenco  die  Unterlage  der 
Gneise  der  rhätischen  Decke  in  der  Kette  Piz  Fora — Sasso  d’Entova, 
wie  aus  den  Untersuchungen  F.  Zyndel’s2  und  des  Verfassers 
hervorgeht.  Wir  haben  also  zu  erwarten,  daß  die  Kontaktfläche, 
welche  jene  beiden  Gesteinsgruppen  trennt,  auch  zwischen  Casaccia 
und  den  Bergen  östlich  des  Murettopasses  ausstreicht.  Und  in  der 
Tat:  steigen  wir  von  Maloja  südwärts  hinauf  nach  der  Terrasse 
Salacina  (nördlich  des  gleichnamigen  Gipfels),  so  erreichen  wir 
dort  die  Südgrenze  der  E-W  streichenden  und  steil  (bis  50°)  N 
fallenden  Malojagneise.  Den  im  Süden  sich  erhebenden,  felsigen 
Grat,  welcher  vom  Piz  Salacina  gegen  NE  zieht,  bauen  die  unter- 
lagernden Grünschiefer  auf.  Sie  ziehen  gegen  NE  hinab  nach 
dem  Knie  der  Ordlegna , ca.  1 km  nördlich  des  Lej  da  Cavlocc, 
und  treten  dort  noch  auf  die  Nordseite  jenes  Flusses.  Der  Kontakt 
mit  den  hangenden  Gneisen  ist  leider  auf  dieser  ganzen  Strecke 

1 H.  P.  Cornelius,  Über  die  rhätische  Decke  im  Oberengadin  und 
den  südlich  benachbarten  Gegenden.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  632  ff.  — 
Petrograpliische  Untersuchungen  in  den  Bergen  zwischen  Septimer-  und 
Julierpaß.  N.  Jalirb  f.  Min.  etc.  Beil. -Bd  XXXV.  1918.  Karte  Tafel  XIX. 

2 F.  Zyniiel,  Über  den  Gebirgsbau  Mittelbündens.  Beitr.  z.  geol. 
Karte  d.  Schweiz.  Neue  Folge  XLI.  1912.  p.  25.  — Die  Ergebnisse 
Zyndel’s  stimmen  bezüglich  der  Tektonik  von  Val  Malenco  (wie  auch  in 
vielen  anderen  Punkten)  vollkommen  mit  den  meinigen  überein. 


im  Gebiete  des  Fornogletschers  (Engadin). 


247 


nirgends  aufgeschlossen,  doch  läßt  sich  leicht  erkennen,  daß  letztere 
stets  von  dem  Grünschiefer  weg,  nach  N bis  NW  einfallen.  An 
dein  erwähnten  Ordlegnaknie  nun  erfährt  die  Grenze  der  beiden 
Gesteinsgruppen  einen  scharfen  Knick:  sie  wendet  sich,  ungefähr 
dem  Tallaufe  folgend,  fast  genau  gegen  Süden.  Die  unterste  Fels- 
mauer  auf  der  Ostseite  besteht  bereits  aus  Gesteinen  der  Gneis- 
serie; Grünschiefer  stehen  zusammenhängend  bis  zum  Lej  da  Cavlocc 
an,  dann  noch  in  einzelnen  Aufschlüssen ; den  südlichsten  fand  ich 
am  N-Fuß  des  Pizzo  dei  Rossi.  Auf  dieser  ganzen  Strecke  herrscht 
im  Norden  flacheres  (20  — 30°),  gegen  Süden  immer  steileres  Ge- 
fälle nach  ENE  bis  E ; am  Murettopaß  steht  der  Gneis  sogar 
vertikal,  ja,  etwas  südlich  der  Paßhöhe  ist  derselbe,  wenigstens 
lokal,  ein  wenig  gegen  E überkippt. 

In  die  Grün  schiefer  ist  jedoch  nochmals  eine  Gneisschuppe 
eingebettet.  Dieselbe  bildet  den  Gipfelkopf  des  Piz  Salacina, 
sowie  (infolge  des  ENE-Gefälles)  fast  das  ganze  Gehänge  westlich 
der  Strecke  Lej  da  Cavlocc — Plancanin ; ich  möchte  sie  der  Kürze 
halber  als  Cavloccschuppe  bezeichnen.  Sie  schießt  überall 
unter  die  bisher  betrachteten  Grünschiefer  (vom  P.  Salacina-NE- 
Grat  etc.)  ein : ihr  Liegendes  wird  wiederum  von  Grünschiefern 
gebildet,  welche  ich  indessen  nur  am  Südgrat  des  Piz  Salacina, 
sowie  zwischen  Plancanin  und  dem  Ende  des  Fornogletschers  an- 
stehend kenne.  An  ersterer  Lokalität  enthalten  dieselben  ein 
kleines  Lager  von  hochkristallinem , schieferigem  Kalk  — teils 
grau,  ziemlich  homogen,  teils  hell,  mit  Bänderung  durch  erhaben 
herauswitternde  Lagen ; in  ersterer  Varietät  könnte  man  vielleicht 
ein  hochmetamorphes  Äquivalent  der  Liasschiefer,  in  letzterer  ein 
solches  des  -Hyänenmarmors“  des  Septimer-Juliergebiets  erblicken. 

Über  die  tektonischen  Beziehungen  zwischen  der  Cavlocc- 
schuppe und  der  Gneismasse  der  rhätischen  Decke  habe  ich  noch 
keine  Klarheit  erlangen  können.  Wahrscheinlich  ist  die  erstere 
nur  eine  lokale  Digitation  des  Kerns  der  rhätischen  Decke ; ich 
vermute  einen  Zusammenhang  beider  am  Pizzo  dei  Rossi,  dessen 
Hochregion  ich  noch  nicht  besuchen  konnte;  die  vollkommene 
Identität  vieler  Gesteinstypen  der  Cavloccschuppe  mit  solchen  der 
Murettogegend  verdient  jedenfalls  hervorgehoben  zu  werden. 

Bei  den  bisherigen  Betrachtungen  haben  wir  das  orographisch 
wie  geologisch  wichtigste  Element,  das  sich  am  Aufbau  des  Forno- 
gebiets  beteiligt,  noch  gar  nicht  erwähnt:  den  Granit,  der  die 
zahlreichen  prachtvollen  Hochgipfel  auf  der  Süd-  und  Westseite 
■des  gewaltigen  Gletschers  wohl  ausschließlich  aufbaut.  Längs  einer 
Linie,  welche  von  P 2562  südlich  des  Piz  Salacina  gegen  SE 
nach  dem  Tal  unterhalb  der  Zunge  des  Fornogletschers  läuft,  stößt 
er  an  die  kristallinen  Schiefer  des  Cavloccgebiets.  Am  besten 
sind  die  Kontaktverhältnisse  im  Tale  des  Fornogletschers  zu  be- 
obachten. Bei  Plancanin  stehen  wir  auf  den  ca.  30°  NE  fallenden 


248 


H.  P.  Cornelius,  Geologische  Beobachtungen 


Gneisen  der  Cavloccschuppe.  Dieselben  nehmen  gegen  SW  erst 
noch  steilere,  dann  ganz  flache  Lage  an ; südlich  lassen  sie , im 
Tal  des  Fornogletscliers , die  unterlagernden  Grünschiefer  hervor- 
treten. Am  ersten  bedeutenden  Couloir  (von  Plancaniu  aus  ge- 
rechnet) , das  von  W herabzieht , werden  beide  Gesteine 
gegen  SW  vom  Granit  scharf  abgeschnitten;  die  Grenze 
steht  saiger.  — Gehen  wir  von  hier  weiter  taleinwärts,  so  treffen 
wir  nach  Durchschreitung  von  ca.  */1 2  km  Granit,  nahe  dem  Ende 
des  Fornogletscliers,  abermals  Schiefergesteine  «an:  eine  nördliche 
Zone  von  Gneis,  eine  südliche  von  Grünschiefer,  alles  mit  vertikaler 
Schieferung.  Diese  Gesteine  sind  nach  allen  Lichtungen  durch- 
adert von  großen  und  kleinen  Granitgängen  !,  vollständig  in 
Schollen  aufgelöst,  deren  Dimensionen  von  ganz  kleinen  bis  zu 
Hausgröße  schwanken.  Injektions-  und  Einschmelzphänomene  sind 
namentlich  an  kleinen  Einschlüssen  vielfach  zu  beobachten.  Gegen 
W setzt  diese  Schollenzone  hinauf  an  den  Grat  südlich  der  Cima 
di  Murtaira;  gegen  SE  findet  sie  eine  Fortsetzung  in  größtem 
Maßstabe  im  Pizzo  dei  Eossi,  auf  dessen  E-Seite  besonders  die 
Durchaderung  der  dunklen  Schiefergesteine  durch  helle  Granit- 
gänge schon  aus  der  Ferne  prächtig  sichtbar  ist.  — Auch  nörd- 
lich der  Granitgrenze  setzen  bereits  einzelne  Gänge  auf,  wohl 
der  bedeutendste  im  Gneis  des  Salacinagipfels ; au  dessen  Süd 
grat  sind  mehrere  kleinere  gut  aufgeschlossen , welche  sowohl 
die  Grünschiefer,  «als  auch  die  oben  erwähnten  Kalke  dureli- 
dringen.  An  allen  diesen  Gängen  läßt  sich  die  Beobachtung 
machen,  daß  sie  im  Gneis  Neigung  zur  Lagergangbildung  zeigen, 
während  sie  den  Grünschiefer  senkrecht  zur  Schieferung  zu  durch- 
setzen pflegen  und  dabei  parallel  zu  derselben  einzelne  Apophyseu 
abgeben. 

Der  Granit  besteht  aus  Orthoklas  (bezw.  Mikroperthit)  und 
saurem  Plagioklas  in  wechselnden  Mengenverhältnissen , reichlich 
Quarz  und  im  allgemeinen  spärlichem  dunklem  Glimmer.  Das 
Gestein  ist  seiner  überwiegenden  Masse  nach  porphyrartig  aus- 
gebildet — die  Orthoklase  können  mehrere  Centimeter  Länge  er- 
reichen — - und  erinnert  im  Handstück  stark  an  Vorkommnisse  des 
südlichen  Schwarzwaldes.  Im  Dünnschliff  erkennt  man  häufig 
beginnende  Umwandlung  der  Feldspäte  zu  Serizit , des  Biotits  zu 
Chlorit,  sowie  gelegentlich  undulöse  Auslöschung  am  Quarz,  doch 
nie  in  starkem  Grade.  Die  Textur  des  Gesteins  ist  stets  voll- 
kommen massig;  nur  ausnahmsweise  findet  man  in  Granitgängen 
Parallelorientierung  der  Glimmerblätter,  welche  ungezwungen  als 
primäre  Fluidalerscheinung  gedeutet  werden  kaun.  — Nach  dem 

1 Wie  dies  schon  Theobald  beobachtet  hat;  vergl.  Beitr.  z.  geol. 

Kurte  d.  Schweiz.  III.  1866.  p.  245.  Über  die  Fortsetzung  dieser  Er- 
scheinungen gegen  W siehe  ebendort  p.  265  ff. 


im  Gebiete  des  Fornogletschers  (Engadin). 


249 


Gesagten  kann  icli  mich  nicht  der  Ansicht  G.  Melzi’s  1 anschließen, 
welcher  das  (nach  seiner  wie  Thkobald’s  Beschreibung  mit  dem 
Granit  vom  Fornogletscher  vollkommen  übereinstimmende)  Gestein 
des  Hintergrundes  von  Yal  Masino  als  Gneis  („gneiss  porßroide“) 
bezeichnet.  Eine  Begründung  dieser  Bezeichnung  habe  ich  in  der 
im  übrigen  schönen  Arbeit  Melzi’s  vergebens  gesucht;  im  Gegen- 
teil geht  ans  dem  Text  wie  aus  den  beigegebenen  Mikrophoto- 
graphien hervor,  daß  das  fragliche  Gestein  eine  ganz  normale 
granitische  Struktur  besitzt,  bei  vollkommen  massiger  Textur. 

Bei  einem  Granitmassiv  von  solchen  Dimensionen  wie  sie  das 
in  Rede  stehende  besitzt  — ca.  20  km  Länge,  12  km  Breite  — 
darf  man  von  vornherein  Kontakterscheinungen  in  beträcht- 
lichem Maße  erwarten.  Und  solche  sind  in  der  Tat  vorhanden. 
Während  nämlich  die  Gneise  der  Malojaserie  bis  auf  Salacina  ihr 
normales  Gepräge  tragen , wie  wir  es  bei  Maloja  und  auf  der 
Xordseite  des  Silsersees  kennen  lernten2,  ändert  sich  ihr  Gepräge 
sehr  wesentlich,  wenn  wir  weiter  nach  Südosten  gehen : die  typo- 
morphen  Mineralien  der  obersten  Zone  der  kristallinen  Schiefer 
(nach  Becke  und  Grubenmann),  Sericit  bezw.  Phengit  und  Chlorit, 
welche  die  normale  Ausbildungsweise  der  Malojagesteine  charak- 
terisieren, verschwinden  vollständig;  Biotit  und  manchmal  etwas 
Muskovit  treten  an  ihre  Stelle.  Dazu  kommen  in  vielen  Gqsteinen 
noch  typische  Kontaktmineralien:  Granat  und  Andalusit,  im  un- 
mittelbaren Kontakt  auch  Sillimanit.  Quarz  und  Feldspäte  fehlen 
selbstverständlich  auch  nicht  im  Mineralbestand.  Wir  erhalten 
also  als  wichtigste  Gesteinstypen : Biotitlagengneise  (Piz  Fadöz, 
S-Seite),  porphyroblastische  Biotit-Granatgneise  (Murettopaß;  Forno- 
gletscher); granatführende  Andalusit-Biotitgesteine  (Lej  da  Cavlocc, 
mit  bis  3 cm  langen  Andalusitprisinen) ; hinzu  treten  noch  fein- 
schieferige , sehr  graphitreiche  Gesteine , ähnlich  den  Graphit- 
phylliten  von  der  Xordseite  des  Silsersees,  doch  in  unserem  Falle 
auch  reichlich  Biotit  führend  (Piz  Salacina),  sowie  Quarzite  mit 
z.  T.  hohem  Gehalt  an  diopsidartigem  Pyroxen  (Murettopaß ; Lej 
da  Cavlocc).  Vollständig  massige  Texturen , Hornfels-  und  Sieb- 
struktur sind  vielen  dieser  Gesteine  eigen.  Mit  den  Grünschiefern 
vollzieht  sich  eine  analoge  Veränderung:  die  normalen  Epidot- 
chloritschiefer  der  obersten  Zone,  wie  sie  westlich  von  Casaccia 
herrschen,  treffen  wir  noch  am  XE-Grat  des  Piz  Salacina;  von 
dort  gegen  S und  SE  gehen  sie  sehr  rasch  über  in  Ampliibolite, 
die  im  wesentlichen  aus  grüner  Hornblende  und  Plagioklas  be- 
stehen; letzteren  konnte  ich  in  vielen  Fällen  als  Labrador  bestimmen. 
Ein  bedeutender  Gehalt  an  Biotit  ündet  sich  in  vielen,  ein  geringer 

1 G.  Melzi,  Ricercbe  geologiche  e petrografiche  sulla  Valle  dcl 
Masino.  Giorn.  di  Min.  IV.  1893.  p.  120  f. 

2 H.  P.  Cornelius,  a.  a.  0.  N.  Jalirb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXV, 
p.  389  ff. 


250 


H.  P.  Cornelius,  Geologische  Beobachtungen 


an  monoklinem  Pyroxen  in  manchen  dieser  Gesteine;  vereinzelt 
trifft  man  auch  Granatfiihrung.  Ehemalige  porphyrische  und 
Gabbrostrukturen  sind  in  manchen  Fällen  noch  erkennbar  (Lej 
da  Cavlocc).  Die  kristallinen  Kalke  vom  Südgrat  des  Piz  Salacina 
geben  sich  unter  dem  Mikroskop  ebenfalls  als  reichlich  Diopsid 
führend  zu  erkennen. 

Wenn  es  auch  bei  vielen  dieser  Gesteine  zurzeit,  und  ohne 
chemische  Untersuchung  wohl  überhaupt  nicht  möglich  ist,  die  stoff- 
liche Identität  mit  bestimmten , nicht  veränderten  Typen  nachzu- 
weisen, so  ist  doch  eines  sicher:  alle  erwähnten  Gesteine  aus  dem 
Raum  zwischen  der  Granitgrenze  und  der  Linie  Murettopaß — Lej 
da  Cavlocc  enthalten  Mineralien , welche  zu  ihrer  Bildung  einer 
hohen  Temperatur  bedürfen  (Andalusit,  Sillimanit,  Biotit, 
Diopsid,  basischer  Plagioklas).  Und  da  die  fraglichen  Gesteine  in 
ihrer  Verbreitung  an  die  Nachbarschaft  des  Granits  gebunden  sind, 
werden  wir  nicht  fehlgehen , wenn  wir  denselben  für  die  statt- 
gehabte Hitzezufuhr  verantwortlich  machen  — jene  Gesteine  mit- 
hin als  Kontaktprodukte  des  Granits  betrachten.  Die  Breite 
des  Kontakthofs  ist  freilich  eine  außergewöhnliche:  die  liochmeta- 
morphen  Andalusitgneise  am  Lej  da  Cavlocc  sind  über  1 1 /2  km 
vom  nächsten  anstehenden  Granit  entfernt;  die  äußersten  Ausläufer 
der  Umwandlung  dürften  noch  erheblich  weiter  reichen.  Immerhin 
siud  Kontakthöfe  von  ähnlichen  Dimensionen  auch  schon  aus  anderen 
Gebieten  bekannt  geworden. 

Was  lassen  sich  nun  für  Schlüsse  bezüglich  des  Alters  der 
Granitintrusion  aus  den  bisher  beschriebenen  Verhältnissen  ableiten  ? 

In  dieser  Beziehung  steht  zunächst  eines  fest:  Der  Granit 
durchsetzt  in  Gangform  alle  Gesteine  seiner  Umgebung  ohne  Aus- 
nahme, und  muß  folglich  jünger  sein  als  dieselben,  wie  schon 
E.  Bonakdi  1 geschlossen  hat,  der  freilich,  den  zu  jener  Zeit, 
herrschenden  Anschauungen  entsprechend , sämtliche  kristalline 
Gesteine  ins  Archaikum  stellt.  Für  die  Gneise  etc.  unseres  Ge- 
bietes ist  nun  tatsächlich,  wenn  auch  nicht  ein  archäisches,  so 
doch  ein  vortriadisches  Alter  sicher;  die  Kalke  vom  Piz  Salacina 
dürften  dagegen  mit  großer  Wahrscheinlichkeit  ins  Mesozoikum  zu 
stellen  sein,  wenn  ich  auch  einen  direkten  Beweis  für  diese  An- 
sicht einstweilen  nicht  erbringen  kann.  Eine  größere  Sicherheit 
haben  wir  bezüglich  des  Alters  der  grünen  Gesteine.  G.  Stein- 
mann 2 hat  ein  mindestens  postjurassisches  Alter  derselben  für 
Graubünden  im  allgemeinen  nachgewiesen;  und  ich  glaube  a.  a.  0. 
gezeigt  zu  haben,  daß  ihre  Intrusion  in  eine  Zeit  gefallen  ist,  zu 
welcher  eine  erste  Phase  der  gebirgsbildenden  Tätigkeit  bereits 

1 E.  Bonardi,  II  gruppo  cristallino  delU  Albigna  e della  Disgrazia 
Rendiconti  del  R.  istituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  Serie  II.  Vol  XV. 
1882.  p.  554. 

s G.  Steinmann,  Ber.  naturf.  Ges.  Freiburg  i.  B.  XVI.  1906. 


im  Gebiete  des  Fornogletschers  (Engadin). 


251 


begonnen  hatte.  Der  Granit  der  Albigna — Disgraziagruppe,  welcher 
die  Grünschiefer  seinerseits  durchbricht,  muß  demnach  auch  jünger 
sein  als  jene  erste  Phase  der  faltenden  Bewegung.  Wir  können 
jedoch  noch  einen  Schritt  weiter  gehen:  Zur  Zeit  der  Granit- 
intrusion müssen  sich  auch  die  Grünschiefer  schon  in  ihrer  jetzigen 
Stellung  zu  den  Gneisen  des  Kerns  der  rhätischen  Decke,  sowie 
der  Cavloccschuppe  befunden  haben.  Dies  geht  hervor  einmal  aus 
der  Tatsache,  daß  die  Gesteine  der  genannten  tektonischen  Elemente 
sämtlich  in  der  Nachbarschaft  des  Granites  kontaktmetamorpli  um- 
gewandelt sind,  sowie  aus  der  weiteren,  daß  der  Granit  den  Gneis 
der  Cavloccschuppe  mitsamt  dem  unterliegenden  Grünschiefer  ein- 
heitlich abschneidet.  Mag  man  auch,  da  die  tektonische  Bedeutung 
der  Cavloccschuppe  noch  nicht  mit  Sicherheit  feststeht,  den  Wert 
jener  zweiten  Tatsache  für  die  Altersbestimmung  des  Granits 
minder  hoch  einschätzen , die  Beweiskraft  der  erstgenannten  läßt 
sich  nicht  einschränken : die  Auflagerung  der  Gneise  der  rhätischen 
Decke  auf  die  grünen  Gesteine  ist,  wie  die  Verhältnisse  bei  Casaccia 
und  in  Val  Malenco  beweisen , durch  Überfaltung  zustande  ge- 
kommen ; im  Bereich  des  Granites  zeigen  beide  Gesteinskomplexe 
Kontaktmetamorphose,  folglich  muß  die  Überfaltung  voll- 
zogen gewesen  sein,  als  das  Aufdringen  des  Granits 
sta  ttf  and. 

Unterstützt  wird  dieser  Schluß  durch  die  petrographisclie 
Beschaffenheit  des  Granits , auf  welche  Steinmann  auf  der  oben 
erwähnten  Exkursion  hingewiesen  hat.  Wenn  auch  im  Dünnschliff 
mancherlei  Erscheinungen  sichtbar  werden,  die  man  als  Wirkungen 
des  Gebirgsdrucks  deuten  kann,  so  ist  doch  der  Unterschied 
zwischen  dem  mikroskopischen  Bilde  dieses  Granits  und  demjenigen 
etwa  des  Juliergranits  ein  ganz  enormer.  Daß  der  erstere  stärkere 
faltende  Bewegungen  mitgemacht  haben  könnte,  erscheint  demnach 
ganz  ausgeschlossen.  Auch  die  vertikalen  Grenzen  der  Granit- 
masse und  zahlreicher  Gänge  sprechen  dagegen , daß  nach  dem 
Empordringen  des  Granits  noch  horizontale  Bewegungen  einzelner 
Teile  seiner  Umgebung  stattgefunden  haben  könnten ; solche  hätten 
zu  Knickungen  und  Verbiegungen  der  Granitgänge  führen  müssen, 
welche  ich  nie  beobachten  konnte.  Höchstens  an  einer  Block- 
bewegung des  gesamten  lepontinischen  Gebiets  (von  nicht  zu  großem 
Ausmaß)  könnte  der  Granit  noch  teilgenommen  haben. 

Wir  gelangen  also  auf  verschiedenen  Wegen  stets  zu  dem 
nämlichen  Besultat:  die  Intrusion  unseres  Granitmassivs 
ist  jünger  als  die  Deckenbewegungen  in  diesem 
Teile  der  Alpen,  jünger  als  der  lepontinische  Schub 
F.  Heritsch’s  j,  nach  der  Zeitbestimmung  dieses  Autors  für  die 
einzelnen  Deckenschiibe  also  jünger  als  Oligocän. 

1 F.  Heritsch.  Das  Alter  des  Deckenschubes  in  den  Ostalpen.  Sitzgsb. 
lc.  Akad.  Wien.  CXXI.  Abt.  I.  1912.  p.  622  f. 


252 


H.  Mylius, 


Eine  obere  Altersgrenze  ist  meiner  bisherigen  Erfahrung  nach 
erst  durch  die  glazialeii  Ablagerungen  gegeben , in  welchen  sich 
Blöcke  unseres  Granits  sehr  häufig  finden. 

Ein  Vergleich  der  periadriatischen  Massen  Salomon’s  1 (und 
der  vermutlich  tertiären1 2  piemontesischen  Stöcke)  mit  dem  Disgrazia- 
massiv  führt  uns  einige  Unterschiede  gegenüber  den  ersteren  vor 
Augen.  Erstens  eiuen  petrographischen  : dort  handelt  es  sich  meist 
um  ziemlich  basische  Gesteine  (Tonalite  bis  Diorite),  während  in 
unserem  Falle  wenigstens  die  Hauptpartie  des  Massivs  von  einem 
zweifellosen  Granit  gebildet  wird.  Ein  weiterer  Unterschied  besteht 
hinsichtlich  der  tektonischen  Stellung:  alle  jene  Massen  — die 
Kerne  des  Rieserferner  ausgenommen  — befinden  sich  teils  un- 
mittelbar an  der  alpin-dinarischen  Grenze,  teils  ganz  auf  dinarischem 
Gebiet;  das  Disgrazia  massiv  hingegen  liegt  voll- 
ständig im  alpinen  Deckenland.  Dieser  Umstand  macht 
es  hier  leichter  als  es  vielleicht  irgendwo  sonst  in  den  Alpen  ist. 
das  der  Gebirgsbildung  gegenüber  jüngere  Alter  des  Intrusiv- 
komplexes  nachzuweisen. 

Zürich,  Ende  Januar  1913. 


Entgegnung  an  A.  Tornquist. 

Von  H.  Mylius. 

Mit  1 Textfigur. 

Prof.  Dr.  A.  Tornquist  hat  in  No.  24  des  vorigen  Jahrganges- 
dies.  Centralbl.  gegen  meine  Entgegnung  Einspruch  erhoben  und 
denselben  in  vier  Punkten  zusammengefaßt,  auf  die  ich  folgendes 
zu  erwidern  habe: 

Zu  Punkt  1 der  „außerordentlichen  Zerknitterung  der  Klippen- 
gesteine im  Gegensatz  zu  den  meist  unzerdrückten  Schichten  der 
aus  dem  Untergrund  aufgefalteten  Kreide“.  Zugegeben,  daß  dem 
so  ist,  daun  kann  es  einem  durchaus  nicht  wundern,  wenn  der 
massige,  oft  gänzlich  ungeschichtete  Schrattenkalk,  wie  er  an  den 
Gauchenwänden  zwischen  Flysch  verkeilt  ist,  sich  bei  den  gebirgs- 
bildenden  Vorgängen  anders,  d.  h.  widerstandsfähiger  verhielt  als 
wie  die  sich  durch  schnellste  Wechsellagerung  der  verschiedensten 
Gesteinssorten  auszeichnenden  Klippengesteine,  unter  denen  weiche 
Mergelschiefer  eine  wesentliche  Rolle  spielen.  Jener  hat  sich  daher 

1 W.  Salomon,  Über  Alter,  Lagerungsform  u.  Entstehungsart  d.  peri- 
adriatischen, granitischkörnigen  Massen.  Min.  u.  petr.  Mitt.  XVII.  1898. 

2 Vergl.  V.  Novarese,  Zt.  f.  prakt.  Geol.  X.  1902.  p.  179,  sowie 
E.  Aröand,  Spezialkarte  64  der  geol.  Karte  der  Schweiz.  1911.  — ln  der 
Legende  zu  der  genannten  Karte  stellt  Akgand  die  fraglichen  Intrusiv- 
massen  mit  den  jüngsten  Sedimenten  zusammen! 


Entgegnung  an  A.  Tornquist. 


253 


in  seiner  Massigkeit  erhalten ; diese  sind  mehr  oder  weniger  intensiv 
gefaltet  worden. 

Von  einer  „ Zerknitterung“  der  Klippengesteine  kann  indes 
überhaupt  nicht  die  Rede  seiu.  Man  betrachte  Tornquists  Tafeln  V 
bis  IX;  wo  ist  da  etwas  von  Zerknitterung  zu  sehen  ? Kulissen- 
artig ragen  auf  der  Tafel  VII  die  Aptyclienkalke  in  die  Luft; 
was  man  auf  den  Tafeln  V und  VI  im  Vordergrund  sieht,  Ge- 
Tobnquist  inzwischen  selbst  zugegeben,  ist  keine  dynamische  hat 
steinszerknitterung,  keine  „Überschiebungsbreccie“  mehr,  sondern 
Gehängeschutt;  nur  Tafel  IX  läßt  „Fältelungen“  in  der  Kalkklippe 
erkennen. 


Skizze  der  Allgäuer  und  Vorarlberger  Juraklippen  nach  A.Tornquisf. 


ObJurakh'ppe.  Flysch  Kalkiger  Krystallinische  Alluvium, 

meist  sandig , Chondriten-  Conglomerate  u. 
conglomeratisch.  Ft y sch.  Blöcke  im  Flysch. 


Zu  Punkt  2 „die  enge  Verbindung  der  Klippen  mit  den 
kristallinen  Exotica“  betreffend,  „die  bisher  noch  niemand  aus  dem 
Untergrund  hergeleitet  hat“.  — Warum  soll  icli  nicht  eine  An- 
sicht äußern  dürfen,  die  „bisher  noch  niemand“  hatte? 

Was  die  „enge  Verbindung  der  Klippen  mit  kristallinen 
Exotica“  betrifft,  so  verstehe  ich  nicht  recht,  welche  Erklärung 
Tornquist  eigentlich  von  mir  verlangt.  Beide  Erscheinungen  einer- 
seits der  kristallinen  Exotica,  andererseits  der  Klippen  werden  von 
ihm  selbst  getrennt  behandelt.  Jene  sollen  sedimentäre  Einlage- 
rungen im  Flysch  sein,  die  in  diesem  sogar  ein  bestimmtes  „strati- 
graphisches Niveau“  einnehmen  und  später  mit  ihm  alle  Phasen  der 
Gebirgsbildung  mitmachten.  Diese  hingegen  sollen  auf  dynamischem 
Wege  und  zu  einem  späteren  Zeitpunkt  von  oben  in  den  schon 
gefalteten  Flysch  hinabgestoßen  worden  sein. 

Um  die  Polemik  zum  Abschluß  zu  bringen  und  die  Erledigung 
dieses  mir  unklaren  Punktes  'nicht  auf  eine  spätere  Erwiderung 
verschieben  zu  müssen,  gehe  ich  hier  auf  die  von  Tornquist  „ent- 
deckten und  im  Flysch  weit  verbreiteten  Breccien  und  Konglo- 
merate“ etwas  ausführlicher  ein. 


254 


H.  Mylius, 


Tornquists  geologische  Karte  seiner  Arbeit  über  „die  Allgäu- 
Vorarlberger  Flyschzone  usw.“  verzeichnet  an  vier  Stellen  das  Vor- 
kommen kristallinischer  Gesteine  im  Flysch : bei  den  Grämpl- Alpen, 
der  Lenzenberg- Alp,  der  Grasgern-Alp  (Böigen)  und  der  Mittel-Alp 
am  Riedberghorn. 

An  der  Grämpl- Alp  konnte  ich  von  einer  kristallinen  Breccie 
nichts  finden;  statt  ihrer  in  weiter  Verbreitung  nur  die  übliche 
Flyscharkose,  die  bekanntlich  viel  kristallines  Material,  besonders 
Glimmer  und  Quarz  und  auch  Gneis  und  Granit  in  kleinen  Par- 
tikelchen enthält. 

An  der  Lenzenberg-Alp  machte  ich  die  gleiche  Erfahrung. 

Am  Böigen  tritt  bekanntlich  ein  mächtiger  Granitblock  von 
mindestens  1000  Kubikmeter  Volumen  auf;  von  einer  kristallinen 
Breccie  oder  einem  Konglomerat  ist  auch  hier  nichts  zu  sehen. 

Das  Riedberghorn'  zu  besuchen,  langte  mir  die  Zeit  nicht 
mehr,  und  ich  glaube  auch  nicht,  daß  ich  zu  einem  wesentlich 
anderen  Resultat  gekommen  wäre,  als  wie  an  den  genannten  Alpen. 

Da  nun  Tornquist  auf  die  „enge  Verbindung“  der  kristallinen 
Gesteine  mit  den  Klippen  Wert  legt,  will  ich  derselben  hier  einige 
Worte  widmen,  ohne  auf  die  'soeben  genannten,  nicht  zu  Torn- 
quists  Gunsten  sprechenden  Beobachtungen  Rücksicht  zu  nehmen. 

Ich  beleuchte  dieselbe  zunächst  im  Sinne  von  Tornquist. 
Die  kristallinen  Breccien  und  Konglomerate  sollen  Einlagerungen 
im  Flysch  sein,  ein  bestimmtes  „stratigraphisches  Niveau“  in  ihm 
bezeichnen.  Da  nun  der  Flysch  gefaltet  war,  ehe  die  Klippen  in 
ihn  hinabgestoßen  wurden,  sollen  seine  Schichten  ungestört,  d.  h. 
mit  gleichem  Streichen  und  Fallen  unter  jenen  hindurchziehen. 
Was  vom  Flysch  im  allgemeinen  gilt,  gilt  naturgemäß  auch  von 
seinen  „kristallinen  Einlagerungen“.  Die  interessante  Erscheinung 
soll  besonders  auffällig  an  der  Neu-Grämpl-Alp,  im  Ränktobel  und 
am  Schelpen  sein. 

Der  Leser  betrachte  Tornquists  Karte  in  der  Umgebung  der 
Grämpl-Alp,  die  ich  nebenstehend  in  Fig.  1 wiedergebe  und  frage 
sich,  wie  es  dort  mit  der  Beziehung  der  kristallinen  Gesteine  zur 
Klippe  bestellt  ist.  Ich  komme  um  folgenden  von  Tornquist  be- 
gangenen kartographischen  AViderspruch  nicht  herum : entweder 
ist  die  zur  Klippe  spitzwinkelige  Streichrichtung  des  Flysch  richtig, 
wie  sie  ausdrücklich  betont  und  in  der  Karte  durch  den  Verlauf 
des  kalkigen  Chondritenflyschstreifens  gekennzeichnet  wird;  dann 
können  die  kristallinen  Gesteine  im  Flysch  kein  stratigraphisches 
Niveau  einnehmen,  sondern  müssen  wie  die  Klippe,  die  sie  begleiten, 
tektonischer  Herkunft  sein.  Oder  aber  die  kristallinen  Gesteine 
bezeichnen  doch  ein  stratigraphisches  Niveau,  dann  ist  es  wieder 
mit  der  zur  Klippe  spitzwinkeligen  Streichrichtung  des  Flysch  nichts. 

Dasselbe  was  von  der  Grämpl-Alp  gesagt  wurde,  gilt  vom 
Schelpen  und  dem  Ränktobel.  Man  betrachte  wieder  Tornquists 


Entgegnung  an  A.  Tornquist. 


255 


Karte  aus  dieser  Umgebung,  und  abermals  wird  sich  der  Leser 
sagen  müssen:  Entweder  stimmt  es  nicht  mit  der  „stratigraphischen 
Einlagerung“  oder  nicht  mit  der  so  oft  betonten,  „zur  Klippe  spitz- 
winkeligen Streichrichtung  des  Flysch“. 

Meine  Stellung  zu  der  von  Tornquist  behaupteten  „engen 
Verbindung  der  kristallinen  Exotica  mit  den  Klippen“  muß  ich. 
da  ich  erstere  bei  den  Grärnpl-  und  Lenzberg-Alpen  nur  als 
Flyscharkosen  entwickelt  fand,  auf  den  Böigen  beschränken ; und 
an  diesem  trage  ich  bei  der  Frage  nach  der  Herkunft  seines 
Granits  der  auffälligen  Erscheinung  Rechnung,  daß  dieser  haar- 
scharf auf  der  Linie  der  Schelpenklippen  liegt  und  daher  am  besten 
durch  sie  erklärt  wird.  Wo  die  Juraklippe  des  Schelpen  her- 
kommt, da  kommt  auch  der  Boigengranit  her. 

Die  Gründe,  die  mich  veranlassen,  an  einen  Weg  aus  dem 
Erdinnern  zu  glauben,  habe  ich  in  meinem  Buch  auf  den  p.  86—90 
anseinandergesetzt. 

Zu  Punkt  3 „die  Fazies  der  Klippen“  betreffend,  „welche 
im  Mynus’schen  , sekundär  tektonischen'  Fjord  nicht  erklärt  ist“. 
Man  muß  glauben,  daß  Tornquist  nicht  einmal  dasjenige  Kapitel 
meiner  Arbeit  gelesen  hat,  gegen  das  seine  Kritiken  gerichtet  sind. 

Wenn  ich  in  meiner  Arbeit  auf  den  p.  73 — 75  eigens  einen 
Abschnitt  des  „die  Algäuer-  und  Vorarlberger  Juraklippen“  be- 
treffenden Kapitels  als  „die  Fazies  der  Klippen“  bezeichne  und 
in  demselben  zu  dem  Schluß  komme: 

„Da  nach  diesen  Gesteinslisten  in  den  Klippen  nur  solche 
Gesteine  auftreten,  die,  gleichgültig  welcher  Formation  sie 
angehören,  entweder  ostalpinen  oder  helvetischen  Charakter 
tragen,  oder  solchen,  der  zwischen  diesen  steht,  aber  niemals 
solchen,  der  den  Klippen  allein  eigen  ist,  so  muß  der  Schluß 
gezogen  werden : die  Sedimente  der  Klippen  wurden  au  der 
Grenze  zwischen  dem  ostalpinen  und  dem  helvetischen  Meer 
abgesetzt“, 

und  wenn  ich  ferner  einem  dritten  Abschnitt1  des  gleichen  Ka- 
pitels (p.  80 — 82)  für  die  Erklärung  der  heutigen  „Lage  der 
Klippen“  eigens  eine  Tafel  beifüge,  in  der  einerseits  zu  sehen  ist, 
in  was  für  einer  breiten  Bucht  die  Gesteine  der  Klippen  ursprüng- 
lich sedimentiert  wurden,  andererseits  wie  diese  Bucht  durch  tek- 
tonische Vorgänge  sekundär  „fjordartige“  Gestalt  annahm,  dann 
bin  ich  der  Mehrzahl  meiner  Leser  keine  weitere  Erklärung  schuldig, 
um  gewiß  zu  sein,  daß  meine  Ansicht  von  ihnen  eindeutig  und 
sogar  sehr  leicht  verstanden  wird.  Tornquist  kann  ich  nur  bitten, 
die  p.  72  — 83  meiner  Arbeit  nochmals  zu  lesen. 

Zu  Punkt  4 über  „die  Verjüngung  und  das  wahrscheinliche 
Auskeilen  der  Klippen  nach  unten  in  den  Flysch  hinein“.  Wiese 


1 Der  zweite  Abschnitt  behandelt  den  „Bau  der  Klippen“. 


256 


Personalia. 


Tornquist  das  scharfe  Auskeilen  der  .Juraklippen  nach  unten  in 
den  Flyscli  hinein  als  ein  Argument  auf  fassen  kann,  das  für  seine 
Ansicht  der  Herkunft  der  Klippen  von  oben,  aus  dem  Hangenden 
der  Algäuer  Schubmasse  und  gegen  meine  Ansicht  ihrer  Herkunft 
aus  der  Tiefe  sprechen  soll,  ist  mir  unbegreiflich.  Stammen  nicht 
in  jedem  Gebirge,  das  sich  durch  Schuppenstruktur  auszeiclmet, 
und  in  welchem  man  ältere  Schuppen  zwischen  jüngeren  verkeilt 
findet,  erstere  nicht  auch  aus  der  Tiefe? 

Tornquist  hätte  besser  getan,  gerade  an  diesem  Punkt  nicht 
zu  rühren,  denn  er  spricht  am  meisten  gegen  seine  Auffassung. 
Wie  soll  man  sich  vorstellen  können,  daß  ein  Gestein,  das  von 
oben  auf  ein  anderes  hinabgestoßen  wird,  statt  bei  seinem  Aufprall 
zu  einer  breiten  Masse  flachgedrückt  zu  werden,  scharf  in  jenes 
eindringt?  Mögen  die  Gesteine  der  Klippen  auch  um  einen  wesent- 
lichen Betrag  härter  sein  wie  die  des  umgebenden  Flyscli,  so  groß 
ist  der  Unterschied  zwischen  ihnen  doch  nicht,  daß  sich  der  Vor- 
gang mit  einem  Spaten  vergleichen  ließe,  den  man  in  weichen 
Erdboden  stößt.  — Im  Einverständnis  mit  den  beiden  Herren  Ver- 
fassern schließt  die  Redaktion  hiermit  die  Erörterung. 

M ü n c li  e n , im  J anuar  1913. 


Personalia. 

Berufen  wurde:  der  Privatdozent  für  Geologie  und  Mineralogie 
au  der  Technischen  Hochschule  in  Dresden  Dr.  K.  Riemann  als 
Nachfolger  von  E.  Hussak  an  die  Geologische  und  Mineralogische 
Landesanstalt  in  Rio  de  Janeiro , wo  er  den  Posten  des  Chef- 
mineralogen übernehmen  wird. 

Ernannt  wurden:  der  Landesgeologe  Dr.  W.  Koert  zum 
Vorsteher  der  seit  1.  April  1912  bei  der  Geologischen  Landes- 
anstalt errichteten  Geologischen  Zentralstelle  für  die  deutschen 
Schutzgebiete ; 

der  außeretatmäßige  Geologe  Dr.  A.  Fuchs-Berlin  zum  Be- 
zirksgeologen bei  der  Geologischen  Landesanstalt; 

Prof.  Dr.  K.  Redlich  von  der  Montan.  Hochschule  Loeben  zum 
ord.  Professor  für  Geologie  und  Mineralogie  an  der  Deutschen 
Technischen  Hochschule  in  Prag; 

a.  o.  Professor  für  Kristallographie,  Mineralogie  und  Petro- 
graphie P P.  Sustschinsky  zum  ord.  Professor  an  der  Tech- 
nischen Hochschule  in  Novotcherkassk. 


A.  L.  W.  E.  van  der  Veen,  Die  Beweglichkeit  des  Silbers  etc.  257 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Die  Beweglichkeit  des  Silbers  in  Zinnobererde. 

Von  A.  L.  W.  E.  van  der  Veen  in  Leiden.  (März  1913.) 

Einige  Belegstücke  aus  der  Leidener  mineralogischen  Exposi- 
tionssammlung  veranlaßten  mich,  einen  Satz  aus  dem  bekannten 
Werke  „Die  Erzlagerstätten“  1 näher  zu  verfolgen.  Es  handelt 
sich  um  einige  Proben  vom  Stahlberg  bei  Rockenhausen  (Pfalz). 
Die  drei  zu  besprechenden  Mineralien  sind  alle  in  einem  sandig- 
porösen,  weißen  bis  grauweißen  erhärteten  Ton  eingebettet. 

No.  442  der  Sammlung : Zinnober  in  roten,  in  der  Form  denen 
von  Mangan  ähnelnden  Dendriten,  und  als  feine  Imprägnation  in 
einem  porösen  nicht  gesprungenen  Gesteine. 

No.  235:  Amalgam  in  der  Umwandlung  zu  gediegenem  Silber 
begriffen,  auf  Kluftflächen  eines  weißen  feinkörnigen,  sich  fettig 
anfühlenden,  erhärteten  Tones.  Nach  Stei.zxek-Bergeat  kommt 
diese  Form  des  Amalgams  in  den  Gruben  St.  Philipp  und  Erz- 
engel vor. 

No.  185:  Silberblech  auf  einer  geriefelten  Rutschfläche.  Auf 
der  Rutschfläche  ist  die  Richtung  der  Bewegung  noch  in  dem 
plötzlichen  Einsetzen  und  allmählichen  Abschwächen  jeder  Riefe 
zu  erkennen.  Das  Gestein  ist  mit  Zinnober  bis  zu  einer  pfirsich- 
blütenroten  gleichmäßigen  Färbung  imprägniert,  jedoch  bis  etwa 
1 cm  hinter  der  Rutschfläche  verblaßt.  Der  Zinnober  wurde  so 
längs  der  Kluftfläche  oxydiert  und  sein  Silbergehalt  (vielleicht  als 
Sulfid  mechanisch  oder  chemisch  beigemischt)  von  dem  freiwerdenden 
Quecksilber  mitgenommen.  Das  Quecksilber  verflüchtigte  sich  und 
eiue  Silberplatte  blieb  zurück.  Diese  wurde  auf  der  Rutschfläche 
noch  etwas  ausgei-ieben. 

Der  Prozeß  wird  gehemmt,  sobald  Kieselsäurelösungen  dem 
Ton  eine  jaspisähnliche  Konsistenz  zu  verleihen  anfangen  und  jede 
Zirkulation  aufhört  No.  230:  Frischenmutgrube  auf  dem  Stahlberg). 

Später  finden  wir  das  Silber  auf  sekundärer  Lagerstätte  in 
dem  erhärteten  steatitischen  Zement  einer  Jaspisbreccie  bei  Ims- 
bach (No.  2 1 6 der  Sammlung). 

1 Stelzner-Bergeat  II.  p.  892.  Leipzig  1905—06.  „Die  Sublimier- 
barkeit  des  gediegenen  Quecksilbers  sowie  des  Schwefelquecksilbers  legte 
schon  frühzeitig  den  Gedanken  an  eine  Bildung  seiner  Lagerstätten  durch 
Sublimation  nahe.“ 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


17 


258 


M.  Lazarevic. 


Zu  Tucans  Bauxitfrage“. 

Von  M.  Lazarevic. 

In  dem  jüngst  erschienenen  Heft  dieser  Zeitschrift  sprach 
F.  Tucan  1 aus,  daß  die  von  E.  Dittlek  und  C.  Doeltek1 2  veröffent- 
lichten Untersuchungen  über  Bauxit  seiner  Meinung  nach  „einer 
Berichtigung  bedürfen“  ferner,  daß  die  Ansichten  von  Cornu  und 
Lazarevic3  „über  den  Bauxit  und  seine  Adsorptionsverbindungen“ 
nicht  weniger  als  hinfällig  sein  sollten. 

In  der  ersten  Angelegenheit  wird  Tucan  von  berufener  Stelle 
das  Entsprechende  demnächst  mitgeteilt,  ich  aber  werde  mir  er- 
lauben, die  durch  das  sehr  autoritative  „hinfällig“  Tucans  nieder- 
gerissenen Ansichten  Cornus  und  Lazarevic  trotzdem  aufrecht  zu 
erhalten  versuchen. 

Vor  allem  handelt  es  sich  hier  nicht  „um  den  Bauxit  und 
seine  Adsorptionsverbindungen“,  sondern  um  Bauxit  als  eine  Ad- 
sorptionsverbindung und  einige  Stoffe,  die  Bauxit  zu  adsorbieren 
vermag. 

Tucan  behauptet,  daß  die  nach  Cornu  nnd  Lazarevic  als 
von  Bauxit  adsorbiert  betrachteten  Substanzen  nicht  als  solche  in 
dem  Bauxit  vorhanden  sind,  sondern  als  Apatit,  Calcit,  G3rps  nnd 
Anhydrit,  welche  Minerale  Tucan  „im  unlöslichen  Rückstände  der 
Kalke  und  Dolomite  und  in  der  Terra  rossa“  gefunden  haben  will. 

Ich  habe  seinerzeit  die  Bauxite  vom  Tollingraben  bei  Leoben 
untersucht  und  in  der  Substanz  ließ  sich  nach  kurzem  Umrühren 
mit  warmem  Wasser  im  Filtrate  freie  Schwefelsäure  nachweisen. 
Cornu,  der  die  Prüfungen  auf  Phosphorsäure  vorgenommen  hatte, 
untersuchte  unter  anderen  auch  einige  Stufen  von  dem  nämlichen 
Fundorte  und  konnte  die  Anwesenheit  der  Phosphorsäure  ebenfalls 
durch  Behandlung  mit  warmem  Wasser  allein  feststellen.  Oft 
wurden  von  uns  gelegentlich  der  Untersuchungen  fremde  Einschlüsse 
von  ausgesprochen  kristalliner  Natur  beobachtet,  da  aber  Cornu 
und  icli  im  Gegensatz  zu  Tucan  zwischen  einfach  mechanischem 
Gemenge  (Inhomogenität  im  engeren  Sinne)  und  einem  Gelgemenge 
einen  Unterschied  machten,  so  war  auch  ein  besonderes  Hervor- 
heben dieser  Erscheinung  durchaus  nicht  erforderlich.  Eins  würde 
jedenfalls  Cornu  und  mir  unmöglich  sein  und  das  dürfte  außer 
Tucan  kaum  einem  anderen  gelingen,  nämlich  aus  Kalk  und 
Dolomit  unter  anderen  Mineralen  auch  Calcit  „im  unlös- 
lichen Rückstände“  zu  erhalten.  Es  wäre  denn  genau  so, 
wie  wenn  man  Kupferkies  auflösen  würde  und  im  unlöslichen 
Rückstände  Chalkopyrit  erhalten  würde.  Bezüglich  der  Vana- 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  fi5. 

2 Dies.  Centralbl.  1912.  p.  19.  — Zeitschr.  f.  Chem.  u.  Ind.  d.  Koll. 
IX.  1911.  Heft  6.  p.  282. 

3 Zeitschr.  f.  Chem.  u.  Ind.  d.  Koll.  IV.  1909.  Heft  6.  p.  295. 


Zu  Tucans  „Bauxilfrage“. 


259 


dinsäure,  die  in  Bauxiten  konstatiert  wurde,  führt  Tucax  an,  daß 
sie  von  Vanadinmineralen  stammen  .kann“  (?). 

Außerdem  konnte  Cornu  nachträglich  in  einer  bauxitischen 
Substanz  noch  Molybdänsäure  nachweisen. 

Es  kann  nun  mit  Rücksicht  auf  unsere  Untersuchungsmethode 
kein  Zweifel  bestehen,  daß  die  genannten  Stoffe  vom  Bauxit  auf- 
genommen  werden  können. 


Als  Untersuchungsmerkmale 
gaben  Cornu  und  Lazarevic  im 
Jahre  1909  folgendes  an: 

1.  Bauxit  ist  eine  Substanz, 
die  im  wesentlichen  aus  einem 
Gemenge  von  Aluminiumhydro- 
xydgelen nebst  den  entsprechen- 
den kristalloiden  Verbindungen 
besteht. 

2.  U.  d.  M.  erweisen  sich 
eisenreiche  Bauxite  als  eine 
vollkommen  homogene  und  iso- 
trope Masse. 


KiSpatic  und  Tucax  geben 
diesbezüglich  im  Jahre  1912  an: 

1.  Bauxit  ist  eine  Gesteins- 
art, deren  Hauptgemengteil  aus 
Tonerdehydrat  besteht,  welches 
in  den  meisten  Fällen  eine 
kolloide  Modifikation  des  Dia- 
spors  ist. 

2.  U.  d.  M.  erweist  sich 
Bauxit  von  Grgin  brieg  in  Kroa- 
tien als  eine  vollkommen  homo- 
gene und  isotrope  Masse.  (Die 
Angabe  von  Tucax.) 


Und  dennoch  sind  unsere  (Corxus  und  meine)  Ansichten  hin- 
lällig  (! !).  Warum?  Weil  dazwischen  eine  große  Entdeckung 

Tue  ans  fällt,  nämlich  die  eines  mikrokörnigen  kristallisierten  Si  O2, 
deren  tatsächliche  Existenz  nebenbei  bemerkt  noch  sehr  problema- 
tisch ist.  In  Nr.  10,  p.  296  — 299,  1912  d.  Centralbl.  ver- 

öffentlichte Tucax  eine  Arbeit  über  ein  „mehliges  Siliciumdioxyd “ 
und,  soweit  Tucax  die  mineralogische  Literatur  kennt,  ist  eine  solche 
Varietät  des  kristallinischen  Siliciumdioxydes  nicht  bekannt,  allen- 
falls sehr  richtig,  aber  nur  insoferne  als  es  bisher  niemanden  ein- 
gefallen ist,  die  mineralogische  Systematik  nach  der  Korngröße 
einzelner  Minerale  zu  richten. 


Als  Merkmale  dieses  neu  entdeckten  Siliciumdioxydes  gibt 
Tucax  an:  unlöslich  in  kaustischen  Alkalien,  wenig  löslich  in 
Alkalikarbonaten  (4°/ 0)  und  aufschließbar  durch  Kochen  in  kon- 
zentrierter Schwefelsäure,  indem  es  dabei  in  einen  flockigen  Zu- 
stand übergeht.  Dieses  letzte,  gleichzeitig  für  die  neuentdeckte 
Substanz  kennzeichnende  Verhalten  ist  jedenfalls  sehr  merkwürdig. 
Wenu  man  aber  bedenkt,  daß  Tucax  imstande  ist,  aus  dem  Kalk 
und  Dolomit  im  unlöslichen  Rückstände  Calcit  zu  erhalten,  so  wird 
man  freilich  auch  hier  gegen  die  Richtigkeit  dieser  Angaben  be- 
rechtigte Bedenken  tragen  müssen. 

Und  nun  meint  Tucax,  daß  es  dieses  Siliciumdioxyd  ist,  das 
den  Kieselsäuregehalt  der  Bauxite  bildet. 


17* 


260  G.  Wulff,  Grundlagen  der  Kristallröntgenogrammetrie. 


Wenn  man  Bauxit  mit  Terra  rossa  identifiziert,  wenn  man 
sich  ferner  der  Existenz  einer  sehr  hypothetischen  Substanz  als 
Unterlage  zu  gewissen  Schlußfolgerungen  bedient  und  schließlich 
einer  ganz  willkürlich  aufgestellten  Nomenklatur  ohne  weiteres 
eine  allgemeine  Anerkennung  erzwingen  will,  so  kann  man  endlich 
ohne  Schwierigkeiten  zu  einer  so  verallgemeinerten  „Eigenmeinung“  : 
„Daß  viele  amorphe  Minerale,  welche  man  heute  als  wasserhaltige 
Aluminiumsilikate  betrachtet,  nichts  anders  sind  als  Tonerdehydrate 
mit  verschiedenen  mechanisch  adsorbierten  Gelgemengen“  gelangen. 
Die  Untersuchung  der  Wahrscheinlichkeit,  wie  weit  man  dazu  oder 
wie  wenig  man  dazu  berechtigt  ist,  fällt  jedoch  außer  den  Bahmen 
dieser  Bemerkungen. 

Wien,  15.  Februar  1913. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität. 


Grundlagen  der  Kristallröntgenogrammetrie. 

Von  Georg  Wulff  in  Moskau. 

Mit  2 Textfiguren. 

In  meinem  iu  der  „Physikalischen  Zeitschrift“  14.  p.  217.  1913 
veröffentlichten  Aufsatze  beweise  ich,  daß  man  die  Erscheinung1, 
die  sich  beim  Durchgänge  der  X-Strahlen  durch  die  Kristalle 
photographieren  läßt,  auf  die  Spiegelung  der  X-Strahlen  auf  den 
inneren  Netzebenen  der  Kristalle  zurückführen  kann  und  daß 

nicht  alle  Netzebenen  spiegelnd  auf 
P/t  0 p m X-Strahlen  wirken , sondern  solche , 

für  die  das  Produkt  aus  dem  Abstande 
der  benachbarten  parallelen  Netzebenen 
und  dem  Kosinus  des  Inzidenzwinkels  der 
ganzen  Zahl  von  halben  Wellenlängen 
der  Strahlung  gleich  ist.  Nun  kann  man 
leicht  ein  Kristallröntgenogramm  iu  die 
Projektion  der  Netzebenen  verwandeln, 
die  diejenigen  Strahlen  reflektieren,  die 
die  schwarzen  Punkte  des  Photogramms 
geben. 

Es  sei  (Fig  1)  K der  Kristall,  SO 
der  primäre  Strahl,  0 der  zentrale  Punkt 
des  Photogramms  Ph,  m ein  schwarzer 
Punkt  des  Photogramms,  Km  der  diesen  Punkt  bildende  sekun- 
däre Strahl,  so  halbiert  die  den  Strahl  SK  in  Km  reflektierende 
Netzebene  E den  Winkel  OKm.  Indem  wir  den  Abstand  Z 


Fig.  1. 


1 M.  Friedrich,  P.  Knipping  und  M.  Laue,  Interferenzersclieinungen 
bei  Böntgenstrahlen.  Sitzungsber.  der  K.  Bayerisch.  Akad.  d.  Wiss.  1912. 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  etc. 


261 


zwischen  dem  Kristall  und  dem  Photogramm  kennen , finden 
wir  leicht 

„ Om  . 
tg2  <p  = , Op  = Ztg <p. 

Ziehen  wir  auf  dem  Pliotogramm 
eine  in  p zu  Om  (Fig.  2)  senk- 
rechte Gerade,  so  stellt  diese  Gerade 
die  lineare  Projektion  der  Netz- 
ebene  E dar.  So  kann  man  leicht 
das  Photogramm  in  eine  lineare  Pro- 
jektion des  Kristalls  verwandeln  und 
den  Kristall  vollständig  bestimmen. 

Das  ist  insofern  wichtig , als  für 
die  Herstellung  eines  Kristallrönt- 
gen ogramms  ein  Bruchstück  eines 
Kristalls  genügen  kann.  Damit  ist 
eine  neue  Methode  der  Kristallbestimmung 
, Kristallröntgenogrammetrie “ nennen  möchte. 

Moskau,  Kristallographisches  Laboratorium  der  Städtischen 
Schaniawski-Universität,  14.  März  1913. 


gegeben , die  ich 


Weitere  Studien  über  die  Struktur  des  Meteoreisens  von 
Carthage  (Tennessee). 

Von  Paul  Kaemmerer  in  Dresden. 

Mit  6 Textfiguren. 

A.  Allgemeiner  Überblick. 

An  deu  im  Kgl.  Mineralog.  Museum  zu  Dresden  befindlichen 
Stücken  des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee) 
hatte  sich  die  merkwürdige  Tatsache  herausgestellt,  daß  die  Ka- 
mazitlamellen nicht  parallel  den  Flächen  des  Oktaeders  gehen. 
Bei  ihnen  fand  sich  vielmehr  die  Annahme  gut  bestätigt,  daß 
sie  nach  zwei  Zonen  des  Dodekaeders  angeordnet  sind1. 
Durch  das  äußerst  dankenswerte  Entgegenkommen  des  Herrn  Geh. 
Bergrat  Prof.  Dr.  Liebisch  wurde  es  mir  ermöglicht,  die  Studien 
über  die  Struktur  des  Eisens  an  den  im  Kgl.  Mineral. -petr.  Museum 
zu  Berlin  aufbewahrten  Stücken  desselben  fortzusetzen,  indem 
mir  diese  Stücke  für  längere  Zeit  zur  Verfügung  gestellt  wurden. 

Das  Hauptergebnis  der  Untersuchungen  war,  daß  sich  die 
beiden  Berliner  Stücke  der  gleichen  Annahme  unterordnen  lassen, 
die  ich  zur  Erklärung  der  Struktur  der  Dresdener  Stücke  machte, 

1 P.  Kaemmerer,  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur  des 
Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee).  Dies.  Centralbl.  1913.  p.  17. 


262 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  über  die  Struktur 


d.  li.  auch  in  diesem  vierten  und  fünften  Stück  des 
M e t e o r ei s en s von  C a rt h ag e haben  die  Kamazitlamellen 
nichteine  oktaedrische  Anordnung,  sondern  scharen 
sich  nach  zwei  Zonen  des  Rhombendodekaeders. 

Merkwürdig  bleibt  ja  immer,  daß  die  dritte  Zone  des 
Dodekaeders  vollständig  unterdrückt  erscheint.  Nur  an  einer  ein- 
zigen Stelle  wurden  Lamellenspuren  gefunden,  die  als  der  dritten 
Zone  angehörig  gedeutet  werden  könnten.  Sie  treten  als  Um- 
grenzung eines  Troiliteinschlusses  auf.  (Vergl.  T in  Fig.  1.)  Da- 
gegen spricht,  daß  andere  Troiliteinschlüsse  ganz  unregelmäßig 
von  Kamazit  umgrenzt  sind. 

Wenn  man  nun  bedenkt,  daß  die  Anordnung  von  zwei  Zonen 
des  Dodekaeders  der  Anordnung  nach  Oktaeder  flächen 
nicht  unähnlich  ist,  so  könnte  etwa  noch  der  Vermutung 
Raum  gegeben  werden,  daß  die  Oktaedritstruktur  durch  eine  De- 
formation des  gesamten  Eisenkörpers  in  die  dodekaedrische 
übergegangen  wäre.  Dann  wäre  allerdings  erstaunlich,  wie  gleich- 
mäßig und  störungsfrei  die  neue  Strukturform  sich  gebildet  hätte, 
und  daß  sie  sich  so  gut  gerade  durch  das  Dodekaeder  erklären  läßt. 

Während  die  bisherigen  einschlägigen  Arbeiten  meist  nur 
mit  der  Orientierung  der  Schnittflächen  bei  voraus- 
gesetzter Oktaeder  Struktur  zu  tun  hatten,  wurde  bei  den 
gegenwärtigen  Untersuchungen  eine  Methode  gebraucht,  nach  der 
aus  den  Spurenwinkeln  auf  den  Schnittflächen  die  gegenseitige 
Lage  der  Kamazitlamellen,  also  die  Kristallform  bestimmt 
werden  kann,  die  der  Struktur  zugrunde  liegt.  Eine  dahingehende 
Anregung  war  mir  schon  bei  der  Untersuchung  der  Dresdener  Stücke 
von  Herrn  Cfeheimrat  Prof.  Dr.  Kalkowsky  gegeben  worden.  Es 
wurde  ein  rechnerisches,  sowie  ein  parallel  gehendes  gra- 
phisches Verfahren  benützt,  worüber  im  folgenden  Näheres 
berichtet  werden  wird. 

ß.  Einzelheiten  (1er  Strukturstudien. 

1.  Das  Eisen  IV. 

a)  Beobachtungen.  Das  größere  der  Berliner  Stücke 
des  Meteoreisens  von  Carthage  soll  als  Eisen  IV  bezeichnet 
werden.  Es  ist  771,5  g schwer  und  hat  ungefähr  die  Form  eines 
dreiseitigen  steilen  Pyramidenstumpfes  von  12,6  cm  Höhe.  Eine 
Seitenfläche  ist  eine  natürliche  Begrenzungsfläche,  an  der  be- 
sonders eine  ihr  parallel  angelagerte  rhombusförmige  La- 
melle auffällt.  Die  beiden  anderen  Seitenflächen  F2  und  F3, 
sowie  die  größere  Grundfläche  Fj  wurden  in  Fig.  1 als  Netz  dar- 
gestellt. Die  fünfte  Begrenzungsfläche  ist  annähernd  parallel  zu  Ft. 
In  Fig.  1 sind  auf  jeder  Fläche  die  Spurenrichtungen  der  vier 
Lamellenscharen  a,  b,  c,  d eingezeichnet.  Unter  Beachtung  der 


des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee). 


268 


Zusammengehörigkeit  der  Spuren  auf  benachbarten  Flächen  ergab 
die  Messung  der  Winkel  zwischen  den  Spuren  im  Mittel  folgende 
Werte  : 


F, 

f2 

f3 

a.  b . ■ . 

. . 62° 

19° 

33° 

b,  d . . . 

. . 30 

78 

60 

d.  c ■ . . . 

. . 58 

13 

2 

Fig.  1.  Netz  von  drei  Flächen  des  Eisens  IF  mit  Lamellenspuren  a,  b.  c,  d.  — 
T ein  Troiliteinschluß,  von  Kamazit  umgeben. 

Auf  F„  fanden  sich  außerdem  noch  zwei  Richtungen  x und  3r 
als  Umgrenzung  eines  Troiliteinschlusses : x liegt  zwischen  b und  d. 
so  daß  b,  x = 45  °,  v zwischen  a und  c,  wobei  a,  y = 3 3°  ist. 

Auf  F3  schienen  zunächst  nur  drei  Spurenrichtungen  vorhanden 
zu  sein.  Doch  bestätigte  sich  sehr  gut  die  Annahme,  daß  hier 
c und  d nahe  zusammenfallen. 

b)  Graphische  Bestimmung  der  Orientierung  der 
Schnittflächen.  Unter  Zugrundelegung  der  Polfigur  des 
Rhombendodekaeders  wurd  e nach  dem  Isoklinen  verfahren 
von  A.  Himmelbauer  *,  das  ich  schon  bei  der  Untersuchung  der 
Dresdener  Stücke  auf  das  Rhombendodekaeder  übertragen  hatte1  2, 


1 A.  Himmelbauer,  Orientierung  von  Schnittflächen  an  Meteoreisen. 
Min.  u.  petr.  Mitt.  28.  p.  153.  1909. 

2 P.  Kaemmerer,  a.  a.  0.  p.  23. 


264 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  über  die  Struktur 


die  Lage  der  Flächen  F,,  F2,  F3  bestimmt.  Sie  sind  in  Fig.  2 
durch  die  Großkreise  f,,  f2,  f3  dargestellt.  F,  liegt  sehr  nahe 
einer  Oktaeder  fläche,  wie  die  Hauptschnittflächen  der  Dres- 
dener Eisen  I und  II.  Der  Pol  von  f,  ist  P, . Bei  den  Polen 
P2  und  P3  von  f„  und  f3  ist  der  Verlauf  der  Isoklinen,  durch  die 
sie  bestimmt  werden,  durch  punktierte  Linien  angedeutet. 


Fig.  2.  Polfigur  des  Rhombendodekaeders  (a,  b,  c,  d,  x,  y),  geschnitten 
durch  die  am  Eisen  IV  vorkommenden  Flächen  f,,  f2,  f3. 

Auf  dem  Kreis  f2  sind  die  Punkte  Tx  und  T2  markiert.  Sie 
bedeuten  die  Richtungen,  die  die  rhombusförmige  Begrenzung 
des  Troiliteinschlusses  (T  in  Fig.  1)  zeigt  und  haben  nahezu 
die  Lage,  die  den  Spuren  der  gewöhnlich  fehlenden  Zone  des 
Dodekaeders  mit  den  Flächen  x und  y auf  F2  zukommt. 

Jedenfalls  lassen  sich  alle  geometrischen  Einzel- 
heiten des  Eisens  IV  ebenfalls  mit  der  für  die  Dres- 
dener Eisen  I — III  angenommenen  dodekaed rischen 
Struktur  in  Einklang  bringen. 

Aus  der  Lage  der  Pole  Pj , P2  und  P3  gegen  die  Koordinaten- 
achsen X,  Y,  Z wurden  noch  die  Parameterverhältnisse 
der  Schnittflächen  F,,  F2  und  F3  berechnet.  Es  wurde 
gefunden : 

1,11  : 1:1  für  F,  , 

1,19:  — 1 : 1,56  „ F2, 

- 0,52 : 1:1  „ F3. 


des  Meteoreisens  von  Cartliage  (Tennessee). 


265 


2.  Das  Eisen  V. 

a)  Beobachtungen.  Das  zweite  untersuchte  Stück  soll  als 
Eisen  Y bezeichnet  werden.  Es  wiegt  33  g,  ist  tafelförmig,  etwa 
0.5  cm  dick  und  hat  als  Grundfläche  ungefähr  ein  Trapez.  In 
Fig.  3 sind  fünf  Flächen  des  Eisens  als 
Netz  gezeichnet.  Die  Größe  geht  aus  dem 
beigefügten  Maß  hervor.  Der  Verlauf  der 
Lamellenspuren  ist  eingetragen.  Man  sieht, 
daß  auf  der  Vorderfläche  Fv,  sowie  auf 
den  Seitenflächen  Fi  und  Fr  nur  je  drei 
Spuren  vorhanden  sind.  Auf  Fv  rührt  das 
daher,  daß  c und  d sehr  nahe  zusammen- 
fallen, bei  Fi  und  Fr  ist  es  in  der  Lage 
der  Flächen  begründet,  indem  sie  bezw. 
parallel  zu  den  Lamellen  b und  d ge- 
schnitten sind.  Übrigens  waren  die  Flächen 
z.  T.  etwas  gekrümmt,  so  daß  die  Winkelmessung  darunter 
litt,  die  außerdem  auch  durch  die  ziemlich  kleinen  Flächen 
beeinträchtigt  wurde. 

Folgende  Winkel  der  Spuren  wurden  festgestellt  : 

| a,  c = 20 0 

auf  F0  c,  b = 90 

| b,  d = 22 

[ a,  b = 44  0 

auf  Fv  | b,  d = 54 

[ d,  c nicht  vorhanden,  oder  sehr  klein 

auf  F,  — b f a’  c = 00  ° 

( c,  d = 55 

auf  Fr  = d ( a>  b = 05  ° 
r ( b,  c = 70 

b)  Allgemeine  Methoden  zur  Bestimmung  der 
Lamellenstruktur  aus  Winkelmessungen  auf  zwei 
Schnittflächen.  Da  das  Eisen  V bei  der  Annahme  von  Dode- 
kaederstruktur zunächst  gewisse  Schwierigkeiten  bot,  schien  es 
nützlich,  eine  Methode  zu  besitzen,  nach  der  man  aus  den 
Spuren  auf  den  Schnittflächen  die  gegenseitige 
räumliche  Lage  der  Lamellen,  m.  a.  W.  den  Winkel 
ihrer  Ebenen,  bestimmen  kann.  Ich  folgte  hierbei  gleichzeitig 
einer  schon  früher  gegebenen  Anregung  von  Herrn  Geheimrat 
Prof.  Dr.  Kai.kowsky. 

I.  Rechnerische  Methode. 

Man  habe  an  einem  Eisen  zwei  zueinander  senkrechte  Schnitt- 
flächen, und  die  Schnittkante  sei  OX  (Fig.  4).  In  jeder  Fläche 


Fig.  3.  Netz  von  fünf 
Flächen  des  Eisens  V 
mit  Lamellenspuren  a, 
b,  c,  d. 


266 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  über  die  Struktur 


sei  eine  zur  Kaute  senkrechte  Gerade  0 Y bezw.  0 Z gedacht, 
so  daß  OX,  OY,  OZ  das  Achsenkreuz  eines  rechtwinkligen 
Koordinatensystems  bilden,  das  in  Fig.  4 in  einer  Ebene  gezeichnet 
ist.  Haben  zwei  Lamellenebenen  L,  und  L2  die  Spuren  a}  und  a2 
in  der  XY-Ebene,  die  Spuren  b,  und  b„  in  der  X Z-Ebene,  und 
werden  die  Winkel  gj,  tpv  q>2  der  Spuren  gegen  die  X-Achse 
in  dem  aus  der  Figur  ersichtlichen  Sinne  gerechnet,  so  ergibt  die 
analytische  Geometrie  für  den  Winkel  <1>  der  Ebenen  L,  und  L2 
die  Formel 


cos  <t>  = 


+ 


tk>,  tg*-  + G 7 , tg«/s  + tgft  tgf„  tg  7,  tg,/., 

V (tgO,  + tgG/,  + tg2f,tg >,)  (tg2 12  + tg2  7 2 + tg2 12 tg* (f2) 


Hiernach  k a n n 


Fig.  4.  Zur  Berechnung 
des  Winkels  zweier  La- 
mellenebenen L,  und  Lo. 


man  den  Winkel  zweier  Lamellen- 
eben e n berechnen,  deren  Spuren 
auf  zwei  zueinander  senkrechten 
Schnittflächen  des  Eisens  man 
kenn  t.  Damit  wird  dann  die  vor- 
liegende Kristallform  bestimmt 
sein. 

Sind  die  Schnittflächen  nicht  senkrecht 
zueinander , so  kann  man  ebenfalls  eine 
Fonnel  für  cos  O finden.  Auf  deren  Ab- 
leitung habe  ich  verzichtet,  da  schon  die 
obige  kompliziert  genug  und  für  die  loga- 
rithmische  Rechnung  nicht  sehr  bequem 
ist.  Übrigens  hat  man  in  dem  allgemeinen 
Falle  nicht  senkrechter  Schnittflächen 
einen  Ersatz  in  der  graphische  n 
Methode. 


II.  Graphische  Methode. 

Statt  mit  den  Winkeln  qq  und  q>2  der  Lamellenspuren 

gegen  die  Schnittkante  in  die  Formel  für  cos  <I>  einzugehen,  kann 
man  mit  ihrer  Hilfe  die  Lage  der  Lamellenspuren  in  eine  stereo- 
graphische Projektion  eintragen , in  der  die  Schnitt- 
flächen die  Koordinatenebenen  sind.  Danach  sind  die 
durch  die  Spuren  bestimmten  Ebenen  als  Großkreise  der  Projektion 
einzuzeichnen,  etwa  mit  Hilfe  des  auch  bei  der  Isoklinenmethode 
verwandten  Wur.Fr’schen  Netzes  unter  durchsichtigem  Papier.  Die 
Winkel  zwischen  diesen  Großkreisen  kann  man  dann  aus  der  Figur 
entnehmen  und  hiernach  die  Kristallform  festlegen. 

Es  leuchtet  ein,  daß  das  graphische  Verfahren  auch  ohne 
Schwierigkeit  sofort  auf  den  allgemeinsten  Fall  zweier  beliebigen 
Schnittflächen  am  Eisen  übertragen  werden  kann,  wenn  man  nur 
den  Winkel  dieser  Flächen  und  die  Winkel  zusammengehöriger 
Lamellenspuren  gegen  die  Schnittkante  kennt. 


des  Meteoreisens  von  Cartbage  (Tennessee). 


267 


Das  graphische  Verfahren  geht  bei  einiger  Übung  und 
Verwendung  des  WixFF’schen  Netzes  so  leicht  von  der  Hand, 
daß  ihm  der  Vorzug  vor  der  Rechnung  gegeben  werden 
muß,  um  so  mehr,  als  es  auf  äußerste  Genauigkeit  nicht  ankommt. 


c.  Anwendung  auf  das  Eisen  V. 


I.  Berechnung  der  Winkel  zwischen  den  Lamellen. 


Die  Fluchen  F„  und  Fv  am  Eisen  V sind  nahezu  senkrecht 
zueinander  und  boten  sich  daher  zur  Durchführung  der  Methode 
dar.  Die  Spuren  der  Lamelle  a haben  die  Winkel  eA=  25°, 
ff a = 36°,  die  der  Lamelle  b die  Winkel  ab  = 70°,  ffb  = 106° 
gegen  die  Schnittkante.  Hieraus  wurde  nach  der  Formel  für  cos  <1> 
berechnet : 


cos 


= - 4.499 
a'  b + 9,794  ' 


woraus 


<#>^  b = 62°  39'  bezw.  117"  21'. 


folgt. 

Für  die  Lamellen  d und  b erhält  man.  da  für  d die  Winkel 
fd=120°,  <fA—8b°  sind, 


cos  «/' 


o,  d 


145.1 

242.1 


und 


*/>b  d = 53°  11'  bezw.  126°  49'. 


Diese  Winkel  deuten  unzweifelhaft  auf  das  Dodekaeder. 
Die  Ungenauigkeit  ist  wohl  mit  der  etwas  unsicheren  Winkel- 
messung, besonders  auf  Fv , und  der  nicht  genau  senkrechten  Lage 
von  F0  und  Fv  genügend  erklärt.  Wie  die  graphische  Methode 
zeigt,  beträgt  übrigens  der  Winkel  d ungefähr  90°.  Das  ist 
eine  weitere  Stütze  für  die  Annahme  der  Dodekaeder- 
struktur. 


II.  Ermittelung  der  Winkel  zwischen  den  Lamellen  durch 

Zeichnung. 

In  Fig.  5 ist  dargestellt,  wie  die  Lage  der  Lamellen  a,  b 
und  d graphisch  ermittelt  wurde.  Die  Fläche  F0  ist  durch  die 
XZ-Ebene  (f„),  Fv  durch  die  XY-Ebene  (fv),  den  Grundkreis  der 
Projektion,  dargestellt.  In  diesen  Ebenen  wurden  mit  Hilfe  der 
gemessenen  Winkel  ea  und  ff  der  a-Spuren  gegen  die  Schnitt- 
kante (die  X-Achse)  die  Punkte  E und  F bestimmt.  Dann  wurde 
der  Großkreis  E Q P F = a gezogen.  Analog  sind  die  Kreise  b (fO 
und  d (fr)  gefunden.  In  dem  sphärischen  Dreieck  PQR  ist  Q 


der  vorhin  berechnete  (ß,  b,  ^ E der  <1> 


b,  d- 


während 


268 


P.  Kaemmerer,  Weitere  Studien  etc. 


Fig.  5. 

Graphische  Ermittelung  der  Lage  der  Lamellen  a,  b und  d im  Eisen  Y. 


P 


X 

Fig.  6. 

Polligur  von  zwei  Zonen  des  Dodekaeders  (a,  b,  c,  d)  mit  den  am 
Eisen  V vorkommenden  Schnittflächen  f0,  fv,  f„  fr. 


H.  Quiring.  Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung. 


269 


P = ^ <1>A  ist  und,  wie  sich  hier  zeigt,  annähernd  'JO 0 be- 
trägt. Damit  ist  entschieden,  daß  die  drei  Lamellen 
a,  b.  d die  Lage  von  drei  Flächen  des  Rhombendode- 
kaeders zueinander  haben. 

Die  Fig.  5 wurde  weiter  in  die  Fig.  6 umgewandelt,  wo  die 
Pölfigur  des  Dodekaeders  in  der  gewöhnlichen  Form  erscheint  und 
die  vierte  Fläche  c noch  hinzugefügt  ist.  Im  übrigen  stellt  sie 
dasselbe  dar  wie  Fig.  5.  Natürlich  sind  jetzt  die  Koordinaten- 
ebenen nicht  mehr  die  Schnittflächen.  Diese  sind  f0  und  fv  mit 
den  Polen  P0  und  Pv.  Aus  deren  Lage  gegen  X,  Y,  Z wurde 
ermittelt,  daß  die  Flächen  F0  und  FT  folgende  Parameter- 
verhältnisse besitzen: 


F0  0.43  : 1 : 7,47. 

Fv 3.3  : — 1:1,47. 


Fi  und  Fr  sind  zwei  Dodekaederflächen. 

C.  Zusammenfassung. 

1.  Die  im  Kgl.  Mineral. -petr.  Museum  zu  Berlin  befind- 
lichen beiden  Stücke  des  Meteoreisens  von  Carthage 
(Tennessee)  zeigen  dieselbe  Anordnung  der  Kamazit- 
lamellen wie  die  früher  untersuchten  Stücke  aus  dem  Kgl. 
Mineralogischen  Museum  zu  Dresden  und  aus  der  Sammlung  der 
Kgl.  Technischen  Hochschule  zu  Dresden.  Es  gilt  also  für  diese 
fünf  Stücke  und  wahrscheinlich  wohl  auch  für  das  ganze  Eisen, 
daß  seine  Struktur  nicht  oktaedrisch  ist,  sondern  daß  die 
Anordnung  der  Kamazitlamellen  am  besten  durch  zwei  Zonen 
des  Rhombendodekaeders  dargestellt  wird. 

2.  Da  also  außer  der  Oktaedritstruktur  bei  Meteoreisen  auch 
die  Struktur  uach  zwei  Zonen  des  Rhombendodekaeders  Vorkommen 
kann  und  beide  Strukturen  viel  Ähnlichkeit  miteinander  haben, 
so  wird  es  nicht  zulässig  sein,  ein  Eisen,  das  auf 
manchen  Schnittflächen  vier,  auf  manchen  drei  ver- 
schiedene Spuren  rieht  ungen  von  Lamellen  zeigt, 
ohne  weiteres  zu  den  Oktaedriten  zu  rechnen.  Viel- 
mehr ist  erst  auf  rechnerischem,  oder  ampraktisch- 
sten  auf  graphischem  Wege  (vergl.  p.  266)  die  Ent- 
scheidung über  die  Strukturart  zu  fällen. 

Dresden  - A,  März  1913. 


Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung. 

Von  H.  Quiring.  Breslau. 

Die  höheren  Schichtenglieder  des  Mitteldevons  der  Eifelkalk- 
mulden sind  bekanntlich  dolomitisch  ausgebildet,  doch  hat  bereits 


270 


H.  Quiring, 


E.  Kayskr  1 und  zuletzt  H.  Raufe1 2  darauf  aufmerksam  gemacht, 
daß  auch  tiefere  Schichten  ganz  verschiedener  stratigraphischer 
Stellung  — selbst  bis  hinunter  zur  Cultrijugatus-Stxxfe  — von  der 
Dolomitisierung  ergriffen  worden  sind. 

Arbeiten  des  Verfassers3  über  die  stratigrapliischen  Verhält- 
nisse der  Eifelkalkmulde  von  Sötenich  haben  nun  zu  einigen  Be- 
obachtungen geführt,  die  zur  Deutung  diesir  eigenartigen  Dolomit- 
bildungen des  Eifler  Mitteldevons,  insonderheit  ihrer  Verbreitung 
und  ihrer  Entstehung,  einen  Beitrag  geliefert  haben  dürften. 

Auch  in  der  Sötenicher  Mulde  war  festzustellen,  daß  zwar 
der  Dolomit  in  der  Hauptsache  den  oberen  Teil  der  Schichtenfolge 
bildete,  daß  andererseits  aber  auch  im  allgemeinen  kalkig  ent- 
wickelte Stufen  des  Unteren  Mitteldevous  dolomitisch  ausgebildet 
waren.  Daneben  hatte  ein  dem  Dolomitisierungsprozeß  vergleich- 
barer Auslaugevorgang  sogar  Sandsteine  des  Mittel-  und  Unter- 
devons — z.  T.  unter  Erteilung  eines  quarzitischen  Habitus  — 
ergriffen  und  umgewandelt. 

Ohne  im  einzelnen  auf  die  gefundenen  Verhältnisse  einzugehen, 
mögen  hier  nur  die  Schlußfolgerungen  Platz  finden,  die  aus  diesen 
Beobachtungen  gezogen  worden  sind. 

Wie  es  scheint,  haben  wir  im  Gebiete  der  Sötenicher  Mulde 
mit  zwei  Dolomitbildungen  zu  rechnen,  die  sich  nach  Ent- 
stehungsart und  -zeit  voneinander  trennen  lassen.  Es  erschien 
angängig,  den  älteren  Dolomit,  der  nur  Schichten  des  Oberen 
Mitteldevons  umfaßte,  in  seiner  Bildung  — es  war  zweifelhaft,  ob 
es  sich  um  einen  primären  Dolomit  oder  das  Produkt  eines  späteren 
Dolomitisierungsprozesses  handelte  — der  Zeit  vor  der  varistischen 
Faltung  zuzuweisen  und  ihm,  mit  gewissen  Einschränkungen,  die 
Bedeutung  eines  stratigraphischen  Horizonts  beizulegen. 

Die  Entstehung  des  jüngeren  Dolomits,  der  zweifellos 
ein  sekundäres  Umwandlungsprodukt  ursprünglich  kalkiger  Schichten 
darstellte,  konnte  dagegen  in  die  Zeit  nach  der  Faltung  gelegt 
werden.  Zu  diesem  Schlüsse  berechtigte  nicht  nur  die  Tatsache, 
daß  an  einzelnen  Stellen  Glieder  des  tiefsten  Mitteldevon,  ja  selbst 
des  Unterdevons  beeinflußt  waren,  sondern  vor  allem  der  Umstand, 
daß  gerade  in  der  Nähe  der  die  Mulde  und  ihr  Bandgebiet 
diskordant  überlagernden  Buntsandsteininseln  diese  nach- 
trägliche Dolomitisierung  festgestellt  werden  konnte.  Auch  an  den 
Punkten,  wo  allem  Anschein  nach  die  Buntsandsteinbedeckung  erst 
in  jüngster  Zeit  der  Denudation  und  Erosion  zum  Opfer  gefallen 

1 E.  Kayser,  Studien  aus  dem  Gebiete  de'  Rh<  inischen  Devon.  Ztschr. 
d.  Deutsch,  geol.  Ges.  23.  p.  289— 37H  U.  i .in  1871. 

* H.  Raufe,  Entwurf  zu  einem  Fü  ie  dmch  die  Gerolsteiner  Mulde. 
Berlin  1911 

3 H.  Quiring,  Zur  Stratigraphie  de  Nordosthälfte  der  Sötenicher 
Mulde.  Berlin  1913. 


Eifeldolomit  und  alttriadisehe  Verebnnng. 


271 


war,  ließ  das  anstehende  Gestein  Einwirkungen  dieses  jüngeren  (post- 
varistischen)  Auslaugungs-  bezvv.  Dolomitisierungsprozesses  erkennen. 

Der  Verfasser  hält  demnach,  ohne  die  eigenartige  Erscheinung 
weiter  zn  belegen  — bedeutet  sie  doch  nur  eine  Xebenbeobachtung 
seiner  Arbeit  — , es  für  sehr  wahrscheinlich,  ja  gewiß,  daß  die 
p o s t v a r i s t i s c li  e Auslaugung  und  Dolomitisierung- 
der  Schichten  des  Unterdevons  und  der  tieferen  Schich- 
ten des  Mitteldevons  an  die  Auflagerungsfläche  des 
Buntsandsteins  geknüpft  ist  und  eine  tiefgründige  — 
bis  50m  e i n w i r k e n d e — Umwandlung  des  in  der 
permischen  oder  alttriadischen  Verebnnngsperiodc 
anstehenden  Gesteins  hervorgerufen  hat. 

Mit  großer  Entschiedenheit  deuten  weiter  die  gefundenen  Ver- 
hältnisse, namentlich  die  Auslaugung  der  Sandsteine  daraufhin, 
daß  lediglich  ein  oberflächlicher  Verwitterungsvorgang  in 
Frage  kommen  kann,  ohne  daß  eine  untermeerische  Zufuhr  nennens- 
werter Mengen  von  Magnesiumkarbonat  stattgefunden  hat.  Die 
nachträgliche  Dolomitisierung  der  Kalke  des  Unteren  Mitteldevons 
wäre  demnach  fast  ausschließlich  auf  eine  Auslaugung  des  leichter 
löslichen  Calciumcarbonats  und  eine  Anreicherung  des  mehr  oder 
weniger  zurückbleibenden  Mangesiumcarbonats  zurückzuführen. 

Das  gewonnene  Kesultat  ist  jedoch  auch  aus  dem  Grunde  von 
Bedeutung,  als  es  die  Frage  der  Beantwortung  nähert,  ob  wir  die 
Auflagerungsfläche  des  Buntsandsteins  der  Eifel  als  das  Ergebnis 
eines  Denndations-  oder  Abrasionsvorganges  zu  betrachten  haben. 

Diese  Frage  dürfte  dahin  zu  beantworten  sein,  daß  es  sich 
aller  Wahrscheinlichkeit  nach  bei  der  permischen  bezw.  alttriadischen 
Verebnung  um  eine  langandauernde  Phase  der  Denudation 
handelte,  welche  die  Erhebungen  des  varistischen  Gebirges  mor- 
phologisch ausgelöscht  und  eine  tiefgehende  Verwitterung  der 
damaligen  Landoberfläche  bewirkt  hat. 

Auch  aut'  die  sich  hierbei  aufdrängende  zweite  Frage,  ob  der 
Buntsandslein  der  Eifel  als  marine  oder  terrestre  Bildung  anzu- 
sprechen ist,  wirft  dieses  Ergebnis  ein  gewisses  Streiflicht,  sodaß 
es  sich  wohl  verlohnen  dürfte,  den  hier  mitgeteilten  und  noch 
recht  dürftigen  Beobachtungen  nachzugehen. 

Ergebnisse: 

1.  Die  Bildung  des  mitteldevonischen  Eifeldolomits  hat  in 
zwei  getrennten  Zeiträumen  stattgefunden. 

1 Die  beobachtete  Auslaugung  und  eigenartige  Umwandlung  der 
Sandsteine  steht  in  einer  bemerkenswerten  Übereinstimmung  zu  der  von 
Bornhardt  (Zur  Oberflächengestaltung  Deutsch-Ostafrikas.  Berlin  1900) 
beschriebenen  Umwandlung  (Uhalzedonisiernng)  von  Kreidesedimenten 
(„Newalasandstein-)  im  Siidosten  Deutsch-Ostafrikas  unter  dem  Einfluß 
einer  langandauernden  Denudations(Yerwitterungs-)periode. 


272 


E.  Spengler, 


2.  Der  ältere  Dolomit  ist  vor  Beginn  der  varistischen  Faltungs- 
periode gebildet  worden.  Der  jüngere  ist  postvaristisch  und  durch 
Auslaugung  mitteldevonischer  Kalke  entstanden. 

3.  Der  Auslaugeprozeß  hat  auch  mitteldevonische  und  unter- 
devonische Sandsteine  beeinflußt  und  umgewandelt. 

4.  Die  Auslaugung  ist  an  die  Auflagerungsfläche  des  den 
paläozoischen  Rumpf  überlagernden  Mittleren  Buntsandsteins  ge- 
knüpft und  wahrscheinlich  auf  einen  Verwitterungsvorgang  zurück- 
zuführen, der  in  der  Phase  der  permisch-alttriadischen  Verebnung 
das  in  der  damaligen  Landoberfläche  anstehenden  Gestein  er- 
griffen hat. 


Einige  Bemerkungen  zu  E.  Haug:  Les  nappes  de  charriage 
des  Alpes  calcaires  septentrionales,  3eme  partie,  le  Salz- 
kammergut. 

Von  E.  Spengler  in  Graz. 

In  dem  „Bulletin  de  la  societe  geologique  de  France“,  1912, 
p.  105,  ist  der  schon  lange  angekündigte  3.  Teil  der  epoche- 
machenden Arbeit  E.  Haug’s  über  die  Decken  der  nördlichen  Kalk- 
alpen erschienen.  Leider  war  es  mir  wegen  der  verspäteten 
Lieferung  der  Hefte  durch  die  „Societe  geologique  de  France“ 
und  infolge  der  Gewohnheit  E.  Haug’s,  keine  Sonderabdrücke  zu 
versenden,  nicht  mehr  möglich,  in  meiner  in  den  Sitzungsberichten 
der  Wiener  Akademie  im  Drucke  befindlichen  Arbeit1  zu  den  hoch- 
interessanten Ausführungen  Haug’s  Stellung  zu  nehmen ; ich  möchte 
dies  daher  an  dieser  Stelle  nachtragen. 

E.  Haug  begründet  in  seiner  Arbeit  in  eingehenderer  Weise 
als  in  einem  1908  erschienenen  Vorberichte2  die  Aufstellung  der 
„Decke  des  Toten  Gebirges“,  welche  zwischen  die  „bayrische 
Decke“  und  die  „Salzdecke"  eingeschaltet  ist.  Im  Toten  Gebirge 
selbst  ist  diese  Decke  sehr  gut  begründet;  auf  weite  Strecken 
läßt  sich  der  schmale,  meist  von  steil  stehenden  Liasfleckenmergeln 
gebildete  Streifen  an  der  Nordwestseite  des  Toten  Gebirges  ver- 
folgen, der  die  nördlich  vorgelagerte  „bayrische“  Trias  von  der 
gewaltigen  Dachsteinkalkmasse  des  Toten  Gebirges  trennt.  Die 
Erscheinung,  daß  unterhalb  der  Hallstätter  Decke  eine  Decke  von 
ausgesprochener  Dachsteinfazies  (Berchtesgadener  oder  hochalpiner 
Fazies)  liegt,  braucht  uns  nicht  zu  befremden:  Wir  haben  die- 
selbe Erscheinung  im  Westen , da  die  unter  die  Hallstätter  Ge- 

1 E.  Spengler,  Untersuchungen  über  die  tektonische  Stellung  der 
Gosauschichten.  I.  Teil : Die  Gosauzone  Ischl — Strobl — Abtenau.  Sitzungs- 
berichte der  Wiener  Akademie.  1912. 

2 E.  Haug,  Sur  les  nappes  du  charriage  du  Salzkammergut  C.  R. 
Academie  des  Sciences.  1908.  p.  1428 — 1430. 


Einige  Bemerkungen  etc. 


273 


steine  bei  Berchtesgaden  einfallende  Watzmannmasse,  wenigstens 
in  der  Trias,  ausgesprochen  Berchtesgadener  Fa2ies  zeigt  und  doch 
der  bayrischen  Decke  aD gehört  (vergl.  E.  Haug,  J.  Nowak,  F.  Hahn); 
eine  analoge  Erscheinung  haben  wir  aber  auch  im  Osten : die 
oberste  Teildecke  des  unteren  ostalpinen  Deckensystems  Kober’s, 
die  „Ötscherdecke“,  zeigt  in  ihrer  Fazies  bereits  außerordentlich 
starke  Anklänge  an  die  hochalpine  Entwicklung1.  Überhaupt  sind 
die  „Ötscherdecke“  Kober’s  und  die  „Decke  des  Toten  Gebirges“ 
Haug’s  zwei  durchaus  vergleichbare  Gebilde,  wenn  auch  die  Frage, 
ob  sie  zu  parallelisieren  sind,  erst  dann  wird  entschieden  werden 
können,  bis  die  dazwischen  gelegenen  Gebiete  untersucht  worden  sind. 

Hingegen  kann  ich  mich  für  die  Gleichstellung  der  Schafberg- 
gruppe mit  der  Decke  des  Toten  Gebirges2 *  durchaus  nicht  er- 
wärmen. Denn  abgesehen  davon,  daß,  wie  Haug  selbst  hervor- 
hebt, die  Fazies  der  Trias  der  Schafberggruppe  gar 
nicht  mit  dem  Toten  Gebirge  übereinstimmt,  läßt  sich 
auch  Haug’s  Annahme , daß  die  Schafberggruppe  eine  tektonisch 
höhere  Einheit  als  die  Osterhorngrnppe  darstellt , mit  den  zu 
beobachtenden  Lagernugsverhältnissen  nicht  in  Einklang  bringen. 
Nach  der  Darstellung  auf  Taf.  I Fig.  1 in  Haug’s  Arbeit  ist  die 
Schafberggruppe  über  die  Osterhorngruppe  deckenförmig  über- 
schoben. Der  Ausbiß  dieser  Überschiebung  wird  durch  eine  Linie: 
Elsenwang — Sattelalm  auf  der  Südseite  des  Felblingberges  — 
Tiefbrunnau — Lueg — Südivestfuß  der  Blechwand  gebildet.  Dem- 
gegenüber habe  ich  in  meiner  Schafbergarbeit  angenommen,  daß 
sich  an  einer  mit  der  Linie  Haug’s  nicht  vollständig  zusammen- 
fallenden Dislokationslinie  (Elsenwang — Nordseite  des  Felbling- 
berges— Tiefbninnau — Lueg — Fitz  am  Berg — Nordseite  der 
Blechwand  — Sattel  zwischen  Blechwand  und  Sparberhorn  [Nessner 
Scharte] — Weißenbachtal)  die  Oberalmer  Schichten  der  Osterhorn- 
gruppe über  den  Hauptdolomit,  der  weiter  im  Norden  den  Lias 
und  Jura  der  Schafberggruppe  trägt , hinweggeschoben  haben s. 
In  meiner  späteren  Arbeit  brachte  ich  die  „Plassenkalküber- 
schiebung“  in  der  Schafberggruppe  mit  diesem  Vorschub  der  Oster- 
horngruppe in  Verbindung4.  Die  Osterhorngruppe  liegt  daher 
nach  meiner  Auffasssung  tektonisch  höher  als  die  Schafberggruppe. 

Nach  Haug  spricht  für  seine  Auffassung:  Das  Neocom  des 
Schmiedhorn-Nordhanges  kommt  mit  dem  Hanptdolomit  des  Felb- 
linggipfels  in  Kontakt,  Oberalmer  Schichten  mit  dem  Hauptdolomit 

1 L_  Kober,  Der  Deckenbau  der  östlichen  Nordalpen.  Denkschriften 
der  Wiener  Akademie.  1912.  p.  20. 

* E.  Hatto,  1.  c.  p.  129. 

! E.  Spengler,  Die  Schafberggruppe.  Mitt.  der  Geologischen  Gesell- 
schaft in  Wien.  1911.  p.  263. 

* E.  Spengler,  Untersuchungen  über  die  tektonische  Stellung  der 
Gos&uschichten.  I.  Sitz.-Ber.  der  Wiener  Akademie.  1912.  p.  28. 

CentralblaU  f.  Mineralogie  etc.  1913  18 


274 


E.  Spengler, 


des  Sonnberges  *.  Tatsächlich  scheinen  nach  der  geologischen 
Spezialkarte , Blatt  Salzburg , die  Jura-  und  Neocomgesteine  der 
Osterhorngruppe  unter  die  nördlich  vorgelagerten  Triasmassen  ein- 
zufallen. 

Dagegen  konnte  ich  mich  auf  meinen  Exkursionen  von 
folgendem  überzeugen : Der  Gipfel  des  Felblingbergs  besteht  nicht, 
wie  die  geologische  Karte  angibt,  aus  Hauptdolomit,  sondern  aus 
steil  südfallenden,  Hornstein  führenden  Kalken  (Oberalmer  Schichten). 
Der  Neocomzug  Elsenwang — Sattelalm  liegt  daher  hier  in  einer 
regelmäßigen , von  Oberalmer  Schichten  gebildeten  Mulde.  Erst 
die  tieferen  Gehänge  des  Felblingberges  bestehen  tatsächlich  aus 
Hauptdolomit,  der  von  den  überlagernden  Oberalmer  Schichten 
durch  Spuren  roter  Kalke  (Lias?)  getrennt  ist.  Dieses  Vorkommen 
erinnert  sehr  stark  an  die  zerdrückten  Juravorkommnisse  an  der 
Südseite  des  Wolfgangsees 2 und  ist  sicherlich  deren  westliche  Fort- 
setzung. Wir  müssen  dabei  die  Schafberg  und  Osterhorn  trennende 
Linie  auf  die  Nordseite  des  Felbling  verlegen.  Für  die  Über- 
lagerung des  Hauptdolomits  durch  die  Juragesteine  der  Osterhorn- 
gruppe sprechen  vor  allem  folgende  Punkte:  1.  An  der  Südseite 
des  Sonnberges  fallen  triadisclie  Plattenkalke  60°  gegen  SW  ein 
und  werden  von  Fleckenmergeln  überlagert  (Neocom  oder  Lias, 
jedenfalls  ein  Gestein  der  Osterhorngruppe).  2.  Auf  der  Höhe  der 
Kühleiten  (Sattel  zwischen  Tiefbrunnau  und  Wolfgangsee)  stehen 
ähnliche  Mergel , ferner  Oberalmer  Schichten  an , welche  deutlich 
10° — 45°  gegen  Südwesten  einfallen.  3.  Die  auch  von  Haug3 
erwähnte  Hauptdolomitzone  südlich  von  St.  Gilgen  bildet  eine 
senkrechte  Wand  von  etwa  250  m Höhe  (Gamswand;  auf  ihrer 
Höhe  führt  der  Maria-Lenkweg);  der  darüber  folgende,  weniger 
steile  Abhang  .besteht  bis  auf  den  Gipfel  des  Zwölferhorns  aus 
Oberalmer  Schichten.  Es  ist  daher  schon  aus  topographisch- 
morphologischen Gründen  ausgeschlossen,  daß  diese  Oberalmer 
Schichten  unter  die  w an  db  i 1 d e n den  Hauptdolomite 
am  Fuße  des  Berges  ein  fallen,  zumal  da  man  am  Maria- 
Lenkweg,  unmittelbar  dem  Hauptdolomit  auflagernd,  sehr  stark 
reduzierte  rote  Adneter  Schichten  und  Hornsteinkalke  * trifft,  deren 
Einfallen  etwa  60°  gegen  SSW  gerichtet  ist.  4.  Diese  Zone 
erreicht  das  Ufer  des  Wolfgangsees  östlicli  von  Lueg  bei  der 
sogenannten  Franzosen  schanze.  Hier  und  weiter  östlich  ist  an 
vielen  Stellen  das  SSW-Fallen  sämtlicher  Schichten  deutlich  zu 
erkennen5.  Nur  an  zwei  Stellen  kann  es  den  Anschein  haben, 
daß  die  Osterhorngesteine  die  nördlich  vorliegende  Hauptdolomit- 

1 E.  Haug,  1.  c.  p.  109. 

2 E.  Spengler,  Die  Schafberggruppe,  p.  263. 

3 E.  Haug,  1.  c.  p.  110. 

4 E.  Spengler,  Die  Schaf  berggruppe,  p.  263. 

6 Vergl.  E.  Spengler,  Die  Schafberggruppe,  p.  262  u.  p.  263. 


Einige  Bemerkungen  etc. 


275 


masse  unterteufen.  Am  Eingänge  des  Grabens , welcher  bei  der 
Brunnbauermühle  in  die  Tiefbrunnau  mündet,  fallen  Oberalmer 
Schichten  unter  einem  Winkel  von  etwa  30°  gegen  NNW,  also 
gegen  den  Hauptdolomit  des  Felblingzuges  ein,  ferner  scheint  der 
Hauptdolomit  beim  Gasthaus  Gsch wandt  am  WTolfgangsee  steil  nach 
N einzufallen,  doch  kann  hier  das  Fallen  wegen  der  Undeutlich- 
keit der  Schichtung  nicht  sicher  festgestellt  werden.  Die  zwei 
räumlich  sehr  beschränkten  Aufschlüsse  können  keinesfalls  gegen 
die  überwiegende  Anzahl  von  Punkten  sprechen  (insbesondere  nicht 
gegen  die  unter  3 angeführten  Verhältnisse),  w'elche  mit  Sicherheit 
ein  Einfallen  des  Hauptdolomits  und  somit  der  Schafberggesteine 
unter  die  Osterhorngruppe  erkennen  lassen.  Wir  können  also 
die  Schafberggruppe  nicht  als  eine  höhere  Decke 
als  die  Oster  horngruppe,  sondern  eher  noch  für  eine 
tiefere  erklären;  doch  spricht,  wie  ich  in  der  „Schafberg- 
gruppe“  gezeigt  habe,  trotz  des  außerordentlich  großen  Fazies- 
kontrastes, einiges  gegen  die  Annahme  einer  großen  Decken- 
überschiebung an  dieser  Stelle.  Das  Nordfallen  der  Schichten  in 
den  Bergen  der  nördlichen  Osterhorngruppe  südlich  der  Tief- 
brunnau kann  vielleicht  als  Andeutung  einer  Stirnbildung  gelten. 
Die  Erscheinung,  daß  nördlich  der  Adneter  Entwicklung  nochmals 
Hierlatzfazies  folgt,  braucht  uns  nicht  zu  verwundern;  denn  in 
den  niederösterreichischen  Kalkalpen  haben  wir  eine  ganz  ähnliche 
Erscheinung  (Hierlatzkalk  von  Gießhiibl  bei  Mödling1. 

Ferner  widerspricht  es  den  Faziesverhältnissen , wenn  man 
mit  Haug  die  Blechwand  in  die  Schafbergserie  einbezieht.  Denn 
die  Blechwand  stellt  eine  gegen  SW  geneigte  Schichtserie  von 
typischer  Osterhornfazies  vor;  vom  mittleren  Strobl-Weißenbach- 
tale aus  möchte  man  glauben , daß  sich  sogar  dieselben  fels- 
bildenden Bänke  in  den  Oberalmer  Schichten  der  Blechwand  und 
in  dem  südlich  sich  anschließenden  Zwechenberge  verfolgen  lassen. 
Die  Blechwand  ist  auf  ihrer  Südwestseite  sicherlich  von  einer 
Dislokation  begrenzt,  doch  ist  dies  eine  Parallelstörung  zu  der 
Grenzdislokation  zwischen  Schafberg-  und  Osterhorngruppe,  die 
zwischen  Sparberhorn  und  Blechwand  verläuft. 

Nach  Haug  gehört  ferner  nur  der  südliche  Teil  und  das 
Gipfelgebiet  der  Schaf  berggruppe  zur  Decke  des  Toten  Gebirges, 
die  Nordhänge  hingegen  unterhalb  der  „Grünseescherfläche“  wiederum 
zur  bayrischen  Decke2.  Diese  Trennung  trifft  im  Westen  auf 
Schwierigkeiten,  da  sich  hier  die  nach  Haug  zwei  verschiedenen 
Decken  angehörigen  Hauptdolomite  der  Nord-  und  Südseite  des 
Schafberges  zu  einer  untrennbaren  Masse  vereinigen.  Ferner 

1 A.  Spitz,  Der  Höllensteinzug  bei  Wien.  Mitt.  der  Wiener  geolog. 
Gesellschaft.  1910.  p.  375.  — L.  Kober,  Der  Deckenbau  der  östlichen 
Nordalpen.  Denkschriften  der  Wiener  Akademie.  1912.  p.  17,  18. 

2 E.  Haug,  1.  c.  p.  111. 

18* 


276 


E.  Spengler, 


sucht  Haug  das  plötzliche  Aufhören  der  Schafbergfalten  an  der 
Westseite  des  Leonsberges  dadurch  zu  erklären,  daß  sich  hier  die 
an  der  Basis  der  Schafbergdecke  gelegene  Schubfläche  gegen  Osten 
heraushebt1.  Dagegen  ist  einzuwenden,  daß  das  nach  Haug  der 
höhereu  Decke  angehörige  Gebiet  der  Schafbergfalten  meist  oro- 
graphisch  bedeutend  tiefer  liegt  als  das  Gebiet  der  tieferen  Decke 
(der  Gipfel  des  Leonsberges,  der  aus  dem  Hauptdolomit  der  tieferen 
Decke  besteht,  liegt  um  700  m höher  als  die  nur  1 km  weiter 
westlich  liegende  Schlucht  des  Kühnbaches , die  in  Hierlatzkalk 
und  Spongienlias  der  höheren  Decke  eingeschnitten  ist) ; wir  müßten 
daher  hier  ein  außerordentlich  steiles  Aufsteigen  der  Schubfläche 
an  der  Basis  der  Schafbergdecke  im  Streichen  annehmen.  Daher 
erscheint  die  Annahme  einer  vertikalen,  N — S verlaufenden 
Dislokation  in  den  Westhängen  des  Leonsberges 
ungleich  wahrscheinlicher;  doch  möchte  ich  hier  zu  dem  in  der 
„Schaf berggruppe“  Gesagten  noch  folgendes  nachtragen:  Ich  stelle 
mir  vor,  daß  nur  westlich  der  Leonsberglinie  die  Schichten  bei 
der  vorgosauischen  Faltung  durch  einen  von  Süden  wirkenden 
Tangentialdruck  in  Falten  gelegt  wurden,  östlich  hingegen  nicht. 
Daher  müssen  an  der  Leonsberglinie  die  Falten  des  Schafbergs 
gegen  die  ungestörte  Hauptdolomitmasse  des  Leonsbergs  abstoßen; 
die  Leonsberglinie  muß  naturgemäß  bei  den  Leonsberger  Almen 
ihr  nördliches  Ende  finden;  der  Hauptdolomit  des  Leonsberges  ist 
mit  demjenigen  auf  der  Nordseite  des  Schafberges  in  ungestörter 
Verbindung2. 

Ferner  muß  ich  mich  gegen  die  Annahme  des  vor- 
gosauischen Aufschubes  der  Gamsfeldgruppe  auf  die 
Osterhorn  gruppe  aussprechen3 *,  eine  Annahme,  in  der  E.  Haug 
CI.  Lebling  4 gefolgt  ist ; doch  kann  ich  hier  auf  meine  oben 
erwähnte  Arbeit  in  den  Sitzungsberichten  der  Wiener  Akademie 
verweisen.  Das  Bild  des  Kontaktes  zwischen  dem  Gosaustreifen 
Strobl — Abtenau  und  dem  Dolomit  der  Gamsfeldgruppe  ist  dem 
Kontakt  zwischen  den  Gosauschichten  und  den  Triasgesteinen  des 
Buchbergriedels  bei  der  Zwieselalpe  vollkommen  analog,  für 
welchen  auch  E.  Haug  nachgosauisches  Alter  annimmt5 6. 


1 E.  Haug,  1.  c.  p.  111. 

2 Zur  Veranschaulichung  dieser  Lagerungsverhältnisse  diene  folgender 
Versuch : Man  nehme  eine  Karte  des  Schafberggebietes  und  führe  von 
Süden  her  längs  der  Leonsberglinie  einen  Schnitt  bis  zu  den  Leonsberger 
Almen ; hierauf  lege  man  durch  einen  Druck  von  Süden  nur  das  westlich 
(links)  des  Schnittes  gelegene  Stück  der  Karte  in  Falten,  wodurch  man 
ein  der  Natur  entsprechendes  Bild  erhält. 

3 E.  Haug,  1.  c.  p.  114. 

“ Cl.  Lebling,  Beobachtungen  an  der  Querstörung  „Abtenau— Strobl“ 

im  Salzkammergut.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  p.  570. 

6 E.  Haug,  1.  c.  p.  121. 


Einige  Bemerkungen  etc. 


277 


Die  tektonische  Auflösung  der  Umgebung  des  Gosautales  durcli 
Haug  scheint  mir  wenigstens  nach  meinen  bisherigen  Beobachtungen 
eine  außerordentlich  glückliche  zu  sein ; doch  möchte  ich  bei  der 
Zugehörigkeit  des  Plassen  zur  Dachsteindecke  glauben,  daß  dieser 
nicht  dem  verkehrten  Mittelschenkel  der  Dachsteindecke  angehört 
— denn  Mittelschenkel  treten  bei  den  wohl  nicht  als  liegende 
Falten  zu  deutenden  Decken  des  Salzkammergutes  niemals  auf  — , 
sondern  annehmen,  daß  der  Plassen  als  Stirnpartie  der  von  Haug 
aufgestellten  nachgosauischen  Schubmasse  zu  deuten  ist.  Übrigens 
scheint  sich  hier  in  den  Darstellungen  E.  Haug’s  ein  Widerspruch 
zu  befinden:  Auf  p.  425,  Zeile  16,  erklärt  er  den  Plassen  sowie 
den  Lias  bei  Waldbach  — Strub  als  verkehrten  Mittelschenkel  der 
Dachsteindecke1,  also  einer  vorgosauischen  Schubmasse2;  dieser 
Darstellung  entspricht  auch  das  Profil  Taf.  I,  Fig.  2.  Wenige 
Zeilen  später  hält  er  jedoch  die  Aufschiebung  des  Jura  auf  die 
Triasgesteine  des  Salzbergfensters  für  ein  Produkt  der  nach- 
gosauischen Überschiebung 3 ; letzterer  Ansicht  habe  ich  mich  oben 
im  wesentlichen  angeschlossen. 

Anschließend  an  die  Ausführungen  über  Haug’s  Arbeit  sei 
mir  an  dieser  Stelle  noch  eine  Bemerkung  zu  der  kürzlich  er- 
schienenen Arbeit  meines  Freundes  J.  v.  PtA4  gestattet.  Pia 
spricht  hier  den  Gedanken  aus,  daß  zwischen  den  Falten  des 
Schafberges  und  der  Höllengebirgsüberschiebung  eine  Art  Kompen- 
sationsverhältnis bestehe.  Mir  scheint  gegen  diesen  sonst  sehr 
plausiblen  Erklärungsversuch  vor  allem  die  in  der  „Schafberg- 
gruppe“ p.  233,  Zeile  2 — 7 besprochene  und  auf  Profil  I,  Taf.  V 
dargestellte  5 6 Erscheinung  zu  sprechen,  die  ein  höheres  Alter  der 
Grünseescherfläche  gegenüber  der  Höllengebirgsstirn  mit  Sicherheit 
erkennen  läßt. 

1 . . . mais  il  me  paralt  plus  vraisemblable  de  l’attribuer  ä la  nappe 
D.  Dans  cette  hypothöse,  eile  (der  Plassen)  appartiendrait  au  flanc  ren- 
verse  de  cette  nappe. 

2 Les  quatre  nappes  etaient  döjä  empilöes,  — lorsque  la  mer  neo- 
crötacöe  a envahi  la  rögion. 

* J’ajouterai  cependant  que , posterieurement  on  döpöt  des  couches 
de  Gosau,  le  bord  sud  de  la  fenßtre  a etö  pousse  vers  le  Nord  et  charrie 
sur  le  Cretace , en  se  renversant  partiellement , sur  les  terrains  de  la 
fenßtre,  si  bien  que  le  Jurassique  du  flanc  inverse  est  venu  reposer  directe- 
ment  sur  divers  termes  de  la  Serie  triasique. 

4 J.  v.  Pia:  Geologische  Studien  im  Höllengebirge  und  seinen  nörd- 

lichen Vorlagen.  Jahrb.  der  geol.  Reichsanstalt.  Wien  1912.  p.  557 — 612. 

6 Das  Profil  ist  zwischen  Eibenberg  und  Schärfling  sehr  stark  schiel 
aufs  Streichen  geführt  und  läßt  daher  das  kuppelförmige  Abfallen  der 
Schichten  gegen  den  Mondsee  weniger  deutlich  erkennen. 


278 


H.  Ändert, 


Inoceramus  inconetans  Woode  und  verwandte  Arten. 

Von  Hermann  Ändert,  Ebersbach  i.  S. 

Mit  2 Textfiguren. 

Eine  von  Herrn  Dr.  Seemann  in  Aussig  mir  freundlichst  zur 
Bearbeitung  überlassene  Kollektion  von  Inoceramen  aus  den  Kalk- 
mergeln  von  Leitmeritz  und  Teplitz  im  böhmischen  Mittelgebirge 
sowie  anderes  reiches  Material  von  Originalen  oder  deren  getreuen 
Abgüssen,  das  mir  zur  Beui’teilung  vorlag,  geben  mir  Veranlassung, 
die  von  Woods  aufgestellte  Formengruppe  des  Inoceramus  inconstans 1 
näher  ins  Auge  zu  fassen.  Zum  größten  Teil  kann  ich  mich  in 
meiner  hier  vertretenen  Auffassung  auf  authentisches  Material 
stützen  und  nicht  nur  auf  Abbildungen,  bei  denen  selbst  gute  irre 
führen  können. 

Bereits  in  der  Festschrift  des  Humboldtvereins  zu  Ebersbach 
vom  Jahre  1911 2 3 habe  ich  mehrere  dieser  Gruppe  zuzurechnende 
Arten  eingehend  behandelt  und  u.  a.  daselbst  p.  44/45  erwähnt, 
daß  die  in  der  böhmischen  Kreide  aus  den  Priesener  und  noch 
tieferen  Schichten  zu  I.  Cuvieri  gestellten  Exemplare  meist  sehr  platt 
gedrückt  sind,  an  denen  einer  der  Hauptcharaktere  der  Art,  das 
Dickenwachstum,  nicht  nachgewiesen  werden  kann,  und  daß  wohl 
ein  großer  Teil  dieser  Stücke  als  I.  latus  Mantell  wird  angesprochen 
werden  müssen. 

Währenddessen  ist  der  zweite  Teil  der  Monographie  von 
Woods  3 über  die  englischen  Inoceramen  erschienen  und  hat  die 
lang  ersehnte  Aufklärung  über  die  bisher  so  zweifelhaften  alten 
englischen  Originale  gebracht.  Nur  wird  die  Durchführung  einiger 
von  dem  Autor  angewendeter  Sammelnamen,  die  erst  künftig  wieder 
in  Varietäten  gespalten  werden  sollen4,  für  die  deutschen  Ver- 
hältnisse auf  große  Schwierigkeiten  stoßen.  Die  Stratigraphie  der 
oberen  deutschen  Kreide  stützt  sich  zu  einem  guten  Teil  auf  das 
Auftreten  oder  Fehlen  bestimmter  Inoceramenformen.  Deshalb  er- 
scheint es  dringend  geboten,  die  Inoceramen,  soweit  sie  charakteri- 
stische Unterscheidungsmerkmale  besitzen,  aus  diesen  Kollektiv- 
namen herauszulösen.  Die  Fassung  des  Begriffes  als  Art  oder  als 
Varietät  ist  bei  der  vorliegenden  Gattung,  da  die  Unterschiede  oft 
nur  durch  die  äußere  Form  bedingt  sind  und  der  Schloßapparat 
selten  vollständig  bekannt  ist,  wenig  von  Bedeutung.  Die  vor- 
handenen Bezeichnungen  möchten  jedoch,  da  sie  mit  der  Strati- 
graphie eng  verknüpft  sind,  möglichst  gewahrt  bleiben. 

1 Woods,  A Monograph  of  the  cretaceous  Lamellibranchia  of  England. 
2.  Palaeont.  Soc.  1912  p.  285. 

a Andekt,  Die  Inoceramen  des  Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges. 
Sonderabdruck  bei  Max  Weg  in  Leipzig  in  Kommission. 

3 Woods,  a.  a.  0. 

1 Woods,  a.  a.  0.  p.  288. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


279 


Ein  großer  Teil  der  herrschenden  Verwirrung  in  den  Inoceramen- 
bezeiclinungen  ist  den  alten  englischen  Antoren  zuzuschreiben,  deren 
Abbildungen,  zum  Teil  von  minderwertigen  Originalen,  zur  sicheren 
Wiedererkennung  ziemlich  unbrauchbar  sind,  und  die  gegenseitig 
durch  Trennung  gleicher  bezw.  Zusammenlegung  verschiedener  Arten 
von  Anfang  an  große  Unstimmigkeiten  in  die  Literatur  hinein- 
g;etragen  haben.  Eine  Nachprüfung  der  Originale  ist  in  dieser 
langen  Zeit  nicht  erfolgt.  Unsere  deutschen  Autoren  mußten  bei  dem 
Versuch,  ihre  einheimischen  Formen,  die  zudem  sehr  oft  in  mangel- 
haftem Erhaltungszustände  waren,  mit  den  englischen  zu  identi- 
fizieren, unter  diesen  Umständen  zu  einer  Menge  Fehlschlüsse  ge- 
langen. Trotzdem  habe  ich  in  den  von  mir  besuchten  deutschen 
Sammlungen  eine  ziemlich  einheitliche  Auffassung  der  wichtigsten 
Formen  des  Turon  gefunden,  so  daß,  wenn  man  die  verschiedenen 
Deutungen  in  der  früheren  Literatur  nicht  berücksichtigt,  die  gegen- 
wärtige Lage  für  unsere  Leitfossilien  aus  der  Inoceramengruppe 
durchaus  nicht  so  trostlos  ist,  als  wie  man  nach  den  weitaus- 
greifenden Zusammenlegungen  von  Woods  wieder  annehmen  sollte. 
Im  Emscher  und  Senon  liegt  die  Angelegenheit  in  Rücksicht  auf  die 
größere  Zahl  der  noch  wenig  bekannten  Formen  nicht  so  günstig, 
nach  meinen  Erfahrungen  wird  aber  auch  hier  Klarheit  hinein- 
zubringen sein.  Bei  der  Eigenart  der  Gattung  wird  jedoch  kaum, 
wenn  man  nicht  große  Formeukreise  zusammenfassen  will,  wodurch 
jeder  stratigraphische  Wert  unnütz  verloren  gehen  würde,  die 
Klärung  soweit  durchzuführen  sein,  daß  der  zufällig  vor  die  Be- 
stimmung einiger  mangelhaft  erhaltener  Stücke  Gestellte  ohne  viel 
Mühe  das  Richtige  herausfindet. 

Durch  Überlassung  von  Originalen,  Gipsabgüssen  und  sonstigem 
Material  aus  den  ihnen  unterstellten  Sammlungen  sowie  durch  wert- 
volle Mitteilungen  fühle  ich  mich  zu  Dank  verpflichtet  den  Herren 
Dr.  A.  Smith  Woodwakd  und  Bullen  Newton  am  British  Museum 
in  London,  Herrn  Professor  Dr.  J.  Böhm,  Kustos  an  der  König- 
lichen Geologischen  Landesanstalt  in  Berlin , Herrn  Professor 
Dr.  Hibsgh  in  Tetschen,  Herrn  Dr.  Seemann  in  Aussig  und  Herrn 
Dr.  Wanderer  in  Dresden. 

I.  Lamarcki  und  I.  Cuvieri  sind  bereits  von  Herrn  Professor 
Böhm  1 einer  kritischen  Bearbeitung  unterzogen  worden.  Nach  dem 
mir  ebenfalls  von  Herrn  Dr.  A.  Smith  Woodward  freundlichst  über- 
lassenen Gipsabguß  möchte  ich  jedoch  die  Längsfurche  am  Original 
des  1.  Lamarcki  Park.1 2  als  ein  morphologisches  Merkmal  der  Art 
ansehen.  Die  Schale  ist  lediglich  zwischen  der  höchsten  Rücken- 
wölbung und  dem  Vorderrande  zerdrückt;  die  hintere  Partie,  in 

1 J.  Böhm,  I.  Lamarcki  auct.  und  I.  Cuvieri  auct.  Zeitschrift  der 
deutschen  geol.  Ges.  64.  1912.  Monatsbericht  No.  7.  p.  399. 

1 Woods,  a.  a.  0.  p.  312.  Textfig.  63;  J.  Böhm,  a.  a.  0.  p.  401. 


280 


H.  Ändert,' 


der  auch  die  Längsfurche  gelegen  ist,  erscheint  nach  dem  Gips- 
abguß vollständig  unbeschädigt.  Auch  ist  die  Form  ganz  besonders 
schlank  und  der  Flügel  vom  Rücken  sehr  tief  abgesetzt.  Das 
Exemplar  dürfte  wohl  in  die  Nähe  des  I.  percostatus  G.  Müller1 
gehören,  mit  dem  auch  die  von  Woods  angegebene  Fundzone  un- 
gefähr übereinstimmen  würde.  Auch  das  Original  des  I.  Brongniarti 
Mantell2,  von  dem  mir  ebenfalls  ein  Gipsabguß  zur  Verfügung 
steht,  ist  verschieden  von  den  Formen  der  sogenannten  Brongniarti- 
Stufe,  wie  sie  von  Woods  in  Textfig.  65  und  67  auf  p.  313  dar- 
gestellt werden.  Die  engen,  mehr  scharfkantigen,  auf  dem  Flügel 
sich  gegen  den  Wirbel  hin  biegenden  Rippen  und  Falten,  sowie 
der  kurze,  vom  Rücken  nicht  abgesetzte  Flügel  geben  der  Muschel 
ein  ganz  anderes  Gepräge.  Woods  stellt  sie  zu  der  Varietät 
Websteri 3,  die  von  dem  mittelturonen  I.  Lamarclti  entschieden  zu 
trennen  ist.  Wenn  er  auch  p.  318  Übergangsformen  erwähnt,  so 
ändert  das  wenig  an  meiner  Ansicht,  denn  Taf.  53  Fig.  2 bei 
Woods,  von  dem  mir  ein  Gipsabguß  vorliegt,  und  vielleicht  auch 
Fig.  1 auf  dieser  Tafel  sind  mit  Textfig.  72  und  68  kaum  identisch. 
Ähnlichkeit  besitzt  auch  I.  Glatziac  Flegel4  aus  dem  Emscher. 
Solange  man  so  zweifelhafte  Formen,  wie  besonders  die  hier  zuerst 
angeführte,  als  Originale  zu  behandeln  gezwungen  ist,  wird  eine 
sichere  Grundlage  für  die  Inoceramen  nie  erreicht  werden.  Es 
erscheint  mir  für  die  Praxis  viel  richtiger,  bei  den  ohnedies 
schwierigen  Verhältnissen  der  Inoceramen  derartige  Originalstücke 
bei  ferneren  Arbeiten  unberücksichtigt  zu  lassen  und  das  eine 
oder  andere  gut  ausgebildete  Stück  späterer  Autoren,  wenn  ein 
solches  vorhanden  ist,  als  maßgebendes  Original  festzulegen. 

I.  Cuvicri  Sturm  5 = I.  Sturmi  Ändert  6,  der  von  Woods  eben- 
falls der  Lamarcki-Gnvppe  zugeteilt  wird,  besitzt  die  gleiche  Flügel- 
ausbildung wie  Woods  Textüg.  68  und  ist  von  I.  Lamarcki  zu 
trennen.  I.  Koegleri  Ändert  7 gehört  hingegen  wohl  der  Gruppe 
an,  bewahrt  aber  durch  seine  steil  abgestutzte  Vorderseite,  deren 
kantiges  Umbiegen  zur  Rückenwölbung  und  die  scharfen  konzen- 
trischen Rippen  seine  Sonderstellung  als  Art. 

Ein  weiteres  Eingehen  auf  den  I.  Lamarcki  muß  hier  unter- 
bleiben, jedoch  dürfte  die  Benützung  der  Synonymenliste  bei  Woods 
in  jedem  Falle  mit  Vorsicht  zu  geschehen  haben.  Nur  durch 

1 G.  Müller,  Beitrag  zur  Kenntnis  der  oberen  Kreide  am  nördlichen 
Harzrande.  Jahrb.  d.  Kgl.  preuß.  geol.  L.-A.  1887.  Taf.  17  Fig.  3a — c.  p.  413. 

3 Woons,  a.  a.  0.  p.  314.  Textfig.  68. 

8 Wooes,  a.  a.  0.  p.  315.  Textfig.  72. 

4 Ändert,  a.  a.  0.,  Taf.  1 Fig.  3. 

5 Woods,  a.  a.  0.  p.  310;  Stürm,  Der  Sandstein  von  Kießlingswalde  usw. 
Jahrb.  d.  Kgl.  preuß.  geol.  L.-A.  1900.  21.  p.  92.  Taf.  10  Fig.  1. 

6 Ändert,  a.  a.  0.  p.  58. 

7 Ändert,  a.  a.  0.  p.  57.  Taf.  1 Fig.  6,  Taf.  5 Fig.  6,  Taf.  7 Fig.  4 : 
Woods,  a.  a.  0.  p.  310. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


281 


Heranziehung  der  Originalstücke  ist  es  bei  dem  Chaos  in  der 
Inoceramensystematik  möglich,  mit  annehmbarer  Sicherheit  die  Zu- 
sammengehörigkeit der  Formen  festzustellen.  Trotzdem  sind  auch 
dann  noch,  da  die  Exemplare  selten  normal  oder  vollständig  er- 
halten sind,  Irrtümer  nicht  ausgeschlossen1. 

Unter  I.  inconstans  Woods  2 vereinigt  der  Autor  ebenfalls  eine 
Gruppe  von  Inoceramen  mit  sehr  charakteristischen  gegenseitigen 
Unterscheidungsmerkmalen.  Der  Charakter  der  Gruppe  tritt  beson- 
ders in  dem  schwach  gewölbten  oder  fast  flachen  Wachstum  der 
Schale  in  der  Jugend  und  einem  hierzu  mehr  oder  weniger  senk- 
rechten Umbiegen  derselben  nach  innen  in  der  späteren  Wachstums- 
periode hervor.  Hierdurch  erhalten  die  Exemplare  ein  aufgeblähtes 
Aussehen.  Der  erste  Teil  der  Muschel  ist  gewöhnlich  annähernd 
regelmäßig  mit  An  wachsstreifen,  Rippen  oder  Falten  versehen,  die 
nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen  im  allgemeinen  sehr 
unregelmäßig  und  verschieden  vom  früheren  Wachstum  aufzutreten 
pflegen.  Länge  und  Höhe  sind  annähernd  gleich,  es  kann  aber 
auch  erstere  ganz  bedeutend  überwiegen.  Sehr  selten  sind  Exem- 
plare, bei  denen  die  Höhe  die  Länge  in  geringem  Maße  übertrifft. 
Die  Schalen  sind  nur  wenig  ungleichklappig,  die  Wirbel  klein, 
wenig  hervortretend  und  nur  schwach  gebogen.  Ein  hinteres  Ohr 
(Flügel)  ist  meist  vorhanden. 

Die  Formen  ans  der  Zone  des  Actinocamax  quadratus,  wie  sie 
in  den  Textfig.  47.  48,  49  und  50,  sowie  auf  Taf.  51  Fig.  3 
und  4 und  Taf.  52  Fig.  2 und  3 bei  Woods  dargestellt  sind, 
sollen,  da  weiteres  Vergleichsmaterial  nicht  zur  Verfügung  steht, 
hier  unberücksichtigt  bleiben.  Sie  unterscheiden  sich  aber  auch 
vom  allgemeinen  Charakter  der  Formengruppe  teils  durch  mehr 
dickglobige  Wölbung  der  gesamten  Schale,  teils  durch  Andeutung 
einer  flachen  Furche  auf  der  hinteren  Schalenhälfte  oder  auch  durch 
Verlängerung  des  Schloßrandes  über  den  Wirbel  hinaus  nach  vorn. 
Die  von  Woods  gezeichnete  Entwicklung  dieser  Formen  aus  den 
hier  behandelten  soll  hierdurch  jedoch  keinen  Widerspruch  erfahren. 

Nach  dieser  Abtrennung  lassen  sich  folgende  Arten  unter- 
scheiden : 

Inoceramus  inconstans  Woods 

„ inconstans  var.  planus  Elbert 

„ ScMoenbachi  J.  Böhm 

„ Scldoenbachi  var.  cripsioides  Elbert 

„ crassus  Petrascheck 

, Weisei  Ändert 

„ Waltersdorf ensis  Ändert 

„ balticus  J.  Böhm. 

1 Vergl.  auch  Hennig,  Zur  Inoceramenfrage.  Zeitschr.  d.  deutschen 
geoL  Ges.  1912.  Monatsber.  No.  11.  p.  527/528. 

* Woods,  a.  a.  0.  p.  285. 


282 


H.  Ändert, 


1.  Inoceramus  inconstans  Woods. 

Zu  I.  inconstans  Woods  ziehe  ich  die  Formen  aus  der  Zone 
des  Holaster  planus,  wie  sie  von  Woods  (a.  a.  0.)  in  Textfig.  39, 
42,  43  und  46,  auf  Taf.  51  Fig.  2 und  Taf.  52  Fig.  1 dargestellt 
sind.  Das  Exemplar  Taf.  51  Fig.  1,  das  als  fraglich  aus  der  Zone 
der  Terebratulina  lata  aufgeführt,  wird,  gehört  ebenfalls  unzweifel- 
haft hierher,  wie  mir  eine  von  Herrn  Bullen  Newton  übersandte 
Photographie  der  Vorderansicht  bezeugt. 

Die  Art  ist  durch  die  dem  kreisförmig  abgerundeten  Fünfeck 
sich  nähernde  Form,  die  deutlichen  Anwachsstreifen  und  flach- 
welligen Falten  im  .Jugendstadium  gekennzeichnet.  Die  Falten 
sind  zuweilen  sehr  schwach  und  nähern  sich  dann  der  Form  Taf.  52 
Fig.  1 bei  Woods,  die  von  ihm  als  Inoceramus  inconstans  var.  striatus 
unterschieden  wird.  Nach  dem  mir  vorliegenden  Material  halte  ich 
jedoch  eine  Trennung  für  undurchführbar.  Hingegen  dürfte  das 
Exemplar  Taf.  51  Fig.  5,  das  ebenfalls  als  I.  inconstans  var.  striatus 
bezeichnet  ist , auf  Grund  seiner  Flügelausbildung  (kein  Flügel 
oder  scharf  abgesetzt?)  eine  Sonderstellung  einnehmen.  Von  diesem 
Stück  liegt  mir  ein  Gipsabguß  vor.  Im  späteren  Wachstum  zeigt 
die  Schale  des  I.  inconstans  gewöhnlich  unregelmäßige  Falten,  die 
aber  auch  ganz  verschwinden  können.  Der  Flügel  ist  nicht  scharf 
abgesetzt.  In  dieser  Art  lassen  sich  Übergangsformen  vom  flachen 
I.  labiatus  var.  latus  Sowerby  zu  der  Gruppe  mit  einem  späteren 
Wachstum  mehr  oder  weniger  senkrecht  zum  früheren  verfolgen. 

I.  latus  Mantell  ist  nach  Woods  1 und  wie  ich  auch  an  dem 
von  Herrn  Professor  Böhm  mir  gütigst  zur  Verfügung  gestellten 
Gipsabguß  des  englischen  Originales  ersehen  konnte,  eine  Form  der 
Gruppe  des  I.  Lamarcki  Park.,  deren  Flügel  abgebrochen  ist  und 
die  mit  dem,  was  bisher  in  der  deutschen  Kreideliteratur  als  I.  latus 
geführt  worden  ist,  nichts  gemein  hat.  Von  Böhm  2 wird  die  Auf- 
rechterhaltung der  Art  befürwortet. 

I.  latus  Sowerby,  von  Woods  als  I.  labiatus  var.  latus  Sow. 
bezeichnet1 2 3,  ist  schwach  gewölbt.  Besonders  die  Partien  des 
unteren  Randes  sind  sehr  flach  gegenüber  dem  mehr  oder  weniger 
stark  gewölbten  und  nach  innen  gebogenen  Unterrande  des  1.  in- 
constans. Nach  den  Abbildungen  bei  Woods  ist  man  versucht,  die 
als  I.  latus  bezw.  I.  Cuvieri  aus  der  böhmischen  Kreide  bisher 
gedeuteten  Formen  zu  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  zu  stellen.  Auch 
die  für  die  Bearbeitung  von  Blatt  Leitmeritz  der  Karte  des  böh- 
mischen Mittelgebirges  von  Herrn  Dr.  Seemann  mir  freundlichst 
überlassenen  Inoceramen  sind  von  mir  als  I.  latus  Sow.  bestimmt 


1 Woods,  a.  a.  0.  Textfig.  76. 

2 J.  Böhm,  a.  a.  0.  p.  403. 

3 Woods,  a.  a.  0.  p.  284.  Textfig.  38  und  40.  Fig.  41  könnte  vielleicht 
auch  noch  zu  Inoceramus  inconstans  gehören. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


283 


worden.  Seitdem  erhielt  ich  aber  durch  Herrn  Bullen  Newton 
eine  Photographie  der  Vorderansicht  des  Originals  von  Textfig.  38 
bei  Woods,  an  dem  der  Unterschied  gut  ersichtlich  ist.  Ferner 
teilte  er  mir  mit,  daß  das  kalkige  Muttergestein  normalen  Charakter 
besitzt,  sodaß  eine  Verdrückung  der  Exemplare  ausgeschlossen  ist. 
Leider  sind  die  Originale  sonst  nicht  besonders  gut  erhalten. 

Da  nun  beide  Formen,  I.  läbiatus  var.  latus  Sow.  und  I.  in- 
constans Woods,  in  England  der  Zone  des  Holaster  planus  an- 
gehören, müssen  wir  bei  uns  mit  demselben  Auftreten  rechnen. 
Für  die  in  den  Priesener  Tonen  und  Mergeln  zusammengedrückten 
Inoceramen  wird  deshalb  auch  eine  genaue  Bestimmung  schwierig 
werden,  ja  oft  unmöglich  sein.  Wie  später  noch  ausgeführt  werden 
soll,  scheint  Inoceramus  labiatus  var.  latus  Sow.  mehr  den  unteren 
Lagen  anzugehören.  Daran  schließen  sich  Formen  des  I incon- 
stans Woods,  an  denen  das  Umbiegen  der  Schale  im  späteren 
Wachstum  nur  gering  ist.  Zu  diesen  gehören  fast  sämtliche 
Stücke  aus  dem  Gebiet  von  Leitmeritz  im  böhmischen  Mittelgebirge, 
wie  sie  mir  SO.  von  Kamaik,  Tattermann,  Trnovan,  Dreihäuseln. 
Lopata,  Biela,  Mirschowitz,  Vysoka,  Heidenstern  und  auch  einige 
von  Hundorf  bei  Teplitz  vorliegen,  und  z.  T.  im  Besitze  des  Stadt- 
museums zu  Aussig,  zum  anderen  in  dem  der  k.  k.  böhmischen 
landwirtschaftlichen  Akademie  zu  Tetschen-Liebwerd  sind.  Sie 
vereinigen  sich  alle  in  die  Form,  wie  sie  bei  Woods  Textfig.  39 
dargestellt  ist  und  die  wohl  allgemein  für  die  oberste  Scaphiten- 
zone1  in  Sachsen  und  Böhmen  als  charakteristisch  gelten  kann. 
Die  Übereinstimmung  besteht  besonders  in  dem  stumpfen  Winkel, 
den  die  spätere  Waclistumsrichtung  gegenüber  der  früheren  bildet, 
wodurch  sich  diese  Formen  sehr  dem  I.  labiatus  var.  latus  Sow. 
nähern. 

Hieran  schließen  sich  die  Stücke,  die  von  mir  unter  I.  latus 
Mantell2  von  Kreibitz  aufgeführt  sind.  Sie  scheinen  alle  eine 
Scheidung  zwischen  früherem  und  späterem  Wachstum  zu  besitzen 
oder  vor  der  Deformierung  besessen  zu  haben,  was  mir  durch  das 
gegenwärtige  Material  von  Leitmeritz  und  Teplitz  wahrscheinlich 
geworden  ist.  Nahe  treten  einige  aber  auch  dem  I.  labiatus  var. 
latus  Sow.  Die  zwei  aus  480  m Höhe  im  Kreibitzer  Tale  auf- 
geführten, dem  Emscher  angehörenden  Stücke  sind,  da  mangelhaft 
erhalten,  unsicher.  Bei  den  an  dieser  Stelle  weiter  zitierten  Exem- 
plaren, die  nicht  aus  dem  Kreibitzer  Gebiet  stammen,  muß  es  vor- 
läufig offen  bleiben,  ob  sie  zu  I.  inconstans  oder  zu  I.  labiatus 
var.  latus  gehören. 

Gelegentlich  einer  Ende  1911  in  Niederkreibitz  bei  Herrn 
F abrikbesitzer  Fritsclie  vorgenommenen  Brunnengrabung  erbeutete  ich 


1 In  der  Auffassung  wie  bei  Ändert,  a.  a.  0.  p.  42.  Fußnote  3. 

’ Ändert,  a.  a.  0.  p.  43.  Taf.  4 Fig.  4. 


284 


H.  Ändert,  Inoceramus  inconstans  Woods  etc. 


in  325  m Höhenlage  unter  anderen  Fossilien  auch  einige  Inoceramen, 
die  sich,  obwohl  sie  dem  I.  inconstans  Woods  noch  zuzureclmen 
sind,  im  allgemeinen  sehr  dem  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  nähern. 
Der  tiefste  Fundort  im  Kreibitzer  Tale,  der  mir  bis  dahin  Ino- 
ceramen geliefert  hatte,  liegt  in  352  m Höhe  (2  Stück),  die  anderen 
Exemplare  stammen  aus  ca.  390  m Höhe.  Sie  müssen  alle  als 
I.  inconstans  Woods  bezeichnet  werden.  Nach  diesem  Auftreten 
scheint  sich  sonach  die  von  Woods  angenommene  Abstammung  des 
I.  inconstans  Woods  von  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  zu  bestätigen1 2. 

Weiter  gehört  zu  I.  inconstans  Woods  das  eine  der  Exem- 
plare, die  von  mir  zu  I.  Cuvieri  var.  planus  Münster  2 gezogen 
worden  sind.  Die  daselbst  von  Salder  und  Liebenburg  mit  dem 
genannten  identifizierten  Stücke  sind  auch  hierher  zu  stellen.  Die 
Vermutung  von  Woods  3,  daß  das  Kreibitzer  Exemplar  ein  Zwischen- 
glied zwischen  I.  labiatus  und  I.  labiatus  var.  latus  darstellen 
könne,  ist  irrtümlich,  denn  dieses  Stück  besitzt  im  späteren  Wachs- 
tumsstadium eine  ausgeprägte  Umbiegung  der  Schale  nach  innen. 

Schließlich  liegt  mir  die  Art  in  einem  schönen  Gipsabguß  der 
geologischen  Landesanstalt  Berlin  von  Salder  vor.  Er  stellt  sie 
in  ihrer  vollkommensten  Ausbildung  mit  vollständig  rechtwinkeligem 
Umbiegen  des  späteren  Schalenteiles  zum  früheren  Wachstum  dar. 
Der  umgebogene  Schalenteil  zeigt  keine  Falten,  sondern  nur  kräftige 
An  wachsstreifen.  Das  Exemplar  besitzt  Größe  und  Form  von 

Taf.  51  Fig.  2 bei  Woods,  jedoch  erreicht  das  umgebogene  Schalen- 
stück einer  Klappe  die  Höhe  von  3 cm.  Bei  reichlicliex'em  Material 
von  dieser  Form  wäre  es  vielleicht  möglich,  sie  von  den  Leit- 
meritz-Kreibitzer  Stücken  und  den  diesen  sonst  entsprechenden 
abzutrennen. 

Die  Art  ist  charakteristisch  für  die  obere  Scaphitenzone  in 
der  erwähnten  Auffassung,  sie  steigt  aber  auch  in  den  schärfer 
charakterisierten  Formen  wie  die  zuletzt  aufgeführte  in  die  Zone 
des  I.  Schloenbachi  hinauf.  Das  Auftreten  im  unteren  Emscher 
ist  unsicher,  aber  nach  den  Funden  nicht  ausgeschlossen. 

Nach  unserer  gegenwärtigen  Kenntnis  und  bei  dem  meist 
mangelhaften  Erhaltungszustände  der  Stücke  bleibt  es  sehr  schwierig, 
die  Unterscheidung  zwischen  I.  labiatus  var.  latus  Sow.  und  I.  incon- 
stans Woods  zu  treffen. 

. 2.  Inoceramus  inconstans  var.  planus  Elbkrt. 

Diese  Varietät  könnte  ebensowohl  als  selbständige  Art  be- 
zeichnet werden.  In  meiner  mehrfach  zitierten  Arbeit4  ist  sie  als 

1 Woods,  The  evolution  of  Inoceramus  in  the  cretaceous  period. 
Quart.  Journ.  Geol.  Soc.  68.  1912,  February.  p.  16. 

2 Ändert,  a.  a.  0.  p.  45  z.  T.,  Taf.  1 Fig.  5. 

3 Woods,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  288.  Anmerkung  1. 

4 Ändert,  a.  a.  O.  p.  45  z.  T.,  Taf.  1 Fig.  2,  Taf.  7 Fig.  8. 


Besprechungen. 


285 


I.  Cuvieri  var.  planus  Münster  (Elbert)1  aufgeführt.  Hiervon 
sind  jedoch  das  daselbst  Taf.  1 Fig.  5 dargestellte  Exemplar  und 
die  beiden  mit  diesem  identifizierten  Stücke  von  Salder  und  Lieben- 
burg abzutrennen  und  wie  vorstehend  bemerkt,  dem  I.  inconstans 
Wooos  zuzurechnen.  Der  Varietätsname  erscheint  mit  Rücksicht 
auf  die  bisherige  Bearbeitung  empfehlenswerter,  wenn  auch  die 
regelmäßige,  genähert  bis  enge,  kräftige  Berippung  im  ersten 
Wachstumsstadium  die  Form  sehr  charakteristisch  hervorhebt. 

Im  Umriß  gleicht  die  Varietät  wie  I.  inconstans  Woods  einem 
dem  Kreis  genäherten  Fünfeck.  Nach  der  Umbiegung  zeigt  die 
Schale  im  späteren  Wachstum  nur  einige  unregelmäßige  schwache 
Falten.  Ein  Flügel  fehlt  vollständig  (Steinkerne),  oder,  wenn  das 
eine  Exemplar  von  Leitmeritz 2,  das  an  der  Flügelpartie  ein  Stück 
dicker  Schale  aufweist,  zu  dieser  Art  zu  rechnen  ist,  es  ist  ein 
sehr  schmaler  Flügel  vorhanden. 

I.  inconstans  Woods  Textfig.  44 3 ist,  wenn  nicht  etwa  bloß 
ein  Bruchstück  eines  viel  größeren  Exemplars,  auch  hierher  zu 
stellen.  Der  von  Woods  p.  288  erwähnte  Unterschied  betreffs 
Wachstumsachse  und  Schloßlinie  erscheint  mir  unwesentlich,  da 
an  meinen  Steinkernen  die  Stellung  der  Achse  zur  Schloßlinie 
nicht  sicher  nachzuweisen  ist  und  auch  bei  dem  Original  von 
Woods  die  Partie  gegen  den  Schloßrand  beschädigt  zu  sein  scheint. 
Ich  halte  die  von  mir  angenommene  Stellung,  die  auch  dem  Leit- 
meritzer  Stück  entsprechen  würde,  für  richtiger. 

Die  von  mir  zu  der  Varietät  gestellten  Exemplare  stammen 
aus  der  Zone  des  I.  Schloenbachi  von  Kreibitz  und  dem  unweit 
davon  gelegenen  Nassendorf  in  Nordböhmen.  Ferner  befinden  sich 
an  der  geologischen  Landesanstalt  Berlin  Stücke  dieser  Varietät 
aus  dem  Bahneinschnitt  östlich  von  Burgdorf  bei  Börßum  und  vom 
Windmühlenberge  bei  Salzgitter  aus  der  gleichen  Zone.  Da  das 
von  Woods  dargestellte  Exemplar  unsicherer  Herkunft  ist  und  nur 
mutmaßlich  der  Zone  des  Micraster  cor-anguinum  zugerechnet  wird, 
kann  bis  auf  weiteres  als  Lager  dieser  Varietät  die  Zone  des 
Inoceratnus  Schloenbachi  angesehen  werden.  (Schluß  folgt.) 


Besprechungen. 

Ernst  Cohen:  Jacobus  Henricus  van’t  Hoff.  Sein  Leben 
und  Wirken.  (Leipzig,  Akademische  Verlagsgesellschaft  m.  b.  H. 
1912.  638  p.  Mit  2 Gravüren  und  90  Abbildungen  im  Text.) 
(Vergl.  auch  das  nächstfolgende  Referat.) 

1 Elbert,  Das  untere  Angoumien  in  den  Osningbergketten  des  Teuto- 
burger Waldes.  Verh.  d.  preuß.  Rheinlande.  38.  p.  112. 

2 Im  Stadtmuseum  zu  Aussig. 

3 Woons,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  287. 


286 


Besprechungen. 


Obwohl  van’t  Hoff  nicht  Mineraloge  von  Fach  war,  hat  er 
doch  die  Mineralogie  in  mehr  als  einer  Hinsicht  so  wesentlich 
gefördert,  daß  auch  von  diesem  Gesichtspunkt  aus  sein  zu  früher 
Hingang  als  ein  herber  Verlust  für  die  Wissenschaft  empfunden 
werden  muß.  Vor  allem  durch  die  Untersuchung  der  ozeanischen 
Steinsalzablagerungen  mit  ihren  Abraumsalzen  und  durch  die 
mustergültige  und  vorbildliche  Anwendung  seiner  eigentlichen 
Wissenschaft,  der  physikalischen  Chemie,  auf  dieses  wichtige  Pro- 
blem hat  er  der  mineralogischen  Wissenschaft  neue  Wege  gewiesen, 
deren  konsequente  Verfolgung  zu  den  bedeutungsvollsten  Ergebnissen 
geführt  hat  und  noch  weiter  führen  wird.  Sein  Leben  und  sein 
Wirken  ist  in  dem  vorliegenden  Buche  von  einem  seiner  Freunde 
und  Fachgenossen  nach  der  rein  menschlichen,  wie  nach  der  wissen- 
schaftlichen Seite  sehr  anziehend  geschildert,  so  daß  niemand  es 
unbefriedigt  aus  der  Hand  legen  wird.  Es  enthält  zwei  Bildnisse 
des  Verstorbenen  in  Gravüre  und  in  den  Textfiguren  außer  einigen 
.Jugendbildnissen  die  Portraits  aller  der  Gelehrten,  die  mit  ihm  in 
irgendwelcher  Beziehung  gestanden  haben , die  Örtlichkeiten , in 
denen  er  gelebt  und  gewirkt  hat  und  manches  andere.  Dem  be- 
rühmten Toten  ist  hier  ein  seiner  würdiges  Denkmal  gesetzt  worden. 

Max  Bauer. 

J.  H.  van’t  Hoff:  Untersuchungen  über  die  Bildungs- 
verhältnisse der  ozeanischen  Salzablagerungen,  ins- 
besondere des  Staßfurter  Salzlagers.  Herausgegeben 
von  H.  Precht  (Neustaßfurt)  und  Ernst  Cohen  (Utrecht).  Leipzig, 
Akademische  Verlagsgesellschaft  m.  b.  H.  1912.  XX  u.  374  p. 
Mit  8 Tafeln  und  39  Textfiguren. 

Der  stattliche,  gut  ausgestattete  Band  enthält  einen  Wieder- 
abdruck der  bekannten  52  Abhandlungen,  die  van’t  Hoff  und 
seine  Mitarbeiter,  von  denen  vor  allen  der  leider  zu  früh  ver- 
storbene W.  Meyerhoffer  zu  nennen  ist,  verfaßt  haben,  um  die 
Bildungsverhältnisse  der  ozeanischen  Salzablagerungen  aufzuklären. 
Bis  zu  welchem  Grade  dies  gelungen  ist,  braucht  hier  nicht  weiter 
auseinandergesetzt  zu  werden,  jeder  der  sich  mit  Mineralogie  und 
Geologie  beschäftigt,  muß  davon  eingehend  Notiz  nehmen.  Detail- 
schilderungen sind  hier  um  so  weniger  erforderlich,  als  dies.  Jahr- 
buch über  den  Gang  dieser  wichtigen  Untersuchungen  von  Anfang- 
an  bis  zum  Schluß  (1897 — 1908)  fortlaufend  durch  Referate  Be- 
richt erstattet  hat  (1898.  II.  -380-  und  folgende  Bände).  Heraus- 
geber und  Verleger  haben  sich  durch  ihr  Werk  ein  großes  Ver- 
dienst erworben,  da  die  Sitzungsberichte  der  Berliner  Akademie, 
in  denen  die  hierhergehörigen  und  hier  wiedergegebenen  Arbeiten 
erschienen  sind,  immerhin  nicht  zu  den  überall  vorhandenen  und 
jedem  leicht  zugänglichen  Zeitschriften  gehören  und  da  die  zu- 
sammenfassende  Darstellung  von  van’t  Hoff  : Zur  Bildung  der 


Besprechungen. 


287 


ozeanischen  Salzablagerungen  (1.  Heft  1905.  2.  Heft  1909)  doch 
die  Originale  nicht  vollständig  ersetzen  können.  Es  wird  auf  diese 
Weise  auch  leichter  sein,  das  von  van’t  Hoff  begonnene  Werk 
fortsusetzen  und  zu  vervollständigen  und  die  noch  vorhandenen 
Lücken  auszufüllen.  Zu  diesem  Zweck  hat  sich  im  Dezember  1905 
ein  Verband  zur  wissenschaftlichen  Erforschung  der  deutschen 
Kalisalzlagerstätten  gebildet,  an  dessen  Gründung  (in  Verbindung 
mit  H.  Precht  und  F.  Rinne)  auch  van’t  Hoff  selbst  noch  teil- 
genommen und  über  dessen  Ziele  und  Absichten  er  selbst  noch 
zwei  Berichte  veröffentlicht  hat.  Auf  die  Veranlassung  dieses 
Verbands,  der  sich  schon  in  der  verdienstvollsten  Weise  durch 
zahlreiche  wichtige  Untersuchungen  betätigte,  hat  Prof.  A.  Gutbier, 
jetzt  in  Stuttgart,  es  übernommen,  mit  Hilfe  von  Assistenten  die 
van’t  HoFF’schen  Arbeiten  fortzuführen.  Dem  Abdruck  der  letzteren 
ist  außer  einem  kurzen  Vorwort  die  Gedächtnisrede  von  Emil 
Fischer  auf  van’t  Hoff  vorangesetzt,  so  daß  der  Leser  in  Stand 
gesetzt  ist,  sich  auch  über  die  sonstige  wissenschaftliche  Tätigkeit 
unseres  berühmten  Forschers  in  ausgezeichneter  Weise  zu  unter- 
richten. Vielleicht  wäre  es  bei  einer  weiteren  Auflage  nicht  un- 
zweckmäßig, für  jeden  einzelnen  der  abgedruckten  Aufsätze  genau 
anzugeben,  wo  er  in  den  Berliner  Sitzungsberichten  zu  finden  ist, 
auch  ein  alphabetisches  Register  wäre  sehr  wünschenswert.  Ebenso 
könnten  vielleicht  noch  einige  anderwärts  erschienene  einschlägige 
Arbeiten  van’t  Hoff’s  zur  Ergänzung  mit  abgedruckt  werden 
(siehe  auch  das  vorhergehende  Referat).  Max  Bauer. 


Detlev  Lienau:  Die  Entstehung  der  Ackerböden,  er- 
läutert an  den  geologisch-agronomischen  Verhält- 
nissen in  der  Provinz  Sachsen,  im  Herzogtum  Anhalt 
und  in  den  Thüringischen  Staaten.  Halle  a.  S.  bei  Ludw. 
Hofstetter,  1912.  223  p.  Mit  5 Textfig.,  3 farbigen  Karten  und 
einer  Übersichtstabelle. 

Verf.,  Abteilungs Vorsteher  an  der  Laudwirtschaftskammer  für 
die  Provinz  Sachsen,  will  in  diesem  in  erster  Linie  für  Landwirte 
bestimmten  Buche  eine  allgemeine,  auch  für  Leser  ohne  eingehendere 
geologische  Kenntnisse  verständliche  Bodenkunde  auf  geologischer 
Grundlage  schaffen,  da  das  Grenzgebiet  zwischen  Geologie  und 
Bodenkunde  in  den  Büchern  beider  Wissenschaften  stets  stark  ver- 
nachlässigt wird.  Die  Darstellung  des  Stoffs  geschieht  in  Form 
einer  kurzen  erläuternden  Übersicht.  Er  ist  in  folgender  Weise 
eingeteilt:  1.  Wechselbeziehung  zwischen  Gestein,  Boden  und  Lebe- 
wesen. 2.  Entstellung  und  Beschaffenheit  der  bodenbildenden  Mutter- 
gesteine. 3.  Geologische  Geschichte  der  Provinz  Sachsen,  des 
Herzogtums  Anhalt  und  der  Thüringischen  Staaten.  4.  Die  Boden- 
bildung.  5.  Die  geologisch-agronomische  Kartierung  und  ihre  Be- 


288 


Besprechungen.  — Berichtigung.  — Personalia. 


deutung  für  den  Landbau.  In  einem  zahlreiche  Anmerkungen  zum 
Text  enthaltenden  Anhang  wird  u.  a.  auch  die  wichtigste  ein- 
schlägige Literatur  angeführt,  für  Leser,  die  sich  auf  der  Grund- 
lage des  Buchs  weiter  bilden  wollen.  Die  drei  Karten  geben  eine 
geologische  Übersicht  über  das  im  Titel  genannte  Gebiet  und  eine 
Verteilung  der  Bodenarten  auf  demselben,  beidemal  im  Maßstab 
1 : 1 OOO  000,  sowie  eine  Darstellung  der  geognostisch-agronomischen 
Verhältnisse  der  Gegend  nördlich  von  Tangermünde  im  Maßstab 
1 : 25  000  nach  der  Aufnahme  der  geologischen  Landesanstalt  in 
Berlin.  Auf  der  Übersichtstabelle  sind  die  geologischen  Formationen, 
ihre  Verbreitung  und  das  Klima  der  einzelnen  Perioden,  die  in 
den  verschiedenen  Perioden  gebildeten  Gesteine  und  deren  Ver- 
breitung in  dem  hier  behandelten  Gebiet,  sowie  die  aus  den  ver- 
schiedenen Gesteinen  entstandenen  Hauptbodenarten  übersichtlich 
zusammengestellt.  Max  Bauer. 

R.  Brauns:  Mineralogie.  4.  Aufl.  Sammlung  Göschen. 
1911.  142  p.  Mit  132  Textfiguren. 

Die  weit  verbreitete,  zuerst  1894  erschienene  kleine  Mineralogie 
von  R.  Brauns  ist  jetzt  in  um  einige  Seiten  erweiterter,  vierter 
Auflage  mit  derselben  Figurenzahl  herausgekommen.  (3.  Aufl. 
vergl.  dies.  Centralbl.  1905.  p.  281.)  Diese  neue  Auflage  ist  in 
vielen  Punkten  nach  den  neuesten  Anschauungen  berichtigt  und 
ergänzt.  Im  allgemeinen  Teil  sind  die  Abschnitte  über  Anwachs- 
pyramiden, Schichtenbau  und  Ätzfiguren  neu  hinzngekommen.  Unter 
den  Mineralien  wird  jetzt  auch  das  wegen  seines  Radiumgehalts 
wichtige  Uranpecherz  erwähnt  und  die  künstliche  Darstellung  des 
Rubins  usw.  besprochen,  sowie  bei  vielen  Mineralien  neue  wichtige 
Fundorte  beigefügt.  Auch  in  dieser  neuen  Form  wird  das  Büchlein 
viele  Freunde  finden.  Max  Bauer. 


Berichtigung. 

In  dem  Aufsatze  von  K.  Walther  „Über  ein  Vorkommen  von 
Epidotadinole  und  gefritteten  Sandsteinen  aus  dem  Süden  der  Re- 
publik Uruguay“  (dies.  Centralbl.  1913.  p.  68)  wurden  die  beiden 
Abbildungen  unrichtig  gestellt,  ein  Versehen,  das  schon  aus  dem 
Text  (p.  76)  hervorgeht.  Die  Figuren  sind  90  Grad  um  ihren 
Mittelpunkt  nach  rechts  zu  drehen. 


Personalia. 

Habilitiert  für  Mineralogie  an  der  tschechischen  Univer- 
sität in  Prag  Dr.  Boh.  Jezek,  Assistent  des  Min.  Institutes  der 
Universität  und  Adjunkt  der  Min.-Petrographischen  Abteilung  dep 
Museums  für  das  Königreich  Böhmen.  — An  derselben  Universität 
wurde  der  bisherige  Titularprofessor  Dr.  F.  Slavik  zum  wirklichen 
außerordentlichen  Professor  für  Mineralogie  ernannt. 


Georg  Böhm  f. 


289 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion, 

Georg  Böhm,  f 

Ganz  unerwartet  erlag  am  18.  März  mein  lieber  Freund  und 
Kollege  Professor  Dr.  Georg  Böhm  einer  akuten  Gehirnentzündung, 
als  er  gerade  im  Begriff  war,  für  eine  Ferienreise  in  die  Schweiz 
sich  zu  rüsten.  Wiederum  ist  ein  Wirken  vorzeitig  zu  Ende 
gegangen  und  so  mancherlei  nicht  abgeschlossen,  was  zu  der 
Lebensarbeit  des  Verstorbenen  gehört  hätte. 

Georg  Böhm  wurde  am  21.  Dezember  1854  in  Frankfurt  a.  0. 
geboren,  ist  also  nur  etwas  über  58  Jahre  alt  geworden.  Er 
studierte  in  Berlin,  Straßburg  und  Göttingen  und  promovierte  187  7 
mit  einer  Dissertation  über  die  Geologie  der  Hilsmulde  in  Göttingen 
unter  Prof.  Seebach.  In  Straßburg  gehörte  er  zu  der  ersten 
Gruppe  von  Geologen  und  Paläontologen,  die  am  Ende  der  sieben- 
ziger  Jahre  des  vorigen  Jahrhunderts  die  Blüte  der  BENECKE’sclien 
Schule  bezeichnen.  Er  wandte  sich  aber  bald  nach  München  und 
blieb  dort  bis  1885,  von  Zittel  und  von  einem  großen,  mannig- 
fach zusammengesetzten  Freundeskreise  festgehalten.  Auch  genügte 
er  dort  seiner  Militärpflicht  im  Artillerie-Regiment  Prinz  Luitpold, 
zu  dessen  Reserveoffizieren  er  später  zählte.  Ein  heiteres  Leben 
in  den  anregenden  Münchener  Künstlerkreisen  erfüllte  diese  Jahre. 
Aber  gleichzeitig  widmete  sich  Böhm,  von  Zittel  veranlaßt,  der 
Beschreibung  der  Bivalven  des  Kelheimer  Zhceras-Kalkes,  einer 
Monographie,  (He  1879  in  der  Palaeontographica  erschien.  Diese 
führte  weiter  zu  einer  zweiten  ähnlichen  Arbeit,  einer  Revision 
der  Stramberger  Bivalven,  welche  mit  vielen  Tafeln  in  den  Ab- 
handlungen des  Museums  des  Kgl.  Bayer.  Staates  gedruckt  wurde. 
So  bildete  sich  Böhm  zu  einem  Spezialisten  der  fossilen  Bivalven 
aus,  und  es  ist  nicht  zu  verwundern,  daß  er,  durch  das  Material 
der  Münchener  Sammlung  verlockt,  sich  ferner  der  Untersuchung 
ähnlicher,  nur  schwierigerer  Faunen,  denen  der  Grauen  Kalke  in 
Yenetien  und  der  Südtiroler  Oberkreide  zuwandte.  Zahlreiche 
Aufsätze  und  Notizen  befassen  sich  in  dem  nächsten  Jahrzehnt 
mit  Durga,  Pachymegalodon,  Lilhiotis,  Caprina,  Coralliocliama , Bi- 
hippurites  etc.,  bis  im  51.  Bande  der  Palaeontographica  in  der  Be- 
arbeitung der  Faunen  von  Col  dei  Schiosi  und  von  Calloneghe 
gewissermaßen  der  Abschluß  dieser  Untersuchungen  erfolgte. 

Inzwischen  hatte  er  sich  1885  in  Freiburg  i.  Br.  habilitiert 
und  begann  1 886  gleichzeitig  mit  dem  als  Nachfolger  von  Prof. 
Fischer  berufenen  Prof.  G.  Steinmann  seine  Lehrtätigkeit.  Diese 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  19 


290 


Georg  Böhm  f. 


erstreckte  sich  auf  Paläontologie  und  einzelne  Kapitel  aus  der 
Geologie.  Am  Institutsunterricht  nahm  Böhm  regen  Anteil,  vor 
allem  stellte  er  seine  Sammlungen  und  seine  Lehrmittel  zur  Ver- 
fügung, was  um  so  nötiger  war,  als  in  Freiburg  damals  für  die 
genannten  Fächer  nur  sehr  wenig  Unterrichts-  und  Sammlungs- 
material vorhanden  war.  Auf  vielen  Reisen  ergänzte  Böhm  seine 
Sammlungen  und  zugleich  beschaffte  er  sich  Vergleichsstücke  für 
seine  eben  erwähnten  Tiroler  Arbeiten.  Er  besuchte  Frankreich, 
England,  reiste  nach  Sicilien,  Algier,  Spanien  und  fand  bei  einem 
Besuche  in  der  Ecole  des  Mines  zu  Paris  seine  Durga- Fauna  in 
Stücken  aus  dem  Dept.  de  la  Sarthe  wieder.  Es  hat  ihn  sehr 
gefreut,  daß  Herr  Wanner  in  neuester  Zeit  diese  bezeichnende 
Fossilgruppe  auch  in  Timor  entdeckte. 

Nachdem  die  Großh.  Bad.  Geologische  Landesanstalt  gegründet 
war,  widmete  er  sich  als  Mitarbeiter  auch  der  geologischen  Auf- 
nahme, und  zwar  auf  dem  Blatte  Kandern.  Indessen  lag  ihm  diese 
Art  der  Arbeit  nicht  recht,  er  gab  sie  bald  wieder  auf;  aber  seine 
Beobachtungen  sind  bei  der  nunmehr  vollendeten  Aufnahme  des 
Blattes  durch  Herrn  Dr.  Schnarrenberger  verwertet  worden. 
Einige  kleine  Aufsätze  über  die  Geologie  seines  Aufnahmegebietes, 
über  einige  sehr  schöne  Opliiuren  aus  dem  oberen  Dogger  von  Vögis- 
lieim,  über  Tapir-Fährten  im  Tertiär  und  über  einen  Strudelkessel 
in  den  Beiiggeri-T onen  von  Kandern  bezeichnen  diesen  Lebens- 
abschnitt. 

Juli  1890  hat  er  geheiratet;  der  Ehe  sind  zwei  Söhne  und 
eine  Tochter  entsprossen,  von  denen  der  älteste  frühzeitig  starb. 
Mit  dem  Jahre  1897  beginnt  in  seinem  Leben  ein  neuer  Abschnitt, 
nämlich  eine  Folge  außereuropäischer  Reisen.  Im  Anschluß  an 
den  Internationalen  Geologenkongreß  in  Rußland  besuchte  er  Trans- 
kaspien  und  Turkestan  zusammen  mit  Joh.  Waltheu  und  entdeckte 
dort  mehrere  Vorkommen  von  mariner  Unterkreide.  1899  nahm 
er  auf  5 Semester  Urlaub  und  reiste  über  Ägypten  nach  Indien, 
vor  allem  nach  Niederländisch-Indien  und  Neu-Seeland.  Die  ver- 
einzelten Funde  mesozoischer  Fossilien,  die  Verbeek  ihm  zeigte, 
veranlaßten  ihn,  diesen  Vorkommen  näher  nachzugehen,  und  es 
glückte  ihm,  auf  den  Sula-Inseln,  auf  Misöl  und  in  Buru  fast  alle 
Abteilungen  des  mittleren  Mesozoicums  teils  direkt  anstehend  zu 
beobachten,  teils  durch  lose  Versteinerungen  nachzuweisen.  Eine 
Anzahl  von  Reisenotizen  gaben  1900  und  1901  von  seinen  Ent- 
deckungen und  Forschungen  den  Fachgenosseu  Kunde  und  riefen 
große  Ueberraschung  hervor,  weil  man  mesozoische  marine  Sedi- 
mente in  diesem  Umfange  im  Molukkengebiete  nicht  erwartet  hatte. 
Er  brachte  sehr  reichhaltige  Sammlungen  mit  und  hat  einen  Teil 
derselben  auf  dem  9.  Geologenkongreß  zu  Wien  weiteren  Kreisen 
vorgeführt.  Von  1903  bis  zu  seinem  Tode  widmete  er  sich  nun 
der  gründlichen  und  sorgfältigen  Durcharbeitung  dieser  paläonto- 


Georg  Böhm  f. 


291 


logischen  Ausbeute,  von  allen  Seiten  durch  Vergleichsmaterial  und 
von  seinem  Freunde  Wichmann  in  Utrecht  durch  viele  neue  Funde 
aus  den  Nachbargebieten  unterstützt.  So  entstanden  die  Mono- 
graphien zur  Geologie  von  Niederländiscli-Indien  als  Supplementband 
zur  Palaeontographica,  und  die  Mitteilungen  aus  Indo-Australien 
im  Neuen  Jahrbuch,  die  beide  von  Böhm  mit  einigen  Fachgenossen 
herausgegeben  wurden.  Er  selbst  beschrieb  die  Titlion-  und  Cal- 
lovienfaunen  der  Sula-Inseln  und  von  Misöl,  beai’beitete  ferner  für 
das  große  Sammelwerk  „Nova  Guinea“  die  Ammoniten  der  Macro- 
cephalus-  und  Sphaeroceras - Schichten , welche  die  holländische 
Expedition  auf  jener  Insel  entdeckt  hatte.  Die  Herren  Kossmat, 
John,  Waxner,  Richarz,  Krumbeck,  Sörgel,  v.  Seidlitz  haben 
unter  redaktioneller  Leitung  von  Böhm  dann  andere  Vorkommen 
und  Gruppen  beschrieben  oder  besprochen.  Alle  diese  von  ihm 
verfaßten  Monographien  sind  mit  größter  Sorgfalt  gearbeitet  ; be- 
sonderer Wert  ist  auf  eine  mustergültige  Darstellung  auf  den 
Tafeln  gelegt,  wobei  Böhm  keine  Mühe  und  keine  Kosten  scheute, 
bis  diese  seinen  hochgestellten  Ansprüchen  genügten.  Leider  hat 
ihm  der  Tod  die  Feder  aus  der  Hand  genommen;  denn  die  letzte 
Monographie  über  den  Dogger  der  Molukken  hat  er  nicht  fertig 
machen  können  und  somit  sein  Lebenswerk  über  Niederländisch- 
Indien  nicht  wirklich  voll  zum  Abschluß  gebracht.  Trotzdem  wird 
niemand  leugnen,  daß  wir  Böhm  eine  der  bedeutendsten  Erweite- 
rungen unserer  Kenntnisse  mesozoischer  Meere  und  Faunen  ver- 
danken und  daß  wir  bei  allen  weitergreifenden  Betrachtungen 
paläogeographischer  Natur  auf  seine  Forschungen  immer  wieder 
zurückgehen  müssen. 

Von  seiner  großen  Reise  heimgekehrt,  wurde  Böhm  1902  zum 
ordentlichen  Honorarprofessor  ernannt,  etwas  später  erhielt  er  das 
Offizierkreuz  des  Ordens  von  Oranien  und  Nassau;  auch  war  er 
Ritter  des  Zähringer  Löwenordens  I.  Kl.  Seine  Entdeckungen 
veranlaßten  bald  neue  Expeditionen  in  jene  Gebiete,  so  die  Reisen 
von  Wanner  und  Deninger;  seine  Arbeiten  aber  bewirkten,  daß 
die  Geological  Survey  of  New-Zealand  an  ihn  herantrat  mit  der 
Bitte,  das  aus  der  Juraformation  stammende  Neuseeländer  Fossil- 
material monographisch  zu  behandeln.  Auf  diese  neue  ehrenvolle 
Aufgabe,  welche  die  nächsten  Jahre  ausfüllen  sollte,  hatte  Böhm 
sich  besonders  gefreut.  Er  hat  nur  einen  kleinen  Teil  noch  selbst 
gesehen;  an  die  Arbeit  direkt  heranzutreten,  ist  ihm  nicht  mehr 
vergönnt  gewesen. 

Wie  die  nachstehende  Liste  seiner  Veröffentlichungen  zeigt, 
hat  G.  Böhm  viel  geschrieben,  aber  sich  doch  nur  auf  ein  ver- 
hältnismäßig enges  Gebiet  beschränkt.  Mesozoische  Mollusken- 
faunen, besonders  Bivalven  und.  Ammoniten,  waren  sein  Spezial- 
gebiet; auch  hat  sich  die  Methode  kaum  geändert;  nur  in  seiner 
Auffassung  der  Speziesgrenzen  war  er  etwas  weitherziger  geworden. 


19* 


292 


Georg  Böhm  f. 


Für  die  mannigfaltigen  geologischen  Probleme  besaß  er  zwar  reges 
Interesse,  jedoch  nicht  derart,  daß  er  selbsttätig  in  den  Kampf 
der  Meinungen  eingegriffen  hätte. 

In  Freiburg  hat  er  das  Wachsen  der  Universität,  die  be- 
deutende Erweiterung  des  Geologischen  Instituts  und  das  Aufblühen 
des  Institutsunterrichtes  miterlebt.  Seine  allgemeine  paläonto- 
logische  Sammlung  ging  in  den  Besitz  des  Instituts  über.  Obwohl 
Böhm  sich  vom  Unterrichte  und  von  den  Exkui'sionen  in  den  letzten 
Jahren  mehr  zurückgezogen  hatte,  bewahrte  er  sich  doch  reges 
Interesse  für  das  Colloquium  und  für  die  älteren  Praktikanten. 
Auch  hat  er  wiederholt  jungen  strebsamen  Leuten  die  Erfüllung 
bestimmter  Aufgaben  erleichtert  und  dem  Institut  manche  wert- 
vollen Bücher  und  Sammlungsstücke  zugewandt.  Alle,  die  mit 
dem  liebenswürdigen  weltgewandten  Kollegen  in  irgend  eine  Be- 
ziehung getreten  sind,  werden  ihm  ein  freundliches  Gedenken  be- 
wahren, und  seine  indischen  Arbeiten  werden  für  viele  Forschungen 
die  Grundlage  bleiben ! 

Freiburg,  21.  März  1913.  ___  , 

ö ’ W.  Deecke. 

Liste  der  von  Georg  Böhm  verfaßten  Druckschriften. 

1877.  Beiträge  zur  geognostischen  Kenntnis  der  Hilsmulde.  Zeitschr.  d. 
D.  Geol.  Ges.  29.  p.  215—251. 

1881.  Die  Bivalven  der  Schichten  des  Diceras  Münsteri  (Diceras- Kalk)  von 
Kelheim.  Zeitschr.  d.  I).  Geol.  Ges.  33.  67 — 74. 

1882.  Die  Fauna  des  Kelheimer  ZH'ceras-Kalkes.  II.  Abt.  Bivalven.  Pa- 
laeontographica.  28.  p.  141 — 192.  Taf.  23 — 40. 

— Über  die  Bivalven-Fauna  des  Zhcerns-Kalkes  von  Kelheim.  Zeitschr. 
d.  D.  Geol.  Ges.  34.  p.  200—201. 

— Über  die  Beziehungen  von  Pachyrisma,  Megalodon,  Diceras 
und  Caprina.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  34.  p.  602 — 627.  Taf.  22 
und  23. 

— Zur  Kritik  der  Gattung  Praeconia.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  34. 
p.  618—628.  Taf.  24-27. 

1883.  Die  Bivalven  der  Stramberger  Schichten.  Paläont.  Mitt.  aus  d. 
Mus.  d.  Kgl.  Bayer.  Staates.  Abt.  II.  H.  4.  I — IV.  p.  493 — 680. 
Taf.  53—70. 

1884.  Geologisches  aus  Oberitalien.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  36.  p.  180 
—181. 

— Über  neue  Versteinerungen  aus  den  Grauen  Kalken  von  Ober- 
italien.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  36.  p.  190 — 191. 

— Beiträge  zur  Kenntnis  der  Grauen  Kalke  in  Venetien.  Zeitschr. 
d.  D.  Geol.  Ges.  36.  p.  737—782.  Taf.  15—26. 

1885.  Über  südalpine  Kreideablagerungen.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  37. 
Sitz.-Ber.  p.  544 — 549. 

1886.  Die  Gattungen  Pachymegalodon  und  Durga.  Zeitschr.  d.  D.  Geol. 
Ges.  38.  p.  727—734. 


Georg  Böhm  f. 


293 


1887.  Das  Alter  der  Kalke  des  Col  dei  Schiosi.  Zeitsclir.  d.  D.  Geol. 
Ges.  39.  p.  203 — 204. 

— Die  Facies  der  venetianischen  Grauen  Kalke  im  Departement  de 
la  Sarthe.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  39.  p.  204 — 211. 

— Note  sur  les  calcaires  ä Penia  et  Megalodon  du  Moulin  de 
Jupilles  pres  Fve  (Sarthe)  [zusammen  mit  E.  Ciielot],  Bull.  d.  1. 
Soc.  Geol.  de  France.  3e  Ser.  15.  p.  403 — 414. 

1888.  Neues  Liasvorkommen  auf  dem  Dinkelberge  bei  Basel.  Ber.  d. 
Naturf.  Ges.  Freiburg  i.  Br.  3.  p.  129 — 132. 

— Über  die  Fauna  der  Schichten  mit  Durga  im  Departement  der 
Sarthe.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  40.  p.  657 — 665.  Tat'.  27. 

1889.  Ein  Beitrag  zur  Kenntnis  fossiler  Ophiuren.  Ber.  d.  Natuif.  Ges. 
Freiburg  i.  Br.  4.  p.  232—287.  Taf.  4-5. 

1891.  Über  Lithiotis  problematica  Gümbel.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  43. 
p.  531—532. 

— Megalodon,  Pachgrisma  und  Diceras.  Ber.  Naturf.  Ges.  Frei- 
burg i.  Br.  4.  H.  2.  p.  33 — 56. 

1892.  Über  die  Zugehörigkeit  von  Rothpletzia  zu  Hippongx.  Zeitschr.  d. 
D.  Geol.  Ges.  44.  p.  557 — 561. 

— Lithiotis  problematica.  Ber.  Naturf.  Ges.  Freiburg.  4.  H.  3.  p.  65 
bis  80.  Taf.  2—4. 

— Über  Coralliochama.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  44.  p.  560. 

— Über  Rudisten  vom  Col  dei  Schiosi.  Ibid.  p.  561. 

— Über  den  Fußmuskeleindruck  bei  Pachgrisma.  Ber.  d.  Naturf.  Ges. 
Freiburg  i.  Br.  4.  p.  119 — 120. 

— Über  eine  Anomalie  im  Kelche  von  Millericrinus  mespiliformis. 
Zeitschi-,  d.  D.  Geol.  Ges.  43.  p.  741 — 743. 

1893.  Über  Cornucaprina.  Neues  Jahrb.  f.  Min.  etc.  II.  p.  129 — 130. 

— Über  fossile  Ophiuren.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  45.  p.  158 — 161. 

— Coelastarte  und  Heteropis.  Ber.  d.  Naturf.  Ges.  Freiburg  i.  Br.  7. 
H.  2.  p.  169—178.  Taf.  8. 

1895.  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Kreide  in  den  Siidalpen  I.  Die  Schiosi- 
und  Calloneghe-Fauna.  Palaeontographica.  41.  p.  81 — 148.  Taf.  8 — 15. 

1896.  Tierfährten  im  Tertiär  des  badischen  Oberlandes.  Freib.  Univ.- 
Festprogr.  zum  70.  Geb.  S.  K.  H.  d.  Großli.  Friedrich,  p.  229—238. 
Mit  Tafel. 

— Über  Bihipparites.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  48.  p.  687—688. 

1897.  Geologische  Beobachtungen  zwischen  Badenweiler  und  Kandern. 
Ber.  d.  30.  Vers.  d.  Oberrhein.  Geol.  Yer.  zu  Mülhausen  i.  E. 

— Beitrag  zur  Gliederung  der  Kreide  in  den  Venetianer  Alpen. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  49.  p.  160 — 181.  Taf.  4 — 6. 

— Geologische  Bemerkungen  aus  Transkaspien.  Ibid.  p.  696 — 697. 

1898.  Über  das  fossile  Trittpaar  im  Tertiär  des  badischen  Oberlandes. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  50.  p.  204 — 206. 

— Über  Caprinidenkalke  aus  Mexiko.  Ibid.  p.  323  — 332. 

— Geologische  Beobachtungen  am  Lago  di  Santa  Croce.  Ibid.  p.  430 — 434. 


294 


Georg  Böhm  f. 


1898.  Zur  Kenntnis  der  Gattung  Joufia.  Ibid.  p.  591 — 592. 

— Mitteilungen  aus  dem  Aufnahmegebiete  des  Blattes  Kandern. 
Mitteil.  d.  Großh.  Bad.  Geol.  Landes-Anst.  3.  p.  667 — 687. 

1899.  Beiträge  zur  Kenntnis  mexikanischer  Caprinidenkalke  in:  Felix 
& Lenk.  Geologie  und  Paläontologie  von  Mexiko.  2.  No.  4.  Leipzig 
p.  143—154. 

— Aptien  und  Hauterivien  im  Kleinen  Balchan.  Zeitschr.  d.  D.  Geol. 
Ges.  51.  p.  335-340. 

— Über  einige  Fossilien  aus  Buchara.  Ibid.  p.  455— 470.  Taf.  29 — 30. 

1900.  Reisenotizen  aus  Neu-Seeland.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  52. 
p.  169—177. 

— Reisenotizen  aus  Ostasien.  Ibid.  p.  554 — 558. 

1901.  Aus  den  Molukken.  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  53.  p.  4 — 10. 

1902.  Weiteres  aus  den  Molukken.  Ibid.  54.  p.  74—78. 

— Zur  venetianischen  Kreide.  Ibid.  p.  72 — 73. 

1903.  Eurydesma  und  Leiomyalina.  Dies.  Centralbl.  p.  296 — 300. 

— Geologische  Ergebnisse  einer  Reise  in  den  Molukken.  Compt. 
Rend.  d.  Congr.  Geol.  Intern.  9e  Sess.  Vienne,  p.  657—662. 

1904.  Über  tertiäre  Brachiopoden  von  Oamaru.  Südinsel  Neuseeland. 
Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  56.  Monatsber.  p.  146 — 150.  Taf.  15. 

1905.  Ein  Strudelkessel  im  Renggeri- Tone  von  Kandern.  Mitt.  d.  Großh. 
Bad.  Geol.  Landes-Anst.  5.  p.  35 — 38.  Taf.  2. 

1906.  Neues  aus  dem  Jndo- Australischen  Archipel.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
Beil.B.  XXII.  p.  385-412.  Mit  Karte. 

— - Zur  Stellung  von  Lithiotis.  Dies.  Centralbl.  p.  161 — 167. 

— Apicalhöhlung  bei  Ostrea  und  Lage  des  Muskeleindruckes  bei 
Lithiotis.  Ibid.  p.  458—461. 

1907.  Vorjurassische  Brachiopoden  von  Ambon.  — Jüngeres  Palaeozoicum 
von  Timor.  — Jura  von  Rotti,  Timor,  Babar  und  Buru.  N.  .Tahrb. 
f.  Min.  Beil.B.  XXV.  p.  293-343.  Taf.  9—13. 

1908.  Zur  Geologie  des  Indo-Australischen  Archipels.  Nachträge  I.  Dies. 
Centralbl.  p.  503 — 504. 

1909.  Über  Macrocephalites  und  die  Längen  seiner  Wohnkammer.  Dies. 
Centralbl.  p.  174 — 179. 

— Über  „Absoluti"  und  ihre  paläogeographische  Verwendbarkeit.  Ibid. 
p.  563—566. 

1910.  Zur  neuen  obertriadischen  Fauna  aus  den  Molukken.  Dies.  Cen- 
tralbl. p.  161 — 163. 

— Zur  Kenntnis  der  Südküste  von  Misöl.  Ibid.  p.  197 — 209,. 

Über  Korallenriffe.  Ibid.  p.  504. 

— Fossilien  aus  der  oberen  Trias  von  der  Südinsel  Neu-Seelands. 
Ibid.  p.  632—636. 

1911.  Posidonomya  Becheri  in  Niederländisch-Indien  ? Dies.  Centralbl. 
p.  350—352. 

— Grenzschichten  zwischen  Jura  und  Kreide  von  Kawhia  (Nordinsel 
Neu-Seelands).  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  I.  p.  1 — 24.  Taf.  1 — 2. 


H.  Ändert,  Inoceramus  inconstans  Woods  etc. 


295 


1912.  Unteres  Callovien  und  Coronatenschichten  zwischen  Mac  Cluer-Golf 
und  Geelvink-Bai,  „Nova  Guinea.“  4.  Abschn.  1.  Leiden,  p.  1—20. 
Taf.  1—5. 

1904.  Die  Südküsten  der  Sulainseln  Taliabu  und  Mangoli : 

1.  Abschnitt:  Grenzschichten  zwischen  Jura  und  Kreide,  p.  1 — 46. 
Taf.  1—7. 

1907.  2.  Abschnitt:  Der  Fundpunkt  am  oberen  Lagoi  auf  Taliabu.  p.  47 — 58. 
Taf.  8. 

1912.  3.  Abschnitt:  Oxford  des  Wai  Galo.  p.  59 — 120.  Taf.  9 — 31. 

— 4.  Abschnitt:  Unteres  Callovien.  p.  121 — 179.  Taf.  32 — 44. 

In : Beiträge  zur  Geologie  von  Niederländisch  Indien.  Suppl.  Palaeonto- 
graphica. 

Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 

Von  Hermann  Ändert,  Ebersbach  i.  S. 

Mit  2 Textfiguren. 

(Schluß.) 

3.  Inoceramus  Schloenbachi  J.  Böhm. 

Diese  von  Goldfuss1  zuerst  als  I.  Cuvieri  Sowerby  beschrie- 
bene und  abgebildete  Art  hat  nach  J.  Böhm  2 ebenfalls  ihre  selb- 
ständige Stellung  zu  behalten.  Woods  hat  sie  in  die  Synonymen- 
liste  seines  I.  Lamarcki  Park.  3 aufgenommen , wohin  sie  ganz 
entschieden  nicht  gehört.  Ihrem  Wesen  nach  muß  sie  der  hier 
behandelten  Gruppe  zugeteilt  werden. 

Der  Flügel  besteht  in  einem  schmalen,  in  scharfer  Biegung 
abgesetzten  Bande.  Auch  der  Umriß  dieser  Art  bildet  ein  Fünfeck, 
das  sich  dem  Kreise  nähert  oder  auch  etwas  in  die  Länge  gezogen 
ist.  Die  Schale  ist  im  Jugendstadium  mit  groben,  kräftigen,  ent- 
fernt stehenden  Falten  bedeckt,  zwischen  denen  gewöhnlich  zwei 
bis  drei  schwächere  sichtbar  sind.  Während  des  späteren  Wachs- 
tums, nach  der  Umbiegung  der  Schale  nach  innen,  besteht  die 
Verzierung  aus  mehr  gleichmäßigen  schwächeren  bis  schwachen 
Bippen.  Die  Abbildung  Taf.  2 Fig.  2 in  meiner  Abhandlung4 
gibt  ebenfalls  eine  gute  Darstellung  der  Berippung  im  ersten 
Wachstum.  Woods5  hält  mein  Stück  für  eine  flache  Form  des 
I.  inconstans  Woods.  Wenn  auch  das  Dickenwachstum  in  der  Ab- 
bildung nicht  ersichtlich  ist,  so  weist  es  doch  der  Text  p.  44  nach. 
Die  Anwachsstreifen  erscheinen  bei  der  Art  sehr  verschwommen 
oder  sind  nicht  sichtbar. 

1 A.  Goldfuss,  Petrefacta  Germiniae.  Düsseldorf  1834 — 40.  II.  p.  114 
Taf.  111  Fig.  1. 

5 Joh.  Böhm,  a.  a.  0.  p.  403. 

3 Woods,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  308. 

4 Ändert,  a.  a.  0. 

s Woods,  Monograph,  a.  a.  0.  p.  288.  Anmerkung  2. 


296 


H.  Ändert, 


Die  Art  charakterisiert  die  Zone  des  I.  Schloenbaclii  in  Deutsch- 
land. Unter  den  von  Woods  aufgeführten  Formen  vermag  icli  sie 
nicht  zu  erkennen. 

4.  Ino  ceramus  Schloenbaclii  var.  cripsioides  Elbert. 

Textfig.  1 und  2. 

Der  Freundlichkeit  von  Herrn  Professor  J.  Böhm  verdanke 
ich  einen  Gipsabguß  des  Originals  von  Elbert1.  Die  seither  als 
I.  Cuvieri  var.  cripsioides  Elbert  geführte  Varietät  dürfte  wohl 
nunmehr  an  I.  Sclüoenbaclü  anzugliedern  sein.  Der  Umriß  hat  die 


Fig.  1.  Inoceramus  Schloenbaclii  var.  cripsioides  Elbert. 
Original  von  Elbert,  nach  einem  Gipsabguß  an  der  Künigl.  Geologischen 
Landesanstalt  Berlin. 

Rechte  Klappe,  Seitenansicht.  Natürliche  Größe. 

Form  eines  Rechtecks,  Unter-  und  Hinterrand  sind  schwach  konvex. 
Die  Schalenverzierung  besteht  an  dem  Original  im  ersten  Wachs- 
tum aus  nicht  allzu  kräftigen  Rippen,  die  fast  regelmäßig  durch 
eine  Mittelfurche  geteilt  sind.  Feinere  Anwachsstreifen  sind  nicht 
sichtbar.  Die  Rippen  biegen  vom  Unter-  zum  Hinterrande  in  einer 
deutlichen  Ecke  um.  Nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen 
im  späteren  Wachstum  behalten  die  Rippen  die  gleiche  Ausbildung, 
sind  aber  weniger  kräftig.  Die  Ausfüllung  des  Steinkernes  besitzt 
an  dieser  Stelle  nur  schwache  Falten.  Der  Flügel  ist  au  dem  von 
mir  vom  Hochwald 2 mit  dieser  Varietät  identifizierten  schlecht 

1 Elbert,  a.  a.  0.  p.  111. 

2 Ändert,  a.  a.  0.  p.  46. 


Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


297 


erhaltenen  Stücke  schmal  und  scharf  abgesetzt,  an  dem  Gipsabguß 
des  ELBERT’schen  Originals  ist  die  Beobachtung  des  Fliigelansatzes 


Fig.  2.  Inoceramus  Schloenbachi  var.  cripsioides  Elbert. 
Original  von  Elbert,  nach  einem  Gipsabguß  an  der  Königl.  Geologischen 
Landesanstalt  Berlin. 

Rechte  Klappe  von  vorn.  Natürliche  Größe. 

nicht  möglich  (fehlt?).  Mein  Exemplar  hat  sich  in  der  Zone  des 
I.  Schloenbachi  gefunden.  Das  Original  von  Elbert  stammt  aus 
dem  Breviporuspläner  von  Halle  i.  W. 

5.  Inoceramus  crassus  Petrascheck. 

Diese  Art,  die  in  meiner  Schrift 1 eingehend  behandelt  worden 
ist,  schließt  sich  ebenfalls  hier  an.  Sie  ist  stark  nach  hinten  aus- 
gezogen, im  Grundriß  rechteckig,  Vorder-  und  Unterrand  schwach 
konvex , Hinterrand  gegen  den  Flügel  stark  eingezogen.  Der 
Flügel  ist  schmal,  bei  der  verschiedenartigen  Wölbung  der  Exem- 
plare teils  wenig,  teils  schärfer  abgesetzt.  Die  Schale  ist  im 
Jugendstadium  mit  gut  ausgeprägten , engen  und  regelmäßigen 
Rippen  und  Falten  bedeckt,  die  später  immer  kräftiger  und  ent- 
fernter voneinander  auftreten  und  sogar  scharfe  Kämme  bilden. 
Auf  dem  nach  innen  gebogenen  Schalenstück  fehlen  Rippen  und 
Falten  fast  vollständig  und  sind  da,  wo  sie  auftreten,  nur  schwach 
angedeutet. 

Textfig.  45  auf  p.  287  bei  Woods2  gehört  ebenfalls  dieser 
Art  an  und  ist  von  ihm  zu  I.  inconstans  Woods  gezogen.  Das 
Stück  stellt  ein  kleineres,  mäßig  nach  hinten  ausgezogenes  Schalen- 
exemplar dar.  Der  mir  von  diesem  vorliegende  Gipsabguß  zeigt 
deutliche  Anwachsstreifen.  Die  Schale  ist  gemäß  diesem  Stück  in 
der  Flügelpartie  nicht  außerordentlich  dick,  was  in  meiner 
erwähnten  Abhandlung  zu  berichtigen  wäre. 


1 Ändert,  a.  a.  0.  p.  46.  Taf.  3 Fig.  4;  Taf.  6 Fig.  1,  2. 

2 Woods,  Monograph,  a.  a.  0. 


298 


H.  Ändert, 


Die  Art  findet  sich  besonders  im  Emscher  von  Kreibitz  und 
Innozenzendorf  in  Nordböhmen,  erscheint  aber  im  Kreibitzer  Tale 
auch  schon  in  der  obersten  Scaphitenzone  und  in  der  Zone  des 
I.  Schloenbaclii  in  einzelnen  Exemplaren.  Wahrscheinlich  schließt 
sie  ohne  Zwischenglied  an  I.  labiatus  var.  latus  Soav.  an. 

6.  I noc  er  amu  s Weiset  Ändert. 

Auch  diese  Art  hat  von  mir  bereits  eine  ergiebige  Behand- 
lung erfahren1.  In  der  Form  erscheint  sie  als  unregelmäßiges 
Vier-  bis  Fünfeck,  das  eine  ausgeprägte  schnauzenförmige  Ver- 
längerung nach  vorn  besitzt.  Sie  unterscheidet  sich  hierdurch  von 
allen  anderen  Arten.  Der  Flügel  ist  schmal  und  abgesetzt.  Die 
Verzierung  der  Schale  im  Jugendstadium  gleicht  vollständig  der 
des  I.  inconstans  A'ar.  planus  Elbert,  und  zwar  besteht  sie  aus 
engen,  kräftigen  und  regelmäßigen  Rippen.  Die  Ausdehnung  der 
ersten  Wachstumsrichtung  ist  jedoch  geringer  als  die  der  späteren, 
was  die  Art  ebenfalls  gut  unterscheidet.  Im  späteren  Wachstum 
nach  dem  Umbiegen  der  Schale  ist  letztere  von  unregelmäßigen, 
teils  kräftigen  bis  kammförmigen  Falten  bedeckt  und  besitzt  gegen 
den  Unterrand  eine  kielförmige  Einschnürung. 

Die  Art  ist  bisher  nur  im  Emscher  des  Kreibitz-Zittauer 
Sandsteingebirges  in  einer  Anzahl  Steinkerue  gefunden  worden. 

7.  Inoceramus  Walter sd orfensis  Ändert. 

Diese  von  mir  vom  Sonnenberg  bei  Waltersdorf  i.  Sa.  be- 
schriebene Art 2 ist  auch  dieser  Gruppe  zuzurechnen.  Der  Umriß 
ist  quadratisch  bis  rhombisch,  Vorder-,  Unter-  und  Hinterrand  sind 
gerundet.  Der  Rücken  der  Schale  dacht  sich  allmählich  zu  dem 
kleinen  Flügel  ab.  Im  ersten  Wachstum  ist  die  Schale  nur  mit 
schwach-rippeuartigen  An  wachsstreifen  verziert,  Falten  fehlen  voll- 
ständig oder  es  sind  eine  oder  zwei  derselben  schwach  angedeutet. 
Nach  dem  Umbiegen  der  Schale  nach  innen  im  späteren  Alter 
gewahrt  man  auf  dem  Steinkern  mehr  oder  Aveniger  unregelmäßige 
flache  Falten.  Sie  können  aber  auch  fast  A'ollständig  fehlen.  In 
meiner  zitierten  Abhandlung  muß  es  im  Text  heißen,  daß  Fig.  5 
die  Charaktere  am  besten  Aviedergibt,  Avährend  Fig.  2 Aveniger  gut 
gelungen  ist.  An  Fig.  2 ist  der  Vorderrand  bei  der  Reproduktion 
abgeschnitten  Avorden.  Auch  die  nachgetuschte  Zeichnung  der 
Oberflächenverzierung  entspricht  nicht  der  Wirklichkeit. 

Die  Art  ist  nur  in  Avenigen  Exemplaren  im  Emscher  des 
Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges,  und  ZAvar  bei  Waltersdorf  i.  Sa. 
gefunden  Avorden.  Im  letzten  Sommer  habe  ich  Avieder  ZAvei  neue 
Stücke  erhalten. 

1 Ändert,  a.  a.  0.  p.  47.  Taf.  4 Fig.  2 und  3:  Taf.  6 Fig.  3. 

2 Ändert,  a.  a.  0.  p.  53.  Taf.  5 Fig.  5. 


Inoceramus  latus  Mantell  Ändert  : Inoceramen  des  IV  4 43  (11):  — Inoceramus  inconstans  Woods.  283 

Kreibitz-Zittauer  Sand-  ! z.  Teil  j 


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300 


H.  Ändert, 


Tabelle  II. 


Name 

Form 

Flügel 

No.  1 
Seite  282 

Inoeeramus  inconstans 
Woods 

fünfeckig  kreisförmig 

vorhanden,  nicht 
abgesetzt 

No.  2 
Seite  284 

Inoeeramus  inconstans 
var.  planus  Elbert 

fünfeckig  kreisförmig 

fehlend  (?)  oder 
schmaler  Band 

No.  3 
Seite  295 

Inoeeramus  Schloen- 
bachi  J.  Böhm 

fünfeckig , kreisförmig 
bis  etwas  in  die  Länge 
gezogen 

schmal,  abgesetzt 

No.  4 
Seite  296 

In  ocera  m us  Sch  loen- 
bachi  var.  cripsioides 
Elbert 

rechteckig,  Unter-  und 
Hinterrand  schwach 
konvex 

schmal,  (abge- 

setzt ?) 

No.  5 
Seite  297 

Inoeeramus  crassus 
Petrascheck 

rechteckig,  stark  nach 
hinten  ausgezogen , 
Vorder-  und  Unter- 
rand schwach  konvex, 
Hinterrand  gegen  den 
Flügel  stark  einge- 
zogen 

schmal,  teils  we- 
niger, teils  schär- 
fer ahgesetzt 

No.  6 
Seite  298 

Inoeeramus  Weisei 
Ändert 

unregelmäßiges  Vier-  bis 
Fünfeck , nach  vorn 
schnauzenförmig  ver- 
längert 

schmal,  abgesetzt 

No.  7 
Seite  299 

Inoeeramus  Walters- 
dorf ensis  Ändert 

quadratisch  bis  rhom- 
bisch, Vorder-,  Unter- 
u.Hinterrand  gerundet 

vorhanden,  nicht 
ahgesetzt 

No.  8 
Seite  303 

Inoeeramus  balticus 
J.  Böhm 

rechteckig  gerundet , 

stark  nach  hinten  aus- 
gezogen 

fehlend  oder  nur 
schwach  ange- 
deutet 

Inoceramus  inconstans  Woods  und  verwandte  Arten. 


301 


Tabelle  TI. 


Verzierung 

in  der  ersten  Wachstumsrichtung  in  der  späteren  Wachstums- 


(Jugend) 

richtung 

flachwellige,  annähernd  regelmäßige  Falten, 
deutliche  Anwachsstreifen 

Falten  unregelmäßig  bis  fehlend. 
Anwachsstreifen  bei  den  älteren 
Formen  wenig  deutlich 

regelmäßige,  genähert  bis  enge,  kräftige 
Rippen 

einige  unregelmäßige  schwache 
Falten 

grobe,  kräftige,  entfernt  stehende  Falten, 
zwischen  denen  gewöhnlich  2 — 3 schwä- 
chere Rippen  sichtbar  sind.  Anwachs- 
streifen sehr  undeutlich 

gleichmäßigere,  schwächere  bis 
schwache  Rippen 

schmale,  nicht  allzu  kräftige  Rippen,  meist 
durch  eine  Mittelfurche  geteilt 

wie  in  der  Jugend,  aber  weniger 
kräftig 

Rippen  deutlich , zuerst  eng  und  regel- 
mäßig, später  immer  kräftiger  bis  kamm- 
förmig und  entfernter  voneinander,  auf 
dem  Flügel  fast  verschwindend , vom 
Unter-  zum  Hinterrand  eckig  umbiegend. 
Anwachsstreifen  sichtbar 

Falten  fehlen  fast  ganz,  einzelne 
schwache  Rippen  zuweilen  vor- 
handen, ziemlich  glatt 

Rippen  deutlich,  eng,  regelmäßig.  Jugend- 
wachstum von  geringerer  Ausdehnung 
als  der  im  späteren  Wachstum 

Falten  zahlreich  vorhanden,  un- 
regelmäßig, teils  kräftig  bis 
kammförmig,  gegen  den  Unter- 
rand eine  Einschnürung  der 
Schale  vorhanden 

Anwachsstreifen  schwachrippenartig,  Falten 
fehlend  oder  nur  eine  oder  zwei  schwach 
angedeutet 

unregelmäßige  Falten  vorhanden 
oder  fehlend 

starke  kräftige  Rippen,  bis  an  die  Band- 
grubenleiste reichend,  vom  Unter-  zum 
Hinterrande  in  rundem  Bogen  umbiegend 

Falten  fehlen  fast  vollständig, 
meist  glatt 

302 


H.  Ändert,  Inoceramus  inconstans  Woods  etc. 


Tabelle  111. 


Name 

Auftreten 

Typus 

No.  1 
Seite  282 

Inoceramus  inconstans 
Woods. 

obere  Scaphitenzone, 
Zone  des  Inocera- 
mus Schloenbachi, 
unterster  Emscher  ? 

Woods  Monograph : 
Texttig.  39.  42,  43,  46 
Taf.  51  Fig.  1,  2 

No.  2 
Seite  284 

Inoceramus  inconstans 
var.  planus  Elbf.rt 

Zone  des  Inoceramus 
Schloenbachi 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb.: 
Taf.  1 Fig.  2,  Taf.  ' 
Fig.  8 

Woods,  Monograph : 
Texttig.  44 

No.  3 
Seite  295 

Inoceramus  Schloen- 
bachi J.  Böhm 

Zone  des  Inoceramus 
Schloenbachi 

Goldfubs,  Petr.  Germ. 

Taf.  111  Fig.  1 
Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb. : 
Taf.  2 Fig.  2 

No.  4 
Seite  296 

Inoceramus  Schloen- 
bachi  var.  cripsioides 
Elbert 

Zone  des  Inoceramus 
Schloenbachi , Bre- 
ciporus-P\ä,r\er 

Texttig.  1.  p.  296 
2.  p.  297 

No.  5 
Seite  297 

Inoceramus  crassus 
Petrascheck 

oberste  Scaphiten- 
zone, Zone  des  Ino- 
ceramus Schloen- 
bachi, Emscher 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb.: 
Taf.  3 Fig.  4, 

Taf.  6 Fig.  1,  2 
Woods,  Monograph: 
Texttig.  45 

No.  6 
Seite  298 

Inoceramus  Weisei 
Ändert 

Emscher 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt.  Sandsteingeb. : 
Taf.  4 Fig.  2,  3, 

Taf.  6 Fig.  3 

No.  7 
Seite  299 

i Inoceramus  Walters- 
dorfensis  Ändert 

Emscher 

Ändert,  Inoc.  Kreibitz 
Zitt,  Sandsteingeb. : 
Taf.  5 Fig.  5 

No.  8 
Seite  303 

Inoceramus  balticus 
.T.  Böhm 

im  Senon  weit  ver- 
breitet 

J.  Böhm,  subhercyne 
Kreidemulde : 

Taf.  11  Fig.  2, 
Taf.  12  Fig.  1 

Woods,  Monograph : 
Texttig.  51 — 53 


Fr.  Heritsch,  Melongena  Deschmanni  R.  Hoernes  etc. 


303 


8.  Inoccr a m u s balticus  J.  Böhm. 

Dieser  von  ,T.  Böhm 1 und  Woods  2 gut  beschriebenen  Art 
vermag  ich,  da  mir  Vergleichsmaterial  fehlt,  nichts  hinzuzufügen. 
Der  Umriß  ist  rechteckig  gerundet,  die  Muschel  stark  nach  hinten 
ausgezogen.  Ein  Flügel  fehlt  vollständig  oder  ist  nur  ganz  schwach 
angedeutet.  Starke  kräftige  Rippen  mit  breiten  Zwischenräumen 
bedecken  die  Schale  im  Jugendstadium.  Sie  reichen  bis  an  die 
Bandgrubenleiste  hinauf  und  biegen  vom  Unter-  zum  Hinterrande 
in  einem  runden  Bogen  um,  im  Gegensatz  zu  I.  crassus  Petkascheck, 
da  sie  auf  dem  Flügel  fast  verschwinden  und  vom  Unter-  zum 
Hinterrande  eine  deutliche  Ecke  bilden 1 *  3.  Nach  dem  Umbiegen  der 
Schale  nach  innen  ist  diese  meist  glatt  und  zeigt  nur  selten  An- 
deutungen von  schwachen  Falten. 

Die  Art  ist  im  Senon  weit  verbreitet. 

Die  Bezeichnung  der  Inoceramen  in  meiner  mehrfach  zitierten 
Schrift  über  die  Inoceramen  des  Kreibitz-Zittauer  Sandsteingebirges 
sowie  in  der  Monographie  von  Woods  erleidet  somit  die  Verände- 
rungen, wie  sie  in  Tabelle  I noch  einmal  übersichtlich  zusammen- 
gestellt sind. 

Für  die  Unterscheidung  der  Arten  und  Varietäten  möge  Ta- 
belle II  eine  Gegenüberstellung  bieten.  Eine  Entwicklungstabelle 
derselben  ließe  sich  nach  verschiedenen  Gesichtspunkten  hin  ver- 
schieden aufstellen  und  soll  deshalb  fortbleiben.  Schließlich  soll 
noch  Tabelle  III  einer  schnellen  Orientierung  über  Lager  und 
Literatur  der  hier  behandelten  Arten  dienen. 


Melongena  Deschmanni  R.  Hoernes  — Melongena  Rotkyana 

J.  Knett. 

Von  Dr.  Franz  Heritsch  (Graz). 

In  den  Beiträgen  zur  Paläontologie  und  Geologie  Österreich- 
Ungarns  und  des  Orients,  25.  1912.  Heft  II  u.  III,  beschreibt 
.1.  Knett  eine  neue  Melongena  als  Melongena  Rotkyana.  Es  ist 
festzustellen,  daß  diese  in  jeder  Beziehung  mit  der  von  R.  Hoernes 
als  Melongena  Deschmanni  (Sitzungsberichte  der  Kais.  Akademie  der 
Wissenschaften  in  Wien,  Mathematisch-naturwissenschaftliche  Klasse, 
115.  Abt.  I.  1906)  beschriebenen  und  abgebildeten  Form  iiberein- 

1 J.  Böhm,  Geologie  und  Paläontologie  der  subhercynen  Kreidemulde. 
Abhandl.  d.  kgl.  preuß.  geol.  L.-A.  Neue  Folge.  Heft  56.  p.  47.  Taf.  11 
Fig.  2 ; Taf.  12  Fig.  1. 

5 Woods,  a.  a.  0,  Monograph.  p.  293.  Textfig.  51  — 53. 

3 Woods,  a.  a.  0.  Monograph,  p.  296.  Anmerkung  2,  vereinigt  der 
Autor  beide  Arten. 


304 


H.  Baumhauer. 


stimmt.  Der  Fundort  der  von  J.  Knett  irrtümlich  als  neu  be- 
schriebenen Melongena  wird  von  diesem  Autor  als  fraglich  (Maljek- 
graben  beiPreska,  nordwestlich  von  Laibach)  bezeichnet.  R.  Hoernes 
hat  festgestellt , daß  die  Melongena  von  Soteska , nördlich  von 
Moräutsch,  herstammt,  und  zwar  aus  aquitanisclien  Schichten.  Be- 
züglich des  Vergleiches  von  Melongena  Deschmanni  mit  den  anderen 
Formen  sei  auf  R.  Hoernes  Abhandlung  hingewiesen.  Es  ist 
klar,  daß  weiterhin  von  einer  Melongena  liotky aua 
J.  Knett  nicht  mehr  die  Rede  sein  kann. 


Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse,  Aetzerscheinungen 
und  Symmetrie  des  Natroliths. 

Von  H.  Baumhauer  in  Freiburg  (Schweiz). 

Mit  7 Textfiguren. 

a)  Vizinalflächen.  Für  den  rhombischen  Natrolith  wurden 
von  einer  Reihe  von  Forschern  (Cf.  Rose,  Haidinger,  v.  Lang, 
Seligmann,  Brögger,  Palla,  Gonnard,  Artini,  Negri  u.  a.) 
ziemlich  abweichende  Fundamentalwerte  bezw.  Achsen  Verhältnisse 
angegeben,  deren  Zusammenstellung  nach  den  verschiedenen  Fund- 
orten in  Hintze’s  Handbuch  der  Mineralogie  zu  finden  ist.  Hintze 
bemerkt  mit  Recht,  daß  die  Kristallwinkel  des  Natroliths  nicht 
nur  bei  verschiedenen  Vorkommen,  sondern  auch  bei  verschiedenen 
Typen  desselben  Vorkommens  verschieden  seien.  Dabei  führt  er 
als  im  allgemeinen  anzunehmendes  Achsenverhältnis  das  von 
Brögger  an  wahrscheinlich  von  Arö  stammenden  Kristallen  ermittelte 
an:  a : b : c = 0,97852  : 1 : 0,35362  , entsprechend  (111) : (1T1) 

= 36°47|',  (111):  (1 11)  = 37“  37f',  (110) : (HO)  = 88°  45^'. 
Die  betreffenden  Kristalle,  wie  auch  solche  von  Salesl  und  aus 
der  Auvergne,  weisen  nun  außer  {lll}  eine  oder  mehrere  dazu 
vizinale  Pyramiden  auf.  Solche  vizinale  Formen  wurden  nament- 
lich von  Brögger,  Palla,  Negri  und  Gonnard  beobachtet ; es 
werden  angeführt:  (li.10.ll),  {21.20.21),  (31.31.30), 

(44 . 40 . 43),  (27  . 25 . 27),  {40 . 40 . 39).  Ihr  Auftreten  ist  wohl 
die  Ursache,  weshalb  für  den  Natrolith  abweichende  Achsen  Ver- 
hältnisse angegeben  werden;  zuweilen  stimmen  auch  die  berechneten 
Winkelwerte  mit  den  beobachteten  nur  mangelhaft  überein.  Ja, 
es  kann  zweifelhaft  erscheinen,  ob  in  der  Regel  die  eigentlichen 
Flächen  von  (lll)  zur  Messung  gelangten  und  nicht  vielmehr 
solche,  welche  als  vizinale  zur  Grundform  zu  betrachten  sind. 
Oft  weicht  der  aus  den  Polkanten  winkeln  von  {lll)  berechnete 
Prismenwinkel  ziemlich  von  dem  beobachteten  ab.  Eine  gute 
Übereinstimmung  zwischen  Messung  und  Rechnung  fand  jedoch 
Negri  (Zeitschr.  f.  Krist.  20.  p.  629)  für  Kristalle  vom  Monte 
Baldo  (Tirol ) : 


lieber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 


305 


beob. 

36°  43' 

37  28  40" 
53  28  40 
88  54  42 


ber. 

36u  44'  4" 
37  28  2 
53  28  44 
88  54  28 


(111):  (111)  • 

(111) : (TU)  . 

(111):  (III)  . 

(110):  (110)  . 

Hieraus  folgt  a:  b : c = 0,981 118:1:  0,352837.  Die Polyedrie 
bezw.  die  Vizinalflächen  auf  { 1 1 1 } und  (110}  der  Kristalle  von 
Salcedo  (Italien)  sucht  Negri  durch  Zwillingsbildung  nach  (110} 
zu  erklären.  Ich  selbst  untersuchte  zunächst  goniometrisch  eine 
Reihe  von  ca.  3 — 10  mm  langen,  wasserhellen  Natrolitlikristallen 
aus  der  Auvergne  (Pu3r  de  Marman),  welche  einer  einzigen  schönen 
Stufe  entnommen  waren  und  sich  durch  gute  Beschaffenheit  der 
Pyramideuflächen  auszeichnen,  ferner  ein  paar  Kristalle  von  anderen 
Handstiicken,  aber  vom  nämlichen  Fundorte.  Weitere,  mir  zur 
Verfügung  stehende  Kristalle  gleicher  Herkunft,  sowie  von  Salesl, 
vom  Neubauerberg  bei  Bühmisch-Leipa,  von  Moß  in  Norwegen, 
Bergen  Hill  N.  J.,  Cape  Blomidon  Kings  Co.  Nova  Scotia  eigneten 
sich  leider  nicht  zu  genaueren  Messungen  h Bei  der  goniometrischen 
"Untersuchung  der  Kristalle  war  es  nicht  meine  Absicht,  die  ver- 
schiedenen von  anderen  Forschern  angegebenen  vizinalen  Pyramiden 
auf  ihre  Realität  zu  prüfen  oder  eventuell  neue  zu  ermitteln, 
sondern  Einsicht  in  die  allgemeine  Entwicklung  solcher  Flächen 
zu  gewinnen.  Dabei  zeigte  sich  nun,  daß  die  Flächen  der  Grund- 
pyramide ( 1 1 1 } im  allgemeinen  in  je  drei  Felder  zerfallen,  welche 
mehr  oder  weniger  von  der  Lage 
der  Grundform  ab  weichen,  so-  so- 

weit man  von  einer  solchen 
Grundform  als  wirklich  existie- 
rend sprechen  kann.  Denn  ich 
selbst  fand  niemals  Flächen, 
welche  nach  den  erhaltenen 
Winkelwerteu  unzweifelhaft  & 

ihren  Charakter  als  solche  der 
Grundform  zu  erkennen  gaben. 

Fig.  1 (schematisch)  zeigt  als 
Ergebnis  meiner  Beobachtungen 
eine  Projektion  der  vier,  im 
ganzen  als  (111),  (111),  (111) 
und  (1  11)  zu  deutenden  Flächen 
mit  ihrer  Teilung  in  je  drei 

Felder,  welche  miteinander  sehr  stumpfe  ausspringende  Winkel 
bilden;  dieselben  sind  mit  Xj — x4,  p, — p4  und  y, — y4  bezeichnet, 
in, — m4  sind  die  anstoßenden  Flächen  von  (llt»J,  a,  und  a2  die 


1 Für  freundliche  Überlassung  von  Material  zu  nachstehenden 
goniometrischen  Studien  und  zur  Beobachtung  der  Ätzerscheinungen  bin 
ich  den  Herren  v.  Groth  und  Seligmanx  zu  Dank  verpflichtet. 

Centralhlatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  20 


306 


H.  Baumhauer, 


von  (100),  bj  und  b2  von  {010}.  Do,ch  wurde  niemals  die 
vollständige  polyedrische  Entwicklung,  wie  Fig.  1 sie  darstellt, 
in  allen  vier  Oktanten  zugleich  beobachtet  (die  Kristalle  waren 
zudem  immer  nur  an  einem  Ende  frei  ausgebildet).  Häufig 
fand  ich  die  Dreiteilung  auf  drei  Pyramidenflächen,  dann  waren 
aber  auf  der  vierten  nur  zwei  Teile,  wohl  x und  p entsprechend, 
zu  erkennen,  oder  die  vierte  Fläche  war  nur  winzig  klein  und 
ließ,  vielleicht  infolgedessen,  eine  Knickung  überhaupt  nicht  wahr- 
nehmen. Insgesamt  aber  führen  meine  Beobachtungen  zu  dem 
Resultat,  daß  im  vollkommensten  Falle  im  ganzeu  zwölf  (zu  je 
vier  gleichartige)  Vizinalflächen  vorhanden  sind;  andernfalls  sind 
dieselben,  soweit  man  dies  sagen  darf,  zufällig  nicht  alle  deutlich 
ausgebildet '.  Die  goniometrisclie  Untersuchung  von  sieben,  der 
zuerst  erwähnten  Stufe  entnommenen  Kristallen  ergab  folgendes. 

1>.  Der  Winkel  Pj  : p2  (resp.  p3  : p4)  schwankt  nur  innerhalb 
r-elativ  enger  Grenzen,  nämlich  zwischen  36°48|'  und  36°  56'; 
die  zuverlässigsten  Werte  bewegten  sich  sogar  nur  zwischen 
36  0 48|'  und  36  0 52'  (Mittelwert  36  0 50J').  Desgleichen  schwanken 
die  Werte  für  p2 : p3  (resp.  p,  : p4)  nur  sehr  wenig,  im  ganzen 
zwischen  37 0 23  *'  und  37°28',  die  besten  zwischen  37° 26|' 
und  28'  (Mittel  37°  27').  Der  Winkel  m,  : m2,  an  Spaltflächen 
bestimmt,  wurde  an  drei  Kristallen  zu  88°  53'  — 58',  im  Mittel 
zu  88°55|'  gefunden.  Letzterer  Wert  stimmt  gut  mit  dem  oben 
angeführten  von  Negri,  nicht  so  gut  hingegen  mit  dem  aus  dem 
BRÖGGER’schen  Achsenverhältnis  berechneten  überein;  Brögger 
gibt  aber  zugleich  an,  diesen  Winkel  an  mehreren  Spaltungs- 
prismen eines  großen  Kristalls  übereinstimmend  zu  88°  50'  50" 
gefunden  zu  haben.  Der  brachydiagonale  Winkel  des  zu  p als 
Grundpyramide  gehörenden  vertikalen  Prismas  berechnet  sich  aber 
aus  obigen  Mittelwerten  36°  50|'  und  37°  27'  zu  89°  5f',  also 
um  etwa  10'  zu  groß  gegenüber  dem  für  {l  10}  gefundenen  Werte 
88°  55-2-'.  Hieraus  ist  zu  schließen,  daß  die  an  meinen  Kristallen 
auftretenden  Flächen  p in  Wirklichkeit  nicht  die  Grundform  { 1 1 1 } 
darstellen,  vielmehr  einer  dieser  Form  sehr  nahestehenden  vizinalen 
Pyramide  angehören.  Eine  Verkleinerung  des  Winkels  p,  : p2  und 
eine  Vergrößerung  von  p2 : p3  um  wenige,  etwa  nur  drei  Minuten 
würde  zur  vollkommenen  Übereinstimmung  zwischen  dem  hieraus 
berechneten  und  dem  beobachteten  Prismenwinkel  führen.  Als 
kleinsten  Wert  für  pt : p2  erhielt  ich  einmal  (an  Kristall  V)  36°  48|' 
und  (an  einem  anderen  Kristall,  VI)  als  größten  für  p., : p3  37  ° 28', 

1 Wie  ich  nachträglich  sah,  wies  F.  Gonnard  in  einer  jüngsten  Ab- 
handlung (Bull.  soc.  min.  Paris  1910.  33.  p.  280)  schon  auf  diesen  Flächen- 
bau der  Kristalle  von  Marman  hin : „j’ai  mesurö  de  nouveau,  sur  de  petits 
cristaux  tres  miroitants,  les  angles  des  trois  faces  (40.40.39),  (111) 
et  (11  . 10.  11),  dont  la  reunion  constitue,  sur  chaque  quart  de  la  section 
perpendiculaire  ä l axe  principal,  une  pyrainide  tres  surbaissee.“ 


Ueber  die  goniometrisclien  Verhältnisse  etc. 


307 


woraus  sich  für  den  Prismenwinkel  nur  mehr  89°  1^'  berechnet. 
Dennoch  glaube  ich  daran  festhalten  zu  müssen,  daß  die  in  Rede 
stehenden  P}rramidenflächen  p hier  nur  als  sehr  nahe  vizinale  zur 
eigentlichen  Grundpyramide  zu  betrachten  sind1. 

x.  Je  zwei  Flächen  x, , x2  bezw.  x3,  x4  liegen  mit  den  beiden 
an  sie  anstoßenden  p4,  p2  bezw.  p3,  p4  mehr  oder  weniger  genau 
oder  doch  annähernd  in  einer  Zone.  Für  x,  : x2  (oder  x3 : x4) 
wurden  Werte  von  34°  16'  bis  34°47A'  gefunden.  Die  zuver- 
lässigsten Zahlen  schwanken  zwischen  34°  17^'  und  47^'.  Diese 
großen  Differenzen  erlauben  es  nicht,  einfach  einen  Mittelwert  als 
im  allgemeinen  gültig  anzunehmen,  denn  sie  sind  darauf  zurück- 
zuführen , daß  die  Neigungen  x,  : p,  und  x2  : p2 , ebenso  x3  : p3 
und  x4  : p4  nicht,  wie  es  die  rhombische  Symmetrie  verlangt,  stets 
einander  gleich  sind.  So  wurden  z.  B.  folgende  Winkel  gefunden : 

Kristall  II  . . x,  : p,  = 1°  184';  x, : p,  = 1°  21'  ; x .:  x,  = 34°  17p 

. V.  . x,':pP;  = l 2IU:p!  = 1 Bel 

„ VI  . . x,  : Pj  = 0 50| ; x2  : p,  = 1 13f ; x,  : x2  = 34  474 

„ X . . xt  : p,  = 1 2\  ; x2  : p,  = 1 12f ; x,  : x2  = 34  364 

Im  ganzen  schwanken  die  hier  erhaltenen  Werte  x : p zwischen 
0°  50^'  und  1 0 28'.  Setzt  man  sowohl  x,  : p,  als  auch  x2 : p2 
gleich  diesen  beiden  Werten,  so  würden  für  x,  : x2  (unter  Zugrunde- 
legung des  obigen  Mittelwertes  für  p,  : p2  = 36u50|')  folgen  die 
Winkel  35°  10'  und  33°  5444.  Die  Flächen  x würden  nach  dem 
Gesagten  mehr  oder  weniger  genau  solche  von  Makropyramiden 
Pn  {h  1 li}  sein,  deren  Symbol  indes  von  Kristall  zu  Kristall  wechseln 
kann,  wie  es  bei  vizinalen  Formen  zu  erwarten  ist.  Dabei  schwanken 
andererseits  die  makrodiagonalen  Polkantenwinkel  x4 : x4  und  x2  : x3 
bei  verschiedenen  Kristallen  nur  innei’halb  sehr  enger  Grenzen. 
Ich  fand  in  sechs  Fällen  Werte  von  37°  49' — 51^',  bei  den  besten 
Messungen  nur  solche  zwischen  37°  49^'  und  50^'.  Von  mehreren 
Forschern  sind  diesen  Flächen  bestimmte  Symbole  beigelegt 
woi’den.  So  wird  insbesondere  {l  1 . 10 . 11}  P-j^  mehrfach  an- 
gegeben, wie  von  Preis  und  Vrba2  (Kuchelbad  bei  Prag);  Negri3 
(Monte  Baldo,  (1 1 1)  : (l  1 . 10 . 1 1)  = 1 0 27^',  berechnet  nach 
obigem  Achsenverhältnis  zu  1°34/),  Gonnard4  (Puy  de  Marman, 
(1 1 . 10 . 11)  : (11  : 1Ö  . 11)  = 33 0 43' , berechnet  aus  a:b:c 
= 0,98270: 1 : 0,35201  zu  33°  32',  (1 1 1)  : (1 1 . 10 . 1 1)  = 1°37',  be- 

1 Palla  bemerkte  schon:  „Die  Messungen,  welche  ich  am  Natrolith 
von  Salesl  ausgeführt  habe,  zeigen,  daß  die  Zahl  der  vizinalen  Pyramiden- 
Üächen  an  jener  Spezies  viel  größer  ist,  als  man  vermutet,  ja,  daß  die- 
selben eigentlich  die  wirkliche  Grundpyramide  fast  immer  verdrängen  und 
statt  derselben  Vorkommen.“ 

2 Zeitschr.  f.  Krist.  4.  p.  628. 

3 Ebenda.  20.  p.  629. 

4 Bull.  soc.  min.  Paris  1885.  8.  123;  1892.  15.  p.  221;  1910.  33.  p.  279. 

20* 


308 


H.  Baumhauer, 


rechnet  1°  33'), Brögger  1 (Arö,  (11 . 10. 11):  (11  -3Ö.  11)  aus  dem 
von  dem  genannten  Autor  angenommenen  Aclisenverliältnis  (s.  oben) 
berechnet  zu  33°  38;}',  woraus  folgt  (1  1 1) : (1  1 . 10 . 1 1)  = 1 0 34^'). 
Brögger  und  Palla  1 führen  ferner,  letzterer  für  Salesl,  die 
vizinale  Makropyramide  {21 . 20 . 2l}p§£  an,  wobei  Palla  das 
Achsenverhältuis  b : a : c = 1,01820  : 1 : 0,35909  , also  a:b:c 
= 0,98212:1:0,35267  zugrunde  legt.  Brögger  berechnet  für 
die  brachydiagonale  Polkante  dieser  Form  35°  9'  (beobachtet 
35°  10'),  für  (21  : 20  : 21) : (1 11)  0°  49£'  (beobachtet  0°  480;  Palla 
erhalt  durch  Eechnung  für  ersteren  Winkel  35°  6',  für  die 
makrodiagonale  Polkante  37°  35'  (beobachtet  37°  480,  für 
(21 . 20 . 21) : ( 1 1 1)  0°  49'.  Die  von  mir  erhaltenen  Zahlen  stehen 
nun  allerdings  hier  und  da  den  für  {11  . 10  . 11}  und  {21  .20.21} 
geforderten  mehr  oder  weniger  nahe,  dennoch  macht  die  starke 
Schwankung  derselben,  wie  auch  die  oft  ungleiche  Neigung  zweier 
sonst  als  zusammengehörig  aufzufassender  Flächen  (x,  und  x2) 
zum  brachydiagonalen  Hauptschnitt  es  wenigstens  für  meine 
Kristalle  bedenklich,  hier  bestimmte  Symbole  anzunehmen.  Damit 
ist  natürlich  nicht  ausgeschlossen,  daß  solche  Flächen  in  gewissen 
Fällen  eine  fast  vollkommene  Übereinstimmung  mit  einem  relativ 
einfachen  Symbol  ergeben. 

y.  Die  dritte  vizinale  Pyramide3  y lieferte  für  die  beiden 
Polkantenwinkel  nur  wenig  schwankende  Werte.  Ich  erhielt  für 
y,  :y2  37  0 3'— 14A'  (Mittel  37°  7$'),  für  y2  : y3  37°42'— 49£' 
(Mittel  37°  46|2)*  Hieraus  berechnet  sich  für  den  Prismenwinkel 
89°  2'.  Geht  man,  wie  es  auch  oben  einmal  entsprechend  für  p 
geschehen,  von  dem  kleinsten  Werte  y,  : y,  und  dem -größten  y0  :y3 
aus,  also  von  37°  3'  und  37°49|'  — welche  an  demselben 
Kristall  VI  gemessen  wurden  — , so  erhält  man  für  den  Prismen- 
winkel 88°51|'.  Wenn  auch  die  so  berechneten  Prismen winkel 
den  aus  den  Winkeln  von  p abgeleiteten  nahe  kommen  — also 
hier  für  y:  89°  2'  bezw.  88°  5 1^',  für  p:  89°  53-'  bezw.  89°  — , 

so  dürfen  sie  doch  damit  nicht  etwa  gleichgesetzt  werden,  weil, 
wie  Fig.  1 zeigt , die  Richtung  der  Kanten  p : y,  verglichen  mit 
den  Kanten  y : m,  darauf  hindeutet,  daß  bei  y die  Makrodiagonale 
etwas  länger,  der  vordere  innere  Prismenwinkel  also  entsprechend 
größer  ist  als  bei  p.  Ja,  bei  Betrachtung  der  einzelnen  Kristalle 
kommt  man  leicht  zu  der  Ansicht,  es  müsse  dieser  Unterschied 
noch  größer  sein,  doch  ist  dies  vielleicht  auf  eine,  wenn  auch 
sehr  schwache  Krümmung  der  Flächen  y zurückzuführen. 

Da  der  oben  für  y bei  Kristall  VI  berechnete  Prismenwinkel 

1 Zeitschr.  f.  Frist.  3.  p.  479. 

2 Ebenda.  9.  p.  386. 

3 Der  Lage  nach  wohl  dieselbe,  welche  Gonk^rd  als  b §§  = (40 . 40 . 39) 
bezeichnet  und  für  die  er  auch  mit  diesem  Symbol  meist  gut  stimmende 
Winkelwerte  erhielt. 


lieber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 


309 


88°5l£'  dem  wirklichen  Winkel  des  Protoprismas  88°  55j'  sein- 
nahe  kommt,  so  könnte  man  y hier  wohl  als  eine  Protopyramide 
auffassen,  welche  ein  wenig  steiler  wäre  als  die  Grundform.  Es 
ergibt  sich  nämlich  aus  y,  : y2  = 37  0 3'  und  y2  : y3  = 37  0 4 9 .(' 
das  Achsenverhältnis 

a : b : c = 0.980233  : 1 : 0,356559, 

welches,  verglichen  mit  dem  oben  angeführten  nach  Negiu, 
a : b : c = 0,981118:  1 : 0,352837 

auf  das  angenäherte  Symbol  {89 .89 . 88}  |-|  P führt.  Die  Mittel- 
werte (yl  : v2  = 37  0 y2 : y3  — 37  0 46f')  führen  natürlich  wieder 
auf  ein  etwas  abweichendes  Achsenverhältnis : 


a : b : c :=  0.983273  : 1 : 0,357273, 

demnach  auch  auf  ein  anderes,  kompliziertes  Symbol.  Doch  ist 
diesen  Symbolen  kein  besonderer  Wert  beizumessen,  sie  können 
nur  zur  Orientierung  über  die  allgemeine  Lage  solcher  Vizinal- 
flächen dienen.  Überdies  ist  hier  mit  der  Schwierigkeit  zu  rechnen, 
die  Winkel  der  Grundform  bezw.  das  wirkliche  Achsenverhältnis 
für  die  jedesmal  untersuchten  Kristalle  festzustellen,  woher  es 
kommt,  daß  für  weitere  Vergleiche  und  Ableitungen  die  sichere 
Grundlage  fehlt. 

An  zwei  von  andern  Stufen  des 
menen  Kristallen  fand  ich  noch : p, 

! : x2  = 33°  51'; 

(am  gleichen  Kristall) 


gleichen  Fundortes  entnom 
= 36°  47',  18' 


16f 


: P, 
x,  : 

==  1 


284-': 


37°  544'; 


Pi 

Pi 


27  V 


ui, 


P* 

Xj 

nu 


==  37°  16', 
resp.  p2  : x2 
= 88°  554'. 

b)  Natürliche  Ätz- 
figuren. Bei  genauerer, 
eventuell  mikroskopischer 
Betrachtung  der  Pyramiden- 
und  Prismenflächen  mancher 
Natrolithkristalle  findet  man, 
daß  dieselben  mit  natürlichen 
Ätzfiguren  bedeckt  sind.  Von 
vollkommenster  Ausbildung 
sind  letztere  auf  den  Pyra- 
midenflächen , wo  sie  auf 
Teilen  p (Fig.  2)  als  äußere 
Begrenzung  die  Form  gleich- 
schenkliger Dreiecke  zeigen, 
während  ihre  vertieften  Kan- 
ten hierzu  unsymmetrisch 
liegen.  Doch  sind  die  Eindrücke  benachbarter  Pyramidenflächen 
nach  (100)  und  (010)  symmetrisch  angeordnet.  Etwas  abweichend 
gestaltet  erscheinen  sie  auf  Teilen  x.  Solche  Ätzeindrücke,  oft  von 


Fig. 


310 


H.  Baumhauer 


großer  Schärfe,  beobachtete  ich  an  mehreren  Kristallen  vom  Puy  de 
Marman.  Daneben  bemerkt  man  auch  schmale,  glänzende  Pi’ärosions- 
flächen  an  den  makrodiagonalen  Polkanten  der  Pyramide,  sowie 
breitere,  rauhe  an  den  Kanten  (111):  (III)  und  (lll)  : ( 1 1 1 ), 
falls  solche  ausgebildet  sind.  Schmale  Prärosionsflächen  erscheinen 
endlich  an  den  Kanten  (110) : (lll),  (HO) : (III),  bezw.  (110) : (1 11) 
und  (HO)  : (lll). 

Von  besonderem  Interesse  sind  die  natürlichen  Ätzfiguren  auf 
den  Prismenflächen.  Sie  sind  nämlich  nicht,  wie  es  der  rhom- 
bischen Holoedrie  entsprechen  würde,  nach  oben  und  unten  sym- 
metrisch, sondern  ganz  unsymmetrisch  gestaltet  und  deuten  deshalb 

und  wegen  ihrer  An- 
ordnung auf  benach- 
barten Prismenflächen 
bestimmt  auf  Hemi- 
morphismus  nach 
der  Vertikalachse 
hin.  Fig.  3 zeigt  solche 
Ätzfiguren,  welche  an 
einem  Kristall  vom 


y») 


(Hl) 

Oii) 

CH“) 

(Hl) 

CO 

i 

Cä 

CO 

(Ho) 

Oio) 

0M 

(HO) 

( i io) 

Fig.  3. 


Puy  de  Marman  beobachtet  wurden.  Sie  sind  mikroskopisch  klein, 
aber  recht  gut  ausgebildet.  Auf  den  Flächen  von  a { 1 00) , in  Fig.  3 
mit  denen  von  {110}  in  der  Ebene  der  Zeichnung  ausgebreitet,  be- 
merkt man  nur  feine  und  dicht  gedrängte,  vertikal  verlaufende  Streifen. 

c)  Künstliche  Ätzfiguren.  Zur  Erzeugung  künstlicher 
Ätzfiguren  wurden  die  Kristalle  während  einiger  Sekunden  der 

Einwirkung  sehr  stark  ver- 
dünnter wässeriger  Fluß- 
säure ausgesetzt.  Dabei  wur- 
den sowohl  auf  den  Pyra- 
miden- als  auch  auf  den  Pris- 
menflächen deutliche  Ein- 
drücke erhalten.  Fig.  4 stellt 
einen  so  geätzten  Kristall 
vom  Puy  de  Marman,  in  der 
Richtung  der  Vertikalachse 
gesehen,  dar.  Neben  den  vier- 
seitigen unsymmetrischen 
und  flacheren  Eindrücken, 
wie  sie  diese  Figur  zeigt, 
treten  aber  auch  solche  auf, 
welche  sich  durch  Vertiefung 
gewisser  Flächen  schlauch- 
förmig ins  Innere  des  Kristalls  fortsetzen  und  an  ihrer  Öffnung 
als  dunkle  Vierecke  erscheinen  (s.  Fig.  4 bei  a),  eine  bekanntlich 
auch  sonst  an  Ätzfiguren  häufig  zu  beobachtende  Erscheinung.  Die 


ir 


Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 


311 


(Hi) 

(<L) 

(111) 

(il<) 

G 

0 

G 

0 

_ Qi°) 

0 «)_ 

(110) 

(110) 

Fig.  5. 


in  der  Figur  punktierten  Linien  treten  im  durchfallenden  Lichte 
u.  d.  M.  scharf  hervor  und  hängen  gewiß  mit  der  Entwicklung  und 
Begrenzung  der  auch  oberflächlich  zu  beobachtenden  vizinalen 
Flächen  zusammen.  Auf 
den  Prismenflächen  er- 
scheinen Ätzfiguren,  wie 
sie  Fig.  5 darstellt.  Die- 
selben sind  manchmal 
von  guter , manchmal 
von  weniger  guter  Aus- 
bildung; sie  beweisen, 
ebenso  wie  die  natür- 
lichen (Fig.  3),  die  hemi- 
morphe  Natur  unseres  Minerals.  Ganz  ähnlich  gestaltete,  aber 
natürliche  Ätzfiguren  beobachtete  ich  übrigens  auch  auf  deu  Pris- 
menflächen gewisser  Kristalle  vom  Puy  de  Marman  und  von  Bergen 
Hill,  N.  J. 

Die  mit  verdünnter  Flußsäure  auf  (l  10)  erhaltenen  Eindrücke 
variieren  — wohl  infolge  ungleich  starker  Verdünnung  der  an- 
gewandten Säure  — bei  verschiedenen  Prä- 
paraten mehr  oder  weniger  in  ihrer  Form. 

Fig.  6 zeigt  einige  derartige  Formen  in  der- 
jenigen Stellung,  welche  der  ersten  Fläche  (110) 
in  Fig.  5 entspricht;  stets  ist  ihr  unsym- 
metrischer Bau  deutlich  zu  erkennen.  Manch- 
mal sind  die  Ätzfiguren  auch  weniger  deutlich, 
indem  sie  dicht  zusammengedrängt  liegen  oder 
durch  Verzerrung , Rundung  oder  Schlauch- 
bildung deformiert  sind.  Überhaupt  gehören 
die  Natrolithkristalle  zu  denjenigen,  welche  im 
ganzen  nur  mäßig  gut  entwickelte  künstliche 
Ätzfiguren  liefern.  Auffallend  ist  der  Umstand, 
daß  man  auf  Spaltungsflächen  (110)  meist  nur  vereinzelte  und 
relativ  wenig  gut  ausgebildete  Ätzfiguren  erhält,  doch  entsprechen 
auch  diese  dem  Hemimorphismus  nach  der  Vertikalachse. 

d)  Z willings bil düng.  Nach  Stadtländer1  erscheinen 
an  garbenförmigen  Kristallgebilden  vou  Natrolith  (vom  Stempel 
bei  Marburg)  zuweilen  die  Pyramiden-Polkanten  an  den  beiden 
Enden  gegeneinander  verwendet,  was  auf  eine  Zwillingsverwachsung 
deute  nach  dem  Gesetz:  „Zwillingsachse  die  Normale  auf  (110), 
Zusammensetzungfläche  die  Basis“.  Lacroix2  beschreibt  diese 
Zwillingsbildung  folgendermaßen:  „J’ai  constate  que  les  cristaux 
du  Puy  de  Marman  et  de  Parentignat,  malgre  leur  apparente  homo- 


Fig.  6. 


1 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1885.  II.  p.  113. 

2 Mineralogie  de  la  France.  1897.  2.  p.  264  ff. 


312  H.  Baumhauer,  Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse  etc. 

geneite,  presentent  d’une  fagon  presque  constante  des  macles  eit 
rappört  avee  leur  symetrie  pseudo-quadratique.  Quand  en  effet  on 
examine  en  Inmiere  polarisee  parallele  une  section  parallele  ä 
p (001),  on  la  croit  homogene,  mais  si  on  1 ui  superpose  un  mica 
qnart  d’onde,  on  constate,  que  la  bordure  de  la  plaque  est  criblee 
de  bandes  ou  de  petites  plages  irregulieres,  dans  lesquelles  le  plan 
des  axes  optiques  est  situe  sensiblement  ä 90°  de  celni  du  reste 
de  la  preparation.  — Ces  groupements  s’expliquent  aisement  par 
une  macle  snivant  in  (HO),  avec  rotation  de  90°  autour  de  Taxe 
vertical,  qui  est  presque  une  axe  pseudoquaternaire“. 

Wie  sogleich  gezeigt  werden  soll,  verhält  es  sich  mit  dieser 
Zwillingsbildung  in  Wirklichkeit  etwas  anders;  auch  würde  eine 
Drehung  des  einen  Individuums  gegen  das  andere  um  die  c- Achse 
um  90°  nicht  genau  zu  einer  Verbindung  nach  (110)  führen,  da 
der  Prismenwinkel  um  etwa  1°  von  90°  abweicht. 

Die  bisherige  Annahme,  wonach  der  Natrolith  der  holoedrischen 
(bipyramidalen)  Klasse  des  rhombischen  Systems  angehört,  würde 
nur  zu  einem  einzigen  derartigen  Zwillingsgesetze  führen,  nach 
welchem  die  beiden  miteinander  verwachsenen  Kristalle  nach  (HO) 
zueinander  symmetrisch  liegen  und  gleichzeitig  der  eine  zum 
anderen  hemitrop  ist.  Wenn  aber,  wie 
gezeigt  wurde,  der  Natrolith  dem  Hemi- 
morphismus  nach  der  Vertikalachse  unter- 
liegt, so  sind  zwei  Fälle  zu  unterscheiden  : 
1.  Spiegelung  nach  (110)  (ohne  Hemi- 
tropie)  und  2.  Hemitropie  um  die  Nor- 
male zu  (110)  (ohne  Spiegelung).  Die 
Beobachtung  der  Ätzfiguren,  wie  ich  sie 
an  mehreren  mit  sehr  verdünnter  Flußsäure 
behandelten  Kristallen  anstellen  konnte, 
entscheidet  die  Frage  nach  der  Art  der 
Zwillingsverwachsung  im  letzteren  Sinne. 
Die  betreffenden  Präparate  zeigen  sehr 
kleine,  aber  stellenweise  relativ  gut  aus- 
gebildete Eindrücke  auf  {l  10},  welche  in 
zwei  verwendeten  Stellungen  auftreten , wie  es  Fig.  7 darstellt. 
Die  Ätzfiguren  sind  daselbst  bei  ß gegen  die  bei  a um  die  Normale 
zur  Prismenfläche  um  1 80  0 gedreht.  Dabei  liegen  die  Ätzfiguren  ß 
auf  solchen  Stellen,  welche  sich  in  Form  schmaler  oder  breiterer, 
vertikal  verlaufender  Streifen  über  die  Prismenflächen  hinziehen. 

Obgleich  in  den  beiden  verbundenen  Individuen  die  Pole  der 
Vertikalachse  entgegengesetzt  liegen,  sind  erstere  doch  nicht 
symmetrisch  nach  der  Basis  orientiert,  wie  sich  aus  der  gegen- 
seitigen Lage  der  Ätztiguren  bei  a und  ß ergibt.  Soviel  mir 

bekannt,  liegt  hier  der  erste  Fall  einer  derartigen 
Zwillingsverwachsung  rhombisch-hemimorpher  K r i - 


Fig.  7. 


H.  Stremme,  Ueber  das  Verhalten  des  Cimolits  etc. 


313 


stalle  vor,  während  symmetrische  Verwachsungen  nach  der  Basis 
z.  B.  am  Kieselzinkerz  schon  beobachtet  wurden. 

Mit  dem  Hemimorphismus  steht  vielleicht  noch  die  Tatsache 
im  Zusammenhang,  daß  die  sonst  klaren  Natrolithkristalle  manch- 
mal am  aufgewachsenen  Ende  trüb,  die  Prismenflächen  daselbst 
auch  am  wenigsten  glatt  erscheinen,  im  Gegensatz  zu  der  Be- 
schaffenheit am  frei  ausgebildeten  Ende.  Ein  ähnlicher  Unterschied 
macht  sich  auch  beim  Atzen  sehr  bemerklich : die  deutlichsten 
Atzflguren  auf  { 1 1 1)}  liegen  stets  mehr  nach  dem  freien  Ende  hin. 
oft  dicht  an  den  betreffenden  Pyramidenflächen,  während  das  andere 
Ende  nur  selten  gute,  distinkte  Ätzeindrücke,  vielmehr  meist  eine 
eigentümlich  rauhe  Beschaffenheit  der  Prismenflächen  aufweist, 
wodurch  der  Kristall  daselbst  nur  noch  durchscheinend  ist  und 
weißliche  Färbung  zeigt. 

Ueber  das  Verhalten  des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr  mit 
Kobaltsolution. 

Entgegnung  an  St.  J.  Thugutt  '. 

Von  H.  Stremme  in  Berlin. 

In  seiner  ersten  Kritik1  2 der  von  mir  übernommenen  Ansicht 
Groth’s  von  der  Gemengenatur  der  Mineralien  aus  der  Allophan- 
gruppe  fand  St.  J.  Thugutt  die  Anfärbung  der  Allopkanoide  mit 
organischen  Farbstoffen,  ebenso  wie  ihr  Verhalten  vor  dem  Lötrohr 
mit  Kobaltsolution,  so  individuell  geartet,  daß  ihm  eine  Anzahl 
verschiedener  Verbindungen  zwischen  Tonerde  und  Kieselsäure  vor- 
zuliegen schien.  In  meiner  Entgegnung 3 hatte  ich  die  Abhängig- 
keit der  scheinbar  so  individuellen  Anfärbung  von  Allophanoideu. 
mit  organischen  Farbstoffen  einerseits  vom  Alter  dieser  Mineralien 
bezw.  dem  Grade  ihrer  Austrocknung,  andererseits  von  den  ab- 
sorbierten Basen  erwiesen.  Diese  meine  Befunde  bestätigt  Thugutt 
mit  Ausnahme  des  an  einem  frischen  Allophan  von  Untersdorf 
erhaltenen,  der  ihm  nicht  zur  Verfügung  stand.  Nicht  bestätigt 
i wird  dagegen  von  Thugutt  meine  Deutung  des  Verhaltens  vor 
dem  Lötrohr  mit  Kobaltsolution.  Thugutt  hatte  bei  einem  Cimolit 
von  Bilin  und  bei  einem  Razumoffskin  vou  Kosemütz  anstatt  der 
sonst  bei  Allophanoiden  gefundenen  Reaktion  auf  Kobaltlösung 
(Thenards-Blau)  deren  Fehlen  beobachtet.  Bei  dem  Razumoffskin  von 
Kosemütz  konnte  ich  selbst  sie  feststellen,  nicht  dagegen  bei  dem 

1 St.  J.  Thugutt,  Über  Allophanoide.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  35. 

2 St.  .1.  Thugutt,  Sind  wirklich  Allophan  etc.?  Dies.  Centralbl.  1911. 
p.  97 — 103. 

3 H.  Stremme,  Allophan,  Hallovsit  usw.  Entgegnung  an  St.  J.  Thü- 
GT'TT.  1911.  p.  205. 


314 


H.  Stremme,  Ueber  das  Verhalten 


Cimolit  von  Bilin,  während  Ivlaproth’s  Cimolite  von  Kimolos  und 
Milo  ebenfalls  die  Blaufärbung  gaben.  Aus  dein  Vergleich  der 
Analysen  und  den  Angaben  der  Literatur  batte  ich  gezeigt,  daß 
das  abweichende  Verhalten  des  Cimolites  von  Bilin  auf  seinen  be- 
trächtlicheren Gehalt  an  störenden  Oxyden,  namentlich  Eisenoxyd, 
zurückzuführen  sei.  Thugutt  teilt  in  seiner  Entgegnung  Analysen 
seines  Razumoffskins  und  des  von  ihm  untersuchten  Cimolites  mit. 
Der  Razumoffskin  war  in  Wirklichkeit  ein  tonerdefreier  Garnierit. 
Rammelsberg’s  Cimolit  von  Bilin  hat  Thugutt  durch  Behandeln 
mit  Bromoform  in  fünf  Fraktionen  zerlegt,  von  denen  er  die 
leichteste,  eine  amorphe  erdige,  schmutziggelb  gefärbte,  „Cimolit, 
dem  noch  etwas  Anauxit  beigemengt  war“,  nennt,  während  „die 
allerschwerste  weiße,  aus  doppelbrechenden,  perlmutterglänzenden 
Körnchen  und  Blättchen  bestehende  Fraktion  aus  mit  Cimolit  noch 
ziemlich  stark  verunreinigtem  Anauxit  bestand“. 

Fraktion  1 hatte  eine  wesentlich  andere  Zusammensetzung  (A) 
als  die  von  Rammeusbehg  (B)  und  v.  Hauer  (C)  analysierten  Cimo- 
lite von  Bilin : 


A 

B 

C 

SiO, 

54,24 

60,626 

A1203  

. 19,92 

25,02 

23.085 

Fe,  03 

— 

5,22 

4.207 

FeO 

2,49 

— 

— 

CaO 

0,87 

1,275 

Mg  0 

Spur 

0,56 

0,910 

Hj  0 

. 12.56 

14,37 

9,124 

Summe  . . 

. 100,60 

100,28 

99,227 

Also  mehr  Kieselsäure,  weniger  Tonerde  und  namentlich  kein 
Eisenoxyd,  sondern  beträchtlich  weniger  Eisen  als  Eisenoxydul, 
auch  kein  CaO  und  Mg 0.  Obwohl  die  schmutziggelbe  Farbe  auch 
in  Thugutt’s  Cimolitfraktion  die  Anwesenheit  von  Fe203  vermuten 
läßt,  wird  dennoch  das  Eisen  als  FeO  angegeben  und  ausdrück- 
lich bemerkt,  es  träte  entweder  als  FeC03  oder  als  FeSi03  auf. 
Woher  soll  aber  die  gelbe  Farbe  kommen?  Als  Carbonat  kann 
das  Eisen  nicht  vorhanden  sein,  da  Thugutt  keine  Kohlensäure 
festgestellt  hat.  Das  Vorhandensein  einer  Verbindung  Fe  Si03  hat 
Thugutt  nicht  bewiesen. 

Bei  der  Lötrohrprobe  färbte  sich  nach  Thugutt  die  Anauxit- 
fraktion  mit  Kobaltsolution  schön  blau,  der  starkgeglühte  Cimolit 
blieb  dagegen  unverändert;  „schwach  erhitzt,  mit  Kobaltsolution 
benetzt  und  wiederum  geglüht,  färbte  sich  der  Cimolit  bläulich- 
grau, welche  Färbung  möglicherweise  auf  Rechnung  des  beigemengten 
Anauxits  zu  setzen  ist“.  Während  ich  selbst  das  Ausbleiben  der 
Reaktion  bei  der  Biliner  Augitpseudomorphose  auf  die  Beimengung 
von  störenden  Oxyden  zurückführte,  bestreitet  Thugutt,  daß  bei 


des  C'imolits  vor  dem  Lötrohr  mit  Kobaltsolution. 


315 


Gemengen  von  Tonerde  und  Kieselsäure  selbst  bedeutende  Bei- 
mengungen von  MgO,  FeO,  CaO  die  Reaktion  störten,  und  daß 

iaucli  natürliche  Gemenge  von  Tonerde  und  Eisenoxyd  Thenards- 
Blau  ergäben.  Letzteres  wird  in  auffallendem  Licht  unter  der 
Lupe  an  eisenoxydreichen  Bauxiten  von  Beaux  Arles,  vom  Yogels- 
■ berg,  von  Wochein  und  an  Latenten  von  St.  Thomas  und  von 
j Ceylon  festgestellt.  Nicht  zu  erkennen  war  die  Blaufärbung  da- 
gegen bei  einem  sehr  feinkörnigen,  tiefbraungefärbten  Beauxit  von 
Brignolles  und  „bei  einer,  wie  es  scheint,  gibbsitfreien  Probe  des 
I Laterits  von  Mungo 14 . 

Daraus  folgert  Thugutt,  das  Fehlen  der  Kobaltreaktion  beim 
I Cimolit  sei  nicht  auf  die  Metalloxyde,  sondern  auf  die  Bindung 
j von  Tonerde  und  Kieselsäure  in  ihm  zurückzuführen.  „Lockert 
man  diese  Bindung,  indem  man  z.  B.  den  Cimolit  mit  ein  wenig 
Soda  aufschließt,  so  kommt  sofort  die  intensivste  Blaufärbung  zum 
Vorschein.“ 

Bewegt  sich  hier  Thugutt  nicht  in  einem  Zirkel?  Er  sagt, 
Beimengungen  machen  bei  Gemengen  nichts  aus,  wohl  aber  bei 
Verbindungen.  Sein  Cimolit  soll  eine  Verbindung  sein,  müßten 
da  nicht  die  Beimengungen  wirken  ? 

Wenn  nun  auch  nach  Thugutt's  Angaben  „selbst  bedeutende 
i Beimengung  von  Metalloxyden  für  das  Auskommen  der  Kobalt- 

Ireaktion,  absolut  irrelevant“  sind,  so  teilt  doch  Thugutt  nicht 
mit,  wie  sich  eine  Mengung  der  einzelnen  Bestandteile  entsprechend 
der  empirischen  Zusammensetzung  im  Cimolit  vor  dem  Lötrohr 
verhält.  Ich  habe  diesen  Versuch  unternommen  und  bei  den  Ge- 
mengen die  gleichen  Erscheinungen  wahrgenommen,  die  Thugutt 
von  seinem  Cimolit  beschreibt. 

0,0785  g KAHUBAUM’sclies  chemisch  reines  Kieselsäurehydrat, 
enthaltend  0,0656  g SiO„;  0,0306  g KAHLBAUM’sches  chemisch 
reines  Aluminiumhydroxyd,  enthaltend  0,0199  g A1203;  0,0025  g 
FeO,  frisch  bereitet  durch  Glühen  von  oxalsaurem  Eisenoxydul, 
wurden  im  Achatmörser  innig  miteinander  verrieben.  Es  entstand 
ein  graues  Gemenge,  dessen  Zusammensetzung  war: 

65,6  °/o  Si  0 
19,9  „ A10 
2,5  „ FeO 
23,6  „ HO 

11 1,6  °/o, 

also  bis  auf  den  höheren  Wassergehalt  genau  die  von  Thugutt’s 
Cimolit.  Dieses  Gemenge  wurde  zuerst  ohne  Befeuchtung  mit 
Kobaltsolution  vor  dem  Lötrohr  geglüht,  wobei  in  der  Oxydations- 
flamme ein  rötlicher  Farbenton  auftrat,  der  in  der  Reduktions- 
flamme wieder  verschwand;  sodann  wurde  das  Gemenge  mit  der 
Kobaltlösung  befeuchtet  und  abermals  geglüht.  Bei  schwachem 


H.  Stremrae,  Ueber  das  Verhalten 


316 

Glühen  erhielt  ich  eine  bläulichgraue,  zusannuengesinterte  Masse, 
bei  starkem  Glühen  eine  schwarze  glänzende  Schlacke.  Die  gleichen 
Erscheinungen  traten  ein,  wenn  ich  das  Gemenge  gleich  mit  Kobalt- 
lösung befeuchtete  und  erst  dann  glühte,  oder  wenn  ich  statt  des 
EisenoxjMuls  die  entsprechende  Menge  Eisenoxyd  nahm.  Als  ich 
die  bläulichgraue  Masse  mit  etwas  Soda  aufschloß,  erhielt  ich  wie 
Thugutt  eine  iutensiv  blaugefärbte  Schmelze.  Die  gleiche  Farbe 
erhielt  ich  jedoch  auch,  als  ich  das  reine,  tonerdefreie  Kieselsäure- 
hydrat nach  dem  erfolglosen  Glühen  mit  Kobaltsolution  mit  etwas 
Soda  aufschloß.  Das  Verhalten  bei  Gegenwart  von  Soda  hat  also 
nichts  mehr  mit  der  Reaktion  auf  Tonerde  zu  tun. 

Wenn  ich  etwas  mehr  Eisenoxyd  nahm,  z.  B.  im  Verhältnis 
der  Zusammensetzung  von  Rammelsberg’s  Cimolit,  so  erhielt  ich 
ebenfalls  keine  Blaufärbung,  sondern  graue  Sinterungen  oder 
schwarzglänzende  Schlacken.  Angesichts  dieser  Befunde  will  es 
nichts  besagen,  daß  Thugutt  in  seiner  Entgegnung  keinen  Bezug 
auf  meine  Prüfung  der  Cimolite  Klaproth’s  nimmt.  Der  typische 
Cimolit  von  Kimolos  gab  die  Blaufärbung.  Wenn  nun  ein  Biliner 
Cimolit  keine  Blaufärbung  erkennen  läßt  und  nach  Thugutt’s 
irriger  Ansicht  nicht  die  Anwesenheit  von  Metalloxyden  diese  Ab- 
weichung verursacht  haben  soll,  so  wäre  — vorausgesetzt  daß 
Thugutt  recht  behalten  hätte  — hieraus  zu  schließen,  daß  Thu- 
gutt’s Cimolit  kein  Cimolit  sein  könnte.  Wie  man  also  auch 
Thugutt’s  Befunde  betrachten  mag,  sein  Schluß,  daß  er  den 
Cimolit  aus  der  Reihe  der  Allophanoide  streichen  müsse , ist  ein 
Trugschluß. 

ln  diesem  Zusammenhang  interessierte  mich  auch  das  Ver- 
halten von  anderen  Cimoliten.  Nach  Knop  1 sind  Augitkristalle 
des  Limburgites  der  Limburg  unter  der  Einwirkung  postvulkanischer 
Dämpfe  ebenfalls  in  Cimolit  verwandelt.  Dessen  Zusammen- 


setzung ist: 

Si02 51,37 

Ti  02 9,61 

A1203 12,70 

Fe2Os 12,50 

Ca  0 0,00 

Mg  0 3,09 

K20 0,51 

Na2  0 0,90 

H20  . . . ■ ■ 9,21 

Summe  . . . 99,89. 


M.  HENGLEix-Karlsruhe  war  so  liebenswürdig,  das  Verhalten  von 
Knop’s  Originalmaterial  mit  Kobaltsolution  zu  untersuchen.  Auch 


1 A.  Knop,  Der  Kaiserstuhl  im  Breisgau.  1892.  p.  76. 


des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr  mit  Kobaltsolution. 


317 


hier  war  nicht  Blaufärbung,  sondern  schwarze  Schlackenbildung 
- zu  beobachten.  Nach  Henglein’s  Ansicht  ist  das  Fehlen  der 
Blaufärbung  auf  die  hohen  Mengen  störender  Substanzen  in  diesem 
Gimolit  zuriickzuführen.  Meine  Prüfung  mit  einem  Gemenge  von 
Si,  0,  A1203  und  Fe203  in  entsprechenden  Mengen  bestätigte  diese 
Ausiclit.  Auf  Titansäure  hatte  übrigens  Thugutt  bei  seinem 
Cimolit  nicht  geprüft.  Nach  einer  freundlichen  Untersuchung  von 
0.  HÄHN’EL-Berlin  enthielt  eine  Biliner  Pseudomorphose  1,2  °/o  TiO.,. 

Wenn  so  Thugütt’s  Versuche  mit  dem  Cimolit  als  wenig- 
einwandfrei  nachgewiesen  werden  konnten,  so  vermag  ich  auch 
seinen  übrigen  Einwendungen  gegen  die  Zusammengehörigkeit  der 
von  mir  zusamuieugestellten  Alloplianoide  nicht  beizustimmen. 
Nicht  weil  die  Alloplianoide  Kieselsäure  und  Tonerde  an  Wasser 
abgeben,  wie  Thugutt  mich  fälschlich  sagen  läßt,  können  in  ihnen 
Säure  uud  Base  nur  absorbiert  und  nicht  chemisch  gebunden  sein, 
sondern  weil  es  möglich  ist,  aus  ihnen  die  Alkalien  mit  Wasser 
auszuwaschen.  Aus  kristallisiertem  Nephelin , Sodalith  usw.  ist 
dies  nicht  möglich.  Diese  Mineralien  geben  nur  geringe  Mengen 
Alkali  an  Wasser  ab.  Daß  ich  die  Möglichkeit  der  Existenz  freier 
Tonerdekieselsäuren  verneine,  ist  ein  Irrtum  Thugutt’s.  Ich  habe 
mich  selbst  bemüht,  den  Kaolin  als  eine  freie  Tonerdekieselsäure 
zu  erweisen1 . Aber  hier  haben  wir  den  Beweis  der  Bindung 
zwischen  Tonerde  und  Kieselsäure  in  seiner  Schwerzersetzlichkeit 
durch  Säuren. 

Daß  auch  Alloplianoide  durch  Säuren  schwer  zersetzt  würden, 
wie  Thugutt  sagt,  ist  quantitativ  in  keinem  Falle  nachgewiesen. 
Thugutt  gibt  speziell  deu  Steargillit  an,  der  nach  Dana’s  Angabe 
„von  Säuren  überhaupt  nicht  angegriffen“  würde.  Dana  sagt 
jedoch  lediglich  „insoluble  in  acids“.  Auf  die  Löslichkeit  in 
Säuren  kommt  es  bei  den  Mineralien,  die  gegenüber  den  Kunst- 
produkten ihre  geologischen  Schicksale  haben,  nicht  an,  sondern 
auf  die  Aufschließbarkeit.  Nach  seinem  hohen  Wassergehalt  (27° Io 
und  mehr,  davon  der  größte  Teil  bei  100°  flüchtig)  zu  urteilen, 
wird  Steargillit  von  Salzsäure  aufgeschlossen.  Aber  mit  dem 
Augenschein  darf  man  sich  bei  einer  solchen  Untersuchung  nicht 
begnügen,  wie  dies  Thugutt  1 bei  seiuer  Darstellung  angeblich 
salzsäureunlöslichen  Kaolins  aus  salzsäurelöslichem,  künstlichem, 
nur  z.  T.  kristallisiertem  Kalinephelin  mit  Hilfe  von  Carbolsäure 
tat.  Seit  der  Veröffentlichung  meiner  von  Thugutt  angegriffenen 
Arbeit  im  Jahre  190S  habe  ich  selbst  in  Gemeinschaft  mit  yan 
der  Leeden  und  Aarnio  und  namentlich  auch  van  der  Leeden 
allein  1910  und  1911  wiederholte  quantitative  Löslichkeitsbestim- 
mungen  von  Allophanoiden  veröffentlicht  und  auf  die  merkwürdigen 
Veränderungen  der  Löslichkeit  mit  dem  Altern  und  Austrocknen 

1 H.  Stremme,  Die  Chemie  des  Kaolins.  Fortschritte  der  Minera- 
logie. 1912. 


318 


Besprechungen. 


dieser  Gele  liingewiesen.  Von  diesen  Mitteilungen  hat  jedoch 
Tiiugutt  in  seiner  Kritik  keine  Notiz  genommen. 

Was  die  angeblich  stärkeren  Schwankungen  der  Naturkörper 
in  bezug  auf  Härte,  spez.  Gew.  und  Verhalten  unter  dem  Mikro- 
skop gegenüber  den  Kunstprodukten  angeht,  so  ist  ein  solches  an- 
gesichts der  außerordentlichen  Variation  ihrer  Zusammensetzung, 
ihrer  vielfach  abweichenden  Entstehung  und  ihres  oft  eigenartigen 
Vorkommens  gewiß  zu  erwarten.  Während  ich  jedoch  über  50 
dieser  Körper  in  meiner  Tabelle  angegeben  hatte,  nennt  Thugutt 
nur  9 in  der  einen  oder  anderen  Hinsicht  abweichende,  von  denen 
ich  einen,  den  Termierit,  nicht  mit  aufgeführt  hatte.  Im  einzelnen 
ist  oft  leicht  die  Ursache  der  Abweichung  zu  linden.  So  wird 
von  Ivollyrit  die  Härte  1 (bei  Dana  1 — 2)  angegeben,  gegen 
2,5  — 3 bei  künstlichen  Stoffen.  Von  letzteren  habe  ich  glatte, 
ausgetrocknete,  horn-  oder  glasartige  Stücke  von  ca.  cm  Größe 
untersucht.  Der  Kollvrit  mit  der  Härte  1 ist  dagegen  tonig,  fein- 
erdig. Ein  Ivunstprodukt  von  ähnlicher  Beschaffenheit  hat  die 
gleiche  Härte.  Von  Samoit  wird  eine  besonders  große  Härte  und 
der  Mangel  an  Plastizität  angegeben.  Dana  schildert  dieses 
Mineral  als  stalaktitisch , mit  Lamellarstruktur.  Dies  ist  eine 
Form,  die  man  im  Laboratorium  kaum  hersteilen  kann.  Auch 
Opal  und  Hyalith  wären  nach  Cornu  und  anderen  Autoren  Gele, 
ohne  plastisch  zu  sein  und  die  geringe  Härte  des  Kieselsäuregels 
zu  besitzen.  Gele  sind  übrigens  auch  nicht  stets  plastisch. 

Thugutt  wiederholt  die  Ansicht,  es  könnten  in  den  Allopha- 
noiden  Alumokieselsäuren  vorhanden  sein.  Demgegenüber  ist  fest- 
zustellen, daß  ein  Vorkommen  durch  Salzsäure  leicht  zersetzbarer 
Alumokieselsäuren  bisher  nicht  bewiesen  ist.  Diese  leichte  Zer- 
setzbarkeit läßt  eher  den  Mangel  einer  Bindung  zwischen  Tonerde 
und  Kieselsäure  vermuten,  auch  bei  kristallisierten  Mineralien,  für 
die  Doelter’s  1 Annahme  von  festen  Lösungen  wahrscheinlicher 
ist.  Ungeachtet  der  großen  Verschiedenheit  in  der  Zersetzbarkeit 
schreibt  Thugutt  Nephelin,  Anorthit,  Glimmer,  Kaolin,  Sanidin, 
Natrolith  die  gleiche  Alumokieselsäure  zu. 

Berlin,  17.  März  1913. 


Besprechungen. 

F.  Rinne:  Elementare  Anleitung  zu  k ristallogra- 
phisch-optischen Untersuchungen  vornehmlich  mit 
Hilfe  des  Polarisationsmikroskops.  2.  Aufl.  Leipzig  bei 
Max  Jänecke.  1912.  161  p.  Mit  4 Taf.  und  36  Textfig.  (Vergl. 
dies.  Centralbl.  1901.  p.  19.) 

1 C.  Doelter,  Handbuch  der  Mineralchemie.  2.  p.  35. 


Besprechungen. 


319 


Wir  haben  hier  die  zweite  Auflage  des  1900  erschienenen 
und  längst  vergriffenen  Buches  desselben  Verfassers:  Das  Mikro- 
skop im  chemischen  Laboratorium,  vor  uns,  auf  mehr  als  die 
doppelte  Zahl  von  allerdings  erheblich  kleineren,  das  Format  hand- 
licher machende  Seiten  ausgedehnt  und  mit  zahlreicheren  Ab- 
bildungen ausgestattet.  Eine  nicht  unerhebliche  Erweiterung  hat 
i die  geometrische  Kristallographie  als  Grundlage  für  die  kristallo- 
graphisch-optischen  Untersuchungen  erfahren  und  es  wurde  dabei, 
sowie  für  die  Darstellung  auch  der  letzteren  die  stei’eographische 
Projektion  in  größerem  Umfang  herangezogen.  Auch  die  Über- 
sicht über  die  optischen  Verhältnisse  wurde  erweitert  und  die  In- 
I st r Hinente,  Mikroskop  mit  Nebenapparaten  eingehender  beschrieben 
, und  durch  zahlreichere  Abbildungen  erläutert,  auch  eine  kurze 
' Anweisung  zu  metallograpischen  Untersuchungen  hinzugefügt.  Bei 
l der  Auswahl  der  Methoden  wurden  die  für  Anfänger  am  meisten 
zu  empfehlenden  besonders  bevorzugt  und  den  älteren  mehrere 
neue  Untersuchungsarten  beigefügt  (Abkühlungsmethode,  BECKE’sche 
Linie  und  Einbettung  von  Schröder  van  der  Kolk,  Totalreflekto- 
meter, Längen-  und  Dickenmessung,  Ultramikroskop,  Herstellung 
der  Präparate  und  Schleifapparat  von  Wülfing  etc.).  Der  gegen 
I früher  etwas  abweichend  eingeteilte  Inhalt  ist  in  die  folgenden 
Hauptabschnitte  zerlegt : I.  Geometrische  Kristallographie  als 

, Grundlage  für  kristallographisch-optische  Untersuchungen.  II.  Be- 
merkungen über  das  kristallographische  Mikroskop.  III.  Hilfs- 
apparate zum  Mikroskop.  IV.  Präparate.  V.  Gebrauch  des  Mikro- 
skops. VI.  Längen-  und  Dickenmessung.  VII.  Winkelmessung. 
VIII.  Beziehungen  zwischen  geometrischer  und  optischer  Symmetrie 
i der  Kristalle.  IX.  Methoden  der  optischen  Untersuchung  von 
Kristallen,  und  zwar  Untersuchungen  im  parallelen  polarisierten 
Licht  und  im  konvergenten  polarisierten  Licht.  Den  Schluß  machen 
Ubungsbeispiele  für  optische  Untersuchungen  und  ein  Sachregister. 
In  seinem  neuen  Gewände  steht  Rinnf.’s  Buch  ganz  auf  dem  neuesten 
Standpunkt,  den  er  dem  Anfänger  in  klarer,  leicht  verständlicher 
Weise  vermittelt.  Es  ist  also  zu  erwarten  und  zu  hoffen,  daß 
die  neue  Auflage  sich  bald  derselben  Beliebtheit  zu  erfreuen  haben 
wird,  wie  seinerzeit  die  alte.  Max  Bauer. 


O.  Dreher:  Das  Färben  des  Achats.  Idar  bei  E. Keßler. 
1913.  20  p. 

Verf.  stellt  die  bisher  bekannt  gewordenen  Methoden  der 
Achatfärbung  kurz  zusammen  und  gibt  so  einen  interessanten  Ein- 
blick in  dieses  für  die  Schleifereien  in  Idar  so  wichtige  Verfahren. 

Max  Bauer. 


320 


Besprechungen.  — Berichtigung.  — Personalia. 


J.  Volney  Lewis:  Determinative  Hineralogy  vvith 
T a b 1 e s f o r t h e Determination  o f Minerals  b y Means 
of  t lieir  Chemical  and  Physical  Cliaracters.  New  York 
bei  John  Wiley  and  Sons,  1913.  VI  151  p.  Mit  68  Figuren 
im  Text. 

Dieses  Buch  ist  zum  Bestimmen  der  Mineralien  hauptsächlich 
mittels  der  Lötrohrreaktionen  sehr  gut  geeignet,  und  da  ein  reiches 
Material  mittels  mehreren  Tabellen  in  knapper  Form  gegeben  ist, 
wird  dasselbe  sehr  wahrscheinlich  viel  von  Studenten  der  Mineralogie 
und  Geologie  und  des  Bergbaus  benutzt  werden. 

Zuerst  werden  die  gewöhnlich  angewandten  Apparate,  Rea- 
geutien,  Lötrohroperationen  und  chemische  Reaktionen  beschrieben. 
Dann  folgt  ein  kurzer  Abschnitt  von  sechs  Seiten  über  Krystall- 
formen.  Beschreibende  und  technische  Ausdrücke  und  Nomenklaturen 
werden  dann  erläutert.  Die  Tabellen  zum  Bestimmen  der  Mineralien 
sind  auf  den  wohlbekannten  und  vielfach  in  Amerika  benutzten 
Tabellen  von  Brush  und  Peniueld  basiert,  jedoch  viel  vereinfacht, 
und  können  zum  Bestimmen  von  380  Mineralien  gebraucht  werden, 
deren  Wichtigkeit  bequem  durch  Verschiedenheiten  in  der  Größe 
des  Druckes  angedeutet  ist.  Außer  den  charakteristischen  Lötrohr- 
und chemischen  Reaktionen  werden  auch  Zusammensetzung,  Farbe, 
Glanz,  Härte,  Dichte,  Schmelzbarkeit,  Krystallisation,  Blätterbruch 
und  Bruch  in  den  Tabellen  angeführt.  Um  das  Nachschlageu  von 
eingehenden  Beschreibungen  der  verschiedenen  Mineralien  zu  er- 
leichtern werden  unter  den  Mineralnamen  Seitenangaben  zu  dem 
Textbook  of  Mineralogy  von  E.  S.  Dana  und  zu  der  sechsten  Auf- 
lage des  DANA’schen  System  of  Mineralogy  gegeben. 

Das  Material  ist  gut  angeordnet,  auch  der  Druck  ist  gut. 
Zweifelsohne  werden  diese  neuen  Tabellen  viele  Freunde  finden. 

E.  H.  Kraus. 


Berichtigung. 

Auf  p.  194  dies.  Centralbl.  1913.  Heft  7,  Bauxit  oder  Sporo- 
gelit?  von  C.  Doelter  und  E.  Dittler  soll  statt  Al203  xH20 
Al203xH20  gelesen  werden. 


Personalia. 

Ernannt:  Der  etatsmäßige  a.  o.  Professor  der  Mineralogie, 
Geologie  und  Paläontologie  Dr.  Wilhelm  Salomon  in  Heidelberg 
zum  Ordinarius  daselbst. 


H.  E.  Boeke,  Bemerkung  etc. 


321 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 


Bemerkung  über  die  Theorie  von  J.  Johnston  bezüglich  des 
Verhaltens  fester  Stoffe  unter  ungleichförmigem  Druck. 

Von  H.  E.  Boeke  in  Halle  a.  S. 


Vor  kurzem  hat  J.  Johnston  1,  z.  T.  gemeinsam  mit  L.  H.  Adams, 
eine  sehr  bemerkenswerte  Theorie  über  das  Verhalten  fester  Stoffe 
unter  ungleichförmigem  Druck  mitgeteilt,  die  geeignet  ist,  auch 
auf  den  Prozeß  der  Gesteinsmetamorphose  durch  Druck  weitgehende 
Anwendung  zu  Anden.  Einige  kurze  Bemerkungen  über  diese  Theorie 
mögen  hier  Platz  Anden. 

Unter  ungleichförmigem  Druck  in  dem  engeren,  uns  hier 
interessierenden  Sinne  versteht  man  einen  nur  auf  der  festen  Phase 
und  nicht  oder  in  geringerem  Maße  auf  der  damit  im  Gleichgewicht 
stehenden  Flüssigkeit  lastenden  Druck.  Es  ist  schon  lange  be- 
kannt, daß  ein  solcher  Druck  einen  viel  größeren  EinAuß  auf 
die  Schmelztemperatur  ausübt  als  ein  gleichförmiger,  d.  h.  auf  beiden 
Phasen  gleichmäßig  lastender  („hydrostatischer“)  Druck  von  der- 
selben Größe.  Außerdem  ist  es  von  besonderem  Interesse,  daß 
der  ungleichförmige  Druck  immer  eine  Erniedrigung  des 
Schmelzpunkts  hervorruft,  während  der  gleichförmige  Druck  im 
allgemeinen  eine  Erhöhung,  nur  in  einigen  Ausnahmefällen  eine 
schwache  Erniedrigung  des  Schmelzpunkts  verursacht. 

Die  Schmelzpunktsänderung  in  den  beiden  Fällen  eines 
gleichförmigen  (I)  und  ungleichförmigen  (II)  Drucks  läßt  sich 
thermodynamisch  ableiten.  Die  Formeln  weisen  große  Ähnlich- 
keit auf: 


d t 
dp 


T(Vfl  V 


fest 


(I)  und 


d t 


T V 


fest 


Q 


(II), 


Q V-/  “ dp 

T = absolute  Schmelztemperatur, 

Vfl  Vfest  = speziüsches  Volum  der  Aussigen  und  festen  Phase, 
Q = Schmelzwärme. 


Die  Schmelzpunktsänderung  bei  ungleichförmigem  zu  der  bei 
gleichförmigem  Druck  verhält  sich  mithin  wie  das  Volum  der  festen 
Phase  zur  Volumdifferenz  fest — Aiissig,  was  die  Wirksamkeit  des 
ungleichförmigen  Drucks  klar  erkennen  läßt. 


1 J.  Johnston,  Eine  Beziehung  der  elastischen  Eigenschaften  der 
Metalle  zu  einigen  ihrer  physikalischen  Konstanten.  Zeitschr.  f.  anorg. 
Chem.  1912.  76.  p.  361 — 379  (unten  als  A bezeichnet).  — J.  Johnston 
und  L.  H.  Adams,  Über  den  EinAuß  hoher  Drucke  auf  das  physikalische 
und  chemische  Verhalten  fester  Stoffe.  Ibid.  1913.  80.  p.  281 — 334  (B). 
Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  21 


322 


E.  E.  Boeke,  Bemerkung  über  die  Theorie 


Die  beiden  obigen  Differentialgleichungen  können  als  streng 
gültig  bezeichnet  werden,  sie  erhalten  jedoch  erst  eine  ausgedehnte 
Anwendungsfähigkeit,  wenn  die  Integration  ausgeführt  und  damit 
eine  Formel  für  ein  endliches  Temperaturintervall  erlangt  wird. 
Die  Integration  wurde  von  Johnston  unter  gewissen  einfachen 
Annahmen  bezüglich  der  Änderung  der  Schmelzwärme  und  des 
spezifischen  Volums  mit  Temperatur  und  Druck  durchgeführt.  So 
konnte  der  ungleichförmige,  nur  auf  der  festen  Phase  lastende 
Druck  berechnet  werden,  der  nötig  ist,  um  den  Schmelzpunkt 
hochschmelzender  Stoffe  auf  Zimmertemperatur  herabzusetzen.  Die 
Rechnungen  wurden  für  27°  (—  300°  absolut)  gemacht.  Diese 
Drucke  sind  auffällig  gering  und  betragen  für  Körper  mit  einem 
Schmelzpunkt  von  etwa  1000°  (unter  gewöhnlichen  Umständen)  nur 
etwa  20  000  Atm.,  also  einen  Druck,  der  mit  einer  Laboratoriums- 
presse unschwer  erreicht  werden  kann. 

Die  Theorie  von  Johnston  und  Adams  geht  nun  dahin,  daß 
jede  dauernde  Deformation  kristalliner  Stoffe 
— z.  B.  das  Fließen  von  Metallen  durch  eine  Öffnung  oder  die 
Deformation  von  Gesteinen  durch  ungleichförmigen  Druck  — 
dadurch  verursacht  wird,  daß  der  Stoff  schmilzt, 
wo  der  Druck  eine  hinreichende  Größe  erlangt,  in 
die  Zwischenräume  fließt,  wo  der  Druck  geringer 
ist  und  sich  dort  wieder  verfestigt  (vergl.  A,  p.  371 
unten).  Dieses  Umschmelzen  betrifft  jedesmal  nur  einen  kleinen 
Bruchteil  der  gesamten  kristallinen  Masse  gleichzeitig.  Man  sieht, 
daß  hier  also  eine  starke  Ausdehnung  des  Regelationsbegriffs  vor- 
liegt (Übergang  von  Schnee  in  Gletschereis  durch  intermediäres 
Schmelzen). 

Wie  gesagt,  beruht  diese  Theorie  auf  völlig  sicherer  thermo- 
dynamischer Grundlage  und  ist  nur  die  Integrierung  anfechtbar, 
jedoch  auch  mehr  in  quantitativer  als  in  qualitativer  Hinsicht.  Es 
gilt  daher  die  Anwendbarkeit  der  Theorie  zu  prüfen.  Da  ergibt 
sich  dann  als  erste  Vorbedingung  das  Vorhandensein  von  Hohl- 
räumen im  kristallinen  Stoffe.  Bei  Körpern  von  normalem 
spezifischem  Gewichte  sind  solche  Hohlräume  eigentlich  nicht  anzu- 
nehmen. Um  über  diese  Schwierigkeit  hinwegzukommen,  ziehen 
die  Verf.  (B,  p.  329  — 330)  eine  Molekularvorstellung  heran  und 
scheinen  sich  die  notwendigen  Hohlräume  als  zwischen  den  Mole- 
külen des  Kristalls  bestehend  zu  denken,  — womit  dann  allerdings 
der  Begriff  des  Schmelzens  seine  Bedeutung  verliert  und  das  Problem 
gewissermaßen  außer  Diskussion  gestellt  wird. 

Wir  wrollen  daher  annehmen,  daß  für  die  Wirkung  des  un- 
gleichförmigen Drucks  Zwischenräume  von  nicht  molekularen 
Dimensionen  vorliegen,  wie  sie  im  Gestein  entweder  primär  vor- 
handen sind  oder  bei  der  natürlichen  oder  künstlichen  Kataklase 
(Zertrümmerung)  geschaffen  werden. 


von  J.  Johnston  bezüglich  des  Verhaltens  fester  Stoffe  etc.  323 


Derartige  Wirkungen  ungleichförmigen  Drucks  mit  oder  ohne 
Kataklase  sind  bei  Mineralen  und  Gesteinen  wiederholt  experimentell 
untersucht,  in  letzter  Zeit  besonders  von  F.  Rinne  und  F.  D.  Adams. 
Hier  ist  also  eine  konkrete  Prüfung  der  Theorie  von  Johnston- 
Adams  möglich.  Viele  der  durch  Druck  dauernd  deformierten 
Versuchskörper  können  ohne  Zerfall  umkristallisiert  werden  (sie 
schmelzen  „kongruent“),  wie  etwa  Steinsalz,  Kalkspat,  Quarz, 
Flußspat;  in  diesen  Fällen  könnte  sich  also  das  intermediäre 
Schmelzen  jeder  nachträglichen  Feststellung  entziehen.  Bei  anderen 
dagegen,  wie  Carnallit  und  Granat,  kann  man  als  ziemlich  sicher 
annehmen,  daß  sie  auch  unter  den  Bedingungen  des  ungleichförmigen 
Drucks  und  der  niederen  Temperatur  inkongruent,  d.  h.  unter 
Mineralneubildung,  schmelzen.  Der  Nachweis  einer  der- 
artigen Mineralneubildung  in  den  deformierten  Körpern  wäre  ein 
konkreter  Beweis  für  die  Richtigkeit  der  besprochenen  Theorie. 

Carnallit  kann  bekanntlich  nur  unter  Bildung  von  festem 
Chlorkalium  in  Wasser  gelöst  werden,  solange  nocli  fester  Carnallit 
vorhanden  ist.  Im  eigenen  Kristallwasser  schmilzt  der  Carnallit 
bei  167,5°  ebenfalls  unter  Abscheidung  von  Chlorkalium1 2.  Man 
kann  wohl  als  sicher  voraussetzen,  daß  auch  bei  gewöhnlicher 
Temperatur  eine  Schmelzung  im  Kristallwasser  nur  unter  Sylvin- 
bildung möglich  ist.  Bei  den  Druckversuchen  von  F.  Rinne  2 ist 
jedoch  der  deformierte  Carnallit  einheitlich  geblieben,  wenn  auch 
von  feinen  Rissen  und  Sprungsystemen  durchsetzt,  unter  Neu- 
auftreten von  Zwillingslamellen.  Wäre  die  Deformation  infolge 
von  intermediärem  Schmelzen  vor  sich  gegangen,  so  dürfte  man 
Spuren  der  Sydvinbildung  erwarten. 

Granat  liefert  nach  alter  Erfahrung  beim  Umkristallisieren 
eine  Anzahl  anderer  Minerale,  je  nach  der  Zusammensetzung  des 
Ausgangsmaterials,  und  niemals  wiederum  Granat.  Man  kann  als 
wahi’scheinlich  annehmen,  daß  auch  die  Umschmelzung  des  Granats 
bei  gewöhnlicher  Temperatur  infolge  des  ungleichförmigen  Drucks 
inkongruent  geschehen  würde.  F.  D.  Adams3  fand  jedoch  in  dem 
durch  künstliche  Kataklase  defonuierten  Granat  nur  den  Ausgangs - 
Stoff,  keine  Mineralneubildungen.  Auch  in  diesem  Falle  ist  mithin 

1 J.  H.  van’t  Hoff  und  W.  Meyerhoffer,  Zeitschr.  f.  Physik.  Chemie. 
1899.  30.  p.  64.  „Der  trockne  Carnallit  schmilzt  bei  der  Temperatur  von 
167,5°,  indem  der  größte  Teil  des  KCl  am  Boden  zurückbleibt,  während 
das  ganze  MgCl2  mit  dem  Wasser  in  Lösung  geht.“ 

2 F.  Rinne,  Über  die  Umformung  von  Carnallit  unter  allseitigem 
Druck  im  Vergleich  mit  Steinsalz,  Sylvin  und  Kalkspat,  von  Koenen- 
Festschrift,  Stuttgart  1907.  p.  369 — 376. 

3 F.  D.  Adams,  An  experimental  Investigation  into  the  Action  of 
differential  Pressure  on  certain  Minerals  and  Rocks,  employing  the  Process 
suggested  by  Professor  Kick.  Journ.  of  Geology.  1910.  18.  p.  489 — 525, 
insbesondere  p.  510. 


21* 


324 


Y.  M.  Goldschmidt,  J.  Rekstad,  Th.  Vogt, 


die  Erscheinung,  die  als  Beweis  der  Schmelztheorie  gelten  würde, 
nicht  eingetreten. 

Andererseits  bildet  die  auffallende  Tatsache,  daß  die  Dichte 
von  Metallen  durch  die  Deformation  im  allgemeinen  geringer 
wird1,  eine  gewisse  Stütze  der  Schmelztheorie,  wenn  man  mit 
Johnston  und  L.  H.  Adams  (B,  p.  331)  annimmt,  daß  ein  Teil 
des  durch  den  ungleichförmigen  Druck  geschmolzenen  Metalls 
unterkühlt  flüssig  bleibt.  Allerdings  ist  diese  Annahme  mit  unseren 
Erfahrungen  über  die  Instabilität  unterkühlter  Metallschmelzen  in 
Berührung  mit  der  kristallinen  Phase  in  direktem  Widerspruch. 

Zum  Schluß  möchte  ich  besonders  betonen,  daß  die  obigen 
Zeilen  nicht  als  eine  absprechende  Kritik,  sondern  als  eine  An- 
regung bei  der  weiteren  Erforschung  des  Gegenstandes  von  dem 
neugewonnenen  Gesichtspunkte  aus,  den  wir  J.  Johnston  verdanken, 
zu  betrachten  seien. 

Mineralogisches  Institut  der  Universität  Halle  a.  S. 


Zu  Herrn  Joh.  Koenigsberger’s  geologischen  Mitteilungen  über 

Norwegen. 

Von  V.  M.  Goldschmidt,  J.  Rekstad.  Th.  Vogt. 

Herr  Joh.  Koenigsberger,  der  im  Jahre  1910  einige  Wochen 
in  Norwegen  reiste,  hat  seitdem  in  mehreren  Abhandlungen  Be- 
obachtungen und  Hypothesen  über  norwegische  Geologie  veröffent- 
licht. Da  seine  Angaben  eine  Anzahl  von  Irrtümern  enthalten, 
sind  wir  zu  einer  Widerlegung  genötigt,  damit  nicht  unser  Schweigen 
als  Zustimmung  gedeutet  wird  und  seine  Angaben  in  die  Literatur 
übernommen  werden.  Die  folgende  Zusammenstellung  dürfte  ge- 
nügen, um  unser  Urteil  zu  begründen ; sie  macht  noch  keinen  An- 
spruch auf  Vollständigkeit,  da  einige  von  Herrn  Koenigsberger’s 
Angaben  erst  diesen  Sommer  nachgeprüft  werden  sollen. 

I. 

Comptes  rendus  du  XI.  Congres  geologique  international. 
Stockholm  1910.  p.  639.  „Die  kristallinen  Schiefer  der  zentral- 
schweizerischen Massive  und  Versuch  einer  Einteilung  der  kristal- 
linen Schiefer.“ 

Herr  Koenigsberger  führt  in  diesem  Vortrag  als  Beispiele 


1 J.  Johnston  und  L.  H.  Adams,  Die  Dichte  fester  Stoffe,  mit  be- 
sonderer Berücksichtigung  der  durch  hohe  Drucke  hervorgerufenen 
dauernden  Änderungen.  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem.  1912.  76.  p.  274—302. 
Hier  auch  die  weitere  Literatur. 


Zu  Herrn  Job.  Koenigsberger’s  geologischen  Mitteilungen  etc.  325 

auch  Kontakterscheinungen  aus  dem  Kristianiagebiet1  an  und  be- 
tont die  wechselnde  Mächtigkeit  der  Kontaktzonen.  So  soll  auf 
dem  Berge  Hörtekollen  die  Kontaktmetamorphose  stellenweise  auf 
eine  Zone  von  5 — 10  m Mächtigkeit  beschränkt  sein.  Diese  An- 
gabe ist  unverständlich  für  jeden,  der  die  Kontaktzone  von  Hörte- 
kollen näher  untersucht  hat  und  die  große  und  gleichmäßige 
Mächtigkeit  derselben  kennt.  Die  einzige  mögliche  Erklärung  wäre, 
daß  Herr  Koexigsberger  feinkörnige  Hornfelse  für  unveränderte 
Gesteine  gehalten  hat. 

Weiter  schreibt  Herr  Koexigsberger  : „ Die  Temperatur  des 
intrudierten  Magmas  scheint  nicht  sehr  hoch  gewesen  zu  sein“, 
und  zitiert  als  Stütze  dieser  Behauptung  V.  M.  Goldschmidt  „Die 
Kontaktmetamorphose  im  Kristianiagebiet“.  Dieses  Zitat  erscheint 
wenig  angebracht,  denn  in  der  zitierten  Arbeit  wird  als  Minimal- 
temperatur des  intrudierten  Magmas  etwa  1000°  angenommen, 
nirgends  findet  sich  hier  ein  Ausspruch  zugunsten  einer  niedrigen 
Intrusionstemperatur. 

Herrn  Koexigsberger’s  Ausführungen  p.  657  über  den  Zu- 
sammenhang zwischen  der  Pneumatolyse  und  dem  Auftreten  un- 
geschieferter  Kontaktgesteine  finden  keine  Stütze  in  den  Verhält- 
nissen im  Kristianiagebiet.  Wo  Streßwirkungen  fehlen,  sind  die 
Kontaktgesteine  ungeschiefert,  ohne  daß  irgend  ein  Zusammenhang 
mit  pneumatolytischen  Erscheinungen  vorhanden  ist.  Fanden  sich 
dagegen  Streßwirkungen  während  der  Kontaktmetamorphose,  wie 
am  Langesundsfjord,  so  sind  auch  echte  pueumatolytische  Kontakt- 
gesteine geschiefert  worden. 

Auch  Herrn  Koexigsberger’s  Angaben  über  die  metamorphen 
Ergußgesteine  am  Langesundsfjord  (p.  660)  entsprechen  nicht  den 
tatsächlichen  Verhältnissen  2. 


n. 

Paragenesis  der  natürlichen  Kieselsäuremineralien,  in  C.  Doel- 
ter’s  Mineralchemie.  2.  p.  27.  (1912.) 

Auch  in  dieser  Abhandlung  werden  einige  norwegische  Vor- 
kommen beschrieben,  welche  Herr  Koexigsberger  aus  eigener  An- 
schauung kennen  will.  Auf  p.  32  werden  die  Drusenmineralien 
des  Nordmarkits  am  Tonsenplads  bei  Kristiania  aufgezählt,  unter 
Weglassung  von  Flußspat  (einem  der  allerhäufigsten  Mineralien), 

1 Es  mag  noch  darauf  hingewiesen  werden,  daß  Herrn  Koenigsberger’s 
Beobachtungen  im  Kristianiagebiet  erst  nach  Schluß  des  Geologenkongresses 
stattfanden,  aber  in  einem  Vortrag  veröffentlicht  wurden,  der  während  des 
Kongresses  gehalten  sein  soll.  Wenn  Herr  Koexigsberger  die  hier  zitierten 
Behauptungen  während  des  Kongresses  vorgebracht  hätte,  so  wäre  ihm 
schon  damals  widersprochen  worden. 

2 Man  vergleiche  W.  C.  Brögger,  Zeitschr.  f.  Kristallogr.  16.  1890. 

p.  101—120. 


326 


V.  M.  Goldschmidt,  J.  Rekstad,  Th.  Vogt, 


Zinkblende , Molybdänglanz , Kupferkies , Eisenglanz , Magnetit, 
Epidot,  Meroxen U 

Gänzlich  unverständlich  ist  uns  nach  dem  heute  vorliegenden 
Material  der  folgende  Satz  über  die  südnorwegischen  Granit- 
pegmatitgänge  (p.  31):  „Es  ist  dort  nicht  immer  leicht,  den 

Zusammenhang  zwischen  Pegmatiten  und  Nebengestein  zu  ver- 
stehen ; das  hängt  auch  sehr  von  der  Ansicht  über  die  Entstehung 
mancher  Gneise  des  „Urfjelds“  in  Norwegen  ab.“ 

Auf  p.  34  findet  man:  „Wohl  gänzlich  fehlen  Drusenmineralien 
und  Pegmatite  bei  Essexit.“  Yerf.  scheint  das  Vorkommen  von 
Essexitpegmatiten  im  Kristianiagebiet  (Hadeland)  nicht  zu  kennen. 

III. 

„Über  Gneisbildung  und  Aufschmelzungszonen  der  Erdkruste 
in  Europa“.  Geologische  Rundschau.  3.  p.  297.  (1912.) 

Hier  bringt  Herr  Koenigsberger  eine  neue  und  eigenartige 
Deutung  der  kaledonischen  Tiefengesteine  im  westlichen  und  nörd- 
lichen Norwegen,  indem  er  sie  auf  eine  „Aufschmelzungszone  der 
Erdkruste“  zurückführt.  Falls  dieser  Ausdruck  bedeuten  soll,  die 
Eruptive  seien  durch  Aufschmelzung  der  überlagernden  Gesteins- 
massen emporgestiegen,  so  dürfte  ihm  die  tatsächliche  Begründung 
sehr  schwer  fallen.  Wir  kennen  jetzt  die  kaledonischen  Tiefengesteine 
Norwegens  durch  zahlreiche  eingehende  Untersuchungen,  welche  sich 
zusammenhängend  von  Südwestnorwegen  bis  zu  den  Lofot-Inseln 
erstrecken  und  jedes  Jahr  weiter  ausgedehnt  werden.  Nirgends 
ergibt  sich  eine  regionale  Anfschmelzung  präkaledonischer  Gesteine. 
Dagegen  zeigt  sich  das  Auftreten  der  kaledonischen  Tiefengesteine 
eng  an  die  Tektonik  gebunden,  indem  die  Eruptive  in  den  Syn- 
klinalen der  großen  Urgebirgstafel  auftreten,  durch  deren  Herab- 
faltung sie  wahrscheinlich  hinaufgepreßt  worden  sind. 

IV. 

„Über  einen  anorthositischen  Gneis  am  Eidsfjord“.  Dies. 
Centralbl.  1912.  p.  577,  sowie  Nachtrag,  dies.  Centralbl.  1913. 
p.  25. 

In  der  ersten  Mitteilung  wird  ein  anorthositisclier  Gneis  vom 
Eidfjord,  Hardanger,  beschrieben.  Später  teilt  der  Verf.  in  einem 
„Nachtrag“  mit,  eine  Schliffverwechslung  habe  stattgefunden,  dieser 
Gneis  stamme  nicht  von  Hardanger,  sondern  vom  Harjangenfjord 
bei  Narvik,  einem  von  Hardanger  über  1000  km  entfernten  Fundort. 
Die  Adern  des  Gesteins  bestehen  nach  Herrn  Koenigsberger  aus 

1 In  der  von  Herrn  Koenigsberger  selbst  zitierten  Literatur  wird 
das  Verzeichnis  dieser  Drusenmineralien  vollständig  gebracht.  Für  die 
Weglassung  so  vieler  Mineralien,  darunter  mehreren  der  häufigsten,  wie 
Flußspat,  Molybdänglanz,  Eisenglanz,  Glimmer,  Epidot,  führt  der  Verf. 
keinen  Grund  an. 


Zu  Herrn  Joh.  Koenigsberger’s  geologischen  Mitteilungen  etc.  327 


Andesin,  Biotit  und  Museo vit,  sie  sollen  angeblich  der  salischen  Fazies 
des  von  C.  F.  Kolderup  Mangerit  genannten  Gesteins  entsprechen. 
Demgegenüber  ist  zu  bemerken,  daß  Mangerit  bekanntlich  als  einen 
Hauptgemengteil  Mikroperthit  enthält,  daneben  Pyroxene  (er- 
setzbar durch  Amphibol  oder  Biotit)  und  Oligoklas,  sowie  in  kleinen 
Mengen  Quarz,  Apatit,  Erze  und  Zirkon.  Die  Bezeichnung  des 
Gesteins  als  salischer  Mangerit  ist  somit  unverständlich. 

Es  sei  noch  bemerkt,  daß  kaledonische  Injektionsgneise  aus 
dem  nördlichen  Norwegen  nichts  Neues  sind.  Wir  können  z.  B. 
auf  die  Publikationen  in  den  letzten  Jahrgängen  von  „Norges 
geologiske  Undersökelses  Aarbok“  und  „Skrifter“  verweisen. 

V. 

„Dynamometamorphismus  an  der  Basis  der  Hardangerdecke“  '. 
Monatsberichte  der  deutsch,  geol.  Gesellsch.  Dezember  1912.  p.  610. 

Hier  wird  auf  p.  613  die  geologische  Folge  der  Formationen 
von  Finse  aufgezählt  (nach  J.  Rekstad).  Dabei  wird  der  Granit 
als  älter  als  die  Telemarkformation  bezeichnet,  von  ihr  angeblich 
durch  eine  Abrasionsfläche  getrennt.  Eine  derartige  Angabe  findet 
sich  weder  bei  Rekstad  noch  bei  irgend  einem  andern  norwegischen 
Geologen.  Im  Gegenteil  wird  überall,  wo  dieses  Altersverhältnis 
in  der  norwegischen  Literatur  besprochen  wird,  darauf  hingewiesen, 
daß  der  Granit  von  Finse  die  Telemarkformation  mit  zahlreichen 
Gängen  durchdringt  und  Schollen  derselben  umschließt.  Die  An- 
gabe von  Herrn  Koenigsberger  über  das  umgekehrte  Altersverhält- 
nis ist  somit  ganz  aus  der  Luft  gegriffen  und  wird  auch  mit  keinem 
Worte  begründet1  2. 

Die  weitere  Folge  der  cambro-silurischen  Formationen  ist  zwar 
ganz  richtig  nach  Rekstad  wiedergegeben,  Herr  Koenigsberger  be- 
denkt jedoch  nicht,  daß  diese  Schichtenfolge  nur  für  den  südlichen 
und  östlichen  Teil  von  Hardangervidden  gilt,  nicht  aber  für  die 
Gegend  um  Finse.  Hätte  er  die  Literatur  aufmerksam  gelesen, 
so  würde  er  nicht  für  Finse  einen  30 — 60  m mächtigen  Blauquarz 
anführen;  hier  ist  der  Blauquarz  teils  auf  ganz  geringe  Mächtig- 
keit reduziert,  teils  (häufiger)  fehlt  er  ganz.  Ist  es  denn  Herrn 
Koenigsberger  selbst  nicht  in  der  Natur  aufgefallen , daß  der 
Blauquarz  bei  Finse  fehlt,  statt  30  — 60  m mächtig  zu  sein? 

Auf  p.  614  wird  behauptet,  die  postarchäische  Abrasions- 
fläche sei  keine  Peneplain  gewesen.  Diese  Behauptung,  welche 

1 Um  künftigen  Irrtümern  in  der  Literatur  vorzubeugen,  sei  beiläufig 
erwähnt,  daß  hier  einige  norwegische  Ortsnamen,  wohl  durch  Druckfehler, 
verstümmelt  sind.  Statt  Hansedalsfjelden  soll  es  heißen  Hemsedalsfjeldene, 
statt  Lugnut  wohl  Lurenut. 

2 Merkwürdigerweise  wird  aber  auf  p.  612  derselben  Abhandlung  von 
einer  postalgonkischen  und  präcambrischen  Kontaktmetamorphose  ge- 
sprochen; ist  damit  derselbe  Granit  gemeint  wie  auf  p.  613? 


328 


R.  Nacken,  Vergleich  der  optischen 


ebenfalls  ohne  Begründung  vorgelegt  wird,  hat  nicht  die  geringste 
Stütze  in  tatsächlichen  Verhältnissen.  Es  genügt , auf  die  von 
Herrn  Koenigsberger  selbst  zitierte  Literatur  hinzuweisen,  wo 
zahlreiche  Abbildungen  und  Höhenmessungen  der  Urgebirgsober- 
fläche  mitgeteilt  sind. 

Ferner  behauptet  der  Verf.  das  Auftreten  sibirischer  Staffel- 
brüche bei  Fossli.  Da  er  keine  detaillierten  Angaben  darüber 
macht,  läßt  es  sich  nicht  entscheiden,  ob  er  damit  die  kaledonisclie 
Faltung  der  Urgebirgstafel  meint,  oder  etwa  die  bekannten  post- 
kaledonischen  Verwerfungen,  welche  auch  die  Gneisdecken  durcli- 
schneiden.  Eine  ganz  andere  Ansicht  äußert  der  Verf.  in  einer 
anderen  Publikation  (dies.  Centralbl.  1912.  p.  577).  Hier  spricht 
er  von  „einer  Peneplain,  die  kurz  vor  Ablagerung  des  Cambriums 
von  schwachen  tektonischen  Bewegungen  erfaßt  sein  muß“. 

Herrn  Koenigsberger’s  Angaben  über  die  Metamorphose  des 
Cambrosilurs  am  Hardangerjökel  sind  ebenfalls  sehr  widerspruchs- 
voll. Einmal  werden  die  Gesteine  als  nicht  metamorph  bezeichnet 
(Zeitschr.  der  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1912.  p.  518),  ein  anderes 
Mal  als  metamorph  (Monatsber.  der  deutsch,  geol.  Gesellsch.  1912. 
p.  614). 

Herrn  Koenigsberger’s  Beschreibung  der  Granite  und  Granit- 
mylonite  enthält  nichts  wesentlich  Neues,  verglichen  mit  den  vor- 
liegenden norwegischen  Abhandlungen. 

Kristiania,  April  1913. 


Vergleich  der  optischen  und  der  thermischen  Methode  zur 
Bestimmung  von  Schmelztemperaturen. 

Von  R.  Nacken  in  Leipzig. 

Mit  2 Textfiguven. 

Veranlassung  zur  folgenden  Notiz  gaben  mir  die  vielfach  ab- 
weichenden Literaturangaben  über  Schmelzpunktsbestimmungen. 
Es  treten  große  Differenzen  bei  den  beobachteten  Werten  auf,  je 
nach  den  Methoden,  die  zur  Ermittlung  dieser  Größen  dienten. 
So  finden  sich  im  Handbuch  der  Mineralchemie 1 für  eine  Reihe 
von  Silikaten  bei  Angaben,  die  nach  der  optischen  Methode  oder 
durch  Abkühlungskurven  gewonnen  wurden,  Unterschiede,  die  bis- 
weilen 100  bis  150°  ausmachen.  Diese  Differenz  tritt  nun  nicht 
nur  bei  natürlichen  Mineralien  auf,  bei  denen  Verunreinigungen 
hierfür  verantwortlich  gemacht  werden  können,  sondern  auch  bei 
reinen  synthetischen  Stoffen,  wie  es  z.  B.  folgende  Zusammen- 
stellung zeigt : 

1 Handbuch  der  Mineralchemie.  1.  1912.  p.  657  f. 


und  der  thermischen  Methode  etc. 


329 


Schmelztemperatur  bestimmt 

Künstlich  hergestelltes 

nach  der  optischen 

nach  der  thermischen 

Methode 

Methode 

Ca  Mg  (Si  03), 

1280  bis  1345° 

1391  bis  1395° 

Mg  Si  03 

1420  „ 1460 

1554  „ 1565 

CaSi03 

1310  „ 1380 

1512  „ 1540 

Bei  Schmelzpunktsbestimmungen  mittelst  Abkühlungskurven 
gilt  in  der  Regel  der  höchste  Wert  als  der  beste,  da  fast  alle 
Fehler  eine  Herabsetzung  dieser  Temperatur  bedingen,  wie  i.  B. 
Verunreinigung,  Leitfähigkeit  in  der  Schmelze,  oder  ungenügender 
| Kontakt  der  Lötstelle  des  Thermoelements  mit  dem  Präparat,  und 
I gleiches  gilt  auch  wohl  für  die  bei  Silikaten  häufig  allein  brauch- 
; baren  Erhitzungskurven.  Es  scheinen  daher  diese  thermischen 
i Methoden,  welche  durch  die  Mitarbeiter  des  Carnegie-Instituts  aus- 
gearbeitet sind,  die  zuverlässigsten  Werte  zu  liefern.  Ihre  Resul- 
tate werden  aber  vielfach  auf  Grund  optischer  Methoden,  die  mit 
Hilfe  eines  Heizmikroskops  meist  viel  tieferliegende  Werte  ergeben, 
angezweifelt.  Da  ich  nun  auf  diese  Weise  mehrfach  Schmelz- 
temperaturen messen  mußte,  habe  ich  geprüft,  ob  diese  Unstimmig- 
I keiten  durch  die  Unsicherheit  der  optischen  Methode  bedingt  sind 
oder  nicht.  Im  Folgenden  gebe  ich  daher  einige  Beobachtungen 
j an  Feldspäten  wieder,  die  zeigen,  daß  bei  sorgfältiger  Ausschaltung 
| von  Fehlerquellen  Werte  erhalten  werden,  die  mit  den  auf  tlier- 
i mischem  Wege  erhaltenen  gut  in  Einklang  zu  bringen  sind. 


Fig.  1. 

I. 

Apparat  und  Fehlerquellen.  Durch  Fig.  1 ist  das  von 
I mir  benutzte  Instrument,  bei  dessen  Konstruktion  mich  Herr 
| F.  Rinne  freundlichst  unterstützte,  wohl  hinreichend  erklärt,  da  ja 


330 


R.  Nacken,  Vergleich  der  optischen 


eine  Reihe  ähnlicher  Apparate  beschrieben  worden  sind.  Hervor- 
zuheben ist,  daß  die  Heizung  des  horizontal  liegenden  Ofens  durch 
eine  Platinspirale  erfolgt,  deren  etwa  1 mm  starker  Draht  um  ein 
Rohr  aus  Marquardt-Masse  von  0,7  cm  lichter  Weite  eng  gewickelt 
ist.  Die  Länge  des  Rohres  beträgt  ca.  8 cm.  Infolge  dieser  langen 
Wickelung  und  der  Stärke  des  Drahtes  erzielt  man  im  Innern  des 
Rohrs  einen  ziemlich  großen  Raum  von  konstanter  Temperatur  bis 
etwa  1600°  C. 

Polarisator  und  Analysator  sind  gleichzeitig  drehbar,  und  eine 
Scheibe  mit  Gradeinteilung  gestattet  Auslöschungsschiefen  zu  be- 
stimmen. Als  Lichtquelle  dient  ein  Nernstfadeu,  der  mit  ca. 
1 Amp.  belastet  genügend  intensives  Licht  liefert,  um  noch  über 
1500U  Doppelbrechung  in  Kristallsplittern  zu  erkennen.  Als  Be- 
obachtungsobjekte werden  kleine  Spalt-  oder  Schliffplättchen  von 
nur  wenigen  Quadratmillimetern  Ausdehnung  verwendet,  so  daß 
Temperaturunterschiede  im  Innern  eines  solchen  nicht  zu  befürchten 
sind.  Sie  werden  in  Haltern  aus  Platinblech  freistehend  befestigt, 
damit  keinerlei  Berührung  mit  einer  chemisch  wirksamen  Substanz 
erfolgt.  In  der  Mitte  des  Ofens  berührt  das  Präparat  unmittelbar 
die  Lötstelle  des  dünnen,  nur  0,2  mm  starken  Thermoelements, 
welches  der  Länge  nach  durch  den  Ofen  gezogen  ist.  Wenn  da- 
her Präparat  und  Lötstelle  in  dem  schwach  vergrößernden  Mikroskop 
gleichzeitig  scharf  erscheint,  ist  eine  sichere  Temperaturbestimmung 
gewährleistet.  Durch  Quarzglasfenster  kann  das  Heizrohr  beider- 
seitig verschlossen  werden. 

Fehler  sind  daher  in  erster  Linie  nur  bedingt  durch  Ver- 
unreinigung der  Substanz  und  durch  falsche  Angaben  des  Thermo- 
elements. Zur  Kontrolle  des  letzteren  wurde  ein  dünnes  Quarz- 
blättchen erhitzt,  das  parallel  zur  optischen  Achse  geschnitten 
war.  Für  die  Umwandlungstemperatur  wurden  Werte  gefunden, 
die  im  extremsten  Fall  +1°  von  575°  abwicheu.  Das  Schmelzen 
eines  kleinen  Spaltblättchens  von  Natrium clilorid  erfolgte  bei  800°. 
Für  höhere  Temperaturen  bot  die  Umwandlung  des  Wollastonits 
in  Pseudowollastonit,  die  von  E.  T.  Allen  und  W.  P.  White1  bei 
ungefähr  1190°  festgelegt  wurde,  einen  Vergleichspunkt  dar. 
CaSiO,  wurde  durch  Kristallisation  aus  Ca  Cl2-Schmelzen  rein  und 
in  Kristallen  erhalten,  die  bei  ca.  1200°  entweder  in  monoklinen 
Nädelchen  oder  in  pseudohexagonalen  Täfelchen  erscheinen.  Die 
Umwandlung  bei  1190°  erfolgt  träge,  man  darf  daher  nur  lang- 
sam erhitzen.  Dann  treten  aber  noch  etwas  unterhalb  1200°  in  den 
bisher  einheitlich  auslöschenden  Kristallsplittern  an  einzelnen  Stellen 
Flecke  mit  bunten  Polarisationstönen  auf,  die  sich  ganz  allmählich 
vergrößern,  solange  die  Temperatur  um  1200°  erhalten  wird.  Die 
niedrigste  Temperatur,  bei  der  dieser  Vorgang  noch  erkennbar  war, 


1 E.  T.  Allen  und  P.  P.  White,  Am.  Journ.  Sc.  [4.]  21.  89 — 108.  1906- 


und  der  thermischen  Methode  etc. 


331 


war  1195°,  welche  demnach  nicht  weit  von  der  Gleichgewichts- 
temperatur zwischen  a-  und  /?-CaSi03  entfernt  liegen  wird.  Die 
Umkehrung  dieser  Erscheinung  konnte  nicht  hervorgerufen  werden, 
sie  erfordert  die  Anwendung  von  Katalysatoren,  wie  es  Allen  und 
White  ausführten.  Die  Präparate  wurden  noch  langsam  bis  un- 
gefähr 1500°  erhitzt,  ohne  daß  sich  ein  Schmelzvorgang  bemerk- 
lich  machte. 

II. 

Nachdem  so  die  Methode  ausprobiert  war,  wurden  natürliche 
Feldspäte  untersucht,  um  an  diesen  die  Schmelzvorgänge  zu  stu- 
dieren. Es  kamen  Blättchen  von  Anorthit  vom  Vesuv,  Adular 
vom  St.  Gotthard,  Sanidin  von  Wehr  am  Laacher  See  und  von 
Albit  aus  dem  Pfitschtal  zur  Verwendung,  nachdem  sie  sich  bei 
starker  Vergrößerung  u.  d.  M.  als  einschlußfrei  erwiesen  hatten. 

Anort hit  vom  Vesuv.  Dünne  Spaltblättchen  nach  der 
Basis  besaßen  eine  Auslöschungsschiefe  gegen  die  Kante  P M von 
37°.  Dies  deutet  auf  Beimengung  von  Albitsubstanz  hin,  dessen 
Menge  sich  hiernach  zu  etwa  5 bis  10°/o  schätzen  läßt.  Dem 
entspricht  es  auch , daß  die  optische  Achse  im  konvergenten 
polarisierten  Licht  fast  ganz  am  Rande  des  Gesichtsfelds  liegt. 
Mit  steigender  Temperatur  ändert  sich  die  Auslöschungsschiefe 
allmählich,  der  Kristallsplitter  bleibt  aber  vollkommen  klar  bis 
zum  Schmelzen.  In  der  Tabelle  1 (p.  332)  sind  Angaben  ge- 
macht über  sein  Verhalten  oberhalb  1460°  C (korr.).  In  ihr  ist  an 
Stelle  der  Temperatur  die  elektromotorische  Kraft  des  Thermo- 
elements in  Millivolt  angegeben. 

Bei  15,43  M.V,  einer  Temperatur  von  1485°  C (korr.)  ent- 
sprechend, würde  etwa  der  Schmelzpunkt  dieses  Anorthits  liegen. 
Der  Sprung  im  Verhalten  des  Präparats  ist  hier  ein  sehr  auf- 
fälliger. Vorher  schreitet  auf  der  Oberfläche  des  Kristalls  eine 
durch  Verunreinigungen  bewirkte  Auflösung  ganz  allmählich  fort, 
ohne  daß  bei  15,38  M.V.  zehn  Minuten  lang  praktisch  eine  Ände- 
rung im  Innern  des  Kristalls  zu  bemerken  wäre.  Bei  15,43  M.V. 
schiebt  sich  dann  ziemlich  rasch  vom  Rande  aus  eine  Grenzlinie 
zwischen  einer  kristallinischen  und  amorphen  Modifikation  über  das 
Präparat  hin.  Die  doppelbrechenden  Partien  verschwinden  und 
eine  geringe  Temperatursteigerung  genügt,  um  das  zunächst  noch 
zähe  Glas  zu  einem  Tropfen  zusammenfließen  zu  lassen.  Die 
langsame  Erhitzung  verbürgt  wohl,  daß  ein  Überhitzen  des  Prä- 
parats ausgeschlossen  ist,  dann  auch  die  Tatsache,  daß  eine  Reihe 
anderer  Splitter  mit  geringen  Abweichungen  gleiche  Resultate 
geben.  Wurden  die  Splitter  nicht  so  weit  erhitzt,  daß  Zusammen- 
schmelzen eintrat,  so  erhält  man  beim  Abkühlen  wohlkristallisierte 
Produkte,  die  meist  aus  nur  einem  Kristallindividuum  bestehen  und 
daher  einheitlich  auslöschen.  Die  Lage  der  optischen  Achse  ist 
von  der  ursprünglichen  nicht  verschieden. 


332 


R.  Nacken,  Vergleich  der  optischen 


Tabelle  1. 


Zeit  der 
Beobachtung 

Galvanometer- 
Ablesung 
in  Millivolt 

Zustand  des  Kristallsplitters 

4h  3o  min 

15,10 

Auf  der  Oberfläche  zeigen  sich  zum  ersten- 

4 40 

15,12 

mal  vereinzelte  Schmelztröpfchen,  die 

4 50 

15,20 

eine  bräuuliche  Färbung  besitzen  und 
durch  anhaftende  Verunreinigungen 
verursacht  sind. 

4h  55  min 

15,30 

Die  Tropfen  laufen  zusammen  und  bilden 
auf  dem  Kristall  eine  zusammen- 
hängende Schicht.  Die  Kanten  sind 
noch  scharf. 

5h  00  min 

15,35 

Die  Interferenzfarben  sind  noch  lebhaft ; 

5 10 

15,33 

Auslöschung  einheitlich. 

5h  15  min 

15,38 

In  10  Minuten  keine  Änderung. 

5h  30 min 

15,43 

Verhältnismäßig  rasches  Znsammen- 
schmelzen.  Die  Doppelbrechung  ver- 
schwindet, die  Kanten  runden  sich  ab, 
bis  schließlich  die  ganze  Masse  einen 
Tropfen  bildet. 

5h  3jj  min 

15,45 

Kristallisierte  Substanz  ist  nicht  mehr 
vorhanden. 

An  diesen  wieder  kristallisierten  Präparaten  erkennt  man 
deutlich,  daß  die  äußerlich  anhaftenden  Verunreinigungen,  wie  sie 
durch  Anfassen  an  die  Präparate  kommen , nicht  bis  ins  Innere 
ein  dring  en.  Sie  bilden  meist  einen  dunklen  Überzug,  der  bisweilen 
in  skelettartigen  Bildungen  kristallisiert  ist. 

Für  reinen  synthetischen  Anorthit  geben  A.  L.  Day  und 
E.  T.  Allen1  1532°,  später  A.  L.  Day  und  R.  B.  Sosman2  1550° 
an.  Demgegenüber  stehen  die  auf  optischem  Wege  gewonnenen 
Zahlen3  für  Anorthit  vom  Vesuv:  1250  bis  1350°.  Nach  meinen 
Messungen  sind  diese  letzten  Schmelztemperaturen  viel  zu  tief, 
auch  ist  kein  so  großes  Schmelzintervall  vorhanden.  Verunreini- 
gungen, die  eine  Gefrierpunktserniedrigung  bis  zu  200°  liervor- 
rufen,  sind  in  den  klaren  Kristallen  vom  Vesuv  nicht  vorhanden. 

' A.  L.  Day  und  E.  T.  Allen,  Zeitschr.  f.  phys.  Chem.  54.  p.  18.  1906. 

2 A.  L.  Day  und  R.  B.  Sosman,  Am.  Journ.  Sc.  [4.]  29.  p.  93 — 161.  1910. 

3 Vergl.  Handbuch  der  Mineralchemie  a.  a.  0. 


und  der  thermischen  Methode  etc. 


333 


Für  diesen  Fundort  werden  Analysen  1 mitgeteilt,  nach  denen  zwar 
merkliche  Beimengungen  von  Albitsubstanz  vorhanden  sind,  deren 
Menge  jedoch  10%  nicht  übersteigt.  Wenn  man  diesen  Wert 
zugrunde  legt,  müßte  nach  den  Angaben  von  Day  und  Allen 
einem  solchen  Gliede  eine  wenig  über  1500°  gelegene  Kristalli- 
sationstemperatur entsprechen.  Vergleicht  man  hiermit  den  Wert 
1485°,  den  ich  oben  angab  für  Anorthit  vom  Vesuv,  so  ist  die 
| Differenz  nicht  sehr  erheblich  und  wohl  durch  den  Einfluß  noch 
weiterer  Beimischungen  zu  erklären.  Bestätigen  kann  ich,  daß 
das  Schmelzen  des  Anortliits  sehr  rasch  erfolgt  und  daß  größere 
Schmelzintervalle  nicht  beobachtet  wurden.  Es  scheint  mir  daher 
wrohl  angängig,  chemisch  reinen  Anorthit  als  Eichungsmaterial  zu 
verwenden,  wie  es  Day  und  Sosman  vorschlagen. 

Albit  aus  dem  Pfitschtal.  Albit  lieferte  sehr  unsichere 
Resultate.  Schon  Day  und  Allen  schildern  ausführlich  die  Schwie- 
rigkeit, mit  der  bei  diesem  Gliede  der  Plagioklasreihe  die  Fest- 
legung der  Schmelztemperatur  verbunden  ist.  Meist  erfolgte  zwischen 
1200  und  1250°  der  Beginn  einer  Zustandsänderung.  Schon  bei 
1200°  zeigte  sich  bisweilen  ein  langsam  fortschreitendes  Abrunden 
der  Kanten,  wenn  nur  die  Temperatur  langsam  gesteigert  wird. 
An  Beimengungen  enthält  der  Albit  dieses  Fundortes  nach  C.  Hintze 
neben  geringen  Mengen  Kali  bis  zu  3%  CaO,  so  daß  also  auch 
hier  nicht  ein  Endglied  der  Plagioklasreihe,  sondern  ein  diesem 
benachbartes  untersucht  wurde.  Day  und  Allen  geben  für  Albit 
von  Amelia  Co.  als  Temperatur,  bei  der  die  Schmelzgeschwindig- 
keit größere  Werte  besitzt,  1200°  an. 

Adular  vom  St.  Gotthard.  Blättchen  nach  (010)  zeigten 
lebhafte  Interferenzfarben,  die  sich  beim  Erhitzen  auf  1200°  nur 
wenig  änderten.  Von  dieser  Temperatur  an  gibt  die  Tabelle  2 


Tabelle  2. 


Zeit  der 
Beobachtung 

Ablesung  am 
Galvanometer 
in  Millivolt 

Zustand  des  Kristallsplitters 

12 h gjmiu 
1 00 

11,80 

11,82 

Auftreten  größerer  isotroper  Flecke  im 
Präparat;  Kanten  werden  etwas  un- 
scharf. Die  isotropen  Flecke  ordnen 
sich  in  Richtung  von  Spaltrissen  an. 

2.  Erhitzung 

11  h 50min 

11  55 

11,80 

11.85 

Die  isotropen  Flecke  vergrößern  sich  all- 
mählich. 

12  h 2o“i“  12.05 

12  35  12,05 

12  45  12B6 

12  55  12,00 

1 C.  Hintze,  Handbuch  der 

V erstärkung  der  Korrosion  an  den  Kanten. 
Um  die  isotropen  Flecke  herum  herrscht 
undulöse  Auslöschung;  die  isotropen 
Partien  wachsen  langsam. 

Mineralogie.  II.  p.  1549.  1897. 

334 


R.  Nacken,  Vergleich  der  optischen 


über  Erliitzungsgescliwindigkeit  und  Veränderung  des  Kristall- 
splitters Auskunft.  Mehrere  Präparate  wurden  mit  gleichen  Ergeb- 
nissen untersucht. 

Aus  der  Tabelle  ist  zu  ersehen,  daß  die  Erhitzungsgeschwin- 
digkeit eine  recht  langsame  war.  Bei  11,80  M.V.  = 1200°  (korr.) 
ist  ein  erstes  deutliches  Anzeichen  für  den  Beginn  des  Schmelzens 
mit  Sicherheit  zu  konstatieren.  Es  treten  in  den  Präparaten  isotrope 
Flecke  auf,  die  sich  aber  innerhalb  einer  halben  Stunde  nicht  ver- 
größerten. Unter  dem  Mikroskop  zeigt  sich  bei  stärkerer  Ver- 
größerung, daß  Glaseinschlüsse  im  Kristall  entstanden  sind.  Fig.  2 
gibt  ein  Bild  von  ihnen. 


Fig.  2. 


Hiernach  sind  die  Einschlüsse  in  der  Art  von  Schmelzüguren 
von  Flächen  begrenzt,  so  daß  sozusagen  Paramorphosen  vorliegen. 
Sie  sind  alle  gleichartig  orientiert  und  werden  von  Flächen  be- 
grenzt, die  einer  einfachen  Feldspatform  entsprechen.  Nur  bei 
sehr  langsamem  Erhitzen  bleiben  sie  kristallographisch  umgrenzt, 
andernfalls  runden  sie  sich  ab  und  werden  kugelförmige  Gebilde. 
Infolge  ihrer  geringeren  Lichtbrechung  treten  sie  auch  im  un- 
polarisierten  Licht  hervor.  Ihre  Anzahl  wechselt  in  den  ver- 
schiedenen Präparaten.  Ihre  Entstehung  möchte  ich  so  deuten: 
Das  vorsichtige  Erhitzen  bringt  im  Kristall  Schmelzzentren  an 
allen  den  Stellen  hervor,  wo  sich  vielleicht  Einschlüsse  befinden, 
die  unter  dem  Mikroskop  nicht  mehr  erkannt  werden  können.  Von 
diesen  Punkten  aus  beginnt  der  Schmelzprozeß,  der  zunächst  ein 
Auflösungsprozeß  ist.  Haben  die  Schmelzfiguren  erst  eine  gewisse 
Größe  erlangt,  so  wird  wohl  die  Verschiebung  der  Grenzflächen 
allein  vom  Schmelzvorgang  herrühren,  da  infolge  der  hohen  Vis- 
kosität eine  Diffusion  im  Innern  der  Einschlüsse  nicht  erfolgen 
kann.  Wenn  sich  daher  die  Einschlüsse  nur  allmählich  vergrößern, 
so  ist  dies  wohl  auf  isomorphe  Beimischung  zurückzuführen,  nicht 


und  der  thermischen  Methode  etc. 


335 


auf  Überhitzungserscheinungen,  zumal  da  sie  bei  11,85  M.V.  un- 
geändert  blieben,  obgleich  die  Temperatur  20  Minuten  lang  kon- 
stant gehalten  wurde.  Enthält  doch  der  Kristall  eine  merkliche 
Menge  Natron,  wie  aus  seiner  Analyse 1 hervorgeht. 

0,04  °/o  Glühverlust 
65,58  „ SiO, 

18,29  „ A1s03 
14,20  , K20 
1,88  „ Na20 
Summe  99,99  °/o. 

Demnach  haben  wir  bei  1198°  (korr.)  mit  dem  Auftreten  der 
isotropen  Flecken  den  Beginn  des  Schmelzintervalls  eines  Misch- 
kristalls zu  suchen.  Es  erstreckt  sich  etwa  über  20  bis  30 ü, 
daun  bei  1220°  erfolgt  schließlich  die  gänzliche  Umbildung  zu  Glas. 
Kristallisation  trat  auch  bei  sehr  langsamem  Abkühlen  nicht  auf. 

Sanidin  vo.m  Laach  er  See.  Zum  Vergleich  mit  Adular 
wurde  ein  etwas  gelblich  gefärbter  Sanidin  von  Wehr  am  Laacher 
See  untersucht.  Seine  Analyse 1 ergab  : 

64,41  •/«  Si  Oa 
19,53  „ Al2  Oa 
0,34  „ Fe203 
1,01  „ CaO  + BaO 
12,05  „ K20 
3,10  „ Na,  0 
Summe  100,44  °/o. 

Das  Verhalten  bei  langsamem  Erhitzen  geht  aus  Tabelle  3 hervor. 
Tabelle  3. 


Zeit  der 
Beobachtung 

Ablesung  am 
Galvanometer 
in  Millivolt 

Zustand  des  Kristalls 

6Ü  5miu 

11,75 

Kristallsplitter  unverändert. 

6h  30  min 

12,00 

Der  Kristall  erhält  Spaltrisse. 

6 40 

12,30 

6h  50  min 

12.60 

Die  Risse  verbreitern  sich.  An  ihnen 

7 00 

13,00 

treten  die  ersten  deutlichen  Schmelz- 
erscheinungen auf. 

h 2Q  min 

13,00 

Die  Kanten  runden  sich  ab,  es  bilden 
sich  Blasen. 

7Ü  20 miu 

13,30 

Doppelbrechende  Partien  sind  noch  deut- 
lich erkennbar. 

7h  4ämm 

13,50 

Fast  alle  Stellen  glasig  und  einfach 
brechend. 

1 Bis  auf  die  Bestimmung  der  Alkalien  wurden  die  Analysen  von 
Herrn  Dr.  Dreibrodt  ausgeführt. 


336 


R.  Nacken,  Vergleich  etc. 


Die  mikroskopische  Prüfung  der  teilweise  geschmolzenen 
Splitter  ergab,  daß  vom  Rande  her  und  von  den  Spaltrissen  aus 
das  Schmelzen  begann.  Es  treten  hier  indessen  keine  durch 
Flächen  begrenzte  Schmelztiguren  auf,  sondern  runde  Glaseinschlüsse 
und  Glasbläschen.  Der  Schmelzvorgang  erstreckt  sich  über  ein  be- 
trächtliches Temperaturbereich,  auch  hier  sind  es  wohl  die  Bei- 
mengungen von  Barium,  Eisen  und  Natron,  die  durch  Mischkristall- 
bildung das  Schmelzintervall  hervorrufen.  Bei  1212°  (korr.)  würde 
etwa  der  Beginn  des  Schmelzens  liegen. 

III. 

Auch  aus  anderen  Bestimmungen,  die  von  W.  Grahmann1  mit 
Hilfe  dieses  Apparats  ausgeführt  wurden,  geht  die  Brauchbarkeit 
der  Methode  hervor.  Es  zeigte  sich  hier  die  Übereinstimmung  der 
auf  thermischem  und  optischem  Wege  ermittelten  Umwandlungs- 
teiuperaturen  von  Anhydrit,  Cölestin,  Baryt  und  Auglesit.  Ein 
großer  Vorteil  der  Methode  ist  die  fortwährende  Kontrolle  der 
untersuchten  Präparate ; dies  ist  für  die  Silikate  von  großer  Wich- 
tigkeit. Ich  möchte  daher  die  in  der  Literatur  vorhandenen  Diffe- 
renzen in  den  Angaben  der  auf  thermischem  und  optischem  Wege 
bestimmten  Schmelztemperaturen  auf  eine  ungenügende  Vermeidung 
der  Fehlerquellen  bei  der  optischen  Methode  zurückführen.  So  ist 
z.  B.  sehr  unsicher  das  Verschwinden  der  scharfen  Konturen  des 
Präparats  zu  erkennen.  Die  Ränder  sind  meist  sehr  stark  selbst- 
leuchtend  und  erst  wenn  sie  schon  ziemlich  weit  abgerundet  sind, 
wird  die  Erscheinung  deutlich.  In  den  von  mir  benutzten  Kri- 
stallen traten  meist  an  einzelnen  Punkten  Schmelzzeutren  auf;  dies 
läßt  sich  viel  schärfer  erkennen,  da  sich  alsdann  von  der  doppel- 
brechenden Grundmasse  die  dunklen  Flecke  deutlich  abheben.  Den 
weitaus  größten  Fehler  bedingt  ungenügender  Kontakt  des  Thermo- 
elements mit  dem  Präparat.  Hier  sind  leicht  Irrtümer  bis  zu 
50°  C und  mehr  möglich.  Jedenfalls  möchte  ich  die  Differenzen 
nicht  zurückführen  auf  Überhitzungserscheinungen  oder  auf  die 
durch  Pulverisieren  hervorgerufene  Schmelzpunktserniedrigung.  Bei 
der  stets  beobachteten  langsamen  Erhitzungsgeschwindigkeit  — 
mitunter  wurden  die  Präparate  10  bis  20  Minuten  lang  auf  kon- 
stanter Temperatur  erhalten  — konnte  ich  Erscheinungen,  die  auf 
Überhitzung  hindeuteten , nicht  nach  weisen.  Daß  weiterhin  ein 
Zerkleinern  der  Substanz  eine  Eimiedrigung  der  Schmelztemperatur 
um  100  und  mehr  Grade  bewirken  soll,  scheint  mir  bisher  noch 
nicht  mit  Sicherheit  nachgewiesen.  Es  sind  wohl  Verunreinigungen, 
insbesondere  durch  das  stets  vorhandene  adsorbierte  Wasser, 
verantwortlich  zu  machen,  wenn  feines  Pulver  leichter  Schmelz- 
erscheinungen zeigt  als  grobes  Material.  Schließlich  möchte  ich 


1 W.  Grahmann,  Dissertation.  Leipzig  1913. 


W.  Stahl,  Pisolithe. 


337 


auch  hinweiseu  auf  Zersetzungserscheinuugen,  welche  Feldspäte 
bei  langem  Erhitzen  sicher  erleiden  werden.  So  können  etwa  die 
Alkalien  sich  verflüchtigen  und  dadurch  eine  Veränderung  im 
chemischen  Bestand  bedingen , so  daß  hinterher  weitere  Kom- 
ponenten auftreten.  In  dieser  Hinsicht  ist  das  Auftreten  von  Blasen 
insbesondere  bei  den  Alkalifeldspäten  bemerkenswert ; sie  bilden 
sich  an  Stellen,  wo  vorher  das  Mikroskop  keinerlei  Einschluß  er- 
kennen ließ  und  treten  meist  erst  unmittelbar  nach  dem  Schmelzen 
auf.  Derartige  Verdampfungserscheinungen  sind  an  silikatischen 
Schmelzen  bisher  wohl  nur  in  der  Glasindustrie  studiert  worden. 

Leipzig,  Institut  für  Mineralogie  und  Petrographie,  März  1913. 


Pisolithe. 

Von  W.  Stahl  in  Altenau  (Oberharz). 

Mit  1 Textfigur. 

In  einer  Wasser  abführenden  Kluft  des  Mansfeld’schen  Flötz- 
gebirges,  etwa  80  m unter  Tag  und  70  m vom  Zabenstedter  Stollen 
entfernt,  wurden,  wie  nachstehendes  Bild  zeigt,  Pisolithe  oder 
Erbsensteine  gefunden. 


Diese  dürften  insofern  interessieren,  als  sie  wie  Erbsen  oder 
Bohnen  geformt  und  wie  Eier  in  einem  Nest  (cfr.  Bild)  angehäuft 
sind.  Sie  sehen  weiß  und  glatt  wie  Porzellan  oder  auch  gelblich 
aus  und  führen  je  einen  Schieferkern ; sie  bestehen  aus  Aragonit 
und  Strontianit  in  wechselnden  Verhältnissen.  In  den  gelben 
Varietäten  tritt  neben  geringen  Sulfatmengen  mehr  Strontianit, 
als  in  den  weißen  auf. 

Die  Zusammensetzung  der  Grundsubstanz  ist  der  der  Pisolithe 
ähnlich. 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


22 


338 


C.  Renz 


Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas  und  der  angrenzenden 

Gebiete *  1 11. 

Herausgegeben  von  Carl  Renz  und  Fritz  Frech. 

20.  Geologische  Studien  im  Artemisiongebirge  (Grenze  von 
Arkadien  und  Argolis). 

Von  Carl  Renz. 

Das  Artemisiongebirge  ist  der  im  Westen  bis  Siidwesten  der 
Argolis  gelegene  Teil  des  argolisch-arkadischen  Grenzgebirges. 

1 Diese  Publikationsserie  umfaßt  im  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  (bezw.  in 
dies.  Centralbl.)  bis  jetzt  folgende  Abhandlungen : 

1.  Carl  Renz,  Über  neue  Vorkommen  von  Trias  in  Griechenland 

und  von  Lias  in  Albanien.  Dies.  Centralbl.  1904.  p.  257 — 266. 

2.  Carl  Renz,  Über  die  Verbreitung  des  Lias  auf  Leukas  und 

in  Akarnanien.  Dies.  Centralbl.  1905.  No.  9.  p.  259 — 264. 

3.  Carl  Renz  , Uber  die  mesozoische  Formationsgruppe  der  süd- 
westlichen Balkanhalbinsel.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1905.  Beil.-Bd.  XXL 
p.  213—301. 

4.  Carl  Renz,  Über  Halobien  und  Daonellen  aus  Griechenland  nebst 
asiatischen  Vergleichsstücken.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1906.  p.  27—40. 

5.  Carl  Renz,  Über  neue  Triasvorkommen  in  der  Argolis  (Trinodosus- 
Kalke  und  Wengener-Kalke  beim  Hieron  von  Epidauros  in  Hallstätter- 
Fazies).  Dies.  Centralbl.  1906.  No.  9.  p.  270 — 271. 

6.  Carl  Renz,  Zur  Kreide-  und  Eocän-Entwicklung  Griechenlands. 
Dies.  Centralbl.  1906.  No.  17.  p.  541  — 549. 

7.  F.  Frech  und  Carl  Renz,  Neue  Triasfunde  auf  Hydra  und  in  der 
Argolis.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1907.  Beil.-Bd.  XXV.  p.  443—466. 

8.  F.  Frech,  Die  Hallstätter  Kalke  bei  Epidauros  und  ihre  Cephalo- 
poden.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1907.  p.  1 — 32.  Mit  6 Taf.  und  5 Textfig. 

9.  F.  Frech  und  C.  Renz,  Neue  Triasfunde  auf  Hydra  und  in  der 
Argolis.  Mit  4 Taf.  und  7 Textfig.  Beil.-Bd.  XXV.  1908.  p.  443 — 467. 

10.  Carl  Renz  , Zur  Entdeckung  der  Trias  in  der  Argolis.  Dies. 
Centralbl.  1909.  No.  3.  p.  79 — 83. 

11.  Carl  Renz,  Der  Nachweis  von  Karbon  und  Trias  in  Attika. 
Dies.  Centralbl.  1909.  No.  3.  p.  84—87. 

12.  Carl  Renz,  Neue  Carbonvorkommen  in  Griechenland.  Dies. 
Centralbl.  1909.  No.  24.  p.  755-759. 

13.  L.  Milch  und  Carl  Renz,  Über  griechische  Quarz-Keratophyre. 
N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  p.  496—534. 

14.  Carl  Renz  , Neue  geologische  Forschungen  in  Griechenland. 
Dies.  Centralbl.  1911.  No.  8.  p.  255 — 261  und  No.  9.  p.  289— 298. 

15.  Carl  Renz,  Die  Quarzkeratophyre  Attikas.  Dies.  Centralbl. 
1911.  No.  15.  p.  466—468. 

16.  Carl  Renz,  Geologische  Forschungen  in  Akarnanien.  N.  Jahrb. 
f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXII.  p.  383—468. 

17.  F.  Frech  und  Carl  Renz,  Zur  Kenntnis  der  Unterkreide  von 
Attika.  Dies.  Centralbl.  1911.  No.  23.  p.  732 — 736. 

18.  Carl  Renz,  Die  Trias  im  östlichen  Mittelgriechenland.  Dies. 
Centralbl.  1912.  No.  3.  p.  67 — 85. 


Geologische  Studien  iin  Artemisiongebirge  etc. 


339 


Den  Bau  des  Artemisiongebirges  lernte  ich  auf  einer 
Exkursion  von  Argos  über  Turniki  auf  den  Malevosgipfel  und 
zurück  kennen. 

Die  Gebirgsstruktur  des  Malevos-  oder  Artemisiongipfels  gibt 
ein  deutliches  Profil  durch  die  hauptsächlichsten  Sedimentformationen, 
die  den  zentralen  und  östlichen  Peloponnes  mit  Ausschluß  der 
Argolis  aufbauen.  Es  handelt  sich  also  um  ein  typisches  Beispiel 
der  Grundzüge  des  Baues  und  der  Entwicklung  meiner  zentral- 
peloponnesischen  Gebirgszone 1. 

Von  unten  nach  oben  liegen  — abgesehen  von  den  kristallinen 
Gesteinen  — folgende  Schichtenglieder  übereinander: 

1.  Schwarze,  dickgebankte,  vorwiegend  klotzige,  massige  Kalke, 
die  Hippuriten  bezw.  andere  Rudisten  und  Nummuliten  führen. 

19.  Carl  Renz,  Neue  Carbonaufschlüsse  in  Attika.  Dies.  Centralbl 
1912.  No.  6.  p.  169—173. 

Hierzu  treten  dann  noch,  abgesehen  von  kleineren  Mitteilungen, 
einige  wichtigere,  in  anderen  Zeitschriften  erschienene  Arbeiten  des  Ver- 
fassers, nämlich: 

Carl  Renz,  Trias  und  Jura  in  der  Argolis.  Zeitschr.  d.  deutsch, 
geol.  Ges.  1906.  58.  p.  379—395. 

Carl  Renz,  Zur  Geologie  Griechenlands.  A.  Kalke  mit  Lobites 
ellipticus  bei  H.  Andreas  in  der  Argolis.  B.  Lias  und  Dogger  auf  Korfu 
und  in  Epirus.  Verhandl.  d.  österr.  geol.  Reichsanst.  1907.  No.  4.  p.  77 — 81. 

Carl  Renz,  Sur  les  preuves  de  l’existence  du  Carbonifere  et  du 
Trias  dans  l'Attique.  Bull.  soc.  göol.  de  France.  1908.  (4.)  8.  p.  519 — 523. 

Carl  Renz,  Etudes  stratigraphiques  et  palöontologiques  sur  le  Lias 
et  le  Trias  en  Grece.  Bull.  soc.  geol.  de  France.  1909.  (4.)  9.  p.  249 — 273. 

Carl  Renz  , Der  Nachweis  von  Lias  in  der  Argolis.  Zeitschr. 
d.  deutsch,  geol.  Ges.  1909.  61.  p.  202 — 229. 

Carl  Renz,  Stratigraphische  Untersuchungen  im  griechischen 
Mesozoicum  und  Paläozoicum.  Jahrb.  d.  österr.  geol.  Reichsanst.  1910. 
60.  Heft  3.  p.  421-636. 

Carl  Renz,  Die  mesozoischen  Faunen  Griechenlands.  I.  Die  triadischen 
Faunen  der  Argolis.  Palaeontographica.  58.  p.  1 — 104. 

Carl  Renz,  Die  Insel  Ithaka.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1911. 
63.  p.  468—495. 

Carl  Renz,  Geologische  Exkursionen  auf  der  Insel  Lenkas  (Santa 
Maura).  Zeitschr.  der  deutsch,  geol.  Ges.  1911.  63.  Monatsber.  No.  5. 
p.  276-315. 

Carl  Renz,  Die  Entwicklung  und  das  Auftreten  des  Paläozoicums 
in  Griechenland.  Geologische  Rundschau.  1911.  2.  Heft  8.  p.  455—463 
und  Compte  Rendu.  XI.  Congr.  göol.  Internat.  Stockholm,  p.  1013 — 1019. 

Carl  Renz,  Über  den  Gebirgsbau  Griechenlands.  Zeitschr.  d.  deutsch, 
geol.  Ges.  1912.  64.  Monatsber.  No.  8.  p.  437 — 465. 

Carl  Renz,  Neuere  Fortschritte  in  der  Geologie  und  Paläontologie 
Griechenlands  mit  einem  Anhang  über  neue  indische  Dyasarten.  Zeitschr. 
d.  deutsch,  geol.  Ges.  1912.  64.  p.  530—630. 

1 Carl  Renz,  Über  den  Gebirgsbau  Griechenlands.  Zeitschr.  d.  deutsch, 
geol.  Ges.  64.  Monatsber.  8.  p.  437 — 465. 


22* 


340 


C Renz, 


Die  Nummuliten  erfüllen  die  obere  den  Flyscli  unterlagernde 
Partie  der  schwarzen  Kalke.  Die  schwarzen  Kalkmassen  reprä- 
sentieren daher  in  ihrem  oberen  Teil  eocäne  und  oberkretazische 
Äquivalente ; wie  weit  sie  nach  unten  zu  hinabreichen,  bleibt 
zunächst  noch  eine  offene  Frage.  A.  Philippson  1 gibt  zwar 
an,  daß  der  gleiche  mächtige  Kalkkomplex,  den  er  mit  dem 
zusammenfassenden  Namen  Tripolitzakalk  belegte , in  seinem 
unteren  Teile  weiß  und  dolomitisch  wird.  Diese  untere  Partie 
Philippson’s  ist  durch  meine  Untersuchungen  im  zentralen 
Peloponnes  als  Trias  erkannt  worden  und  zwar  handelt  es  sich 
um  lichte  Kalkmassen  oder  dolomitische  Kalke,  die  nach  ihrer 
ganzen  Physiognomie  ein  vollkommenes  Analogon  der  ionischen 
Dachsteinkalke  bilden.  Ebenso  kehren  auch  die  den  ionischen 
Dachsteinkalken  eigentümlichen  Gyroporellen  wieder. 

Ob  nun  die  Schichtenfolge  lückenlos  von  der  Oberkreide  bis  zum 
Dachsteinkalk  hinunterreicht,  oder  ob  eine  Sedimentationsunter- 
brechung eingetreten  ist,  muß  erst  die  weitere  Untersuchung  lehren. 

2.  Die  Überlagerung  der  schwarzen  Nummulitenkalke  bildet  der 
Flyscli1  2,  der  in  der  Gegend  von  Turniki  als  brauner  oder  dunkel- 
graugrüner  Sandstein,  oder  als  schwarzer  resp.  schwarzgrüner, 
gelbgrau  verwitternder  Schiefer  entwickelt  ist.  Die  äußere  petro- 
grapliische  Ähnlichkeit  mit  den  karbonischen  Schiefern  des  öst- 
lichen Hellas  ist  unverkennbar,  was  in  Anbetracht  der  nicht  weit 
unterhalb  Turniki  aufgeschlossenen  kristallinen  Schiefer  die  Er- 
klärung der  geologischen  Situation  sehr  erschwert.  Das  Alter  des 
Flyschzuges  von  Turniki  ist  indessen  einwandfrei  als  Eocän  fixiert. 

3.  Über  dem  Flyscli  folgen  als  tektonisch  anormale  Überlagerung 
hellgraue  bis  gelblichgraue,  meist  dünngeschichtete  Kalke,  denen 
bisweilen  auch  etwas  massigere  Partien  mit  Hornsteinnieren  ein- 
geschaltet sind.  Diese  Kalke,  die  die  Gipfelkappe  des  Malevos 
uud  voraussichtlich  auch  den  Kamm  des  Ktenias  bilden,  sind  außer- 
ordentlich intensiven  tektonischen  Einwirkungen  unterworfen  ge- 
wesen. Die  Kalkschichten  sind  im  einzelnen  stark  gewunden  und 
gequält,  meist  sogar  förmlich  zerknittert. 

Infolge  dieser  Zertrümmerung  und  Zerquetschung  der  ur- 
sprünglichen Lagen  werden  diese  Kalke  vollständig  von  weißem 
Kalkspatgeäder  durchsetzt. 

An  der  Überlagerungsgrenze  der  Schiefer  zum  Kalk , die 
einer  tektonischen  Grenze  entspricht,  macht  sich  das  Vorkommen 
zahlreicher  Brocken  von  rotem  Hornstein  und  Plattenkalk  bezw. 
Kalkschiefer  bemerkbar. 

1 A.  Philippson,  Der  Peloponnes.  Berlin  1892. 

* Über  die  Faziesgrenze  vergl.  auch  A.  Philippson,  Der  Peloponnes, 
p.  399—400.  Nach  dem,  was  ich  bis  jetzt  gesehen  habe,  glaube  ich  nicht, 
daß  zwischen  Flyscli  und  Tripolitzakalk  eine  tektonische  Discordanz 
vorliegt. 


Geologische  Studien  im  Artemisiongebirge  etc. 


341 


Dem  ganzen  Habitus  der  Malevosgipfelkalke  nach  hat  man 
es  mit  mesozoischen  Kalken  zu  tun,  und  zwar  mit  Kalken,  die 
in  ähnlicher  Beschaffenheit  in  den  karnisch-unternorischen  Stufen 
der  Argolis  oder  im  Olonos  Vorkommen.  Andererseits  treten  aber 
derartige  Kalke  in  Hellas  auch  sonst  noch  im  Jura  auf.  A.  Philippson 
kartierte  diese  Kalke  als  „Olonoskalke“.  In  seinen  ersten  Arbeiten 
betrachtet  er  diese  Kalkentwicklung  als  Überlagerung  des  Flysches, 
also  als  Obereocän — Oligocän,  später  rückte  er  sie  tiefer. 

Daß  es  sich  nicht  um  eine  einfache  Überlagerung  des  eocänen 
Flysches  handelt,  geht  schon  aus  ihrer  viel  stärkeren  tektonischen 
Beeinflussung  im  Gegensatz  zu  dem  relativ  ruhiger  lagernden  Flyscli 
hervor.  Es  ist  auch  ausgeschlossen,  daß  der  Flyscli  des  Artemision- 
gebirges normal  und  lokal  von  einer  Kalkdecke  überlagert  sein 
sollte , denn  allenthalben  in  Hellas  liegt  zwischen  Flysch  und 
Neogen  eine  scharf  ausgeprägte  Diskordanz  und  nirgends  in 
Griechenland  kommen  sonst  im  jüngeren  Tertiär  derartige  Kalke 
vor.  Der  obere  Kalk  des  Halevos  dürfte  daher  als  iiberscliobene, 
tektonisch  anormale  Überlagerung  der  autochtonen  Flyschgesteine, 
Nnmmnliten-  nnd  Bndistenkalke  angesprochen  werden.  Er  bildet 
eine  vermutlich  von  Osten  herbeigeschobene  Decke  auf  dem  Flysch, 
deren  Fortsetzung  gegen  Westen  eventuell  in  der  Olonos-Pindoszone 
endigen  dürfte.  Die  Hauptschwierigkeit  einer  solchen  Erklärung 
liegt  zunächst  noch  darin,  daß  mir  zurzeit  eine  genauere  Kenntnis 
der  anschließenden  zentralen  Gebirgsglieder,  sowie  der  nördlichen 
und  südlichen  Fortsetzung  fehlt.  Es  handelt  sich  zunächst  nur 
um  eine  vorläufige  Erkundung  und  tektonische  Hypothese. 

Außer  dem  Durchschnitt  Argos-Malevosgipfel  kenne  ich  nur 
noch  die  Bahnfahrt  von  Myli  nach  Tripolitza. 

Ferner  fehlt  vor  allem  auch  der  rückwärtige  Zusammenhang 
mit  den  Gebirgen  der  Argolis,  denn  die  argolische  Halbinsel  wird 
durch  einen  breiten  mit  Neogen  und  Alluvium  erfüllten  Graben 
von  den  arkadischen  Gebirgen  geschieden.  Auch  nach  Westen  zu 
geht  das  Profil  nicht  lückenlos  weiter,  sondern  wird  durch  das 
Liwadi  von  Tripolitza  unterbrochen.  Die  wenigen  mit  Sicherheit 
gemachten  Beobachtungen  sind  ihrerseits  wieder  durch  so  aus- 
gedehnte unbekannte  Räume  getrennt,  daß  ihre  Verknüpfung  leicht 
zu  Fehlschlüssen  führen  kann.  Nach  A.  Philippson,  dessen 
Beobachtungen  hier  ergänzend  eintreten,  herrschen  die  gleichen 
Lagerungsverhältnisse  sonst  noch  überall  im  zentralen  und  öst- 
lichen Peloponnes  (exkl.  Argolis). 

Die  schwarzen  Nummuliten-  und  Rudistenkalke,  für  die  ich 
in  der  dementsprechend  eingeschränkten  Vertikalausdehnung  die 
Bezeichnung  Tripolitzakalke  beibehalte , gehören  als  reguläre 
llnterlagerung  des  Flysches  von  Turniki  der  iiberschobenen  Unter- 
lage an.  Falls  die  Angaben  Philippson’s  über  den  lückenlosen 
Vertikalumfang  seiner  Tripolitzakalke  richtig  sind,  wären  auch  die 


342 


C.  Renz. 


von  mir  nachgewiesenen  weißen  Gyroporellenkalke  von  Alepocheri 
und  im  Süden  des  Chans  Bakuri  (Straße  Tripolitza  — Sparta)  gleich- 
falls dem  Substratum  zuzuweisen. 

Nach  diesem  allgemeinen  Überblick  über  die  Schichtenfolge 
komme  ich  zur  eigentlichen  Beschreibung  meiner  Besteigung  des 
Male  vosgipf  eis. 

Das  armselige  Bergdorf  Turniki  liegt  an  den  steilen  Nord- 
hängen des  Artemisiongebirges  und  zwar  auf  einer  etwas  sanfter 
geneigten  Terrainstufe  des  Flysches.  Unterhalb  des  Dorfes  tritt 
unter  dem  Flysch  der  schwarze  Nummulitenkalk  hervor,  der  von 
den  Hängen  des  Malevos  herüberzieht,  aber  durch  die  tiefe  Schlucht 
des  Xerias-Oberlaufes  zwischen  Dorf  und  Malevosberg  tief  einge- 
schnitten wird. 

Über  Turniki  und  dem  Flyschzug  steigt  der  schroffe  Kalk- 
kamm des  Artemisiongebirges  oder,  wie  es  heute  heißt,  Ktenias- 
gebirges,  mit  zerklüfteten  Wänden  empor. 

Der  höchste  Punkt  dieses  schartigen  Grates  ist  der  Klotz 
des  Ktenias,  von  dem  auch  ein  Schuttfeld  gegen  das  Dorf  herab- 
zieht. Der  Kalk  des  Ktenias-Kammes  ist  der  Fernsicht  nach  mit 
den  Malevosgipfelkalken  ident. 

Im  Norden  des  Dorfes  ist  die  schon  erwähnte  tiefe  Schlucht 
eingerissen,  die  von  dem  Joch  zwischen  dem  Hauptkamm  und  dem 
diesem  vorgelagerten  noch  höheren  Malevosgipfel  herabkommt. 
Der  Malevosgipfel  wird  hierdurch  von  dem  eigentlichen  Kamm 
losgelöst  und  ist  der  Kette  im  Osten  vorgelagert. 

Der  Siidhang  des  Malevos  ist  mit  lichtem  Tannenwald  be- 
standen. Eine  mehr  zusammenhängende  Tannenzone  folgt  etwa 
der  halben  Höhe  des  Abhanges. 

Der  Flysch  unterhalb  Turniki  besteht  aus  blaugrauen,  gelb 
verwitternden  Schiefern  und  untergeordneten  Sandsteinen ; auch 
schwarze  bis  dunkeigraugrüne  Schieferpartien  wurden  beobachtet. 
Der  Flysch  liegt,  wie  gesagt,  über  dem  schwarzen  Nummuliten- 
kalk und  fällt  45°  nach  Süden.  Der  Nummulitenkalk  bildet  den 
Südflügel  eines  Kalkgewölbes,  das  am  Südhang  des  Malevos  bloß- 
gelegt ist.  Von  diesem  zweigt  sich  unterhalb  Turniki  keilhorst- 
förmig eine  aus  dem  Flysch  heraustretende  Kalkzunge  gegen  Süden 
zu  ab.  Auch  der  eigentliche  schwarze  Kalk  des  Malevos  setzt 
sich  nach  Süden  zu  fort.  Südöstlich  des  Dorfes  ist  noch  ein 
spitzes  Kalkküppchen  aus  dem  Schiefer  herauserodiert. 

Der  Weg  auf  den  Malevos,  oder  wie  ihn  die  Einheimischen 
auch  nennen,  den  Artemisiongipfel  zieht  zunächst  gemeinsam  mit 
dem  nach  Tsipiana  führenden  Pfad  an  den  Nordhängen  des  Ktenias- 
kammes  im  Flysch  hinauf  zu  dem  schon  erwähnten  Joch  zwischen 
Malevosgipfel  und  dem  Hauptkamm.  Kurz  vor  diesem  Joch  tritt 
unter  dem  Flysch  im  obersten  Teil  der  Xerias-Schlucht  der 
Nummulitenkalk  des  Malevos-Südhanges  hervor.  Der  Flysch  streicht 


Geologische  Studien  im  Artemisiongebirge  etc. 


343 


liier  von  Westen  nach  Osten  und  fällt  mit  20°  nach  Süden.  Es 
hat  zum  Teil  den  Anschein , als  oh  der  Flyscli  mit  mächtigen 
Nummulitenkalkbänken  wechsellagern  würde.  Es  handelt  sich  aber 
wohl  nur  um  Querbriiche.  Der  Nummulitenkalk  bildet,  wie  gesagt, 
den  Siidfliigel  eines  Gewölbes,  das  am  Südhang  des  Malevos  durch 
die  zwischen  Malevos  und  Turniki  hinabziehende  obere  Xerias- 
Schlucht  aufgeschlossen  wird.  Oben  unter  den  Gipfelkalken  dürfte 
annähernd  der  Scheitelpunkt  liegen. 

Ueber  dem  Südflügel  des  den  Nummulitenkalk  überlagernden 
Flyschzuges  von  Turniki  erhebt  sich  dann  die  Kalkmasse  des 
Hauptkammes,  die  vom  Tsipiana-Weg  in  einem  tief  eingekerbten 
Paß  überquert  wird.  Von  dem  Joch  zwischen  Malevosgipfel  und 
Hauptkamm  aus  führt  die  ■ Anstiegsroute  zum  Gipfel  zunächst  an 
dessen  West-  und  später  an  dessen  Siidhang  hinauf.  Anfangs 
geht  es  über  Schutt  und  lockeres  Geröll  des  Deckkalkes,  der  viel- 
leicht auch  den  Untergrund  bildet  und  mit  dem  des  Hauptkammes 
zusammenhängt.  Dann  kommt  Flyscli,  der  bei  der  Kamarisquelle 
(westlich  unter  dem  Malevosgipfel)  Nummulitenkalkblöcke  enthält. 
Der  kaum  kenntliche  Ziegenpfad  zieht  von  hier  nach  Südosten  zu 
an  der  Grenze  zwischen  dem  Flyschzug  und  dem  Malevosgipfel- 
kalk  scharf  aufwärts. 

Oben  auf  der  Südseite  des  Gipfels  über  einer  im  Nummuliten- 
kalk liegenden  Höhlenkapelle  verringert  sich  die  Flysclizone  zwischen 
dem  schwarzen  Nummulitenkalk  und  dem  lichten  Gipfelkalk  außer- 
ordentlich stark,  stellenweise  bis  zu  einem  ganz  schmalen  Streifen. 
Die  gequetschten  Schiefer  streichen  hier  N 50  — 60  Ost  und  fallen 
HO0  nach  Nordwest  (obs.). 

Der  Flyschsaum  auf  der  Südseite  des  Malevosgipfels  wird 
von  den  schwarzen  klotzigen  Nummulitenkalkeu  in  der  regulären 
Schichtenfolge  unterlagert.  Auch  diese  liegenden  Kalke  sind  östlich 
unterhalb  des  Gipfels  stark  gepreßt,  die  darin  befindlichen  Num- 
muliten  wurden  durch  den  Gebirgsdruck  gequetscht  und  zum  Teil 
in  lange,  im  Durchschnitt  wurmartig  erscheinende  Bänder  aus- 
gewalzt und  ausgefaltet.  An  der  Grenze  gegen  den  Deckkalk 
finden  sich  an  der  Süd-  wie  an  der  Westseite  des  Gipfels  die 
schon  erwähnten  häufigen  Brocken  von  rotem  Hornstein  und  Platten- 
kalk, Gesteine,  die  hier  sonst  nirgends  anstehen. 

Den  eigentlichen  Artemisiongipfel  bildet  ein  auf  den  Flyscli 
geschobener  mächtiger  Felsklotz  mit  steil  abfallenden , mauer- 
artigen, zerklüfteten  Wänden,  der  gegen  Osten  zu  mit  dem  Kalk 
der  nördlichen  Xerias-Talseite  Zusammenhängen  dürfte,  so  weit  es 
sicli  nach  der  Fernsicht  beurteilen  ließ.  Ich  bin  wohl  der  erste 
Geologe  gewesen,  der  diesen  1772  m erreichenden  Kulminations- 
punkt des  Artemisiongebirges  bestiegen  hat. 

Die  Kalke  der  Malevos-Gipfelkuppe  sind  grau , bisweilen 
plattig,  enthalten  aber  auch  massigere  Zwischenlagen.  Auf  der 


344 


C.  Renz, 


Südwestseite  stehen  die  Gipfelkalke  senkrecht,  sind  aber  stark  ge- 
quält und  gewunden.  Oben  auf  dem  Grat,  westlich  der  Gipfel- 
pyramide, streicht  eine  dickbankige  Lage  grauen  Kalkes  mit  rot- 
braunen Hornsteinnieren  N 60  W und  fällt  steil  nach  NO  (obs.). 
An  der  Gipfelpunktpyramide  wurde  das  Fallen  mit  60  0 nach  West 
gemessen.  Hier  am  Gipfel  handelt  es  sich  um  geschichtete,  plat- 
tige, graugelbe  Kalke,  durchsetzt  von  weißem  Kalkspatgeäder. 

Als  First  des  mauerartigen  Kammes  erscheint  eine  massigere, 
grauweiße  Kalklage  mit  spärlichen  Hornsteinfladen  und  mit  zahl- 
reichen weißen,  unregelmäßig  verlaufenden  Kalkspatadern  (obs. 
Streichen  N 20  Ost;  Fallen  steil  West). 

Schon  durch  ihre  starke  tektonische  Zertrümmerung  und  Zer- 
rüttung und  ihre  senkrechte  Aufrichtung  bezw.  ihrer  gänzlich 
verschiedenen  Lagerung  im  Verhältnis  zu  ihrer  Flyschunterlage 
geben  sich  diese  lichten  Deckkalke  des  Malevos  als  überschobene 
Decke  zu  erkennen. 

Auf  der  Südseite  des  Gipfels  ist  die  Flyschzone  bis  auf  einen 
ganz  schmalen,  oft  kaum  mehr  erkennbaren  Streifen  zusammen- 
geschrumpft. Von  der  Ferne  sieht  es  so  aus,  als  würde  der  Deck- 
kalk unmittelbar  dem  schwarzen  Nummulitenkalk  des  Malevos- 
Südhanges  auflagern. 

Die  Kalke  des  Ktenias-Kammes  dürften  den  Malevosgipfel- 
kalken  entsprechen  und  ihre  weitere,  durch  das  obere  Xerias-Tal 
und  das  Joch  zwischen  Malevosgipfel  und  Ktenias-Kamm  unter- 
brochene Fortsetzung  darstellen.  Derartige  tektonische  Verhält- 
nisse ließen  sich  in  den  griechischen  Schollengebirgen  natürlich 
auch  durch  Horst-  und  Bruchbildung,  d.  h.  Schollenhebungen  und 
-Senkungen  erklären.  Ich  selbst  habe,  wie  gesagt,  bisher  erst  ein 
kleines  Stück  der  arkadischen  Gebirge  kennen  gelernt;  ich  ver- 
lasse mich  aber  bei  der  geäußerten  Ansicht  auf  die  Beobachtungen 
und  Kartierungen  Philippson’s,  nach  dem  überall  in  den  zentral- 
und  ostpeloponnesisclien  (exkl.  argivisclien)  Gebirgen  den  Malevos- 
gipfelkalken  entsprechende  Kalke  dem  Flysch  auflagern  und  über- 
haupt allerorts  in  dem  weiten,  in  Betracht  kommenden  Gebiet  die 
gleiche , nur  stratigraphisch  anders  gedeutete  Schichtenfolge 
vorliegt. 

Der  Routenbeschreibung  A.  Philippson’s  1 von  Turniki  nach 
Argos  ist  nicht  mehr  viel  zuzufügen. 

Unterhalb  von  Turniki  führt  der  Weg  durch  Flysch  in  den 
schon  erwähnten  teilweise  hervortretenden  Nummulitenkalk,  über- 
quert dann  den  Südflügel  des  Kalkgewölbes , der  vom  Malevos 
herüberzieht  und  steigt  an  dessen  steilen  Hängen  hinab  zum  Xerias- 
Tal.  Unten  gelangt  man  in  den  schon  von  Philippson  angegebenen 
Glimmerschiefer,  der  vielfach  weiße  Quarzlagen  enthält  (Streichen 


1 A.  Philippson,  Der  Peloponnes.  Berlin  1892.  Mit  geologischer  Karte. 


Geologische  Studien  im  Artemisiongebirge  etc.  345 

unten  im  Bachtal  N 30  Ost;  Fallen  45°  nach  Südsüdost).  Zwi- 
schen dem  Glimmerschiefer  und  dem  schwarzen  Kalk,  der  in  seinen 
tieferen  Partien  hier  auch  Rudisten  führt,  läuft  eine  scharf  mar- 
kierte tektonische  Grenze  hindurch.  An  der  Bruchlippe  er- 
scheinen auch  Breccien  der  weißgrauen  Triaskalke  von  der  Aus- 
bildung, wie  sie  bei  Alepochori  im  zentralen  Peloponnes  Vorkommen. 
Die  stratigraphische,  wie  tektonische  Stellung  dieses  Glimmer- 
schiefers bedarf  entschieden  noch  weiterer  Aufklärung  und  es  ist 
zu  hoffen,  daß  die  Untersuchung  der  gleichen  Gesteine  an  der 
Ziria  und  im  Parnon  die  Lagerungsverhältnisse  besser  erkennen 
lassen  wird,  so  daß  man  dann  nach  Analogieschlüssen  auch  die 
Stellung  der  Glimmerschiefer  im  Xerias-Tal  wird  bestimmen  können. 

Im  Anschluß  hieran  sei  noch  erwähnt,  daß  die  Kalke  des 
Burgberges  von  Argos  wohl  ebenfalls  der  Obertrias  angehören; 
sie  gleichen  in  ihrem  Habitus  sowohl  den  Dachsteinkalken  der 
Argolis,  wie  auch  den  schon  mehrfach  erwähnten  Kalken  von 
Alepochori.  Zu  einer  genaueren  Untersuchung  der  örtlichen  Ver- 
hältnisse bin  ich  leider  noch  nicht  gekommen. 

Unterhalb  der  Burg  fand  ich  jedoch  in  den  lichtgrauen  Kalken 
Korallenreste. 

Der  allein  vorhandene  Längsschliff  der  am  besten  erhaltenen 
Art  erinnert  sehr  an  Spongiomorpha  acyclica  Frech. 

Es  bleibt  dabei  allerdings  zu  berücksichtigen,  daß  Astraeo- 
morpha  crassisepta  Frech  im  Längsschliff  eine  sehr  ähnliche  Struk- 
tur aufweist. 

Der  Längsschliff  der  vorliegenden  Art  des  Burgberges  von 
Argos  zeigt  jedoch  eine  feinzelligere  Struktur,  als  der  der  A.  crassi- 
septa Frech  und  ist  auch  noch  etwas  feinzelliger,  als  der  der 
Spongiomorpha  acyclica.  Für  die  Altersbestimmung  des  Kalkes  von 
Argos  ist  diese  Erwägung  nebensächlich,  da  beide  in  Frage  kom- 
menden Korallentypen  in  der  Obertrias  auftreten.  Aus  den  ober- 
triadischen  Kalken  Hydras  kenne  ich  übrigens  ebenfalls  derartige 
Abarten  der  Sp.  acyclica  Frech,  bei  denen  die  Skelettelemente  feiner 
ausgebildet  sind. 

Typische  Exemplare  der  Spongiomorpha  acyclica  Frech  fand  ich 
in  Griechenland  sonst  noch  in  den  hellgrauen  Obertriaskalken  des 
Korombiligebirges , die  die  westliche  Fortsetzung  des  Kithaeron 
darstellen.  Diese  Spongiomorphidenkalke  des  Korombili  stimmen 
auch  in  ihrer  petrographischen  Entwicklung  vollkommen  mit  den 
betreffenden  Kalken  des  Burgberges  von  Argos  überein. 

Zusammenfassung. 

Die  Schichtenfolge  im  Artemisiongebirge  besteht  nur  aus  we- 
nigen Gliedern.  Diese  Glieder  sind  von  unten  nach  oben: 

1.  Schwarze  Kalke  von  großer  Mächtigkeit  mit  Rudisten 
(Hippuriten  und  Radioliten)  und  Nummuliten,  xmd  zwar  erfüllen 


346 


Fr.  v.  Maröes, 


die  letzteren  die  obere  Grenzzone  der  dunkeln  Kalkmassen,  'wäh- 
rend die  Rudistenführenden  Partien  ein  tieferes  Niveau  einnelimen. 

2.  Flysch,  in  der  gewöhnlichen  Entwicklung  des  griechischen 
Eocänftysches,  als  sich  anschließendes,  nächst  höheres  Glied  der 
Schichtenreihe. 

3.  Lichte,  meist  hellgraue  und  dünngeschichtete  Kalke,  z.  T. 
mit  Hornstein,  als  tektonisch  anormale  Überlagerung. 

Paläontologisch  ist  das  Alter  dieser  Kalke  im  eigentlichen 
Artemisiongebirge  noch  nicht  bestimmt,  doch  sind  sie  jedenfalls 
älter,  als  der  darunterliegende  Eocänflysch  und  noch  tiefere  Num- 
muliten-  und  Rudistenkalk. 

In  der  Argolis  treten  in  der  Obertrias  (z.  T.  aber  auch  im 
höheren  Jura)  ähnliche  Gesteinsvarietäten  auf.  Festgestellt  ist  die 
Trias  in  dem  hier  besprochenen  Gebiet  bis  jetzt  nur  in  den 
Kalken  des  Burgberges  von  Argos.  Die  hellgrauen  Kalke  von 
Argos  führen  spärlich  verteilte,  obertriadische  Korallen. 

Zu  erwähnen  ist  noch  ein  engbegrenztes  Vorkommen  von  kri- 
stallinen Gesteinen  im  mittleren  Xerias-Tal,  jedoch  lassen  sich  an 
diesem  Aufschluß  die  Lagerungsverhältnisse  zu  den  angrenzenden 
Schichtengliedern  nicht  erkennen. 

Entsprechend  der  in  Griechenland  beobachteten  tektonischen 
Allgemeinbewegung  handelt  es  sich  auch  im  Artemisiongebirge  um 
eine  nach  Westen  überschlagene  Überschiebungsscholle  von  nicht 
allzugroßer  Förderungsweite.  Die  Triasgesteine,  die  die  mesozoische 
Decke  wohl  hauptsächlich  zusammensetzen , treten  in  normaler 
Lagerung  in  geringer  Entfernung  in  der  Argolis  auf. 

Die  überschobene  Unterlage  bilden  im  Artemisiongebirge  Flysch- 
gesteine  mit  ihrem  regulären  Liegenden,  den  schwarzen  Nummu- 
litenkalken,  die  in  gleicher  Fazies  noch  in  die  Kreide  hinunter- 
reichen. 


Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von  Sarstedt. 

Von  Friedrich  v.  Marees. 

Mit  einer  geologischen  Skizze. 

Im  Norden  von  dem  Orte  Sarstedt,  der  an  der  Bahnlinie 
Hannover-Hildesheim  und  an  der  Innerste,  kurz  vor  ihrer  Mündung 
in  die  Leine,  liegt,  erhebt  sich  aus  dem  Flachland  eine  Gruppe 
von  Höhenzügen  und  Hügelreihen,  deren  Westabhänge  von  Ge- 
bilden des  Jura  und  der  Kreide  bedeckt  sind.  Das  Liegende  des 
Jura  bildet  die  gesamte,  regelmäßig  abgelagerte  Trias,  die,  wie 
schon  anderen  Orts 1 darzustellen  versucht  worden  ist,  den  Kern 
für  eine  N — S streichende  sattelartige  Erhebung  bildet,  die  seitlich 
im  Osten  und  Westen  von  jüngeren  Schichten  flankiert  ist. 


v.  Maries,  Kali.  1913.  Heft  2. 


Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von  Sarstedt. 


347 


Der  Jura. 

Auf  der  Oberfläche  dieser  Höhenzüge  zeigt  sicli  der  Jura 
konkordant  dem  Keuper  auflagernd  als  schmaler  Streifen,  von  N 
nach  S streichend.  Die  wenigen  Fundpunkte  ließen  im  südlicheren 
Teil  die  Amaltheen-Tone  und  die  Numismalis-Mergel,  weiter  nach 
Norden,  in  der  Umgegend  von  Össelse,  strichweise  die  Posidonien- 


schiefer  des  Lias  und  schließlich  noch  die  Opalinus- Tone  des  Dogger 
feststellen.  Hoyek1  hat  nur  wenige  der  untersuchten  Fundpunkte 
beschrieben,  ebenso  Brauns  2.  Dagegen  ist  der  östliche  Abhang 
der  Höhen  schon  in  den  60er  Jahren  bei  Gelegenheit  eines  Bahn- 
baues ausgiebig  untersucht  worden.  Schloenbach  3,  von  Seebach  4, 
und  besonders  Credner5  haben  gefunden,  daß  der  Jura  hier  mit 
den  Schichten  des  Lias : Zone  des  Ammonites  ziphus,  Zone  des  Am. 

1 Hoyer,  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1912. 

2 Brauns,  Der  untere  Jura.  1879.  p.  82. 

3 Schloenbach,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1863.  p.  165;  Zeitschr.  d D. 
Geol.  Ges.  1863.  p.  465. 

4 von  Seebach,  Der  Hannov.  Jura.  1864.  p.  21. 

5 Credner,  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1865.  p.  242. 


348 


Fr.  v.  Marees, 


capricornu  und  des  Am.  amaltheus,  dann  durch  die  Posidonienschiefer 
und  Jurensis-Mergel  vertreten  ist.  Diesen  folgen  noch  vom  Dogger 
die  Opalinus-  und  Polyplocus- Tone  bis  zum  Hilston. 

Hiernach  scheint  es,  daß  die  Ausbildung  des  Jura  auf  beiden 
Abhängen  übereinstimmt  und  daß  der  Jura  im  Lias  in  allen  Stufen, 
im  Dogger  jedoch  nur  bis  zu  den  Polyplocus- Tonen  zutage  tritt. 
Es  liegt  aber  die  Vermutung  nahe,  besonders  da  die  Zahl  und 
Ausdehnung  der  westlichen  Fundpunkte  noch  sehr  gering  ist,  daß 
der  Dogger  örtlich  z.  T.  gar  nicht  oder  z.  T.  noch  weiter  aus- 
gebildet ist. 

Die  Kreide. 

Der  beträchtlichste  Teil  der  Höhenabhänge  nach  der  Leine 
hin  wird  von  der  Kreide  eingenommen.  Es  war  mir  möglich,  in 
einer  größeren  Zahl  neuer,  tiefer  Ton-  und  Mergelgruben  auf  einem 
breiten  Streifen  von  Össelse  bis  zum  Moorberg  die  untere  Kreide 
zu  untersuchen  und  festzustellen,  daß  am  Moorberg,  z.  T.  abweichend 
von  den  älteren  Funden  von  Hoyer  1 und  v.  Koenen1 2.  die  Kreide 
mit  der  Valendis-Stufe  (Z.  d.  Olcosteplianus  Keyserlingi)  unten  be- 
ginnend bis  zum  unteren  Apt  (Z.  d.  Hoplites  Weissi ) vorhanden  ist. 

Auch  die  in  nächster  Nähe  von  Sarstedt  ganz  steil  stehenden, 
z.  T.  feingescliieferten,  sonst  aber  den  übrigen  Schichten  gleich- 
artigen Tone,  Tonsteine,  Mergel  usw.  gehören  nach  den,  wenn 
auch  spärlichen  Fossilfunden  jedenfalls  dem  tieferen  Neocom  oder, 
wie  Salfeld  3 vermutet,  dem  oberen  Hauterive  und  unteren  Barreme 
an.  Hier  bildet  das  Liegende  über  Tage  Tertiär  und  Diluvium, 
das  Hangende  Plänerkalk. 

Auf  dem  Streitberg  bei  Össelse  fand  ich  weiter  den  ganzen 
Gault  vom  Milletianus-Ton  an  aufwärts  bis  zum  Minhnus-Tou.  Der 
von  Hoyer  beobachtete  Flammenmergel  war  weder  hier  noch  im 
Süden  zu  finden. 

Auffallend  deutlich  ist  die  Grenze  gegen  den  festen,  weißen 
Plänerkalk,  der  sich  dicht  bei  Sarstedt  als  scharfe  Geländekante 
erhebt.  Hier,  in  den  großen  Steinbrüchen  des  Dehn-  und  Stein- 
berges und  am  Kipphut  fand  sich  Cenoman  und  Turon,  und  zwar 
von  den  Rhotomagensis-Schichte.n  (nach  Salfeld  (a.  a.  0.)  von  den 
Fanaws-Schichten)  aufwärts  bis  zu  den  Brongniarti- Plänern,  so  daß 
zunächst  allgemein  Flammenmergel  und  Tourtia,  besonders  dicht 
bei  Sarstedt  aber  auch  höchst  wahrscheinlich  der  größte  Teil  des 
Apt  und  Gault  überhaupt  fehlt. 

Fast  unmittelbar  auf  dem  unter  40 — 45°  einfallenden  hellen 
Kalk  liegt  fast  söhlig  Senon.  Es  bildet  den  Westabhang  des 
Bocksberges  und  des  Wehmberges  hier,  des  Radiah  bei  Gleidingen. 

1 Hoyer,  Zeitschr.  d.  D.  Geol.  Ges.  1902. 

2 v.  Koenen,  Abhandl.  d.  Geol.  Landes-Anst.  N.  F.  Heft  24. 

Salfeld,  Jahrb.  d.  Niedersächs.  Geol.  Ver.  1909. 


Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von  Sarstedt. 


349 


Die  ausgedehnten  Fundpunkte  stellen  das  untere  Senon  von  der 
Z.  d.  Am.  clypealis  bis  zu  den  Quadraten-Scliichten  dar.  Höhere 
Stufen  sind  nicht  mehr  vorhanden,  ebenso  keine  tieferen,  so  daß 
offenbar  oberes  Turon  und  Emscher  fehlen.  Während  das  Senon 
am  Bocksberg  auf  dem  Pläner  liegt,  scheint  es  am  Radiah  die 
Schichten  des  Gault  auffallend  diskordant  zu  überlagern. 

Diese  eigentümlich  ausgebildeten  Vorkommen  von  Jura  und 
Kreide  liegen  im  Norden,  am  äußersten  Rand  der  Höhen  flach, 
fast  söhlig,  am  Moorberg  stehen  sie  schon  wesentlich,  fast  um 
15 — 20°,  steiler.  Hier  nimmt  ihr  Streichen  jedoch  eine  stark 
nach  W — 0 umbiegende  Richtung  an,  das  bei  Sarstedt  in  unterer 
und  oberer  Kreide  in  8 h steht.  Das  Einfallen  der  unteren  Kreide 
schwankt  dabei  zwischen  50  und  90  °.  Fast  ungestört  liegt  nur 
das  Senon. 

Die  eigenartige  Ausbildung  des  Jura,  die  auch  in  der  näheren 
Umgebung  von  Hannover  und  im  Braunschweigischen  vielerorts  in 
der  verschiedensten  Ausdehnung  beobachtet  ist,  läßt  zunächst  ver- 
muten, daß  der  Ablagerung  der  unteren  Kreide  heftige  Abrasionen 
vorangegangen  sind  (wie  sie  anderwärts  in  der  weiteren  Umgebung 
zweifellos  stattgefunden  haben).  Da  aber  die  untere  Kreide, 
frühestens  die  Valendis-Stufe  ihre  Sedimente  diskordant  dem  Jura 
auflagerte,  und  ferner  in  diesen  untersten  Kreideschichten  keine 
Spur  von  Strandgebilden  zu  finden  ist,  wird  zunächst  der  Jura 
kaum  weiter,  als  er  zutage  tritt,  ausgebildet  gewesen  sein.  Ferner 
hat  er  jedenfalls  bis  zur  Valendis-Stufe  trocken  gelegen,  d.  li.  er 
hat  eine  flache  Insel  gebildet,  die  erst  später  vom  Kreidemeer  über- 
flutet wurde. 

Die  Kreide  lagerte  dann  ihre  Sedimente  in  fast  ungestörter, 
wenn  auch  eigenartiger  Gestalt  bis  zum  Minimus- Ton  des  Gault 
ab.  Die  nächstbenachbarten , höheren  Schichten  gehören  schon 
der  Cenomanzeit  an,  und  zwar  frühestens  den  Fanaws-Schichten. 
Es  fehlte  Flammenmergel  und  Tourtia,  diese  jedoch  nur  am  Stein- 
berg. Am  Südabhang  des  Dehuberges  liegt  der  Pläner  selbst  auf 
Barreme  oder  auf  Hauterive.  Hier  tritt  die  Diskordanz  in  der 
Lagerung  besonders  deutlich  hervor.  Die  untere  Kreide  hat  ein 
Einfallen  bis  zu  90°,  die  hangende  obere  bis  höchstens  45°. 
Weiter  nach  Norden,  sowie  auf  dem  ganzen  Ostabhang  und  in  der 
nächsten  Nähe  überhaupt  ist  hier  keine  Spur  von  Pläner  mehr 
zu  finden. 

Zunächst  ist  der  Plänerzeit  jedenfalls  eine  Zeit  starker,  un- 
gleichmäßiger Abrasionen  voranfgegangen,  durch  die  bei  Sarstedt 
ein  Becken  besonders  vertieft  worden  ist,  indem  die  wenig  wider- 
standsfähigen und  leicht  transportierbaren  Tone  und  Mergel  stark 
erodiert  sind.  Es  scheint  die  untere  Kreide  somit  auf  der  ganzen 
Linie  im  N und  S gleichartig  ausgebildet  vorhanden  gewesen  zu  sein. 


350  Fr.  v.  Marees,  Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von  Sarstedt. 

Dem  Pläner  liegt  weiter  das  Senon  mit  den  Schichten  des 
Am.  clypealis  auf.  Ferner  findet  sich  das  Senon  mit  der  gleichen 
Zone  bei  Gleidingen  auf  den  Tonen  des  Gault  gänzlich  flach. 
Strandschotter  aus  dem  Pläner  z.  B.  sind  auch  hier  und  am  Bocks- 
berg nicht  zu  finden,  so  daß  Abrasionen  größerer  Ausdehnung  der 
sehr  festen  Kalke  stattgefunden  haben  können. 

Daraus  ergibt  sich  zunächst,  daß  vom  Turon  Scaphiten-  und 
Cuvieri-Pläner,  vom  Senon  der  Emscher  vollkommen  fehlen  und 
offenbar  gar  nicht  zur  Ablagerung  gekommen  sind.  Ferner  ergibt 
sich,  daß  der  Pläner  sich  nur  in  der  engen  Bucht  und  nur  bis  zu  den 
Brongniarti- Plänern  abgesetzt  hat.  In  die  jetzige  Lage  ist  er  erst 
durch  spätere,  hier  besonders  heftige  Bewegungen  gelegt  worden. 

In  der  Zeit  vom  Brongniarti- Pläner  bis  zum  mittleren  Unter- 
senon  (Am.  clypealis ) herrschte  also  wieder  z.  T.  Festland , das 
von  dem  flachen  Senonmeer  noch  einmal  bis  zur  Quadratenkreide 
bedeckt  wurde.  In  dieser  und  der  folgenden  Zeit  war  scheinbar 
wieder  Ruhe  in  der  Bewegung  des  Meeresbodens,  denn  das  Senon 
scheint  noch  jetzt  in  seiner  ursprünglichen  Lagerung  zu  verharren. 

Aus  dieser  eigenartig  unterbrochenen  Reihenfolge  bei  der 
Sedimentation  der  vorhandenen  Gebirgsschichten  kann  man  auf 
eine  Folge  von  Gebirgsbewegungen,  Hebungen  und  Senkungen 
schließen,  die  beim  Aufbau  der  gesamten  Höhenztige  und  besonders 
bei  der  Hebung  des  von  mir  schon  kurz  beschriebenen  „Salz- 
horstes“ (a.  a.  0.)  eine  nicht  unwesentliche  Rolle  gespielt  haben. 

Die  ersten  Anzeichen  einer  Hebung  des  Meeresbodens  machten 
sich  in  vorneocomer  Zeit,  oder,  nach  den  Angaben  oben,  kurz  nach 
dem  unteren  Dogger  bemerkbar.  Die  Aufwölbung  war  nur  gering, 
aber  auf  der  ganzen  Linie  fast  gleichmäßig.  Die  nächste  Be- 
wegung erfolgte  nach  dem  Gault  oder  in  vorcenomaner  Zeit.  Auch 
sie  war  nicht  erheblich  groß.  Die  starke,  auffallende  Diskordanz 
ist  jedenfalls  erst  durch  ein  plötzliches  Absinken  hervorgerufen, 
das  besonders  in  der  Nähe  von  Sarstedt  örtlich  sehr  heftig  ge- 
wesen seiu  muß. 

Während  im  Norden  kaum  noch  Bewegungen  von  jetzt  ab 
zu  beobachten  waren,  fand  zur  Plänerzeit,  also  in  vor-  oder  friih- 
senoner  Zeit  eine  starke  Niveauverändernng  in  der  unteren  und 
oberen  Kreide  bei  Sarstedt  statt,  durch  die  das  Neocom  fast  senk- 
recht gestellt  wurde  und  den  eben  abgelagerten  Pläner  bis  45° 
mit  aufrichtete.  Von  jetzt  ab  trat  erst  vollkommene  Ruhe  ein, 
.die  nur  noch  an  der  Kammlinie  der  ganzen  Erhebung  durch 
dauernde  absinkende  Bewegungen  belebt  wurde. 

In  welcher  Weise  diese  Hebungsepochen  mit  der  Bewegung 
und  dem  Empordringen  der  Salzmassen  im  Untergrund  dieser 
Gebirgsschichten  Zusammenhängen,  bedarf  noch  weiterer  Unter- 
suchungen, wozu  diese  Zeilen  einige  Dienste  leisten  mögen. 


H.  Schroeder,  Das  Vorkommen  der  Gattung  Lophiodon  etc.  351 


Das  Vorkommen  der  Gattung  Lophiodon  in  der  Braunkohle 

Sachsens. 


Von  Henry  Schroeder. 


Herr  Diplom-Ingenieur  W.  Salzmann  hat  Ende  Dezember 
vorigen  Jahres  einen  paläontologiscli  und  stratigraphisch  sehr 
wichtigen  Fund  gemacht,  den  ich  schon  jetzt,  obwohl  die  paläonto- 
logische  Untersuchung  nicht  beendet  ist,  mitteilen  möchte. 

In  der  Braunkohlengrube  Cecilie  bei  Hücheln  (Reg.-Bez.  Merse- 
burg) sind  Wirbeltierreste  gefunden  worden,  die  endlich  einen  Be- 
weis für  das  eocäne  Alter  der  dortigen  Braunkohle  ergeben.  Leider 
ist  es  mir  nicht  möglich  gewesen,  die  Fundstelle  zu  besuchen. 
Das  Profil  der  Ablagerungen,  das  von  Herrn  Salzmann  mit  großer 
Mühe  und  Sorgfalt  aufgenommen  wurde  und  demnächst  genauer 
beschrieben  werden  wird,  ist  vom  Liegenden  zum  Hangenden: 


1. 

2 


3. 


4. 


5. 

6. 


Sand  und  Ton ; 

2 — 5 m Kohle,  kompakt  und  fest; 

0,3  „ Tonmittel,  auskeilend; 

20  „ Kohle,  dunkel,  lokal  in  der  Nordwestecke  des 
Tagebaues  mit  kalkigen  Einlagerungen,  teils 
aus  umgelagerten  Moorschichten  entstanden, 
teils  autoclithon  mit  einem 
2 „ Mittel,  sandig-tonig  mit  Kohlenbrocken,  aus- 
keilend ; 

25 — 30  „ Kohle,  heller,  gestreift,  ebenfalls  z.  T.  auto- 
chtlion,  z.  T.  aus  umgelagerten  Moorschichten 
entstanden ; 


7.  10 — 14  „ Kies,  tertiär; 

8.  5 — 6 „ Geschiebemergel; 

9.  3 — 4 „ Löß. 

Wenige  Meter  entfernt  von  dem  auskeilenden  Mittel  (5)  inner- 
halb eines  in  der  gleichen  Höhenlage  befindlichen,  ockerfarbigen, 
pulverigen,  30 — 40  cm  mächtigen  Streifens  lagen  eine  größere 
Anzahl  von  Ober-  und  Unterkiefer  zähnen,  die  der  Gattung  Lophiodon, 
und  zwar  wenigstens  drei  Individuen,  angehören.  Die  spezifische 
Bestimmung  wird  trotz  der  guten  Erhaltung  und  Vollständigkeit 
der  meisten  Zähne  an  der  Hand  der  Literatur  kaum  möglich  sein 
und  eine  direkte  Vergleichung  mit  den  französischen  und  schweize- 
rischen Originalen  erfordern;  ich  möchte  jedoch  glauben,  daß  die 
nächste  Beziehung  zu  Lophiodon  Cuvieri  aus  dem  Lutetien  (Mittel- 
Eocän)  besteht,  und  behalte  mir  vor,  auf  eine  nähere  paläonto- 
logische  Erörterung  später  einzugehen. 

Da  die  Unterfamilie  Lophiodontinae  auf  das  Eocän  beschränkt 
ist,  wird  hiermit  das  eocäne  Alter  der  Fundstelle  und  auch 
wohl  der  sächsischen  und  subherzynen  Braunkohle 
überhaupt  bewiesen  und  die  in  gleichem  Sinne  erfolgte  Annahme 
des  Herrn  v.  Linstow  bestätigt. 

Suez,  deu  19.  März  1913. 


352 


Besprechungen.  — Personalia. 


Besprechungen. 

J.  H.  Farrell:  Practical  Field  Geology,  including 
a Guide  to  the  Siglit  Recognition  of  One  Hund  red 
Twenty  Common  or  Important  Minerals  by  Professor 
A.  J.  Moses.  (New  York,  bei  Mc  Graw-Hill  Book  Company.  1912. 
XI  + 273  p.  Mit  68  Textiiguren  und  4 Tabellen.) 

Dieses  Buch  ist  für  Geologen  und  Bergingenieure  bestimmt 
und  enthält  auf  den  ersten  205  Seiten  Anweisungen  über  geologische 
Kartierungen,  Messungen  und  Prospektieren,  sowie  auch  Abschnitte, 
welche  die  Klassifikation  der  Gesteine  und  die  verschiedenen  Theorien 
der  Erzbildung  besprechen.  Tabellen  zur  Bestimmung  von  1 20 
wichtigen  Mineralien  mittels  der  physikalischen  Eigenschaften, 
welche  von  Professor  A.  J.  Moses  angeordnet  worden  sind,  bilden 
einen  58  Seiten  umfassenden  Anhang.  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
1911.  2.  p.  -165-.)  Ein  Glossarium  ist  auch  zu  erwähnen. 

Praktische  Geologen  und  Bergingenieure  werden  dieses  Buch 
wegen  der  klaren  Darlegung,  des  guten  Drucks,  der  vielen  Illu- 
strationen und  des  bequemen  Taschenformats  von  bedeutendem 
Werte  finden.  E.  H.  Kraus. 


C.  Godfrey  G-unther : The  Examination  of  Prospects. 
(1912.  XI  + 222  p.  Mit  79  Textfiguren.  Bei  Mc  Graw-Hill  Book 
Company,  New  York.) 

Dieses  Kompendium  über  die  Aufsuchung  und  Untersuchung 
von  Erzlagerstätten  ist  vom  praktischen  Standpunkt  geschrieben 
und  setzt  die  Kenntnis  von  Mineralogie,  Petrographie  und  Geologie 
voraus.  Die  Anordnung  ist:  1.  die  Theorien  über  magmatische 
Wässer,  2.  die  LiNDGREN’sclien  Schlußfolgerungen  über  liydro- 
thennische  und  sekundäre  Veränderungen,  und  3.  die  Theorien  von 
Emmons  und  Weed  über  sekundäre  Bereicherung  von  Erzlager- 
stätten. Wegen  der  knappen  und  klaren  Darstellung,  der  zahl- 
reichen Illustrationen , der  ausgezeichneten  Ausstattung  und  des 
bequemen  Taschenformats,  wird  das  Buch  sehr  wahrscheinlich  viele 
Freunde  unter  den  Studenten  der  Mineralogie,  Geologie  und  be- 
sonders der  Erzlagerstätten  finden.  E.  H.  Kraus. 


Personalia. 

An  der  South  African  School  of  Mines  and  Technology  in 
Johannesburg  wurden  ernannt:  Dr.  G.  S.  Corstorphine  zum 
Principal  of  the  School  and  Professor  of  Economic  Geology; 
Mi’.  J.  S.  Cellier  zum  Professor  of  Mining. 

Angenommen:  Prof.  Dr.  H.  Stille  in  Leipzig  einen  Ruf 
als  Nachfolger  von  Prof.  Pompeckj  nach  Göttingen. 


H.  Laubmann.  Ueber  Pseudomorphosen  von  Quarz  etc. 


353 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion, 

Ueber  Pseudomorphosen  von  Quarz  nach  Kalkspat  aus  den 

Flussspatgängen  am  Wölsenberg  in  der  Oberpfalz. 

Von  H.  Laubmann. 

In  den  durch  seinen  dunkel-violettblauen  Antozonit  be- 
kannten Flußspatgängen  am  Wölsenberg  unfern  N ab b u r g in 
der  Oberpfalz1,  deren  Entstehung  zweifelsohne  auf  juvenile  Tätig- 
keit zurückzuführen  ist,  findet  sich  außer  den  wichtigeren  Begleit- 
mineralieu  Quarz  und  Schwerspat  etwas  weniger  häufig  der  Kalk- 
spat. Die  Quarzadern  wechseln  in  ganz  unregelmäßiger  Weise 
mit  dem  Fluß-  und  Schwerspat  und  zeigen  durchgehends  eine 
stark  hornsteinartige  Ausbildung.  In  diesen  Hornsteinbändern  habe 
ich  schon  vor  ca.  30  Jahren  die  ersten  Belege  einer  pseudomorphen 
Umwandlung  von  Kalkspat  nach  Quarz,  zu  Drusen  vereinigte  wolil- 
ausgebildete  und  ziemlich  große  Skalenoeder,  gefunden,  und  als 
ich  im  Sommer  1912  in  der  Absicht,  weitere  Studien  für  diese 
merkwürdige  Umbildung  zu  machen,  die  Fundstelle  wiederum  be- 
suchte, war  der  Erfolg  denn  auch  so,  daß  ich  mit  seiner  Bekannt- 
gabe nicht  länger  zögern  möchte. 

Gümbel2  erwähnt  bereits  das  Auftreten  von  kleinen,  meist 
in  Brauneisenstein  umgebildeten  Spateisensteinkristallen,  die  auf 
der  mit  hellfarbigem  Flußspat  engverwachsenen , in  Mitte  des 
Ganges  durchsetzenden  Zone  rötlichgelben  Schwerspates  auftreten. 
Von  Umwandlungen  des  Kalkspates  dagegen  war  in  der  Literatur 
nichts  aufzufinden.  Wenn  auch  bis  jetzt  die  in  Frage  stehenden 
Pseudomorphosen  von  Quarz  nach  Kalkspat  anstehend  noch  nicht, 
sondern  nur  auf  den  Halden  der  im  Betriebe  befindlichen  Bauer- 
schen  Flußspatgruben  am  Wölsen berge  und  der  aufgelassenen 
Gänge  am  Leber  Bühl 3 gefunden  wurden,  so  scheint  es  doch, 
daß  ihr  Vorkommen  an  die  schon  oben  erwähnten  Hornsteinadern 
gebunden  ist. 

Die  morphologische  Beschaffenheit  der  bisher  aufgefundenen 
Belegstücke  läßt  zwei  Formen  der  ursprünglichen  Kalkspatausbil- 
dung unterscheiden : die  skalenoedrische  und  die  rhomboedrisclie, 
von  denen  die  letztere  aber  nicht  eindeutig  bestimmt  werden  konnte. 

1 Gümbel,  Ostbayer.  Grenzgebirge,  p.  516  u.  f.  — Priehäusser,  Zeit- 
schrift für  praktische  Geologie.  XVI.  Jalirg.  (1908.)  p.  265  u.  f. 

1 Gümbel,  ebenda,  p.  516. 

3 Vergl.  Skizze  bei  Priehäusser,  p.  267. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


23 


354 


H.  Laubmann, 


I.  Skalenoedrische  Form. 

Die  beste  Ausbildung  der  Kristallform  zeigt  eine  Druse  von 
Skalenoedern  von  hellbrauner  Farbe  und  ungefähr  1 cm  Kanten- 
länge, die  durch  und  durch  in  ein  dichtes  Gefüge  von  deutlich 
kristallinischen  Quarz  umgewandelt  sind  und  auf  dem  charakte- 
ristischen Hornstein  des  W ö 1 s e n b e r g e r Flußspatganges  aufsitzen. 
Trotzdem  die  Flächen  der  pseudomorphen  Kristalle  rauh  und  matt 
sind,  hat  Herr  Dr.  Steinmetz  in  bereitwilligster  und  dankenswerter 
Weise  Messungen  vorgenommen,  indem  durch  Vaselinanstrich  eine 
reflektierende  Oberfläche  sowie  durch  Abdrücke  zweier  Flächen  in 
Siegellack  Unterlagen  für  die  Messung  der  Flächenwinkel  her- 
gestellt wurden.  So  konnten  die  Polkanteu  der  Skalenoeder  im 
Mittel  zu  78°  + 2°  und  24,5°  + 2°  bestimmt  werden,  was  dem 
Skalenoeder  R 2,  (301),  (3142)  mit  77°  49'  und  24°  10'  ziem- 
lich entsprechen  dürfte. 

In  gleich  guter  Ausbildung  und  Größe  fand  ich  noch  einige 
einzelne  in  Flußspat  eingewachsene  stumpfe  Skalenoeder,  von  denen 
ein  besonders  schön  ausgebildeter,  zentimetergroßer  Kristall  bei 
der  Messung  78°+  1°  und  18°  + 2°  Polkantenwinkel  ergab. 
Diese  Form  dürfte  dem  Skalenoeder  R f,  (401),  (4153)  ent- 
sprechen, dessen  Kantenwinkel  78°  05'  und  18°  07'  betragen. 

Alle  diese  Skalenoeder  zeigen  noch  deutlich  die  Streifung 
nach  dem  Spaltungsrhomboeder,  die  zu  etwa  78°  gemessen  werden 
konnte,  während  das  Spaltungsrhomboeder  des  Calcites  allerdings 
nur  74°  55'  aufweist.  Diese  Differenz  ist  jedenfalls  durch  eine 
geringe  Deformation  des  Primärrhomboeders  bei  der  Pseudomoi’pho- 
sierung  zu  erklären. 

Außer  diesen  verhältnismäßig  recht  scharf  ausgebildeten  Pseudo- 
morphosen  konnten  an  einer  handgroßen  Druse,  die  Herr  Ober- 
geometer Dietmar  in  Weiden  (Oberpfalz)  durch  Vermittlung  von 
Herrn  Dr.  Steinmetz  in  bereitwilligster  Weise  zur  Verfügung 
stellte,  ganz  rauhe,  durch  Quarz  erfüllte,  aber  unscharfe  Skaleno- 
eder festgestellt  werden,  bei  denen  als  Quarzsubstanz  durch  Eisen- 
oxyd schwach  rötlich  gefärbte  Bergkriställchen  (Eisenkiesel) 
auftraten,  welche  die  bekannten  dnnkelvioletten  Fluorithexaeder  des 
Wölsenberges  so  häufig  inkrustieren. 

Es  soll  nicht  unerwähnt  bleiben,  daß  auch  papierdünne,  aller- 
dings etwas  beschädigte,  Hohlformen  von  Skalenoedern,  z.  T.  kon- 
zentrisch ineinander  gewachsen,  mit  deutlicher  rhomboedrischer 
Spaltungstreifung,  an  einem  Fundstück  beobachtet  wurden. 

II.  Rhomboedrische  Form. 

Auch  diese  Pseudomorphosen,  deren  Vorkommen,  wie  es  scheint, 
auch  wieder  an  die  Hornsteinbank  gebunden  ist,  fand  ich  in  meh- 
reren Stufen.  Zudem  stellte  Herr  Obergeometer  Dittmak-  W ei  den 


Ueber  Pseudomorphosen  von  Quarz  etc. 


355 


seine  Funde  auch  hier  wieder  bereitwilligst  zur  Verfügung,  wofür 
ihm  mein  verbindlichster  Dank  abgestattet  sei. 

Die  Rhomboeder  wechseln  in  ihrer  Farbe  von  braun  über  gelb 
bis  weiß.  Schon  mit  freiem  Auge  läßt  sich  bei  ihnen  die  Quarz- 
substanz als  solche  feststellen.  Die  bis  zu  2 cm  langen,  nicht  frei 
ausgebildeten,  mehr  oder  weniger  gekrümmten  Kristalle  sind  ent- 
weder von  rauher,  kariöser  Oberfläche,  oder  sie  sind  verhältnis- 
mäßig glatt  und  die  Oberfläche  wird  daun  von  einer  ungefähr 
millimeterdicken  ganz  dichten  Quarzschicht  gebildet,  unter  der  die 
Hohlform,  wie  es  scheint,  nachträglich  mit  grobkristallischem  Quarz 
ausgefüllt  wurde,  der  im  Dünnschliff  z.  T.  schönen  zonaren  Auf- 
bau und  ausgesprochen  Pflasterstruktur  zeigt. 

Infolge  der  rauhen  Oberflächenbeschalfenheit  waren  kristallo- 
graphische  Messungen , welche  die  Natur  dieser  Pseudokristalle 
eindeutig  beweisen  konnten,  nicht  durchzuführen  und  es  lag  daher 
nahe , nachdem  die  skalenoedrischen  Kalkspatformen  zweifellos 
vorhanden  sind,  diese  Formen,  die  bis  jetzt  fast  durchgehends 
einen  sehr  würfelförmigen  Habitus  aufweisen,  als  rhomboedrische 
Calcitformen  anzusprechen.  Es  kämen  hiefür  nur  sehr  würfel- 
ähnliche Rhomboeder  in  schlechter  Ausbildung  in  Betracht.  Be- 
merkenswert jedoch  ist  es,  daß  all  diesen  Rhomboedern  die  bei  den 
Skalenoedern  vorhandene,  so  deutlich  entwickelte  Streifung  voll- 
ständig fehlt. 

Es  soll  daher  nicht  unterlassen  werden,  auf  die  Möglichkeit 
hinzuweisen,  daß  die  ursprüngliche  Muttersubstanz  dieser  scheinbar 
rhomboedrischen  Formen  auch  Fluorit  gewesen  sein  könnte,  so  daß 
also  eine  Pseudomorphose  von  Quarz  nach  Flußspat  und  nicht  nach 
Kalkspat  vorliegen  würde.  Bei  dieser  Deutung  kämen  als  Kristall- 
formen Hexaeder  mit  Vizinalflächen  in  Frage.  Daß  derartig  ver- 
zerrte und  dadurch  etwas  rhomboedrisch  gewordene  Fluorithexaeder, 
mit  unregelmäßigen  Streifen  und  Absätzen  auf  den  Flächen,  am 
Wölsenberge  — wenn  auch  selten  — - Vorkommen,  beweist  ein 
in  der  Sammlung  des  Herrn  Dittmar  befindlicher  Fluoritkristall 
von  3 cm  Kantenlänge,  bei  welchem  die  drei  Kanten  in  einer  Ecke 
unter  den  Winkeln  von  111°,  95°  uud  9^°  so  zusammenstoßen, 
daß  er  einen  vollständig  rhomboedrischen  Habitus  aufweist. 

Allein  noch  eine  andere  recht  interessante  Beobachtung  brachte 
mich  außerdem  auf  die  Möglichkeit  einer  Pseudomorphose  von 
Quarz  nach  Flußspat.  Ich  habe  speziell  am  Wölsenberg  (auf 
den  Halden  der  BAUER’schen  Gruben)  in  den  auf  dem  Pfahlschiefer 
resp.  Hornstein  aufliegenden  Flußspatschichten  ziemlich  häufig  gut 
ausgebildete  Fluoritwürfel  und  Oktaeder  von  0,5  — 1,0  cm  Kanten- 
länge auffinden  können,  die  vollständig  von  farblosen  winzigen 
Bergkriställchen  inkrustiert  sind.  Bei  einigen  wenigen  dieser 
Kristalle  hatte  sich  sogar  der  Quarz  schon  in  das  Innere  der 
Fluoritformen  eingefressen,  so  daß  hier  ohne  Zweifel  die  lialb- 

23* 


356 


W.  Wetzel,  Untersuchungen  über  das  Verhältnis 


fertige  Umwandlungspseudomorphose  von  Quarz  nach  Flußspat 
vorliegt. 

Ich  werde  meine  Beobachtungen  fortsetzen  und  hoffe,  daß  es 
mir  noch  gelingen  wird,  weiteres  Material  beizubringen,  das  die  ein- 
wandfreie Deutung  dieser  interessanten  Erscheinungsformen  zuläßt. 

M ü n c h e n im  März  1913. 


Untersuchungen  über  das  Verhältnis  von  Chalcedon  und 
Quarzin  zu  Quarz. 

Von  W.  Wetzel  in  Kiel  (Mineralog.  Institut). 


Inhaltsübersicht.  Seite 

Einleitendes 356 

Vergleichende  Beschreibung  der  Eigenschaften 
von  Quarz,  Quarzin  und  Chalcedon. 

Übereinstimmende  Eigenschaften 357 

Unterschiedliche  Eigenschaften 358 

Lichtbrechung 358 

Doppelbrechung 358 

Spezifisches  Gewicht 359 

Habitus 359 

Opalgehalt 359 

Thermische  Veränderlichkeit  der  Doppelbrechung  360 
Erklärung  der  Hauptunterschiede  unter  An- 
nahme einer  einzigen  Modifikation. 

Lichtbrechung  und  spezifisches  Gewicht 362 

Doppelbrechung 365 

Schlußbemerkung  über  die  Unterschiede  im  Habitus 
und  im  Opalgehalt 366 

Einleitendes. 


Quarzin  ist  1890  von  Michel-Levy  und  Munier-Chalmas  als 
Mineralart  anfgestellt  worden,  und  zwar  mit  einem  Hauptmerkmal: 
Faserachse  //  c.  Dagegen  hat  der  Chalcedon  im  Sprachgebrauch 
Michel-Levy’s  (=  Chalcedonit  Lacroix)  a in  der  Faserachse.  An 
Stelle  einer  eingehenderen  Definition  der  beiden  Erscheinungsformen 
des  Si  02,  die  bei  der  auffallenden  Verschiedenheit  der  bisherigen 
Diagnosen 1 nicht  mit  kurzen  Worten  abzumachen  ist,  zähle  ich 
weiter  unten  die  übereinstimmenden  und  unterschiedlichen 
Eigenschaften  von  Quarz,  Quarzin  und  Chalcedon  auf.  Die  Nacli- 

1 In  der  neuesten  Auflage  der  Rosenbusch- WüLFiNG’schen  Hilfs- 
tabellen zur  mikroskopischen  Mineralbestimmung  (III  e)  sind  beispielsweise 
für  die  Lichtbrechung  und  die  Doppelbrechung  des  „rhombischen“  Chalcedons 
die  W ALLERAN'f’schen  Daten  für  Quarzin  angegeben. 


von  Chalcedon  und  Quarzin  zu  Quarz. 


357 


prnfnng  bisheriger  Augaben  und  die  Feststellung  noch  nicht  zuvor 
beschriebener  Eigenschaften  geschah  hauptsächlich  an  Präparaten 
von  Drusen-Fülluugen,  die  sich  in  einem  chalcedonisierten  Geschiebe- 
holz cretacischen  Alters  von  Holtenau  finden  und  die  aus  schönen 
zentrogeuen  Sphärolithen  vou  Chalcedon  und  Quarzin  nebst  Gruppen 
von  Quarz  bestehen1. 

Die  Frage  nach  den  Modifikationen,  die  den  drei  Körpern 
Quarz,  Chalcedon  und  Quarzin  zugrunde  liegen,  hat  man  bisher 
recht  verschiedenartig  beantwortet. 

Die  Annahme  einer  einzigen  Modifikation  findet  sich  be- 
reits 1890  bei  Le  Chatelier2,  der  Chalcedon  mit  Quarz  identi- 
fizierte, und  1892  bei  Michel-Lbvy  und  Munter-Chalmas  3,  welche 
Forscher  indessen  eine  hypothetische  zweiachsige  Substanz  als 
Grundelement  unserer  drei  Körper  betrachteten,  und  1897  bei 
Walleraxt4 5,  der  überall  trikline  Grundelemente  annahm;  wiederum 
c-Quarz  als  einzige  Modifikation  nehmen  an:  1901  Beckexkamp  n, 
1908  Heix6,  1911  Mügge7,  1911  Brauns 8 und  1912  Schxeideii- 

HÖHX  9. 

Zur  Annahme  verschiedener  Modifikationen  neigen  wohl  1885 
Rosexbcsch  10,  1907  Steix11  und  1911  Wülfixg12. 

Vergleichende  Beschreibung  der  Eigenschaften  von  Quarz. 

Quarzin  und  Chalcedon. 

Übereinstimmende  Eigenschaften. 

Die  drei  Körper  gleichen  einander  in  Folgendem : 1 . Der 
optische  Charakter  aller  ist  positiv;  2.  sie  sind  einachsig  — für 
Chalcedon  hatte  schon  Wülfixg  1.  c.  die  Einachsigkeit  vermutet,  ich 
machte  diese  Annahme  a.  a.  0.  weiterhin  sowohl  für  Chalcedon 
wie  für  Qnarzin  wahrscheinlich  — ; 3.  die  Schraubenachse  der 

1 Die  spezielle  mineralogische,  wie  auch  geologische  und  paläonto- 
logische  Beschreibung  dieses  Vorkommens  geschah  unter  dem  Titel  „Über 
ein  Kieselholzgeschiebe  mit  Teredonen  aus  den  Holtenauer  Kanal- 
Aufschlüssen-  im  VI.  Jahresber.  d.  Xiedersächs.  geol.  Ver.  1913. 

2 Le  Chatelier.  Bull.  Soc.  franip  Min.  13.  p.  112  u.  123 — 129 
(Mallard  u.  Le  Chatelier). 

3 Michel-Levy  et  Mcxier-Chalmas,  Bull.  Soc.  franc.  Min.  15.  p.  159  ff. 

4 Walleraxt,  Bull.  Soc.  frans.  Min.  20.  p.  52—100. 

5 Beckexkamp,  Zeitsehr.  f.  Krist.  34.  p.  582.  1901. 

6 Heix,  N.  Jahrb.  f.  Min.  Beil.-Bd.  XXV.  p.  182—231.  1908. 

7 Mügge,  dies.  Centralbl.  1911.  p.  193—196. 

8 Brauxs,  dies.  Centralbl.  1911.  p.  165. 

9 Schneiderhöhn,  X.  Jahrb.  f.  Min.  1912.  II.  p.  1—32. 

10  EosEXBrscH,  Mikr.  Phys. 

11  Steix,  Zeitschr.  f.  anorgan.  Chemie.  55.  p.  159  ff.  1907. 

12  Wülfing,  Sitzungsber.  Heidelb.  Akad.  Wiss.,  math.-naturwiss.  Kl. 
1911.  Abh.  20. 


358 


W.  Wetzel,  Untersuchungen  über  das  Verhältnis 


gedrillten  Clialcedonfasern,  die  Scliraubenachse  der  makroskopisch 
-gewundenen  Rauchquarze“  und  die  Krümmnngsachse  der  ge- 
krümmten Quarzinfasern  liegen  alle  drei  //  a,  d.  h.  senkrecht  zur 
Hauptachse 1. 

Unterschiedliche  Eigenschaften. 

In  vielfacher  Hinsicht  erscheinen  die  drei  Körper  einander 
zwar  ähnlich,  aber  nicht  gleich. 

Lichtbrechung.  Quarzin  steht  mit  den  Brechungs- 
expouenten  £Na  = 1,544  und  0JSa  = 1,533  — von  Wallerant 
1897  1.  c.  an  Material  von  Cuise  bei  Paris  gemessen  — zwischen 
Quarz  mit  eNa  = 1,5533  und  wNa  = 1,5442  einerseits  und  Chalcedon 
mit  £Va  = 1,539  und  c oSa  — 1,531  — von  Wülfing  1911  1.  c.  an 
Material  unbekannten  Fundorts  gemessen  — anderseits 2.  Ich  be- 
stimmte die  Lichtbrechung  an  zwei  dünngeschliffenen  Stücken  reinen, 
ziemlich  parallelfaserigen  Chalcedons  meines  oben  erwähnten  Materials 
(Drusenfüllung  im  Feuerstein-Geschiebe  von  Holtenau).  Nach  der 
Methode  Schroeder  van  der  Kolk’s  und  auch  auf  dem  Total- 
reflektometer  fand  ich  eSa  = 1 ,539  + 0.002  und  oj  = 1,531  + 0,002. 
Bezüglich  der  auffallenden  Übereinstimmung  dieser  Daten  mit  denen 
Wülfing’s  sei  hervorgehoben,  daß  die  beiderlei  Objekte  auch  sonst 
gewisse  Ähnlichkeit  zeigen. 

Doppelbrechung.  Wie  sich  aus  obigen  Lichtbrechungs- 
daten ergibt , steht  hinsichtlich  der  Doppelbrechung  der  Quarz 
mit  0,0091  zwischen  Quarzin  mit  0,01 1 und  Chalcedon  mit  0,008(5). 

1 Bekanntlich  zeigen  auch  Quarze  in  Gesteinsdünnschliffen  Spuren 
von  Verbiegung,  für  die  aber  die  Achsen  noch  nicht  genau  bestimmt  sind 
(nach  Mügge,  N.  Jahrb.  f.  Min.  Beil.-Bd.  X.  1895—1896.  p.  767,  sind  sie 
jedenfalls  von  der  c-Richtung  verschieden).  Hinsichtlich  der  Windung  der 
Rauchquarze  stehen  die  Erklärungen  Tschermak's  (Zwillingsbildung)  und 
Bombicci’s  (Torsion  während  des  Wachstums  in  gelatinösem  Medium) 
einander  unvermittelt  gegenüber.  — Man  hat,  worauf  mich  Herr  Prof. 
Johnsen  freundlichst  aufmerksam  machte,  auch  die  Elastizitätseigen- 
schaften von  Chalcedon  und  Quarz  vom  Standpunkte  der  Modifikations- 
einheit verglichen  (W.  Voigt,  Nacbr.  d.  Kgl.  Ges.  d.  Wiss.  Güttingen. 
1890.  p.  544,  u.  Kristallphysik.  1910.  p.  964).  Der  Quotient  c/c,  bezw.  a b 
der  VoiGT’schen  Elastizitätskonstanten  ist  für  Chalcedonaggregat  nahezu 
ebenso  groß,  wie  er  sich  für  ein  dichtes  Quarzaggregat  aus  den  für 
Quarzkristalle  geltenden  Werten  berechnen  läßt.  Man  konnte  bei  dieser 
Berechnung  also  den  für  Chalcedonaggregate  anzunehmenden  Opalgehalt 
(s.  unten)  vernachlässigen,  was  erklärlich  ist,  da  c/c,  des  Opals  von  obigen 
Quotienten  auch  kaum  abweicht,  während  der  Elastizitätsmodul  (E)  des 
Opals  halb  so  groß  wie  derjenige  des  Chalcedonaggregates  und  2/s  so  groß 
wie  der  größte  Elastizitätsmodul  des  Quarzes  ist. 

2 Quarzin  steht  mit  beiden  Brechungsexponenten  dem  Canadabalsam 
mit  n = 1,541 — 1,533  besonders  nahe.  Alle  drei  Körper  brechen  das  Licht 
erheblich  stärker  als  amorphes  Si  02. 


von  Chalcedon  und  Quarzin  zu  Quarz. 


359 


Letzteren  Wert  bestimmte  ich  auch  durch  direkte  Messung-  an 
meinen  obigen  Präparaten. 

Spezifisches  Gewicht.  In  anderer  Reihenfolge  als  hin- 
sichtlich der  Lichtbrechung  und  der  Doppelbrechung  steht  hin- 
sichtlich des  spezifischen  Gewichtes  der  Chalcedon  mit  2,586  — 
bestimmt  an  obigem  auch  hinsichtlich  der  Lichtbrechung  von  mir 
untersuchten  Materiale  — zwischen  Quarz  mit  2,657  einerseits 
und  Quarzin  mit  2,576  — nach  Wallerant’s  Bestimmung  — 
anderseits x. 

Habitus.  Quarzin  und  Chalcedon  unterscheiden  sich  be- 
kanntlich durch  die  Orientierungen  der  Faserachse,  m.  a.  W.  durch 
den  optischen  Charakter  der  Sphärolithe , der  beim  Quarzin- 
sphärolith  + , beim  Chalcedonsphärolith  — ist;  mit  diesem  Unter- 
schied hängt  zusammen,  daß  die  Chalcedonfaser , weil  J_  zur 
optischen  Achse  c gestreckt,  gedrillt  erscheinen,  d.  h.  zwischen  ge- 
kreuzten Nicols  das  charakteristische  Oszillieren  der  Polarisations- 
farbe zeigen  kann,  während  die  Quarzinfaser,  weil  //  zur  optischen 
Achse  c gestreckt,  keine  Drillung  zeigen  kann;  anderseits  pflegen 
Quarzinfasern  um  a,  d.  h.  um  Richtungen  senkrecht  zu  ihrer 
Faserachse,  gekrümmt  zu  sein,  Chalcedonfasern  nicht1  2.  In  der  Aus- 
bildungsweise steht  also  der  Quarzin  dem  Quarz  näher  als  der 
Chalcedon;  daher  gehen,  wo  die  charakteristische  zonare  Ab- 
grenzung der  drei  Si  02 -Ausscheidungen  zu  beobachten  ist  (a.  a.  0. 
näher  beschrieben),  die  Zonen  von  Quarzinsphärolithen  häufiger 
und  weniger  scharf  abgesetzt  in  Quarzzonen  über  als  die  Zonen 
der  Chalcedonsphärolithe  in  Quarz-  oder  Quarzinzonen. 

Op  algehalt.  Die  mikroskopisch  feine  „Opalschichtung“, 
die  in  Chalcedon-Drusen  mehrfach  beobachtet  worden  ist  und  die 
ich  a.  a.  0.  als  Sonderfall  des  LiESEGANu’schen  Austrocknungs- 
rhythmus’ 3 ansprach,  ist  beim  Quarziu  sehr  selten  (mir  nur  in  zwei 
Fällen  bekannt).  Daß  es  sich  bei  der  Opalschichtung  um  Quer- 
schichten von  ab  wechselnd  opalreicher  und  opalarmer 
Fasersubstanz  handelt,  welche  Schichten  kontinuierlich  von  jeder 
Faser  in  die  Nachbarfaser  unter  Bildung  konzentrischer  Zonen 

1 In  der  Literatur  finden  sich  verschiedentlich  größere  Dichten  für 
Chalcedon  angegeben,  so  von  Barvir,  Sitzungsber.  d.  böhm.  Ges.  d.  Wiss. 
1897.  No.  14,  2,591 — 2,616  für  Chalcedon  von  Mohelno. 

2 Es  gibt  sehr  unregelmäßige  sphärolithische  Chalcedonaggregate,  in 
denen  die  Fasern  nicht  gedrillt  sind,  aber  gekrümmt  erscheinen,  freilich 
durchaus  nicht  so  gleichmäßig  und  einheitlich,  wie  die  Fasern  normaler 
Quarzinsphärolithe ; soweit  es  sich  erkennen  läßt,  handelt  es  sich  in 
ersterem  Falle  mehr  um  einen  Fiederbau  mit  Verzweigung  und  Knickung. 
Es  erscheint  berechtigt,  von  einer  und  nur  einer  strukturell  analogen 
Tendenz  zu  Verbiegungen  bei  Quarzin,  Chalcedon  und  Quarz  zu  sprechen, 
wie  denn  auch  oben  die  als  Krümmungsachse  fungierende  a-Richtung  in 
ihrer  für  die  drei  Körper  gemeinsamen  Bedeutung  gewürdigt  wurde. 

3 Dies.  Centralbl.  1911.  p.  497—507. 


360 


W.  Wetzel,  Untersuchungen  über  das  Verhältnis 


der  Faserbündel  übersetzen,  wird  durch  die  Lichtbrechungsunter- 
schiede wahrscheinlich Eine  auf  Opalgehalt  zurückzuführende 
optische  Eigentümlichkeit  kann  bei  allen  drei  Erscheinungsformen 
des  kristallisierten  Si02  auftreten,  nämlich  die  Farben  trüber 
Medien1 2 3 4.  Immerhin  bestehen  auch  hinsichtlich  des  Opalgehaltes 
gewisse  Unterschiede,  namentlich  zwischen  Quarzin  und  Chal- 
cedon.  Das  zeigen,  abgesehen  von  dem  beschränkten  Vorkommen 
von  Opalschichtung  beim  Quarziu , folgende  Erhitzungsversuche 
recht  deutlich : Eine  Anzahl  dünngeschliffener  Aggregate  von 
Clialcedon,  Quarzin  und  Quarz  wurden  unter  dem  Erhitzungs- 
mikroskop auf  einem  Quarzglas-Objektträger  erhitzt,  wobei  das 
Auftreten  von  Trübung,  von  Farben  trüber  Medien,  bis  zu  schließ- 
lich totaler  Undurchsichtigkeit,  der  Präparate  zu  beobachten  war; 
und  zwar  waren  die  dabei  gemessenen  Temperaturen  nicht,  wie 
nach  Walleraxt  3 und  Lacroix  4 anzunehmen,  immer  die  der  Rot- 
glut (525°),  sondern  verschieden,  je  nachdem  Clialcedon,  Quarzin  oder 
opalhaltiger  Quarz  vorlag,  und  beim  Clialcedon  außerdem  je  nach  der 
Varietät.  Die  Trübung  ist  bereits  von  anderen  Autoren  (s.  Lacroix 
1.  c.)  guten  Grundes  auf  das  Entweichen  des  Opal- Wassers  zurück- 
geführt worden.  Trotz  der  der  Versuchsanordnung  anhaftenden 
Ungeuauigkeit  der  Temperaturmessungen  ließ  sich  ersehen,  daß 
die  Trübung  des  Quarzins  in  dem  von  mir  untersuchten  Material 
bei  ca.  375°  beginnt  und  bei  ca.  450°  vollständig  ist  (Schliffe 
No.  1 b u.  1 c) , daß  gedrillter  und  zugleich  opalgeschichteter 
Chalcedon  bei  ca.  460°  getrübt  wird  (Schliff  1 a),  während  solcher 
ohne  Opalschichtung  erst  bei  470° — 530°  (Schliff  1 c)  und  solcher 
ohne  Opalschichtung  und  ohne  Drillung  (ein  Präparat  von  Island' 
erst  bei  noch  höherer  Temperatur  Trübung  zeigt.  In  einigen 
Fällen  begann  die  Trübung  des  Chalcedons  mit  beginnender  Rot- 
glut (525 °)  (Schliffe  Sb,  27,  28;  und  zwar  in  Schliff  8b  zunächst 
auch  nur  an  denjenigen  Stellen  der  Sphärolithe,  wo  Opalschich- 
tung angedeutet  war,  die  übrigens  trotz  der  Trübung  kenntlich 


1 Die  opalreichen  Schichten  sind  oft  nur  1 u breit,  die  mit  ihnen 
abwechselnden  opalärmeren  3 2 //,  der  Opalreichtum  der  ersteren  bedingt 
keine  merkbare  Erniedrigung  der  Interferenzfarbe  der  Chalcedonfaseru. 
Ähnlicher  Zonalbau  wurde  a.  a.  0.  vom  Quarz  beschrieben.  Bei  ihm 
sind  die  Zonen  parallel  der  ebenflächigen  Umgrenzung  orientiert 
beim  Chalcedon  parallel  dem  Sphärolithumriß.  m.  a.  W.  konzentrisch- 
kugelschalig. 

2 Genauere  Angaben  über  opalhaltigen  Quarz  (Blauquarz)  sollen 
demnächst  erfolgen. 

3 Walleraxt,  Bull.  Soc.  fran?.  Min.  20.  1897. 

4 Lacroix.  Mineralogie  de  France.  III.  1901.  p.  121 ; übrigens  spricht 
Lacroix  bereits  von  .opale  interposee-,  im  Gegensatz  zu  Walleraxt,  der 
im  Quarzin  hygroskopisches  Wasser  annimmt,  bei  dessen  Verlust  sich  der 
Quarzin  trübt. 


von  Chalcedon  und  Quarzin  zu  Quarz. 


361 


blieb  i Außerdem  wurde  eine  Anzahl  Präparate  längere  Zeit  hin- 
durch der  Temperatur  bestimmter  siedender  Flüssigkeiten  ausgesetzt, 
in  die  sie  teils  unmittelbar  hineingehängt,  teils  am  Boden  langer, 
einseitig  zugeschmolzeuer  Glasröhrchen  liegend  eingeführt  wurden, 
welche  bis  zu  Höhen  von  5 — 10  cm  von  der  siedenden  Flüssig- 
keit umspült  wurden.  Erhitzung  in  Xylol,  Anilin,  Naphtalin, 
Benzoesäure,  Glyzerin  ergab  keinerlei  Veränderung.  Bei  360° 
(siedendes  Stearin)  zeigten  sich  kaum  schwache  Anfänge  von 
Trübung  des  Quarzins,  obwohl  die  Erwärmungsdauer  je  1 1 Stunden 
und  mehr  betrug.  Bei  445°  (siedender  Schwefel)  wurde  der  Qnarzin 
in  Schliff  No.  29  getrübt.  Bei  einer  nicht  genau  bestimmten 
Temperatur  zwischen  445°  und  525  0 2 wurde  der  Quarzin  der 
Schliffe  27  u.  28  total  undurchsichtig  und  außerdem  der  opalhaltige 
Quarz  in  Schliff  15  partiell  getrübt,  während  die  Chalcedonpräparate 
bis  dahin  kaum  eine  Trübung  zeigten,  nur  Schliff  19  in  geringem 
Maße.  Es  zeigte  sich  dabei  als  nicht  gleichgültig,  ob  die  Schliffe 
sich  einmal  unmittelbar  iu  kochendem  Xylol  und  in  kochendem 
Anilin  befunden  hatten  oder  nicht.  War  ersteres  der  Fall,  so 
wurde  die  Trübung  bei  der  späteren,  höheren  Erhitzung  an- 
scheinend verzögert,  dagegen  trat  durch  die  Destillationsresiduen 
der  eingedrungenen  obigen  Kochflüssigkeiten  eine  Braunfärbung 
der  Chalcedonspkärolitke  auf,  und  zwar  schichtweise  verschieden, 
nämlich  in  denjenigen  Sphärolithzonen  am  intensivsten,  die  frei 
von  Opalschichtung  und  primärer  Trübung  durch  verunreinigenden 
Opal  waren. 

Bei  der  chemischen  Analyse  der  von  mir  untersuchten  Drusen- 
füllungen ging  während  der  Trocknung  der  gepulverten  Substanz 
bei  120°  bereits  der  Wasserverlust  im  wesentlichen  vor  sich,  was 
nach  Bischof  (Lehrb.  ehern.  Geologie.  H.  1864.  p.  840)  auch  für 
gepulverten  Opal  gilt. 

Thermische  Veränderlichkeit  der  Doppelbrechung. 

Daß  den  drei  Erscheinungsformen  der  Si0o  trotz  der  auf- 
gezählten Unterschiede  nur  e i n e Modifikation  zugrunde  liegt,  wird 
durch  eine  andere  Beobachtung  am  erhitzten  Chalcedon  (Schliff- 
präparate 27  u.  28  der  oben  erwähnten  Drusenfüllung)  sehr  wahr- 
scheinlich, nämlich  dadurch,  daß  der  Chalcedon  während  der 
T e m p e r a t u r s t e i g e r u n g die  nämliche  Abnahme  der 
Doppelbrechung  zeigt  wie  der  Quarz,  wobei  er  sich 
vermutlich  auch  einem  Umwandlungspunkt  bei  573°  nähert.  Ich 

1 Verschiedene  Versuche,  die  Trübungen  durch  nachträgliches 
Imbibieren  mit  Wasser  und  anderen  Flüssigkeiten  rückgängig  zu  machen 
blieben  erfolglos ; der  Opal  hatte  sein  Absorptionsvermögen  für  die  Flüssig- 
keiten eingebüßt. 

5 Erhitzung  in  Sn  Cl.,-Schmelze,  die  weit  unterhalb  ihres  Kochpunktes 
(ca.  603°)  Zersetzung  und  Sublimation  erfuhr. 


362 


W.  Wetzel,  Untersuchungen  über  das  Verhältnis 


beobachtete  die  Veränderung  u.  d.  M.  bis  hinauf  über  525°  (Rot- 
glut); bis  dahin  fiel  die  Interferenzfarbe  des  im  Schliff  27  ent- 
haltenen Quarzes  von  Grüngelb  zweiter  Ordnung  auf  Blaugrün 
derselben  Ordnung,  die  Farbe  des  Chalcedons  von  Blau  zweiter 
Ordnung  auf  Rotviolett  erster  Ordnung;  entsprechend  verhielt  sich 
Schliff  28.  wo  Quarz  den  gleichen  Farbenwechsel  zeigte.  Chalcedon 
von  Blaugrün  zweiter  Ordnung  zu  Blau  derselben  Ordnung  wechselte. 
Die  bisherigen  Untersuchungen  über  die  Temperaturkoeffizienten 
des  Volumens  und  der  spezifischen  Wärme  des  Chalcedons  ergaben 
widersprechende  Resultate1  und  sind,  wie  ich  a.  a.  0.  ausführte, 
auch  aus  anderen  Gründen  nicht  sehr  beweiskräftig. 

Erklärung  der  Hanptunterschiede  unter  Annahme  einer 
einzigen  Modifikation. 

Von  dem  somit  fester  begründeten  Standpunkte  der  Modi- 
fikationseinheit aus  müssen  nunmehr  die  vorher  beschriebenen 
Unterschiede  erklärt  werden. 

Lichtbrechung  und  spezifisches  Gewicht. 

Die  Lichtbrechung  des  Chalcedons  und  Quarzins  ist  niedriger 
als  die  des  Quarzes  infolge  der  ihnen  eigenen  Verunreinigung 
mit  Opal.  Diese  Erklärung  deutete  bis  zu  gewissem  Grade 
schon  Hein  1.  c.  an2.  Hinzuzusetzen  ist,  daß  die  Unterschiede 
im  spezifischen  Gewicht  gleichzeitig  mit  erklärt  werden  können. 
Wallerant  hat  in  der  Annahme,  Quarzin  sei  ein  lockeres,  Quarz 
ein  dichteres  Gebäude  aus  gewissen  Bauelementen,  dasGLADSTONE’sche 

Gesetz  = konst.  auf  Quarz  und  Quarzin  angewandt.  Zwar 

stimmen  die  so  aus  der  Lichtbrechung  des  Quarzins  für  den  Quarz 
berechneten  Brechnngsindizes  mit  den  experimentell  gefundenen 
überein , aber  darauf  kann  kein  Gewicht  gelegt  werden , da 
Wallerant  in  seine  Rechnung  als  Dichte  des  Quarzes  den  abnorm 
niedrigen  Wert  2,622  eingeführt  hat3. 

Da  nun  wohl  unsere  spezifisch  leichten  Si  02-Varietäten  als 
opalhaltiger  Quarz  aufzufassen  sind,  und  deren  Lichtbrechung 
wahrscheinlich  ohne  großen  Fehler  der  Lichtbrechung  eines  Ge- 
misches zweier  Flüssigkeiten  mit  den  Brechungen  des  Quarzes  und 
des  Opals  gleichzusetzen  ist,  so  berechnete  icli  die  Lichtbrechung  n 
des  WALLERANT’schen  Quarzins  sowohl  wie  die  meines  Chalcedons 

1 Vergl.  z.  B.  Le  Chatelier,  Bull.  Soc.  fran$.  Min.  13.  1890,  und 
Stein,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chemie.  55.  1907. 

2 Irrtümlicherweise  schreibt  dieser  Autor  seinen  Gedanken  Wallerant 
zu,  dessen  oben  wiedergegebener  Erklärungsversuch  den  Opalgehalt  nicht 
heranzieht. 

3 Diesen  Wert  stellte  W.  an  einem  mit  seinem  Quarzin  vergesell- 
schafteten, offenbar  wenig  homogenen  Quarzaggregat  fest. 


von  Chalcedon  und  Quarzin  zu  Quarz. 


363 


aus  folgender  Gleichung  zwischen  den  LoRExz’schen  Ausdrücken 
für  spezifische  Refraktion  und  den  Mischungsanteilen : 
n2  — 1 100  _ n,2  — 1 p n?2  — 1 100  — p 

n2  + 2 ' T~  — n,2+  2 ' d^  + m2+  2 ' »L  _ b|  j - 
1 + 2 (S,  4-  S2)  d/l00 

"2  - 1 - (S,  + s2)  «t/100 

Hier  bedeutet  d die  Dichte  der  Mischung,  n,  und  d,  Licht- 
brechung und  Dichte  der  ersten  Mischungskomponenten  (Quarz), 
n,  und  d2  Lichtbrechung  und  Dichte  der  zweiten  Mischungs- 
komponente (Opal)  und  p den  Quarzgehalt  der  Mischung  in  Ge- 
wichtsprozenten; p berechnete  ich  unter  der  Annahme  additiven 
Verhaltens  der  spezifischen  Volumina  aus  der  Gleichung 

? 4-  1Clt^ — - = Aus  den  für  Opale  in  der  Literatur  ver- 

d,  ds  d 

zeichneten  n-  und  d- Werten  wählte  ich  je  einen  extrem  hohen  und 
extrem  niedrigen  zum  Einsetzen  in  unsere  Gleichungen  ans  und 
erhielt  so  für  io  und  e des  Quarzins  und  des  Chalcedons  vier  Wert- 
paare, die  zur  Hälfte  gut,  zur  Hälfte  schlecht  zu  den  beobachteten 
Werten  passen.  Es  kann,  wie  weiter  unten  auszuführen  ist,  nicht 
als  Zufall  angesehen  werden,  daß  sich  für  Quarzin  gut  stimmende 
Werte  ergaben,  wenn  ein  Opal  mit  extrem  geringer  Dichte  und 
extrem  geringer  Lichtbrechung  i Opal  I)  als  Mischungskomponente 
angenommen  wurde,  daß  die  Rechnung  dagegen  für  Chalcedon 
stimmte,  wenn  ein  Opal  mit  extrem  großer  Dichte  und  hoher 
Lichtbrechung  (Opal  ID  angenommen  wurde 1 : 

1 Der  dichteste  und  am  stärksten  brechende  Opal  ist  Quarzglas- 
weichem  gewisse  natürliche,  sehr  wasserarme  Opale  hinsichtlich  Dichte 
und  Brechung  sehr  nahe  kommen  (Opal  II).  Anderseits  gibt  es  wasser- 
reiche Opale  mit  geringer  Dichte  und  geringem  Brecliungs vermögen,  als 
deren  Repräsentant  Opal  I ausgewählt  ist.  Indessen  lassen  sich  nicht  alle 
bekannten  Opale  in  eine  Reihe  nach  abnehmendem  Wassergehalt  und  zu- 
nehmender Dichte  ordnen,  wie  aus  der  Analysen-Zusammenstellung  in 
Hiktze's  Handbuch  ersichtlich  ist.  Abgesehen  von  den  die  Dichte  beein- 
flussenden, oft  sehr  erheblichen  Verunreinigungen  der  Opale,  gibt  es  ent- 
wässerte Opale,  die  durch  zu  geringe  Dichte  aus  obiger  Reihe  heraus- 
fallen, da  sie  offenbar  an  Stelle  des  verlorenen  Wassers  feinste,  lufterfüllte 
Hohlräume  enthalten.  (Opal  ist  ein  „wenig  elastisches-  Gel  [Freundlich, 
Kapillarchemie,  p.  486],  dessen  Schrumpfungs-Fähigkeit  je  nach  Bildungs- 

bedingungen verschieden  früh  aufhört.)  Auch  der  Fall  eines  spezifisch 
schweren  Opals  mit  auffallend  großem  Wassergehalt  kommt  vor;  alle 
diese  Verhältnisse  erfordern  neue  und  eingehendere  Untersuchung.  Für 
unsere  Rechnung  ist  die  Annahme  jener  beiden  extremen  Opale  als  feine 
Beimengung  der  Quarzaggregate  nichtsdestoweniger  berechtigt,  da  schon 
in  frühem  Gelstadium  unserer  Drüsenfüllungen  eine  weitgehende  Differenzie- 
rung nach  dem  Wassergehalt  stattgefunden  haben  dürfte  (Opalschichtung 
u.  a.  m.),  nach  der  Kristallisation  aber  eine  sekundäre  Entwässerung  und 
Lockerung  der  feinen  Opalreste  in  keinem  erheblichen  Maße  erfolgt  sein 
wird,  jedenfalls  kaum  unter  Bildung  gaserfüllter  kleinster  Hohlräume. 


364 


W.  Wetzel,  Untersuchungen  über  das  Verhältnis 


d p f dt  e — o) 

( Quarzin  . .2,576  100,00  1,541  1,541  1.533  1,533  0,011  0,008 

beob.  berechn,  beob.  berechn,  beob.  berechn. 

M 

| Opal  I . .1,9  7,90  1,4401  — 

| Quarz  . . 2.657  [ T|  L5533  1,5441  0.0091 

II.  1 Opal  II  . .2,2  13,22  1,4588  — 

{ Chalcedon 1 2,586  100,00  1,539  1,538  1,531  1,537  0,0085  0,007 

beob.  berechn,  beob.  berechn,  beob.  berechn. 


Wurde  für  Fall  I,  die  relativ  leichte  Mischung  (Quarzin), 
der  spezitisch  leichte  Opal  I gewählt,  so  wurde  von  diesem  nur 
eine  verhältnismäßig  geringe  Menge  gebraucht,  um  die  an  Quarzin 
beobachtete  Mischungsdichte  darzustellen  ; zugleich  darf  auch  wegen 
der  relativ  hohen  Lichtbrechung  der  Mischung  Quarzin  nur  die 
gleiche,  geringe  Menge  des  als  besonders  schwach  lichtbrechend 
zu  betrachtenden  Opals  I in  die  Rechnung  eingesetzt  werden; 
Opal  II,  auf  die  Berechnung  von  s und  co  des  Quarzins  angewandt, 
ergibt  p = 84,87  und  die  schlecht  stimmenden  Lichtbrechungs- 
werte 1,536  und  1,529.  Wurde  in  Fall  II  spezitisch  schwerer 
Opal  für  die  relativ  schwere  Mischung  Chalcedon  gewählt,  so  war 
eine  verhältnismäßig  große  Menge  Opal  erforderlich,  um  der  beob- 
achteten Mischungsdichte  zu  entsprechen,  gleichzeitig  aber  auch 
erforderlich,  um  mit  Hilfe  dieses  verhältnismäßig  stai'k  licht- 
brechenden Opals  die  gegenüber  Quarz  erheblich  verminderte 
Lichtbrechung  des  Clialcedons  darzustellen ; Opal  I auf  die  Be= 
rechnung  von  s und  a>  des  Clialcedons  angewandt,  ergibt  p = 93,11 
und  die  schlecht  stimmenden  Lichtbrechungswerte  1,542  und  1,534. 
Daß  aber  im  Quarzin  ein  anderer  Opal  als  im  Chalcedon,  und  zwar 
ein  verhältnismäßig  sehr  wasserhaltiger,  daher  spezitisch  leichter, 
stecke,  wurde  auch  durch  die  Erhitzungsversuche  wahrscheinlich 
gemacht,  bei  denen  die  Trübung,  d.  li.  der  Wasserverlust,  des 
Quarzins  eher,  bei  reichlich  100°  niedrigerer  Temperatur,  eintrat 
als  beim  Chalcedon'2.  Bei  letzterem  darf  nach  den  Erhitzungs- 
versuchen nicht  überall  das  gleiche  spezifische  Gewicht  und  die 
gleiche  Lichtbrechung  erwartet  werden,  sondern  gewisse  Ab- 
weichungen von  Wülfing’s  und  meinen  Werten,  je  nach  den 
Varietäten  des  Clialcedons,  die  auf  Grund  des  Vorhandenseins  oder 
Fehlens  von  Opalschichtung,  Drillung  und  Trübung,  m.  a.  W.  auf 


1 Die  Fehlergrenze  beträgt  für  die  von  mir  gemessenen 
Brechungsexponenten  (s.  oben)  + 0,002. 

2 Ursprüngliche  Trübung  — Farben  trüber  Medien,  wie  oben  be- 
merkt — zeigt  der  Quarzin  viel  häufiger  als  der  Chalcedon;  dabei 
handelt  es  sich  wohl  um  wasserreichen  Opal,  der  den  Fasern  zwischen- 
gelagert ist. 


von  Chalcedon  lind  Quarzin  zu  Quarz. 


365 


Grund  verschiedenartiger  Verunreinigungen  durch  Opale  zu  unter- 
scheiden waren 


Doppelbrechung. 

Die  Unterschiede  hinsichtlich  der  Doppelbrechung  unserer  drei 
Körper  bedürfen  noch  besonderer  Erklärungen.  Naheliegend  ist, 
daß  die  für  Quarz  zu  niedrigen  Interferenzfarben  des  Chalcedons 
eine  Folge  seines  feinen  Sphärolithfaser-Baues  sind.  Für  das  von 
mir  untersuchte  Material  habe  ich  beispielsweise  ermittelt,  daß  in 
normal  dünnen  Schliffen  desselben  10  oder  mehr  Sphärolithfasern 
übereinander  liegen,  und  zwar  mit  bald  mehr,  bald  weniger  Opal 
verkittet,  und  daß  diese  Faserpakete  auch  im  Vertikalschnitt  noch 
fächerartigen  Bau  haben  müssen,  wie  denn  auch  im  Zentrum 
zentral  geschnittener  Sphärolithe,  wo  die  Konvergenz  der  Fasern 
am  stärksten  ist,  bedeutend  niedrigere  Interferenzfarben  sichtbar 
sind  als  an  der  Peripherie.  Immer  muß  in  derartigen  Aggregaten 
die  Summe  der  Gangunterschiede  hinter  dem  Gangunterschied  in 
einer  gleich  dicken  homogenen  Platte  eines  Individuums  von  der- 
gleichen Kristallart  Zurückbleiben.  Um  so  erstaunlicher  ist  nun 
aber,  daß  der  Quarzin  nicht  nur  keine  niedrigere,  sondern  sogar 
eine  höhere  Doppelbrechung  als  Quarz  besitzt;  vergl.  in  obiger 
Tabelle  die  Differenz  zwischen  dem  beobachteten  und  dem  berech- 
neten Wert  e—io.  Hier  kann  vorderhand  nur  die  Vermutung 
ausgesprochen  werden,  daß  die  Doppelbrechung  durch  Spannung1 2 
erhöht  ist.  Man  kann  sich  vorstellen,  daß  die  etwa  beim  Aus- 
trocknen des  primären  Si02-Gels  entstandenen  Spannungen  während 
der  sekundär  eintretenden  Auskristallisation  des  Quarzins  anhielten, 
zumal  dieser  das  Gel  in  einem  relativ  frühen,  gleichsam  unreifen 
Stadium  pseudomorphosiert  haben  dürfte,  da  er  anscheinend  be- 
sonders wasserreichen  Opal  führt.  Auch  ist  vor  der  Kristallisation 
des  Quarzins  keine  Differenzierung  des  Gels  im  Sinne  des 
LiESEGANG’schen  Austrocknungsrhythnuis’  erfolgt , wie  so  häufig 
beim  Chalcedon  in  Form  von  Opalschichtung.  A.  a.  0.  habe  ich 
darauf  hingewiesen,  daß  die  regelmäßige,  d.  h.  zonenbildende 


1 Auch  die  Drillung  des  Chalcedons  darf  vielleicht  als  Folge  eines 
Opalgehaltes,  und  zwar  wohl  einer  in  fester  Lösung  enthaltenen  Opal- 
menge, angesehen  werden,  seit  durch  Wallerant  (Bull.  Soc.  fran§.  Min. 
30.  1907)  und  Gacbert  (Bull.  Soc.  frang,  Min.  32.  1909)  gezeigt  wurde, 
daß  bei  vielen  organischen,  sphärolithisch  kristallisierenden  Verbindungen 
Drillung  auftritt,  wenn  die  Fasern  bei  ihrer  Entstehung  gewisse  Stoffe 
in  fester  Lösung  aufnehmen.  Näheres  über  die  Drillung  des  Chalcedons 
und  über  eine  bisher  nur  vermutete  Abhängigkeit  derselben  von  der  Opal- 
schichtung bezw.  dem  zonaren  Wechsel  im  Opalgehalt  ist  a.  a.  0.  von  mir 
ausgeführt  worden. 

2 Dieselbe  Vermutung  äußert  Liesegang  in  seinem  während  des 
Druckes  dieser  Arbeit  erschienenen  Werke  .Geologische  Diffusionen“,  1913. 


366 


W.  Wetzel.  Untersuchungen  über  das  Verhältnis  etc. 


Drillung  der  Fasern  großer  Chalcedonspliärolitke  eine  Erniedrigung 
der  Sphärolith-Symmetrie  mit  sich  bringt,  daß  die  in  Eingen  oder 
zum  mindesten  in  Bändern  angeordueten  Sphärolithe  einer  Generation 
eine  gemeinsame,  an  den  Drillungszonen  orientierte  ausgezeichnete 
Eichtling  besitzen,  die  zu  der  Annahme  wirksam  gewesener 
Spannungen  führen  kann.  Der  gedrillte  Chalcedon  von  Drusen- 
fiillungen  ist  vielleicht  unter  Einwirkung  einer  Art  Eingspannung 
gewachsen  und  seine  Drillung  mag  eine  Eeaktion  darauf  sein,  bei 
welcher  der  Spannung  nachgegeben  wurde Beim  Quarzin  konnte 
nun  eine  derartige  Eeaktion  nicht  erfolgen,  da  er  — als  Varietät 
der  Modifikation  a-Quarz  — in  der  Faserrichtung  keiner  Drillung 
fähig  ist;  die  oben  erwähnten  Krümmungen  der  Quarzinfasern 
stellen  weit  geringere  Deformationen  dar  als  die  Drillung  der 
Chalcedonfasern. 

Sclilußbemerkung  über  die  Unterschiede  im  Habitus  und  im 

Opalgehalt. 

Unerklärt  bleibt  noch  die  Verschiedenheit  der  Faser- 
richtungen in  diesen  Quarz -Varietäten,  die  nebeneinander,  aller- 
dings zonar  gesondert  Vorkommen,  nur  allgemein  läßt  sich  behaupten, 
daß  in  verschiedenartig  ausgebildeten  Generationen  (Zonen)  ver- 
schiedene Wachstumsbedingungen  trotz  nachbarlicher  Wachstums- 
räume geherrscht  haben,  daß  vielleicht  der  wichtigste  Faktor  der 
Formbeeinflussung  in  dem  verschiedenen  Wassergehalt,  der  ver- 
schiedenen Konsistenz  und  Spaunung  des  Si02-Gels  zu  sehen  ist. 
Dann  bleibt  freilich  noch  zu  erklären,  wieso  der  Zustand  des  Gels 
während  der  Kristallisationen  so  verschieden  seiu  konnte,  daß  der 
restliche  Opalgehalt  heute  noch  verschieden  ist.  Weiterer  Auf- 
klärung bedarf  auch  noch  der  Opalgehalt  selbst  seiner  molekularen 
Anordnung  und  seiner  Verteilung  nach,  welche  letztere  so  ver- 
schieden und,  wie  erwähnt,  besonders  in  manchen  Quarzen  sehr 
auffällig  ist. 


1 Auch  die  künstlichen  Präparate  regelmäßig  gedrillter,  scheiben- 
förmiger Sphärolithe  zwischen  Objektträger  und  Deckglas  sind  unter 
mechanischem  Zwang  gewachsen,  nicht  bloß  unter  ungünstigen  Kristalli- 
sationsbedingungen angesichts  der  Verunreinigungen,  denen  Wallerant 
und  Gaubert  dabei  gewiß  mit  Recht  große  Bedeutung  einräumen  (vergl. 
meine  Ausführungen  a.  a.  0.). 


J.  Soellner,  lieber  Leucitnephelintinguaitporphyr  etc. 


367 


Ueber  Leucitnephelintinguaitporphyr  aus  dem  Kaiserstuhl. 

Von  i.  Soellner  in  Freiburg  i.  Br. 

Die  Untersuchungen  von  seiten  verschiedener  Forscher1  in 
den  letzten  Jahrzehnten  haben  für  den  Kaiserstuhl  den  Nachweis 
geliefert,  daß  ueben  den  normalen  Ergußformen  foyaitisch-thera- 
lithischer  Magmen , wie  Phonolithe , Nephelintephrite , Leucit- 
tephrite  etc.,  auch  eine  Reihe  melanokrater  Ganggesteine  entwickelt 
ist,  die  der  Camptonit-Monchiquitreihe  augehören.  Ein  weiteres 
für  den  Kaiserstuhl  charakteristisches  Ganggestein,  der  Mondhaldeit, 
wird  von  Gnuss2  als  saures  Spaltungsprodukt  eines  theralitliischen 
Magmas  aufgefaßt,  von  Rosexbusch3  dagegen  zu  den  Monchiqniten 
gestellt. 

Wie  ich  vor  kurzem  hier  mitgeteilt  habe4 5,  ist  auch  ein  der 
gleichen  Kategorie  foyaitisch-theralithischer  Magmen  angehörendes 
Tiefengestein,  Essexit,  durch  Erosion  im  Kaiserstuhl  freigelegt 
worden.  Aus  zahlreichen  Einschlüssen  eläolithsyenitischen  Charak- 
ters die  sich  namentlich  in  Phonolithen  linden,  kann  geschlossen 
werden,  daß  außer  Essexit  auch  ein  sjrenitisches  Tiefengestein  in 
der  Tiefe  ansteht,  eine  Vermutung,  die  schon  von  Rosexbusch 
gehegt  wurde.  Zur  Gefolgschaft  dieser  beiden  Tiefengesteine  sind 
die  bisher  bekannt  gewordenen  melanokraten  Ganggesteine 6 des 
Kaiserstuhls  zu  rechnen.  Wo  aber  melanokrate  Ganggesteine  ent- 
wickelt sind,  sind  auch  leukokrate  zu  erwarten.  Ich  bin  nun  in 
der  Lage,  aus  dem  vou  mir  gesammelten  Material  das  Vorhanden- 

1 Rosenbusch.  H..  Mikrosk.  Physiogr.  III.  Aufl.  1896.  2.  p.  545;  — 
Elemente  der  Gesteinslehre.  Stuttgart  1898.  p.  237.  — Graeff,  Fr.,  Petro- 
graphische  und  geologische  Notizen  aus  dem  Kaiserstuhl.  Ber.  üb.  d.  33  Vers, 
d.  Überrhein,  geol.  Vereins  in  Donaueschingen  1900. ' — Gruss.  K.,  Beiträge 
zur  Kenntnis  der  Gesteine  des  Kaiserstuhlgebirges.  Tepliritische  Strom- 
und  Ganggesteine.  Mitteil.  d.  Bad.  geol.  Landesanst.  Heidelberg  1900.  p.  85. 

2 Gruss,  K.,  1.  c.  p.  105  und  f. 

3 Rosenbusch.  H..  Mikrosk.  Physiogr.  IV.  Aufl.  Stuttgart  1907.  2 1. 
p.  696.  — Hier  sowohl  wie  in  Rosexbusch,  Elemente  der  Gesteinslehre. 
HI.  Aufl.  Stuttgart  1910.  p.  302,  und  ebenso  in  Reinisch,  R.,  Petrogr. 
Praktikum  II.  II.  Aufl.  Berlin  1912.  p.  116  findet  sich  jeweils  die  irre- 
führende Angabe,  der  Mondhaldeit  enthielte  Einsprenglinge  von  Leucit 
und  Bytownit  neben  Barkevikit  und  Augit.  Der  Mondhaldeit  ist  jedoch 
in  Wirklichkeit  vollständig  leucitfrei! 

4 Soellner,  J.,  Über  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstuhl. 
Dies.  Centralbl.  1913.  p.  230. 

5 Lacroix,  A.,  Les  enclaves  des  roches  volcaniques.  Maeon  1893.  — 
Graeff,  Fr.,  Zur  Geologie  des  Kaiserstuhlgebirges.  Mitteil.  d.  Bad.  geol. 
Landesanst.  Heidelberg.  2.  1892.  p.  455. 

G Die  systematische  Stellung  des  Mondhaldeits  ist  zurzeit  noch  etwas 
zweifelhaft.  Ich  behalte  mir  vor,  dieselbe  näher  zu  fixieren,  wenn  die 
Analyse  des  Essexits,  zu  dessen  Gefolgschaft  der  Mondhaldeit  ohne  Zweifel 
zu  rechnen  ist,  vorliegt. 


368 


J.  Soellner, 


sein  leukokrater  Ganggesteine  im  Kaiserstuhl  nachzuweisen,  die 
deutlich  den  Charakter  von  tinguaitischen  Gesteinen  an  sich 
tragen.  Es  sind  vorwiegend  zahlreiche  Gänge  von  Neplielin- 
tinguaiten  in  porphyrischer  Ausbildung.  Auf  diese  werde  ich 
demnächst  in  einer  weiteren  Mitteilung  zuriickkommen,  für  heute 
möchte  ich  nur  über  einen  Fund  eines  tinguaitischen  Gesteins  be- 
richten, das  sich  von  den  reinen  Nephelintinguaiten  durch  einen 
wesentlichen  und  recht  beträchtlichen  Gehalt  an  Leucit  unter- 
scheidet. Dieser  Fund  ist  sowohl  für  den  Kaiserstuhl  von  großer 
Bedeutung,  weil  es  das  erste  Vorkommen  ist,  in  dem  der  Leucit 
noch  fast  völlig  unzersetzt  ist,  aber  auch  für  die  ganze  Gruppe 
der  tinguaitischen  Gesteine  überhaupt  ist  dieser  Fund  von  'Wich- 
tigkeit, weil,  soweit  ich  aus  der  Literatur  1 ersehen  kann,  in  wohl 
allen  bisher  untersuchten  Leucittinguaitvorkommnissen  der  Leucit 
immer  nur  als  Pseudoleucit  erhalten  ist.  Den  Leucitnephelin- 
tinguaitporphyr  fand  ich  in  einem  losen,  etwa  zwei  Fäuste 
großen  Block  auf  dem  W^eg  zwischen  den  Höfen  Sauwasen  und 
Himmel  bürg  nordöstlich  von  Ihr  in  gen,  auf  der  Südseite  des 
Kaiserstuhls.  Es  handelt  sich  jedenfalls  um  ein  gangförmiges 
Vorkommen  von  geringer  Ausdehnung,  das  Anstehende  konnte  aber 
bis  jetzt  noch  nicht  aufgefunden  werden. 

Das  Gestein  ist  fast  völlig  unzersetzt  und  besitzt  auf  frischem 
Bruch  eine  dunkelgrünschwarze  Farbe,  herrührend  von  dem  hohen 
Gehalt  an  Ägirinaugit  und  Ägirin.  Makroskopisch  sind  auf  dem 
frischen  Bruch  ziemlich  reichlich  Einsprenglinge  von  gelblichweißem 
Leucit  bis  3 mm  Größe  zu  erkennen.  Ausnahmsweise  erreichen 
einzelne  Kristalle  4 und  5 mm  Durchmesser.  Ferner  treten  zahl- 
reiche, 1 — 3 mm  große,  frische,  glasige  Nephelinkristalle  und  kleine 
getrübte  Hauynkriställchen  auf.  Einsprenglinge  von  Melanit  und 
Ägirinaugit  treten  ebenfalls  deutlich  hervor,  dagegen  fehlen  Feld- 
späte unter  den  Einsprenglingen  vollständig.  Auf  angewitterten 
Kluftflächen  zeigt  das  Gestein  eine  hellgrüne  bis  bräunlichgelbe 
Verwitterungsrinde  mit  zahlreichen  feinen  Vertiefungen,  von  aus- 
gewitterten Nephelin-,  Leucit-  und  Hauynkristallen  herrührend. 
Ägirinaugit  und  Melanit  dagegen  treten  völlig  unverwittert  relief- 
artig hervor  und  sind  daher  auf  der  angewitterten  Oberfläche 
besser  zu  erkennen  als  auf  dem  frischen  Bruch. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  lehrt,  daß  das  Gestein  bei 
liolokristallin-porphyrischer  Struktur  sich  aus  folgenden  Mineralien 
zusammensetzt:  Einsprenglinge  von  Leucit,  Nephelin, 
Hauyn,  Ägirinaugit,  Melanit  und  akzessorisch  Melilith 
liegen  in  einer  holokristallinen  Grundmasse,  die  sich  im  wesent- 
lichen aus  Leucit,  Hauyn,  Ägirinaugit  bis  Ägirin,  Neplie- 


1 Rosenbusch  , H.,  Mikrosk.  Physiogr.  IV.  Aufl.  Stuttgart  1907. 
2,  1.  p.  617. 


Ueber  Leucitnephelintinguaitporphyr  etc. 


369 


lin  und  Sanidin  aufbaut.  Von  akzessorischen  Mineralien  ist 
Apatit  nur  sehr  spärlich  vertreten,  Magneteisen  oder  Titaneisen 
fehlen  vollständig,  es  sind  von  Erzen  nur  vereinzelte  Körner  von 
Eisenkies  mit  brauner  Zersetzungsrinde  nachweisbar. 

Unter  den  Einsprenglingen  ist  bei  der  mikroskopischen  Unter- 
suchung am  auffallendsten  Nephelin  in  zahlreichen  scharf  aus- 
gebildeten und  vollkommen  frischen  Kristallen.  Sie  sind  tafelig 
nach  {0001}  mit  {0001 J und  { 1 OlO}  als  Begrenzung.  Die  Täfel- 
chen erreichen  Größen  von  0,25  mm  bis  3 mm  und  werden  bis 
1,5  mm  dick.  Die  Spaltbarkeit  nach  {1010}  ist  deutlich.  Der 
optische  Charakter  ist  negativ.  Ausgezeichnet  ist  der  Nephelin 
durch  oft  zahlreiche  Einschlüsse  von  Melanit  und  Ägirinaugit,  zu- 
weilen in  zentraler  Häufung. 

Nächst  Nephelin  ist  in  fast  gleich  großer  Menge  Hauyn1 
unter  den  Einsprenglingen  vertreten.  Er  ist  durchschnittlich  etwas 
kleiner  als  Nephelin  und  im  Gegensatz  zu  diesem  stark  getrübt 
und  in  ein  Aggregat  von  schwach  doppelbrechenden  Zeolithen  um- 
gewandelt. Hie  und  da  ist  noch  eine  Andeutung  von  Zonarstruktur 
wahrzunehmen. 

Von  besonderer  Bedeutung  für  das  Gestein  ist  die  Anwesen- 
heit von  Leucit  unter  den  Einsprenglingen.  Größere  Kristalle 
von  1,5  mm  bis  3 mm,  selten  4 — 5 mm  Durchmesser  findet  man 
im  Schliff  immer  nur  vereinzelt,  reichlicher  sind  dagegen  kleinere 
Leuciteinsprenglinge  von  0,25  bis  0,5  mm  Durchmesser.  Alle  sind 
streng  idiomorph  entwickelt  mit  scharfen  achtseitigen  Umrißlinien. 
Die  großen  Einsprenglinge  sind  fast  vollkommen  frisch,  wasserklar 
durchsichtig,  mit  allen  Eigenschaften  des  Leucits,  wie  schwacher 
Doppelbrechung  und  polysynthetischer  Zwillingslamellierung.  Nur 
von  den  Rändern  her  sind  manche  der  großen  Kristalle  stellen- 
weise getrübt.  Die  kleineren  Einsprenglinge  sind  in  dicken  Schliffen 
völlig  grau  trüb  undurchsichtig  und  haben  im  reflektierten  Licht 
ein  kaolinartig  weiß  trübes  Aussehen.  Zwischen  gekreuzten  Nicols 
sind  jedoch  auch  diese  scheinbar  ganz  trüben  Kristalle  noch  alle 
deutlich  doppelbrechend  und  zeigen  noch  die  gleiche  polysynthetische 
Zwillingslamellierung  wie  die  frischen.  In  sehr  dünnen  Schliffen, 
in  denen  naturgemäß  die  Doppelbrechungserscheinungen  nur  noch 
sehr  schwer  zu  beobachten  sind,  erkennt  man,  daß  auch  in  den 
kleinen  Einsprenglingen  die  zentralen  Partien  noch  völlig  klar 
durchsichtig  sind  und  aus  frischer  Leucitsubstanz  bestehen,  und 
daß  nur  die  Randpartien  getrübt  sind.  Vereinzelt  enthalten  große 
Leuciteinsprenglinge  Einschlüsse  von  Melanit  und  Ägirinaugit. 


1 Da  die  Kristalle  meist  zersetzt  sind,  läßt  sich  mit  Sicherheit  nicht 
entscheiden,  welches  Glied  der  Sodalithgruppe  vorliegt.  Nach  Analogie 
mit  anderen  Kaiserstühler  Vorkommnissen  wird  das  Mineral  vorläufig  als 
Hauyn  bezeichnet. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


24 


370 


J.  Soellner, 


Feldspäte  fehlen  unter  den  Einsprenglingen  vollkommen. 
Unter  den  dunklen  Giemengteilen  sind  0,1  bis  1 mm  große  Kri- 
ställchen  von  Melanit  ziemlich  häutig.  Sie  zeigen  die  für  den 
Kaiserstühler  Melanit  so  charakteristische  Zonarstruktur,  bedingt 
durch  wiederholten  Wechsel  von  hell-  und  dunkelbraunen  Zonen. 
Der  Melanit  enthält  häufig  Einschlüsse  von  Agirinaugit  und  tritt 
seinerseits  als  Einschluß  in  Nephelin  und  Leucit  auf. 

Der  wichtigste  dunkle  Gemengteil  ist  Agirinaugit  in 
0,5  bis  1,5  mm  großen  Kriställclien,  säulig  nach  der  c-Achse  und 
zugleich  tafelig  nach  { 1 OOj . Zwillingsbildung  nach  (100)  ist  hie 
und  da  entwickelt.  Die  Farbe  des  Ägirinaugits  ist  grasgrün  mit 
deutlichem  Pleochroismus,  d grasgrün,  b hellgrün,  c gelblichgrün. 
Die  Auslöschuugsschiefe  beträgt  a : c im  spitzen  Winkel  /?  = 35°. 
Die  Kristalle  sind  durchweg  von  einem  schmalen  dunkelgrünen 
Saum  von  ebenfalls  Agirinaugit  mit  a : c = 20  0 umgeben.  Ver- 
einzelt wurde  ein  2 mm  großer  Agirinaugitkristall  beobachtet,  der 
einen  größeren  Kern  von  rötlich  violettem  Titanangit  enthielt. 
Dieser  ist  mit  rotbraunem  Biotit  durchwachsen,  ganz  wie  es  der 
Titanaugit  des  Essexits 1 zeigt.  Außerdem  enthält  dieser  Titan- 
augitkern  zahlreiche  Einschlüsse  eines  fast  farblosen,  stark  licht- 
und  doppelbrechenden  Minerals,  wahrscheinlich  Titanit,  während 
sonst  Titanit  in  dem  Tinguait  nicht  nachweisbar  ist.  Dieser  Titan- 
augitkern  ist  jedenfalls  ein  Fremdling  in  dem  Tinguait  und  stammt 
allem  Anschein  nach  aus  durchbrochenem  Essexit. 

Als  akzessorisches  Mineral  kommt  unter  den  Einsprenglingen 
noch  Melilith  in  Frage.  Es  sind  eine  Reihe  von  leistenförmigen 
Durchschnitten,  im  Mittel  0,4  bis  0,6  mm  lang  und  0,07  bis 
0,14  mm  breit.  Der  Melilith  ist  von  den  Rändern  her  größten- 
teils in  ein  gelblich  gefärbtes  faseriges,  schwach  licht-  und  doppel- 
brechendes Mineral  umgewandelt,  in  der  Mitte  sind  aber  meist 
Reste  von  frischem  Melilith  mit  kräftiger  Lichtbrechung  und 
schwacher  negativer  Doppelbrechung  vorhanden.  Die  Melilith- 
kriställchen  sind  von  einem  dichten  Kranz  dunkelgrüner  Agirin- 
augitnädelchen  umrahmt. 

Akzessorisch  treten  noch  vereinzelt  bis  0,7  mm  große  Körner 
von  Eisenkies  mit  dünner  Brauneisenrinde  auf.  Sonst  fehlen 
Erze  vollständig.  Apatit  ist  spärlich  vorhanden. 

Die  Grundmasse  ist  holokristallin  entwickelt  und  setzt  sich 
hauptsächlich  aus  einem  dichtgedrängten  Mosaik  von  kleinen  idio- 
morphen  Hauyn-  und  Leucit  kriställclien  zusammen.  Die  Größe 
derselben  schwankt  von  0.01  mm  bis  0,08  mm.  Im  Durchschnitt  be- 
trägt sie  meistens  0,04  bis  0,05  mm.  Der  Hauyn  der  Grundmasse 
ist  schwach  trüb  und  z.  T.  schon  in  der  gleichen  Weise  wie  die  Ein- 


1 J.  Soellner,  Über  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstubl. 
Dies.  Centralbl.  1913.  p.  230. 


Ueber  Leucitnephelintinguaitporphyr  etc. 


371 


sprenglinge  in  schwach  doppelbrechende  Aggregate  umgewandelt. 
Der  Leucit  zeigt  die  gleiche  Trübung  wie  die  kleinen  Leucit- 
einsprenglinge  und  erscheint  in  dicken  Schliffen  im  reflektierten  Licht 
ebenfalls  kaolinartig  weiß  trüb.  In  solchen  Schliffen  läßt  sich  mit 
Hilfe  von  Gipsblättchen  Rot  I.  Ordnung  deutlich  beobachten,  daß 
der  Leucit  der  Grundmasse  noch  doppelbrechend  ist  und  die  charak- 
teristische polysynthetische  Zwillingslamellierung  besitzt.  Es  liegt 
also  auch  hier  nur  eine  beginnende  Umwandlung  vor,  aber  keine 
vollendete.  Dies  ergibt  sich  auch  aus  dem  Studium  sehr  dünner 
Schliffe,  in  denen  selbst  bei  sehr  kleinen  Leucitkriställchen  noch 
die  zentralen  Teile  völlig  frisch  wasserklar  sind,  während  nur  die 
Randpartien  durch  Umwandlung  getrübt  sind.  Die  Menge  des 
Leucits  ist  in  der  Grundmasse  eine  recht  beträchtliche,  sie  erreicht 
aber  die  des  Hauyns  nicht  vollständig.  Die  Menge  des  Leucits 
und  die  Verteilung  desselben  läßt  sich  am  besten  in  dicken  Schliffen 
und  im  reflektierten  Licht  erkennen,  weil  hier  der  Leucit  sich 
infolge  seines  kaolinartig  weiß  trüben  Aussehens  kräftig  von  allen 
anderen  Mineralien  abhebt. 

Nächst  Hauyn  und  Leucit  der  wichtigste  Gemengteil  der 
Grundmasse  ist  ein  saftgrüner  Pyroxen  von  ausgesprochener 
Nadelform.  Die  Nädelchen  erreichen  im  allgemeinen  Längen  von 
0,03  mm  bis  höchstens  0,1  mm  und  eine  Dicke  von  0,0015  bis 
0,006  mm.  Der  chemische  Charakter  schwankt  von  Ägirin- 
augit  mit  a:c  = 20°,  entsprechend  dem  äußersten  Saum  der 
Ägirinaugiteinsprenglinge , bis  zu  anscheinend  reinem  Agirin. 
Die  Menge  der  Nädelchen  ist  außerordentlich  groß,  sie  schmiegen 
sich  mit  Vorliebe  den  Konturen  des  Hauyns  und  Leucits  der  Grund- 
masse an,  einen  charakteristischen  dunkelgrünen  Rahmen  um  die- 
selben bildend.  Sie  ragen  nie  in  den  Hauyn  und  Leucit  hinein, 
sind  also  deutlich  jünger  als  diese.  An  Stellen,  wo  Hauyn  und 
Leucit  nicht  sehr  eng  beisammen  liegen,  sieht  man  in  der  Regel 
einen  dicht  gedrängten  Filz  von  wirr  durcheinander  liegenden  Nädel- 
chen. All  die  feinen  Lücken  zwischen  diesen  drei  Grundmasse- 
gemengteilen,  besonders  deutlich  da,  wo  Hauyn  und  Leucit  mehr 
getrennt  liegen,  werden  durch  eine  farblose  wasserklare  Zwischen- 
klemmungsmasse ausgefüllt,  welche  deutlich  schwache  Doppel- 
brechung besitzt.  Größtenteils  besteht  diese  Füllmasse  aus  Ne- 
phelin, zum  kleineren  Teil  aus  Sanidin  mit  zuweilen  hyp- 
idiomorpher  Ausbildung,  Zwillingsbildung  nach  dem  Karlsbader 
Gesetz  und  symmetrischer  Achsenlage.  Glas  fehlt  vollständig, 
ebenso  Erze.  In  der  Nephelinfülle  treten  noch  hie  und  da,  zu- 
weilen nesterweise  zusammengedrängt,  scharf  idiomorph  begrenzte, 
rot  durchscheinende  Kriställchen  in  der  Form  einer  steilen  quadra- 
tischen Bipyramide  auf.  Die  Kriställchen  liegen  völlig  körperlich 
in  der  Nephelinfiille  und  zeigen  teils  quadratische,  teils  rhombische 
Umrißlinien.  In  der  Ebene  der  Mittelkanten  beträgt  der  Durch- 

24* 


372 


~J.  Soellner,  Ueber  Leucitnephelintinguaitporphyr  etc. 


messet  0,008  mm,  in  der  Richtung'  der  c- Achse  0,01  mm.  Der 
Winkel  des  Rhombus  beträgt  an  der  Mittelecke  rund  104°.  Da- 
nach könnte  die  Bipyramide  in  ihrer  Form  der  Bipyramide  {22 1} 
bei  Zirkon  entsprechen.  Der  Winkel  221:221  ist  bei  Zirkon 
nach  Dana1  122°  12'.  Die  Neigung  der  Polkanten  zueinander 
an  der  Mittelecke,  also  in  der  Ebene  a c,  beträgt  danach  104°  2'. 
Ob  die  Kriställchen  nun  wirklich  Zirkon  oder  einem  andern  ähn- 
lich ausgebildeten  Mineral  angehören , läßt  sich  mit  Rücksicht 
auf  die  Kleinheit  derselben  nicht  mit  Sicherheit  entscheiden. 
Pyrrhit,  au  den  man  sonst  denken  könnte,  kommt  mit  Rücksicht 
auf  den  deutlich  quadratischen  Habitus  der  Bipyramide  nicht  in 
Frage. 

Die  Reihenfolge  der  Ausscheidungen  in  dem  Gestein  ist,  so- 
weit sie  sich  bestimmen  läßt,  folgende:  unter  den  Einsprenglingen 
zunächst  Eisenkies  und  Apatit,  beide  kommen  als  Einschlüsse  in 
Ägirinaugit  und  der  Apatit  auch  in  Melanit  vor.  Dann  Ägirin- 
augit  und  Melanit,  und  zwar  ist  Ägirinaugit  älter  als  Melanit, 
da  ersterer  häufig  als  Einschluß  in  letzterem  auftritt,  und  da 
ferner,  wo  beide  sich  nur  berühren,  Melanit  allotriomorph  gegen 
Ägirinaugit  ist.  Dann  folgen  die  hellen  Gemengteile  Nephelin, 
Hauyn,  Leucit  und  Melilith.  Der  Nephelin  enthält  häufig  Ein- 
schlüsse von  Ägirinaugit  und  Melanit,  desgleichen  der  Leucit.  Die 
Reihenfolge  der  hellen  Gemengteile  untereinander  ist  nicht  be- 
stimmbar, da  sie  sich  gegenseitig  weder  berühren  noch  einschließen. 
In  der  Grundmasse  sind  Hauyn  und  Leucit  wohl  annähernd  gleich- 
alterig,  dann  folgt  Ägirinaugit  bis  Ägirin  und  zuletzt  Sanidin  und 
Nephelin. 

Nach  seinem  ganzen  mikroskopischen  Verhalten  zeigt  also 
dieses  Gestein  ausgesprochen  tinguaitischen  Charakter  und  ist  nicht 
bloß  für  den  Kaiserstuhl,  sondern  für  Leucittinguaite  überhaupt 
von  einer  bemerkenswerten  Frische.  Das  Auftreten  leukokrater 
Ganggesteine  wie  der  Tinguaite  im  Kaiserstuhl  bildet  eine  wert- 
volle Ergänzung  zu  den  bisher  von  hier  allein  bekannten  melano- 
kraten  Gauggesteinen. 

Die  chemischen  Verhältnisse  des  Leucitnephelintinguaitporphyrs 
werden  später  im  Zusammenhang  mit  den  anderen  Tinguaiten  be- 
handelt werden. 

Freiburg  i.  Br.,  den  18.  März  1913. 


Dana,  Mineralogy.  VI  ed.  p.  483. 


G.  Rack,  Ueber  das  gegenseitige  Verhalten  etc. 


373 


Ueber  das  gegenseitige  Verhalten  des  Zinnchlorürs  und  der 
Chloride  des  Kaliums  und  Natriums  beim  Kristallisieren  aus 
dem  Schmelzfluss. 

Von  G.  Rack  in  Berlin. 

Mit  2 Textfigaren. 

Die  thermischen  Untersuchungen  wurden  in  Röhrchen  aus 
schwer  schmelzbarem  Glase  in  einem  Nickeldrahtwiderstandsofen 
ausgeführt.  Die  Röhrchen  hatten  einen  inneren  Durchmesser  von 
25  mm  und  eine  Länge  von  8o  mm. 

Als  Ausgangsmaterial  wurde  das  reinste  von  C.  A.  F.  Iyahl- 
BAiM-Berlin  aus  Schmelzfluß  dargestellte  Material  verwendet. 

Die  Schmelztemperaturen  der  regulär  kristallisierenden 
Komponenten  Kaliumchlorid  1 und  Natriumchlorid 2 sind  bereits  von 
einer  großen  Anzahl  von  Beobachtern  bestimmt  worden.  Einige 
der  neuesten  Angaben  sind  für 

KCl  Na  CI 

774°  H.  Brand3  798°  H.  Brand3 

776  0.  Menge4  803  0.  Menge5 *. 

Meine  Untersuchung  ergab,  daß  KCl  mit  einer  Unterkühlung  von 
2°  bei  777  ° und  Na  CI  mit  einer  Unterkühlung  von  ca.  2°  bei 
800  0 kristallisierte. 

Über  die  Schmelztemperatur  des  Zinnchlorürs  liegen  bis 
jetzt  nur  wenige  Angaben  vor: 

250°  Marx« 

245  0.  Menge  7 

247.2  G.  Herrmann« 

250  C.  Sandonnini  und  G.  Scarpa'*. 

Nach  meinen  Abkühlungskurven  liegt  der  Schmelzpunkt  des 
Zinnchlorürs  bei  239  u.  Sn  Cl2  schmilzt  unter  teilweiser  Zersetzung. 
Es  entweicht  Chlor,  und  das  Zinn  bildet  mit  dem  Sauerstoff  der 
Luft  Sn02,  das  sich  im  unteren  Teile  der  Schmelze  absetzt.  Der 
Abbrand  ist  sehr  gering,  nach  G.  Herrmann8  beträgt  er  beim  Er- 

1 Landolt-Börnstein,  Pbys.-chem.  Tabellen.  1912.  p.  216. 

7 Landolt-Börnstein,  1.  c.  p.  222. 

3 H.  Brand,  Diss.  Berlin  1911.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil. -Bd.  XXXII 
p.  628.  1911. 

4 O.  Menge.  Diss.  Göttingen  1911.  Zeitschr.  f.  anorg.  ( hem.  72.  171. 

5 0.  Menge,  1.  c.  p 177. 

* Gmelin-Kraut,  Handb.  d.  anorg.  Chemie.  4.  Abt.  1.  p.  302. 

1 0.  Menge,  1.  c.  p.  194. 

* G.  Herrmann.  Diss.  Göttingen  1911.  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem. 
71.  266.  1911. 

* C.  Sandonnini  und  G.  Scarpa,  Rend.  Acc.  Lincei.  [5.]  20.  2. 

p.  61.  1911. 


374 


G.  Raclc, 


hitzen  bis  500°  im  Durchschnitt  0,5%.  In  einem  Dünnschliffe, 
der  den  unteren  Teil  eines  Regulus  enthielt,  konnte  man  beobachten, 
daß  die  ganze  dunkle  Partie  des  Schmelzkuchens  nicht  durchweg 
aus  Zinndioxyd  bestand,  sondern  daß  Sn  02  nur  die  Spalten  zwi- 
schen den  Sn  Cl2-Kriställchen  ausfüllte.  Das  geschmolzene  Sn  Cl2 
ist  grau,  hygroskopisch  und  besitzt  Fettglanz  und  muscheligen 
Bruch ; außen  ist  der  Regulus  seidenglänzend. 

Sn  Cl2  siedet  bei  ca.  620° '.  Um  bei  den  KCl- bezw.  NaCl- 
reichen  Schmelzen  der  binären  Systeme  den  Verlust  an  SnCl2 
möglichst  einzuschränken,  wurde  im  Glasröhrchen  zuerst  Alkali- 
chlorid zum  Schmelzen  gebracht  und  dann  die  zugehörige  Menge 
SnCl2  hinzugefügt.  Auf  diese  Weise  wurde  der  Snbstanzverlust 
bis  zum  Beginn  der  primären  Ausscheidung  auf  ein  Minimum 
beschränkt. 

SnCl2  kristallisiert  in  den  Drusenräumen,  die  beim  Zerschlagen 
des  Schmelzkuchens  zum  Vorschein  kamen,  in  ca.  1 cm  langen 
Nadeln.  U.  d.  M.  löschen  die  Kriställchen  gerade  aus  und  zeigen 
im  konvergenten  polarisierten  Lichte  die  Interferenzerscheinungen 
zweiachsiger  Kristalle,  sie  gehören  also  dem  rhombischen 
System  an.  Der  Charakter  der  Doppelbrechung  ist  negativ.  Über 
die  Kristallform  des  Zinnchlorürs  lagen  bis  jetzt  Angaben  noch 
nicht  vor.  Nordenskiöld  2 beschreibt  zwar  Sn  Cl.,-Kristalle,  die 
er  durch  Sublimation  von  wasserfreiem  Zinnclilorür  erhalten  hat. 
Indessen  ist  nicht  festgestellt  worden,  ob  die  chemische  Zusammen- 
setzung dieser  Kriställchen  wirklich  der  Formel  SnCl2  entspricht. 

1.  Das  System  Zinnchloriir-Kaliumchlorid. 

Die  thermische  Untersuchung  (Tab.  1)  ergab,  daß  die  Kom- 
ponenten SnCl2  und  KCl  zwei  Verbindungen  miteinander 
bilden,  die  beide  einen  echten  Schmelzpunkt  besitzen.  Merkliche 
Mischbarkeit  zwischen  den  Stoffen  im  kristallisierten  Zustande  ist 
nicht  vorhanden. 

Die  Kurve  ACDEF  trennt  das  Gebiet  der  homogenen  flüssigen 
Phase  a von  den  Gleichgewichtsgebieten  b,  c,  e,  f,  h je  einer 
festen  Phase  mit  der  flüssigen  Schmelze  (Fig.  1 .)  Die  Geraden  D D' 
und  F F'  teilen  das  ganze  System  in  drei  Teilsysteme,  von  deueu 
jedes  einen  einfachen  Erstarrungstypus  liefert.  Während  die  beiden 
ersten  Teilsysteme  aus  je  zwei  Kurvenästen  bestehen,  enthält  das 
dritte  Teilsystem  nur  einen  Kurvenast.  Es  tritt  hier  nur  eine 
primär  kristallisierende  Phase  auf. 

Im  ersten  Teilsystem  schneiden  sich  die  Kurven  A C 
und  D C der  primären  Ausscheidungen  im  eutektischen  Punkte  C 

1 lieber  die  vorhandenen  Angaben  s.  Gmelin-Kract  , Handb.  der 
anorg.  Chemie.  4.  Abt.  1.  p.  302. 

2 P.  Groth,  Chemische  Kristallographie  I.  p.  213.  1906. 


lieber  das  gegenseitige  Verhalten  etc. 


375 


Fig.  1. 

Konzentrationstemperatur-Diagramm  der  Mischungen  aus  Zinnchlorür 
und  Kaliumchlorid. 

a = Existenzgebiet  der  homogenen  flüssigen  Mischungen, 
b = Gleichgewichtsgebiet  von  Sn  CI,  und  Schmelzen  a. 
c,  e = Gleichgewichtsgebiet  von  3 Sn  Cl2  • K CI  und  Schmelzen  a. 
d — Existenzgebiet  von  eutektischen  Gemengen  aus  SnCl2  und 
3 Sn  Cl2  • K CI. 

f = Gleichgewichtsgebiet  von  SnCI2-KCl  und  Schmelzen  a. 
g = Existenzgebiet  von  eutektischen  Gemengen  aus  3SnCl2-KCl 
und  Sn  CI,  • K CT. 

h — Gleichgewichtsgebiet  von  Na  CI  und  Schmelzen  a. 
i = Existenzgebiet  der  sekundär  ausgesch.  Kristallart  Sn  Cl2  • K CI 
(Grenzfall!). 


376 


G.  Rack, 


Tabelle  1. 

Konzentrations-Temperatur-Diagramm  der  Mischungen  aus  Zinnchloriir  und 

Kaliumchlorid. 


Gehalt 

Molekül- 

prozente 

an  KCl 

Gewichts- 

prozente 

Beginn 

der 

Kristalli- 

sation 

Eutektische 

Kristalli- 

sation 

Dauer  der 
eutektischen 
Kristallisation  1 

0 

0 

239° 

— 

— 

2 

0,846 

238 

192° 

40  sec 

5 

2.02 

234 

194 

160 

10 

4,18 

223 

201 

240 

15 

6,47 

206 

201 

410 

20 

8,94 

204 

201 

200 

25 

11,57 

208 

— 

— 

27,5 

12.96 

207 

175 

140 

30 

14,40 

205 

179 

180 

33  j 

16.41 

203 

180 

— 

35 

17,45 

200 

181 

400 

37,5 

19,06 

180 

180 

560 

40 

20,74 

187 

179 

340 

42,5 

22.49 

192 

179 

300 

45 

24.28 

208 

177 

150 

50 

28,19 

224 

— 

(520) 

52.5 

30,26 

310 

224 

500 

55 

32,43 

385 

224 

480 

60 

37,06 

481 

224 

440 

65 

42.16 

541 

224 

400 

70 

47.81 

. 580 

223 

300 

80 

61,09 

679 

222 

240 

90 

77,94 

752 

221 

120 

100 

100 

777 

— 

— 

bei  der  Temperatur  201  0 und  einer  Konzentration  von  ca.  17  Mol.-°/o 
KCl + 83  Mol.-0/"  Sn Cl2.  Ein  aus  dem  Regulus  der  Schmelze 
10  Mol.-°/o  KCl  und  90  Mol.-°/n  Sn  CI,  nach  dem  von  E.  Korreng2 
angegebenen  Verfahren  hergestellter  Dünnschliff  zeigt  primäre, 
leistenförmige  Sn  Cl2-Kriställchen  in  regelloser  Anordnung.  Die 
Zwischenräume  zwischen  den  Kriställchen  werden  durch  die  eutek- 
tische Grundmasse  ausgefiillt.  Im  Punkte  D kristallisiert  das 
Doppelsalz  3SnCls*KClJ 

1 Die  Versuche  wurden  mit  30  g der  Gesamtsubstanz  ausgeführt. 

2 E.  Korreng.  Dies.  Centralbl.  1913.  im  folg.  Heft. 

3 L.  Peetz  (Metallurgie.  1.  p.  281)  gibt  einige  ans  dem  Schmelzfluß 
erhaltene  Verbindungen  des  Zinnchlorürs  mit  den  Alkalichloriden  (darunter 
3 Sn  Cl2  • K CI  und  Sn  CI*  • K CI)  an,  auf  deren  Existenz  er  nur  aus  der 
Homogenität  der  erstarrten  Gemische  schließt.  Eine  genaue  thermische 
und  mikroskopische  Untersuchung  liegt  nicht  vor. 


Feber  das  gegenseitige  Verhalten  etc. 


377 


bei  einer.  Temperatur  von  208  °.  Ein  Dünnschliff  des  Schmelz- 
knchens  25  Mol.%  KCl  und  75  Mol.%  »SnCl.,  ließ  nur  eine  Kristall- 
art erkennen.  Im  konvergenten  polarisierten  Lichte  beobachtet 
man  ein  Achsenkreuz , dessen  Hyperbeläste  kaum  merklich  aus- 
einandergehen. Die  Auslöschung  ist  gerade,  der  Charakter  der 
Doppelbrechung  positiv. 

Im  zweiten  Teils ystem  schneiden  sich  die  Kurvenäste  DE 
und  F E der  primären  Kristallisation  im  eutektischen  Punkte  E 
bei  der  Temperatur  180°  und  einer  Konzentration  von  ca.  38  Mol.-°/o 
KCl.  Das  Existenzgebiet  a der  flüssigen  Phase  wird  durch  das 
Kurvenstück  D E vom  Gleichgewichtsgebiete  e zwischen  dem  Doppel- 
salz D und  der  flüssigen  Schmelze,  durch  das  Kurvenstück  E F 
vom  Gleichgewichtsgebiete  f der  Kristallart  Sn  CI, -KCl  F)  und 
der  flüssigen  Schmelze  abgegrenzt.  Der  Punkt  F gibt  die  Schmelz- 
temperatur des  kongruent  schmelzenden 

Doppelsalzes  Sn  CI2  • K CI 

an.  Die  Abkühlungskurven  des  Gemisches  aus  50  Mol.%  SnCl, 
-J- 50  Mol.-%  KCl  weisen  nur  einen  thermischen  Effekt  auf.  Der 
Dünnschliff  zeigte  nur  eine  Kristallart.  Im  konvergenten  polari- 
sierten Lichte  sieht  man  das  Achsenkreuz  einachsiger  Kristalle. 
Der  Charakter  der  Doppelbrechung  ist  negativ. 

J.  Rehsex  und  G.  M.  Rcchabdsox  1 erhielten  das  Hydrat 
Sn  Cl2  • K C1  • H2  0,  indem  sie  eine  wässerige  Lösung  von  K CI  mit 
einem  großen  Überschuß  von  SnC’L-Lösung  versetzten.  Das  Doppel- 
salz schied  sich  in  weißen  haarfeinen  Kristallen  aus. 

Das  dritte  Teilsystem  stellt  einen  Grenzfall  dar.  Es 
besteht  aus  nur  einem  Kurvenast,  welcher  das  Gleichgewichtsgebiet  h 
der  primär  kristallisierenden  Phase  KCl  mit  der  flüssigen  Schmelze 
vom  Existenzgebiet  a der  flüssigen  Phase  trennt.  Das  Gleich- 
gewichtsgebiet der  zweiten  primär  sich  ausscheidenden  Kristallart 
SnCl2-KCl  mit  der  flüssigen  Schmelze  schrumpft  praktisch  zum 
Punkte  F zusammen.  Ein  Dünnschliff  aus  dem  Regulus  70  Mol.-°/o 
KCl  und  30  Mol.-0  o Sn Cl9  enthielt  Einsprenglinge  von  regulärem 
KCl  in  doppelbrechender  Grundmasse,  die  die  Zusammensetzung 
des  Doppelsalzes  SnCl.,  • KCl  besitzt. 

Ans  wässeriger  Lösung  kristallisiert  noch  nach  C.  Rammels- 
berg1  das  Doppelsalz  SnCl.,  ■ 2 KCl  • H20,  nach  J.  Remsex  und 
G.  M.  Richardson  1 das  Hydrat  Sn  CI.,  • 2 K CI  • 2 H2  0 aus.  Es 
entsteht,  wenn  Sn  Cl„  und  K CI  in  etwa  gleichen  Verhältnissen 
gemischt  werden,  oder  wenn  KCl  im  Überschuß  ist.  Aus  dem 
Schmelzfluß  konnte  das  entsprechende  wasserfreie  Salz  nicht  er- 
halten werden. 


1 Gmelix-Krattt,  Handb.  d.  anorg.  Chemie.  4 Abt.  1.  p.  354. 


378 


G.  Rack,  lieber  das  gegenseitige  Verhalten  etc. 


2.  Das  System  Zinnchloriir-Natriumchlorid. 

Das  Stoffpaar  Sn  CI.,  — Na  CI  liefert  einen  einfachen  Erstarrungs- 
typus (Fig.  2).  Die  Kristallisationskurve  ACB  besteht  nur  aus 


Fig.  2. 

Konzentrations-Temperatur-Diagramm  der  Mischungen  aus  Zinnchlorür 
und  Natriumchlorid. 

a = Existenzgebiet  der  homogenen  flüssigen  Mischungen, 
b = Gleichgewichtsgebiet  von  Sn  Cl2  und  Schmelzen  a. 
c = Gleichgewichtsgebiet  von  Na  CI  und  Schmelzen  a. 
d = Existenzgebiet  von  eutektischen  Gemengen  aus  SnCl2  und  Na  CI. 

den  beiden  Kurvenästen  AC  und  BC1.  Längs  der  Kurve  AC 
scheidet  sich  Sn  CI.,  in  leistenförmigen  Kriställchen  aus,  längs  des 
Kurvenstückes  B C ist  Na  CI  die  primär  kristallisierende  Phase. 


Imin.  Friedländer.  Ueber  vulkanische  Erscheinungen  etc.  379 


Merkliche  Mischfähigkeit  beider  Komponenten  ist  nicht  vorhanden. 
Die  Abkühlungskurven  der  Mischung  5 Mol.-°/o  XaCl-f-  95  Mol.-°/o 
Sn  Cl2  zeigte  noch  eine  deutliche  Haltezeit  von  40  sec  Dauer, 
dagegen  wiesen  die  Abkühlungskurven  der  Schmelze  2 Mol.-°/o 
XaCl-f-  98  Mol.-0/«  SnCl2  bei  176°  nur  einen  Knick  auf.  In  einem 
Dünnschliff  aus  letzterem  Kegulus  konnte  die  Anwesenheit  von 
Eutektiknm  nicht  mit  Sicherheit  festgestellt  werden. 

Der  eutektische  Punkt  liegt  bei  der  Temperatur  183°  und 
einer  Konzentration  von  ca.  32  Mol.-%  XaCl-f-  68  Mol.-°/o  SnC'l2. 


Tabelle  2. 

Konzentrations-Temperatur-Diagramm  der  Mischungen  aus  Zinnchlorür 
und  Xatriumchlorid. 


Gehalt 

Molekül- 

prozente 

an  XaCl 

Gewichts- 

prozente 

Beginn 

der 

Kristalli- 

sation 

Eutektische 

Kristalli- 

sation 

Dauer  der  eutek- 
tischen Kristalli- 
sation hei  30  g 
Versuchssubstanz 

0 

0 

239° 

_ 

2 

0,53 

237 

176° 

Knick 

5 

1.59 

235 

178 

40  sec 

10 

3.31 

231 

181 

160 

15 

5,15 

225 

181 

240 

20 

7,15 

210 

182 

360 

30 

11,65 

187 

183 

420 

33J 

13,34 

250 

183 

520 

40 

17,03 

398 

183 

460 

50 

23.54 

510 

183 

400 

66§ 

38.10 

673 

184 

340 

80 

55.17 

721 

182 

210 

100 

100 

1 

800 

— 

Berlin,  Mineralog.-petrographisches  Institut  der  Universität, 
Januar  1913. 


Ueber  vulkanische  Erscheinungen  am  Aetna  und  in  Japan. 

Von  Immanuel  Friedländer  in  Neapel. 

Herr  Dr.  Karl  Schneider  glaubt  sich  gegen  einige  Vorwürfe 
verteidigen  zu  müssen,  die  ihm  von  verschiedenen  Kritikern  über 
sein  Buch,  betreffend  die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde, 
gemacht  wurden.  Er  wendet  sich  unter  anderem  dabei  wesentlich 
gegen  mich  und  ich  glaube,  daß  aus  sachlichen  Gründen  einige 
seiner  Behauptungen  nicht  unbesprochen  bleiben  sollten.  Ich  be- 
merke, daß  ich  sein  Buch  sehr  ausführlich  besprochen  habe,  weil 


380  Imm.  Friedländer,  Ueber  vulkanische  Erscheinungen  etc. 

ich  es  in  mancher  Beziehung  als  bedeutend  und  jedenfalls  der 
allgemeinen  Aufmerksamkeit  wert  befand  und  daß  ich  mit  meiner 
Besprechung  durchaus  nicht  die  Absicht  hatte,  den  Verfasser  irgend- 
wie anzugreifen.  Ich  hatte  in  meiner  Besprechung  hervorgehoben, 
daß  der  Ätna,  im  Gegensätze  zur  Auffassung  des  Herrn  Schneider, 
zurzeit  immer  noch  ganz  wesentlich  Laven  und  nur  in  geringer 
Menge  Aschen  fördert,  im  Gegensätze  zum  Vesuv,  wo  beim  letzten 
Ausbruch  1911  das  Verhältnis  umgekehrt  war.  Herr  Schneider 
behauptet  nun  in  seiner  Entgegnung,  daß  ihm  die  Berichte  von 
Riccö  und  von  Ponte  über  den  Ätnaausbruch  vom  Jahre  1910 — 1 1 
recht  gäben.  Es  handelt  sich  um  zwei  ganz  verschiedene  Aus- 
brüche des  Ätna;  der  eine  fand  1910  auf  der  S-Seite,  der  andere 
1911  auf  der  N-Seite  statt.  Die  von  Schneider  erwähnten  Be- 
richte, von  denen  der  eine  sich  ausführlich  mit  der  Asche  befaßt, 
geben  ihm  aber  absolut  nicht  recht.  Es  findet  sich  in  diesem 
Bericht  nicht  die  Behauptung,  daß  die  Aschenförderung  des  Ätna 
im  Gegensätze  zur  Lavafördernng  sehr  bedeutend  gewesen  wäre. 
Aus  dem  ziemlich  ausführlichen  Werke  über  den  Ausbruch  des 
Ätna  1910,  das  vom  Geologischen  Institut  der  Universität  Catania 
von  P.  Vinassa  de  Regny,  A.  Riccö,  S.  Arcidiacono,  F.  Stella 
Starabba,  L.  Taffara,  0.  de  Fiore  herausgegeben  wurde,  befindet 
sich  eine  sehr  genaue  Beschreibung  des  ganzen  Ausbruches,  aus 
der  die  große  Bedeutung  der  Lavaförderung  bei  diesem  Ausbiuche 
hervorgeht. 

Betreffs  der  Abnahme  des  Vulkanismus  seit  dem  Diluvium  und 
Alluvium  bis  zur  historischen  Zeit  ist  Schneider  übrigens  sowohl 
in  seinem  Buche  wie  in  seiner  Erwiderung  den  Beweis  schuldig 
geblieben. 

Zum  Schlüsse  behauptet  Schneider,  daß  seine  irrtümlichen 
Angaben  über  die  Eruptionsdaten  der  japanischen  Vulkane  eigent- 
lich meine  Schuld  wären,  da  sie  aus  meinem  Buche  entnommen 
und  erst  in  meiner  Kritik  richtiggestellt  seien.  Der  Sachverhalt 
ist  folgender:  Schneider  hat  anscheinend,  ohne  den  übrigen  Text 
zu  lesen,  die  von  mir  bei  der  Geschichte  des  Sakurashima-Vulkans 
angegebenen  Daten  einfach  als  Eruptionsdaten  aufgeführt,  obwohl 
in  meinem  Buche  klar  zu  lesen  war,  daß  es  sich  bei  einigen  der 
Daten  um  Eruptionen,  bei  anderen  aber  um  andere  an  den  betreffen- 
den Daten  beobachtete  Erscheinungen,  wie  Veränderung  von  Quellen, 
leichten  Rauchwolken  und  dergleichen  handelt.  Er  hat  also,  was 
ich  in  meiner  ersten  Kritik  vielleicht  nicht  deutlich  genug  zum 
Ausdruck  gebracht  habe,  die  gegebenen  Quellen  nicht  mit  der 
nötigen  Sorgfalt  benützt. 


W.  Teppner,  Testudo  Riedli  R.  Hoernes. 


381 


Testudo  Riedli  R.  Hoernes. 

Von  Wilfried  Teppner. 

Mit  1 Textflgur. 

Da  es  R.  Hoernes  nicht  mehr  besehiedeu  war,  die  kurze 
Beschreibung  seiner  Testmio  Riedli  zu  ergänzen,  andere  Autoren 
aber  T.  Riedli  zitieren,  halte  ich  es  für  angebracht,  die  Ergänzung 
zu  Hoernes  Beschreibung  nachzutragen.  Die  Photographie  stammt 
von  dem  Gipsabgüsse  des  Steinkernes,  auf  welchen  R.  Hoernes 


1 — . 


die  Nähte  eingezeichnet  hat;  das  Original  ist  infolge  seiner  dunkel- 
braunen Farbe  zur  Abbildung  ungeeignet,  denn  die  Nähte  kommen 
hiebei  nicht  zum  Ausdruck. 

R.  Hoernes  1 gibt  in  der  kurzen  Beschreibung  seiner  T.  Riedli 
an,  daß  die  Kostalplatten  in  geringem  Grade  abwechselnd  keil- 
förmige Gestalt  haben  und  in  ihrer  Artikulation  mit  den  Vertebral- 
platten insoferne  abweichen,  als  nur  die  ersten  drei  Kostalplatten 
dem  Typus  Testudo  entsprechen , während  die  übrigen,  wie  bei 
Emys  an  je  zwei  Vertebralplatten  grenzen.  Der  Steinkern  von 
T.  Riedli,  aus  den  Sotzka-Schichten  von  Trifail 2,  zeigt  eine  Ver- 

1 R.  Hoernes  , Neue  Schildkrötenreste  aus  steirischen  Tertiär- 
ablagerungen. Verh.  d.  k.  k.  geol.  Reichsanst.  Wien  1892.  p.  243—246. 

2 R.  Hoernes,  Bau  und  Bild  der  Ebenen  Österreichs.  1903.  p.  921 — 926. 


382 


W.  Teppner, 


letzung  des  Rückens,  so  daß  über  den  Umriß  der  Neuralplatten 
und  deren  Anschluß  an  die  Kostalplatten  nichts  genaueres  gesagt 
werden  kann.  Aber  immerhin  läßt  sich  folgendes  feststellen : 
das  1.  Kostale  grenzt  an  das  Nuchale  und  1.  und  2.  Neurale; 

„6.  „ „ „ „ 6.  und  7.  Neurale; 

r>  * ■ n n » » ^ » 8.  „ 

» 8.  „ » » » 8.  B 9.  >, 

v.  Reinach  1 fügt  der  Beschreibung  von  R.  Hoernes  noch  hinzu, 
daß  die  Neuralplatteu  direkt  auf  die  Rückenwirbel  auflagern  und  die 
Kostalplatten  mit  den  Peripheralen  verbunden  sind,  was  aus  dem 
Eindringen  der  Rippenspitze  in  das  Pleurale  hervorgeht.  Letzteres 
Verhalten,  vergl.  Reinach,  wird  durch  das  ungleiche  Wachstum  der 
Knochenplatten  und  der  Schilder  bedingt,  und  dürften  daher  auch 
die  proximalen  Grenzen  der  Peripheralen  nicht  mit  denen  der  Margi- 
nalen übereingestimmt  haben.  Die  beiden  vorhin  angeführten  Merk- 
male hat  T.  Riedli  mit  den  Sumpfschildkröten  gemeinsam.  Bezüglich 
der  testudinen  Ausbildung  der  Neuralen  ist  Reinach  gleicher  Ansicht 
wie  R.  Hoernes,  daß  dieselben  eine  solche  nicht  erkennen  lassen. 

R.  Hoernes  sagt,  daß  die  Neuralplatten  in  ihren  Umrissen 
und  im  Anschlüsse  an  die  Kostalplatten  den  emydenartigen 
Typus  zeigen , den  1.  praeceps  Haberrandt  2 weniger  deutlich 
zeigt.  Im  nachstehenden  die  Maße  für  T.  Riedli : 


Neuralplatten 


1.  j2. 

O 

4. 

5. 

6. 

_ 

(. 

8. 

9. 

Länge  (Höhe) 

30  — 

— 



— 

15 

12 

16,5 

Breite  vorn 

13  18 

— 

— 

- 

— 

11 

10 

Größte  Breite  hinten 

1 

15 

11 

10 

11 

Kostalplatten 


1. 

2. 

3. 

4. 

5. 

6. 

7. 

8. 

Größte  Breite  in  der  Nähe  der  Neural- 

platten 

— 

— 

— 

— 

18,5 

17 

21 

Breite  am  Schildrand 

50 

26 

19 

23 

32,5 

21 

24 

20,5 

Länge  an  der  Naht  der  folgenden 

Kostalplatte 

35  3 

47 

— 

65 

55,5 

46 

35,5 

21 4 

1 A v.  Reinach,  Schildkrötenreste  im  Mainzer  Tertiärbecken  und  in 
benachbarten,  ungefähr  gleichaltrigen  Ablagerungen.  Abh.  d.  Senck. 
naturf.  Ges.  32.  1900.  p.  13. 

3 G.  Haberlandt,  Über  Testudo  praeceps  n.  sp.,  die  erste  fossile 
Schildkröte  des  Wiener  Beckens.  Jahrb.  der  k.  k.  geol.  Reichsanst. 
Wien  1876.  p.  243—248. 

3 und  26  mm  an  der  Nuchalnaht. 

4 am  Hinterrand. 


Testudo  Riedli  R.  Hoernes. 


383 


Marginalplatten 


II 1 

2. 

3. 

4. 

5- 

6. 

7. 

8. 

9. 

10. 

Länge  in  der  Nähe  der  Kostal- 

platten 

14 

— 

— 

26 

28 

— 

— 

25 

21 

5 

Länge  am  Schildrande 

Höhe  an  der  Naht  der  nächst- 

22 

— 

— 

27 

29 

— 

— 

25 

21,5 

— 

folgenden  Marginalplatte  . . 

14 

— 

29 

31 

22 

— 

19,5 

18 

— 

— 

Die  Nuchalplatte  und  die  Schwanzplatte  sind  weniger  steil 
gestellt  wie  bei  T.  praeceps;  die  Randplatten  sind  nieder.  T.praeceps 
hat  sehr  hohe  und  schmale  Randplatten;  auch  die  bei  T.  Eschen 
Pict.  et  Hum.  1 und  bei  T.  antiqua  Bronn  2 sind  höher  und  schmäler 
wie  bei  T.  Riedli.  Die  Knochenstützen,  welche  von  der  ersten 
und  fünften  Kostalplatte  zu  dem  Hyo-  und  Hypoplastron  gehen, 
bilden  wesentlich  stärkere  Sternalkammern  wie  bei  T.  praeceps ; 
solche  fehlen  bei  den  Testudiniden  der  Gegenwart  und  sind  bei 
manchen  Emyden  schwächer  entwickelt.  Der  Brustbauchschild 
zeichnet  sich  dadurch  aus,  daß  das  rückwärtige  Plattenpaar 
(Xiphiplastron)  in  ziemlich  loser  Verbindung  mit  dem  übrigen 
Schilde  stand,  so  daß  es  losgelöst  und  nach  innen  gerückt  er- 
halten blieb,  während  die  übrigen  Stücke  des  Brustbauchschildes 
sämtlich  verloren  gingen  und  nur  durch  die  Abformung  der  Naht- 
linien auf  dem  Steinkerne  ihre  gegenseitige  Abgrenzung  erkennen 
lassen.  An  den  erhaltenen  Xiphiplastra  konnte  R.  Hoernes  fest- 
stellen, daß  an  deren  Innenseite  keine  Spur  einer  Anheftung  des 
Beckens  vorhanden  war,  wie  sie  bei  der  Pleurodira  stattfindet. 
Der  Schild  von  T.  Riedli  war  ungewöhnlich  dick;  die  geringste 
Stärke  dieser  Xiphiplastra  betrug  5 mm;  an  einigen  Stellen 
aber  7 mm. 

Nachdem  in  der  Regel  der  Rückenschild  stärker  ist  wie  der 
Brustbauchschild,  muß  ersterer  sehr  stark  gewesen  sein.  Diesen 
Umstand  zieht  R.  Hoernes  zur  Erklärung  der  ungewöhnlichen 
Entwicklung  der  Flügel  der  Hyo-  und  Hypoplastra  und  damit  der 
Sternalkammern  heran.  Die  Loslösung  der  Xiphiplastra  von  dem 
übrigen  Brustbauchschild  erklärt  R.  Hoernes  als  Ursache  einer 
unvollkommenen  Verknöcherung  der  betreffenden  Nahtverbindung. 

Mit  T.  promarginata  Reinach  hat  T.  Riedli  keine  Ähnlichkeit. 
Wenn  wir  einige  der  neu  bestimmten  Testudiniden  betrachten, 
so  unterscheidet  sich  T.  Riedli  von  T.  perpiniana  Deperet  3 nicht 
nur  durch  die  Größe  (bis  1,5  m),  sondern  auch  dadurch,  daß  bei 

1 In  der  Monographie  des  C'heloniens  de  la  Molasse  Suisse.  Genf  1856 

s H.  v.  Meyer,  Palaeontograpliiea.  15. 

3 Ch.  DepEret,  Les  animaux  pliocenes  de  Roussillon.  Mem.  de  la 
societe  geol.  de  France.  Paläontologie.  Mem.  3.  1890.  p.  140 — 155. 


384 


Miscellanea.  — Personalia. 


T.  perpiniana  kein  Nuchale  vorhanden  ist,  von  T.  pyrenaica 
Deperet  1 dadurch,  daß  letztere  Art  einen  kugeligen,  nach  allen 
Seiten  steil  abfallenden  Panzer  ohne  Nuchale  und  hohe  Rand- 
platten hat. 

Jedenfalls  aber  steht  T.  Biedli  in  naher  verwandtschaftlicher 
Beziehung  zu  den  miocänen  Testudiniden : T.  praeceps,  T.  Olaweri, 
T.  marmorum 2 und  T.  globosa1 2  3,  die  eine  vollkommen  erloschene 
Gruppe  bilden. 

R.  Hoernes  betrachtet  T.  Biedli  infolge  der  „schwach 
keilförmigen  Ausbildung  der  Pleuralen  und  wahrscheinlichen  Be- 
weglichkeit des  Xiphiplastrons“  als  Übergangsglied  der  Sumpfschild- 
kröten zu  Testudo , was  Reinach  allerdings  als  noch  fraglich  erklärt. 

Zu  besonderem  Danke  verpflichtet  bin  ich  meinem  verehrten 
Lehrer,  Herrn  Dr.  F.  Heritsch,  der  mir  wie  immer  in  jeder  Weise 
hilfreich  an  die  Hand  gegangen  ist. 


Miscellanea. 

Akademische  Ferienkurse  in  Hamburg.  Vom  24.  Juli  bis 
6.  August  1913  linden  in  Hamburg,  in  Verbindung  mit  den  zahl- 
reichen wissenschaftlichen  Anstalten  des  Staates,  den  Kranken- 
häusern und  dem  Kolonialinstitut,  akademische  Ferienkurse  (im 
ganzen  75  Vorlesungen  und  Vorlesungsreihen)  für  Ausländer  statt. 
Diese  internationale  wissenschaftliche  und  pädagogische  Veranstal- 
tung, begründet  in  der  Zentrale  des  deutschen  Überseehandels,  hat 
den  Zweck,  Ausländern  eine  Orientierung  über  den  Stand  der 
Wissenschaft  in  Deutschland  auf  dem  Gebiete  der  Philosophie, 
Psychologie,  Pädagogik,  Rechts-  und  Staats  Wissen- 
schaften, Philologie,  Kultur-  und  Literaturwissen- 
schaft (deutsche,  französische,  englische,  spanische,  griechische, 
semitische,  slavische,  afrikanische,  babylonische,  chinesische,  japa- 
nische), der  Naturwissenschaften  und  der  klinischen 
Medizin  zu  geben.  Die  aktuellen  Probleme  der  Wissenschaft 
werden  von  sachverständigen  Spezialisten  in  einer  für  Gebildete 
verständlichen  Form  vorgetragen  (zusammen  65  Professoren  deutscher 
Universitäten  und  Institute). 


Personalia. 

Habilitiert:  Dr.  E,  Hennig',  Assistent  am  geologisch- 
paläontologischen  Institut  und  Museum  der  Universität  Berlin, 
für  Geologie  und  Paläontologie. 

Gestorben:  Prof.  Dr.  E.  Kittl,  Leiter  der  geolog.-paläonto- 
logischen  Abteilung  des  k.  k.  Naturhist.  Hofmuseums  in  Wien. 


1 Ch.  Deperet,  1.  c.  p.  155  — 160. 

2 Gaudry,  Animaux  fossiles  et  Geologie  de  l’Attique.  Paris  1862/67. 

3 Portis,  Rettili  pliocenici  del  Val  d’Arno  superiore.  Firenze  1890. 


E.  H.  Kraus  und  C.  W.  Cook,  Die  Kristallformen  etc. 


385 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion, 

Die  Kristallformen  des  Jodyrits  von  Tonopah,  Nevada. 

Von  E.  H.  Kraus  und  C.  W.  Cook  in  Ann  Arbor. 

Vor  vier  Jahren,  1909,  publizierten  wir  eine  kristallographisch- 
cheraische  Arbeit  „Jodyrit  von  Tonopah,  Nevada,  und  Broken  Hill, 
New  South  Wales“  (American  Journal  of  Science.  1909.  XXVII. 
p.  210  — 222,  und  Zeitschrift  für  Kristallographie  und  Mineralogie. 
1909.  XLVI.  p.  417 — 426),  worin  wir  (7073),  (9092),  (9092), 
(9091),  (9091),  (15.0.15.8),  (7074),  (7071)  und  (33.0.33.2) 
als  neue  Formen  für  den  Jodyrit  angaben  (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
1911.  I.  -341 -).  Vor  kurzem  veröffentlichte  Herr  A.  S.  Eakle 
eine  Arbeit  „The  Minerals  of  Tonopah,  Nevada“  (University  of 
California  Publications.  1912.  VII.  p.  1 — 20),  worin  er  unter  anderem 
auch  Jodyritki'istalle  von  Tonopah,  p.  11,  12  und  13,  beschreibt. 

Herr  Eakle  gibt  an,  daß  er  einige  Hundert  Kristalle  zur 
Verfügung  hatte  und  daß  diese  Kristalle  größtenteils  parallele 
Verwachsungen  waren  und  daher  sehr  gestreift,  so  daß  seine 
Winkelmessungen  sehr  unzuverlässig  waren.  Aus  diesen  Gründen 
glaubt  Herr  Eakle,  daß  die  von  uns  als  neu  angegebenen  Formen 
(7074),  (7073),  (9092)  und  (15 . 0 . 15 . 8)  entweder  nur  gestreifte 
Übergänge,  oder  daß  die  zu  ihrer  Feststellung  angewandten 
Messungen  unzuverlässige  Beobachtungen  der  Formen  (2021)  und 
(4041)  waren.  Nachdem  Herr  Eakle  angibt,  daß  an  den  von 
ihm  gemessenen  Kristallen  der  Winkel  (0001)  : (2021)  = 62°  10' 
Variationen  von  — 3°  23'  und  +3°  23'  zeigte,  wird  die  folgende 
Tabelle  angeführt,  um  seine  Leser  zu  überzeugen,  daß  dies  auch 
wirklich  bei  unseren  Untersuchungen  der  Fall  gewesen  sein  mußte: 

(0001) : (7074)  = 58 0 47' 

(0001) : (7073)  = 65  33 

(0001) : (15 . 0 . 15 . 8)  = 60  32. 

Als  Antwort  auf  diese  Behauptung  Eakle’s  möchten  wir  zu- 
erst sagen:  Anstatt  einer  Auswahl  von  einigen  Hundert  Kristallen 
war  das  uns  von  der  Firma  Foote  und  Company  in  Philadelphia 
zur  Verfügung  gestellte  Material  aus  mehreren  Tausend 
Kristallen  auserwählt.  Wir  führten  kristallographische  Messungen 
an  15  Kristallen  aus,  welche  aus  11  einfachen  Kristallen,  2 Zwil- 
lingen und  nur  2 parallelen  Verwachsungen  bestanden.  Die  ein- 
fachen Kristalle  waren  alle  gut  ausgebildet  und  gute  Reflexe 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  25 


386 


E.  H.  Kraus  und  C.  W.  Cook,  Die  Kristallformen  etc. 


konnten  erhalten  werden.  Nach  den  oben  angeführten  Angaben 
Eakle’s  müßte  man  glauben,  daß  unsere  Messungen  für  die  be- 
treffenden Formen  auch  sehr  schwankten  und  daher  gar  nicht  mit 
den  berechneten  Werten  übereinstimmten.  Unsere  neuen  Formen 
(15.0.15.8)  und  (7073),  welche  Eakle  als  (2021)  deuten  will, 
wurden  als  schmale,  aber  gut  ausgebildete  Flächen  auf  Kristallen 
in  Verbindung  mit  (2021)  beobachtet,  — (15.0.15.8)  achtmal  auf 
vier  Kristallen  und  (7073)  dreimal  auf  zwei  Kristallen.  Die 
Schwankungen  der  einzelnen  Ablesungen  und  die  Vergleichung  der 
Mittelwerte  mit  den  berechneten  Winkeln  werden  in  der  unten 
angeführten  Tabelle  gegeben,  welche  Werte  ganz  innerhalb  der 
Fehlergrenzen  sind,  die  man  bei  kristallographischen  Arbeiten  ge- 
wöhnlich annimmt,  da  nur  in  einem  Falle  eine  Differenz  von 
15  Minuten  zwischen  dem  Mittelwert  der  Beobachtungen  und  dem 
berechneten  Winkel  zu  notieren  ist.  In  zwei  Fällen  (7074)  und 
(33 .0.33.2)  wurden  die  Formen  nur  je  einmal  beobachtet,  aber 
die  Messungen  stimmten  mit  den  berechneten  Winkeln  fast  genau 
überein. 


Form 

Schwankungen 
in  den 

Beobachtungen 

Mittel- 
wert der 
Beobach- 
tungen 

Berech- 

nete 

Winkel 

Zahl  der 
Beobach- 
tungen 

Zahl  der 
Kristalle 

(15.0.15.8) 

60°  3'- 60°  56' 

60°  32' 

60 u 47' 

8 

4 

(9092) 

76  6 —77  11 

76  46 

76  48 

3 

2 

(7074) 

58  47 

58  50 

1 

1 

(7073) 

65  —66  18 

65  33 

65  39 

3 

2 

(33.0. 33 . 2) 

86  20| 

86  21 

1 

1 

Wir  nahmen  bei  unseren  Berechnungen,  wie  üblich,  den 
Charakter  der  einzelnen  Flächen  und  deren  Reflexe  sowie  auch 
die  Zahl  der  Beobachtungen  derselben  und  deren  Übereinstimmung 
mit  den  berechneten  Werten  in  Betracht  und  waren  überzeugt, 
daß  die  Daten  völlig  genügend  seien,  um  die  oben  angeführten  neuen 
Formen  (15.0.15.8),  (9092),  (7074),  (7073)  und  (33.0.33.2), 

dessen  Existenz  Eakle  in  Zweifel  zieht,  unzweifelhaft  als  festgestellt 
zu  betrachten.  Wir  sind  noch  dieser  Meinung,  obgleich  Herr 
Eakle  diese  Formen  nicht  an  den  von  ihm  untersuchten  Kristallen 
konstatieren  konnte,  denn  wir  hatten  ein  größeres  und,  nach  seiner 
Beschreibung,  auch  bedeutend  besseres  Material  zur  Verfügung 
als  er. 

Mineralogical  Laboratory,  University  of  Michigan. 


Fr.  Tndan,  Zu  Tudan’s  „Bauxitfrage“. 


387 


Zu  Tucan’s  „Bauxitfrage“. 

Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram,  Kroatien). 

Auf  die  Notiz  Lazarevic’s1  unter  dem  obigen  Titel  will  ich 
momentan  nicht  weiter  reagieren.  Ich  habe  meine  Anschauungen  in 
meinen  Arbeiten  über  die  Terra  rossa  und  über  Bauxite  veröffentlicht 
und  unparteiische  Fachmänner  können  darüber  urteilen.  Gegen  eine 
Behauptung  Lazarevic’s  muß  ich  jedoch  eine  Aufklärung  geben, 
da  sie  nicht  richtig  ist.  Lazarevic  schreibt:  „Wenn  man  aber 
bedenkt,  daß  Tucan  imstande  ist,  aus  dem  Kalk  und  Dolomit  im 
unlöslichen  Rückstände  Calcit  zu  erhalten,  so  wird  man  freilich 
auch  hier  gegen  die  Richtigkeit  dieser  Angaben  berechtigte  Be- 
denken tragen  müssen.“  Wenn  Lazarevic  beweisen  kann,  daß 
ich  in  meinen  Arbeiten  erwähne , daß  ich  im  unlöslichen 
Rückstände  von  Kalken  und  Dolomiten  Calcit  fand, 
dann  werde  ich  seine  Anschauung  als  nicht  hinfällig  betrachten. 
Er  hält  fest  an  folgendem  Satz:  „P, 0.,  CaO  und  S03,  welche 
Bestandteile  man  in  manchen  Bauxitanalysen  anführt , stammen 
unzweideutig  von  Apatit , Calcit , Gips  und  Anhydrit , welche 
Minerale  ich  im  unlöslichen  Rückstände  der  Kalke  und  Dolomite 
und  in  der  Terra  rossa  gefunden  habe“  2.  Wer  aber  meine 
Arbeiten  über  Kalke  und  Dolomite  und  die  Terra  rossa  gelesen 
hat,  wird  sehen,  daß  Lazarevic  etwas  Unx-ichtiges  schreibt.  Im 
unlöslichen  Rückstände  der  Kalke  und  Dolomite  fand  ich  folgende 
Minerale:  Quarz,  Glimmer,  Pyrit,  Hämatit,  Gips,  Anhydrit,  Fluß- 
spat, Amphibol,  Epidot,  Chlorit,  Chloritoid,  Zoisit,  Disthen,  Granat, 
Staurolith,  Feldspate,  Turmalin,  Zirkon,  Rutil,  Korund,  tonartige 
Substanz  (Sporogelit),  Periklas,  Brucit,  Apatit,  Koppit,  Zinnober 
und  Auripigment  (siehe  meine  Abhandlung  .Die  Kalksteine  und 
Dolomite  des  kroatischen  Karstes“  3).  Also  nirgends  ist  die  Rede 
von  Calcit.  In  der  Terra  rossa  fand  ich  außer  den  erwähnten 
Mineralen  noch  Calcit,  was  dem  ganz  natürlich  ist,  der  die  Ent- 
stehung der  Terra  rossa  kennt.  Wenn  man  diese  Behauptungen 
vor  Augen  hält,  so  ist  es  klar,  wie  man  den  oben  erwähnten  Satz 
zu  deuten  hat,  aber  daher  darf  man  nicht  denjenigen  Teil  — hier 
ist  er  fett  gedruckt  — beim  Zitieren,  avie  es  Lazarevic  getan  hat, 
anslassen. 

Agram  (Zagreb),  Mineralogisch-petrograph.  Institut. 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  258. 

1 Ibid.  1913.  p.  66. 

3 Annales  gdolog.  de  la  Peninsule  balkanique.  Bd.  6.  Heft  2.  p.  780 


25* 


388 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 
des  Polarisationsmikroskops. 

Von  M.  Berek  in  Wetzlar. 

Mit  7 Textfiguren. 

Anwendungsbereich  verschiedener  Kompensatoren. 

Obwohl  die  Doppelbrechung  ein  Hilfsmittel  zur  Unter- 
scheidung der  Mineralien  darbietet  und  innerhalb  einer  isomorphen 
Mischungsreihe  auch  die  chemische  Zusammensetzung  angenähert 
zu  ermitteln  gestattet,  wird  die  Messung  von  Gangunterschieden 
bei  petrographisclien  Arbeiten  nicht  mit  einer  ihrer  Wichtigkeit 
entsprechenden  Häufigkeit  ausgeführt.  Die  Schätzung  der  Höhe 
der  Interferenz  färbe  oder  die  Anwendung  einer  Glimmertreppe  nach 
E.  v.  Fedorow  genügen  allerdings  in  vielen  Fällen  nicht.  Anderer- 
seits verzichtet  man  anf  die  Benutzung  genauerer  Meßvorrichtungen 
wegen  der  Unmöglichkeit  bequemen,  raschen  Arbeitens  sowie  der 
Vermeidung  größerer  Unkosten  bei  ihrer  Anschaffung. 

Der  Glimmer  ko  m pensator  (elliptischer  Analysator)  nach 
H.  de  Senarmont1,  bestehend  aus  Viertelundulationsglimmerblättchen 
und  drehbarem  Analysator,  kommt  nur  für  das  dem  ^ ^.-Blättchen  ent- 
sprechende einfarbige  Licht  in  Frage. 

Der  BABiNET’sche  Quarzkeil- Kompensator  eignet  sich 
in  den  gewöhnlich  ausgeführten  Größenverhältnissen  nicht  zur  Er- 
kennung geringer  Doppelbrechung,  da  Gaugunterschiede  unterhalb 
ca.  25  eine  auf  den  ersten  Blick  kaum  noch  wahrnehmbare, 
wenn  auch  durch  wiederholte  Einstellungen  noch  meßbare  Ver- 
schiebung des  Kompensationsstreifens  bewirken.  Die  in  jüngster 
Zeit  durch  H.  Schulz2  gesteigerte  Empfindlichkeit  dieses  Kompen- 
sators für  geringe  Gangunterschiede  mit  Hilfe  der  LuMMER!schen 
Doppelringc  kommt  wegen  der  Kompliziertheit  der  Anordnung  für 
mikroskopische  Zwecke  nicht  in  Betracht.  Sehr  vorteilhaft  dagegen 
ist  die  Benutzung  eines  Kompensators  nach  Babinet-Biot  mit 
gleichförmigem  Gesichtsfeld  in  Verbindung  mit  dem  Glimmer- 
okular nach  J.  Königsberger3.  Allerdings  macht  die  Anwendung 
auch  dieses  Kompensators  entweder  ein  ständiges  Arbeiten  mit  dem 
Aufsatzanalysator  notwendig,  oder  sie  erfordert  beim  Übergang  von 
der  Beobachtung  des  Dünnschliffs  zur  Messung  der  Doppelbrechung 
und  umgekehrt  einen  fortwährenden  Umbau  am  Mikroskop. 

Der  speziell  für  petrographische  Zwecke  bestimmte  Doppel- 
quarzkeil-Kompensator  nach  Fr.  E.  Wright4  läßt  auch 

1 Vergl.  F.  Pockels,  Lebrb.  d.  Kristalloptik.  Leipzig  und  Berlin 
1906.  p.  227. 

2 H.  Schulz,  Pbys.  Zeitschr.  13.  p.  1017.  1912. 

3 J.  Königsberger,  dies.  Centralbl.  1908.  p.  729  und  730;  1909. 
p.  249,  746. 

4 F.  E.  Wright,  Amer.  Journ.  Sei.  (4.)  26.  p.  370.  1908  ; vergl.  auch  The 
methods  of  petrographic-microscopic  researeb.  Washington  D.  C.  1911.  p.  101. 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


389 


geringe  Beträge  der  Doppelbrechung  erkennen.  Die  Meßgenauig- 
keit dagegen  ist  weit  geringer  als  die  des  Kompensators  nach 
Babinet,  abgesehen  davon,  daß  die  Kompensatorteilung  nur  fin- 
den optischen  Schwerpunkt  weißen  Lichts  gültig  ist.  Im  Interesse 
raschen  Arbeitens  ist  man  ferner  genötigt,  auf  die  Vorteile  des 
Tnbusanalysators  auch  während  der  Beobachtung  des  Dünnschliffs 
zu  verzichten. 

Der  drehbare  Quarzkompensator  nach  W.  Nikitin1 
hat  den  Vorzug  großer  Einfachheit;  er  beruht  auf  demselben  Prinzip 
wie  das  schon  von  Biot2  angegebene  drehbare  einachsige  Kristall- 
blättchen zur  Bestimmung  des  optischen  Charakters.  W.  Nikitin 
benutzt  eine  Quarzplatte  von  etwa  0,07  mm  Dicke,  deren  Normale  mit 
der  Achse  einen  Winkel  von  25°  bildet.  Diese  Kompensatorplatte 
wird  in  den  für  Gips  und  Glimmer  vorgesehenen  Schlitz  über  dem 
Mikroskop-Objektiv  eingeschoben;  man  ist  daher  nicht  an  die 
Benutzung  eines  Aufsatz-Analysators  gebunden.  Indem  man 
die  Quarzplatte  bis  zu  60  0 um  die  zur  Plattennormale  und  optischen 
Achse  senkrechte  Gerade  neigt,  kann  man  den  kompensierenden 
Gangunterschied  von  0 bis  etwa  550  /tiu  variieren.  Der  Meß- 
bereich umfaßt  also  annähernd  nur  die  erste  Ordnung. 
Die  Neigung  i der  Kompensatorplatte  kann  mit  Hilfe  eines  an  der 
drehbaren  Achse  befestigten  Zeigers  an  einer  geteilten  Kreisbogen- 
teilung, allerdings  nur  roh,  abgelesen  werden.  Um  hieraus  den 
Gangunterschied  _T  zu  berechnen,  muß  man  nach  W.  Nikitin  so- 
wohl die  Dicke  1 des  Kompensatorblättchens  wie  auch  die  Orien- 
tierung seines  Schnittes  genau  kennen.  Bedeuten  io  und  e die 
beiden  Hauptbrechungsindizes  des  Quarzes  und  den  Winkel 
zwischen  der  optischen  Achse  des  Quarzes  und  der  Plattennormale 
des  Kompensators,  so  ist  nach  W.  Nikitin3 4 
_ 1 (t—oi)  sin*  (<f J) 


sin  J = 

CO 

Diese  Beziehungen  geben  für  T eine  Annäherung  bis  auf  etwa 
1 °/o,  abgesehen  allerdings  von  den  größeren  Fehlern,  die  aus  der 
Ungenauigkeit  der  Ablesung  von  i sowie  der  ungenauen  Kenntnis 
der  Daten  1 und  Wo  entspringen.  In  der  demnächst  erscheinenden 

1 W.  Nikitin,  Zeitschr.  f.  Krist  47.  p.  378.  1910. 

2 Vergl.  in  H.  Eosenblsch  und  E.  A.  Wülfing,  Mikrosk.  Phys.  usw. 
Stuttgart  1904.  I.  1.  p.  298. 

3 W.  Nikitin,  Zeitschr.  f.  Krist.  47.  p.  379.  1910;  33.  p.  145.  1900. 

4 In  Zeitschr.  f.  Krist.  47.  p.  379.  1910  steht,  wohl  versehentlich, 
J bedeute  die  Plattenneigung.  Daß  dagegen  obige  Beziehung  zur  Bestim- 
mung von  .T  anzuwenden  ist.  geht  aus  der  von  W.  Nikitin  in  Zeitschr.  f. 
Krist.  33.  p.  137.  1900  gegebenen  Ableitung  der  Näherungsformel  hervor. 


390 


M.  Bereit,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


von  L.  Duparc  und  V.  de  Dervies  besorgten  Übersetzung  des 
Werkes  von  W.  Nikitix  „Über  di«  Methoden  Fedorow’s“,  deren 
Inhalt  im  Auszuge  kürzlich  von  L.  Duparc  und  R.  Sabot  1 ver- 
öffentlicht wurde,  ist  dieser  Kompensator  besonders  berücksichtigt. 

Der  Anwendungsbereich  der  genaueren  Kompensatoren  ist  bis- 
her fast  nur  auf  besondere  Messungsarbeiten  beschränkt  geblieben. 
Wenn  die  Messung  von  Gangunterschieden  auch  bei  den  petro- 
grapliischen  Untersuchungen  Aussicht  auf  eine  häufigere  Anwendung 
haben  soll,  so  müßte  ein  Kompensator  zur  Verfügung  stehen,  der 
folgenden  Ansprüchen  gleichzeitig  genügt : 

1.  Die  Empfindlichkeit  des  Kompensators  soll  an  die 
des  BABiNET’schen  möglichst  heranreichen. 

2.  Er  soll  einen  Meßbereich  von  ca.  3 Ordnungen  um- 
fassen und  für  einfarbiges  oder  weißes  Licht  benutzbar  sein. 

3.  Er  soll  auch  geeignet  sein  zur  Erkennung  und  Messung 
geringer  Doppelbrechung. 

4.  Seine  Wirksamkeit  muß  sich  durch  eine  genaue  mathe- 
m a t i s c h e F o r m e 1 darstellen  lassen , deren  Konstanten  leicht 
und  genau  bestimmbar  sind. 

5.  Er  soll  ein  bequemes,  rasches  Arbeiten  ermöglichen;  ins- 
besondere darf  seine  Benutzung  nicht  an  die  Anwendung 
eines  Aufsatz  - Analysators  oder  auszuwechselnden 
besonderen  Okulars  gebunden  sein. 

6.  Er  darf  als  Nebenapparat  nicht  zu  kostspielig  sein. 

Die  Erfüllung  der  sehr  wesentlichen  Bedingung  5 ist  an  die 

Benutzung  des  Bio-r’schen  Kompensatorprinzips  gebunden.  Ein 
drehbares  Mineralblättchen  mit  größerem  Meßbereich  und 
höherer  Genauigkeit  der  Messungswerte  als  derjenigen 
des  Kompensators  nach  W.  Nikitix  würde  für  petrographische 
Zwecke  einen  sehr  geeigneten  Kompensator  bedeuten. 

I.  1.  Prinzip  eines  neuen  Kompensators. 

Dem  neuen  Kompensator  soll  das  Biorisclie  Prinzip  eines 
drehbaren  Mineralblättchens  zugrunde  gelegt  werden.  Im  Gegen- 
satz zu  dem  Kompensator  nach  W.  Nikitix  ist  es  zunächst  vorteil- 
hafter, den  Schnitt  des  Kompensatorblättchens,  wie  auch  ursprüng- 
lich von  Biot1 2  vorgeschlagen  wurde,  senkrecht  zur  optischen 
Achse  zu  legen.  Dann  wird  man  von  dem  Fehler  in  der  Kennt- 
nis der  Null-Lage  des  Kompensators  unabhängig,  weil  man  die 
Einstellung  auf  Kompensation  durch  Drehung  nach  jeder  von  beiden 
Seiten  von  der  Null-Stellung  aus,  ausführen  kann.  Bei  einem  so 
bestimmten  halben  Drehungswinkel  sind  auch  einseitige  Einstellungs- 

1 L.  Duparc  und  R.  Sabot,  Arch.  de  Geneve.  34.  p.  5.  1912. 

* Yergl.  in  H.  Rosexbusch  und  E.  A.  Wülfing,  Mikrosk.  Phys.  usw. 
Stuttgart  1904.  I.  1.  p.  298. 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


391 


fehler  besser  vermieden.  In  diesem  Falle  würde  jedoch  der  Meß- 
bereich des  drehbaren  Quarzkompensators  auf  etwa  die  halbe 
1.  Ordnung  herabgesetzt  werden.  Eine  Erweiterung  des  Meß- 
bereiches durch  die  Wahl  dickerer  Quarzblättchen  ist  deshalb  nicht 
möglich,  weil  sonst  das  optische  Drehungsvermögen  des  Quarzes 
die  Meßresultate  merklich  beeinflussen  würde.  Daher  ist  man  ge- 
nötigt, ein  anderes  geeignetes  Kompensator  mineral  zu 
benutzen.  Optische  Einachsigkeit  und  Inaktivität  müssen  Be- 
dingung sein. 

Quarz  wird  bekanntlich  deswegen  in  der  Regel  für  Kom- 
pensatoren verwandt,  weil  er  eine  sehr  geringe  Dispersion  der 
Doppelbrechung  besitzt,  und  somit  die  auftretenden  Interferenz- 
farben  sehr  nahe  der  XEWTON’schen  Farbenskala  entsprechen. 
Diese  Ausnahmestellung  des  Quarzes  in  der  Reihe  der  optisch  ein- 
achsigen Mineralien  gilt  jedoch  nur  für  Platten  parallel  zur  optischen 
Achse.  Bei  Benutzung  senkrecht  zur  Achse  geschnit- 
tener Platten  kann  man  offenbar  jedes  beliebige  durchsichtige 
Mineral  benutzen,  denn  in  der  Nähe  der  Achse  verschwindet 
mit  der  Doppelbrechung  zugleich  ihre  Dispersion. 

Bedeuten  io  und  e die  beiden  Hauptbrechungsindizes, 
ne  den  Index  des  außerordentlichen  Strahles  für  eine 
Wellennormalenrichtung  tf>  in  bezug  auf  die  Achse, 
so  ist  bekanntlich 


a , cos  «a*  , /sin  «A* 

Vhr)  + (—) 


i) 


E. 


Carvallo  1 hat  für  Kalkspat 

A oj 


folgende  Daten 

£ OJ — t 


A (760,4  u/u) 
D (589.2  B ) 
H (396,7  „ ) 
Dispersion  von 


1,65006  1,48275  0.16731 

1,65840  1,48653  0.17187 

1,68321  1,49788  0.18533 

oj  — £ zwischen  A bis  H:  0,01802. 


ermittelt : 


Mit  Hilfe  dieser  Werte  ist  nach  obiger  Formel  die  Tab.  1 
(p.  392)  berechnet. 

Da  die  Wellennormale  das  gewöhnliche  Brechungsgesetz  be- 
folgt mit  dem  jeweiligen  ne  als  Index,  so  ist  der  in  der  letzten 
Spalte  der  Tab.  1 angegebene  Einfallswinkel  i der  Welle, 
welcher  der  jedesmal  angegebene  Betrag  der  Doppelbrechung  zu- 
kommt, für  D (589  ft  ft)  berechnet  aus 

sin  i = ne  sin  <p  2) 

Der  Winkel  i gibt  demnach  für  eine  senkrecht  zur  Achse 
geschnittene  Kalkspatplatte  von  1 mm  Dicke  direkt  die  zur  Er- 


1 Vergl.  in  Landolt-Börxstein,  Phys. -ehern.  Tabellen.  4.  Aull.  Berlin 
1912.  p.  973. 


392  M.  Berek.  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 

Tabelle  1. 

Doppelbrechung  w — ne  und  deren  Dispersion  für  ver- 
schiedene Wellennormalenrichtungen  cp  im  Kalkspat. 
i:zu  geh  Orige  Einfallswinkel  fiirD  (589  f.ipi)  bei  einer  senk- 
recht zur  Achse  geschnittenen  Platte. 


y 

ne  für  D 

w—  n.  für  D 

Dispersion 
zwischen  A bis  H 

i 

1 0 

1,65833 

0,00007 

0,00001 

1°  40' 

2 

1,65815 

0,00025 

0,00003 

3 19 

3 

1,65785 

0,00055 

0,00006 

4 59 

4 

1,65741 

0,00099 

0,00012 

6 38 

5 

1,65686 

0,00154 

0,00019 

8 18 

6 

1,65618 

0,00222 

0,00027 

9 58 

8 

1,65448 

0,00392 

0,00047 

13  19 

10 

1,65232 

0,00608 

0,00074 

16  40 

12 

1,64970 

0,00870 

0,00105 

20  4 

15 

1,64498 

0,01342 

0,00160 

25  12 

18 

1,63936 

0,01904 

0,00226 

30  26 

zeugung  der  entsprechenden  Doppelbrechung  notwendige  Neigung 
der  Kompensatorplatte  an.  Aue  der  Tabelle  ersehen  wir,  daß  mit 
der  Annäherung  an  die  Achse  die  Dispersion  der  Doppelbrechung 
immer  geringer  wird. 

Für  eine  parallel  zur  Achse  geschnittene  Quarzplatte 
ist  für  das  Licht  der  D-Linie  der  Betrag  der  Doppelbrechung  0,0091 1 
und  die  Dispersion  der  Doppelbrechung  zwischen  A und 
H:  0,00065.  Durch  Vergleich  dieses  Dispersionsbetrages  mit  den 
Tabellenwerten  ersehen  wir,  daß  ein  Kalkspatkeil,  in  dem  die 
Wellennormale  einen  Winkel  von  10°  mit  der  optischen  Achse 
bildet,  im  parallelen  polarisierten  Licht  dieselbe  Farbenskala  liefert, 
wie  ein  parallel  zur  optischen  Achse  geschnittener  Quarzkeil.  Daß 
die  Dispersion  für  den  Kalkspat  in  diesem  Falle  prozentual  zur 
Doppelbrechung  höher  ist,  als  für  den  Quarz,  ist  völlig  belanglos, 
da  für  die  Farbfolge  nur  die  absolute  Größe  der  Disper- 
sion maßgebend  ist.  Der  prozentuale  Betrag  beeinflußt  nur  die 
Dicke,  bei  der  ein  bestimmter  Farbton  erscheint,  so  daß  der  Kalk- 
spatkeil einen  etwas  stärkeren  Keilwinkel  haben  müßte,  um  bei 
gleicher  Länge  eine  gleiche  Anzahl  von  Ordnungen  aufzuweisen 
wie  der  Quarzkeil.  Schneidet  man  den  Kalkspatkeil  noch  steiler 
gegen  die  Achse,  so  zeigen  die  Werte  der  Dispersion  für  kleineres  (p, 
daß  dann  die  Annäherungen  an  die  NEWTON’sche  Farbenskala  so- 
gar größer  werden,  als  für  Quarz  parallel  zur  Achse.  In  praxi 
liegen  die  Verhältnisse  so,  daß  für  eine  senkrecht  zur  Achse  ge- 
schnittene Kalkspatplatte  selbst  bei  einer  Plattenneigung  von  30  0 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops.  395 

die  erzeugten  Interferenztöne  mit  denen  eines  Quarzkeiles  merk- 
lich übereinstimmen. 

Da  der  Betrag  der  Doppelbrechung  zugleich  den  Gangunter- 
schied  in  mm  gemessen  für  1 mm  durchstrahlte  Plattendicke  an- 
gibt, so  erkennen  wirsehr  leicht  aus  der  Tab.  1,  wie  dick  wir 
ungefähr  das  Kalkspatblättchen  wählen  müssen,  um  der  Bedingung  2 
auf  p.  390  zu  genügen.  Wenn  wir  das  Blättchen  nicht  mehr  als 
ca.  30°  beiderseits  neigen  wollen,  so  ist  eine  Dicke  von  ca.  0,1  mm 
erforderlich,  um  durch  diese  Drehung  i nach  beiden  Seiten  von  der 
Null-Stellung  aus  je  einen  Bereich  von  3 bis  4 Ordnungen 
zu  erzielen. 

Zusammenfassend  stellen  wir  fest,  daß  der  drehbare  Kalk- 
spatkompensator eine  Farbfolge  aufweist,  die  mit  der  des 
BABiN-ET’sclien  Kompensators  identisch  ist  und  vor  dem  dreh- 
baren Quarzkompensator  nach  W.  Nikitix  den  Vorzug  hat,  durch 
beliebige  Wahl  der  Plattendicke  den  Meßbereich  zu 
ändern. 

Was  die  Berechnung  der  Gangunterschiede  anbetrifft, 
so  würde  die  Anwendung  der  von  W.  Nikitix  angegebenen  Formel 
in  der  p.  389  mitgeteilten  Form  für  unseren  Kompensator  nicht  zu- 
lässig sein.  Denn  sie  stellt  nur  für  ganz  schwach  doppel- 
brechende Mineralien  eine  Näherungsformel  dar.  Bei  der 
Benutzung  von  Kalkspat  müßte  ein  Korrektionsfaktor1  eingeführt 
werden,  der  wiederum  von  oj  und  e und  der  Neigung  i abhängt. 
Dadurch  würde  die  Kompensatorformel  noch  komplizierter  und  die 
Berechnung  sehr  erschwert  werden.  Ich  stellte  es  mir  daher  zur 
Aufgabe,  eine  genauere  und  einfachere  Beziehung  aus 
den  Brechungsgesetzen  abzuleiten,  deren  Anwendung  außer- 
dem die  Kenntnis  der  Plattendicke  des  Kompensatorblättchens 
nicht  erfordert. 

2.  Ableitung  der  Kompensatorformel. 

Bedeutet  r den  Gangunterschied,  im  Maße  der  Wellenlänge  A 
gemessen,  so  ist  für  irgend  einen  Wert  der  Doppelbrechung 

r = x ;.  3) 

Die  unbekannte  Größe  x ist  bestimmbar  aus  der  K o m- 
pensatorablesung  bei  der  Messung,  sowie  aus  der  Kompen- 
satorkonstante. Für  den  Kompensator  nach  Babixet  ist  diese 
bekanntlich  gleich  der  in  Trommelwerten  gemessenen  Keilverschie- 
bnng  N,  die  notwendig  ist,  um  im  einfarbigen  Licht  an  die  Stelle 
eines  dunklen  Streifens  den  nächstfolgenden  zu  bringen.  Es  leuchtet 
ohne  weiteres  ein , daß  wir  diese  Definition  auch  auf  unseren 
Kompensator  übertragen  können.  Nur  haben  wir  die  Platten- 
neigung i des  Kompensators  einzuführen. 


1 W.  Nikitin,  Zeitschr.  f.  Krist.  33.  p.  135.  1900. 


394 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


Um  die  Stelle,  wo  der  Gangunter  schied  gerade  1 ).  ist, 
in  den  Schnittpunkt  der  Okularfäden  zu  bringen,  sei  von  der  Null- 
Lage  des  Kompensators  aus  die  Neigung  J erforderlich.  Da 
bei  unserem  Kompensator  nicht  einfache  Proportionalität  zwischen 
Gangunterschied  und  Drehung  vorausgesetzt  werden  kann,  so  wird 
die  Kompensator-Konstante  eine  bestimmte  Funktion  von  .J 
sein,  die  wir  mit  f (J)  bezeichnen.  Erfordert  dann  irgend  ein 
Gangunterschied  zur  Kompensation  die  Neigung  i des  Kompensator- 
blättchens, so  ist  offenbar 


Die  Art  der  Funktion  f wollen  wir  nun  aus  den  Gesetzen 
der  Lichtfortpflanzung  in  optisch  einachsigen  inaktiven  Medien 
ableiten. 

Die  resultierende  Doppelbrechung  im  Kompensator  hängt  ab 
von  io,  ne  und  der  durchstrahlten  Schichtdicke  1'.  Die  wirkliche 
Dicke  der  Kompensatorplatte  sei  1;  meßbar  ist  allein  die 
Neigung  i.  Dann  gelten  für  eine  beliebige  Wellemiormalen- 
richtung  <p  in  bezug  auf  die  optische  Achse  des  Kristalls  die  drei 
Gleichungen : 


sin  i 1 

sin  if  ’ cos  (p  5) 


Der  resultierende  Gangunterschied  wird  dann 


T=l'  (tu  ne) 

COS  (/  { 


cos1  if  -)-  I ™ j sin1  if 


} 


Aus  5)  folgt : 


6) 


U) 


1 — 


1 1 

lr  " 

sin1  i 


COS-  (f> 


1 1 

-= — r I sin2 * * 1 

«■  <0 


Aus  G)  und  7)  erhält  man 
r=  J 1 - \ /l  - ( 1 - 1 ) sin5  i ] 

COS  (f  \ \ \ O) 1 j I 


und  schließlich 

ein2  i\  — i 


8) 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


395 


Bis  daliin  gilt  die  Gleichung'  streng.  Wir  entwickeln  nun  die  ge- 
brochenen Potenzen  nach  dem  binomischen  Satz,  multiplizieren  aus 
und  fassen  die  Glieder  mit  gleicher  Potenz  von  sin  i zusammen.  Indem 
wir  den  Ausdruck  daun  bei  der  8.  Potenz  abbrechen,  erhalten  wir : 


Wir  wollen  hierfür  zur  Abkürzung  schreiben: 
r=C  sin2 i {1  -f-  a sin2  i -j- b sin4  i -}- c sinc i}  = C f (i)  11) 

Die  für  eine  bestimmte  Lichtart  konstante  Größe  C elimi- 
nieren wir,  um  von  der  genauen  Kenntnis  der  Plattendicke  I 
und  der  Indizes  to  und  s unabhängig  zu  sein. 

Wenn  von  der  Xull-Lage  des  Kompensators  die  Drehung  J 
erforderlich  ist,  um  diejenige  Stelle  mit  dem  Okularfadenschnittpunkt 
zum  Zusammenfallen  zu  bringen,  wo  r — 1 K ist,  so  gilt  nach  11) 

A = C f (J)  12) 

Aus  11)  und  12)  folgt 

13) 


II) 

Das  sind  aber  die  Beziehungen,  deren  Ableitung  wir  uns  zum 
Ziele  gesetzt  haben. 

Die  Klammerglieder  mit  den  Koeffizienten  a,  b,  c,  die  noch 
Funktionen  von  to  und  e sind,  spielen  nur  die  Rolle  von  Kor- 
rektionsgliedern. Wir  wollen  sehen,  wie  weit  wir  ihren  Ein- 
fluß zu  berücksichtigen  haben.  Als  zwei  extreme  Fälle  wählen 
wir  die  FitAUNHOFER’schen  Linien  D und  H und  berechnen  den 
Klammerausdruck  für  verschiedenes  i.  So  erhalten  wir  unter  Be- 


nutzung  der  p.  391 

angeführten  Werte 

von  to 

und  s : 

i 

10° 

© 

0 

01 

Maximaler  Fehler 
SO1  bei  Vernachlässigun 

für  D 

1,0000 

1.0000 

1,0030 

des  Gliedes 

asin'-’i  . . . . 

61 

239 

510 

50  °;«o 

b sin4  i . . . . 

1 

10 

44 

4 

csin°i  . . . . 

— 

— 

4 

0,4 

Summe . . . 

1,0062 

1,0249 

1,0558 

für  H 

1.0000 

1,0000 

1,0000 

asin2i  . . . . 

60 

234 

499 

C* 

o 

__  o 

o 

bsin4i  . . . . 

1 

9 

43 

4 

csin°i  . . . . 

— 

— 

4 

0.4 

Summe  . . 

1,0061 

1,0243 

1,0546. 

Maximale  Differenz  für 

D und  H 

0,0012 

— ca.  1 °/oo- 

f (i) 

r=  „ v>  * 
KJ) 


worin 


f ( ) = sin2  ()•(!  + a sin5  ( ) — {—  b sin4  ( ) + • • • } 


396 


M.  Berek.  Zur  Messung  der  Doppelbrechung  etc. 


Selbst  für  eine  Neigung  von  i = 30°  macht  demnach  für  die 
Korrektionsglieder  der  Einfluß  der  Dispersion  von  io  und  e 
zwischen  D und  H erst  ein  Promille  des  Gangunterschiedes 
aus.  Wir  können  daher  in  den  Korrektionsgliedern  die 
Dispersion  von  w und  e und  somit  auch  etwaige  Schwankungen 
der  Werte  io  und  e selbst  vollkommen  vernachlässigen.  Erst 
recht  kann  dann  das  Korrektionsglied  c sin6  i unberücksichtigt 
bleiben.  Wir  erhalten  somit 

f (i)  = sin2  i {1  + 0,2040  sin1  i -f  0,0708  sin1  i)  15) 

Da  schon  eine  Genauigkeit  von  4 Promille  in  Wirklichkeit 
mit  gewöhnlichen  Mitteln  nicht  mehr  realisierbar  ist,  so  genügt 
in  den  allermeisten  Fällen  der  Ansatz 


f (i)  = sin2  i {1  4-  0,2040  sin2  i) 


16) 

Bei  der  Beschränkung  auf  die  Messung  von  Gangunterschieden 
in  der  ersten  Ordnung  oder  für  weniger  exakte  Zwecke  auch  bei 
hohen  Gangunterschieden  genügt  bereits 

f (i)  = sin1  i 17) 

Die  Berechnung  der  Kompensatorkonstante  f (J)  er- 
folgt nach  den  gleichen  Formeln  15,  16  oder  17,  indem  man  darin 
für  i den  Neigungswinkel  J einsetzt,  der  im  einfarbigen  Licht  der 
Einstellung  auf  den  ersten  dunklen  Streifen  entspricht.  Wenn 
man  zur  genaueren  Bestimmung  von  f (J)  auch  die  anderen  Streifen 
zwischen  parallelen  oder  gekreuzten  Nicols  berücksichtigen  will, 
so  hat  man  für  jedes  J',  wo  _T=nZ  ist,  zu  setzen 

f(J') 


f(J) 


18) 


Wenn  die  Kompensatorkonstante  f (J)  für  eine  bestimmte 
Lichtart  einmal  bekannt  ist,  so  bedeutet  für  irgend  eine  Neigung  i 
die  Berechnung  des  Gangunterschiedes  nach  13)  keine 
Schwierigkeit,  zumal  bei  der  Beschränkung  aufs  erste  Kor- 
rektionsglied  (Gleichung  16),  was  auch  für  sehr  genaue  Mes- 
sungen völlig  ausreicht.  Wie  auch  die  Ausführung  dieser 
Rechnung  dem  Arbeitenden  erspart  wird,  ist  im  nächsten 
Abschnitt  erläutert. 

Aus  10)  kann  man  unter  Berücksichtigung  von  12)  sehr  leicht  die 
genaue  Dicke  des  benutzten  Kompensatorblättchens  berechnen.  Es  ist 

21 

19) 


1 = - 


So  ergab  sich  für  das  zu  den  späteren  Vergleichsmessungen  benutzte 
Blättchen  mit  einem  Meßbereich  von  mehr  als  vier  Ordnungen  1 = 0.1196  mm. 

(Fortsetzung  folgt.) 


1 Für  Quarz  lautet  die  entsprechende  Gleichung: 
f (i)  = sin2  i {1  -f-  0,2084  sin1  i). 


E.  Zimniennann,  Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W. 


397 


Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W. 

Einige  Bemerkungen  zu  dem  gleichlautenden  Aufsatz  des  Herrn  Neue. 

Von  Ernst  Zimmermann  in  Berlin. 

In  einer  beachtenswerten  Arbeit  über  die  „Culmfauna  von 
Hagen  i.  W.,  ein  Beitrag  zur  Kenntnis  des  westfälischen  Unter- 
carbons“ 1 zieht  Herr  Nebe  auch  das  Untercarbon  des  Velberter 
Sattels2  hinsichtlich  der  stratigraphischen  Stellung  und  der 
Lagerungsverhältnisse  seiner  Horizonte  in  den  Kreis  näherer 
Erörterungen. 

Nebe  glaubt  Grund  zu  der  Annahme  zu  haben,  daß  am 
Velberter  Sattel  die  Zone  im  Hangenden  des  Kohlenkalkes  — der 
Kieselschiefer  und  der  Alaunschiefer  — nicht  mit  dem  Namen 
Culm  bezeichnet  werden  darf,  weil  „schon  die  Lagerung  des 
Schieferbandes  über  Kohlenkalk  mit  Productus  giganteus  zeigt, 
daß  jenes  nicht  dem  Culm,  sondern  dem  Obercarbon  angehört  . . 
„Da  aber  auch  manche  paläontologische  Tatsachen  für  das  ober- 
carbone  Alter  der  in  Kede  stehenden  Schieferzone  sprechen,  so 
bin  ich  überzeugt,  daß  das  Band  von  Alaun-  und  Kieselschiefern 
im  Hangenden  des  Kohlenkalkes  zum  Obercarbon  zu  ziehen  ist. 
Es  stellt  ein  Äquivalent  der  bekannten  Zone  von  Chokier  in 
Belgien  dar.“ 

Es  scheint  mir,  daß  Nebe  bei  der  Begründung  dieser  Gleich- 
stellung den  bisherigen  Fossilfuuden  ein  viel  zu  großes  Gewicht 
beilegt,  im  Gegensatz  dazu  aber  den  Lagerungsverhältnissen  zu 
wenig  Beachtung  schenkt,  wenn  diese  nicht  gerade  für  seine  Auf- 
fassung zu  sprechen  scheinen. 

Schon  Beushausen  betonte:  „So  wertvolle  Fingerzeige  die 
Paläontologie  auch  an  die  Hand  gibt,  so  bildet  doch  die  Stratigraphie 
die  einzig  sichere  Basis  für  die  geologische  Systematik;  das  Auf- 
sammeln von  Petrefakten  ohne  gleichzeitige  genaue  stratigraphische 
Untersuchung  der  sie  beherbergenden  Schichten  wird  nie  zu  ganz 
einwandfreien  Resultaten  führen  können,  und  vor  allem  dürfen  die 
in  einem  Gebiet  in  bezug  auf  die  geologische  Verbreitung  der 
Organismen  gewonnenen  Resultate  nie  ohne  weiteres  auf  ein 
anderes  Gebiet  übertragen  werden3.“  Deshalb  ist  es  immer  ein 
Wagnis,  aus  Fossilien,  deren  Fundstellen  nicht  genau  bekannt 
sind  und  deren  Einreihen  in  den  mannigfachen  Schichtenverband 
des  westfälischen  Culms  deshalb  nur  vermutungsweise  geschieht, 

1 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  1911.  p.  421 — 495. 

2 Zimmermann,  Kohlenkalk  und  Culm  des  Velberter  Sattels.  Jahrb. 
d.  Kgl.  geol.  Landesanst.  1909.  30.  II.  2.  p.  369 — 432.  — Zimmermann, 
Das  Untercarbou  von  Ratingen  bis  Aprath.  Glückauf.  Essen.  1909.  II 
p.  1480—1484. 

1 Beüshausen,  Lamellibranchiaten  des  rhein.  Devon.  Abh.  d.  preuß. 
geol.  Landesanstalt.  1895. 


398 


E.  Zimmermann. 


allgemeine  Schlüsse  über  stratigraphische  Verhältnisse  zu  ziehen, 
da  diese  Leitfossiltheorie  dann  auch  einseitig  wird. 

Zunächst  muß  Verf.  hinsichtlich  der  paläontologischen 
Untersuchungen  des  Herrn  Nebe  über  Glypliioceras  sphaericum  Mart. 
und  Gr.  crenistria  Phill.  hervorheben,  daß  sich  eine  sichere  Trennung 
und  Charakterisierung  dieser  beiden  „Culmgoniatiten“  nicht  durch- 
führen läßt;  vielmehr  erheischen  die  vielfach  vorhandenen  Über- 
gänge eine  Zusammenziehung  dieser  beiden  Formen,  von  denen 
Gr.  sphaericum  Mart,  als  zuerst  beschriebene 1 bestehen  bleibt. 

Aus  der  Abbildung  Martins  geht  hervor,  daß  ein  Exemplar 
mit  konzentrischer  Skulptur  vorlag.  Phillips,  der  später 
auch  ein  Exemplar  von  Gr.  sphaericum  abbildet ",  stellt  daneben 
eine  neue  Art  G.  crenistria  auf,  die  sich,  abgesehen  von  der 
geringeren  Größe,  hauptsächlich  durch  eine  radiale  Streifung 
auszeichnet.  Aus  einer  vergrößerten  Abbildung  der  Skulptur  er- 
sieht man , daß  die  radialen  Streifen  bezw.  Linien  von  Kerben 
angeschnitten  werden,  die  den  konzentrischen  Streifen  entsprechen, 
sodaß  eine  „netzförmige“  2 Struktur  entsteht. 

Die  gleichen  Beobachtungen  konnte  ich  an  Exemplaren  machen, 
die  mir  aus  der  Sammlung  des  Geologischen  Instituts  der  Universität, 
der  Geologischen  Landesanstalt  und  der  Kgl.  Bergakademie  zu 
Berlin  Vorlagen  — auch  eine  Anzahl  Originale  aus  dem  Geologischen 
Institut  der  Universität  Breslau  wurde  mir  in  liebenswürdiger 
Weise  von  Herrn  Professor  Frech  zugesandt,  wofür  ich  ihm  auch 
an  dieser  Stelle  meinen  verbindlichsten  Dank  sage.  Bei  diesem 
reichhaltigen  Material  lassen  sich  hinsichtlich  der  Skulptur 
Übergänge  beobachten  in  der  Weise,  daß  die  radiale  Streifung 
bei  „Gr.  crenistria “ mit  dem  Alter  allmählich  zugunsten  der 
konzentrischen  Skulptur  zurücktritt.  Bei  einem  im  Durchmesser 
3,6  cm  großen  G.  sphaericum  von  Hagen  (Sammlung  des  Geol. 
Instituts  der  Universität  Berlin)  kann  man  auf  der  letzten  Windung 
sogar  sehen,  daß  mehrfach  bald  die  konzentrische,  bald  die 
radiale  Skulptur  auf  der  Externseite  hervortritt.  Ein  anderes 
Exemplar  von  Vise  (aus  derselben  Sammlung)  zeigt  auch,  ebenso 
wie  eins  von  Grund  (Sammlung  der  Landesanstalt),  daß  sich  die 
Skulptur  im  Laufe  des  Wachstums  ändert,  und  zwar  in  der  ange- 
gebenen Weise,  so  daß  die  Annahme  berechtigt  ist,  daß  diese 
Sk ulpturänder ungen  mit  Altersstadien  im  innigsten 
Zusammenhang  stehen  und  daher  keinen  Maßstab  für 
die  Artbestimmung  ab  geben  können. 

Auch  bei  der  Suturlinie  lassen  sich,  wie  neuere  Unter- 


1 Martin,  Petrificata  Derbiensia.  I.  1809.  t.  7.  f.  3 — 5 [Conchyliolithus 
Nautilites  (sphaericus)]. 

2 Phillips,  Illustrations  of  the  Geology  of  Yorkshire.  Part.  II.  1836. 
t.  19.  f.  4—6.  p.  234. 


Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W. 


399 


suchungen  1 ergeben  haben,  geringfügige  Änderungen  feststellen  in 
der  Weise,  daß  die  Externsättel  mit  dem  Alter  eine  Zuspitzung- 
erfahren.  Diese  Zuspitzung  beeinflußt  aber  nicht  den  Gesamt- 
charakter der  Lobenlinie  und  ist  deshalb,  wie  Herr  Xebe  selbst 
zugesteht,  für  die  Artbestimmung  von  untergeordneter  Bedeutung. 

Einschnürungen  sind  zu  unbeständig,  als  daß  sie  für  die 
Artbestimmung  verwandt  werden  könnten. 

Das  beiden  „Arten“  Gemeinsame  im  Wachstum  der  Schalen: 
die  allmähliche  Abflachung,  das  Zurücktreten  einer  deutlichen 
Skulptur  beim  Altern  hat  Herr  Xebe  selbst  genügend  betont  und 
hervorgehoben,  daß  beim  Fehlen  der  Skulptur  jugendliche  und, 
wie  seine  Bestimmungen  zeigen,  auch  ältere  Exemplare  nach  der 
Gestalt  gar  nicht  spezialisiert  werden  können. 

Es  zeigt  sich  also,  daß  die  geringen  Unterschiede  in  der 
Schalen-  und  Skulpturbildung  wie  in  der  Suturlinie  auf  Wachstums- 
erscheinnngen  zurückzuführen  sind,  und  eine  Aufrechterhaltung  der 
beiden  „Arten“  nicht  genügend  begründet  erscheint,  zumal  sie 
stratigraphisch  in  demselben  Xiveau  Vorkommen.  Deshalb  haben 
sich  schon  vor  längerer  Zeit  Saxdberger  2,  Barrois  3,  in  neuerer 
Zeit  besonders  Frech4,  schließlich  Smith5  in  diesem  Sinne  ge- 
äußert, und  man  muß  den  Ergebnissen  ihrer  Untersuchungen  ge- 
nügende Beweiskraft  zuerkennen. 

Auch  hinsichtlich  der  stratigraphischen  Untersuchungen 
des  Herrn  Xebe  kann  sich  Verf.  nicht  mit  den  Resultaten,  soweit 
das  Untercarbon  des  Velberter  Sattels  in  Betracht  kommt,  be- 
freunden. 

Xebe  läßt  nämlich  bei  seinen  Schlußfolgerungen  unberück- 
sichtigt, daß  die  Zone  der  Kiesel-  und  Alaunschiefer 
des  Velberter  Sattels  sich  fortlaufend  bis  zum 
C u 1 m von  Letmathe-Iserlohn  verfolgen  läßt.  Dieses  wurde 
durch  die  Aufnahmeergebnisse  der  Kgl.  Geol.  Landesanstalt  in  letzter 
Zeit  bestätigt. 

Paläontologische  Beweise  für  das  obercarbone  Alter  der 
.Schieferzone“  im  Hangenden  des  Kohlenkalkes  fehlen  bis 


1 Frech,  Über  devonische  Ammoneen.  Beitr.  Pal.  u.  Geol.  v.  Österr.- 
ÜDgarn.  14.  1902.  p.  84.  — Das  marine  Carbon  in  Ober-Ungarn.  Földtani 
Küzlöny.  36.  1906.  p.  147. 

2 Saxdberger,  Die  Versteinerungen  des  Rheinischen  Schichtensystems 
in  Nassau,  p.  77.  Bemerkungen. 

3 Barrois,  Recherches  sur  les  terrains  anciens  des  Asturies  et  de  la 
Galice.  1882.  p.  293. 

4 Frech,  Über  devonische  Ammoneen,  a.  a.  0.  p.  84.  — Das  marine 
Carbon  i.  O.-Ungarn,  a,  a.  0.  p.  147.  — Nach  brieflicher  Mitteilung  von 
Herrn  Professor  Frech  stützt  sich  seine  Anschauung  u.  a.  auf  die  Unter- 
suchung der  Originale  im  Natural  History  Museum  in  London. 

3 Smith,  The  carboniferous  Ammonoids  of  America.  1903.  p.  69. 


400 


E.  Zimmermann. 


jetzt  noch  immer.  Ferner  machen  sich  abgesehen  davon,  daß  Kiesel- 
schiefer in  der  Chokier-Stufe  nicht  auftreten,  gegen  die  Zustellung 
des  Velberter  Culms  zur  Chokier-Stufe  schwerwiegende  Tatsachen 
schon  insofern  geltend,  weil  Kalkknollen,  wie  sie  für  die  Chokier- 
Stufe  charakteristisch  sind,  sich  im  Velberter  Culm  nicht  beobachten 
lassen,  dagegen  im  Hangenden  dieser  Schichten,  im  Unteren 
Flözleeren  auftreten,  wo  sie  Herr  Dr.  Wunstorf  südlich  von 
Kettwig  beobachtet  hat.  Leider  fanden  sich  bis  jetzt  keine 
Fossilien  darin. 

Daß  Productus  giganteus  in  den  Plattenkalken  des  Culms  — 
also  im  Hangenden  der  Kieselschiefer,  die  als  fast  ununterbrochen 
zusammenhängendes  Band  von  Osten  nach  Westen  verfolgt  werden 
können  — , auftritt,  spricht  nur  dafür,  „daß  die  vertikale  Ver- 
breitung einer  Art  nicht  in  allen  Gebieten  die  gleiche  zu  sein 
braucht“1,  — eine  Tatsache,  die  Xebe  nicht  nur  bei  Glyphioceras 
spirale  und  G.  diadema  annehmen  sollte. 

Das  so  seltene  Auftreten  von  Productus  giganteus  im  west- 
fälischen Culm  darf  nicht  als  Beweis  dafür  angesehen  werden, 
daß  die  Plattenkalke  des  Culms  mit  dem  Kohlenkalk  gleichalterig 
sind;  denn  die  Lagerungsverhältnisse  widersprechen  dieser  Deutung, 
abgesehen  davon , daß  P.  giganteus  im  Kohlenkalk  relativ  viel 
häufiger  auftritt. 

Nach  meiner  Auffassung  entspricht  der  Kieselschiefer  des 
Velberter  Sattels  der  Zone  der  vorwiegenden  Kieselschiefer  bei 
Letmathe,  ebenso  wie  die  Zone  der  reinen  Alaunschiefer  bei 
Velbert  den  hangenden  Tonschiefern  und  Alaunschiefern  des  Culms 
bei  Letmathe. 

Deshalb  ist  es  schwer  verständlich,  wie  man  von  mir  sagen 
kann,  daß  ich  den  Velberter  und  den  westfälischen  Culm  ins  Ober- 
carbon gestellt  hätte,  eine  irrtümliche  Auffassung,  wie  sie  auch  in 
der  letzten  Auflage  von  Kaysers  Lehrbuch  zum  Ausdruck  gekommen 
ist.  Mit  keinem  Wort  habe  ich  gesagt,  daß  infolge  der  Über- 
lagerung des  Kohleukalkes  durch  Culm  jetzt  der  Culm  ius  Ober- 
carbon zu  setzen  sei. 

Daß  die  Culra-Plattenkalke  kein  Äquivalent  des  Ratinger 
Kohleukalkes  sind,  geht  unzweifelhaft  aus  den  Lagerungsverhält- 
nissen der  Herzkämper  Mulde  hervor , die  für  meine  Schluß- 
folgerungen bestimmend  gewesen  sind,  und  die  ich  hier  noch 
einmal  wiederhole. 

„Es  wurde  festgestellt,  daß  der  Culm  konkordant  den  Kohlen- 
kalk überlagert,  daß  speziell  in  der  Herzkämper  Mulde,  in  der 
der  Kohlenkalk  in  seinen  typischen  Bänken  noch  vorhanden  ist, 
dieser  in  seinem  Hangenden  Culmbildungen  aufweist  und  zwar 
Kieselschiefer,  Kieselkalke  und  Alaunschiefer.“ 


1 Xebe  a.  a.  0.  p.  489. 


Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W. 


401 


„Da  in  der  Herzkämper  Mulde  an  Culmbildungen  überhaupt 
nur  Kieselschiefer,  Kieselkalke  uud  Alaunschiefer  vorhanden  sind, 
so  ergibt  sich  der  Schluß,  daß  der  Culm  jünger  als  der 
Kohlenkalk  und  nicht  gleichzeitiger  Entstehung 
ist,  wie  bis  jetzt  allgemein  angenommen  wurde1.“ 

„Da  ferner  der  rechtsrheinische  Kohlenkalk  in  seinem  Haupt- 
anteil die  Vise-Stufe  repräsentiert,  so  ergibt  sich  auch,  daß  der 
Culm  jünger  ist  als  der  linksrheinische  Kohlenkalk,  insbesondere 
jünger  als  der  belgische  Kohlenkalk.“ 

Die  so  verschieden  entwickelte  Fazies  dieser  untercarbonischen 
Schichten,  die  nicht  nur  in  petrographischer,  sondern  auch  in 
faunistischer  Beziehung  hervortritt,  zwingt  in  diesem  Gebiet  be- 
sonders dazu,  auf  die  Entwirrung  der  L a g e r u n g s v e r h ä 1 1 - 
nisse  vorzugsweise  Gewicht  zu  legen. 

Deshalb  darf  Nebe  bei  seiner  Vermutung,  daß  allenfalls 
wohl  die  liegenden  Alaunschiefer  und  vielleicht  noch  ein  Teil  des 
Kieselschieferhorizontes  zur  Etroeungt-Stufe  zu  stellen  sei,  auch 
nicht  die  Fossilliste  von  Schmidt  als  Beweis  heranziehen,  da  Schmidt 
eine  Etroeungt-Fauna  bei  Elberfeld  in  einem  Schichtenkomplex 
ausgebeutet  hat,  der  über  100m  unter  den  „liegenden  Alaun- 
schiefern“ des  Culms  ansteht.  Auch  die  vorher  erwähnten  Gründe 
werden  keine  befriedigende  Lösung  in  dieser  Beziehung  er- 
warten lassen. 

Wir  werden  vielmehr  zu  der  Vermutung  geführt,  daß  die 
Tournai-  und  Etroeungt-Fauna  sich  im  Culm  am  Nordrande 
des  Rheinischen  Schiefergebirges  nicht  vorlinden  kann, 
falls  nicht  glückliche  Fossilfunde  in  den  „liegenden  Alaun  schiefem“ 
diese  Erwartung  täuschen  sollten.  Lassen  sich  aber  auch  dort  in 
den  liegenden  Alaunschiefern  nicht  diese  untersten  Carbonstufen 
nacliweisen,  so  sind  wir  zu  der  Annahme  gezwungen,  im  Liegenden 
des  Culms,  in  den  Wocklumer  Schichten  noch  carbonische  Faunen- 
elemente vorzufinden , wenn  wir  nicht  eine  Transgression  des 
Culms,  eine  Diskordanz  zwischen  Culm-  und  Oberdevonschichten 
annehmen  müssen,  eine  Frage,  für  deren  Lösung  vielleicht  die 
scharfe  Grenze,  das  unvermittelte  Auftreten  der  liegenden  Alaun- 
schiefer im  Hangenden  der  Wocklumer  Schichten  einen  Beitrag  liefert. 

Bei  der  Sedimentation,  die  nach  unserer  heutigen  Kenntnis 
fast  ununterbrochen  erfolgte,  ist  nicht  nur  die  Grenze  zwischen 
Devon  und  Carbon  schwer  zu  ziehen,  sondern  auch  aus  dem 
gleichen  Grunde  zwischen  Untercarbon  und  Obercarbon.  Daß  bei 
dem  Auftreten  einer  Mischfauna  eine  scharfe  Trennung  in  beiden 
Fällen  schwer  durchzuführen  ist  und  bis  zu  einem  gewissen  Grade 
willkürlich  bleibt,  darin  kann  man  Herrn  Nebe  nur  beipflichten. 

1 Zimmermann,  Koldenkalke  und  Culm  des  Velberter  Sattels,  p.  430. 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


26 


402 


H.  L.  F.  Meyer, 


Kalkalgen  im  Wellenkalk  der  Rhön. 

Von  Hermann  L.  F.  Meyer-GießeD. 

Im  oberschlesischen  Mittleren  Muschelkalk  ist  das  Vorkommen 
von  Kalkalgen  recht  häufig.  Aus  dem  übrigen  Deutschland  sind 
diese  Fossilien  nur  durch  Benecke1  (1898)  und  durch  Hohenstein2 
im  Jahre  1911  bekannt  geworden.  Hohenstein  führt  nicht  nur 
wie  B.  Diplopora  aus  dem  Mittleren  Muschelkalk,  sondern  auch 
aus  dem  Trocliitenkalk  eine  dicliotom  verzweigte  Kalkalge  mit 
geringelter  Oberfläche  an. 

Diese  Notiz  gibt  mir  Veranlassung,  auf  einen  Fund  hinzuweisen, 
den  ich  im  Frühjahr  1911  in  der  Rhön  machte.  Die  Fossilien  sind 
zwar  nicht  sonderlich  gut  erhalten  und  erlauben  vorläufig  keine 
generische  Bestimmung.  Aber  ihr  auffälliges  Vorkommen  in  kon- 
glomeratischen  Bänken  und  die  bisher  bekannte  nur  geringe  Ver- 
breitung scheinen  mir  doch  eine  kurze  Veröffentlichung  zu  recht- 
fertigen.  Ich  möchte  dadurch  eine  Anregung  geben,  in  anderen 
Gebieten  ebenfalls  auf  diese  Gebilde  zu  achten.  Im  Wellenkalk 
Niederhessens  und  des  Lauterbacher  Grabens,  den  ich  selbst 
inzwischen  sah,  fand  ich  keine  Algen. 

Vorkomme  n. 

Die  Fundpunkte  liegen  im  südlichen  Teile  des  Blattes 
Gersfeld  und  zwar  in  der  Nähe  von  Kippelbach.  Die  unten 
beschriebenen  besser  erhaltenen  Stücke  stammen  von  der  Südseite 
des  Rommerser  Berges,  aus  der  Oberen  Terebratelbank,  die 
zum  Teil  konglomeratisch  ist.  Die  Erläuterungen  zum  Bl.  Gers- 
feld geben  das  Auftreten  derartiger  Bänke  in  diesem  Horizonte 
ausdrücklich  an,  wie  sie  sich  ja  auch  sonst  häufig  im  mittleren 
Deutschland  finden.  Von  zwei  weiteren  Stellen  liegen  mir  schlecht 
erhaltene  Reste  vor,  die  nicht  weiter  berücksichtigt  werden  konnten. 
Außerdem  fand  ich  ein  sehr  merkwürdiges  Gestein  am  Abhang 
der  Eube  nach  dem  Gukai  zu.  Es  handelt  sich  hier  um  einen 
blaugrauen  Kalk,  der  nach  allen  Richtungen  völlig  zerschrattet 
erscheint.  Die  entstandenen  Zwischenräume  sind  ausgefüllt  durch 
einen  intensiv  gelben  sehr  tonigen  Kalk.  (Man  hat  hier  durchaus 
den  Eindruck,  daß  der  blaugraue  Kalk  einer  atmosphärischen  Ver- 
witterung ausgesetzt  gewesen  war  und  der  starke  Tongehalt  des 
ausfüllenden  Gesteines  daher  stammt.  Das  Auftreten  der  kon- 
glomeratischen  Bänke  bestätigt  vielleicht  diese  Anschauung,  denn 

1 E.  W.  Benecke,  Diplopora  und  einige  andere  Versteinerungen  im 
elsaß-lothringischen  Muschelkalk.  Mitt.  d.  geol.  Landesanst  v.  Elsaß-Lothr. 
4.  p.  277—285.  1898. 

- Viktor  Hohenstein,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Mittleren  Muschel- 
kalkes und  unteren  Trochitenkalkes  am  östlichen  Schwarzwaldrand.  Dies. 
Centralbl.  1911.  p.  648 — 656. 


Kalkalgen  im  Wellenkalk  der  Rhön. 


403 


diese  Gesteine  verlangen  das  Auftauchen  erst  vor  kurzem  gebildeter 
Sedimente  über  den  Meeresspiegel.  Das  Material  der  Komponenten 
entspricht  auch  ungefähr  dem  erwähnten  blaugrauen  Kalke.)  In 
diesem  Kalke  liegen  verschiedene  Reste,  die  vielleicht  auch  Algen 
darstellen.  Es  handelt  sich  um  kleine  Stäbchen  aus  kristallinem 
Kalke,  bis  5 mm  lang  und  ungefähr  0,15  mm  breit,  die  eine  schwache 
Zuspitzung  nach  dem  einen  Ende  zeigen.  Höhlungen  wurden  nicht 
beobachtet. 

Das  Hauptinteresse  verlangen  aber  die  Kalke  am  Rommerser 
Berg.  Die  Konglomeratbänke  weisen  als  Grundmasse  eine 
von  zahllosen  Schalenresten  erfüllte  Breccie  auf.  In  ihr  liegen 
verteilt  gut  gerundete  Gerolle  von  rötlich-blaugrauem,  rotstaubig 
anwütterndem  Kalke.  Meist  haben  die  Gerolle  nur  Durchmesser 
von  1 — cm,  doch  kommen  auch  solche  mit  3 und  4 cm  Durch- 
messer vor.  In  diesen  Gerollen  (aber  auch  nur  in  diesen)  finden 
sich  mehr  oder  weniger  zahlreich,  unregelmäßig  verteilt,  die  als 
Kalkalgen  an  gesprochenen  Reste.  Einige  Gerolle  ent- 
halten nur  sehr  wenige  oder  gar  keine,  andere  wieder  sehr  viele 
Algen. 


Beschreibung  der  Formen. 

Die  Formen  sind  durch  die  Herauswitterung  aus  dem  Kalke 
erkennbar  geworden.  Selten  sind  sie  aber  in  ihrer  ganzen  Länge 
gut  erhalten,  denn  sie  leisten  der  Verwitterung  wenig  Widerstand. 
Sie  bestehen  aus  feinkristallinem  Kalk,  sind  also  umkristallisiert, 
und  zeigen  infolgedessen  keine  besondere  Oberflächenskulptur  und 
keine  besondere  Struktur  der  Wandungen.  Auch  eine  mikroskopische 
Untersuchung  zeigt  keine  strukturellen  Besonderheiten. 

Es  handelt  sich  um  zylindrisch-röhrenförmige  Gebilde  von  fast 
gleichbleibendem  Durchmesser  ohne  Poren.  Sie  sind  mehr  oder 
weniger  gerade  und  zeigen  schwache  Biegungen.  Verzweigungen 
kommen  nicht  vor.  Nach  dem  unteren  Ende  verschmälert  sich  die 
Röhre  nur  unbedeutend  und  ist  halbkugelförmig  geschlossen.  Die 
größte  Länge  ist  6,5  mm  (ein  nicht  sicher  dazu  gehöriges  Indivi- 
duum zeigt  7,5  mm).  Der  Durchmesser  der  Röhren  beträgt  nach 
zahlreichen  mikroskopischen  Messungen  im  Durchschnitt  0,75  mm, 
er  kann  aber  auch  auf  0,48  und  1,08  mm  gehen.  Die  Dicke  der 
Wandung  ist  an  demselben  Stücke  wechselnd.  Es  hat  den  Anschein, 
als  ob  durch  die  Umkristallisation  das  ursprüngliche  Maß  zerstört 
worden  sei.  Meist  findet  sich  eine  Dicke  von  0,15  — 0,21  mm. 
Ein  beträchtliches  Stück  des  ganzen  Durchmessers  wird  durch 
die  Wandung  eingenommen , so  daß  der  Radius  manchmal  nur 
wenig  größer  ist  als  die  Wanddicke.  Häuflg  ist  der  innere 
Hohlraum  durch  kristallinen  Kalk  ausgefüllt,  so  daß  in  verwitter- 
tem Zustande  das  Vorhandensein  einer  Röhre  nicht  leicht  zu  er- 
kennen ist. 


26* 


404 


H.  L.  F.  Meyer,  Kalkalgen  im  Wellenkalk  der  Rhön. 


Das  Auftreten  von  Ringen  oder  Einschnürungen  wurde  nicht 
beobachtet.  Stets  erscheint  die  Oberfläche  glatt  oder  rauh  und 
gekörnelt.  Dies  ist  aber  wegen  der  Umkristallisation  für  die  primäre 
Struktur  ohne  Bedeutung.  In  einem  Falle  ist  eine  Gliederung  durch 
fast  1 mm  entfernt  stehende  Einschnürungen  zu  sehen.  Das  Stück, 
das  sich  durch  die  große  Länge  von  7,5  mm  auszeichnet,  ist  aber 
zu  stark  verwittert,  als  daß  man  mit  Sicherheit  eine  primäre  Er- 
scheinung darin  sehen  könnte. 

Systematische  Stellung. 

Über  die  systematische  Stellung  der  beschriebenen 
Formen  ist  nach  dem  schlechten  Erhaltungszustände  kein  genanes 
Urteil  möglich.  Zu  den  Gyropor eilen1 2  könnten  sie  vielleicht 
gehören,  die  sehr  geringen  Dimensionen  unterscheiden  sie  aber  von 
allen  bekannten  Formen.  Gt/roporella  aequalis  Gümbel  könnte  viel- 
leicht als  schwach  verzierte  Form  in  Frage  kommen.  Gümbel 
führt  außerdem  aus  dem  Himmelwitzer  Dolomit  Oberschlesiens  eine 
Form  unbestimmter  Stellung  als  sehr  häufig  an,  die  nach  seinen 
Angaben  in  den  Größenverhältnissen  gut  passen  würde:  Cylindrella 
silesiaca.  Von  einer  doppelten  Wandung,  wie  er  sie  beschreibt, 
habe  ich  bei  meinen  Exemplaren  freilich  nichts  erkennen  können. 
Doch  könnte  die  auffällig  wechselnde  Dicke  der  Wandung  meiner 
Exemplare  auf  verschiedene  Erhaltungszustände  dieser  Doppel- 
wandung  zurückzuführen  sein. 

Sollte  auch  bei  besserer  Erhaltung  sich  die  beschriebene  Form 
als  eine  glatte  Röhre  ohne  Poren  erweisen,  so  würde  als  morpho- 
logisch verwandt  Calcinema  triasina  Bokxemaxx  in  Frage  kommen. 
Borxemann ~ (s.  p.  290,  Taf.  XI,  Fig.  2)  fand  im  Schaumkalk  von 
Mihla  kleine  Röhrchen  mit  ähnlichen  Proportionen  und  völlig 
glatter  Wandung,  die  er  schon  zu  den  Kalkalgen  in  die  -Xähe 
der  Chareu  und  Daktyloporen“  stellen  wollte.  Allerdings  haben 
seine  Formen  nur  Durchmesser  von  0,15 — 0,2  mm,  sie  befinden 
sich  also  ganz  außer  der  Variationsbreite  meiner  Exemplare.  Bei 
der  geringen  Kenntnis  auf  diesem  Gebiete  werden  wir  aber  trotz 
dieses  Unterschiedes  beide  Formen  vereinigen  können,  bis  uns  gut 
erhaltene  Individuen  eine  genaue  Stellungnahme  ermöglichen. 

Gießen,  den  14.  Mai  1913.  Mineralogisches  Institut. 

1 C.  W.  Gümbel,  Die  Xnlliporen  des  Tierreiches.  II.  Teil.  Denkschr. 
d.  bayr.  Akad.  d.  Wiss.  11.  2.  Abt.  p.  232-290.  1872. 

2 I.  G.  Borxemann,  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Muschelkalkes,  ins- 
besondere der  Schichtenfolge  der  Gesteine  des  Unteren  Muschelkalkes  in 
Thüringen.  Jahrb.  d.  kgl.  preuß.  geol.  Landesanst.  f.  1885.  p.  267 — 320.  1886. 


St.  v.  Gaal,  Kurze  Antwort  etc. 


405 


Kurze  Antwort  auf  den  Pavai’schen  (?)  Artikel  (Sarmatischer 

Daeittuff  etc.) 

Von  St.  v.  Gaal. 

Der  unparteiische  Leser  wird  wahrscheinlich  den  Eindruck 
gehabt  haben,  daß  der  Artikel  des  Herrn  Pävai  (dies.  Centralbl. 
Heft  6 — 7),  besonders  dessen  zweiter  Teil,  von  einem  älteren 
Herrn  inspiriert  ist  und  im  ganzen  von  einem  sehr  jungen  Menschen 
herrührt.  Der  ganze  Aufbau  des  Artikels  und  der  Ton,  welchen 
derselbe  anschlägt,  ist  äußerst  befremdend. 

Ich  muß  noch  bemerken,  daß  icli  das  ungarische  Original, 
trotzdem  mich  meine  Freunde  darauf  aufmerksam  gemacht  haben, 
nicht  gelesen  habe.  Dafür  hatte  ich  eben  meine  guten  Gründe. 
Wenn  ich  nun  schließlich  doch  auf  den  Artikel  des  Herrn  Pävai 
antworte,  so  tue  ich  das  um  nachzuweisen , wer  der  eigentliche 
Urheber  des  betreffenden  Artikels  ist. 

In  meiner  Abhandlung  über  die  Neogenablagerungen  des  Sieben- 
bürger Beckens  habe  ich  mich  tatsächlich  wenig  mit  dem  Herrn 
Pävai  befaßt,  ja  ich  habe  sogar  gewisse  Erscheinungen  anders  als 
er  gedeutet;  das  dürfte  aber  doch  noch  kein  Grund  dafür  sein,  so 
rückhaltslos  und  grob  gegen  mich  aufzutreten. 

Die  sachlichen  Gründe  seines  Schreibens  sind  geradezu  ohne 
Belang.  Er  stellt  z.  B.  fest,  daß  in  der  Nähe  von  Nagy-Enyed 
auch  im  Untersarmat  Dacittuffbänke  Vorkommen.  Erinnere  ich 
mich  wohl,  so  habe  ich  in  meiner  obenerwähnten  Abhandlung  das- 
selbe schon  gesagt  (p.  444).  — Herr  P.  konstatiert,  daß  in  der  Um- 
gebung von  Nagy-Enyed  das  Sarmatikum  auf  einer  ziemlichen  Strecke 
vorkommt.  Dasselbe  habe  auch  ich  hervorgehoben  (p.  444).  Er 
hebt  nachdrücklich  hervor,  daß  wir  eine  vollkommene  Identität  der 
Fauna  der  sarmatischen  Schichten  Siebenbürgens  mit  denen  Süd- 
rnßlands  nicht  erwarten  dürfen;  aber  auch  diesbezüglich  muß  ich 
darauf  hinweisen,  daß  ich  diese  Ansicht  nicht  nur  in  meiner  oben- 
erwähnten Abhandlung,  sondern  bereits  im  Jahre  1911  in  einem 
Spezialvortrag  der  damals  bei  uns  üblichen  Auffassung  gegenüber 
als  Novum  ausgesprochen  habe.  In  meiner  öfters  erwähnten  Ab- 
handlung (p.  461)  steht  Wort  für  Wort: 

„ Diese  Frage  (d.  i.  die  Feststellung  der  maeotischen  Stufe  in 
Ungarn)  wird  nicht  bloß  auf  Grund  der  Fossilien  entschieden  werden 
können,  denn  das  können  wir  nicht  erwarten,  daß  wir  aus  dem 
Siebenbürger  Becken  eine  der  meotischen  Fauna  Südrußlands  idente 
ausweisen  können.  Ich  suchte  diese  Übereinstimmung  nicht,  konnte 
sie  auch  meines  Erachtens  nicht  einmal  in  den  ß-  und  C-Horizonten 
des  Obermiocäns  suchen,  denn  ich  fand  es  natürlich,  daß  der 
äußerste,  größtenteils  umschlossene,  vielleicht  mit  dem  Rumpf  gar 
nicht  zusammenhängende  Meeresspiegel  andere  physikalische  Eigen- 
schaften hatte“  etc. 


406 


St.  v.  Gaal,  Kurze  Antwort 


Noch  kleinlicher  erscheinen  die  Bemerkungen  des  Herrn  P. 
darüber,  daß  ich  seiner  Ansicht  nach  die  Spuren  der  Erosion  an 
anderen  Orten  als  er  wahrgenommen  habe  (das  mag  wohl  wahr 
sein,  doch  nicht  zu  meinen  Ungunsten);  daß  ich  von  einem  anderen 
Versteinerungsneste  spreche  (was  ganz  belanglos  ist)  und  daß  die 
tonigen  Schichten  im  Sarmatikum  anders  gefärbt  sind  als  im  Panno- 
nikum.  Von  mir  aus  kann  Herr  P.  seine  Orientierung  auf  Grund 
der  Färbung  ruhig  fortsetzen. 

Besonders  schwer  will  er  mir’s  zur  Last  gelegt  haben,  daß  ich 
die  Schichten  mit  dickschaligen  Congerien  irrtümlicherweise  in  das 
Obermiocän  versetze,  daß  ich  drei  Versteinerungen  falsch  determiniert, 
die  Antiklinalen  nicht  bemerkt  und  schließlich  ein  am  Wasser 
schwimmendes  eisenhaltiges  Häutchen  für  Petroleum  gehalten  habe. 

Bezüglich  der  dickschaligen  Congerien  will  ich  nur  bemerken, 
daß  dieselben  meiner  Wahrnehmung  gemäß  bereits  im  Miocän  Vor- 
kommen. Und  wenn  dies  nur  eine  Annahme  wäre,  so  bin  ich  doch 
neugierig,  wer  imstande  wäre,  dieselbe  mit  einem  Satz  zu  wider- 
legen. Herr  P.  keinesfalls ! 

Wie  er  dazu  kommt,  meine  „falschen“  Bestimmungen  mit  ins 
Gerede  zu  ziehen,  ist  geradezu  verblüffend,  da  ich  einerseits  ihm 
das  betreffende  Material  nicht  zur  Verfügung  gestellt  habe  (und 
zwar  wegen  des  Inhaltes  seiner  diesbezüglichen  Forderung),  anderer- 
seits aber  alle  Gelehrten  des  Erdballs  der  Unwissenheit  geziehen 
werden  dürften,  wenn  der  Wert  ihres  Wissens  davon  abhängen 
sollte,  ob  sie  je  Donax  dentiger  für  lucida,  oder  ein  Cyclostomum 
für  Vivipara , oder  aber  Copiapit  für  ein  neues  Mineral  (Jänosit!) 
angesehen  haben  u.  dergl. 

Was  den  Mangel  an  Scharfblick  bei  mir  anbelangt,  so  will 
ich  Herrn  P.  nur  folgendes  gesagt  haben: 

Den  Aufschluß  bei  Oläh-Lapäd  (Par.  Barsa)  habe  ich  gesehen, 
und  zwar  richtig  gesehen.  Herr  P.  braucht  nur  noch  einige  Male 
nachzuforschen  und  wird  daun  dieselbe  Erfahrung  machen.  Heute 
ist  er  noch  allzusehr  von  seiner  ersten  großen  (!)  Arbeit,  seiner 
Dissertation,  eingenommen.  Er  hält  dieselbe  für  unübertrefflich, 
hat  aber  das  betreffende  Profil  im  letzten  Artikel  — seiner  ersten 
Anzeige  gegenüber  — ziemlich  modifiziert  dargestellt. 

Was  die  Nichtwahrnehmung  der  Antiklinalen  anbelangt,  so 
habe  ich  dieselben  tatsächlich  nicht  wahrgenommen  und  es  scheint, 
daß  auch  andere  Gelehrte  anfangen  an  meinem  Mangel  au  Scharf- 
blick zu  leiden.  Herr  P.  scheint  nicht  wissen  zu  wollen,  daß 
angesehene  Fachmänner,  die  nach  dem  Erscheinen  des  BöCKH’schen 
Artikels  die  Antiklinalen  gesehen  zu  haben  wähnten,  jetzt  nach 
dem  Erscheinen  der  GAÄL’schen  Auseinandersetzungen  dieselben 
nicht  mehr  sehen.  Doch  dies  sei  nur  nebensächlich  bemerkt.  Ich 
will  nicht  denselben  Fehler  begehen,  welchen  Herr  P.  und  noch  einige 
Herren  begangen  haben,  die  wissenschaftliche  Fragen  mit  Stimmen- 


auf  den  Pävai’schen  (?)  Artikel  etc. 


407 


mekrheit  zu  entscheiden  wünschen.  Wie  würde  es  um  Galilei, 
Lamarck  oder  Darwin  ausgesehen  haben,  wenn  man  über  ihre 
Lehren  seinerzeit  mit  Stimmenmehrheit  entschieden  hätte?! 

Aber,  aber,  zum  Schluß  kommt  das  Petroleum.  Das  Steinöl 
ist  besonders  wichtig,  denn  es  hat  mir  den  Schlüssel  zu  dem 
Artikel  des  jungen  P.  geliefert. 

Eine  detaillierte  Behandlung  verdient  die  Frage  wirklich  nicht. 
Genug  an  dem,  ich  glaubte  bei  der  Gasforschung  in  einem  Brunnen 
Spuren  von  Petroleum  gefunden  zu  haben  und  teilte  diese  Beobach- 
tung gelegentlich  dem  Herrn  Dr.  H.  Böckh  mit.  Ihm  allein  habe 
ich  mich  so  geäußert,  und  wenn  jemand  anderer  Kenntnis  davon 
hat,  so  kann  er  es  nur  von  Herrn  Oberbergrat  Böckh  erfahren 
haben.  Übrigens  war  ich  mir  selber  meines  Irrtums  bald  klar, 
so  daß  ich  die  Petroleum-Frage  weder  in  meinem  Berichte,  noch 
in  meinen  Notizen  oder  sonstigen  Aufzeichnungen  mit  einem  einzigen 
Worte  berührte.  Und  noch  ein  unzweifelhafter  Wegweiser!  Die  30 
bis  40  Aufzeichnungen  auf  meinen  Karten,  die,  wie  alle  solcher  Natur  — 
laut  den  Äußerungen  des  Herrn  Oberbergrat  B.  — Amtsgeheimnis 
bildeten.  Ich  erwähne  dies  auch  bloß,  um  nun  den  wahren  Grund 
des  Entstehens  des  PAvAi’schen  Artikels  kurz  erörtern  zu  können, 
ohne  aber  mich  an  der  Person  irgend  jemands  vergreifen  zu  wollen. 

In  meiner  Abhandlung  über  die  Neogenablagerungen  Sieben- 
bürgens habe  ich  auseiuandergesetzt,  daß  die  die  Mitte  des  Sieben- 
bürger Beckens  bedeckende  Ablagerung  ohne  Faltungen  ist,  und  daß 
es  auch  keine  Durchspießungsfalten  in  Siebenbürgen  gebe.  Daraus 
folgt  nun,  daß  Herrn  Böckh’s  neueste  Entdeckung,  die  Antiklinalen  im 
Mezöseg-Gebiete  nicht  existieren  und  wie  Dr.  Koch  nachgewiesen,  der 
Schichtenkomplex  des  Beckeninnern  eine  ungestörte  Lagerung  aufweist. 

Ich  muß  nur  noch  hervorheben,  daß  meine  Abhandlung  sich 
ausschließlich  mit  dieser  Frage  befaßt,  und  ob  ich  dabei  die 
Grenzen  der  Objektivität  überschritten  habe  oder  nicht,  das  mögen 
die  geneigten  Leser  entscheiden. 

Herr  Böckh  schien  anfangs  meine  Ansichten  nicht  widerlegen 
zu  wollen,  doch  durften  dieselben  nicht  unbeantwortet  bleiben. 
Herr  B.  duldet  gewöhnlich  keinen  Widerspruch  gegen  seine  eigenen 
Ansichten  und  ist  bisher  für  dieselben  immer  schroff  und  scharf 
ins  Feld  gerückt;  jetzt  scheint  er  aber  der  Ansicht  zu  sein,  es 
sei  besser,  einen  jungen  Mann,  und  zwar  seinen  Assistenten,  in 
den  Kampf  zu  schicken. 

Charakteristisch  ist  nun  dieses  Verfahren  gewiß! 

Wie  die  Petroleum-Geschichte,  so  weisen  auch  die  karto- 
graphischen Angaben  auf  ihn  als  den  Helfershelfer  hin.  Er  hat 
den  Artikel  im  vorhinein  gutgeachtet  und  dann  in  den  Berg-  und 
Hüttenmännischen  Blättern  ungarisch  veröffentlicht.  Und  abermals 
war  es  Herrn  Böckh’s  Idee,  daß  in  einer  Arbeit  über  die  sarma- 
tischen  Dacittuffbänke  von  Nagy-Enyed  die  wichtigen  Resultate 


408 


E.  Korreng,  lieber  die  Herstellung 


dev  Antiklinalen-Theorie  nicht  unerwähnt  bleiben  dürfen.  Das 
weiß  ich  auch  positiv,  denn  Herr  B.  pflegt  auch  die  Tagespresse 
in  dieser  Hinsicht  zu  informieren. 

Unparteiische  Fachmänner  machen  gewiß  einen  Unterschied 
zwischen  Forschungsresultaten  und  Bohrungsresultaten  und  es  ist 
leicht  festzustellen,  daß  an  Orten,  wo  seit  Jahrhunderten  Methan 
aus  dem  Boden  hervorbricht,  die  Bohrungen  mit  Erfolg  ins  Werk 
gesetzt  werden  können.  Eine  Antiklinallehre  ist  hier  nicht  von- 
nöten. Wo  Herr  B.  rein  auf  Grund  der  Antiklinal-Theorie  Boh- 
rungen unternommen  hat  (wie  bei  M.-Ugra,  Szent-Benedek,  Szäsz- 
Regen,  D.-Szt.-Märton,  M.-Szt.-György),  dort  hatte  er  überhaupt 
nur  Mißerfolge  zu  verzeichnen. 

Nicht  an  dem  Dacittufl'  von  Nagy-Enyed  ist  es  hier  gelegen,  und 
nicht  dem  Herrn  Pavai  ist  es  daran  gelegen,  sondern  dem  Herrn  Böckh 
ist  es  an  den  Antiklinalen  gelegen,  — die  tun  ihm  weh  — sehr  weh. 

So  einfach  läßt  sich  diese  komplizierte  Geschichte  entwirren ! 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Ueber  die  Herstellung  von  Dünnschliffen  und  Dauerpräparaten 
aus  salzartigen,  aus  dem  Schmelzfluss  kristallisierten  Stoffen. 

Von  E.  Korreng  in  Berlin. 

Die  kristallographische  Untersuchung  von  salzartigen  Stoffen, 
die  aus  Schmelzflüssen  entstanden  sind,  erfordert  die  Herstellung 
von  Dünnschliffen  oder  Präparaten,  die  jene  zu  ersetzen  vermögen, 
da  sie  das  einzige  Mittel  bilden,  die  Ergebnisse  der  thermischen 
Analyse  zu  kontrollieren  und  zweifelhafte  Fälle  aufzuklären. 

Über  die  Anfertigung  von  Salzdünnschliffen  existiert  eine  An- 
gabe von  H.  E.  Boeke  ’,  wonach  sie  unter  Vermeidung  von  Wasser 
und  Alkohol  nacli  den  bei  Silikatgesteinen  üblichen  Methoden  her- 
zustellen sind,  und  eine  Anweisung  von  M.  Naümann1 2 3,  die  sich 
auf  Gesteine  von  Salzlagerstätten  bezieht.  Naumann  rät  von  dem 
Gebrauch  von  Eisenplatten  und  Petroleum  ab  und  schlägt  vor, 
eine  matte  Glasscheibe  zu  benutzen , auf  der  mit  Smirgel  und 
Erdnußöl  geschliffen  werden  soll.  — S.  Zemczuzny  3 empfiehlt,  Salz- 
schliffe nicht  im  durchfallenden,  sondern  im  reflektierten  Lichte 
zu  untersuchen,  weil  sich  Salzdünnschliffe  von  einer  Dicke  von 
0,005 — 0,0025  mm,  die  der  Größenordnung  der  Einzelheiten  in 
den  eutektischen  Grundmassen  entspricht,  nur  sehr  schwer  her- 

1 H.  E.  Boeke,  Übersicht  der  Mineralogie,  Petrographie  und  Geologie 
der  Kalisalz-Lagerstätten.  Berlin  1909.  p.  30. 

2 M.  Naumann,  Beitrag  zur  petrographischen  Kenntnis  der  Salzlager- 
stätte Gliickauf-Sondershausen.  Diss.  Leipzig  1911.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
Beil.-Bd.  XXXII.  1911.  p.  594. 

3 S.  Zemczuzny,  Zeitschr.  f.  anorg.  Ckem.  57,  3.  1908,  p.  267. 


von  Dünnschliffen  und  Dauerpräparaten  etc. 


409 


stellen  lassen.  Zur  Bestätigung-  und  Aufklärung  der  Konzen- 
trations-Temperatur-Diagramme  von  Salzgemischen  können  einfache 
Schlifffläclien  geeignet  sein,  dagegen  lassen  sie  sich  nicht  benutzen 
zu  kristallographischen  und  optischen  Untersuchungen. 

Nachstehend  seien  daher  Erfahrungen  mitgeteilt,  die  bei  der 
Verarbeitung  einer  Anzahl  kristallisierter  Salzpaare  zu  Dünn- 
schliffen gesammelt  wurden. 

I.  Fast  aus  alleu  pyrogen  erzeugten  Salzgemengen  lassen  sich 
brauchbare  Dünnschliffe  herstellen.  Dabei  bereitet  eine  mäßige 
Hygroskopizität  noch  keine  Schwierigkeiten.  Unter  Beachtung 
gewisser  Vorsichtsmaßregeln  konnten  selbst  noch  Schliffe  ge- 
wonnen werden  aus  wasserfreiem  Li  CI  und  Ca  Cl9,  sowie  aus  Ge- 
mengen, die  reich  an  diesen  sehr  hygroskopischen  Stoffen  waren. 
Nur  dann,  wenn  die  Fähigkeit,  Wasser  aus  der  atmosphärischen  Luft 
aufzunehmen,  in  noch  stärkerem  Maße  auftritt,  wie  es  beim  reinen 
Zn  CI.,  und  Zn  Cl2-reichen  Mischungen  mit  anderen  Metallchloriden 
der  Fall  ist,  oder  wenn  die  Eeguli  von  einer  so  großen  Anzahl 
von  Spaltrissen  durchzogen  sind,  daß  ein  Dünnschliff  nicht  ge- 
nügend große  und  einheitliche  Durchschnitte  zur  mikroskopischen 
Betrachtung  bietet,  wie  es  bei  Sn  Cl2-lialtigen  Schmelzen  beobachtet 
wurde,  ist  die  Anfertigung  von  Dünnschliffen  nach  einer  Methode,  die 
der  für  Silikatgesteine  üblichen  nachgebildet  ist,  nicht  möglich.  In 
solchen  Fällen  empfiehlt  sich  die  auf  p.  412  beschriebene  Herstellung 
von  Präparaten,  die  direkt  aus  dem  Schmelzfluß  entstanden  sind. 

Es  ist  zweckmäßig,  die  Dünnschliffe  sofort  nach  der  Beendi- 
gung des  Schmelz  Versuches  anzufertigeu,  ehe  durch  Wasseraufnahme 
eine  Hydratisierung  der  Versuchssubstanz  erfolgt.  Gemenge,  die 
Li  CI,  Cu  CI,  MgCl2,  CaCl2,  CdCl2,  ZnCl2  oder  SnCl2  enthalten, 
dürfen  nicht  ungeschützt  an  der  Luft  liegen  bleiben.  Selbst  wenn 
sie  im  Exsiccator  aufbewahrt  werden,  entgehen  sie  nicht  einem 
baldigen  Zerfall.  Muß  das  Schleifen  dennoch  hinausgeschoben 
werden,  so  umhüllt  man  einige  zur  Anfertigung  der  Dünnschliffe 
ausgewählte  Bruchstücke,  um  sie  zu  konservieren,  mit  gehärtetem 
Kanadabalsam , indem  man  sie  in  siedenden  Balsam  eintaucht. 
Dabei  ist  zu  beachten,  daß  Kanadabalsam  von  etwa  215  0 an,  unter 
stetiger  Veränderung  seiner  chemischen  Zusammensetzung,  kocht. 
Das  Lösungsmittel  (Xylol)  verdampft  schon  bei  ca.  165°.  Stoffe, 
die  unterhalb  dieser  Temperaturen  Veränderungen  erleiden,  dürfen 
daher  nur  kurze  Zeit  in  der  heißen  Harzlösung  verbleiben.  Doch 
auch  bei  den  so  geschützten  Präparaten  beginnt  nach  einiger  Zeit  die 
Verwitterung,  namentlich  an  scharfen  Kanten,  wo  die  Balsamschicht 
dünn  ist.  Deshalb  sind  sie  in  Papierbeuteln  im  Exsiccator  oder  in 
Präparatengläschen  mit  paraffinierten  Pfropfen  aufzube wahren. 

Bei  der  Anfertigung  von  Dünnschliffen  wird  es  meistens  nötig 
sein,  schnell  zu  arbeiten.  Deshalb  gehe  man  von  vornherein  nicht 
darauf  aus,  möglichst  große  Objekte  herzustellen,  denn  diese  zeigen 


410 


E.  Korreng,  Ueber  die  Herstellung 


häufig  in  vielfacher  Wiederholung  nur  das,  was  auch  an  kleineren 
erkannt  wird.  Ferner  bereite  man,  ehe  mit  dem  Schleifen  begonnen 
wird,  eine  hinreichend  große  Anzahl  von  Objektträgern  zum  Auf- 
kitten der  Objekte  vor,  indem  man  in  die  Mitte  eines  jeden  von 
ihnen  einen  Tropfen  aus  gehärtetem  Kanadabalsam  setzt.  Das 
Härten  des  Balsams  geschieht  in  einem  kleinen  Metallöffel  über 
der  Spiritusflamme.  Es  ist  beendet,  wenn  sich  eine  Probe  des 
Balsams  nicht  mehr  zu  klebrigen  Fäden  ausziehen,  aber  auch  nicht 
nach  dem  Erkalten  wie  Glas  zersplittern  läßt.  Zu  weicher  Balsam 
schmiert  beim  Schleifen,  zu  harter  springt  vom  Objektträger  ab 
und  reißt  den  Dünnschliff  mit  sich.  Auch  den  zum  Eindecken 
des  Schliffes  zu  benutzenden  Balsam  verdicke  man  durch  mäßiges 
Erwärmen  in  einem  Erlenmeyerkölbchen  oder  Porzellantiegel. 

Als  Material  zum  Schleifen  empfiehlt  sich  Sandpapier  von 
verschiedenen  Feinheitsgraden  (1,  0,  00),  zum  Nachschleifen  und 
Polieren  ist  eine  matte,  völlig  ebene  Glasscheibe  am  besten  ge- 
eignet. Es  ist  nicht  ratsam,  die  Schliffe  auf  einer  Eisen-  oder 
Glasplatte  mit  Anwendung  von  Smirgel  und  Öl  (Rizinus-,  Oliven- 
oder Erdnußöl)  herzustellen ; denn  selbst  die  feinsten  Smirgelsorten 
nehmen  die  Schichten  des  Objektes  zu  schnell  fort,  andererseits 
verschmutzen  die  Dünnschliffe  dadurch,  daß  sich  Spalten  und  Hohl- 
räume mit  einer  braunen  Paste  aus  Smirgel  und  Öl  ausfiillen,  die 
kaum  wieder  entfernt  werden  kann. 

1.  Für  die  Herstellung  einer  ebenen  Schlifffläche  ist  nur  Sand- 
papier auf  fester  ebener  Unterlage  zu  verwenden.  Bei  hygro- 
skopischen Stoffen  schleift  man  möglichst  schnell  und  geht  bald 
auf  unbenutzte  Stellen  des  Sandpapiers  über,  um  nicht  in  Pulver 
zu  reiben,  das  inzwischen  Wasser  angezogen  hat.  Durch  schnelles 
Schleifen  auf  dem  die  Wärme  schlecht  leitenden  Sandpapier  wärmt 
sich  die  geriebene  Fläche  so  stark,  daß  in  den  meisten  Fällen 
eine  Hydratisierung  des  Schliffes  nicht  erfolgt.  Taucht  man  dann 
die  Schlifffläche  schnell  in  einen  hinreichend  großen  Tropfen 
Rizinusöl  auf  der  Glasplatte  und  poliert  sie  in  diesem,  indem  man 
schnell  rotierende  Bewegungen  ausführt,  so  ist  auch  die  schädigende 
Wirkung  des  Wasserdampfes  der  Luft  ausgeschaltet.  Bei  Stoffen, 
die  nicht  hygroskopisch  sind,  wendet  man  zum  Polieren  möglichst 
wenig  oder  kein  Öl  an.  Wird  es  notwendig,  die  Glasplatte  zu 
säubern,  so  reibt  man  sie  mit  absolutem  Alkohol  ab. 

2.  Wenn  die  Schlifffläche  in  allen  Teilen,  namentlich  auch 
an  den  Rändern,  Spiegelglanz  zeigt,  wird  das  Präparat  mit  der 
Schlifffläche  auf  den  Objektträger  aufgekittet.  Darf  das  Objekt 


der  Einwirkung  der  feuchten  Luft  nicht  ausgesetzt  werden,  so  ist 
schon  vor  Beendigung  des  Polierprozesses  ein  präparierter  Objekt- 
träger so  weit  zu  erwärmen,  daß  der  Balsam  fließt,  und  auf  eine 
horizontale,  die  Wärme  schlecht  leitende  Unterlage  zu  legen.  In 
den  noch  flüssigen  Balsam  bringt  man  dann  das  Objekt  und  drückt 


von  Dünnschliffen  und  Dauerpräparaten  etc. 


411 


den  Schliff  an  das  Glas  an,  doch  so,  daß  sich  keine  Luftblasen 
bilden  oder  zwischen  Glas  und  Präparat  stehen  bleiben.  Wurde 
der  Schliff  in  Öl  poliert,  so  muß  das  anhaftende  Öl  vor  dem  Auf- 
kitten mit  einem  nicht  fasernden  Tuche  abgewischt  werden. 

3.  Wenn  der  Balsam  erkaltet  ist,  beginnt  das  Dünnschleifen 
des  Objektes.  Zum  Schlüsse  geht  man  zu  dem  feinsten  Sandpapier 
über  und  verringert  die  Geschwindigkeit  des  Schleifens  bedeutend, 
damit  nicht  Stücke  aus  dem  Objekte  lierausgerissen  oder  tiefgehende 
Schrammen  erzeugt  werden.  Die  letzten  Schichten  dürfen  nicht 
zu  schnell  fortgehen.  Deshalb  entfernt  man  den  überflüssigen 
Balsam  auf  dem  Objektträger  nicht  vollständig.  Das  Salzplättchen 
liegt  dann  in  einem  Ring  aus  Kanadabalsam , der  seine  Ränder 
schützt  und  mit  abgeschliffen  werden  muß,  wenn  das  Präparat 
dünner  werden  soll.  Löst  sich  bei  dieser  Behandlung  der  Dünn- 
schliff stellenweise  vom  Objektträger,  so  genügt  meist  ein  gelindes 
Erwärmen  des  Objektträgers  und  Andrücken  des  Dünnschliffes,  um 
die  entstandenen  Holilräume  zu  entfernen.  Das  Schleifen  wird 
auf  dem  Sandpapier  nicht  weiter  fortgesetzt,  wenn  man  durch  das 
Objekt  hindurch  schwarze  Druckschrift  lesen  kann.  Dann  folgt 
das  Nachschleifen  und  Polieren  auf  der  Glasplatte.  Für  das  Ge- 
lingen der  Dünnschliffe  aus  hygroskopischen  Salzgemengen  ist  auch 
hier  die  erste  Bedingung,  sie  nicht  der  direkten  Einwirkung  der 
feuchten,  atmosphärischen  Luft  auszusetzen.  Immer  bleibt  wesent- 
lich, daß  Balsamknötchen,  die  sich  beim  Schleifen  zuweilen  auf 
der  matten  Glasscheibe  festsetzen,  sofort  mit  Alkohol  oder  Xylol 
entfernt  werden.  Selten  genügt  zur  endgültigen  Säuberung  der 
Dünnschliffe,  bevor  sie  eingedeckt  werden,  das  Abstäuben  mit  einem 
Pinsel;  auch  die  Anwendung  von  Alkohol  verbietet  sich  in  der 
Mehrzahl  der  Fälle,  da  Alkohol  viele  Salze  schon  bei  Zimmer- 
temperatur merklich  löst  L Äther  und  Xylol  sind  nicht  nur  ihrer 
Feuergefährlichkeit  wegen  unbequem,  sondern  lösen  auch  den  Bal- 
sam sehr  schnell  und  gefährden  den  vollendeten  Schliff  dadurch, 
daß  sie  ihn  von  seiner  Unterlage  loslösen.  Dagegen  läßt  sich  der 
durch  Schleifpulver  verunreinigte  Balsam  leicht  mit  einem  erwärmten 
Spatel  entfernen,  während  die  dem  Dünnschliff  selbst  noch  anhaf- 
tenden Teilchen  durch  Reiben  auf  der  Glasplatte  in  öfters  erneuertem 
Öl  fortgeführt  werden. 

4.  Da  es  nicht  nötig  ist.  den  vollendeten  Dünnschliff  auf 
einen  anderen  Objektträger  zu  übertragen,  so  kann  er  nunmehr 
eingedeckt  werden  mit  warmem,  leicht  gehärtetem  Balsam,  auf  den 
man  ein  angewärmtes  Deckgläschen  drückt.  Die  Verwendung  von 
gehärtetem  Balsam  zum  Eiudecken  ist  geboten,  wenn  sich  die 
Dünnschliffe  längere  Zeit  unverändert  halten  sollen.  Im  gewöhn- 
lichen Balsam  bilden  z.  B.  Li  CI,  Mg  CR,  CaCl>,  BaCl2,  SnCl.,  und 
die  meisten  Gemenge  mit  diesen  Stoffen  sehr  bald  Hydrate. 

1 Landolt-Börnstein-Roth.  Phys.-chem.  Tab.  1912.  p.  566. 


412 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


II.  Aus  sehr  hygroskopischen  Substanzen  und  solchen,  denen  auch 
durch  Tränken  mit  Kanadabalsam  genügende  Verbandsfestigkeit 
nicht  gegeben  werden  kann,  oder  die  allzuvieler  Spaltrisse  wegen 
im  Dünnschliff  nicht  hinreichend  durchsichtig  werden,  benutzt  man 
Präparate,  welche  direkt  aus  einer  Schmelze  in  einer 
dünnen  Schicht  zwischen  zwei  Deckgläsern  kristallisiert  sind.  Sie 
lassen  sich  leicht  mit  Hilfe  eines  heizbaren  Präpariertischchens 
hersteilen,  auf  dem  man  ein  Deckglas  zur  Aufnahme  einer  mög- 
lichst geringen  Substanzmenge  erhitzt  hat.  Die  Substanz  entnimmt 
man  mit  einem  Glasstabe  der  flüssigen  Schmelze,  um  sie  möglichst 
wasserfrei  und,  falls  es  sich  um  eine  Mischung  handelt,  in  rich- 
tiger Konzentration  auf  das  Deckglas  zu  bringen.  Dort  wird  sie 
sofort  mit  einem  zweiten  Deckglas  bedeckt  und  mit  vergrößerter 
Heizflamme  geschmolzen.  Sie  fließt  dann  zwischen  den  beiden 
Gläschen  zu  einer  dünnen  Schicht  aus.  Um  die  Kristallisation 
eintreten  zu  lassen,  verkleinert  man  die  Flamme.  Dabei  ist  zu 
beachten,  daß  die  Kristalle  um  so  schöner  werden,  je  langsamer 
die  Abkühlung  erfolgt.  Das  nocli  warme  Präparat  drückt  man 
darauf  in  einen  dünnflüssigen  Tropfen  aus  gehärtetem  Kanada- 
balsam, der  sich  auf  einem  Objektträger  befindet,  so  daß  die  Ränder 
des  Präparates  Überflossen  werden.  Auf  diese  Weise  ist  es  gegen 
die  Einwirkung  der  Luftfeuchtigkeit  geschützt  und  kann  als  Dauer- 
präparat für  kristallograpliische  Untersuchungen  Verwendung  finden. 

Zum  weiteren  Schutz  können  nach  einigen  Tagen  die  Ränder 
der  Deckgläschen  sowohl  bei  den  Dünnschliffen  als  auch  bei  den 
Dauerpräparaten  mit  Maskenlack  oder  Asphaltlack  umzogen  werden. 

Berlin,  Miu.-petrogr.  Institut  der  Universität,  Dez.  1912. 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 

Londoner  Mineralogische  Gesellschaft.  Zusammen- 
kunft am  11.  März  unter  dem  Vorsitz  des  Vize- 
präsidenten Professor  H.  L.  Bowman. 

W.  Campbell  Smith  : Die  Mineraliensammlung  von 
Thomas  Pennant  (1726 — -1798).  Die  Sammlung,  die  von  dem 

Earl  of  Denbigh  neuerdings  dem  British  Museum  überwiesen 
wurde,  ist  begleitet  von  drei  im  Jahr  1729  geschriebenen 
Manuskriptbänden.  Die  darin  angewandte  Klassifikation  beruht, 
mit  einigen  Abänderungen,  auf  Woodward’s  „Natural  History  of 
the  Fossils  of  England“  von  1729.  Speziell  werden  die  von  Bor- 
lase , P ontoppidan  und  da  Costa  stammenden  Stücke  erwähnt, 
eingehender  werden  die  Mineralien  von  Flintshire  behandelt.  Einige 
Stücke  sind  von  Pexxaxt  in:  „A  Tour  in  Wales“  beschrieben. 

Arthur  Rüssel:  Die  Mineralien  und  Mineralfundorte 
von  Montgomeryshire.  Von  den  beschriebenen  Mineralien  sind 
die  bemerkenswertesten : Aurichalcit  von  Llanymynecli  Hill  Mine, 


Besprechungen. 


413 


Llanymynech;  Hannotom  in  Doppelzwillingen,  mit  Schwerspat  und 
Witherit  von  der  Cwm-orog  Mine,  Llang'ynog;  Hydrozinkit  als  merk- 
würdige rezente  Ablagerung,  an  den  Seiten  in  einem  Horizont  der 
Van  Mine , Llanidloes ; Pyromorphit,  Aberdeunant  Mine,  Llanidloes, 
und  Llanercli-yr-aur  Mine,  Llanbrynmair;  Witherit  von  Cwm-orog 
Mine,  Llangynog,  Gorn  Mine,  Pen-j^-Gaer  Mine,  und  Pen-y-clyn  Mine, 
Llanidloes.  Die  Kristalle  von  dem  letzteren  Fundort  sind  wegen 
des  fast  gänzlichen  Verschwindens  der  abwechselnden  Flächen  der 
pseudohexagonalen  Prismen  und  Pyramiden  erwähnenswert. 

Dr.  G.  F.  Herbert  Smith  : Ein  neuer  stere  o grapliis  eher 
Transporteur.  Das  neue  Instrument  besteht  aus  einem  Bogen- 
lineal,  gebildet  von  einer  Kombination  von  Federn,  das  innerhalb 
der  Grenzen,  für  die  es  bestimmt  ist,  sehr  nabe  die  Krümmung 
einer  Kreislinie  behält.  Im  Zentrum  des  Bogens  ist  es  an  einem 
Arm  befestigt,  der  sich  in  einer  Kinne  verschiebt  und  eine  Skala 
trägt,  an  der  das  Azimut  des  entsprechenden  Großkreises  abge- 
lesen werden  kann.  Eine  andere  Kante  des  Transporteurs  trägt 
die  übliche  Tangentenskala,  mit  der  die  Stellung  des  Zirkels  zum 
Ziehen  aller  Kreise  entsprechend  den  Großkreisen,  die  einen  Winkel 
bis  zu  50°  mit  der  Ebene  des  Grundkreises  machen,  bestimmt 
werden  kann.  Die  Skalen  entsprechen  einem  Radius  von  10  cm. 


Besprechungen. 

J.  Beckenkamp  (in  Würzburg):  Statische  und  kinetische 
Kristalltheorien.  Erster  Teil:  Geometrische  Eigen- 
schaften der  Kristalle  und  deren  Veranschaulichung 
durch  geometrische  Strukturbilder,  (gr.  8°,  mit  303  Text- 
abbildungen. Berlin  1913;  Verlag  von  Gebr.  Bornträger.) 

Der  erste  Teil  des  im  Titel  angegebenen  Werkes  enthält  eine 
kritische  Übersicht  über  die  Entwicklung  der  Strukturtheorien  von 
Haüy  bis  zur  Gegenwart. 

Nach  dem  gewöhnlichen  Sprachgebrauche  nennt  man  einen 
Körper  homogen,  wenn  er  sich  nicht  in  kleinere  Einzelbestandteile 
räumlich  auflösen  läßt.  Diese  Definition  ist  aber  unbestimmt,  weil 
sie  je  nach  der  verwendeten  Methode  der  Untersuchung  zu  ver- 
schiedenen Resultaten  führt.  Für  manche  praktische  Fälle  genügt 
sie,  aber  weniger  geeignet  ist  sie  für  theoretische  Untersuchungen ; 
namentlich  ist  sie  ungenügend  zur  Charakterisierung  der  Molekular- 
struktur, also  auch  der  atomistisclien  Strukturarten  der  Kidstalle, 
wie  sie  von  Haüy,  Hessel,  Bravais,  Sohncke,  Schoenflies  u.  a. 
aufgestellt  wurden.  Verf.  hat  deshalb  schon  früher  (1891)  folgende 
Definition  aufgestellt:  „Schreitet  man  innerhalb  eines  homogenen 
Körpers  auf  irgend  einer  geraden  Linie  fort,  so  müssen  sich  auf 
derselben  alle  Verhältnisse  periodisch  wiederholen,  solange  die  Homo- 
genitätsgrenze  nicht  überschritten  wird.  “ „ Die  Periode  der  homogenen 


414 


Besprechungen. 


Masse  eines  Kristalls  hat  submikroskopische  Dimensionen.“  Für 
Körper,  welche  in  diesem  Sinne  zwar  nicht  homogen  sind,  aber  bei 
einer  bestimmten  Untersuchungsmethode  keine  Zusammensetzung 
aus  einzelnen  Teilen  erkennen  lassen,  hält  Verf.  die  von  anderen 
Autoren  eingeführte  Bezeichnung  „quasi  homogen“  für  sehr  geeignet. 

Bezüglich  der  Bedeutung  der  32  Symmetrieklassen  nimmt 
Verf.  eine  von  der  Ansicht  Hessel’s,  welcher  auch  die  Mehrzahl 
der  neueren  Autoren  sich  anschließt,  abweichende  Stellung  ein; 
Hessel  stellt  sich  die  Aufgabe,  „zu  ermitteln,  wie  viel  und  in  welcher 
Anordnung  gelegene  gleichwertige  Teile  ein  Baumding  darbieten 
kann“,  und  kommt  zu  dem  Besultat,  daß  32  durch  ihre  Symmetrie 
verschiedene  Anordnungen  geometrisch  möglich  sind.  Da  die  Teile 
des  Raumdings  qualitativ  und  quantitativ  gleich  sein  sollen,  so 
genügen  die  HESsEL’schen  Strukturarten  der  Kristalle  dem  vom 
Verf.  definierten  Begriff  der  Homogenität.  Die  Beobachtung  lehrt, 
daß  gesetzmäßige  Gruppierungen  von  gleichartigen  Teilen  bei  den 
Zwillingen  vorliegen ; aber  bei  diesen  fehlt  die  Notwendigkeit  der 
gleichen  Größe  der  einzelnen  Individuen;  die  Zwillinge  sind  des- 
halb keine  homogene , sondern  heterogene  Gebilde.  Die  Theorie 
Mallard’s  betrachtet  die  höheren  Klassen  sämtlich  als  heterogene 
Gebilde  von  triklinen  Individuen  unter  Zuhilfenahme  des  von  ihm 
auf'gestellten  Prinzips  der  „isomorphen  Mischung  von  Baumgittern“. 
Für  die  Möglichkeit  des  letzteren  Prinzips  fehlt  aber  sowohl  der 
Beweis  der  physikalischen  Möglichkeit  als  auch  der  Nachweis  des  tat- 
sächlichen Vorkommens,  und  wenn  man  dieses  Prinzip  nicht  anerkennt, 
dann  kann  man  nach  der  MALLARo’schen  Theorie  außer  für  die  Kri- 
stalle der  triklinen,  monoklinen  und  rhombischen  Syngonie  nur  Pseudo- 
formen der  höheren  Syngonien  aus  den  triklinen  Elementen  aufbauen. 

Im  Gegensatz  zur  MALLARD’schen  Auffassung  nimmt  Verf.  für 
jede  Syugonieart  feste  Molekülgruppen  an,  deren  physikalische  Be- 
gründung allerdings  erst  im  zweiten  Teil  folgen  soll.  Diese 
Gruppen,  die  „Kristallmoleküle“  oder  „physikalischen  Moleküle“, 
müssen  genau  die  Bedingungen  der  verschiedenen  Syngoniearten 
erfüllen ; sie  bilden  die  Stammformen,  aus  welchen  sich  durch 
parallele  'Wiederholung  im  Baume  die  homogene  Masse  aufbaut; 
durch  homogene  Deformation  der  regulären  Gruppen  bezgl.  homogenen 
Massen  entsteht  die  Gruppe  bezgl.  homogene  Masse  der  übrigen 
Syngoniearten.  Aus  größeren  oder  kleineren  Partikeln  der  homogenen 
Massen  entstehen  die  höheren  Klassen  der  entsprechenden  S}Tngonie- 
art  nach  den  Gesetzen  der  Ergänzuugszwillinge.  Die  Kristalle 
der  höheren  Klassen  einer  Syngonieart  sind  deshalb  entweder 
„quasi  homogene“  Körper  infolge  inniger  Mischung  verschieden 
orientierter  homogener  Massen,  oder  Ergänzungszwillinge,  deren 
Individuen  den  verschieden  orientierten  An wachspyramiden  ent- 
sprechen. Verf.  zeigt,  daß  eine  sich  mehr  an  die  ältere  Methode 
der  Ableitung  der  Hemiedrien  anschließende  Methode  zu  genau  den- 
selben 32  Symmetrieklassen  führt  wie  die  HF.ssEL’sche  Methode, 


Besprechungen. 


415 


und  läßt  durch  den  erwähnten,  diesem  Abbau  entsprechenden  Auf- 
bau die  höheren  Klassen  aus  den  niederen  Klassen  zustande  kommen, 
ohne  jene  durch  die  Beobachtung  nicht  gebotene  Beschränkung  be- 
züglich der  Größe  der  einzelnen  Teile  einführen  zu  müssen. 

Nach  der  Theorie  der  streng  homogenen  Struktur  soll  bei  den 
höher  wie  bei  den  niedriger  symmetrischen  Klassen  einer  Syngonie  die 
Symmetrie  der  äußeren  Umgrenzung  eines  Kristalls  auch  die  der  homo- 
genen Masse  sein.  Nun  lehrt  aber  die  fortschreitende  Erfahrung,  daß 
gerade  die  verbreitetsten,  und  deshalb  am  besten  bekannten,  früher 
für  homogen  gehaltenen  Kristalle  tatsächlich  heterogene  Aggregate 
sind.  Nur  ein  Beispiel  möge  an  dieser  Stelle  hierfür  genügen: 
Der  scheinbar  einfache  Aragonitkristall  stellt  teils  (z.  B.  bei  dem 
Vorkommen  von  Aragonien)  ein  faseriges  Aggregat  nach  der  Achse  a 
und  auch  nach  der  Achse  c dar,  teils  (z.  B.  bei  den  böhmischen 
Vorkommen)  ein  lamellares  Aggregat  nach  der  Fläche  k (Poo,  [Oll]). 
Wenn  nun  aber  der  äußerlich  (rhombisch)  holoedi’isch  erscheinende 
Aragonitkristall  tatsächlich  kein  homogener  Körper  ist,  dann  fehlt 
für  die  Annahme,  daß  die  Symmetrie  seiner  homogenen  Masse  mit 
der  der  geometrischen  Umgrenzung  übereinstimme,  die  Berechtigung. 

Man  könnte  einwenden,  die  Verallgemeinerung  von  Beobach- 
tungsresultaten, die  zwar  bei  vielen,  aber  doch  nicht  bei  allen  Kri- 
stallen gewonnen  wurden,  sei  unstatthaft ; es  soll  deshalb  diese  Frage 
auch  von  einem  allgemeineren  Gesichtspunkt  aus  erwogen  werden . 

Zur  Zeit,  als  Hessel  seine  Theorie  der  32  Symmetrieklassen 
aufstellte  (1831),  kannte  man  weder  die  große  Verbreitung  der 
(heterogenen)  Aggregatstruktur,  noch  das  Größenverhältnis  zwischen 
dem  Moleküldurchmesser  und  der  Auflösbarkeit  zweier  getrennter 
Punkte  durch  das  Mikroskop.  Bemerkt  doch  Chr.  S.  Weiss  (1804): 
„ Mache  man  die  Atome  so  klein,  wie  man  immer  will,  das  Licht 
wird  mit  seiner  Feinheit  doch  jederzeit  sich  messen  können.“  Für 
die  Existenz  submikroskopischer  Zwillingsbildung  ließ  demnach 
diese  Vermutung  nur  eine  geringe  Wahrscheinlichkeit  zu.  Wir 
wissen  aber  heute,  daß  der  Durchmesser  eines  Moleküls  die  Größen- 
ordnung 10“ 8 cm  hat,  daß  dagegen  die  Auflösbarkeit  zweier  Punkte 
vermittelst  des  Mikroskops  im  günstigsten  Falle  nur  möglich  ist, 
wenn  deren  Abstand  etwa  die  Dimension  10~5  cm  hat,  und  soll 
etwa  die  Symmetrie  einer  Ätzfigur  noch  erkennbar  sein,  dann  muß 
man  die  zuletzt  genannte  Größe  noch  wenigstens  mit  10,  vielleicht 
sogar  mit  100  multiplizieren.  Etwas  niedriger  kann  die  Dimension 
sein,  wenn  die  Aggregatstruktur  nicht  durch  Ätzfiguren,  sondern 
durch  entgegengesetzte  Drehung  des  Lichtes  von  enantiomorphen 
Teilen  nachgewiesen  werden  soll.  Allgemein  wird  man  aber  be- 
haupten dürfen:  Findet  in  einer  an  sich  streng  periodischen  Reihe 
auf  etwa  je  10  000  Moleküle  auch  nnr  einmal  ein  Wechsel  zwi- 
schen zwei  Zwillingsstellungen  statt,  daun  kann  die  hierdurch  zu- 
stande kommende  quasi  homogene  Masse  im  allgemeinen  weder 
geometrisch  noch  physikalisch  von  einer  streng  homogenen  Masse 


416 


Personalia. 


unterschieden  werden,  bei  welcher  das  betreffende  Zwillingselement 
Symmetrieelement  (Deckachse  oder  Spiegelebene)  ist.  Beobachten 
wir  demnach  bei  einem  Körper  nur  ausnahmsweise 
eine  Aggregatstruktur,  welche  auf  eine  geringere  Sym- 
metrie hin  weist  als  wir  bei  diesen  Körpern  gewöhnlich 
beobachten,  so  ist  der  Schluß  berechtigt,  daß  bei  den 
meisten  Vorkommen  dieses  Körpers  die  gleiche  Zwil- 
lingsbildung sich  so  oft  wiederholt,  daß  die  Größe 
der  einzelnen  h o m o g en  en  Teile  unterhalb  der  Sch  welle 
der  mikroskopischen  Auflösbarkeit  liegt. 

Sowohl  die  Ableitung  Hessel’s  als  die  des  Verf.’s  ergibt,  wie 
erwähnt,  die  geometrische  Möglichkeit  der  Existenz  von  32  Sym- 
metrieklassen. Im  großen  und  ganzen  finden  sich  diese  auch  in 
der  Kristallwelt  verwirklicht.  Abgesehen  davon,  daß  zwei  Klassen 
mit  verhältnismäßig  niedriger  Symmetrie  bis  jetzt  unter  den  Kri- 
stallen noch  nicht  nachgewiesen  werden  konnten,  ist  es  eine  schon 
lange  bekannte  Tatsache,  daß  die  niederen  Klassen  der  einzelnen 
Syngoniearten  ungleich  seltener  sind  als  die  höheren.  Vom  Stand- 
punkt Hessel’s  gibt  es  dafür  keine  Erklärung,  vom  Standpunkt 
des  Verf.’s  ist  dies  von  vornherein  zu  erwarten.  Wenn  wir  die 
große  Verbreitung  der  makroskopisch  oder  mikroskopisch  wahr- 
nehmbaren Zwillingsbildungen  berücksichtigen,  dann  erscheint  es 
selbstverständlich,  daß  es  auch  noch  sehr  viele  Zwillinge  geben 
muß,  deren  homogenen  Bestandteile  von  einer  Größenordnung  sind, 
welche  unterhalb  der  Schwelle  der  Auflösbarkeit  liegt,  und  bei  welchen 
die  den  zwillingsfreien  oder  den  zwillingsarmen  Zustand  darstellenden 
niederen  Klassen  der  betreffenden  Syngonie  einen  Ausnahmefall  dar- 
stellen. Beobachten  wir  andererseits  bei  einem  Mineral,  welches  ge- 
wöhnlich höher  symmetrisch  gefunden  wird,  ausnahmsweise  eine 
niedrigere  Symmetrie  bei  gewissen  Fundorten,  so  müssen  bei  der  Ent- 
stehung der  selteneren  Form  besondere  Umstände,  vielleicht  sehr  lang- 
same Ausscheidung  unter  möglichst  gleichbleibenden  Bedingungen,  die 
sonst  regelmäßig  auftretende  Zwillingsbildung  nicht  begünstigt  haben. 

Ein  mehr  praktisches  Interesse  dürften  für  manchen  Leser 
die  in  den  §§11  und  1 2 angegebene  Methode  der  Berechnung  der 
Kristalle  auf  Grund  des  Prinzips  der  kleinsten  Quadrate  und  die  p.  1 14 
und  115  stehende  Tabelle  der  32  Symmetrieklassen  bilden.  Diese 
Tabelle  läßt  sowohl  die  Beziehungen  der  einzelnen  Klassen  nach  ihrer 
Meroedrie  als  auch  nach  ihren  Symmetrieelementen  leicht  übersehen. 

Eine  besondere  Bedeutung  wird  endlich  den  sog.  „Pseudo- 
formen“ zugeschrieben,  deren  Stellung  aber  erst  bei  der  Besprechung 
der  physikalischen  Eigenschaften  der  Kristalle,  welche  im  zweiten 
Teile  des  Werkes  erfolgen  soll,  vollständig  klar  gelegt  werden  kann. 

J.  Beckenkamp. 


Personalia. 

Gestorben:  Dr.  E.  Holzapfel,  Professor  der  Geologie  und 
Paläontologie  in  Straßburg  i.  E. 


J.  l'blig,  l'eber  das  Löslichkeitsschema  KCl,  Mg C’l,  etc.  417 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  das  Löslichkeitsschema  KCl.  Mg  CI,  und  Wasser 
(Carnallitschema)  bei  50°. 

Von  J.  Uhlig  in  Bonn. 

Mit  1 Textfigur. 

Benutzte  Literatur: 

1.  J.  H.  van’t  Hoff,  Zur  Bildung  der  ozeanischen  Salzablagerungen.  1. 1905 

2.  Untersuchungen  über  die  Bildungsverhältnisse  der  ozeanischen  Salz- 
ablagerungen, insbesondere  des  Staßfurter  Salzlagers ; von  yan’t  Hoff 
und  seinen  Mitarbeitern,  herausgegeben  von  H.  Precht  und  E.  Cohen. 
1912. 

3.  H.  E.  Boeke.  Über  das  Kristallisationsschema  der  Chloride,  Bromide, 
Jodide  von  Natrium,  Kalium  und  Magnesium,  sowie  über  das  Vor- 
kommen des  Broms  und  das  Fehlen  von  Jod  in  den  Kalisalzlager- 
stätten. Zeitschr.  f.  Krist.  45.  (1908.)  p.  346—391. 

4.  W.  Biltz  und  E.  Marcus,  Über  Ammoniumcarnallit.  Zeitschr.  f.  anorg. 
Chemie.  71.  (1911.)  p.  166—181. 

Das  Löslichkeitsschema  K CI,  Mg  Cl2  und  Wasser  ist  von 
van’t  Hoff  und  seinen  Mitarbeitern  nur  für  die  Temperaturen 
von  25°  und  83 0 zahlenmäßig  festgelegt  worden,  für  die  letztere 
Temperatur  außerdem  nur  für  den  Fall,  daß  gleichzeitig  Sättigung 
an  Chlornatrinm  herrscht.  Für  irgendwelche  zwischenliegende 
Temperaturen  muß  man  sich  begnügen,  das  Diagramm  mit  Hilfe 
der  van’t  HoFF’schen  Zahlen  für  die  genannten  Temperaturen 
zu  interpolieren.  Zur  Prüfung  der  Frage,  inwieweit  die  inter- 
polierten Werte  mit  der  Wirklichkeit  übereinstimmen,  wurden  die 
im  nachfolgenden  besprochenen  Löslichkeitsbestimmungen  vor- 
genommen. Da  sich  in  einem  Punkte  eine  bemerkenswerte  Ab- 
weichung von  dem  van’t  HoFF’schen  Zahlenmaterial  ergab,  welches 
danach  in  dieser  Hinsicht  einer  kleinen  Korrektur  bedarf,  so  schien 
mir  eine  kurze  Veröffentlichung  meiner  Resultate  nicht  überflüssig 
zu  sein. 

Für  die  Löslichkeitsbestimmungen  wurde  Wasser  bezw.  eine 
schon  annähernd  eingestellte  Lösung  mit  den  betreffenden  Boden- 
körpern (unter  Verwendung  KAHLBAUM’sclier  Präparate)  in  einem 
200  ccm  fassenden  Gefäß  innerhalb  eines  Thermostaten,  dessen 
Temperatur  dui’ch  einen  OsTWALu’schen  Thermoregulator  konstant 
gehalten  wurde,  rotieren  gelassen,  bis  der  Chlorgehalt  sich  nicht 
mehr  änderte.  Außerdem  wurden  die  Bodenkörper  unter  dem 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  27 


418 


J.  Uhlig, 


Mikroskop  geprüft.  Fiir  den  Sättigungspunkt  KCl/KMgCl3  • 6 H„  0 
(Sylvin / Carnallit)  bestehen  nach  van’t  Hoff  (1.  p.  31)  hierbei 
insofern  Schwierigkeiten,  als  der  Sylvin  sich  gern  durch  Aus- 
füllung von  Chlormagnesium  aus  der  Lösung  mit  Carnallit  über- 
krustet  und  dadurch  der  Lösung  entzogen  wird.  Davon  konnte 
ich  mich  in  der  Tat  auch  unter  dem  Mikroskop  überzeugen.  Sind 
beide  Bodenkörper  getrennt  vorhanden,  so  sieht  man  die  optisch 
isotropen,  oft  einseitig  verzerrten  Würfelchen  von  Sylvin  neben 
den  gewöhnlich  kleineren  Körnchen  oder  sechsseitig  begrenzten 
Kriställchen  des  im  Weiß  höherer  Ordnungen  polarisierenden 
Carnallits  liegen.  Mehrfach  ließ  sich  dagegen  auch  beobachten, 
wie  die  Sylvinwürfel  mit  einem  weißlich  polarisierenden  Carnallit- 
aggregat  vollständig  überzogen  waren.  Um  dieser  Fehlerquelle 
zu  entgehen,  verfuhr  ich  folgendermaßen : Es  wurde  zunächst 
Sättigung  an  Carnallit  bewirkt,  bis  eine  größere  Menge  davon 
als  Bodenkörper  vorhanden  war,  und  dann  vorsichtig  in  kleineren 
Portionen  Chlorkalium  zugegeben,  bis  das  Mikroskop  erkennen 
ließ,  daß  es  unverändert  blieb.  Hierauf  wurde  nochmals  eine  größere 
Menge  davon  zugegeben,  und  unter  mehrfacher  mikroskopischer  und 
chemischer  Prüfung  weiter  rotieren  gelassen.  Zur  Probeentnahme 
der  Lösung  diente  eine  van’t  HoFF’sche  Hahnpipette  mit  Watte- 
Filtriervorlage.  Die  Lösungen  wurden  gewogen,  nicht  volumetrisch 
ausgemessen.  Des  weiteren  wurde  dann  Chlor  nach  Mohk  titriert, 
Kalium  nach  der  Perchloratmethode  oder,  wenn  es  nur  in  geringen 
Mengen  anwesend  war,  teilweise  zur  Kontrolle  als  Kaliumplatin- 
chlorid bestimmt.  Magnesium  bestimmte  ich  anfangs  als  Pyro- 
phosphat,  da  aber  die  Kontrollbestimmungen  hierbei  weniger  gut 
übereinstimmten  als  diejenigen  des  Chlors  und  des  Kaliums , so 
zog  ich  vor,  Mg  Cl2  aus  dem  gesamten  Cl-Gehalt  nach  Abzug  des 
im  KCl  enthaltenen  geringen  Anteils  zu  berechnen.  Durch  diese 
Abrechnung  sind  wegen  der  nahen  Übereinstimmung  der  für  K CI 
gefundenen  Werte  sicher  keine  bemerkenswerten  Fehler  entstanden. 
Im  übrigen  ist  aber  die  Bestimmung  von  MgCl2  aus  dem  Cl-Gehalt 
schon  deshalb  vorzuziehen,  weil  MgCl2  ca.  75  Gewichtsprozente  CI 
und  nur  25°/o  Mg  enthält,  außerdem  die  Titration  des  Chlors  ge- 
wöhnlich sehr  genaue  Werte  liefert.  Der  Wassergehalt  der  Lösung 
ergab  sich  nach  Berechnung  von  KCl  und  MgCl2  aus  der  Differenz. 

Für  die  einfachen  Löslichkeiten  von  Chlorkalium  und  Chlor- 
magnesium konnten  die  bereits  bekannten  Werte  benutzt  werden. 
Eine  gesättigte  Chlorkaliumlösung  enthält  bei  50° 
(2.  p.  15): 

A'.  103,3  Mole  KCl  auf  1000  Mole  H20. 

Was  die  Sättigung  an  Chlormagnesium  betrifft,  so  sind  nach 
Biltz  und  Makcus  die  in  den  van’t  HoFF’schen  Tabellen  und 
Diagrammen  (1.  p.  14,  17  usw.)  angegebenen  Werte  den  älteren 
Bestimmungen  von  Löwenherz  entnommen  und  etwas  zu  hoch, 


lieber  das  Löslichkeitsschema  KCl,  MgCI2  und  Wasser  etc.  419 


obwohl  van’t  Hoff  und  Meyerhoffer  nachträglich  noch  die  rich- 
tigen Werte  bestimmt  haben.  Nach  Biltz  und  ÄIaroüs  (4.  p.  169) 
beträgt  die  Löslichkeit  des  Chlormagnesiums  bei  50°: 
110,6  Mole  MgCl,  auf  1000  Mole  H„0. 

Nach  meineu  Bestimmungen  müßte  der  Wert  für  Mg  Cl2  ein 
wenig  höher  (ca.  112)  sein,  da  ich  bereits  für  den  Sättigungspunkt 
MgCl-2  • 6 H, 0/KMgCl3  • 6 H20  bei  50°  fand:  1 11,9  Mole  MgCl,, 
1,2  Mole  KCl  auf  1000  Mole  H2  0,  und  die  an  Chlormagnesium 
allein  gesättigte  Lösung  dann  wohl  noch  etwas  mehr  als 
111,9  Mole  MgCl2  enthalten  muß.  In  Anpassung  an  die  übrigen 
Werte  ist  daher  in  das  Diagramm  ein  Sättigungspunkt  (B')  für 
Chlormagnesium  mit  reichlich  112  Mole  MgCl2  eingetragen1. 
Übrigens  möchte  ich  hierzu  bemerken , daß  Biltz  und  Marcus 
(4.  p.  171)  selbst  bei  ihren  Bestimmungen  an  Ammonium carnallit 
für  den  Sättigungspunkt  MgCl2  • 6 H2  0/(N  H4)  Mg  Cl3  • 6 H2  0 bei 
50°fanden:  1 1 1.2  Mole  MgCl2,  0,8  Mole  N H4  CI  auf  1000  Mole  H,0. 

Die  von  mir  ausgeführten  Löslichkeitsbestimmungen  sind  in 
den  folgenden  Tabellen  zusammengestellt,  wobei  zu  erwähnen  ist, 
daß  bei  Kontrollbestimmungen  die  Lösung  jedesmal  mit  von 
neuem  hergestellten  Bodenkörpern  gerührt  wurde: 

1.  Sättigung  an  Chlorkalium  und  Carnallit: 


gefunden: 

°/o  CI  | °/o  K CI 

1 °/o  MgCl, 

berechnet : 

°/0  H,  0 Mole  pro  1000 

Mole  H20 

I. 

23,10 

4,13 1 

28,38 

67,49 

79,55  MgCl,, 

14,78  KCl 

II. 

23,08 

4,21  1 

28,31 

67,48 

79.37  MgCl,, 

15,07  KCl 

Im  Mittel:  79,5  Mole  Mg  CI,  und  14,9  Mole  KCl  aut  1000  Mole  H20(E'). 
2.  Sättigung  an  Magnesiumchloridhexahydrat  und  Carnallit: 


gefunden: 

°/o  CI  j °/0  K CI 

°/0MgCl2 

berechnet: 

°/0  H2  0 Mole  pro  1000  Mole  H,0 

I. 

27,79 

0,34 2 

37,10 

62,56 

112,2  MgCl,, 

1,31  KCl 

II. 

27,69 

0,33 2 

36,97 

62,70 

111,5  Mg  Cl2, 

1,28  KCl 

III. 

27,74 

0,27  3 

37,07 

62,65 

111,9  MgCl,, 

1,04  KCl 

IV. 

27,77 

0,31 3 

37,10 

62,59 

112,1  Mg  Cl„, 

1,18  KCl 

Im  Mittel:  11 1.9  Mole  MgCl2  und  1,2  Mole  KCl  auf  1000  .Mole  H20  (F'). 

1 Nach  Wilson  (2.  p.  124.  125)  existiert  für  25°  die  Regel,  daß  in 
gemischten  Lösungen  -jedes  eintretende  Doppelmolekül  Chlorkalium  ein 
Fünftel  Molekül  Chlormagnesium  verdrängt“,  während  nach  van’t  Hoff, 
Sachs  und  Biach  (2.  p.  253)  bei  83°  eine  „äquimolekulare  Verdrängung“ 
stattündet,  für  jedes  Molekül  KCl  also  ein  Molekül  MgCl2  ausscheidet. 

2 Als  KC104  bestimmt. 

3 Als  K,  Pt  Cl6  bestimmt. 


27* 


420 


J.  ühlig, 

Interpoliert  man  nach  den  van’t  HoFF’schen  Daten  für  die 
entsprechenden  Sättigungspunkte  für  25  und  83°  unter  der  Voraus- 
setzung, daß  die  Löslichkeit  genau  proportional  der  Temperatur 
wächst,  so  ist  zu  berücksichtigen,  daß  die  bei  van’t  Hoff  (1.  p.  60) 
für  83°  angegebenen  Zahlen  sich  unter  gleichzeitiger  Sättigung 
an  Na  CI  verstehen.  Je  nachdem  man  die  an  der  zitierten  Stelle 
zu  bildenden  Werte  unmittelbar  benutzt  oder  eine  Korrektur  nach 
der  oben  erwähnten  Regel  van't  Hoff’s  anbringt,  ergeben  sich 
für  MgCl2  die  an  erster  bezw.  an  zweiter  Stelle  stehenden  Mittel- 
werte für  5 0°,  nämlich: 

1.  bei  Sättigung  an  Chlorkalium  und  Carnallit: 

auf  1000  Mole  H20  80,9  bezw.  82  Mole  Mg  CI,  und  14,9  Mole  KCl, 

2.  bei  Sättigung  an  Magnesiumchloridhexali3'drat  und  Carnallit: 

auf  1000  Mole  H20  110,2  bezw.  111  Mole  MgCl2  und  2,9  Mole  KCl. 

Die  Übereinstimmung  zwischen  den  interpolierten  Werten  und 
den  von  mir  für  50°  direkt  bestimmten  ist  also  eine  befriedigende 
bis  auf  den  KCl-Gehalt  beim  zweiten  Sättigungspunkt 
(MgCl,  • 6 H20/KMgCl3  • 6 H20),  wofür  sich  nach  van’t  Hoff 
ein  etwa  2|mal  so  hoher  Wert  ergibt  als  nach  meinen  Fest- 
stellungen. Nun  ist  daran  zu  erinnern,  daß  die  von  van’t  Hoff 
in  seinen  Tabellen  und  Diagrammen  für  25°  benutzten  Werte 
teilweise  noch  auf  den  älteren  Bestimmungen  von  Löwenherz  be- 
ruhen, und  daß  hierzu  van’t  Hoff  selbst  gelegentlich  bemerkt 
(vgl.  2.  p.  16  Fußnote,  p.  25  usw.) , daß  für  die  Sättigung  an 
Magnesiuinchloridhexahydrat  und  Carnallit  bei  25°  (1000  H2  0, 
105MgCl2,  2 KCl)  „wahrscheinlich  die  Kaliumchloridmenge  noch 
etwas  hoch  ist“  (2.  p.  25).  Eine  später  wiederholte  Bestimmung 
des  vermeintlichen  Sättigungspunktes  „Chlorkalium,  Carnallit“ 
(vgl.  2.  p.  16  Fußnote)  ergab:  1000  H20,  98  MgCl„,  0,6  KCl. 
Infolge  von  Überkrustung  des  Chlorkaliums  (vgl.  1.  p.  31)  bei  der 
Löslichkeitsbestimmung  entspricht  dieser  Wert  aber  näher  dem 
Sättigungspunkt  „Chlormagnesium,  Carnallit“,  so  daß  für  diesen 
selbst  jedenfalls  ein  ähnlich  niedriger  KCl- Wert  in  Betracht 
kommt,  also  etwa  einzusetzen  ist: 

Sättigung  an  Chlormagnesium  und  Cai’nallit  bei  25° 

1000  H2  0,  105  Mg  C1.2,  0,6  K CI. 

Hiermit  stimmen  dann  auch  gut  die  von  van’t  Hoff  und 
Meyerhoffer  für  den  gleichen  Sättigungspunkt  bei  Anwesenheit 
von  Chlornatrium  für  25°  ermittelten  Werte  überein  (2.  p.  74), 
nämlich  : 

1000  H2  0,  103,5  Mg  Cl2,  0,56  K CI,  2 Na  CI. 

In  dem  beigegebenen  Diagramm  (Fig.  1)  entspricht  der  Punkt  F 
im  unteren  Linienzug  den  so  korrigierten  van’t  HoFF’schen  Werten 
(1000  H.,0,  105MgCl2,  0,6  KCl)  für  25°.  Der  Sättigungspunkt  E 


Ueber  das  Löslichkeitsschema  KCl,  MgClg  und  Wasser  etc.  421 

(K  CI,  Carnallit)  ist  nach  späteren,  offenbar  genauen  Wiederholungs- 
bestimmungen  van’t  Hoff’s  (vgl.  1.  p.  30,  31)  eingezeichnet 
(72,5  Mg  Cl„,  1 1 K CI),  für  A wurde  der  Wert  87  Iv  CI  auf  1 000  H2  0 
(nach  Landolt  und  Börnsteix’s  Angaben  interpoliert,  vgl.  2.  p.  15) 
benutzt.  Der  Sättigungspunkt  für  Chlormagnesium  B (104,5  MgCl2 
auf  1000  H„  0 nach  Biltz  und  Marcus,  4.  p.  169)  fällt  im  Dia- 


Fig.  1. 

Sättigungsdiagramm  KCl/MgCl2  bei  25°  und  50°. 

graimn  nahezu  mit  dem  Punkte  F zusammen.  Der  obere  Linien- 
zug stellt  das  Löslichkeitsschema  für  50°  nach  meinen  oben  mit- 
geteilten Bestimmungen  dar.  Die  entsprechenden  Löslichkeiten  für 
83°  sind  von  van’t  Hoff  nur  bei  gleichzeitiger  Sättigung  an  Chlor- 
natrium ermittelt  worden  unter  Benutzung  seines  Interpolations- 
verfahrens (vgl.  2.  p.  253).  Von  ihrer  Eintragung  in  das  Diagramm 
ist  daher  abgesehen  worden.  Da  ich  meine  diesbezüglichen  Ar- 
beiten leider  unterbrechen  mußte,  konnte  ich  selbst  bisher  keine 
Kontrollbestimmungen  für  25°  und  83°  vornehmen. 

Es  ist  bemerkenswert,  daß  die  Punkte  F und  F'  des  Diagramms, 
das  sind  zugleich  die  Kristallisationsendpunkte,  außerordentlich 
nahe  an  die  Ordinate  fallen,  auf  welcher  die  Sättigungspunkte  für 
Chlormagnesium  allein  liegen,  so  daß  also  in  einer  gesättigten  Chlor- 
magnesiumlösung Chlorkalium  bei  25°  und  50°  nahezu  unlöslich  ist. 
Dabei  ist  bedeutsam,  daß  das  gleiche  für  den 
Kristallisationsendpunkt  im  Kaliumbromcarnallit- 
diagramm  von  Boeke  (8.  p.  353,  354)  und  für  das 


422 


V.  Rosicky  und  St.  J.  Thugutt, 


Ammonium  ch  lorcarnallitdiagramm  von  Biltz  und 
Marcus  (4.  p.  171)  festgestellt  wurde.  Die  beiden  letzteren 
Autoren  (a.  a.  0.)  bezeichnet en  unter  Zugrundelegung  der  bei 
yan’t  Hoff  sich  findenden  Daten  es  geradezu  als  eine  Besonder- 
heit des  Kaliumchlorcarnallitdiagramms,  daß  der  Sättigungspunkt 
MgCl2  • 6 H,  O/KMgCl,  • 6 H20  wesentlich  weiter  von  der  MgCl2 
-Achse  abliege  als  die  entsprechenden  Punkte  im  Ammoniumchlor- 
carnallit-  und  im  Kaliumbromcarnallitdiagramm.  Nach  der  mit- 
geteilten Berichtigung  der  Daten  bei  van’t  Hoff  ist  dies  also  nicht 
mehr  aufrecht  zu  erhalten.  Eine  Zusammenstellung  der  Werte 
der  F-P unkte  für  die  drei  verschiedenen  Carnallit- 
diagramme,  soweit  sie  bisher  vorliegen,  wird  die  nahe 
Übereinstimmung  am  besten  d a r t u n : 


Sättigungspunkt : 

Mole  pro  1000  Mole  H20: 
bei  25°  bei  50° 

Mg  C)2  • 6 H2  0/K  Mg  Cl3  • 6 H2  0 

105  MgCl2 ; 0,6  KCl 

111.9  MgCl,;  1,2  K CI 

MgCl2  • 6H,0/NH4MgCI3  • 6H,0 
(Biltz  und  Marcus,  p.  170,  171) 

103,8  Mg  Cl2;  0,5  N ff,  CI 

111,2 MgCl2;  0,8SH4C1 

MgBr,  • 6 H2  0 K Mg  Br3  • 6 H20 
(Boeke,  p.  353) 

99,0  Mg  Br,;  0,4  K Br 

— 

Der  vorliegende  kleine  Beitrag  zur  Kenntnis  des  Carnallit- 
diagramms  ist  im  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Halle 
entstanden,  wo  ich  mich  im  März  und  April  d.  J.  aufhielt,  um 
mich  in  die  Methoden  der  physikalisch-chemischen  Mineralogie 
einzuarbeiten.  Herrn  Professor  Dr.  H.  E.  Boeke  möchte  ich  für 
die  gastfreundliche  Aufnahme  in  seinem  Institut  sowie  für  die 
unausgesetzte  Anteilnahme  und  Förderung  meiner  Arbeiten  auch 
an  dieser  Stelle  meinen  wärmsten  Dank  aussprechen. 


Epidesmin,  ein  neuer  Zeolith. 

Von  V.  Rosicky  in  Prag  und  St.  J.  Thugutt  in  Warschau1. 

An  das  mineralogische  Institut  der  Böhmischen  Universität  in 
Prag  wurden  von  Herrn  Ing.  W.  Maucher  in  München  einige 
Stufen,  die  von  Schwarzenberg  (aus  der  Grube  „Gelbe  Birke")  im 
Erzgebirge  stammten,  eingeschickt.  Herr  Hofrat  Prof.  Dr.  Iv.  Yrba 
hatte  das  Material  den  Unterzeichneten  zur  Untersuchung  übergeben, 
sowie  erlaubt,  die  morphologischen  und  phvsikaliseheu  Eigen- 
schaften mit  den  Apparaten  des  genannten  Institutes  durchzuführen. 

1 Mitgeteilt  in  der  Sitzung  der  Böhm.  Akad.  in  Prag  am  7.  März  1913 
und  in  der  Sitzung  der  Warschauer  Gesellschaft  der  Wissenschaften  am 
13.  März  1913. 


Epidesmin,  ein  neuer  Zeolith. 


423 


Wir  sprechen  ihm  dafür  unseren  aufrichtigen  Dank  aus.  Die 
chemische  Untersuchung  wurde  im  mineralogischen  Institut  der 
Warschauer  Gesellschaft  der  Wissenschaften  ausgeführt. 

Einige  der  Stufen  bestehen  aus  weißen,  bis  mehrere  cm  großen, 
skalenoedrischen  Kalkspatkristallen,  die  von  einer  kristallinischen 
Kruste  überzogen  sind.  Dieselbe  besteht  aus  winzigen,  weißlichen 
bis  gelblichen  Orthoklaskriställchen  und  wasserklaren,  ebenfalls 
sehr  kleinen  Ivriställchen  unseres  neuen  Zeolithes.  Ein  anderes 
Mal  findet  man,  daß  die  perimorphosierende  Kruste  hohl  ist,  indem 
die  Kalkspatkristalle  ausgelaugt  wurden.  Die  Unterlage  solcher 
Stufen  bildet  grüner,  in  2 0 = {l22)  auskristallisierter  und  dicht 
zusammengewachsener  Fluorit. 

Die  wasserklaren,  hie  und  da  gelblich  gefärbten  Epidesmin- 
kristalle sind  oft  durch  Wad  an  der  Oberfläche  braun  gefärbt. 
Ihr  Kristallsystem  ist  rhombisch.  Sie  sind  fast  immer  nur  von 
den  drei  Pinakoiden  a {lüO},  b {OIO},  c (oOl)  begrenzt;  ihr  Ha- 
bitus ist  vertikalsäulig,  wobei  entweder  die  beiden  vertikalen 
Pinakoide  gleichmäßig  ausgebildet  sind  oder  der  Makropinakoid  a 
stark  überwiegt,  wodurch  die  Kristalle  tafelig  werden.  Die  Kri- 

I stalle  sind  mit  einem  Ende  aufgewachsen,  das  andere  ist  frei. 
Dimensionen:  die  Länge  etwa  ^ bis  1 \ mm,  Breite  und  Dicke 
einige  Zehntel  bezw.  einige  Hundertel  von  mm.  Die  Flächen  der 
vertikalen  Pinakoide  sind  fast  immer  schlecht,  indem  sie  vermehrte 
Reflexe  liefern,  die  an  einer  und  derselben  Fläche  3 0 bis  4 °, 
manchmal  aber  auch  7 0 differieren.  Demgegenüber  ist  die  Basis 
gewöhnlich  verhältnismäßig  gut  ausgebildet  und  steht  genau  senk- 
recht auf  der  vertikalen  Zone.  Aus  diesem  Grunde,  sowie  aus  den 
optischen  Eigenschaften,  darf  man  wohl  auf  die  rhombische  Sym- 
metrie schließen.  Im  einzigen  Falle  wurde  als  Endfläche  eine 
ziemlich  gute  schiefe  Fläche  beobachtet  mit  der  Position : 

(f>  — BO 0 1 5',  q — 40 0 07'. 

Nehmen  wir  dieselbe  als  eine  zur  Grundpyramide  gehörige  Kristall- 
fläche an,  so  berechnen  wir: 

p0  = 0,7315  (logp0  = 9,8642280) 
q0  = 0,4181  (logq„  = 9,6212800). 

Es  ist  allerdings  notwendig,  die  Bestätigung  dieser  Zahlen  an  den 
besser  ausgebildeten  Kristallen  abzuwarten. 

Die  Dichte  wurde  durch  Suspensationsmethode  im  Methylen- 
tetrabromid zu  2, 1 6 bestimmt.  In  der  Flüssigkeit,  in  welcher  der 
Epidesmin  schwebt,  schwimmt  der  Kalisalpeter,  während  der  Natron- 
salpeter zum  Boden  fällt.  Durch  diesen  niedrigen  Wert  der  Dichte 
unterscheidet  sich  unser  Mineral  leicht  vom  ebenfalls  rhombischen 
Thomsonit  (am  T.  vom  Vesuv  fand  ich  D = 2,369). 

Durch  Druck  zerfallen  die  Kristalle  unter  dem  Mikroskop  leicht 
in  Spaltblättchen,  die  den  vertikalen  Pinakoiden  parallel  gehen. 


424 


V.  Rosicky  und  St.  J.  Thugutt, 


Jedes  der  Spaltblättcheu  besitzt  scharfe,  der  e -Achse  parallele  Risse, 
die  die  Spaltbarkeit  nach  dem  anderen  Pinakoide  beweisen.  Es 
scheint,  daß  parallel  a { 1 00}  die  Spaltbarkeit  besser  ist  als 
parallel  b (OIO). 

Die  mittlere  Lichtbrechung  ist  recht  niedrig ; sie  wurde  (durch 
Einbettungsmethode)  in  der  THOULE'r’schen  Lösung  zu  1,498  (im 
Na-Licht)  bestimmt.  Die  Auslöschung  der  Kristalle  sowie  der 
Spaltblättchen  ist  parallel  den  vertikalen  Kanten ; in  manchen 
Fällen  beobachtet  man  jedoch,  daß  die  Kristalle  nicht  einheitlich 
auslöschen,  d.  h.  einzelne  Partien  derselben  werden  bei  Umdrehung 
niemals  dunkel.  Ob  diese  Erscheinung  in  der  mimetischen  Natur 
der  Kristalle  ihren  Grund  hat,  oder  ob  es  sich  hier  um  Anomalien 
handelt,  konnte  jetzt  nicht  entschieden  werden. 

Die  Ebene  der  optischen  Achsen  ist  a {100}.  Spitze  Mittel- 
linie ist  c,  welche  die  Richtung  der  größten  Elastizität  ist.  Die 
Doppelbrechung  ist  also  negativ.  Der  Achsenwinkel  konnte  nicht 
gemessen  werden,  da  die  Achsen  auf  den  Spaltblättchen  nicht  zu 
sehen  sind,  und  zur  Herstellung  von  orientierten  Schliffen  senk- 
recht zur  spitzen  Mittellinie  sind  die  Kristalle  zu  klein.  Glück- 
licherweise wurde  iu  einem  Präparate  ein  Kristallbruchstück  an- 
getroffen, welches  fast  senkrecht  zur  optischen  Achse  orientiert 
war ; auf  diesem  konnte  der  negative  Charakter  der  Doppelbrechung 
bestätigt  werden.  Aus  der  bedeutenden  Krümmung  der  Isogyre 
kann  man  auf  einen  nicht  zu  großen  Achsenwinkel  schließen. 

Die  maximale  Doppelbrechung  y — a auf  a {lOO}  ist  niedriger 
als  bei  Thomsonit,  jedoch  höher  als  bei  Desmin;  sie  wurde  mit 
dem  BABiNET’schen  Kompensator  im  Na-Lichte  an  mehreren  Kri- 
stallen durchschnittlich  zu  0,015  bestimmt.  Auf  einem  Kristalle 
konnte  man  auch  auf  dem  anderen  Pinakoid  b (010}  die  Doppel- 
brechung im  weißen  Lichte  annähernd  ß — a = 0,010  messen. 

In  der  Pinzette  v.  d.  L.  schmilzt  Epidesmin  sehr  leicht,  schon 
bei  der  ersten  Berührung  mit  der  Flamme  schwillt  und  krümmt 
er  sich  und  schmilzt  endlich  zum  weißen,  glänzenden  Glas.  Im 
geschlossenen  Glasrohr  gibt  das  Mineral  Wasser,  wird  weiß  und 
undurchsichtig. 

Chemische  Zusammensetzung. 

Zuerst  wurde  unser  Zeolith  der  mikrochemischen  Analyse  unter- 
worfen1. Dabei  erwies  sich,  daß  wässerige  Methylenblaulösung 
(1  : 1000)  wirkungslos  ist.  Wird  derselbe  aber  zuvor  zwei  Sek. 
über  einer  kleinen  Spiritusflamme  auf  dünnem  Platinblech  erhitzt,  so 
tritt  mit  obigem  Reagens  ziemlich  starke  Lilafärbung  ein.  Längeres 
Erhitzen  beeinträchtigt  die  Intensität  dieser  Färbung,  und  nach 
fiinfsekundigem  Erhitzen  über  dem  Teclubrenner  wird,  bei  gleicli- 

1 Vergl.  den  Gang  der  mikrochemischen  Analyse  von  St.  J.  Thdgdtt, 
Chemik  Polski.  (1911.)  11.  p.  145. 


Epidesmin,  ein  neuer  Zeolith. 


425 


zeitiger  doch  ungleichmäßiger  Trübung,  die  Farbe  kaum  blaßblau. 
Mit  zehnprozentigem  Silbernitrat  und  zwanzigprozentigem  Kalium- 
chromat tritt  bei  gewöhnlicher  Temperatur  hellorange,  bei  100° 
starkorange  ungleichmäßige  Färbung  ein.  Nach  zweisekundigem 
Entwässern  über  der  Spiritusflamme  wird  die  Farbe  mit  obigen 
Reagenzien  rötlichorange.  Längeres  Erhitzen  schwächt  die  Fär- 
bungsfähigkeit bedeutend  ab,  und  fünfseknndiges  Erhitzen  über 
dem  Teclubrenner  vernichtet  dieselbe  ganz. 

Obige  Eigenschaften  sind,  wie  vergleichendes  Material  von 
Neu-Schottland,  Guanajuato,  Helgustadir,  Färöer,  Pinzgau,  Puffler- 
loch,  Sulzbachtal,  Selkingen,  Striegau  und  Andreasberg  gezeigt 
hat,  für  den  Desmin  sehr  bezeichnend  \ Für  den  Desmin  spricht 
auch  das  spezifische  Gewicht,  der  negative  Charakter  der  Doppel- 
brechung und  die  chemische  Zusammensetzung. 

Von  beigemengtem  Orthoklas  u.  a.  durch  entsprechend  ver- 
dünnten Bromoform  befreit,  wies  unser  Zeolith  beim  spez.  Gew. 


2,152  (17 

0 C)  folgende 

Zusammensetzung  auf : 

1 

R 

1— R 

pro  100 

Mol.- 

Verb. 

Si02  . . 

. . 56,66 

0,74 

55,92 

56,03 

92  919 

5,92 

A1203  . 

. . 16,00 

0,21 

16,00 

16,03 

15  685 

1,00 

CaO  - . 

. . 7.58 

0,07 

7,58 

7.60 

13  555 

Mg  0 . 

. . 0,06 

— 

0,06 

0,C6 

149 

. 1,01 

K,0  . . 

. . 0,67  | 

0,20 

0,67 

0,67 

711 

Na,0  . 

. . 0,88  j 

0,88 

0,88 

1 419 

h,  ’o  . . 

. . 18,69 

— 

18,69 

18,73 

103  963 

6,63 

R . . . 

. . 0,44 

— 

— 

— 

— 

— 

100.98 

99.80 

100,00. 

In  verdünnter  Salzsäure  unter  Abscheidung  sandig-schleimiger 
Kieselsäure  löslich,  zieht  derselbe  aus  der  Luft  beim  Feinpulvern 
Feuchtigkeit  an  in  Mengen,  die  den  beim  Desmin  beobachteten1 2 
ungefähr  entsprechen.  Schon  nach  zehnminutigem  Reiben  z.  B. 
werden  1,09%  H,  0 aufgenommen. 

Nimmt  man  an,  daß  der  in  Flußsäure  unlösliche  Rest  R der 
Kieselsäurefällung  zum  größten  Teil  aus  Elementen  des  Orthoklases 
besteht,  so  ist  von  der  unter  1 angeführten  Kieselsäurezahl  noch 
diejenige  Kieselsäure,  welche  auf  0,2 1 °/o  Al2  03  im  Verhältnis 
6 Si  02  : 1 Al,  03  entfällt,  abzuziehen.  Natürlich  können  die  sub  R 
angeführten  Zahlen  keinen  Anspruch  auf  Genauigkeit  machen,  weil 
ja  nur  Milligramme  der  Analyse  unterworfen  wurden.  Die  Gegen- 
wart von  Na  neben  K wurde  an  der  Flamme  erkannt,  Spuren 
Eisen  und  Mangan  dagegen  ganz  vernachlässigt. 

Die  aus  obigen  Molekularverhältnissen  sich  ergebende  Formel 
3 Ca  (Na2,  K2)  Al2  Si6  0J6  • 20  H2  0 stimmt  mit  derjenigen  des  Des- 

1 Ebenda. 

2 St.  J.  Thugütt,  Dies.  Centralbl.  (1909.)  p.  682. 


426 


V.  Rosick^  und  St.  J.  Thugutt,  Epidesmin  etc. 


mins  genau  überein.  Ein  Desmin  liegt  jedoch  nicht  vor.  Der 
Desmin  ist  monoklin,  unser  Zeolith  rhombisch.  Die  Doppelbrechung 
ist  beim  Desmin  schwach,  hier  dagegen  recht  stärker.  Wir  hätten 
somit  mit  einem  neuen  Zeolith  zu  tun,  welchem,  in  Anspielung  an 
die  mit  dem  Desmin  übereinstimmende  Zusammensetzung,  die  Be- 
zeichnung Ep  i de  s min  gegeben  werden  mag.  Vertiefte  kristallo- 
graphische  Untersuchungen,  besonders  das  Studium  von  Ätzfiguren 
an  besserem  als  obiges  Material,  wäre  natürlich  sehr  erwünscht. 
Man  könnte  sich  so  definitiv  vergewissern,  daß  mimetische  Kristalle 
nicht  vorliegen.  Die  Tatsache  nämlich,  daß  die  sonst  sehr  emp- 
findlichen mikrochemischen  Reaktionen  bei  der  Diagnose  des  Des- 
mins und  des  Epidesmins  ihren  Dienst  versagen,  muß  immerhin 
auffallend  erscheinen. 

Die  ungleichmäßige  Färbung  sowohl  des  Desmins  wie  des 
Epidesmins  mit  Silberchromat  legt  die  Vermutung  nahe,  daß  die 
basischen  Elemente  — das  Kalium  und  das  Natrium  — mit  dem 
Molekül  3 CaAl2Si6  016  • 20H20  nichts  zu  schaffen  haben.  Wahr- 
scheinlich treten  dieselben  in  Form  selbständiger  Silikate  auf, 
ähnlich  denjenigen,  welche  bei  der  Einwirkung  kieselsaurer  Al- 
kalien auf  Diaspor  erhältlich  sind  (K„  Al2  Siß  0.,.  • 3 H„  0 und 
3 Na2  AL  Si6  016  • 8 H20)J. 

Das  Auftreten  des  Heulaudits  (Stilbits)  neben  dem  Epistilbit, 
des  Desmins  neben  dem  Epidesmin  bietet  auch  in  genetischer  Hin- 
sicht manches  Interesse.  Es  ist  nämlich  sehr  wahrscheinlich,  daß 
obige  Zeolithe  Umwandlungsprodukte  saurer  Feldspäte  sind.  Wir 
unterscheiden  nun : den  monoklinen  Orthoklas  und  den  triklinen 
Mikroklin,  den  monoklinen  Na-Feldspat  (Barbierit)  und  den  triklinen 
Albit,  und  dürften  auch  zwei  Paare  metamerer  Abkömmlinge  der- 
selben erwarten.  Durch  die  Entdeckung  des  rhombischen  Epi- 
desmins hat  sich  diese  Erwartung  in  netter  Weise  erfüllt.  Wie 
die  einzelnen  Feldspäte  und  Zeolithe  untereinander  Zusammenhängen, 
läßt  sich  bisweilen  nichts  Bestimmtes  sagen.  Ein  enger  genetischer 
Zusammenhang  zwischen  dem  Schwarzenberger  Epidesmin  und 
dem  paragenetisch  mit  letzterem  auftretenden  Feldspat  ist 
wohl  denkbar.  Überhaupt  scheint  die  von  einem  von  uns1  2 ge- 
legentlich der  Zeolithstudien  gemachte  Erfahrung,  daß  verschieden 
konstituierte  Mutterminerale  zu  verschieden  konstituierten  Um- 
setzungsprodukten führen  müssen , auf  einer  breiteren  Grundlage 
zu  ruhen. 

Prag  und  Warschau,  März  1913. 

1 St.  J.  Thugutt,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem.  (1892.)  2.  p.  144. 

2 St.  J.  Thugutt,  Dies  Centralbl.  (1911.)  p.  405  und  701;  C.  R.  Soc. 
Scient.  de  Varsovie.  (1912.)  5.  p.  64,  67,  107. 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung  etc. 


427 


Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 
des  Polarisationsmikroskops. 

Von  M.  Berek  in  Wetzlar. 

Mit  7 Textfiguren. 

(Fortsetzung.) 

3.  Beschreibung  des  Kompensators  und  seines 
Gebrauches. 

Die  mechanische  Konstruktion  des  drehbaren  Kalkspatkompen- 
sators ist  sehr  einfach  (Fig.  1).  Die  senkrecht  zur  optischen  Achse 
geschnittene  Kalkspatplatte  von  ca.  0,1  mm  Dicke  sitzt  an  einer 
drehbaren  Achse,  in  einem  der  üblichen  Gips-  und  Glimmerfassnng 
ähnlichen  Messingschieber.  Durch  eine  seitliche  Feder  wird  der 
Schieber  fest  gegen  die  Wände  des  Tubusschlitzes  über  dem  Mikro- 
skopobjektiv angedrückt.  Um  die  Ablesegenauigkeit  zu  erhöhen 
wird  die  Drehung  des  Kompensatorblättchens  mit  Hilfe  einer  Über- 
setzung auf  eine  Trommel  übertragen,  mit  welcher  der  Dreliknopf 


Fig.  1.  Drehbarer  Kalkspatkonipensator. 


fest  verbunden  ist.  Für  das  Übersetzungsverhältnis  wurde 
genau  1 : 10  gewählt.  Toter  Gang  ist  nicht  bemerkbar.  Die 
Trommel  ist  von  3 zu  3 0 geteilt ; mit  Hilfe  eines  neunteiligen 
Nonius  sind  20'  ablesbar,  so  daß  die  Neigung  der  Kompen- 
satorplatte bis  auf  2'  bestimmt  werden  kann. 

Bei  der  gewählten  Dicke  des  Kompensatorblättchens  beträgt 
der  Meßbereich  nach  jeder  Seite  von  der  Null-Stellung  aus  ca.  4 Ord- 
nungen. Das  Blättchen  ist  leicht  auswechselbar;  denn  es  sitzt 
in  einer  besonderen  Metallfassung,  die  in  den  an  der  Drehachse 
des  Instruments  befestigten  Ring  eingesteckt  werden  kann.. 

Die  Drehachse  des  Kompensators  muß  diagonal  zu  den 
Polarisationsrichtungen  der  Nicols  liegen.  Wenn  diese  von 
Süd  nach  Nord  bezw.  von  Westen  nach  Osten  verlaufen,  so  muß 
also  der  Tubusschlitz,  wie  es  bei  den  neueren  Stativen  von 
E.  Leitz  in  Wetzlar  durchgängig  ausgeführt  wird,  eine  nordwest- 


428 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


südöstliche  Orientierung  besitzen.  Andernfalls  sind  die  Nicols  um 
45°  zu  drehen.  Fig.  21 2  zeigt  das  Gesichtsfeld  des  Mikro- 
skops bei  eingeschaltetem  Kompensator  und  richtiger 

Tubusschlitzlage  in  der  Null-Stellung.  Die  geringe  Auf- 
hellung des  Gesichtsfeldes  durch  die 
schwachgrauen  Interferenztöne  der 
ersten  Ordnung  stört  so  wenig,  daß 
man  zumeist  auch  die  gewöhnliche 
Durchmusterung  des  Dünnschliffs  bei 
stets  eingeschaltetem  Kompensator  aus- 
führen kann. 

Für  den  Kompensator  liegt  die 
Polarisationsebene  der  schnel- 
leren Welle  oder  nach  der  anderen 
üblichen  Bezeichnungsweise  die 
Fig.  2.  Gesichtsfeld  des  Mikro-  Schwingungsrichtung  der  Licht- 

skops bei  eingeschaltetem  Korn-  Bewegung  mit  kleinster  Gesclnvin- 
pensator  in  der  Null-Stellung,  digkeit  / = C = k parallel  der 

K o m p e n s a t o r d r e h a c h s e.  Der  Kri- 
stall, dessen  Doppelbrechung  bestimmt  werden  soll,  liegt  mithin  in 
der  Subtraktions-Lage  in  bezug  auf  den  Kompensator,  wenn  die 
Polarisationsebene  der  langsameren  Welle  bezw.  die  Schwin- 
gungsrichtung der  Lichtbewegung  mit  größter  Geschwindig- 


P 


P 


Fig.  3. 

Einstellung  auf  Kompensation  bei 


einem  Gangunterschied  von  ca. 


I * 
4 ' 


Fig.  4. 

Einstellung  auf  Kompensation  bei 
einem  Gangunterschied  von  ca.  2 X. 


keit  a = a = g in  dem  zu  untersuchenden  Kristallblättchen  parallel 
zum  Tubus  schlitz  orientiert  ist.  Das  ist  also  in  zwei  der  vier  mög- 
lichen Diagonalstellungen.  Dann  tritt  beim  Drehen  des  Kompen- 
sators nach  beiden  Seiten  hin  Kompensation  ein.  Daß  im  Gegensatz 


1 Die  Fig.  2 — 6 sind  sämtlich  verkleinert  und  im  weißen  Licht 
photographiert. 

2 Die  Kristallplatte  (Glimmerblättchen)  ist  in  den  Fig.  3—6  nicht 
sichtbar,  weil  sie  das  Gesichtsfeld  ausfüllt  und  strukturlos  ist. 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


429 


zu  den  Keil-Kompensatoren  die  Punkte  gleichen  Gangunterschiedes 
nicht  auf  einer  Geraden,  sondern  auf  einer  Kurve  liegen,  ist  be- 
langlos, da  für  die  Einstellung  nur  das  Zusammenfällen  eines 
Punktes  des  Kompensationsstreifens  mit  dem  Schnittpunkt  der 
Okularfäden  des  Mikroskops  maßgebend  ist  (Fig.  3 und  4).  Weil 
die  Polarisationsrichtungen  in  allen  Punkten  eines  Kompensations- 
streifens nicht  parallel  zueinander,  sondern  radial  bezw.  tangential 
angeordnet  sind,  so  besitzen  die  Kompensationsstreifen  dann  nicht 
zur  Mitte  des  Gesichtsfeldes  symmetrische  Intensität,  sobald  die 
zu  untersuchende  Kristallplatte  nicht  genau  in  der  Dia- 
gonalstellung sich  befindet  (Fig.  5 und  6).  Bei  kleineren 
Gangunterschieden  wandert  dann  der  Kompensationspunkt  nicht 


P 


Fig.  5. 

Die  Kristallplatte  steht  nicht  genau 
in  der  Diagonalstellung. 
Gangunterschied  ca.  \ 4. 


P 


Fig.  6. 

Die  Stellung  der  Kristallplatte  ist 
noch  nicht  ganz  fehlerfrei. 
Gangunterschied  ca.  14. 


genau  durch  den  Schnittpunkt  der  Fäden.  Daher  kann  die  An- 
wendung des  Kompensators  selbst  als  empfindliches  Hilfs- 
mittel dienen,  die  Kristallplatte  genau  diagonal  in  der 
Subtraktionslage  zu  orientieren.  Beim  Kompensator  nach  Babinkt 
ist  dagegen  eine  ungenaue  Lage  der  Platte  nicht  so  leicht  erkenn- 
bar, vielmehr  bewirkt  sie  eine  parallele  Verschiebung  des 
Kompensationsstreifens  nach  längeren  oder  kleineren  Gangunter- 
schieden,  so  daß  das  Messungsresultat  dadurch  beeinträchtigt  wird 
(vergl.  p.  388). 

Treten  schon  bei  leerem  Apparat  die  Farbringe  nicht  ganz 
symmetrisch  ins  Gesichtsfeld  ein,  so  ist  das  Kompensatorblättchen 
in  seiner  Kingfassung  selbst  etwas  zu  drehen. 

Starke  Lichtintensität  und  entsprechend  geringe 
Beleuchtungs -Apertur  sind  die  besten  Bedingungen  fiir  genaue 
Einstellung  der  Kompensationsstreifen.  Da  die  kompensierenden 
Streifen  durch  gro  ße  B e wegli  chk  e i t ausgezeichnet  sind,  so 
stellt  man  wie  beim  LANDOLT’schen  Streifen  am  besten  während 
der  Bewegung  des  Streifens  ein.  Die  Empfindlichkeit  der 


430 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


Einstellung  des  Kompensationsstr eifens  in  bezug  auf 
den  Schnittpunkt  der  Okularfäden  ist  innerhalb  des  gesamten  Meß- 
bereichs nahezu  die  gleiche.  Aus  einer  großen  Anzahl  von  Ein- 
stellungen bei  verschiedenen  Gangunterschieden  ergab  sich  im  ein- 
farbigen Licht  im  Mittel  für  den  mittleren  Fehler  einer 
Trommeleinstellung  48',  so  daß  also  bei  einer  Einstellung 
die  Lage  der  Kompensatorplatte  mit  einem  mittleren 
Fehler  von  4,8'  bestimmbar  ist. 

Die  Ermittlung  des  Neigungswinkels  i erfolgt  am  besten, 
wie  p.  393  erwähnt,  durch  Einstellung  bei  Links-  und  Rechts- 
drehung des  Kompensators  auf  b ei  d e Streifen.  Ist  die  hierbei 
abgelesene  Trommeldrehung  w,  so  ist  die  gesuchte  Neigung 
des  Kompensatorblättchens 


Dieser  Winkel  i kommt  dann  für  die  Berechnung  von  f (i) 
nach  1 6 und  des  Gangunterschiedes  nach  1 3 in  Betracht.  Um 
jedoch  dem  Arbeitenden  auch  diese  Berechnung  noch  zu  er- 
sparen, wird  von  den  optischen  Werken  E.  Leitz  in  Wetzlar 
dem  Kompensator  eine  logarithmischeTafel  beigegeben.  Diese 
enthält  gleich  log.  f (i)  für  jede  Trommeldrehung  w zwischen  0 0 und 
600  u in  Intervallen  von  20'  zu  20',  unter  Berücksichtigung  aller 
Glieder  in  1 5 berechnet.  Auch  die  K o m p e n s a t o r k o n s t a n t e f (J) 
wird  bereits  im  Werk  bestimmt.  Der  dem  zugehörigen  Kompen- 


sator eigentümliche  log  ist  für  verschiedene  einfarbige 

I (Jj 

Lichtarten,  sowie  für  den  konventionellen  optischen 
Schwerpunkt  weißen  Lichts  am  Kopf  der  Tabelle  angegeben, 
so  daß  nur  beide  Logarithmen  addiert  zu  werden  brauchen.  Der 
Numerus  davon,  im  zweiten  Teil  der  Tafel  aufgeschlagen,  gibt 
dann  den  gesuchten  Wert  x in  der  Gleichung  r=xl. 

Folgendes  Beispiel  erläutert  die  Bestimmung  eines  Gang- 
unterschiedes: Für  eine  gemessene  Trommeldrehung  w = 62°40' 
entnimmt  man  direkt  der  Tabelle  den  Wert 


log  F (w)  = 7,4756  (=  log  f (i) ) 

log  = 1,1752  (steht  am  Kopf  der  Tab.) 



log  x = 8,6508 
r = 0,045 X 

oder  für  X — 589  /u/u  : r = 26  /u/u. 

Bei  intensiver  Beleuchtung  im  weißen  Licht  führen  schon 
geringe  Gangunterschiede  von  3 [Afi  eine  deutlich  erkennbare 
und  meßbare  Auflösung  des  Kreuzes  herbei. 

In  der  Null-Lage  ist  der  Kompensator  ferner  als  empfindliches 
Stauroskop  zur  Bestimmung  der  Auslöschungsrichtungen  benutz- 
bar. Er  ist  hierbei  ein  zuverlässigeres  Hilfsmittel  als  die  vielfach 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


431 


verwandten  Platten  nach  M.  Laurent,  L.  Calderon,  H.  Traube, 
A.  Bravais  u.  a.  Die  Empfindlichkeit  der  Drehquarz -Halb  - 
Schattenvorrichtungen  im  einfarbigen  Licht  erreicht  er  jedoch 
nicht.  Doch  wird  eine  so  große  Empfindlichkeit  in  vielen  Fällen 
nicht  begehrt  und  ist  reell  auch  nur  unter  ganz  besonderen 
Vorsichtsmaßregeln  zu  erreichen1,  die  zu  treffen  es  dem 
arbeitenden  Petrographen  meist  an  Zeit  fehlen  dürfte. 

Der  Kompensator  ist  ferner  ohne  weiteres  zur  Bestimmung 
des  optischen  Charakters  benutzbar  und  ersetzt  sowohl  Gips- 
wie  auch  Glimmerblättchen.  £>x  bezw.  y = c = k im  Kompen- 
sator liegt  parallel  zur  Schlitzrichtung,  §2  bezw. 
a = d = g also  senkrecht  zur  Drehachse. 

Bei  der  Bestimmung  des  Charakters  der  Doppel- 
brechung im  konvergenten  Licht  geht  man  von  der  Null- 
Lage  des  Kompensators  aus,  während  sich  die  Kristallplatte  in 
der  Normalstellung  befindet.  Durch  beiderseitiges  Drehen  der 
Trommel  kann  man  die  Änderungen  im  betrachteten  Achsenbild 
des  Minerals  bis  zum  Auftreten  der  schwarzen  Punkte  in  zwei 
Quadranten  allmählich  bewirken  und  somit  die  Verringerung  bezw. 
Vergrößerung  der  Gangunterschiede  besser  erkennen.  Infolge  des 
negativen  Charakters  des  Kalkspats  gilt  dieselbe  Merkregel 
für  -f-  und  — wie  beim  Viertelundulations-Glimmerblättchen,  wenn 
man  die  Verbindungslinie  der  auftretenden  schwarzen  Punkte  mit 
der  Richtung  der  Kompensatordrehachse  (Tubusschlitz) 
vergleicht. 

Bei  der  Ermittlung  des  Charakters  der  Schwin- 
gungsrichtungen im  parallelen  Licht  geht  man  von  der 
i Auslöschungsstellung  der  zu  untersuchenden  Kristallplatte  aus. 
Dann  dreht  man  den  Kompensator,  bis  die  empfindliche  Farbe  im 
Schnittpunkt  der  Okularfäden  erscheint  und  beobachtet  den  Sinn, 
in  welchem  sich  diese  Interferenzfarbe  beim  Drehen  der  Kristall- 
platte ändert.  Da  man  in  der  Lage  ist,  das  Steigen  oder 
Fallen  der  Interferenzfarbe  während  der  Drehung  des 
untersuchten  Minerals  auch  an  einer  beliebigen  anderen 
Stelle  der  Farbenskala  zu  prüfen,  so  ist  diese  Methode, 
auf  der  auch  schon  das  drehbare  Quarzblättchen  von  Biot  beruht, 
sicherer  als  viele  der  üblichen  Verfahren. 

14.  Prüfung  der  Zuverlässigkeit  des  Kompensators 
durch  Vergleichsmessungen. 

Es  wurde  der  Gangunterschied  eines  fein  gespaltenen  Glimmer- 
blättchens und  der  16  Stufen  einer  Glimmertreppe  nach  E.  v.  Fe- 
dorow  sowohl  mit  Hilfe  eines  Kompensators  nach  Babinet,  als 
auch  mit  Hilfe  des  drehbaren  Kalkspatkompensators  für 


1 M.  Berek,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-B.  XXXIII.  p.  586.  1912. 


432 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


das  Licht  der  D-Linie  bestimmt.  Als  Lichtquelle  diente  der  neue 
speziell  für  mikroskopische  Zwecke  bestimmte  kleine  Mono- 
chromator der  Firma  E.  Leitz  in  Wetzlar1  in  Verbindung  mit 
einer  Liliput-Bogenlampe.  Um  auch  ganz  geringe  Gang- 
unterschiede auf  ihre  Meßbarkeit  hin  zu  prüfen,  benützte  ich  noch 
eine  | cm  dicke,  in  einen  kleinen  Schraubstock  gespannte  Glas- 
platte, in  der  ich  durch  geringes  Anziehen  der  Stockschraube 
Spannungsdoppelbrechung  in  verschiedener  Größe  erzeugte.  Um 
diese  äußerst  geringen  Gang  unterschiede  gut  meßbar  zu 
machen,  wandte  ich  das  unzerlegte  weiße  Licht  der  Liliput- 
Bogenlampe  und  geringe  Beleuchtungs-Apertur  an.  Bei  so  kleinen 
Gangunterschieden  kommt  es  auch  auf  die  genaue  Definition  der 
Wellenlänge  gar  nicht  mehr  an. 

Für  den  Kompensator  nach  Babinet  ergab  sich  als 
mittlerer  Fehler  einer  Einstellung  eines  beliebigen  Kom- 

Tabelle  2. 

Vergleichsmessungen  verschiedener  Gang  unterschiede 
mit  den  Kompensatoren  nach  Babinet  und  Berek. 


Kompensator  nach 

Trommel- 

Gegenstand 

B ABINET 

Berek 

drehung 

r 

mf, 

1 r 

inf, 

w 

Gepreßte  Glasplatte  . 

nicht  meßbar 

Hfi  3,9 

+ 0,5 

24° 

20' 

desgl.  . 

nicht  meßbar 

5,3 

+ 0,6 

28 

20 

desgl.  . 

18,1  ufi 

+ 3,9 

16,8 

±1,1 

49 

40 

Spaltungsplatte  von 
Glimmer 

25,3 

+ 4,0  tu,u 

26.3 

1,2 

62 

40 

Stufe 

l 

134,3 

4,3 

135,0 

3,0 

141 

40 

2 

266,2 

4,5 

265,5 

4,1 

199 

20 

£ 

o 

3 

402,5 

— 

399,4 

— 

244 

40 

•o 

4.  . . . . 

533 

— 

530 

— 

282 

0 

Q 

K 

> 

71 

5 ...  . 

670 

5,4 

663 

L7 

315 

40 

71 

6 

799 

— 

796 

— 

346 

20 

7 

937 

— 

931 

— 

375 

0 

-rC 

V 

8 

1066 

— 

1064 

— 

401 

20 

9 

1202 

— 

1195 

— 

426 

0 

<D 

10.  ...  . 

1338 

7,3 

1335 

9,0 

450 

40 

di 

Ä 

11.  ...  . 

1466 

— 

1461 



472 

0 

S-i 

12 

1610 

— 

1604 

— 

494 

0 

<V 

£ 

13 

1746 

8,8 

1734 

11,2 

515 

20 

s 

14 

— 

— 

1868 

— 

535 

40 

o 

15.  ...  . 

— 

— 

2004 

— 

555 

20 

. ” 

16 

— 

— 

2145 

12,4 

575 

20 

1 Die  Beschreibung  dieses  Monochromators  erfolgt  in  Zeitschr.  f. 
Instr.  1913. 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


433 


pensationsstreifens,  in  Troimnelteilen  gemessen,  Jn  = + 3,9.  Die 
Kompensatorkonstante  war  im  Mittel  N = 578,9.  Aus  JT  = xA  = -^-A 
folgt  fiir  den  mittleren  Fehler  einer  Bestimmung  vonx: 
d x = x J n / — -| — \ 1,  21 ) 

\ n 1 mN  J ' 

worin  N mit  Hilfe  der  beiden  Streifen  als  ermittelt  gedacht  ist, 
fiir  die  _T=m/  ist.  Um  den  Einfluß  dieses  Fehlers  möglichst 
klein  zu  machen,  wurde  in  der  Fehlerrechnung  der  größtmögliche 
Wert  m = 3 eingesetzt. 

Die  gemessenen  Gangunterschiede  und  die  berechneten  Fehler 
sind  in  Tab.  2 zusammengestellt.  Jede  Zahl  ist  der  Mittelwert 
aus  10  Einstellungen.  Der  Fehler  der  Mittelwerte  ist  also  an- 
genähert gleich  dem  3.  Teil  des  angegebenen  Fehlers  einer  Ein- 
stellung. Den  Fehler  in  der  Kenntnis  von  / ließ  ich  unberück- 
sichtigt, da  es  sich  nur  um  Vergleichsmessungen  handelt;  ich  setzte 
A = 589  /<(«.  Daher  gelten  21  und  23  auch  unmittelbar,  wenn 
man  darin  x durch  T ersetzt. 

Fiir  den  drehbaren  Kalkspatkompensator  wurde  zu- 
nächst ebenfalls  die  Kompensatorkonstante  f (J)  bestimmt.  Um 
einen  Anhalt  für  die  Genauigkeit  und  Zuverlässigkeit  dieser  Be- 
stimmung zu  erhalten,  ermittelte  ich  f (J)  für  alle  auftretenden 
Streifen  bei  parallelen  wie  gekreuzten  Nicols  zugleich 
mit  und  ohne  Berücksichtigung  der  Korrektionsglieder.  Tab.  3 

Tabelle  3. 

Bestimmung  der  Kompensatorkonstante  f(J)  für  das  Licht 
der  D-Linie  mitHilfe  sämtlicher  zwischen  parallelen  und 
gekreuzten  Polarisationsprismen  auftretenden  Interferenz- 
streifen. 


f (J)  berechnet  nach  15  bezw.  18 


r 

irommeiarenung 
w = 20  i 

ohne  mit  einem  mit  zwei 
Korrektionsgliedern 

¥ ^ 

209°  40' 

0,0662 

0,0667 

0,0667 

l 

296  20 

54 

63 

63 

H 

365  40 

56 

69 

70 

2 

422  40 

50 

67 

68 

24 

474  0 

46 

68 

69 

3 

519  40 

40 

65 

67 

Ql 

ö¥ 

563  40 

37 

66 

69 

4 

605  40 

36 

69 

72 

44 

643  40 

30 

67 

71 

Mittel  . . . . 

0,0646 

0,0667 

0,0668 

log 


f(J) 


1,1752. 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913 


28 


434 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung  etc. 


enthält  das  Resultat  dieser  Bestimmungen.  Da  der  mittlere 
Fehler  einer  Bestimmung  von  i nach  p.  430  48'  und  mit  großer 
Annäherung  4f(J)  = sin  2 i • 4i  ist,  so  folgt  für  P=lA  für  den 
mittleren  Fehler  von  f (J)  bei  einer  Bestimmung m f,  = + 0,0007 
und  für  den  Mittelwert  aus  10  Einstellungen mf10  = + 0,0002. 
Wir  sehen  in  Tab.  3,  daß  bereits  bei  Benutzung  nur  des  ersten 
Korrektionsgliedes  (also  der  Gleichung  16),  die  Werte  für  f (J) 
schon  innerhalb  der  Fehlergrenzen  übereinstimmen.  Die  Einführung 
des  zweiten  Koi'rektionsgliedes  führt  praktisch  eine  Verbesserung 
des  Resultates  nicht  mehr  herbei. 

Für  die  Fehlerrechnung  der  gemessenen  Gangunterschiede 
folgt  aus  13): 


/<ff(i) 

\f(i) 

1 f(J)  1 

worin  wir,  um  einen  direkten  Vergleich  mit  dem  Kompensator  nach 
Babinet  zu  erzielen,  m = 3 setzen.  In  erster  Annäherung  erhalten 
wir,  da  4i  = ö J ist : 

Jx  = 2x  Icotg  i — — cotgjjtTi  23) 


worin  nach  p.  393  wieder  x durch  P ersetzt  werden  kann. 
Tab.  3 und  p.  430  ist 


296°  30' 
,20 


14°  17';  di  = 4,8'. 


Nach 


Die  mit  den  beiden  Kompensatoren  ermittelten  Werte  der 
Tab.  2 stimmen  innerhalb  der  berechneten  Fehlergrenzen  voll- 
kommen überein . 

Der  drehbare  Kalkspatkompensator  ist  mithin  ein 
mindestens  ebenso  zuverlässiges  Meßinstrument  wie 
der  Kompensator  nach  Babinet.  Für  kl  eine  Gangunter- 
schiede ist  die  erreichbare  Genauigkeit  erheblich  größer, 
für  hohe  Gang  unterschiede  nur  wenig  kleiner  als  die 
des  Kompensators  nach  Babinet. 

Es  ist  von  Interesse,  die  Genauigkeit  unseres  Kompensators 
mit  derjenigen  zu  vergleichen,  die  H.  Schulz  bei  seinen  Unter- 
suchungen über  die  Doppelbrechung  gekühlter  Gläser  mit  seinem 
Apparat  erzielt  hat.  Aus  der  Mitteilung  von  H.  Schulz  1,  daß  der 
mittlere  Fehler  bei  drei  Einstellungen  ± 0,009  mm  Keilverschiebung 
beträgt,  folgern  wir  für  eine  Einstellung  + 0,0156  mm,  oder  da  die 
Kompensatorkonstante  für  die  angewandte  Lichtart  6,727  mm  war, 
mfi  = + 0,0023  L Die  Kompensatorkonstante  selbst  war  außerdem 
mit  einem  mittleren  Fehler  von  ± 0,005  behaftet.  Wir  führen 
mit  Hilfe  dieser  Werte  die  Fehlerrechnung  für  einige  Daten  des 
Glases  0 118  von  Schott  u.  Gen.  durch,  das  in  der  von  H.  Schulz 


1 H.  Schulz,  Phys.  Zeitschr.  13.  p.  1023.  1912. 


0.  Wilckens,  Zur  Benennung  etc. 


435 


angegebenen  Tabelle1  den  geringsten  bestimmten  Doppelbrechungs- 
betrag auf  weist.  Es  ergeben  sich  so  folgende  Werte : 


Versuchsstück 

r 

mf, 

67  ...  . 

± 

66  ...  . 

. . 12,9 

1,3 

31 

. . 32 

1,3 

30 

1,4 

29  a . . - . 

. . 323 

1,6 

28 

. . 584 

1,7. 

Der  Vergleich  mit  Tab.  2 ergibt,  daß  der  drehbare  Kalkspat- 
kompensator für  ganz  kleine  Gangunterschiede  bei  Anwendung 
intensiver  Beleuchtung  denselben  Genauigkeitsgrad  besitzt 
wie  der  BABiNEx’sche  Kompensator  mit  den  LuMMEß’schen  Doppel- 
ringen. An  die  Empfindlichkeit  des  Glimme ro  kulars  nach 
J.  Königsberger  2 dagegen  reicht  der  Kalkspatkompensator  in  der 
Erkennbarkeit  geringster  Spuren  von  Doppelbrechung  nicht  heran. 
Doch  dürfte  die  Feststellung  von  so  geringen  Gangunterschieden 
(in  der  Größenordnung  von  IO-4  A)  meistens  nicht  mehr  das  Ziel 
der  Petrographen  sein,  da  oft  Objektträger  und  Kittschicht  höhere 
Werte  an  Spannungsdoppelbrechung  aufweisen.  (Schluß  folgt.) 


Zur  Benennung  der  alpinen  Ueberschiebungsdecken. 
Von  Otto  Wilckens  in  Jena. 


Durch  den  oft  etwas  willkürlichen  Gebrauch  der  Bezeich- 
nungen herrscht  eine  gewisse  Verwirrung  in  der  Benennung  der 
alpinen  Überschiebungsdecken.  Bei  den  lepontinischen  ist  die 
Mannigfaltigkeit  der  Namen  am  größten,  viel  geringer  bei  den 
ostalpinen  und  vollends  bei  den  helvetischen. 

Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  daß  die  Grenzbestimmung 
für  das  zwischen  dem  helvetischen  und  ostalpinen  gelegene 
lepontinische  Deckensystem  Schwierigkeiten  macht 3.  Die  nördlich 
des  Rhonetales  wurzelnde  Decke  der  inneren  Voralpen  ist  z.  B.  als 
Übergang  zu  den  helvetischen  Decken  aufgefaßt,  die  Stellung  der 
Radstätter  Decke  war  strittig.  Termier4  hat  als  Begrenzung 
die  Glanzschieferdecke  als  tiefste  lepontinische,  die  der  Silvretta 
als  tiefste  ostalpine  angegeben.  Er  erkennt  selbst  an,  daß  diese 

Grenzbestimmung  auf  tektonischer  Basis  sich  praktisch  noch  schwer 

— 


1 H.  Schulz,  Phys.  Zeitschr.  13.  p.  1025.  1912. 

2 J.  Königsberger,  dies.  Centralbl.  1908.  p.  729;  1909.  p.  249,  746. 
E.  Suess,  der  die  drei  genannten  „Decken  1.  Ordnung“  ausge- 

schieden  hat  („Das  Inntal  bei  Nauders“,  Sitzber.  Ak.  d.  Wiss.  Wien. 
Math.-nat.  Kl.  114.  Abt.  I.  p.  703—709),  gibt  keine  genauen  Grenzen  an. 
4 Geologische  Rundschau.  4.  p.  43—44. 


28* 


436 


0.  Wilckens, 


durchführen  läßt , weil  die  Gliederung  des  ostalpinen  Decken- 
systems noch  nicht  genug  geklärt  ist. 

Im  lepontinischen  Deckensystem  sind  zwei  Deckengruppen 
miteinander  vereinigt,  die  einen  ziemlich  ungleichen  stratigraphischen 
Habitus  besitzen.  Die  Glanzschieferdecken  und  jener  Deckenkomplex, 
der  die  Voralpen  zwischen  Aare  und  Arve  auf  baut,  haben  zwar 
die  relativ  schwach  entwickelte  Trias  1 gemeinsam,  doch  zeigt  die 
schiefrige  Sammelfolge  der  ersteren  wesentliche  Unterschiede 
gegenüber  der  Schichtfolge  der  letzteren.  Die  Glanzschieferdecken 
sind  neuerdings  von  Argand  die  penninisclien  genannt  worden,  und 
diese  Bezeichnung  hat  sich  bereits  eingebürgert.  (Der  Anklang 
an  die  „pieninisehen“  Decken  der  Karpathen  ist  zwar  nicht  gerade 
günstig.)  Die  übrigbleibenden  Decken  müssen  dann  aber  einen 
besonderen  Gruppennamen  erhalten.  Lepontinisch  kann  man  sie 
nicht  schlechthin  nennen;  denn  das  sind  die  Glanzschieferdecken 
auch.  Alb.  Heim2  gebraucht  für  sie  den  Namen  „ Klippendecken 
Aber  diese  Bezeichnung  ist  zu  verwerfen,  weil  bereits  1905  der 
Name  „Klippendecke“  von  Steinmann  ganz  speziell  für  die  Decke 
der  mittleren  Voralpen  vergeben  worden  ist3.  Ebensowenig  an- 
gängig ist  es,  wenn  P.  Beck  von  Klippendecken  und  Klippen- 
gesteinen spricht  und  dabei  seine  „Niesen-Habkerndecke“  im  Auge 
hat,  zu  der  er  auch  die  Decke  der  inneren  Voralpen  rechnet,  die 
ihrerseits  wiederum,  soweit  sie  oben  auf  den  Kalkhochalpen  liegt, 
„Decke  des  Mt.  Bonvin“  benannt  worden  ist. 

Es  möge  deshalb  für  die  oberen  lepontinischen  Decken  als 
Gruppenname  die  Bezeichnung  „vindelizische  Decken“  vorgeschlagen 
werden.  Das  Wort  „vindeliziscli“  ist  gegenwärtig  in  der  Sprache 
der  alpinen  Geologie  außer  Kurs;  seine  Wiederbenutzung  gerade 
für  die  Decken  der  Voralpen  und  der  Schweizer  Klippen,  deren 
Schichtfolge  vor  der  allgemeinen  Annahme  der  Deckentheorie 

1 Der  Name  „lepontinisch“  ist  von  G.  Steinmann  für  diese  Trias  mit 
folgendem  Satz  eingeführt  worden : .Ich  halte  die  Übertragung  der  .... 
Bezeichnung  Köthidolomit  auf  die  Sedimente  der  lepontinischen  und 
penninischen  Alpen  zunächst  nicht  für  zweckmäßig,  weil  sowohl  in  der 
Mächtigkeit  als  in  der  Gesteinsbescliaifenheit  nicht  unwichtige  Dilferenzen 
vorhanden  zu  sein  scheinen,  möchte  vielmehr  vorschlagen,  neben  der  ost- 
alpinen oder  besser  gesagt  mediterranen  Fazies  der  Trias  eine  „lepontinische“ 
zu  unterscheiden,  welche  im  NO,  0 und  S von  der  mediterranen  Fazies 
umfaßt  wird  und  im  N und  W an  die  helvetische  Fazies  grenzt.“  (Geol. 
Beob.  i.  d.  Alpen.  I.  Das  Alter  der  Bündner  Schiefer.  Ber.  Nat.  Ges. 
Freiburg  i.  B.  10.  p.  221—222.  1898.) 

2 So  auf  der  Karte  in  Em.  Kayser’s  Lehrb.  d.  allg.  Geol.  4.  Aufl. 
p.  744,  Fig.  578. 

3 G.  Steinmann,  Geologische  Beobachtungen  in  den  Alpen.  II.  Die 
ScHARDT’sche  Überfaltungstheorie  und  die  geologische  Bedeutung  der 
Tiefseeabsätze  und  der  ophiolithischen  Massengesteine.  (Ber.  Nat.  Ges. 
Freiburg  i.  B.  16.)  p.  33. 


Zur  Benennung  der  alpinen  Ueberschiebungsdeeken. 


437 


vindelizisch  genannt  wurden,  scheint  aber  zweckmäßig  und  un- 
bedenklich '. 

Wir  kommen  zu  den  einzelnen  vindelizischen  Decken.  Wenn 
wir  die  Decke  der  inneren  Voralpen  in  diesem  Zusammenhang  an- 
fiihren  dürfen,  so  wäre  hervorzuheben,  daß  sich  für  sie  die  kürzeren 
Ausdrücke  „Freiburger  Decke “ und  „Paßdecke“  nicht  eingebürgert 
haben.  Ob  sie  mit  in  die  Niesen-Habkerndecke  Beck’s  einhezogen 
werden  kann,  hängt  von  weiteren  Forschungen  ab.  Der  Name 
„Klippendecke“  statt  .Decke  der  mittleren  Voralpen“  ist  bereits 
gang  und  gäbe  und  sollte  auch  iu  der  Schweiz  dem  undeutschen 
Ausdruck  „mediane  Präalpen“  (!)  vorgezogen  werden.  Ebenso  hat 
sich  die  knappe  Bezeichnung  .Brecciendecke“  gegenüber  der  um- 
ständlichen „Decke  der  Chablaisbreccie“  oder  „Decke  der  Hornfluh- 
breccie*  völlig  durchgesetzt.  Obwohl  von  Rothpletz  früher  bereits 
in  anderem  Sinne  gebraucht,  ist  der  Name  „rhätische  Decke“  doch 
allgemein  in  der  Steinmann 'sehen  Anwendung  in  Benutzung,  obwohl 
zugegeben  werden  muß,  daß  er  der  von  Haug  vorgeschlagenen 
„Ophiolithdecke“  ans  Prioritätsrücksichten  weichen  müßte,  wenn 
solche  bei  geologischen  Bezeichnungen  so  respektiert  würden,  wie 
es  in  der  Biologie  mit  Organismennamen  üblich  ist. 

Wir  kämen  also  zu  folgender  Benennung  der  lepontinischen 
Decken : 


Lepon- 

tinisches 

Deckensystem 


Vindelizische 

Decken- 

gruppe 


Penninische 

Decken- 

gruppe 


Bhätische  oder  Ophiolithdecke 
Brecciendecke 
Klippendecke 
Niesen  (-Habkern)  decke 
Decke  der  inneren  Voralpen  oder  Paßdecke 
' VI.  Dent  Blanchedecke 
V.  Monte  Rosadecke 
IV.  St.  Bernhardsdecke 
III.  Monte  Leonedecke 
II.  Lebendundecke 
I.  Antigoriodecke 


In  den  östlichen  Nordalpen  versteht  man  unter  „Voralpen“ 
Gebiet  des  ostalpinen  Deckensystems  und  spricht  neuerdings  von 
einer  „voralpinen  Decke“.  Diese  Bezeichnung  ist  mißverständlich, 
weil  man  bei  „Voralpen“  unwillkürlich  an  die  vindelizischen 
Decken  erinnert  wird.  Zudem  haben  Haug  und  Lugeon  die 
Decke  unter  der  Hallstätterdecke  längst  die  „bayrische“  genannt. 
Man  sollte  sich  an  dieser  lokalen  Bezeichnung  ebensowenig  stoßen 

1 Die  Frage  der  Wurzeln  der  vindelizischen  Decken,  die  ja  vielleicht 
doch  im  Bereich  der  Glanzschieferdecken  gesucht  werden  müssen,  hat 
keinen  Einfluß  auf  diese  Bezeichnung.  Man  würde  demnach  der  Klippen- 
decke einen  besonderen  Namen  geben,  auch  wenn  sie  etwa  von  der 
St.  Bernhardsdecke  stammte. 


438 


Fr.  Schöndorf,  Ueber  positive  Strandverschiebungen 


wie  an  dem  Namen  „Dachsteindecke“.  Auch  am  Rande  der  öster- 
reichischen Alpen  wird  doch  die  Flyschzoue  helvetisch  genannt 
und  die  rhätisclie  Decke  trägt  ihren  Namen  auch  in  den  Vor- 
alpen (der  Schweiz),  obwohl  sie  dort  nicht  in  Rhätien  liegt.  Die 
Decke  über  den  Hallstätter  Kalken  heißt  neuerdings  die  „hoch- 
alpine“. Auch  bei  diesem  Wort  denkt  man  leicht  an  etwas  anderes, 
nämlich  an  die  Kalkhochalpen,  die  auch  in  der  Schweiz  im  Gegen- 
satz zu  den  Voralpen  stehen,  aber  in  einem  ganz  anderen  Sinne. 
Endlich  sollte  man  nicht  von  einer  „ostalpinen  Klippenzone“ 
sprechen,  wenn  der  Austritt  der  vindelizischen  Decken  am  Außen- 
rande der  nördlichen  Kalkalpen  gemeint  ist.  Die  Klippenzone  ist 
vindelizisch  und  nicht  ostalpin,  auch  wenn  sie  in  den  Ostalpen 
auftritt.  Will  man  eine  geographische  Bezeichnung  wählen,  so 
muß  man  schon  „die  vindelizische  Klippenzone  am  Rande  der 
Ostalpen“  oder  etwas  Derartiges  sagen.  Die  Abschaffung  der  an- 
gegebenen irreführenden  Namen  würde  zum  leichteren  Verständnis 
der  alpinen  geologischen  Literatur  wesentlich  beitragen. 


Ueber  positive  Strandverschiebungen  im  Oberen  Jura  des 
südöstlichen  Deisters. 

Von  Fr.  Schöndorf  in  Hannover. 

Schon  vor  längeren  Jahren  hatte  W.  Wunstorf  unter  Bezug- 
nahme auf  ältere  am  Osterwalde1  gemachten  Beobachtungen  in 
einer  kleinen  Arbeit2  der  eigenartigen  Lagerungsverhältnisse  Er- 
wähnung getan,  die  im  Oberen  Jura  nahe  dem  Dorfe  Volksen  am 
südöstlichen  Deister  zu  beobachten  waren. 

Im  Hangenden  des  seiner  Gesteinsbeschaffenheit  und  Fossil- 
fiihrung  nach  unzweifelhaft  zu  erkennenden  Korallenoolithes  liegen 
dort  an  Stelle  der  von  anderen  nahe  benachbarten  Lokalitäten  und 
vor  allem  aus  der  näheren  Umgegend  der  Stadt  Hannover  beschrie- 
benen, durch  ihre  reiche  Fauna  sehr  gut  charakterisierten  Kim- 
meridgebildungen  fossilarme  oder  fossilleere  Mergel  und  Kalke, 
an  deren  Basis  sich  ein  an  abgerollten  Gesteinsstücken  und  Ver- 
steinerungen des  Weißjura  reiches  Konglomerat  in  mehr  oder 
minder  großer  Mächtigkeit  findet.  Im  Hangenden  dieses  Kon- 
glomerates und  der  es  überlagernden  fossilarmen,  aus  Mergeln  und 
Kalken  bestehenden  Schichtfolge  stehen  an  vielen  Stellen  die  serpel- 

1 W.  Wunstorf,  Die  geologischen  Verhältnisse  des  Kleinen  Deisters, 
Nesselberges  und  Osterwaldes.  Jahrb.  d.  preuß.  geol.  Landesanst.  zu  Berlin 
f.  d.  J.  1900.  21.  1901. 

2 W.  Wunstorf,  Transgressionen  im  Oberen  Jura  am  östlichen  Deister. 
Jahrb.  d.  preuß.  geol.  Landesanst.  zu  Berlin  f.  d.  J.  1902.  22.  1905.  p.  272 
bis  277. 


im  Oberen  Jura  des  südöstlichen  Deisters. 


439 


reichen  Kalke  des  Oberen  Purbeck,  der  sog.  Serpulit  an,  der  wiederum 
durch  seine  Gesteinsbeschaffenheit  und  das  massenhafte  Auftreten 
der  Serpula  coacervatci  Blmb.  seinem  stratigraphischen  Alter  nach 
genau  festzulegen  ist.  In  den  zwischen  dem  Korallenoolith  und 
dem  Serpulit  liegenden  Schichten  fanden  sich  außer  den  in  den 
Geröllschichten  vorhandenen  abgerollten  Stacheln  von  Cidaris  flori- 
genima  Phill.  und  Hemiciäaris  intermedia  Flem.  sp.,  verdrückten 
RhynchoneUa  pinguis  A.  Roem.,  Bruchstücken  von  Lima-  und  Pecten- 
Arten  und  Ostreen,  die,  auf  sekundärer  Lagerstätte  liegend,  über 
das  geologische  Alter  keinen  genaueren  Aufschluß  geben,  nur  Stein- 
kerne von  Pronoe  Brongniarti  A.  Roem.,  Pr.  nuculaeformis  A.  Roem. 
und  Trigonia  spec.,  „Zweischaler,  die  nicht  für  einen  bestimmten 
Kimmeridgehorizont  leitend  sind“.  An  einer  Stelle  enthielten 
plattige  Kalke,  die  im  unmittelbar  Hangenden  der  Geröllschicht 
in  geringer  Mächtigkeit  auftreten,  schlecht  erhaltene  Steinkerne 
von  Jlodiola  sp.  und  Corbula  sp.  und  andere  unbestimmbare  Zwei- 
schaler  auf  den  Schichtflächen,  wonach  W.  Wunstorf1  diese  Kalke 
„den  Fossilien  und  der  petrographischen  Beschaffenheit  nach  . . . 
zum  Portland  stellte,  ohne  zu  entscheiden,  ob  sie  als  Eimbeck- 
häuser  Plattenkalke  oder  Gh/as-Schichteu  anzusehen  sind.“ 

„Die  Geröllschichten  würden  danach  die  Kimmeridge-Gruppe 
anderer  Gegenden,  vielleicht  auch  einen  Teil  des  Korallenooliths 
vertreten  ..."  Sie  sind  „ihrer  Beschaffenheit  nach  als  Abrasions- 
produkt und  die  Gerolle  als  Reste  der  durch  die  Abrasion  zer- 
störten Schichten“  aufzufassen. 

Im  Hangenden  der  Portlandkalke  liegen  5 m mächtige,  fossilleere 
gelbe,  rote  und  graublaue,  schiefrige  Mergel,  die  ihrer  Lage  nach 
als  Münder  Mergel  gedeutet  werden  müssen,  über  welchen  dann 
die  schon  erwähnten  serpelreichen  Kalke  des  Serpulit  folgen. 

Auf  Grund  seiner  Beobachtungen  kam  Wunstorf  zu  dem 
Schluß2,  daß  bei  Volksen  „die  Kimmeridge-Gruppe  und 
vielleicht  ein  Teil  des  Portland  durch  Geröllschichten 
vertreten  werden  und  die  Münder  Mergel  nur  in  ganz 
geringer  Mächtigkeit  vorhanden  sind.  Erklären  lassen 
sich  diese  Verhältnisse  nur  durch  Annahme  von  Bewegungen  der 
Erdrinde  während  der  Ablagerung  dieser  Schichten,  wobei  es  zu 
Strandversehiebungen  und  Faziesverschiedenheiten  gekommen  ist.“ 

Die  vorstehend  kurz  geschilderten  Darstellungen  von  W.  Wuns- 
torf wurden  bald  darauf  gelegentlich  einer  Kartierung  eines  nahe 
beigelegenen  Geländes  bei  Bennigsen  durch  H.  Stille3  nachgeprüft, 
wobei  Stille  zu  wesentlich  anderen  Schlußfolgerungen  kam,  indem 


1 W.  Wunstorf,  Transgressionen  1.  c.  p.  275. 

3 W.  Wunstorf,  Transgressionen  1.  c.  p.  276. 

3 H Stille,  Über  Strandverschiebungen  im  hannoverschen  Oberen 
Jura.  Monatsber.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  No.  12.  1905.  p.  515  ff. 


440 


Fr.  Schöndorf,  Ueher  positive  Strandverschiehungen 


er  nämlich  die  über  dem  Korallenoolith  liegenden  Geröllschichten, 
für  welche  er  einen  neuen  Namen,  „Völkser  Konglomerat“, 
einführte,  nicht  mit  Wunstorf  für  älter  als  Portland,  sondern  als 
„Abrasionskonglomerat  an  der  Basis  des  transgre- 
dierenden  Serpulit“  ansah.  Diese  abweichende  Deutung  be- 
gründet Stille  damit,  daß  die  Corlnda  und  Modiola  führenden 
Kalke  im  Hangenden  des  Konglomerates  nicht  nur  große  petro- 
graphische  Ähnlichkeit  mit  manchen  Serpulitkalken  zeigen,  sondern 
wie  diese  auch  schon  Serpeln  enthalten  neben  Modiola  und  Corlnda , 
die  ebenfalls  nach  Struckmann  1 auch  im  Serpulit  vorhanden  seien. 
Für  diese  Deutung  macht  Stille  ferner  geltend,  daß  die  eben 
erwähnten  Kalke  ebenso  wie  der  hangende  Serpulit  teilweise 
konglomeratiscli  ausgebildet  sind,  was  im  Verein  mit  anderorts 
in  Nordwestdeutschland  gemachten  Beobachtungen  über  Serpulit- 
vorkommen  eine  andere  Deutung  der  Geröllschichten  bei  Volksen 
außerordentlich  unwahrscheinlich  macht.  In  seinem  Schlußwort  zu 
dem  eben  erwähnten  Aufsatz  faßt  er  die  stratigraphischen  Momente 
dahin  zusammen,  daß  das  Völkser  Konglomerat  jünger 
sei  als  die  in  ihm  aufgearbeiteten  Schichten  des 
Korallenoolith  und  Kimmeridge,  daß  es  durch  seine 
petrographische  Verknüpf  ung  und  aus  anderen  Grün- 
den als  das  Basalkonglomerat  des  konglomeratisclien 
und  trän  sgr  edier  enden  Serpulit  aufzufassen  sei.  Dar- 
nach fehlten  bei  Volksen  im  Weißen  Jura  „außer 
einem  Teile  des  Oberen  Korallenoolith  der  Kimme- 
ridge, die  Grigras-Schicliten,  Eimb  e ckhäuser  Platten- 
kalk e und  Münder  Mergel  und  die  Angaben  älterer 
Autoren  über  das  Vorkommen  dieser  Schichten  seien 
nicht  aufrecht  zu  erhalten“. 

Diese  Ansicht  hat  H.  Stille  auch  in  seinen  späteren  Arbeiten 1  2, 
die  ähnliche  Probleme  berühren,  beibehalten. 

Auf  Grund  neuerer,  seit  einigen  Jahren  unternommener  Unter- 
suchungen über  die  Stratigraphie  des  Oberjura  in  der  näheren 
Umgebung  von  Hannover  ist  Verf.  hinsichtlich  der  Deutung  und 
Abgrenzung  mancher  Weißjurahorizonte,  die  in  der  Hauptsache  auf 
der  älteren  Gliederung  von  K.  von  Seebach  und  den  Detailprofilen 
von  C.  Struckmann  basierten,  zu  wesentlich  anderer  Auffassung, 

1 C.  Strockmann,  Geognostische  Studien  am  östlichen  Deister.  27.  und 
28.  Jaluesber.  d.  Naturh.  Ges.  zu  Hannover,  p.  63;  — , Über  den  Serpulit  (Pur- 
beckkalk) von  Volksen  am  Deister  usw.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  21. 
1879.  p.  232. 

2 H.  Stille,  Exkursion  in  den  südöstlichen  Deister  am  5.  Juli  1908. 
1.  Jahresber.'  d.  Niedersächs.  geol.  Ver.  zu  Hannover.  1908.  p.  19.  — Der 
geologische  Bau  des  Weserherglandes  und  des  Teutoburger  Waldes.  1909. 
in:  0.  Beissert,  Das  Weserbergland  und  der  Teutoburger  Wald.  — Das 
Alter  der  deutschen  Mittelgebirge.  Dies.  Centralbl.  1909. 


im  Oberen  Jura  des  südöstlichen  Deisters. 


441 


namentlich  letzterem  gegenüber,  gekommen.  Zum  Teil  ist  darüber 
schon  an  anderer  Stelle 1 berichtet  worden.  Mit  dieser  neueren 
Auffassung,  die  fast  ausschließlich  auf  faunistische  Studien  gegründet 
war,  sind  nun  aber  die  mehrfach  schon  beschriebenen  Weißjura- 
profile des  Deisters  in  ihrer  bisherigen  Horizontierung  nicht  mehr 
in  Einklang  zu  bringen.  Insbesondere  erfahren  dadurch  die  eigen- 
artigen Geröllschichten  eine  andere  stratigraphische  Orientierung, 
wobei  sich  zugleich  das  überraschende  Resultat  ergab,  daß  diese 
in  ihrer  zuvor  schon  kurz  geschilderten  Beschaffen- 
heit im  Oberjura  Norddeutschlands  einzigartig  da- 
stehenden Bildungen  als  „Völkser  Konglomerat"  nicht 
nur  auf  die  Gegend  von  Volksen  beschränkt  sind, 
sondern  eine  weit  größere  Verbreitung  besitzen,  daß 
sie  auch  in  den  übrigen  Weiß juraprofilen  des  süd- 
östlichen Deisters  wiederkehren  und  daß  sie  auch 
fast  in  gleicher  Ausbildung  und  Mächtigkeit  selbst 
in  den  so  oft  beschriebenen  und  für  die  Gliederung 
klassisch  gewordenen  Weißjuraprofilen  nahe  Han- 
nover n ächz  uw  eisen  sind.  An  all  diesen  Lokalitäten  sind 
diese  Geröllschichten  in  ihrer  wahren  Natur  bisher  nicht  erkannt  und 
demzufolge  hinsichtlich  ihres  stratigraphischen  Alters  unrichtig 
gedeutet  worden2. 

Die  stratigraphische  Abgrenzung  der  Weißjuraschichten,  ins- 
besondere der  jüngeren  Horizonte,  ist  nicht  ganz  leicht,  einmal, 
weil  diese  vielfach  keine  bezeichnenden  „Leitfossilien“  enthalten, 
sodann  aber,  weil  ein  starker  fazieller  Wechsel  Verschiedenheiten 
nicht  nur  in  der  faunistischen,  sondern  auch  petrographischen  Be- 
schaffenheit bedingt,  so  daß  es  selbst  an  nahe  beieinander  gelegenen 
Lokalitäten  nicht  immer  möglich  ist,  das  gleiche  Niveau  ohne 
weiteres  mit  Sicherheit  wieder  zu  erkennen.  Hierdurch  erklärt 
sich  aucli  die  mitunter  mangelhafte  Übereinstimmung  der  zu  ver- 
schiedener Zeit  und  von  verschiedenen  Autoren  von  der  gleichen 
Stelle  beschriebenen  Proüle , die  vielfach  nicht  auf  fehlerhafter 
Beobachtung,  sondern  auf  rasch  wechselnden  Faziesverschieden- 
heiten bei  fortschreitendem  Abbau  beruht. 


1 Fr.  Schöndorf,  Das  Profil  des  Oberen  Jura  am  Bahnhof  Linden- 
Fischerhof  bei  Hannover.  2.  Jahresber.  d.  Niedersäcbs.  geol.  Ver.  Han- 
nover 1909.  — Die  Stratigraphie  und  Tektonik  der  Asphaltvorkommen  von 
Hannover.  Ebenda.  4.  Jahresber.  Hannover  1911.  — Das  Vorkommen  und 
die  stratigraphische  Stellung  der  „Aumerahs-Schichten“  im  nordwest- 
deutschen Weißen  Jura.  Ebenda.  5.  Jahresber.  Hannover  1912/13. 

2 Es  ist  sehr  wahrscheinlich,  daß  auch  das  von  H.  Stille  vom  Teuto- 
burger Wald  beschriebene  Bielefelder  Serpulitkonglomerat  hierhergehörf. 
Die  stratigraphischen  Untersuchungen  darüber  sind  noch  nicht  abgeschlossen 
so  daß  sich  zurzeit  über  seine  genauere  Horizontierung  noch  nichts  Be- 
stimmtes aussagen  läßt. 


442 


Fr.  Schöndorf.  Ueber  positive  Strandverschiebungen 


Der  Vergleich  mit  ausländischen,  besser  aufgeschlossenen  Weiß- 
juraprofilen wird  ferner  dadurch  erheblich  erschwert,  daß  die  Faunen 
nicht  immer  ganz  einwandfrei  festgestellt  sind,  daß  es  bei  vielen 
„ leitenden “ Arten  nicht  einmal  feststeht,  was  Grundform,  was  zeit- 
lich veränderte  Abart  (Mutation)  ist,  so  daß  wohl  gelegentlich  nach 
dem  Vorkommen  solcher  .Leitformen"  mit  dem  gleichen  Namen 
zwei  verschiedene  Horizonte  bezeichnet  werden. 

Die  im  folgenden  gebrauchten  Niveaubezeichnungen  beziehen 
sich  deshalb  nur  auf  die  zurzeit  im  nordwestdeutschen  Oberjura 
üblichen  Abgrenzungen,  sie  dürfen  lediglich  ihres  Namens  wegen 
nicht  auf  andere  Lokalitäten  übertragen  werden. 

Für  die  Beobachtung  der  in  Bede  stehenden  Weißjuraschichten 
am  südöstlichen  Deister  eiguen  sich  vor  allem  die  zahlreichen,  teil- 
weise heute  noch  in  Abbau  stehenden  Steinbrüche  nahe  dem  Dorfe 
Volksen , Station  Eldagsen  der  von  Hannover  nach  Altenbeken 
führenden  Bahn,  sowie  die  Steinbrüche  am  Eversberg  bei  Spriuge 
und  der  Einschnitt  der  von  der  Stadt  Springe  nach  der  Försterei 
Köllnischfeld  führenden  Straße  am  Samkekopf.  An  letzterer  Lokalität 
bietet  sich  das  vollständigste  Weißjuraprofil , da  in  diesem  Ein- 
schnitt selbst  oder  in  seiner  unmittelbaren  Nachbarschaft  fast  sämt- 
liche Weißjurahorizonte  von  den  Heersumer-Schichten  an  bis  hinauf 
zum  Serpulit  zum  Teil  mit  .Leitfossilien"  in  nahezu  ungestörter 
Lagerung  zu  beobachteu  sind.  Dieses  Weißjuraprofil  am  Samke- 
weg  bei  Springe  mag  deshalb  den  übrigen  nur  lückenhaften  Profilen 
des  südlichen  Deisterendes  als  Hanptprotil  zngruude  gelegt  werden. 

Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  eine  eingehende  Beschreibung  dieses 
im  ganzen  oder  iu  einzelnen  Teilen  schon  mehrfach  1 veröffentlichten 
Profiles  zu  geben,  das  wird  mit  anderen  Weißjuraprofileu  zusammen 
in  einer  ausführlichen  Veröffentlichung  in  dem  Jahresbericht  des 
Niedersächsischen  Geologischen  Vereins  zu  Hannover  geschehen2. 
Es  genügt  hier,  die  allgemeine  Schichtfolge  zu  notieren,  soweit  sie 
für  eine  stratigraphische  Orientierung  von  Bedeutung  ist. 

In  dem  gegenüberstehenden  Profile  sind  die  Schichten  No.  1 — 3 
Heersumer-Schichten,  Korallenoolith  und  Kimmeridge,  und  No.  6 
und  7 Münder  Mergel  und  Serpulit,  ihrer  Fauna3  und  ihrer  strati- 


1 C.  Strdckmanx.  Geognostische  Studien  am  östlichen  Deister.  27.  und 
28.  Jahresber.  d.  Naturhist.  Ges.  zu  Hannover.  1878.  p.  53  ff.  — Geognostische 
Studien  am  Deister.  II.  Ebenda.  29.  und  30.  Jahresber.  1880.  p.  60  ff.  — 
H.  Stille.  Über  Strandverschiebungen  1.  c.  1905.  p.  525.  — M.  Nahxsex, 
Über  die  Gesteine  des  norddeutschen  Korallenooliths  usw.  Inaug.-Diss. 
Göttingen.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Stuttgart  1913.  p.  330. 

! Dort  wird  auch  die  gegenteilige  Deutung  des  Profiles  durch 
C.  Struckmann  ihre  Berichtigung  erfahren. 

3 Vergl.  die  ausführlichen  Fossillisten,  die  von  C.  Struckmann, 
Geognost.  Studien  am  östlichen  Deister  (1.  c.)  und  für  den  Serpulit  in  der 
Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  31.  1879  mitgeteilt  wurden. 


im  Oberen  Jura  des  südöstlichen  Deisters. 


443 


Die  Schichtfolge  des  Weißen  Jura  am  Samkeweg  bei  Springe 

am  Deister. 

Hangendes : W e a 1 d e n. 

7.  Serpulit.  10 — 15  m.  Braune,  plattige,  an  Serpula  coacervata  Blmb. 
reiche  Serpelkalke  und  graublaue,  z.  T.  schalige  Kalksteine  mit 
dunklen  Schiefertonen  wechselnd. 

6.  Münder  Mergel,  ca.  15  m.  Zu  unterst  ockergelbe,  darüber 
dunkle,  blauschwarze,  violette  und  grüne  Mergel  mit  eingelagerten 
festeren  Bänken  eisenschüssiger,  rauher,  teilweise  zelliger  Dolo- 
mite. Zu  oberst  liegen  mächtige,  intensiv  rote  und  grüne  Mergel. 

5.  Eimbeckhäuser  Plattenkalke.  8 — 9m.  Graue  und  gelbe, 
dünnplattig  zerfallende,  bankige  Mergel  und  ">  Mergelkalke  mit 
dunklen  dünnblätterigen  Schiefertonen  wechselnd.  An  der  Basis 
liegen  ockergelbe  dolomitische  Mergel.  Kalke  mit  Modiola  litlio- 
domus  Dkr.  u.  K.  und  Corbula  inflexa  Roem. 

4.  Gigas-  Schi  eilten,  ca.  6 m.  Feste,  dickbankige,  bräunliche, 
oolithische  oder  dichte  Kalke,  lagenweise  erfüllt  von  Schalenresten 
und  dadurch  oft  porös  werdend.  Auf  den  Schichtflächen  des 
hangenden,  zu  plattiger  Absonderung  neigenden  Kalkes  zahlreiche 
Modiola  lithodomus  Dkr.  u.  K.,  Corbula  inflexa  Roem.,  zahlreiche 
andere  Zweischaler  und  kleine  Gastropoden.  Außerdem  häufig 
Pyknodontenzähne  und  namentlich  kleine  Austern.  Mit  den 
Kalken  wechseln  mürbere  Schichten,  grüne  Mergel  mit  Kalk- 
geröllen  in  mehreren  Lagen.  Letztere  vielfach  eng  verknüpft 
mit  dichten  bankigen  Kalken.  Zu  unterst  und  zu  oberst  liegt 
je  eine  etwa  1,50  m mächtige  Schicht  dickbankiger  sehr  fester 
Kalke  mit  Schalenresten  und  Ostrea  multiformis  Dkr.  u.  K. 

3.  Kimmeridge1.  12  — 15  m.  Abwechselnd  mürbere  groboolithische 
oder  dichte  Mergel  mit  festeren,  unregelmäßig  gebankten,  knollig 
zerfallenden,  graublauen  Kalken  mit  zahlreichen  Steinkernen  von 
Cyprina  Brongniarti  Roem.  sp.,  Cypr.  nuculaejormis  Roem.  sp., 
Thracia  incerta  Roem.  sp.,  Pholadomya  multicostata  Ag.,  Mactro- 
mya  rugosa  Roem.,  Isocardia  striata  d’Orb.  u.  a.,  sowie  Schalen- 
exemplaren von  Echmobrissus  Baueri  Dames,  Terebratula  sub- 
sella  Leym.,  Exogyra  virgida  Defr.,  Ostrea  multiformis  Dkr.  u.  K., 
Trigonia  alifera  Contj.  u.  a.  Zu  unterst  Mergel  mit  Natica 
globosa  Rmr.,  Chemnitzia  abbreviata  Rmr.  und  Terebratula 
humeralis  Roem. 

2.  Kor  allenoolith.  ca.  20  m.  Grob- und feinoolithische,  feste  Kalke  mit 
Cidaris  florigemma  Phill  , Eehinobrissus  scutatus  Lam.,  Beeten 
subfibrosus  d’Orb.,  Gervillia  avicidoides  Sow.sp.  und  vielen  anderen. 

1.  Heersumer-Schichten.  4 — 6 m.  Gelbe  und  braune,  innen 
dunkel  geflammte,  rauhe  Dolomite  und  Kalke  mit  Cardioceras 
cordatum  Sow.  sp.,  Beeten  subfibrosus  d’Orb.  u.  a. 

1 Eine  Gliederung  des  Kimmeridge  ist  hier  mit  Absicht  unterlassen, 
um  das  Profil  nicht  zu  komplizieren.  Vergl.  weiter  unten. 


444 


Fr.  Schöndorf,  Ueber  positive  Strandverschiebungen 


graphischen  Lage  nach  in  ihrem  geologischen  Alter  unzweifelhaft 
bestimmt.  Die  Schichten  No.  4 und  5,  Gü?as-Schichten  und  Eim- 
beckhäuser  Plattenkalke,  werden  hinsichtlich  ihres  geologischen 
Alters  bestimmt  durch  ihr  Auftreten  im  unmittelbaren  Liegenden 
der  Münder  Mergel,  in  welche  die  hangenden  Partien  ohne  jede 
scharfe  Grenze  petrographisch  allmählich  übergehen. 

Die  G-ii^as- Schichten  (No.  4)  werden  trotz  des  Fehlens  von 
Ammoniten  als  solche  gedeutet,  einmal  wegen  ihrer  petrographischen 
Übereinstimmung  mit  anderen  typischen  Vorkommen  dieses  Niveaus, 
ferner  wegen  des  Auftretens  der  für  diesen  Horizont  charakte- 
ristischen kleinen  Gastropoden  und  schließlich  auf  Grund  ver- 
gleichender Studien  mit  ähnlichen  Schichten  bei  Hannover,  wo  die 
leitenden  Cephalopoden  vom  Verf.  früher  bereits 1 aufgefunden 
wurden.  Die  Trennung  der  Gipas-Schichten  und  Eimbeckhäuser 
Plattenkalke  ist  recht  mißlich  und  teilweise  vollkommen  willkür- 
lich, indem  lediglich  die  oberen,  dünnplattigen  Kalke  der  Gigas- 
Schichten  als  „Plattenkalke“  abgetrennt  werden,  was  mitunter  zu 
argen  Verwechslungen  geführt  hat 2.  Im  vorstehenden  Profile  ist 
diese  Abtrennung  vorläufig  noch  beibehalten,  obwohl  es  richtiger 
wäre,  die  hier  abgeschiedenen  „Plattenkalke“  nicht 
als  besonderen  Horizont,  sondern  als  plattige  Fazies 
der  G ig  as-  S cli  i ch  ten  aufzufassen. 

Die  Gü/as-Schichten  (No.  4)  sind  auffallenderweise  konglo- 
meratisch  ausgebildet , den  geschichteten  Kalken  sind  mehrere 
Geröllagen  eingeschaltet,  und  vielfach  bestehen  auch  die  Kalke 
aus  fest  verkitteten  Gerollen.  Die  Gerolle,  meist  in  griine  Mergel 
eingebettet,  sind  hier  nur  klein,  selten  über  4 — 5 cm  groß,  und 
gering  mächtig,  weiter  nach  Osten  aber  werden  sie  größer,  erreichen 
bis  1 m Durchmesser  und  schwellen  zu  mächtigen  Konglomeraten, 
dem  schon  erwähnten  Völkser  Konglomerat,  an.  Das  Völkser 
Konglomerat  gehört  demnach  nicht  dem  Serpulit, 
sondern  den  Gigas-  S c h i c h t e n an. 

Schon  die  petrographische  Ausbildung  und  die  dadurch  bedingte 
Entwicklung  des  Landschaftsreliefs  läßt  die  einzelnen  Schichten  im 
Fortstreichen  auch  im  bewaldeten  Gelände  sicher  verfolgen,  selbst 
dann,  wenn  die  an  und  für  sich  schon  kümmerlichen  Fossilien  voll- 
kommen fehlen. 

Sieht  man  von  Einzelheiten  ab,  so  läßt  sich  für  den  Vergleich 
mit  den  anderen  Lückenprofilen  am  östlichen  Deister  die  Schicht- 
folge folgendermaßen  schematisch  vereinfachen : 

1 Fr.  Schöndorf,  Asphaltvorkommen  bei  Hannover,  1.  c.  p.  114. 

2 So  hat  C.  Struckmann  z.  B.  die  Klippen  bildenden  Gigas- Kalke,  die 
er  im  Samkeprofil  richtig  erkannte,  im  Fortstreichen  im  Walde  als  Eim- 
beckhäuser Plattenkalke  beschrieben,  deren  Fauna  daher  ganz  einzigartig 
dasteht,  was  schon  Koert,  Geol.  u.  paläontolog.  Unters,  der  Grenzschichten 
zwischen  Jura  und  Kreide  auf  der  Süd  Westseite  des  Selter,  Göttingen  1898. 
p.  49,  auffiel,  ohne  daß  er  sich  dies  erklären  konnte. 


im  Oberen  Jura  des  südöstlichen  Deisters. 


445 


Profilsehema  am  südöstlichen  Deister 
nach  den  Aufschlüssen  am  Samkeweg  bei  Springe  und  Beobachtungen  im 
anstoßenden  Gelände. 

Hangendes:  Wealden,  mit  hohem  Steilanstieg  des  liegenden  Deister- 
sandsteins. Wealdsandstein,  Kohlenflöze  und  dunkle  dünn- 
blättrige Wealdschiefer. 

7.  S e r p u 1 i t.  Feste  plattige  Serpelkalke,  mächtige  graublaue,  dichte 
oder  oolithische  Kalke  und  blaue  Schiefertone.  Die  Kalke 
bilden  deutliche  Terrainkanten. 

6.  Münder  Mergel.  Zu  unterst  ockergelbe,  darüber  dünnschiefrige, 
schwarzblaue  und  bröckelige,  grüne  und  rote  Mergel  mit 
dünnen  eingelagerten  festeren  Bänken.  Im  Gelände  meist 
feuchte  Niederungen  erfüllend. 

5.  Eimbeckhäuser  Plattenkalke.  Dünnplattige,  graue  und 
fahlgelbe  Kalke,  gelbe  verfestigte  Mergel  und  dünnschiefrige 
blaue  Mergel.  Die  Kalkplatten  bedeckt  von  Modiola  litho- 
domus  Dkr.  u.  K.  und  Corbula  inflexa  Boem.  Im  Gelände 
teils  mit  dem  Hangenden,  teils  mit  dem  Liegenden  ver- 
S schmelzend. 

^ 4.  Gigas-Schichten.  Feste  dickbankige,  oft  plattige,  braune  Kalke, 

meist  oolithisch  mit  spärlichen  Versteinerungen.  Einige  dichte 
Lagen  ganz  erfüllt  von  Ostrea  multiformis  Dkr.  u.  K.  Schicht- 
flächen der  oolithischen  Kalke  bedeckt  mit  Modiola  lithodomus 
Dkr.  u.  K.  und  Corbula  inflexa  Roem.  Im  Hangenden  und 
Liegenden  1,50—2,00  m mächtige,  sehr  feste,  bankige  Kalke 
mit  Schalenresten.  Dazwischen  mehrere  mürbere  Partien 
graugrünlicher  Mergel  mit  Gerollen.  Die  festen  Kalkbänke 
bilden  im  Gelände  hervorragende  Klippen,  auf  deren  Schicht- 
köpfen zahlreiche  kleine  Austern  umherliegen. 

O 3.  Kimmeridge1.  Wulstige,  blaue,  dichte  und  groboolithische  Kalke 
mit  Mergeln  wechsellagernd.  Die  Kalke  bilden  im  Gelände 
flache  Kuppen  und  liefern  zahlreiche  Terebratula  subsella 
Leym.  Daneben  die  bekannten  Kimmeridge-Steinkerne.  Die 
Mergel  erfüllen  flache  Senken. 

2.  Korallenoolith.  Sehr  feste  und  mächtige,  grobgebankte, 
oolithische  Kalke,  stellenweise  mit  zahlreichen  Stacheln  von 
Cidaris  florigemma  Phill.,  Pecten  subflbrosus  d’Orb.  usw. 
Überall  einen  hohen  scharfen  Steilhang  erzeugend. 

1.  Heersumer-Schichten.  Hellbraune,  dunkelgeflammte,  rauhe, 
sandige  Dolomite  mit  Cardioceras  cordatum  Sow.  Schlecht 
aufgeschlossen,  an  der  Basis  des  von  Korallenoolith  gebildeten 
Steilhanges  liegend. 

Liegendes : Dogger.  Dunkle  weiche  Schiefertone  im  flachen  Gelände. 

1 Eine  Gliederung  des  Kimmeridge  ist  hier  aus  Zweckmäßigkeits- 
gründen nicht  vorgenommen. 


446 


Fr.  Schöndorf,  Ueber  positive  Strandverschiebungen 


Das  vorstehende  Profilschema,  das  trotz  dieser  knappen 
Fassung  für  die  meisten  Spezialprofile  des  Weißen  Jura  am  öst- 
lichen Deisterende  anwendbar  ist,  zeigt  einmal  eine  voll- 
ständige Ausbildung  aller  größeren,  bisher  unter- 
schiedenen Weißjurastufen,  mit  alleiniger  Ausnahme  der 
lokal  beschränkten  Süßwasserfazies  des  obersten  Purbeck,  ein 
Zeichen,  daß  diese  sämtlichen  Jurastufen  im  Bereiche 
des  Deisters  abgelagert  wurden,  zweitens  eine  deut- 
liche konglomeratische  Fazies  der  Gigas- Schic hten, 
und  drittens  eine  vollkommen  normale  Auflagerung 
des  Serpulits  über  typischen  Münder  Mergeln.  Die 
teilweise  etwas  reduzierte  Mächtigkeit  der  letzteren  ist  an  dieser 
Stelle  nicht  auf  ein  Übergreifen  des  Serpulit,  sondern  auf  streichende 
Störungen  nachweislich  zurückzuführen. 

Die  zahlreichen  in  der  allernächsten  Umgebung  von  Volksen 
gelegenen  Steinbrüche  zeigen  fast  alle,  von  kleinen  speziellen  Ab- 
weichungen namentlich  in  der  Mächtigkeit  und  durch  Verwerfungen 
bedingten  Störungen  abgesehen,  übereinstimmend  das  gleiche  Profil, 
soweit  die  Weißjuraschichten  eben  lokal  aufgeschlossen  sind. 

Generelles  Weißjuraprofil  der  Umgegend  von  Völksen, 
in  etwa  20  Steinbrüchen  mehr  oder  minder  vollständig  aufgeschlossen. 
Hangendes:  Plattige,  braune,  serpelreiche,  feste  Kalke.  Serpulit. 

3—5  m.  Grüne,  blaue  und  gelbe,  seltener  rote,  meist  gut  geschichtete 
Mergel.  Ihnen  eingelagert  einige  dünnere  ockergelbe, 
stark  eisenschüssige  oder  dolomitische  Bänke.  Münder 
Mergel. 

2—3  m.  Dickbankige  nach  oben  oft  plattige  und  dann  fossilreiche 
(. Modiold  lithodomus  Dkr.  u.  K.,  Corbula  inflexa  Rof.m.), 
feste  Kalke  mit  zahlreichen  Austernschalen.  Vielfach 
konglomeratisch.  Darüber  zuweilen  noch  ockergelbe, 
plattige  Mergelkalke.  Portland1. 

ca.  3 m.  Stark  abgerollte  Kalkgerölle  eingebettet  in  grüne  Mergel. 
Völkser  Konglomerat. 

Liegendes:  Feste,  stark  zerklüftete,  graublaue  oolithische  Kalke  mit 
Cidaris  florigemma  Phill.,  Echinobrissus  scutatus  Lah., 
Pecten  subfibrosus  d’Orb.  Korallenoolith. 

Die  Übereinstimmung  dieses  Völkser  Profiles  mit  dem  ver- 
einfachten Samkeprofil.  (p.  445)  ist  ganz  offensichtlich.  Aus  dem 
vorstehenden  Profile,  das,  wie  bereits  gesagt  wurde,  mit  kleinen 
Abweichungen  für  sämtliche  Weißjura-Aufschliisse  nahe  Völksen, 
die  die  in  Rede  stehenden  Schichten  aufschließen,  gültig  ist,  ergeben 
sich  folgende  Schlußfolgerungen : 

1 Es  ist  hier  mit  Absicht  unterlassen,  die  Gliederung  des  Portland 
in  Giyas-Schichten  und  Eimbeckhäuser  Plattenkalke  durchzuführen,  da 
eine  Trennung  beider  vielfach  nicht  möglich  ist.  Vergl.  vorher. 


im  Oberen  Jura  des  südöstlichen  Deisters. 


447 


1.  Der  Serpulit  in  Form  typischer  Serpelkalke 
liegt  überall  über  mürben,  grünen,  blauen,  gelben 
oder  roten  Mergeln  mit  zwischengelagerten  festeren 
Bänken,  die  ihrer  Beschaffenheit  und  Lage  nach 
genau  übereinstimmen  mit  den  im  Hauptprofile  des 
Weißjura  am  Samkeweg  bei  Springe  (p.  443)  als  Mün- 
der Mergel  beschriebenen  Schichten.  Der  Serpulit 
liegt  also  bei  Volksen  normal  über  Münder  Mergel. 

2.  Transgressionskonglomerate  an  der  Basis  des 
Serpulit  sind  nirgends  zu  beobachten. 

3.  Die  in  fast  allen  Aufschlüssen  auffallend  her- 
vortretende, 2 — 3 m mächtige  Geröllbank,  das  sog. 
Völkser  Konglomerat,  ist  durch  eingelagerte  dichte 
Kalke  und  das  Auftreten  ähnlicher  Geröllagen  im 
Hangenden  eng  verknüpft  mit  den  hangenden  Port- 
landkalken. Diese  durch  ihre  Gesteinsbeschaffen- 
heit und  Fossilführung  hinrei  chend  charakterisierten 
Kalke  stimmen  überein  mit  den  vom  Samkeweg  als 
Gigas- Schichten  (p.  443  No.  4)  beschriebenen  Kalken. 
Sie  liegen  stets  im  Liegenden  der  Münder  Mergel. 
Das  Völkser  Konglomerat  gehört  demnach  nicht  dem 
Serpulit,  sondern  den  Gig as-Schic hten  an. 

4.  Eine  Gliederung  des  Portland  in  Giyas-Schichten 
und  Eimbeckhäuser  Plattenkalke,  wie  sie  im  Haupt- 
profil am  Samkeweg  noch  einigermaßen  durchführbar 
war,  ist  bei  Volksen  nicht  gut  möglich.  Die  dort 
vorhandenen,  teilweise  konglomeratischen,  festen 
Kalke  im  Liegenden  der  Münder  Mergel  entsprechen 
ihrer  petrograpliischen  und  sonstigen  Beschaffen- 
heit nach  weit  eher  den  als  Giyas-Schichten  gedeu- 
teten Kalken  (No.  4)  des  Hauptprofils,  als  den  Platten- 
kalken. Die  sog.  Eimbeckhäuser  Plattenkalke  sind 
faziell  von  den  Giy  as-Schic  hten  nicht  zu  trennen 
und  scheinen  hier  in  unmittelbarer  Strandnähe  voll- 
kommen auszukeilen. 

5.  Zwischen  dem  den  Giyas-Schichten  angehören- 
den Völkser  Konglomerate  und  seinem  Liegenden, 
dem  Korallenoolith,  klafft  eine  größere  Lücke,  indem 
Kim  me  ridgebild  ungen1  bei  Volksen  fast  vollkommen 

1 Der  Ansicht  von  H.  Stji.le,  daß  bei  Volksen  Kimmeridgebildungen 
im  Liegenden  des  als  Serpulit  gedeuteten  Völkser  Konglomerates  voll- 
kommen fehlen,  vermag  ich  nicht  beizustimmen.  An  mehreren  Stellen  finden 
sich  petrographisch  und  faunistisch  sehr  wohl  als  Kimmeridge  zu  identi- 
fizierende Kalke  und  Mergel  über  typischem  fossilführendem  Korallenoolith 
im  Liegenden  der  Konglomerate.  Näheres  siehe  in  der  oben  angekündigten 
Spezialarbeit. 


448 


Miscellanea.  — Personalia. 


feil  len.  Sie  und  ein  Teil  desKorallenoolitli  sind  als 
Gerolle  im  Volkse r Konglomerat  aufgearbeitet.  Das 
Volkse r Konglomerat  ist  demnach  als  Basalkonglo- 
merat der  über  ältere  Weißju  raschic  liten  trans- 
gr ediere n den  Gigas-Sc liicliten  aufzu fassen. 

Die  für  eine  Transgression  des  Serpulit  mehrfach  ins  Feld 
geführte  auffallend  geringe  Mächtigkeit  der  Münder  Mergel  bei 
Volksen  und  am  Samkeweg  ist  an  letzterer  Lokalität  nicht  durch 
ein  Übergreifen  des  hangenden  Serpulit  verursacht,  sondern  auf 
streichende  und  schwach  spießeckige  Verwerfungen  innerhalb  der 
Münder  Mergel  zurückzuführen , die  sich  im  bergigen  Gelände 
nördlich  und  östlich  des  Wegeinschnittes  sehr  gut  über  Tage  nacli- 
weisen  lassen  und  an  verschiedenen  Stellen,  z.  B.  oberhalb  des 
Hirschkopfes,  zu  einer  deutlichen  Wiederholung  der  Serpelkalke 
innerhalb  der  roten  und  grünen  Münder  Mergel  und  einem  Abstoßen 
derselben  an  spießeckigen  Brüchen  führten.  Diese  streichenden 
Verwerfungen  sind  vom  Verf.  auch  weiter  nach  Osten  bis  zum 
Bielstein  und  darüber  hinaus  bis  jenseits  Volksen  verfolgt  worden, 
so  daß  sie  sicherlich  am  geologischen  Bau  des  südöstlichen  Deisters 
einen  viel  größeren  Anteil  nehmen  als  bisher  vermutet  wurde. 

Hannover,  den  15.  Mai  1913. 


Miscellanea. 

Die  geologische  Aufnahme  des  Duppauer  Gebirges  im 
nordwestlichen  Böhmen. 

Bereits  im  Jahre  1901  hat  die  „Gesellschaft  zur  Förderung 
deutscher  Wissenschaft,  Kunst  und  Literatur  in  Böhmen“  beschlossen, 
die  geologische  Aufnahme  des  Duppauer  Gebirges  in  gleicher  Weise 
wie  die  des  Böhmischen  Mittelgebirges  im  Maßstabe  1:25  000 
durchführen  zu  lassen.  Aus  verschiedenen  Gründen  konnte  der 
Beschluß  bis  jetzt  nicht  ausgeführt  werden.  Gegenwärtig  stehen 
der  Ausführung  keine  weiteren  Hindernisse  entgegen  und  Herr 
Dr.  F.  Seemann  wird  schon  im  heurigen  Sommer  mit  der  für 
mehrere  Jahre  berechneten  Arbeit  beginnen.  Das  aufzunehmende 
Gebiet  erstreckt  sich  von  Kaaden  im  Osten  bis  nach  Karlsbad  im 
Westen,  vom  Abbruch  des  Erzgebirges  südlich  bis  in  die  Breite 
von  Waltsch.  Es  ist  lebhaft  zu  begrüßen,  daß  die  genannte  Ge- 
sellschaft an  das  dem  Abschlüsse  nahe  gebrachte  Kartenwerk  des 
Böhmischen  Mittelgebirges  nun  ein  zweites  Werk  anreiht,  das  ein 
weiteres  großes  vulkanisches  Gebiet  in  Nordböhmen  umfassen  wird. 


Personalia. 

Verleihung.  Dem  Professor  der  Mineralogie  und  Geologie 
au  der  landwirtschaftlichen  Akademie  zu  Tetschen,  Dr.  J.  E.  Hibsch, 
ist  von  der  preußischen  Akademie  der  Wissenschaften  eine  Leibnitz- 
Medaille  verliehen  worden. 


0.  H.  Erdmannsdörffer,  Ue'ber  Koenenit  von  Sarstedt. 


449 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  Koenenit  von  Sarstedt. 

Von  0.  H.  Erdmannsdörffer. 

Mit  1 Textfigur. 

Von  Herrn  Bergingenieur  Lommatzsch  erhielt  das  hiesige 
mineralogisch-geologische  Institut  ein  Stück  grauen  Salztones  aus 
dem  Kaliwerk  Glückauf-Sarstedt,  in  dem  einzelne  Klüfte  ausgefüllt 
•sind  mit  einem  glasklaren,  spätigen  Anhydrit,  etwas  rotem 
‘Carnallit  und  kleinen  Partien  eines  Minerals,  das  sich  hei 
näherer  Untersuchung  als  Koenenit  herausstellte. 

Dieser  Ko  en  enit  unterscheidet  sich  von  dem  Vorkommen  in 
Justus-Volpriehausen , der  durch  Eisenglanz  intensiv  rot  gefärbt 
ist,  durch  seine  hellgelbe  Färbung;  die  mikroskopische  Untersuchung 
zeigt,  daß  ihm  keinerlei  Spuren  von  Eisenglanz  beigemengt  sind. 
In  seinen  sonstigen  Eigenschaften  gleicht  er  aber  durchaus  dem 
Mineral  von  dem  genannten  Fundpunkt. 

Kristallformen  fehlen ; das  Mineral  bildet  aneinander  liegende 
Täfelchen,  die  zu  rosettenartigen  Gruppen  zusammentreten  können. 
Es  besitzt  die  für  Koenenit  bezeichnende  äußerst  geringe  Härte, 
seine  lederartige  Biegsamkeit  und  glimmerartig  vollkommene  Spalt- 
barkeit nach  einer  Fläche.  Die  Spaltblättchen  lassen  im  konver- 
genten polarisierten  Licht  das  Interferenzbild  eines  einachsigen 
optisch  positiven  Körpers  zentral  austreten. 

Rinne  1 stellte  fest,  daß  der  Koenenit  durch  Wasser  zerlegt 
wird  und  zunächst  in  einen  optisch  negativen,  schwächer  doppel- 
brechenden „Metakoenenit“  übergeht,  der  durch  weitere  Be- 
handlung mit  Wasser,  Salmiaklösung  und  durch  Glühen,  unter 
Erhaltung  der  Kristallstruktur  bis  zur  Erreichung  einer  völligen 
Pseudomorpliose  von  Tonerde  nach  Koenenit  abgebaut  werden  kann. 

Den  optisch  negativen  Metakoenenit  erhält  man  sehr  rasch 
durch  Kochen  der  Blättchen  in  Wasser;  nach  etwa  10  Minuten 
sind  die  vorher  ganz  klaren  optisch  positiven  Blättchen  vom  Rande 
aus  getrübt  und  unter  Runzelung  etwas  aufgeblättert;  diese  trüben 
Teile  sind  optisch  negativ,  der  noch  klare  zentrale  Teil  bleibt 
optisch  positiv.  Zwischen  beiden  liegt  eine  ganz  schmale  Zone, 
die  im  konvergenten  Licht  keine  optische  Reaktion  gibt. 

Eigentümlich  ist  der  Umstand,  daß  die  so  gewonnene  negative 
Substanz  nach  etwa  einstiindigem  Liegen  bei  Zimmertemperatur  einen 
Rückschlag  in  den  ursprünglichen  optisch  positiven  Charakter  zeigt. 

1 Dies.  Centralbl.  1902.  p.  493. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


29 


450 


E.  Kittl, 


Ätz-  und  Schlagfiguren  konnte  icli  so  wenig  wie  seinerzeit 
Rinne  erhalten,  docli  zeigt  sich  beim  Kochen  der  Blättchen  eine 
Erscheinung,  die  geeignet  ist,  die  RiNNE’sche  Feststellung  der 
rhomboedrischen  Symmetrie  zu  bekräftigen. 


Man  beobachtet  nämlich  auf  den  Spaltblättchen  nach  dem 
Kochen  ein  System  von  scharfen,  geradlinigen  Rissen,  die,  beson- 
ders am  Rande  deutlich,  sich  auch  in  das  Innere  verfolgen  lassen 
und  die  sich  unter  120°  schneiden,  wie  dies  die  beifolgende  Figur 
in  lSfacher  Vergrößerung  zeigt. 

Es  dürfte  sich  hier  wohl  um  eine  Erscheinung  handeln,  die 
den  RiNNE’schen  und  CoRNü’schen  Kontraktionsrissen  1 und  -figuren  2 3 
bei  Behandlung  von  Zeolithen  mit  Salzsäure  ähnlich  ist. 

Hannover,  den  27.  Mai  1913. 


Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit. 

Von  Erwin  Kittl. 

Mit  1 Textfi^ur. 

Bei  Untersuchungen  mit  geschmolzenen  Silikaten  fiel  dem 
Verf.s,  ebenso  wie  es  früher  schon  von  C.  Doelter4  erwähnt 
wurde,  das  Verhalten  des  Bronzites  im  Schmelzfluß  auf,  der  von 
den  meisten  untersuchten  Mineralschmelzen  abweichende  Eigen- 
schaften zeigte.  C.  Doelter  stellte  eine  Übersicht  über  das 

1 Dies.  Centralbl.  1902.  p.  594. 

2 Tscherm.  Min.  n.  petr.  Mitt.  24  1905.  p.  199. 

3 E.  Kittl,  Zeitschi',  f.  anorg.  Chem.  77.  p.  335;  Zeitschr.  f.  anorg. 
Cliem.  80.  p.  79. 

4 Sitzungsber.  d.  k.  Akad.  d.  Wiss.  in  Wien.  Math.-nattmv.  Kl. 
CXIV.  1905.  p.  529.  (Die  Süikatschmelzen  III.) 


Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit. 


45  1 

Kristallisationsvermögen  von  einer  Anzahl  der  wichtigeren  gesteins- 
bildenden Mineralen  auf,  indem  er  in  kleinen  Platintiegeln  oder 
bei  eiseDreichen  Schmelzen  in  Magnesittiegeln  dieselben  Mengen 
von  Mineralen  in  gepulvertem  Zustand  erhitzte,  zum  Schmelzen 
brachte  und  dann  in  einer  bestimmten  Zeit  abkühlen  ließ.  Doelter 
wählte  drei  verschieden  dauernde  Abkühlungszeiten,  nämlich  eine 
von  einer  Minute,  eine  von  fünf  Minuten,  eine  von  drei  Stunden. 
Bei  der  Abkühlung  von  einer  Minute  waren  nur  wenige  Minerale 
kristallin  erstarrt,  bei  einer  solchen  von  fünf  Minuten  die  meisten 
schon  teilweise,  bei  der  längsten  Dauer  der  Abkühlung  nur  mehr 
sehr  wenige  in  glasigem  Zustande.  Der  Bronzit  von  Kraubat 
gehörte  zu  der  ersten  Gruppe.  Doelter  führte  ferner  bei  dem 
Experiment  mit  Bronzit  an,  daß  dieser  bei  einer  Abkühlungsdauer 
von  etwas  weniger  als  4 Minuten  im  Magnesittiegel  ein 
löcheriges  Schmelzprodukt  ergab,  das  die  große  Kristallisations- 
geschwindigkeit des  Bronzites  deutlich  zeigte.  Offenbar  bildeten 
sich  hier  Kristalle  von  bedeutender  Größe. 

Später1  wurde  die  lineare  Kristallisationsgeschwindigkeit  des 
Bronzites  vom  Kupferberg  bei  Bayreuth  zu  bestimmen  ver- 
sucht. Der  Schmelzpunkt  oder  besser  das  Schmelzintervall  wurde 
mit  1360 — 1410°  bestimmt,  obwohl  theoretisch  dasselbe  kleiner 
zu  erwarten  wäre,  die  Unterkühlungsfähigkeit  betrug  bloß  in  An- 
wesenheit der  eigenen  Schmelze  70°  unterhalb  des  Verflüssigungs- 
punktes , die  Kristallänge  wurde  nur  von  der  des  Diopsides 
iibertrolfen.  Bei  1330°  war  das  Maximum  der  linearen  Kristalli- 
sationsgeschwindigkeit. 

Ein  zum  Vergleich  mit  künstlichen  Silikaten  vorgenommenes 
Experiment  mit  demselben  Bronzit  zur  Untersuchung  des  Kristalli- 
sationsvermögens ergab  folgendes:  Das  Versuchsmaterial  (30  g), 
das  aus  ausgesuchten  reinen  Spaltblättchen  bestand,  wurde  fein 
gepulvert,  im  elektrischen  Kurzschlußofen  von  Ruhstratt  erhitzt. 
Als  Tiegel  wurde  einer  aus  Kohle  verwendet,  dessen  innerer 
Durchmesser  16  mm,  dessen  Länge  110  mm  betrug.  Ein  kleinerer 
Tiegel  wurde  hier  aus  dem  Grunde  benützt,  um  dieselben  Ver- 
hältnisse wie  bei  den  viel  voluminöseren  Carbonatgemischen,  bei 
welchen  die  Kieselsäure  erst  die  Kohlensäure  verdrängen  mußte, 
zu  schaffen.  Die  Abkühlungskurve,  die  dem  Temperaturabfall  der 
Schmelze  entspricht,  ist  an  a.  0.  ersichtlich : die  Dauer  der  Ab- 
kühlung ist  so  zu  verstehen,  daß  das  Schmelzprodukt  in  40  Minuten 
Zimmertemperatur  erreichte,  wobei  natürlich  die  Abkühlung  zuerst 
viel  schneller  vor  sich  geht  als  später.  Die  Manipulation  wurde 
in  der  Weise  vorgenommen , daß  die  Tiegel  nach  erfolgtem 
Schmelzen  in  ein  Sandbad  gebracht  wurden.  Hier  konnte  dann  die 
Abkühlungskurve  mit  einem  Thermoelement  aufgenommen  werden. 

1 E.  Kittl,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem.  77.  p.  235;  Zeitschr.  f.  anorg. 
Chem.  80.  p.  79. 


29* 


452 


E.  Kittl. 


Beim  Zusammenschmelzen  von  Carbonaten  mit  Kieselsäure 
verdrängt  diese  die  Kohlensäure  (C  O0)  und  die  letztere  entweicht 
zuweilen  mit  merklichem  Verpuffen.  Sobald  nun  die  Vertreibung 
der  Kohlensäure,  die  vielleicht  in  größerem  oder  kleinerem  Maße 
von  der  Silikatschmelze  absorbiert  werden  könnte  x,  beendet  ist, 
beginnt  mit  oder  in  der  Kegel  nach  dem  Eintritt  der  Diinnflüssig- 
keit  die  Schmelze  explosiven  Charakter  zu  bekommen,  wobei  sie 
teilweise  herausgeschleudert  wird  oder  zu  verdampfen  beginnt 
(Zinksilikate).  Die  Verdampfung  dürfte  wohl  immer  in  dissoziiertem 
Zustande  vor  sich  gehen. 

Das  Verhalten  von  vulkanischen  Gläsern,  die  Gase  absorbiert 
enthalten,  läßt  nach  A.  Brun  2 erkennen,  wie  die  Gase  bei 
Temperaturerhöhung  explosionsartig  entweichen,  sobald  der  Schmelz- 
punkt erreicht  ist.  Die  Charakteristik , die  Brun  für  die  soge- 
nannten „roches  actives“  gibt,  ist  gekennzeichnet  durch  ihre  unter 
Ausdehnung,  Aufkochen  und  Auseinanderfließen  eintretende  Dampf- 
bildung von  weißer  Farbe,  sobald  die  Schmelztemperatur  der 
Bestandteile,  besser  der  Grundmasse,  wenn  eine  solche  vorhanden, 
erreicht  ist.  Diese  Eigenschaften  gelten  nach  Brun  vornehmlich 
für  die  saure  Gruppe  der  Gesteine.  Die  „roches  mortes“  aber, 
wie  z.  B.  Granite,  kristalline  Schiefer,  alte  oxydierte  vulkanische 
Schlacken  geben  beim  Schmelzen  nur  eine  geringe  Menge  von 
Gasen  ab.  Dabei  fehlen  wesentliche  Ausdehnungserscheinungen. 

Eine  andere  Art  der  Entgasung  kann  jedoch  auch  stattfinden, 
wenn  ein  „nasser“  Schmelzfluß  erstarrt.  Die  freiwerdenden 
„Mineralisatoren“  bilden  durch  ihre  Fluor-,  Bor-,  Wolfram-  etc. 
Dämpfe  eine  Reihe  der  nachvulkanischen  Minerale  von  pneumato- 
lytischer Herkunft. 

Bei  den  mit  Carbonaten  künstlich  hergestellten  Silikaten  ist 
ein  explosives  Verhalten,  dessen  Ursache  das  plötzliche  Entweichen 
der  Kohlensäure  ist,  erklärlich.  Diese  Silikate  bilden  dann  ent- 
weder homogene  gleichmäßige  Massen  mit  w e n i g oder  gar 
keinen  Hohl  räumen.  Eine  weitere  Trennung  dieser  Gruppe 
muß  insoferne  noch  stattfinden,  als  ein  Teil  dieser  Silikate  glasig 
oder  kristallisiert  ist.  In  den  beobachteten  Fällen  finden  sich  nun 
nicht  nur  die  beiden  Phasen,  sondern  auch  Übergänge.  Die  zweite 
Gruppe  bilden  gewisse  dünnflüssige  Silikatschmelzen,  deren  Basen 
Eisen  oder  Mangan  enthalten.  Diese  zeigen  im  Innern  Hohlräume 
und  Drusen  und  sind  immer  kristallisiert. 

Was  nun  den  Bronzit  betrifft,  der  ein  natürlicher  war, 

1 Bekanntlich  absorbieren  flüssige  Metalle  (Ag,  Cu  etc.)  Gase,  vor- 
nehmlich Sauerstoff  und  Wasserstoff,  die  heim  Kristallisieren  frei  werden 
— wie  das  Spratzen  des  Silbers  z.  B.  zeigt  — oder  sie  können  auch 
wenigstens  teilweise  im  Metall  absorbiert  bleiben.  Diese  Gruppe  der 
Metalle  ist  die  gußfähige. 

2 A.  Brun,  Recherches  sur  l’exhalaison  volcanique.  Genf  1911. 


Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit. 


453 


also  nur  umgeschmolzen  zu  werden  brauchte,  so  zeigte  sich,  daß 
er  im  Gegensatz  zu  Olivinschmelzen  stets  löcherig  und  im  flüssigen 
Zustand  sehr  explosionsfähig  war.  Bei  dem  liier  angeführten 
Experiment  begann  das  Bronzitpulver,  sobald  es  die  Schmelz- 
temperatur überschritten  hatte,  zu  brodeln  und  Blasen  zu  werfen, 
worauf  bald  eine  Explosion  folgte,  durch  die  ein  kleiner  Teil  des 
geschmolzenen  Bronzites  mit  ziemlicher  Gewalt  aus  dem  Tiegel 
herausgeschleudert  wurde.  Der  Tiegel  wurde  nun  aus  dem  Ofen 
herausgenommen  und  in  das  Sandbad  gebracht.  Hier  erfolgte 
dann  in  der  beim  Herausnehmen  anscheinend  siedenden  Schmelze 
noch  eine  schwächere  Explosion,  die 
aus  dem  Innern  der  fließenden  Masse 
neues  Material  über  die  schon  im 
Kristallisieren  begriffene  Oberfläche 
der  Schmelze  hob.  (Fig.  1.)  Diese 
erste  Oberfläche  wirkte  als  Kristalli- 
sationsausgang, indem  von  ihr  aus 
strahlen-  und  fächerförmig  die  Kri- 
stalle wuchsen , welche  die  Wände 
einer  untersten  Schlotetage  bildeten. 

Bei  einer  weiter  folgenden,  schwä- 
cheren Explosion  wurde  abermals 
neues  Material  über  das  Niveau  dieser 
Etage  gebracht.  Dieser  zweite  Ab- 
satz ist  niedriger  als  der  erste,  denn 
er  mißt  nur  4 mm  Höhe,  während  Umgeschmolzener  Bronzit,  Schlot- 

der  erste  zirka  6 mm  Höhe  besitzt.  Öffnung  nach  oben.  (Nat.  Größe.) 
t , . . , Etagen  1 — 4 (e). 

In  ähnlicher  Weise  wie  das  erste 

Mal  wuchsen  die  Kristalle  wieder  von  Zentren,  die  in  dem  Niveau 
der  ersten  Etage  lagen.  Der  Durchmesser  der  schwach  elliptischen 
Etagen  beträgt  bei  der  ersten  ungefähr  10 — 14  mm,  bei  der 

zweiten  7 — 10  mm.  Bei  der  nun  folgenden  dritten  Explosion, 
die  wie  die  andern  mit  einem  Geräusch  einer  zerspringenden  Gas- 
blase hörbar  war,  erhob  sich  neues  Material  über  die  älteren 
Etagen.  Der  dritte  Absatz  ist  der  höchste  (5 — 6,5  mm).  Der 
Durchmesser  ist  gleich  dem  des  zweiten.  Schließlich  erfolgte  noch 
die  Bildung  einer  vierten  Etage  von  3 mm  Höhe  und  5 mm 
Durchmesser,  deren  Wände  gleichfalls  aus  regelmäßig  strahligen, 
fächerförmigen  Kristallen  bestanden.  Die  Zentren  dieses  Schlot- 
teiles lagen  wieder  im  Niveau  der  dritten  Etage.  Die  letzte  Bildung 
ließ  oben  eine  Schlotöffnung  von  3 mm  Durchmesser  frei,  wobei 
zu  bemerken  ist,  daß  diese  durch  die  ganze  Schmelze  hindurch- 
geht und  unregelmäßig  die  verschiedenen  Hohlräume  der  Schmelze 
verbindet.  Auffallend  ist  noch,  daß  die  WTände  der  Etagen  einen 
gezackten,  niederen  WTall  bilden,  der  sich  ein  wenig  über  die 
Basis  der  neuen  Etage  hebt. 


Fig.  1. 


454 


E.  Kittl. 


Die  Höhe  der  Schlotetag'en  ist  wohl  nicht  von  der  Kristalli- 
sationsgeschwindig'keit  des  Bronzites,  sondern  von  der  Menge  des 
gehobenen  Materials  abhängig.  Die  Möglichkeit  der  Bildung  eines  so 
steilen  Schlotes  ist  nur  durch  das  große  Kristallisationsvermögen 
des  Bronzites  gegeben , wodurch  die  gehobene  Masse  sofort  in 
den  kristallisierten  festen  Zustand  übergehen  konnte,  ohne  über  den 
Rand  hinaus-  oder  wiedei  zurückzufließen.  Die  Laugen  der 
Kristalle  hängen  mit  der  großen  Kristallisationsgeschwindigkeit 
insoferne  zusammen,  als  nur  dann,  wenn  diese  groß  ist,  überhaupt 
große  Kristalle  entstehen  können.  Die  Kristalle  wuchsen  auch 
in  der  Regel  ohne  neue  Zentren  zu  bilden  von  der  Basis  der  be- 
treffenden Etage  aus.  Nur  im  dritten  Absatz  Anden  sich  an  einer 
Stelle  mehrere  Zentren,  die  in  der  Mitte  der  Wand  gelegen  sind. 
Hier  sind  einige  kleine  Löcher,  die  sichtlich  von  kleinen  Bläschen 
herstammen.  Diese  bildeten  neue  Zentren.  Die  Kristallisation 
begann  deutlich  an  der  Oberfläche,  wo  die  Abkühlung  die  rascheste 
ist.  Die  Zentren  liegen  in  der  Basis  der  Etagen  zwischen  den 
Schlotwänden  und  dem  kleinen  rundlichen  Wall , der  durch  die 
Wand  des  jeweilig  unten  befindlichen  Absatzes  gebildet  wird. 
Der  ganze  Bau  ist  etwas  gegen  eine  Seite  der  Tiegelwand  geneigt. 
Das  Schmelzprodukt  ist  von  grauer  Farbe.  Die  einzelnen  Kristalle 
heben  sich  an  den  Schlotwänden  wie  schwärzliche  Rippen,  zwischen 
welchen  ein  hellerer  Streifen  durchgeht,  mit  feinem  Relief  ab. 
Die  ursprüngliche  Färbung  des  Bronzites,  nelkenbraun  mit  bronze- 
farbigem Schillern,  hatte  sich  ganz  verloren.  Die  Spaltbarkeit 
nach  m ist  sehr  deutlich,  meßbare  Kristalle  sind  nicht  zu  sehen. 
Obwohl  genug  Drusen  hohlräume  vorhanden  sind,  treten 
nirgends  Endflächen  oder  andere  deutliche  Flächen  auf.  Die 
Enden  der  Kristallbündel  des  Schlotes  sind  unregelmäßig  gezackt. 
Die  Kristalle  sind  hier  zuweilen  etwas  gebogen,  besonders  bei  der 
untersten  Etage. 

Das  Schmelzprodukt 1 ist  homogen  und  zeigt  nur  mit  stärkster 
Vergrößerung  verstreut  dunkle  Körnchen,  deren  Umrisse  oktaedrisch 
waren,  also  wahrscheinlich  Magnetit  in  dem  sonst  homogenen 
Produkt. 

Die  lineare  Kristallisationsgeschwindigkeit  des  Bronzites  ist 
so  groß,  daß  auch  bei  der  nicht  sehr  großen  Zahl  der  Zentren 
keine  Glasbildung  eintrat.  Ob  die  Zahl  der  Zentren  wirklich 
gering  ist  oder  ob  eine  Anzahl  derselben  nicht  zur  Ausbildung 

1 Vergl.  die  Angaben  an  a.  0.  Die  Auslöschung  in  diesem  Fall  war 
gerade.  W.  Wahl  (Die  Enstatitaugite.  Tschermak’s  Mitt.  XXVI.  p.  1.) 
schlägt  für  die  Bronzite  mit  monokliner  Kristallform  Klinobronzit  vor. 
H.  Michel  (Dies.  Centralbl.  1913.  p.  161.)  gibt  an,  daß  bei  großer  Ab- 
kühlungsgeschwindigkeit makroskopisch  verzwillingter  Klinoenstatit  ent- 
steht. Bei  langsamer  Abkühlung  wird  die  Verzwilligung  so  fein,  daß 
scheinbar  rhombische  Formen  entstehen. 


Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit. 


455 


gelangte  infolge  des  schnellen  Wachstums  der  Kristalle,  läßt  sich 
liier  nicht  entscheiden. 

Der  wesentliche  Unterschied  im  Verhalten  gegen  andere 
Schmelzprodukte  liegt  in  der  löcherig  struierten  Erstarrungsmasse. 
Im  allgemeinen  wurden  die  Schmelzen  immer  dann  aus  dem  Ofen 
herausgenommen,  wenn  sie  dünn  zu  fließen  antingen.  Erfolgen  hiebei 
Vorgänge  explosiver  Natur,  wie  Blasenwerfen  etc.,  so  hörte  dies  in  der 
Regel  auf,  sobald  der  Tiegel  auf  dem  Sandbad  war.  Die  Schmelze 
■erstarrte  dann  gewöhnlich  ohne  innere  Hohlräume  mit  geschlossener 
Oberfläche.  Eine  Ausnahme  bildeten  Eisensilikate,  z.  B.  Fayalit- 
silikat,  das  zahlreiche  Hohlräume  zeigte.  Der  natürliche  Bronzit  1 
übertraf  in  dieser  Beziehung  auch  dieses.  Die  Ursachen  der 
Explosionen2  in  den  beobachteten  Fällen  können  verschieden  sein. 
Der  vou  Brun  dargestellte  Vorgang,  daß  Gläser  oder  teilweise 
glasige  Substanzen  (vielleicht  auch  kristalline),  die  absorbierte 
Gase  enthalten,  in  dem  Moment,  wo  sie  in  den  flüssigen  Zustand 
übergehen,  mehr  oder  weniger  plötzlich  Gase  freiwerden  lassen, 
wird  selten  oder  in  geringem  Maße  anzutreften  sein.  Etwas 
Ähnliches  geht  bei  dem  Zusammenschmelzen  von  Kieselsäure- 
anhydrid und  Carbonaten  vor  sich,  insofern  die  Kohlensäure 
— allerdings  aus  anderen  Gründen,  nämlich  infolge  der  thermischen 
Dissoziation  der  Carbonate,  der  eine  chemische  Reaktion  folgte  — 
frei  wird.  Eine  andere,  ebenfalls  häutig  beobachtete  Art  von 
Explosionen  tritt  ein,  wenn  nach  völligem  Entweichen  der  ge- 
bundenen oder  infolge  von  chemischen  Reaktionen  freigewordenen 
Gasen  die  Schmelze,  die  in  ein  ruhiges  Fließen  gekommen  ist, 
über  den  Schmelzpunkt  weiter  erhitzt  wird.  Die  Schmelze  beginnt 
allmählich  oder  plötzlich  in  lebhafte  Bewegung  zu  kommen,  Blasen 
zu  werfen  und  auch  zu  verdampfen.  Beim  Siedepunkt  oder  Ver- 
dampfungsbeginn können  auch  die  Gase  entweichen,  welche  bisher 
noch  von  dem  Schmelzfluß  absorbiert  zurückgehalten  werden 
konnten.  Dieses  Stadium  dürfte  mit  dem  Sieden  des  Schmelz- 
flusses ident  sein.  Wird  die  Schmelze  weiter  erhitzt,  so  kann 
•der  gesamte  Tiegelinhalt  mit  beträchtlicher  Vehemenz  in  mehreren 
Teilen  oder  gänzlich  herausgeschleudert  werden.  Es  zeigt  sich 
nun,  daß  die  eisenreichen  Silikate,  die  rasch  dünnflüssig  werden 

1 Eine  Analyse  des  Bronzites  vom  Kupferberg  bei  Bayreuth  findet 
sich  in  der  geogn.  Beschr.  Bayerns  von  Gümbki,,  ausgeführt  von  Ammon. 
1879.  3.  p.  157. 

CaU 1,50 

Mg  0 ....  33.75 

Fe  0 7,20  (mit  Spuren  von  Mn) 

Al,  0,  ....  1,05  (mit  Spuren  von  Cr) 

Si  02 . • - • • 56.50 
Glühverlust  . . 0,88, 

1 Unter  Explosionen  verstehe  ich  hier  die  mit  dem  plötzlichen  Frei- 
werden von  Gasen  verbundene  mechanische  Wirkung. 


456 


E.  Kittl,  Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit. 


und  früher  zu  sieden  beginnen,  im  Verhältnis  zu  den  Silikaten* 
von  Calcium , Magnesium  und  Tonerde  diese  Eigenschaften  viel 
ausgeprägter  zeigen. 

Bei  dem  vorliegenden  Bronzit  könnte  auch  in  Betracht 
kommen,  daß  die  oberste  Schicht  schon  zu  erstarren  begann, 
während  im  Innern  noch  eine  der  Siedetemperatur  näher  liegende 
herrschte.  Da  die  bei  der  Kristallisation  freiwerdende  Wärme  der 
Abkühlung  entgegenwirkt,  kann  das  Innere  noch  eine  hohe  Tem- 
peratur besitzen  und  explosiven  Charakter  haben,  während  die  Ober- 
liäche  schon  erstarrte1. 

Gleichfalls  noch  in  Betracht  zu  ziehen  ist  bei  dieser  Art  von 
Schmelzen,  daß  bei  der  Kristallisation  während  des  Schmelz- 
flusses absorbierte  Gase  freiwerden.  Eine  Hohlraumbildung  ist 
die  unmittelbare  Folge.  Daß  der  natürliche  Bronzit  viel  absorbierte 
Gase  enthielt,  ist  nach  der  Analyse  schwer  anzunehmen.  (An 
eine  Carbidbilduug  zwischen  den  Tiegelwänden  und  der  Schmelze 
ist  immer  zu  denken,  doch  ist  nicht  anzunehmen,  daß  diese  Beak- 
tionen  allein  mit  Gasbildungen  in  Verbindung  stehen.)  Bei  glasig- 
a m o r p h e r Erstarrung  tritt  keine  Gasabgabe  wie  beim  Kristalli- 
sieren ein.  Im  allgemeinen  steigt  also  die  Gasaufnahme  und: 
Abgabe  bei  Silikaten  mit  dem  Fe-  und  Mn-Gehalt2,  womit  die 
Neigung  dieser  Gruppe  zu  explosiven  Vorgängen  steht,  vielleicht 
auch  weil  sie  infolge  ihres  niedrigeren  Schmelzpunktes  die 
Temperaturen  des  Verdampfens  eher  erreichen.  Die  Silikate  des 
Magnesiums , Calcium  der  Alkalien  und  der  Tonerde  nehmen 
weniger  Gase  auf.  Wahrscheinlich  hängt  die  Gasabsorption  auch 
mit  der  Art  der  Wärmereaktion 3 * 5 zusammen,  die  umso  deutlicher 
verläuft,  je  dünnflüssiger  die  Silikate  werden,  also  je  schärfer 
der  Schmelzpunkt  und  schließlich  je  größer  die  Kristallisations- 
geschwindigkeit und  überhaupt  die  Fähigkeit  zu  kristallisieren  ist. 

Wien,  im  April  1913,  Mineralogisches  Institut  der  Universität. 

1 Nach  einer  Mitteilung  meines  Fi-eundes  M.  Lazarevic  treten  bei 

der  Verhüttung  der  Kupfererze  von  Bor  in  Serbien  ähnliche  Vorgänge 

auf.  Wenn  das  flüssige  Kupfer  in  Formen  ausgegossen  ist.  beginnt  sich 
zuerst  an  der  Oberfläche  eine  erstarrte  Schichte  zu  büden.  Schreitet  nun 
die  Abkühlung  fort,  so  gibt  das  flüssige  Metall  die  absorbierten  Gase  ab 
und  diese  entweichen,  indem  sie  unter  Explosionen  die  Oberfläche  durch- 
brechen und  kleine  Krateröffnungen  bilden.  An  diesen  entstehen  dann 
Sulfide,  wie  Kupferglanz,  Bornit  etc.,  woraus  auf  die  Natur  der  Gase- 
geschlossen werden  kann. 

* Mit  Ausnahme  der  Natron-Eisen-  und  Natron-Eisen-Tonerde- 
Silikate. 

5 Vergl.  C.  Doelter,  Handbuch  der  Mineralchemie.  I.  Silikatschmelzen.. 
— E.  Dittler,  Beitrag  zur  Thermochemie  der  Silikate.  Zeitschr.  £.  anorg. 
Chem.  69.  p.  273. 


Arth.  Wicbmann,  Pisolithe.  — P.  J.  Beger,  Lamprophyre  etc.  457 

Ueber  sogen.  Pißolithe  aus  dem  Mansfelder  Flözgebirge. 

Von  Arth.  Wichmann  in  Utrecht. 

W.  Stahl  dürfte  mit  der  Deutung  als  Erbsenstein  der  von 
ihm  kürzlich  beschriebenen  und  aus  einer  Kluft  des  Zabenstädter 
Stollens  im  Mansfeldischen  Flözgebirge  stammenden  Sinterkugeln 
nicht  auf  allgemeine  Zustimmung  rechnen  können1.  Pisolithe  haben 
ihre  Entstehung  doch  aufsteigenden  Mineralquellen  zu  verdanken, 
während  die  in  Bede  stehenden  Körper  zu  den  katogenen  Bildungen 
und  daher  in  die  Kategorie  der  Höhlenperlen  gehören.  W.  Hai- 
dinger hat  die  richtige  Erklärung  bereits  vor  längerer  Zeit  ge- 
geben: „Das  Herabtropfen  geschieht  zuweilen  in  kleine  Schüsseln, 
die  sich  selbst  bilden,  und  in  denselben  werden  Sandkörner  und 
andere  Gegenstände  immerwährend  bewegt  und  zugleich  inkrustiert2.“ 
Ausführlicher  handelt  über  diesen  Gegenstand  Franz  Kraus3. 

Ganz  ähnlich  den  von  Stahl  beschriebenen  und  ebenfalls 
„wrie  Eier  in  einem  Nest“  liegenden  Gebilde  sind  diejenigen,  welche 
F.  Senft  in  verlassenen  Stollen  bei  Biechelsdorf  in  Hessen  sowie 
bei  Schweina  und  Eckartshausen  in  Thüringen  auffand4. 


Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv. 

Von  P.  J.  Beger  in  Leipzig. 

In  Oberlichtenau,  einem  am  Ostfuße  des  Kenlenberges  bei 
Königsbrück  in  der  Lausitz  gelegenen  Dorfe,  befand  sich  im 
Sommer  1911  zwischen  Kirche  und  Gasthof  „zu  den  Linden“  ein 
Bauaufschluß,  in  dem  unter  ca.  2 m mächtiger  Decke  von  Lößlehm 
ein  sowohl  durch  ausgezeichnete  Parallelstruktur  als  auch  durch 
seltene  Frische  hervorragender  „streifig-flaseriger  Granit“  5 zu  sehen 
war  — ein  Mischgestein  granitischer  Massen  mit  Grauwacke- 
material. Er  wird  durchsetzt  von  zwei  Ganggesteinen,  deren  eines 
sofort  als  typischer  Kersantit  zu  erkennen  war,  während  das  andere 
sich  bei  mikroskopischer  Betrachtung  als  Spessartit  erwies.  Da 
nur  das  oberste  zutage  Ausgehende  aufgeschlossen  war,  und  zwar 
in  Form  aneinandergereihter  Blöcke,  schien  es  nicht  tunlich,  die 
Streichrichtung  in  Winkelgraden  feststellen  zu  wollen.  Der  Spessartit 
verläuft  ziemlich  genau  nach  WNW,  während  der  Kersantit  mehr 
nach  N gerichtet  ist.  Später  wurde  für  ihn  durch  Anvisieren 

1 Pisolithe.  Dies.  Centralbl.  1913.  p.  337. 

2 Handbuch  der  bestimmenden  Mineralogie.  Wien  1845.  p.  289. 

s Höhlenkunde.  Wien  1894.  p.  76. 

4 Die  Wanderungen  und  Wandelungen  des  kohlensauren  Kalkes. 
Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  13.  1861.  p.  302.  — Die  Schöpfungen  des 
Regenwassers  in  und  auf  der  Erde.  Das  Ausland.  42.  Augsburg  1869.  p.  332. 

5 Geol.  Spezialkarte  d.  Königr.  Sachsen,  Blatt  Königsbrück. 


458 


P.  J.  Beger, 


eiues  zweiten  Fundpunktes  das  Streichen  mitN40°W  festgelegt. 
Demnach  scheinen  beide  Gänge  einander  zu  durchsetzen,  doch  ließ 
sich  iiu  Aufschlüsse  die  Kreuzungsstelle  nicht  auffinden,  weshalb 
die  Frage  nach  der  Altersfolge  offen  bleibt. 

Der  zur  Feststellung  des  Streichens  benutzte  Punkt  ist  ein 
in  einem  kleinen  Aufschluß  hinter  der  Schule  anstehender  Gaug, 
der  in  den  Erläuterungen  zur  geol.  Spezialkarte  als  Biotitdiabas 
bezeichnet  ist.  Daraufhin  wurde  auch  das  bei  Reichenau  unter 
demselben  Namen  eingezeichuete  Vorkommnis  besichtigt.  Es  erwies 
sich  als  ein  ganz  ähnlicher  Kersautit,  nur  etwas  kompakter,  dunkler 
und  gröber  im  Korn  als  der  Oberlichtenauer. 

Dieser  trat  auf  in  Form  mehr  oder  minder  mächtiger  Kugeln, 
die  bis  1^  m iiu  Durchmesser  hielten  und  deren  Gesamtfarbe  durch 
stumpf  griin  am  besten  charakterisiert  ist.  Bei  genauerem  Zusehen 
erwies  er  sich  als  recht  mannigfaltig,  so  daß  Handstiicke  vorliegen, 
von  denen  mau  mit  Fug  meinen  könnte,  sie  stammten  aus  ver- 
schiedenen Gängen,  zumal  sie  sich  nicht  nur  in  Korngröße  und 
Farbe,  sondern  auch  in  Mineralznsammensetzuug  und  chemischem 
Bestände  scharf  unterscheiden. 

Vorwaltend  ist  ein  kleinkörniges  Gestein,  dessen  größte  Kom- 
ponenten mm  nicht  überschreiten.  Es  sind  dies  bräunlich- 
schwarze,  blitzende  Biotitschüppchen,  denen  eine  gute  Begrenzung 
gewöhnlich  mangelt.  Nur  wenn  ihr  Durchmesser  unter  1 mm  sinkt, 
zeigen  sie  sechsseitige  Form.  Sie  sind  es,  die  dem  Gesteine  bei 
makroskopischer  Betrachtung  recht  eigentlich  den  Charakter  eines 
Lamprophyrs  der  Miuette-Kersantitreihe  verleihen.  Außer  ihnen 
erkennt  das  unbewaffnete  Auge  nur  noch  eine  zurücktretende  trübe, 
grünliche  Gruudmasse  von  Plagioklas  und  selten  einen  stecknadel- 
kopfgroßen braunen  Punkt,  der  auf  Carbonate  zurückzuführen 
sein  dürfte,  zumal  das  Gestein  mit  HCl  braust.  Nach  dem  Salbaude 
hin  wird  dieser  Typus  wesentlich  dichter  und  damit  zugleich  dunkler. 

Schlierenartig  verwoben  mit  ihm  kommt  eine  Strukturmodifika- 
tion  vor,  wie  sie  Pöhi.maxx  1 auch  von  Thüringer  Vorkommnissen 
und  Rinne2  von  Tsingtau  beschreiben,  und  wie  sie  sich  ähnlich 
auch  in  anderen  Lamprophyren,  z.  B.  im  Odinit  vom  Frankenstein, 
findet.  Sie  ist  charakterisiert  durch  Anhäufungen  kleiner,  z.  T. 
ideal  kugelförmiger  Feldspataggregate,  die  umgeben  sind  von  einer 
Biotithiille,  aus  der  sie  sich  leicht  herauslösen.  Ihr  Durchmesser 
überschreitet  3 mm  nicht. 

Ebenfalls  schlierenartig  kommt  in  dem  normalen  Kersautit 
eine  weit  gröbere  und  hellere  Fazies  von  nicht  allzu  großer  Häufig- 

1 Pöhlmann,  Untersuchungen  über  Glimmerdiorite  und  Kersantite 
Südthüringens  und  des  Frankenwaldes.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  III. 
1884.  p.  78. 

5 Rinne.  Beitrag  zur  Gesteinskunde  des  Kiautschou-Sehutzgebietes. 
Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1904.  56.  p.  152. 


Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv. 


459 


Leit  vor,  die  sich  zusammensetzt  aus  3 mm  messenden  Biotitblättchen, 
etwa  ebenso  zahlreichen,  aber  bis  5 mm  langen,  kaum  zwirnsfaden- 
dicken, tiefschwarzen  Hornblendenädelchen  mit  blankem  Glanz,  und 
schließlich  breiten,  schwach  rötlichen  Flecken  von  Plagioklas,  der 
infolge  seiner  größeren  Reichlichkeit  dem  richtungslos  körnigen 
Gesteine  die  verhältnismäßig  helle  Farbe  gibt.  Beim  ersten  flüch- 
tigen Blicke  könnte  man  sich  versucht  fühlen,  ein  derartiges  Hand- 
stück unter  die  Diorite  einzureihen.  Jedoch  wahrt  nicht  nur  die 
geologische  Verbindung  dem  Gesteine  seine  Stellung  unter  den 
Lamprophyren,  sondern  auch  sein  Habitus,  der  dem  mancher  bre- 
tonischen  Kersantone  nahekommt. 

Eine  bemerkenswerte  Erscheinung  besteht  nun  darin,  daß  der 
normale  Kersantit  hin  und  wieder  durchzogen  wird  von  hellen 
Trümchen,  die  höchstenfalls  1|  cm  mächtig  sind,  meist  aber  unter 
1 cm  bleiben.  Sie  setzen  nicht  scharf  vom  Nebengestein  ab, 
sondern  sind  vielmehr  meist  innig  verfloßt  mit  ihm.  Farbe  und 
Mineralbestand  scheinen  abhängig  zu  sein  von  der  Mächtigkeit  der 
Trümer.  In  der  Hauptmasse  bestehen  sie  aus  einem  dichten  Ge- 
füge gelblich  weißen  Feldspats,  ja  die  schmälsten  Trümchen  setzen 
sich  fast  ausschließlich  aus  diesem  zusammen.  Mit  zunehmender 
Breite  mehren  sich  Hornblendenädelchen,  die  denen  des  gröber- 
körnigen  hellen  Gesteinstypus  vollkommen  gleichen.  Dazu  tritt 
hie  und  da  ein  Biotitschüppchen  und  ein  grünes  Körnchen  von 
Epidot  auf. 

Ob  diese  Trümer  mit  den  hornblendereichen  hellen  Schlieren 
in  Zusammenhang  stehen,  ließ  sich  infolge  der  Ungunst  des  Auf- 
schlusses nicht  beobachten.  Jedenfalls  scheint  nach  der  Beschaffen- 
heit der  betreffenden  Gesteine  eine  Zusammengehörigkeit  nicht  nur 
denkbar,  sondern  sogar  wahrscheinlich,  und  zwar  in  dem  Sinne, 
•daß  beide  einen  jüngeren  Nachschub  in  den  in  der  Verfestigung 
begriffenen  Kersantit  bilden,  wobei  die  Trümer  von  den  Schlieren 
aus  weiter  gepreßt  wurden  und  mit  zunehmeuder  Entfernung 
bezw.  abnehmender  Stärke  der  Spalten  zunächst  Biotit,  dann  auch 
Hornblende  verloren,  sodaß  zuletzt  eine  Endigung  aus  fast 
reinem  Feldspataggregat  resultierte.  Im  ganzen  erinnert  diese  Er- 
scheinung an  die  von  Bakrois  beschriebenen  Kersantitaplite  der 
Bretagne. 

U.  d.  M.  wird  die  Ähnlichkeit  des  Kersantits  von  Oberlichtenau 
bezw.  Reichenau  mit  den  bretonischen  Gesteinen  noch  deutlicher 
als  im  Handstück.  Seiue  Struktur  ist  eher  hypidiomorph  als  pan- 
idiomorph  körnig.  Aus  einer  weißen  Feldspatmasse  heben  sich  in 
schwankendem  Mengenverhältnis  als  dunkle  Gemengteile  heraus 
Biotit,  ein  diopsidartiger  Pyroxen,  sowie  serpentinige  und  chlori- 
tische  Umsetzungsprodukte,  die  in  der  Mehrzahl  von  Olivin  stammen 
und  oft  mit  Calcit  vergesellschaftet  auftreten.  Auch  Epidot  und 
-etwas  Titanit  in  Form  von  Kölnern  sind  hier  zu  erwähnen.  Als 


460 


P.  J.  Beger, 


Akzessorien  kommen  hinzu  zahlreiche  Apatite,  teils  von  erheblicher 
Länge  und  dann  oft  Glasseelen  enthaltend,  ferner  und  für  Lam- 
prophyre  ungewöhnlich  Zirkon,  der  in  scharf umrissenen  Kriställ- 
clxen  dem  Feldspat  iuterponiert  ist  und  sich  durch  pleochroitische 
Höfe  auch  im  Biotit  verrät,  sowie  Pyrit  und  Magnetit. 

Der  Biotit  zeigt  in  seinen  Eigenschaften  überraschende  Ähn- 
lichkeit, mit  dem  der  Brester  Kersantone : die  weiche  braune  Farbe, 
die  nach  außen  in  einen  mitunter  recht  sattgrünen  Saum  übergeht, 
den  kräftigen  Pleochroismus  von  fast  farblos  oder  doch  nur  ganz 
licht  gelb  zu  starkem  rotbraun,  wobei  kurz  vor  der  größten  Ab- 
sorption ein  eigentümlich  zimtbrauner  Ton  erscheint.  Mitunter 
ist  b dunkler  als  C.  Ferner  wird  auch  hier  in  Längsschnitten 
durch  die  stärkere  Absorption  am  Rande  ein  Zonenbau  deutlich, 
der  an  Basisschnitten  stets  gut  zu  sehen  ist.  So  beobachtet  man 
oft,  daß  Q innen  fast  farblos,  außen  licht  grünlichgelb,  b oder  C 
innen  rötlichbraun,  randlich  schwarzbraun  sind.  Auch  die  Inter- 
positionen sind  dieselben  wie  bei  Brest:  vor  allem  parallel  der 
Basis  liegende  Eisenoxydblättchen , dann  Körner  von  Pyrit  und 
Magnetit,  gut  begrenzte  Diopside,  Apatit  und  Zirkon.  Weit- 
verbreitet sind  . ferner  auch  liier  Wachstumserscheinungen,  deren 
Maß  in  den  weitesten  Grenzen  schwankt,  so  daß  neben  schwamm- 
artig  durchlöcherten  Gebilden  alle  Übergänge  zu  wohlausgebildeten 
Kristallen  zu  beobachten  sind. 

Der  Pyroxen  übertrifft  ganz  im  Gegensatz  zu  den  Brester 
Kersantonen  den  Biotit  gewöhnlich  an  Menge  und  kann  allen  wesent- 
lichen Gemengteilen  gegenüber  idiomorph  sein,  kommt  aber  auch  in 
rundlichen  Körnern  vor.  Ebenso  schwankend  ist  seine  Größe. 
Meist  ist  er  völlig  farblos  oder  doch  nur  ganz  licht  bräunlich. 
Selten  treten  grüne  Zonen  auf,  teils  als  Kern,  teils  als  Rand, 
manchmal  auch  so,  daß  ein  grüner  Kern  und  Rand  durch  eine 
farblose  Zone  getrennt  sind.  Zwischen  beiden  besteht  ein  Unter- 
schied der  Auslöschung  von  ca.  9 °,  und  zwar  kommt  der  höhere 
Betrag  dem  grünen  Anteil  zu.  Der  farblose  löscht  etwa  bei  42° 
aus,  bezogen  auf  den  stumpfen  Winkel  ß.  Eine  zweite  Art  von 
Zonarstruktur  erkennt  man  erst  im  polarisierten  Licht  an  Unter- 
schieden der  Interferenzfarben.  Es  treten  dann  schöne  Sanduhr- 
formen oder  schaliger  Bau  hervor ; bisweilen  ist  auch  beides  kom- 
biniert. Der  Kern  hat  auch  hier  eine  Auslöschungsschiefe  von 
ca.  4 2°,  während  die  äußeren  Schalen  erst  gegen  6 0 später  aus- 
löschen. Bemerkenswert  ist  neben  der  hohen  Lichtbrechung,  durch 
die  er  sich  reliefartig  aus  dem  Schliffe  hebt,  die  ganz  vorzügliche 
Spaltbarkeit  nach  dem  gewöhnlichen  Prisma,  sowie  die  außer- 
ordentliche Armut  an  Einschlüssen.  Noch  am  häufigsten  befinden 
sich  in  ihm  winzige  Spinelle,  außerdem  etwas  Magnetit,  Apatit, 
selten  Biotit  und  Glas.  Viele  Kristalle  sind  ganz  einschlußfrei. 
Bei  Betrachtung  dieses  Pyroxens,  den  Max  Voigt  „malakolith- 


Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv. 


461 


artigen  Angit“  1 nennt,  wird  man  an  Enstatitaugit  erinnert.  Leider 
konnten  Achsenwinkel  infolge  ungünstiger  Lage  der  Schnitte  nicht 
gemessen  werden.  Doch  finden  sich  dieselben  Pyroxene  auch  in 
anderen  später  zu  beschreibenden  Kersantiten  der  Lausitz,  und  in 
der  Tat  wurden  dort  mehrfach  kleine  Achsen winkel  beobachtet, 
so  daß  es  hinreichend  gesichert  erscheint,  den  vorliegenden  Pyroxen 
zum  Hagnesiumdiopsid  zu  stellen,  wofür  auch  der  auffallend  hohe 
Betrag  an  HgO  in  den  Gesteinsanalysen  spricht. 

Olivin  liegt  frisch  nicht  mehr  vor.  Seine  Kristallumrisse  sind 
erfüllt  durch  filzige  Hassen  von  Serpentin,  Chlorit,  Calcit,  urali- 
tischer  Hornblende  und  stark  lichtbrechenden,  amorphen,  nicht 
identifizierbaren  Körnern  von  lichtbräunlicher  Farbe,  die  den  Ein- 
druck machen,  als  seien  sie  noch  nicht  vollkommen  umgesetzte 
Reste  des  Hutterminerals.  Pyroxen  und  teilweise  auch  Biotit 
werden  von  derselben  Umsetzung  ergriffen. 

Der  Feldspat  gehört  in  der  Hauptsache  dem  Plagioklas  an. 
Er  bildet  breite  Tafeln  bezw.  isometrische  Körner,  gewöhnlich  mit 
nur  wenigen  Zwillingslamellen.  Die  Auslöschungsschiefe  nimmt 
nach  dem  Rande  zu  von  ziemlich  großen  negativen  Beträgen  ab, 
geht  sogar  manchmal  durch  die  Nullage  über  zu  positiven  Werten, 
so  daß  gemäß  Hessungen  nach  der  FouQüE’schen  Methode  Hischungen 
von  Ab,  An4  (Bytownit)  bis  Ab6  An,  (Albit-Oligoklas)  vorzuliegen 
scheinen.  Dem  höheren  Kalkgehalt  im  Innern  entspricht  eine 
stärkere  Zersetzung,  derart,  daß  der  Rand  oft  noch  glasklar  ist, 
während  innen  sich  ein  Gewirr  von  reichlichen  trüben  Epidot- 
körnchen und  Huscovitschiippchen  befindet,  hinter  die  Kaolin 
zurücktritt. 

Neben  dem  Plagioklas  kommt  in  wechselnder  Henge  Ortho- 
klas vor,  der  oft  randlich  umgeben  ist  von  einem  myrmekitisclien 
Saum.  Übereinstimmend  mit  den  bretonischen  Kersantitapliten 
überwiegt  in  den  hellen  Trümern  der  Orthoklas  bei  weitem,  wäh- 
rend er  in  dem  schlierenartigen  hornblendereichen  Typus  dem 
Plagioklas  etwa  die  Wage  hält. 

Die  dort  auftretende  primäre  Hornblende  ist,  wieder  im  Gegen- 
satz zu  den  Kersantonen  von  Brest,  von  warmer  brauner  Farbe 
<a  = grünlichgelb,  b = C olivbraun).  Neben  langen  Leisten  finden 
6icli  gedrungenere  Kristalle,  mitunter  verzwillingt  nach  { 1 00}. 
Auch  sie  sind  fast  einschlußfrei  und  enthalten  höchstens  etwas 
Hagnetit  und  Apatit.  Resorptionsspuren  sieht  man  selten. 

In  welcher  Weise  die  dunkeln  Gemengteile  in  den  Schlieren 
und  Trümern  abnehmen,  ist  schon  bemerkt  worden.  Erwähnt  sei 
nur  noch,  daß  sich  besonders  in  den  fast  nur  aus  Orthoklas  nebst 
etwas  Plagioklas  zusammengesetzten  Schnüren  Epidot  in  reicli- 


1 M.  Yoigt,  Die  basischen  Eruptivgesteinsgänge  des  Lausitzer  Granit- 
gebietes. Leipzig.  Diss  . Weida  i.  Th.  1906. 


462 


P.  J.  Beger, 

lieberer  Menge  in  Form  großer,  stralilig  angeordneter  Kristall- 
aggregate findet. 

Der  Spessartit  trat  im  Aufschluß  auf  in  Gestalt  polyedrischer 
Blöcke,  deren  größte  Dimension  f m nicht  überstieg.  Im  Gegen- 
satz zu  dem  gut  schleißenden  Kersantit  erwies  er  sicli  recht  zäh 
und  zersprang  beim  Spalten  in  ungefüge  Stücke. 

Seine  Farbe  ist  blaugrau ; an  den  Kanten  schimmert  das  Licht 
grünlich  durch.  Das  bloße  Auge  vermag  in  dem  recht  dichten 
Gefüge  nur  blitzende,  fast  millimetergroße  Augite  zu  erkennen. 

U.  d.  M.  sieht  man  eine  Grundmasse  von  ungefähr  gleich 
großen  Kriställchen  grünlichbrauner  Hornblende  und  farblosen 
diopsidartigen  Pyroxens,  die  regellos  verstreut  liegen  in  ziemlich 
stark  zersetzter  Feldspatsubstanz.  Diese  ist  dem  Plagioklas  zu- 
zurechnen und  erinnert  an  den  des  Kersantits,  indem  auch  hier 
um  einen  vornehmlich  zu  Muscovit  umgewandelten  Kern  frische, 
meist  gerade  auslöschende  Ränder  liegen.  Die  Zwickel  zwischen 
den  Plagioklasen  sind  erfüllt  von  einer  grünen  isotropen  Substanz. 
Das  Gefüge  ist  durchaus  lamprophyrisch. 

In  dieser  Grundmasse  liegen  als  wohlbegrenzte  Einsprenglinge 
Pyroxene,  die  dem  Enstatitaugit  des  Kersantits  in  allen  Eigen- 
schaften, wie  in  Farbe.  Zonarstruktur,  vorzüglicher  Spaltbarkeit, 
Zwillingsbildung,  Armut  au  Einschlüssen  völlig  gleichen.  Einige 
sind  von  Hornblende  parallel  umwachsen.  Gern  häufen  sie  sich 
zu  Knäueln  an.  Daneben  finden  sich  auch  Kristallsplitter,  die 
auf  Protoklase  zurückzuführen  sind.  Die  Zersetzung  zu  Uralit, 
Chlorit,  Serpentin,  Calcit  ist  durchaus  analog  wie  beim  Kersantit. 
Doch  stammen  auch  hier  nicht  alle  Zersetzungsprodukte  vom 
Pyroxen,  sondern  sind  zum  Teil  ebenfalls  auf  Olivin  zurück- 
zuführen, dessen  Form  und  Spaltbarkeit  bisweilen  noch  kenntlich 
ist.  Akzessorien  finden  sich  außer  etwas  Magnetit,  einigen  wenigen 
Pyriten  und  feinsten  Nüdelchen  von  Apatit  keine. 

Da  dieser  unverkennbare  Spessartit  makroskopisch  manchem 
der  als  Diabas  kartierten  Gesteine  recht  ähnelt,  habe  ich  noch 
eine  große  Anzahl  dieser  sowie  der  als  Diorit  kartierten  Gänge 
untersucht.  Dabei  ergab  sich,  daß  sie  allesamt  lamprophyrischen 
Charakter  tragen,  der  im  einzelnen  recht  verschieden  ist.  Die 
Untersuchungen  hierüber  sind  noch  im  Gange,  so  daß  erst  bei 
anderer  Gelegenheit  zusammenhängend  und  ausführlich  berichtet 
werden  mag. 

Schließlich  seien  die  von  den  beschriebenen  Gesteinen  an- 
gefertigten Analysen  mitgeteilt.  Vorangestellt  sei  eine  Analyse 
von  Max  Voigt,  die  sich  auf  den  Oberlichtenauer  „Biotitdiabas“ 
bezieht.  Die  dort  angegebenen  Werte  weichen  allerdings  nicht 
unbeträchtlich  von  den  durch  mich  ermittelten  ab  — was  unter 
Umständen  aus  dem  schlierigen  Charakter  des  Gesteins  erklärt 
werden  könnte. 


Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv. 


463 


Die  mit  X bezeiclmete  Substanz  ist  ein  Rückstand,  der  nach 
dem  Abrauchen  der  Si02  mit  HF  verbleibt  und  von  der 
KHS04- Schmelze  nicht  angegriffen  wird.  Er  harrt  weiterer  Ver- 
arbeitung. 

No.  IV  und  V beziehen  sich  auf  das  dem  Oberlichtenauer 
Kersantit  ganz  ähnliche  Gestein  von  Reichenau,  das  äußerlich  bei 
mehr  grauer  Farbe  nur  etwas  kompakter  und  härter  ist,  u.  d.  M. 
aber  sich  reicher  an  Hornblende  erweist.  Es  ist  in  der  für  die 
Lamprophyre  charakteristischen  Weise  schlierig  ausgebildet,  und 
zwar  wechseln  Partien,  in  denen  sich  Biotit  und  Hornblende  fast 
völlig  vertreten.  Man  beachte,  daß  der  chemische  Bestand  dadurch 
nicht  die  geringste  Änderung  erfährt.  Die  Differenz  in  der  Si  02 
rührt  von  einem  Verluste  bei  No.  5. 


I 

II  a 

11  b 

II  c 

III 

IV 

V 

Si  0.2 . • 

. . 45,32 

45,60 

45,36 

45,48 

49,20 

47,39 

46,15 

Ti  0,  . 

. . 1,15 

0,58 

0,45 

0,52 

1,15 

0,75 

0,90 

ai,03  . 

. . 13,23 

11,93 

11,86 

11,89 

13,56 

13,39 

13,34 

F e2  03  • 

. . 3,71 

1.76 

1,79 

1,78 

4,91 

3,25 

2,79 

Fe  0 . 

. . 5,82 

6,25 

6,34 

6,29 

5,01 

5,12 

5,56 

MnO  . 

. . 0,08 

0,08 

0,08 

0,08 

0.14 

0,15 

0,15 

MgO  ■ 

■ . 15,24 

13,32 

13,22 

13,27 

6,84 

12,34 

12,12 

CaO  . 

. . . 9,05 

9,50 

9,33 

9,42 

7,85 

9,73 

9,65 

k2o.  . 

. . 2,13 

2,77 

2.92 

2,84 

3,90 

2,56 

2,42 

Na20  . 

. 3,34 

2,16 

2,11 

2,14 

2,63 

1,86 

1,94 

H20.  . 

. . 1,43 

2,70 

2,75 

2,72 

1,90 

3,01 

2,79 

P80s  . 

. . 0,25 

0,76 

0,83 

0,79 

0,71 

0,24 

0,74 

C02  . . 

. . — 

0,73 

0,85 

0,79 

1,50 

0,22 

0,60 

X . . . 

. . — 

1,63 

1,53 

1,58 

1,32 

— 

— 

100,75 

99,77 

99,42 

99,57 

100,62 

100,01 

99,15 

Via 

VI  b 

VI  c 

Si02  . 

50,39 

50,38 

50,38 

Ti  02 . 

0,58 

0,61 

0,59 

Al*  08 

15,61 

15,76 

15,68 

Fe2  0., 

1,49 

1,49 

1,49 

FeO  - 

5,63 

5,66 

5,65 

Mn  0 . 

0,12 

0,11 

0,11 

MgO. 

9.44 

9,51 

9,48 

CaO  . 

7,20 

7,21 

7,21 

K20  . 

3.48 

3,48 

3.48 

Na2  0 

2.80 

2,91 

2,86 

B.  0 • 

2.84 

2,81 

2,82 

P305. 

Sp. 

Sp. 

Sp. 

CO,  . 

0,78 

0,84 

0,81 

100,36  100,77  100,56 


464 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


I.  „Biotitdiabas“.  Oberlichtenau  b.  Königsbrück,  Lausitz1. 

II  a.  Normaler  Kersantit.  Oberlichtenau  b.  Königsbrück,  Lausitz. 

II  b.  Derselbe. 

II  c.  Mittel  aus  II  a und  II  b. 

III.  Aplitischer  hornblendereicher  Kersantit.  Oberlichtenau. 

IV.  Hornblendearmer  Kersantit.  Reichenau  b.  Königsbrück,  Lausitz 

V.  Hornblendereicher  „ „ „ „ „ 

Via.  Spessartit.  Oberlichtenau  b.  Königsbrück. 

VI  b.  Derselbe. 

VI c.  Mittel  aus  Via  und  VI b. 

Leipzig,  am  2.  Mai  1913.  Institut  für  Mineralogie  und 
Petrographie  der  Universität. 


Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 
des  Polarisationsmikroskops. 

Von  M.  Berek  in  Wetzlar. 

Mit  7 Textfiguren. 

(Schluß.) 

II.  Über  die  Grenzen  in  der  Bestimmbarkeit  von  Gang- 
unterschieden. 

Bei  Messungen  jeder  Art  haben  wir  streng  zu  unterscheiden 
zwischen  der  Genauigkeit,  mit  der  sich  eine  bestimmte  Erscheinung 
einstellen  läßt,  und  zwischen  der  Sicherheit,  mit  welcher  dieser 
Einstellung  eine  durch  einen  Zahlenwert  charakterisierte  Eigen- 
schaft der  untersuchten  Substanz  zugeordnet  werden  kann.  Die 
Genauigkeit  der  Einstellung  läßt  sich  durch  Änderung  der  Be- 
obachtungsmethode steigern.  Bei  einer  Verfeinerung  der  Be- 
obachtungsmethode ist  es  aber  angebracht,  sich  darüber  Rechen- 
schaft zu  geben,  ob  der  erhöhten  Einstellungsgenauigkeit  auch 
tatsächlich  eine  bessere  Kenntnis  der  stofflichen  Eigenschaften 
entspricht.  Anderenfalls  würde  jene  Verfeinerung  einen  nutzlosen 
Aufwand  bedeuten. 

Bei  der  Messung  von  Gangunterschieden  ist  es  zunächst 
offenbar  zwecklos,  den  Wert  der  Doppelbrechung  prozentual  ge- 
nauer anzugeben,  als  es  die  Kenntnis  der  Wellenlänge  des  be- 
nutzten Lichtes  zuläßt.  Für  weißes  Licht  verschiedener  Quellen 
ist  damit  die  Grenze  auf  3 — 4 °/0  festgelegt.  Setzen  wir  streng 
monochromatisches  Licht  voraus , so  kommen  lediglich  die 
Justierungsfehler  in  Betracht.  Da  ich  Angaben  in  dieser 
Hinsicht  in  der  Literatur  nicht  gefunden  habe,  man  sich  vielmehr 
damit  begnügt  zu  haben  scheint,  die  Justierung  möglichst  sorg- 
fältig auszuführen,  so  hielt  ich  es  für  angebracht,  an  dieser  Stelle 


1 Voigt,  1.  c.  p.  29. 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


465 


zu  untersuchen,  inwieweit  der  aus  den  Einstellungen 
berechneten  Genauigkeit  bei  der  Messung  von  Gang- 
unterschieden auch  reelle  Bedeutung  zukommt.  Wir 
können  die  Antwort  leicht  herleiten  aus  der  von  A.  Fresnel  für 
zwei  übereinanderliegende  doppelbrechende  Kristallplatten  im 
polarisierten  Licht  aufgestellten  Formel.  Wir  gehen  von  der  in 
F.  Pockels  Lehrbuch1  gegebenen  Form  dieser  Beziehung  aus, 
rechnen  aber  alle  Winkel  von  der  Polarisationsebene  des  Polarisators 
aus.  Dann  ist  in  jener  Gleichung  a = 0 zu  setzen. 

Die  Orientierung  der  Kristallplatte  in  bezug  auf  den  Polarisator 
sei  yt,  die  des  Kompensators  cp2,  die  des  Analysators  o.  Daun  ist 

J r 

— = cos2  ff  -f-  sin  2 (ft  cos  2 (<r — y4)  sin  2 (t^2 — (pt)  sin2  n- 1 


cos  2 sin  2 (<r — <ft)  sin  2 (y2 — y,)  sin2  n J 


-f-  sin  2 (f,  sin  2 (ff  — y2)  cos2  ((f2 — </•,)  sin2  n 


— sin  2 sin  2 (ff— </>,)  sin2  (</>2 
Setzen  wir  hierin 


sin*  n 


+ 

A 

r.  — r. 


24) 


<f  = Y + dff;  <h  = ^ + d(f,;  (/>2  = ^ + dVj;  ; r2  = r+dr,  25) 

so  wird 
J 


sin2  d ff  — cos2  d sin  2 (d  <r — d y2)  sin  2 (d<f2 — d (f,)  sin2  ?r 
— sin  2 d (f  i cos  2 (dff — d (f  2 ) sin  2 (d  y2  — d y,)  sin2 


26) 
r-f  dr 


— cos  2 d tf,  cos  2 (dff — d y2)  sin2  (d  ff2  — dy,)  sin2  71  ^ 

d r 

+ cos  2 d (fj  cos  2 (d  a — d (p„)  cos2  (d  y2 — d y,)  sin2  n — — 
Diese  Gleichung  lösen  wir  nach  d r auf  und  finden 


, „ A x A + VA*  + 4BC 
d r = — arc  tg  — — * 1 


Darin  bedeuten : 
2 Ti  r 


A = sin 


- (b  + 2c  — 4c  sin2  n 

r 

1. 

.T 


20 

r\ 


27) 


A/ 


B = -j-  — e + sin2  n — ( a — j—  b 4 c cos2  n 


4-  sin2  n (b  4-  2 c 
1 A 


und 


C = d-(-e  — b — c 

a = cos  2 d cf  i sin  2 (d  a — d <p2)  sin  2 (d  cp., — d <p ,) 

b = sin  2 d <pt  cos  2 (d  ff — d t^2)  sin  2 (d  y2 — d </>,) 

c = cos  2 d (ft  cos  2 (d  a — d (f2)  sin2  (d  <f  2 — d (/>,) 

d = cos  2 d (fi  cos  2 (d  a — d (f2)  cos2  (d  q>2 — d cfj 

e = sin2  d er. 


a) 


1 F.  Pockels,  Lehrbuch  der  Kristalloptik.  Leipzig  und  Berlin  1906. 
p.  268.  Gleichung  V. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  30 


466 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


Wenn  wir  den  Wurzelausdruck  näher  untersuchen,  so  zeigt 
sich,  daß  er  0 wird,  für  d a = d (f}  = d <y2  = 0,  sonst  aber  stets 
imaginär  ist,  sobald  wir  J = 0 annehmen.  Das  besagt,  daß  nur 
für  d o = d (fx  = d cp2  = 0 vollkommen  dunkle  Interferenz-  und 
Kompensationsstreifen  möglich  sind.  Andernfalls  spielt  bei  der 
Einstellung  die  Stelle  minimalster  Helligkeit  die  Bolle  des 

Kompensationsstreifens.  Dann  hat  das  Helligkeitsverhältnis  j einen 

solchen  Wert,  daß  A2  -f  4 B C = 0 ist,  d.  h.  der  fehlerhafte 
Betrag  des  gemessenen  Gangunterschiedes  ist 


d r = 


A 

arCtg  2C 


28) 


Bis  dahin  gilt  die  Gleichung  streng  für  jedes  da,  d qr, , d yv 
Wir  können  die  Berechnung  wesentlich  vereinfachen  und  die 
Formel  leichter  diskutieren,  wenn  wir  uns  auf  kleine  Werte  von 
da,  d d if0,  also  auf  Fehler  beschränken.  Dann  ist  mit  sein- 
großer  Annäherung  C = 1 und  ebenso  der  cos  der  Winkel  gleich  1 . 
Setzen  wir  noch  für  den  sin  den  Bogen,  so  erhalten  wir  schließlich 


, ä | . 2 Ti  r 
dr  = — arc tg  sin  — - — 

71  I X 


(d  <f,—  d y,)  |^2  d (ft  -|-  (d  (fs-  d<j,)  cos  — 


29) 


Aus  dieser  Gleichung  folgern  wir: 

Die  Justierungsfehler  beeinflussen  die  Lage  des 
Kompensationsstreifens  nicht,  wenn  der  zu  messende 
Gang  unter  schied  ein  ganzes  (gerades  oder  ungerades) 
Vielfaches  einer  halben  Wellenlänge  des  benutzten 
Lichtes  ist. 

Für  einen  beliebigen  Gangunterschied  wird  der 
richtige  Wert  gemessen,  wenn  die  Fehler  in  der 
Orientierung  der  Kristallplatte  und  des  Kompen- 
sators gleich  groß  und  gleichsinnig  sind.  In  den 
anderen  Fällen  ist  der  Kompensationsstreifen  um 
einen  Betrag  nach  höheren  oder  geringeren  Werten 
der  Doppelbrechung  verschoben  und  zwar  um  so 
mehr,  wenn  die  Fehler  dr/'1  und  d(p2  entgegen- 
gesetztes Vorzeichen  haben. 

Der  Fehler  da  in  der  Null-Stellung  des  Analy- 
sators ist  für  die  Lage  des  Kompensationsstreifens, 
ohne  Bedeutung  und  wirkt  wesentlich  dahin,  daß  sich  eine 
allgemeine  Helligkeit  den  Interferenzstreifen  überlagert.  Er  be- 
einflußt jedoch  die  A us  lös  chun  gsla  ge  1 der  Kristall- 
platte, daher  auch  ihre  richtige  Einstellung  in  die  Diagonallage 
und  somit  indirekt  den  gemessenen  Gangunterschied. 


1 M.  Berek,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIII.  p.  615.  1912^ 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


467 


Tabelle  4. 

Einfluß  derJustierungsfehlerd^jiindd^j  auf  die  Messung 
des  Gang  Unterschiedes  r. 


dVt='3 

oder  d (fij  = — £ 

, d if2=  3 

d<G  = 4G 

°;dV2  = 0 

d<fj  =0;  c 

<pt  = ± 3° 

r 

d r in  °/oo 

in  ftfj,  fiir  D 

d r in  °/oo 

in  uu  f.  D 
■ ■ 

d r in  °/oo 

in  fxu  f.  D 

0 2 
3o  * 

0,00 

0,0000 

0,0 

0.000 

0.0 

0,000 

35 

0,34 

0,0056 

5.6 

0,092 

5,5 

0,091 

3 

33 

2,9 

0,14 

6,0 

0,29 

4,56 

0.224 

8 

33 

9.0 

0,88 

6,8 

0,67 

2,28 

0,224 

3Jff 

14 

2,06 

7,0 

1,0 

0,0 

O.OCO 

n 

14 

2,59 

6.3 

1,13 

0,93 

0,167 

14 

2,67 

5,7 

1,11 

1,14 

0,224 

H 

12 

2,59 

4,9 

1,0 

1,20 

0,255 

3 6 

10 

2,3 

4,0 

0,92 

1,11 

0,255 

1 6 
3ti 

5.2 

1,4 

2,0 

0,52 

0,64 

0,167 

1 7 
36 

2,5 

0,7 

0,97 

0,27 

0.32 

0,091 

1 8 
33 

0,0 

0,0 

0,0 

0,00 

0500 

0,000 

Für  d y,  = 0 , d <f2  = 0 und  d = — d (f2  ist  der 
Fehler  d r proportional  dem  Quadrat  des  Fehlers  d cp2 
bezw.  dr/1,  bezw.  d<p2 — d cpr  Für  diese  drei  Fälle  sind  die  Fehler 
in  Tab.  4 nach  29  berechnet.  In  bezug  auf  0/  und  ist  die 
Tabelle  in  ihren  absoluten  Werten  symmetrisch,  nur  kehrt  sich 
dort  das  Vorzeichen  der  Fehler  um.  Nach  dem  Obigen  erhält 
man  aus  dieser  Tabelle  die  Fehler  z.  B.  für  d (pt  = 1 °,  d = — 1 °. 
wenn  man  die  Werte  der  ersten  Tabellengruppe  durch  9 dividiert. 

Die  entsprechenden  Fehlerkurven  sind  in  Fig.  7 gezeichnet. 
Der  Maßstab  der  Ordinaten  ist  entsprechend  der  Fehlergröße  d cp 
willkürlich  gelassen.  Aus  Fig.  7 geht  hervor,  daß  es  vor  allem 
wesentlich  ist,  die  Diagonalstellung  der.  Kristall- 
platte genau  innezuhalten,  da  ein  alleiniger  Fehler  in  (p2  (siehe 
die  Kurve  d< f\—U)  von  unbedeutendem  Einfluß  ist.  In  diesem 

Falle  ist  die  Fehlerkurve  schon  zu  -j-  symmetrisch  und  das  Maximum 
des  Fehlers  tritt  für  0 und  ungerade  ganze  Vielfache  davon  auf. 

O 

Mit  zunehmendem  Fehler  in  <fx  verschiebt  sich  das  Maximum  des 
Fehlers  in  T von  nach  hin. 

O — 

Dieser  methodische  Messungsfehler  im  Gangunterschiede  kommt 
additiv  zu  dem  aus  der  Einstellungsempfindlichkeit  berechneten  Fehler 
hinzu.  Wir  wollen  festsetzen,  daß  dem  berechneten  mitt- 
leren Fehler  noch  dann  eine  reelle  Gültigkeit  zu- 

30* 


468 


M.  Berek,  Zur  Messung  der  Doppelbrechung 


kommt,  wenn  der  durch  die  mangelhafte  Justierung  bedingte  Fehler 
nicht  größer  als  \ des  berechneten  Resultatsfehlers  ist. 


Fig.  7.  Fehlerkurven  für  Gangunterschiede  F (mit  beliebigem  Kompen- 
sator gemessen)  bei  fehlerhafter  Stellung  der  Kristallplatte  dy,  und  des 
Kompensators  d <pr 

Abszissen:  wirklicher  Gangunterschied  F. 

Ordinaten : Betrag  des  Fehlers  d r. 

I : d <p2  = — d (p , 

II:  dc/>2  = 0 | das  andere  dy  hat  dieselbe 
III : d «ft  = 0 ) Größe  wie  bei  I (vgl.  Tab.  4). 

IV : d (f-2  = d y,. 

Bei  petrograpliischen  Arbeiten  wird  man  gelegentlicli  mit 
Maximalfehlern  der  Orientierung  von  14°  zu  rechnen  haben.  In 
diesem  Falle  sind  die  Fehlerbeträge  gleich  dem  vierten  Teil  der 

Tab.  4.  Also  im  Maximum  ist  für  -jr  der  Betrag  d r = 0,7  ////. 

Da  der  mittlere  Fehler  einer  Messung  bei  dieser  Größenordnung 
von  r für  den  Kompensator  nach  Babinet  4,4  a u für  unseren 
Kalkspat  kompensator  3,5  beträgt,  so  hätte  es  keinen 
Wert  durch  mehr  als  3 bezw.  2 Einstellungen  eine  reelle  höhere 
Genauigkeit  des  Mittelwertes  erreichen  zu  wollen. 

Fragt  man  umgekehrt,  wie  genau  Kristallplatte  und 
Kompensator  orientiert  sein  müssen,  damit  noch  dem 
mittleren  Fehler  eines  M i tt  el  w er  t es  aus  10  Einstellungen 
eine  reelle  Gültigkeit  zukommt,  so  folgt  nacli  Obigem,  indem 


hauptsächlich  mit  Hilfe  des  Polarisationsmikroskops. 


469 


man  für  die  Rechnung  die  beiden  zugeordneten  Werte  d ff  = l-ö-° 

und  d r — 0,7  uu  benutzt: 

für  die  Anordnung  von  H.  Schulz: 

mf10  = 0,44;  = 2,52;  mithin  d</;j  2 = ^ = 36' 

für  den  Kompensator  nach  Babinet: 

0 7-4  ia° 

m fJ0  = 1,4 ; -’14  = 1,4*;  mithin  d¥l  , = f*-  = 1#4' 

für  den  drehbaren  Kalkspatkompensator: 

0.7  • 4 IV 0 

mf10  = 1.1;  - — = 1,6*;  mithin  d (pl2  = = 56'. 

Eine  so  genaue  Orientierung  der  Kristallplatte  ist  schon  bei 
Anwendung  geringer  Sorgfalt  möglich.  Dagegen  ist  eine  so  genaue 
Orientierung  des  Kompensators  in  den  meisten  Fällen  schon  des- 
halb nicht  möglich , weil  gewöhnlich  mechanisch  über  die  Ein- 
stellung des  Kompensators  durch  Anlage  eines  Schlitzes  am  unteren 
oder  oberen  Ende  des  Mikroskoptubus  verfügt  ist.  Um  sicher  zu 
gehen,  wird  man  daher  auf  die  genaue  Diagonalstellung 
der  Kristallplatte  möglichste  Sorgfalt  verwenden  müssen,  denn 
dann  sind  die  übrigbleibenden  Fehler  in  der  Orientierung  des  Kom- 
pensators, wie  Fig.  7 zeigt,  von  ganz  untergeordneter  Bedeutung. 

Der  neue  drehbare  Kalkspatkompensator  hat  nun 
vor  dem  BABixET’sehen  Kompensator  infolge  des  bogenförmigen 
Verlaufs  der  Stellen  gleichen  Gangunterschiedes  und  der  damit 
verbundenen  Orientierung  der  Polarisationsrichtungen  den  großen 
Vorzug,  daß  die  Kompensationsstreifen  nicht  mit  sym- 
metrischer Intensität  durch  den  Schnittpunkt  der  Okular- 
fäden hindurchgehen,  sobald  die  Kristallplatte  nicht 
genau  in  der  Diagonalstellung  steht  (vergl.  Fig.  5 und  6). 
Auf  diese  Weise  ist  man  bis  zu  gewissem  Grade  schon  ge- 
zwungen, während  der  Messung  die  genaue  Orientierung  der  Kristall- 
platte  inne  zu  halten,  und  erzielt  das  einfach  dadurch,  daß  man 
die  Kristallplatte  so  weit  dreht,  bis  die  Lichtintensität  auf  den 
Kompensationsstreifen  symmetrisch  zur  Mitte  des  Gesichtsfeldes 
verteilt  ist.  Die  Testierenden  Fehler  in  der  Diagonalstellung  des 
Schlitzes  sind  dann  von  verschwindendem  Einfluß. 

Zusammenfassung. 

I.  Der  drehbare  Kalkspatkompensator  weist  innerhalb 
des  benutzten  Drehungsbereiches  eine  Farbfolge  mit  ungefähr  gleicher 
Annäherung  an  die  XEWTOx’sche  Farbenskala  auf  wie  die  Quarz- 
keil-Kompensatoren. Durch  beliebige  Wahl  der  Dicke  des  Kom- 
pensatorblättchens kann  der  Meßbereich  beliebig  erweitert  werden. 
Die  Empfindlichkeit  und  Zuverlässigkeit  des  Kompensators  steht 
der  des  BABisErschen  nicht  nach  und  ist  für  geringe  Gangunter- 
schiede erheblich  größer.  Der  Kompensator  eignet  sich  auch  zur 
Bestimmung  des  optischen  Charakters  im  parallelen  und  konver- 


470 


G.  Hoffmann.  Vergleich  des  unteren  Dogger 


genten  polarisierten  Licht  sowie  für  stauroskopische  Bestimmungen. 
Der  Kompensator  ist  ohne  weiteres  an  jedem  Polarisationsmikroskop 
zu  benutzen  und  nicht  an  die  Anwendung  eines  Aufsatzanalysators 
oder  besonderen  Okulars  gebunden.  Seine  Konstruktion  und  Hand- 
habung sind  einfach.  Der  Zusammenhang  zwischen  den  Ein- 
stellungen uud  der  Größe  des  Gangunterschiedes  wurde  durch  eine 
aus  den  Brechungsgesetzen  abgeleitete  Näherungsformel  dargestellt. 
Die  Berechnung  der  Meßresultate  wird  durch  die  Anwendung  einer 
logarithmisclien  Tafel  bequem  gemacht. 

II.  Bei  jeder  Art  von  Kompensatoren  hängt  der  ge- 
messene Betrag  der  Doppelbrechung  von  den  Justierungen  der 
Kristallplatte,  des  Kompensators  und  des  Analysators  ab.  Die 
Justierungsfehler  beeinflussen  die  Lage  des  Kompensationsstreifens 
nicht,  wenn  der  zu  messende  Gangunterschied  ein  beliebiges  ganzes 
Vielfaches  einer  halben  Wellenlänge  der  benutzten  Lichtart  ist. 
Ein  beliebiger  Gangunterschied  wird  fehlerfrei  gemessen,  wenn  die 
Fehler  in  der  Orientierung  der  Kristallplatte  und  des  Kompen- 
sators gleichgroß  und  gleichsinnig  'sind.  Der  gemessene  Gang- 
unterschied wird  in  dem  Falle  mit  den  größten  Fehlern  behaftet 
sein,  wenn  die  Justierungsfehler  in  der  Orientierung  der  Kristall- 
platte uud  des  Kompensators  entgegengesetztes  Vorzeichen  haben. 
Wesentlich  ist  vor  allem  die  genaue  Orientierung  der  Kristallplatte, 
da  ein  alleiniger  Fehler  in  der  Orientierung  des  Kompensators 
von  unbedeutendem  Einfluß  ist.  Der  Fehler  in  der  Null-Lage  des 
Analysators  ist  nur  indirekt  von  Bedeutung,  indem  er  die  Ein- 
stellung der  Kristallplatte  in  die  Diagonallage  beeinflußt. 

Bei  Benutzung  des  drehbaren  Kalkspatkompensators 
werden  gerade  die  wesentlichen  F ehler  in  der  Orientierung  der 
Kristallplatte  bei  der  Messung  auf  ein  Minimum  herabgesetzt1. 

Wetzlar,  Optische  Werke  von  E.  Leitz,  im  März  1913. 


Vergleich  des  unteren  Dogger  im  Schwäbischen  Jura  mit 
dem  von  Hannover. 

Von  Guido  Hoffmann  in  München. 

Mit  1 Textfigur. 

Soeben  ist  im  Schweizerbart’schen  Verlage  in  Stuttgart  meine 
Arbeit  über  T Stratigraphie  und  Ammonitenfauna  des  unteren  Dog- 
gers in  Sehnde  bei  Hannover“  erschienen.  Die  Arbeit  ist  im 
engsten  Sinne  des  Wortes  eine  Lokalmonographie. 

Über  keine  Ammonitenfaunen  sind  so  inhalts-  und  abbildungs- 
reiche Monographien  erschienen  wie  über  diejenigen  des  unteren 
Doggers.  Ich  erinnere  nur  an  Quenstedt,  Buckmax  und  Horx. 

Leider  waren  aber  alle  diese  Arbeiten  aus  Schwaben,  Eng- 


1 Dem  Teil  I dieser  Mitteilung  folgt  noch  eine  Berichtigung. 


im  Schwäbischen  Jura  mit  dem  von  Hannover. 


471 


laud  und  dem  Donau-Rhein-Zuge  nicht  im  eigentlichen  Sinne  strati- 
grapliisch,  d.  h.  geologisch,  sondern  paläontologisch. 

Dieser  letztere  Weg  ist,  wo  die  Beobachtung  eines  Profils 
unmöglich,  der  einzig  gangbare.  Aber  wir  dürfen  uns  nie  darüber 
täuschen,  daß  er  uns  nur  mit  dem  Material  als  solchem  vertraut 
macht  und  keine  Unterlagen  für  feinere  geologische  Studien,  des- 
cendenztheoretische  Betrachtungen  und  paläogeographische  Rekon- 
struktionen bietet.  Untersuchungen  wie  die  letzteren  sollten  unter- 
bleiben, solange  die  Fauna  eines  Schichtenkomplexes  oder  Zeit- 
abschnittes nicht  streng  stratigraphisch  festgelegt  und  so  in  ihrer 
Nachfolge  und  Variationsbreite  erkannt  ist. 

Die  folgenden  Zeilen  machen  den  Versuch , meine  Arbeit, 
welche  bisher  nur  für  Nordwestdeutschland  Geltung  haben  konnte, 
über  den  Rahmen  einer  Lokalmonographie  hinauszuführen. 

Die  Fazies  oder  besser  die  petrographische  Beschaffenheit 
des  Gesteins  des  unteren  Doggers  in  Schwaben  hatte  Quenstedt 
zu  seiner  alphabetischen  Einteilung  veranlaßt.  Praktisch  erfordert 
jede  Gegend  eine  solche  Gliederung,  aber  die  wissenschaftliche 
Erkenntnis  trachtet  darnach,  hei  ihren  Einteilungen  dem  Zeitbegriff 
gerecht  zu  werden,  der  sich  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  bei 
vergleichendem  Studium  ergibt.  Der  untere  Dogger  Schwabens, 
besonders  des  Donau-Rhein-Zuges,  ist  demjenigen  Nordwestdeutsch- 
lands sehr  ähnlich.  Bedenkt  man  aber,  daß  die  Posidonomi/en- 
Schiefer  und  die  ./««reusis-Mergel  im  Schwäbischen  Jura  genau  so 
beschaffen  sind  wie  in  Nordwestdeutschland,  so  muß  man  für  den 
unteren  Dogger  andere  Faziesverhältnisse  annehmen.  Infolgedessen 
ist  bei  Quenstedt  der  Dogger  ß etwas  zu  kurz  gekommen.  Zieht 
man  nun  noch  in  Betracht,  daß  der  ß sandig  ist  und  deshalb  eine 
größere  Mächtigkeit  beanspruchen  dürfte  als  der  tonige  a,  so  wird 
der  Fehler  noch  größer.  Ferner  sollte  man  nie  vergessen,  daß 
die  tonigen  Schichten  am  Rande  der  Alb  unter  dem  Drucke  der 
auf  ihnen  lastenden  Malmkalke  wie  ein  Polster  ausgewalzt,  also 
von  geringerer  Mächtigkeit  zu  sein  scheinen,  als  sie  in  Wirklich- 
keit in  den  tieferen  Lagen  des  Gebirges  sind. 

In  Nordwestdeutschland  setzen  die  Opalinus- Tone  mit  einem 
Basalkonglomerat  ein  und  zeigen  in  ihren  Tutenmergeln,  Nagel- 
kalken und  zertrümmerten  Bänken  deutliche  Spuren  starker  Aus- 
walzung. Ihre  Mächtigkeit  ist  in  Nordwestdeutschland  nicht  normal. 
In  Süddeutschland  dagegen  (am  Wasserfall  von  Zillhausen  gut  zu 
sehen)  sind  die  Schichten  von  stattlicher  Mächtigkeit,  und  zwar,  wie 
es  scheint,  von  annähernd  derselben  Mächtigkeit  wie  der  ß in  Nord- 
westdeutschland, wo  er  tonig  ausgebildet  ist.  Im  Schwäbischen  Jura 
wie  bei  Hannover— Hildesheim  besteht  der  a aus  blauschwarzen  Tonen 
mit  rhythmisch  auftretenden  Ivalktonlinsen-Bänken.  Der  ß aber  ist  am 
Scheffheu  (Donau-Rhein-Zug)  anders  als  bei  Spaichingen  (Katzen- 
steigle  bei  Frittlingen  und  Wochenberg  bei  Schörzingen),  wieder 


472 


(t.  Hoffmarn,  Vergleich  des  unteren  Dogger 


anders  im  Aasrücken  (Hohenstaufen — Rechberg — Staufeneck — Donz- 
dorf)  und  noch  anders  zwischen  Westhausen  und  Lauchheim  bei 
Westerhofen.  (Von  den  Eisensandsteinen  bei  Aalen  ganz  abgesehen.) 

Während  am  Schelf  heu  erst  der  obere  ß sandig  wird,  ohne 
Sandstein  zu  bilden , sieht  man  bei  Spaichingen  diesen  Facies- 
wechsel  früher  eintreten ; bei  Eislingen  treten  im  oberen  ß regel- 
rechte Sandsteine  (Personaten-Sandsteine)  auf  mit  Rippelmarken, 
darüber  Basalkonglomerate  und  Liimaschellen,  dann  Tone,  Mergel 
und  Kalke.  Diese  Reihenfolge  wiederholt  sich  mehrere  Male,  wie 


Die  Sandkalke  und  Sandmergel  des  oberen  Dogger  ß am  Scheffheu. 


jetzt  sehr  schön  beim  Aufstieg  zum  Rechberg  am  Wege  vom 
Bahnhof  zu  beobachten  ist.  Zwischen  Westhausen  und  Lauchheim, 
bei  Westerhofen  haben  wir  sogar  eine  mehrere  Meter  mächtige 
Bank  äolischen  Sandsteines,  über  der  wieder  das  vorher  erwähnte 
Schwanken  eintritt.  Die  Folge  dieses  Fazieswechsels,  der  ein  be- 
ständiges Schwanken  des  Meeresspiegels  in  diesen  Gebieten  zur  Zeit 
des  Dogger  ß verrät,  kommt  auch  faunistisch  zum  Ausdruck.  Die  Am- 
moniten, welche  wir  in  den  sandigen  Schichten  suchen  möchten,  sind 
selten  und  fehlen  im  Sandstein  bei  Aalen  und  Westerhofen  gänzlich. 

Die  Stratigraphie,  welche  ich  in  Sehnde  feststellen  konnte, 
stößt  deshalb  im  Schwäbischen  Jura  stellenweise  auf  Schwierig- 
keiten, wenn  auch,  wie  ich  hier  ausdrücklich  erwähne,  alle  Arten 
und  die  meisten  Variationsformen  von  Hannover  im  Schwäbischen 
Jura  Vorkommen.  Die  Sammlungen  von  Freiburg  (ScHAix-H’sche 
Sammlung),  Tübingen , Stuttgart  und  Eislingen  und  die  vieler 


im  Schwäbischen  Jura  mit  dem  von  Hannover. 


473 


Privatsammler  lieferten  mir  die  Beweise  dafür.  Keiner  der  Sammler 
hat  die  irrige  Ansicht  Quenstedt’s,  daß  Ludwigia  Murchisonae 
(Sow.  Typus)  mit  der  breiten  Externfläche  zugleich  mit  der  scharf- 
kieligen  X.  Staufensis  (Oppel)  vorkäme,  bestätigen  können.  Der 
eifrigste  der  schwäbischen  Sammler,  Pfarrer  Engel,  konnte  hier- 
über keine  Auskunft  geben.  Wie  bei  den  alten  Sammlungen 
Norddeutschlands,  so  war  auch  in  Schwaben  die  Fossilisation  ein 
guter  Wegweiser  und  ein  Beweis  dafür,  daß  die  Sehnder  Arten 
auch  in  Schwaben  getrennt  Vorkommen;  so  hat  denn  die  strati- 
graphische Einteilung  in  Ammoniten-Subzonen  auch  für  den  Schwä- 
bischen Jura  Geltung.  Die  Annahme  und  Möglichkeit,  daß  die 
unvermittelt  auftretende  X.  Murchisonae  (Sow.)  in  Schwaben  schon 
in  der  Staufensis-Sübzone  aufträte , ist  mir  von  keiner  Seite  be- 
stätigt worden.  Der  Irrtum  der  Einteilung  in  Murchisonae-  und 
Discus- Zone  ist  darauf  zurückzuführen,  daß  die  Vorformen  von 
Ludwigia  Staufensis  (Oppel),  Quenstedt’s  Discus,  für  Ludwigia 
Murchisonae  gehalten  worden  sind.  X.  Murchisonae  Typus  kommt 
sehr  selten  vor  uud  wird  in  den  Sammlungen  als  Ammonites  obtusus 
(Buckman)  geführt.  Keiner  der.  bekannten  Sammler  hat  sie  in 
Schwaben  je  aus  ihrem  Lager  gehoben.  Vereinzelte  kleine  Ver- 
wandte der  marinen  Vorfahren  von  Inidwigia  Murchisonae  (Sow.) 
sind  auch  nach  Süddeutschland  verschlagen  worden.  Selbige  sind 
aber  in  der  Kegel  klein  und  unbedeutend  und  wären  erst  von 
Interesse,  wenn  die  weiteren  Vorfahren  von  L.  Murchisonae  (Sow.) 
ans  anderen  (amerikanischen  oder  arktischen)  Gebieten  bekannt  werden. 

Die  Subzonen,  welche  in  Süddeutschland  sandig  ausgebildet 
sind,  sind  daselbst  auch  ammonitenarm.  Daher  kommt  L.  coucava 
(Sow.-J.  Buckman)  und  L.  discites  (Waag.)  sehr  selten,  am  Scheffheu 
aber,  wie  ich  in  Freiburg  und  Achdorf  (Gastwirt  zur  Linde)  fest- 
stellen konnte,  häufiger  als  in  Schwaben  vor.  Die  Zwischenformen 
von  L.  Murchisonae  (Sow.)  zu  L.  concava  (Sow.),  L.  Bradfordensis 
(Buckman),  ist  in  Schwaben  häufiger  als  L.  Murchisonae  (Sow. 
Typus).  Besonders  häufig  aber  sind  am  Scheffheu  in  den  Mergeln 
und  Tonen  des  unteren  ß die  Vorformen  von  L.  Staufensis:  L.  Tolu- 
taria  (Dum.)  und  L.  Sehndensis  (nov.  sp.)  und  L.  Sinon  (Bayle)  in 
allen  Varietäten.  Auch  L.  costosa  (Qu.  emend.  Hoffmann)  kommt 
im  oberen  a mit  der  großen  Form  von  L.  opalina  (Kein)  gemein- 
sam vor,  eine  merkwürdige  Erscheinung,  welche  ich  auch  schon 
in  Sehnde  feststellte  und  welche  auf  das  Wandern  der  Ammoniten 
(mit  der  Strömung?)  als  Regel  mit  geringen  Ausnahmen  hinweist. 

L.  Sehndensis  und  L.  Tolutaria  habe  ich  selbst  wiederholt 
am  Scheffheu  als  aufeinanderfolgend  festgestellt.  Wie  mir  Herr 
Bergrat  Schalch  persönlich  versicherte  und  die  Sammlungen  Quen- 
stedt’s  und  Engel’s,  ebenso  die  von  Fraas,  bestätigten,  kommt 
X.  discites  (Waag.)  wie  in  Sehnde,  so  auch  hier  mit  Sonninien 
gemeinsam  vor. 


474 


G.  H offmann,  Vergleich  des  unteren  Dogger  etc. 


Die  Einteilung  des  ß nach  Inoceramen  läßt  sich  im  Schwä- 
bischen Jura  gut  verfolgen.  Inoceramus  fuscus  (Qu.),  die  scliwach- 
rippige  Form,  beherrscht  den  unteren  und  I.  polyplocus  (Roemer), 
die  starkrippige  Form,  den  oberen  ß,  zu  dem  wir  auch  einen  Teil 
der  /-Schichten  zählen  müssen. 

Paläontologisch  betrachtet  scheinen  die  süddeutschen 
Formen  etwas  anders  gerippt  und  schwankender  in  der  Sutur  zu 
sein  als  die  norddeutschen.  „Scheinen“  sage  ich,  weil  diese  Unter- 
schiede äuf  den  Erhaltungszustand  zurückzuführen  sind. 

Während  bei  Hannover,  wie  meine  Abbildungen  zeigen,  die 
Perlmutterschicht  z.  T.  noch  erhalten  ist,  fehlt  sie  in  Süddeutsch- 
land vollständig  und  man  hat  es  nur  mit  Steinkernen  zu  tun. 
Infolgedessen  sind  die  Rippen  unklarer  und  die  Suturen  steifer  im 
Ausdruck  und  deshalb  weniger  gut  als  Charakteristika  zu  erkennen. 
Das  norddeutsche  Material  war  berufener,  in  diese  Frage  Klärung 
zu  bringen.  Einige  Exemplare  haben  mir  bewiesen,  daß  in  Schwa- 
ben die  Grenzen  der  Variationsbreite  der  einzelnen  Arten  bezüglich 
der  Dicke  der  Objekte  noch  weiter  zu  ziehen  sind,  als  ich  es 
getan  habe. 

Die  Aufstellung  der  Reihen  aber  bleibt  bestehen.  Ludwigia 
Staufensis  (Oppel)  entwickelt  sich  aus  L.  costosa  durch  Zunahme 
der  Hochmündigkeit  und  der  Scharfkieligkeit  und  durch  Enger- 
werden des  Nabels;  ebenso  L.  discites  (Waag.)  aus  L.  Murchisonae 
(Sow.).  Hier  wie  dort  zeigt  sich  L.  Murchisonae  (Sow)  unver- 
mittelt auftretend,  als  anderorts  entstandener  Nachkomme  von 
L.  costosa. 

Auf  Grund  dieser  Feststellungen  glaube  ich  verpflichtet  zu 
sein,  für  streng  stratigraphische  Lokalmonographien,  wie  kostspielig 
ihr  Studium  und  ihre  Herausgabe  auch  ist,  eine  Lanze  brechen 
zu  müssen. 

Die  Aufrollung  descendenztheoretischer  Probleme  aus  Art- 
namen ohne  gründliche  Prüfung  der  Literatur  und  der  in  Frage 
stellenden  Objekte  ist  ein  unnötiges  und  unwissenschaftliches  Be- 
lasten unserer  Literatur.  Nicht  nur  Haug,  sondern  auch  deutsche 
Autoren  müssen  sich  diesen  Vorwurf  gefallen  lassen.  Wie  ich  in 
meiner  Monographie  ausgeführt  habe , ist  L.  Staufensis  (Oppel) 
eine  dekadente  Form  und  dasselbe  glaube  ich  auch  auf  Grund  der 
Beobachtung  wiederkehrender,  bestimmt  gerichteter  Entwicklung 
von  L.  discites  (Waag.)  und  Ammonites  affinis  (von  Seebach),  der 
nur  an  einer  Stelle  in  Norddeutschland  gefunden  wurde  und  auch 
am  Donau-Rhein-Zuge  vorkommt. 

Ein  Inselarchipel  im  europäischen  Mittelmeer  mußte  der  Platz 
zum  Entstehen  und  Verfall  neuer  Arten  aus  eingewanderten  (pela- 
gischen, marinen)  Formen  sein.  Hierüber  müssen  uns  pacifische 
Funde  noch  Aufklärung  geben  können. 


W.  Freudenberg,  Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  etc.  475 


Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  und  die  schwäbische 

Hochterrasse. 

Von  W.  Freudenberg. 

W.  0.  Dietrich1  führt  zunächst  die  Bedeutung  des  Fundes 
fiir  die  „ Mannnutforschung“  aus.  Dann  werden  wichtigere  Mammut- 
funde in  Schwaben  aufgezählt.  Das  Jahr  1700  bedeutet  einen 
Merkstein  durch  die  Ausgrabung  (April — Oktober  1700)  des  Her- 
zogs Eberhard  Ludwig.  Vier  Jahre  früher  war  bei  Burgtonna 
in  Thüringen  gleichfalls  unter  fürstlicher  Leitung  die  Ausgrabung 
eines  ? Elephas  anf/gwus-Skelettes , 1816  Hebung  der  Mammut- 
stoßzahngruppe auf  dem  Seelberg  erfolgt. 

Wichtig  ist  die  Hervorhebung  des  Größenunterscliiedes  der 
„Schotter-Mammute“,  die  1823  auf  dem  Bosenstein  von  König 
Wilhelm  und  auf  der  Winterhalde  1860  von  0.  Fuaas  ausgegraben 
wurden,  gegenüber  den  kleineren  Lößmammuten,  die  jedoch  nur 
während  der  Niederterrassenzeit  wirklich  kleine  Kümmerformen 
waren.  Zwischen  diesen  beiden  Rassen  bestehen  auch  sonstige 
Unterschiede,  wie  sie  zwischen  Ahnform  und  Nachkommen  zu  er- 
warten sind. 

„Die  Statistik  und  Inventur  der  fossilen  Elefanten  in  Schwa- 
ben“ ist  als  ein  Versuch  anzuselien.  Die  Mammutdichte  auf  1 km2 
des  Landes  glaubt  Dietrich  auf  10 — 12  Individuen  berechnen  zu 
können.  Gesetzt,  die  Eiszeit  habe  400  000  Jahre  gedauert,  so  ergeben 
sich,  nach  dem  Vermehrungsmodus  der  afrikanischen  Elefanten, 
20 — 24  Millionen  Tiere  während  der  Diluvialzeit  im  Neckar-  und 
Jagstkreis  von  Württemberg,  d.  h.  der  2000fache  Teil  des  4 km2 
großen  Gebietes,  auf  dem  man  mammutfündig  werden  kann.  „Die 
Auffindung  und  Bergung  des  Skelettes“  ist  ein  großes  persönliches 
Verdienst  des  Verf.’s  und  auch  in  hohem  Maße  des  Herrn  Prof. 
Dr.  E.  Fraas  in  Stuttgart,  der  dem  neuen  Biesenmammut  Pate 
gestanden  ist. 

Die  Einbettung  erfolgte  in  der  Weise,  daß  ein  Mammut- 
kadaver auf  einer  Kiesbank  im  Murrflusse  gestrandet  ist , viel- 
leicht zur  Winterszeit,  da  die  Sehnen  lange  genug  die  Knochen 
zusammenhielten,  bis  der  neu  herbeigeschaffte  Schotter  den  Kadaver 
zudeckte.  „Weiter  ist  die  Tatsache  wichtig,  daß  das  Skelett  teil- 
weise von  einem  harten  Konglomerat  wie  von  einem  Deckel  satt 
bedeckt  war.  Solche  durch  Ca  C 03  verkittete  Lagen  sind  sonst 
den  Steinheimer  Schottern  fremd;  wo  sie  auftreten,  sind  Knochen 
im  Spiel.  Das  Auftreten  der  zusammengebackenen  Lagen  erklärt 
sich  daraus,  daß  bei  der  Zersetzung  der  Fett-  und  Eiweißsubstanz 
des  Kadavers  durch  die  aufsteigenden  Gase  CaC03  gefällt  wurde, 

1 Jahreshefte  des  Ver.  für  vaterl.  Naturkunde  in  Württemberg.  1912. 

68.  p.  43 — 206.  Vergl.  auch  Dietrich’s  Arbeiten  über  die  Hirsche  von 
Steinheim,  ebenda  1909.  No.  67,  und  1910  No.  66. 


476 


W.  Freudenberg,  Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich 


der  den  Kies  und  Sand  zementierte.  Die  Stoßzalmspitzen  steckten 
in  harten  Schotterkappen,  hier  hatten  die  Stoßzähne  als  Leitungs- 
bahnen nach  unten  gedient.“ 

Der  „Erhaltungszustand“  ist  folgender:  Alle  Knochen  sind 
gelbgefärbt,  leicht  und  porös  und  ohne  die  geringsten  Formänderungen 
erhalten , namentlich  die  Stoßzähne  zeigen  weder  im  Querschnitt 
noch  in  ihrer  spiraligen  Biegung  irgendwelche  Verdrückung,  was 
von  den  im  Lehm  liegenden  selten  zutrifft.  (Hier  sagt  Verf.  etwas 
ganz  allgemein  Gültiges.  Lehmschichten  drücken  wie  flache  Bretter 
auf  eingeschlossene  Fremdkörper,  grobe  Schotter  aber  bilden  kom- 
plizierte Stützsysteme  nach  statischen  Prinzipien.  Bef.) 

Die  Lagerstätte,  an  deren  Basis  das  Mammutskelett  gefunden 
wurde,  besteht  von  unten  nach  oben  aus  folgenden  Schichten : 
1.  5 — 8 m gelbe  diagonalschichtige  Schotter  und  Sande,  2.  graue 
Schotter,  3.  graue  Schlickschicht,  verschieden  mächtig,  4.  roter 
Sand  1,5 — 2 m,  5.  Lößlehm  4 — 5 m. 

Sehr  wichtig  ist  das  Problem  des  Alters  der  „Fraasi“ -Basse 
des  Mammuts.  Die  Basse  ist  nicht  ganz  neu ; sie  wurde  von 
Jourdan  als  Elephas  intermedius  und  von  Pohlig  als  E.  primi- 
genius Trogonilieri  bezeichnet,  um  seiner  Anschauung  Ausdruck  zu 
geben,  daß  hier  eine  Übergangsform  vorliegt  zwischen  E.  meri- 
dionalis  Trogonilieri  und  E.  primigenius  typus.  Über  die  geologische 
Stellung  dieser  Basse  hat  Bef.  sich  geäußert  in : Das  Diluvialprofil 
von  Jockgrim  in  der  Pfalz  1 und  in  ausführlicherer  Weise  in  „Bei- 
träge zur  Gliederung  des  Quartärs  von  Weinheim  a.  d.  Bergstraße, 
Mauer  bei  Heidelberg,  Jockgrim  in  der  Pfalz  etc.“  2.  Es  tritt  über 
den  Kiesen  und  Sanden  der  Efo-Hscus-Stufe  regelmäßig  in  Süddeutsch- 
land ein  E.  primigenius  auf,  mit  den  altertümlichen  Merkmalen  der 
„ Fraasi“ -Russe,  in  einer  Zeit,  die  ich  in  die  Bückzugsperiode  der 
alpinen  Mindelvergletscherung  verlege.  Auf  diese  durch  Lößfall  und 
ein  kontinentales  Klima  gekennzeichnete  Periode  — sie  entspricht 
ganz  der  postglazialen  Magdaleuien-Epoche  am  Schlüsse  des  Würm- 
Glazials  — folgt  die  Hauptbildungszeit  des  älteren  Löß.  Er 
enthält  bei  Achenheim  in  einer  Lehmzone  die  Waldfauna  des 
Rhinoceros  Merck ii  und  des  Elephas  antiquus.  Darüber  kommt 
wieder  ein  glazialer  Horizont  mit  E.  primigenius  in  allen  voll- 
ständigen Diluvialprofilen  Süddeutschlands.  Er  entspricht  dem 
ersten  Vorrücken  der  Bißvergletscherung,  die  ich  als  Biß  I be- 
zeichne, und  von  Biß  II,  dem  wirklichen  Maximalstand  des  dilu- 
vialen Bheingletschers  durch  eine  warme  interstadiale  Epoche 
getrennt  ist  (Tuffe  von  Flurlingen  mit  Rhinoceros  Merckii  und 
Kohlenschichten  von  Dürnten  mit  dieser  Art  und  Elephas  antiquus). 


1 Ber.  d.  oberrhein.  geol.  Vereins.  1909.  Heidelberg.  42.  Vers.  p.  65  — 68- 

2 Notizblatt  des  Vereins  für  Erdkunde  und  der  Großh.  Geol.  Landes- 
anstalt zu  Darmstadt.  4.  Folge.  Heft  32.  1911. 


und  die  schwäbische  Hochterrasse. 


477 


Dies  ist  die  Zeit  der  Ablagerung  des  unteren  Travertins  von 
Taubach — Ehringsdorf  (vergl.  E.  Wüst’s  Arbeiten)  und  entspricht 
dem  Interstadial  von  Rabutz  in  Sachsen  ( Rhinoceros  Merckii  im 
Ton  zwischen  zwei  Moränen  der  Haupteiszeit).  Während  die 
skandinavische  Eiszeit  und  auch  die  Rhonegletschervereisung  in 
Riß  I gipfeln,  was  auch  für  die  Gletscher  des  südlichen  Schwarz- 
waldes gilt,  so  ist  doch  der  nach  Norden  fließende  Riß  I-Gletscher 
des  Rheins  usf.  nur  etwa  bis  zum  Rande  der  Würmendmoränen 
vorgedrungen  (Schmiedle)  Dies  geschah  deshalb,  weil  die  Nieder- 
schlagsverhältnisse und  die  Föhnwirkung  ganz  andere  sind  auf 
nördlich  fließende,  als  auf  südwärts  und  westwärts  strömende  Eis- 
massen. Die  Moränen  von  Riß  II,  die  Altmoränen  der  schwäbischen 
Geologen,  entsprechen  der  maximalen  Eiszeit  im  allgemeinen  nicht, 
denn  nur  nordwärts  stoßen  sie  am  weitesten  vor. 

Die  Gliederung  der  Steinheimer  Schottermassen  wurde  an  zwei 
verschiedenen  Orten  von  W.  Soekgel1 2  versucht:  in  einen  älteren 
Teil  mit  der  Fauna  des  ersten  Interglazials,  welcher  eine  höhere 
Terrasse  bilden  soll,  und  in  einen  jüngeren  Schotter,  welcher  gegen 
die  Murraue  die  Terrasse  bildet.  W.  Dietrich  fügt  p.  61  der 
hier  besprochenen  Arbeit  hinzu:  „Nur  die  Schotter  am  Westrande 
des  Zuges  (bei  Murr)  könnten  jünger  sein.  In  ihnen  fand  sich 
neben  der  älteren  auch  eine  jüngere  Fauna  ( Rhinoceros  tichorhinus, 
Cervus  tarandus,  Ursus  spelaeus),  ohne  daß  sich  aber  bisher  wirk- 
lich der  Fall  einer  Anlagerung  an  einen  älteren  Schotter  hätte 
nachweisen  lassen.“  Nach  der  Beobachtung  des  Ref.,  welcher 
April  1910  die  Fundstellen  besucht  hat,  kommt  in  der  Schotter- 
grube bei  Murr  nur  die  jüngere  Fauna  vor.  Aus  den  höheren 
Partien  der  grauen  Schotter  erhielt  er  einen  Molaren  von  Elephas 
primigenius  und  aus  einer  etwa  3 m tieferen  Lage  eine  doppelte 
Zahnreihe  des  im  Kalktuffe  von  Cannstatt  häufigen  Rhinoceros 
heviitoeclius 3.  Diese  Schotter  von  Murr  parallelisiere  ich  mit  den 
hangenden  grauen  Schottern  von  Steinheim.  Über  das  verwickelte 
schwäbische  Schotterproblem  gibt  ein  Brief  von  Dr.  Dietrich  an 
den  Ref.  Aufschluß,  den  er  hier  wörtlich  folgen  läßt  : 

„Lauffen  a.  N.  kenne  ich  jetzt  genauer:  Die  Schotter  liegen 
rund  20  m über  dem  Neckar,  sie  haben  bis  jetzt  ausschließlich 
geliefert:  1.  Elephas  antiquus,  2.  Rhinoceros  Merckii  (nach  des 

1 Sechs  Glazialschotter  bei  Thiengen  am  Oberrhein.  Mitt.  d.  bad. 
Landesvereins  f.  Naturkunde.  1911.  p.  65—69. 

2 Die  Pferde  aus  der  Schotterterrasse  von  Steinheim  a.  d.  Murr.  Neues 
Jahrb.  f.  Min.  etc.  1911.  Beil. -Bd.  XXXII.  p.  740,  und  Elephas  Trogontheri 
Pohlig  und  E.  antiquus  Fai.c.  etc.  Palaeontographica  1912.  60.  p.  47— 51. 

3 Der  25  m mächtige  Kalktuff  von  Münster  bei  Cannstatt  lieferte 
dem  kgl.  Naturalienkabinett  ein  Cranium  dieses  Nashorns  aus  einem  Niveau, 
das,  wie  ich  annehmen  möchte,  tiefer  liegt  als  der  Mammutlehm  in  andern 
Aufschlüssen,  etwa  des  Profils  11  bei  Brauhäuser:  Beiträge  zur  Strati- 
graphie des  Cannstatter  Diluviums.  Mitt.  a.  d.  Geol.  Abt.  d.  kgl.  württ. 
Stat.  Landesamts.  No.  6.  Stuttgart  1909. 


478 


W.  Freudenberg,  Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich 


Eef.  Bestimmung  liegt  Bit.  Merckii  var.  brachycephala  Schröder, 
die  Form  von  Daxland  und  Mosbach  vor),  3.  Bison  priscus , 
4.  Cervus  ( euryceros ) Germauiae  Pohlig,  5.  C.  ( euryceros ) ? Bel- 
grandi  (der  neben  C.  verticornis  Dawkins,  C.  elaplius  und  C.  ca- 
preolus,  in  einer  vom  Menschen  deutlich  bearbeiteten  Stange,  auch 
in  Jockgrim  vorkommt,  aus  Taubach  von  Pohlig  abgebildet 
wird),  6.  C.  elaplius , 7.  Equus  sp.  (E.  germanicus  Neu  ring),  8.  Val- 
lonia  sp.  9.  Lymnaeus  ovatus,  10.  Bythinia  tentaculata , 11.  Ancylus 
fluviatilis,  12.  Pisidium  sp.,  13.  Unio  batavus.  Vielleicht  ist  Lauffen 
etwas  älter  als  Steinheim,  aber  als  Hochterrasse  muß  man  doch 
beides  bezeichnen.  Nun  hat  mich  Herr  Soergel  in  Freiburg 
darauf  aufmerksam  gemacht,  daß  die  Ablagerungen  nach  ihrem 
paläontologischen  Inhalt  eher  mit  einem  Deckenschotter  zu  par- 
allelisieren  seien,  daß  in  der  „ Hochterrasse“  Elephas  trogontherii 1 
und  ein  derartiger  E.  antiquus,  wie  sie  Steinheim  geliefert  habe, 
nicht  mehr  Vorkommen,  daß  es  also  für  Steinheim  nicht  richtig 
sei,  den  ganzen  Schotterkomplex  als  Hochterrassenschotter  zu  be- 
zeichnen. Aus  dem  Fehlen  von  Übergangsformen  von  E.  trogon- 
therii und  E.  primigenius  in  Steinheim  glaubt  er  ferner  schließen  zu 
müssen,  daß  zwischen  den  oberen  und  unteren  Schotterpartien  ein 
scharfer  Schnitt  existiere.  Dazu  möchte  ich  Ihnen  auch  meine 
neuesten  Beobachtungen  in  Steinheim  mitteilen : Wir  haben  dort 
nämlich  neuerdings  das  ziemlich  vollständige  Skelett  eines  Mammuts 
ausgegraben  (3  Extremitäten,  Becken  und  Sacrum,  Schulterblatt, 
13  Wirbel  usf.,  Schädel  mit  den  Stoßzähnen  in  situ).  Folgende 
Teile  fehlen  also:  1.  der  untere  Kiefer,  2.  der  Zungenbeinapparat, 
3.  die  Halswirbelsäule,  4.  die  sechs  vordersten  Rumpfwirbel,  5.  das 
linke  Schulterblatt,  6.  die  linke  Vorderextremität,  7.  die  beiden 
Kniescheiben , 8.  die  Lendenwirbel,  9.  die  Schwanzwirbel.  Zur 
Ergänzung  wurde  genommen  der  Unterkiefer  eines  E.  trogon- 
therii Pohlig  (was  Ref.  bestreitet  wegen  der  großen  Ähnlichkeit 
alter  und  stark  abgekauter  PGmh/enms-Unterkiefermolaren  mit  E. 
trogontherii ; Atlas  und  erster  Lendenwirbel  gehören  einem  anderen 
Steinheimer  Exemplar  an,  linker  Humerus  gleichfalls  nicht  zum 
Skelett  gehörig;  der  Rest  durch  Gips  ergänzt).  Es  lag  5 m 
unter  der  Unterkante  des  Lehms,  und  nicht  weit  davon,  aber  3 m 
höher,  lag  ein  geradezu  wunderbar  schöner  Unterkiefer  von  E.  an- 
tiquus ! Die  Trogontlieri- Molaren  liegen  ebenfalls  in  diesem  5 m- 
Niveau,  in  tieferen  Gruben  allerdings  auch  tiefer.  Ich  bin  jetzt 
überzeugt,  daß  alles  durcheinander  gemischt  liegt,  d.  h.  daß  E.  pri- 

1 Steht  dem  E.  primigenius  Trogontlieri  Pohlig  näher  als  dem 
E.  meridionalis  Trogonfheri,  welcher  in  typischer  Form  im  Tunlager  von 
Jockgrim  aul'tritt.  Das  Vorkommen  von  primigenius  Trogontlieri  — Unter- 
kiefer im  Senckenberg'schen  Museum  zu  Frankfurt  — in  den  Sauden  von 
Mosbach  spricht  für  das  einstige  Vorhandensein  von  tiefsten  Steinheimer 
Schichten  über  den  _E7r«scMS-Sanden  von  Mosbach.  Das  Mercki  gehört 
zu  E.  primigenius  Fraasi  in  das  Hangende  der  Etniscus-Stufe. 


und  die  schwäbische  Hochterrasse. 


479 


migenius  auch  unten  vorkommt ; eine  Grenze  zwischen  oben  und 
unten  gibt  es  nicht;  die  oberen  Partien  sind  auch  sicher  nicht 
aufgearbeitet  (so  daß  etwa  eine  Erosiousgrenze  verwischt  wäre). 
Die  Geröllführung  ist  im  basalen  Teil  dieselbe  wie  im  Hangenden; 
die  oberen  Schichten  (unter  dem  Lehm)  haben  höchstens  mehr 
Keupermergelmaterial  und  feinere,  ruhigere  Sedimentation. 

Wovon  soll  nun  gesprochen  werden?  Von  Primigenius  füh- 
renden Hnf/^wts-Schottern  oder  umgekehrt?  Ich  bin  Ihnen  sehr 
dankbar,  wenn  Sie  der  Bitte,  die  ich  oben  äußerte,  entsprechen 
und  die  Parallelisierung  und  Stellung  dieser  Schotter  im  System 
uns  auseinandersetzen.“ 

Die  hauptsächlich  knochenführende  Schicht  ist  der  5 — 8 m 
mächtige  Schotterkomplex.  Über  die  Funde  der  Sammet’schen 
Grube  orientiert  gut  der  Spezialbericht  von  Herrn  Dr.  Dietrich, 
den  ich  seiner  Bitte  gemäß  oben  einfügte.  In  höheren  Schichten, 
z.  B.  in  einer  verlelnnten  Schotterschicht,  wohl  dem  älteren  Ge- 
hängelehm entstammend,  wurde  früher  schon  bei  Steinheim  ein 
Molar  von  E.  antiquus  gefunden.  In  dem  darunter  auftretenden 
roten  Sand  (4)  fand  sich  „ vielleicht  E.  primigenius  typus“.  Über 
die  Fauna  der  oberen  grauen  Schotter  wurden  oben  Bemerkungen 
eingeflochten,  sie  scheinen  die  Primigeniiis-Ticliorhinus- Fauna  von 
Murr  zu  enthalten  und  dem  (älteren)  Hochterrassenschotter  des 
Alpenvorlandes  (Biß  I)  äquivalent  zu  sein  '.  Wichtig  ist  ferner 
der  am  4.  November  1910  von  Dr.  Dietrich  notierte  (hier  p.  62) 
Fund  No.  13.  „Am  4.  November  1910  endlich  fand  sich  ganz  im 
Hangenden  der  Schotter  ein  Unterkiefer  von  E.  ( mericlionalis ) trogon- 
therii  Pohlig.“  Es  ist  das  offenbar  der  gleiche  Unterkiefer,  der 
dem  Schädel  des  montierten  Skelettes  von  E.  -primigenius  Fraasi 
angefügt  wurde.  Schon  oben  drückte  ich  meinen  Zweifel  aus  an 
der  Richtigkeit  der  Bestimmung.  Soweit  ich  mich  in  Stuttgart 
am  Original  über  den  Unterkiefer  orientieren  konnte,  schienen  mir 
die  etwas  weitlamelligen  Unterkieferzähne  gut  zum  naturgemäß 
mit  viel  engeren  Lamellen  versehenen  Oberkieferzahn  zu  passen. 
Gleichwohl  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  E.  trogontherii  noch  zu 
Beginn  der  (älteren)  Hochterrassenzeit  bei  uns  gelebt  hat.  Fand 

1 Dies  ist  der  gleiche  Horizont  wie  der  Mammutlehm  der  Profile  von 
E.  Fraas  (Zeitschrift  d.  Deutsch.  Geol.  Ges.  1895) , „denn  er  spricht  die 
GehängeschuttbilduDgen  mit  Elephas  primigenius  als  mittleres,  vielleicht 
in  die  Haupteiszeit  selbst  fallendes  Diluvium  an  auf  Grund  aller  paläonto- 
logischen  Befunde“  (Brauhäuser  1909).  Neuerdings  erwarb  das  Naturalien- 
kabinett in  Stuttgart  aus  Fundamentbauten  der  Brauerei  Wulle  eine 
Gaumenplatte  des  riesigen  Bh.  tichorhinus,  wie  es  im  .Mammutlehm“ 
vorzukommen  pflegt.  Die  Mammute  jenes  Horizonts  sind  aber  alle  dem 
E.  primigenius-'Tyx>us  näherstehend,  als  dies  bei  E.  primigenius  Fraasi 
der  Fall  ist.  Diese  Rasse  ist  in  der  Hochterrasse  tief  unter  dem  Mammut- 
lehm zu  erwarten.  Ein  anfiqMMS-Horizont  scheint  sogar  noch  dazwischen 
zu  liegen,  der  sich  in  Weinheim  und  Achenheim  im  älteren  Löß  wieder- 
findet und  auch  in  Steinheim  angedeutet  ist. 


480 


Fr.  v.  Huene,  Ad  notam. 


sich  doch  bei  Tilloux  in  Frankreich  (nach  M.  Boule)  diese  oder 
eine  nach  Antiquus  hinüberspielende  Varietät  des  E.  trogontherii 
zusammen  mit  E.  primigenius  und  typischen  E.  antiquus  (dieser, 
wenn  ich  mich  recht  entsinne,  in  etwas  höherem  Niveau) ; Boule 
fand  ihn  mit  Werkzeugen  des  Chelleen , des  Acheuleen  und  des 
Mousterien , die  wie  ich  aus  eigener  Anschauung  der  Kiesgruben 
von  Le  Pecq  und  Le  Vesinet  wohl  weiß,  nie  zusammen  in  dem 
gleichen  Niveau  gefunden  werden , falls  es  sich  nicht  um  Auf- 
bereitung älteren  Schotters  handelt.  Die  Acheulkeile  von  Tilloux 
hafteten  an  einem  Stoßzahn  des  E.  antiquus.  Es  sind  nun  tat- 
sächlich auch  von  E.  Trogonfheri  Molaren,  die  sicher  von  Dietrich, 
Soergel  und  mir  richtig  bestimmt  wurden,  im  Schotter  von  Stein- 
heini gef  linden  worden ; dicht  neben  der  Sammet’schen  Grube, 
welche  das  Elefantenskelett  geliefert  hat , fanden  sich  mehrere 
Molaren  von  E.  trogontherii  Pohlig.  Gegen  die  gelegentliche  Ein- 
wanderung des  E.  trogontherii  aus  südöstlichen  Steppengebieten  ist 
durchaus  nichts  einzuwenden.  Doch  hebe  ich  hervor,  daß  solche 
Einwanderung  nicht  während  atlantischer  Regenperioden , die  zur 
Inlandvereisung  bei  genügend  hohen  Gebirgen  führen,  stattgefuuden 
haben  kann,  sondern  während  der  Lößzeiten  erfolgt  sein  muß 
und  im  jüngeren  Quartär  wohl  stets  mit  E.  primigenius  vergesell- 
schaftet war. 


Ad  notam. 

Von  Friedrich  von  Huene  in  Tübingen. 

In  der  Juli-Nummer  1913  des  Geological  Magazine  p.  331  ist 
ein  kurzer  Bericht  über  eiue  Arbeit  und  einen  Vortrag  von  Dr. 
R.  Broom  „On  the  South  African  Pseudosucliian  Reptile  Euparkeria 
and  allied  Genera“  vom  Mai  dieses  Jahres  in  der  Zoological  Society 
of  London.  Es  ist  darin  mit  wenigen  Worten  gesagt,  daß  der 
Verf.  die  Pseudosuchier  als  die  Vorfahren  nicht  nur  der  Dino- 
saurier, sondern  auch  der  Pterosaurier  und  der  Vögel  ansieht. 
Die  Veröffentlichung  in  extenso  wird  wahrscheinlich  im  September 
folgen.  Da  ich  selbst  im  vergangenen  Frühling  eine  Arbeit  „Bei- 
träge zur  Geschichte  der  Archosaurier“  fertiggestellt  (das  zuletzt 
geschriebene  Vorwort  vom  14.  April  1913  datiert)  habe,  in  welcher 
u.  a.  ähnliche  Ansichten  ausgesprochen  sind,  möchte  ich  heute, 
am  4.  Juli  1913,  noch  bevor  die  BROOM’sche  Arbeit  veröffentlicht  ist, 
bemerken,  daß  Dr.  Broom  und  ich  gegenseitig  den  Inhalt  der  Arbeit 
des  Anderen  nicht  gekannt  haben  und  völlig  unabhängig  voneinander 
zu  — wie  es  scheint  — so  merkwürdig  ähnlichen  Resultaten  ge- 
kommen sind.  Meine  Beiträge  zur  Geschichte  der  Archosaurier 
werden  in  den  Geologischen  und  Paläontologischen  Abhandlungen 
wohl  erst  später  als  Dr.  Broom’s  Arbeit  veröffentlicht  werden,  da 
der  Druck  nicht  unmittelbar  nach  Fertigstellung  des  Manuskripts 
vorgenommen  werden  konnte. 


A.  Osann,  Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil. 


481 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil. 

Von  A.  Osann  in  Freiburg  i.  Br. 

Mit  4 Textfiguren. 

In  der  unten  genannten  Arbeit1  suche  ich  einen  Beitrag  zur 
Lösung  folgender  Fragen  der  chemischen  Petrographie  zu  liefern: 
1.  Welches  sind  die  Gesetzmäßigkeiten,  welche  die  chemische  Zu- 
sammensetzung der  Eruptivgesteine  beherrschen  und  zugleich  die 
unterscheidenden  Merkmale  zwischen  der  Alkalireihe  (atlantische 
Sippe)  und  Alkalikalkreihe  (pazifische  Sippe)?  2.  Welches  sind 
die  wichtigsten  chemischen  Unterschiede  zwischen  Sediment-  und 
Eruptivgesteinen  und  wie  lassen  sich  dieselben  für  die  Frage  nach 
der  Genese  von  kristallinen  Schiefern  verwerten?  Der  vorliegende 
erste  Teil  beschäftigt  sich  nur  mit  Eruptivgesteinen , also  der 
ersten  Frage,  doch  wird  des  öfteren  auf  die  abweichenden  Ver- 
hältnisse bei  Sedimentgesteinen  und  kristallinen  Schiefern  der 
Parareihe  durch  Beispiele  hingewiesen. 

Eine  einwandsfreie  Lösung  der  ersten  Frage  ist  wohl  nur  auf 
experimentellem  Wege  möglich,  van’t  Hoff  und  seine  Mitarbeiter 
haben  durch  ihre  Untersuchungen  über  die  Bildung  des  Steiusalzes 
und  seiner  Begleiter  die  einzuschlagende  Bahn  gezeigt.  Durch  die 
Berechnungen  von  Clarke,  Washington  u.  a.  besitzen  wir  auch 
eine  jedenfalls  sehr  angenähert  richtige  Vorstellung  von  der  mitt- 
leren Zusammensetzung  der  uns  bekannten  Eruptivgesteine  und 
damit  eines  Stammagmas , aus  dem  die  letzteren  ableitbar  sein 
sollten;  doch  ist  das  vorliegende  Problem  so  kompliziert  und  seiner 
allgemeinen  Behandlung  stehen  zurzeit  noch  so  schwer  iiberwind- 
liche  Hindernisse  entgegen,  daß  an  seine  Lösung  in  den  nächsten 
Dezennien  nicht  gedacht  werden  kann.  Es  sei  nur  daran  erinnert, 
wie  wenig  wir  von  der  Natur  und  den  Mengenverhältnissen  der 
sog.  Mineralisatoren  in  eruptiven  Magmen  wissen ; die  Rolle,  die  sie 
bei  Spaltungs-  und  Ditferentiationsvorgängen  spielen,  ist  uns  voll- 
ständig unbekannt  und  wird  auch  sehr  verschieden  eingeschätzt. 


1 Abhandlungen  der  Heidelberger  Akademie  der  Wissenschaften 
(Stiftung  Heinrich  Lanz).  Matli.-naturw.  Klasse.  2.  Abhandl.  Heidelberg 
1913.  163  p.  8 Taf. 

(Jentralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


31 


F Po! 


482 


A.  Osann 


Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil. 


483 


So  ist  es  zurzeit  nur  möglich,  an  der  Hand  eines  großen  Analysen- 
materials auf  statistischem  Wege  der  ersten  Frage  näherzutreten. 
Dieser  Weg  ist  hier  eingeschlagen. 

Als  Ausgangsmaterial  dienen  1250  Analysen,  und  zwar  441 
von  Tiefen-,  640  von  Erguß-  und  169  von  Ganggesteinen.  Für 
die  Auswahl  dieser  Anatysen  war  maßgebend  einmal  ihre  Zuver- 
lässigkeit und  dann  Vollständigkeit  in  bezug  auf  das  Material; 
es  sollten  möglichst  alle  bekannten,  chemisch  verschiedenen  Eruptiv- 
typen vertreten  sein.  In  einem  Anhang  sind  der  Vollständigkeit 
halber  noch  8 korundführende  Gesteine  und  1 1 magmatische  Erz- 
ausscheidungen, sowie  die  mittlere  Zusammensetzung  der  Eruptiv- 
gesteine nach  Clarke  angeführt.  Von  diesen  Analysen  sind  vier 
Molekularverhältnisse  berechnet  und  zwar: 

Si  Oj  : Alj  0, : (Fe,  Mg,  Ca)  0 = S Al  F-Verb. 

Al2  Os  : Ca  0 : (Na,  Kl,  0 = Al  C Alk- Verb. 

Mg 0 : CaO  = MC- Verb. 

Na2  0 : Ks  0 = N K-Verh. 


Die  beiden  ersten  sind  auf  die  Summe  30  berechnet  und  in 
Dreiecksprojektion  dargestellt,  die  beiden  letzten  auf  die  Summe  10 
reduziert. 

Im  SAIF-Dreieck  erfüllen  die  Projektionspunkte  ein  ge- 
schlossenes Feld  (E.  F.)  mit  vielfach  gezackten  Umrissen,  das 
nicht  ganz  den  siebten  Teil  des  ganzen  Dreiecks  einnimmt,  und 
sich  durch  3 Sextanten  erstreckt  (Fig.  1). 

Das  Feld  beginnt  in  der  Nähe  des  S-Poles  uud  eines  Punktes 
iE  der  Figur),  auf  den  das  von  Vogt  berechnete  Quarz-Alkali- 
feldspateutektikum  zu  liegen  kommt,  und  verläuft  der  SF-Dreiecks- 
seite  parallel  bis  zur  S 8-Linie.  Die  Besetzung  der  Positions- 

punkte in  diesem  Feld  ist  eine  sehr  verschiedene,  auf  der  Um- 
grenzungslinie ist  sie,  wie  zu  erwarten,  eine  sehr  schwache  und 
nimmt  nach  innen  zu.  Um  ein  Bild  von  der  Dichte  der  Besetzung 
zu  geben,  sind  die  Punkte  eingezeichnet,  auf  die  mehr  als  10  der 
berechneten  Analysen  fallen.  Zwei  dieser  Punkte  fallen  auf  die 
Grenzlinie  in  die  Nähe  von  E,  die  übrigen  ziehen  der  Al  3- 
Linie  folgend  bis  zur  S15-Linie;  ungefähr  in  die  Mitte  dieses 
Streifens  fällt  die  Projektion  des  Clarke’ sehen  Mittels.  Rechts 
der  Höhenlinie  liegen  fast  ausnahmslos  Gesteine , deren  Kiesel- 
säuregehalt 45  °/o  ist;  hier  ist  die  Besetzung  eine  sehr  schwache. 
Ganz  frei  von  Anatysen  sind  nur  wenige  Positionspunkte  in  den 
Vorsprüngen  des  E.  F.  Die  von  den  verschiedenen  Gesteinsfarailien 
eingenommenen  Partialfelder  überdecken  sich  randlich.  Ein  Bild 
von  ihrer  Abteilung  erhält  man  durch  Berechnung  von  Mittel- 
werten, die  folgende  Tabelle  für  Tiefengesteine  und  einige  chemisch 
besonders  ausgezeichnete  Erguß-  und  Ganggesteine  gibt: 

31* 


484 


A.  Osann 


Anzahl  der 
Analysen 

S Al  F 

Al  C Alk 

Pantellerit 

25  . 1,5  . 3.5 

10  . 2,6. 

17,5 

Granit 

. . 82 

24.5 . 3 . 2,5 

14,5.  4 . 

11,5 

Syenit 

. . 76 

22  . 3,5  . 4,5 

13,5  . 5,5  . 

11 

Quarzdiorit 

. . 46 

22  . 3,5  . 4.5 

14  . 8 . 

8 

Nephelinsyenit  . . . . 

. . 32 

22  .5  .3 

13,5.  3 . 

13,5 

Orendit-Wyomingit  . . 

• . 4 

21  . 2.5  . 6,5 

9,5  . 7,5  . 

13 

örtit 

. . 3 

20,5 .7  .2,5 

13,5.  1,5. 

15 

Verit-Fortunit  . . . . 

. . 2 

20  .2  .8 

12,5 . 6 . 

11,5 

Diorit 

. . 27 

19,5 . 3,5  . 7 

13,5 . 10  . 

6,5 

Anorthosit 

. 14 

19  . 5,5  . 5,5 

14,5 . 10,5  . 

. 5 

Essexit-Slionkmit  . . . 

. . 46 

18  .3,5.  8,5 

12  .10,5. 

7,5 

Ijolith  

18  . 4.5  . 7,5 

10,5 . 9 . 

10.5 

Leucitit 

. . 9 

17,5 . 3,5  . 9 

10,5.11  . 

, 8,5 

Jumillit 

. . 2 

17  .1,5.11,5 

8,5. 11.5. 

. 10 

Gabbro  I (saure  Reihe) 

. . 32 

17  .3,5.  9,5 

12,5 . 13  , 

■ 4,5 

Tlieralith 

. . 9 

16,5 . 3 . 10,5 

9 .13,5. 

7,5 

Leucitbasalt 

. . 9 

lb  . 2,5 . 11,5 

10,5  . 13,5  , 

, 6 

Pyroxenit-Hombleudit  . 

. . 12 

14,5 . 0,5 . 15 

5 . 24  . 

. 1 

Gabbro  11  (basische  Reihe)  . 16 

14.5 . 3,5 . 12 

1 1,5 . 16,5  . 

2 

Ariögit  z.  T.  lssit  und  Al. 
reicher  Hornblendit 

,0,- 
. . 7 

14  .3  .13 

12,5 . 15  . 

2,5 

Nephelinbasalt  . . . . 

. . 22 

13,5 . 3 . 13,5 

9,5 . 15,5 . 

, 5 

Peridotit 

. . 18 

13  .1  .16 

8 . 19,5  . 

2.5 

Melilithbasalt-Eiiktolitb 

. . 6 

12  .2  . 16 

6.5 . 19,5 . 

4 

Alnöit . 

. . 5 

11  .2  .17 

7,5 . 18,5  . 

4 

Dunit 

. . 2 

10,5 . 0 . 19,5 

— 

Die  im  Anhang  angeführten  magmatischen  Eisenerze  mit  nicht 
unbeträchtlichen  Mengen  von  TiOä  in  Vertretung  vonSiO„  fallen 
in  die  Verlängerung  des  E.  F.  gegen  den  F-Pol,  die  Korundgesteine 
liegen  isoliert  in  den  Sextanten  II  und  III  (die  kleinen  Quadrate 
der  Fig.  i). 

Im  Al  C Alk-Dreieck  sind  zwei  Linien  von  hervorragender 
Bedeutung:  i.  die  vom  C-Pol  aus  gezogene  Höhenlinie,  die  das 

Dreieck  in  eine  rechte  und  linke  Hälfte  teilt  (Fig.  2);  rechts  von 
ihr  liegen  nur  Alkaligesteine  mit  Al  Alk,  in  denen  Fe.,  03  die 
Tonerde  z.  T.  vertritt,  ein  Verhältnis,  das  bei  Sedimentgesteinen 
vollständig  unbekannt  ist,  wenn  man  von  Steinsalz  und  seine  Be- 
gleiter führenden  absieht ; 2.  die  Al  i 5-Linie,  auf  der  Al  = C -f-  Alk 
ist  und  an  deren  Nähe  der  wichtigste  chemische  Unterschied  von 
Sediment-  und  Eruptivgesteinen  gebunden  ist.  Die  Projektions- 
punkte der  1250  Analysen  verteilen  sich  hier  auf  alle  Sextanten, 
wenn  auch  die  beiden  der  C Alk-Seite  anliegenden  nur  sehr  schwach 
besetzt  sind  (Fig.  2). 

Eine  Umgrenzung  des  Eruptivfeldes  ist  deswegen  hier  nicht 


Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil. 


485 


■* — AI  Pol  Alk  Pol — ► 

Fig.  2. 

Al  C Alk-Dreieck  der  Eruptivgesteine.  Sämtliche  besetzten  Positionspunkte  sind  ein- 
gezeichnet, in  doppelter  Größe  diejenigen,  auf  welche  mehr  als  5 der  berechneten 
Analysen  fallen.  Kreuz  -|-  = mittlere  Zusammensetzung  der  Eruptivgesteine  nach 
Clarke.  Q = Gesteine  des  Anhangs.  Links  von  der  gegen  den  Al-Pol  angegebenen 
; Grenzlinie  liegen  außer  Gesteinen  des  Anhangs  nur  Glimmerperidotit  vom  Kalten  Tal 
unter  Al  18 C 1,5  und  Dunit  Corundum  Hill  unter  A130C0.  Letzterer  fällt  nicht  mehr 

in  die  Figur. 


486 


A.  Osann, 


gezogen  worden,  die  Projektiouspunkte  sind  einzeln  eingezeichnet, 
diejenigen,  auf  weiche  mehr  als  5 Analysen  fallen,  in  doppelter 
Größe.  Auch  liier  liegt  das  durch  ein  Kreuz  markierte  CnARKE’sche 
Mittel  nahezu  in  der  Mitte  des  Streifens  dichtester  Besetzung,  der 
sich  annähernd  der  A115-Linie  parallel  von  der  Mitte  der  Al  Alk- 
Seite  bis  zur  C 15-Linie  erstreckt.  Nur  gegen  den  Al-Pol  ist  eine 
Grenzlinie  des  Eruptivfeldes  eingezeichnet  auf  Grund  einer  ein- 
gehenden Diskussion  der  Analysen,  iu  denen  Al  j>  C -j-  Alk  an- 
gegeben wird.  Diese  Diskussion  zeigt,  daß  jedenfalls  in  sehr 
vielen  Fällen  der  Tonerdeüberschuß  auf  unrichtige  Bestimmungen 
von  A12Os  und  Alkalien  oder  auf  unfrisches  Analysenmaterial 
zurückzuführen  ist.  Ferner,  daß  ein  Tonerdeüberschuß,  der  zur 
Bildung  von  Korund,  Spinell,  Andalusit,  Sillimanit  etc.  führt,  nur 
in  lokalen  schlieren-  und  gangförmigen  Bildungen  auftritt,  deren 
Entstehung  auf  Resorption  von  Einschlüssen  oder  Vorgängen  pneuma- 
tolytischer Natur  beruht.  Sieht  man  von  solchen  lokalen  Bildungen 
ab,  so  kommt  eine  Tonerdeübersättigung  nur  bei  sehr  sauren 
Eruptivgesteinen  vor  und  findet  in  der  Bildung  von  Muskovit  oder 
reichlichem  Biotit  und  bei  Abwesenheit  kalkreicher  P}rroxene  und  Am- 
phibole ihren  mineralogischen  Ausdruck.  Von  den  1250  berechneten 
Analysen  fallen  nur  2 links  von  dieser  Linie,  ein  Dunit,  iu  dem 
0,88%  Al,  03  und  weder  Kalk  noch  Alkalien  angegeben  werden 
(auf  Al  30  CO),  und  der  Gliinmerperidotit  vom  Kalten  Tal,  der  in 
chemischer  und  auch  mineralogischer  Beziehung  (reichlicher  Spinell- 
gehalt) eine  außergewöhnliche  Stellung  einnimmt  und  nach  Ansicht 
des  Verf.’s  kein  normales  magmatisches  Spaltungsprodukt  ist  (auf 
Al  1 8 C 1 ,5).  Die  kleinen  Quadrate  nehmen  Gesteine  des  Anhangs  ein. 

In  Fig.  3 sind  die  angeführten  Mittelwerte  in  das  Al  C Alk- 
Dreieck  eingetragen.  In  ihrer  Anordnung  treten  3 durch  Schraffie- 
rung markierte  Bögen  hervor : ein  innerer  rechts  der  Höhenlinie, 
auf  dem  die  Mittel  der  tonerdearmen  und  alkalireichen  Alkali- 
gesteine Pantellerit,  Orendit-Wyomingit  und  Juinillit  liegen;  in 
seine  Verlängerung  und  den  Sextanten  IV  fallen  die  beiden  Einzel- 
analysen Euktolith  (Pian  di  Celle)  und  Noseanmelilithbasalt  (Graben- 
stetten). Ein  mittlerer,  ebenfalls  gegen  den  Al-Pol  konvexer  Bogen 
enthält  die  tonerdereicheren  Alkaligesteine  Urtit,  Nephelinsyenit, 
Verit-Fortunit,  Essexit-Shonkinit,  Leucitbasalt,  Nephelinbasalt,  Alnöit 
und  Melilithbasalt;  zwischen  beide  Bögen  fallen  Ijolith,  Leucitit 
und  Theralith.  Der  äußerste  Bogen  enthält  die  Mittel  der  Alkali- 
kalkgesteine. Syenit,  dessen  Mittel  ganz  vorwiegend  aus  Vertretern 
der  Alkalireihe  berechnet  werden  mußte,  fällt  zwischen  Bogen  II 
und  III. 

Von  kristallinen  Schiefern  der  Parareihe  werden  Beispiele 
angeführt,  die  im  SAIF-Dreieck  außerhalb  des  E.  F.  zu  liegen 
kommen  oder  im  Al  C Alk-Dreieck  die  gezogene  Grenzlinie  weit 
überschreiten. 


Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil.  487 


AI  Po!  Alk  Po! 


Fig.  3.  Mittelwerte  von  Gesteinsfaniilien  (unterstrichen)  im  Al  CI  Alk-Dreieck.  Nicht  unterstrichene  Einzelanalysen : Euktolith  (Pian 

di  Celle)  und  Noseanmelilithbasalt  (Grabenstetten). 


488 


A.  Osann, 

1 2 3 4 


5 


AI  Po!  Fig  4.  Alk  PoP — ^ 


(Erklärungen  zu  Fig.  4 auf  p.  489.) 


Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil. 


489 


Erklärungen  zu  Fig.  4. 

X K-Verhältnis  im  Al C Alk-Dreieck.  I = Grenzlinie  von  N K < 2,0, 
II  = von  XK<3,0,  III  XK<4,0  und  IV  N K < 5,0  gegen  den  Al-Pol; 
V = Grenzlinie  von  X K > 9,0  gegen  den  Alk-Pol.  Ausnahmen:  Glimmer- 
peridotit  Kaltes  Tal  mit  XK  = 0,5,  Jjolith  Jivaara  mit  XK  = 9,0,  Xatron- 
sussexit  Penikkavaara  mit  NK  = 9,2,  Sodagranit  Duluth  mit  NK  = 9,0, 
Mariupolit  Mariupol  mit  NK  = 9,6  und  Tawit  Tavajolctal  mit  XK=9,5. 

Ein  weiteres  Kapitel  behandelt  die  Beziehungen  zwischen  dem 
S Al  F-  und  Al  C Alk- Verhältnis.  Es  wird  nachgewiesen,  daß  mit 
der  Lage  in  einem  enger  begrenzten  Gebiet  des  einen  auch  eine 
solche  im  anderen  Dreieck  verbunden  ist.  So  nehmen  Gesteine, 
die  im  SAIF-Dreieck  auf  einen  Punkt  fallen,  im  Al C Alk-Dreieck 
ein  Partialfeld  ein,  das  in  der  Dichtung  gleicher  Tonerdewerte 
gestreckt  ist;  das  ist  zu  erwarten,  da  beide  Verhältnisse  Al  ge- 
meinsam haben.  Durch  eine  derartige  Kombination  beider  Verhält- 
nisse treten  ferner  die  charakteristischen  Unterschiede  zwischen 
Alkali-  und  Alkalikalkgesteinen  am  besten  hervor;  stets  liegen  in 
diesem  Partialfeld  die  ersteren  dem  Alkali-Pol,  die  letzteren  dem 
Kalk-Pol  näher.  Dieser  Unterschied  ist  selbst  bei  schwachen  Ver- 
tretern beider  Sippen  noch  unverkennbar  und  läßt  sich  auch  bei 
den  angeführten  Mittelwerten  sehr  schön  übersehen , wenn  man 
Gesteinsklassen  mit  gleichem  oder  ähnlichem  SA1F  vergleicht,  z.  B. 
die  Reihe  Quarzdiorit-Syenit-Neplielinsyeuit,  Verit-Fortunit-Diorit  etc. 

Auch  hier  wird  auf  die  häufig  abweichenden  Verhältnisse  bei 
kristallinen  Schiefern  der  Parareihe  hingewiesen.  Wenn  die  Pro- 
jektionspunkte solcher  Gesteine  in  beiden  Dreiecken  auch  in  das 
Feld  der  Eruptivgesteine  fallen,  besteht  eine  derartige  Abhängig- 
keit ihrer  Lage  im  allgemeinen  nicht. 

Die  Statistik  in  bezug  auf  das  X K-Verhältnis  ergibt,  daß  bei 
86  °/0  der  berechneten  Analysen  der  molekulare  Natrongehalt  den 
des  Kalis  übertriöt;  ferner,  daß  ein  nicht  zu  verkennender  Zu- 
sammenhang zwischen  NK  und  Al  C Alk  derart  besteht,  daß  niedere 
und  sehr  hohe  Werte  von  NK  an  bestimmte  Verbreitungsgebiete 
im  Al  C Alk-Dreieck  gebunden  sind.  Die  in  Fig.  3 dargestellten 
Grenzlinien  dieser  Gebiete  verlaufen  unter  sich  und  der  vertikalen 
Höhenlinie  annäliei’nd  parallel.  Sehr  niedere  Werte  von  NIv  finden 
sich  nur  bei  Alkaligesteinen  und  den  ihnen  chemisch  nahestehenden 
Lamprophyren. 

Eine  ähnliche  Abhängigkeit  läßt  sich  zwischen  MC  und  dem 
S Al F- Verhältnis  nachweisen.  Hohe  Werte  von  MC  sind  auf  die 
rechte  dem  F-Pol,  niedere  auf  die  linke  dem  S-Pol  benachbarte 
Seite  des  E.  F.  beschränkt.  Die  hohen  liegen  nur  unterhalb  der 
A13-Linie,  die  niederen  zwischen  der  S20-  und  Sl5-Linie  mit 
wenigen  Ausnahmen  nur  oberhalb  der  Al  3-Linie.  Bei  diesen  Aus- 
nahmen (Ijolithporphyr  von  Aas  [Alnö],  Shonkinit  von  Canzocoli 
und  Kaisei’stiihler  Alkaligesteinen)  hat , wie  aus  geologischen 


490 


Br.  Doss. 


Gründen  wahrscheinlich  gemacht  wird,  wohl  eine  Resorption  von 
Kalkeinschlüssen  stattgefunden. 

Durch  Beispiele  wird  gezeigt,  daß  bei  Paragesteinen  ein  der- 
artiger Zusammenhang  zwischen  NK  und  Al C Alk  sowie  MC  und 
S Al  F im  allgemeinen  nicht  existiert. 

Das  Schlußkapitel  der  Arbeit  enthält  allgemeine  Betrachtungen 
über  die  atlantische  und  pazifische  Sippe  und  einen  Versuch  zur 
Lösung  der  von  Rosenbusch  angeregten  Frage  nach  Kriterien  zur 
Unterscheidung  essexitischer  oder  gabbroider  Basalte  durch  die 
Kombination  des  SA1F-  und  Al  C Alk- Verhältnisses. 

Tm  Anhang  sind  die  berechneten  Analysen  nach  dem  SA1F, 
A1C  Alk-Verli.  und  der  gebräuchlichen  Systematik  mit  kurzer  Litera- 
turangabe tabellarisch  zusammengestellt,  um  die  Prüfung  der  ent- 
wickelten Gesetzmäßigkeiten  und  den  Vergleich  mit  Sediment- 
gesteinen und  kristallinen  Schiefern,  die  im  II.  Teil  behandelt 
werden  sollen,  zu  erleichtern. 

Als  Resultat  dieser  Arbeit  kann  man  zusammenfassend  sagen: 
Es  sind  eine  Reihe  von  Beziehungen  zwischen  den  wesentlichen 
chemischen  Bestandteilen  der  Eruptivgesteine  an  der  Hand  eines 
großen  statistischen  Materials  zahlenmäßig  festgestellt  und  graphisch 
dargestellt  worden.  Inwieweit  die  durchgeführte  Statistik  zur 
korrekten  Fassung  dieser  Beziehungen  hinreicht,  läßt  sich  nicht 
voraussehen  und  erst  auf  experimentellem  Wege  prüfen.  Die  ge- 
wonnenen Resultate  können  die  Grundlage  für  spätere  experimen- 
telle Forschung  abgeben;  zurzeit  werden  sie  bei  der  Untersuchung 
kristalliner  Schiefer  nicht  unwesentliche  Hilfe  leisten. 


Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  in  Sapropelen. 

Von  Bruno  Doss. 

An  anderer  Stelle1  habe  ich  auf  Grund  gewisser  Eigenschaften 
der  miocänen  melnikowit haltigen  Tone  des  Gouver- 
nements Samara  den  Schluß  gezogen,  daß  diese  ursprünglich 
ganz  analoge Sapropelablagerungen  dargestellt  haben  müssen, 
wie  solche  gegenwärtig  in  den  russischen  Limanen , vielen  Salz- 
und  Siißwasserseen  sowie  Strandgebieten  angetroffen  werden.  Dabei 
wurde  festgestellt,  daß  jene  miocänen  Sedimente  freienSchwefel 
führen 2,  ein  Produkt , dessen  Entstehung  auf  die  Lebenstätigkeit 
einstiger  Schwefelbakterien  zurückgeführt  wurde. 

Um  nun  jenen  Analogieschluß  bezüglich  der  Faulschlamm- 
natur der  erwähnten  Tone  weiter  zu  stützen , habe  ich , da  mir 
aus  der  Literatur  von  Angaben  über  einen  Gehalt  der  Faulschlamme 

1 Im  Annuaire  geol.  et  min.  d.  1.  Russie.  13.  1911.  p.  142;  N.  Jahrb. 
f.  Min  Beil.-Bd.  33.  1912.  p.  687,  694. 

2 Ebenda  p.  695. 


Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  in  Sapropelen. 


491 


an  freiem  Schwefel  nichts  bekannt  ist1,  zwei  rezente  wie  auch 
ein  altalluviales  Sapropel  auf  einen  etwaigen  Gehalt  an 
freiem  Schwefel  untersucht. 

Die  altalluviale  Probe  stammt  aus  einer  einstigen,  zirka 
40  ha  großen  Bucht  des  Stintsees  bei  Suschenhof  unweit  Riga, 
die  im  Laufe  der  Zeit  völlig  mit  Sapropel  und  verwandten  Sedi- 
menten ausgef'iillt  worden  und  oberflächlich  vermoort  ist.  Ich  habe 
den  größeren  Teil  dieses  bis  über  10  m mächtigen  Sapropellagers 
im  vergangenen  Herbst  durch  zahlreiche  Bohrungen  aufgeschlossen ; 
die  zur  Schwefeluntersuchung  benutzte  Probe  stammt  aus  5 m Tiefe 
eines  dieser  Bohrlöcher  (No.  14).  Es  ist  ein  dunkelbraunes,  an 
Schwefeleisen  reiches  Sapropel  (Übergang  zum  Saprokoll),  bestehend 
aus  feinsten  amorphen  Klümpchen  (Exkremente  planktonischen 
Tierlebens  und  homogen  zersetztes  Material  niederer  Pflanzen), 
feinen,  stark  zersetzten  vegetabilischen  Gewebefetzen,  Fäden  von 
Planktonalgen,  Diatomeenpanzern,  Spongillennadeln,  Pollenkörnern 
von  Kiefer,  Eiern  von  Wasserwanzen  und  anderen  Organismen- 
resten, wozu  sich  als  anorganische  Bestandteile  ziemlich  viel  Ton 
(u.  d.  M.  schwer  zu  erkennen,  dagegen  nach  dem  Eintrocknen  des 
Schlammes  oder  nach  Verbrennung  der  organischen  Bestandteile 
leicht  nachweisbar),  sowie  sehr  wenig  feinster  Quarzstaub  gesellen. 

Die  eine  rezente  Probe  ist  der  Oberflächenschicht 
des  Schlammes  in  der  dem  Sapropellager  angrenzenden  Bucht 
des  Stintsees  entnommen.  Siegleicht,  abgesehen  natürlich  von 
der  mehr  breiigen  Konsistenz,  im  allgemeinen  der  vorigen  altalluvialen 
Probe;  u.  d.  M.  machen  sich  Unterschiede  nur  insofern  bemerklich, 
als  Diatomeen  seltener  sind , Spongillennadeln  fehlen , zersetzte 
Pflanzenfasern  reichlicher  beigemengt  sind,  und  daß  das  Schwefel- 
eisen 2 sich  hier  zum  mindesten  z.  T.  als  Eisensulfidhydrat  findet, 
während  es  in  der  Probe  aus  dem  Bohrloch  No.  14  wasserfrei  ist3. 

1 Es  sei  an  dieser  Stelle  darauf  hingewiesen,  daß  die  von  G.  Kramer 
und  A.  Spilker  (Das  Wachs  der  Bacillariaceen  und  sein  Zusammenhang 
mit  dem  Erdöl.  Ber.  d.  deutsch,  chem.  Ges.  Jahrg  32.  1899.  p.  2941)  ge- 
wonnenen Resultate  bezüglich  des  Gehaltes  des  Franzensbader  und  Elsterer 
Moores  an  freiem  Schwefel  (Produkt  von  Schwefelbakterien)  nicht  ein- 
wandfrei sind.  Genannte  Forscher  erhielten  durch  Auszug  dieser  Moor- 
proben mit  Benzol  oder  Toluol  eine  braunschwarze,  wachsartige  Masse,  die, 
beim  Franzeusbader  Moor  als  Ausgangsmaterial,  10,37  °/o  S,  beim  Elsterer 
Moor  als  Ausgangsmaterial  ll,26°/o  S enthielt.  Es  ist  hierzu  zu  bemerken, 
daß,  sofern  die  betreffenden  Moore  Schwefeleisen  in  labiler  Form  (Schwefel- 
eisenhydrat, Melnikowit)  enthalten,  dieses  an  Benzol  einen  Teil  seines 
Schwefelgehaltes  abgibt  (vergl.  B.  Doss  im  N Jahrb.  f.  Min.  Beil.-Bd.  33. 
p 700). 

2 Die  Schlammprobe  gibt  mit  verd.  Essigsäure  sehr  deutliche  Schwefel- 
wasserstoffreaktion. 

3 Die  Schlammprobe  gibt  mit  verd.  Essigsäure  keine  Schwefelwasser- 
stoffreaktion, dagegen  mit  verd.  Salzsäure. 


492 


Br.  Doss, 


Die  andere  rezente  Probe  stammt  von  Arensburg 
auf  der  Insel  Oesel  und  stellt  den  bekannten , zu  Badezwecken 
verwendeten  „Heilschlamm“  dar.  Es  ist  ein  grünlichgrauer  Faul- 
schlamm, sehr  reich  an  amorpher  krümeliger  Substanz  (Exkre- 
mente etc.)  und  Diatomeen , arm  an  vegetabilischem  Gewebe , im 
übrigen  aber  den  vorigen  Sapropelen  völlig  gleichend.  Das  bei- 
gemengte Schwefeleisen  findet  sich  zum  mindesten  zu  einem  Teile 
in  der  Hydratform  \ 

Nachdem  durch  vorläufige  Versuche  festgestellt  worden  war, 
daß  all  diese  Sapropelproben  Schwefel  an  Schwefelkohlenstoff  ab- 
geben, wurden  behufs  Feststellung  dessen,  ob  der  erhaltene  Schwefel 
nur  aus  dem  Schwefeleisenhydrat  resp.  aus  wasserfreiem  Schwefel- 
eisen extrahiert  worden  oder  ob  nebenhei  auch  freier  Schwefel 
in  den  Sedimenten  sich  befindet,  die  Proben  nach  ihrer  Trocknung, 
Pulverisierung  und  Beutelung  zuerst  bei  60  — 70°  C mit  verdünnter 
Salzsäure  so  lange  behandelt,  bis  keine  Spur  von  Schwefelwasser- 
stoff sich  mehr  entwickelte  und  somit  sämtliches  durch  Schwefel- 
kohlenstoff angreifbares  Schwefeleisen  gelöst  war.  Darauf  wurde 
nach  abermaligem  Trocknen , Pulverisieren  und  Beuteln  der  Sub- 
stanz die  Extraktion  mit  Schwefelkohlenstoff  im  Dunkeln  vorge- 
nommen. Nebenher  gingen  Leerversuche  mit  Schwefelkohlenstoff, 
welche  zeigten , daß  unter  den  gegebenen  Versuchsbedingungen 
sich  kein  Schwefel  aus  dem  Schwefelkohlenstoff  ausscheidet. 

Die  Versuche  ergaben  folgende  Resultate : 


Angewandte 
Substanzmenge 
(Trockensubstanz) 
Rezente  Sapropelprobe 

aus  der  Stintseebucht  . 11,9  g 

Rezente  Sapropelprobe 

von  Arensburg  ....  10,8  g 

Altalluviale  Sapropelprobe 
von  Suschenhof  ....  13,5  g 


Menge  des  extrahierten  Schwefels 


in  Gewicht 

0,0280  g 

0,0658  g 

0,0200  g 


in  Prozenten 

0,235 

0.619 

0.148 


Hiernach  ist  also  in  den  untersuchten  Sapro- 
pelen zweifellos  freier  Schwefel  enthalten,  der  nur 
als  Residuum  von  Schwefelbakterien  angesprochen  werden  kann. 
Um  nun  festzustellen,  ob  der  für  die  Bildung  dieses  Schwefels 
nötige  Schwefelwasserstoff  auf  organischem  Wege  durch 
die  Lebenstätigkeit  von  desulfurierendeu  Bakterien  geliefert  wird, 
was  von  Haus  aus  das  wahrscheinlichste,  oder  ob  er  auf  anorga- 
nischem Wege  durch  Reduktion  von  Sulfaten1  2 vermittelst  organi- 

1 Die  Schlammprobe  gibt  mit  verd.  Essigsäure  Schwefelwasserstoff- 
reaktion. 

2 Eine  im  Januar  1912  einem  Probebohrloch  entnommene  Gemeng- 
probe  des  Suscheuhofer  Sapropels  enthält  nach  einer  in  der  Chemischen  Ver- 


Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  in  Sapropelen. 


493 


scher  Substanz  entsteht,  wurden  zwei  weitere  Versuchsreihen 
angestellt. 

Eine  sterilisierte  Nährlösung  wurde  einerseits  mit  frischem, 
anderseits  mit  vorher  sterilisiertem  Schlamm  (behufs  Abtötung 
etwaiger  vorhandener  desulfurierender  Bakterien)  geimpft.  Als  Nähr- 
lösung diente  die  für  desulfurierende  Bakterien  von  A.  van  Delden *  1 2 


angegebene,  bestehend  aus : 

Lei  tungs  wasser 100,0 

K2  H P 04 0,05 

Natriumlaktat*  .....  0,5 

Asparagin 0,1 

MgS04  + 7H20  . . - . 0.1 

Mohr's  Salz Spur. 


Zur  Impfung,  die  freundlichst  Herr  Dr.  Basarewsky,  Dozent 
für  Bakteriologie  an  der  hiesigen  Technischen  Hochschule , aus- 
führte, wurden  je  eine  Spur  der  obigen  Sapropelproben  benutzt, 
in  denen  der  Schwefelgehalt  bestimmt  worden  ist.  Die  geimpften 
Flaschen  standen  zunächst  10  Tage  im  Brutschrank  bei  30°  C 
und  dann  noch  3 Monate  bei  gewöhnlicher  Zimmertemperatur, 
bevor  ihr  Inhalt  untersucht  wurde. 

Die  Ergebnisse  dieser  Versuche  besteheu  in  Folgendem. 
In  den  Fällen,  wo  die  Nährlösung  mit  frischem  Schlamm 
geimpft  worden  war , hatte  sich,  mit  Ausnahme  der  altalluvialen 
Sapropelprobe  aus  5 m Tiefe,  am  Boden  der  gut  verschlossenen 
Flaschen  ein  voluminöser,  flockiger,  schwarzer  Niederschlag  abgesetzt, 
während  sich  auf  der  Flüssigkeitsoberfläche  und  am  Flaschenhals, 
sofern  zwischen  erstem-  und  dem  Glasstöpsel  eine  Luftblase  ver- 
blieben war,  eine  gelbliche  Haut  gebildet  hatte.  Beim  Öffnen  der 
Flaschen  war  — wiederum  mit  Ausnahme  der  altalluvialen  Sapropel- 
probe — ein  intensiver  Scliwefelwasserstoffgeruch  zu  bemerken. 
Das  gelbe  Häutchen  bestand  aus  mikroskopisch  kleinen  Körnchen 
und  Kriställchen  von  Schwefel  (Oxydationsprodukt  des  Schwefel- 
wasserstoffs durch  den  Sauerstoff  der  Luftblase).  In  der  mit 
rezentem  Sapropel  geimpften  Flüssigkeit  selbst  fanden  sich  neben 
abgestorbenen  Spirillen  zahllose  lebende  Bakterien  von  Stäbchen- 

sucbsstation  des  Rigaer  Polytechnikums  ausgeführten  Analyse  0.8 ’/o  Ca  S 04, 
bezogen  auf  wasserfreie  Substanz  (vergl.  M.  Glasenapp  in  der  Rigaschen 
Industrie-Ztg.  1912.  p.  182)  Über  den  Sulfatgehalt  von  Arensburger 
Schlammproben  siehe  A Goebel  im  Arch.  f.  d.  Naturk.  Liv-,  Ehst-  u.  Kur- 
lands. 1.  Ser.  Bd.  1.  1854.  p.  146,  193,  196,  sowie  M.  Glasenapp  1.  c. 
(hier  0,15 °/o  CaS04). 

1 Beitrag  zur  Kenntnis  der  Sulfatreduktion  durch  Bakterien.  (Central- 
blatt f.  Bakteriologie.  2.  Abt.  Bd.  KI.  1903.  p.  83.) 

2 An  Stelle  des  in  Riga  nicht  erhältlich  gewesenen  Natriumlaktats 
wurde  bei  den  Versuchen  teils  Natriumformiat , teils  Natriumacetat  ver- 
wendet. 


494 


Br.  Doss,  Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  etc. 


form , darunter  gekrümmte , welche  Gestalt  z.  B.  für  Spirillum 
( Microspira ) desulfuricans  charakteristisch  ist l 2.  Der  schwarze 
Bodensatz  erwies  sich  als  eine  u.  d.  M.  schmutzig-graue  Bakterien- 
haut , die  gespickt  vollgelagert  ist  mit  winzigen  Kügelchen  von 
schwarzem  Eisensulfidhydrat. 

Sämtliche  mit  sterilisiertem  Sapropel  geimpfte  Proben 
ergaben  weder  einen  Absatz  von  Schwefeleisenhydrat,  noch  eine 
durch  Oxydation  hervorgerufene  Schwefelbildung,  noch  ließen  sie 
beim  Öffnen  der  Flaschen  einen  Schwefelwasserstoffgeruch  wahr- 
nehmen. 

Ein  weiterer  Versuch  bezweckte,  quantitative  Anhalts- 
punkte für  die  Eisenfällung  zu  gewinnen.  Zu  ’/ 2 1 sterilisierter 
und  mit  einer  Spur  frischen  Arensburger  „Heilschlamms“  geimpften 
Nährflüssigkeit  wurden  0,0223  g Hohr’s  Salz  (—  0,0032  Fe)  zu- 
gesetzt. Nachdem  die  Flasche  10  Tage  im  Brutschrank  und  dann 
noch  4 Wochen  bei  Zimmertemperatur  gestanden  hatte,  wurde  in 
der  vom  gefällten  Eisensulfidhydrat  abfiltrierten  Flüssigkeit  durch 
Herrn  S.  Blumenfeld,  Assistent  an  der  Chemischen  Versuchsanstalt, 
der  Eisengehalt  bestimmt  -.  Es  wurden  gefunden  0,000336  g Fe, 
so  daß  hiermit  89,ö°/o  des  Gesamteisengehalts  der  Nährlösung 
gefällt  worden  waren. 

Bei  einem  anderen  Versuche  war  l/n  1 nicht  sterilisierter  Nähr- 
lösung mit  frischem  Sapropel  aus  der  Stintseebucht  geimpft  und 
0,0600  g Mohr’s  Salz  zugesetzt  worden.  Die  Ausfällung  von  Schwefel- 
eisenhydrat begann  erst  nach  6 Wochen.  Bei  der  Untersuchung  der 
Flüssigkeit  zeigten  sich  zahllose , meist  abgestorbene  Individuen 
der  einzelligen  Alge  Clamydomonas 3,  die  auch  im  frischen  Stintsee- 
schlamm vorkommt.  Der  von  dieser  Alge  produzierte  Sauerstoff 
war  ein  Hindernis  für  eine  starke  Vermehrung  der  desulfurierenden 
Bakterien  gewesen,  die  erst  dann  sich  ungehindert  entwickeln  und 
damit  die  Fällung  von  Eisensulfidl^drat  einleiten  konnten,  als  jene 
Algen  größtenteils  abgestorben  waren. 

So  ist  denn  durch  vorstehende  Versuche  nachgewiesen,  daß 
in  den  benutzten  rezenten  Sapropelen  desulfurierende  Bak- 
terien vorhanden  sind  und  daß  der  in  jenen  enthaltene 
freie  Schwefel  nicht  durch  unmittelbare  Reduktion  von  Sul- 
faten durch  organische  Substanz  entstanden  ist,  sondern  als  Produkt 
der  Lebenstätigkeit  von  Schwefelbakterien  biogener  Herkunft 

1 Siehe  Fig.  4 auf  p.  111  von  W.  Beyerinck’s  Abhandlung  (Über 
Spirillum  desulfuricans  als  Ursache  von  Sulfatreduktion.  Centralbl.  f.  Bakt. 
2.  Abt.  Bd.  I),  sowie  Fig.  5 der  zu  A.  van  Delden's  Abhandlung  (1.  c.) 
gehörigen  Tafel. 

2 Nach  Zerstörung  der  organischen  Substanz  mittelst  konz.  H,  S04 
undKHSO*  sowie  Oxydation  wurde  mit  NH,  Eisenhydroxyd  gefällt,  dies 
in  HCl  gelöst  und  der  Eisengehalt  jodoinetrisch  bestimmt. 

3 Bestimmung  durch  den  Assistenten  Dr.  0.  Trebu  ausgeführt. 


Fr.  Tu6an,  Bauxit  in  neuem  Licht. 


495 


ist.  Es  liegt  demnach  kaustobiolithischer  Schwefel  vor.  Die 
Schwefelbakterien  sind,  weil  purpurfarben,  im  Arensburger  Schlamm 
ohne  weiteres  sichtbar ; im  Stintseeschlamm  müssen  farblose  Arten 
vorhanden  sein.  Im  altalluvialen,  5 m tief  gelegenen  Suschenhofer 
Sapropel  existieren , wie  vorauszusehen  war , die  desulfurierenden 
Bakterien  nicht  mehr;  sein  Schwefelgehalt  muß  aber  gleicher  Her- 
kunft sein , da  die  Entstehungsbedingungen  dieses  Sapropels  die 
gleichen  gewesen  sind  wie  bei  den  rezenten  Analoga. 

Durch  die  vorstehenden  Untersuchungen  hat  die  eingangs 
erwähnte  Schlußfolgerung , daß  die  miocänen  melnikowithaltigen 
Tone  des  Gouvernements  Samara  ursprüngliche  Sapropelablagerungen 
gewesen , eine  weitere  Stütze  erhalten , so  daß  an  der  Tatsache 
selbst  wohl  nicht  mehr  gezweifelt  werden  kann. 

Riga,  Technische  Hochschule,  Mai  1913. 


Bauxit  in  neuem  Licht. 

Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram,  Kroatien). 

In  einer  Notiz 1 über  die  Bauxitfrage,  in  welcher  C.  Doelter 
und  E.  Ditti.er  die  Ansicht  vertreten,  daß  Bauxit  ein  Mineral 
und  keine  Gesteinsart  und  daß  sein  Wassergehalt  nicht  konstant 
ist,  schreiben  die  genannten  Autoren  unter  anderem  auch  folgendes: 
„M.  Kispatic  ist  nun  erfreulicherweise  unabhängig  von  uns  und 
auf  einem  anderen  als  dem  von  uns  eingeschlagenen  Wege  zu 
ähnlichen  Resultaten  gekommen.“  Wer  Kispatic’s  und  meine 
Abhandlungen 2 über  die  Bauxit  bezw.  über  die  Terra  rossa  ge- 
lesen hat  und  die  Abhandlungen  Doeltkr’s  und  Dittler’s  über 
dieselbe  Frage,  konnte  leicht  entnehmen,  daß  die  Resultate  unserer 
Untersuchungen  und  der  Untersuchungen  Doelter-Dittler’s  nicht 
ähnlich  sind,  und  daß  sie  dies  auch  nicht  sein  können,  da 
Kispatic  und  ich  bei  der  Bauxituntersuchung  ein  ganz  verschiedenes 
Thema  von  jenem  Doelter-Dittler’s  bearbeiten. 

Die  genannten  Autoren  beschäftigten  sich  mit  der  längst  be- 
kannten Tatsache  — mit  der  kolloiden  Natur  des  „Bauxits“  und 
kamen  mittels  der  Methode  der  Anfärbung  zum  Resultat,  „daß 
unter  dem  Namen  Bauxit  zweierlei  verstanden  wurde : 1 . ein 

kolloides  Aluminiumhydrat,  der  eigentliche  Bauxit,  das  Ausgangs- 
produkt der  bauxitischen  Umwandlung;  2.  ein  Gemenge  von  Diaspor, 
Hydrargillit , Limonit  und  Kaolin  mit  wechselnden  Mengen  des 

1 C.  Doelter  und  E.  Dittler,  Bauxit  oder  Sporogelit?  Dies. 
Centralbl.  1913.  p.  193. 

2 F.  Tucan,  Terra  rossa,  deren  Natur  und  Entstehung.  N.  Jalirb.  f. 
Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXV.  p.  401.  — M.  Kispatic,  Bauxite  des  kroatischen 
Karstes  und  ihre  Entstehung.  Ibidem  p.  513. 


496 


Fr.  Tucan 


Tonerdegels  '.“  Über  die  Kolloidität  des  „Bauxits“  bestehen  in 
der  mineralogischen  Literatur  schon  einige  Data.  So  sagt  z.  B. 
Lacroix1 2  unter  anderem:  „D’autre  part.  l’examen  microscopique 
des  bauxites  frangaises  fait  voir  que  ces  substances  sont  absolument 
colloides.“  Von  „Bauxit“  als  Kolloid  spricht  auch  Cornu3  und  bei 
Hundeshagen4  finden  wir  auch,  daß  er  schon  mittels  organischer 
Farbstoffe  die  Bauxitnatur  untersuchte  und  nach  den  Farben- 
reaktionen zum  Resultat  gelaugte,  daß  Bauxit  aus  Hydrargillit, 
Kaolin  (wohl  auch  aus  etwas  amorpher  Kieselsäure)  und  aus  vor- 
wiegend amorphem  oder  hypokristallinem  Tonerdehydrat  besteht. 
(Hellgelber  konkretionärer  Bauxit  von  Linwood.) 

Indem  wir  die  Frage  über  die  Kolloidnatur  des  „Bauxits“ 
für  gelöst  hielten,  haben  wir  uns  damit  nicht  beschäftigt,  sondern 
hielten  sie  für  eine  bekannte  Tatsache.  Beim  Bauxit  war  aber 
eine  andere  Frage  ungelöst,  ja  sogar  verwickelt  — und  das  war  die 
Entstehung  des  Bauxits,  die  Doelter  und  Dittler  in  ihren 
Abhandlungen  nicht  berühren.  In  unseren  Arbeiten  ist  hauptsächlich 
die  Rede  über  die  Bauxitentstehung.  Auf  Grund  unserer  Unter- 
suchungen haben  wir  die  Bauxitentstehung  in  Zusammenhang  mit 
der  Terra  rossa  bezw.  mit  den  Kalksteinen  und  Dolomiten  gebracht 
und  so  den  Bauxit  von  einem  anderen  Standpunkt  aus  beleuchtet. 

Unsere  Untersuchungen  haben  ohne  Zweifel  bewiesen , daß 
die  Behauptungen  Lacroix’  (1.  c.)  „C’est  en  realite  une  veritable 
röche“  vollkommen  berechtigt  sind  und  wir  für  dieses  Gestein 
seinen  bisherigen  Namen  Bauxit5  beibehielten.  Es  war  aber  not- 
wendig, jener  Substanz,  jenem  Mineral,  das  den  Hauptbestandteil 
des  Bauxit  bildet,  einen  Namen  zu  geben,  und  dieses  Mineral 
wurde  Sporogelit  benannt.  Die  Nomenklatur  Doelter-Dittler’s 
scheint  uns  unrichtig,  da  sie  nicht  auf  Tatsachen  beruht.  Wir 
kennen  heutzutag  kein  Bauxitgestein  mit  vorwiegendem  Gibbsitgehalt, 
also  kennen  wir  daher  nicht  von  Gibbsititen  reden.  Gerade  so 
unbekannt  ist  auch  das  Gestein,  welches  vorwiegend  aus  Diaspor, 
Gibbsit  und  Kaolin  bestände.  (Wenn  schon  von  Kaolin  die  Rede  ist, 

1 C.  Doelter  und  E.  Dittler,  Zur  Charakteristik  des  Bauxites. 
Dies.  Ceutralbl  1912.  p.  20 

2 A Lacroix,  Mineralogie  de  la  France.  3.  p.  342.  1901. 

3 F.  Cornu,  Zeitschr.  f.  Chem.  und  Industr.  der  Kolloide.  1909.  4. 
p.  15.  90:  dies.  Centralbl.  1909.  p.  323 ; Zeitschr.  f.  pr.  Geol.  1909.  p.  85. 143. 

4 F.  Hundeshagen,  Über  die  Anwendung  organischer  Farbstoffe  zur 
diagnostischen  Färbung  mineralischer  Substrate.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
Beil  -Bd.  XXVIII.  p.  335. 

5 In  seiner  bald  erscheinenden  Arbeit  „Terra  rossa,  bauxite.  laterite“ 
(Giornale  di  Geologia  pratica.  Anno  XI.  1913.  fase.  1.  p.  20)  schreibt 
M.  Gortani  folgendes:  „Dal  punto  di  vista  geologico,  litologico  e pratico 
sembra  opportuno  riservare  il  nome  di  bauxite  alle  rocce  costituite 
essenzialmente  da  idrossidi  d’alluminio  (e  ferro),  che  sono  incluse  in 
formazioni  calcaree  e che  perciö  si  rivelano  come  terre  rosse  antiche.“ 


Bauxit  in  neuem  Liebt. 


497 


muß  ich  betonen,  daß  wir  bei  unseren  mikroskopischen  Unter- 
suchungen nirgends  im  Bauxit  Kaolin  fanden,  obwohl  wir  Hunderte  von 
Präparaten  verschiedener  Bauxite  mit  größter  Sorgfalt  untersuchten.) 

Wenn  wir  auch  mit  unserer  Behauptung,  daß  Bauxit  ein 
Gestein  und  kein  Mineral  ist,  nichts  Neues  brachten,  ebensowenig 
haben  wir  mit  der  Behauptung,  daß  Sporogelit  Aluminiummono- 
hydrat  ist,  etwas  Unbekanntes  entdeckt.  In  seiner  Abhandlung 
über  die  Zusammensetzung  des  „Bauxites“  kommt  Arsandaux  1 zu 
folgendem  Schluß:  „Cette  derniere  consideration  me  porte  ä admettre 
que  Phydrate  A1203,  H20  est  la  forme  stable  de  Palumine  dans 
les  banxites.“  Wir  kommen  durch  unsere  chemischen  Unter- 
suchungen und  Analysen  auch  zu  dem  Beschluß,  daß  wir  den 
Sporogelit  für  Aluminiummonohydrat  halten  müssen.  Einige  Er- 
scheinungen bei  der  chemischen  Untersuchung  der  kroatischen 
Bauxite  und  der  Terrae  rossae  lassen  auf  verschiedene  Aluminium- 
hydrate schließen.  Diese  Erscheinungen  beziehen  sich  auf  die 
Löslichkeit  des  Sporogelits  in  HCl  und  H,S04.  Während  der 
Sporogelit  aus  Bauxiten  älterer  Formation  (aus  Velebit)  in  ge- 
nannten Säuren  schwer  löslich  ist,  ist  der  Sporogelit  aus  Bauxiten 
der  jüngeren  Formationen  (aus  Bosnien  und  Dalmatien)  viel  leichter 
löslich ; Sporogelit  ans  der  Terra  rossa  (also  des  jüngsten  Bauxits) 
ist  sehr  leicht  löslich1  2.  Anfangs  hielt  ich  diese  Erscheinung 
jener  der  entsprechenden  Kristalloide  analog  uud  daß  mit 
wachsendem  Wassergehalt  auch  die  Löslichkeit  wachse.  Korund, 
A1203,  ist  in  Säuren  unlöslich,  Diaspor,  A1203  • H20  löst  sich 
partiell,  Hydrargillit,  Al2  03  • 3 H2  0 , ziemlich  leicht  und  voll- 
kommen. Demnach  befinden  sich  in  der  Natur  vielleicht  auch  die 
entsprechenden  Kolloide  Al2  03,  Al,  03  • H2  0 (Al,  03  • 2 H,  0)  und 
A1203-3H,0.  Diese  Anschauung  wurde  aber  durch  die  chemische 
Analyse,  besonders  durch  die  Analyse  des  jüngeren  Bauxits  von 
Studeno  vrelo  bei  Zupanjac  in  Bosnien  hinfällig  er- 
wiesen3. Er  enthält  so  wenig  Wasser,  daß  es  möglich  ist,  die 
Aluminiumverbindung,  Sporogelit,  nur  als  Monohydrat  aufzufassen. 
Ganz  zu  denselben  Resultaten  führten  auch  die  Analysen  anderer 
Bauxite.  Bis  jetzt  ist  es  also  durch  chemische  Untersuchungen 
Arsandaux  und  uns  gelungen , zu  beweisen , daß  im  Bauxit 
Aluminiumhydrat  (Sporogelit)  mit  einem  Molekel  Wasser  ent- 
halten ist.  Daß  in  Bauxiten  Dihydrate  oder  Trihydrate  Vor- 
kommen, hat  bis  jetzt  noch  niemand  bewiesen;  es  sind  dies  nur 
Mutmaßungen  ohne  reelle  Unterlage. 

Zagreb  (Agram),  Mineralogisch-petrograph.  Institut. 

1 H.  Arsandaux,  Sur  la  composition  de  la  bauxite.  Compt.  rend. 
1909.  148.  p.  936. 

2 F.  Tucan,  Koloidi  u rudstvu.  Xastavni  vjesnik.  XX.  Zagreb.  1912. 

3 F.  Tucan  und  Kispatic,  1.  c. 


Centralblatt  f.  Mineralojrie  etc.  1913. 


32 


498  Ad.  Hoel.  — W.  Deecke,  Paläontologische  Betrachtungen.  III. 

Notiz  zu  K.  Schneider:  „Die  vulkanischen  Erscheinungen 

der  Erde.“ 

Von  Adolf  Hoel  in  Kristiania. 

In  dem  von  K.  Schneider  verfaßten  vulkanologisclien  Werk: 
Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde  (Berlin  1911)  findet 
sich  ein  Irrtum.  Auf  p.  228  heißt  es:  „Bei  74°  25'  n.  Br.  und 
19°  ö.  L.  v.  Gr.  liegt  die  Bäreninsel.  Sie  beherbergt  den  nörd- 
lichsten selbständigen  Vulkan  auf  der  atlantischen  Erdhälfte  etc.“ 
Auf  der  Bäreninsel  kommen  aber  gar  keine  Eruptivgesteine  vor. 
Wahrscheinlich  liegt  eine  Verwechslung  mit  dem  Vulkane  Beeren- 
berg auf  der  Insel  Jan  Mayen  (71  0 n.  Br.  und  9°  w.  L.  v.  Gr.)  vor. 


Paläontologische  Betrachtungen '. 

Von  W.  Deecke. 

III.  Ueber  Echinoiden. 

Von  den  Seeigeln  soll  dieser  Abschnitt  der  paläontologischen 
Betrachtungen  handeln,  und  zwar  besonders  von  den  Lebens  Verhält- 
nissen fossiler  Formen. 

Seeigel  sind  im  allgemeinen  sehr  selten  in  Konglomeraten, 
was  sich  ja  daraus  erklärt , daß  die  hohlen  Schalen  zerschlagen 
werden.  Etwas  häufiger  trifft  man  sie  in  Sanden  der  flachen 
Strandzone  an , allerdings  meistens  verdrückt  oder  irgendwie  be- 
schädigt. Wenn  man  am  Ufer  der  Nordsee  oder  am  italischen 
Sandstrande  bei  Pozzuoli  und  Gaeta-Xettuno  wandert,  sieht  man 
die  Echinocardien  etwas  verletzt,  mit  Sand  erfüllt  im  Boden  unter 
flachem  Wasser  stecken.  Leere,  wieder  ausgespülte  Gehäuse,  die 
sehr  leicht  sind,  werden  am  Wasserraude  massenhaft  zusammen- 
gehäuft, sogar  bis  in  die  Dünengräser  vom  Winde  hinaufgetrieben. 
Fossil  wird  dergleichen  kaum  erhaltbar  sein;  aber  denken  muß  man 
an  so  etwas,  wenn  Seeigeltrümmer  mit  Moor  und  mit  Landpflanzen 
einmal  auftreten  (Dogger  Nordenglands).  Sie  beweisen  dann  nur 
die  Nähe  der  See. 

Im  reinen  Sande  sind  diese  Tiere  selten ; denn  erstens  gehen 
darin  ihre  Schalen  durch  Auflösung  leicht  zugrunde  und  zweitens 
haben  die  Tiere  dort  nicht  die  erforderliche  Nahrung  gehabt,  sind 
also  von  vornelierein  spärlich  gewesen.  So  birgt  die  Meeres- 
molasse des  Bodenseegebietes  diese  Ordnung  nur  in  ganz  geringem 
Maße.  Aber  mit  Zunahme  des  Ivalkgehaltes,  und  zwar  in  solchem 
von  organogenem  Ursprung,  mehren  sich  auch  diese  Tiere.  Sie 
müssen , wenn  sie  nicht  direkt  andere  Organismen  zerbeißen,  den 
an  organischen  Substanzen  reichen  Schlamm  in  Masse  durch  ihren 
Darm  gehen  lasseu.  Es  ist  erstaunlich , wie  vollgepfropft  ein 

1 Fortsetzung  der  im  N.  .Tahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXV  erschienenen 
ersten  Abschnitte  (I  und  II). 


W.  Deecke,  Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


499 


Echinoidendarm  mit  allem  möglichen  Bodengrus  ist.  Da  alle  See- 
igel auf  den  Boden  angewiesen  sind  und  nie,  außer  im  Larven- 
stadium, frei  schwimmen , so  sind  sie  in  hohem  Maße  von  der 
Bodennahrung  abhängig  und  haben  daher  auch  die  engsten  Be- 
ziehungen zum  Untergründe  und  zu  dessen  Bedeckung.  Ferner  ist 
ihr  eigentliches  Lebensgebiet  das  Meer  unter  der  flachen  Strand- 
resp.  Ebbezone  bis  zu  den  größten  Tiefen  hinab. 

Für  die  folgenden  Betrachtungen,  welche  zunächst  die  irregulären 
Seeigel  vorzugsweise  betreffen,  ist  von  Wichtigkeit,  was  J.  v.  Uexküll1 
über  die  Lebensweise  von  Echinocardium  caudatum  sagt.  Es  wird 
dort  geschildert,  wie  sich  diese  Spezies  mit  Hilfe  der  seitlichen 
Stacheln  in  den  Sand  eingräbt,  wie  sie  sich  eine  Atemröhre  mittels 
klebrig  gemachter  Sandkörner  baut,  die  tiefe  Furche  der  Vorder- 
seite als  Atemwasserkanal  ausbildet  und  wie  die  Stacheln  des 
Mittelfeldes  den  zu  fressenden  Sand  zum  Munde  schaufeln;  ferner 
daß  diese  Tiere  unter  der  tiefsten  Ebbe  im  Sande  sitzen,  und 
zwar  massenhaft  nebeneinander,  weil  sonst  die  Geschlechtsprodukte 
nicht  zueinander  gelangen  können.  Jede  einzelne  dieser  Angaben 
ist  für  uns  von  Wert  und  macht  uns  manches  fossile  Vorkommen 
verständlich.  Leider  haben  wir  nur  wenig  Angaben  über  die  Lebens- 
weise anderer  Gruppen,  und  man  wird  daher  nicht  alles  unbedingt 
auf  Clj'peasteriden  oder  Cidariten  übertragen  dürfen.  Die  Unter- 
schiede sind  entsprechend  zu  betonen. 

Irreguläre  Seeigel  mit  einem  zwischen  After  und  Mund  stehenden 
spezialisierten  Mittelfelde  sind  fossil  häutig.  Man  erinnere  sich 
nur  an  Hemipatagus,  Ananchytes,  Hemipneustes.  Oft  sind  dort 
anders  ausgebildete  Stachelwarzen  vorhanden,  deren  Erklärung  nun 
leicht  fällt.  Auch  die  Lippe  des  Mundes,  die  als  „Pflugschar“  für 
den  einzuschürfenden  Sand  oder  Schlamm  dient,  ist  dadurch  ver- 
ständlich und  die  abgeplattete  Unterseite  ist  notwendig,  damit  das 
Gehäuse  aufliegt.  So  kann  Sand  und  Schlamm  leicht  aufgenommen 
werden  und  zur  Auslaugung  durch  den  Darm  gehen.  Wie  eben 
betont,  muß  der  Sand  nährstoffreich  sein. 

Muschelreiche  feinere  Sande  der  etwas  tieferen  Wasserzoue 
enthalten  Seeigel  deshalb  zuerst  etwas  häufiger.  Ich  denke  als 
Typus  an  die  mitteloligocänen  Stettiner  Sande,  welche  Spatangiden 
und  andere  Seeigel  so  führen,  daß  man  fast  jedesmal  mehrere 
Exemplare  oder  Trümmer  findet.  Ganz  ähnlich  steht  es  mit  dem 
in  gleicher  Fazies  entwickelten  pommerschen  Callovien.  Aber  so 
recht  gedeihen  sie  in  beiden  Schichten  nicht.  Weniger  sind  sie 
in  den  geröllführenden  Weinheimer  Sanden  vertreten,  wie  sie  über- 
haupt im  marinen  Oligocän  des  Oberrheines  selten  sind.  Auch  im 
Pechelbronner  Sand  oder  in  den  Meeressanden  Oberbadens  sind 
kaum  Reste  beobachtet.  Günstiger  scheinen  ihre  Existenzbedingungen 

1 Studien  über  den  Tonus.  IV.  Die  Herzigel.  Zeitschr.  f.  Biologie. 
XLIX.  Bd.  Berlin  1907.  p.  307 — 319. 


32* 


500 


W.  Deecke. 


in  manchen  cenomanen  Sanden  gewesen  zu  sein,  z.  B.  in  der 
Tourtia  und  in  der  Grünsandkreide.  Da  deutet  auch  schon  der 
Glaukonit  auf  viele  Mikroorganismen,  z.  B.  Foraminiferen  hin. 
Je  reicher  diese  letzte  Tiergruppe  wird,  um  so  mehr  Seeigel  stellen 
sich  oft  ein.  Die  feineren,  an  kleinen  Schalen  neben  Muscheln 
und  Schnecken  reichen  Bimssteinsande  der  Starza  bei  Pozzuoli 
stecken  voll  von  Echinocardium,  noch  in  situ,  mit  allen  Stacheln. 
Recht  häutig  sammelte  man  früher  Echinolampas  und  Echinanihus 
in  dem  aus  Milioliden  aufgebauten  Grobkalk  von  Vaugirard  bei  Paris. 
Scutelliden,  Schizaster , Brissopsis  und  andere  Gattungen  sind  massen- 
haft in  manchen  „Faluns1"  des  Garonne-Beckens  vorhanden.  Damit 
kommen  wir  zu  dem  einen  rechten  Lebensgebiet  dieser  Tiere.  Das 
sind  Kalksande  mit  Foraminiferen,  Brvozoen  und  anderem  organi- 
schen Detritus.  Geradezu  tj'pische  Beispiele  stellen  Doberg  bei 
Bünde,  das  Datiien  bei  Maastricht,  der  Kressenberg,  die  Mokkattam- 
Schichten  und  das  ligurisclie  Eocän  dar.  Aber  bei  diesen  sind 
noch  zwei  Unterschiede  zu  machen.  Die  Breccienschichten  aus 
Seeigeltrümmern  im  Maastrichter  Tuff  beweisen  entweder  bewegtes 
Wasser  oder  Tiere,  welche  diese  Gehäuse  zei’bissen.  Ebenso  sind 
bei  Bünde  Schichten  voll  derartiger  Fragmente,  während  mir  von 
anderen  Stellen  dies  in  dem  Umfange  nicht  bekannt  geworden  ist; 
es  war  also  das  Wasser  wohl  etwas  ruhiger  oder  tiefer. 

Hcmipneustes,  Echinolampas  Kleinii  und  Spatangus  Hoffmanni 
nebst  den  meisten  diese  im  Danien  und  Oberoligocän  begleitenden 
kleineren  Formen  sind  kieferlos.  Wenn  sie  sich  also  von  Brvozoen 
und  größeren  Foraminiferen  ( Calcarina , Orbitoides  im  Danien)  nähren 
wollten,  so  mußten  es,  wie  bei  den  letztgenannten,  lose  Stücke  sein, 
die  sie  in  den  Darm  einführen  und  auslaugen  konnten,  oder  Trümmer, 
welche,  vom  Wellenschläge  abgebrochen,  sich  in  der  etwas  tieferen 
Zone  absetzten.  Die  dickschaligen  Clypeasteriden  verhalten  sich 
etwas  anders ; diese  gehen  hart  an  das  bewegte  Wasser  von  unten 
heran  und  bilden  daher  mit  allem  möglichen  Grus  die  im  Mittel- 
meergebiete (Wiener  Becken,  Kalabrien,  Sizilien,  Spanien)  so  be- 
zeichnenden C%peas£er-Strandbreccien.  Damit  hängt  wohl  die 
innere  Versteifung  und  z.  T.  auch  die  entweder  hoch  kegelförmige 
oder  ganz  flache  Gestalt  zusammen.  Beide  Faunengruppen  können 
dauernd  gar  nicht  schief  liegen,  sondern  fallen  sofort  wieder  auf 
die  breite  Unterseite  mit  ihrem  dem  Boden  ganz  nah  gerückten 
Schwerpunkte. 

Sehr  klar  ist  mir  eine  zweite  Gruppe  von  Seeigeln  in  ihrem 
Auftreten,  nämlich  die  der  mergeligen  Kreideformation,  speziell 
der  oberen  Kreide.  Sobald  bei  uns  in  Europa  die  an  Foraminiferen 
und  kleinen  Bracliiopoden  oder  Bryozoen  reiche  Kreide  sich  aus- 
bildete, haben  wir  zahllose  Ananchyten,  Galeriten,  Spatangiden 
und  ähnliche  Formen.  Die  Kreide  ist  ein  typisch  zoogenes,  an 
lebenden  und  abgestorbenen  Nährstoffen  reiches  Sediment,  in  welches 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


501 


sich  Seeigel,  leicht  auf  dem  Boden  langsam  fortkriecliend,  so  weit 
einbetten  konnten,  daß  sie  ständig  Nahrung  einpreßten.  Daher 
der  ausgesprochen  schaufelförmige  Mund  bei  Ananchytes , den  Spat- 
angiden  und  Hemipneustes.  Organische  Bestandteile  enthielt  gerade 
die  weiße  Kreide  reichlich : abgestorbene  Spongienrasen , plank- 
tonische  Globigerinen  und  Textularien,  die  ununterbrochen  nieder- 
sanken, Frondicularien,  Rotalien  und  Cristellarien  neben  Porosphären 
und  zahllosen,  locker  im  Schlamme  sitzenden  kleinen  Bryozoen- 
kolonien  und  Brachiopoden.  Die  Zahl  der  Seeigel  in  der  Rügener 
Kreide  ist  enorm,  wenn  man  alle  zerbrochenen,  schlecht  erhaltenen, 
daher  nicht  beachteten  Stücke  mitzählt.  In  dem  Lankener  Bruch 
habe  ich  auf  einer  neu  begonnenen  Stufe  des  Abbaues  einmal 
gegen  200  Stück  gezählt,  die  in  frisch  herausgeholten  Feuerstein- 
haufen lagen  und  ohne  Umwühlen  mir  zugänglich  waren,  meistens 
(etwa  •§-)  Ananchyten,  fast  der  ganze  Rest  Echinoconen.  In  anderen 
Kreideschichten  sind  Holaster  und  Micraster  ebenso  häufig.  Sie 
sind,  wie  der  Pläner  von  Strehlen  zeigt,  direkt  an  diese  Fazies 
gebunden  und  im  Sandstein  viel  spärlicher.  Man  sieht,  wie  Anan- 
cliyles  mit  der  Herausbildung  der  echten  Kreide  immer  größer  wird 
bis  zu  der  Varietät  perconica  Hag.,  die  ebenso  hoch  wie  lang  ist. 
Nachher  wird  plötzlich  die  Form  klein,  wie  verkümmert,  schief, 
also  zu  Ananch.  sulcata  Goldf.,  sobald  nämlich  diese  Fazies  auf- 
hört. Damit  stirbt  für  Europa  und  das  Flachmeer  dies  Genus  aus. 
Ob  es  im  Globigerinenschlamm  der  Tiefsee  noch  vorkommt,  ist 
nicht  sicher , aber  nicht  ausgeschlossen , da  ähnliche  Formen 
(Linopneustes)  dort  existieren.  Das  tiefere  Wasser  prägt  sich  bei 
Ananchytes  auch  in  der  relativ  dünnen  Schale  gegenüber  den 
Conoclypeiden  und  vor  allem  den  Clypeasteriden  aus. 

Der  Zusammenhang  von  Foraminiferen  und  Seeigeln  erscheint 
besonders  klar  im  Dogger.  In  dieser  Abteilung  haben  wir  in  den 
Mergeln  die  ersten  häufigeren  jurassischen  Seeigel  wie  Holectypus, 
Echinobrissus,  Hyboclypus ; denn  im  Lias  sind  und  bleiben  Echi- 
noiden  selten,  und  wenn  sie  Vorkommen,  gehören  sie  zu  den  Re- 
gularia.  Im  Dogger  ergreifen  eben  die  Foraminiferen  dauernd 
Besitz  vom  mitteleuropäischen  Flachmeer,  und  recht  unvermutet 
treten  in  den  tonigen  Sedimenten  die  irregulären  Gattungen  auf. 
Die  verbreiten  sich  dann  rasch  auch  in  den  oolithischen  Kalkgrus 
der  Küstenzone,  in  welchem  es  an  aufgewachsenen  Foraminiferen, 
Bryozoen  und  Algenresten  nicht  mangelte.  Zahlreiche  aufgewachsene 
Foraminiferen  saßen  auf  den  Oolithkörnchen.  Diese  selbst  sind 
um  kleine  organische  Reste  entstanden  und  einst  lose  gewesen, 
so  daß  ein  Oolithsand  bequem  durch  den  Seeigeldarm  gehen  und 
die  nötige  Nahrung  liefern  konnte.  Echinobrissus , Clypeus  und 
Pygurus  sind  die  Charaktertiere  dieser  Fazies  und  treten  z.  T. 
immer  wieder  im  Oolitlx  auf,  wo  sich  dieser  bis  in  die  untere 
Kreide  hinein  entwickelt.  Freilich  wird  Clypeus  bald  von  Pygurus 


502 


W.  Deecke, 


verdrängt;  der  letzte  ist  aber  im  Malm-Oolith  von  Bartin  bei  Col- 
berg,  im  Hannoverschen,  in  Frankreich  und  im  Schweizer  Jura 
eine  der  wichtigsten  Gattungen.  Nach  der  Callovien-Transgression 
gesellt  sich  zu  Echinobrissus  die  Gattung  Dysaster  oder  Collyrites 
am  zahlreichsten  in  dem  an  Abfällen  reichen  Terrain  ä cliailles 
oder  in  den  foraminiferenfiihrenden  Renggeri-  und  Lnpressa-Sdiiditen 
des  untersten  Malm.  Massenhaft  liegen  Echinobrissus  und  Holectypus 
in  den  süddeutschen  Acuminata-  und  Maxillata-Mergeln  des  Vesullian 
mit  der  von  Terquem  beschriebenen  mannigfaltigen  Foraminiferen- 
fauna  und  mit  all  dem  Austerngrus  in  dem  lockeren  Ferrugineus- Oolitli 
und  in  den  Faricms-Mergeln.  Die  gleiche  Rolle  übernehmen  in  den 
verschiedenen  Zonen  der  Unterkreide  die  dort  ebenso  unvermittelt 
auftretenden  und  die  anderen  verdrängenden  Spatangiden  ( Toxaster ). 
In  all  diesen  Schichten  sind  Foraminiferen  meistens  massenhaft 
vorhanden.  Umgekehrt  beobachten  wir  diese  selten  in  den 
triadischen  Sedimenten  Europas  und  damit  gleichzeitig  ein  starkes 
Zurücktreten  der  Seeigel.  Beide  Tierklassen  müssen  in  der  Trias 
irgendwo  anders  eine  Blüte  gehabt  haben  und  sind  mit  der  Rhät- 
transgression  auf  die  Wanderschaft  gegangen,  wobei  die  rasch  sich 
vermehrenden  Protozoen  vorauseilten  (Lias)  und  die  nicht  lang 
schwebenden  Echinoiden  nachkamen  (Dogger).  Wir  haben  ein 
ganz  analoges  Verhältnis  in  der  Oberkreide:  Globigerinen-  und 
Textularienkreide  tritt  schon  im  Cenoman  auf,  die  Blütezeit  von 
Echinoconiden  und  Ananchyten  liegt  erst  im  Turon  und  Senon. 
Alles  miteinander  — Ammoniten,  Seeigel,  Foraminiferen,  Belem- 
niten,  Krebse  — weist  auf  ein  unbekanntes  Triasgebiet  hin,  das 
wir  nur  sehr  schwer  als  solches  erkennen  werden,  weil  es  jurassische 
Charaktere  trägt. 

In  dem  Mesozoicum  haben  aber  auch  die  kiefertragenden  Irre- 
gularien eine  große  Verbreitung.  Wiederholt  sind  Echinoconus 
und  Holectypus  schon  genannt.  Sie  gehen  vom  Dogger  bis  zur 
oberen  Kreide  durch  und  haben  wegen  ihres  Gebisses  eine  ge- 
wissermaßen größere  Nahrungsgelegenheit.  Deshalb  ist  Holectypus 
weiter  in  den  Gesteinen  und  Schichten  verbreitet  als  Echinobrissus, 
Echinoconus  und  Discoidea  länger  und  eher  vertreten  als  Ananchytes. 
Ja,  wir  sehen,  daß  dieser  Typus  mit  Conoclypeus  im  Alttertiär  erst 
seine  größten  Formen  erreicht.  Diese  letzten  Seeigel  fanden  zu- 
sammen mit  den  damals  zuerst  und  wieder  recht  unvermittelt  auf- 
tretönden  Clypeasteriden  in  dem  Nummuliten-,  Orbitoiden-  und  Al- 
veolinen-Sand  uneingeschränkte  Nahrung.  Von  diesen  Familien 
haben  sich  dann  die  Clypeaster  in  Südeuropa  lange  in  Blüte  ge- 
halten, also  nach  ihrer  Einwanderung  genau  dieselbe  Anpassung 
vollzogen  wie  die  Echinoconiden  vom  Dogger  bis  zum  Alttertiär. 
Es  ist  zu  bedenken,  daß  diese  Seeigel  alle  ein  Gebiß  haben,  das 
durchaus  geeignet  ist,  die  genannten  großen  Foraminiferen  zu 
zerbeißen,  da  manche  der  letzten  in  toto  durch  den  Darm  nicht 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


503 


durchgehen  konnten.  Conoclypeus  und  Clypeaster  sind  ungewöhnlich 
dickschalig,  was  vielleicht  mit  dem  Reichtum  an  Ca  C 0,  in  ihrer 
Nahrung,  aber  ebenso  mit  dem  Erscheinen  der  alles  zerknackenden 
Krebse  (Brachyuren,  Xanthopsis,  Lobocarcinus  etc.)  zusammenhängt. 
Ferner  haben  dickschalige,  daher  schwere  Gehäuse  mit  breiter 
Basis  auf  dem  Kalk-(Foraminiferen-)Sand  und  -Grus  einen  genügenden 
Halt  und  werden  bei  mäßig  bewegtem  Wasser  ohne  Zutun  des  Tieres 
eo  ipso  in  den  mitgeschleiften  Sand  von  den  Wellen  wieder  eingebettet. 

Es  ist  also  wohl  kaum  eine  Frage,  daß  Foraminiferen  und 
Seeigel  in  ihrem  geologischen  Vorkommen  in  einer  gewissen  Be- 
ziehung zueinander  stehen,  ja  mitunter  direkt  miteinander  verbunden 
erscheinen.  Aber  absolut  ist  diese  Abhängigkeit  nicht,  da  ja  kleine 
Schnecken,  Huscheln,  Bryozoeu  etc.  ebenfalls  als  Nahrung  den 
Echinoiden  dienen  können.  In  dieser  letzten  wird  den  Tieren  viel 
bereits  ausgeschiedener  organischer  Kalk  zugeführt  und  damit 
der  Bau  der  Gehäuse  und  Stacheln  erleichtert.  Denn  mir  scheint, 
daß  nicht  der  Kalkgehalt  des  Wassers  unmittelbar,  sondern  solch 
bereits  konzentrierter  Kalk  von  den  Seeigeln  verbraucht  wird.  In 
rein  sandigen  kalkarmen  Sedimenten  sind  nämlich  trotz  des  Kalkes 
im  Heerwasser  diese  Tiere  spärlich. 

Alle  diese  zuletzt  genannten  Seeigelfamilien  besitzen  ein  nur 
schwaches  Stachelkleid.  Wir  wissen,  daß  sie  oft  ganz  im  Schlamme 
sitzen,  sich  in  denselben  einwühlen,  wobei  große  sperrende  Stacheln 
sicher  ein  Hindernis  wären.  Das  Gegenteil  ist  bei  den  kleinen 
Diadematiden  des  Lias  ausgebildet,  da  der  oft  winzige  Körper 
unverhältnismäßig  lange  dünne  Stacheln  trägt.  Ich  sehe  in  diesen 
Stacheln  Sperr-  oder  Schwebeorgane,  welche  in  der  weichen  Hudde 
den  Körper  vor  Einsinken  bewahrten,  und  zwar  um  so  mehr,  als 
wir  diese  abweichende  spezialisierte  Gruppe  nur  in  den  bituminösen 
Hergeln  und  Schiefern  des  unteren  und  oberen  mitteleuropäischen 
Lias  antreffen,  niemals  in  sandigen  Bildungen  oder  in  Hergeln. 
Die  Spatangiden  stecken  im  Hoder  oder  Sand,  die  Clypcaster- Formen 
mehr  im  Sande,  oft  ganz  davon  bedeckt.  Damit  hängt  auch  wohl 
in  erster  Linie  die  Reduktion  der  Ambulacren  und  die  Entfaltung 
der  Fasciolen  zusammen.  Die  Tiere  betten  sich  in  Nährstoffe  ein, 
kriechen  wenig  und  kommen  so  gelegentlich  sogar  zu  einer  Selbst- 
vergiftung infolge  der  Anhäufung  von  Abfallstoffen.  Deshalb  ist 
bei  vielen  dieser  Seeigel  eine  Rinne  in  der  Schale  vorhanden,  die  Uex- 
KüLL’sche  Atemrinne  von  Echinocardium.  Wir  haben  sie  bei  Toxaster, 
Micraster  und  allen  seinen  Verwandten,  und  zwar  vom  Pol  zum 
Hunde  führend.  Wir  sehen,  wie  sie  sich  von  der  Kreide  an  immer 
schärfer  ausprägt;  bei  einigen  Formen  wie  Inf ulaster  ist  sie  fast 
vertikal  und  geradlinig,  also  diesem  Zweck  am  besten  entsprechend 
ausgebildet.  Saumlinien  und  Ambulacren  übernehmen  eventuell 
den  Bau  der  bei  Echinocardium  beobachteten  Atemröhre  und  so 
liegt  ihre  Hauptaufgabe  nur  oben  am  Pol,  weshalb  sie  bei  ScMzaster , 


504 


W.  Deecke, 


Brissopsis  etc.  sich  immer  mehr  auf  den  Scheitel  beschränken. 
Mögen  die  Stacheln  klein  sein,  sie  fehlen  an  den  Flanken  nie  und 
das  wird  verständlich,  wenn  ihnen  das  Eingraben  und  die  Erhal- 
tung der  Wohnhöhle  im  Schlamme  zufällt.  Bei  anderen  Formen 
liegt  die  Rinne  hinten  am  After,  z.  B.  bei  Echinobrissus,  Pygurus. 
Durch  ein  Wegschaffen  der  Abfallstoffe  etwa  in  und  mittels  dieser 
Rinne  wird  derselbe  Effekt,  nämlich  die  Reinhaltung  des  umgeben- 
den Wassers,  erreicht.  Vielleicht  hat  eine  ähnliche  Bedeutung, 
daß  bei  den  Spatangiden  die  Neigung  besteht,  die  Ambulacren  zu 
vertiefen  und  bei  den  Clypeasteriden  gerade  umgekehrt  die  Streifen 
zwischen  den  Poren  aufblähen,  so  daß  fünf  derbe  runde  Kämme 
sich  herausbilden,  wodurch  auch  eine  Furchung  und  die  Möglich- 
keit besserer  Wasserzirkulation  erzeugt  wird. 

In  diese  Kategorie  gehört  noch  eine  andere  Eigenart  der 
Echinoconiden , Conoclypeiden  und  z.  T.  der  Clypeasteriden  wie 
Ecliinolampiden,  die  zunehmende  Höhe  der  Gehäuse.  Im  ganzen 
Jura  ist  Holectypus  niedrig.  Etwas  höher  und  aufgeblähter  erscheint 
Discoidea,  dem  die  ersten  Echinoconus  nahestehen.  Aber  im  Turon 
kommt  es  schon  zu  hohen  Formen  und  im  Senon  werden  diese  gar 
spitz  kegelförmig.  Ebenso  nimmt  Conodypens  ungewöhnlich  pyra- 
midale Form  an  und  bei  manchen  jüngeren  Clypeaster- Arten  wächst 
aus  breitem  flachen  Randsaum  ein  steiler  Kegel  empor.  Ich  kann 
mir  nur  denken,  daß  die  möglichst  tief  eingebetteten,  daher  ge- 
sicherten Tiere  mit  dem  Apex,  sei  es  zur  Befruchtung,  sei  es  zu 
Atemzwecken,  etwas  herausragen  mußten.  Dasselbe  zeigt  nämlich 
der  sonderbar  nach  oben  mit  dem  Scheitelschild  ausgezogene 
Infulaster.  Die  Ecliinolampiden  sind  anfangs  flach  oval,  vergrößern 
auch  langsam  ihre  Höhe,  aber  niemals  bis  zu  den  Maßen  der  sie 
begleitenden  Gruppen.  Immerhin  besitzen  Echinolatnpas  Fraasi 
aus  Ägypten  und  Ech.  Kleinii  aus  Bünde  recht  hohe  Gestalt.  Da 
bei  fallendem  Wasser  oder  aus  anderen  Gründen,  z.  B.  bei  der 
Geschlechtsreife,  die  Tiere  aus  dem  Sande  nach  oben  steigen,  so 
ist  die  Kegelform  die  geeignetste,  um  rasch  herauszukommen, 
rasch  au  frisches  Wasser  zu  gelangen  und  schnell  die  Geschlechts- 
produkte der  oben  liegenden  Organe  freizugeben,  sobald  von  Xacli- 
barindividuen  ein  auslösender  Reiz  ausgeht. 

Bei  Echinoconus  und  Ananchytes,  von  dem  in  dieser  Hinsicht 
schon  oben  die  Rede  war,  verbindet  sich  mit  der  Kegelform  eine 
andere  Eigentümlichkeit,  die  Entstehung  einer  unpaaren  Crista 
gegen  den  After.  Das  macht  ganz  den  Eindruck,  als  wollte  der 
gefüllte  Darm  mehr  Platz  haben.  Auch  das  ist  nicht  auf  diese 
beiden  Gruppen  beschränkt,  sondern  kommt  bei  Holaster , Micraster, 
ja  auch  bei  Dysaster  (D.  carinatus  im  mittleren  Malm)  vor.  Da 
der  Darm  am  Apex  hängt,  so  könnte  die  Zunahme  der  Höhe  auch 
einer  Verlängerung  des  Darmes  und  der  vermehrten  Nahrungs- 
aufnahme entsprechen.  Es  ist  auch  nicht  ausgeschlossen,  daß  die 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


505 


Aufblähung  der  Ambulacren  bei  Clypeasteriden  mit  einer  Hinaus- 
drängung  dieser  Organe  aus  dem  Innern  durch  den  auf  die  Mitte 
beschränkten,  gefüllten  Darm  zusammenhängt,  weil  dieser  in  dem 
durch  sekundäre  interne  Kalkausscheidungen  verkleinerten  Innenraum 
keinen  genügenden  Platz  hat.  Es  könnten  sich  also  bei  diesen  Formen 
mehrere  Bedingungen  zur  Schaffung  der  Spezialgestalt  vereinigen. 

Eine  vierte  Eigentümlichkeit  ist  Hachen  Seeigeln  gemeinsam, 
nämlich  eine  Aufwölbung  der  Unterseite,  so  daß  der  Mund  höher  liegt 
als  die  Ränder,  wenn  diese  auf  ebener  Fläche  ruhen.  Dabei  sind 
die  Umrisse  der  Basis  schwach  vertikal  gefaltet.  Typus  ist  vor 
allem  Pygurus  oder  Pygastev,  schwach  ausgebildet  hat  auch  Clypeus 
diese  Form ; außerdem  ist  sie  vertreten  bei  ganz  flachen  Anan- 
chyten  der  Scaglia  und  angedeutet  bei  Clypeasteriden.  Ich  kann 
mir  vorläufig  kein  Bild  von  der  Ursache  machen;  es  sei  denn, 
daß  bei  diesen  flachen  Gehäusen  dort  auch  der  Darm  Platz  findet 
und  das  Niederdrücken  der  Ränder  besorgt,  was  nur  bei  einem 
Leben  auf  nachgiebigem  Boden  geht.  Deshalb  kommt  es  auch 
weniger  bei  Clypeaster  vor,  wohl  aber  bei  den  Ananchyten  der 
schlammigen  Scaglia.  Man  könnte  auch  an  eine  Art  Gewölbe- 
bildung denken,  die  ein  Untersinken  verhindert,  wie  es  bei  den 
auf  weicherem  Boden  wachsenden  Thamnasträen,  Stromatoporen  und 
Fungien  eintritt.  Eine  gute  Erklärung  wäre,  worauf  ich  von  anderer 
Seite  aufmerksam  gemacht  wurde,  daß  die  Aufwölbung  der  Unter- 
seite den  Kiemen  Platz  schafft,  die  sonst  bei  den  Gehäusen  mit 
ebenem  Boden  der  Gefahr  des  Er  drückt  Werdens  ausgesetzt  sind. 
Wenn  die  Einbiegung  am  Munde  fehlt  oder  zurücktritt  wie  bei 
Scutelliden,  entsteht  ein  Furchensystem  auf  der  Unterseite,  welches 
bei  peripherer  Verzweigung  mit  kräftigeren  Stämmen  am  Munde 
endet  und  der  Wasserzufuhr  dient. 

Vor  allem  hängt  mit  der  grabenden  Lebensweise  die  Ver- 
lagerung von  Mund  und  After  zusammen.  Stünde  der  After  bei 
diesen  Formen  oben  auf  dem  Pol,  so  würde  das  Tier  ununter- 
brochen mit  dem  ausgenutzten,  verdauten  Sand  und  seinem  eigenen 
Kot  überschüttet.  Es  müssen  also  der  Enddarm  und  sein  Aus- 
gang verlagert  werden,  und  zwar  möglichst  weit  weg  vom  Munde. 
Das  ist  ja  nun  bei  den  Irregulären  in  der  mannigfaltigsten  Weise 
erreicht  und  wird  bei  einigen  Gattungen  noch  durch  die  After- 
furche unterstützt,  sobald  nämlich  der  After  etwas  über  dem  Rande 
liegt  ( Echinobrissus , Clypeus). 

Andere  Lebensweise  und  daher  andere  Formen  charakterisieren 
die  Regularia.  Schon  Archaeocidaris  findet  sich  in  Kalken  oder 
festeren  Mergeln,  Cidaris  selbst  ist  am  häufigsten  auf  Korallen- 
riffen  und  Spongienrasen  anzutreffen.  Die  zahlreichsten  Stücke 
liegen  aus  Juraoolith  vor,  aus  den  Schwamm-  und  Riffkalken  des 
Malm  in  allen  seinen  Stufen,  aus  den  Kiesel-Spongien-Schichten 
der  oberen  Kreide  in  Frankreich,  England,  Norddeutschland  und 


506 


W.  Deecke, 


aus  dem  Damen  von  Faxe.  Diese  Tiere  bewegen  sich  über  dem 
Boden,  der  daher  etwas  fester  sein  muß,  teils  mittels  der  Ambu- 
lacralschläuclie,  teils  mit  den  Stacheln.  Eingraben  wie  die  Anancliy- 
tiden  und  Spatangiden  können  sie  sich  bei  dem  starken  Stachel- 
kleide nicht.  Die  Stacheln  haben  auch  zu  verschiedene  Gestalt 
und  daher  auch  verschiedene  Funktion;  z.  B.  wird  behauptet,  daß 
sicli  verschiedene  Arten  ( Strongylocentrotus ) mit  den  Stacheln  durch 
drehende  Bewegung  napfförmige  Löcher  in  festes  Gestein,  z.  B. 
Sandstein,  auswühlen.  Das  können  natürlich  nur  lockere  Sand- 
steine sein  oder  solche,  die  ein  zersetzbares  Bindemittel  haben, 
also  Kalk  oder  Braunspat,  und  daher  durch  Ausscheidungsprodukte 
der  Seeigel  angegriffen  werden.  Man  findet  aber  Echiniden  auch 
in  Näpfen  einer  Küste  aus  kristallinem  Gestein.  Soweit  nicht  alte 
untergetauchte  Brandungsformen  vorliegen,  wäre  nur  an  ein  An- 
ätzen der  Gesteine  durch  die  Seeigel  zu  denken,  und  ich  möchte 
auch  dabei  auf  C 02  hinweisen.  So  unangreifbar  Orthoklas  oder 
überhaupt  die  sauren  Alkalifeldspate  gegen  Salz-  und  Schwefelsäure 
sind,  so  leicht  werden  sie  von  Kohlensäure  in  schwacher  Lösung 
zersetzt.  Dai’auf  beruht  ja  die  Bildung  der  wertvollen  Acker- 
krume in  Granit-  und  Gneisgebieten.  Es  ließe  sich  also  wohl 
denken,  daß  Generationen  von  Seeigeln  diese  Löcher  besiedelten 
und  erweiterten  durch  Auflösung  des  Feldspats ; den  übrigbleiben- 
den Quarzgrus  mögen  sie  mit  ihren  Stacheln  oder  sonstwie  heraus- 
drängen. Sie  sollen  in  drehender  Bewegung  sein,  was  ja  an  sich 
schon  nötig  ist,  damit  sie  nicht  in  Kot  und  Abfallprodukten,  die  sich 
in  dem  Napf  ansammeln,  ersticken.  Diese  seßhaften  Formen  sind 
natürlich  an  bewegtes  Wasser  gebunden,  das  ihnen  Nahrung  zuführt.  — 
Die  übrigen  haben  in  den  Stacheln  auch  Hemmvorrichtungen,  wenn 
sie  etwa  von  der  Strömung  irgendwie  ergriffen  und  fortgetrieben 
werden  sollten.  Außerdem  ist  schon  oben  und  von  anderer  Seite 
betont,  daß  einzelne  im  weichen  Schlamm  steckende  Tiere  dieser  Fami- 
lien in  den  abnorm  langen  und  dünnen  Stacheln  Sperrorgane  besitzen 
gegen  ein  zu  tiefes  Einsinken.  Es  sind  alle  kleine  und  leichte  Formen. 

Gehen  wir  nun  diese  Regularia  etwas  im  einzelnen  auf  ihre 
Wohnorte  durch,  so  sehen  wir  bei  Lepidocentrus,  daß  er  auf  dem 
durch  Brachiopodeu,  kleine  Korallen,  Stromatoporen  etc.  verfestigten 
Schlammboden  lebte.  Mit  Archaeocidaris  ist  es  ähnlich;  die  wenigen 
permischen  Cidaridenreste  sind  an  plattige  Schichten  gebunden 
mit  viel  Trümmerwerk  von  Fenestellen,  Brachiopoden,  Criuoiden- 
resten  etc.  Da  wir  aus  der  germanischen  Trias  nur  dürftige 
Spuren  von  Echinoiden  besitzen,  so  ist  erst  wieder  der  alpine 
Keuper  (St.  Cassian)  zu  erwähnen,  dessen  Pygmäenfauna  an  Muscheln 
und  Schnecken  für  diese  Tiere  ein  geeignetes  Nahrungsfeld  dar- 
stellte. Leider  sind  unsere  Kenntnisse  dort  noch  sehr  lückenhaft. 
Im  Lias,  vor  allem  aber  erst  im  Dogger,  kommen  Saleniden, 
Diadematiden , Hemicidariten  und  andere  Gattungen  vor.  Die 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


507 


triadische  Lücke  ist  abermals  sehr  deutlich.  Von  diesen  neuen 
Gattungen  bewohnten  Pseudodiadema  und  Verwandte  die  Ton-  und 
Mergelgründe,  dazu  besonders  geeignet  durch  ihre  niedrige  breite 
Form  und  die  seitlich  abstehenden  langen  Stacheln.  Hemicidnris, 
Acrosalenia,  Hemipedina,  Stomechinus  ziehen  etwas  festeren  Boden 
vor  und  sind  am  zahlreichsten  in  mehr  oder  minder  oolithischen 
Mergeln  und  Mergelkalken.  Solche  Gesteine  haben  wir  in  den 
lothringischen  Korallenschichten,  im  Ferrugineus- Oolith  des  Doggers, 
im  Sequan  (Oewi/aris-Schichten)  des  Schweizer  Jura,  in  den  Thur- 
mrtUHi-Schichten  des  Kimmeridge,  im  oberen  Malm  von  Zarnglaff 
nnd  Fritzow  in  Pommern  sowie  in  Frankreich  und  England  in 
gleichaltrigen  Zonen.  Es  sind  das  alles  Schichten  mit  reichem 
organischen  Leben,  voll  von  Zweischalern,  besonders  Myen,  Tere- 
brateln und  Rhynchonellen  und  fleischfressenden  Schnecken.  In 
solche  Sedimente  gehören  auch  Seeigel  mit  Gebiß,  weil  sie  sonst 
nicht  genug  zu  schlucken  haben.  Dazu  gesellt  sich  bei  den  Formen 
weite  Mundöffnung,  nur  durch  verschiebbare  Haut  geschlossen  und 
dehnbar.  Der  massenhaft  von  diesen  Tieren  ausgeschiedene  Kot 
mag  mit  an  dem  Charakter  solcher  Lagen  als  „Calcaire  grumeleux“ 
schuld  sein.  Das  geht  in  die  uutere  Kreide  weiter,  wobei  sich 
die  ebenfalls  flachen  Phymosomen  zu  den  früheren  Diadematiden 
gesellen  und  dann  bis  in  die  obere  Kreide  auf  mergeligem  Schlamme 
und  auf  Spongienrasen  weiterleben  (Rügen).  Die  Hemicidariten  sind 
hohe,  halbkugelige  Formen  mit  differenzierten  Stachelwarzen  und 
Stacheln.  Bei  Pliymosoma  sind  diese  breit,  spatelförmig  und  könnten 
sehr  wohl  das  Gehäuse  im  weichen  Schlamm  halbschwebend  halten 
oder  trefflich  fortschieben  und  etwas  eingraben.  Formen,  wie  der  im 
mittleren  Dogger  Europas  als  Leitform  erscheinende  lihabdocidaris, 
treten  in  Gemeinschaft  mit  Korallen,  Bryozoen  und  großen  Serpu- 
liden  auf.  Das  deutet  ebenfalls  auf  einen  etwas  festeren  und 
nicht  sofort  mit  Schlamm  hoch  überzogenen  Untergrund  hin,  auf 
welchem  der  Seeigel  mit  seinen  langen  dornigen  Stacheln  herum- 
stelzte. Eine  eigenartige  Form  ist  Glypticus , der  ja  auch  zeitlich 
beschränkt  ist,  seine  Stacheln  bis  auf  wenige  am  Unterrande 
stehende  verloren  hat  und  eine  Wucherung  der  Stachelwarzen  erfuhr. 
Das  Gehäuse  hat  wohl  im  obersten  Schlamm  eingebettet  gesessen, 
weshalb  die  Stacheln  z.  T.  überflüssig  wurden. 

Eine  Eigenschaft  ist  aber  allen  Nebenreihen  der  Regularia 
gemeinsam : sie  bleiben  klein.  Die  meisten  haben  höchstens  Wal- 
nuß- bis  Pflaumengröße,  nur  Acrocidaris  erreicht  etwa  die  Dimen- 
sionen von  Cidaris,  und  nur  Stomechinus  und  Hemipedina  lassen 
sich  mit  tertiären  und  rezenten  Echiniden  vergleichen.  Das  scheint 
aber  nicht  nur  auf  diese  Unterordnung  beschränkt,  sondern  eine 
allgemeine  Eigentümlichkeit  altmesozoischer  Seeigel  zu  sein;  denn  die 
obengenannten  Holectypus,  Eclnnoibrissus,  Dysaster  und  Toxaster  halten 
sich  in  ungefähr  den  gleichen  Dimensionen.  (Schluß  folgt.) 


508 


M.  Horn,  Vorläufige  Mitteilung 


Vorläufige  Mitteilung  über  den  ladinischen  Knollenkalk- 
komplex  der  Südalpen. 

Von  Max  Horn  in  Königsberg  i.  Pr. 

Trotz  der  ziemlich  großen  Anzahl  von  Arbeiten,  die  sich 
bereits  mit  den  früher  als  „Buch  enstein  er  Schichten“  be- 
zeichneten  „K ies  elkn  o 11  en  k al k en  mit  P r otr a cliy ceras 
Reitzi “ befaßt  haben,  kann  die  Gliederung  des  ladinischen 
Knollenkalkkomplexes  in  den  Siidalpen  noch  nicht  als  ab- 
geschlossen betrachtet  werden. 

Nachdem  ältere  Autoren,  wie  Gümbf.l,  v.  Richthofen  u.  a., 
die  stratigraphische  Stellung  dieser  Schichten  aufzuklären  versucht 
hatten,  stellte  sie  Mojsisovics  als  einheitlichen  Komplex  hin,  in 
welchem  er  nur  petrographisch  zwischen  Knollen-  und  Bänderkalken 
unterschied.  Nachdem  Tornquist  die  Verschiedenwertigkeit  der 
einzelnen  Horizonte  erkannt  und  den  Namen  „Buchen  st  einer“ 
als  unzutreffend  durch  die  Bezeichnung  „.Reif^i-Schichten“ 
ersetzt  hatte , zog  Philipp  auch  die  Äquivalente  westlich  der 
Etschbucht  in  die  vergleichende  Betrachtung,  und  kam  zu  dem 
Ergebnis,  daß  die  Ausbildung  der  sog.  „Buchensteiner“  im 
Buchensteiner  Tal  und  dessen  nächster  Umgebung  nur  als  eine 
lokale  Fazies  des  gesamten  weit  verbreiteten  Komplexes  zu  be- 
trachten sei.  Nach  den  ersten  Gliederungsversuchen,  die  Bittner 
gelegentlich  seiner  Aufnahmen  im  Gebiet  von  Recoaro  aufstellte, 
kam  Tornquist  im  Vicentin  auf  Grund  faunistischer  Ergebnisse 
zu  der  Gliederung  in  Spitzkalk  oder  Reitzi-  Schichten  und 
Noclosus-  Schi  eilten,  wobei  letztere  nach  der  älteren  Be- 
zeichnung als  obere  „Buchensteiner“  zu  gelten  hätten.  Diese 
höheren  Schichten  verdienen  nicht  nur  wegen  des  Vorkommens 
nodoser  Ceratiten  in  ihnen  besonderes  Interesse,  sondern  sie 
zeichnen  sich  auch  dadurch  aus,  daß  sie  Faunenelemente  enthalten, 
die  bislang  als  den  Wengener  Schichten  oder  der  „Zone 
des  P r otr  acliycer  as  Ar  ch  elaus“  zugehörend  galten.  Schon 
früher  hatte  Geyer  eine  ähnliche  Beobachtung  bei  Sappada  ge- 
macht, wo  er  in  Kalken  mit  ProtracJii/ceras  recubariense  Mojs.  eine 
stark  an  die  Wengener  Schichten  erinnernde  Cephalopodenfauna 
fand.  Im  südlichen  Bakony  folgte  den  älteren  Untersuchungen 
Boeckh’s  die  faunistische  Bearbeitung  und  Gliederung  des  Kom- 
plexes durch  Frech,  der  den  oberen  Horizonten  mit  Protrachyceras 
Curionii  Mojs.  unteres  Wengener  Alter  zuschreibt. 

Gelegentlich  einer  Spezialuntersuchuug,  die  ich  auf  Anregung 
von  Herrn  Professor  Tornquist  in  der  Val  Trompia  durch- 
führte, konnte  ich  an  bisher  z.  T.  ungenannten  Lokalitäten  ver- 
schiedene Faunen  finden,  die  erkennen  lassen,  daß  auch  in  diesem 
Gebiet  der  ladinische  Knollenkalkkomplex  nicht  als 
füunistisch  einheitlich  gelten  kann. 


über  den  ladinischen  Knollenkalkkomplex  der  Südalpen.  509 


In  der  von  Brozzo  ans  nach  Osten  ansteigenden  Val  Biogno, 
einem  Seitental  der  Hella,  treten  als  Liegendes  der  dunklen  Wengener 
Schiefer  die  obersten  Knollenkalkhorizonte  mit  Zwischenlagen  von 
Pietra- verde  zutage,  die  eine  Fauna  beherbergen,  deren  Formen 
z.  T.  eine  starke  Annäherung  an  Wengener  Typen  zeigen , teil- 
weise auch  solche  selbst  darstellen.  Ich  fand  in  ihnen : 

Protrachi/ceras  cf.  ladinum Mojs.  1 Proarcesfes  div.  sp.  ex  aff.  esi- 


— reciibariense  Mojs.  (2) 
Arpadites  TeJIeri  Mojs. 
Ceratites  Boecklii  Both. 
Hungarites  Mojsisovicsi  Boeckh 
Gymnites  cf.  Moelleri  Mojs. 
Joannites  tridentinus  Mojs. 


nensis  Mojs.  et  sübtriden- 
tinus  Mojs.  (5) 

— trompianus  Mojs. 

Ptychites  cf.  angusto-umbilicatus 
Mojs. 

iJaonella  Taramellii  Mojs.  (2) 


Die  sich  mit  diesen  Schichten  der  Val  Biogno  z.  T.  strati- 
graphisch deckenden  Knolleukalke  im  Mella-Bett,  etwa  £ km 
oberhalb  Marcheno,  führen : 

Protrachyceras  Curionii  Mojs.  (2) 

Proarcesfes  sübtridentinus  Mojs. 

— trompianus  Mojs.  (2). 

Im  Liegenden  der  genannten  Schichten  treten  als  etwas  älterer 
Horizont  die  bekannten  Knollenkalkbänke  im  Mella-Bett 
dicht  bei  der  Kirche  von  Marclieno  auf,  die  wohl  den  meist- 
genannten Fundort  für  Cephalopoden  der  „Beitzi- Zone“  dar- 
stellen und  in  der  Tat  hier  den  eigentlichen  Horizont  mit 
Protrachyceras  Beitzi  bilden.  Sie  enthalten: 

Protrachyceras  Beitzi  Mojs.  (6)  Proarcestes  sp.  (2) 

— chicsense  Mojs.  DaoneUa  Moussoni  Mojs.  (Knolle 

Balatonites  sp.  (2)  mit  vielen  Exemplaren). 

In  den  tieferen  Ivnolleukalklagen  oberhalb  Aleno  fanden  sich 
unter  anderen  wenige  Elemente,  die  an  die  Fauna  der  Trinodosus- 
Z o n e erinnern : 


Ceratites  subnodosus  Mojs.  [non  Ptychites  angusto-umbilicatus 
Torxquist].  Mojs.  (4) 

— HanOceni  Mojs.  — acutus  Mojs.  (3) 

Ccltites  cf.  geometricus  Frech.  Proarcestes  sp.  (2) 

Nautilus  cf.  quadrangulus  Mojs.  (2). 


Aus  dieser  Faunenliste  geht  hervor,  daß  der  ladinische 
Knollenkalkkomplex  in  der  Val  Trompia  drei  faunistiscli 
getrennte  Stufen  enthält.  Die  unter  den  Wengener  Daonellen- 
Schicluen  der  Val  Biogno  liegenden  oberen  Knollenkalkhorizonte 
sowie  die  obersten  Lagen  im  Mella-Bett  zeigen  eine  deutliche 
fannistische  Annäherung  an  die  cephalopodenführenden  Wengener 


1 Die  den  Namen  in  Klammern  beigefügten  Zahlen  bedeuten  die 
Anzahl  der  Exemplare,  sofern  dieselbe  1 überschreitet. 


510 


M.  Horn,  Vorläufige  Mitteilung 


Schichten.  Sie  dürften  zeitlich  den  von  Frech  im  südlichen  Bakony 
als  „untere  Wengen  er“  angesprochenen  Horizonten  gleich- 
kommen. Außerdem  sind  diese  oberen  Horizonte  mit  den  von 
Tornquist  im  Vicentin  beschriebenen  Nodosus- Schichten  sowie 
mit  den  von  Geyer  bei  Sappada  gefundenen  Recub  ariense- 
Kalken  zeitlich  in  Parallele  zu  stellen.  Die  eigentliche  Rcitzi- 
Fauna  ist  in  ihrer  vertikalen  Verbreitung  beschränkt,  wenn  auch 
einzelne  Elemente  durch  den  gesamten  Knollenkalkkomplex  hin- 
durch auftreten.  Die  tiefsten  ladinischen  Knollenkalklagen  ent- 
halten wieder  eine  Mischfauna,  in  der  sich  noch  vereinzelte 
Trinodosus- Typen  bis  in  diese  Zeit  erhalten  haben.  Durch  den 
Fund  eines  Ceratites  subnodosus  Mojs.  [non  Tornquist]  ist  das  Niveau 
dieses  Ammoniten  im  Mella-Tal  als  übereinstimmend  mit  dem  des 
Bakony-Waldes  gegeben.  Es  liegt  erheblich  tiefer  als  das  Niveau 
der  vicentinischen  ATof/osMS-Formen. 

Sehr  wahrscheinlich  werden  sich  die  faunistisch  verschieden- 
artigen Horizonte  auch  im  Gebiet  der  Südtiroler  Dolomiten 
nachweisen  lassen.  In  der  Pufelser  Schlucht  in  Groden  ist 
jedenfalls  der  obere  Horizont  der  Knollenkalke  ebenfalls  eigenartig 
ausgebildet.  Denn  ein  von  v.  Koken  in  den  „Oberen  Knollen- 
kalken mit  Pietra -verde“  — in  den  „Lagen  unter  dem 
Melaphyr“  — gesammeltes  Cephalopodenmaterial,  dessen  Be- 
arbeitung mir  von  Herrn  Prof.  v.  Koken  dankenswerterweise  iiber- 
lassen  wurde,  enthielt  außer: 

Protracliyceras  Curionii  Mojs. 

Proarcestes  Marchenanus  Mojs. 

und  einigen  noch  nicht  näher  zu  bestimmenden  Arcestiden  4 Ce- 
phalopoden,  die  der  Zone  des  Protracliyceras  Archelaus  angeboren, 
die  sämtlich  gut  erhalten  und  einwandfrei  bestimmt  sind: 

Protracliyceras  Archelaus  Laube  Anolcites  Riclitliof eni  Mojs. 

— longobardicum  Mojs.  Joannites  tridentinus  Mojs. 

und  eine  neue  Form,  die  der  Beschreibung  nach  mit 

Joannites  (?)  nov.  f.  ind.  Mojs. 

zu  identifizieren  ist,  die  auch  Mojsisovics  von  demselben  Fundort 
bekannt  ist.  Außerdem  stammt  ein 

Dinarites  avisianus  Mojs. 

aus  den  „Buchensteiner  Plattenkalken“  (Koken)  von  Bad 
Ratzes. 

Die  typischen  Wen  gen  er  Formen  lassen  keinen  Zweifel 
über  das  jüngere  Alter  der  oberen  Knollenkalkhorizonte  der  Grödener 
Dolomiten  bestehen.  Sie  zeigen  vielmehr,  daß  wir  auch  in  diesen 
Schichten  Äquivalente  der  oberen  Knollenkalke  der  Val  Trompia,. 
der  Recubaricnse- Kalke  von  Sappada  und  der  vicentinischen  Rodosus- 
Schichten  erblicken  dürfen.  Da  Protracliyceras  longobardicum  Mojs. 


über  den  ladinischen  Knollenkalkkomplex  der  Südalpen.  511 


512 


Besprechungen.  — Personalia. 


zusammen  mit  P.  Curionii  Mojs.  und  P.  recubariense  Mo.ts.  in  einer 
Zone  liegen,  die  jünger  ist  als  die  eigentlichen  Reitzi- Schichten, 
so  dürften  wohl  auch  die  Schichten,  in  denen  Tornquist  auf  Sar- 
dinien P.  longobardicum  Mojs.  nachwies,  also  der  obere  Nodosen- 
Horizont  des  südlichen  Binnenmeeres,  dieser  jüngeren,  der  Reitzi- 
Wengener-Grenze  entsprechenden  Epoche  zuzurechnen  sein. 

Diese  Verhältnisse  ließen  sich  etwa  in  der  Tabelle  auf  p.  511 
darstellen. 

Durch  genauere  Profile  und  Sammlung  fossilen  Materials 
möchte  ich  diese  vorläufigen  Ergebnisse  in  den  Siidalpen  noch 
weiter  nachprüfen. 

Königsberg  i.  Pr.,  Geologisches  Institut,  den  20.  Juni  1913. 


Besprechungen. 

Alois  Sigmund:  Die  mineralogische  Abteilung. 

(Festschrift:  Das  Steiermärkische  Landesmuseum  und  seine  Samm- 
lungen. Graz  1911.  p.  171  — 196.  Mit  zahlreichen  Figuren  im 
Text  und  mehreren,  meist  farbigen  Tafeln.) 

Die  Abhandlung  gibt  die  Geschichte  der  Entwicklung  der 
berühmten  mineralogischen  Sammlung  des  Johanneuins  in  Graz.  Sie 
ginghervor  aus  einer  Mineraliensammlung,  die  vor  hundert  Jahren  Erz- 
herzog Johann  den  Ständen  Steiermarks  zu  gemeinnützigem  Zwecke 
überwies  und  die  seitdem  durch  viele  Geschenke  des  Gründers  und 
anderer  Gönner  und  durch  Ankäufe  zu  einer  der  vortrefflichsten  An- 
stalten dieser  Art  erweitert  und  ausgebaut  wurde.  Sie  enthält  nicht 
nur  steirische  Mineralien,  sondern  Vorkommen  aus  den  verschiedensten 
Gegenden,  namentlich  auch  eine  Sammlung  geschliffener  Edelsteine 
und  von  Meteoriten.  Die  Textfiguren  geben  die  Bilder  der  Be- 
amten , die  an  der  Sammlung  gearbeitet  haben  und  von  denen 
Mohs  der  berühmteste  ist.  Auf  den  Tafeln  ist  der  Hauptauf- 
stellungssaal dargestellt,  sowie  eine  Anzahl  besonders  interessanter 
Stufen  in  recht  guten  farbigen  Reproduktionen. 

Max  Bauer. 


Personalia. 

Angenommen:  Prof.  Dr.  O.  Wilckens  in  Jena  einen  Ruf 
an  die  Universität  Straßburg  i.  E.  als  Nachfolger  von  Prof. 
Dr.  E.  Holzapfel. 

Gestorben:  Geh.  Rat  Prof.  Dr.  H.  Credner.  Direktor  des 
paläontologischen  Instituts  in  Leipzig.  — Geh.  Rat  Prof.  Dr. 
Hugo  Laspeyres  in  Bonn  a.  Rh. 


H.  Leitmeier,  Bemerkungen  etc. 


518 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Bemerkungen  über  die  Unterschiede  in  den  Angaben  von 
Schmelzpunkten  der  Silikate. 

Von  H.  Leitmeier  in  Wien. 

Schmelzpunkte  von  Silikaten , die  mittels  der  thermischen 
Methode  (Aufnahme  der  Zeit-Temperatur-Erhitzungskurve)  im  geo- 
physikalischen  Institute  in  Washington  bestimmt  wurden  und  Werte, 
die  durch  optische  Methoden  namentlich  von  C.  Doeltek  und  seinen 
Schülern  gefunden  worden  waren,  weisen  bedeutende  Differenzen  auf, 
die  oft  bis  100°  betragen,  in  einem  extremen  Falle  beim  Anorthit 
sogar  über  diese  Zahl  hinausgehen. 

In  diesem  Centralblatt  hat  R.  Nacken  1 über  Schmelzpunkts- 
bestimmungen an  Silikaten  mit  Hilfe  der  optischen  Methode  be- 
richtet und  hat  bei  seinen  Untersuchungen  Schmelzpunkte  erhalten, 
die  mit  den  .Angaben  der  Forscher  des  geophysikalischen  Institutes 
in  Washington  recht  gut  übereinstimmen. 

K.  Nacken  schloß  daraus,  daß  seine  Versuchsanordnung  Fehler 
vermeide , die  den  bisher  üblichen  optischen  Bestimmungen  des 
Schmelzpunktes  anhaften. 

Die  Bestimmung  der  Silikatschmelzpunkte  nach  neueren  Me- 
thoden wurde  bisher  fast  ausschließlich  von  den  beiden  erwähnten 
Instituten  vorgenommen  und  es  ist  in  jeder  Weise  auf  das  freudigste 
zu  begrüßen,  daß  nun  auch  von  anderer  Seite  mit  der  größten 
Sorgfalt  derartige  Bestimmungen  ausgeführt  werden.  Gerade  da- 
durch ist  ein  Austausch  der  Erfahrungen,  die  mehr  oder  weniger 
unabhängig  voneinander  gesammelt  worden  sind,  möglich,  was  für 
die  Wissenschaft  nur  von  Vorteil  sein  kann. 

Es  sei  mir  nun  gestattet,  auf  Grund  der  langjährigen  Erfah- 
rung der  DoELTEn’schen  Schule  einige  Bemerkungen  zu  den  Unter- 
suchungen R.  Nacken  s zu  machen,  von  denen  ich  wohl  voraus- 
setzen darf,  daß  sie,  auch  wenn  ich  zu  anderen  Resultaten  kommen 
sollte,  in  keiner  "Weise  als  polemisch,  sondern  lediglich  als  wissen- 
schaftlicher Gedankenaustausch  aufgefaßt  werden. 

R.  Nacken  führt  zunächst  als  Fehlerquellen  der  Bestimmungen 
mit  dem  DoELTER’schen  Heizmikroskop  den  Umstand  an,  daß  bei 
hohen  Temperaturen  die  Konturen  des  Präparates  selbstleuchtend 
werden  und  daß  es  dadurch  sehr  unsicher  sei,  das  Verschwinden 
der  scharfen  Konturen  zu  erkennen.  Die  Ränder  sind  meist  selbst- 
leuchtend, und  erst  wenn  die  Abrundung  weit  fortgeschritten  ist, 
wird  die  Erscheinung  (des  Abrundens)  deutlich. 

1 R.  Nacken,  Dies.  Centralbl.  1913.  p.  328. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


33 


514 


H.  Leitmeier,  Bemerkungen  über  die  Unterschiede 


Dieser  Umstand  erschwert  allerdings  die  Arbeit  und  gibt  ihr 
auch  einen  subjektiven  Anstrich.  Doch  bei  einiger  Übung  gelingt 
es  ganz  gut  trotz  dieser  Erscheinung,  den  Schmelzbeginn  zu  er- 
kennen, namentlich  auch  dadurch,  daß  man  bei  ununterbrochener 
Beobachtung  deutlich  das  Fortschreiten  dieser  Erscheinung  wahr- 
nimmt. Der  Schmelzbeginn  wird  im  Heizmikroskop  ja  nicht  allein 
dadurch  sichtbar,  daß  die  Konturen  des  Präparatteilchens  verwischt 
werden,  sondern  vor  allem  dadurch,  daß  sich  die  Splitterchen  all- 
mählich abrunden , was  namentlich  bei  länglichen  Splittern  — 
solche  wird  man  bei  Untersuchungen  im  Heizmikroskop  vor  allem 
ins  Auge  fassen  — ziemlich  leicht  zu  beobachten  ist.  Übrigens 
würde  ja  ein  derartiger  Fehler  nicht  zu  niedrige,  sondern  zu 
hoch  bestimmte  Schmelzpunkte  geben;  es  kann  also 
schon  deshalb  ein  eventueller  solcher  Fehler  nicht  die  tatsächlich 
bestehenden  Differenzen  zwischen  den  Angaben  der  Schmelzpunkte 
erklären. 

Mit  vollem  Hechte  betont  R.  Kacken,  daß  sich  durch  schlechten 
Kontakt  der  Lötstelle  des  Thermoelementes  mit  der  zu  untersuchenden 
Substanz  Fehler  von  nicht  zu  unterschätzender  Bedeutung  ergeben 
müßten.  Bei  dem  DoELTEit’schen  Heizmikroskop  (Beschreibung 
siehe  dieses  Centralbl.  1900.  p.  567)  ist  aber  ein  derartiger 
Fehler  von  vorneherein  ausgeschlossen,  da  zwischen  Lötknopf  und 
dem  Schälchen  aus  Kieselglas,  das  das  zu  untersuchende  Pulver 
trägt,  ein  inniger  Kontakt  besteht,  der  vor  jeder  neuen  Unter- 
suchung auf  das  sorgfältigste  geprüft  wird.  Außerdem  hat  der 
Ofen  eine  Länge  von  1 1 cm,  ist  also  um  3 cm  länger  als  der,  mit 
dem  R.  Kacken  gearbeitet  hat.  Luftströmung  ist  durch  den  voll- 
kommenen Abschluß  mit  zwei  Kieselglasplatten  ausgeschlossen. 

R.  Kacken  denkt  weiter  daran,  daß  adsorbiertes  Wasser  bei 
feinem  Pulver  Verunreinigungen  nach  sich  ziehe,  die  ihrerseits 
wieder  auf  den  Schmelzpunkt  von  Einfluß  seien.  Ich  glaube  wohl 
kaum,  daß  diese  überaus  geringen  Spuren  irgendwelche  merkliche 
Rolle  spielen  können. 

R.  Kacken  denkt  auch  an  Zersetzungserscheinungen  bei  lang- 
samem Erhitzen,  namentlich  an  das  Verflüchtigen  von  Alkalien 
und  die  dadurch  veränderte  chemische  Zusammensetzung  der  Sili- 
kate. Dies  wäre  eine  Erscheinung,  die  gar  wohl  im  Bereiche 
der  Möglichkeit  liegen  würde,  über  die  aber  bei  Mineralien,  wie 
R.  Kacken  selbst  betont,  fast  gar  keine  Untersuchungen  vorliegen. 
Herr  Prof.  Stock  in  Breslau  hatte  die  Liebenswürdigkeit,  mich 
auf  die  Möglichkeit  einer  solchen  Veränderung  in  Analogie  mit  den 
Gläsern  aufmerksam  zu  machen.  Es  kann  sich  dabei  zunächst 
darum  handeln,  daß  Katrium  entweicht;  dann  würde  der  Schmelz- 
punkt erhöht  werden,  da  ja  hoher  Alkalien-Gehalt  im  allgemeinen 
einen  niedrigen  Schmelzpunkt  bedingt.  Wenn  eine  Zerlegung  in 
Komponenten  eintreten  würde,  dann  wäre  es  sicher  ganz  gut  denk- 


in  den  Angaben  von  Schmelzpunkten  der  Silikate. 


515 


bar,  daß  die  eine  niedriger  schmelzen  würde  und  ein  niedriger 
Schmelzpunkt  vorgetäuscht  wurde.  Hier  wären  Untersuchungen 
anzustellen,  die  allerdings  nicht  leicht  durchzuführen  sind.  Der 
Nachweis  des  Abganges  des  Alkalis  wäre  allerdings  analytisch  sein- 
einfach,  der  Nachweis  der  Spaltung  und  der  Identifizierung  der 
Komponenten  aber  wäre  wohl  nicht  so  einfach,  um  so  mehr,  als 
es  sich  dabei  um  keine  vollständige  Zerlegung  handeln  wird.  Wie 
dem  auch  sei,  bei  Alkalisilikaten  kann  mit  einer  solchen  Veränderung, 
über  deren  Dimensionen  allerdings  nicht  einmal  Vermutungen 
vor  liegen,  immerhin  gerechnet  werden.  Ob  aber  so  weit  gehende 
Differenzen  dadurch  ausgeglichen  werden  können,  bleibe  dahingestellt. 

Was  ist  aber  nun  die  Ursache  der  Verschiedenheiten,  die  nicht 
geleugnet  werden  können? 

Ich  habe  an  einer  anderen  Stelle  den  großen  Einfluß  der 
Korngröße  auf  die  Höhe  des  Schmelzpunktes  von  Silikaten  fest- 
gestellt *,  und  zwar  sowohl  bei  langsamer,  wie  bei  rascher  Er- 
hitzung. R.  Nacken  arbeitete  bei  seinen  Bestimmungen  mit  Mineral- 
plättchen, die  mehrere  Quadratmillimeter  groß  waren.  Ich  halte 
es  nun  für  -sehr  wahrscheinlich , daß  hierin  die  Differenzen  der 
Werte  R.  Nackex’s  mit  den  im  Institute  C.  Doelter’s  bestimmten 
zu  suchen  seien.  So  bestimmte  ich  den  Adularsclnnelzpunkt  durch 
sehr  langsames  Erhitzen  mit  1 145  0 oder  rund  1150°.  Der  Schmelz- 
punkt wurde  zuerst  mit  dem  Heizmikroskop  zu  1170°  bestimmt. 
Bei  der  langsamen  Erhitzung  im  horizontal  gestellten  Platin- 
widerstandsofen nach  Heraus  wurde  durch  sehr  langsames  Erhitzen 
bis  zur  Temperatur  von  1145°  fortgeschritten.  Es  kamen  in 
einem  Doppelschiffchen  gleichzeitig  zwei  Korngrößen  zur  Anwendung, 
sehlemmfeines  Pulver  und  Körner,  die  durch  ein  Sieb  von  der 
Lochgröße  von  4 mm  eben  noch  durchgingen.  (Nähere  Angaben 
der  Ausführung  der  Versuche  und  der  Apparatur  siehe  in  der 
Zeitschr.  f.  anorg.  Chem.  1.  c.)  Es  wurde  nun  diese  Temperatur 
32  Stunden  lang  ununterbrochen  ein  wirken  gelassen  und  es  hatte 
sich  ein  durchscheinendes  milchiges  Glas  gebildet:  die  Schmelze 
war  flüssig  geworden.  Die  groben  Körner  aber  waren  nicht  ge- 
schmolzen, kaum  zusammengesintert.  Bei  einer  rascheren  Erhitzung 
ist  daher  eine  Differenz  von  50°.  R.  Nacken  fand  für  Adular  1200°, 
durchaus  nicht  ausgeschlossen.  Beide  Adulare  waren  eisenfrei. 

In  der  Fortsetzung  dieser  Untersuchungen  arbeitete  ich  mit 
künstlichem,  reinem  Anorthit.  Der  Schmelzpunkt  wurde  zuerst  im 
Heizmikroskop  mit  1 400  0 bestimmt.  Darauf  wurde  schlemmfeines 
Pulver  in  der  gleichen  Weise  wie  der  Adular  erhitzt.  Bei  einer 
Temperatur  von  1390°  hatten  sich  nach  sechsstündiger  Erhitzung 
glasige  Teile  im  Präparat  gebildet,  wie  ich  nach  rascher  Abkühlung 
unter  dem  Mikroskop  sehen  konnte.  Eine  weitere  Erhitzung  mußte 
wegen  Gefährdung  des  Ofens  unterbleiben. 

1 H.  Leitmeier,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chemie.  81.  p.  209.  1913. 

33* 


516 


0.  Westphal, 


Die  Amerikaner  fanden  für  künstlichen  Auortliit  nach  der 
thermischen  Methode  1550°.  E.  Dittler  fand  mittelst  der  gleichen 
Methode,  aber  bei  sehr  langsamer  Erhitzung,  1370°. 

Anorthit  vom  Vesuv,  vollkommen  wasserhell,  ergab  mir  neuer- 
dings bei  Bestimmung  unter  dem  Heizmikroskop  den  Schmelzbeginn 
bei  1285°;  bei  1340°  war  der  ganze  Anorthit  geschmolzen.  Die 
Erhitzungsdauer  zwischen  diesen  Temperaturpunkten  betrug  80  Mi- 
nuten, die  Temperatursteigerung  war  somit  eine  rasche.  B.  Xacken 
fand  1485°. 

In  der  vorerwähnten  Arbeit  habe  ich  die  Unterschiede  der 
thermisch  bestimmten  und  der  optisch  bestimmten  Schmelzpunkte 
auf  die  Verschiedenheit  der  Methode  zurückgeführt.  Die  rasche 
Erhitzung  einer  verhältnismäßig  großen  Materialmenge  gibt  bei 
der  thermischen  Methode  stets  zu  hochliegende  Schmelzpunkte.  Die 
kurze  Zeit  der  Erhitzung  genügt  nicht  zur  Überwindung  der  bei 
den  meisten  Silikaten  recht  großen  Schmelzträgheit. 


Beitrag  zur  Kenntnis  der  optischen  Verhältnisse  des  Periklas. 

Von  Otto  Westphal  in  Leipzig. 

Mit  1 Textfigur. 

Die  Angaben  über  die  Brechungsindizes  des  Periklas  weichen 
ziemlich  stark  voneinander  ab.  Nach  Sommerfeldt  1 hat  man  dies 
auf  beigemengte  Stoffe  zurückzuführen. 

Der  Genannte  bestimmte  an  Kristallen,  die  durch  Schmelzen 
von  Mg  0 im  elektrischen  Flammenbogen  erzeugt  wurden : 

n (Rot)  = 1,7298 
nua  = U7350 
n (Blau)  = 1,7360. 

Ebenfalls  für  künstliche  Periklaskristalle  fand  Mallard 1  2 
die  Werte: 

n (Li)  = 1.7307 
n (Na)  = 1.7364 
n (Te)  = 1,7416. 

Für  meine  Untersuchungen  stand  mir  künstlicher  Periklas  von 
Staßfurt  zur  Verfügung.  Er  zeigte  durchweg  das  Oktaeder  als 
1 — 4 mm  große,  helle,  ein  wenig  gelbliche  Kristalle.  Seine 


Analyse  ergab : 

MgO 99,25°  o 

Glühverlust 0,99  t 

TJnlösl.  Rückst 0.31  . 

99.55  0 o. 


1 Dies.  Centralbl.  1907.  p.  212. 

2 Bull.  soc.  fr.  min.  1893.  16.  p.  16. 


Beitrag  zur  Kenntnis  der  optischen  Verhältnisse  des  Periblas.  517 

Eisen  fand  sich  nur  in  geringen  Spuren. 

Ersichtlich  lag  also  ein  recht  reiner  (nur  durch  Bildung  von 
Magnesinmhydroxyd  äußerlich  veränderter)  Periklas  vor,  so  daß 
also  die  Möglichkeit  gegeben  war,  die  dem  isometrischen  MgO 
selber  znkommenden  Brechungsverhältnisse  zu  studieren. 


Brechungsindizes  des  Periklas  im  Temperaturintervall  von  24° — 650°. 


Die  von  mir  gefundenen  Werte  sind  noch  höher  als  die  von 
Mallard  angegebenen.  Ich  stellte  mit  Hilfe  eines  Goniometers  I 
von  Fness  fest: 

n Rot.  706.5  uu'  = 1.7313 
n ( Gelb,  587,6  ) = 1,7378 

n (Grün,  501,6  ) = 1,7454 

n Blau,  471,3  ) = 1.7494. 

Herr  Geheimrat  F.  Rixxe  gab  mir  durch  Überlassung  einer 
elektrischen  Heizvorrichtnng  zum  Goniometer  I von  Fuess  Gelegen- 
heit, die  optischen  Verhältnisse  des  Periklas  genanestens  auch  bei 
höheren  Temperaturen  zu  studieren. 

Die  Herstellung  der  für  diese  Untersuchungen  nötigen  Prismen- 
schlifi’e  war  insofern  nicht  ganz  einfach,  als  dieselben  trotz  sehr 
gut  polierter  Oberflächen  im  dnrchfallenden  Lichte  oft  nur  sehr 
undeutliche  Lichtsignale  lieferten.  Der  Grund  hierfür  ist  wohl  in 
inneren  Unregelmäßigkeiten  zu  suchen  L Von  sieben  geschliffenen 
Prismen  erwiesen  sich  zwei  als  gut  meßbar. 

Der  brechende  Winkel  wurde  so  gewählt,  daß  die  Minimal- 

1 Nach  Otto  und  J.  H.  Kloss  glasartige  Einschlüsse.  (Ber.  d.  deutsch, 
ehern.  Ges.  1891.  24.  p.  1480;  Zeitschr.  22.  p.  602.) 


518 


Edg.  T.  Wherry, 


ablenkung  ungefähr  40  Grad  betrug,  da  der  RiNNE’sche  elektrische 
Ofen  des  Goniometers  für  diesen  Ablenkungswinkel  eingerichtet  ist. 

Der  Periklas  ist  sehr  hitzebeständig;  daher  konnte  ich  bei 
den  Messungen  so  hoch  gehen,  wie  die  Apparatur  gestattete.  Selbst 
im  glühenden  Zustande  des  Materials  war  das  Bild  des  Signals 
noch  gut  einstellbar. 

Die  verschiedenen  Lichtsorten  stellte  ich  mittels  eines  Wülfing- 
sclxen  Monochromators  her ; als  Lichtquelle  diente  eine  Nernstlampe. 

Es  ergab  sich,  daß  die  Brechungsindizes  des  Periklas  beim 
Erhitzen  größer  werden.  Die  Zunahme  ist  ziemlich  stark,  der  Art, 
daß  sie  sich  bei  einer  Erhitzung  bis  auf  650°  in  der  zweiten 
Dezimale  bemerkbar  macht. 

Die  Änderung  der  Brechungsindizes  für  die  benutzten  Licht- 
sorten verläuft  nahezu  geradlinig.  Von  Rot  nach  Blau  zu  wird 
die  an  und  für  sich  schon  ziemlich  bedeutende  Dispersion  beim 
Erhitzen  noch  höher. 

24°  | nb  — nr  = 0.0180 
650°  nb  — nr  = 0,0199 

In  der  folgenden  Tabelle  sind  die  erhaltenen  Werte  zusammen- 
gestellt. Mit  ihrer  Hilfe  sind  die  Kurven  der  beigefügten  Figur 
gezeichnet. 


°c 

Rot 

Gelb 

Grün 

Blau 

24 

1,7313 

1,7378 

1,7454 

1,7493 

120 

1.7326 

1.7393 

1,7470 

1,7511 

275 

1,7352 

1,7420 

1,7498 

1,7539 

410 

1,7374 

1,7444 

1.7525 

1,7567 

530 

1,7394 

1,7464 

1,7548 

1,7590 

650 

1,7417 

1,7488 

1,7573 

1.7616 

W 

706,5 

587,6 

501,6 

471,3 

Leipzig,  Inst.  f.  Mineralogie  u.  Petrographie,  14.  Juni  1913. 


Zur  Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und  Kolloid- 
mineralien. 

Von  Edgar  T.  Wherry  in  South  Bethlehem,  Pa.,  U.  S.  A. 

Obschon  die  mineralogische  Nomenklatur  sich  zurzeit  in  weit 
besserem  Zustand  befindet  als  diejenige  der  biologischen  Wissen- 
schaften, ließe  sich  dieselbe  dennoch  unzweifelhaft  in  mehr  fort- 
schrittlicher Weise  ausbilden.  Varietäten  von  verhältnismäßig 
geringer  Bedeutung  bekommen  recht  wichtig  klingende  Benennungen, 


Zur  Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  etc. 


519 


und  es  wird  daher  immer  schwieriger,  sich  auf  dem  laufenden 
zu  halten. 

Nachstehende  Kegeln  werden  demnach  in  Vorschlag  gebracht 
zur  Leitung  für  diejenigen,  welche  in  Zukunft  das  Glück  haben, 
neuartige  Mineralien  zu  entdecken  und  zu  benennen: 

Die  den  Arten  beigelegten  Namen  sollten  umfassender  sein, 
als  es  heute  der  Fall  ist. 

Varietäten  sind  vorzugsweise  durch  Präfixe  zu  unterscheiden 
an  Stelle  der  gänzlich  neuen  Namen. 

Dieser  Plan  dürfte  wohl  gewisse  unnützliche  Streitfragen  zu 
Ende  bringen,  wie  z.  B.  diejenigen  betreffs  der  Calciumcarbonat- 
phosphate *.  Die  vermeintlichen  fünf  Arten  dieser  Verbindungen 
können  wohl  nichts  mehr  als  feste  Lösungen  sein.  Der  angeblich 
kristallinische  Bau  derselben  widerspricht  dieser  Ansicht  nicht, 
indem  die  Mineralien,  in  welchen  jene  Erscheinungen  bekanntlich 
Vorkommen,  nämlich  Magnetkies,  Magneteisenerz,  Nephelin  — an 
welche,  hinsichtlich  der  aus  veröffentlichten  Analysen  sich  ergeben- 
den Veränderlichkeit  bezw.  Abweichungen,  Buntkupfererz,  Jame- 
sonit,  Uranpeclierz,  Titaneisen,  Zirkon,  Dufrenit,  sowie  viele  Niobate 
und  Titanate  usw.  hinzuzufügen  sind  — , vielfach  einen  entschieden 
kristallinischen  Bau  aufweisen. 

Das  zuerst  beschriebene  Calciumcarbonatphosphat  war  Dahllit 
genannt.  Wenn  man  denselben  als  a-Dalillit  bezeichnen  würde, 
somit  könnte  Podolit  /?-Dahllit  und  die  anderen  y-,  d'-Dahllit  usw. 
werden.  Dasselbe  Verfahren  würde  zweifellos  große  Vereinfachung 
in  vielen  anderen  Fällen  einführen. 

Insbesondere  sollten  Kolloidmineralien  durch  ein  charakte- 
ristisches Präfix  bezeichnet  werden,  und  zwar  bringe  ich  diesbezüg- 
lich das  Präfix  * (d.  li.  den  Anfangsbuchstaben  des  griechischen 
Wortes  xoÄÄa)  in  Vorschlag,  welches  dem  Namen  für  die  Kri- 
stalloidform  der  gleichen  Substanz  voranzusetzen  ist. 

Die  nachstehende  Tabelle  erläutert  die  praktische  Anwendung 
dieses  Planes. 


Zusammensetzung  Gegenwärtige  Namen 

Al  n _i_  tt  o ( Bauxit  (Dittler u.  Doelter)  j 
l Sporogelit  (Tecan)  j 

Al2  0.j  + 2 H2  0 Bauxit  der  Lehrbücher 
Al2  03  -}-  3 H2  0 Amorpher  Gibbsit 
Mn2  03  + H2  0 + X Psilomelan  usw. 

FeS2  Melnikowit  (Doss) 

Fe2  03  -j-  x H2  0 Stilpnosiderit  (Cornu) 


Vorgeschlagene 

Namen 

z-Diaspor 

z-Bauxit 

z-Gibbsit 

z-Manganit 

z-Pyrit 

z-Limonit  usw. 


Jedenfalls  ist  es  aber  an  der  Zeit,  der  unerquicklichen,  un- 
nötigen Vermehrung  der  Mineraliennamen  Einhalt  zu  tun ! 


1 W.  Tschirwinsky,  Dies  Centralbl.  1913.  p.  97. 


520 


J.  Koenigsberger,  Antwort  auf  die  Bemerkungen 


Antwort  auf  die  Bemerkungen  der  Herren  V.  M.  Goldschmidt, 
J.  Rekstad,  Th.  Vogt1. 

Von  Joh.  Koenigsberger  in  Freiburg  i.  Br. 

Zuerst  sei  die  Kritik,  die  einen  Abschnitt  einer  mineralogischen 
zusammenfassenden  Darstellung  des  Verf.’s  angreift,  erörtert. 

Ad  2.  In  einem  Artikel  über  die  Paragenesis  der  natürlichen 
Kieselsäuremineralien  in  C.  Doelter’s  Mineralchemie,  der  im 
ganzen  auf  etwa  1 bis  Lj-  Bogen  begrenzt  sein  sollte,  habe  ich 
nicht  sämtliche  Mineralien  (Flußspat,  Erze  etc.),  die  im  Nordmarkit 
am  Tonsenplads  bei  Kristiania  Vorkommen , aufzählen  können. 
Gerade  deshalb  ist  das  Literaturverzeichnis  am  Ende  gegeben, 
damit  der  Leser  sich  über  Fundorte  in  der  Originalliteratur  ein- 
gehender unterrichten  kann.  Wenn  von  dem  verhältnismäßig  un- 
bedeutenden, von  Herrn  V.  M.  Goldschmidt  beschriebenen  Vor- 
kommen am  Tonsenplads  alle  Mineralien  aufgezählt  worden  wären, 
so  hätte  dies  erst  recht  bei  den  m.  E.  interessanteren  Pegmatiten 
der  Eläolithsyenite  vom  Langen sundfjord,  bei  den  grönländischen 
Vorkommen,  ferner  bei  den  Granitpegmatiten  von  Madagaskar, 
Barringer  Hill  geschehen  müssen.  Herr  V.  M.  Goldschmidt  hat 
wohl  das,  was  auf  p.  31  unten  des  betr.  Artikels  ausdrücklich 
gesagt  ist,  nicht  gelesen  oder  ist  der  Ansicht,  daß  gerade  das  von 
ihm  beschriebene  Vorkommen  besonders  bevorzugt  werden  müßte.— 

Essexitpegmatite  werden  von  H.  Rosenbusch  in  der  neuesten 
Auflage  der  Mikroskopischen  Physiographie  weder  unter  dem  Ab- 
schnitt Essexit,  p.  390  ff.,  noch  unter  Pegmatit,  p.  638  ff.,  erwähnt. 
Demnach  konnten  diese  erst  recht  in  einem  Artikel  über  Para- 
genesis der  Kieselsäuremineralieu 2 unerwähnt  bleiben.  Die  Be- 
hauptung, daß  Drusenmineralien  bei  Essexit  „wohl  gänzlich  fehlen“, 
dürfte  so  lange  zu  Recht  bestehen,  bis  der  Nachweis  des  Gegen- 
teils durch  die  Beschreibung  eines  anderen  unzweifelhaften  der- 
artigen Vorkommens,  das  auch  Drusenmineralien  führt, 
erbracht  ist. 

Was  den  Zusammenhang  zwischen  den  Granitpegmatiten  und 
dem  Nebengestein  in  Südnorwegen  aubelangt,  so  habe  ich  versucht, 
bei  Moss  und  bei  Ivragerö  mir  Klarheit  zu  verschaffen 3,  und 
habe  bei  Moss  drei  verschiedene  Steinbrüche  bei  Aaneröd,  Oksenö, 
Halvorsröd  genauer  angesehen  und  photographische  Aufnahmen 
gemacht.  Es  ist  meiner  Ansicht  nach  nicht  leicht  zu  entscheiden, 
ob  die  Gneismetamorphose  dort  erst  durch  injizierende  Pegmatite 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  324. 

2 Die  Gesteinsmineralien  sind  an  anderer  Stelle  im  Handbuch  be- 
handelt. 

3 In  eigenartig  anmutender  Weise  sagen  dieVerf. : „Auch  in  dieser 
Abhandlung  werden  einige  norwegische  Vorkommen  beschriehen,  welche 
Herr  Koenigsberger  aus  eigener  Anschauung  kennen  will.“ 


der  Herren  V.  M.  Goldschmidt.  J.  Rekstad,  Th.  Vogt. 


521 


hervorgerufen  ist,  wie  das  ja  vielfach  nacli  der  Anschauung  der 
französischen  und  kanadischen  und  vieler  deutscher  Geologen  ge- 
schehen ist,  oder  ob  der  Pegmatit  in  den  schon  fertigen  Gneis 
eingedrungen  ist.  Aber  wenn  man  auch  den  Standpunkt  der 
französischen  und  kanadischen  Geologen  nicht  teilt,  kann  man  als 
Gelehrter  diesen  nicht  einfach  mit  Worten  abtun : „ Gänzlich  un- 
verständlich ist  uns“  etc. 

Wir  wollen  jetzt  auf  den  geologischen  Teil  der  Kritik  eingehen. 

Ad  1.  Die  Kontaktmetamorphose  am  Hörtekollen  habe  ich 
mir  längs  einer  ost — westlichen  und  einer  nord — südlichen  Grenz- 
linie angesehen.  Letztere  ist  allerdings  z.  T.  schwer  zugänglich 
und  erfordert  einige  Übung  im  Steigen.  Die  Grenze  ist  aber  da 
im  Wald  zwischen  Granit  und  Schiefer  ganz  gut  aufgeschlossen. 
Die  genauen  Punkte  anzugeben,  ist  in  Anbetracht  der  äußerst 
mangelhaften  topographischen  Unterlage  der  Karte  p.  94  bei  Herrn 
Goldschmidt  1,  in  der  nicht  nur  die  Felswände,  sondern  auch  die 
Straßen  und  Wege  fehlen,  kaum  möglich.  Eine  genaue  Karte  des 
Gebietes  konnte  ich  mir  damals  nicht  verschaffen.  Wenn  man  aber 
nicht  nur  die  eine  pneumatolytische  Kontaktzone  auf  der  West — 
Ostlinie,  sondern  auch  diese  andere  kennt,  so  wird  man  von  einer 
gleichmäßigen  Beschaffenheit  und  gleich  großen  Mächtigkeit  der 
Kontaktzonen  nicht  reden  können. 

Eine  Temperatur  von  etwa  1000°  für  das  intrudierende 
Magma  mag  nach  der  Ansicht  von  Herrn  V.  M.  Goldschmidt  hoch 
sein ; ich  halte  sie  eher  für  niedrig.  Wäre  die  Temperatur  hoch, 
so  hätten  Einschmelzungen  und  Beeinflussungen  des  chemischen  Be- 
standes Vorkommen  müssen,  wie  das  anderorts  oft  geschehen.  Bei 
Kristiania  sind  sie  aber  gerade  nach  den  Untersuchungen  von 
W.  C.  Brögger  nicht  da. 

Was  die  Scliietening  der  Kontaktgesteine  anbelangt,  so  scheint 
Herr  Goldschmidt  übersehen  zu  haben,  daß  ich  ausdrücklich  von 
der  ursprünglichen  Schieferung  der  Sedimente  gesprochen  habe, 
und  für  diese  halte  ich  meine  Behauptung  unbedingt  aufrecht. 

Was  die  metamorphen  Ergußgesteine  am  Langensundfjord  an- 
belangt, so  stimmt  das,  was  ich  p.  660 2 sage,  ziemlich  genau  mit 
dem  von  W.  C.  Brögger3  Angegebenen  überein:  „Diese  Druckmeta- 


1 V.  M.  Goldschmidt,  Die  Kontaktmetamorphose  im  Kristianiagebiet 
Kristiania  1911. 

2 Compte  rendu  XI.  Congres  geol.  Intern.  1910.  Stockholm  1912.  Der 
Aufsatz  ist  im  Dez.  1910  nach  dem  Kongreß  eingesandt,  die  Korrektur  1912 
vorgenomraen  worden ; er  wurde  von  mir  nicht  als  Vortrag  bezeichnet, 
wie  schon  daraus  hervorgeht,  daß  die  Literatur  aus  dem  Guide  du  congres  etc. 
zitiert  ist.  Wenn  das  die  Herren  Kritiker  stört,  mögen  sie  sich  den  Auf- 
satz Ende  1912,  als  der  Compte  rendu  herausgegeben  wurde,  in  einer 
Zeitschrift  erschienen  denken. 

3 W.  C.  Brögger,  Zeitschr.  f.  Krist.  p.  117. 


522 


J.  Koenigsberger,  Antwort  auf  die  Bemerkungen 


morphose  liat  sich  jedoch  vorzugsweise  in  den  ßandteilen  der 
Linsen  geltend  gemacht;  in  den  zentralen  Teilen  finden  wir  dieselbe 
bei  weitem  weniger,  bisweilen  fast  gar  nicht  erkennbar“.  Der  Unter- 
schied in  der  Auffassung  von  W.  C.  Brögger  und  der  mehligen 
besteht  im  wesentlichen  nur  darin,  daß  meiner  Ansicht  nach  in 
einem  flüssigen  Magma 1 einseitige  Druckwirkungen  nicht  möglich 
sind  und  nur  durch  das  Fließen  des  Magmas  und  der  verschiedenen 
Reibung  der  etwas  konsistenteren , eingeschlossenen  Linse  die 
Paralleltextur  der  Randpartien  zustande  kam.  Dieses  ist  eine 
Anschauung,  die  zuerst  von  den  kanadischen  Geologen  zur  Erklä- 
rung der  Paralleltextur  im  großen  herangezogen  wurde. 

Man  kann  solche  Anschauungen,  die  auch  eine  zuverlässige 
physikalische  Grundlage  haben,  nicht  dadurch  widerlegen,  daß  man 
einfach  behauptet,  sie  entsprächen  den  tatsächlichen  Verhält- 
nissen nicht. 

Ich  möchte,  da  wir  einmal  beim  Kritisieren  sind,  noch  folgendes 
zu  der  Anwendung  der  Phasenregel  durch  Herrn  V.  M.  Gold= 
Schmidt  bemerken.  Die  Phasenregel  ist  zuerst  von  E.  Baur2  auf 
die  Gesetze  der  Mineralassoziation,  und  zwar  auf  seine  Experimente 
über  das  System  Quarz-Orthoklas  angewandt  worden.  Wie  R.  Brauns3 
bezügl.  der  Anwendung  der  Phasenregel  durch  Herrn  Goldschmidt 
m.  E.  mit  Recht  sagt,  sind  solche  Assoziationsgesetze  nur  durch 
direkte  Experimente  zu  erschließen  und  zu  prüfen.  Die  Phasenregel 
ist  durchaus  kein  a priori  allgemein  gültiges,  thermodynamisches 
Gesetz,  wie  Herr  Goldschmidt  behauptet,  sondern  wird  in  allen 
Fällen,  in  denen  instabile  Verbindungen  auftreten,  ungültig.  Hierauf 
haben  E.  T.  Allen,  J.  L.  Grenshaw,  John  Johnston4  und  ich 5 6 auf- 
merksam gemacht.  Das  Zusammenvorkommen  von  Cristobalit  und 
Tridymit,  die  Verwachsungen  von  Rutil  mit  Anatas,  von  Pyrit  mit 
Markasit  usw.  beweisen  das.  In  diesen  Fällen  ist  die  Erkennung 
der  Instabilität  infolge  des  Polymorphismus  leicht  möglich,  und  da 
ist  es  sehr  auffallend,  wie  relativ  häufig  bei  Temperaturen 
bis  zu  e t w a 600 0 d ie  P li  a s e n r e g e 1 infolge  Instabilität 
nicht  anwendbar  ist.  Daher  wird  man  diese  Regel  höchstens 
auf  die  innere  Kontaktzone  und  auch  da  nur  mit  aller  Vorsicht 
an  wenden  dürfen. 

Ad  4.  Daß  die  Randfazies  eines  Tiefengesteins  chemisch 


1 Der  umgebende  Eläolithsyenit  zeigt  verfestigt,  wie  er  jetzt  vorliegt, 
an  diesen  Stellen  keine  den  Linsen  entsprechende  ausgeprägte  Paralleltextur 
oder  Zertrümmerung,  sondern  nur,  im  großen  von  weitem  gesehen,  eine 
schwache  Fluidalstruktur. 

2 E.  Baür,  Zeitschr.  f.  phys.  Chem.  42.  p.  567.  1903. 

3 R.  Brauns,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  I.  p.  216. 

* E.  T.  Allen,  J.  L.  Grenshaw,  J.  Johnston,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem. 

76.  p.  201.  1912. 

6 K.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXII.  p.  101.  1911. 


der  Herren  V.  M.  Goldschmidt,  J.  Rekstad,  Th.  Vogt. 


523 


wie  mineralogisch  eine  andere  Zusammensetzung  haben  kann  und 
auch  häufig  hat,  müßte  einem  Petrographen  bekannt  sein.  So  hat 
z.  B.  der  Granit  quarzdioritische,  augitdioritische  usw.  peripherische 
Ausbildungsformen  (vergl.  H.  Bosenbusch,  Mikr.  Phys.  1.  p.  88  ff.). 
Ob  der  von  Narvik  beschriebene  anorthositische  Injektionsgneis 1 
die  Injektionsrandfazies  eines  Mangerit  oder  die  Randfazies  eines 
Labradorit  oder  Norit  ist,  konnte  ich  nicht  entscheiden  und  habe 
deshalb  das  eine  Einschränkung  bedeutende  Wort  „wohl“  hinzugefügt. 

Ad  3.  Von  meiner  Auffassung  der  Tiefengesteine  und  Injek- 
tionsgneise etc.  an  der  Küste  des  mittleren  und  nördlichen  Nor- 
wegens als  Aufschmelznngszone  sagt  Herr  V.  M.  Goldschmidt2, 
daß  sie  im  Widerspruch  mit  den  bisher  beobachteten  Tatsachen 
stehe.  Ich  muß  aber  daran  festhalten,  daß  die  Ausbildung  der 
Tiefengesteine  von  Bergen  bis  nach  Tromsö  häufig  nicht  die  von 
normalen  Tiefengesteinen,  Graniten,  Anorthositen  etc.  ist,  sondern 
daß  dort  sehr  oft  typische  Injektionsgneise,  Migmatite,  Arterite  etc. 
granitischer  und  anorthositischer  Zusammensetzung  auftreten,  sowie 
ein  ganzer  Komplex,  der  den  von  den  schwedischen  Geologen  als 
Are-  und  Küli-Schiefer  bezeichueten  Gesteinen  analog  ist.  Daß  häufig 
auch  Mineralien  des  normalen  Kontaktes  wie  Wollastonit  etc.  zu 
beobachten  sind , ist  durchaus  kein  Widerspruch  dagegen.  Bei 
Tromsö  sehen  wir  etwa  1 km  entfernt  von  den  von  K.  Endeli.  3 
beschriebenen  normalem  Kontakt  entsprechenden  Mineralien,  die 
durch  den  benachbarten  Anorthosit  hervorgerufen  im  Marmor  sind, 
typische  Injektionszonen  des  Anorthosits.  Dieser  dringt  in  das 
zu  Glimmerschiefer  etc.  umgewandelte  metamorphe  norwegische 
Silur.  Ferner  findet  man  auch  am  Tromsdaltind,  daß  eben  diese 
anorthositische  Injektionszone  Granatamphibolit  und  Eklogite  mit 
den  bekannten  typischen  Kontaktmineralien  der  letzteren  hervor- 
gebracht hat.  Granat,  Vesuvian,  Wollastonit  etc.  findet  man  recht 
häufig  in  den  gneismetamorph  veränderten  Kalklinsen  der  kristallinen 
Schiefer  der  Alpen,  des  Schwarzwaldes,  des  Fichtelgebirges  usw. 
Man  kann  aus  dem  Vorhandensein  dieser  Mineralien  durchaus  nicht 
schließen,  daß  ein  gewöhnlicher  Tiefengesteinskontakt  vorliegt. 

Hauptsächlich  die  Kontaktmineralien  in  den  Tonschiefern  er- 
möglichen einen  Unterschied  zwischen  den  beiden  Arten  der  Gesteins- 

1 Die  anorthositisclien  Injektionsgesteine  von  Narvik  und  Tromsö 
sind  von  mir  zuerst  beschrieben  worden ; die  gegenteilige  Behauptung 
müßte  von  den  Herren  durch  ein  Zitat  belegt  werden.  Daß  es  anortho- 
sitische Adergneise,  Migmatite  etc.  gibt,  genau  so  wie  bei 
granitischem  Magma,  ist  meines  Wissens  in  der  norwegischen  Litera- 
tur nicht  betont  worden.  Nur  der  Entdecker  der  Anorthosite  in  Norwegen, 
C.  Koldercp,  hat  gelegentlich  auf  die  gneisartige  Textur  einiger  von  ihm 
beschriebenen  Gesteine  aufmerksam  gemacht. 

2 V.  M.  GoLnscHMtDT,  Videnskapssel.  Skrifter.  I.  1912.  No.  19. 
Kristiania,  p.  9. 

3 K.  Endell,  Dies.  Centralbl.  1913.  p 129. 


524 


J.  Koenigsberger,  Antwort  auf  die  Bemerkungen 


Metamorphose,  dem  Granitkontakt,  der  Andalusit,  Cordierit  etc., 
und  dem  Gneiskontakt,  der  Staurolith,  Distheu  etc.  bevorzugt. 

Teilt  man  meine  Auffassung  dieser  mittel-  und  nordnorwegischen 
Zonen  von  kristallinen  Schiefern  und  Tiefengesteinen  als  einer 
paläozoischen  Aufschmelzungszone  nicht,  so  muß  man  der  ganzen 
Zone  der  anortliositischen  (und  teilweise  granitischen)  Injektions- 
gneise und  der  Glimmerschiefer,  in  die  sie  eingedrungen  sind  und 
die  das  Gneismagma  erst  zu  solchen  metamorpliosiert  hat,  ein 
höheres , etwa  archäisches  Alter  zuschreiben.  Die  norwegischen 
Geologen  haben  den  Komplex  der  betreffenden  Schiefer,  soweit  mir 
bekannt,  bisher  als  Silur  gedeutet.  Doch  habe  ich  aus  der  Literatur 
und  aus  eigenen  Beobachtungen  hierüber  keine  absolute  Sicherheit 
gewinnen  können,  und  habe  dies  auch  in  der  betreffenden  Arbeit 
betont.  Da  müßten  also  in  der  einen  oder  anderen  Richtung 
zwingende  Beweise  noch  beigebracht  werden.  Bezüglich  der  Art 
der  Metamorphose  kann  aber  kein  Zweifel  darüber  herrschen, 
daß  nicht  die  normale  Metamorphose  im  Sinne  von  H.  Rosexbusch 
vorliegt,  sondern  dort  die  typischen  Gesteine  einer  Gneisintrusion 
oder  Aufschmelzungszone  1 oder  Anatexis,  wie  das  Sedebholsi  nennt, 
Vorkommen. 

Ad  5.  p.  327  wird  des  längeren  behauptet,  ich  hätte  nicht 
gemerkt,  daß  die  vollständige  Schichtenfolge,  wie  ich  sie  nach 
J.  Rekstad  angeführt  habe,  für  die  Gegend  von  Finse  nicht  gilt. 
Es  ist  merkwürdig,  daß  keiner  der  drei  Herren,  denen  doch  teil- 
weise die  deutsche  Sprache  geläufiger  ist  als  mir  die  norwegische, 
meine  kurze  Arbeit  so  aufmerksam  gelesen  hat,  wie  das  verlangt 
werden  darf,  wenn  man  eine  Kritik  ausliben  will.  Gleich  nach 
Aufzählung  der  Schichtenfolge,  p.  614,  steht  folgendes:  „Sowohl 
am  Hallingskarvet  wie  zwischen  Finse  und  Fossli  ist  aber  diese 
Folge  nirgends  vollständig  erhalten.“  Gerade  diese  interessante 
Tatsache  habe  ich  als  Stütze, für  die  Annahme  einer  Überschiebung 
verwandt. 

Daß  meine  Beschreibung  der  Granitmylouite  am  Hardanger- 
jökelen2  nichts  Neues  bietet,  ist  eine  recht  gewagte  Behauptung. 
Die  Abhandlung  von  J.  Rekstad  wird  von  mir,  wie  auch  1.  c. 
ausdrücklich  bemerkt,  durchaus  nicht  gering,  sondern  als  sorgfältige 


1 Was  unter  „Aufschmelzungszone“  verstanden  wird,  ist  1.  c.  aus- 
einandergesetzt. 

* Die  Ortsnamen  Lugnut  und  Hansedalsfjelden  sind  nicht  durch 
Druckfehler  verstümmelt,  sondern  von  meinem  Führer  etwa  so  wie  von  mir 
geschrieben  ausgesprochen  worden.  Da  die  bei  Rekstad  anders  lautenden 
Bezeichnungen  weder  auf  seiner  noch  auf  einer  anderen  Karte  der  Gegend 
— ich  konnte  wenigstens  mir  keine  verschaffen  — zu  finden  waren,  habe 
ich  nicht  gewußt,  inwieweit  die  im  Text  bei  Rekstad  angegebenen,  anders 
geschriebenen  Bergnamen  wirklich  den  von  mir  gesehenen  Bergen  ent- 
sprachen. 


der  Herren  Y.  M.  Goldschmidt,  J.  Rekstad,  Th.  Vogt. 


525 


Studie  in  schwierig  zu  erforschender  Gegend  hoch  eingeschätzt, 
und  icli  hatte  absichtlich  nicht  auf  Differenzpunkte  aufmerksam 
gemacht,  muß  es  aber  jetzt  tun.  Der  Yerf.  hat  Gesteine  als 
hälleflintartige  Bergarten  und  als  Quarzite  bezeichnet , die  den 
schönsten  Typus  von  Granitmyloniten  darstellen,  wie  man  sie  ander- 
wärts nicht  oft  so  deutlich  sieht. 

Der  Übergang  von  diesem  Mylonit  (Quarzit  nach  Bekstad) 
zu  den  scheinbaren  Glimmergneisen,  Gneisen,  Protoginen  ist  m.  W. 
von  J.  Bekstad  nicht  beschrieben  worden.  Die  Herren  hätten  das 
Zitat  angeben  müssen.  Dagegen  hat  Iv.  0.  Björlykke  von  Har- 
dangervidden  ähnliche  Gesteine  richtig  gedeutet.  Von  anderen 
Gegenden  Skandinaviens  sind  sie  schon  früher  durch  die  schwe- 
dischen Geologen,  insbesondere  durch  Törnebohm,  bekannt  geworden. 

Was  den  angeblichen  Widerspruch  bezüglich  der  Metamorphose 
der  Gesteine  anlangt,  so  hatte  ich  gesagt,  daß  die  Hardanger- 
decke  an  ihrer  Basis  hoch  metamorph  ist,  die  Unterlage  dagegen 
nicht.  Wenn  man  ein  Handstück  des  Granits  der  Unterlage  bei 
Finse  und  ein  Stück  des  sog.  Gneises  vom  Hardangerjökelen  einem 
Unbefangenen  zeigt,  so  wird  er  ohne  weiters  den  Unterschied 
erkennen.  Daß  der  Gi'anit  der  Unterlage  auch  eine  geringe  Ver- 
änderung, Saussuritisierung  des  Plagioklas,  wie  icli  gefunden  habe, 
erlitten  hat,  ändert  an  diesem  Gegensatz  nichts.  Die  Phylliti- 
sierung  der  Silurschiefer  ist  nur  eine  ganz  schwache  Metamorphose, 
die  z.  T.  wohl  vor  der  Überschiebung  erfolgt  ist. 

Was  meine  Angabe  anlangt , daß  die  postarchäische  Abra- 
sionsfläche keine  Peneplain  sei,  so  stützt  sich  diese  gerade  auf  die 
Zahlen  von  J.  Bekstad.  Wir  finden  dort  Unterschiede  von  1071  m 
bis  1420  m.  Es  mag  ja  sein,  daß  diese  durch  andere  Ursachen, 
die  gleich  besprochen  werden  sollen,  bewirkt  ist,  aber  so  einfach 
wie  die  Herren  Goldschmidt  und  Genossen  meinen , liegt  der 
Fall  nicht. 

Was  die  Staffelbrüche  anlangt,  so  lassen  sich  diese  allein 
schon  aus  der  Abbildung  in  der  Abhandlung  von  J.  Bekstad  Fig.  18 
herleiten.  Der  Autor  spricht  in  der  Überschrift  von  „Vertikal- 
forkastninger“,  was,  so  viel  ich  weiß,  zu  deutsch  „vertikale  Ver- 
werfungen“, die  wir  als  Brüche  zu  bezeichnen  pflegen,  bedeutet.  In 
der  Kritik  sprechen  die  Herren  nur  von  „Verwerfungen“.  Daß  diese 
die  Gneisdecken  durchschneiden,  habe  ich  weder  in  der  Natur  gesehen 
noch  läßt  sich  das  aus  dem  Profil  von  J.  Bekstad  p.  37  folgern. 
Es  mag  aber  der  Fall  sein.  Doch  auch  dann  können  die  Ver- 
werfungen silurisclies  Alter  haben. 

Die  Kritik  der  drei  Herren  kann  ich  nur  in  einem  Punkte 
anerkennen:  Der  Granit  von  Fossli  hat,  obwohl  das  gerade  bei 
Finse  nicht  zu  sehen  ist,  nach  den  Untersuchungen  von  H.  Beusch, 
K.  0.  Björlykke,  J.  Bekstad  postalgonkisches  präsilurisches  Alter. 
Das  habe  ich  p.  612  indirekt  gesagt,  was  ja  auch  die  Herren 


526 


W.  Deecke, 


Kritiker  bemerken,  p.  613  hätte  ich  allerdings  schreiben  müssen: 
1.  Archäischer  Gneisgranit  oder  Gneis,  und  zwischen  2 und  3 be- 
sonders den  Gi’anit  von  Fossli  einschalten  sollen. 

Sollte  einer  der  drei  Herren  einmal  auf  Grund  seiner  in  Norwegen 
gesammelten  Erfahrungen  etwa  den  Minerallagerstätten  des  Aar- 
massivs, die  ich  eingehender  bearbeitet  habe,  neue  Gesichtspunkte 
abgewinnen , so  werde  ich  mich  bemühen , von  den  Ergebnissen 
seiner  Forschung  die  beste  Seite  hervorzuheben. 


Paläontologische  Betrachtungen. 

Von  W.  Deecke. 

III.  Ueber  Echinoiden. 

(Schluß.) 

Kann  man  aus  den  Seeigeln  und  ihrer  Verteilung  etwas  über 
Wassertemperatur,  Tiefe  und  Strömung  erschließen  ? Das  sind 
Fragen,  die  uns  nun  zweitens  beschäftigen  sollen.  Sicher  ist  das 
eine:  große  Meerestransgressionen  bringen  neue  Formen,  so  im 
Mitteldevon,  im  Lias-Dogger,  im  Cenoman,  im  Senon,  im  Eocäu. 
Wie  oben  gesagt,  kommen  meistens  diese  Tiere  etwas  hinterher, 
so  im  Lias  statt  im  Khät,  im  Turon  ( Ananchytes ) statt  im  Cenoman, 
Hemipneustes  im  Danien  statt  im  Senon.  Es  muß  das  seine  Gründe 
in  der  Verbreitungsart  als  Larven  haben,  die  vielleicht  weniger 
leicht  als  andere  verwandte  Gruppen  geeignete  Lebensbedingungen 
fanden.  Man  denke  an  die  ausgedehnten  Pentacrinus-Jl'&se.n  im 
oberen  Lias  a,  im  Lias  d,  im  Dogger  (i,  die  Echinoiden  bleiben 
spärlich  und  kümmerlich.  Ebenso  ist  es  im  deutschen  Muschel- 
kalk. Es  mag  ja  sein,  daß  Crinoidenrasen  nicht  der  geeignete 
Boden  für  die  andere  Ecliinodermengruppe  ist,  aber  in  den  Zwischen- 
zeiten des  Lias  könnten  sie  doch  einmal  reichlicher  auftreten  wie 
vom  mittleren  Dogger  an.  Übrigens  schließen  sich  Crinoiden  und 
Seeigel  keineswegs  aus;  denn  im  Terrain  ä chailles  und  im  Sequan 
leben  beide  zahlreich  miteinander,  und  in  der  Schreibkreide  ist 
Pentacrinus  ungemein  häufig.  Seesterne  kommen  fast  immer  mit 
den  Echinoiden  zusammen  vor,  nur  zerfallen  sie  leicht  und  ent- 
gehen daher  meist  der  Beobachtung.  In  allen  Juraschichten,  deren 
Mergel  ich  abgeschlemmt  habe , sind  Platten  und  Armglieder 
vorgekommen.  Aber  der  sandige  Boden , der  uns  die  Seesterne 
nebst  ihrer  Nahrung,  den  Zweisclialern,  am  besten  überliefert,  ist 
in  der  Tat  nicht  der  richtige  Boden  für  Seeigel,  so  daß  dort  wirk- 
lich eine  Art  Ablösung  eintritt.  In  den  tiefen,  an  Nährstoff  über- 
reichen Senken  der  weißen  Kreide  gedeihen  alle  drei  Gruppen 
üppig  nebeneinander. 

Die  Tiefenzonen  werden  durch  Seeigel  schlecht  bezeichnet. 
Acrosalenia  lebte  im  flachen  Wasser  der  Juraoolithe,  Salenia  im 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


527 


tieferen  Wasser  der  Kreide,  heute  in  großer  Meerestiefe.  Dasselbe 
zeigt  die  Reihe  Holedypus,  Discoidea,  Echinoconus.  Dies  stimmt 
mit  der  erheblichen  Vertikalverbreitung  der  rezenten  Seeigel  überein. 
Auffallend  ist  aber  die  schwankende  Horizontalverteilung,  d.  h. 
diese  Tiere  sind  im  höchsten  Grade  abhängig  von  der  Fazies. 
Man  kann  mit  einer  gewissen  Bestimmtheit  sagen,  daß  Seeigel  in 
den  rein  tonigen  oder  sehr  fein  schlammigen  Sedimenten  fehlen, 
zum  mindesten  stark  zurücktreten.  Sie  kommen  selten  im  Sep- 
tarienton  vor,  sind  kümmerlich  in  den  Renggeri-,  Ornaten-,  Par- 
kinsoni- Tonen  und  im  Lias.  Wir  haben  kaum  Spuren  in  den  an 
Belemniten  und  Aptychen  reichen  alpinen  Kreideschichten,  ferner 
in  Fisch-  und  Cephaiopoden-Schiefern.  Sollten  diese  Sedimente 
so  bituminös  gewesen  sein,  daß  sie  mit  ihren  Verwesungsgasen 
und  S H2  die  schwer  beweglichen  Seeigel  zum  größten  Teil  vor 
der  rechten  Entwicklung  vergifteten?  Das  wäre  ja  denkbar,  und 
zwar  um  so  mehr,  als  auch  nur  bestimmte  Mollusken  darin  auf- 
treten  und  oft  klein  bleiben.  Die  meisten  Reste  sind  außerdem 
verkiest,  und  das  ist  ja  bei  Seeigeln  recht  selten.  Man  könnte 
meinen,  daß  durch  die  Pyritisierung  das  Gehäuse  zerstört  wäre, 
aber  die  ebenso  gebauten  Crinoiden  ( Pentacrinus ) sind  trefflich  in 
dieser  Art  erhalten;  warum  nicht  auch  die  anderen?  Sie  werden  eben 
wirklich  nicht  oder  nicht  häufig  vorhanden  gewesen  sein.  Kommen 
sie  einmal  vor,  wie  im  Dogger  £ an  einzelnen  Stellen,  so  sind  es 
unverkennbar  Kümmerformen.  — Kalkmergelboden  ist  dagegen  das 
richtige  Element  dieser  Ordnung,  und  dann  spielt  die  Tiefe  keine 
Rolle.  Man  denke  nur  an  die  weiße  Kreide,  in  der  zugleich  die 
Pyritbildung  recht  gering  und  nur  lokal  entwickelt  ist.  Kalksand 
ist  aber  meistens  nur  in  flachem  Wasser  vorhanden  und  dort  ent- 
wickelt sich  dann,  vor  allem  im  Tertiär,  die  Fülle  der  dickschaligen 
Gattungen  und  Arten.  — Bei  diesen  ist  daher  auch  sofort  eine  gewisse 
Abhängigkeit  vom  Klima  zu  beobachten.  Conoclypeus  und  Clypeaster 
gehen  nämlich  nicht  in  die  norddeutschen  Tertiärmeere  hinein,  so 
wenig  wie  die  Nummuliten.  Auch  im  Miocän  tritt  der  letzt- 
genannte nicht  aus  dem  mediterranen  Bereiche  heraus , da  die 
Becken  von  Bordeaux  und  der  Leithakalk  seine  nördlichsten  Vor- 
kommen bezeichnen.  Im  Gegensatz  dazu  dringen  mit  reicher  Ent- 
wicklung Echinölampcts,  Echwanthus,  Hemipatagus  und  andere  in 
die  Tertiärmeere  Norddeutschlands  ein.  Später  kommen  Clypeaste- 
riden  auch  im  Cray  Englands  vor,  wie  sie  in  dem  vielleicht  etwas 
kühleren  Wasser  des  jüngsten  mediterranen  Pliocäns  erhalten 
blieben.  — Ähnlich  ist  die  Gastrolle  des  Hemipneustes  in  Maastricht, 
der  ja  eigentlich  in  die  Hippuritenfauna  hineingehört  und  von 
Süden  eingewandert  sein  muß.  Auch  die  jurassischen  Gattungen 
des  Oolith,  die  mit  Korallen  zusammen  auftreten,  halte  ich  für 
Bewohner  wärmerer  Meeresteile.  Da  nun  umgekehrt  die  Kreide 
das  Sediment  eines  tieferen  Striches  ist  und  ca.  200  — 300  m unter 


528 


W.  Deecke, 


der  Oberfläche  entstanden  sein  wird,  so  haben  die  Ananchyten  Und 
Micrasteriden  wohl  in  geringerer  Temperatur  gelebt,  womit  die 
gegenwärtige  Verbreitung  von  Spatangus  harmoniert.  Alles,  was 
wir  von  Echinothurideu  kennen,  gehört,  weil  es  aus  der  Tiefe 
stammt,  rezent  oder  fossil,  dem  kühleren  Wasser  an.  Leider  können 
wir  bei  der  »Selteuheit  der  Reste  aus  diesem  Resultat  nichts  schließen. 

Mit  einer  Sonderbarkeit  der  Echinoiden  weiß  ich  nur  in  be- 
schränktem Maße  etwas  anzufangen,  nämlich  mit  der  unregelmäßigen 
horizontalen  Verbreitung  in  früheren  Formationen.  Bei  uns  in 
Europa  sind  die  wenigen  paläozoischen  Fundorte  bald  aufgezählt, 
in  Amerika  kommen  einige  dazu.  Dann  haben  wir  Hunderte  von 
Ammoniten  aus  der  Trias  aller  Erdteile,  Echinoiden  fast  gar  nicht. 
Selbst  in  der  formenreichen  Burutrias,  die  Böhm,  Wanner,  Deninger 
sammelten,  die  Muscheln  in  Menge  neben  Ammoniten  und  Schnecken 
führt,  ist  diese  Gruppe  kaum  vertreten.  Dabei  haben  dort  drei 
Paläontologen  gesammelt,  nicht  irgend  ein  Reisender,  der  vielleicht 
die  ihm  bekannten  Ammoniten  mitnimmt.  Aus  der  Trias  von  Spitz- 
bergen und  der  Bäreninsel,  aus  dem  enormen,  von  den  Österreicher 
Kollegen  bearbeiteten  indischen  Material  sind  nur  wenige  Seeigel 
erwähnt.  In  den  Spiti  Sliales  und  in  dem  überaus  reichen  Material 
von  den  Molukken,  von  Neu-Guinea,  das  G.  Böhm  und  v.  Uhlig 
herausgaben,  ist  von  Seeigeln  nichts  zu  finden.  Wir  haben  einen 
Teil  der  neuseeländischen  mesozoischen  Fossilien  zurzeit  in  unserem 
Institut;  diese  Tiergruppe  fehlt.  Ebenso  sind  Seeigel  im  alpin- 
mediterranen Jura  nicht  häufig;  nur  in  den  Riffen  des  Stramberger 
Tithons  und  dessen  faziellen  Äquivalenten  haben  wir  sie  etwas 
zahlreicher,  desgleichen  in  den  Flachwasserbildungen  der  tonigen 
Ammonitico  rosso  genannten  Kalke.  Es  ist  auffallend,  daß  die 
Algenriffe  der  Trias,  in  denen  es  an  organischem  Grus  doch  nicht 
mangelte,  nur  einzelne  Stacheln  geliefert  haben.  Auch  in  der  Flysch- 
fazies  des  Alttertiärs  sind  diese  auf  Nummulitenzonen  oder  Num- 
mulitensandsteine  beschränkt.  Im  Gegensatz  dazu  kann  man  sonst 
keine  jungtertiäre  Fauna  irgendwoher  in  die  Hand  bekommen, 
ohne  daß  irgendwelche  Reste,  mitunter  die  Hauptmasse,  aus  See- 
igeln bestehen.  In  Mitteleuropa  vermissen  wir  seit  dem  Dogger 
diese  Tiergruppe  nie  mehr,  auch  in  Nordamerika  ist  sie  entsprechend 
seit  der  Kreide  vertreten,  Südeuropa  und  Nordafrika  sind  in  Kreide 
und  Tertiär  unerschöpflich  in  neuen  Arten  und  Formen.  Um- 
gekehrt verhält  sich  wieder  das  Moskauer  Jura-Becken:  Ammo- 
niten, Belemniten,  Aucellen  in  Menge,  Nuculiden  und  Schnecken 
normal,  Seeigel,  die  man  oft  schon  wegen  des  Foraminiferengehalts 
erwarten  sollte,  selten  ! 

Deshalb  klaffen  in  der  Entwicklungsgeschichte  dieser  Tiere 
überall  die  großen  Lücken.  So  klar  wir  durch  Ontogenese  und 
Aufeinanderfolge  sehen  können,  ebenso  sehr  sind  die  Einzelheiten 
im  Dunkeln,  nämlich  wann  und  wo  die  Regularia  aus  den  Perisso- 


Paläontologische  Betrachtungen.  1 1 1 


529 


echinoideu  hervorgingen,  wann  die  Irregnlaria  entstanden,  wie  die 
Atelostomata  sich  herausbildeten.  Dagegen  erklärt  sich  leicht, 
daß  bei  den  eingegrabenen  Arten  und  Gattungen,  also  bei  den 
Irregularien,  die  Zahl  der  Individuen  in  einer  eiuzigen  Schicht 
oft  ganz  besonders  hoch  steigt.  Wo  sie  ihre  günstigen  Lebens- 
bedingungen finden,  sitzen  sie  nebeneinander  im  Boden  und  können 
„wie  Kartoffeln  bei  niederster  Ebbe  gegraben  werden“.  Das 
erfordert  schon  der  Befruchtungsvorgang.  Die  jungen  Tiere  siedeln 
sich  z.  T.  wieder  dort  an,  und  so  entstehen  Schichten  wie  die 
Marnes  ä Spatangues  in  der  südfranzösischen  Unterkreide,  das  alge- 
rische Senon,  und  ähnliche  Seeigellagen,  in  denen  man  mit  Leichtig- 
keit Hunderte  von  Individuen  sammeln  kann. 

Aus  der  eben  geschilderten  Verbreitung  ergibt  sich,  daß  See- 
igel ein  ganz  anderes  geologisches  Element  sind  als  Ammoniten. 
Sie  bezeichnen  ungleich  schärfer  die  Fazies,  weil  sie  als  boden- 
ständige Formen  von  dieser  abhängig  sind  und  weil  ihre  Gehäuse 
nach  dem  Tode  nicht  in  dem  Maße  vertragen  werden , in  den 
allermeisten  Fällen  sogar  in  situ  im  Schlamm  und  Sand  wie  zu 
Lebzeiten  eingebettet  bleiben.  Im  Larvenzustande  wanderungs- 
fähig durch  Strömungen  jeder  Art,  haben  sie  Gelegenheit,  inner- 
halb einer  bestimmten,  nicht  zu  langen  Zeit  neue  Wohnsitze  zu 
erobern.  Aber  dies  geht  nur  langsam  vor  sich  und  ist  von  vielen 
anderen  Umständen  abhängig,  vor  allem  bei  den  kieferlosen  Gat- 
tungen, deren  Nahrung  in  gewisser  Weise  vorbereitet  sein  muß 
und  die  außerdem  weichen  Boden  unbedingt  nötig  haben,  weil 
weder  Stachelkleid,  noch  dicke  Schale  sie  vor  den  Feinden  schützt. 

Mit  den  Seeigeln  sind  aber  fast  immer  Brachiopoden  ver- 
gesellschaftet. Von  den  Jura-  und  Kreideschichten  brauche  ich 
nicht  zu  reden;  hingewiesen  sei  darauf,  daß  die  oberoligocänen 
Schichten  vom  Doberg,  die  miocänen  und  pliocänen  Clypeaster- 
Bänke  der  Mittelmeerländer  immer  große  Terebrateln,  und  zwar 
•oft  in  Menge,  führen.  Aber  auch  ein  Pelecvpoden-Genus  hat  mit 
den  Echinoiden,  wenigstens  in  Mitteleuropa,  oft  dieselben  Wohn- 
sitze und  daher  ähnliche  Verbreitung,  Inoceramus.  Im  unteren 
Lias  kommen  kleine  Inoceramen  mit  Seeigelstacheln  zusammen  vor, 
dann  ist  wieder  Inoceramus  dubius  im  Posidonien-Scliiefer  mit 
Regularien  vergesellschaftet.  In.  polyplocus,  der  größer  wird,  be- 
zeichnet das  Eintreten  der  Irregulären  und  geht  mit  diesen  durch 
den  ganzen  Dogger.  Im  Malm  weichen  beide  etwas  auseinander, 
da  Inoceramus  selten  wird,  aber  in  mergeligen  Lagen  trotzdem 
neben  Seeigeln  erscheint.  Je  höher  wir  in  die  Kreide  hinauf- 
gehen , um  so  enger  ist  diese  Gattung  an  die  Seeigelfazies  ge- 
knüpft. Gleichzeitig  mit  ihr  erlöschen  oder  treten  zurück  Anan- 
chytes , Galerites  und  Micrastcr.  Freilich  ist  dieses  Nebeneinander- 
leben kein  absolutes ; dazu  sind  die  Tiere  zu  verschieden,  und  wir 
beobachteten  ja  auch,  daß  im  Molukkengebiet  massenhaft  Ino- 

Centrolblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  34 


530 


W.  Deecke, 


ceramen  im  Malm  existiert  haben,  ohne  Seeigelfauneu  neben  sich 
zu  haben,  oder  daß  im  Quadersandstein  beide  sich  nicht  ergänzen. 
Umgekehrt  steht  es  mit  den  Aucellen.  Wo  diese  sich  einstellen, 
sind  Echinoiden  seltener,  z.  B.  im  Moskauer  Jura  und  Neocom, 
im  schwäbischen  Dogger  C,  im  oberen  Malm  von  Pommern  und 
in  den  cenomauen  Lagen  mit  Aucella  gryphaeoides.  Im  zentralen 
Europa  sind  dies  ja  alles  dünne  Bänke,  aber  ich  kenne  aus  ihnen 
keine  Seeigel,  dafür  immer  Belemniten  und  kleine  Brachiopoden 
sowie  Serpuliden. 

Besonders  aufmerksam  möchte  ich  drittens  auf  die  Variabilität 
der  Seeigel  im  allgemeinen  machen  und  im  besonderen  auf  die 
einzelner  Gruppen.  Es  ist  ja  zweifellos  eine  gewisse  Konstanz 
im  Bau  vorhanden,  und  zwar  bis  in  Anhängsel  hinein,  wie  es  die 
Stacheln  sind.  Man  kann  aus  den  Stacheln  und  deren  innerem 
Balkenbau  auf  die  Anwesenheit  von  einzelnen  Gruppen  in  Sedi- 
menten bekanntlich  mit  einem  gewissen  Beeilt  begründete  Schlüsse 
ziehen.  Aber  wenn  man  größere  Suiten  von  Seeigeln  bestimmen 
will,  gerät  man  oft  in  peinliche  Verlegenheit.  Micraster,  Holaster , 
Tuxaster,  Ecliinoconus  sind  solche  cretacischen  Genera,  bei  denen 
man  bei  peinlichster  Sorgfalt  nicht  zum  Ziel  kommt,  und  zwar 
deswegen,  weil  eine  Menge  von  Lokalvarietäten  bestehen,  die  mit 
eigenen  Namen  versehen  und  nun  je  nach  Geschmack  des  Autors 
an  diese  oder  an  jene  ältere  Art  oder  Gruppe  angeschlossen  wurden. 
Schon  jene  wichtigen  sog.  Leitformen  Micraster  coranguinum  und 
cortestudinarium  kann  man  nicht  auseinanderhalten , sobald  man 
neben  den  westfälischen  die  belgischen,  nordfranzösischen  und  eng- 
lischen Exemplare  nimmt.  Ebenso  ist  es  mit  Micr.  breviporus  und 
Leskei,  sowie  den  Echiuoconiden  im  allgemeinen.  Größe,  Länge, 
Breite,  Höhe  schwanken  mit  dem  Wohnorte,  also  dem  Medium, 
mit  dem  Alter  des  Individuums  und  mit  der  geologischen  Alters- 
stellung. Man  sollte  wirklich  bei  einigen  wenigen  Namen  bleiben, 
weil  kein  Merkmal  konstant  ist.  Sehr  wichtig  ist  die  Kling- 
HARDT’sche  Beobachtung  über  die  wechselnde  Durchbohrung  der 
Scheitelplatten ; denn  in  der  Lage  und  Ausdehnung  des  Madre- 
poriten  hatte  man  ein  entscheidendes  Merkmal  der  Systematik  zu 
sehen  geglaubt.  Ebenso  ist  es  mit  Plattenform  und  Grenzen.  Es 
muß  wie  bei  den  Cephalopoden  betont  werden,  daß  unser  System 
z.  T.  auf  Merkmalen  aufgebaut  ist,  die  für  das  Tier  oft  gar  keine 
oder  nur  untergeordnete  Bedeutung  haben,  oder  von  denen  wir 
nicht  wissen,  welchen  Einfluß  sie  auf  das  Leben  haben.  Schon 
früher  ist  von  anderer  Seite  auf  das  Künstliche  der  Diadematiden- 
Systematik  hingewiesen , weil  Kerbung  oder  Durchbohrung  der 
Stachelwarzen  doch  recht  nichtssagende  Merkmale  sind,  deren  Be- 
tonung ganz  nah  zusammengehörende  Formen  auseinanderreißen. 
Diese  Merkmale  sind  Ausdruck  für  die  Befestigung  der  Stachel- 
muskeln, und  werden  diese  etwas  anders  in  Anspruch  genommen 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


531 


durch  abweichende  Lebensweise,  so  müssen  sicli  eben  die  Ansatz- 
stellen etwas  ändern.  Das  ist  aber  kein  Grund  für  eine  prin- 
zipielle systematische  Trennung  der  nahverwandten  Formen.  Das- 
selbe gilt  bei  den  Irregulären  von  der  Länge,  Vertiefung,  Breite 
der  Ambulacren  und  vielleicht  auch  von  der  Entwicklung  der 
Fasciolen,  die  bei  ganz  ähnlichen  Formen  bald  vorhanden  sind, 
bald  fehlen,  zum  mindesten  außen  undeutlich  bis  unsichtbar  werden, 
also  vielleicht  bei  einer  bestimmten  Lebensweise  nicht  oder  nur 
untergeordnet  funktionieren.  Dann  muß  man  jetzt  die  Stücke 
gleich  in  zwei  Gattungen  scheiden.  Epiaster,  Schizaster  stellen 
ein  wahres  Kreuz  dar,  wenn  man  Suiten  ordnen  will.  Stolley 
hat  z.  B.  in  der  Lägerndorfer  Kreide  eine  Anzahl  von  Varietäten 
mit  besonderen  Namen  unterschieden.  Bei  einer  größeren  Serie 
lassen  sich  die  Dinge  gar  nicht  trennen.  Das  ist  gerade  so,  als 
ob  man  aus  dem  bekannten  Dysaster  ettipticus  des  Terrain  ä chailles 
im  Oxford  des  Schweizer  Jura  je  nach  der  Form  des  Scheitel- 
schildes neue  Arten  machen  wollte.  Die  Gehäuse  strecken  und 
verflachen  sich  mit  dem  Alter  und  ändern  deshalb  die  Zahl  und 
vor  allem  die  Gestalt  der  Scheitelplatten. 

Damit  komme  ich  auf  einen  zweiten  wunden  Punkt  der 
Systematik.  Wie  steht  es  eigentlich  mit  den  jungen  Individuen? 
Wir  haben  davon  sehr  wenig.  Nur  in  verhältnismäßig  geringen 
Grenzen  schwanken  die  in  den  Sammlungen  vertretenen  Stücke. 
Ich  habe  mich  schon  jahrelang  nach  jungen  Echinobrissus  um- 
geselien.  Kleiner  als  1 cm  Länge  und  Breite  habe  ich  solche  nie 
gefunden  und  diese  nur  in  einzelnen,  besonders  reichen  Schichten 
wie  im  Dogger  Lothringens.  Niemals  sind  mir  beim  vielfachen 
Abschlemmen  jux-assischer  oder  cretacischer  Mergel  derartige  Dinge 
vor  die  Augen  gelangt.  Nur  bei  Maastricht  und  in  manchen 
tertiären  Sedimenten,  wie  Pariser  Grobkalk,  trifft  man  wirklich  junge 
Individuen  oder  wenigstens  solche,  die  es  sein  können.  Der  einzige, 
welcher  schon  früh  wie  immer  mit  Soi’gfalt  und  Verständnis  die  Frage 
behandelt,  ist  Quenstedt.  In  seinem  Atlas  über  die  Echinoiden 
bildet  er  kleine  Exemplare  von  Holectypus,  Echinobrissus  und  anderen 
ab.  Aus  diesen  Figuren  sieht  man,  wie  sehr  die  Gestalt  mit  dem 
Alter  schwankt.  Hat  man  nun  reichere  Seeigelfaunen  mit  kleinen 
Individuen  neben  gi-oßen,  so  liegt  da  eine  weitei-e  Schwierigkeit: 
wir  wissen  nicht,  welche  zu  erwachsenen  Arten  hinzugehöi’en. 
In  den  meisten  Fällen  sind  es  Irreguläre,  und  diese  ändern  ihren 
Habitus  und  viele  systematisch  wichtige  Mei'kmale  mit  dem  Wachsen. 
Genitalplättchen  sind  anfangs  nicht  vorhanden  oder  nicht  durch- 
bohrt, die  Ambulacren  nicht  vertieft  oder  vei’kiii’zt.  Ganz  junge 
Schizaster  sollen  sogar  regulär  aussehen.  Sehr  merkwürdig  ist 
mir  immer  gewesen,  daß  unter  den  Tausenden  von  Ananchyten,  die 
aus  der  Kügener  Kreide  durch  meine  Hände  gegangen  sind,  nicht 
ein  einziger  kleiner  als  3 — 4 cm  war.  Auch  in  den  Feuersteinen 

34* 


532 


W.  Deecke, 


habe  ich  nie  ein  solches  Stück  eingebettet  gefunden,  nur  lose  als 
Diluvialgeschiebe  kenne  ich  Flintsteinkerne  von  2 cm  Länge,  und 
dabei  ist  man  nicht  sicher,  daß  es  nicht  Ananchytessulcata-li\dÄx\.<k\Qn 
sind.  Ich  habe  seinerzeit  aus  alten  Rügener  Schlämmrückständen 
alle  möglichen  kleinen  Formen  in  Menge  ausgelesen,  die  kleinsten 
Brachiopoden  (Argiope,  Terebratulina)  und  Foraminiferen;  aber 
Seeigel  fehlten  dabei  bis  auf  kleine  Salenien.  die  jedoch  aus- 
gewachsen gewesen  sein  können,  da  diese  Formen  oft  klein  bleiben. 
Vielleicht  sind  die  jungen  Gehäuse  so  zart  gewesen,  daß  sie  ganz 
verfielen,  weil  die  Platten  nur  lose  durch  Haut  verbunden  waren 
und  nicht  zusammenhielten.  Das  vermute  ich,  weil  bei  Galeriten 
größerer  Form  die  obere  Hälfte  der  Schale  nur  aus  unvollkommen 
verbundenen  Platten  mit  sogar  sechsseitigem  Umriß  oft  besteht 
und  beim  Fossilisationsprozeß  leicht  auseinander  weicht,  so  daß  sich 
sowohl  die  einzelnen  Plattenreihen  als  auch  die  Asseln  voneinander 
lösen.  Diese  nicht  ausgewachsenen  Platten  sind  sechsseitig  wie 
bei  den  Perissoechinoiden,  so  daß  aus  isolierten  Tafeln  nicht  auf 
das  Vorhandensein  dieser  Gruppe  geschlossen  werden  darf.  Es 
wäre  wohl  der  Mühe  wert,  dieser  Frage  in  einem  geeigneten 
Spezialfalle  nachzugehen,  z.  B.  im  Pariser  Grobkalk  zu  konsta- 
tieren, wie  die  Jungen  zu  Echinanthus  und  Echinölampas  aussehen. 
Für  diese  Dinge  hat  Zittel  eine  Empfindung  gehabt,  wenn  er  bei 
den  Clypeasteriden  (1.  p.  519)  sagt:  „Auffallenderweise  gleichen 
die  ältesten  Formen  (Echinoct/amus , Fibularia  etc.)  den  Jugend- 
zuständen späterer  Gattungen“.  Ja,  sind  sie  es  nicht  auch  oft? 
Es  kommt  bei  diesen  Formen  darauf  an : ist  ein  Gebiß  vorhanden 
oder  nicht?  Und  wie  ist  das  Gebiß  bei  jungen  Clypeasteriden 
entwickelt?  Ist  es  erhaltbar?  Sonst  sind  wir  gar  nicht  imstande, 
diese  kleinen  Formen  von  den  Echinolampiden  zu  trennen.  Quenstedt 
bildet  bei  kleinen  Fibularien  Auriculae  ab,  also  das  sind  wirkliche 
Clypeasteriden.  — Übrigens  sind  auch  junge  Ci  (Joris  und  Hemi- 
cidaris  selten.  Bei  den  Regulären,  die  doch  von  Anfang  an  ziem- 
lich gleiche  Form  haben,  ist  dies  recht  auffallend. 

Die  Entwicklungsgeschichte  der  Seeigel  ist  in  ihren  Grund- 
ziigen  klar,  aber  die  Einzelheiten  sind  dunkel.  Auch  das  kommt 
wie  überall  durch  die  große,  noch  unausgefüllte  Triaslücke.  Später 
bringen  cenomane  und  alttertiäre  Transgressionen  neue  Formen. 
Die  sonderbaren  europäischen  Triasgattungen  (Tiarechinus)  können 
wir  nirgends  einordnen.  Die  große  Zahl  von  langlebigen  Gattungen 
in  der  heutigen  Tiefsee  könnte  auf  die  Vermutung  bringen,  daß 
von  dort  aus  durch  die  Larven  eine  Besamung  der  flacheren  Kiisten- 
gewässer  wiederholt  erfolgt  sei,  und  daß  uns  der  Stammbaum  nur 
deshalb  so  lückenhaft  erscheint,  weil  wir  wirkliche  Tiefseeablage- 
rungen so  wenig  haben.  Die  einzelnen  Spezies  halten  immer  nur 
sehr  kurz  aus,  was  ja  z.  T.  an  unserer  engen  Begrenzung  der  Art 
liegt.  Sie  sind  aber,  wie  oben  betont,  wohl  in  der  Tat  an  ziem- 


Paläontologische  Betrachtungen.  III. 


533 


licli  enge  Existenzbedingungen  geknüpft  oder,  wenn  nicht,  so 
variabel,  daß  inan  sie  zu  sehr  zerschlagen  hat. 

Es  gibt  jedoch  eine  Anzahl  ganz  deutlicher  genetischer  Reihen. 
Eine  solche  habe  ich  schon  erwähnt,  die  vom  variabeln  turonen 
Ananchytes  striatus  durch  den  Typus  A.  ovata  zu  A.  sulcata  im 
Danien  führt  und  alle  Übergänge  darbietet.  So  sind  auch  die 
jurassischen  Echinobrissus  miteinander  verbunden  und  die  ober- 
cretacischen  Micraster  in  allen  Nebenlinien.  Die  mit  dem  geologischen 
Alter  abnehmende  Größe  ist  außer  bei  Ananchytes  sehr  deutlich 
bei  Echinobrissus  iE.  minimus  im  französischen  Emscher)  und  bei 
Echinoconus,  dessen  Formen  im  Turon  größer  sind  als  im  Senon, 
und  der  im  Danien  fast  fehlt.  Gerade  der  Gegensatz  zu  den 
gleichbleibenden  Micraster  dieser  Schichten  zeigt,  daß  die  letzt- 
genannten noch  in  der  Entfaltung  sind  und  ihre  Vorfahren  ( Toxaster ) 
erheblich  in  ihren  Maßen  übertreffen.  Im  Tertiär  von  Europa 
nehmen  vom  Danien  an  die  Echinolampiden  sukzessiv  an  Größe 
zu  bis  zum  Oberoligocän,  um  dann  wieder  kleiner  zu  werden. 

Große  Bedeutung  ist  fast  immer  auf  die  untercretacischen 
mehrreihigen  Cidariten  ( Tetracidaris ) als  Rückschlag  in  paläozoische 
Perissoechinoiden  gelegt.  Ich  zweifle  an  diesen  Beziehungen, 
weil  ein  fundamentaler  Unterschied  vorhanden  ist.  Bei  allen  Cida- 
riten stehen  die  Platten  mit  den  großen  Stachelwarzen  alternierend, 
auch  bei  Archaeocidaris;  das  ist  schon  erforderlich,  damit  die 
Stacheln  Platz  zur  Bewegung  haben.  Bei  Tetracidaris  liegen  die 
überschüssigen  beiden  äußeren  Reihen  gleich  hoch  neben  den  ent- 
sprechenden inneren,  welche  alternierend  stehen  wie  normal.  Die 
plötzliche  Reduktion  gegen  den  Scheitel  ist  auch  sehr  auffallend. 
Es  macht  eher  den  Eindruck,  als  sei  bei  der  Kugelgestalt  die 
Interambulacralplatte  nach  der  Peripherie  zu  lang  geworden  und 
in  zwei  Stücke  zerfallen.  So  etwas  kommt  auf  der  Unterseite 
von  Spatangiden  am  Plastrum  und  dessen  breiten  Seitenplatten 
vor.  Zu  einem  gleichmäßig  sechsseitigen  Umriß  wie  bei  den 

paläozoischen  Seeigeln  bringen  es  auch  die  Tetracidaris- Platten 
nicht,  sondern  es  sieht  aus,  als  wäre  eine  geradlinige  Naht  vor- 
handen gewesen,  die  beim  weiteren  Wachstum  der  Platten  sich 
etwas  umgebildet  hätte.  Auch  hier  macht  sich  der  Mangel  an 
jungen  Tieren  recht  bemerkbar. 

In  diesem  Artikel  habe  ich  also  versucht,  die  Form  mancher 
Seeigel  und  vor  allem  vieler  ausgestorbener  Gattungen  durch  die 
Lebensweise  und  die  Anpassung  an  Boden  und  Nahrung  zu  erklären. 
Foraminiferenreiche  oder  sonstige,  viel  organische  Reste  führende 
Sedimente  sind  das  eigentliche  Lebenselement  der  Echinoiden,  von 
denen  die  Regularia  in  Riffen  besonders  gedeihen,  die  Irregularia 
an  Strandsande  oder  an  weichen  Untergrund  gebunden  sind.  Un- 
verständlich bleibt  die  Herkunft  der  Echinoiden  im  Dogger,  ungelöst 
ist  die  Frage  der  jungen  Individuen  und  verkehrt  ist  nach  meiner 


534 


C.  Benz, 


Ansicht  jede  Systematik  und  Artentrennung,  die  der  Variabilität 
mancher  Gruppen  und  ihrer  Anpassung  an  bestimmte  Lebensweise 
nicht  gerecht  wird.  Die  Seeigel  bezeichnen  schärfer  als  Ammo- 
niten die  Fazies,  weil  sie  vom  Untergründe  abhängig  sind.  Aber 
um  darin  zu  vollem  Verständnis  zu  gelangen,  müßten  weit  mehr 
rezente  Arten  auf  ihre  Lebensbedingungen  untersucht  werden. 

Freiburg  i.  Br.,  Mai  1913. 


Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas  und  der  angrenzenden 

Gebiete . 

Herausgegeben  von  Carl  Renz  und  Fritz  Frech. 

22.  Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 

Von  Carl  Renz. 

Im  Juni  dieses  Jahres  unternahm  ich  eine  mehrwöchentliche 
Forschungsreise  durch  das  früher  türkische,  jetzt  von  den  Griechen 
okkupierte  und  der  Kultur  erschlossene  südliche  Epirus1. 

Das  bereiste  Gebiet  wird  begrenzt  im  Norden  durch 
das  Kalamastal,  im  Osten  durch  das  V y r o s ta  1 und  im 
Westen  durch  das  Ionische  Meer. 

Der  westliche  Bezirk  bis  zur  Niederung  von  Paramythia  ge- 
hörte zu  den  bisher  noch  gänzlich  unerforschten  Gebieten  Europas ; 
der  östliche  Teil  wurde  längs  der  angegebenen  Grenzen  von 
A.  Philippson  auf  den  Strecken  von  Paramythia  nach  Jannina  und 
von  Jannina  nach  Ai'ta  begangen 2,  war  also  auch  noch  so  gut 
wie  unbekannt. 

Diese  mangelhafte  Kenntnis  des  Landes  hatte  vor  allem  ihren 
Grund  in  der  allgemeinen  Unsicherheit  zur  Zeit  der  türkischen 
Verwaltung. 

Meine  Untersuchungen  ergaben,  daß  das  ganze  Gebiet,  sowohl 
in  seinem  Gebirgsbau,  wie  in  seiner  faziellen  Ausstattung  der 
Ionischen  Zone  angehört. 

Ich  teilte  die  hellenischen  Gebirge  bis  jetzt  in  fünf  ver- 
schiedene Gebirgszonen 3,  auf  die  ich  hier  in  dieser  vorläufigen 
Mitteilung  nicht  näher  einzugehen  brauche.  Die  westlichste  dieser 
Gebirgszonen  ist  die  Ionische  Zone,  zu  der  auch,  wie  gesagt, 
das  neu  erforschte  Gebiet  gehört. 

1 Im  nördlichen  Epirus  und  in  Siidwestalbanien  hatte  ich  schon  früher 
einige  Kekognoszierungstouren  unternommen.  Vergl.  Carl  Eenz,  Strati- 
graphische Untersuchungen  im  griechischen  Mesozoicum  und  Paläozoicum. 
Jahrb.  der  österr.  geol.  Eeichsanst.  1910.  60.  p.  614 — 630. 

2 A.  Philippson,  Beisen  und  Forschungen  in  Nord-Griechenland.  III. 
Zeitschr.  der  Ges.  für  Erdkunde.  Berlin  1896.  31.  p.  215 — 294. 

3 Carl  Eenz  , Über  den  Gebirgsbau  Griechenlands.  Zeitschr.  der 
deutsch,  geol.  Ges.  1912.  64.  Monatsber.  No.  8.  p.  437—465. 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


535 


Die  ältesten  Gebirgsglieder  bestehen  aus  liebten  Kalkmasseu,  die 
von  der  Obertrias  bis  an  die  Oberkante  des  Mittellias  in  gleicher  Ent- 
wicklung durchgehen.  In  der  Trias  treten  auch  dolomitische  Partien  auf. 

Der  triadische  Anteil  ist  als  Äquivalent  des  Dachsteinkalkes, 
bezw.  Hauptdolomites  zu  betrachten.  In  Hellas  reicht  die  gleiche 
Fazies  nur  höher  herauf.  Ich  bezeichnete  diese  Entwicklung  als 
Ionischen  Dachsteinkalk  oder  als  Pantokratorkalk  (nach  einem 
typischen  Vorkommen  auf  der  Insel  Corfu).  Zu  diesen  Kalken 
gehört  die  Hauptmasse  der  epirotischen  Kalksteine;  sie  stellen 
hier  das  wichtigste  gebirgsbildende  Element  dar. 

Ueber  diesen  Kalkmassen  folgt  konkordant  der  fossilreiche 
Oberlias. 

Der  Oberlias  ist  entweder  in  der  Fazies  von  roten,  tonigen 
Knollenkalken  und  Mergeln  mit  reichen  Ammonitenfaunen  oder 
als  Posidonienschiefer  und  Posidonieuhornstein  mit  Posidouia  Brottni 
Voltz  entwickelt. 

Der  Unterdogger  zeigt  in  petrographischer  Hinsicht  ebenfalls 
diese  beiden  Ansbildungsarten.  Die  knolligen  Bildungen  enthalten 
spärlich  verteilte  Ammoniten,  die  dichteren  Schiefergesteine  sind 
hier  fossilfrei.  Die  höheren  Zonen,  die  meist  durch  dünugeschichtete 
Kalke  repräsentiert  werden,  wurden  bisher  paläontologisch  noch  nicht 
nachgewiesen. 

Allenthalben  verbreitet  sind  dagegen  wiederum  die  Posidonien- 
hornsteinplatten  des  oberen  Doggers  mit  Posidonia  Buclii  Roemer 
und  P.  alpina  Gras.  Hinsichtlich  der  Speziesbezeichnung  der  Dogger- 
Posidonien  verweise  ich  auf  meine  früheren  Ausführungen  in  Carl 
Rexz,  Geologische  Forschungen  in  Akarnanien  (X.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 
Beil.-Bd.  XXXII.  p.  394). 

Auf  Corfu  und  in  dem  gegenüberliegenden  Küstengebiet  folgen 
diese  charakteristischen  Bildungen  unmittelbar  über  den  Kalken  mit 
Stephanoceras  Humphriesianwn  Sow. 

Von  den  Posidonienhornsteinplatten  ab  aufwärts  herrscht  zu- 
nächst noch  dieselbe  Entwicklung,  jedoch  ohne  Fossilien,  abgesehen 
von  selten  vorkommenden  Aptychen. 

Ueber  dem  Hornsteinkomplex,  der  überall  im  Gelände  durch 
seine  gelbe  Farbe  auffällt,  folgt  durch  Einschaltungen  von  Platten- 
kalken und  Kalkschiefern  ein  durch  Wechsellageruug  verbundenes 
Schichtensystem  dieser  drei  Fazieselemente,  das  sogenannte  Vigläs- 
kalksystem,  wie  diese  Bildung  nach  einem  typischen  Vorkommen 
der  Insel  Corfu  genannt  wird.  Die  Vigläskalke  sind  eine  zahl- 
reiche Stufen  umfassende,  aber  äußerst  fossilarme  Bildung.  Infolge 
ihrer  Fossilarmnt  ist  eine  nähere  Horizontierung  unmöglich.  Von 
Fossilien  sind  nur  Aptychen  und  unbestimmbare  Ammonitenab- 
drücke bekannt,  und  zwar  in  den  Äquivalenten,  die  dem  alpinen 
Malm  entprechen. 

Der  Vigläskalkkomplex  wird  direkt  durch  den  Rudistenkalk 


536 


0.  Renz, 


überlagert,  und  zwar  ohne  Diskordanz.  Die  Vigläskalke  umfassen 
daher  nicht  nur  den  Malm,  sondern  auch  die  Unterkreide. 

Der  Rudisteukalk  geht  nach  oben  hin  in  den  mehr  plattigen 
Nummulitenkalk  über,  dem  seinerseits  konkordant  der  weitver- 
breitete eocäne  bis  oligocäue  Flyscli  aufruht.  Zwischen  Flysch 
und  Neogen  liegt  eine  ausgedehnte  Diskordanz. 

Neogene  Bildungen  sind  in  dem  hier  beschriebenen  Gebiete 
nur  sehr  wenig  verbreitet  und  auf  die  Ränder  des  Golfs  von  Arta  und 
den  Küstenstreifen  am  Ionischen  Meer  (z.  B.  bei  Parga)  beschränkt. 

Eruptivgesteine  fehlen  ; nutzbare  Minerale  dürften  in  abbau- 
würdiger Menge  nicht  vorhanden  sein. 

Das  Gebiet  zwischen  Vyrostal  und  Meer  wild  von  drei  Flysch- 
zonen  durchzogen ; den  Zonen  von  Derwitzana , von  Paramythia 
und  von  Margariti.  Die  erstere  nimmt  einen  breiten  Streifen  ein. 
Die  beiden  letzteren  sind  nur  in  Fragmenten  erhalten  und  werden 
durch  mit  Schwemmland  erfüllte,  längsgerichtete  Becken  (die 
griechisch  als  Kampos  bezeichnet  werden)  unterbrochen.  Die  Flysch- 
zonen  bilden  orographisch  längsgerichtete  Einsenkungen  und  auch 
tektonisch  im  ganzen  Faltenmulden. 

Zwischen  den  Flyschzonen  erheben  sich  parallel  orientierte 
Kalkketten,  die  nach  Westen  übergelegte  Falten  darstellen.  Der 
Liegendschenkel  ist  meist  zerrissen  und  der  Dachsteinkalk  als  Kern 
der  Längsfalten  direkt  nach  Westen  zu  auf  den  Flysch  der  er- 
wähnten Flyschzonen  überschoben. 

Die  Ostschenkel  der  Falten  sind  regelmäßig  gebaut.  Sie 
werden  jeweils  am  entgegengesetzten  Rande  der  Flyschzonen  kon- 
kordant von  den  Flyschgesteinen  überlagert. 

Darunter  folgt  dann  in  normaler  Lagerung  die  ganze  geschilderte 
Schichtenfolge  bis  herunter  zum  Dachsteinkalk. 

Ein  Querschnitt  durch  die  Lakkakette,  die  Berge  von  Suli 
und  die  Ketten  von  Margariti  und  Smokowina  zeigt  ein  Proül  nach 
Art  der  Schuppenstruktur. 

In  einem  etwas  weiter  nördlich,  etwa  in  der  Breite  der  Olvt- 
zika  durchgelegten  Proül  sind  infolge  von  Ungleichheiten  des 
Horizontalschubes  z.  T.  auch  noch  die  mehr  oder  minder  über- 
gelegten Westfliigel  der  überkippten  oder  schiefen  Falten  zu  sehen. 

Die  Faltungen  des  Gebirges  sind  in  die  Zeit  zwischen  den 
jüngsten  Ablagerungen  des  Flysches  und  den  ältesten  Niederschlägen 
des  Neogens  zu  verlegen.  Später  hat  dann  die  jungtertiäre  bis 
quartäre  Bruchperiode  das  ganze  Faltengebirge  in  Schollen  zer- 
trümmert. Ihr  sind  namentlich  jene  Binnenebenen  zu  verdanken, 
an  denen  Epirus  verhältnismäßig  reich  ist. 

Betrachten  wir  zunächst  die  beiden  westlichen  Kalk- 
ketten, die  ich  auf  der  Route  von  Paramythia  über  Kai'tsa — 
Dragani — Kurtesi — Mazaraki — Dobrad—  Smokowina— Arpitza— Agyja— 
Margariti — Karwunari  — Paramythia  kennen  lernte. 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


537 


Paramythia  liegt  am  Westabfall  der  Kurilakette,  und  zwar 
im  Flysch,  der  gegen  das  Gebirge  zu  unter  den  darüber  liegenden, 
überschobenen  Dachsteinkalk  des  Kurilakammes  einfällt. 

Westlich  unterhalb  vou  Paramythia  dehnt  sich  der  längs- 
gerichtete Kanipos  von  Paramythia  aus.  Am  Westrande  dieses 
Kampos  erhebt  sich  eine  weitere  Kalkkette. 

Der  Weg  von  Paramythia  über  Kresta  nach  Kai'tsa  führt 
nach  Überschreitung  des  Kampos  zunächst  im  Dachsteinkalk  des 
H.  Iliasberges,  am  Hang  oberhalb  der  Polje  Chodochowa , nach 
Westen  zu  aufwärts  und  dann  hinüber  über  eine  niedrige  Höhe  in 
eine  Talmulde , die  vom  Paß  zwischen  Kai'tsa  und  dem  Para- 
mythia-Kampos  herabkommt. 

Die  Nordhänge  dieser  Mulde  bestehen  aus  Dachsteinkalk ; 
darüber  lagern  nach  Süden  zu  die  weicheren  Gesteine  des  Oberlias 
und  Doggers.  Die  besten  Aufschlüsse  finden  sich  oben  auf  der 
Paßhöhe. 

Hier  liegen  über  den  Dachsteinkalken  des  H.  Iliasberges  : 

1.  gleichgefärbte,  dünngeschichtete  Kalke,  z.  T.  schon  von  etwas 
knolliger  Struktur  mit  roten  Flecken; 

2.  graue  Kalkschiefer,  mit  zwischengeschalteten  roten  Lagen; 

3.  rote  und  rot  und  graugefleckte,  dünngeschichtete  Knollen- 
kalke; dazwischen  auch  rein  tonige  Partien.  Diese  roten 
Bildungen  enthielten  neben  Position ia  Bronni  Voltz  eine 
prachtvolle  Ammonitenfauna.  Es  handelt  sich  im  wesent- 
lichen um  folgende  oberliassische  Arten: 


Hiltioceras  comense  Buch 
Lilli  Hauer 

— serpentinum  Bein. 

— boreale  Seebach 

— rheumatisans  Dum. 

— tirolense  Hauer 

— bifrons  Brug.  u.  Varietäten 

— Levisoni  Simps. 

— Bayani  Dum. 

— Mercati  Hauer 

— quadratum  Haug 

— Chelussii  Parisch  et  Viale 

— Catarinae  Parisch  et  V iale 
Harpoceras  subplanatum  Oppel 

— fallaciosum  Bayle 

— falciferum  Sow. 

— striatulum  Sow. 

Polyplecius  discoides  Zieten 
Hangia  variabilis  Sow. 
Coeloceras  annulatum  Sow. 

— acnlcata  Parisch  et  Viale 


Coeloceras  Linae  Parisch  et 
Viale 

— Desplacei  Orb. 

— crassum  Phil. 

— Choffati  Benz 

— Meneghinii  Bonar. 

— anguinum  Bein. 

— Gemma  Bonar. 

Lytoceras  cornucopia  Young  et 

Bird 

— seposihim  Menegh. 

— spirorbe  Menegh. 

— dorcatie  Menegh. 

— rubescens  Dum. 

— Cereris  Menegh. 

— Villae  Menegh. 

Phylloceras  heterophyllum  Sow. 

— Nilssoni  Hebert  und  Va- 
rietäten. 

— Borni  Prinz 

— Spadae  Menegh. 


538 


C.  Renz, 


Östlich  unterhalb  dieses  Passes  wurden  in  z.  T.  senkrecht - 

stehenden  analogen  Schichten  noch  folgende  Arten  aufgesamrnelt: 

Polyplectus  discoides  Zieten  Hildoceras  comense  Buch 

Hildoceras  Levisoni  Simps.  — Bayani  Dum. 

tirolense  Hauer  Phylloceras  heterophyllum  Sow. 

4.  Nach  oben  zu  gehen  diese  roten  Bildungen  in  graue,  mehr 
dichtere  Lagen  über,  die  das  Zwischenglied  zwischen  den  roten 
Ammonitenschichten  und  den  darüberliegenden  Posidouien- 
hornsteinplatten  des  oberen  Doggers  bilden.  Die  Kalke  4 
repräsentieren  daher  den  unteren  und  mittleren  Dogger. 

5.  Gelbe  Hornsteinplatten  des  oberen  Doggers  mit  Posidonia 
Buchi  Roemer  und  P.  alpina  Gras.  Die  Posidonienschichten 
liegen  an  der  Basis  eines  ziemlich  mächtigen  Hornstein- 
komplexes, der  in  der  gleichen  stratigraphischen  Stellung 
überall  in  der  Ionischen  Zone  wiederkehrt. 

Das  Streichen  der  ganzen  Schichtenfolge  ist  N 30  0 0 gerichtet, 
das  Fallen  45  0 nach  Siidost. 

Nach  Westen  zu  wird  der  Zusammenhang  der  Gebirgsglieder 
durch  den  Einbruch  des  Poljes  von  Kai'tsa — Dragani  unterbrochen. 
Das  Polje  ist  auf  drei  Seiten , nämlich  im  Norden,  Westen  und 
Süden  von  Dachsteinkalkgebirge  umgeben , nur  auf  der  Ostseite 
liegen  die  weicheren  Hornsteiuhügel  des  eben  beschriebenen  Profils. 
Die  Hornsteine  bilden  hier  eine  Mulde.  Am  Einschnitt  östlich 
Dragani  treten  demnach  jedenfalls  wieder  die  roten  Oberlias- 
bildungen zutage.  Zwischen  Dragani  und  Kurtes  (Kurtesi)  herrscht 
Dachsteinkalk. 

Hierunter  kommen  in  der  Linie  Ramada — Kurtes  erneut  die 
roten  tonigen  Knollenkalke  und  Mergel  des  Oberlias  hervor  und 
hierunter  die  höheren  Kalke  und  die  Posidonien-Hornsteinplatten  des 
Doggers.  Die  Schichten  lagern  also  hier  in  einer  nach  Westen 
übergelegten  Falte  in  umgekehrter  Reihenfolge.  Daher  durch- 
quert der  Weiterweg  bei  südöstlichem  Einfallen  der  ganzen  Schichten- 
folge (Streichen  N 50°  0)  die  unter  den  Hornsteinkomplex  ein- 
falleuden  Plattenkalke  und  Hornsteine  des  Vigläskalksystems, 
Rudisten-  und  Nummulitenkalke,  unter  die  dann  die  Gesteine  der 
Flyschzone  Mazaraki — Margariti  einfallen. 

Es  handelt  sich  somit  um  eine  nach  Westen  überhängende, 
den  Flysch  überfaltende  Antikline,  deren  Kern  aus  Daehsteinkalk 
(vom  stratigraphischen  Umfang  der  Jonischen  Zone)  besteht. 

Im  Ostflügel  folgt  in  regelmäßiger  Reihenfolge  darüber  der 
Ammoniten  führende  Oberlias  und  Posidonien  führende  Dogger  im 
Osten  von  Kai'tsa — Dragani.  In  der  Linie  Ramada — Kurtesi  liegen 
die  gleichen  Bildungen,  sowie  die  höheren  Vigläskalke,  Rudisten- 
und  Nummulitenkalke  in  umgekehrter  Reihenfolge  unter  den  Dach- 
steinkalken. Nur  an  dem  hohen  Berg  Malikladi  (nordwestlich 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


539 


von  Ramada)  dürfte  die  Überkippung  der  Fernsicht  nach  weniger 
stark  gewesen  sein. 

Dieses  Profil  wird  durch  einen  Durchschnitt  von  Margariti 
über  Kanvunari  nach  Zelessos  in  wünschenswerter  Weise  ergänzt. 
Margariti  besitzt  vom  geologischen  Standpunkt  aus  dieselbe  Lage 
wie  Paramythia;  es  liegt  im  Flysch  am  Westrand  des  Kampos 
von  Margariti.  Über  dem  gegen  das  Gebirge  zu  einfallenden  Flysch 
folgt  direkt  der  den  Kamm  östlich  Margariti  zusammensetzende,  hier 
meist  nach  Westen  überschobene  Dachsteinkalk.  Südlich  Margariti 
haben  sich  an  der  Grenze  auch  noch  Reste  des  Mittelschenkels, 
wie  Posidonienhornsteine  des  Doggers  und  Plattenkalke  erhalten. 

Östlich  des  Kammes  von  Margariti  — es  tritt  hier  auch 
Dolomit  auf  — folgt  bei  Kanvunari  in  regelmäßiger  Lagerung 
die  normale  Schichtenfolge  des  Ostflügels  der  Falte  zwischen  den 
längsgerichteten  Becken  von  Margariti  und  Paramythia. 

Oberhalb  Karwunari  lagern  über  dem  Mittellias  in  Dachstein- 
kalkfazies : 

1.  Graue,  dünngeschichtete,  etwas  knollige  Kalke,  bisweilen 
violettrot  gefärbt  (etwa  3 m). 

2.  Graugelber,  bezw.  blaugrauer  Mergel  und  blätteriger  Schiefer 
( l V*  m). 

3.  Dünngeschichtete,  scliieferig-tonige,  blaugraue  Kalke  (etwa  2 m). 

4.  Rote  Tone  und  zwar  meist  dickere  rote,  kalkige  Tonlagen, 
dazwischen  aber  auch  schieferig-blätterige  Partien,  sowie  eine 
graue  Zwischenlage  (etwa  5 m).  Die  roten  Tone  enthalten 
Posidonia  Bronni  Voltz. 

5.  Rot  und  grau  gefleckte,  düungeschichtete  knollige  Kalke; 
unten  mit  Coeloccras  subarmatum  Young  et  Biur>  bezw.  Var.  etc. ; 
oben  mit  roten  Hornsteinzwischenlagen.  Der  etwa  5 m hal- 
tende Komplex  enthält  oben  auch  gelbliche  Kalklagen,  aus  denen 
ein  nicht  näher  bestimmbarer  Erycites  stammt,  er  repräsentiert 
z.  T.  den  unteren  Dogger. 

6.  Graue  geschichtete  Kalke  mit  grauen  Hornsteinzwischenlagen 
(etwa  4 m). 

7.  Graue,  gelb  verwitternde  Hornsteinplatten  mit  Posidonia 
Buchi  und  P.  alpina. 

8.  Gleichartige  Hornsteinplatten. 

Diese  Oberlias-Doggerbildungen  streichen  dem  ganzen  Hang 
oberhalb  des  Dorfes  Karwunari  entlang. 

Gegen  den  Kampos  von  Paramythia  zu  folgen  über-  dem  Horn- 
steinkomplex die  Plattenkalke  und  Hornsteine  des  Vigläskalksystems 
(Streichen  N 30  bis  40°  W;  Fallen  45°  nach  Nordost),  und  hier- 
über Rudistenkalke,  die  ihrerseits  von  plattigen  Nummulitenkalken 
eingedeckt  werden  und  mit  etwa  45°  nach  Nordost  gegen  den 
Kampos  zu  geneigt  sind.  Die  eocänen  Plattenkalke  fielen  dann 
jedenfalls  unter  den  Flysch  der  seiner  Zeit  vollständigen  Flyschzone 


540 


C.  Renz. 


von  Paramythia  ein,  dessen  Gesteine  sich  aber  heute  nur  noch  am 
Ostrande  des  Kampos  erhalten  haben.  Der  Ostfliigel  der  Falte 
zwischen  den  Flysclizonen  von  Paramythia  und  Margariti  zeigt 
hier  demnach  eine  regelmäßigere  Lagerung,  als  bei  dem  nörd- 
licheren Durchschnitt  von  Paramythia  über  Kai'tsa  nach  Mazaraki. 

Östlich  Mazaraki  treten  im  Westen  der  Flyschzone  die 
Nummuliten-  und  Rudistenkalke  der  nächst  westlicheren 
Falte  hervor.  Die  nächst  tieferen  Gesteine  des  Vigläskalk- 
systems  und  des  Hornsteinkomplexes  haben  jedoch  durch  die 
Erosion  des  Baches  von  Mazaraki  stark  gelitten,  doch  gelang  es 
mir , an  den  Hängen  im  Westen  von  Mazaraki  gleichfalls  die 
Posidonienhornsteine  des  Doggers  nachzuweisen.  Südlich  Mazaraki 
erstreckt  sich  ein  weiter  Kampos,  der  aber  von  jenem  von  Margariti 
durch  eine  Hügelwelle  getrennt  wird. 

Bei  Smokowina,  das  an  dem  Gebirgshang  im  Süden  des 
Kampos  gelegen  ist,  konnte  wieder  ein  vollständiges  Profil  durch- 
schritten werden.  Die  Quelle  von  Smokowina  entspringt  aus  steil 
nordöstlich  fallenden  Vigläskalken , während  der  hohe  Bergzug 
im  Süden  des  Dorfes  Smokowina  aus  Dachsteinkalken  besteht. 
Dazwischen  streichen  die  Dogger-  und  Oberliasbildungen  hindurch, 
während  über  dem  Vigläskalk  bei  der  Quelle  gegen  das  Becken  von 
Margariti  zu  jedenfalls  Rudistenkalke  und  Xummulitenkalke  folgen. 

Die  letzteren  bilden  z.  T.  wohl  die  bereits  erwähnte  Boden- 
schwelle zwischen  den  Becken  von  Mazaraki  und  Margariti.  Hier  ist 
vermutlich  die  Schichtenfölge  in  einem  vollständigen  Profil  erhalten. 

Einen  guten  Überblick  über  die  Entwicklung  des  Oberlias 
und  Doggers  von  Smokowina  erhielt  ich  auf  der  Strecke  von  Smo- 
kowina nach  Arpitza.  Der  Weg  führt  in  einer  Schlucht  nach 
Westen  zu  aufwärts;  in  dieser  Schlucht  stehen  zunächst  die  Posi- 
donienschichteu  des  oberen  Doggers  an. 

Die  Posidonien  (Posiclouia  Buchi  und  P.  alpiua)  bedecken  in 
besonders  guter  Erhaltung  die  gelben  Schichtflächen  der  dunklen 
Hornsteinplatten,  sowie  der  gelblichgrauen  Kalkschiefer.  Verhältnis- 
mäßig sehr  schöne  Exemplare  beobachtete  ich  in  einer  grauen  porösen 
Zwischenlagerung,  die  ich  in  gleicher  Entwicklung  auch  schon  auf 
der  Paganialialbinsel  gegenüber  von  Corfu  angetroffen  hatte.  Die  in 
der  Schlucht  westlich  Smokowina  aufgeschlossenen  Posidonien- 
schichten  streichen  N 30°  W und  fallen  30°  nach  Nordost. 
Darüber  folgt  die  Masse  der  höheren  gelben  Hornsteine  und  hier- 
über der  Vigläskalk  bei  der  Quelle  von  Smokowina. 

Unter  den  Posidonienschichten  des  Doggers  liegen  in  der 
Schlucht  westlich  Smokowina  in  Konkordanz : 

1.  Etwa  15  m umfassende,  dünngeschichtete  gelblichgraue  Kalke, 
unten  von  knolliger  Struktur,  darunter  auch  rein  knollige, 
etwas  kompaktere  Lagen.  Letztere  enthalten  spärliche  Am- 
moniten, wie  Harpoceraten  etc. 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


541 


2.  Vorwiegend  rote,  z.  T.  aber  auch  rot  und  grau  gefleckte 
plattige  Knollenkalke  mit  Oberlias-Ammoniten.  Gegen  unten 
herrscht  roter  Ton  vor. 

3.  Mittellias  in  der  Fazies  des  ionischen  Dachsteinkalkes. 

Die  letzteren  Kalke  bilden  mit  gleichem  Einfallen  den  Ge- 
birgskamm  im  Westen,  den  der  Weg  nach  Arpitza  überschreitet, 
sowie  die  Höhen  im  Süden  von  Smokowina.  Die  roten  Ober- 
liassedimente und  die  Posidonienhornsteine  ziehen  einerseits  ober- 
halb Smokowina  weiter  nach  Südosten , andererseits  aber  auch  nach 
Nordwesten  und  hängen  zweifellos  mit  den  Posidonienliornsteinen  etc. 
im  Westen  von  Mazaraki  zusammen.  Besonders  gute  Aufschlüsse 
finden  sich  noch  in  einem  von  Südosten  herabkommenden  Seitental 
(westlich  bezw.  südwestlich  Smokowina).  Aus  den  roten  Oberlias- 
bildungen wären  unter  anderen  folgende  Ammonitenspezies  anzuführen  : 

Coeloccras  aculeata  Parisch  et  Hiläoceras  Mercati  Haler 

Viale  Harpoceras  sübplanatum  Oppel 

— anguinmn  Pein.  Lytoceras  dorcade  Henegh. 

Hildoceras  Lilli  Hauer  Pltylloceras  heteropliyllum  Sow. 

— comense  Buch 

Weitere  Aufschlüsse  der  roten  Knollenkalke  und  Mergel  des  Ober- 
lias und  der  Posidonienhornsteine  des  Doggers  finden  sich  bei  Dobrad. 

Die  Falte  zwischen  Smokowina  und  Arpitza  wurde  nochmals 
auf  einer  südlicheren  Route  von  Agyja  nach  Margariti  durchquert. 

Nach  Überschreitung  des  Dachsteinkalkkammes,  der  die  süd- 
liche Fortsetzung  der  Dachsteinkalkhöhen  oberhalb  Smokowina 
bildet,  gelangt  man  direkt  in  das  Geröll  von  Liwadari  und  hinunter 
zum  Kampos  von  Margariti.  Nordwestlich  von  Liwädari,  bezw. 
westlich  von  Margariti  ist  jedoch  noch  der  Ostflügel  der  Falte 
mit  der  üblichen  Schichtenfolge  erhalten.  Man  gewahrt  hier  unter 
anderem  die  gelben  Posidonienhornsteine  des  Doggers  und  die  roten 
Oberliasbildungen;  doch  streichen  die  Schichten  nicht  regelmäßig 
durch , sondern  sind  in  kleinere  Schollen  zerstückelt.  (Streichen 
etwa  N 40°  W;  Fallen  45°  nach  Nordost). 

Ein  stark  verworfenes  und  vielfach  durch  Neogen  unter- 
brochenes Gebiet  ist  jedoch  vor  allem  die  im  Westen  der  eben 
besprochenen  Dachsteinkalkkette  gelegene  Küstenregion  zwischen 
Arpitza  und  Agyja. 

Hier  tritt  zwischen  den  beiden  Dörfern,  abgesehen  von  den 
mesozoischen  Gesteinen,  auch  nochmals  Flysch  auf.  Es  handelt 
sich  hierbei  jedenfalls  um  ein  Fragment  einer  weiteren,  westlicheren 
Flysclizone. 

II. 

Die  Gebirgskette  zwischen  dem  Kampos  von  P a r a- 
mythia  und  der  Flysclizone  von  Derwitzana  wurde  auf 
folgenden  Strecken  durchkreuzt: 


542 


C.  Renz, 


Von  Luros  über  Vladon  nach  Kanalaki;  von  Glyky  über 
Samonida— Kakosuli — Tsangari  — Koristiani — Popowo — Levtherochori 
nach  Paramytliia  nnd  von  Pararaythia  über  Seliani  ~ Labnitza  nach 
Salonik  (Solniki). 

Der  Weg  führt  von  der  Höhe  von  Palaeorofori  ab  im  Flvsch 
hinauf  auf  die  Höhen  des  Gebirges.  Im  Süden  erhebt  sich  das 
in  Schollen  zerbrochene  Kalkgebirge  des  Salongos.  Die  Flvsch- 
gesteine  streichen  im  allgemeinen  X 40°  0 und  fallen  45°  nach 
Südost.  Hinter  Vladon  kommt  der  nächst  ältere  Nummuliten-  und 
Rudistenkalk  hervor,  um  die  Kammhöhe  zu  bilden.  Beim  Ab- 
stieg zur  Schlucht  von  Kanalaki  erscheinen  an  der  Westfront  des 
Gebirgszuges  noch  die  Gesteine  des  tieferen  Vigläskalksystems. 
Dann  führt  der  Weg  im  Kampos  bis  Glyky.  Am  Gebirgsrand 
lagert  Flvsch,  der  gegen  das  Gebirge  zu  einfällt.  Bei  Huzakata 
tritt  der  Weg  wieder  an  das  Gebirge  heran.  Der  Gebirgskamm 
besteht  hier  aus  Dachsteinkalk. 

Wesentlich  interessanter  gestaltete  sich  die  Durchquerung  des 
Gebirges  von  Glyky  nach  Kakosuli,  entlang  dem  nördlichen  Hang 
der  Acheronschlucht. 

Der  Acheron  durchbricht  hier  in  wilder  Schlucht  den  aus 
Dachsteinkalk  und  Dolomit  bestehenden  Gebirgskamm,  der  in 
gleicher  Entwicklung  über  die  Kurilakette,  den  Paß  von  Kakiskala 
und  das  Ghionistragebirge  bis  zum  Kalamas  und  weiter  nach  Norden 
zieht. 

Nach  der  Einmündung  des  von  Norden  in  die  Acheronschlucht 
mündenden  Tsangaritales  erscheinen  beim  Aufstieg  nach  Samonida 
als  Überlagerung  des  Dachsteinkalkes  die  weicheren  Posidonien- 
gesteine  des  Oberlias  und  Doggers. 

Der  Oberlias  besteht  hier  aus  Schiefern  mit  grauen,  dünn- 
schichtigen Kalklagen  und  dünnen  dunklen  Hornsteinschichten, 
deren  Schichtllächen  vollkommen  mit  der  kleinen  Posiclonia  Bronni 
Voltz  bedeckt  sind.  Der  obere  Dogger  wird  ebenfalls  durch  Posi- 
donienschichten  paläontologisch  festgestellt,  nämlich  durch  die  Horn- 
steine mit  P.  Bucht  und  P.  alpitia.  Dazwischen  lagern  auch  dünn- 
geschichtete Kalke. 

Bei  Kakosuli  fehlen  infolge  einer  Verwerfung  diese  Bildungen 
des  Oberlias  und  Doggers,  hier  grenzen  die  Dachsteinkalke  bezw. 
Dolomite  direkt  an  die  Gesteine  des  Vigläskalksystems  an,  die 
den  Gebirgszug  im  Osten  von  Kakosuli  über  den  Vrizakos  und 
Chawo  bis  hinauf  zur  Route  Paramytliia — Jannina  zusammensetzen. 

Weit  ausgedehnte  Aufschlüsse  des  Oberlias  und  Doggers  wurden 
dann  wiederum  zwischen  Tsangari  und  Koristiani  nachgewiesen.  Das 
Band  des  Oberlias  und  Doggers  folgt  hier  dem  Osthang  des  Tales 
von  Koristiani , bezw.  Tsangari ; der  Westhang  besteht  aus  dem 
steilaufstrebenden  Dachsteinkalkkamm,  der  das  Tal  von  Tsangari 
von  dem  Kampos  von  Paramytliia  scheidet. 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


543 


Der  Oberlias  und  Dogger  fällt  liier,  ebenso  wie  die  ganze 
Schichtenfolge,  durchschnittlich  mit  45°  nach  Osten. 

Die  Oberliasbildungen  des  Tsangaritales  zeigen  dieselbe  Ent- 
wicklung, wie  die  gleichalten  Gesteine  unterhalb  Samonida,  es 
handelt  sich  um  dunkle  bezw.  gelbe  Schiefer  und  dünne  schwarze 
Hornsteinlagen  mit  P.  Bronni  Voltz.  An  der  Basis  des  Kom- 
plexes treten  auch  gelbe,  tonige  Kalkschiefer  uud  etwas  dickere, 
gelbe , tonige  Kalklagen  auf.  Die  höheren  Posidonien-Hornstein- 
platten  des  Doggers  mit  P.  Bucht  und  P.  alpina  werden  von  den 
oberliassischen  Posidonienschichten  durch  eine  Plattenkalkeinschal- 
tung geschieden.  Als  höhere  Bildungen  folgen  dann  die  Gesteine 
des  Vigläskalksystems,  Rudistenkalke,  Nummulitenkalke  und  schließ- 
lich Flysch.  Diese  Gesteine  bilden  den  Gebirgsrücken  zwischen 
Tsangari  und  Koristiani , bezw.  zwischen  den  Tälern  von  Kori- 
stiani  einerseits  und  Glavitza — Kukles  andererseits.  In  diesem 
letzteren  Tale  treten  abermals  die  Bildungen  des  Oberlias  und 
Doggers  hervor.  So  stehen  an  der  Quelle  von  Tsangari  gegen- 
über von  Glavitza  Posidonienhorusteine  des  Doggers  an,  während 
unterhalb  Glavitza  im  Schutt  des  Talgrundes  oder  am  Talrande 
auch  Stücke  mit  P.  Bronni  beobachtet  wurden.  Hier  erst  bilden 
die  Oberlias-  und  Doggerbildungen  die  Basis  des  Vigläskalk- 
systems, das  die  Kette  des  Vrizakos  und  Chawo  im  wesentlichen 
zusammensetzt.  Auf  der  Ostseite  dieser  Kette  folgen  jedenfalls 
in  regelmäßiger  Überlagerung  Budistenkalke  und  Xummulitenkalke, 
die  dann  von  dem  Flysch  der  Ftyschzone  von  Derwitzana  konkordant 
eingedeckt  werden.  Der  Flysch  bei  Koristiani  hängt  daher  nicht  mit 
dem  des  großen  Flyschzuges  von  Derwitzana  zusammen.  Bei  durch- 
wegs östlichem  Fallen  folgt  auch  das  Oberlias-Doggerband  sowohl 
dem  Tal  zwischen  Tsangari  und  Koristiani , wie  jenem  von  Gla- 
vitza— Kukles.  Das  letztere  Band  streicht  am  Westhang  des  Chawo 
weiter  nach  Norden.  Eine  genauere  Erörterung  der  Lagerungsver- 
hältnisse des  schollenförmigen  Bergrückens  zwischen  Koristiani  und 
Tsangari  zu  den  umgebenden  Gebirgsgliedern  würde  über  den 
Rahmen  dieser  vorläufigen  Mitteilung  hinausgreifen. 

Zwischen  Koristiani  und  Popowo  erscheint  der  Oberlias  nicht 
mehr.  Hier  grenzen  die  Gesteine  des  Vigläskalksystems  längs 
einer  ausgesprochenen  Bruchlinie  direkt  an  die  Dachsteinkalke  der 
Kurilakette  an. 

Westlich  der  Verwerfungsgrenze  enthält  der  ionische  Dachstein- 
kalk Gyroporellen,  so  in  der  Gegend  des  Passes  Seloma  tu  Popowo. 

Die  Oberlias-Doggerbildungen  (Posidoniengesteine  des  Oberlias 
und  Doggers),  die  nordwestlich  von  Popowro  und  nordöstlich  von 
Levtherochori  die  Dachsteinkalke  des  Chionistragebirges  überlagern, 
streichen  von  der  Einsattelung  westlich  des  Chawo  (östlich  Popowo) 
herüber;  es  handelt  sich  hierbei  also  um  den  Oberlias — Doggerzug 
des  Glavitza-Kuklestales  oder  vielmehr  dessen  nördliche  Fortsetzung. 


544 


C.  Renz, 


Im  Tal  von  Popowo  (so  bei  Popowo  selbst)  erscheinen,  ebenso 
wie  im  Tal  von  Tsangari,  an  mehreren  Stellen  unvermutet  Flysch- 
aufschliisse,  und  zwar  anscheinend  als  Unterlage  der  Kalkserie. 

Der  Paß  von  Levtherochori  entspricht  einer  Querfurche  zwischen 
der  Dachsteinkalkkette  der  Kurila  und  der  Chionistra.  Am  west- 
lichen Gebirgsrand  gelangt  man  direkt  in  den  darunter  einfallenden 
Flysch  von  Paramythia. 

Der  Flyschzug  zieht  hier  weiter  nach  Norden  über  Seliani 
bis  zum  Paß  von  Seliani  (Seloina  tu  Seliani).  An  diesem  Paß 
ist  die  Flyschzone  zu  einem  schmalen  Streifen  zusammengeschrumpft 
(Streichen  N 35 0 W ; Fallen  60°  nach  Nordost),  der  im  Westen 
von  den  Nummulitenkalken  des  Tschupan  konkordant  unterlagert 
und  im  Osten  von  den  Dachsteinkalken  der  Chionistra  überschoben 
wird. 

Der  Dachsteinkalk  enthält  hier  beim  Aufstieg  zur  Kapelle 
H.  Paraskewi  Gyroporellen. 

Etwas  östlich  H.  Paraskewi  wird  der  Dachsteinkalk  im  Li- 
wadi  und  längs  der  nach  Labnitza  hinunterziehenden  Schlucht  von 
Oberlias  und  Dogger  überlagert.  Über  dem  Dachsteinkalk  folgen 
am  Sattel  zwischen  dem  Liwadi  und  der  Labnitzaschlucht: 

1.  Eine  Suite  von  blaugrauen  bis  gelbgrauen  Kalkschiefern, 
sowie  von  blaugrauen,  im  Bruch  schwarzen,  gelb  verwitternden, 
z.  T.  blätterigen  und  sehr  dünnen  Schiefern;  ferner  von 
blaugrauen,  z.  T.  geschieferten  Mergeln  und  eingeschalteten 
etwas  dickeren,  grauen,  gelb  verwitternden,  tonigen  Kalk- 
lagen. Die  blauen  Partien  befinden  sich  besonders  in  der 

.j-Mitte.  Die  blauen  und  schwarzen  Schiefergesteine  enthalten 
in  Massen  P.  Bronni  Voltz,  sowohl  die  kleine  Varietät, 
wie  die  var.  magna  Quenst. 

Auf  den  Schichtflächen  der  gelbgrauen  Kalkschiefer  wurden 
plattgedrückte  Individuen  einer  Pseudomonotis  aff.  substriata 
Münster  beobachtet. 

2.  Hierüber  folgen  lichte  Plattenkalke  mit  schwarzen  Hornstein- 
lagen (etwa  30  m),  die  die  tieferen  Bildungen  von 

3.  den  Posidonien-Hornsteinplatten  des  oberen  Doggers  mit 
Posidonia  Buchi  Roemer  und  P.  alpina  Gras,  trennen. 

Die  vom  Sattel  zwischen  dem  Liwadi  und  H.  Paraskewi  nach 
Labnitza  hinunterziehende  Schlucht  folgt  bis  vor  Labnitza  dem 
Streichen  der  Oberliasbildungen  und  bietet  so  einen  lang  ausge- 
dehnten prächtigen  Aufschluß.  Oben  an  dem  erwähnten  Sattel 
bei  H.  Paraskewi  beträgt  das  Streichen  N45°W  (Fallen  45° 
nach  Nordost).  Weiter  unten  wurde  östliches  Fallen  beobachtet. 
Kurz  vor  Labnitza  wendet  sich  die  Schlucht  nach  Osten  in  die 
höheren  Schichten,  nämlich  in  die  lichten  Plattenkalke  mit  den 
schwarzen  Hornsteinlagen  und  dann  bei  Labnitza  selbst  in  den 
Posidonien-Hornsteinkomplex  des  oberen  Doggers. 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


545 


Unterhalb  Labnitza  ist  die  eine  östliche  Richtung  beibelialtende 
Schlucht  wieder  in  Dachsteinkalk  mit  Gyroporellen  eingeschnitten. 

Etwa  3/ 4 Stunden  unterhalb  Labnitza  folgen  in  Konkordanz 
über  dieser  Kalkserie  erneut  die  Posidonienschichteu  des  Oberlias 
und  Doggers  (Fallen  steil  Ost).  Es  handelt  sich  um  dieselbe  Ent- 
wicklung des  Oberlias  und  Doggers,  wie  östlich  H.  Paraskewi. 
Die  Bildungen  des  Oberlias  und  Doggers  im  Liwadi  und  in  der 
Schlucht  oberhalb  Labnitza  sind  demnach  gegen  Westen  zu  ab- 
gebrochen. Erst  die  Dachsteinkalke  unterhalb  Labnitza  steigen 
zu  dem  Chionistragipfel  empor,  während  sich  die  sie  überlagernden 
Oberlias-Doggerbildungen  östlich  Labnitza  mit  dem  nordöstlich 
Lovtherochori  beobachteten  Band  der  gleichen  Gesteine  zusammen- 
schließen. 

Über  den  Posidonienschichteu  des  Oberlias  unterhalb  Labnitza 
.(darunter  auch  schwarze,  kalkige  Schiefer  mit  P.  Bronni  und 
graue  Kalkschiefer  mit  der  großen  Varietät  der  P.  Bronni)  folgen 
weißgraue  plattige  Kalke  mit  Hornsteinlagen  (etwa  30  m)  und 
hierüber  der  gelbe  Hornsteinkomplex1 *  unten  mit  P.  alpina  und 
P.  Buclii. 

Weiter  nach  Osten  zu  stellt  sich  hierüber  die  übliche  Schichten- 
serie ein,  nämlich  Vigläskalke,  Rudistenkalke,  Nummulitenkalke  und 
Flysch,  alles  in  vollkommener  Konkordanz.  Die  Grenze  zwischen 
■den  plattigen  Nummulitenkalken  und  den  Flyschgesteinen  entspricht 
etwa  der  Linie  Verniku — Salonik.  Beide  Dörfer  liegen  am  Ost- 
rande der  breiten  Flyschzone  von  Derwitzana.  (Streichen  bei 
Salonik  N 40 — 45°  W;  Fallen  30°  Nordost.) 

Die  Kalkberge  von  Suli  und  deren  nördliche  Fortsetzung  bis 
hinauf  zur  Chionistra  entsprechen  daher  einer  zwischen  den  Flysch- 
zonen  von  Paramythia  und  Derwitzana  entlang  streichenden  Falte 
älterer  Gesteine.  Der  Ostflügel  ist  normal  ausgebildet,  hier  lagert 
konkordant  unter  dem  Flysch  der  Zone  von  Derwitzana  die  normale 
Schichtenfolge  bis  herunter  zum  Dachsteinkalk.  Nach  Westen  zu 
fehlt  dagegen  der  Liegendschenkel  und  der  Kern  der  übergelegten 
Falte,  d.  h.  der  Dachsteinkalk  ist  direkt  auf  den  Flysch  der 
Zone  von  Paramythia  überschoben.  Im  Chionistragebirge  erscheinen 
infolge  eines  Abbruches  gegen  Westen  Dachsteinkalke , Oberlias 
und  Dogger  in  zwei  Etagen  übereinander.  Dieselbe  Schichten- 
wiederholung zeigt  sich  auch  in  der  weiten  Talmulde  von  Tsangari 
zwischen  Tsangari  und  Koristiani.  Hier  ist  der  tektonische  Vor- 
gang jedoch  komplizierter  und  außerdem  sind  auch  noch  die  höheren 
Schichtglieder  bis  hinauf  zum  Flysch  vorhanden. 

Im  Oberlias  fehlen  in  dieser  ganzen  Zone  die  sonst  so  weit 
verbreiteten  knolligen  Ammonitenkalke.  Es  liegen  nur  Schiefer 
(Kalk-  und  Tonschiefer)  und  dünnschichtige  Kieselgesteine  vor, 


1 Die  Hornsteine  sind  im  frischen  Bruch  dunkelgrau  bis  schwarz. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  35 


546 


C.  Renz. 


deren  Fossilfiihrung  sich  im  allgemeinen  auf  Posiclonia  Brotini  Voltz 
beschränkt.  Die  erwähnten  längsgestreiften  Formen  sind  nur 
lokal  (Chionistra)  bekannt,  während  die  Posidonien  überall  in 
Massen  Vorkommen.  Dieselbe  Ausbildung  des  Oberlias  herrscht 
in  der  nördlich  der  Chionistra  dem  Westabhang  der  Stugara — 
Platovuni — Backette  entlangstreichenden  Oberliaszone,  in  der  sich 
die  Oberlias-Doggerschichten  der  Chionistra  über  den  Kalamas 
hinweg  direkt  fortsetzen. 

Die  gleiche  Entwicklung  des  Oberlias  und  Doggers  kehrt 
ferner  im  Siutistazuge  und  im  Olytzikagebirge  wieder,  während 
auf  der  Ostseite  der  Lakkakette  erneut  die  roten  Ammoniten- 
fiihrenden  Knollenkalke  des  Oberlias  auftreten. 

Auch  in  gebirgsstruktureller  Hinsicht  ist  das  Olytzikagebirge 
von  dem  südlicheren  Lakkazug  verschieden. 

Das  Olytzikagebirge  und  die  Lakkakette  lernte  ich 
auf  den  Strecken  von  Chan  Zarawutsi — Chan  Dsamalaga — Alpo- 
chori — Olytzikagipfel — Tseritzana — Toskesi — Variades — Zorista  — 
Machalas — Muskiotitza — Papadates  kennen. 

Die  beiden  Chani  Zarawutsi  und  Dsamalaga  liegen  am  Haupt- 
wege Paramythia — Jannina.  Von  der  Wasserscheide  zwischen  den 
beiden  östlich  und  westlich  des  Siutistazuges  dem  Kalamas  zu- 
fallenden Nebenadern  erhält  man  einen  Überblick  über  den  West- 
hang des  Olytzikagebirges.  Hier  fallen  bei  Baumtsius  und  Tserit- 
zana die  plattigen  Nummuliten-  und  tieferen  Rudistenkalke  steil 
unter  den  Flyscli  der  Zone  von  Derwitzana  ein.  Nach  Nordwesten 
zu  tauchen  jedoch  diese  Kalke,  ebenso  wie  jene  des  Siutistazuges, 
wo  die  gleichen  Verhältnisse  herrschen , unter  den  Flyscli  unter, 
so  daß  der  560  m hohe  Paß  zwischen  den  beiden  Gebirgen  nur 
im  Flyscli  liegt. 

Auf  der  Nordostseite  wird  jedoch  der  Olytzikazug  von  einem 
scharf  ausgesprochenen  Bruch  begleitet. 

Die  Dorfzeile  Dramesüs,  Tsarakowitza,  Alpochori,  Melingus 
liegt  auf  dem  dem  Fuße  des  Gebirges  entlang  ziehenden  Flyscli- 
streifen,  auf  dessen  Ostseite  bei  Dodona  (unterhalb  Alpochori)  der 
Nummulitenkalk  hervorkommt.  Die  Ruinen  von  Dodona  selbst 
stehen  auf  Nummulitenkalk. 

Über  der  genannten  Dorfreihe  steigen  dann  die  Wände  des 
Olytzikagebirges  empor. 

Zu  unterst  besteht  der  Hang  jenseits  des  Bruches  gegen  den 
Flyscli  aus  Dachsteinkalk ; darüber  folgt  ein  gelbes  Band,  das  den 
Posidonienschichten  des  Oberlias  entspricht,  hierüber  Plattenkalke 
und  dann  nochmals  ein  gelber  Streifen,  der  die  Posidonien-Hornsteine 
des  oberen  Doggers  bezeichnet.  Bei  Dramesüs  und  Tsarakowitza 
beobachtete  ich  zahlreiche  Schieferstücke  mit  Posidonia  Bronnt 
Voltz,  sowie  Hornsteine  mit  P.  Buchi  Roemer  und  P.  aJpina  Gras. 

Dieser  nördliche  Teil  des  Olytzikagebirges  bildet  demnach 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


547 


einfach  den  als  südwestlich  geneigte  Scholle  stehen  gebliebenen 
Westflügel  einer  Falte  und  enthält  die  ganze  Schichtenfolge  vom 
Xummulitenkalk  auf  der  Südwestseite  bis  hinunter  zum  Dachstein- 
kalk auf  der  Xordostseite. 

Der  Paß  zwischen  Alpochori  und  Tseritzana  trennt  diesen 
nördlichen  Abschnitt  von  dem  höheren  südlichen  Teil  des  Gebirgs- 
stockes  mit  dem  Hauptgipfel.  Beim  Aufstieg  erreicht  man  zu- 
nächst oberhalb  Alpochori  den  bereits  erwähnten  Dachsteinkalk, 
der  hier  die  Basis  der  nördlicheren  Scholle  bildet.  Hierin  führt 
der  Weg  bis  zur  Erreichung  der  Paßhöhe , während  die  gelben 
Bänder  der  Posidonienscliichten,  teils  durch  Brüche  unterbrochen, 
oberhalb  des  Weges  bleiben. 

Das  Einfallen  ist  im  allgemeinen  nach  Südwest  gerichtet. 
Der  bei  Alpochori  noch  schmale  Dachsteinkalkzug  verbreitert  sich 
nach  Süden  zu  aufwärts  immer  mehr  und  bildet  dann  (bei  nord- 
westlich geneigter  Faltenachse)  gewaltig  ansteigend  den  Gipfel- 
kamm der  Olytzika,  sowie  das  ganze  Olytzikamassiv  bis  zu  der 
Paßeinsattelung  Alpochori — Tseritzana. 

In  dieser  Einsattelung  stehen  noch  die  Posidoniengesteine  an. 
An  der  Paßhöhe  (etwas  östlich)  habe  ich  Posidonienhornsteine  mit 
den  Posidonien  des  Doggers  nachgewiesen.  Die  gleichen  Gesteine  er- 
füllen die  Ursprungsmulde  der  Talschlucht  von  Tseritzana.  Die  gelben 
Posidoniengesteine  lagern  ferner  auf  den  Höhen  im  Norden  hiervon. 

Ein  weiteres  Vorkommen  der  Posidonienscliichten  des  Oberlias 
und  Doggers  wird  dann  durch  die  Schlucht  von  Tseritzana,  nord- 
östlich der  Kapelle  H.  Ilias,  durchschnitten.  Die  Posidonienscliichten 
des  Doggers  enthalten  hier  außerdem  noch  eine  Lage  mit  CTinoiden. 

Das  südlich  dieser  Einsattelung  zu  dem  hohen , gezackten 
Gipfelkamm  aufstrebende  Olytzikamassiv  besteht  dagegen  aus- 
schließlich ans  Dachsteinkalk.  Ich  bin  wohl  der  erste  Geologe 
gewesen,  der  diesen  imposanten  Hochgipfel  (etwa  1800  m)  des 
südlichen  Epirus  bestiegen  hat. 

Die  weißen,  dickgebankten,  ziemlich  kristallinen  Gipfelkalke 
enthalten  undeutliche  Beste  von  Gyroporellen.  Die  Fallrichtung 
tritt  nur  wenig  klar  hervor;  an  der  Scharte  zwischen  dem  Haupt- 
gipfel  und  dem  fast  gleichhohen  südlicheren  Gipfel  herrscht  steiles 
südliches  Fallen.  Von  dem  zerscharteten  Gipfelgrat  aus  fallen  die 
Dachsteinkalke  in  einem  einzigen  jähen  Absturz  bis  zum  Flysch 
von  Melingus  ab.  Nach  Westen  zu  sind  die  Hänge  weniger  steil 
und  durch  zahlreiche  Lakkas  unterbrochen.  Vielerorts  zeigen  sich 
in  den  Dachsteinkalken  des  Gebirgsstockes  Gyroporellen  und  un- 
deutliche Schneckendurchschnitte. 

An  der  Einsattelung  zwischen  Alpochori  und  Tseritzana  folgen 
dann  als  Überlagerung  des  Dachsteinkalkmassivs  die  jüngeren  Ge- 
steine der  nördlichen  Scholle.  Tatsächlich  sind  hier , wie  an- 
gegeben, die  Posidonienscliichten  des  Oberlias  und  Doggers  nach- 

35* 


548 


C.  Renz, 


gewiesen , doch  streichen  die  Schichten  nicht  in  durchlaufenden 
Bändern  durch,  sondern  sind  durch  Störungen  unterbrochen.  Über 
den  Posidonienschichten  in  der  Talschlucht  nordöstlich  H.  Ilias 
folgen  beim  Abstieg  nach  Tseritzana  in  ziemlich  regelmäßiger 
Lagerung  die  Gesteine  des  Vigläskalkkomplexes,  unten  mit  Aptyclien, 
wie  Aptychus  Jamellosus  Park.  Das  Vigläskalksystem  wird  von 
Rudistenkalken  und  letztere  von  mehr  plattigen  Nummulitenkalken 
eingedeckt,  die  ihrerseits  am  Gebirgsrande  unter  den  Flyscli  von 
Tseritzana  einfallen. 

An  der  Grenze  ist  die  Stellung  der  Schichten  sehr  steil, 
z.  T.  sogar  überkippt. 

Auch  in  südlicher  Richtung  streichen  diese  den  Dachsteinkalk 
des  Olytzikamassivs  im  Westen  eindeckenden  Gesteine  meist  nicht 
in  ununterbrochenen,  regelmäßigen  Bändern  durch.  So  sind  z.  B. 
die  Posidonieugesteine  des  Oberlias  und  Doggers  von  dem  letzten 
Aufschluß  im  Rhema  (griechische  Bezeichnung  für  Talschlucht) 
nordöstlich  H.  Ilias  nach  Süden  zu  unterbrochen;  ich  habe  sie 
erst  wieder  am  Südabsturz  des  Olytzika-Gebirgsstockes  nördlich 
und  nordwestlich  der  Kapelle  H.  Apostolos  (ONO  von  Variades, 
zwischen  Variades  und  dem  Paß  H.  Ilias)  angetroffen,  und  zwar 
sowohl  die  Posidonienschichten  des  Oberlias,  wie  jene  des  Doggers. 
Die  Abstürze  im  Osten  hiervon,  d.  h.  in  der  Verlängerung  des 
Gipfelkammes,  bestehen  aus  Dachsteinkalk.  Nur  die  äußerste 
Nummulitenkalkzone  dürfte  ziemlich  ununterbrochen  von  Baumtsius 
über  Tseritzana — Toskesi  bis  zum  Paß  H.  Ilias,  westlich  oberhalb 
H.  Apostolos  und  Variades,  durchstreichen. 

Dieser  Paß  entspricht  gleichzeitig  einer  ausgesprochenen  Ver- 
werfungslinie. 

Vermutlich  steht  diese  Querverwerfung  in  Verbindung  mit 
den  Störungen  im  Süden  des  Malikladi  und  hängt  vielleicht  mit 
dem  verschiedenen  Grad  der  Überfaltung  nördlich  und  südlich 
dieser  Linie  zusammen. 

Auf  der  Nordseite  des  Paßeinsclmittes  von  H.  Ilias  (westlich 
Variades)  steht  der  bereits  erwähnte  Nummuliteukalk  au , unter 
dem  gegen  Variades  zu  die  älteren  Bildungen , so  Vigläskalke, 
Hornsteine  etc.  hervorkommeu. 

Auf  der  Südseite  des  Passes  herrscht  Dachsteinkalk.  Hiermit 
beginnt  der  lange  Dachsteinkalkzug  der  Lakkakette , der  nach 
Westen  zu  auf  den  Flyscli  der  Derwitzana-Zone  überschoben  ist. 
Zwischen  diesem  Dachsteinkalkzug  der  Lakkakette  und  den  Dach- 
steinkalken des  Vyrostales  liegen  in  einer  Längsmulde  auch  noch 
jüngere  Gesteine  der  über  dem  Dachsteinkalk  folgenden  Schichteu- 
serie.  Westlich  Zorista,  das  auf  Ilippuritenkalk  steht,  herrscht 
jedoch  keine  regelmäßige  Auflagerung,  sondern  die  Gesteine  des 
Vigläskalksystems  sind  gegen  den  Dachsteinkalk  der  Lakka- 
kette abgebrochen.  Bei  Mesowuni  erscheinen  iu  der  Bruchzone 


Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


549 


die  Posidoniengesteine  des  Doggers,  während  im  Norden  und  Nord- 
westen von  Machalas  am  jenseitigen  Muldenrand  über  dem  Dach- 
steinkalk die  ganze  Schichten serie  bis  hinauf  zum  Vigläskalk- 
system  aufgeschlossen  ist.  An  dem  letzteren  Aufschluß  ruhen 
über  dem  nordwestlich  Machalas  (jenseits  der  Schlucht)  anstehenden, 
30°  westlich  fallenden  Dachsteinkalk  dünngeschichtete  Hornsteine 
(schwarz)  und  graue  bis  gelbe  Kalkschiefer  bezw7.  dünne  Kalk- 
lagen mit  Posidonia  Bronni  Yoltz.  Darüber  liegen  hellgraue  meist 
knollige  Kalke  und  hierüber  der  Posidonien-Hornsteinkomplex  des 
Doggers  (unten  mit  P.  Buclii  und  P.  alpina). 

Über  jenem  Hornsteinkomplex  folgen  dann  die  Gesteine  des 
Yigläskalksystems , in  denen  zwischen  Mesowuni  und  Machalas 
Aptychen  (Aptychus  lamellosus)  und  nicht  näher  bestimmbare 
Ammonitenabdrücke  beobachtet  wurden. 

Bei  Machalas  (Machalas  tu  Muskiotitza)  selbst  zeigt  sich  wieder 
ein  scharf  ausgeprägter  Bruch  zwischen  dem  Dachsteinkalk  und 
dem  gegen  das  Vyrostal  zu  herabgebrochenen  Yigläskalk,  der  sich 
bis  Muskiotitza  und  weiter  nach  Süden  zu  verfolgen  ließ.  Auf  den 
Höhen  zwischen  Machalas  und  Muskiotitza  erscheinen  in  der  Bruch- 
zone neuerdings  diePosidonienhornsteine  des  Doggers  und  unten  in  der 
Schlucht  südlich  Muskiotitza  die  gelblichen  Knollenkalke  des  Unter- 
doggers mit  Ammoniten  ( Hammatoceras  sp.,  Erycites  cf.  gonionotusBEs.). 
Darunter  finden  sich  auch  noch  Beste  von  gelbem  oberliassischem 
Knollenkalk  mit  Hildoceras  Mercati  Hauer  und  Pliylloceras  sp. 

Das  leztere  Yorkommen  liegt  kurz  vor  Einmündung  einer 
von  Süden  von  H.  Apostolos  herabkommenden  Talschlucht.  Den 
Osthang  dieses  Tales  von  H.  Apostolos  , das  in  der  Fortsetzung 
der  bereits  erwähnten  Verwerfung  liegt,  begleitet  ein  großartiger, 
weit  ausgedehnter  Aufschluß  des  Oberlias  und  Doggers. 

Über  dem  Mittellias  in  der  Fazies  des  Dachsteinkalkes  folgen 
hier  gegenüber  H.  Apostolos  rote  Tone,  Mergel  und  plattige  Knollen- 
kalke, die  die  schon  öfters  zitierte  reiche  Ammonitenfauna  des 
Oberlias  und  Posidonia  Bronni  Yoltz  führen  und  hierüber  graue 
geschichtete  Kalke  des  Doggers.  Die  roten  Oberliasbildungen 
streichen  als  scharf  hervortretendes  Band  den  Hängen  entlang  und 
ziehen  weiter  nach  Süden , nach  Kttkles  (Vyrosgebiet).  An  der 
anderen  Seite  des  Bergzuges  treten  dieselben  Bildungen  in  gleicher 
Weise  an  den  Hängen  des  Vyrostales  hervor. 

Im  Westen  dieser  Zone  besteht  die  ganze  Lakkakette  aus 
Dachsteinkalk. 

Südlich  von  Derwitzana  taucht  zwischen  der  Lakkakette 
und  den  Kalkbergen  von  Suli  in  der  breiten  Flysclizone  von 
Derwitzana  nochmals  ein  Ivalkzug  empor,  die  Kalkkette  von 
Lelowrn,  die  sich  als  sekundäre  Falte  aus  dem  Flyschland  herauf- 
wölbt. Zwischen  Papadates,  Ivrania  und  Ano-Ivotzanopulo  bildet 
dieser  Kalkzug  eine  einfache  Aufwölbung.  Unter  dem  Flysch 


550 


C.  Renz,  Geologische  Untersuchungen  in  Epirus. 


erscheinen  zunächst  Nummulitenkalke,  hierunter  Rudistenkalke  (bei 
Krania)  und  als  Kern  schließlich  die  Gesteine  des  Vigläskalk-systems. 
Im  Süden  schneiden  diese  Bildungen  gegen  die  Dachsteinkalke  des 
Berges  von  Luros  ab.  BeiKanzas  wurde  über  den  letzteren  Dachstein- 
kalken noch  ein  Rest  der  roten  Knollenkalke  des  Oberlias  beobachtet. 

Im  Korden  des  Kalkzuges  von  Lelowo  scheinen  die  Lagerungs- 
verhältnisse nicht  ganz  so  einfach  zu  sein,  ebenso  ist  auch  zwischen 
Ano-  und  Ivato-Kotzanopulo  der  Westflügel  der  beschriebenen  Falte 
eingebrochen,  wodurch  am  Ostrande  des  Talbeckens  von  Kotzano- 
pulo  die  Gesteine  des  Kernes  (gelbe  Hornsteine)  bloßgelegt  werden. 

An  die  eben  beschriebenen  Gebirgszüge  schließt  sich  im 
Süden  bis  zum  Ambrakischen  Golf  eine  weite  Ebene  an,  an  deren 
Rande  die  Ortschaften  Arta,  Philippiada  und  Luros  liegen.  Aus 
dieser  Ebene  erheben  sich  inselartig  noch  einige  Kalkberge,  so 
ein  größerer  N — S orientierter  Kalkzug  im  Korden  von  Salachora. 
Es  handelt  sich  wohl  auch  hier  um  Dachsteinkalk ; sicher  ist  diese 
Bestimmung  für  die  Kalkzunge  des  Kaps  Skaphi  im  Osten  von 
Prewesa.  Bei  Kikopolis  und  nördlich  hiervon  tritt  Keogen  auf. 

Zusammenfassung. 

Am  Aufbau  des  südlichen  Epirus  beteiligen  sich  die  Ge- 
steine sämtlicher  Formationen  von  der  Obertrias  bis  hinauf  zum 
eocän-oligocänen  Flysch.  Die  Schichtenfolge  geht  lückenlos  von 
der  Obertrias  ab  durch.  Der  Flysch  durchzieht  das  Gebiet  in 
drei  Längszonen , deren  Streichrichtung  mit  dem  orograpliischen 
Streichen  und  der  westlichen  Küstenlinie  im  großen  und  ganzen 
zusammenfällt.  Von  Westen  nach  Osten  sind  die  folgenden  drei 
Flyschzonen  zu  beobachteu : 

1.  die  Zone  von  Margariti. 

2.  die  Zone  von  Paramythia, 

3.  die  Zone  von  Derwitzana. 

Die  beiden  ersteren  Zonen  sind  durch  Schwemmlandsebenen 

(Karnpi)  unterbrochen;  die  letztere  spaltet  sich  in  ihrem  südlichen 
Teil  durch  Aufwölbung  einer  sekundären  Zwischenkette  (Kalkzug 
von  Lelowo)  in  zwei  Arme. 

Zwischen  den  Flyschzonen  streichen  vier,  im  allgemeinen  par- 
allel verlaufende  Kalkketten  hindurch.  An  ihrem  Aufbau  nehmen 
die  unter  dem  Flysch  lagernden  älteren  Gesteine  der  konkordanten 
Schichtenfolge  bis  hinunter  zur  Obertrias  teil.  Es  handelt  sich  in 
der  Hauptsache  um  Kalke,  nur  im  Jura  erlangen  auch  Kiesel-  und 
Schiefergesteine,  wie  oberliassische  Posidonienschiefer  und  Posidonieu- 
hornsteine  des  oberen  Doggers,  eine  größere  Verbreitung. 

Die  Kalkketten  bilden  nach  Westen  übergelegte  Falten,  d.  h. 
die  Flyschzonen  werden  an  ihren  Osträndern  in  der  Regel  von  den 
älteren  Gesteinen  überfaltet,  vielfach  aber  auch  von  den  im  Kern 
der  Falten  liegenden  Gesteinen  überschoben. 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis  etc. 


551 


Die  Gebirge  des  südlichen  Epirus  setzen  daher  die  akarna- 
nischen  Gebirge  gleichartig  fort  und  bilden  das  Zwischenglied 
zwischen  den  akarnanischen  Gebirgen  und  den  Gebirgszügen  des 
nördlichen  Epirus  und  südwestlichen  Albaniens,  die  bis  hinauf  zur 
Bucht  von  Valona  den  gleichen  Bau  und  die  gleiche  Zusammen- 
setzung aufweisen. 

In  der  vorliegenden  vorläufigen  Mitteilung  konnten  selbst- 
redend nur  die  geologischen  Ergebnisse  in  knappster  Form  zur 
Sprache  gebracht  werden.  Meine  Reise  hat  jedoch  auch  zahl- 
reiche wichtige  geographische  Resultate  geliefert.  Die  bisherigen 
geographischen  Karten  geben  von  manchen  Gebieten  ein  höchst 
ungenaues  Bild. 

Diese  Mängel  haben  aber  ihren  natürlichen  Grund  in  der 
Unzugänglichkeit  und  Unsicherheit  des  Landes  zur  Zeit  der  Türken- 
wirtschaft. In  dieser  Hinsicht  verdienen  die  Leistungen  der  Griechen 
seit  der  kurzen  Zeit  der  Besitzergreifung  des  Landes  nur  un- 
eingeschränktes Lob.  Auch  sonst  ist  schon  viel  zur  Hebung  der 
Kultur  des  total  verwahrlosten  Landes  geschehen.  Ich  werde  in 
meiner  Hauptarbeit  noch  ausführlich  hierauf  zurückkommen  und 
darf  mir  wohl  ein  Urteil  ei’lauben,  da  ich  Teile  des  Landes  auch 
schon  zur  Türkenzeit  bereist  habe. 

Ich  habe  während  meines  diesmaligen  vierwöchentlichen 
Aufenthaltes  in  Epirus  jedenfalls  die  Überzeugung  gewonnen,  daß 
es  den  Griechen  durch  ihr  tatkräftiges  und  humanes  Verhalten  in 
verhältnismäßig  kurzer  Zeit  gelingen  dürfte,  in  den  ihnen  zu- 
fallenden neuen  Gebieten  geordnete  und  friedliche  Zustände  herbei- 
zuführen. Es  wäre  daher  im  Interesse  des  Kulturfortschrittes  auf 
der  Balkanhalbinsel  höchst  wünschenswert,  wenn  Griechenland  die 
im  wesentlichen  von  Griechen  bewohnten  Teile  von  Epirus  und 
Albanien,  d.  h.  das  Gebiet  bis  hinauf  nach  Valona,  erhalten  würde. 

Athen,  den  5.  Juli  1913. 


Beiträge  zur  Kenntnis  des  oberen  Hauptmuschelkalks  in 
Elsass-Lothringen. 

Von  Georg  Wagner  aus  Kiinzelsau  (Württemberg). 

Mit  einer  Kartenskizze. 

Die  hier  vorliegenden  Untersuchungen  sind  das  Ergebnis  einer 
Reihe  von  geologischen  Wanderungen,  die  ich  im  Frühjahr  1913 
unter  der  vorzüglichen  Führung  von  Herrn  Prof.  Dr.  E.  W.  Benecke 
jenseits  des  Rheines  ausführen  konnte.  Für  alle  Freundlichkeit 
und  Güte,  die  ich  dabei  von  ihm  erfahren  durfte,  für  die  wissen- 
schaftliche Förderung  der  Untersuchungen  sei  ihm  auch  an  dieser 
Stelle  herzlicher  Dank  gesagt. 


552 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis 


Der  Mangel  an  guten  Aufschlüssen  erschwert  geologische  Unter- 
suchungen in  Lothringen  außerordentlich.  Die  alten  Aufschlüsse 
sind  meist  zerfallen  oder  unzulänglich.  Dazu  werden  neue  Stein- 
briiche  in  den  höheren  Schichten  nur  selten  angelegt,  da  der 
Trochitenkalk  besseres  Gestein  liefert.  Und  in  der  flachwelligen 
lothringischen  Hochebene  haben  die  Bäche  selten  so  tiefe  Furchen 


w&mmkm  Verbreitung  des  „Trigonodus- Dolomits“.  Die  Rekonstruktion  erstreckt 
sich  auf  die  jetzt  der  Abtragung  zum  Opfer  gefallenen  Gebiete. 

Auskeilen  und  Verschwinden  des  Tn'</o«odus-Dolomits. 

'£%%%%  Verbreitung  der  normalen  Ausbildung  des  Muschelkalks;  nachgewiesen. 


Dieselbe,  rekonstruiert  bezw.  angenommen. 
f Festland  während  der  ganzen  Muschelkalkzeit. 

Mächtigkeitskurven  der  Fränkischen  Grenzschichten  (0  m und  2 m).  Die 

0 m-Kurve  ist  Küstenlinie  nach  der  Zeit  der  oberen  Terebratelbank. 
• ■ • Sphärocodien. 


des  oberen  Hauptmuschelkalks  in  Elsaß-Lothringen. 


553 


gerissen,  daß  man  dort  geologische  Studien  treiben  könnte.  So 
war  die  Untersuchung  des  lothringischen  Muschelkalks  mit  den 
größten  Schwierigkeiten  verknüpft.  Ob  es  später  möglich  sein 
wird,  auf  französischem  Boden  die  Untersuchungen  fortzusetzen, 
um  die  Frage  alter  Meereszusammenhänge  zu  klären?  Zur  Zeit 
sehe  ich  für  einen  Deutschen  kaum  eine  Möglichkeit,  drüben  un- 
gestört geologisch  zu  arbeiten. 

Die  normale  Ausbildung  des  Muschelkalks  treffen  wir 
im  Gebiet  der  Saar,  auf  Blatt  Bohrbach,  Saargemünd — Falkenberg. 
Wahrscheinlich  erstreckt  sie  sicli  weiter  nach  Süden  bis  in  die 
Gegend  von  Luneville  und  vielleicht  über  das  obere  Moseltal 
gegen  das  Rhönegebiet.  Es  ist  unsere  Kochendorfer  Fazies  oder 
fast  die  Tonfazies  des  Beckeninnern,  wie  wir  sie  im  nordöstlichen 
Baden  (Bauland — Würzburg)  finden. 

Nach  Westen  bezw.  Nordosten,  im  Gebiet  der  Nied  (Blatt 
Remillv,  Busendorf,  Groß-Hemmersdorf)  setzen  in  den  unteren 
Terebratelschichten  Dolomite  ein.  Dieses  westliche  Dolomit- 
gebiet scheint  im  Zusammenhang  mit  dem  Ardennenfestland  zu 
stehen.  Auf  Blatt  Groß-Hemmersdorf  (Filsdorf)  macht  sich  schon 
die  küstennahe  Ausbildung  geltend.  Wie  bei  Crailsheim  treten  hier 
mit  schwarzen  Körnern  und  Fetzen  erfüllte  Kalke,  „Küsten- 
kalke“, auf. 

Der  Kalk-  und  Dolomitfazies  bei  uns  entspricht  ein  südöst- 
liches Kalk-  und  Dolomitgebiet  im  Elsaß.  Wahrschein- 
lich fällt  Blatt  Niederbronn  schon  ins  Kalkgebiet.  Sicher  sind  die 
Bairdientone  in  Kalk  übergegangen  auf  Blatt  Zabern,  Wasselnheim 
und  Molsheim.  Auf  Blatt  Wasselnheim  setzt  unser  Trigonodus- 
Dolomit  ein  (genau  wie  im  Enztal),  und  auf  Blatt  Molsheim  (Sulz- 
bach) gelangt  er  mehr  und  mehr  zur  Herrschaft. 

Die  Übereinstimmung  mit  dem  fränkischen  Muschelkalk  ist 
eine  außerordentlich  große,  petrographisch  wie  faunistisch.  Zu 
jeder  Ausbildung  läßt  sich  bei  uns  eine  ihr  ganz  entsprechende 
finden.  Die  Parallelen  verlaufen  wie  bei  uns  im  allgemeinen 
SW — NO  bis  WSW — ONO.  Senkrecht  dazu  ist  der  Wechsel  oft 
sehr  rasch.  Der  Muschelkalk  des  Elsasses  gleicht  mehr  dem 
Schwabens,  der  von  Lothringen  dem  fränkischen  und  wahrschein- 
lich auch  dem  norddeutschen.  Macht  sich  bei  uns  der  Einfluß  des 
vindelicischen  Gebirges  (Ries)  geltend,  so  ist  es  drüben  der  des 
Ardennenfestlandes. 

Semiparfifws-Schichten. 

Als  untere  Grenze  der  Semfparfffws-Schichten  wähle  ich  die 
Hauptterebratelbank;  denn  diese  ist  ein  Teilstrich  der  Skala,  der 
sich  fast  überall  erkennen  läßt.  Man  könnte  die  Abgrenzung  auch 
über  der  Bank  der  kleinen  Terebrateln  vornehmen , aber  diese 
Grenze  aufzufinden  ist  in  Aufschlüssen  manchmal  sehr  schwierier. 


554 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis 


„Lettenkohle“  1. 


Elsaß-Lothringen . 


Normal- 


„Dolomitische  Region“: 

„Mergel  mit  meist  dünnen  Kalk-  und  Dolomitbänken“.  Myophorin 
Goldfussi,  Anoplophora,  Fischreste;  bei  Falkenberg  unten  1 m 
graugelbe  Mergel. 


( 

1,9 — 2,6m „Trigonodus-Jiegion“,  oben  Bonebed,  Glaukonit; 

Myophoria  Goldfussi,  Trigonodus  Sandbergeri,  Myophorin 
vulgaris-,  wellige  Kalke,  Septarien,  gelbe  Mergel. 


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1,8 — 2 m „Schiefrige  Mergel  und  blättrige  Tone  mit 
dünnen  Kalk- u.  Dolomitbänkchen“ ; oben  mit  Myophoria  pes 
anseris,  unter  der  Mitte  graugrüne  Tone  mit  weißen  Schalen 
von  Bairdia  pirus,  unten  wellige  Kalklagen,  Splitterkalk 
mit  Anornia,  Bonebed  und  Aufwülilung  des  Untergrunds; 
zu  unterst  Mergellager.  Ceratites  semipartitus. 

Nach  Südosten  (Zabern— Sulzbach — Wasselnheim)  in 
Kalk  übergehend. 


„Muschelkalk.“ 

( 0,4  m Obere  Terebratelbank  (O.T.),  oben  am  reichsten. 

Terebrateln,  Gervillien,  Terquemia,  Austern,  Myalina.  Bald 
die  eine,  bald  die  andere  Art  mehr  hervortretend.  Nach 
Südosten  immer  undeutlicher.  Ceratites  semipartitus. 


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0,5  m Graugrüne  Mergelschiefer  (G  1),  nach  Süden  kalkig. 

1 m Wulst-  und  Splitterkalk,  Gervillia,  Ceratites  dorsoplanus. 
Bei  Wasselnheim  oben  Sphärocodien. 

Unten  Dolomit  ein  setzend. 


ca.  1 m Graugelbe  Mergel  (G  II),  kein  Kalk;  nach  Südosten  Kalk 
und  Dolomit. 


2,8  m „Untere  Terebratel  bank“,  und  zwar 

1 — 1,3  m Splitterkalk  mit  Terebrateln,  nach  Südosten  Dolo- 
mit mit  Myophoria  Goldfussi ; Terebratel- 
dolomite von  Kürzel  und  Vaucremont. 


0—0,7  m Gelbe  Mergel-Kiesbank,  lokal  zwischen  den  Tere- 
bratelbänken auskeilend. 


1 — 1,5m  Hauptterebratelbank,  sehr  reich,  nach 
Süden  und  Westen  oben  Dolomit. 


4 — 6 m Oberer  Gervillien  kalk  („untere  Semipartitus- 
Schichten“):  Mergel,  Gervillien-Platten,  Mytilus- Platten, 
Platten  mit  Myophoria  Goldfussi.  Nach  Siidosten  mit 
Dolomit  verzahnt.  Oben,  unter  der  Mitte  und  unten 
leitende  Mergellagen  M I,  M II,  MIH  (vergl.  Wasselnheim). 

ca.  4 m (-|- ?)  Unterer  Gervillienkalk:  Bank  der 
kleinen  Terebrateln  mit  Myophoria  Goldfussi, 
Myaciten,  Gervillien,  Lima , Pseudomonotis ; Sphärocodien. 
Darunter  Gervillienbänke  (Hebräer).  Mergel.  Kleine  Cera- 
titen. 

1 Die  bisherigen  Schichtenbenennungen  durch  die  elsaß-lothringische  Landes- 
anstalt sind  auf  dieser  Seite  durch  „ — “ hervorgehoben. 


•Schicht« 


des  oberen  Hauptmuschelkalks  in  Elsaß-Lothringen. 


555 


profil. 


Franken  und  Schwaben. 


Untere  Lettenkohle. 

Untere  Dolomite , dolomitische  Mergelschiefer  und  Blaubank  mit 
Myophoria  Goklfussi,  Anoplophora,  Bonebedlagen,  unten  1 m 
dunkle  Schiefertone-Vitriolschiefer. 


Muschelkalk. 

( 1,8 — 3,4  m Glaukonit  kalk,  oben  Grenzbonebed.  Glaukonit, 

Myophoria  Goldfussi,  Trigonodus  Sandbergeri,  Myo- 
S _ phoria  vulgaris.  Gekrösekalke,  Septarien,  gelbe  Mergel. 


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1,6 — 2,6m  Bairdienton,  unter  der  Mitte  Hauptlager  von 
Bairdia  pirus  (weiße  Schälchen);  Estheria  minuta. 
Unten  »laufende  Schicht“,  wellige  Kalklagen  und 
-Knollen,  Splitterkalk  mitMyaciten,  Lingida,  Bonebed, 
Aufwiihlung.  Zu  unterst  Mergellage.  Geratites  semi- 
partitus. 

Nach  Süden  und  Südosten  in  Kalk  übergehend,  dann 
mit  Myophoria  pes  anseris. 


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+2 

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H 

B 


0,5 — 1,2  m 0 b e re  Terebratelbank  = O.T.,  „Pelz“,  knauerig- 
knorriger  Kalk,  Terebrateln,  Gervillien,  Terqiiemia. 
Beeten,  Austern,  Myaciten;  Lima  und  Myalina  seltener. 
Bald  die  eine,  bald  die  andere  Art  mehr  hervortretend. 
Im  Süden  schwerer  zu  erkennen.  Unten  Sphärocodien. 

0-0,3  m „Gelbe  Bank“  = Gl  = gelber  Mergelkalk. 

0,4 — 1,1m  Splitterkalk  mit  Terebrateln,  Trigonodus,  Glaukonit; 
Sphärocodien,  Oolith,  Glaukonit. 

Unten  Dolomit  [Trigonodus- Dolomit)  einsetzen  d 

0,1 — 0,3  in  Gelbe  Bank  = GII,  gelber  Mergel  oder  dunkler  Schiefer- 
ton ; im  Süden  Dolomit. 


0,6 — 1 m 


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C<f 


Blaukalke,  unten  mergelig-dolomitisch,  Terebrateln. 
Im  Süden  Dolomit. 


0,3  — 0,8m  Kiesbank  (K.),  oben  gelbe  Mergel,  unten  dunkler 
Schieferton.  Terebrateln.  Ceratiten. 


0,3 — 1,5  m Hauptterebratel  bank  = H.T.,  nach  Süden 
Dolomit.  Petrographisch  und  faunistisch  wie  jenseits 
des  Kheins. 


4 — 8m  Oberer  Gervillienkalk.  Mergel  und  Kalk 
bänke  mit  viel  Gervillia  socialis.  3 leitende  Mergel 
bezw.  Schiefertonlagen : MI,  MII  und  M III.  Nach 
Südosten  mit  Dolomit  seitlich  verzahnt. 


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o 


ci 


3,4—6  m Untere  Gervillienkalk.  Obere  Bank 
der  kleinen  Terebrateln.  Gervillien,  Myo- 
phoria Goldfussi,  Myaciten,  Lima,  Austern, 
Pseudomonotis , Schnecken , Sphärocodien  und 
Oolith.  Kleine  Ceratiten.  Darunter  Gervillienbänke 
(Hebräer)  und  3 Tonlagen  (Tonhorizont),  die  nach 
Süden  mehr  zurücktreten. 


556 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis 


im  Gelände  fast  unmöglich.  Wir  erhalten  somit  für  die  Semipartitus- 
Schi eilten  eine  Mächtigkeit  von  7 — 9 m.  Davon  entfallen  3^ — m 
auf  die  Fränkischen  Grenzschichten,  die  nach  Süden  abnehuien  und 
bei  Wasselnheim  noch  1 — 2 m dick  sind.  Die  Terebratelschichten 
schwellen  überall  da  an,  wo  einheitliche  Kalk-  oder  Dolomitbänke 
auftreten.  Wo  Mergel  und  Tone  mit  dünnen  Kalkbänken  wechsel- 
lagern, sind  die  Mächtigkeiten  im  Muschelkalk  wesentlich  geringeren 
Schwankungen  unterworfen. 

Die  Fränkischen  Grenzschichten  zeigen  wie  bei  uns  eine 
doppelte  Ausbildung,  tonig  und  kalkig;  Bairdienton  im  Saargebiet, 
Kalk  im  Elsaß.  Dies  gilt  für  die  Semtparft'fws-Schichten  überhaupt, 
beständiger  Wechsel  von  Ton  und  Kalk , reich  an  Ceratiten  in 
Lothringen,  massig-kalkige  oder  -dolomitische  Ausbildung  im  Elsaß 
(bei  Zabern  eine  etwa  8 — 9 m hohe  Kalkwand).  Auf  Blatt  Nieder- 
bronn sind  die  unteren  Teile  noch  mehr  tonreich,  die  Grenzschichten 
dagegen  sind  kalkig  (Bühl  bei  Oberbronn),  unseren  fränkischen 
außerordentlich  ähnlich.  Das  Grenzbonebed  („Fischschuppenbank“) 
führt  Glaukonit,  einige  Kalkbänke  des  Glaukonitkalks  zeigen 
Fluidalstruktur ; wellige  Kalkbänke  erinnern  an  die  Gekrösekalke, 
und  im  Eisenbahneinschnitt  bei  Bellevue  (Rohrbach)  findet  man 
auch  große  Septarien.  Myophoria  Goldfussi  (Oberbronn  und  Zabern) 
und  Trigonodus  Sandbergeri  (Zabern)  vervollständigen  die  Parallele. 
Ob  der  Kalk  von  Silbernachen  (Calcaire  de  Servigny)  dem  Glau- 
konitkalk entspricht,  läßt  sich  mit  Sicherheit  noch  nicht  entscheiden, 
da  sein  Liegendes  nicht  erschlossen  ist  und  Vergleichsprofile  fehlen. 
Petrographisch  läßt  er  sich  von  den  „Kristallkalken“  im  fränkischen 
Glaukonitkalk  (Kupferzell)  nicht  unterscheiden  (Bexecke).  Der 
Bairdienton  zeigt  weitgehende  Übereinstimmung  mit  unserer 
Kochendorfer  Fazies.  An  der  Gehlbacher  Mühle  bei  Saargemünd 
und  in  den  kleinen  Steinbrüchen  ONO  vom  Bahnhof  Falkenberg 
besteht  er  aus  graugrünen  bis  gelbgrünen  Mergelschiefern,  in  denen 
unter  der  Mitte  — genau  in  gleicher  Höhe  wie  diesseits  des 
Rheins  — Lagen  mit  weißen  Schälchen  oder  Schüppchen  auftreten, 
die  nie  größer  sind  als  die  Schalen  von  Bairdia  pinis  und  von 
denen  eine  größere  Anzahl  genau  die  Formen  von  Bairdien  zeigt. 
Die  meisten  Schalen  sind  in  dem  kurzbrüchigen,  oft  schmierigen 
Material  allerdings  zerdrückt,  so  daß  sich  beim  Schlämmen,  wie  mir 
Herr  Prof.  Bexecke  mitteilte,  keine  Bairdien  nachweisen  ließen. 

Die  Terebratelschichten  beginnen  mit  der  oberen  Tere- 
bratelbank, die  besonders  typisch  und  fossilreich  bei  Falken- 
berg entwickelt  ist.  Wie  in  Franken  fand  ich  sie  auch  hier  stets 
rein  kalkig.  Eine  dolomitische  Ausbildung  wird  zwar  von  Saar- 
gemünd  beschrieben;  mindestens  wäre  sie  anormal  und  rein  lokal, 
auf  sekundäre  Umwandlung  zurückzuführen.  Die  auffallende  Mächtig- 
keitsabnahme der  Terebratelschichten  in  dem  Profil  von  der  Gehl- 
bacher Mühle  (vax  Werveke)  wird  wohl  darauf  zurückzuführen 


des  oberen  Hauptmuschelkalks  in  Elsaß-Lothringen. 


557 


sein,  daß  die  unterste  Bank  noch  nicht  die  Hauptterebratelbank  ist. 
Im  Gebiet  der  französischen  Nied  bei  Kürzel,  Peplingen,  Vaucre- 
mont  werden  die  zwischen  G II  und  K liegenden  Bänke  dolomitisch, 
ein  reicher  gelber  Terebrateldolomit,  bei  Yaucremont  auch  die  Lagen 
zwischen  G I und  G II.  Im  Elsaß  dagegen  treten  nach  Süden  die 
Mergellager  sehr  zurück;  obere  Terebratelbank  und  Spliäro- 
codienkalk  sind  noch  rein  kalkig,  während  der  übrige  Teil  der 
Terebratelschichten  nach  Süden  ein  einheitlicher  Dolomit  wird,  der 
besonders  Myophoria  Goldfussi  führt.  Die  ,, Kiesbank"  kann  ver- 
schwinden, auskeilen,  wo  der  Charakter  der  Schichten  mehr  riff- 
artig wird , wie  z.  B.  auch  bei  Krensheim  in  Bayern , wo  alle 
Mergellagen  am  Terebratelriff  auskeilen. 

Hauptterebratelbank  (H.T.). 

Die  Hauptterebratelbank  ist  jenseits  des  Rheines  durchschnitt- 
lich mächtiger  als  diesseits,  meistens  über  1 m.  Überall  ließ  sie 
sich  nachweisen,  sie  ist  daher  ein  vorzüglicher  Leithorizont ; petro- 
graphisch  läßt  sie  sich  von  der  fränkischen  ebensowenig  unter- 
scheiden wie  faunistisch.  Bei  Aidlingen  enthält  sie  oben  dolomitische 
Terebratelsteinkerne;  auch  bei  Wasselnheim  ist  sie  oben  dolomitisch, 
und  bei  Sulzbad  ist  sie  ein  massiger  Dolomit  mit  Schrägstruktur 
und  nur  ganz  nuten  noch  kalkig. 

Gervillienkalk. 

Die  untere  Grenze  des  Gervillienkalks  läßt  sich  nicht  scharf 
ziehen;  man  kann  darüber  streiten.  Dagegen  liefert  die  Bank 
der  kleinen  Terebrateln  eine  gute  Trennungslinie.  Bei 
Aidlingen  liegt  sie  sehr  reich  an  kleinen  Terebrateln  etwa  4 m 
unter  der  Hauptterebratelbank;  am  Ruhlinger  Bacli  bei  Wölfer- 
dingen findet  man  in  ihrem  Niveau  Platten  mit  kleinen  Pecten  und 
Myophoria  Goldfussi ; sehr  wertvoll  ist  sie  bei  Wasselnheim  — 
Zeinsheim — Küttolzlieim,  wo  sie  Myophoria  Goldfussi,  Pseudomonotis 
(Pedcu)  Alberti,  Lima , Gervillia  socialis  führt,  dazu  noch  Sphäro- 
codien,  allerdings  in  Kümmerformen.  Hier  liegt  sie  5,8  m unter 
der  Hanptterebratelbank,  und  3 bezw.  4 Mergelbänke  teilen  hier 
den  oberen  Gervillienkalk  ein.  Die  oberste  verschwindet  allerdings 
schon  bei  Sulzbad,  wo  1 m Muschelquader  dicht  unter  der  Haupt- 
terebratelbank folgen.  Hier  ist  auch  der  Gervillienkalk  reich  au 
Dolomit,  der  bei  Wasselnheim  in  diesem  Niveau  sehr  zurücktritt. 
Ziemlich  durchgehend  lassen  sich  in  Lothringen  Gervillienbänke 
(1  m unter  H.T.)  und  Mytilus- Bänke  (U-  — 2 m unter  H.T.)  nach- 
weisen. Gervillien  sind  ja  überhaupt  im  Gervillienkalk  häufig,  und 
Bänke  mit  ihren  weißen  Schalenquerschnitten  nennt  man  Hebräer. 
Oben  bedecken  sie  jedoch  ganze  Schichtflächen.  Die  Mytilus- 
Platten  stehen  sehr  schön  an  bei  Aidlingen,  Falkenberg  und 
Wölferdingen.  Sie  führen  Mytilus  ( Myalina ) eduliformis,  Gervillia 
socialis,  substriata,  subcostata,  Terqiiemia , Myoconcha  gastrochaena 


558 


C.  Leiss, 


und  vor  allem  die  kleine  Auster  Ostrea  sessilis.  Bei  Wölferdingen 
tritt  im  Ruhlinger  Bach,  10 — 10^  m unter  H.  T.,  eine  reiche  Pectcn- 
Bank  heraus , die  Ceratites  nodosus  führt.  Pecten  laevigatus  tritt 
sonst  gegen  Franken  sehr  zurück. 

Nördlich  von  Busendorf  hei  Filsdorf  (N)  liefert  ein  kleiner 
Aufschluß  neben  Lima , Gervillia,  Pecten  laevigatus,  Austern  und 
Ceratites  nodosus  auch  hellblaue  „Küsten kalke“  mit  Sphäro- 
codien.  Küstenkalke  nannte  icli  in  Franken  hellblaue  Kalke,  auf- 
fallend reich  an  kleinen  schwarzen  Einschlüssen,  die  z.  T.  oolith- 
artig  aussehen,  bald  sich  in  Schlieren  vereinigen,  bald  dicke  dunkle 
Lagen  bilden.  Bei  uns  sind  sie  am  häufigsten  in  nächster  Nähe 
des  Rieses,  d.  h.  im  Jagsttal  (Kirchberg — Crailsheim)  und  im  Bühler- 
tal (Sulzdorf — Bühlerthann).  Hier  dagegen  künden  sie  die  Nähe 

des  Ardennenfestlandes  an  und  führen  auch  Sphärocodien.  Eine 
genauere  Einreihung  war  noch  nicht  möglich. 

Austernriffe. 

Sehr  häufig  ist  im  lothringischen  Muschelkalk  die  kleine  Auster 
Ostrea  sessilis  ( ostracina ) oder  Anomia.  In  den  Mytilus-Pl&tten  be- 
siedelt sie  vielfach  andere  Fossilien.  In  den  Terebratelschichten 
so  gut  wie  im  Gervillienkalk  bildet  sie  manchmal  größere  Knollen, 
Austernklötze-Riffe.  Bei  Bellevue  zeigte  ein  dicker  Austernklotz 
und  in  der  Mitte  einen  Ceratiten,  der  konzentrisch  überzogen  worden 
war.  Die  Austernriffe  sind  sehr  zäh  und  finden  vorzügliche  Ver- 
wendung als  Randsteine.  Im  Taubergebiet  fand  icli  Riffe  von 
1,8  m Höhe  und  2,5  m Breite,  welche  sich  in  die  darunter  liegenden 
Schichten  eingesenkt  hatten.  Bei  Aidlingen  war  ein  Austernriff 
mindestens  6 m breit  und  2,6  m hoch.  Es  reichte  etwa  von  der 
Bank  der  kleinen  Terebrateln  bis  in  die  Mytüus-Pl&tten.  Hier 
hat  auch  Benecke  früher  ein  Einsinken  dieser  Riffe  in  den  Unter- 
grund beobachtet.  (Schluß  folgt.) 


Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 

Mineralog.  Demonstrationsmikroskop  mit  Tischrevolver. 

Von  C.  Leiss. 

(Mitteilung  aus  der  R.  Fuess’sclien  Werkstätte  in  Berlin-Steglitz.) 

Mit  2 Textfiguren. 

Die  Fig.  1 und  2 zeigen  ein  Demonstrationsmikroskop,  welches 
gestattet,  den  Studierenden  in  rascher  Folge  6 Präparate  im  polari- 
sierten Licht  vorzuführen.  Auf  die  Drehbarkeit  der  einzelnen 
Präparate  wurde  bei  der  Konstruktion  dieses  kleinen  Instrumentes 
verzichtet.  Dagegen  ist  der  als  Revolverscheibe  ausgebildete  Objekt- 
tisch so  groß  gewählt,  daß  jedes  einzelne  der  6 Präparate  im 
Format  28X18  m/m  nicht  nur  innerhalb  der  erforderlichen  Grenzen 


Mineralogisches  Demonstrationsmikroskop  mit  Tischrevolver.  559 


560  C.  Leiss.  Mineralogisches  Demonstrationsnnkroskop  etc. 


in  der  Ebene  verschoben,  sondern  auch  durch  freihändige  Drehung 
in  jene  Lage  gebracht  werden  kann,  welche  erforderlich  ist,  um 
an  jedem  Präparat  den  Studierenden  diejenigen  Erscheinungen  zu 
zeigen,  auf  die  es  jeweilig  ankommt.  Der  Dozent  ist  also  mit 
Hilfe  eines  solch  kleinen  Instrumentes  imstande,  z.  B.  an  6 Dünn- 
schliffen , die  einmal  auf  der  Tischscheibe  befestigt  sind,  immer 
wieder  bestimmte  charakteristische  Erscheinungen  zu  zeigen.  Der 
Ort  für  jedes  einzelne  der  6 Präparate  ist  auf  dem  Band  der 
Revolverscheibe  durch  eine  Nummer  (1—6)  deutlich  gekennzeichnet; 
außerdem  ist  auf  der  Revolverscheibe  reichlich  Platz  vorhanden, 
um  durch  aufgeklebte  Zettel  eine  Erläuterung  der  einzelnen  Objekte 
zu  geben. 

Der  Rand  der  Revolverscheibe  ist  zum  bequemen  Drehen  der 
Scheibe  grob  gezahnt.  Ein  unterhalb  der  Scheibe  wirkender 
federnder  Stift  s sorgt  ähnlich  wie  bei  einem  Objektivrevolver  für 
eine  bestimmte  Lage  jedes  einzelnen  Präparates  nach  Einschaltung 
desselben  in  den  Strahlengang  des  Mikroskops.  Zum  Festhalten 
der  Präparate  dienen  die  üblichen  Federklemmen,  für  welche  eine 
große  Anzahl  von  Löchern  in  der  Revolverscheibe  vorgesehen  sind, 
so  daß  man  je  nach  der  Lage  des  Präparates  die  Federklemmen 
an  den  verschiedensten  Stellen  in  die  Scheibe  einstecken  kann. 

Für  die  konoskopisclie  Beobachtung  ist  auch  bei 
diesem  Demoustrationsmikroskop  durch  eine  außerordentlich  bequem 
zu  handhabende  Vorrichtung  gesorgt.  Mit  Hilfe  dieser  ist  es 
möglich,  rasch  von  der  orthoskopischen  zur  konoskopischeu  Be- 
obachtung überzugehen.  Soll  für  die  konoskopisclie  Beobachtung 
die  Linse  c für  konvergentes  Licht  in  den  Strahleugaug  eingeschaltet 
werden,  so  ist  weiter  nichts  nötig,  als  mit  Hilfe  des  kleinen 
Hebels  h eine  kurze  drehende  Bewegung  nach  rechts  zu  machen, 
worauf  sofort  der  Träger  der  Kondensorlinse  c gegen  die  untere 
Fläche  der  Revolverscheibe  gedrückt  und  beim  Passieren  eiuer  der 
6 Durchblicksöffnuugen  des  Tisches  sofort  in  die  Gebrauchsstellung 
einschnappt.  Wird  nun  die  Revolverscheibe  mit  den  Präparaten 
weitergedreht,  so  senkt  sich  die  Kondensorlinse  automatisch  nach 
unten,  um  bei  der  nächstfolgenden  Durchblicksöffnung  sofort  wieder 
automatisch  in  die  Gebrauchsstelluug  einzurücken.  Wird  die  Linse 
für  konvergentes  Licht  nicht  gebraucht,  dann  hat  man  weiter 
nichts  zu  tun,  als  an  dem  kleinen  Hebel  /<  die  Liusenfassung  nach 
unten  zu  drücken  und  gleichzeitig  eine  drehende  Bewegung  nach 
links  zu  machen,  worauf  die  Linse  sich  außer  Gebrauchsstellung 
befindet  und  arretiert  ist. 

Ein  den  hinteren  Teil  der  Revolverscheibe  umgebender  Rand 
schützt  die  Präparate  gegen  ein  unwillkürliches  Verschieben  durch 
die  Beobachter. 

Der  Tubus  ist  durch  Zahn  und  Trieb  einstellbar.  Als  Analy- 
sator dient  ein  im  Tubus  untergebrachtes  aus-  und  einschaltbares 
Nicol  mit  senkrechten  Endflächen  nach  Glan -Thomson. 


E.  Meyer,  Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen  etc. 


561 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 


Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen  im  Samland  und 
im  Fläming  l. 

Von  Erich  Meyer. 

In  seinem  Aufsatz  „Über  die  Diskordanz  der  Geschiebemergel- 
ablagerungen Norddeutschlands2“  zieht  Tornquist  meine  Arbeits- 
gebiete im  Samland  und  Fläming  als  Beispiel  heran  und  gibt  mir 
so  Gelegenheit , mich  auch  meinerseits  zu  diesem  interessanten 
Problem  zu  äußern. 

Tornquist  s Ausführungen  leuken  in  dankenswerter  Weise  die 
Aufmerksamkeit  ganz  allgemein  darauf,  daß  die  Diskordanz  zweier 
Geschiebemergelbänke,  einer  unteren,  gefalteten  und  einer  oberen, 
dünnen,  ungefalteten  Bank,  nicht  immer  die  Annahme  eines  zwei- 
maligen Eisvorstoßes  notwendig  mache,  vielmehr  könne  die  untere 
gestauchte  Bank  vielfach  als  die  eigentliche  „Grundmoräne“ 
angesehen  werden,  die  unter  dem  Eise  abgesetzt  und  zusammen- 
geschoben sei,  während  die  obere  Bank  oft  nur  die  beim  Abschmelzen 
des  Eises  niedergesunkene  „Innenmoräne“  sei,  die  dann  eine 
flach  gelagerte  relativ  dünne  Decke  über  der  zusammengestauchten 
und  z.  T.  wieder  vom  Eise  erodierten  Grundmoräne  bilde. 

Diese  Idee,  die  ich  zuerst  bei  der  Lektüre  von  Tornquist’s 
Geologie  von  Ostpreußen 3 kennen  lernte , ist  unzweifelhaft  sehr 
beachtenswert;  örtlich  ist  sie  übrigens  schon  früher  von  anderen 
Autoren  verwertet  worden,  z.  B.  von  Kaunhowex  in  der  Erläu- 
terung zu  Blatt  Theerwisch. 

Allgemein  scheint  sie  indessen  noch  nicht  diejenige  Aufmerk- 
samkeit gefunden  zu  haben,  die  sie  verdienen  dürfte. 

Auf  die  meine  eigenen  Arbeitsgebiete  betreffenden  beiden  Fälle, 
die  Tornquist  heranzieht,  ist  sie  indessen  nicht  oder  nur  in  be- 
schränktem Maße  anwendbar. 

Für  den  von  mir  aufgenommenen  Anteil  der  sam ländischen 
Küste  (Blatt  Bauschen  und  Gr.  Dirsclikeim)  schien  der  Tornquist- 
schen  Deutung  zunächst  nichts  zu  widersprechen,  da  hier  meist 
Glazialdiluvium  auf  Glazialdiluvium  liegt  und  die  obere,  größten- 
teils entkalkte  und  nur  1 — 5 m mächtige  Moränenbank  ein  oft  ver- 

1 Der  Druck  dieses  Aufsatzes  hat  sich  leider  sehr  verzögeit,  da  ich 
erst  jetzt  erfahren  habe,  daß  mir  schon  1912  eine  Korrektur  zugesandt 
worden  ist,  die  verloren  ging.  D.  Yerf. 

‘ Dies.  Oentralbl.  1911.  p.  377 — 382. 

3 A.  Tornquist.  Geologie  von  Ostpreußen.  Gebr.  Bornträger.  Berlin 
1910.  p.  144. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  ete.  1913. 


36 


562 


E.  Meyer,  Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen 


waschenes  Aussehen  hat,  als  hätte  Wasser  hei  ihrem  Absatz  stellen- 
weise mit  gewirkt. 

Etwas  schwierig  wurde  die 'Sache  allerdings  schon,  wo  die 
obere  Bauk  auf  dem  fluviatilen  sogenannten  „Dirschkeimer  Sand“ 
liegt.  Aber  man  konnte  annehmen,  daß  über  diesen  Sanden  viel- 
leicht gar  keine  Ablagerung  eigentlicher  Grundmoräne,  vielleicht 
sogar  Erosion  stattgefunden  habe;  denn  die  Dirschkeimer  Sande 
selbst  müssen  zwar  in  einem  eisfreien  Gebiet  abgelagert  sein,  sind 
aber  älter  als  die  untere  Moränenbank.  Diese  Verhältnisse  ließen 
sich  also  mit  der  Deutung  Tornquist’s  in  Einklang  bringen. 

Nun  liegt  aber  weiter  im  Süden,  besonders  auf  Blatt  Palm- 
nicken, Lochstädt  und  Fischhausen,  eine  ebensolche  dünne  obere 
Lehmbank  auf  ausgedehnten  Beckenablagerungen:  tonstreifigen 

Mergelsanden  und  Tonmergeln,  die  selbst  wiederum  stellenweise 
auf  einem  Geschiebemergel  lagern,  der  einem  Teil  der  unteren 
Moränenbank  entsprechen  dürfte.  Diese  Beckenablagerungen  dehnen 
sich  von  Norden  nach  Süden  über  mehr  als  1^  Meßtischblätter  aus 
und  liegen  größtenteils  an  primärer  Lagerstätte. 

Dasselbe,  wenn  auch  in  kleinerem  Maßstabe,  findet  nach  einer 
mündlichen  Mitteilung  Herrn  Tornaus  östlich  von  meinem  eigenen 
Aufnahmegebiet  auf  Blatt  Neukuhren  statt,  wo  die  obere  Moränen- 
bank auf  kilometerweit  ausgedehnten  feinsandigen  Beckenablage- 
rungen ruht. 

Mögen  diese  Becken  nun  auch  dicht  vor  dem  Eisrand  oder 
selbst  zwischen  Eiszungen  gelegen  haben,  so  war  doch  immerhin 
hier  längere  Zeit  ein  eisfreies  Gebiet  und  die  Auflagerung  der 
oberen  Moränenbank  ist  ohne  einen  erneuten  — wenn  auch  wohl 
nur  kurzen  Eisvorstoß  nicht  denkbar. 

Was  für  die  unmittelbare  Nachbarschaft  im  Osten  und  Süden 
galt,  muß  dann  aber  auch  für  die  Nordwestecke  des  Samlandes  an- 
genommen werden.  Und  so  kann  ich  die  mir  zuerst  recht  annehmbar 
erscheinende  ToRNQUiST’sche  Deutung  auf  das  Samland  doch  nicht 
an  wen  den. 

Das  vielfach  verwaschene  Aussehen  der  oberen  Moränenbank 
dürfte  sich  dort  aus  einem  Beckenanstau  beim  Rückzug  des  Eises 
erklären  ’. 

Im  Fläming  sind  die  Verhältnisse  nicht  ganz  so  einfach. 

Bei  den  ersten  Erörterungen  mit  Herrn  Prof.  Torxquist  über 
seine  neue  Erklärungsweise  hatte  ich  mündlich  geäußert,  daß  da- 
nach ein  Grund  wegfallen  würde,  aus  dem  ich  im  Fläming  bei 
Wittenberg  auf  das  Vorhandensein  einer  zweimaligen  Vereisung 
geschlossen  hätte,  und  hatte  mir  Vorbehalten,  hierauf  eingehender 
zurückzukommen. 

1 Vergl.  E.  Meyer.  Bericht  über  die  Hauptergebnisse  seiner  Auf- 
nahmen im  Samlande,  Jahrb.  d.  k.  geol.  Landesanst.  f.  d.  J.  1910.  31. 
Teil  II.  p.  625—627. 


im  Samland  und  im  Fläming. 


563 


Tornquist  erwähnt  dies  und  ebenso  die  Äußerungen  Schmierer’s 
über  ein  dem  meinen  naheliegendes  Aufnahmegebiet  im  Fläming. 

Ich  muß  hier  unsere  Ergebnisse  in  den  beiden  Gebieten  — die 
sich  nicht  decken  — kurz  darlegen,  um  die  ToRXQuiST’sche  Deu- 
tung damit  zu  vergleichen. 

I.  In  meinem  Aufnahmegebiet  bei  Wittenberg1 
gibt  es  zwei  diskordant  gelagerte  Schichtgruppen: 

1.  eine  untere  gefaltete  Gruppe  aus  Tertiär  und 
Diluvium  zweifelhaften  Alters  (Kiese,  Tonmergel  und  Geschiebe- 
mergel) ; 

2.  eine  obere  un gefaltete  Gruppe  (Geschiebemergel 
und  Sand  nebst  Endmoränenbildungen). 

Ich  deutete  die  obere  Gruppe  als  Absatz  eines  erneuten  größeren 
Eisvorstoßes  (Vereisung) , durch  den  die  untere  Gruppe  gefaltet 
und  teilweise  erodiert  sei. 

II.  I n Schmierer’s  Aufnahmegebiet  bei  L e i t z k a u 2 
gibt  es  gar  nicht  zwei  diskordant  gelagerte  Gruppen  übereinander : 
dort  stellt  stellenweise  gefaltetes  Oligocän  und  Diluvium  zutage 
an,  ohne  daß  diskordant  eine  ungefaltete  Decke  darauf  läge,  an 
anderen  Stellen  flacht  sich  anscheinend  diese  Faltung  ganz  aus, 
und  die  Schichten  liegen  ungefaltet.  Die  gefalteten  gehen  also 
in  ungefaltete  Schichten  über. 

Schmierer  glaubt  deshalb,  zur  Erklärung  der  dortigen  Ver- 
hältnisse mit  einer  einzigen  Vereisung  auskommen  zu  können,  in- 
dem er  annimmt,  der  Geschiebemergel  sei  erst  von  dem  Inlandeise 
horizontal  abgelagert,  dann  seien  die  Schichten  beim  Biickzug  des 
Eises  vom  Druck  des  Eisrandes  stellenweise  in  Falten  gelegt 
worden.  Er  begründet  dies  hauptsächlich  dadurch,  daß  im  östlichen 
Fläming  bei  Muskau  die  Faltung  offenbar  mit  Endmoränenbildungen 
in  genetischem  Zusammenhang  steht. 

III.  Tornquist  endlich  erklärt  die  bei  Wittenberg  vorhandene 
Diskordanz  in  der  oben  dargelegten  Art  und  sucht  in  einer 
Äußerung  Schmierer’s  eine  Bestätigung  seiner  Deutung. 

Dies  ist  insofern  nicht  angängig,  als  bei  Schmierer  gar  keine 
Diskordanz  im  Diluvium  vorhanden  ist  und  er  sich  also  auch  nicht 
über  die  Deutung  einer  solchen  äußert. 

Tornquist’s  Anschauung  als  richtig  vorausgesetzt,  würde  sich 
allerdings  ein  Widerspruch  zwischen  Schmierer  und  mir  heben 
lassen. 

1 Vergl.  E.  Meyer.  Das  Faltungsgebiet  des  Flämings  bei  Wittenberg 
und  Coswig  i.  Anhalt  und  der  Nachweis  seiner  zweimaligen  Vereisung. 
Jahrb.  d.  k.  preuß.  geol.  Landesanst.  f.  1909.  Teil  II.  Heft  2.  p.  312—340. 

* Th.  Schmierer,  Über  ein  glazial  gefaltetes  Gebiet  auf  dem  west- 
lichen Fläming,  seine  Tektonik  und  seine  Stratigraphie  unter  besonderer 
Berücksichtigung  des  marinen  Oberoligocäns.  Jahrb.  d.  k.  preuß.  geol. 
Landesanst.  f.  1910.  Teil  I.  Heft  1.  p.  105 — 135. 


36* 


564  E.  Meyer,  Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen  etc. 


Ich  glaube  nämlich,  die  tiefe  regelmäßige  Faltung  des  Tertiärs 
bei  Wittenberg  eher  durch  die  stauende  und  zusammenschiebende 
Wirkung  des  vorrückenden  Eises  als  durch  den  vertikalen  Druck 
des  Eisrandes  beim  Rückzüge  des  Gletscher  erklären  zu  können. 

Tornquist’s  Deutung  gäbe  nun  die  Möglichkeit,  die  Falten 
bei  Leitzkau  auch  bei  Annahme  nur  einer  Eiszeit  durch  vor- 
rückendes  Eis  zu  erklären.  Dies  wäre  indessen,  wie  mir  Herr 
Schmierer  mitteilt,  gar  nicht  in  seinem  Sinne,  da  er  daran  fest- 
hält, daß  eine  derartig  regelmäßige  Faltung  sich  leichter  durch  den 
Druck  des  Eisrandes  bei  periodisch  zum  Stillstand  kommendem 
Rückzüge  erklären  lasse. 

Immerhin  würde  man  nun  zur  Erklärung  ' der  Verhältnisse  bei 
Wittenberg  nur  einer  Vereisung  bedürfen,  wenn  hier  von  den 
diluvialen  Schichten  nur  der  Geschiebemergel  mitgefaltet  wäre. 

Meine  Schlußfolgerungen  beruhen  aber  auf  dem  Nachweis  einer 
gleichartigen  und  gemeinschaftlichen  Faltung  von  Miocän,  südlichen 
Kiesen,  Tonmergel,  Mergelsanden  und  Geschiebemergel. 

Von  diesen  Bildungen  erweisen  sich  nun  die  südlichen  Kiese 
(Milchquarze,  Kieselschiefer,  Quarzite,  Grauwacken  usw.),  die  von  den 
sächsischen  und  schlesischen  Gebirgen  stammen  dürften,  als  höchst- 
wahrscheinlich interglazial1,  da  im  östlichen  Fläming  und  in  der 
Lausitz  solche  Kiesströme  stellenweise  von  Geschiebemergel  unter- 
und  überlagert  werden.  Es  kommt  dazu , daß  auch  bei  Coswig 
Interglazial  in  den  von  Keilhack  beschriebenen  Kieselgur- 
ablagerungen von  Klieken  vorliegt,  die  von  Geschiebesanden  unter- 
und  überlagert  werden  (Erläuterung  zu  Blatt  Coswig:  Anh.). 

Die  Feinsand-  oder  Tonmergelablagerungen  dürften  auch  in 
offenen  Becken  entstanden  sein  und  sind  vielleicht  ebenfalls  inter- 
glazial, da  sie  sich  in  einzelnen  Bohrungen  direkt  auf  südliche 
Kiese  legen. 

Zweifelhaft  wird  nur  die  Stellung  des  Geschiebemergels,  dessen 
Faltung  von  mir  an  wenigen  Stellen  — namentlich  am  Teuchler 
Exerzierplätze  — nachgewiesen  werden  konnte. 

Aber  selbst  wenn  dieser  Geschiebemergel  nun  nach  der  Torn- 
QUiST’schen  Deutung  der  jüngsten  Vereisung  des  Gebietes  zu- 
gerechnet würde,  so  bliebe  der  Schluß  bezüglich  einer  mehrfachen 
Vereisung  der  Gegend  doch  bestehen,  da  Interglazial  vorhanden 
und  dieses  z.  T.  (namentlich  die  südlichen  Kiese)  mitgefaltet  ist. 

So  beachtenswert  die  Ausführungen  von  Tornquist  also  auch 
für  die  allgemeine  Deutung  diluvialer  Diskordanzen  sind,  so  ge- 

1 Vergl.  K.  Keiliiack  , Bericht  über  die  wichtigsten  Ergebnisse  der 
Aufnahmen  auf  dem  Fläming  während  der  Jahre  1901 — 1904.  Jalirb.  d. 
k.  geol.  Landesanst.  Berlin  f.  d.  J.  1904.  p.  678  ff.  und 

0.  von  Linstow,  Über  Kiesströme  vielleicht  interglazialen  Alters  auf 
dem  Gräfenhainichen— Schmiedeberger  Plateau  und  in  Anhalt.  Jahrb.  d. 
k.  preuß.  geol.  Landesanst.  Berlin  f.  d.  J.  1908.  p.  327—336. 


M.  v.  Schwarz,  Zwei  neue  Modelle  etc. 


565 


niigen  sie  in  den  hier  behandelten  beiden  Fällen  doch  nicht  — oder 
nicht  allein  — zur  Erklärung  der  Verhältnisse,  vielmehr  scheint 
für  den  Fläming  die  Annahme  einer  zweimaligen  Vereisung  not- 
wendig zu  sein,  für  das  Samland  aber  mindestens  die  Annahme  einer 
Oszillation  des  Eisrandes,  die  die  oberste  flache  Lehmdecke  über 
den  gestörten  Untergrund  ausbreitete. 


Zwei  neue  Modelle  der  Dichtebestimmungswage1. 

Von  M.  v.  Schwarz  in  München. 

Mit  1 Textfigur. 

In  dem  Streben,  die  Dichtebestimmungen  von  verschiedenen 
mineralischen  Stoffen  möglichst  bequem  und  genau  ausführen  zu 
können,  bin  ich  zur  Konstruktion  von  2 neuen  Modellen  der  schon 
vor  3 Jahren  hier  beschriebenen  Dichtebestimmungswage2  ge- 
kommen. 

Bei  ersterer  war  der  Meßbereich  bis  zu  10  g vorgesehen, 
womit  man  in  der  Regel  sein  Auskommen  im  Laboratorium  finden 
kann,  wenn  es  möglich  ist,  beliebig  große  Stücke  von  dem  zu 
untersuchenden  Körper  herabzuschlagen.  Bei  feinkörnigen  Ge- 
steinen ging  die  Wage  auch  noch  gut  anzuwenden,  bei  sehr  grob- 
körnigen allerdings  erscheint  dies  aber  nicht  mehr  empfehlenswert. 
So  habe  ich  nun  für  diese  Fälle,  oder  besser,  ganz  allgemein 
für  den  Petrographen,  dem  ja  meist  ziemlich  reichliche  Mengen 
von  Material  vorliegen,  eine  Wage  anfertigen  lassen,  die  gerade 
die  zehnfachen  Gewichte  des  bisherigen  Modells  anzeigt,  deren 
Skala  also  bis  100  g reicht.  Es  ist  nun  zwar  möglich,  für  diesen 

Zweck  einen  auswechselbaren  Zeiger  mit  größeren  Wagschalen 
anzubringen,  doch  stellt  sich  dessen  Anfertigung  fast  höher  als 
die  eines  ganzen  Modells,  da  ja  eine  Skala  — auf  empirischem 
Wege  geeicht  — für  zwei  Pendel  genaue  Werte  geben  müßte, 
was  naturgemäß  nur  sehr  schwer  zu  erreichen  ist. 

Die  äußere  Skala  reicht  bis  33  g,  während  die  innere  einen 
Meßbereich  von  30  bis  100  g aufweist.  Zur  Verwendung  letzterer 
werden  die  Wagschalen  an  den  zweiten  Haken  des  Pendels  ge- 
hängt, eine  Manipulation,  die  sehr  einfach  mit  einem  Handgriff 
auszuführen  ist.  Dieses  Modell  scheint  mir  auch  für  fertige 
Fabrikate  aus  Halbedelsteinen  sehr  zweckmäßig,  wenn  es  sich  um 
größere  Stücke  handelt,  die  mit  dem  gewöhnlichen  (normalen) 
Modell  der  Wage  wegen  ihren  zu  großen  Dimensionen  nicht  mehr 
zu  bestimmen  sind.  Für  die  zolltechnische  Praxis,  wo  es  sich 
häufig  um  Kontrolle  von  Rohprodukten  und  Halbfertigprodukten 

1 Die  Wagen  werden  von  A.  Dresdner  in  Merseburg  a.  d.  Saale  her- 
gestellt und  sind  gesetzlich  geschützt. 

2 Dies.  Centralbl.  1910.  No.  11.  p.  447. 


566 


M.  v.  Schwarz. 


handelt,  möchte  ich  das  gewöhnliche  Modell  empfehlen1.  Zur 
Prüfung  der  Wage  wurde  die  Skala  durch  Auflegen  von  Gewichten 
kontrolliert  und  weiterhin  das  spezifische  Gewicht  einer  Reihe 
von  Mineral-Bruchstücken  ermittelt,  deren  spezifischen  Gewichte 
genau  zu  ermitteln  waren.  Dazu  wurden  die  spezifischen  Ge- 
wichte von  großen  Stücken  (meist  Magnesites)  auf  einer  genauen 
hydrostatischen  Wage  ermittelt  und  dann  in  Bruchstücke  von  ge- 
eigneter Größe  zerschlagen.  Die  Tabelle  zeigt  wohl  am  besten 
die  gute  Uebereinstimmung  der  Resultate. 

Das  zweite  Modell  der  Wage  ist  speziell  für  den  Edelstein- 
händler bestimmt  und  weist  daher  eine  entsprechend  fein  geteilte 
Skala  auf,  deren  Meßbereich  sich  bis  800  Milligramm  erstreckt. 
Auch  hier  sind  zwei  Skalen  vorgesehen,  eine  von  0 bis  320  mg, 
in  Milligramm  geteilt,  und  die  zweite  von  300  bis  800  mg;  diese 
hat  Teilstriche  mit  einem  Intervall  von  5 Milligramm,  die  aber 
voneinander  noch  reichlich  weit  abstehen,  so  daß  Milligramm  leicht 
eingeschätzt  werden  können.  Die  Skalen  sind  wie  bei  dem  früher 
beschriebenen  Modell  zu  verwenden,  indem  die  Wagschalen  für 
die  innere  (0,300 — 0,800  g)  Teilung  an  einen  Haken  des  Pendels 
gehängt  werden , der  dem  Drehpunkte  desselben  entsprechend 
näher  liegt.  Die  Anordnung  des  Skalabogens  ist  hier  eine  von 
dem  früher  beschriebenen  Modell  verschiedene.  Sie  ist  um  45° 
davon  verdreht  angebracht,  was  durch  die  kleinen,  hier  in  Frage 
kommenden  Gewichte  bedingt  ist.  Die  bisherige  Form  hat  sich 
für  diese  kleinen  Belastungen  nicht  bewährt,  wie  ich  durch  mehr- 
fache Versuche  herausgefunden  habe,  weil  hierbei  der  Zeiger  zu 
dünn  und  dadurch  zu  wenig  widerstandsfähig  war.  Auch  hier 
wurden  die  Genauigkeiten  der  Skalaangaben  durch  Auflegen  von 
Gewichten  kontrolliert  und  eine  Anzahl  von  Dichtebestimmungen 
ausgeführt,  welche  die  zu  erreichende  Genauigkeit  am  besten  ver- 
anschaulichen. Die  Tabelle  zeigt  die  so  gewonnenen  Resultate. 
Was  die  Verwendbarkeit  dieses  Modells  betrifft,  so  scheint  es 
mir  besonders  für  Edelsteinhändler  geeignet,  denn  das  spezifische 
Gewicht  ist  wohl  das  sicherste  und  bequemste  Mittel  zur  Kon- 
trolle von  Edelsteinen,  wird  aber  bisher  noch  viel  zu  wenig  von 
den  in  Frage  kommenden  Kreisen  berücksichtigt,  was  wohl  der 
bisher  zu  umständlichen  Manipulation,  besonders  bei  kleinen 
Steinen,  zuzuschreiben  ist.  Fernerhin  dürfte  dieses  Modell  dem 
Mineralogen  und  Kristallographen  gute  Dienste  leisten,  weil  damit 
noch  recht  kleine  Kristalle  auf  das  spezifische  Gewicht  hin  einfach 
und  genau  zu  prüfen  sind.  Aber  selbst  auch  für  den  Petrographen 
scheint  es  mir  empfehlenswert,  denn  er  ist  dadurch  in  der  Lage, 
das  spezifische  Gewicht  von  kleinen  Mineralsplittern  zu  bestimmen, 

1 Vergleiche  meine  Untersuchungen  über  das  spezifische  Gewicht 
von  Ferrosilicium.  Dissertation.  München  1912.  Ein  Auszug  davon  in 
„Ferrum“  1913. 


Zwei  neue  Modelle  der  Dichtebestimmungswage. 


567 


die  er,  zum  Beispiele  von  einem  einigermaßen  grobkörnigen  Ge- 
stein, mechanisch  herauspräparieren  kann. 

Anmerkung.  Für  denjenigen,  dem  meine  erste  Veröffent- 
lichung nicht  zugänglich,  sei  hier  eine  kurze  Gebrauchsanweisung 
gegeben.  Die  untere  Wagschale  wird  in  den  Zylinder  eingetaucht, 


Fig.  1. 


der  bis  zur  Marke  mit  ausgekochtem,  destilliertem  Wasser  gefüllt 
ist.  Hierauf  erfolgt  die  Einstellung  des  Zeigers  auf  den  Null- 
punkt der  Skala,  was  durch  Drehen  der  Fuß-Schrauben  bewerk- 
stelligt wird.  Durch  Auflegen  des  zu  untersuchenden  Körpers 
auf  die  obere  Wagschale  wird  dessen  absolutes  Gewicht  (—  m) 
bestimmt;  hierauf  bringt  man  ihn  auf  die  untere  Schale  ins 
Wasser  und  liest  die  Zeigerstellung  abermals  ab.  Die  Differenz 
gegenüber  der  ersten  Ablesung  entspricht  seinem  Volumen  (=  v). 
Das  spezifische  Gewicht  (=  s)  erhält  man  dann  durch  eine  ein- 
fache Division  m : v = s,  wobei  ein  Rechenschieber  sehr  bequem 
zu  verwenden  ist.  Hat  man  es  in  der  Hand,  beliebig  große  Stücke 
des  zu  untersuchenden  Materials  abzuschlagen,  so  wählt  man  sie 
zweckentsprechend  beim  leichten  Modell  von  0,15 — 0,25  g oder 
gegen  0,8  g,  beim  schweren  entweder  gegen  30  oder  gegen  100  g, 
weil  dann  die  Genauigkeit  die  höchste  wird.  Man  kann  gleich- 
zeitig auch  mehrere  Splitter  auflegen  und  erhält  so  gleich  Mittel- 
werte, was  manchmal  auch  zweckmäßig  ist. 


568 


M.  r.  Schwarz, 


Übersicht  über  die  mit  der  schweren  (lOfachen)  Wage  ermittelten 
spezifischen  Gewichte  (bei  17.5°  C). 


Spezifisches  Ge- 

Bruchstücke  vom  Mineral 

Absolutes 

Gewicht 

Spezifisches 

Gewicht 

wicht  des 
Mineralsauf  der 

in  Gramm 

hydrostatischen 

Wage 

44,7 

3,06 

66,6 

3,03 

Magnesit  von  Goklegg 

80,7 

53,0 

3,02 

3,02 

3,056 

71,1 

3,03 

73,7 

3.04 

95,8 

2,95 

71,2 

2,96 

87,4 

2,93 

Magnesit  von  Goldegg 

63,8 

2,96 

2,956 

57,3 

3,00 

45,3 

2,97 

31,2 

2,98 

17,0 

2,96 

Magnesit  von  Goldegg 

28,7 

2,96 

2,959 

47,8 

2,97 

Magnesit  von  Goldegg 

56,4 

51,1 

3,03 

2,99 

2,998 

60,2 

3,04 

Magnesit  von  Goldegg 

40,3 

32,5 

2,97 

3,01 

3,012 

20,8 

3,02 

18,7 

3,06 

Magnesit  von  Goldegg 

38,3 

2,98 

3,003 

64,9 

3,07 

33  8 

2,87 

2,863 

Dolomit  von  Goldegg 

78,8 

2,90 

Kalkstein  von  Goldegg 

47,2 

2,68 

2,676 

Zwei  neue  Modelle  der  Dichtebestimmungswage. 


569 


Tabelle  der  Resultate  mit  dem  leichten  Modell. 


Mineral 

, Absolutes 
Gewicht 
in  Gramm 

Spezifisches 

Gewicht 

Dichte  nach 
Klockmann’s 
Mineralogie 

0,232 

2,93 

Spaltungsstück  eines  Dolo- 

0,394 

2.91 

2,85—2,95 

mites  von  Traversella 

0.227 

2,92 

! 0,616 

3,14 

Spaltungsstück  von  Fluorit 

1 0,218 

3,17 

3,1— 3,2 

0,227 

3,15 

0.193 

2,72 

Spaltungsstück  von  Calcit 

0,313 

2,74 

2,6— 2,8 

0.169 

2,73 

0,413 

2,65 

Bruchstück  von  Quarz 

0,696 

2,65 

2.65—2,66 

0,687 

2,65 

0,602 

3,17 

Spaltungsstück  von  Apatit 

0.740 

3,17 

3,16—3,22 

0,255 

3,22 

0,165 

4,46 

Kristalle  von  Zirkon 

0.153 

4,49 

4.4  — 4,7 

0,247 

4,oo 

0,420 

4,28 

Spaltungsstück  von  Rutil 

0,243 

4,27 

4,2— 4,3 

0,727 

4,2S 

0,233 

4,59 

Spaltungsstück  von  Baryt 

0,581 

4.66 

4, 3-4, 7 

0,730 

4,54 

0,096 

3,49 

0,080 

3.52 

Diamant 

0,068 

3,51 

3,50 — 3,53 

0,310 

3,54 

0,716 

3,54 

0.221 

2,71 

0,118 

2,72 

0,294 

2.67 

Smaragd  (geschliffen) 

0,397 

2,76 

2,67—2,76 

0.078 

2.72 

0,305 

2.74 

570 


H.  A.  Brouwer, 


Tabelle  der  Resultate  mit  dem  leichten  Modell.  (Fortsetzung.) 


Mineral 

Absolutes 
Gewicht 
in  Gramm 

Spezifisches 

Gewicht 

Dichte  nach 
Klockmann’s 
Mineralogie 

0,288 

3,95 

0,183 

4.05 

Sapphir 

0,252 

3,94 

3, 9-4,0 

0,207 

3,98 

0,750 

3,98 

0,401 

3,57 

0,299 

3,56 

Topas  von  Schneckenstein 

0,707 

3,57 

3, 4-3, 6 

0,717 

3,55 

0,770 

3,57 

0,149 

4,15 

0,283 

4,22 

Almandin 

0,303 

4,27 

4, 1-4, 3 

0,664 

4,18 

0,475 

4,14 

Mineralogisch-Geologisches-Laboratorium  der  Kgl.  Technischen 
Hochschule  zu  München,  im  Juni  1913. 


Neue  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf  Timor. 

Von  H.  A.  Brouwer  in  Batavia. 

Die  hier  beschriebenen  Gesteine  wurden  gesammelt  während 
der  Timor-Expedition  unter  Führung  von  Prof.  Dr.  G.  A.  F.  Molen- 
graapf  (1910  — 1912). 

Die  Tiefen-,  Gang-  und  Effusivgesteine  der  foyaitisch-thera- 
litisehen  Magmen  gehören  zu  den  Seltenheiten  im  Niederländisch- 
Ostindischen  Archipel.  Das  erste  foyaitische  Gestein  beschrieb 
Wichmann1  von  Timor;  es  wurde  von  Macklot  im  Jahre  1829 
als  Gerolle  im  Fluß  Bauatette  bei  Pariti  gesammelt. 

Unter  den  von  P.  und  F.  Sarasin  am  Pik  von  Maros  (Celebes) 
gesammelten  Gesteinen  fand  Schmidt2  neben  alkalireichen  Effusiv- 
gesteinen auch  einige  shonkinitische  und  bostonitische  Gesteine  als  Ge- 

1 A.  Wichmann,  Gesteine  von  Timor.  Samml.  d.  Geol.  Reichsmuseums 
in  Leiden.  Serie  I.  2.  1882 — 1887.  p.  85.  Nach  Prof.  Wichmann  sind  die 
von  ihm  aus  West-Timor  beschriebenen  Gesteine  verwandt,  mit  den  später 
beschriebenen  Gesteinen  aus  der  Familie  der  Shonkinite  und  Theralite 
(briefliche  Mitteilung). 

2 C.  Schmidt,  Untersuchung  einiger  Gesteinssuiten,  gesammelt  in 
Celebes  von  P.  und  F.  Sarasin.  Anhang  zu  P.  und  F.  Sarasin,  Materialien 
zu  einer  Naturgeschichte  der  Insel  Celebes.  IV.  Wiesbaden  1901. 


Neue  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf  Timor. 


571 


rolle  iin  Bache  Gentungan,  und  später  sammelte  Schmidt  an  derselben 
Lokalität  neben  Geschieben  von  Monzonit,  Shonkinit,  Umptekit, 
Theralit  und  Alkali-Erguß-  und  Ganggesteinen  auch  Glimmerfoyait 1 . 

Während  der  Timor-Expedition  unter  Führung  von  Prof.  Dr. 
G.  A.  F.  Molengraaff  wurden  an  mehreren  Stellen  feinkörnige  bis 
dichte  oder  porphyrische  alkalitracliytische  und  keratophyrische 
Gesteine  gesammelt,  während  shonkinitisch-theralitische  Gesteine 
in  großen  Blöcken  vorgefunden  wurden  im  Bache  Kolkoil  am 
Kreuzpunkt  mit  dem  Fußweg  von  Pariti  nach  Nuataus  (West- 
Timor).  Wahrscheinlich  vereinigt  dieser  Noil  Kolkoil  sich  stromab 
mit  dem  Noil  Banatette,  und  so  könnte  das  von  Wichmaxx2  be- 
schriebene foyaitische  Gestein,  das  bei  der  Mündung  vom  Noil 
Banatette  bei  Pariti  gesammelt  wurde,  demselben  Vorkommen  zu- 
gehören. Ein  caraptonitisches  Gestein  wurde  gesammelt  am  linken 
Ufer  des  Noil  Tonini  beim  Fatu  Tonini  (Landschaft  Amanubang) 
und  ein  anderes  shonkinitisch-theralitisches  Gestein  an  der  Uferwand 
des  Noil  Nimassi  zwischen  Kaoneke  und  Haumeni  (Mitten-Timor). 

Alkalitraeliyte  und  Keratopliyre. 

Diese  Gesteine  sind  ohne  Rücksicht  auf  ihr  geologisches  Alter 
unter  diesen  Namen  zusammengefaßt.  In  den  meisten  Gesteinen 
sind  die  herrschenden  Feldspäte:  Orthoklas,  Natronorthoklas  oder 
Anorthoklas  und  Albit  oder  saurer  Plagioklas.  Ein  großer  Teil  der 
keratophyrischen  Gesteine  gehört  zu  den  Ergußformen  der  Alkali- 
kalkmagmen ; ihre  Verbreitungsgebiete  im  Fichtelgebirge , Harz- 
itnd  Saar-Nahe-Gebiet  sind  z.  B.  typische  Provinzen  der  Alkali- 
kalkmagmen. Die  unten  erwähnten  Gesteine,  die  keine  nachweis- 
bare Alkalipyroxene  oder  Alkaliamphibole  enthalten,  können  also 
auch  Ergußformen  von  Alkalikalkraagmen  darstellen.  In  einigen 
Gesteinen  tritt  Quarz  unter  den  Gemengteilen  der  Grundmasse  auf. 
Makroskopisch  ist  eine  schlierige  Fluidalstruktur  in  einigen  Ge- 
steinen schon  deutlich  wahrnehmbar,  während  die  Parallelstruktur 
in  anderen  Gesteinen  ein  Druckphänomen  ist.  Es  gibt  sehr  ein- 
sprenglingreiche und  einsprenglingfreie  Gesteine  mit  deren  Über- 
gänge. Ein  einsprenglingreiches  Gestein  von  der  Uferwand  des 
Noil  Manumea,  nahe  stromab  vom  Militärbiwak,  enthält  zahlreiche 
Einsprenglinge  von  rotem  Albit  in  einer  Grundmasse,  die  Ägiric, 
Erz  und  Chlorit  in  einer  farblosen  Masse  enthält.  Zwischen  ge- 
kreuzten Nicols  erkennt  man  in  dieser  Masse  neben  Natron-  und 
Kalifeldspat  auch  ziemlich  viel  Quarz.  Zum  Teil  sind  diese  Mine- 
ralien gewiß  sekundär,  ebenso  wie  der  Chlorit. 

Andere  einsprenglingreiche  Gesteine  wurden  gesammelt  im 
Tal  des  Noil  Musa  zwischen  Nunu-Nai  und  Mena  (mit  schöner 

1 H.  Rosexbusch,  Mikroskopische  Physiographie  der  massigen  Ge- 
steine. 1907.  II.  1.  p.  224. 

2 A.  Wichmaxn,  1.  c.  p.  85. 


572 


H.  A.  Brouwer, 


säulenförmiger  Absonderung)  und  am  Weg  von  Tunbaba  nach 
Haumeni.  Diese  beiden  Gesteine  sind  einander  und  gewissen  Tinguait- 
porphyren  sehr  ähnlich ; sie  enthalten  zahlreiche  weiße  Feldspat- 
einsprenglinge in  einer  grünlichen  Grundmasse,  die  mikroskopisch 
aber  nicht  die  für  die  Tinguaitstruktur  charakteristischen  zahl- 
reichen nadelförmigen  Ägirinsäulchen  enthält.  Die  Einsprenglinge 
bestehen  hauptsächlich  aus  Anorthoklas  oder  Natronorthoklas  und 
deren  Perthiten,  während  die  trachytoide  Grundmasse  aus  den- 
selben Feldspäten,  blaßgrünem  Augit,  Erz,  viel  Chlorit  und  Sericit 
besteht.  Außerdem  enthält  das  Gestein  des  Noil  Musa  noch,  zum 
Teil  resorbierten,  Biotit  und  Apatit  und  das  andere  Gestein  noch 
Quarz  und  ein  unregelmäßig  begrenztes,  blaues,  stark  pleochroitisches 
Mineral,  das  zu  den  Alkaliamphibolen  gehören  könnte.  Schistose 
einsprenglingarme  bis  -freie  Alkalitrachyte  bilden  den  Fatu  Menasse 
(=  alter  Berg)  zwischen  Toi  und  Putain  und  die  letzten  Hügel 
vor  der  Talau-Ebene  links  vom  Wege  Atapupu-Lahurus.  Diese 
Gesteine  enthalten  nur  sehr  wenig  Ägirin,  während  die  Feldspäte 
(Anorthoklas  oder  Natronorthoklas,  und  Plagioklas  mit  geringer 
Auslöschungsschiefe)  deutliche  Druckphänomene,  wie  Verbiegung 
und  undulöse  Auslöschung,  zeigen.  Beide  Gesteine  enthalten  ziem- 
lich viel  kleine  Erzkriställchen.  Als  sekundäre  Mineralien  sieht 
man  Chlorit  und  Calcit  im  Gestein  des  Fatu  Menasse,  Chlorit  und 
Eisenhydroxyden  im  Gestein  am  Wege  von  Atapupu  nach  Lahurus. 

Makroskopisch  zum  Teil  bostonitähnliche  Gesteine  bilden  den 
Fatu  Sanan  am  rechten  Ufer  des  Noil  Besi  zwischen  Bonleo  und 
Bedjeli.  Diese  Gesteine  enthalten  keinen  Ägirin  oder  Ägirinaugit, 
aber  eine  bräunliche  eisenreiche  und  eine  chlorit-  oder  sericit- 
ähnliche  sekundäre  Substanz.  Die  Struktur  ist  trackjtoide,  die 
Feldspäte  sind  Anorthoklas  oder  Natronorthoklas  und  saurer  Plagio- 
klas, zum  Teil  in  mikroperthitischer  Verwachsung  miteinander. 

Vom  Gestein  am  Wege  von  Tunbaba  nach  Haumeni  wurde 
eine  chemische  Analyse  von  Herrn  F.  Pisani  in  Paris  ausgeführt. 
Sie  ist  mit  der  von  verwandten  Gesteinen  in  untenstehender  Ta- 
belle zusammengestellt: 


I 

II 

III 

IV 

V 

SiO..  . . . . 

66,70 

63,20 

66,10 

70,15 

Ti  02  . . . . 

. 0,39 

0,40 

0,46 

— 

0,65 

Al2(>3  . . . 

. 14,10 

16,60 

17,45 

13,45 

10,60 

Fe20,  . . . 

. 2,70 

2,33 

3,60 

6,30 

5,77 

Fe  0 . . . . 

. 1,71 

0.87 

n.  b. 

0,45 

1,74 

MnO  . . . . 

— 

— 

— 

0,52 

Ca  0 . . . . 

1,55 

1,48 

1,40 

0,60 

0,72 

Mg  0 . . . . 

. 2,45 

1,08 

0,75 

0,92 

0,35 

K20  . . . . 

. 4,92 

4,60 

5.88 

5,04 

4,09 

NaäO.  . . . 

. 5,45 

5,80 

6,90 

5,42 

5,30 

H20  . . . . 

. 2,10 1 

— 

0,50 

2,10 

Sp. 

p,o5  .... 

— 

0,06 

— 

— 

— 

Summe  . 

. 100,47 

99,92 

100,14 

100,38 

99,89. 

Glühverlust. 


Nene  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf  Timor. 


573 


I.  Alkalitrachyt.  Am  Pfad  von  Tunbaba  nach  Haumeni,  Timor. 
(Anal.  F.  Pisani.) 

II.  Domit.  Puv  de  Dome.  Auvergne.  Vergl.  H.  Rosenbusch,  Elemente. 
1910.  p.  347. 

III.  Nordmarkit.  Tunsenas.  Norwegen.  Vergl.  W.  C.  Brögger,  Zeit- 
schrift f.  Krist.  16.  1890.  p.  54. 

IV.  Sanidinit.  Holbak,  Siebenbürgen.  Vergl.  C.  v.  John,  Jahrb.  Geol. 
Reichsanst.  Wien.  XLIX.  1899.  p.  566. 

V.  Grorudit.  Grussletten,  Norwegen.  Vergl.  W.  C.  Brögger,  Die 
Eruptivgesteine  des  Kristianiagebiets.  I.  1894.  p.  48. 

Das  Gestein  (I)  gehört,  wie  aus  den  oben  erwähnten  minera- 
logischen Eigenschaften  hervorgeht,  nicht  zu  den  typischen  Alkali- 
trachyten.  Auch  chemisch  hat  das  Gestein  nicht  den  sehr  geringen 
Gehalt  an  CaO  und  MgO.  Das  molekulare  Verhältnis  von  A1203 
zu  den  Alkalien  ist  ungefähr  1 : 1 mit  einem  sehr  kleinen  Rest 
von  Alkalien. 


Shonkinitisch-theralitische  Gesteine. 

Diese  Gesteine  wurden  gesammelt  von  großen  Blöcken  im 
Noil  Kolkoil,  beim  Kreuzpunkt  mit  dem  Fußweg  von  Pariti  nach 
Nuataus. 

Es  sind  mittelkörnige  Gesteine  mit  ungefähr  gleichen  Mengen 
dunkler  und  heller  Mineralien. 

U.  d.  M.  gewahrt  man  ein  Gemenge  von  Feldspäten  und  Angit, 
weiter  sieht  man  Titanomagnetit,  Biotit,  Apatit,  etwas  Pyrit  und 
viele  sekundäre  Mineralien : Chlorit  und  Sericit , radialstrahlige 
Zeolithe  und  Analcim. 

Die  meisten  Feldspäte  sind  stark  umgewandelt,  was  ihre  ge- 
naue Bestimmung  erschwert.  Polysynthetisch  verzvvillingte  und 
nicht-  oder  nur  nach  dem  Karlsbader  Gesetz  verzvvillingte  Kristalle 
kommen  in  mikroperthitiscker  Verwachsung  und  auch  in  geson- 
derten Kristallen  vor.  Die  erstgenannten  gehören  zu  Albit  oder 
anderen  sauren  Plagioklasen ; meistens  sind  die  symmetrischen 
Auslöschungen  nicht  größer  wie  5 °,  in  einzelnen  Fällen  wurden 
symmetrische  Auslöschungen  bis  17°  wahrgenommen.  Die  letzt- 
genannten gehören  zu  Orthoklas  oder  Anorthoklas.  Die  Feldspäte 
sind  in  Zeolithe,  Sericit  oder  eine  chloritähnliche  Substanz  um- 
gewandelt. Die  Umwandlung  in  Sericit  ist  am  meisten  verbreitet, 
die  Schüppchen  haben  bisweilen  den  ganzen  ursprünglichen  Feld- 
spatkristall ausgefüllt. 

Der  schwach  violettgefärbte  Augit  ist  deutlich  pleocliroitisch, 
fast  unversehrt  erhalten  und  meist  gut  idiomorph  in  der  Zone  der 
Saulachse.  In  geringer  Menge  treten  eine  chloritähnliche  Substanz 
uud  etwas  Carbonat  in  einigen  Augiten  als  Umwandlungsprodukt  auf. 

Der  Biotit  bildet  stark  pleochroitische  Kriställchen,  in  denen 
oft  braunrote  und  grüne  Teile  miteinander  verwachsen  Vorkommen. 


574 


H.  A.  Brouwer, 


Meist  ist  der  stark  von  dunkel  braunrot  bis  hell  bräunlichgelb 
pleochroitische  Biotit  zum  Teil  vom  grünen  Biotit,  der  stark 
pleochroitisch  ist  von  dunkelgrün  bis  hell  grünlichgelb,  umwachsen. 
Der  reichliche  Apatit  bildet  lange  und  schlanke  Säulchen,  die  in 
den  hellen  Mineralien  eingeschlossen  Vorkommen  und  in  der  sekun- 
dären Substanz  unversehrt  erhalten  liegen.  Die  Titanomagnetit- 
kristalle  sind  bisweilen  idiomorph,  aber  meistenteils  eckig  begrenzt. 

Radialstrahlige  Zeolithe  und  Analcim  füllen  die  eckigen  Bäume 
zwischen  den  übrigen  Gemengteilen ; die  erstgenannten  haben  bald 
positive,  bald  negative  Längsrichtung.  Der  Analcim  zeigt  deut- 
liche Anomalien  und  ist  bisweilen  trübe  durch  zahlreiche  feine 
Einschlüsse,  während  man  zwischen  gekreuzten  Nicols  öfters  feine 
Schüppchen  erkennt,  die  aussehen  wie  Sericit.  Kleine  Fleckchen 
eines  Minerals  mit  der  Doppelbrechung  des  Nephelins  sieht  man 
bisweilen  im  Analcim;  übrigens  sind  die  mit  Analcim  erfüllten 
Räume  meistens  eckig  begrenzt,  so  daß  aus  der  Form  nicht  auf 
die  Anwesenheit  von  ursprünglichem  Nephelin  geschlossen  werden 
kann.  Makroskopisch  konnte  eine  Kristallform,  wie  die  des  Nephe- 
lins, ausnahmsweise  erkannt  werden. 

Die  grüne  faserig  echloritähnliche  Substanz  ist  zum  größten 
Teil  stärker  doppelbrechend  wie  normaler  Chlorit  und  weniger  stark 
pleochroitisch  wie  der  Biotit.  Rädialstrahliger  Bau  mit  positiver 
Längsrichtung  kommt  vor.  Man  findet  diese  Substanz  zwischen 
den  übrigen  Mineralien,  auch  in  den  Feldspäten  und  nur  wenig 
in  den  Augiten,  während  sie  wahrscheinlich  auch  Pseudomorphosen 
bildet  nach  einem  meist  abgerundeten  Mineral , das  aber  auch 
Kristallformen  zeigt,  die  denen  des  Olivins  sehr  ähnlich  sind. 
Bisweilen  bestehen  diese  nicht  aus  einer  faserigen,  sondern  aus 
einer  homogenen  iddiugsitähnlichen  Substanz  mit  offenen  Spalt- 
rissen und  einem  Pleochroismus  von  grün  nach  hellgrünlichgelb. 
Bei  der  Umwandlung  des  Olivins  im  Shonkinit  des  Togo  Peak 
(Montana)  1 tritt  an  die  Stelle  dieses  Minerals  eine  gelbliche, 
glimmerähnliche  Substanz,  während  der  Eisengehalt  sich  in  schwar- 
zen Erzkörnern  ausscheidet.  Ein  Erzrand  wurde  ausnahmsweise 
um  die  faserige,  grüne  Substanz  in  dem  hier  beschriebenen  Gestein 
wahrgenommen. 

Die  mineralogische  Zusammensetzung  ist  der  vom  Gesteine 
des  Noil  Banatette2  sehr  ähnlich;  makroskopisch  zeigt  das  Gestein 
der  MACKLOT’schen  Sammlung  eine  mehr  rötliche  Farbe.  Mikro- 
skopisch sieht  man  auch  in  diesem  Gestein  stark  veränderte  Feld- 
späte und  Feldspatoide  und  den  Augit  nicht  oder  nur  wenig  in 
eine  chloritische  oder  eisenreiche  Substanz  umgewandelt. 

1 L.  Y.  Pirsson,  Petrography  and  Geology  of  the  igneous  rocks  of 
the  Highwood  Mountains,  Montana.  Bulletin  No.  237.  Un.  States  Geol. 
Survey.  Washington  1905. 

2 A.  Wichmann,  Gesteine  von  Timor.  1.  c.  p.  85. 


Neue  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf  Timor.  575 


Abgerundete  Stücke  in  einem  konglomeratischen  Gestein  an 
der  Uferwand  des  Noil  Nimassi  zwischen  Haumeni  und  Kaoneke 
sind  mittelkörnig  und  reich  an  dunklen  Mineralien.  U.  d.  M.  sieht 
man  ein  Gemenge  von  Orthoklas,  Plagioklas,  titanhaltigem  Augit, 
barkevikitischem  Amphibol,  sehr  wenig  Biotit,  Titanomagnetit, 
Apatit  und  viel  Chlorit  und  Zeolithen ; die  sekundären  Mineralien 
haben  einen  Teil  der  Feldspäte  und  die  Feldspatoide  umgewandelt. 

Der  Orthoklas  bildet  meist  größere  Kristalle,  die  durch 
gebogene  Linien  gegeneinander  begrenzt  sind  und  oft  zahlreiche 
kleinere  Kristalle  der  übrigen  Mineralien  des  Gesteins  (besonders 
Amphibolsäulchen  und  Erzkristalle,  auch  Plagioklasleistchen)  ein- 
schließen. Der  Orthoklas  ist  oft  stark  in  Zeolithe  und  Chlorit 
umgewandelt.  Der  Plagioklas  bildet  meist  kleine  polysynthetisch 
verzwillingte  Leistchen,  die  nur  geringe  Auslöschungsschiefen  zeigen. 
Der  titanhaltige  Augit  bildet  größere  und  kleinere  Kristalle,  der 
barkevikitische  Amphibol  nur  kleinere  Kristalle,  die  oft  verzwillingt 
sind  nach  (100).  Die  größeren  Orthoklas-  und  Augitkristalle  ver- 
leihen dem  Gestein  eine  Art  porphyrische  Struktur.  Der  Titano- 
magnetit oder  Umenit  ist  zum  Teil  umgewandelt  in  Leukoxen ; die 
größeren  Kristalle  sind  oft  unregelmäßig  eckig  begrenzt,  während 
die  kleineren  Kriställchen  gewöhnlich  gut  idiomorph  ausgebildet 
sind  und  in  den  übrigen  Mineralien  des  Gesteins  (ausgenommen 
im  Apatit)  eingeschlossen  Vorkommen.  Die  langen  Apatitsäulchen 
kommen  in  allen  übrigen  Mineralien  des  Gesteins  eingeschlossen 
vor  und  liegen  oft  zum  Teil  unverändert  in  der  sekundären  Substanz. 

Chlorit  und  Zeolithe  (Natrolith  und  Analcim)  haben  einen  Teil 
der  Feldspäte  umgewandelt,  während  strahlige  oder  spreusteinähn- 
liche Natrolithaggregate  und  Analcim,  ohne  die  idiomorphe  Be- 
grenzung des  ursprünglichen  Minerals,  sehr  wahrscheinlich  aus 
Feldspatoiden  hervorgegangen  sind.  Ihre  Menge  tritt  aber  sehr 
stark  gegen  die  der  Feldspäte  zurück.  Die  chemische  Analyse 
des  letztbeschriebenen  Gesteins  ist  in  untenstehender  Tabelle  mit 
denen  von  verwandten  Gesteinen  zusammengestellt. 


I 

II 

III 

IV 

Y 

Si02  .... 

. 45,70 

44,63 

45,55 

44,80 

44,65 

Ti  02  . . . . 

. 3,46 

4,25 

4,45 

2,60 

0,95 

AljO,  . . . 

. 15,40 

13,77 

15,40 

17,30 

13,87 

Fe203  . . . 

. 2,75 

7,30 

2,43 

4,90 

6,06 

Fe  0 . . . . 

. 5,67 

5,60 

9,12 

6,85 

2,94 

Mn  0 . . . . 

. 0,26 

0,08 

— 

— 

0,17 

CaO  ...  . 

9,02 

7,96 

7,70 

11,70 

9,57 

MgO.  . . . 

. 7,55 

4,47 

5,20 

5,72 

5,15 

K2()  . . . . 

. 3,22 

2,65 

2,04 

2,08 

4,49 

Na20  .... 

. 3,12 

4,20 

4,54 

4,03 

5,67 

P*05-  ■ • • 

. 0,26 

0,09 

0.26 

0,50 

1,50 

h2o  . . . . 

. 3,90 1 

4,04 

2,35 

0,35 

2,10 

Summe  . 

. 100,05 

100,43 

100,93 

100,83 

99,93. 

1 Glühverlust. 


576 


H.  A.  Brouwer,  Neue  Funde  etc. 


I.  Shonkinit  (mit  Plagioklas).  Noil  Nimassi,  zwischen  Haumeni  und 
Kaoneke,  Timor.  (Anal.  F.  Pisani.) 

II.  Shonkinit  (mit  Plagioklas).  Gerolle  im  Noil  Banatette  bei  Pariti 
(West-Timor),  in  A.  Wichmann,  Gesteine  von  Timor.  Samml.  d. 
Geol.  Reichsmuseums  in  Leiden.  Serie  I.  2.  1882 — 1887.  p.  87 
(mit  1,34  °/o  C02,  0,05  °/o  CuO). 

III.  Camptonit.  Hvinden,  Süd-Norwegen,  in  H.  Rosenbusch,  Elemente. 
1910.  p.  301. 

IV.  Essexit  (melanokrat),  in  A.  Lacroix,  Matöriaux  pour  la  Minera- 
logie de  Madagascar.  Nouv.  Archives  du  Museum.  1903.  Sör.  4. 
5.  p.  194. 

V.  Shonkinit.  Gordons  Butte.  Crazy  Mountains  (mit  0,76#/oBaO, 
0,37  u/o  SrO,  0.96°/o  bygr.  Wasser,  0,11  °/o  CO-,  0,61  °o  S03,  Spur 
Li  Oj  und  CI,  in  H.  Rosexbusch,  Elemente,  p.  204. 

Wenn  man  die  Shonkinite  als  Kalifeldspat-Neplielin-Gesteine 
mit  reichlichen  farbigen  Gemengteilen  auffaßt,  dann  vermitteln 
diese  Gesteine  zwischen  den  typischen  Shonkiniten,  Essexiten  und 
Theralithen. 

Die  Shonkinite,  Theralithe  und  Essexite  zeigen  durchaus  den- 
selben chemischen  Charakter,  indem  sie  sich  mineralogisch  nur 
durch  die  relativen  Mengen  der  Feldspäte  und  Feldspatoide  von- 
einander unterscheiden. 


Cauiptonit. 

Ein  camptonitisclier  Mandelstein  wird  überlagert  von  permischen 
Sedimenten  an  der  linken  Uferwand  des  Noil  Tonini  beim  Fatu 
Tonini  (östlich  von  Niki-Niki).  In  grauschwarzer  Grundmasse  ent- 
hält das  Gestein  zahlreiche,  ganz  oder  zum  Teil  mit  Carbonat 
gefüllte  Mandelräume,  Einsprenglinge  von  Augit  und  Amphibol  von 
wechselnder  Größe  ünd  einige  kleine  Einsprenglinge  von  Eisenerz. 
In  den  untersuchten  Handstücken  erreichten  die  Augiteinsprenglinge 
eine  Größe  von  3 cm  senkrecht  zur  Säulenrichtung. 

Die  Grnndmasse  besteht  aus  einem  Gemenge  von  Plagioklas- 
leistchen,  braunem  Amphibol,  titanhaltigem  Augit,  Erz,  Chlorit 
und  wenig  einer  sehr  schwach  doppelbrechenden  bis  isotropen  Sub- 
stanz, die  wahrscheinlich  aus  Analcim  besteht. 

Das  Carbonat  findet  man  nur  in  den  Mandeln  und  fast  gar 
nicht  in  der  Grundmasse.  Während  der  größte  Teil  der  Grund- 
masse erzreich  ist,  sieht  man  örtlich  erzarme,  sehr  amphibolreiche 
Partien  im  Gestein.  Sehr  wahrscheinlich  enthielt  das  Gestein 
ursprünglich  auch  Olivin,  denn  einige  mit  Carbonat  erfüllte  Räume 
zeigen  die  Form  dieses  Minerals  mit  steiler  Pyramide. 


Fr.  Schwietring,  Bemerkungen  etc. 


577 


Bemerkungen  zu  den  Untersuchungen  von  C.  Viola  über  die 
Totalreflexion  des  Lichtes  an  einem  Kristall. 

Von  Fr.  Schwietring  in  Celle  (Hannover). 

Ein  beliebiger  Schnitt  eines  durchsichtigen  inaktiven  Kristalls 
zeigt  in  einer  starkbrechenden  Flüssigkeit  vier  extremale  Grenz- 
winkel  der  totalen  Reflexion;  sie  mögen  &l  <P2  <C  #3  <1 
genannt  werden.  Sind  na  <C  nb  <C  u,  die  drei  Hauptbrechungs- 
indizes des  Kristalls  und  ist  n der  Brechungsindex  des  Außen- 
mediums,  so  ist  nach  Ch.  Soret:  na  = nsin<&],  n,.  = nsinÖ>4. 

Der  größte  und  der  kleinste  extremale  Grenzwinkel  ergeben 
also  leicht  den  größten  und  den  kleinsten  Hauptbrechungsindex  des 
Kristalls.  Für  den  mittleren  Hauptbrechungsindex  nb  ist  es  da- 
gegen zunächst  fraglich,  ob  er  durch  nsin  (!>.,  oder  nsin<Z>3  ermittelt 
wird.  Der  Grund  für  diese  Zweideutigkeit  liegt  darin,  daß  die 
Strahlenfläche  eines  Kristalls  durch  einen  einzigen  Schnitt  nicht 
eindeutig  bestimmt  ist;  zu  einem  gegebenen  Schnitt  (S) 
durch  die  Strahlenfläche  gehören  rein  geometrisch 
zwei  verschiedene  Strahlen  flächen,  die  sich  durch  den 
mittleren  Hanptbrecliungsindex  unterscheiden.  Die  Grenzwinkel  <2> 
der  totalen  Reflexion  liefern  nämlich  durch  die  Gleichung: 

1 

n sin  ‘l>  = 

r 

die  Radien  r für  die  Fußpunktskurve  (F),  die  der  Schnittkurve  (S) 
der  Strahlenfläche  mit  der  Grenzebene  @ des  Kristalls  entspricht. 
Zu  (F)  gehören  jedoch  ebenso  wie  zu  (S)  zwei  verschiedene  Strahlen- 
flächen. Daher  kann  die  Messung  der  vier  extremalen  Grenzwinkel 
nur  ein  zweideutiges  Resultat  über  die  Strahlenfläche  ergeben,  der 
mittlere  Hauptbrechungsindex  bleibt  unbestimmt.  Auch  die  Beobach- 
tung aller  Grenzwinkel  O kann  die  Zweideutigkeit  nicht  auflieben. 

Mithin  folgt  der  Satz : 

Die  Bestimmung  der  vier  extremalen  Grenzwinkel 
sowie  die  Bestimmung  aller  Gr enzwinkel  der  totalen 
Reflexion  an  einer  Grenzebene  & des  Kristalls  reichen 
allein  nicht  hin,  um  die  drei  Hauptbrechungsindizes 
eindeutig  zu  ermitteln,  da  diese  Messungen  nur  den 
Schnitt  (S)  zwischen  Strahlenfläche  und  Grenzebene 
festlegen. 

Um  die  drei  Hauptbrechungsindizes  eindeutig  zu  Anden,  muß 
also  außer  den  vier  extremalen  Grenzwinkeln  wenigstens  noch  eine 
andere  Größe  beobachtet  werden,  die  von  den  Polarisationskonstanten 
abhängt.  C.  Viola  hat  zu  diesem  Zwecke  die  Azimute  eines 
vor  das  Auge  geschalteten  Xicols  beobachtet,  bei  denen 
jedesmal  die  Grenze  für  <&,,  0.2,  03,  ein  Minimum  von  Deut- 
lichkeit zeigt.  Mittels  dieser  Xicolazimute  hat  Viola  zwei  Regeln 
für  die  Unterscheidung  von  <$.,  und  <Z>3  aufgestellt.  Ich  habe  die 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  37 


578 


Fr.  Schwietring, 


beiden  Regeln  in  einer  früheren  Abhandlung 1 die  Rechnungsregel 
und  die  Beobachtungsregel  genannt  und  gezeigt,  daß  sie  beide 
unbegründet  und  unzuverlässig  sind.  Ferner  habe  ich  eine  neue 
Unterscheidungsregel  aufgestellt,  die  den  Vorzug  strenger  und  all- 
gemeiner Gültigkeit  besitzt,  im  Gebrauch  allerdings  mehr  Zeit 
erfordert  als  Viola’s  Regeln.  Weiter  habe  ich  darauf  hingewiesen, 
daß  sich  eine  allgemeine  und  sehr  einfache  Unterscheidungsregel 
ergibt,  wenn  der  Nicol  einem  Vorschläge  von  F.  Pockels  gemäß 
in  den  Gang  der  streifend  einfallenden  Strahlen  eingeschaltet  wird. 

Kürzlich 2 hat  C.  Viola  vier  neue  Methoden  augegeben,  um 
<D 2 und  (1) 3 zu  unterscheiden.  Die  erste  Methode  nennt  er  die 
K o n s t r u k t i o n s m e t h o d e.  Die  Richtungen  in  der  Grenzebene  @ 
des  Kristalls,  in  denen  <P{,  (p.2,  (P3,  <PA  auftreten,  seien  A,  B,  d,  r. 
Unter  der  Voraussetzung,  daß  etwa  <Z>2  der  zu  nj,  gehörige  Winkel 
ist,  konstruiert  Viola  nach  einem  Näherungsverfahren  für  den  in 
der  Richtung  J streifend  einfallenden  Strahl  die  entsprechende 
Normalenrichtung  J' . Der  Winkel  zwischen  Strahl  und  Wellen- 
normale ist  im  allgemeinen  nicht  groß.  Deshalb,  so  behauptet 
nun  Viola,  wird  die  über  <!>.,  gemachte  Voraussetzung  zutreffend 
sein,  wenn  die  konstruierte  Richtung  J‘  und  die  beobachtete  Rich- 
tung J sehr  nahe  zusammenfallen.  — Hierzu  ist  zu  bemerken, 
daß  diese  Konstruktionsmethode  nach  dem  oben  auf- 
gestellten Satze  unrichtig  ist.  Mit  Hilfe  von  t/t, , (p.2.  (P3.  <Pi 
allein  kann  die  Zweideutigkeit  für  nh  sicherlich  nicht  aufgehoben 
werden;  dazu  ist  mindestens  eine  neue  Beobachtung  erforderlich, 
eine  Konstruktion  genügt  nicht.  Für  die  Voraussetzung,  daß  n t, 
durch  <P2  geliefert  wird,  läßt  sich  zu  dem  Strahl  in  der  Richtung  J 
die  Normalenrichtung  d‘  natürlich  konstruieren,  und  zwar  auch 
genau.  Aber  ganz  dasselbe  ist  für  die  zweite  Möglichkeit  unter 
Benutzung  von  (P3  durchführbar;  eine  Entscheidung  zwischen  den 
beiden  fraglichen  Werten  <Z>,,  03  durch  die  Konstruktion  ist  aus- 
geschlossen. 

Bei  der  zweiten  Methode  beobachtet  Viola  außer  </>,,  (p3,  <P± 

die  beiden  AuslöschungsrichtungenP  und  Pt  des  Kristall- 
schnittes. Diese  Richtungen  sind  für  die  beiden  möglichen  Strahlen- 
flächen verschieden.  Durch  den  Vergleich  der  für  P,  P1  beobach- 
teten Lage  mit  den  beiden  anderen  Lagen,  die  sich  mittels  <P , 
und  (P3  durch  Rechnung  und  Konstruktion  ergeben , ist  demnach 
ein  gangbarer  Weg  gezeigt,  um  die  Zweideutigkeit  für  nb  zu 
beseitigen.  Zu  der  Durchführung  dieser  Methode  bei  Viola  ist  zu 
bemerken,  daß  Viola  wieder  ein  Näherungsverfahren  einschlägt, 
indem  er  die  Richtungen  J und  d‘  miteinander  vertauscht. 

Die  dritte  Methode  von  Viola  ist  dagegen  wieder 


1 F.  Schwietring,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  I.  p 21—36. 

J C.  Viola,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  TI.  p.  45 — 66. 


Bemerkungen  zu  den  Untersuchungen  von  C.  Viola  etc.  579 

ebenso  unrichtig  wie  die  erste,  weil  sie  nb  allein  mit 
Hilfe  der  Grenzwinkel  <b  aufsuchen  will.  Viola  behauptet,  daß 
die  Zunahme  des  Grenzwinkels  O für  die  Richtung  z!‘  ein  Maximum 
ist.  Träfe  das  zu,  so  müßte  für  die  entsprechende  Richtung  B‘ 
ein  ähnliches  Maximum  existieren.  Denn  nach  dem  oben  auf- 
gestellten Satze  wird  durch  die  Messung  der  Grenzwinkel  O nur  der 
Schnitt  (S)  zwischen  Strahlenfläche  und  Grenzebene  festgelegt,  zu 
dem  zwei  Strahlenflächen  gehören ; die  Richtungen  B und  J können 
also  hinsichtlich  der  Grenzwinkel  O keinen  Unterschied  gegen- 
einander zeigen.  Diese  Tatsache  tritt  schon  deutlich  in  Viola’s 
eigenen  Messungen  am  Albit  von  Amelia  1 hervor,  die  zwei  Maxima 
in  den  Richtungen  B',  J‘  aufweisen. 

Bei  der  vierten  Methode  beobachtet  Viola  außer  O $s,  Oi 
in  einem  Polarisationsmikroskop  für  konvergentes  Licht  die  Ebene  (5 
der  optischen  Achsen  des  Kristalls.  Die  Lage  dieser  Ebene  G 
ist  für  die  beiden  möglichen  Strahlenflächen  verschieden  ; je  nach- 
dem G die  Richtungen  B oder  /I  enthält,  liefert  0.2  oder  <bz  den 
Wert  für  Ub-  Folglich  zeigt  diese  Methode  in  der  Tat  einen  ein- 
fachen und  brauchbaren  Weg,  um  iib  zu  finden. 

Die  von  mir  näher  untersuchte  Methode,  die  Zweideutigkeit 
für  nb  mittels  eines  Nicolazimut  es  zu  beseitigen,  ist  zunächst 
theoretisch  von  Interesse,  weil  sie  sich  lediglich  auf  die  Er- 
scheinungen der  totalen  Reflexion  gründet.  Auch  prak- 
tisch gestaltet  sich  diese  Methode  bei  der  Einschaltung  des  Nicols 
nach  F.  Pockels  sehr  einfach.  Viola  hebt  von  seiner  vierten 
Methode  hervor,  daß  sie  auch  die  Zweideutigkeit  der  Orientierung2 
für  die  drei  optischen  Symmetrieachsen  X,  Y,  Z löst.  Er  behauptet, 
daß  man  die  beiden  möglichen  zur  Grenzebene  @ symmetrischen 
Orientierungen  von  X,  Y,  Z bislang  nicht  in  Erwägung  gezogen 
habe.  Dazu  ist  zu  bemerken,  daß  Viola  sich  hiermit  offenbar 
selbst  einen  Vorwurf  macht.  Er  hat  nämlich  in  seinen 
Arbeiten  über  die  Nicolazimute  eine  ganze  Reihe  von  Vernach- 
lässigungen eingeführt,  ohne  sie  und  ihre  Bedeutung  auch  nur  mit 
einem  Worte  zu  streifen.  Ich  habe  darauf  aufmerksam  gemacht3, 
daß  Viola  den  Unterschied  der  Nicolazimute  bei  streifendem  Ein- 
fall und  bei  Totalreflexion  des  Lichtes,  ferner  denjenigen  zwischen 
dem  Einfall  des  Lichtes  von  rechts  und  von  links  in  derselben 
Einfallsebene  nicht  beachtet  hat.  Weiter  hat  Viola  niemals  an- 
gegeben, in  welcher  Richtung  seine  beobachteten  Nicol- 
azimute  zu  rechnen  sind4.  Hätte  er  nun  das  letztere  be- 

1 C.  Viola,  a.  a 0.  p.  59. 

2 C.  Viola,  a.  a.  0.  p.  65. 

3 F.  Schwietring,  Inaug.-Dissert.  Göttingen  1908.  N.  Jalirb.  f.  Min.  etc. 
Beil.-Bd.  XXVI.  p.  374.  1908. 

4 Vergl.  meine  Bemerkungen  über  die  Xicolazimute  « und  180° — « 
a.  a.  0.  p.  375. 


37* 


580 


M.  Berek,  Berichtigung  und  Nachtrag 


achtet,  so  hätte  er  gesehen , daß  schon  die  Messung  des  zu  <bx 
gehörigen  Nicolazimutes  die  Orientierung  von  X,  Y,  Z festlegt; 
die  Frage  der  beiden  symmetrischen  Orientierungen  wäre  dann  für 
Viola  überhaupt  nicht  entstanden. 

Viola  behauptet  *,  daß  die  von  mir  aufgestellte  Methode  sich 
auf  den  von  ihm  gefundenen  Satz  gründe,  daß  für  den  auszu- 
scheidenden extremalen  Grenzwinkel  der  im  Kristall  streifend  ein- 
fallende Strahl  vor  der  Brechung  senkrecht  zur  Einfallsebene 
polarisiert  ist.  Diese  Behauptung  von  Viola  ist  völlig 
unrichtig;  meine  Unterscheidungsregel1  2 gründet  sich  lediglich 
auf  einen  von  mir  bewiesenen  allgemeinen  Satz  über  die  charak- 
teristischen Nicolazimute.  Sie  hat  mit  dem  Satze  von  Viola  nichts 
zu  tun.  Bei  der  Nicoleinschaltung  nach  F.  Pockels  wird  der  Satz 
von  Viola  zwar  vielfach  nützlich  sein,  aber  auch  hier  ist  er  nicht 
die  Grundlage,  weil  er  für  manche  Fälle  zur  Lösung  der  Aufgabe 
nicht  hinreicht. 


Berichtigung  und  Nachtrag  zu  meiner  Mitteilung  ,,Zur  Mes- 
sung der  Doppelbrechung  usw.“ 

Von  M.  Berek  in  Wetzlar. 

Herr  F.  Pockels  hatte  die  Freundlichkeit,  mich  nacli  Er- 
scheinen des  ersten  Teiles  der  Mitteilung3  auf  zwei  Punkte  auf- 
merksam zu  machen,  die  ich  hiermit  berichtige  und  ergänze. 

1.  Zunächst  handelt  es  sich  darum,  wovon  die  Farbfolge 
eines  doppeltbrechenden  Keiles  abhängt.  In  den  maßgebenden  Lehr- 
büchern werden  größere  Abweichungen  von  der  NEWTON’schen  Skala 
auf  größere  Dispersionsbeträge  und  entsprechend  unvollständige 
Kompensation  im  weißen  Licht  auf  ungleiche  Dispersion  zurück- 
geführt. Ich  hatte  p.  392  ebenfalls  behauptet,  daß  für  die  Farb- 
folge nur  der  Betrag  der  Dispersion  maßgebend  sei.  Indes  läßt 
sich  sehr  leicht  zeigen,  daß  dies  irrig  ist. 

d'n  bezeichne  die  Doppelbrechung,  J ihre  Dispersion  für  zwei 
Lichtarten  und  1 die  Plattendicke.  Die  Indizes  ' und  “ beziehen 
sicli  auf  zwei  verschiedene  Platten.  Für  eine  Lichtart  von  der 
Wellenlänge  / haben  beide  Platten  denselben  Gangunterschied  r, 
in  der  Maßeinheit  von  1 gemessen,  wenn 

„ 1 dn  ^ = 1 cfii^  = r 1) 

ist.  Für  eine  zweite  Lichtart  k + dA  werden  die  Gangunterschiede 

1"  (ttaA + //")=  r + \“j‘‘ 


1 C.  Viola,  a.  a.  0.  p.  66. 

- F.  Schwietring,  a.  a.  0.  p.  31. 

3 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  388. 


zu  meiner  Mitteilung  „Zur  Messung  der  Doppelbrechung  usw.“  581 


Damit  auch  für  diese  Lichtart  die  Gangunterschiede  beider 
Platten  gleich  werden,  also  beide  Platten  denselben  Farbton  zeigen, 
muß  die  Bedingung  erfüllt  sein: 

1'^'  ==  l“st“  3) 

oder  unter  Benützung  von  l): 

J'  /T 

— = — TT-  4) 

Besteht  diese  Beziehung,  so  zeigen  auch  zwei  Keile  dieselbe 
Farbfolge,  da  über  die  Größe  von  F keine  Bescliränkung  getroffen 
zu  werden  brauchte.  Obwohl  eine  völlig  identische  Farbenskala 
im  weißen  Licht  für  zwei  vollkommen  durchsichtige  doppeltbrechende 
Medien  nur  dann  vorhanden  sein  kann,  wenn  die  Beziehung  4 für 
jedes  Wellenlängenintervall  im  sichtbaren  Spektrum  besteht,  so 

^c— F 

genügt  praktisch  schon  die  annähernde  Gleichheit  von  — j 

Es  muß  also  heißen : Für  ein  mehr  oder  minder  starkes 
Ab  weiche n der  Interferenzfarben  eines  doppelt- 
brechenden Keiles  von  der  Newtons  eben  Farbenskala 
ist  das  Verhältnis 

Dispersion  der  Doppelbrechung 
Doppelbrechung 

maßgebend.  Demgemäß  liefern,  entgegen  der  Behauptung  auf 
p.  391,  senkrecht  zur  optischen  Achse  geschnittene  Platten  nur 

derjenigen  Mineralien,  für  welche  ^ klein  ist,  Farbtöne,  die 

denen  der  NEWTON’schen  Skala  nahestehen.  Diese  Bedingung  ist 
allerdings  für  Kalkspat  hinreichend  erfüllt. 

2.  Die  abgeleitete  Kompensatorformel  ist  nicht  streng,  weil 
bei  der  Berechnung  der  Schichtdicke  (Gleichung  5)  die  außer- 
ordentliche Wellennormale  bevorzugt  wurde. 

Beim  strengen  Ansatz  sind  die  Wege  beider  Wellennormalen 
im  Kristall  und  in  der  Luft  zu  berücksichtigen  bis  zu  einer  be- 
liebigen Stelle  in  Luft,  wo  beide  Wellen  dieselbe  Fronthöhe  er- 
reicht haben,  Dann  wird 1 

r = 1 (o>  cos  — ne  cos  <p ne) 

sin  i . sin  i 

worin  sin  ^ sm<fne  = -^— 

1 

\ll  cosVne  \2  / \2 

i,nd  ne=V(-H  + (-v-) 

zu  setzen  ist.  Wenn  man  hier  in  ähnlicher  Weise  umformt  und 
entwickelt  wie  früher,  so  erhält  man  schließlich 

1 Vergl.  F.  Pockkls,  Lehrb.  d.  Kristalloptik,  Leipzig  und  Berlin 
1906.  p.  231. 


582 


Svante  Arrhenius 


Gegenüber  der  früheren  Kompensatorformel  tritt  erst  im 
dritten  Klammergliede  eine  Abweichung  ein.  Die  Koeffizienten 
der  Korrektionsglieder  werden 


Setzt  man  für  die  Schichtdicke  den  Weg  der  ordentlichen 
Wellennormalen  an,  so  wird 

a = 0.2040  b = 0,0546. 

Führt  mau  endlich  eine  mittlere  Schichtdicke  ein,  indem  man 


ansetzt,  so  erhält  man  genau  dieselben  Koeffizienten  a und  b wie 
in  der  strengen  Formel. 

Wenn  man  in  der  Tab.  3 (p.  433)  die  Konstante  f (J)  gemäß 
der  letzten  Spalte  mit  zwei  Korrektionsgliedern  für  die  hier  mit- 
geteilten Koeffizienten  a und  b berechnet,  so  zeigt  sich,  daß  die 
Annäherungen  erst  für  F = 4|  /.  von  der  strengen  Formel  um 
eine  Einheit  der  4.  Dezimalen  abweichen.  Der  Mittelwert  f (J) 
bleibt  mithin  völlig  unbeeinflußt.  Beachtet  man  noch  überdies, 
wie  schon  p.  434  erwähnt,  daß  die  Berücksichtigung  des  Gliedes 
b sin4  i überhaupt  keine  Verbesserung  der  Meßresultate  mehr  herbei- 
fiihrt,  so  folgt : 

Es  ist  praktisch  unwesentlich,  ob  für  die  Schicht- 
dick e der  strenge  Ansatz  oder  eine  Annäherung  unter 
Benützung  des  Weges  der  ordentlichen  oder  außer- 
ordentlichen Wellennormale  allein  oder  eines  Mittel- 
wertes beider  Weglängen  gewählt  wird. 

Wetzlar,  im  Juli  1913. 


Widerlegung  der  physikalischen  Einwände  gegen  die  Kohlen- 


Herr  Kayser  erwähnt  mit  einigen  Worten  die  Berechnung  über 
den  Einfluß  der  atmosphärischen  Kohlensäure  auf  die  Temperatur- 
verhältnisse der  Erde.  Nachdem  er  hervorgehoben  hat,  daß  die 
durch  diese  Berechnung  gefundenen  Folgerungen  ganz  ausgezeichnet 
mit  den  geologischen  Befunden  betreffs  der  Klimaschwankungen 
übereinstimmen,  setzt  er  aber  hinzu:  „Leider  haben  indes  neuere 
Untersuchungen  von  Ängström  u.  a.  gezeigt,  daß  die  physikalischen 
Voraussetzungen,  auf  die  Arrhenius  seine  Schlüsse  aufbaut,  voll- 


a = 0,2010  b = 0.0627  gegenüber 

0,2040  0.0708  in  der  früheren  Formei. 


säuretheorie. 

Von  Svante  Arrhenius. 


Widerlegung  etc. 


583 


ständig  unhaltbar  sind“  (vergl.  Kayser,  Allgem.  Geologie.  4.  Aufl. 
1912.  p.  7 ff.,  Lehrbuch  d.  Geologie.  5.  Aufl.  1913.  p.  211 — 212). 

Daß  diese  pessimistische  Auffassung  von  Herrn  Kayser  un- 
begründet ist,  habe  ich  schon  1 908  erwiesen  ’.  Die  zitierte  Arbeit 
von  Angström  stammt  aus  1900.  Er  behauptet  darin,  daß  „die 
Kohlensäureabsorption  sehr  wenig  von  den  Veränderungen  im 
atmosphärischen  Kohlensäuregehalt  abhängig  ist,  solange  dieser 
nicht  kleiner  als  0,2  des  jetzt  vorhandenen  ist“.  Ich  habe  des- 
halb direkte  Versuche  (1900)  angestellt,  welche  zeigten,  daß 
Angström’s  Behauptung  nicht  stichhaltig  ist,  so  daß  die  durch 
Kohlensäure  verursachte  Absorption  der  Wärme  von  einem  strah- 
lenden Körper  von  mittlerer  Erdtemperatur  bei  zunehmender  Kohlen- 
säuremenge 30  % übersteigen  kann,  während  Angström  dieselbe 
zu  „höchstens  16°/o“  schätzt.  Nun  suchte  wohl  Angström  diese 
Tatsache  durch  neue  Versuche  seines  Schülers  Koch  (1901)  zu 
entkräften,  welcher  fand,  daß  dieselbe  Menge  Kohlensäure  bei 
niederem  Druck  (ihrem  Partialdruck  in  der  Atmosphäre)  weniger 
Wärme  absorbiert  als  in  einem  Kohr,  wie  bei  meinen  Versuchen, 
auf  Atmosphärendruck  zusammengepreßt.  Die  Schlüsse  von  Koch 
und  Angström  wurden  gleich  danach  (1902)  von  Ekholm  als  hin- 
fällig erwiesen,  und  der  Hauptpunkt  in  Koch’s  Einwand  gegen 
meine  Bestimmungen  ist  von  Angström  selbst  (1908)  zurück- 
gewiesen, indem  er  zeigte,  daß  die  Absorption  durch  Kohlensäure 
in  der  Atmosphäre  nicht  auf  ihrem  Partialdruck,  sondern  auf  dem 
Totaldruck  der  Atmosphäre  beruht. 

Im  Jahre  1905  glaubte  Herr  Schäfer  wiederum  den  oben 
zitierten  Satz  (vom  Jahre  1900)  von  Angström  aufrecht  erhalten 
zu  können.  Er  wurde  aber  von  seinem  Lehrer  Rubens  und  von 
Ladenburg  widerlegt.  Der  Meinungsunterschied  beruht  darauf, 
daß  Angström,  Koch  und  Schäfer  die  Strahlung  von  recht 
heißen  Körpern  (100°  bis  300°  C),  d.  h.  „kurzwellige“  Strahlung 
(2,6  fi  und  4,4  //)  beobachtet  haben,  während  ich,  sowie  Rubens 
und  Ladenburg,  die  Strahlung  eines  Körpers  von  der  Temperatur 
der  Erde  (etwa  16°  C)  mit  einem  „langwelligen“  Strahlungs- 
maximum bei  10  fi  untersuchten.  Danach  habe  ich  die  Messungen 
von  Rubens  zu  Neuberechnungen  benutzt  und  gefunden,  daß  ein 
Sinken  des  atmosphärischen  Kohlensäuregehalts  auf  50°/o  genügt, 
um  die  Temperatur  auf  diejenige  der  Eiszeit  (d.  h.  um  4,5  0 C)  herab- 
zusetzen, während  meine  frühere  Berechnung  ein  Sinken  auf  42  °/o 
verlangt  hatte.  Ich  halte  die  letzte  Ziffer  für  wahrscheinlicher. 

Die  Streitfrage  dürfte  wohl  damit  erledigt  sein.  Es  ist  ja 
auch,  wie  Herr  Kayser  offenbar  meint,  sehr  glücklich,  daß  die 
geologische  Erfahrung  so  gut,  wie  man  nur  wünschen  kann,  mit 
den  Folgerungen  aus  den  physikalischen  Gesetzen  übereinstimmt. 


1 Dies.  Centralbl.  1908.  p.  481. 


584 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis 


Beiträge  zur  Kenntnis  des  oberen  Hauptmuschelkalks  in 
Elsass-Lothringen. 

Ton  Georg  Wagner  aus  Künzelsau  (Württemberg). 

Mit  einer  Kartenskizze. 

(Schluß.) 

Profil  Falkenberg 

am  Bahnhof  im  Eisenbahneinschnitt  und  gegen  Steinbiedersdorf  zu. 
ca.  4 m Fränkische  Grenzschichten. 

160  cm  Glaukonitkalk:  Splitterkalkbänke,  Kalkknollen  und  Mergel. 
220  cm  Bairdienton : 

65  Mergelschiefer  mit  2 welligen  Kalkbänken  oder 
Knollenlagen. 

15—20  3 — 4 Kalkbänkchen  mit  Bonebed,  am  Bahnhof  mit 
Myophoriapesanseris,  Modiola,  Austern. 
75  gelbe  Mergelschiefer,  hei  30  cm  härtere  Plättchen 
mit  Fischresten,  hei  40 — 55  cm  graugrüne  Schiefer- 
tone mit  weißen  Schalen  von  Bairdia. 

5 graues  glattes  Kalkbänkchen. 

25 — 30  graue  bis  gelbgrüne  Mergelschiefer. 

20 — 40  gelbgrauer  Splitterkalk  mit  rötlichen  Drusen.  Bau- 
stein. Unten  Bonebed.  Austern;  Myophoria  iuter- 
media,  Ceratites  semipartitus. 

5 — 15  Mergel. 

4,6  m Terebratelscbichten : 

10 — 15  O.T.  2 Kalkbänkchen,  z.  T.  Knauerkalk  mit  viel  Tere- 
brateln. Gervillia  socialis,  substriata,  subcostata ; Myalina 
eduliformis,  Terqucnua  complicata,  Austern.  Ceratites 
semipartitus. 

20  graugrüne  bis  gelbe  Mergelschiefer. 

10  fester  blauer  Splitterkalk. 

40 — 50  G I : graugrüner  Mergelschiefer. 

100  Wulstkalke  und  Mergel  zwischen  2 Splitterkalkbänken; 
Gervillia,  Ceratites  dorsoplanus. 
ca.  100  G II : graugelber  Mergel,  verschüttet. 

110  gelbgraue  und  rötliche  Splitterkalke  mit  Terebrateln  und 
Austernriffen,  bald  anschwellend,  einheitlich,  massig,  bald 
in  viele  einzelne  Bänke  zerteilt. 

70  K:  gelbe  Mergel  (verschüttet)  mit  dünnen  Kalkplatten. 
Gervillia. 

1 m Hauptterebratelbank,  sehr  reich,  kalkig,  mitten  blättrig-bröcklig, 
oben  und  unten  fester. 

Oberer  Gervillienkalk,  beginnend  mit  gelbem  Mergel  (M  I),  Gervillien- 
platten  und  .ID/Glus-Platten  (170  cm  unter  H.T.). 


des  oberen  Hauptmuschelkalks  in  Elsaß-Lothringen.  5£5 

Profil  Wasselnheim — Zeinsheim  (kombiniert). 

1(—  2)  m Fränkische  Grenzschichten:  Glaukonitkalk  mit  Bonebed,  Fluidal- 
struktur,  gelbe  Mergel,  schwach  wellige  Kalke. 

ca.  6m  Terebratelschichten:  oben  65  cm  Splitterkalk,  brecciös  (O.T.?), 
unten  mit  Sphärocodien  und  Bleiglanz.  Dann  gelbe  Dolo- 
mite, wenig  Kalk,  Myophoria  Goldfussi ; unten  gelbe  Mergel, 

1,2— 1,9  m Hauptterebratelbank,  reich  an  Terebrateln,  oben  Myophoria 
Goldfussi,  dolomitisch,  blättrig,  unten  kalkig. 

5,8  m Oberer  Gervillienkalk : 

50  M I gelbe  Mergel  mit  Kalkbänken.  Gervillia  socialis. 

180  Muschelbänke , Blaukalk  und  Mergel,  Gervillia  socialis, 
Austern,  Myophoria  Goldfussi. 

40  gelbe  Mergel.  Einkeilender  Dolomit. 

160  Splitterkalk,  Blaukalk  und  Mergel.  Linsen  von  Chalcedon. 
40  MII  gelbe  Mergel,  senkrecht  kliiftend. 

100  Splitterkalkbänke,  mitten  Blaukalk  und  Mergel. 

20  MIII  gelbe  Mergel. 

ca.  4,8  m Unterer  Gervillienkalk: 

40  Bank  der  kleinen  Terebrateln  = K.T.,  oben  Muschel- 
bank;  kleine  Terebrateln  mit  Kieselringen,  Gervillia  socialis 
Myophori  a Goldfussi , Pseudomonotis  Alberti,  Austern, 
Lima,  Sphärocodien. 

170  Muschelbänke  mit  Gervillia  (Hebräer),  Blaukalk,  Myaciten. 
60  Wulstkalk  und  Mergel,  große  Gervillien,  kleine  Ceratiten 
(wie  in  Franken). 

180  Muschelbänke  mit  Mergel,  Gervillia,  Lima. 

30  Mergel. 

p 

Obere  -ZVodosas-Platten  beginnend  mit  Splitterkalk  und  Kornstein. 

Zur  Dolomitfrage. 

Der  Dolomit  setzt  diesseits  wie  jenseits  des  Rheines  unter 
der  oberen  Terebratelbank  bezw.  unter  dem  oberen  Sphärocodien- 
kalk  ein.  Zunächst  werden  die  terebratelführenden  Schichten 
zwischen  der  zweiten  gelben  Bank  (G  II)  und  der  Hauptterebratel- 
bank (H.T.)  dolomitisch,  einerlei,  ob  im  nördlichen  Enz-  und  Murr- 
gebiet und  im  südlichen  Kraichgau  oder  am  Ostrande  der  Vogesen 
(Wasselnheim)  oder  im  Gebiet  der  französischen  Nied  (Vaucremont — 
Silbernachen — Kürzel  und  Aidlingen — Busendorf).  Stets  werden 
die  gelben  Dolomite  von  reinen  blauen  Kalken  oder 
Splitter  kalken  überlagert,  und  normal  macht  der  Dolomit 
unter  dem  oberen  Sphär ocodienkalk  halt.  Werden  die 
gelben  Dolomite  zu  Grenzschichten  gegen  die  Lettenkohle  (Rems- 
tal), so  sind  eben  die  blauen  Kalke  darüber  ausgekeilt.  Weiter 


586 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis 


nach  Süden  bezw.  Südosten  (im  unteren  Saargebiet  wohl  nach 
Nordwesten)  geht  der  Dolomit  auch  weiter  herab , die  Haupt- 
terebratelbank wird  dolomitisch,  und  in  den  Gervillienkalken  treten 
bei  Sulzbad  Dolomite  auf,  genau  wie  am  mittleren  Neckar.  Diese 
Dolomite  des  Elsasses  und  in  Lothringen  entsprechen 
genau  unserem  Trigonodus-D olomit  (der  ja  auch  normal 
keinen  Trigonodus  führt).  Sie  haben  nichts  zu  tun  mit  der  „unteren 
dolomitischen  Region“,  ebensowenig  wie  unser  Trigonodus-Dolomit 
mit  den  Fränkischen  Grenzschichten,  in  denen  allerdings  gelegent- 
lich auch  dolomitische  Lagen  auftreten  können. 

Zugleich  mit  dem  Einsetzen  des  Dolomits  beginnt  auch  eine 
Verarmung  der  Fauna.  Die  Ceratiten  fehlen  fast  ganz  in 
den  Dolomiten  und  sind  sehr  spärlich  auch  in  den  Kalkbänken  des 
Dolomitgebiets,  besonders  im  Süden.  Am  Rande  des  Dolomitgebiets 
sind  Terebrateln  in  der  Hauptterebratelbank  noch  sehr  häufig; 
bei  Sulzbad  werden  sie  schon  spärlicher  — obwohl  noch  genügend 
vorhanden  sind,  um  die  Bank  deutlich  zu  erkennen  — , und  weiter 
im  Süden  (Rappoltsweiler,  Freiburg)  scheinen  sie  zu  fehlen.  Da- 
gegen wird  Myoplioria  Goldfussi  häufiger;  sie  bevorzugt 
geradezu  Dolomitgebiete,  in  denen  Pccten,  Lima,  Terquemia,  Mytilus 
(=  Myalina ) ziemlich  selten  werden.  Die  kleinen  Terebrateln 
haben  am  Rande  der  Dolomitgebiete  ihre  schönste  und  reichste 
Entfaltung  (denn  hier  sind  diese  Schichten  noch  kalkig,  weiter  im 
Süden  jedoch  treten  sie  mehr  zurück,  an  ihre  Stelle  tritt  in  Schwa- 
ben Myoplioria  Goldfussi).  Aufschlüsse  im  Dolomitgebiet  zeigen 
häufig  eine  abschreckende  Armut  an  Fossilien,  und  den  großen 
Steinbrüchen  am  oberen  Neckar  (Rottenburg)  und  bei  Bietigheim 
stehen  die  im  südlichen  Elsaß  würdig  zur  Seite.  Allerdings  zeigen 
einzelne  Orte  eine  überaus  reiche  Fauna  (Marbach  — Dürrheim  — 
Zimmern),  aber  das  sind  nur  nesterweise  Vorkommen.  Diese  Fossil- 
armut gegenüber  den  reichen  Schätzen  im  Tongebiet  ist  nur  zu 
einem  sehr  geringen  Teil  sekundär,  d.  li.  durch  Zerstörung  der 
Fossilreste  entstanden.  Vor  allem  aber  beweist  dies  die  eigen- 
artige Auslese  unter  den  Formen.  Die  Dolomitfauna  ist  wesent- 
lich verschieden  von  der  Kalkfauna,  man  könnte  fast  sagen,  sie 
habe  mehr  Letten  kohlen  Charakter.  Dazu  finden  wir  am  Rande 
des  Dolomitgebiets  im  Dolomit  noch  deutliche  Terebratelbänke,  die 
erst  weiter  im  Süden  im  Dolomit  untergehen.  Und  die  zwisclieu- 
liegenden  Kalkbänke  sind  meist  ebenso  steril  wie  die  Dolomite. 

Der  Trigonodus-Doloimt  tritt  auch  nicht  sporadisch  auf,  sondern 
flächen  ha  ft.  Die  Dolomite  des  Elsasses  wie  die  von  Freiburg 
bilden  mit  denen  Schwabens  und  des  südlichen  Frankens  ein  ein- 
heitliches Dolomitgebiet,  in  dem  immer  dieselben  Schichten 
(nach  Süden  entsprechend  mehr)  gelbe  Dolomite  sind.  Den  Rand 
des  Dolomitgebiets  begleiten  die  Sphärocodien  (unter  der  oberen 
Terebratelbank  und  im  unteren  Gervillienkalk).  In  Schwaben 


des  oberen  Hauptnmschelkalks  in  Elsaß-Lothringen. 


587 


kommen  dazu  noch  Oolithe.  Außerdem  steigt  in  Schwaben  wie 
in  der  Rheintalsenke  der  Gehalt  an  Kieselsäure  mit  der  Zu- 
nahme des  Dolomitgehalts.  Zunächst  sind  es  nur  einzelne  ver- 
kieselte  Schalen,  weiter  nach  Süden  aber  verkieselu  ganze  Bänke 
(Oolitli  von  Stetten — Haigerloch)  oder  vereinigt  sich  die  Kieselsäure 
in  langgestreckten  Chalcedonknollen  (Wasselnheim  — Sulzbad, 
Kappoltsweiler — Freiburg);  diese  werden  nach  Süden  immer  häufiger. 

Alle  diese  Tatsachen  lassen  sich  befriedigend  und  ungezwungen 
nur  dann  erklären,  wenn  man  die  primäre  Entstehung  des 
Dolomits  zur  Muschelkalkzeit  annimmt.  Eine  nachträgliche 
Dolomitisierung  durch  Tagwässer  etc.  ist  bei  der  riesigen  Ver- 
breitung des  Trh/onorfits-Doloraits  ausgeschlossen,  denn  das  südliche 
Dolomitgebiet  hat  eine  Ausdehnung  von  ca.  100X200  km.  Eine 
sekundäre  Dolomitisierung  kann  unmöglich  so  regelmäßig  und  flächen- 
haft wirken;  zum  mindesten  wären  dann  wohl  einige  Kalksporaden 
im  Dolomitgebiet  übrig  geblieben.  Dazu  bleibt  vollkommen  unver- 
ständlich, warum  weiter  beckeneinwärts  der  Dolomit  an  Mächtig- 
keit abnimmt  — an  seine  Stelle  treten  Kalke  und  Tone  — und 
gleichzeitig  die  Dolomitisierung  allmählich  ausklingt  — der  Dolomit- 
gehalt fällt  nach  Norden  — ; ferner  die  horizontale  Verzahnung 
mit  blauen  Kalken  und  kalkigen  Muschelbänken,  die  Überlagerung 
des  Dolomits  durch  den  Sphärocodienkalk.  Erst  wo  dieser 
auskeilt,  wird  der  Dolomit  die  höchste  Muschelkalk- 
schicht. Was  aber  am  meisten  in  die  Augen  fällt,  ist  der  merk- 
würdige Zusammenhang  mit  den  Küstenlinien  (Dolomit  im  Gebiet 
der  auskeilenden  Schichten)  und  die  Umrandung  des  Dolomitgebiets 
durch  Sphärocodien,  die  Bewohner  der  Flachsee. 

Daß  sekundäre  Dolomitisierung  vorkommt,  sei  unbestritten. 
Daß  lokale  Dolomitisierung  größerer  Schichtenstöße  so  erfolgt 
sein  kann,  ist  nicht  ausgeschlossen,  und  besonders  bei  sporadischem 
Auftreten  des  Dolomits  wird  damit  zu  rechnen  sein.  Auch  wandert 
der  Dolomit  aus  einem  Schichtenglied  in  ein  anderes,  daher  können 
lokal  auch  tiefere  oder  höhere  Schichten  dolomitisiert  sein.  Ferner 
wird  durch  die  Verwitterung,  durch  Tagwässer  der  Dolomitgehalt 
viel  schärfer  herausgehoben,  und  Gesteine,  die  frisch  nur  wenige 
Prozent  Dolomit  enthalten,  bekommen  dann  ganz  das  Aussehen  von 
Dolomit.  So  können  aber  nur  beschränkte,  lokale  Dolomitvorkommen 
erklärt  werden.  Die  Hauptmasse  der  Muschelkalkdolomite,  beson- 
ders der  Trigonodus-DcAomit,  haben  ihren  Dolomitgehalt  aus  der 
Muschelkalkzeit.  Denn  nie  kann  eine  sekundäre  Dolomitisierung 
so  einheitlich  und  so  flächenhaft  wirken.  Man  behauptet  ja  auch 
nicht  vom  Grenzdolomit  der  Lettenkohle,  daß  er  sekundär  dolomiti- 
siert sei.  Dazu  ist  es  gerade  der  Süden,  der  auch  im  unteren 
Trochitenkalk  gelbe  Dolomite,  z.  T.  mit  Trochiten  (Sulz)  enthält, 
während  die  mittleren  Schichten  des  Hauptmuschelkalks  kalkig 
bleiben.  Gerade  im  Süden  ist  auch  der  Dolomitgehalt  im  unteren 


588 


G.  Wagner,  Beiträge  zur  Kenntnis 


Muschelkalk  am  stärksten;  nach  Norden  nimmt  der  Wellen dolomit 
mehr  und  mehr  an  Mächtigkeit  ah,  und  kalkige  Gesteine  treten  an 
seine  Stelle.  Und  diese  weitgehende  Übereinstimmung  im  Auftreten 
aller  Dolomite  im  Muschelkalk  sollte  durch  reinen  Zufall  entstanden 
sein  ? Und  woher  soll  denn  die  ungeheure  Dolomitmasse  kommen  ? 

So  bleibt  der  Dolomit  als  Sediment  der  Flach see,  die 
sich  in  Schwaben,  im  südlichen  Baden  und  Elsaß  ausdehnte,  und 
wo  sich  gegen  die  Ardennen  zu  im  Gebiet  der  französischen  Nied 
das  Muschelkalkmeer  verflachte,  tritt  wieder  Dolomit  auf.  Der 
Dolomit  entstand  zu  gleicher  Zeit  im  Mosel-  wie  im  Neckarland 
und  im  Rheintal,  im  Süden  schon  etwas  früher.  Mit  dem  Auf- 
blühen der  letzten  Sphärocodien  schließen  auch  die  massigen  gelben 
Dolomite,  und  was  von  der  „dolomitischen  Region“  noch  zum 
Muschelkalk  gehört,  ist  entweder  reiner  Kalk,  Mergel  und  Ton, 
oder  aber  ein  dolomitischer  Kalk  und  Mergel.  Nie  treten  hier  die 
porösen,  gelben,  massigen  Dolomite  auf  wie  im  Trigronodus-Dolomit. 

Die  Ausdehnung  der  Dolomitgebiete  wirft  auch  neues  Licht 
auf  die  alten  Meereszusammenhänge.  Durchs  südliche  Württem- 
berg, Baden  und  Elsaß  kann  im  oberen  Hauptmuschelkalk  keine  tiefe 
Verbindung  nach  Süden  bestanden  haben;  denn  hier  dehnte  sich  ein 
seichtes,  wahrscheinlich  warmes  Meer  aus,  das  von  den  Ceratiten 
möglichst  gemieden  wurde.  Im  südlichen  Elsaß  sind  Ceratiten  ebenso 
selten  wie  im  südlichen  Württemberg  und  Baden.  Auch  über  die 
mittlere  Mosel  bestand  wohl  kaum  eine  Verbindung  nach  Westen. 
Die  Mulde  verlief  vielmehr  jenseits  der  Vogesen  über  Rohrbach  — 
Saargemiind — Falkenberg  und  von  da  wohl  über  Luneville — Epinal 
zur  Saöne  und  Rhone  gegen  Toulon.  Fast  möchte  man  den  Satz 
aussprechen : Das  Verbreitungsgebiet  der  hochmündigen  Ceratiten  — 
von  spärlichen  Funden  müßte  abgesehen  werden  — ist  das  Gebiet 
des  tieferen  Muschelkalkmeeres. 

Über  die  Abgrenzung  der  Schichten. 

Jenseits  des  Rheines  rechnet  man  die  Fränkischen  Grenz- 
schichten zur  Lettenkohle  (kiij)  und  zwar  nur  deshalb,  weil  es 
die  Preußen  in  der  Rheinprovinz  so  gemacht  hatten.  Daß  in 
Franken  eine  Abgrenzung  über  den  Terebratelschichten  unnatür- 
lich, unpraktisch,  sinnwidrig  wäre,  habe  ich  schon  früher  nachgewiesen 
(Geologische  Abhandlungen  von  Koken  1913.  12.  Heft  3).  Aber  die 
Übereinstimmung  zwischen  dem  Muschelkalk  diesseits  und  jenseits 
des  Rheines  ist  eine  außerordentlich  weitgehende.  Das  Saargebiet 
bei  Saargemünd — Rohrbach — Falkenberg  hat  dieselbe  Ausbildung 
des  obersten  Hauptmuschelkalkes  wie  das  Gebiet  am  unteren  Kocher 
oder  im  Beckeninnern  (Bauland).  Hier  sind  Semipartiten  nicht 
allzu  selten  über  der  oberen  Terebratelbank,  und  bei  Falkenberg 
fanden  wir  in  wenigen  Stunden  zwei  Semipartiten  über  der  oberen 
Terebratelbank,  also  in  unseren  Fränkischen  Grenzschichten.  Sie 


des  oberen  Hauptmuschelkalks  in  Elsaß-Lothringen. 


589 


fehlen  hier  also  drüben  ebensowenig  wie  hüben,  obwohl  sie  in  den 
Terebratelschichten  noch  häufiger  sind.  Schichten  mit  Ceratiten 
dürfen  aber  nicht  in  die  Lettenkohle  gestellt  werden.  Nun  läßt 
sich  aber  die  Fischschuppenbank  (=  Grenzbonebed)  im  Saargebiet 
sehr  gut  festhalten,  wie  mir  Herr  Bergrat  Schumacher  freundlichst 
mitteilte.  Auch  enthält  die  Trigonodus-Region  (=  Glaukonitkalk) 
mehr  Kalk  als  Dolomit , und  ihre  Fossilien  stehen  denen  des 
Muschelkalks  näher  als  denen  der  Lettenkohle.  Paläontologiscli 
ist  also  eine  Abgrenzung  über  der  oberen  Terebratelbank  nicht  zu 
rechtfertigen,  ebensowenig  petrographisch.  Wohl  ist  es  möglich, 
im  Gebiete  der  normalen  Ausbildung  eine  Trennungslinie  über  der 
oberen  Terebratelbank  zu  ziehen.  Wie  aber,  wenn  diese  fossilarm 
wird,  so  daß  es  die  größten  Schwierigkeiten  bietet,  sie  zu  finden? 
Oder,  wenn  au  Stelle  der  normalen  tonreichen  Ausbildung  die  Kalk- 
uud  Dolomitfazies  tritt?  Dann  ist  diese  Grenze  unnatürlich,  un- 
praktisch, unmöglich.  Hätte  man  mit  dem  Kartieren  etwa  auf 
Blatt  Zabern  begonnen,  wäre  man  nie  auf  den  Gedanken  gekommen, 
eine  andere  Grenze  zu  wählen  als  die  unsere.  Denn  dort  ist  die 
typische  Kalkfazies  wie  etwa  bei  Lauffen  a.  N. — Hall — Kirchberg. 
Dann  steht  man  vor  einer  hohen  Kalkwand,  die  von  Mergeln  und 
Tonen  mit  etwas  Dolomit  überlagert  wird.  Und  jeder  unbefangene 
Beobachter  wird  dann  die  richtige  Grenze  wählen , während  die 
Trennungslinie  über  der  oberen  Terebratelbank  bei  uns  nicht  immer 
leicht  und  jenseits  des  Eheines  sehr  schwer  zu  finden  ist,  vielleicht 
sich  manchmal  mit  Sicherheit  überhaupt  nicht  immer  festhalten  läßt, 
am  wenigsten  im  Gelände.  So  bleibt  als  einzige  überall  brauchbare 
und  durchführbare  paläontologische  und  petrographische  Grenze  die 
übrig,  die  auch  Koken  vertrat,  über  dem  Glaukonitkalk  = „ Tri- 
(jonodus-Region“ . 

Landschaftlich  läßt  sich  allerdings  in  Lothringen  die 
Grenze  Muschelkalk — Lettenkohle  weniger  leicht  festhalten,  denn 
der  obere  Muschelkalk  enthält  sehr  viel  Tonlagen  und  die  untere 
Lettenkohle  noch  ziemlich  viel  Dolomitbänke.  So  hebt  sich  die 
Grenze  nicht  als  eine  so  deutliche  Kante  heraus  wie  in  Franken. 
Auch  Dohnen  sind  im  lothringischen  Muschelkalk  sehr  selten,  er 
ist  dazu  viel  zu  tonig.  In  dem  kalkreichen  elsässischen  Muschel- 
kalk hätten  sich  ähnliche  Landschaftsformen  wie  bei  uns  entwickelt, 
wenn  er  nicht  durch  Verwerfungen  viel  zu  sehr  zerstückelt 
worden  wäre. 


590 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 


Versammlungen  und  Sitzungsberichte. 

Londoner  Mineralogische  Gesellschaft.  Versammlung 
am  17.  Juni  unter  dem  Vorsitz  von  Dr.  A.  E.  H.  Tutton, 
F.  R.  S. 

W.  L.  Bragg:  Kristallstruktur  durch  Röntgen- 

stra  hlen  sichtbar  gemacht.  Die  Untersuchung  der 
Diffraktionsbilder,  die  man  erhält,  wenn  X-Strahlen  durch  eine 
Platte  eines  Kristalls  hindurchgehen,  zeigt,  daß  in  vielen  ein- 
fachen Kristallen  die  Diffraktion  durch  ein  System  von  Punkten 
hervorgebracht  wird,  die  in  einem  Raumgitter  angeordnet  sind. 
Dies  ist  der  Fall,  wenn  das  Molekül  entweder  nur  ein  einziges 
schweres  Atom  von  mindestens  dem  doppelten  Atomgewicht  der 
übrigen  Konstituenten  enthält,  oder  nur  zwei  Atome  von  nahe 
demselben  Atomgewicht.  Bei  Vergleichung  der  Bilder,  die  von 
gewissen  Alkalihaloiden,  wie  KCl  und  IvBr  hervorgebracht  werden, 
wird  eine  bestimmte  Struktur  dieser  regulären  Kristalle  klar  an- 
gedeutet, und  es  sieht  aus,  als  wären  die  Atome  in  einem  Raum- 
gitter angeordnet,  dessen  Elementarparallelepiped  der  Würfel  ist, 
in  der  Weise,  daß  die  beiderlei  Atome  auf  den  Achsen  miteinander 
abwechseln,  so  daß  die  Atome  jeder  Art  die  Ebenen  eines  kubischen 
Raumgitters  bilden.  Diese  Schlüsse  werden  bestätigt  durch  eine 
Vergleichung  der  Distanzen  zwischen  Ebenen  parallel  mit  den 
verschiedenen  Flächen  dieser  Kristalle,  ausgeführt  mit  dem 
X-Strahlen-Reflexionsspektrometer , und  es  zeigt  sich,  daß  ein 
einzelnes  Atom  mit  jedem  Punkt  des  Raumgitters  verbunden  ist, 
das  in  dem  betreffenden  Fall  die  Diffraktion  bewirkt,  z.  B.  bei 
den  Alkalihaloiden,  dem  Kalkspat,  Flußspat,  der  Blende  und  den 
Pyriten.  Wenn  die  angenommene  Kristallstruktur  die  richtige  ist, 
gibt  eine  einfache  Rechnung  die  absolute  Wellenlänge  in  Zentimetern 
der  homogenen  Bestandteile  in  dem  X-Strahlenbündel  von  einer 
Platin-Antikathode. 

H.  V.  Ells worth  : Der  Kristall liabitus  des  Topases 
von  Neu-Br aunschweig  in  Kanada.  Topas,  ein  seltenes 
Mineral  in  Kanada,  findet  sich  in  York  Co.  in  Neu-Braunschweig 
mit  Wolframit,  Molybdänglanz  und  etwas  Flußspat.  An  den 
Kristallen  herrschen  die  Formen:  (110),  (120),  (Oll)  und  (112), 
aber  auch  noch  andere  Pyramiden  und  Prismen  sind  fast  immer 
vorhanden;  im  ganzen  sind  16  Formen  beobachtet  worden.  Matte 
Flächen  wurden  nach  Brashear’s  Verfahren  mit  einem  Überzug 
von  Silber  versehen,  in  dein  eine  ammoniakalische  Lösung  von 
Silbernitrat  durch  eine  Zuckorlösung  reduziert  wurde. 

Dr.  Gf.  T.  Prior : Über  den  Meteoriten,  der  im 
September  1911  bei  Baroti  im  P endschab  (Indien) 
fiel.  Der  Stein,  der  zu  Tschermak’s  Gruppe  der  „intermediären 
Chondrite“  gehört,  ergab  bei  der  Analyse  ungefähr  9 0 o Nickel- 


Besprechungen. 


591 


eisen  und  7 °/o  Troilit,  die  in  kleinen  Partikeln  durch  eine  farb- 
lose Grundmasse  von  Enstatit  und  Olivin  mit  nur  wenigen  Chondren 
zerstreut  waren. 

Dr.  A.  W.  Gibb  zeigte  Kämm  er  er  it  von  Unst,  einer  der 
Shetlands-Inseln  vor. 


Besprechungen. 

F.  Rinne:  Allgemeine  Kristallographie  und 

Mineralogie  aus  Teil  III,  Abt.  III,  2.  des  Werkes  „Die 
Kultur  der  Gegenwart“,  herausgeg.  von  P.  Hinneberg.  Leipzig 
und  Berlin  bei  B.  G.  Teubner.  1913.  117  p.  53  Abb. 

Das  unsere  Zeit  kennzeichnende  Bedürfnis  nach  Übersichten 
und  Zusammenfassungen  der  wissenschaftlichen  Ergebnisse  des  ver- 
gangenen Jahrhunderts  findet  in  dem  großen  Werke  „Die  Kultur 
der  Gegenwart“  eine  glänzende  Befriedigung.  Ein  Band  dieses 
Werkes  wird  von  der  Chemie,  zusammen  mit  Mineralogie  und 
Kristallographie  eingenommen.  Der  letztere  Abschnitt  ist  von 
F.  Kinne  in  musterhafter  Weise  bearbeitet.  Die  Schrift  ist  zwar 
vorwiegend  für  Nichtmineralogen  gedacht,  sie  wird  jedoch  auch 
dem  Fachmann  durch  die  Form  der  Darstellung,  die  von  den 
üblichen  Büchern  über  Kristallographie  und  Mineralogie  erheblich 
abweicht,  von  großem  Werte  sein.  Zunächst  werden  in  den  ein- 
führenden Betrachtungen  das  Wesen  der  kristallinen  und  amorphen 
Materie,  das  Wachstum  der  Kristalle,  die  Reaktionen  im  festen 
Zustande  und  der  chemische  Ab-  und  Umbau  von  Kristallen  be- 
sprochen. Es  folgt  ein  geometrisch-kristallographisches  Kapitel, 
das  die  Formeigenschaften  des  Stoffes  im  kristallisierten  Zustande 
und  ihre  Erforschung  in  großen  Zügen  wiedergibt.  Im  Abschnitt 
„Physikalische  Kristallographie“  sind  entsprechend  der  üblichen 
Arbeitsteilung  die  Kohäsions-  und  die  optischen  Eigenschaften  der 
Kristalle  eingehender  behandelt,  während  die  übrigen  physikalischen 
Eigenschaften  bis  auf  kurze  Andeutungen  der  eigentlichen  Physik 
überlassen  bleiben.  Unter  dem  Titel  „Chemische  Kristallographie“ 
hat  der  Verf.  die  Kristallisationserscheinungen  von  Lösungen  und 
Schmelzen  (Lehre  der  heterogenen  Gleichgewichte),  weiterhin  die 
Metamorphosen  im  Mineralreich,  wie  Verwitterungsvorgänge, 
Kontaktmetamorphose,  Dynamometamorphose.  Metamorphose  der 
Salzlager  und  dergl.  beschrieben.  Das  Schlußkapitel  wird  als 
„Beziehungen  zwischen  dem  chemischen  und  dem  physikalischen 
sowie  geometrischen  Wesen  der  Kristalle“  bezeichnet  und  ist 
hauptsächlich  den  Erscheinungen  der  Polymorphie,  Isomorphie  und 
Mischkristallbildung  gewidmet.  Auf  Einzelheiten  kann  in  dieser 
kurzen  Besprechung  nicht  eingegangen  werden ; es  sei  die  Lesung 
der  Schrift  aufs  wärmste  empfohlen.  H.  E.  Boeke. 


592 


Besprechungen.  — Personalia. 


Gottlob  Linck:  Grundriß  der  Kristallographie  für 
Studierende  und  zum  Selbstunterricht.  Dritte  ver- 
besserte Auflage.  Jena  bei  Gustav  Fischer.  1913.  271  p.  Mit 
3 farbigen  Tafeln  und  631  Originalflguren  im  Text. 

Die  erste  Auflage  ist  im  Jahre  1896  erschienen  (vergl.  N.  Jalirb. 
f.  Min.  etc.  1896.  I.  - 379  -).  Das  Buch  hat  dureli  sein  Erscheinen 
in  dritter  Auflage  (zweite  Auflage  1908)  seine  an  der  genannten 
Stelle  hervorgehobene  Brauchbarkeit  erwiesen.  Während  die  zweite 
Auflage  eine  fast  vollständige  Neubearbeitung  der  ersten  darstellt, 
ist  diese  dritte  im  wesentlichen  unverändert  geblieben.  Nur  wenig 
ist,  den  Bedürfnissen  der  fortschreitenden  Wissenschaft  entsprechend, 
verändert  und  hinzugefügt  worden,  wodurch  der  Umfang  von 
254  Seiten  der  zweiten  Auflage  auf  272  Seiten  der  jetzigen,  die 
Zahl  der  Figuren  von  604  auf  631  gestiegen  ist.  Neu  ist  im 
kristallographischen  Teil  u.  a.  die  Erwähnung  der  Komplikations- 
regel, im  optischen  die  Erläuterung  der  HrYGHExs’schen  Konstruktion 
an  der  Hand  einiger  Figuren,  der  Abschnitt  über  Indexflächen  ein- 
achsiger Kristalle  und  die  Bestimmung  des  Charakters  der  Doppel- 
brechung mittels  des  Gipsplättchens  mit  Rot  I.  Ordnung ; um- 
gearbeitet ist  u.  a.  der  Abschnitt  über  optisch  anomale  Kristalle. 
Die  Ausstattung  des  Buchs  ist  gediegen  und  die  Abbildungen  meist 
instruktiv,  doch  nicht  alle,  die  bei  ferneren  Aufgaben  wohl  durch 
andere  ersetzt  werden  könnten.  Hierher  gehört  u.  a.  die  neue 
Fig.  458,  die  Wärmeleitungskurve  des  Gipses  darstellend,  die 
Fig.  429  der  zweiten  Auflage  in  wenig  glücklicher  Weise  ersetzt; 
wenig  charakteristisch  sind  die  neue  Fig.  360  zur  Erläuterung  der 
Zwillingslamellen  im  Kalkspat,  und  die  Abbildung  Fig.  6 der  Kocli- 
salzschiisselchen.  Die  Darstellung  der  Interferenzfarben  auf  Tafel  I 
ist,  der  zweiten  Auflage  gegenüber,  erheblich  weniger  gelungen ; 
hauptsächlich  siud  die  Grenzen  der  einzelnen  Ordnungen  viel 
zu  scharf.  Max  Bauer. 


Emil  Abderhalden:  Fortschritte  der  naturwissen- 
schaftlichen Forschung.  8.  Berlin  und  Wien,  bei  Urban  u. 
Schwarzenberg.  1913.  308  p.  Mit  1 Tafel  und  217  Textfiguren. 

Der  vorliegende  Band  der  bekannten  „Fortschritte“  enthält 
aus  dem  Gebiete  der  Paläontologie  und  Geologie  die  beiden  Ab- 
handlungen: F.  Broili:  Unser  Wissen  über  die  ältesten  Tetrapoden, 
p.  51 — 93,  mit  zahlreichen  Textfiguren,  und  F.  Frech:  Baukunst 
und  Erdbeben,  p.  287 — 308,  mit  1 Tafel  und  vielen  Textfiguren. 
Von  mineralogischem  Interesse  ist:  W.  Guertler:  Stand  der 
Forschungen  auf  dem  Gebiete  der  Metallographie,  p.  1 — 50,  mit 
13  Textfiguren.  Max  Bauer. 


Personalia. 

Gestorben:  Geh.  Reg. -Rat  Dr.  H.  Haas,  ein.  Professor  der 
Geologie  und  Paläontologie  in  Kiel. 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen  in  Gesteinen.  593 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  chemische  Veränderungen  in  mechanisch  deformierten 

Gesteinen. 

Von  Helge  Backlund. 

In  einer  Untersuchung  der  „Quarzporphyr-  und  Por- 
phyr oidformation  in  Südpatagonien  und  Feuer land“ 
veröffentlichte  Quensel1  bemerkenswerte  Daten  über  die  chemische 
Veränderung,  welche  in  einem  Effusivgesteine  bei  seiner  mechanischen 
Umformung  vorsichgegangen.  Allerdings  sucht  Quensel,  diese  Ver- 
änderung teilweise  durch  Hinzuziehung  von  hydrothermalen  Agentien 
zu  erklären,  doch  sind  die  Spuren  dieser  Einwirkung  im  Gestein 
sehr  gering  und  diese  Erklärung  deshalb  nicht  einwandfrei.  Da 
aber  seine  Angabe  in  der  Literatur  ziemlich  vereinzelt  dasteht, 
so  konnte  die  chemische  Veränderung  nicht  ausschließlich  auf 
Rechnung  der  mechanischen  Deformation  gestellt  werden.  Denn 
geologische  und  chemisch-petrographische  Paralleluntersuchungen 
von  Eruptivgesteinen  und  aus  ihnen  durch  Druckmetamorphose  oder 
vollständige  mechanische  Zertrümmerung  entstandenen  schiefrigen 
Gesteinen  und  Myloniten  sind  in  der  Fachliteratur  nicht  gerade 
häufig  anzutreffen  oder  fanden  nicht  die  gebührende  Beachtung. 

Es  ist  nicht  der  Zweck  dieser  Notiz,  die  zerstreute  einschlägige 
Literatur  des  im  Titel  erwähnten  Gegenstandes  kritisch  zu  erörtern  2, 
oder  auf  Grund  von  ausgiebigem  Untersuchungsmaterial  die  gesetz- 
mäßigen Beziehungen  einer  eventuellen  chemischen  Veränderung  in 
deformierten  Gesteinen  darzulegen.  In  den  folgenden  Zeilen  soll 
ein  weiteres  Beispiel  den  patagonischen  Quarzporphyren  zur  Seite 
gestellt  werden,  und  zwar  handelt  es  sich  um  die  chemischen  Ver- 
änderungen in  einem  deformierten  Tiefengestein.  Die  ausführliche 
geologische  und  petrographische  Beschreibung  sowie  die  Angabe 
der  das  Vorkommen  betreffenden  Literatur  erschien  in  spanischer 
Sprache  an  anderer  Stelle3,  doch  da  sie  vielleicht  weniger  zu- 
gänglich ist,  erscheint  eine  kurze  Veröffentlichung  in  deutscher 
Sprache  gerechtfertigt. 

In  meiner  Eigenschaft  als  Petrograph  der  Direcciön  Ge- 
neral de  Minas,  Geologia  e Hidrologia  in  Buenos  Aires 

1 Bull.  Geol.  Inst.  Upsala.  Vol.  XII.  (1913.)  p.  9—40. 

3 In  Buenos  Aires  ist  die  Literatur  schwer  zugänglich. 

3 Vergl.  H.  Backlund,  Algunas  observaciones  sobre  rocas  notables 
provenientes  de  Olavarria  ipro v.  de  Buenos  Aires).  Boletin  del  Mini- 
sterio  de  Agricultura.  Abril  1913.  Buenos  Aires. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


38 


594 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


wurden  mir  im  Juli  1912  9 Handstücke  zur  Bestimmung  vorgelegt, 
deren  auffälliges  Aussehen  mich  zu  einer  Besichtigung  des  Vor- 
kommens im  Felde  bewog.  Eine  Durchsicht  der  zugehörigen  Dünn- 
schliffe bestärkte  mich  in  dieser  Absicht  nnd  dank  dem  liebens- 
würdigen Entgegenkommen  des  Direktors,  Ingenieur  E.  Hermitte, 
und  des  Chefs  der  Secciön  Geologia,  Dr.  H.  Reidel,  konnte  ich 
dem  Vorkommen  von  Cerro  Negro  (Partido  de  Olavarria,  Prov. 
Buenos  Aires)  einige  Tage  widmen. 

Der  Cerro  Negro  ist  ein  flacher  Hügel  von  ungefähr  1700  m 
Länge  und  700  m Breite,  der  sich  ungefähr  60  m,  mit  der  Längs- 
achse in  der  Richtung  ENE  — WSW,  aus  der  flach  undulierten 
Ebene  der  Pampa  erhebt.  Das  anstehende  Massengestein  ist  längs 
dem  flachen  Kamm  nnd  am  oberen  Drittel  der  Abhänge  anzutreffen, 
stellenweise  durch  Erdbedeckung  verhüllt,  wie  auch  die  unteren 
zwei  Drittel  fast  ganz  erdbedeckt  sind. 

Das  Hauptgestein  ist  ein  roter  Augengneis,  der  in  einer  breiten 
(200 — 250  m)  Zone  längs  dem  Südabhang  anzutreffen  ist.  Es  ist 
ein  gepreßter,  grobporphyrischer  Granit.  Die  einzelnen  roten  Feld- 
spataugen erreichen  eine  Maximallänge  von  8 cm  bei  3 cm  Breite. 
Zwischen  ihnen  zieht  sich,  scharf  an  den  Feldspataugen  absetzend, 
die  körnige  Zwischenmasse  wie  Schnüre  hin , aus  dunklem , fast 
schwarzem  Quarz  und  schwarzer  Hornblende  mit  spärlichen  Glimmer- 
blättchen bestehend ; auch  farblose  und  weiße  Plagioklaskörner  sind 
hier  zu  sehen.  Die  durch  die  Feldspataugen  scharf  ausgesprochene 
Paralleltextur  streicht  senkrecht  in  Richtung  NE  100°  (rnagn.). 
Auf  dem  Hauptbruch  erscheint  das  Gestein  massig,  und  nur  eine 
ländliche  Zertrümmerung  der  großen  Feldspattafeln  sowie  eine  deut- 
liche Verbiegung  der  Spaltflächen  deutet  auf  eine  starke  mechanische 
Beeinflussung;  auch  sind  hier  größere,  zusammenhängende  Quarz- 
felder als  Zwischeuklemmung  und  kleine  Hornblendekristalle  zu 
sehen. 

Das  Hauptgestein  wird  von  (grobkörnigen)  Linsen  nnd  (fein- 
körnigen) Bändern  durchzogen,  die  fast  ausschließlich  aus  rotem 
Feldspat  und  Quarz  bestehen.  Ihre  scharf  ausgesprochene  Parallel- 
textur zeigt  keinerlei  oder  nur  lokale  (in  den  Ausbuchtungen  der 
Linsen)  Abweichung  von  der  herrschenden  Paralleltextur,  und  sie 
sind  wohl  teils  als  Derivate  von  Pegmatiten  (die  Linsen),  teils  von 
Apliten  (die  Bänder)  zu  deuten ; ihre  Abgrenzung  zum  Hauptgestein 
hin  ist  unscharf.  In  dem  Hauptgestein  sind  auch  ebenkörnige  Par- 
tien von  mittlerem  Korn  und  normal  granitischer  Zusammensetzung 
anzutreffen,  die  sich  dem  Hauptgestein  stellenweise  einfiigen  nnd 
die  als  Granitgneise  (mit  scharf  ausgesprochener  Paralleltextur) 
schlechthin  zu  bezeichnen  sind.  Auch  ein  an  dunklen  Gemeng- 
teilen und  Plagioklas  angereichertes  feinkörniges  Gestein  wurde 
angetroffen , dessen  Beziehungen  zum  Hauptgestein  wegen  Erd- 
bedeckung nicht  festgestellt  werden  konnten;  es  enthält  makro- 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


595 


skopisch  Granat  in  vereinzelten  kleinen  Körnern  und  dürfte  wohl 
als  ein  dioritisches  Differentiationsprodukt  (durch  Einschmelzung 
von  exogenen  Einschlüssen  entstanden ?)  anzusehen  sein;  seine  aus- 
gesprochene Paralleltextur  stimmt  mit  dem  des  Hauptgesteins  voll- 
ständig überein. 

Das  Hauptgestein  wird  von  einer  Reihe  von  Spaltensystemen 
durchzogen.  Des  einen  Systems,  in  der  Richtung  NE  155°  ver- 
laufend und  aus  offenen  Spalten  bestehend,  im  Verein  mit  einer 
grobbankigen  Absonderung  parallel  der  Oberfläche , bedient  sich 
der  kleine  Steinbruchsbetrieb  des  Herrn  Laclau,  und  es  werden 
vorzügliche  Blöcke  von  respektablen  Dimensionen  gewonnen.  Die 
anderen  Spaltungssysteme  sind  älter,  vollständig  zusammengeschweißt 
und  folgen  teils  der  Paralleltextur,  teils  verlaufen  sie  in  den  Rich- 
tungen NE  55°  und  NW  15°.  Sie  heben  sich  meist  als  scharfe 
und  schmale  schwarze  Linien  von  dem  durchlaufenden  Gestein  ab, 
um  einerseits  vollständig  zu  verschwinden , andrerseits  breiter 
zu  werden.  Die  Verbreiterung  vollzieht  sich  gewöhnlich  in  der 
Richtung  der  Punkte,  in  denen  sich  die  Spalten  der  verschiedenen 
(älteren)  Systeme  kreuzen,  und  im  Kreuzungspunkt  sieht  man  eine 
mehr  oder  weniger  scharf  begrenzte  Gesteinspartie  von  tiefschwarzer 
Farbe,  in  dem  einzelne,  mehr  oder  weniger  dunkle  Trümmer  des 
Hauptgesteins  gleichwie  herumschwimmen.  Wenn  man  eine  solche 
Spalte  von  ihrem  haarscharfen,  fast  unsichtbaren  Beginn  im  Gestein 
bis  zum  Kreuzungspunkt  Schritt  für  Schritt  verfolgt , kann  man 
sich  überzeugen,  daß  längs  ihr  Differentialbewegungen  sowohl  in 
horizontaler  wie  in  vertikaler  Richtung  vorsichgegangen:  die  Feld- 
spataugen sind  oft  in  zwei  Teile  getrennt  und  die  beiden  Teile 
weit  voneinander  weggerückt,  und  oft  sind  zu  den  längs  der  einen 
Seite  der  Spalte  verteilten  Feldspathälften  die  zugehörigen  auf  der 
anderen  Seite  gar  nicht  aufzuflnden  (horizontale  Bewegung  von 
großem  Ausmaße,  oder  vertikale  Bewegung?).  Die  schwarze  dichte 
Masse,  welche  die  Spalte  bei  sichtbarer  Breite  scharf  begrenzt 
ausfüllt,  nimmt  zum  Kreuzungspunkt  an  Breite  zu,  und  hier,  wo 
sie  Flächen  von  größeren  Dimensionen  bildet,  kann  man  dank  den 
in  diesen  Partien  schwimmenden  Bruchstücken  des  Hauptgesteins 
einigen  Aufschluß  über  die  Natur  der  schwarzen  dichten  Masse 
erhalten : die  Ecken  des  in  die  schwarze  Masse  hineinragenden 
Hauptgesteins  sind  zertrümmert  und  mit  zunehmender  Feinheit  des 
Korns  nimmt  auch  die  dunkle  Färbung  zu;  die  Bruchstücke  zeigen 
stark  zertrümmerten  Rand , und  ähnliche  Übergänge  mit  feinem 
Korn  sind  auch  hier  zu  beobachten.  Von  kaustisch-magmatischer 
Einwirkung  ist  keine  Spur  zu  sehen,  und  wie  auch  die  mikro- 
skopische Untersuchung  es  bestätigte , kann  von  einem  durch- 
brechenden, dichten  Eruptivgestein  nicht  die  Rede  sein.  Die  wieder- 
holt beobachteten  graduellen  Übergänge  lassen  nur  eine  Deutung 
des  dichten  schwarzen  Gesteins  in  den  Spalten  und  ihren  Kreuzungs- 

38* 


596 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


punkten  zu : es  ist  ein  Reibungsprodukt  des  Hauptgesteins , und 
zwar  ein  vollständig  zementiertes:  ein  regeneriertes  Gestein.  In 
den  Kreuzungspunkten  der  Spalten  kann  man  beobachten,  daß  die 
Horizontalbewegung  in  allen  möglichen  Azimuten  vorsicligegangen 
ist:  die  einzelnen  Blöcke  sind  in  allen  Richtungen  aneinander  ver- 
schoben und  hierbei  sind  die  vorspringenden  Ecken  abgestoßen  und 
zu  einem  feinen  Mehl  verrieben ; das  sind  eben  die  schwarzen  Par- 
tien. Diese  Partien  nehmen  an  Umfang  und  Häufigkeit  in  der 
Richtung  des  Kammes  vom  Cerro  Negro  zu,  und  die  relativ  un- 
versehrt gebliebenen  Blöcke  des  Hauptgesteins  liegen  gewissermaßen 
in  einem  weitmaschigen,  in  der  Richtung  der  Paralleltextur  aus- 
gezogenen flachen  Netze  von  schwarzen  „Adern“  oder  Reibungszonen. 
Als  Spezialbeobachtung  kann  erwähnt  werden , daß  die  in  den 
schwarzen  Flächen  der  Ecken  verhältnismäßig  unversehrt  gebliebenen 
Bruchstücke  eine  relativ  wenig  ausgesprochene  Augengneistextur 
zeigen;  sie  fehlt  hier  manchmal  scheinbar  ganz.  Vielleicht  dürfte 
das  ein  Hinweis  darauf  sein,  daß  die  Kräfte,  die  im  Hauptgestein 
die  Augengneistextur  verursachten1,  in  ununterbrochener  Folge  die 
lokale  vollständige  Zertrümmerung  des  Gesteins  hervorriefen. 

Von  der  Kammlinie  nach  Norden  und  am  ganzen  Nordabhang 
sind  die  dunklen,  dichten  Gesteine  im  Übergewicht;  in  langen  Zonen, 
Linsen  und  Bändern  ziehen  sie  sich  zwischen  relativ  gut  erhaltenen 
Hauptgesteinsbändern  dahin,  und  die  Abwechslung  ist  ungemein 
unregelmäßig  und  mannigfaltig.  Zu  den  dunklen  Gesteinen  gesellen 
sich  Bänder  von  ziegelroter  Farbe  und  dichter  Beschaffenheit.  Es 
sind  dies,  wie  der  stete  Übergang  zum  und  die  Analogien  im  Haupt- 
gestein zeigten,  Abkömmlinge  der  pegmatitischen  und  aplitischen 
Massen.  Die  Paralleltextur,  wo  sie  durch  Abwechslung  von  dunkler 
(Quarz)  und  heller  (Feldspat)  gefärbten  Streifen  sichtbar  ist,  stimmt 
mit  dem  des  Hauptgesteins  im  allgemeinen  überein.  Auch  in  den 
ganz  dichten  schwarzen  Gesteinen  läßt  sich  diese  Paralleltextur 
feststellen  durch  reihenförmig  angeordnete , fast  mikroskopische 
Reliktminerale  (meist  Plagioklas,  siehe  weiter  unten).  Eine  aus- 
gesprochene Schieferung  fehlt  dagegen  ganz,  die  dichten  Gesteine 
haben  meist  einen  unregelmäßigen  Bruch,  dem  des  Feuersteins  ähnlich. 

In  großen  Zügen  ließen  sich  folgende  konstant  wiederkelireude 
Texturvarietäten 2 unterscheiden  : 

1.  Bändergneis.  Abwechselnd  schwarze  und  rote  Streifen  von 
5 mm  Länge  und  20  cm  und  mehr  Breite,  die  ersten  fast  dicht, 
aus  Quarz,  den  farbigen  Gemengteilen  und  Plagioklas  bestehend, 
die  zweiten  deutlich  körnig , mit  kleineren  Spaltflächen , aus  den 
roten  Feldspatindividuen  (Mikroklin)  entstanden. 

1 Daß  die  Augengneistextur  wohl  ausschließlich  der  Druckmetamor- 
phose zuzuschreiben  ist,  beweist  die  mikroskopische  Untersuchung. 

2 In  der  erwähnten  Abhandlung  (Algunas  observaciones  etc.)  ist  ein 
vollständiges  Profil  quer  durch  Cerro  Negro  ausführlich  beschrieben. 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


597 


2.  Fleckengneis.  Die  unregelmäßig  geformten  roten  Feldspäte 
liegen  zerstreut  in  der  überwiegenden,  dichten,  schwarzen  Grund- 
masse. Die  Feldspäte  sind  geköruelt,  und  nur  wenige  größere 
Relikte  mit  deutlichen  Spaltflächen  sind  zu  sehen. 

3.  Flammengneis.  Die  Feldspäte  sind  besen-  oder  flammen- 
förmig ausgezogen,  mit  teilweise  unscharfen  Übergängen  zur  dichten 
dunklen  Grundmasse;  sie  bestehen  aus  einer  dichten,  mattrosa  Masse, 
in  der  das  Mikroskop  noch  die  Bruchstücke  des  Mikroklins  identi- 
flzieren  kann.  Dank  den  unscharfen  Grenzen  dieser  „Flammen“ 
erscheint  die  Grundmasse  stellenweise  hellgrau.  Wenn  die  „Flammen“ 
dichter  beisammen  liegen,  erscheint  dieses  Gestein  gewellt. 

4.  Streifengneis.  Das  Gestein  sieht  schichtig  aus  dank  den 
streng  parallelen,  dichten,  ziegel-  bis  karminroten  Streifen,  welche 
die  bei  weitem  überwiegende  schwarze  Grundmasse  durchsetzen; 
die  Grundmasse  ist  auch  hier  dicht.  Die  meist  schmalen  Streifen 
sind  geradlinig,  setzen  scharf  ab  oder  keilen  spitz  aus  nach  allen 
Seiten:  es  sind  scheibenförmige  Partien.  Eine  „Horizontbeständig- 
keit“ dieser  Streifen  läßt  sich  nicht  beobachten;  sie  finden  sich 
meist  in  Gruppen  vereint,  während  sie  in  anderen  Teilen  ganz 
fehlen  oder  nur  in  Spuren  (äußerst  verschwommen)  vorhanden  sind. 
Es  sind  ausgewalzte  Mikrokline. 

5.  Zylindergneis.  Dieses  Gestein  ist  dem  vorigen  überaus 
ähnlich.  Doch  bilden  die  roten  Streifen  nicht  scheibenförmige 
Partien,  sondern  es  sind  parallele,  zylinderförmige  Stäbe  von  dichter 
Mikrolinmasse,  in  der  ab  und  zu  auf  dem  Querbruch  die  Spalt- 
flächen aufblitzen.  Auf  diesem  Bruch  hat  das  Gestein  ein  por- 
phyrisches  Aussehen,  mit  runden  „Einsprenglingen“  von  Mikroklin. 
Die  einzige  Erklärung  für  die  Bildung  dieses  Gesteins  wäre  die, 
daß  die  Mikroklinindividuen  bei  der  Auswalzung  eine  rotierende 
Bewegung  vollführt  hätten  um  eine  Achse  senkrecht  zur  Bewegungs- 
richtung \ 

6.  Brecciengneis.  Das  Gestein  ist  grauschwarz  bis  matt- 
schwarz. Es  lassen  sich  Bruchstücke  von  Feldspat,  selten  rosa 
angehaucht,  beobachten;  kleine  wasserhelle,  in  der  Grundmasse 
schwarz  erscheinende  Plagioklase,  meist  gut  gerundet,  sind  streifen- 
förmig angeorduet.  Auch  die  eckigen  Bruchstücke  deuten  die 
Paralleltextur  an.  Dieses  Gestein  entspricht  teilweise  den  schwarzen 
Partien  in  den  Kreuzungspunkten  der  Spalten  und  dürfte,  wie  dort, 
durch  vollständige  Zertrümmerung , verursacht  durch  verschieden 
gei'ichtete  Differentialbe wegungen,  gebildet  worden  sein.  Ein  weiteres 
Stadium  von  Zertrümmerung  dieses  Gesteins  sind  die  dichten 

7.  hornfelsähnlichen  Massen.  In  ihnen  ist  die  Zertrümmerung 
vollständig.  Nur  selten  sieht  man  ein  gerundetes  Plagioklaskorn 

1 Die  unter  2 — 5 beschriebenen  Gesteine  wirken  als  polierte  Oi  nament- 
steine  sehr  effektvoll,  und  zwecks  dieser  Verwendung  wurden  sie  zur  Unter- 
suchung eingesandt;  dank  dem  feinen  Korn  lassen  sie  sich  gut  polieren. 


598 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


aufblitzen.  Die  Farbe  des  Gesteins  ist  mattschwarz,  oft  aber  auch 
mit  feuersteinähnlichem  Glanz.  Die  Verteilung  der  beiden  letzten 
Gesteine  im  Felde  ist  unregelmäßig,  ein  linsenförmiges  Auftreten 
konnte  nicht  festgestellt  werden. 

Zu  diesen  Varietäten  kommen  noch  die  dichten  roten,  mehr 
oder  weniger  gestreiften  („fluidalen“)  Gesteine,  die  oben  als  Derivate 
pegmatitischer  und  aplitischer  Massen  erwähnt  werden. 

Am  Siidostfuße  des  Cerro  Negro,  durch  einen  breiten  Streifen 
von  Erdbedeckung  von  dem  roten  Augengneis  getrennt,  steht  ein 
graugrünlicher  Granitgneis  an.  Er  ist  durch  einen  jetzt  auf- 
gelassenen Steinbruch  aufgeschlossen.  Die  Paralleltextur  ist  deut- 
lich zu  unterscheiden,  sie  stimmt  im  Streichen  und  Fallen  mit  dem 
des  roten  Augengneises  beiläufig  überein.  Die  Feldspäte,  meist 
Plagioklas,  aber  auch  Orthoklas  (Mikroklin),  bilden  große  Indivi- 
duen, die  in  der  Richtung  der  Paralleltextur  ausgezogen  sind,  ohne 
daß  man  jedoch  das  Gestein  mit  dem  Namen  Augengneis  belegen 
könnte.  Quarz  tritt  in  diesem  Gestein  bedeutend  seltener  auf,  die 
farbigen  Gemengteile  sind  dieselben  wie  im  roten  Augengneis,  das 
Gestein  ist  bedeutend  basischer  und  steht  als  Magmagestein  an 
der  Grenze  des  Granodiorits. 

Von  diesem  Gestein  wurden  Bruchstücke  als  magmatische 
Einschlüsse  in  dem  roten  Augengneis  angetroffen  J.  Es  sind  teils 
kleinere  Bruchstücke,  teils  größere  Blöcke ; die  letzteren  werden 
in  dem  neuen  Steinbruch  gleichzeitig  mit  dem  Augengneis  aus- 
gebeutet. Anzeichen  von  magmatischer  Einschmelzung  lassen  sich 
an  diesen  Einschlüssen  nicht  konstatieren.  Dagegen  ist  wohl  eine 
endogene  Anreicherung  an  dunklen  Glinnnerblättchen  längs  der 
Grenze  als  kaustische  Wirkung  aufzufassen.  Je  nachdem  sich 
diese  Bruchstücke  in  den  stärker  oder  schwächer  mechanisch  be- 
einflußten Zonen  des  roten  Augengneises  vorfinden,  kann  man  in 
ihnen  eine  parallele  Veränderung  beobachten.  In  dem  Hauptgestein 
ist  das  eingeschlossene  Gestein  oft  weniger  deformiert  als  in  dem 
Anstehenden.  Noch  öfter  aber  zeigt  sich  eine  starke  Zertrümme- 
rung, die  in  einer  Körnelung  des  Feldspats  in  konzentrischen  Zonen 
ihren  Ausdruck  findet;  die  rundlichen,  hellgrauen  Feldspatreste 
schwimmen  dann  isoliert  in  einer  mehr  oder  weniger  feinkörnigen, 
grünlichen  Grundmasse.  Wenn  ein  Einschluß  dieses  Gesteins  in 
einem  Kreuzungspunkt  der  Spaltensysteme  zu  liegen  kommt,  wird 
er  meist  durch  geradlinige  Spalten  in  Stücke  zerlegt,  und  längs 
diesen  Spalten  dringt  die  schwarze  Grundmasse  von  außen  hinein, 
auch  größere  zertrümmerte  Mikroklinteile  folgen  nach;  und  eudlich 

1 Ähnliche  Altersverhältnisse  konnten  an  den  mechanisch  weniger 
beeinflußten  Gesteinen  des  Cerro  Redondo  und  Sierras  Bayas  (im  W) 
zwischen  einem  roten  und  einem  grauen  Granit  beobachtet  werden.  Vergl. 
Algunas  observaciones  etc.  Doch  waren  dort  deutliche  Einsehmelzungs- 
crscheinungen  zu  beobachten. 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


599 


werden  Teile  dieser  Einschlüsse  vollständig  in  ein  feinkörniges  bis 
dichtes  Gestein  von  grauer  Farbe  zertrümmert,  in  dem  verschwom- 
mene dunklere  Streifen  und  zartrosa  Flecken  die  durch  Fremd- 
material gefüllten  Spalten  markieren.  In  der  Zone  der  vor- 
herrschenden Mylonite  sind  die  Einschlüsse  ebenfalls  in  hellgraue 
bis  grünliche,  gestreifte  Mylonite  von  feuersteinähnlicher  Beschaffen- 
heit ausgewalzt ; doch  lassen  sich  in  diesen  Gesteinen,  deren  Grenzen 
zu  dem  umgebenden,  meist  dunklen  Gestein  unscharf  sind,  öfter 
blitzende  Spaltflächen  von  Plagioklas  sehen : das  Gestein  ist  eben 
reicher  an  Plagioklas,  und  der  Plagioklas  widersteht  augenschein- 
lich der  vollständigen  Zertrümmerung  besser  als  die  übrigen  Kom- 
ponenten. 

Eine  kurze  Erwähnung  des  mikroskopischen  Befundes  der 
hauptsächlichsten  Vertreter  der  Gesteine  vom  Cerro  Negro  ist 
teils  zur  Erläuterung  ihrer  graduellen  Deformation,  teils  zum  Ver- 
ständnis der  im  folgenden  zu  besprechenden  Analysen  notwendig. 

Das  Hauptgestein,  der  rote  Augengneis,  zeigt  u.  d.  M.  große 
Felder  von  Mikroklinmikroperthit,  die  das  Gesichtsfeld  vollständig 
einnehmen ; sie  sind  stark  undulös  und  von  unregelmäßigen  Spalten 
durchzogen,  die  von  einer  Mikroklinmikrobreccie  erfüllt  sind.  Die 
Umrisse  des  Mikroklins  sind  konvex,  abgerundet  und  umgeben  von 
einem  Kranz  derselben  authigenen  Breccie.  In  dieser  feinkörnigen 
Mikrorandbreccie  sind  öfters  klare  oder  schwach  gestreifte  Körner 
eines  Plagioklases  eingemengt,  und  an  der  Grenze  von  Kalifeldspat 
und  Plagioklas  hat  sich  sodann  Myrmekit  gebildet.  Die  ge- 
schwänzten Zwickel  der  Augen  bestehen  vollständig  aus  einer 
Mikrobreccie.  Längs  den  Rändern  des  Mikroklins  wechselt  das 
Korn  der  Mikrobreccie:  zum  Muttermineral  hin  ist  sie  grobkörniger, 
wird  nach  außen  hin  immer  feiner,  um  dann  wieder  wachsendes 
Korn  (mit  Plagioklas)  aufzuweisen.  Die  äußere  Mikrobreccie  geht 
dann  unmerklich  in  die  allgemeine  Breccie  der  Zwischenmasse  über, 
in  der  große  Felder  von  Quarz  vorherrschen.  Diese  bestehen  aus 
einer  Unzahl  von  undulösen  Einzelindividuen,  die  verzahnt  und 
vermittels  einer  sehr  feinen  Mikrobreccie  aneinanderstoßen.  Der 
Plagioklas  steht  an  Menge  dem  Quarz  wenig  nach.  Blasse,  breite 
Zwillingsstreifen  nach  dem  Albitgesetz  kennzeichnen  ihn  als  solchen, 
und  die  Lichtbrechung  (höher  als  Canadabalsam,  optisch  negativ) 
sowie  die  Auslöschung  (_l_  a . . . . -f-  9 0 = 26  °/o  An)  kennzeichnen 
ihn  als  Oligoklas.  Er  bildet  lang  ausgezogene  Linsen,  in  denen 
die  isometrischen  Körner  in  einer  Form  ähnlich  der  Hornfels- 
struktur aneinandergereiht  sind.  Eine  beginnende  Umwandlung 
in  farblosen  Glimmer  mit  Ausscheidung  von  kleinen  Kaolinmengen 
unterscheidet  ihn  vom  Kalifeldspat. 

Die  eigentliche  (dunkle)  Zwischenmasse  enthält  viel  fein- 
körnigen Quarz  und  Feldspat  von  brecciösem  Aussehen.  Xeno- 
morphe Hornblendekörner  bilden  eine  Art  Zement  zwischen  den 


600 


M.  Lazarevic,  Nochmals  „Zu  Tucans  Bauxitfrage“. 


farblosen  Komponenten.  Die  Bildung  dieser  Hornblendekörner 
aus  großen,  nur  zum  Teil  erhaltenen  Feldern  (mit  relativ  kleinem 
negativem  Achsenwinkel,  Pleochroismus:  a — gelb  < ß — oliv- 
grün ^ y — dunkelgrün,  c : y = 12  u)  läßt  sich  Schritt  für  Schritt 
verfolgen.  Zum  großen  Teil  von  ähnlichem  Ursprung  sind  die 
Magnetitkörner  ‘,  die  teils  in  den  Hornblendefeldern  eingeschlossen, 
teils  in  langen  Reihen  von  ihnen  auslaufen.  An  dem  Aufbau 
dieser  Reihen  nehmen  zahlreiche  Biotitblättchen  (a  — gelb  < ß = y 
— dunkelbraun , fast  opak),  Zirkonköruer  und  -kriställchen  (mit 
schwärzlichen  Umrissen)  und  Apatit'  (meist  in  Körnerform,  deutlich 
durch  Abquetschung  aus  prismatischen  Kristallen  entstanden)  teil. 
Diese  lang  ausgezogenen  Bänder  von  farbigen  Mineralen  sind  beider- 
seitig, ebenso  wie  die  kompakten  Hornblendefelder,  von  einer  Quarz- 
breccie  umgeben.  (Schluß  folgt.) 


Nochmals  „Zu  Tucans  Bauxitfrage“. 

Von  M.  Lazarevic. 

Auf  den  Vorwurf  F.  Tucan’s,  ich  hätte  bei  dem  Zitieren 
seiner  Äußerungen  eine  unrichtige  Behauptung  aufgestellt1  2,  er- 
widere ich  folgendes:  Ich  behauptete,  F.  Tucan  habe  in  dem  un- 
löslichen Rückstände  der  Kalke  und  Dolomite  Calcit  gefunden.  Zu 
dieser  Behauptung  muß  jeder  kommen,  der  den  gegen  Cornu  und 
mich  gerichteten  Absatz  des  Artikels  „Zur  Bauxitfrage“  von 
F.  Tucan  liest  (dies.  Centralbl.  19 13.  H.  3.  p.  6(i),  denn  in  diesem 
Absätze  findet  sich  folgender,  hier  fett  gedruckter  Satz.  Um 
neuerlichen  Vorwürfen  zu  entgehen,  zitiere  ich  den  ganzen  gegen 
Cornu  und  mich  gerichteten  Absatz,  welcher  lautet: 

„Ebenso  werden  nach  unseren  Untersuchungen  die  Ansichten 
von  F.  Cornu  und  M.  Lazarevic  über  den  Bauxit  und  seine 
„Adsorptionsverbindungen“  hinfällig,  da  Bauxit  keine  „voll- 
kommen homogene  und  isotrope“  Masse  ist  und  da 
sein  Si  02-  und  Ti02-Gehalt  von  mechanisch  beige- 
mengten Quarz-  (und  einem  mehligen  Si()2,  dann 
von  einem  Kieselsäuregel,  Si  02  • 2 H„  0)  ! ? “ „und  Titan - 
mineralien  (hauptsächlich  Rutil)  her  rührt.  (Vergl. 
auch  meinen  Aufsatz  im  Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  427.)  P2  05,  CaO  und 
S03,  welche  Bestandteile  man  iu  manchen  Bauxitanalysen  anführt, 
stammen  unzweideutig  von  Apatit,  Calcit,  Gips  und 
Anhydrit,  welche  Bestandteile  ich  im  unlöslichen  Rückstände 
der  Kalke  und  Dolomite  und  in  der  Terra  rossa  gefunden 
habe.  Geradeso  ist  es  mit  der  Vanadin  säure,  weichein 

1 Teilweise  wohl  auch  Ilmenit,  wie  die  Leukoxenumrandung  andeutet. 

2 F.  Tuöan,  Zu  Tucan’s  Bauxitfrage.  Dies.  Centralbl.  1913.  H.  13. 
p.  378. 


Br.  Doss,  Heber  die  Herkunft  des  Naturgases  etc. 


601 


einigen  Bauxiten  konstatiert  wurde:  sie  kann  von  Vanadin  - 
mineralen  stammen,  obgleich  dieselben  in  Bauxiten  (und  Terra 
rossa)  noch  nicht  gefunden  wurden.“ 

Aus  dem  fett  gedruckten  Satze  geht  ganz  klar  hervor,  daß 
F.  Tucan  im  unlöslichen  Rückstände  der  Kalke  und  Dolomite 
Apatit,  Calcit,  Gips  und  Anhydrit  gefunden  hat.  Daß  er  die 
gleichen  vier  Minerale  auch  in  der  Terra  rossa  gefunden  hat, 
ändert  ja  an  dieser  Tatsache  nichts.  Für  mich  kann  natürlich 
nur  die  Textierung  des  oben  zitierten  Absatzes  und  nicht  der  Text 
etwa  früher  erschienener  Arbeiten  F.  Tucan’s  maßgebend  sein.  Im 
übrigen  spielt  die  Bemerkung,  von  der  hier  die  Rede  ist,  in  meiner 
ersten  Erwiderung  eine  ganz  nebensächliche  und  untergeordnete 
Rolle.  Den  eigentlichen  Gegenstand  der  Diskussion  berührt 
F.  Tucan  in  seiner  zweiten  Erwiderung  nicht. 

Falls  F.  Tucan  doch  einmal  „weiter  reagieren  will“,  werde 
ich,  wenn  er  auf  den  eigentlichen  Gegenstand  der  Diskussion  ein- 
geht, die  Existenzberechtigung  seines  neu  entdeckten,  mehligen  Si02, 
sowie  die  Verläßlichkeit  seiner  optischen  Untersuchungen,  durch 
die  er  eine  Reihe  sehr  schwer  unterscheidbarer  Minerale  bestimmte, 
noch  näher  besprechen. 

Wien,  am  16.  Juli  1913,  Min.  Institut  der  Universität. 


Lieber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär 
im  Finnischen  Meerbusen  nebst  Bemerkungen  über  die  Ent- 
stehung der  Insel. 

Von  Bruno  Doss  in  Riga. 

Anfang  Mai  1902  wurde  auf  der  kleinen,  30  km  nordöstlich 
Reval  gelegenen  Insel  Kokskär1 2  eine  Bohrung  begonnen  in  der 
Hoffnung , artesisches  Wasser  zur  Versorgung  des  Leuchtturm- 
personals " zu  gewinnen.  Nachdem  man,  wie  einem  Berichte  im 
„Revaler  Beobachter“ 3 zu  entnehmen  ist,  einige  Faden  Sand  mit 
eingebetteten  Granitgeschieben  durchdrungen  hatte , kam  man  auf 
Sand  mit  dünnen  Tonschichten;  Wasser  wurde  nicht  angetroffen, 
wohl  aber  mehrten  sich  mit  zunehmender  Tiefe  aus  dem  Bohrloche 
aufsteigende  Gase.  Dies  Bohrloch  wurde  im  Dezember  aufgelassen 
und  im  April  1903  ein  neues  in  Angriff  genommen4.  In  27  m 
Tiefe  machten  sich  wiederum  Gasaustritte  bemerklich.  Die 

1 Bedeutet  im  Schwedischen  so  viel  wie  „Brodelriff“. 

2 Der  Kokskärer  Leuchtturm  ist  einer  der  ältesten  des  Finnischen 
Meerbusens.  Schon  zur  Hansazeit  wurde  hier  ein  geregelter  Leuchtdiensc 
unterhalten. 

3 1903.  No.  253  vom  8.  (21.)  November. 

4 Dieses  wurde  merkwürdigerweise  vom  Unternehmer  nur  einen  Fuß 
vom  ersten  Bohrloch  entfernt  angesetzt. 


602 


Br.  Doss, 


Arbeit  wurde  trotzdem  fortgesetzt  und  „gab  es  trocknen  Sand  mit 
Lelimschichten“  (Tonschichten)  „von  6 — 8 Fuß  Stärke“,  wobei 
die  Gasausströmungen  an  Intensität  Zunahmen.  Wie  A.  Mickwitz1 2 
mitteilt , kam  es  hierbei  häufig  zu  heftigen  geysirartigen  Aus- 
schleuderungen des  Spülwassers , zusammen  mit  Tonklumpen  und 
Geschieben  (worunter  Imatrasteine),  bis  weit  über  den  8 m hohen 
Bohrturm  hinaus.  Angezündet  brannte  das  Gas  mit  4 m langer 
Flamme. 

Die  durchbohrten  Tone  und  Sande  mit  erratischen 
Geschieben  gehören  ausschließlich  zum  Quartär.  Nach 
A.  Mickwitz  2 blieb  das  Bohrloch  in  der  Tiefe  von  115  m in 
einem  harten  Quarzitfindling  stecken.  Es  unterteuft  die  Meeres- 
tiefe bei  der  Insel  um  ca.  10  m.  Genannter  Forscher  nimmt  an, 
daß  das  Bohrlochende  den  unterkambrischen  Sandsteinen , deren 
Mächtigkeit  hier  auf  ca.  70  m veranschlagt  werden  könne,  wahr- 
scheinlich sehr  nahe  liege. 

Mickwitz  betrachtete  die  Insel  Kokskär  zunächst 3 als  einen 
wenige  Meter  über  das  Meeresniveau  emporragenden  As,  später4 
jedoch  ihrem  Wesen  nach  als  eine  Endmoräne,  die,  wie  die 
übrigen  Inseln  und  Untiefen  der  Nachbarschaft,  durch  den  am 
Grunde  des  Meeres  vorrückenden  Gletscher  vor  Estlands  Küste 
zusammengekehrt  und  schließlich  zur  Grundmoräne  wurde,  indem 
der  Gletscher , sie  als  Brücke  benutzend  und  die  Zwischenräume 
zwischen  dieser  und  dem  oberen  Glintrande  mit  Brucheis  füllend, 
über  sie  hinweg  die  Höhe  des  Glints  erklomm. 

Einen  so  exzeptionellen  Vorgang  wie  letzteren  halte  ich  für 
höchst  unwahrscheinlich,  glaube  dagegen,  daß  Mickwitz’  zuerst 


1 Die  brennende  Gasquelle  auf  Kokskär  (Revalsche  Zeitung  1903. 
No.  244  vom  29.  Okt.  [11.  Nov.]).  Als  Mickwitz  bei  seinem  Besuche  der 
Insel  am  26.  Okt.  (a.  St.)  1903  behufs  Gewinnung  von  Bodenproben  ein 
Spülrohr  in  das  Bohrloch  einführen  ließ,  wurden,  je  tiefer  dasselbe  sank, 
die  ge3rsirartigen  Eruptionen  desto  heftiger.  Auch  das  Heraufholen  des 
Spülrohres  ging  unter  beständigen  Eruptionen  von  statten.  „Als  das 
letzte  Rührstück  das  Bohrloch  verlassen  hatte,  brach  ein  Geknatter  an 
und  mit  ungeheurer  Gewalt  bahnten  sich  nun  die  Gase,  unbeengt  durch 
das  Spülrohr,  einen  Weg  ins  Freie  und  überschütteten  die  Umgebung  mit 
ihren  Projektilen.  Jetzt  hörte  man  Steine  niederfallen  und  gelang  es 
auch,  einige  derselben  zu  finden.  Es  waren  die  bekannten  Imatrastein- 
artigen  Konkretionen.“ 

2 Vortrag  auf  der  Sitzung  d.  Ver.  f.  provinz.  Naturkunde  in  Reval 
am  9.  (22.)  März  1904  (Revalsche  Ztg.  1904,  No.  58).  — Vergl.  F.  Schmidt: 
Über  den  Austritt  brennbaren  Gases  aus  einem  Bohrloch  auf  der  Insel 
Kokskär  (Verh.  St.  Petersb.  Miner.  Ges.  XLI.  1903.  Prot.  p.  43.  Russisch). 

3 Revalsche  Ztg.  1904,  No.  58. 

4 Bericht  über  den  Gasbrunnen  auf  Kokskär  (Bull.  Acad.  Sc.  St. -Petersb. 
1908,  p.  188).  — Vergl.  Derselbe:  Die  Stratigraphie  und  Topographie  des 
Bodens  des  Finnischen  Meerbusens  (ebenda  1907,  p.  700). 


Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär  etc.  603 

ausgesprochene,  wenn  auch  von  ihm  nicht  begründete  Ansicht  den 
Tatsachen  gerechter  wird.  Die  Erstreckung  der  Kokskär  benach- 
barten Inseln  Groß-  und  Klein -Wrangel,  die,  was  auch  Mickwitz 
annimmt,  sicher  von  der  gleichen  Entstehung  wie  Kokskär  sein 
dürften,  ist  eine  NW — SO  liehe.  Diese  Richtung  wird  auch  ein- 
gehalten in  der  Anordnung  dieser  Inseln  zusammen  mit  den  nord- 
westlich vorgelagerten  Untiefen  Nygrund,  Devils  Ei  und  Revelstein. 
Als  Parallelzug  zu  dieser  südöstlich  streichenden  Inselgruppe 
würden  dann  Kokskär  und  Malos  zu  gelten  haben  L Diese  NW — 
SO-Richtung  stimmt  nicht  mit  der  Richtung  der  Salpausselkä- 
Endmoräne  (Randäs)  in  Südfinnland,  auch  nicht  mit  einer  zu  dieser 
parallel  verlaufenden  Endmoräne  (Randäs)  bei  Reval1  2 überein,  da- 
gegen sehr  gut  mit  dem  NW — SO  bis  NNW — SSO  liehen  Ver- 
lauf der  siidfinnländischen  und  estländischen  typischen  Asar. 

Über  den  Aufbau  obengenannter  Inseln  ist  Genaueres  nicht 
bekannt.  Speziell  beim  Bohrloch  auf  Kokskär  9ind  Bohrproben 
nicht  gesammelt  worden,  und  erst  nach  vollendeter  Bohrung  konnte 
Mickwitz  auf  Grund  einigen  ausgeschleuderten  Materials  und  von 
Erkundigungen  feststellen , daß  Ton  und  Sand  mit  Geschieben 
durchdrungen  worden  sind.  Von  den  herausgeschleuderten  Mariekor 
(Imatrasteinen)  nimmt  genannter  Forscher3  an,  daß  sie  sich  auf 
sekundärer  Lagerstätte  befunden.  Dies  ist  nicht  möglich , wenn 
die  Inseln  ausschließlich  Moränenbildungen  oder  reine  Asar,  also 
Glazialgebilde,  darstellen;  denn  die  Mariekor  sind  typische  Kon- 
kretionen des  spätglazialen  Bändertons , also  jünger  als  Moränen 
und  Asar. 

Auf  Grund  dieses  Befundes  muß  angenommen  werden,  daß 
der  Kern  der  genannten  Inseln  aus  Sand  mit  Ge- 
schieben (Asbildung)  besteht,  überdeckt  und  um- 
kleidet zunächst  von  Bänder  ton,  der  ja  auch  am  Glintfuß 
des  benachbarten  Festlandes  eine  große  Verbreitung  besitzt,  so- 
dann von  Ancylus-  und  iilorina-Sanden,  denen  die  vom 
Bohrloch  auf  Kokskär  zuerst  durchdrungenen  Sande  zugerechnet 
werden  müssen.  Eine  Umkleidung  des  Askernes  durch  Bänderton 
muß  angenommen  werden,  da  andernfalls  die  durch  die  Bohrung 
aufgeschlossenen  tieferen  Sandschichten  hätten  wasserführend  sein 
müssen. 

Jene  während  der  Yoldia-  Zeit  subaquatischenAsar 
stiegen  während  der  Ancylus- Zeit  über  das  Meeresniveau,  tauchten 
zur  Litorina- Zeit  wieder  unter  und  hoben  sich  während  der  Post- 
litorina- Zeit  von  neuem  so  weit,  daß  ihre  höchsten  Rückenpartien 

1 Uber  die  Lage  dieser  Inseln  und  Untiefen  vergleiche  man  eine  der 
Spezialkarten  von  Estland  oder  des  Finnischen  Meerbusens. 

2 Siehe  B.  Doss : Gutachten  über  die  Möglichkeit  der  Grundwasser- 
versorgung der  Stadt  Reval.  Reval  1913,  p.  6 (Russisch). 

3 1.  c.  (Bericht),  p.  189. 


604 


Br.  Doss, 


als  Inseln  und  Untiefen  erschienen.  Während  dieses  Auf-  und 
Untertauchens  mußte  natürlich  durch  die  Brandung'  eine  oberfläch- 
liche Auswaschung  und  Umlagerung  des  Materiales  statttinden. 
So  besteht  denn  auch  die  nur  ca.  4 m über  das  Meeresniveau 
sich  erhebende  und  kaum  Vs  qkm  große  Insel  Kokskär  oberfläch- 
lich aus  einem  Haufwerk  archäischer  Geschiebe , denen  spärlich 
solche  von  unterkambriscbem  Sandstein  beigemengt  sind1.  Die  das 
Ufer  umsäumenden  und  im  Flachwasser  häufigen  großen  erratischen 
Blöcke  werden  ihre  Anreicherung  wohl  dem  Eisschub  zu  verdanken 
haben. 

Es  liegen  demnach  bei  den  genannten  Inseln  aller  Wahr- 
scheinlichkeit nach  Gebilde  vor,  wie  sie  bei  vielen  innerhalb 
der  spätglazialen  Transgression  gelegenen  Asar 
Finnlands  und  Schwedens  bekannt  sind,  wie  sie  aber  auch  in  den 
Ostseeprovinzen  nicht  fehlen,  wo  z.  B.  der  As  Rullekaln  südlich 
Mitau  eine  Flankenbedeckung , an  niedrigen  Stellen  auch  eine 
Kammbedeckung  von  Bänderton , rotem  sandigen  Lehm  und  Sand 
aufweist. 

Kehren  wir  nach  diesen  Bemerkungen  über  die  Natur  und 
Entstehung  der  Insel  Kokskär  zu  dem  daselbst  aufgeschlossenen 
Gase  selbst  zurück.  Bezüglich  dessen  Herkunft  spricht  Mickwitz  'l 
die  Meinung  aus,  daß  „der  große  Inlandeisgletscher  bei  seinem 
Absteigen  in  den  Finnischen  Meerbusen  und  seinem  Vorrücken  auf 
dem  Boden  desselben  alle  animalen  und  vegetabilischen  Organismen 
des  Meeres,  lebende  wie  tote  mitsamt  den  weichen  unterkambri- 
sclien  Tonen,  die  den  Meeresboden  bildeten,  vor  sich  hergeschoben, 
an  der  estländischen  Steilküste  zusammengekehrt,  diese  organischen 
Massen  mit  dem  plastischen  Ton  verknetet  und  überdeckt  und 
schließlich  über  diese  Massen  hinweg  seinen  Weg  über  den  est- 
ländischen Glint  nach  Süden  genommen  habe.  Diesen  in  die 
Grundmoräne  verkneteten  Organismen  verdanke  das  Gas  seinen 
Ursprung.“ 

Ich  muß  gestehen  , daß  mir  eine  solche  Erklärung  der  Her- 
kunft des  Gases  im  höchsten  Grade  unwahrscheinlich  erscheint. 
Ich  kann  mir  nicht  vorstellen , wie  am  Rande  des  Binneneises, 
als  dieses  den  Finnischen  Meerbusen  erreicht  hatte,  eine  so  reiche 
Fauna  und  Flora  existieren  konnte , daß  deren  Reste  — von 
lebenden  Organismen  ist  füglich  überhaupt  abzusehen  — wie  mit 
einem  gewaltigen  Besen  langsam  gegen  Süden  zusammengekehrt 
und  in  solchen  Massen  in  noch  nicht  völlig  zersetztem 
Zustande  in  die  Grundmoräne  einverleibt  wurden , daß  sie  bei 
weiter  erfolgender  Zersetzung  zu  solch  bedeutenden  Gasansamm- 


1 A.  Mickwitz  in  der  Revalschen  Ztg.  1904,  No.  58  (Sitz.  d.  Ver. 
f.  provinz.  Naturkunde). 

* Ebenda. 


Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär  etc.  605 


lungen 1 Veranlassung  geben  konnten , wie  sie  im  Untergründe 
Kokskärs  vorhanden  sind.  Zudem  ist  nicht  einzusehen,  wie  sich  in 
der  fetten  tonreichen  Grundmoräne,  wie  sie  in  Nordestland  vorliegt 
und  auf  Kokskär  entwickelt  sein  müßte , die  nötigen  Hohlräume 
— und  zwar  unter  der  gewaltigen  Gletscherlast  — erhalten  haben 
sollen , die  zur  Aufnahme  der  Zersetzungsgase  hätten  existieren 
müssen. 

Wenn  ich  nach  alledem  der  MiCKwrrz’schen  Ansicht  über  die 
Herkunft  des  Kokskärer  Gases  nicht  beizupflichten  vermag,  so 
möchte  ich  hier  auf  eine  andere  Möglichkeit  der  Entstehung 
dieses  Gases  hinweisen,  die  einen  recht  hohen  Grad  von  Wahr- 
scheinlichkeit für  sich  in  Anspruch  nehmen  darf. 

Bekanntlich  tritt  im  Schichtenverband  des  oberen  Kambriums 
in  Estland  ein  stark  bituminöser  Schieferton,  der  Dictyonema- 
schiefer,  auf,  der  beispielsweise  bei  ßeval  eine  Mächtigkeit  von 
4,4  m besitzt2.  In  fünf  von  A.  Kupffer3  untersuchten  Proben 
schwenkt  der  größtenteils  aus  Bitumen  bestehende  Glühverlust 
dieses  Schiefers  zwischen  19,11  und  22,41  °/o.  Die  Analyse  des 
bituminösen  Anteils  ergab  für  drei  Proben  die  in  der  unten  fol- 
genden Tabelle  angegebenen  Werte.  Zum  Vergleich  ist  in  der- 
selben noch  die  Zusammensetzung  des  Bitumens  des  untersilurischen 
Brandschiefers  von  Kuckers  in  Estland  beigefügt,  der,  abgesehen 
von  seinem  Kalkgelialt,  viel  Ähnlichkeit  mit  dem  Dictyonemaschiefer 
besitzt,  nur  noch  bitumenreicher  (im  Mittel  4 2%)  ist  als  dieser. 
100  g Brandschiefer  ergeben  bei  der  trockenen  Destillation 
13  — 24  1 Leuchtgas4.  R.  Hehn5  erhielt  bei  drei  Versuchen  der 
trockenen  Destillation  des  Brandschiefers  12,9  — 20,0%  Öle, 


— 66,6  °/0 

Koks,  7,8- 

-10,1°, 

lo  Wasser, 

10,4—23,7% 

s und  flüchtige  Öle. 

Dictyonemaschiefer  von 

Brandschiefer 

Ontika 

Reval 

Baltischport 

von  Kuckers 

C . . 

. 58,28 

69,02 

72,78 

70,52 

H . . 

. 5,32 

7,17 

7,44 

7,21 

0 . . 

. 34,40 

21,23 

17,16 

21,18 

N . . 

. 2,00 

2.57 

2.62 

0,29 

Das  stickstoffhaltige  Bitumen  des  Dictyonemaschiefers  ist  auf 
die  auf  manchen  Schichtungsfugen  oft  in  großer  Menge  übereinander 

1 Hierüber  folgen  Angaben  weiter  unten. 

2 Nach  G.  Holm  in  den  Verh.  d.  St.  Petersb.  Miner.  Ges.  2.  Ser.  22, 
1886,  p.  7. 

3 Über  die  chemische  Constitution  der  baltisch-silurischen  Schichten 
(Arch.  Naturk.  Liv-,  Ehst-  u.  Kurl.  1.  Ser.  5.  1870,  p.  144—122. 

4 A.  Schamarin  : Chemische  Untersuchung  des  Brandschiefers  von 
Kuckers  (ebenda  p.  25). 

5 Die  Produkte  der  trockenen  Destillation  des  Brandschiefers  aus 
Kuckers  (Baltische  Wochenschr.  f.  Landwr.  etc.  IX.  1871,  No.  2 und  3). 


606 


Br.  Doss, 


lagernden  Graptolithen  zurückzuführen.  — Wenn  sich  somit  durch 
trockene  Destillation  aus  dem  Dictyonemaschiefer  flüssige  und 
flüchtige  Kohlenwasserstoffe  erhalten  lassen , so  kann  es  selbst- 
verständlich nicht  als  ausgeschlossen  gelten , daß  schon  auf  der 
primären  Lagerstätte  des  Schiefers  selbst  natürliche 
Destillationsprozesse  im  Laufe  geologischer  Zeiten  unter 
der  Wirkung  gewisser  Faktoren 1 von  statten  gegangen  sind.  Die 
frei  gewordenen  flüchtigen  und  flüssigen  Destillationsprodukte 
konnten  entweder  auf  Spalten  bis  zur  Erdoberfläche  entweichen 
oder  aber  in  Hohlräumen  der  hangenden  Glaukonitsande  und  Kalk- 
steine festgehalten  werden,  wobei  sich  aus  den  flüssigen  Produkten 
im  Laufe  der  Zeiten  durch  Oxydations-  oder  Polymerisationsvor- 
gänge Asphalt  oder  asp  halt  ähnliche  Körper  herausbilden 
konnten. 


1 Als  solche  kämen  in  Frage  erhöhte  Temperatur  infolge  von  Oxy- 
dationsvorgängen, vielleicht  auch  infolge  mächtiger  auf  lagernder,  später 
erodierter  Schichtenkomplexe.  Es  sei  hierbei  darauf  hingewiesen,  daß  die 
Dictyonemaschieferplatten  da,  wo  sie  an  der  estländischen  Küste  in  großer 
Menge  von  der  Brandung  ausgeworfen  und  zu  einem  Uferwall  aufgetürmt 
werden,  zuweilen  durch  Selbstentzündung  zum  Brennen  gelangen.  Von 
einem  derartigen  Falle  berichtete  schon  E.  Eichwald  in  „Neuer  Beitrag 
zur  Geognosie  Esthlands  und  Finlands“  (Baer  und  Helmersen’s  Beiträge 
z.  Kenntniss  d.  Russ.  Reiches.  VIII,  1843,  Separatabdr.  p.  13)  und  neuer- 
dings brachte  die  Presse  (Revaler  Beobachter  und  Revalsche  Ztg.  1909 
No.  219,  Rigaer  Tageblatt  1909  No.  222)  Nachrichten  über  „brennende“ 
Schieferlager  von  Baltischport.  Diese  wurden  von  A.  Mickwitz  unter- 
sucht (Bericht  im  Rev.  Beobachter  und  Rev.  Ztg.  1909  No.  223),  wobei 
sich  ergab,  daß  hart  am  Meere,  ca.  1 m über  dessen  normalem  Niveau, 
sich  ein  sehr  locker  gefügter  Uferwall  aus  ausgeworfenen  Lamellen  von 
Dictyonemaschiefer,  untermischt  mit  Kalkgeröllen,  gebildet  hatte,  der  sich 
in  seinen  oberen  Schichten  so  warm  erwies,  daß  sich  auf  längere  Zeit 
die  Berührung  mit  der  Hand  verbot,  während  in  1 Fuß  Tiefe  eine  ganz 
empfindliche  Glut,  jedoch  ohne  Flammenentwicklung,  entgegenströmte. 
Hineingeworfenes  Papier  flammte  nach  einiger  Zeit  auf,  ohne  indessen 
die  sich  aus  der  trockenen  Destillation  entwickelnden  Gase  zu  entzünden. 
Dabei  entströmte  dem  Walle  ein  Geruch  von  schwelendem  Teer.  Der 
Schiefer  brannte  sich  weiß.  Eine  Erklärung  für  diese  Selbstentzündung 
ist  darin  zu  suchen,  daß  der  Schiefer  stark  von  Markasit  durchspickt  ist, 
bei  dessen  Zersetzung  unter  günstigen  Verhältnissen  (lang  andauernde 
intensive  Sonnenhitze)  eine  so  hohe  Temperatur  sich  entwickelt,  daß  der 
natürliche  Destillationsvorgang  von  statten  geht.  Nach  F.  Schmidt  (per- 
sönliche Mitteilung  an  A.  Mickwitz,  siehe  auch  Revaler  Beobachter  1909 
No.  223)  hat  früher  auf  der  Insel  Dagö  ein  derartiger  Brand  mehrere 
Jahre  gewährt.  Daß  ähnliche,  durch  den  Markasit  eingeleitete  Zersetzungs- 
prozesse auch  auf  der  primären  Lagerstätte  des  Schiefers  innerhalb  seines 
Schichtenverbandes  erfolgt  sind,  beweisen  die  zahlreichen  Gipskriställchen, 
die  fast  keinem  geschlagenen  Handstücke  des  Schiefers  auf  dessen  Schich- 
tungsfugen fehlen. 


Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär  etc.  607 


Daß  letzteres  tatsächlich  der  Fall  gewesen,  wird  durch  ver- 
einzelte Vorkommnisse  von  Asphalt  bezw.  Asphaltit  in  Nestern 
innerhalb  des  untersilurischen  Glaukonitsandes  und  der  obersiluri- 
schen  Kalksteine  Estlands  bewiesen1  — Funde,  die  sich  nur  als 
Abkömmlinge  aus  dem  oberkambrischen  Dictyoneinascliiefer  oder 
untersilurischen  Brandschiefer  erklären  lassen. 

Muß  es  aber  als  feststehend  gelten,  daß  flüssige  Destillations- 
produkte auf  natürlichem  Wege  aus  den  genannten  bituminösen 
Gesteinen  sich  entbunden  haben,  so  müssen  gleichzeitig  auch  gas- 
förmige Produkte  frei  geworden  sein.  Im  Hinblick  hierauf  liegt 
es  sehr  nahe,  die  Quelle  des  Kokskär  er  Gases  im  Di  ctyo- 
nemaschiefer  (oder  selbst  im  Brandschiefer)  zu  suchen. 

Nach  der  Untersuchung  H.  v.  Winkler’s2  besteht  dieses  Gas  aus 
70,0  °/o  Methan  und  20,8 °/o  Wasserstoff  (Mittel  von  4 Analysen,  deren 
größte  Abweichungen  von  einander  0,8  °/o  nicht  überschreiten)3. 

Bezüglich  der  vorhandenen  Gas  menge  lassen  sich  durch 
folgende  Angaben  Anhaltspunkte  gewinnen.  Winkler4  berechnete, 
daß  dem  Bohrloch  seit  dessen  Teufung  bis  zum  November)?)  1904, 
also  in  der  Zeit  von  ungefähr  einem  halben  Jahre,  zum  mindesten 
ca.  60  000  cbm  Gas  entströmt  sind.  Später  wurde  das  Gas  ge- 
faßt und  dient  seitdem  zur  Beleuchtung  des  Leuchtturms  sowie 
Beleuchtung  und  Beheizung  der  Wohnräume.  Ein  Mangel  hat 
sich  nie  eingestellt;  im  Gegenteil  muß  der  Gasometer  in  der  Regel 
ein  paarmal  täglich  geöffnet  werden,  um  den  Überschuß  des  Gases 
abzulassen.  Zuweilen  ist  der  Gasaustritt  aus  dem  Bohrloch  ein 
derart  stürmischer,  daß  heftige  knallartige  Schläge  ausgelöst 
werden.  Solches  geschah  z.  B.  am  8.  April  1912  und  noch  mehr- 
mals später,  worüber  die  Presse  unter  dem  Titel  „Erdbeben  auf 
Kokskär“  berichtete  ä. 


1 Ganz  vereinzelt  stehen  zwei  Funde  von  Asphalt  (?)  und  Asphaltit 
(Albertit)  im  unterkambriscben  Ton  bei  Kunda,  also  im  Liegenden  des 
Dictyonemaschiefers  (vergl.  F.  Schmidt  in  Bull.  com.  geol.  St.-Petersb. 
XIII,  1894,  p.  63,  russ.,  A.  Mickwitz  in  Mem.  Ac.  Sc.  St.-Petersb.  Ser.  VIII. 
4.  No.  2.  1896,  p.  36,  B.  Doss  im  Korrespondenzbl.  d.  Naturf.-Ver.  Riga 
XLIII.  1900,  p.  195).  Ob  dieser  Asphaltit  aber  an  primärer  Lagerstätte 
gesammelt  worden  oder  nicht,  darüber  ist  nichts  bekannt. 

2 Die  bei  der  estländischen  Küste  belegene  Gasquelle  auf  Kokskär 
(Chem.-Ztg.  1905,  p.  670). 

3 Die  Analyse  ist,  worauf  auch  C.  Engler  (Die  Chemie  und  Physik 
des  Erdöls,  Leipzig  1913,  p.  750)  hinweist,  nicht  einwandfrei,  da  das  Gas 
mit  leuchtender  Flamme  brennt.  Wahrscheinlich  sind  in  geringer  Menge 
schwere  Kohlenwasserstoffe  beigemengt.  — Der  von  Engler  (1.  c.)  ver- 
zeichnete  Name  Koskör  ist  ein  Druckfehler. 

4 1.  c.  p.  670. 

3 Näheres  bei  B.  Doss : Seismische  Ereignisse  in  den  Ostseeprovinzen 
vom  Juni  1910  bis  Ende  1912  (Cpt.  rend.  d.  seances  d.  1.  com.  sism.  per- 
manente T.  VI,  St.-P6tersb.  1913,  p.  27  ff.). 


608 


Br.  Doss, 


Die  Annahme  der  Herkunft  des  Kokskärer  Gases  aus  dem 
Dictyoneinascliiefer  (oder  selbst  Brandschiefer)  setzt  natürlich 
voraus,  daß  diese  stark  bituminösen  Gesteine  tatsächlich  auch  im 
Untergründe  des  Inseläs  vertreten  sind.  Dieses  ist  aber,  da  der 
Dictyoneinascliiefer  am  Fuße  des  benachbarten  Glints  ausstreicht1 *, 
nur  möglich,  wenn  im  Finnischen  Meerbusen  eine  ungefähr  west- 
östlich streichende  und  zwischen  Kokskär  und  dem  Festlande  ver- 
laufende Verwerfung  vorliegt,  die  den  Dictyoneinascliiefer  mit- 
samt seinem  Hangenden  und  Liegenden  'bis  unter  den  Meeresgrund 
bei  der  Insel  versetzte. 

Die  Voraussetzung  einer  solchen  Verwerfung  steht  im  Einklang 
mit  den  Annahmen  anderer  Autoren.  So  spricht  sich  A.  Karpinsky  1 
dahin  aus,  daß  am  Rande  des  finnischen  Massivs  eine  ganze  Reihe 
von  Grabenversenkungen  von  statten  gegangen,  als  welche,  wenigstens 
zum  Teil,  der  Finnische  Meerbusen,  das  Weiße  Meer,  wahrschein- 
lich auch  der  Ladoga-  und  Onega-See  erscheinen.  W.  Ramsay  3 
weist  darauf  hin , daß  nach  der  Eruption  der  Quarzporphyre 
Hochlands  Dislokationen  stattgefunden  haben,  was  durch  die  an  den 
Küsten  dieser  Insel  vorkommendeu  Reibungsbreccien  bewiesen  wird. 
Die  Insel  blieb  als  Horst  stehen.  R.  Crednkr4 5  spricht  den  Fin- 
nischen Meerbusen  zusammen  mit  dem  Mälarsee  als  die  tiefst 
abgesunkene  Partie  einer  die  Depressionszone  der  Ostsee  quer 
durchsetzenden  Grabenverwerfung  au.  E.  Piccakd  3 gelangt  auf 
Grund  morphologischer  Studien  über  das  Bodenrelief  des  Fiunischen 
Meerbusens  zur  Annahme  einer  Verwerfung  in  der  Nähe  der  est- 
ländischen  Küste  und  verlegt  sie  in  die  größte  Tiefe  vom  Meridian 
des  Kaps  Spithamm  (23 u 82'  ö.  Gr.)  bis  zum  Meridian  des  Kaps 
Perespe  (25°  42').  J.  Sederholm6  ist  der  Meinung,  daß  Fenno- 
skandia  während  der  großen,  in  der  eocänen  Epoche  eingeleiteten 
Dislokationsperiode,  die  in  den  gewaltigen  Senkungen  im  Atlanti- 
schen Ozean  kulminierte , von  seinem  Zusammenhang  mit  der 
russischen  Tafel  abgeschnitten  worden  und  der  Finnische  Meer- 
busen durch  Dislokationen  entstanden  sein  dürfte.  Auf  seiner  Karte 


1 Siehe  G.  Holm  1.  c.  p.  6. 

: Allgemeiner  Charakter  der  Schwankungen  der  Erdkruste  im  Be- 
reiche des  Europäischen  Rußlands  (Bull.  Ac.  Sc.  St.-P6tersb.  I.  1894,  p.  17; 
russisch). 

5 Om  Hoglands  geologiska  byggnad  (Geol.  Foren,  i Stockholm  Förh. 
1890.  XII.  No.  6;  Referat  N.  Jahrb.  f.  Min.  1892.  I,  77). 

4 Über  die  Entstehung  der  Ostsee  (VJ.  Jahresber.  d.  Geogr.  Ges. 
Greifswald.  I.  Teil.  1896,  p.  74).  Vergl.  Derselbe  in  Natunv.  Rundschau 
1895,  p.  622. 

5 Beiträge  zur  physischen  Geographie  des  Finnischen  Meerbusens. 
Inaug.-Diss.  Kiel  1903,  p.  28. 

c Über  Bruchlinien,  mit  besonderer  Beziehung  auf  die  Geomorphologie 
von  Fennoskandia  (Cpt.  rend.  XI.  Congr.  göol.  int.  Stockholm  1910,  p.  8G6). 


Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel  Kokskär  etc.  609 

„Les  lignes  de  fracture  dans  la  Feunoskandia“  1 verzeichnet  er  eine 
ganze  Reihe  hypothetischer,  teils  WSW — ONO,  teils  NNW — SSO 
streichender  Verwerfungen  im  Gebiete  des  Finnischen  Meerbusens, 
denen  im  begleitenden  Text2 3 4  ein  miocänes  oder  postmiocänes  Alter 
zugeschrieben  wird.  Auch  bringt  er  den  ursprünglich  nördlicher 
gelegenen  Glint  mit  ihnen  in  Verbindung. 

Andere  Ansichten  scheint  F.  Schmidt  3 zu  vertreten ; denn  er 
führt  den  Befund,  daß  das  Kokskärer  Bohrloch  den  am  Glint  an- 
stehenden kambrischen  blauen  Ton  nicht  angetroffen,  dagegen  nur 
quartäre  Bildungen  durchteuft  hat,  nicht  auf  eine  Verwerfung 
zurück,  sondern  auf  eine  stattgefundene  starke  Erosion  des  Tones 
auf  dem  Boden  des  Finnischen  Meerbusens.  Ihm  schließt  sich 
A.  Mick witz * an,  wie  aus  dessen  veröffentlichtem  hypothetischen 
Profil  durch  den  Finnischen  Meerbusen  im  Meridian  von  Kokskär 
hervorgeht. 

In  Anbetracht  dessen,  daß  der  Finnische  Meerbusen  in  seinem 
westlichen  Teile  bis  Hochland  die  größte  Tiefe  ausgesprochener- 
weise in  der  Nähe  der  estländischen  Küste  erreicht5 6  und  daß  der 
kambrisch-silurische  Sockel  hier  steil  abfällt  im  Gegensatz  zur 
ganz  allmählichen  Senkung  des  Meeresbodens  vom  finnländischen 
Ufer  aus,  muß  ich  der  Meinung  beipflichten,  daß  dieser  größten 
Tiefe nregion  eine  Verwerfung  zugrunde  liegt.  Wahr- 
scheinlich verläuft  diese  Verwerfung,  was  das  Gebiet  um  die  ein- 
gangs erwähnten  Inseläsar  betrifft,  südlich  Groß-  und  Klein -Wrangel. 
Daß  die  Meerestiefe  hier  gegenwärtig  geringer  ist  (bis  90  m)  als 
südlich  von  Kokskär  (bis  104  m) ti,  wird  wohl  auf  der  Ablagerung 
der  vom  Jagowalflusse  herbeigeführten  Sedimente  in  der  Bucht 
südlich  der  beiden  Inseln  Wrangel  beruhen.  Die  Verwerfung 
müßte,  damit  der  beim  Jagowalschen  Wasserfalle  anstehende 
Dictyonemaschiefer  unter  das  Niveau  des  Bohrlochendes  auf  Kokskär 
gelangte,  mindestens  125  m betragen;  wahrscheinlich  dürfte  sie 
aber  beträchtlich  größer  sein. 

Den  südlichen  Steilrand  dieser  Verwerfung  muß 
der  Glint  an  seiner  ursprünglichen  Lage  gebildet 
haben.  Im  Laufe  der  Zeiten  ist  er  durch  Erosion  seitens  des 


1 Im  Atlas  de  Finlande,  Helsingfors  1910,  No.  6. 

1 Fennia  30,  I,  No.  5,  6 a,  p.  83.  — Die  Karte  nebst  Text  (Sur  la 
geologie  quarternaire  et  la  göomorpbologie  de  la  Fennoskandia)  sind  auch 
erschienen  im  Bull.  d.  1.  Com.  göol.  d.  Finlande  No.  30.  1911  (entsprechende 
Textstelle  hier  p.  43). 

3 1.  c.  (Verh.  Min.  Ges.  XLI.  1903.  Prot.  p.  44,  russisch). 

4 1.  c.  (Stratigraphie). 

8 So  findet  sich  z.  B.  auch  im  Meridian  von  Kokskär  die  größte  Tiefe 
direkt  südlich  dieser  Insel. 

6 Nach  den  Angaben  der  vom  Reichsmarineamt  1904  herausgegebenen 
Karte  des  Finnischen  Meerbusens  von  Helsingfors  bis  Hochland  (No.  151). 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  39 


610 


Fr.  Heritsch, 


Meeres,  durch  Absprengungen  seitens  des  in  den  Kalksteinklüften 
gefrierenden  Wassers,  durch  Auswaschungen  der  an  seinem  Steil- 
rande austretenden  Quellen  und  Nachsturz  der  hangenden  Schichten 
(was  auch  gegenwärtig  zu  alljährlichen  neuen  Abstürzen  führt', 
durch  Abtragung  während  der  Vergletscherungsepoche  allmählich 
nach  Süden  bis  zu  seiner  heutigen  Lage  zurückgedrängt  worden. 

Ist  dem  allem  aber  so,  so  steht  der  Annahme  von  der  Her- 
kunft des  Kokskärer  Gases  aus  dem  Dictyonemaschiefer,  gegebenen- 
falls auch  aus  dem  Brandschiefer,  nichts  eutgegen. 

Lieber  noch  möchte  ich  diesen  Schluß  umkehren  und  aus- 
sprechen : Die  durch  morphologische  Studien  über  das 
Bodenrelief  des  Finnischen  Meerbusens  gewonnene 
Überzeugung,  daß  dem  letzteren  z.  T.  Verwerfungen 
zugrunde  liegen,  erhält  durch  das  Kokskärer  Gas- 
vor kommen,  das  eine  andere  als  die  oben  gegebene 
Erklärung  schwerlich  z u 1 ä ß t , eine  sehr  gewichtige 
Stütze  für  ihre  Richtigkeit. 

Riga,  Technische  Hochschule,  Juni  1913. 


Zur  Geologie  des  Jesenkoberges  (Westlicher  Bacher). 

Von  Franz  Heritsch  in  Graz. 

Aus  dem  Gebiete  des  Jesenkoberges  bei  Windisch-Graz  hat 
Dregek1  Porphyritgänge  namhaft  gemacht,  welche  mesozoische 
Gesteine  durchbrechen;  eine  größere  Anzahl  von  solchen  Gesteinen 
liegt  auf  der  Südseite  des  Jesenkoberges,  besonders  gut  auf- 
geschlossen beim  Gehöft  nördlich  des  Richtarckogels,  dann  auf 
dem  Karrenweg,  der  von  dem  genannten  Bauer  zum  Sattel  P.  «Jo 
südöstlich  des  Jesenkoberges  führt;  auf  dieser  Strecke  befinden 
sich  zahlreiche  größere  Entblößungen  des  „Porphyrites“,  besonders 
gut  bei  der  Kapelle  P.  762.  Auch  an  anderen  benachbarten 
Punkten  kommt  dasselbe  Gestein  vor,  so  auf  dem  Sattel  östlich 
von  P.  763  in  mehreren  Gängen,  ferner  am  Nordhang  desselben 
Punktes,  dann  am  Kamm  Meinhardsattel-Vrhnik  etc.  Die  Unter- 
suchung dieser  ganz  hellen  Gesteine,  welche  ich  auf  einigen 
Exkursionen  kennen  gelernt  habe,  hat  ein  einigermaßen  über- 
raschendes Ergebnis  gehabt.  Ein  Gestein  vom  Südgehänge  des 
Vriinik,  geschlagen  auf  dem  Weg  von  St.  Anna  nach  dem  Mein- 
hardsattel, hat  in  trachytisch-rauher  Grundmasse  Qurz  und  Feld- 
spateinsprenglinge. U.  d.  M.  zeigen  sich  Quarze,  z.  T.  mit  schönen 
magmatischen  Resorptionen,  Plagioklase  (Andesin),  ferner  Biotit, 
gegen  welche  die  Hornblende  an  Menge  zurücktritt,  dann  eine 
geringe  Menge  von  diopsidischem  Pyroxen;  das  Ganze  liegt  in 

1 Verb.  d.  geol.  Reichsanstalt.  1905.  p.  70.  1906.  p.  ! 5. 


Zur  Geologie  des  Jesenkoberges  (Westlicher  Bacher). 


611 


einer  mikrogranitischen  Grundmasse.  Es  handelt  sich  um  einen 
Hornblendebiotitdacit.  Ein  anderes,  ganz  in  der  Nähe  ge- 
schlagenes Handstück,  zeigt  neben  Quarz  und  Plagioklas  wenig 
Biotit,  dafür  aber  sehr  viel  stark  opacitisierte  Hornblende;  die 
Grundmasse,  im  Handstück  licht  gelblich,  trachytisch  rauh,  ist 
mikrogranitisch  und,  wie  seine  erstgenannten  Gesteine,  arm  an 
Erz.  Auch  dieses  Vorkommen  gehört  zu  den  Daciten. 

Das  im  folgenden  angeführte  Gestein  von  der  Südseite  des 
Jesenkoberges  stammten  von  dem  Wege,  der  vom  Gehöft  nord- 
östlich Richtarckogel  zum  Sattel  P.  823  südöstlich  vom  Jesen- 
koberg führt.  Zwischen  den  beiden  auch  auf  der  Spezialkarte 
markierten  Kreuzen  kommt  ein  Gestein  vor,  dessen  licht  rötlich 
gefärbte  Grundmasse  ganz  dicht-glasig  ist;  u.  d.  M.  sieht  man, 
daß  einzelne  Teile  derselben  aus  Mikrofelsit  bestehen ; in  beiden 
Arten  der  Grundmasse  liegen  kleine  Plagioklasleistchen,  was  in 
gewissem  Sinn  an  hyalopilitische  Struktur  erinnert;  die  Grund- 
masse zeichnet  sich  durch  reichliches  Erz  aus.  An  Einspreng- 
lingen treten  große  idiomorphe  Biotite  auf,  ferner  zahlreiche  rote 
Leistchen,  die  Reste  von  opacitisierten  Hornblenden ; dann  liegen 
in  der  Grundmasse  Plagioklaseinsprenglinge,  der  Reihe  Labrador- 
Andesin  angehörig.  Das  Gestein  ist  ein  Hornbien  deb io tit- 
andesit.  Diese  Gesteine  haben  nur  eine  ganz  minimale  Ver- 
breitung, alle  anderen  auf  der  obengenannten  Strecke  vorhandenen 
Ernptiva  sind  echte  Dacite , welche  ihre  Unberührtheit  durch 
dynamische  Vorgänge  und  ihre  Verschiedenheit  von  den  Gang- 
gesteinen (z.  B.  von  den  Vorkommnissen  des  Mieslinggrabens) 
deutlich  zeigen. 

Es  konnte  mit  geringer  Mühe  durch  Vergleich  mit  anderen 
Gesteinen  festgestellt  werden,  daß  zu  den  Daciten  gehörige  Ge- 
steine eine  große  Verbreitung  am  Westbacher  haben.  Da  wäre 
einmal  das  Gestein  zu  nennen,  das  seit  langer  Zeit  als  „Porphyrit“ 
von  Maria  Stein  bei  Saldenhofen  bekannt  ist1 2;  es  handelt  sich, 
wie  die  Beobachtung  im  Feld  und  der  Dünnschliff  zeigen,  um 
einen  Biotitdacit,  der  wahrscheinlich  in  die  Gruppe  der  liparitisclien 
Dacite  Rosexbcsch’s  einzureihen  ist.  Es  sei  hier  noch  des  Ge- 
steins gedacht,  das  Tkobej 2 vom  Mataseo  vrh  bei  Unterdrau- 
burg  unter  der  Bezeichnung  Bostonit  beschrieben  hat.  Es  zeigt 
u.  d.  M.  relativ  wenige  Einsprenglinge  von  Quarz,  meist  in  rund- 
lichen Körnern;  die  Plagioklase  überwiegen  weitaus;  Orthoklas 
fehlt  vollständig;  als  Einsprenglinge  treten  noch  zahlreiche 
Biotite,  in  geringerer  Häufigkeit  Hornblende  auf.  Der  Habitus 
des  Gesteins,  sein  Auftreten  in  der  breiten  Masse,  sein  Bestand 


1 F.  Eigel,  Mitteilungen  des  naturwissenscbafi liehen  Vereins  für 
Steiermark.  1895. 

2 Mitteilungen  des  naturwissenschaftlichen  Vereins  f.  Steiermark.  1907. 

39* 


612 


Fr.  Heritscli, 


spricht  gegen  die  Bezeichnung  „Bostonit“.  Es  handelt  sich  um 
einen  Hornblendebiotitdacit. 

Es  sei  hier  noch  auf  die  Gesteine  der  Velka  Kappa,  welche 
von  Doelter  als  Granitporphyr,  von  Teller  als  Porphyrit  be- 
zeichnet werden,  hingewiesen.  Es  muß  festgestellt  werden,  daß 
durchaus  sich  die  Angaben  Teller’s  über  die  Gesteine  des  west- 
lichen Bacher-Hauptkammes  als  richtig  befunden  wurden.  Das 
Gebiet  des  Cerni  vrh,  der  Velka  und  Mala  Kappa  bis  über  den 
Klein-Sattel  hinaus  ist  eine  riesige  Intrusivmasse,  welche  von 
Phyllit  umgeben,  in  ihn  intrudiert  ist,  wobei  zahllose  Gänge  in 
der  Umgebung  der  großen  Masse  den  Phyllit  durchschwärmen. 
Die  Gesteine  sind  fast  ausschließlich  als  Quarzporphyrite  an- 
zusprechen. Der  Habitus  der  Gesteine  ist  ein  altertümlicher;  das 
rechtfertigt,  sowohl  es  sich  um  durchaus  sehr  helle  Gesteine 
handelt,  den  obigen  Namen.  Im  Schliff  konnte  kein  prinzipieller 
Unterschied  zu  den  Gesteinen  vom  Meinradssattel  festgestellt 
werden.  An  einigen  Stellen  konnten  auch  Glimmerporphyrite  fest- 
gestellt werden;  ein  solcher  bildet  sehr  hübsche  Gänge  in  Granit 
mit  Paralleltextur  in  dem  Wucherergraben  (bei  der  Abzweigung 
des  Kopnikgrabens ; Steinbruch);  ein  Glimmerporphyrit  wurde  auch 
am  Cerni  vrh,  auf  dem  Gipfelplateau  gefunden,  ohne  daß  infolge 
der  schlechten  Aufschlüsse  das  Verhältnis  zu  der  Quarzporphyrit- 
masse,  in  welcher  der  Glimmerporphyrit  liegt,  ersichtlich  wäre. 
Ein  Glimmerporphyrit  wurde  auch  auf  dem  Rücken  vom  Cerni  vrh 
nach  Reifnigg  unter  Punkt  1322  in  der  Nähe  der  Granitgrenze 
aufgefunden.  Bei  Punkt  916  südlich  von  Reifnigg  liegt  in  Phyllit 
ein  Gang  von  Quarzglimmerdioritporphyrit. 

An  der  Gabelung  des  Razworza  und  Sopelsnikgrabens  bei 
Dousche  (Mieslingraben)  hat  Teller  auf  der  geologischen  Spezial- 
karte, Blatt  Praßberg  an  der  Sann,  einen  mächtigen  Porphyrit- 
gang  verzeichnet.  Pontoni  1 hat  dieses  Gestein  als  Granitporphyr 
bezeichnet.  U.  d.  M.  zeigen  sich  in  holokristallinem  Quarz- 
Feldspatgewebe  der  Grundmasse  Quarzeinsprenglinge,  an  Menge 
zurücktretend  gegen  Plagioklase,  ferner  noch  Biotite;  keinerlei 
dynamische  Beeinflussung  stört  das  Bild.  Jedenfalls  handelt  es 
sich  um  ein  Ganggestein,  das  zu  den  Daciten  in  einem  bestimmten 
Verhältnis  steht;  es  ist  wohl  am  besten  als  Quarzglimmerporphyrit 
zu  bezeichnen.  Jedenfalls  besteht  eine  Beziehung  zum  großen 
Massiv  der  Velka  Kappa. 

Im  Anschluß  daran  seien  einige  Gesteine  des  Mieslinggrabens 
erwähnt,  welche  einen  ganz  anderen  Charakter  haben.  In  dem 
prächtig  aufgeschlossenen  Graben  ist  an  der  Straße,  beziehungs- 
weise an  der  Holzförderbahn  eine  ganze  Serie  von  Gängen  zu 
sehen.  Besonders  gehäuft  sind  sie  zwischen  dem  Gehöft  Plentak 


1 Tschermak’s  min.  u.  petrogr.  Mitteilungen.  1896.  p.  369. 


Zur  Geologie  des  Jeseukoberges  (Westlicher  Bacher). 


613 


und  dem  Punkt  822  im  Mieslingtal.  Die  meisten  sind  bereits 
auf  dem  von  Teller  aufgenommenen  Blatt  Praßberg  verzeichnet. 
Ein  sehr  interessanter  Gang,  der  zweifellos  zur  Zeit  der  Karten- 
aufnahme noch  nicht  aufgeschlossen  war,  liegt  im  Steinbruch  nach 
P.  633.  In  Gneis  liegt  ein  schmaler  Gang  von  Hornblendediorit- 
porphvrit.  Solche  Gesteine  treten  noch  an  einigen  Stellen  auf, 
so  beim  Gehöft  Plentak.  Ferner  sind  zu  nennen  Biotitporphyrite ; 
die  bisher  genannten  Gesteine  haben  einen  deutlich  lamprophyrischen 
Charakter,  stimmen  aber  mit  den  entsprechenden  lamprophyrischen 
Gängen  nicht  überein,  daher  die  obigen  Namen  gewählt  wurden. 
Lichte  Gänge  sind  als  Quarzdioritporphyrite  und  Dioritporphyrite 
zu  bezeichnen.  Im  ganzen  ist  die  Serie  eine  echte  Ganggesteins- 
gesellschaft, nicht  zu  vergleichen  mit  dem  erwähnten  Gestein  des 
Razworzagrabens  und  mit  den  Glimmerporphyriten  der  Umgebung 
von  Reifnigg. 

Es  seien  noch  einige  kurze  Bemerkungen  über  die  Pbyllite 
und  die  sedimentären  Gesteine  des  Bachers  angeschlossen.  Für 
die  Altersdeutung  der  Phyllite  des  Bachers  kommt  wohl  einzig 
die  Frage  in  Betracht,  daß  sie  die  Fortsetzung  der  südlichen 
Grauwackenzone  des  Klagenfurter  Beckens  sind;  für  Carbon 
stimmt  auch  das  Vorkommen  von  Graphit  (z.  B.  Otisnikgraben 
bei  Unterdrauburg).  Die  Kreide  des  Jesenkoberges  beginnt  mit 
mergeligen  Kalken,  über  welchen  dann  Hippuritenkalke  liegen ; 
das  basale  Glied  der  Kreide  stimmt  petrographiscli  mit  den 
Zementmergeln  von  St.  Bartolomä  in  der  Kainacher  Gosau  und 
mit  den  entsprechenden  Gesteinen  des  Krappfeldes  überein;  man 
muß  aus  dem  Habitus  des  Basalgliedes  der  Gosau  wohl  schließen, 
daß  die  Transgression  der  oberen  Kreide  über  ein  ganz  ebenes 
Land  erfolgt  ist,  so  wie  das  auch  am  Krappfeld  der  Fall  war. 
Aus  den  Kreidekalken  habe  ich  zwei  Exemplare  von  Hippurites 
corna  vaccinum.  — Unter  der  Kreide  liegen  dunkelgraue  Ton- 
schiefer, welche  muschelig  oder  griffelig  brechen ; sie  kommen 
auf  der  Südseite  des  Jesenkoberges  an  zahlreichen  Stellen  mit 
Daciten  und  auch  mit  dem  früher  beschriebenen  Andesit  in  Kontakt 
und  tragen  an  diesem  die  Spuren  der  Berührung  mit  dem  Magma. 
Es  konnte  auf  der  Südseite  des  Jesenkoberges  festgestellt  werden,  daß 
diese  Tonschiefer  mit  echten  Werfener  Sandsteinen  in  engem  strati- 
graphischen Verbände  stehen.  Damit  ist  ihre  Altersfrage  erledigt. 

Es  erübrigt  jetzt  nur  mehr,  auf  die  Stellung  der  Dacite  auf 
der  Südseite  des  Jesenkoberges  zu  den  Tonschiefern  und  Werfenern 
hinzuweisen.  Sie  bilden  anscheinend  einen  Stock,  dessen  Dach 
in  den  Vorkommnissen  des  Jesenkoberges  vorliegt.  Im  allgemeinen 
läßt  sich  im  Westbacher  eine  Reihe  von,  auch  dem  Alter  nach, 
getrennten  Eruptivgruppen  unterscheiden : 

1.  Der  Granit  des  Bacher;  es  ist  ein  Gestein  mit  Parallel- 
textur; seine  Westgrenze  liegt  beiläufig  auf  der  Linie  Wucherer- 


614 


Fr.  Heritsch, 


graben— Reifnigg — Reifnigger  See.  Sein  hohes  Alter  geht  aus 
der  Auflagerung  von  Phyllit  (Carbon?)  hervor.  Aus  diesem 
Grunde  ist  auch  seine  Einbeziehung  in  den  periadriatischen  Bogen 
abzulehnen. 

2.  Eine  zweite  Gesteinsgruppe  wird  durch  die  Gänge  des 
Mieslingtales  gebildet;  vielleicht  gehört  als  Tiefenfazies  der  Quarz- 
diorit  des  Windischen  Kalvarienberges  bei  Marburg  dazu.  Bei  der 
Gesteinsart  sind  die  Gänge  getrennt  vom  Granit,  durch  ihren 
Habitus,  ihr  Auftreten,  durch  Störungen  (Harnische  etc.),  z.  T. 
auch  durch  den  petrographischen  Charakter  scheiden  sie  sich  von 
den  Gesteinen  der  Velka  Kappa.  Die  hielier  gehörigen  Gesteine 
durchbrechen  noch  den  Phyllit,  sind  also  jünger  als  der  Granit. 

3.  Die  dritte  Gruppe  wird  durch  die  Gesteine  vom  Matasev  vrh, 
Jesenkoberg,  Cerni  vrh,  Velka  Kappa  etc.  gebildet.  Diese  Gesteine 
tragen  z.  T.  ihren  jugendlichen  Charakter  deutlich  zur  Schau; 
sie  müssen  nach  der  cretacischen  Gebirgsbewegung  und  vor  der 
gosauischen  Transgression  in  den  Schichtverband  eingetreten  sein. 


Die  zeitliche  Trennung  der  Deckenschübe  in  den  Ostalpen. 

Von  Franz  Heritsch  in  Graz. 

In  den  Sitzungsberichten  der  Kaiserlichen  Akademie  der 
Wissenschaften  in  Wien,  mathemat.-naturwiss.  Klasse.  121.  Abt.  I. 
1912  (erschienen  im  Spätherbst  1912)  habe  ich  die  alpine  Decken- 
bewegung zeitlich  zu  zerlegen  versucht;  es  wurde  festgestellt, 
daß  die  Anlage  des  Deckenbaues  der  ostalpinen  Decke  schon  vor- 
gosauisch  ist,  daß  ferner  das  ostalpine  Gebiet  auf  das  Lepontinische 
nach  dem  Alttertiär  und  vor  dem  Miocän  der  zweiten  Mediterran- 
stufe geschoben  wurde,  daß  das  Helvetische  naclimiocän  oder  jung- 
miocän  geschoben  wurde  und  von  den  höheren  Decken  als  Block 
überschoben  wurde.  Ich  belegte  die  einzelnen  Schübe  mit  dem 
Namen  ostalpin,  lepontinisch,  helvetisch. 

Nach  meinen  Auseinandersetzungen  über  die  zeitliche  Trennnng 
alpiner  Deckenbewegungen,  welche  noch  eine  lebhafte  Stütze  durch 
F.  F.  Hahn’s  kurz  nachher  veröffentlichte  Anschauungen  fand,  kurz 
also,  nachdem  es  schien,  daß  endlich  für  uns  ostalpine  Tektoniker 
eine  Basis  wenigstens  für  eine  Erörterung  geschaffen  sei,  mußte 
es  mein  lebhaftestes  Staunen  erregen,  daß  Kober  in  seiner  neuesten 
Arbeit  (Mitteilungen  der  geol.  Gesellschaft  in  Wien.  5.  1912. 
p.  368 — 480;  erschienen  Anfang  Mai  1913 J)  zu  abweichenden 
Resultaten  kam , ohne  daß  er  es  für  notwendig  befunden  hätte, 

1 Meine  Arbeit  lag  Kober  bereits  vor , denn  sie  wurde  im  selben 
Heft  der  Mitteilungen  der  geol.  Gesellschaft  referiert,  in  welchem  Kober’s 
Arbeit  erschien. 


Die  zeitliche  Trennung  der  Deckenschübe  in  den  Ostalpen.  0J5 

meine  Ausführungen  auch  nur  mit  einem  Worte  zu  erwähnen. 
Ich  bin  jeder  Prioritätsreiterei  durchaus  abgeneigt  und  hätte 
mich  auch  jetzt  nicht  entschlossen,  gegen  das  Vorgehen  Kober’s 
zu  protestieren , wenn  nicht  in  seiner  Handlungsweise  ein  wohl 
überlegtes  System  läge;  denn  Kober  hat  in  allen  seinen  Arbeiten, 
welche  den  östlichen  Teil  der  Ostalpen  betreffen , mich  schlecht 
oder  gar  nicht  zitiert 1 — obwohl  er  sich  der  Resultate  meiner 
Arbeiten  gerne  bedient  — , er  ist  im  Interesse  der  großen  Syn- 
thesen des  alpinen  Baues  vielfach  über  meine  Arbeiten  zur  Tages- 
ordnung übergegangen  und  hat  schließlich,  wenn  er  mich  zitierte, 
dies  des  öfteren  so  getan,  daß  der  nicht  eingeweihte  Leser  eine 
ganz  falsche  Vorstellung  bekommen  mußte.  Ich  kann  nicht  umhin, 
gegen  dieses  System  zu  protestieren  und  bedaure  es, 
einem  Forscher  wie  Kober  so  entgegentreten  zu  müssen. 

Kober  hat  im  Jahre  1911  das  vorgosauische  Alter  der  Decken- 
bewegung in  den  Zentralalpen  (Grazer  Gegend)  angenommen2, 
gestützt  auf  den  vorgosauisclien  Bau  des  Paläozoicums  von  Graz, 
den  ich  im  Jahre  1905  nachgewiesen  habe3.  Damals  hat  Kober 
noch  nicht  an  die  Auflösung  des  Paläozoicums  von  Graz  in  eine 
untere  und  obere  Grauwackendecke  gedacht  (diese  Trennung  hat 
überdies  zuerst  Mohr  aufgezeigt,  Kober  folgt  ihm,  ohne  ordentlich  zu 
zitieren);  das  zeigt  seine  Anmerkung  auf  p.  116,  wo  er  von  einem 
anomalen  Kontakt  zwischen  dem  Carbon  von  Pernegg  und  „dem 
Grazer  Paläozoicum“  — dieses  also  als  Einheit  genommen!  — 
spricht;  diesen  anomalen  Kontakt  habe  ich  früher  namhaft  ge- 
macht4. Es  geht  klar  hervor,  daß  Kober  im  Jahre  1911  von 
der  Bedeutung  der  vorgosauisclien  Bewegung  in  den  Zentralalpen 
noch  keine  gute  Vorstellung  gehabt  hat.  Da  nun  ich  in  meiner 
früher  zitierten  Arbeit  in  den  Sitzungsberichten  der  Kais.  Akademie 
in  Wien  auf  diese  hingewiesen  habe,  muß  ich  Kober  gegenüber 
auf  meiner  Priorität  bestehen.  Ich  hätte  dieses  Erstlingsrecht 
nicht  so  betont , wenn  Kober  nicht  gewohnt  wäre , alle  Rechte 
anderer  zu  mißachten. 

1 So  schreibt  Kober,  1.  c.  p.  478,  daß  zuletzt  von  Diener  auf  die 
Bedeutung  der  vorgosauisclien  Bewegung  hingewiesen  wurde.  Sic ! — 
p.  455  steht  zu  lesen,  daß  W.  Schmidt  die  Transgression  der  Kainacher 
Gosau  aufgezeigt  hätte , während  ich  dies  1905  bewies.  Wenn  ich  alle 
derartigen  Fehler  in  Kober’s  Arbeit  aufzählen  und  noch  die  offenkundigen 
Unrichtigkeiten  in  seinem  „Deckenbau  der  nordöstlichen  Alpen“,  Denk- 
schriften der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften , Wien  1912 , richtig- 
stellen wollte,  wäre  dies  eine  mühevolle  Arbeit,  wozu  ich  weder  Zeit  noch 
Lust  habe. 

2 Mitteilungen  der  geol.  Gesellscchaft.  4.  1911.  p.  116. 

3 Mitteilungen  des  naturwiss.  Ver.  f.  Steiermark.  1905,  p.  721. 

4 Dies.  Centralbl.  1912.  p.  114. 


610  E.  Spengler.  Der  angebliche  Hanptdolomit  bei  Gosau. 

Der  angebliche  Hauptdolomit  bei  Gosau. 

Von  E.  Spengler  in  Graz. 

Auf  der  geologischen  Spezialkarte  Blatt  Ischl  und  Hallstatt 
ist  ^ km  südwestlich  von  Gosau  eine  kleine  Partie  von  Haupt- 
dolomit eingetragen.  Bei  meinen  heurigen  Aufnahmsarbeiten  in 
der  Umgebung  von  Gosau  besuchte  ich  diese  Stelle  und  konnte 
folgendes  feststellen : An  dem  bezeichneteu  Punkte  befindet  sich 
eine  wenige  Meter  hohe  und  breite,  von  der  Straße  aus  sichtbare 
Felspartie,  wohl  ein  ehemaliger  Steinbruch,  welche  aber  nicht 
aus  Hauptdolomit,  sondern  aus  einem  grauen,  massigen  Kalk 
besteht,  der  undeutliche  Korallendurchschnitte  erkennen  läßt.  Über- 
lagert wird  dieser  Kalk  von  einer  sehr  grobkörnigen  Gosaubreccie, 
von  der  besonders  schöne  Stücke  in  der  vor  der  Wand  befindlichen 
Schuttmasse  liegen.  Zwischen  mehr  als  kopfgroßen,  eckigen  Stücken 
von  verschiedenen  Triaskalken  ist  als  Zement  feineres,  sandiges 
Material  eingelagert.  Wegen  der  geringen  Ausdehnung  des  Auf- 
schlusses läßt  sich  nicht  mit  Sicherheit  feststellen,  ob  der  oben 
beschriebene  graue  Korallenkalk  schon  den  Untergrund  der  Gosau- 
schichten  darstellt  oder  nur  einem  gewaltigen  Block  in  den  Gosau- 
schichten  angehört,  welcher  sich  mit  den  mächtigen  Blöcken  ver- 
gleichen ließe,  welche  kürzlich  Ampferer1  aus  der  Gosau  des 
Muttekopfes  beschrieben  hat. 

Die  Eintragung  „Hauptdolomit“  auf  der  geologischen  Spezial- 
karte dürfte  folgendermaßen  zustande  gekommen  sein : Eine  genaue 
Betrachtung  der  Karte  läßt  erkennen,  daß  bei  der  kleinen  Partie 
südwestlich  von  Gosau  die  Schraffierung  nicht  wie  bei  den  übrigen 
Hauptdolomitpartien  von  rechts  oben  nach  links  unten,  sondern 
von  links  oben  nach  rechts  unten  geführt  ist.  Dies  entspricht 
aber  genau  der  Ausscheidung  für:  „Dolomit  und  lichter  Kalk  des 
Muschelkalkes“.  Mit  letzterem  ließe  sich  das  Gestein  auch  ganz 
gut  vergleichen ; Moisisovics  dürfte  dies  auch  gemeint,  aber  bei  der 
Korrektur  übersehen  haben,  daß  hier  td  statt  tm  gedruckt  wurde. 

Nach  der  petrographischen  Beschaffenheit  erscheint  es  mir 
allerdings  wahrscheinlicher,  daß  hier  nicht  eine  Partie  des  lichten 
Muschelkalk-Riffkalkes,  sondern  ein  Stück  obertriadisclien  Hocli- 
gebirgs-Riffkalkes  vorliegt. 

Die  ganze  Sache  wäre  an  und  für  sich  völlig  belanglos,  wenn 
nicht  E.  Haug,  gestützt  auf  die  wohl  infolge  eines  Druckfehlers 
irrtümliche  Eintragung  auf  der  geologischen  Karte2,  für  den  ver- 
meintlichen Hauptdolomit  an  dieser  Stelle  ein  Fenster  der  nappe  B — 

1 0.  Ampferer,  Über  die  Gosau  des  Muttekopfes.  Jahrb.  der  geol. 
Reichsanstalt  1912. 

* E.  Haug,  Les  nappes  de  charriage  des  Alpes  calcaires  septentrionales, 
III.  partie,  le  Salzkammergut.  Bull,  de  la  Soc.  Göol.  de  France.  1912. 
p.  119  (Esquisse  göologique  de  la  fenetre  de  Gosau). 


Fr.  v.  Huene,  Ueber  die  reptilführeuden  Sandsteine  bei  Eigin.  617 

allerdings  vorsichtshalber  mit  einem  ? — eingezeichnet  hätte.  Auch 
Cl.  Lebling  1 deutet  die  gleiche  Möglichkeit  an. 

Es  ergibt  sich  daher  aus  der  obigen  Richtigstellung,  daß 
man  keine  Veranlassung  hat,  bei  Gosau  ein  Fenster 
anzunehmen,  in  dem  Gesteine  der  bayrischen  Decke 
im  Sinne  Haug’s  zutage  treten. 


Ueber  die  reptilführenden  Sandsteine  bei  Eigin  in  Schottland. 

Von  Friedrich  von  Huene  in  Tübingen. 

Mit  1 Kartenskizze. 

Mehrere  Male  hatte  ich  Gelegenheit,  die  interessante  Gegend 
von  Eigin  am  Moray  Firth  im  Norden  von  Schottland  zu  besuchen, 
da  ich  mich  mit  den  dort  vorkommenden  Reptilien  beschäftigte. 
Mr.  William  Taylor  und  Dr.  W.  Mackie  waren  so  liebenswürdig, 
mir  das  dortige  Museum  und  ihre  Privatsammlungen  zu  öffnen  und 
ersterer  hat  mich  auch  mit  der  Geologie  der  Gegend  auf  verschie- 
denen Exkursionen  bekannt  gemacht. 

Die  Sandsteine  jener  Gegend  waren  schon  in  alter  Zeit  durch 
devonische  Fischreste  bekannt.  Erhöhtes  Interesse  wandte  sich 
ihnen  jedoch  zu,  als  man  1851  in  der  oberen  Partie  derselben 
Reptilreste  fand.  Bald  stellte  sich  heraus,  daß  diese  Funde  einer 
viel  jüngeren  Zeit  als  dem  Devon  angehörten.  Man  hielt  die 
Sandsteine,  die  jünger  waren  als  Devon,  für  triassisch.  Viel  später 
erst  lernte  man  sie  in  permische  und  triassische  teilen.  Die 
Schwierigkeit  der  Parallelisierung  hat  darin  ihren  Grund,  daß  die 
fossilführenden  Sandsteinvorkommnisse  nicht  Zusammenhängen,  son- 
dern weit  voneinander  getrennt  in  kleinen  Flecken  zerstreut  sind. 
Erst  der  fossile  Inhalt  konnte  über  das  Alter  Aufschluß  geben. 

Das  beigefügte  Kärtchen  Cp.  618)  soll  über  die  Lage  der 
Lokalitäten  orientieren.  Zuerst  will  ich  die  einzelnen  Vorkomm- 
nisse kurz  besprechen. 

Lossiemouth:  Nördlich  von  Eigin  bildet  Sandstein  von 
Lossiemouth  bis  Burghead  parallel  der  Küste  einen  schmalen  niedrigen 
aber  zum  Teil  steilen  Höhenzug.  Im  westlichen  Teil  bei  Masons 
Haugh,  Cummingstovvn  u.  a.  0.  erkennt  man  zahlreiche  Fußspuren 
im  Sandstein.  Dort  wird  er  für  permisch  gehalten.  Reptilien 
kommen  in  diesem  Zuge  nur  bei  Lossiemouth  vor.  Die  Steinbrüche 
ziehen  sich  vom  Hafen  an  der  Südseite  des  Hügels  hinauf  bis  in 
die  Nähe  des  Schulhauses.  In  den  letzten  Jahren  und  jetzt  wird 
nur  der  westlichste  Teil  des  langgestreckten  alten  Steinbruches 
noch  betrieben.  Der  Sandstein  ist  stark  zerklüftet  und  läßt  kaum 


1 Cl.  Lebling,  Beobachtungen  an  der  Querstörung  „Abtenau — Strobl“ 
im  Salzkammergut.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  p.  573. 


618 


Fr.  v.  Huene, 


Schichtung  erkennen ; er  ist  feinkörnig,  zäh  bis  hart  mit  mehr  oder 
weniger  tonigem  und  eisenhaltigem  Bindemittel , seine  Farbe  ist 
weiß  bis  gelblich.  Dies  ist  das  im  Steinbruch  abgebante  Gestein, 
in  welchem  sich  auch  die  Reptilien  finden.  Man  hat  letztere  bei 
Sprengungen  im  Hafen  20'  unter  Wasser,  unter  dem  jetzigen 
Bahnhofplatz,  im  Ost-  und  im  Weststeinbruch  angetroffen.  Dies 
ist  der  sog.  Stagonölepis- Sandstein,  wie  er  nach  dem  häufigsten 
Fossil  genannt  wird.  Im  Weststeinbruch  sieht  man  unter  dem- 
selben gut  geschichteten , zähen  rötlichen  Sandstein  und  dünn- 
bankigen,  roten  tonigen  Sandstein.  Ob  diese  beiden  noch  der  Trias 
oder  schon  dem  Old  Red  angehören,  ist  unsicher.  Unter  der  Sohle 


Morayfirth. 


des  Weststeinbruches  soll  früher  ein  dünnes  Mergellager  aufge- 
schlossen gewesen  sein,  das,  wie  die  ganze  Trias  von  Lossiemouth, 
etwas  nach  NO  einfällt ; darin  wurde  damals  ein  Pflanzenabdruck 
gefunden,  der  jetzt  im  britischen  Museum  aufbewahrt  wird;  es  ist 
ein  unbestimmbarer  Stengel  mit  mehreren  Verzweigungen.  Auf 
der  Höhe  des  Hügels,  wo  das  Schulhaus  steht,  also  etwa  50  m 
nördlich  vom  Weststeinbruch,  wurde  beim  Bauen  roter  Sandstein 
aufgeschlossen , den  Mr.  Taylor  für  Old  Red  hält.  Der  Hügel 
wird  von  0 — W laufenden  Verwerfungen  begrenzt  und  wahrschein- 
lich auch  zerschnitten.  In  losen  Blöcken  findet  man  verkieselten 
Zellenkalk  mit  Bleiglanz  und  Pyrit,  der  als  Relict  denudierter 
höherer  Schichten  aufzufassen  ist.  Er  wird  namentlich  bei  Spynie 
als  Chertyrock  bezeichnet. 

Die  Fossilien  im  Sfaf/onofepis-Sandstein  von  Lossiemouth  sind, 


Ueber  die  reptilführenden  Sandsteine  bei  Eigin  in  Schottland.  619 


soweit  es  größere  Knochen  sind,  meist  als  weiße,  leicht  zerreib- 
liche Knochensubstanz  erhalten,  teils  ist,  namentlich  bei  den 
kleinen  Formen,  die  kalkige  Knochensubstauz  ausgelaugt  und  es 
bleiben  nur  die  zarten  Hohlräume  nach;  manchmal  aber  sind  die 
Hohlräume  mit  einer  mulmigen,  tonig  eisenschüssigen  Substanz 
ausgefüllt , die  häutig  mit  dem  Gestein  so  fest  verwachsen  ist, 
daß  man  sie  weder  als  Hohlraum  noch  plastisch  freilegen  kann. 

Spyuie:  Spynie  liegt  3 engl.  Meilen  südlich  von  Lossiemouth 
und  2 Meilen  nördlich  von  Eigin.  Der  kleine  0 — W gestreckte 
Hiigel  (parallel  jenem  von  Lossiemouth,  durch  das  gleiche 
System  von  Verwerfungen  begrüudet)  hat  seinen  Namen  von  der 
Ruine  Spynie  Palace.  Die  Schichten  fallen  wie  bei  Lossiemouth 
mit  schätzungsweise  20°  nach  NO  ein,  wie  man  aus  der  Über- 
lagerung verschiedenartiger  Gesteine  erkennen  kann.  Die  Stein- 
brüche sind  seit  langer  Zeit  verlassen.  In  einer  der  Gruben  ist 
eine  20  m hohe  Sandsteinwand  vorhanden.  Der  Stagonolepis-Sa.nd- 
stein  ist  wie  bei  Lossiemouth  schichtungslos  und  stark  zerklüftet. 
Über  der  erwähnten  hohen  Sandsteinwand  liegen  zahlreiche  große 
und  kleiue  Blöcke  von  oolithischem,  zum  Teil  verkieseltem  Kalk 
mit  Chalcedon-Bändern  umher;  stellenweise  zeigt  das  Gestein 
Zellenstruktur  und  enthält  Pyrit.  Das  ist  der  Übergang  zum  reinen 
verkieselten  Zellenkalk;  dieser  steht  etwa  100  m östlich  von  hier 
bei  der  Ruine  Spynie  Palace  in  gleichem  Niveau  an.  Er  liegt 
über  dem  Stagonolepis-Sandstem. 

Findrassie:  Die  Steinbrüche  von  Findrassie  werden  nach 
dem  in  der  Nähe  gelegenen  gleichnamigen  Landsitz  bezeichnet. 
Findrassie  liegt  etwa  2 engl.  Meilen  nordnordwestlich  von  Eigin  am 
Nordabhang  des  Höhenzuges,  der  sich  von  Eigin  bis  Mosstowie  in 
annähernd  westlicher  Richtung  hinzieht  und  der  fast  ganz  von 
Old  Red  gebildet  wird,  welches  mit  5 — 10°  nach  S einfällt.  Wenig 
östlich  von  Findrassie  liegen  die  ausgedehnten  verlassenen  Stein- 
brüche, die  jetzt  großenteils  verstürzt  und  verwachsen  sind.  Der 
Sandstein  ist  graugelb  und  weich  und  enthält  keine  Gerolle;  er 
ist  ziemlich  gleichmäßig  geschichtet.  Der  von  den  ehemaligen 
Steinbrüchen  höher  ansteigende  Abhang  besteht  aus  sehr  hartem, 
geröllführendem,  verquarztem  Sandstein.  Im  sicheren  Stagonölepis- 
Sandstein  kommen  Gerolle  nicht  vor,  man  hat  nur  einmal  bei 
Lossiemouth  ein  kleines  Geröll  gefunden.  Auch  im  Old  Red  der 
Gegend  kommen  Gerolle  nicht  vor,  wie  Mr.  Taylor  mir  versicherte. 
Dagegen  sind  sie  charakteristisch  für  die  permischen  Sandsteine 
des  benachbarten  Cuttie’s  Hillock.  Ich  nehme  au,  daß  auch  dieser 
Abhang  dem  Perm  angehört  und  daß  er  durch  eine  ONO  laufende 
Verwerfung  von  der  Trias  der  Steinbrüche  getrennt  wird.  Die 
dort  vorhandene  Terrainstufe  macht  diese  Annahme  um  so  wahr- 
scheinlicher. In  der  Trias  von  Findrassie  ist  Stagonolepis  und 
Dasggnathus  gefunden.  Früher  wurde  von  hier  auch  eiu  Ceratodus- 


620 


Fr.  v.  Huene, 


Zahn  angeführt,  das  beruht  aber  auf  einer  Verwechslung,  denn 
der  Zahn  stammt  von  New  Spynie,  einer  ganz  anderen  Lokalität, 
an  welcher  Old  Red  ansteht  (auf  dem  Hügel  Quarrywood,  westlich 
von  Cuttie’s  Hillock). 

Cuttie’s  Hillock:  Der  Höhenzug  Quarrywood,  der  zwischen 
Eigin  und  Mosstowie  sich  ausdehnt,  besteht  aus  Old  Red  mit  Holop- 
tychius,  welches  leicht  nach  S einfällt.  Seine  Oberfläche  bildet 
weithin  ein  gleiches  und  ebenes  Niveau.  Ihm  ist  mit  deutlicher 
Terrainstufe  der  bis  zu  ca.  30  m mächtige  permische  Gordonia- 
Sandstein  aufgesetzt  mit  ebener  Lagerung.  In  der  großen  Kiefer- 
waldung ist  er  in  mehreren  Steinbrüchen  aufgeschlossen,  von  denen 
der  bekannteste,  der  auch  allein  bis  jetzt  Fossilien  geliefert  hat, 
ganz  auf  der -Höhe  von  Cuttie’s  Hillock  (=  „Hexenhügelchen“,  hier 
lag  früher  der  Richtplatz)  gelegen  ist.  Von  dort  bekommt  man 
den  besten  orographischen  Überblick  über  die  ganze  Gegend.  In 
einem  der  anderen  Steinbrüche,  eine  halbe  Meile  östlich  von  Cuttie’s 
Hillock,  sieht  das  Gestein  genau  ebenso  aus  wie  an  dem  bekannten 
Fundort.  Der  Sandstein  ist  bald  weich,  bald  sehr  hart,  von  weiß- 
licher bis  gelblicher  Farbe.  Er  enthält  schichtenweise  Gerolle, 
massenhaft  oder  auch  einzeln.  Ihre  Größe  wechselt  von  Steck- 
uadelkopf-  bis  über  Faustgroße.  Sie  bestehen  aus  weißem,  durch- 
scheinendem oder  rötlichem  Quarz.  Ihre  Form  ist  teils  vollkommen, 
teils  halb  gerollt.  Der  Sandstein  besitzt  grobe  Kreuzschichtung 
und  ist  stark  zerklüftet.  Bei  Cuttie’s  Hillock  kommen  unter  den 
Gerollen  selten  auch  blutrote  Quarze  vor,  die  auf  der  Nordseite 
des  Moray  Firth  ansteheu  sollen.  Auch  kristalline  Schiefer  sind 
unter  den  Gerollen.  Einige  der  Gerolle  erinnern  in  ihrer  Form 
an  Dreikanter,  sie  sind  aber  nicht  auf  primärer  Lagerstätte,  son- 
dern verschwemmt.  Viele  erst  gerollte  und  dann  (wohl  infolge 
der  Insolation)  zersprungene  Gerolle  sind  im  Sandstein  eingebettet ; 
manche  sind  nach  dem  Zersprengtwerden  nochmals  gerollt  oder 
schwach  mit  Sandschlitf  anpoliert  und  imitieren  dann  Dreikanter,  sind 
aber  durch  ihre  oft  konkaven  Flächen  von  solchen  zu  unterscheiden. 
Der  Steinbruch  von  Cuttie’s  Hillock  hat  die  permischen  Reptilien 
Gordonia,  Elginia  und  Geikia  geliefert.  Nur  10'  unterhalb  der 
Sohle  des  Steinbruches  wurde  unter  einem  dicken  Geröllager 
eine  Schuppe  von  Holoptychius  gefunden.  Dort  beginnt  also  schon 
das  Devon.  Eine  deutliche  Grenze  beider  Sandsteine  war  nicht 
erkennbar.  In  dem  alten  Steinbruch,  der  westlich  an  den  jetzt 
betriebenen  stößt,  sieht  man  auf  einer  schräg  nach  S einfallenden 
Fläche  eine  eigentümliche  Spurenreihe  von  1^ — 2 m Länge.  Die 
Spuren  stehen  paarweise  nebeneinander.  Die  einzelne  Spur  zeigt 
keine  Zehenabdrücke,  sondern  nur  hufeisenförmige  Vertiefungen  von 
ziemlich  bedeutender  Größe ; um  den  unteren  Rand  jeder  Spur  zieht 
sich  ein  kleiner  Sand  wall.  Daher  kam  ich  auf  die  Idee,  es  seien  viel- 
leicht Spuren  eines  im  Sande  einer  abschüssigen  Düne  tief  ein- 


lieber  die  reptilfiihrenden  Saudsteine  bei  Eigin  in  Schottland.  621 


gesunkenen  Tieres.  Derselbe  an  Gerollen  und  Fußspuren  reiche 
Sandstein  findet  sich,  wie  eingangs  erwähnt,  an  der  Nordkiiste  von 
Burghead  an  ostwärts.  Auch  dort  wird  er  als  permisch  angesehen. 

Folgende  Reptilien  sind  an  den  verschiedenen  Orten  gefunden 
worden : 

Lossiemouth : Telerpeton  dginense  Maxtei.l. 

Bracliyrliinodon  Taylori  Huene. 

Hyperodapedon  Gordoni  Huxley. 

Stenometopon  Taylori  Boulenger. 

Erpetosuclius  Granti  E.  T.  Newton. 

Ornithosuchus  Woodivardi  E.  T.  Newton. 

Scleromochlus  Taylori  A.  S.  Woodward. 

Stagonolepis  Bobertsoni  Agassiz. 

Saltopus  elginensis  Huene. 

Spynie : Telerpeton  elginense  Mantell. 

Hyperodapedon  Gordoni  Huxley. 

Ornithosuchus  Woodivardi  E.  T.  Newton. 

Stagonolepis  Bobertsoni  Agassiz. 

Findrassie:  Stagonolepis  Bobertsoni  Agassiz. 

Dasygnathus  longidens  Huxley. 

Cuttie’s  Hillock : Gordonia  Traquairi  E.  T.  Newton. 

„ Huxleyana  „ 

„ Duffiana  „ 

„ Juddiana  „ 

Geikia  elginensis  „ 

Elginia  mirabilis  „ 

Diese  Liste  gab  Boulenger  (1.  c.  1904),  sie  ist  hier  nur 
wenig  erweitert.  Nachdem  Huxley  gezeigt  hatte,  daß  diese  Sand- 
steine nicht  mehr  dem  Devon  angehören,  wurden  sie  alle  in  die 
Trias  gestellt.  Erst  1894  vennutete  Taylor,  daß  auch  permische 
Ablagerungen  darin  stecken  ; er  sagt  in  „Natural  Science“  (a  monthly 
review  of  scientific  progress)  Vol.IV.  No.  28.  1894.  p.  472.  London, 
J.  M.  Dent  and  Co.:  „Might  not  Elginia  and  Gordonia  be  permian  ?“ 
Dies  ist  alles,  was  er  darüber  sagt.  Dann  wurde  1902  (1.  c.) 
vom  Verf.,  ohne  Kenntnis  der  TAYLOR’sclien  Notiz,  den  Sandsteinen 
von  Cuttie’s  Hillock  nach  ihren  Fossilien  permisches  Alter  zu- 
gesprochen, im  Gegensatz  zu  den  drei  anderen  triassischen  Fundorten, 
1904  tat  Boulenger  das  gleiche  (1.  c.).  Seitdem  steht  es  fest, 
daß  der  Stagonolepis-Sandstein  von  Lossimouth,  Spynie  und  Findrassie 
triassisch,  der  Gortfcma-Sandstein  von  Cuttie’s  Hillock  permisch  ist. 
1908  suchte  der  Yerf.  nachzuweisen,  daß  der  Stagonolepis- Sandstein 
das  Alter  der  deutschen  Lettenkohle  hat  (1.  c.). 

Noch  ein  triassischer  Fundort  liegt  nahe  bei  Eigin,  nur  eine 
Meile  nördlich  in  der  Nähe  des  Weges  nach  Spynie,  das  ist  der 
rhätische  graue  Mergelkalk  von  Linksfield.  Schon  1842  beschreibt 


622 


Fr.  v.  Huene. 


Partick  Duff  Ganöiden  und  Wirbel  und  Zähne  von  Plesiosauriern 
und  ein  „femur  or  tigh  hone  of  a chelonian  reptile“  von  dort.  Das 
letztere  hat  Seeley  später  (Quart.  Journ.  geol.  Soc.  London.  47. 
1891.  p.  164  11.)  als  Krokodil-Humerus  neu  beschrieben.  Auch 
schlecht  erhaltene  Zweischaler  linden  sich  im  Kalk  von  Linkstield. 
Die  Steinbrüche  sind  längst  nicht  mehr  im  Betrieb.  Dieser  Kalk 
findet  sich  nur  in  einem  kleinen  der  Ebene  aufgesetzten  Hiigelchen; 
es  ist  nicht  ausgeschlossen,  daß  dieses  ganze  Vorkommen  eine 
glazial  verschleppte  Masse  ist. 

Literatur: 

Agassiz,  L. : Stagonolepsis  Robertsoni.  Poissons  fossiles.  1844.  p.  139. 
Taf.  31,  Fig.  13—14. 

Boülenger,  G.  A. : Some  reptilian  remains  from  the  Trias  of  Eigin.  Phil. 
Trans.  196.  1903.  p.  175—189.  Taf.  11—15. 

— On  the  characters  and  affinities  of  the  triassic  reptile  Telerpeton 
elginense.  Proceed.  Zool.  Soc.  London.  1904. 1.  p.  470 — 481.  Taf.  30 — 32. 

Brickenden,  B.  T. : Discovery  of  reptilian  foot-tracks  and  remains  in 
the  Old  Ked  or  Devonian  of  Moray.  Quarr.  Journ.  geol.  Soc.  London. 
8.  1852.  p.  97-100.  Taf.  3. 

Brickenden.  L. : Skeleton  of  four-footed  reptile.  Edinb.  New.  Phil.  Journ. 
52.  p.  353. 

Bfrckardt,  R. : On  Hyperod  apedon  Gordoni.  Geol.  Mag.  1900.  p.486 — 492. 
Taf.  19. 

Duff,  P. : Sketch  of  the  geology  of  Moray.  Eigin.  1842. 

— Telerpeton  elginense.  Edinb.  New.  Phil.  Journ.  52.  1854.  p.  353. 
Gordon,  G. : The  reptiliferons  sandstone  of  Eigin.  Transact.  geol.  Soc. 

Edinburgh.  VI.  1892.  p.  241—245.  Taf.  10. 

Harkness,  R. : On  the  reptiliferons  rocks  and  the  footprint-bearing  strata 
of  the  North-East  of  Scotland.  Quart.  Journ.  geol.  Soc.  20.  1864. 
p.  429—443. 

Hickling,  H.  G.  A. : British  permian  footprints.  Mem.  and  Proceed.  Man- 
chester Lit.  and  Phil.  Soc.  53.  1909.  p.  1 — 23.  Taf.  1 — 4. 

Huene,  F.  v.  : Übersicht  über  die  Reptilien  der  Trias.  Geol.  u.  Pal. 

Abh.  VI  (X),  1.  1902.  p.  1-84. 

— Die  Dinosaurier  der  europäischen  Trias.  (Kap.  5 u.  9.)  Geol.  und 
Pal.  Abh.  Suppl.  I.  1907  — 08. 

— Eine  Zusammenstellung  über  die  englische  Trias  und  das  Alter 
ihrer  Fossilien.  Dies.  Centralbl.  1908.  p.  9 — 17. 

— On  the  age  of  the  reptile  fannas  contained  in  the  Magnesian  con- 
glomerate  at  Bristol  and  in  the  Eigin  sandstone.  Geol.  Mag.  1908. 
p.  99—100. 

— Ein  primitiver  Dinosaurier  aus  der  mittleren  Trias  Von  Eigin.  Geol. 
u.  Pal.  Abh.  VIII  (XU),  6.  1910.  p.  317-322.  Taf.  43. 

— Über  einen  echten  Rhyneliocepbalen  aus  der  Trias  von  Eigin, 
Brachyrhinodon  Taylori.  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1910.  II.  p.  29 — 62. 


Ueber  die  reptilführenden  Sandsteine  bei  Eigin  in  Schottland.  623 

Huexe,  F.  v. : Beiträge  zur  Kenntnis  und  Beurteilung  der  Parasuchier. 
Geol.  Pal.  Abh.  X (XIV),  1.  1911.  p.  68— 121. 

— Die  Cotylosaurier  der  Trias.  Palaeontographica.  59.  1912. 

p.  69—102.  Taf.  4-9. 

— Der  zweite  Fund  des  Rhynchocephalon  Brachgrhinodon  in  Eigin. 
N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1912.  I.  p.  51—57.  Taf.  4-5. 

Hcxley,  T.  H. : On  Stagonolepis  Bobertsoni  Ag.  of  the  Eigin  sandstone 
and  foot-marks  in  sandstone  of  Cummingstone.  Quart.  Journ.  geol 
Soc.  London.  15.  1859.  p.  44011'.  Taf.  14. 

— On  new  specimen  of  Teleperton  elginense.  Quart.  Journ.  geol.  Soc. 
London.  23.  1867.  p.  72  ff. 

— On  Hgperodapedon.  Quart.  Journ.  geol.  Soc.  London.  25.  1869. 
p.  138  ff. 

— Stagonolepis  Bobertsoni  and  the  evolution  of  the  Crocodilia.  Quart. 
Journ  geol.  Soc.  London.  31.  1875.  p.  423  ff.  Taf.  19. 

— The  crocodilian  remains  found  in  the  Eigin  sandstones  with 
remailcs  on  the  Johnites  of  Cummingstone.  Mem.  geol.  Surv.  England. 
Monogr.  III.  1877.  tb.  8—24. 

— Further  observations  on  Hgperodapedon  Gordoni.  Quart.  Journ.  geol. 
Soc.  London.  43.  1887.  p 675  ff.  Taf.  26 — 27. 

Judd.  J.  W. : The  secondary  rocks  of  Scotland.  Quart.  Journ.  geol.  Soc. 
39.  1873.  p.  97.  Taf."  7. 

— The  relation  of  the  reptiliferous  sandstone  of  Moray  to  the  upper 
Old  Bed.  Proceed.  ß.  Soc.  1885.  No.  25.  p.  394  ff. 

Mackie,  W. : The  pebble-band  of  the  Eigin  Trias  and  its  wind-worn  pebbles. 

Brit.  Assoc.  Adv.  Sei.  Glasgow.  1901.  Section  C.  1 p. 

Mantell.  G.  A. : On  the  impression  of  a skeleton  of  a reptile  from  the 
Old  Red  sandstone  of  Spynie  near  Eigin.  Quart.  Journ.  geol.  Soc. 
8.  1852.  p.  100  ff. 

Moore,  C. : The  so-called  Wealden  of  Linksfield  and  the  reptiliferous 
sandstone  of  Eigin.  Quart  Journ.  geol.  Soc.  16.  1860.  p.  445  (Abs.) 
Newton,  E.  T.:  On  some  new  reptiles  from  the  Eigin  sandstones.  Phil. 
Trans,  184.  1893.  p.  431. 

— Reptiles  from  the  Eigin  sandstone,  description  of  two  new  genera. 
Phil.  Trans.  185.  1894.  p.  573. 

Owen,  R : Leptopleuron  lacertinum.  Literary  Gazette  1851.  p.  900. 
Seeley,  H.  G. : On  Saurodesmus  Bobertsoni,  a crocodilian  reptile  from  the 
Rhaetic  of  Linksfield  in  Eigin.  Quart.  Journ.  geol.  Soc.  67.  1891. 
p.  166—169.  1 Taf. 

Taylor,  W. : Brief  in  „Natural  Science“,  a monthlv  review  of  scientific 
progress.  London,  J.  M.  Dent  and  Co.  Vol.  IV.  No.  28.  1894.  p.  472. 
Watson,  D.  M.  S. : The  „Trias“  of  Moray.  Geol.  Mag.  1909.  p.  102  — 107. 
Taf.  4. 

— Some  reptilian  remains  from  the  Trias  of  Lossiemouth.  (Abstr ) 
Proceed.  geol.  Soc.  London.  No.  881.  1909.  p.  120 — 121. 

Woodward,  A.  S. : On  Scleromochlus  Taglori  from  the  Trias  of  Eigin. 
Quart.  Journ.  geol.  Soc.  63.  1907.  p.  140. 


624 


Besprechungen. 


Besprechungen. 

Austin  F.  Rogers:  Introduction  to  the  Study  of 
Minerals.  Bei  Mc  Graw-Hill  Book  Company,  New  York  und 
London.  1912.  XX.  522  Seiten.  Mit  589  Textfiguren. 

Dieses  Buch  ist  als  Leitfaden  der  Mineralogie  für  Anfänger 
bestimmt  und  zerfällt  in  acht  Teile,  ausschließlich  der  Einleitung 
und  eines  Literaturverzeichnisses. 

Die  erste  Abteilung,  welche  99  Seiten  umfaßt,  bespricht  die 
Form  der  Mineralien.  Hier  werden  zuerst  die  allgemeinen  Eigen- 
schaften, Symmetrieverhältnisse,  Formen,  Symbole  und  Klassi- 
fikation der  Kristalle  behandelt.  Dann  folgt  eine  knappe  Be- 
schreibung der  sechs  Systeme  in  der  folgenden,  etwas  ungewöhn- 
lichen Ordnung : 1.  rhombisch,  2.  monoklin,  3.  triklin,  4.  tetra- 
gonal,  5.  hexagonal  und  6.  kubisch.  Diese  Abteilung  enthält 
auch  Abschnitte  über  Zwillinge,  Kristallaggregate,  Struktur,  das 
Wachsen  der  Kristalle,  Habitus,  Messung,  Projektion  und  Zeichnen 
der  Kristalle,  sowie  auch  über  die  Bestimmung  der  Elemente  der 
Kristallisation. 

Der  zweite  Teil  beschreibt  nur  die  wichtigsten  makroskopischen 
physikalischen  Eigenschaften  der  Mineralien  und  umfaßt  10  Seiten. 
Obzwar  der  Verfasser  fünf  verschiedene  Methoden  zur  Bestim- 
mung des  spezifischen  Gewichts  anführt,  ist  die  beinahe  universal 
angewandte  Methode  mittels  der  JoLLY’schen  Federwage  nicht  ein- 
mal erwähnt. 

Im  dritten  Teile  findet  man  eine  kurze  Behandlung  der 
verschiedenen  optischen  Eigenschaften.  Diese  Abteilung  enthält 
5<)  Seiten  und  zerfällt  in  nicht  weniger  als  18  Abschnitte.  Die 
chemischen  Eigenschaften  werden  auf  40  Seiten  des  vierten  Teiles 
beschrieben.  Der  fünfte  Teil  ist  der  Bestimmung  der  Mineralien 
gewidmet  und  umfaßt  42  Seiten.  Dieser  Abteilung  schließen  sich 
auch  sechs  Tabellen  an,  in  welchen  die  200  im  sechsten  Teile 
beschriebenen  Mineralien  nach  Kristallsystem  und  Habitus,  Struktur 
und  Blätterbruch,  Farbe,  spezifischem  Gewicht,  optischen  Eigen- 
schaften und  Lötrohr  und  chemischen  Eigenschaften  angeordnet  sind. 
Im  sechsten  Teil  werden  die  einzelnen  Mineralien  knapp  be- 
schrieben , indem  nur  das  Allerwichtigste  über  Eigenschaften  und 
Vorkommen  angegeben  wird.  Dieser  Teil  umfaßt  194  Seiten, 

Eine  allgemeine  Diskussion  des  Vorkommens , der  Begleiter 
und  der  Entstehung  der  Mineralien  wird  in  den  12  Seiten  des 
siebten  Teils  gegeben.  27  Seiten  werden  im  achten  Teil  einer 
Beschreibung  der  verschiedenen  Arten  der  Verwendung  der  Minera- 
lien gewidmet.  Ein  ausführliches  Register  ist  auch  zu  erwähnen. 

Die  Ausstattung  und  Illustrationen , sowie  der  Druck  in  be- 
quemem Taschenformat  sind  ausgezeichnet.  E.  H.  Kraus. 


K.  Busz  u.  F.  W.  Rüsberg,  Mineralog.-chemische  Untersuchungen.  025 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 


Mineralogisch-chemische  Untersuchungen  an  Olivin-  und 
Melilithkristallen  in  Hochofenschlacken. 

Von  K.  Busz  und  F.  W.  Rüsberg  in  Münster  i.  W. 

Eine  Anzahl  von  Schlackenstufen,  welche  z.  T.  gut  ausgebildete 
Kristalle  der  Mineralien  der  Olivin-  nud  Melilithgruppe  tragen, 
wurden  in  mineralogisch-chemischer  und  in  optischer  Beziehung 
untersucht. 

Das  Material  stammt  z.  T.  aus  der  Privatsammlung  von  Herrn 
Direktor  W.  Schilling  in  Oberhausen,  z.  T.  aus  der  des  Herrn 
Prof.  Dr.  Aulich  in  Duisburg  und  aus  der  metallurgischen  Samm- 
lung der  Duisburger  Hüttenschule.  Einige  Stufen  wurden  auf  den 
Schlackenhalden  der  Guten -Hoffnnngsliütte  zu  Oberhausen  und  der 
Georgs-Marienliütte  bei  Osnabrück  gesammelt. 


I.  Mineralien  der  Olivingruppe. 

a)  Fay alit. 

Eine  Stufe  besteht  aus  Faj’alit,  dessen  Zusammensetzung  der 
chemischen  Analyse  zufolge  fast  der  theoretischen  Zusammensetzung 
des  reinen  Eisenorthosilikates  entspricht.  Die  Kristalle  sind  einfach 
ausgebildet  und  nur  begrenzt  von  ooP(llO),  ccPdo(OlO)  und 
2Pc6(021).  Wenige  Kristalle  zeigen  außer  diesen  Formen  noch 
ooPöc  (100),  aber  stets  schmal  entwickelt.  Die  Messungen  ergaben  für 
(110) : (110)  = ooP : ooP  = 49 0 23,7' ; (021) : (021)  = 2P&  : 2Po6  = 98®  35,2'. 

Die  Analyse  ergab : 

Molekularverb. 

Si  02 29,59  48.92  = 1 

FeO 69,18  96,29  = 2. 

Mn  0 Spur 

AljjOj 1.54 

S Spur. 

Nach  Abzug  der  Tonerde  auf  100  umgerechnet: 

Si02 29.96  29,56  (theoretisch) 

FeO 70.14  70,44 

Spez.  Gew.  = 4,28  bei  15°  C. 


Die  Lichtbrechung  wurde  für  die  mittlere  und  kleinste  Elastizi- 
tät bestimmt,  und  zwar 


/^Na  — 1,877 

yNB=  1,886. 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


40 


626 


K.  Busz  und  F.  W.  Kiisberg, 


b)  Manganfayalit. 

Es  wurden  zwei  Stufen  von  Fayalit  untersucht,  welche  neben 
FeO  einen  bedeutenden  MnO-Gehalt  aufweisen. 

Dem  Manganfayalit  der  ersten  Stufe  kommt  auf  Grund  der 
Analyse  die  Formel  3 Fe2  Si  04  • Mn2  Si  04  oder  Fe3MnSi208  zu. 
Die  Kristalle  zeigen  dieselbe  Ausbildung  wie  die  des  vorher  be- 
schriebenen Fayalites,  mit  fast  den  gleichen  Winkelverhältnissen. 
(110) : (110)  = ooP : ooP  = 49° 21,9';  (021) : (021)  = 2Pö6  : 2Pöo  = 98°37,2'. 
Die  Anatyse  ergab  (Mittel  aus  2 Analysen) : 


Si08  . . . . 

. . . . 27,79 

Al,  0,  . . . 

. . . . 0,39 

FeO  .... 

. . . . 51.90 

MnO.  . . . 

. . . . 17,44 

Ca  0 . • . . 

. . . . 0,88 

S 

99.85. 


Berechnet  man  den  Schwefel  als  isomorphes  Gemenge  von 
(Fe,  Mn)  S,  so  ergibt  sich: 


Molekularverh. 


Si02  27,79  46,09  =1 

A120„  ....  0,39  — 

Fe  0 49,34  68,53  > 

MnO 16,64  23,46  93,56  = 2 

CaO 0,88  1,57  I 

(Fe,  Mn)  S . . 3,46  — 

98,50. 


FeO  : Mn  0 = 68.53  : 23,46  = ca.  3 : 1. 
Spez.  Gew.  = 4.25  bei  19°  C. 


Die  mikroskopische  Untersuchung  eines  Dünnschliffes  der 
Schlacke  zeigt,  daß  das  ausgeschiedene  (Fe,  Mn)  S z.  T.  in  kleinen 
rundlichen  Körnchen,  z.  T.  in  der  Form  von  äußerst  fein  verteiltem 
Staub  durch  das  ganze  Mineral  verteilt  ist. 

Die  Lichtbrechung  wurde  für  alle  drei  Haupt-Schwingungen 
bestimmt ; es  ergab  sich : 

«Na  = 1,805  y — « = 0.041 
/?Na  = 1,836  y — ^=0.010 
,,Na=  1.846  ß — « = 0.031. 

Die  Breclmngsquotienten  sind  hier  wie  bei  dem  vorbeschriebenen 
Fayalit  nur  auf  drei  Dezimalen  angegeben,  da  die  Ausführung  der 
Bestimmungen  wegen  der  hohen  Eigenfarbe  der  Kristalle  sowie 
wegen  der  vielen  opaken  Einlagerungen  mit  großen  Schwierigkeiten 
verknüpft  war.  Die  Bestimmungen  wurden  an  orientierten  Prismen 
nach  der  Methode  der  Minimalablenkung  ausgeführt. 

Die  Kristalle  des  zweiten  beschriebenen  Manganfayalites  zeigen 


Mineralogisch-chemische  Untersuchungen  etc. 


627 


außer  den  Flächen  ccP(llO),  ooPoo(OlO)  und  2 Pdo  (021)  in  der 

Prismenzone  noch  die  Form  ocP2  (120).  Sie  enthalten  Einlage- 
rungen eines  isotropen  Minerals , das  als  Spinell  erkannt  wurde. 

Es  war  nicht  möglich,  den  Spinell  auf  irgend  eine  Weise  von 
der  Fayalitsubstanz  zu  trennen.  Beim  Behandeln  mit  konzentrierter 
HCl  auf  dem  Wasserbade  ging  die  Fayalitsubstanz  vollständig  in 
Lösung,  aber  auch  der  Spinell  wurde  bei  längerer  Einwirkung  merk- 
lich angegriffen.  Der  Rückstand  an  Spinell  betrug 
5,75  °/o  nach  2}  Stunden 
4,48  „ „ 24  „ 

7t  7t  IS  „ 


Es  wurden  zwei  Anatysen  ausgefiihrt,  eine  durch  Aufschließen 
mit  Soda,  die  zweite  durch  Lösen  mit  konzentriertem  H CI. 


I. 

II. 

I.  II 

Molekularverh. 

Si02  . . . 

. 28,41 

28,13 

47,11 

i,  47,86 

46,48  1 

Ti  0,  • • • 

. 0,60 

0,55 

0,75 

0,62/ 

A12  03  . . . 

. 3,09 

2,42 

2,97 

2,37 

FeO  .... 

. 51,99 

49.65 

72,36 

69,10  j 

MnO  ■ . • 

. 10,19 

9,68 

14,37 

99,17 

13.65  1 

CaO  ...  • 

. 3,29 

2,26 

5,87 

6,38 

Mg  0 . . . 

. 2,65 

100,22 

2,92  1 
100,09. 

6,57 

7,37  J 

47,10 


96,50 


Aus  beiden  Analysen  läßt  sich  ein  genaues  Bild  über  die  Zu- 
sammensetzung der  Fayalitsubstanz  nicht  gewinnen,  da  ja  eine 
vollständige  Trennung  von  dem  Spinell  nicht  durchführbar  war. 
Aus  dem  Molekularverhältnis  FeO.’MuO 


1 72,36  : 14,37  = 5,03  : 1 

II.  ...  69,10:13,65  = 5,06:1 


ergibt  sich,  daß  der  Fayalit  in  der  Hauptsache  aus  5 Fe2  S 04  • 
lMn2Si04  besteht.  Ob  CaO  und  MgO  auch  an  der  Zusammen- 
setzung des  Fayalites  teilnehmen  oder  ob  sie  ganz  dem  Spinell 
angehören,  läßt  sich  nicht  feststellen. 

Die  Analyse  des  Spinells  ergab : 

Molekularverh. 


Al*  03  . . . 

. . . 16,03 

15,68  1 

46,33 

Fe2 03.  . . 

. . . 50,55 

31,65  j 

Ca  0 ... 

. . . 17,56 

31,31  j 

MgO  . . 

. . . 12,34 

30,61 

68.36 

MnO  . . . 

. . . 4,57 

6,44  1 

Dieser  Zusammensetzung  würde  die  Formel  3R0-2R„03 
entsprechen. 


1 -f-  4,48 °/o  in  HCl  unlöslicher  Rückstand. 


40* 


628 


K.  Busz  und  F.  W.  Rüsbei'g. 


Eine  Änderung  der  Winkelverhältnisse  der  Kristalle  hat  durch 
den  Eintritt  der  Base  Mn  0 in  die  Zusammensetzung  des  Fayalites 
nicht  stattgefunden.  Einen  morphotropen  Einfluß  übt  Mn  0 also, 
wie  es  scheint,  nicht  aus. 

Bezüglich  der  optischen  Orientierung  gilt  für  die  vorstehend 
beschriebenen  Fayalite 

a = c,  c = b,  b = a. 

Der  Charakter  der  Doppelbrechung  ist  negativ.  Die  Disper- 
sion der  optischen  Achsen  ist  in  allen  Fällen  deutlich  wahrnehm- 
bar, und  zwar  ist:  q>v.  Die  spitze  Bisektrix  ist  die  Achse  b. 

c)  Kalk olivine. 

Einige  Stufen  von  Kalkolivinen  gestatteten  eine  genaue  kristallo- 
graphische  und  chemische  Untersuchung. 

Die  erste  der  untersuchten  Stufen  entstammt  einem  Ofenbruche 
von  der  Gute-Hoffnungshütte  und  wurde  aus  der  Privatsammlung 
des  Herrn  Direktor  W.  Schilling  zur  Verfügung  gestellt.  Die  bis 
zu  ca.  1 cm  großen,  an  den  Kanten  durchscheinenden  Kristalle 
sind  von  lichtölgrüner  Farbe.  Die  auftretenden  Formen  sind 
ooP(llO),  ooPoo(OlO)  und  2Poo(021).  Der  Habitus  ist  durch- 
weg säulenförmig  nach  der  c-Aclise.  Die  Winkelmessungen  ergaben : 
(110) : (110)  = ooP : ooP  = 47 0 20,2' ; (021) : (021)  = 2PÖ6  : 2Pdb  = 98  0 20.8'. 


Analyse 

(Mittel  aus  2 Analysen) 
Molekularverh. 

Si02  .... 

33,17 

55,01 

= 1 

Fe  0 . . . . 

18,97 

26,40  j 

Mn  0 ... 

11,21 

15,81  | 

109,99  = 2 

Ca  0 . . . . 

35.11 

62,60  1 

Mg  0 . . . 

2.09 

5,18  ' 

100,55. 

Spez.  Gew.  = 3,341  bei  8°  Cl. 

Die  Zusammensetzung  dieses  Olivins  wird  durch  folgende 
Formel  dargestellt: 

10  Ca2  Si  04  • 6 (Fe,  Mg)2  Si  04  • 3 Mn2  Si  04. 

Das  Molekularverhältnis  von 

Ca2  Si  04 : (Fe,  Mn,  Mg)2  Si  04  = 14,80  : 1 2,76  = 1,16  : 1. 

Wegen  der  starken  Beteiligung  der  Basen  FeO  und  Mn  0 an 
der  Zusammensetzung  dieses  Olivins  neben  CaO  kann  er  als  Eisen- 
Mangan-Kalkolivin  bezeichnet  werden. 

Die  Lichtbrechung  wurde  für  alle  drei  Hauptschwingungs- 
richtungen mit  Hilfe  von  orientierten  Prismen  nach  der  Methode 
des  Minimums  der  Ablenkung  ermittelt.  Als  Lichtquelle  diente  ein 
Lichtbogen  zwischen  einer  Zink-  und  einer  Messingelektrode.  Der 


Das  spezifische  Gewicht  wurde  mit  Methylenjodid  bestimmt. 


Mineralogisch-chemische  Untersuchungen  etc. 


629 


Bogen  wurde  durch  ein  geradsichtiges  Prisma  spektral  zerlegt  und 
aus  dem  Spektrum  folgende  Linien  ausgewählt.  Zwei  Linien  im 
Blau,  entsprechend  einer  Wellenlänge  von  0,4701  /<  im  Mittel, 
2 Linien  im  Grün,  entsprechend  einer  Wellenlänge  von  0,5129// 
im  Mittel,  eine  Linie  im  Gelb  von  der  Wellenlänge  0,5782  //  und 
eine  Linie  im  Rot  von  der  Wellenlänge  0,6364  //. 


'ellenlange 

a 

ß 

V 

y— “ 

r—ß 

ß—u 

Blau  . . 

. 1,6869 

1,7162 

1,7241 

0,0372 

0,0079 

0,0292 

Grün . . 

. 1.6794 

1,7133 

1,7191 

0,0397 

0.0058 

0.0339 

Gelb  . . 

. 1,6749 

1,7054 

1,7105 

0,0356 

0 0051 

0.0305 

Rot  . . 

. 1.6724 

1,7004 

1,7061 

0,0337 

0.0058 

0,0280 

f£Bl— 

-«R=  0,01451 

ß^i  Pr — 0,015/5 
?'b  i“7a=  °’01800- 

Die  zweite  Stufe  von  Kalkolivin,  auf  Grund  der  chemischen 
Zusammensetzung  als  Magnesia-Mangan-Ivalkolivin  bezeichnet,  stellt 
ein  Haufwerk  von  regellos  durcheinandergewachsenen  Kristallen 
dar.  Die  Kristalle  sind  begrenzt  von  ooP  ( 1 10),  ocpoc  (010)  und 
2Poc  (021).  Die  Ausbildungsweise  ist  stets  stabförmig  nach  der 
a-Achse. 

1 110):  (HO)  = ooP  : ooP  = 47 0 4,9' ; (021) : (021)  = 2P&  : 2Pö6  = 98°7,6'. 

Eine  Analyse  der  ganzen  Schlackenmasse  wurde  im  Labora- 
torium der  Gute-Hoffnungshütte  zu  Oberhausen  ausgeführt;  sie 
ergab  : 


Si04.  • • . 

. . . . 34,56 

A12  03  . . • 

FeO.  . ■ . 

Mn  0 . • . 

. . . . 10,78 

CaO.  • . • 

MgO  . . . 

. . . . 10,28 

P2  05  . . . 

. . . . 0,21 

S 

■ . . . 0,41 

.\’a20  . . . 

. . . . 0,46 

99,07. 

Die  Analyse  der  unter  der  Lupe  ausgelesenen  reinen  Kristall 
Substanz  ergab  (Mittel  aus  2 Analysen): 

Molekularverh. 


Si02  . . . . 

. 36.10 

59,87 

= 1 

A1203  . . . 

. Spur 

— 

Fe  0 . . . . 

. 4,89 

6.81 

Mn  0 . . . . 

. 11,81 

16,65 

119,38  = 2 

CaO  . . . . 

. 32,68 

58.35 

MgO.  . . . 

. 15.15 
100,68. 

37,57 

Spez.  Gew.  = 3,190  bei  22,5 0 C (mit  Methylenjodid  bestimmt). 


630 


Iv.  Busz  und  F.  W.  Rüsberg, 


An  der  Konstitution  dieses  Olivins  beteiligen  sich  demnach 
die  einzelnen  Silikate  in  der  folgenden  Weise: 

7,46  Ca2  Si  04  • 3,93  Mg2  Si04  • 2,49  Mn2  Si04  l,0Fe2SiO4  oder 
3 Caä  Si  04  • 2 (Mg,  Fe)2  Si  04  • 1 Mn2  Si  04  oder 
Ca2  Si  04  • (Mg.  Mn.  Fe)2  Si  04. 

Es  liegt  also  hier  ein  Magnesia-Mangan-Kalkolivin  vor. 

Zu  bemerken  ist  noch,  daß  sich  in  der  ganzen  Schlackenmasse 
neben  dem  Olivin  vereinzelt  optisch  negativer  Melilith  in  ganz 
düunen  Tafeln  ausgeschieden  hat. 

Ein  seiner  chemischen  Zusammensetzung  nach  mit  dem  obigen 
identischer  Kalkolivin  ist  dadurch  noch  besonders  von  Interesse, 
als  er  mit  Melilith  zusammen  sich  gebildet  hat.  Dabei  ist  die 
Kristallisation  des  Olivins  vor  der  des  Meliliths  erfolgt,  da  letzterer 
Einschlüsse  des  ersteren  beherbergt. 

Die  optische  Orientierung  der  Kalkolivine  ist: 
a = c,  b = a,  c = b. 

Der  optische  Charakter  ist  negativ.  Dispersion  der  optischen 
Achsen  ist  deutlich  wahrnehmbar.  q^> v. 

In  Übereinstimmung  mit  den  Untersuchungen  von  J.  H.  L.  Vogt  1 
ergibt  sich,  daß  die  Base  CaO  einen  vorherrschenden  Einfluß  auf 
die  Winkelverhältnisse  des  Olivins  ausiibt.  Als  Mittel  für  die 
Werte  (110)  : ( HO)  und  (021)  : (021)  erhält  man  aus  allen  bisher 
vorliegenden  Untersuchungen  47°  15'  und  98°  19'.  Man  ver- 
gleiche damit : 

Forsterit2 *  Olivin*  Fayalit4 *  Tephroit8 

(110):  (110).  .49°  51'  50°  49°  33'  49°  24' 

(021) : (021)  . . 99  2 99  6'  98  30  99  47,5 

Bezüglich  der  Konstitution  der  Kalkolivine  ergibt  sich,  daß 
wir  es  mit  Doppelsalzen  vom  Typus  Ca,  Si  04  + R2  Si  04  zu  tun 
haben,  wobei  R = Fe,  Mn,  Mg  ist.  Vielleicht  sind  die  Eisenkalk- 
olivine isomorph  mit  dem  bisher  noch  unbekannten  Ca2Si04. 

In  Übereinstimmung  ferner  mit  den  Ergebnissen  von  J.  H.  L. 
Vogt  6 zeigt  sich,  daß  zur  Bildung  der  Kalkolivine  das  Schmelz- 
magma ziemlich  genau  aus  R2Si04,  worin  R = Ca,  Fe,  Mn,  Mg 
ist,  bestehen  muß , daß  also  das  Verhältnis  des  Sauerstoffs  der 
Basen  zu  dem  der  Kieselsäure  nahezu  = 1 sein  muß,  da  in  diesem 
Falle  die  Base  CaO  sich  relativ  leicht  an  der  Konstitution  des 
Olivins  beteiligt. 

1 J.  H.  L.  Vogt,  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Gesetze  der  Mineral- 
bildung in  Schmelzmassen  und  in  den  neovulkanischen  Ergußgesteinen. 
Kristiania  1902.  p.  18,  19  u.  34. 

2 Nach  M.  Bauer. 

* Nach  v.  Kokscharow. 

4 Nach  J.  H.  L.  Vogt. 

8 Nach  H.  J.  Sjögren. 

J.  H L.  Vogt,  1.  c.  p.  23. 


Mineralogisch-chemische  Untersuchungen  etc. 


631 


Die  Ursache  für  die  stabförmige  Ausbildung  der  Kalkolivine 
nach  der  a-Achse  liegt  in  dem  hohen  Kalkgelialt  des  Schmelz- 
magmas, sowie  in  der  raschen  Abkühlung  desselben. 

Zwillingsbildung  bei  den  Schlackenolivinen  wurde  makro- 
skopisch an  zwei  Stufen,  mikroskopisch  an  einer  größeren  Anzahl 
von  Stufen  beobachtet.  Die  Zwillingsbildung  hat  in  fast  allen 
Fällen  nach  Poo(Oll)  oder  2Pc6(021)  stattgefunden.  Auf  einer 
Stufe  wurde  ein  Durchkreuzungszwillung  beobachtet,  bei  dem  ver- 
mutlich 3Pob(031)  die  Zwillingsebene  ist. 

II.  Mineralien  der  Melilithgruppe. 

Die  Mineralien  der  Melilithgruppe  kommen  in  den  Hochofen- 
schlacken in  großen,  wohlausgebildeten  Kristallen  vor,  die  aber 
immer  nur  eine  einfache  Ausbildungsweise  zeigen.  Die  Begrenzung 
wird  von  den  Flächen  OP  (001),  ooP(llO)  und  ooPoo(lOO)  gebildet, 
Pyramidenflächen  wurden  an  keiner  der  untersuchten  Stufen  gefunden. 

Der  Habitus  der  Kristalle  ist  teils  prismatisch  oder  würfel- 
förmig, teils  dünn-  oder  dicktafelig  nach  der  Basis. 

Die  Farbe  ist  sehr  verschieden.  Auf  einigen  Stufen  sind  die 
Kristalle  vollkommen  schwarz,  bedingt  durch  massenhafte  Einschlüsse 
eines  völlig  opaken,  durch  Schwefeleisen  schwarz  gefärbten  Glases. 
Andere  Stufen,  die  den  bei  der  Darstellung  von  Spiegeleisen  ge- 
fallenen Schlacken  entstammen,  führen  intensiv  grün  gefärbte  Kri- 
stalle, nnd  zwar  wird  die  Farbe  durch  zahlreiche  Einschlüsse  von 
Mangansulfid  hervorgerufen,  das  sich  in  Form  von  Longuliten  oder 
Globuliten  ausgeschieden  hat.  Die  an  natürlichen  Kristallen  öfters 
beobachtete  Pflockstruktur  findet  sich  auch  an  diesen  künstlichen 
Kristallen. 

Hinsichtlich  des  optischen  Verhaltens  ist  zu  bemerken,  daß 
der  optische  Charakter  der  Kristalle  z.  T.  positiv,  z.  T.  negativ 
ist.  In  Dünnschliffen  zeigen  erstere  nur  niedere  Interferenzfarben, 
während  bei  letzteren  lebhaft  bunte  Interferenzfarben  zu  beobachten 
sind.  Mehrere  Kristalle  weisen  optische  Anomalie  auf. 

Die  Kristalle  von  zwei  Stufen  erlaubten  kristallographisclie 
und  chemische  Untersuchung. 

Stufe  1.  In  einer  dunkel  gefärbten  Glasmasse  treten  in 
Blasenräumen  eine  große  Zahl  von  ca.  3 mm  großen,  wasserklaren 
Kristallen  auf,  die  von  coPoo(lOO),  ooP(llO)  und  OP  (001)  be- 
grenzt sind  ; ihr  Habitus  ist  tafelförmig  nach  der  Basis  bis  dünn- 
blätterig. Im  konvergenten  polarisierten  Lichte  liefern  sie  ein 
ziemlich  verschwommen  aussehendes  Interferenzkreuz,  das  sich  beim 
Drehen  des  Präparates  deutlich  in  zwei  Hyperbeln  trennt.  Der 
optische  Charakter  ist  positiv. 

Das  Lichtbrechungsvermögen  wurde  nach  der  Prismenmethode 
für  dieselben  Wellenlängen,  wie  vorhin  bei  dem  Olivin  (p.  628) 
bestimmt.  Es  ergab  sich  : 


632 


K.  Busz  und  F.  W.  Rüsberg, 


Wellenlänge 

€ 

0) 

£ — (O 

Blau  . . . . 

. . 1, 65177 

1,64931 

0,00246 

Grün  . . . . 

. . 1,64836 

1,64653 

0,00183 

Gelb  . . . . 

. . 1,64222 

1.63937 

0,00285 

Rot  . . . . 

. . 1,63889 

1,63747 

0,00142 

Na 

. . 1,64174 

1,63890 

0,00284 

f B1—  eR  = 0,01288 
coßl  — foR  = 0,01 184. 


Eine  chemische  Analyse  wurde  sowolil  von  der  reinen  Kristall- 
substanz (II)1  wie  von  der  gesamten  Schlackenmasse  (I) 2 in  dem 


Laboratorium 
mit  folgenden 

Si02  . 

Äl2  0, 

Fe  0 . 
MnO 
CaO  . 
MgO . 

Ks  0 . 
Na„0 
P20ä 
S . . 


Stufe  2. 


der  Gute-Hoffnungshiitte 
Resultaten : 


in  Oberhausen  ausgeführt 


) 


I 

40.36 

6,69 

2,63 

5,11 

36,10 

3,90 

4.60 : 


II 
39,84 
4,31 

0,12  (Fe,  0.) 
2,30 
36,03 
10,20 
4,37 
2,01 


Molekularverh.  II 

66,07  = 13,25 

4Ä1  = i 


0,75  ) 
3,24 
64,23 
25,30 
4,64 
3,24 


= 20.02 


0,09  — 

0,86  — 

100,34  99,21. 

Spez.  Gew.  = 2,957. 

Diese  führt  ebenfalls  z.  T.  wasserklare  Kristalle 


von  derselben  Kombination  wie  die  auf  Stufe  1 , aber  mit  pris- 
matischem Habitus.  Auch  bei  dieser  ist  der  optische  Charakter 


positiv. 


Die  optischen  Konstanten  wurden  ebenso  wie  vorher  bestimmt. 


Wellenlänge 

r 

1 0 

f — CO 

Blau 

. 1,65522 

1,65123 

0,00399 

Grün 

. 1,64976 

1,64673 

0,00303 

Gelb 

. 1,64623 

1,64123 

0,00500 

Rot  ..... 

. 1,64223 

1,63873 

0,00343 

Na 

. 1,64593 

1,64073 

0,00500 

TI  ...  ■ . . 

. 1,64926 

1,64623 

0,00303 

fBi  z=z  °!°1299 
— coR  = 0,01250. 


Durchweg  ist  also  die  Lichtbrechung,  wie  auch  besonders  die 
Doppelbrechung  stärker  als  bei  den  Kristallen  der  ersten  Stufe. 


1 Mit  Spuren  von  SrO. 

2 Mit  Spuren  von  PbO. 

3 Bestimmt  als  K2  0. 


Mineralogisch-chemische  t'utersuchungen  etc. 


633 


Die  chemische  Analyse  der  gesamten  Schlackenmasse  (1)  und 
der  ausgesuchten  reinen  Kristalle  (II,  Mittel  aus  2 Analysen)  ergab 
folgende  Zusammensetzung: 


SiO„  . 
A1303 
Fe  0 . 
Mn  0 
CaO  . 
MgO 
Na,0 
S . . 
P2Oä. 
PbO  . 


I 

. 40,52 
. 3,24 

. 2,56 

. 4,56 

. 39,96 
5.57 
. 3,43 

. 0,76 

. 0,10 
. Spur 
100,70 


II 

42,39 

1,09 

1,30 

4,38 

39,10 

12,16 


Molekularverb.  II 


70,33 

1,07 

1,81 

6,18 

69,71 

30.16 


= 65,73 

= 1 

= 100,90 


100,42. 


Nach  der  Auffassung  von  J.  H.  L.  Vogt  1 sind  die  Glieder  der 
Melilithgruppe  Mischungen  des  tonerdefreien  Akermanit-Silikates 
Ca4Si3  010  = 4 CaO  • 3 SiO,  und  des  tonerdereichen  Gelilenit-Sili- 

II  III 

kates  3 R 0 • R2  03  • 2 Si  02. 

Bringt  man  nun  in  den  oben  angeführten  Aualysen  die  der 
Gehlenitsubstanz  entsprechenden  Mengen  von  Si02,  A1203,  CaO 
und  MgO  in  Abzug,  so  müßte  nach  der  VoGT’schen  Auffassung 
ein  dem  Akermanit  entsprechendes  Silikat  übrig  bleiben,  in  welchem 

II 

das  Verhältnis  R 0 : Si  02  = 4 : 3 wäre. 

In  beiden  Fällen  erhalten  wir  aber  ein  Silikat  vou  der  Zu- 


II 

sammensetzung  3 R 0 • 2 Si  02. 

Ebenso  ergibt  sich  aus  zwei  Aualysen,  die  von  Fouque 2 und 
BodlInder  3 an  reiner  Melilithsubstanz  ausgeführt  sind,  nach  Abzug 
der  Gehlenitsubstanz  in  dem  übrigbleibenden  Silikat  das  Verhältnis : 


CaO  : Si02  = 1,53  : 1. 


Man  darf  also  annehmen,  daß,  wenn  man  die  Mineralien  der 
Melilithgruppe  als  Mischungen  zweier  Grundverbindungen  auffaßt, 
deren  eine  dem  Gehleuit  entspricht,  die  andere  ein  tonerdefreies 

11  II 

Silikat  von  dem  Typus  3 R 0 • 2 Si  0,  = R3  Si2  07  sein  muß,  das 
sich  also  von  der  Diorthokieselsäure  Hg  Si0  07  ableitet,  deren  Blei- 
salz, der  Barysilit,  in  der  Natur  vorkommt,  Pb3Si.,07. 

Will  man  aber  die  VoGT’sche  Theorie  wenigstens  in  bezug 
auf  die  optisch  positiven  künstlichen  Melilithe  als  zutreffend  bei- 


1 J.  H.  L.  Vogt,  1.  c.  p.  97  ff. 

* Zeitschr.  f.  Krist.  14.  p.  283  (Ref.) 

3 N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1892.  I.  p.  53  und  1893.  I.  p.  15. 


634 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


behalten so  muß  man  annehmen,  daß  neben  der  Verbindung 
Ca3  Si2  07  gelegentlich  auch  Akermanit  auftritt. 

Mau  kann  aber  auch  die  Zusammensetzung  so  erklären,  daß 
man  drei  Grundverbindungen  annimmt,  nämlich  das  Gehlenitmolekiil 

11  III 

3 RO  • K203  • 2 Si02  mitCa2Si04  undCaSi03,  in  dem  Ca3Si207 
als  aus  den  beiden  letzteren  bestehend  gedacht  ist.  Diese  Erklä- 
rung stände  im  Einklang  mit  der  Ansicht  von  C.  Hlawatsch 1  2, 
nach  welcher  an  der  Zusammensetzung  der  Glieder  der  Melilith- 
gruppe  mehr  als  zwei  Grundverbindungen  beteiligt  sein  müssen, 
um  die  optischen  Eigenschaften  derselben  erklären  zu  können. 

Münster  i.  W.,  Mai  1913. 


Ueber  chemische  Veränderungen  in  mechanisch  deformierten 

Gesteinen. 

Von  Helge  Backlund. 

(Schluß.) 

In  Querschnitten  sind  der  ebenkörnige  Gneis  und  der  Bänder- 
gneis (sub  1)  einander  sehr  ähnlich.  Die  großen  Mikroklinmikro- 
perthitfelder  mit  Quarzdiablasten  sind  nicht  so  in  die  Augen 
springend.  Von  kleinen  Parallelverwerfungen  werden  sie  in  sub- 
parallele,  stark  undulöse  Individuen  zerschnitten;  die  oben  be- 
schriebene Mikrobreccie  folgt  auch  hier  den  Rissen  und  Umi’issen. 
Der  kleinkörnige,  stark  undulöse  Quarz  ist  in  lange  Linsen  aus- 
gezogen ; in  dem  eben  körnigen  Gneis  sind  größere,  ebenfalls  stark 
undulöse  Felder  erhalten,  wie  auch  der  durch  Spuren  von  Um- 
wandluugsprodukten  kenntliche  Plagioklas  (hier  ebenfalls  Oligoklas  : 
a‘  > n,  y*  > n,  Auslöschung  J_  a . 8 0 = 25  °/o  An)  hier  in 

größeren  Individuen  auftritt,  während  er  im  Bändergneis  in  Körner- 
aggregate ohne  gemeinsame  Orientierung  zerfällt.  In  dem  eben- 
körnigen Gneis  ist  ebenfalls  die  Hornblende,  oft  in  paralleler  Ver- 
wachsung mit  Biotit  und  mit  Einschlüssen  von  Magnetit , besser 
erhalten,  und  die  sie  begleitenden  akzessorischen  Minerale  zeigen 
gut  erhaltene  Kristallformen,  während  im  Bändergneis  die  farbigen 
Komponenten  in  der  oben  beim  Augengneis  beschriebenen  Art 
lange  breccienartige  Strähnen  bilden.  Kleine  Calcitflecken  lassen 
sich  hier  im  ebenkörnigen  Gneis  feststellen. 

Der  Fleckengneis  (2)  zeigt  makroskopisch  keine  deutliche 
Paralleltextur.  Die  roten  Flecken  zeigen  u.  d.  M.  die  aus  einzelnen 

1 Für  die  optisch  negativen,  natürlichen  Melilithe  ist  von  Bodländer 
(N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1892.  I.  p.  53  sqq.  und  1893.  I.  p.  15  sqq.)  und  von 
Zamboxini  (Zeitschr.  f.  Krist.  41.  p.  227)  nachgewiesen,  daß  eine  Mischung 
von  Gehlenit  und  Akermanit  nicht  in  Frage  kommen  kann. 

2 Min.  u.  petr.  Mitt.  23.  1904.  p.  415 — 450. 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


685 


Fragmenten  zusammengesetzten  Felder  des  Mikroklinmikroperthits, 
stark  undulös  und  durch  eine  Mikroklinmikrobreccie  verkittet.  Die 
auch  makroskopisch  sichtbaren  farblosen  und  weißen  Flecke  von 
kleinen  Dimensionen  erweisen  sich  als  Oligoklas,  meist  aus  einem 
oft  kreisrunden  Individuum  mit  scharfem  (größere  Individuen)  oder 
etwas  verschwommenen  (die  kleinen  Körner)  Rand  bestehend;  nicht 
selten  ist  noch  die  Albitstreifung  deutlich  sichtbar.  Auch  die 
Hoi-nbleude  bildet  mikroskopisch  kleine,  runde  oder  gestreckte 
Körner;  die  optischen  Eigenschaften  sind  etwas  abweichend: 
c :/=  18°,  der  Pleochroismus  zeigt  für  y einen  bläulichen  Ton, 
der  Achsenwinkel  ist  ebenfalls  nicht  groß.  Die  Hornblende  ist  mit 
Magnetitstaub  gepudert  und  die  größeren  Durchmesser  der  läng- 
lichen Körner  sind  untereinander  parallel,  wodurch  die  Parallel- 
textur angedeutet  wird.  Auch  die  Verteilung  der  Zirkonkörner 
ist  orientiert,  während  der  Apatit  in  Körnergruppen  vereint  ist. 
Kleine  Spalten  im  Gestein  sind  ab  und  zu  mit  (sekundärem  ?) 
wasserklarem  Kalifeldspat  ausgefüllt,  die  meisten  aber  zeigen  eine 
Ausfüllung  von  Calcit.  Es  wurde  nicht  genügend  hervorgehoben, 
daß  dieses  Gestein  makroskopisch  einem  Porphyr  (Porphyroid)  mit 
unregelmäßig  geformten  Einsprenglingen  und  dichter  schwarzer 
Grundmasse  äußerst  ähnlich  ist.  Das  Auffallendste  in  diesem 
Gestein  ist  eben  die  Grundmasse.  Sie  ist  bräunlich,  zeigt  Aggregat- 
polarisation, von  äußerst  feinem  Korn.  Die  Paralleltextur  wird 
durch  staubförmige  Magnetit-Ilmenitschniire  angedeutet  und  durch 
orientierte  (parallel  und  senkrecht  zu  diesen  Schnüren,  mit 
positivem  Charakter  in  paralleler  Richtung)  Auslöschung  und 
Absorption  (zwischen  gelb  und  kaffeebraun)  verschärft;  die  hohen 
Interferenzfarben  sowie  die  Orientierung  der  Elastizität  und  der 
Absorption  lassen  in  dieser  Masse  feinste  Biotitblättchen  vermuten, 
wahrscheinlich  vermischt  mit  feinstem  Quarz  und  Feldspat.  Die 
orientierte  Auslöschung  und  Absorption  ist  deutlich  nur  in  der 
Nähe  der  Reliktfeldspäte  zu  beobachten,  weiter  ab  zeigt  sich 
die  Grundmasse  unregelmäßig  aggregiert.  Die  Farbe  der  zu 
Pulver  verriebenen  Grundmasse  ist  weiß  und  sie  ist  in  Säuren 
unlöslich. 

Der  Flammen-  und  Wellengneis  (sub  3)  wurde  makroskopisch 
definiert.  Mikroskopisch  läßt  sich  keine  wohldefinierte  Parallel- 
textur unterscheiden.  Ein  bedeutender  und  scharfer  Gegensatz 
zwischen  Grundmasse  und  Reliktfeldspäte  ist  hier  nicht  zu  be- 
obachten: die  Mikroklinflammen  und  -wellen  sind  feinkörniger  mit 
wenigen  erhaltenen  Feldern,  die  Grundmasse,  mit  deutlicher  Horn- 
felsstruktur der  vereinzelten  Oligoklasreste,  ist  grobkörniger  als 
im  vorigen  Gestein,  und  die  Streifen  der  farbigen  Komponenten 
lassen  sich  noch  deutlich  unterscheiden.  Doch  sind  in  der  Grund- 
masse in  Form  von  Linsen  sehr  feinkörnige  Partien  zu  bemerken, 
ähnlich  der  an  dem  Fleckengneis  beschriebenen  Grundmasse ; es 


636 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


lassen  sich  aber  bei  starker  Vergrößerung  die  einzelnen  Biotit- 
blättchen mit  Feldspat-  und  Quarzzement  gerade  noch  unterscheiden, 
und  in  diesen  Partien  schwimmen  Bruchstücke  von  Feldspat.  Auch 
in  diesen  Partien  läßt  sich  eine  parallele  Orientierung  der  einzelnen 
Biotitblättchen  feststellen. 

Der  Streifengneis  (sub  4)  und  der  Zylindergneis  (sub  5)  unter- 
scheiden sich  in  ihrem  mikroskopischen  Bild  wenig  voneinander. 
Die  Grundmasse,  mit  der  am  Fleckengneis  beschriebenen  identisch, 
zeigt  d u r c h w e g eine  orientierte  Auslöschung  und  Absorption 
parallel  und  senkrecht  zu  den  Mikroklinstreifeu.  Die  Mikroklin- 
streifen des  ersten  Gesteins  sind  feingranuliert,  im  zweiten  kann 
man  öfter  Keliktfelder  mit  Gitterstruktur  und  perthitischen  Ein- 
schlüssen beobachten.  Die  kreisförmigen  Durchschnitte  des  wasser- 
hellen Oligoklases  stauchen  die  Grundmasse  an  den  beiden  ent- 
gegengesetzten Enden  des  Durchmessers  (in  dieser  Richtung  sind 
sie  öfters  körnig  geschwänzt)  und  lassen  sie  sodann  in  geschwungener 
Linie  schalenförmig  über  sich  hinübergleiten.  Ähnlich  verhalten 
sich  die  kleinen  dunkelgrünen  Hornblendekörner  von  kreisförmigem 
oder  ovalem  Durchschnitt.  Die  Gesteine  ähneln  im  Dünnschliff 
überaus  einem  Sediment,  jedoch  1.  die  unregelmäßige  Verteilung 
der  Reliktminerale  in  ganz  verschiedenen  Horizonten  und  2.  das 
absolute  Fehlen  von  Quarz  unter  ihnen  macht  eine  solche  Deutung 
unmöglich.  Auch  gegen  die  Fluidaltextur  eines  Effusivgesteins 
sprechen  eben  die  Reliktminerale  uud  ihre  Strukturformen. 

Der  Brecciengneis  (sub  6)  zeigt  ein  mikroskopisches  Bild, 
das  mit  dem  der  Grundmasse  des  Flammengneises  genau  überein- 
stimmt; und  die  hornfelsähnlichen  Massen  (sub  7)  gleichen  ihrer 
Mikrostruktur  nach  überaus  der  Grundmasse  des  Zylinder-  uud 
Streifengneises,  mit  dem  Unterschied,  daß  in  ihnen  nicht  immer 
die  Mikroparalleltextur  durch  den  ganzen  Schliff  geht,  sondern  manch- 
mal auch  nur  zonenweise  verteilt  ist. 

Zur  mikroskopischen  Untersuchung  des  grauen  Gneises  wurde 
ein  größerer  Einschluß  im  Augengneis  gewählt,  um  den  graduellen 
Übergang  zu  den  dichten,  grauen,  gestreiften  Gesteinen  der  Mylonit- 
zone  zu  demonstrieren.  Sein  makroskopisches  Aussehen  wurde  auf 
p.  598  berührt.  U.  d.  M.  springt  die  stark  ausgesprochene  Trümmer- 
struktur in  die  Augen,  alle  farblosen  Komponenten  sind  stark 
undulös  und  mit  Mikrobrecciensand  versehen.  Die  relativ  gut  er- 
haltenen großen  Plagioklasfelder  gehören  den  optischen  Eigen- 
schaften nach  (a'>n,  y'>n;  optisch  negativ;  Auslöschung  in 
Schnitten:  J_  M und  P (a)  . . . . + lü°  = 27°/o  An,  . . . . 11  0 

= 28  % An)  dem  Oligoklas  an.  Deutliche  Albitlamellen  durch- 
ziehen die  Felder,  eine  schwache  Umwandlung  in  farblosen  Glim- 
mer mit  Flecken  von  Kaolin  folgt  hauptsächlich  der  Richtung  P. 
Einschlüsse  von  Mikroklin,  wohl  Reste  einer  (anti-)  perthitischen 
Durchwachsung,  bilden  längliche  uud  kreuzförmige  Flecken,  haupt- 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


637 


sächlich  wohl  nach  P,  31  und  x orientiert.  Die  geschwungenen 
Konturen  des  Oligoklases  sind  von  einer  Mikrobreccie  begleitet, 
und  der  Wechsel  des  Korns  dieser  Breccie  in  Zonen  ist  allgemein. 
Manchmal  sind  die  kleineren  Körner  des  Oligoklases  vollständig  in 
parallele  Glimmeraggregate  umgewandelt.  Der  Mikroklinmikro- 
perthit  (die  perthitisclien  Durchwachsungen  sind  meist  unregel- 
mäßig) steht  an  Menge  dem  Oligoklas  bedeutend  nach,  ist  frischer 
als  dieser  (Umwandlung  nur  längs  den  Mikroperthitstreifen)  und 
bildet  ebenfalls  größere  Felder.  Die  Gitterstruktur  ist  wegen  der 
starken  mechanischen  Deformation  und  undulösen  Auslöschung  nicht 
immer  gut  sichtbar.  Die  Randbreccie  ist  gut  entwickelt,  ebenso 
wie  an  den  großen  Quarzkörnern , die  in  Subindividuen  geteilt 
nesterförmige  Partien  einnehmen.  Die  dunkle  Hornblende  (c  : y 
= 13  — 14°;  mittlerer  negativer  Achsenwinkel;  Pleochroismus: 
a — strohgelb  <Cß  — griinbraun  > y — olivgrün  bis  bläulichgrün) 
bildet  teils  größere  Felder  mit  orientierten  Biotiteinschlüssen,  teils 
isometrische  und  längliche  xenomorphe  Körner , die  von  dunklen 
Biotitblättchen  und  -linsen  begleitet  und  mit  Feldspat-  und  Quarz- 
körnern gemischt  sind ; die  Entstehung  der  zweiten  Form  durch 
Auswalzung  der  ersten  ist  deutlich.  Der  Biotit  ist  fast  immer 
von  Magnetit  begleitet,  und  Apatit  (manchmal  im  Magnetit  ein- 
geschlossen) in  Körnern  sowie  Zirkonsäulchen  gesellen  sich  den 
dunklen  Mineralen  zu.  Ein  Teil  der  Feldspäte  und  des  Quarzes 
ist  vollständig  in  Linsen  von  mikrobrecciöser  oder  hornfelsartiger 
Struktur  verdrückt  worden  (besonders  in  Querschnitten  sichtbar) ; 
daß  dabei  die  Zusammensetzung  des  Oligoklases  keinerlei  chemischen 
Veränderung  unterworfen  worden , wird  durch  seine  optische 
Orientierung  bewiesen  (Schnitt  J_  a . . . . + 6,o°  = 24°/o  An).  Ab 
und  zu  ist  das  Gestein  von  älteren  Rissen  durchlaufen ; diese  sind 
dann  von  einer  dunklen  Masse  ausgefüllt,  die  in  mikroskopischer 
Beziehung  vollständige  Übereinstimmung  mit  den  (auch  u.  d.  M.) 
dichten  Partien  des  Flammengneises  zeigt  (vergl.  p.  635). 

Der  hellgraue  bis  grünliche  Mylonit  (vergl.  p.  599)  zeigt 
n.  d.  M.  eine  fast  ununterbrochene  Mikrobreccienstruktur.  Stellen- 
weise lassen  sich  Linsen  mit  vorwiegend  feinkörnigen,  isometrischen 
Oligoklasbruchstiicken  in  Hornfelsstruktur  unterscheiden,  in  anderen 
Linsen  scheint  der  Mikroklin,  d.  h.  seine  Mikrobreccie,  vorzuherrschen ; 
auch  Quarzmikrobreccie  läßt  sich  noch  unterscheiden,  und  die  ein- 
zelnen Körnchen  sind  stark  ineinander  verzahnt.  Die  dunkleren 
Streifen  haben  eine  Struktur,  wie  sie  in  der  Grundmasse  des 
Flammengneises  beschrieben  wurde.  Auch  sind  hier  einige  Reste 
der  farbigen  Gemengteile  (Biotit,  seltener  Hornblende , Magnetit 
in  feinem  Pulver  sehr  spärlich)  erhalten.  Die  Akzessorien  in 
Spuren  (Apatit,  Zirkon  konnte  nicht  entdeckt  werden)  sind  die- 
selben, regellos  verstreut.  Das  Gestein , obgleich  ein  typischer 
Mylonit,  ist  bedeutend  grobkörniger  als  die  schwarzen,  hornfels- 


638 


H.  Backlund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


ähnlichen  Massen,  und  ab  und  zu  läßt  sich  sogar  ein  größeres 
gerundetes  Oligoklaskorn  sehen.  Die  unregelmäßige  Paralleltextur 
wird  durch  die  geschweiften  und  gebogenen  dunklen  Partien  von 
dichter  Struktur  markiert. 

Auf  meine  Bitte  wurden  von  dieser  Gesteinsserie  in  dem  Labora- 
torium von  Prof.  Dr.  M.  DiTTRiCH-Heidelberg  vier  Analysen  aus- 
gefiihrt,  und  zwar 

I.  von  dem  ebenkörnigen  roten  Gneis  1 (vergl.  p.  594  und  634) ; 

II.  von  dem  Fleckengneis  (vergl.  p.  597  und  634),  wobei 
Sorge  getragen  wurde,  daß  in  dem  für  die  Analyse  vorbereiteten 
Material  die  roten  Flecken  und  die  schwarze  Grundmasse  in  gleichem 
Verhältnis,  wie  sie  im  Gestein  Vorkommen,  vertreten  seien; 

III.  von  dem  grauen  Gneis  (vergl.  p.  598  und  636)  und  dem 
mutmaßlich  aus  ihm  hervorgegangenen 

IV.  hellgrauen,  gestreiften  Mylonit  (vergl.  p.  599  und  637). 

Die  erhaltenen  Zahlen  sind  in  folgenden  Tabellen  zusammen- 
gestellt : 

Tabelle  1. 


I. 

II. 

Ia. 

II  a. 

Si02 

. . 72,93 

65.99 

79.19 

63.59 

TiO, 

0,66 

0,00 

Sp. 

A1203  .... 

. . 12,67 

15,56 

9,88 

18,63 

Fe,  03  .... 

. . 0.00 

0,64 

0.21 

0,56 

Fe  0 

. . 2,08 

3,30 

0.63 

1.62 

Mn  0 

. . 0,03 

0,07 

— 

— 

MgO  .... 

. . 0,62 

1,77 

0,55 

4.98 

CaO 

. . 1,91 

3,75 

0,00 

2.14 

Na20  .... 

. . 3,19 

3,11 

0,66 

1,78 

K,  0 

. . 4,55 

4,11 

7,68 

2,07 

H,  0 < 110°  . 

. . 0,11 

0,08 

0,03 

0,14 

H,  0 > 110”  . 

. . 0,50 

0,69 

0,54 

4,24 

CO, 

. . 0,38 

0,74 

0,64 

0,65 

P,05 

. . 0,11 

0,06 

— 

— 

Zr  0 

0,06 

— 

— 

BaO 

. . 0,12 

0,06 

— 

— 

99,80 

100,41 

100,01 

100,40 

Die  Analysenzahlen  für  den  ebenkörnigen  Gneis  lassen  sich 
ohne  weiteres  auf  einen  normalen  Granitit,  z.  B.  den  Biotit- 
hornblendegranit von  Mariposa,  California 2 übertragen,  und  ein 
solcher  Granit  steht  dem  Typus  Hauzenberg  Osann’s  am  nächsten. 

Auch  die  Analysenzahlen  des  porphyroidähnlichen  Flecken- 
gneises stimmen  nahe  mit  denen  eines  basischen  Granitits,  z.  B.  des 

1 Dieses  Gestein,  und  nicht  das  Hauptgestein,  wurde  gewählt,  weil 
fiir  eine  Analyse  des  Augengneises  größere  Mengen  von  Gestein  hätten  ge- 
pulvert werden  müssen,  um  eine  mittlere  Zusammensetzung  zu  erhalten. 

2 F.  Turner,  U.  S.  Geological  Survey.  14,  ann.  rep.  1892. 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


639 


Granitits  von  SilverWreath  Mine,  Montana  oder  des  porphyrartigen 
Granits  von  Mariposa,  California2,  überein;  er  steht  aber  dem 
Typus  Katzenfels  Osann’s  am  nächsten. 

Vergleicht  man  die  Analysenzahlen  der  beiden  Gesteine  mit- 
einander und  behält  dabei  im  Auge,  daß  durch  mikroskopische  und 
feldgeologische  Beobachtungen  die  unmittelbare  Entstehung  des 
einen  aus  dem  andern  erwiesen  wurde , so  muß  die  bedeutende 
chemische  Veränderung  auffallen.  Stellt  mau  aber  diesen  Zahlen 
die  Analysen  Quexsel’s  (1.  c.)  eines  Felsitporphyrs  von  Bahia 
Rodriguez,  Patagonia  (Ia)  und  eines  aus  ihm  hervorgegangenen 
(durch  Drnckmetamorphose)  Porphyroids  von  demselben  Fund- 
ort (II  a)  zur  Seite,  so  kann  man  sich  überzeugen,  daß  die  chemische 
Veränderung  in  beiden  Fällen,  in  den  Gesteinen  vom  Cerro  Xegro 
nicht  so  stark,  in  derselben  Richtung  vor  sich  gegangen : ein  An- 
wachsen der  Zahlen  für  A1203,  Fe2  03,  FeO,  MgO,  CaO;  eine 
Verminderung  des  Kieselsäuregehalts.  Kur  in  betreff  der  Alkalien 
verhalten  sich  die  Gesteine  verschieden:  in  dem  Gestein  vom  Cerro 
Xegro  bleibt  der  Alkaligehalt  nahezu  konstant,  eine  merkbare 
Verminderung  ist  nur  im  Gehalt  von  K2  0 eingetreten ; im  Gestein 
von  Bahia  Kodriguez  sehen  wir  ein  deutliches  Anschwellen 
von  Xa20,  dem  ein  rapider  Abfall  von  K2  0 gegenübersteht.  In- 
sofern wäre  dieses  sowie  das  Anwachsen  des  hvdratisierten  Wassers 
für  eine  Deutung  im  Sinne  von  hydrothermaler  Einwirkung  günstig; 
jedoch  die  Veränderung  der  Zahlen  die  anderen  Oxj'dgruppen  be- 
treffend macht  diese  Deutung  schwierig.  In  dem  Gestein  vom 
Cerro  Xegro  ist  die  Deformation  und  die  parallel  verlaufende 
chemische  Veränderung  von  keinerlei  merkbarer  Hydratisierung  be- 
gleitet, und  doch  ist  die  Veränderung  in  beiden  Fällen  durchaus  analog. 

Tabelle  2. 


III. 

IV. 

lila. 

IV  a. 

SiO, 

. . . 56.32 

68,24 

47,1 

81.9 

Ti  0,  .... 

. . . 0.83 

0.01 

0,4 

Sp. 

ai2u3  .... 

. . . 19.69 

16.08 

18,1 

9,2 

Fe203  .... 

. . . 0.46 

0,81 

3.0 

0.6 

Fe  0 

. . . 4,63 

2,20 

8,5 

1,6 

Mn  0 .... 

. . . 0,09 

0,05 

0.1 

0.0 

MgO  .... 

. . . 1.78 

0,40 

7,3 

0.5 

CaO 

3.42 

6.6 

0,9 

Xa,  0 .... 

. . . 3,44 

3.34 

2,4 

1.6 

K„  0 

. • . 4.60 

3.99 

2,8 

2.1 

H,  0 < 110°  . . 

. . . 0.13 

0,081 

1,1  ' 

H„  0 > 110°  . . 

. . . 1.60 

0,83/ 

0,0 

CO, 

. . . 0.54 

0,59 

— 

— 

P2Öä  . . . 

. . . 0,20 

0,03 

— 

— 

ZrO,2 

. . . 0,08 

0,12 

— 

— 

BaO 

. . . 0,42 

0,15 

— 

— 

100,38 

100,34 

99.9 

99,5 

1 W.  Lindgren,  U.  S.  Geological  Survey.  18.  ann.  rep.  III.  1896 — 97.  — 
2 F.  Turner,  1.  c.  — 3 Glühverlust. 


640 


H.  Bacldund,  Ueber  chemische  Veränderungen 


In  Tabelle  2 sind  die  Analysenzahlen  für  den  grauen  Gneis  (III) 
und  sein  mylonitisches  Derivat  (IV)  zusammengestellt.  Das  erste 
Gestein  entspricht  mehr  oder  weniger  einem  Diorit,  und  die  Analyse 
des  Diorits  von  Mt.  Ascutney,  Vermont 1 zeigt  ähnliche  Zahlen. 
Der  Diorit  Typus  Szaska  von  Osann  zeigt  bedeutend  höhere 
Zahl  für  s,  ebenso  der  Granodiorit  Typus  Dypvik  (s  = 65,55 
resp.  71,5  und  72,0). 

Die  Analyse  des  grauen  Mylonits  (IV)  zeigt  einige  Ähnlich- 
keit mit  der  des  Granodiorits  von  Silver  Lake  Hotel,  Eldorado  Co., 
California2,  und  steht  dem  Granodiorit  Typus  Electric  Peak 
von  Osann 'wohl  am  nächsten;  die  Zahlen  für  a (=  10,1  resp.  9,5), 
c (5,1  resp.  6,5)  und  f (4,8  resp.  4,0)  zeigen  doch  beträchtliche 
Differenzen. 

Unter  augenscheinlich  gleichen  physikalischen  Bedingungen 
hat  in  diesem  Falle  eine  fast  entgegengesetzte  chemische  Ver- 
änderung in  dem  Gestein  bei  seiner  mechanischen  Deformation 
stattgefunden.  Es  kann  ein  Anwachsen  der  Zahlen  für  Si02,  eine 
Verminderung  der  Zahlen  für  Al2  03,  Fe  (Mn)  0,  MgO,  CaO,  (Ti  0.,) 
konstatiert  werden.  In  beiden  Fällen  gleich  verhält  sich  Fe203 
(und  P2  0D,  BaO):  sein  Gehalt  wächst  (während  P2  05,  Ba  0 ab- 
nehmen3). Der  Gehalt  an  Alkalien  verbleibt  auch  hier  annähernd 
konstant,  eine  kleine  Verminderung  des  Iv2  O-Gehalts  läßt  sich 
aber  nicht  leugnen. 

Ein  analoges  Beispiel  findet  sich  bei  Calla way4,  der  gabbroide 
und  dioritische  Gesteine  sowie  ihre  stark  schiefrigen  Derivate 
beschrieb.  Zwei  von  seinen  Analysen  linden  sich  unter  lila 
und  IV  a.  Das  gegenseitige  Verhalten  der  entsprechenden  Gesteine 
im  Felde  scheint  nicht  genau  aufgeklärt  zu  sein. 

Von  einer  hydrothermalen  Einwirkung  kann  wohl  in  keinem 
der  Fälle  vom  Cerro  Negro  gesprochen  werden.  Ein  Fehlen 
jeder  Hydratisierung  ist  auch  hier,  wie  in  dem  dunklen  Mylonit, 
zu  konstatieren : der  Wassergehalt  nimmt  sogar  ab.  Gegen 

Hydrothermalwirkung  spricht  ebenfalls  der  in  beiden  Fällen  konstant 
verbliebene  Alkaligehalt.  Gegen  eine  partielle  Aufschmelzung 
und  Bildung  eines  Mischgesteins  (Migmatits)  sprechen  der  mikro- 
skopische Befund  und  die  Beobachtungen  im  Felde.  Und  doch 
läßt  sich  eine  Wechselbeziehung  der  beiden  Mylonite  nicht 
leugnen. 


1 F.  W.  Clarke,  U.  S.  Geol.  Survey.  Bull.  No.  168.  p.  25. 

2 W.  Lindgren,  Am.  Journ.  of  Science.  Ser.  IV.  p.  3. 

3 The  origin  ot  the  cristalline  scbists  of  the  Malvern  Hills;  Quart. 
Journ.  Geol.  Soc.  49.  (1893.)  p.  398. 

* Überhaupt  muß  der  hohe  BaO-Gehalt  der  Gesteine  hervorgehoben 
werden ; er  ist  vielleicht  ein  Merkmal  der  petrographischen  Provinz. 
Wegen  der  optischen  Deformierung  der  Feldspäte  konnten  keine  besonderen 
Abweichungen  in  optischer  Orientierung  beobachtet  werden. 


in  mechanisch  deformierten  Gesteinen. 


641 


Tabelle  3. 


II 

IV 

V 

SiO, 

68.24 

64,63 

TiO, 

. . . 0,66 

0,01 

0,68 

Al,  6., 

16.08 

16.18 

Fe203  

. . . 0.64 

0,81 

0,23 

Fe  0 

2,20 

3,36 

Mn  0 

. . . 0.07 

0,05 

0,06 

Mg  0 

. . . 1.77 

0,40 

1,20 

Ca  0 

3,42 

3,74 

Na,  0 

. . . 3.11 

3,34 

3,32 

K,0 

. . . 4.11 

3,99 

4,57 

H„  0 < 1 10 0 . . 

. . . 0.08 

0.08 

0,12 

H„  0 > 1 10  ” . . 

. . . 0,69 

0,83 

1,05 

CO, 

. . . 0.74 

0,59 

0,46 

1*2  65 

. . . 0,06 

0,03 

0,15 

ZrO, 

. . . 0,06 

0,12 

0,07 

BaO 

. . . 0.06 

0,15 

0,27 

100.41 

100,34 

100,09 

In  Tabelle  3 sind  nochmals  die  Analysen  der  beiden  Mylonite 
nebeneinandergestellt.  In  den  Hauptzahlen  zeigen  sie  eine  auf- 
fallende Übereinstimmung.  Und  wenn  man  noch  weiter  das  Mittel 
aus  den  beiden  Analysen  der  entsprechenden  Muttergesteiue  daneben 
stellt  (V),  so  ist  die  Übereinstimmung  der  Zahlen  noch  auffallender; 
besonders  nah  stehen  diese  Zahlen  den  Analysenzahlen  des  dunklen 
Mylonites.  Ob  diese  Übereinstimmung  nur  zufällig  ist,  bleibt  einst- 
weilen, bis  weitere  Belege  gefunden  werden,  dahingestellt.  Doch 
ist  es  vielleicht  nicht  verfrüht,  einige  Vermutungen  aufzustellen. 

Von  einem  einfachen  Austausch  der  Basen  der  Muttergesteine 
kann  nicht  ohne  weiteres  die  Rede  sein;  denn  nur  der  graue 
Mylonit  wurde  im  Felde  vollständig  vom  roten  Gneis  resp.  seinen 
mylonitisclien  Derivaten  eingeschlossen  vorgefunden.  Der  dunkle 
Mylonit  findet  sich  dagegen  allseitig  vod  rotem  Hauptgestein, 
seinem  Muttergestein,  eingeschlossen.  Vielleicht  kann  dagegen  von 
einem  chemischeu  Gleichgewicht  gesprochen  werden,  das  sicli  ent- 
spi’echend  den  physikalischen  (Druck-  und  Temperatur-)  Bedingungen 
teilweise  eingestellt  hat,  und  daß  dieses  Gleichgewicht  für  die 
Mylonite  erreichbar  war  dank  ihrer  vollständigen  mechanischen 
Zertrümmerung,  daß  sie  also  den  unter  hohem  Druck  (und  erhöhter 
Temperatur?)  zirkulierenden  Lösungen  zugänglich  gemacht  worden 
waren.  Jedenfalls  fehlen  die  nötigen  Belege,  um  feststellen  zu 
können,  ob  ein  solches  Gleichgewicht  wirklich  existiert  und  er- 
reichbar ist,  ob  dieses  Gleichgewicht  einer  konstanten  chemischen 
Zusammensetzung  entspricht,  oder,  wie  eher  zu  erwarten  ist,  mit 
den  Bedingungen  des  Druckes  und  der  Temperatur,  die  chemische 

Centra’.blatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  41 


642 


J.  Koenigsberger, 


Zusammensetzung  der  beteiligten  Gesteine  in  der  Gleichgewichts- 
lage wechselt,  also  das  Gleichgewicht  verschiebbar  ist. 

Jedenfalls  geht  aus  der  Untersuchung  hervor,  daß  mau  bei 
der  Beurteilung  der  Zugehörigkeit,  der  Herkunft  und  der  Natur 
von  zweifelhaften  und  schwer  zu  deuteuden  Gesteinen  eines  alten, 
stark  gestörten  Grundgebirges  mit  äußerster  Vorsicht  Vorgehen 
muß  und  daß  die  chemische  Anatyse  nicht  immer  Aufschluß  im 
gewünschten  Sinne  gibt.  Daß  bei  mechanischen  Deformationen, 
begleitet  von  durchgreifender  Metamorphose  (mit  Mineralneubildung), 
gewisse  chemische  Veränderungen  vor  sich  gehen  dürften,  darauf 
hat  schon  Holmquist  1 hingewiesen.  Daß  bei  der  Dynamo- 
metamorphose dabei  die  Alkalien  (K2  0)  besonders  empfindlich 
sind,  wurde  an  anderer  Stelle  ausführlich  dargelegt1 2 3.  Wenn  aber 
über  mechanisch  deformierte  und  zugleich,  wie  oben  geschildert 
wurde,  chemisch  veränderte  Gesteine  eine  allgemeine  und  durch- 
greifende Metamorphose  hinwegschreitet,  so  dürfte  wohl  auch  der 
letzte  Rettungsanker  der  Geologen  und  Petrographen,  nämlich  die 
Untersuchung  im  Felde,  den  festen  Grund  verlieren,  wenn  nicht 
vorher  die  gesetzmäßigen,  beide  Vorgänge  begleitenden  Beziehungen 
aufgedeckt  werden. 

Buenos  Aires,  im  Mai  1913. 


Notiz  über  kristalline  Schiefer  in  Spanien. 

Von  J.  Koenigsberger  in  Freiburg  i.  B. 

Die  kristallinen  Schiefer  Spaniens  sind  im  südlichen  Teil  des 
Landes  wesentlich  von  dem  verschieden,  was  wir  an  kristallinen 
Schiefern  in  Mittel-  und  Nordeuropa  zu  sehen  gewohnt  sind. 

Auf  der  geologischen  Karte  von  Spanien  (Mapa  geologico  de 
Espana  1 : 400  000)  sind  vielfach  Schiefer  als  kristalline  bezeichnet, 
die  sich  von  den  cambrischen  Schiefern  kaum  unterscheiden,  und 
wie  diese  höchstens  den  Beginn  der  Ausbildung  zu  Phylliten  zeigen. 

So  besteht  die  Hauptmasse  der  Sierra  Nevada  von  den  Alpu- 
jarras-Tälern  im  Süden  aufwärts  aus  Schiefern,  die  den  ebendort 
als  Cainbrium  kartierten  durchaus  gleichen.  Auch  die  Einlagerungen 
von  Grünstein,  die  man  in  ihnen  findet,  dürften  kaum  für  ein  höheres 
Alter  sprechen.  Die  ganz  schwache  beginnende  Phyllit-  und  Knoten- 
bildung dürfte  hier  mit  den  gebirgsbildenden  Vorgängen  zusannuen- 

1 Vergl.  z.  B. : Die  Hochgebirgsbildungen  am  Torneträsk  in  Lapp- 

land. XI.  Congres  göologique  international.  Stockholm  1910.  Guide  des 
excursions.  No.  6. 

3 Vergl.  H.  Backlund,  Les  roches  de  l’Oural  arctique  et  leurs 
relations.  I.  Mem.  Acad.  Sciences  St.-Petersbourg.  Classe  physico-mathö- 
matique.  T.  28.  No.  13  (1912). 


Notiz  über  kristalline  Schiefer  in  Spanien. 


643 


hängen.  Für  letzteres  spricht  auch  das  Vorkommen  von  Kluft- 
mineralien des  alpinen  Typus  i Quarz,  Adular)  in  dem  Grünstein, 
der  als  metamorpher  abgeklemmter  Diabas  aufgefaßt  werden  kann. 
Die  Klüfte  stehen  senkrecht  zur  Schieferung,  zeigen  Quarzband  und 
sind  bisweilen  ziemlich  groß.  Daß  die  scheinbar  einfache  Tektonik 
(flache  Antiklinale)  der  Sierra  Nevada  in  Wirklichkeit  recht  ver- 
wickelt ist,  haben  schon  Ch.  Barrois  1 und  A.  Offret  erwähnt.  Es 
müssen  starke  horizontale  Überschiebungen  vorliegen.  Das  zeigt  sich 
auch  an  der  durch  die  Straße  zwischen  Lanjaron  und  Orgiva  auf- 
geschlossenen Grenzfläche  zwischen  Triaskaiken  und  sogenanntem 
Cambrinm  (graue  und  weiße  phyllitische  Schiefer).  Eine  merkliche 
Diskordanz  zwischen  beiden  Formationen  ist  hier  vorhanden;  man 
sieht  aber  auch  deutlich,  daß  diese  Grenze,  die  auf  viele  Kilometer 
in  nahezu  gleicher  Höhe  verläuft,  nicht  primär  ist. 

Dafür  sprechen  nämlich  die  vielen  eingeklemmten  Fetzen  von 
.cambrischen“  Schiefern  seltener  von  quarzitischer  Breccie.  Die  Trias 
ist  dort  außerdem  noch  durch  thermale  Lösung  an  manchen  Orten 
marmorisiert  und  enthält  Erzgänge  (vergl.  auch  die  heiße  Quelle 
von  Lanjaron).  Die  echten  kristallinen  Schiefer,  Granat- Glimmer- 
schiefer, die  auch  Andalusit,  Turmalin  usw.  enthalten,  sind  nur 
in  der  Gipfelregion  der  Sierra  Nevada  aufgeschlossen;  sie  streichen 
nach  Osten  und  Westen  aus.  Ihr  Zusammenhang  mit  den  oben- 
erwähnten cambrischen  Schiefern,  welche  die  Hauptmasse  bilden, 
ist  unklar.  Seltener  findet  man  am  Südabhang  der  Sierra,  so  z.  B. 
bei  Carataunas,  eingeschlossen  in  die  gewöhnlichen  Schiefer  und  offen- 
bar unregelmäßig  abgeklemmt  Linsen  von  Sericitschiefern,  Glimmer- 
schiefern, Granat-Glimmerschiefern  usw. 

Ich  habe  dann  bei  Alora  (Liuie  Malaga  — Bobadilla)  die  auf 
der  Karte  angegebenen  kristallinen  Schiefer  gesucht ; sie  sind  aber 
im  wesentlichen  Phyllite.  Als  Geröll  findet  man  Gesteine,  die  Glimmer- 
schiefern gleichen.  Sie  müssen  an  anderer  Stelle  anstehen,  als  die 
Karte  sie  angibt.  Doch  findet  man  bisweilen  hier  in  den  gewöhn- 
lichen Schiefern  Linsen  von  Glimmerschiefern  eingeschlossen,  und 
es  mag  sein,  daß  diese  bei  der  Kartierung  gemeint  sind. 

Wir  müssen  hier  noch  kurz  die  Schiefer  des  Bio  Tintogebietes 
besprechen , die  vielfach1  2 als  schwach  regionalmetamorph  oder 
dynamometamorph  bezeichnet  werden.  In  der  Nähe  der  Erzlager, 
an  der  Oberfläche  dieser,  sind  die  Schiefer  durch  die  Lösungen, 
welche  die  Umwandlung  der  Sulfide  in  den  „ eisernen  Hut“  be- 
wirkten, gehärtet  und  gebleicht  (Ausscheidung  von  Quarz),  oder 
die  Schiefer  sind  in  ein  talkiges  Material  verwandelt. 

1 Ch.  Barrois  und  A.  Offret.  C.  R.  Acad.  franc.  100.  p.  1060.  1885 
und  Mission  d'Andalouise.  Paris  1889.  p.  79. 

2 Vergl.  z.  B.  Bf.yschlag,  Kroch,  Vogt,  Lagerstätten  etc.  Stuttgart. 
1910.  p.  314.  Dort  ist  die  Literatur,  auf  deren  Angaben  sich  die  Autoren 
stützen,  zitiert. 


41  * 


644 


J.  Koenigsberger, 


Die  als  Silur  und  Culm  bezeichnten  Schiefer  sind  dort  z.  T. 
dunkelgrau,  z.  T.  rötlich,  ziemlich  feinblätterig;  sie  gleichen  Ton- 
schiefern des  Devon  von  Mitteleuropa;  siezeigen  Spuren  beginnender 
Phyllitisierung  wie  meist  in  Mitteleuropa  (vom  osteuropäischen  Schild 
abgesehen),  sind  aber  noch  normale  Schiefer1 * * * 5. 

In  der  Gegend  von  Belmez , dem  Kohlendistrikt  Spaniens, 
wären  nach  der  Karte  Aufschlüsse  über  das  Verhalten  der  kri- 
stallinen Schiefer  zum  Cambrium  und  Silur,  sowie  zum  Carbon  zu 
erwarten  gewesen.  Ich  wollte  insbesondere  die  Frage  studieren, 
ob  wie  in  Schweden  zwischen  kristallinen  Schiefern  als  Basis  und 
Cambrium  als  Hangendem  eine  Diskordanz  und  eine  Konglomerat- 
schicht vorhanden  ist,  oder  ob  wie  in  Mitteleuropa,  z.  B.  Fichtel- 
gebirge, ein  allmählicher  Übergang  von  Devon  nach  den  kristallinen 
Schiefern  hin  ohne  Diskordanz  oder  Konglomerat-Zwischenlage 
vorliegt.  — In  letzterem  Falle  kann  zuweilen,  wie  man  das  in 
Mitteleuropa  sieht,  das  Hangende,  falls  es  erhalten  ist,  wenig  oder 
garniclit  verändertes  Sediment  sein : denn  je  nach  der  Höhe,  bis 
zu  welcher  der  Orthogneis  heraufgedrungen  ist  und  metamorphosiert 
hat,  wird  man  einigermaßen  unverändert  entweder  Devon  (Sächsisches 
Granulitgebirge,  Harz,  Vogesen,  Breuschtal)  oder  Silur  (Fichtel- 
gebirge) finden.  — - Die  Angaben  der  Karte  sind  nur  teilweise  zu- 
treffend. Die  Ausdehnung  des  Carbons  nach  Südosten  hin  ist 
größer  als  angegeben,  die  des  Cambriums,  das  überhaupt  nicht 
sicher  durch  Fossilien  gekennzeichnet  ist,  viel  geringer.  Eine 
Diskordanz  zwischen  Obercarbon  und  Silur  ist  bei  Cabeza  de  Vacca 
im  Rio  Alberdao,  nach  freundlicher  Mitteilung  der  Herren  Ingenieure 
in  Penarroyo,  aufgeschlossen ; ich  habe  sonst  keine  gesehen.  Über 
die  Lagerungsverhältuisse  zwischen  Carbon,  Cambrium  und  kri- 
stallinen Schiefern  läßt  sich  aber  überhaupt  kein  klarer  Überblick 
gewinnen.  Auch  ist  offenbar  die  Ausdehnung  der  kristallinen 

1 ln  größerer  Entfernung  zu  beiden  Seiten  des  Ganges  S.  Dionisio 
von  Rio  Tinto  sind  die  Schiefer  kaum  verändert.  Bei  La  Pena,  für  dessen 
Besichtigung  ich  der  Direktion  und  dem  führenden  Herrn  Geologen  zu 
besten  Dank  verpflichtet  bin,  ist  auf  der  Nordost-Seite  des  Erzganges  ein 
Porphyrit  und  höher  oben  an  dem  höchsten,  Rio  Tinto  überragenden  Gipfel, 
ein  saures  Ergußgestein  anstehend.  Bei  Castillo  de  las  Guardas,  das  ein- 

gehend von  C.  Schmidt  und  H.  Preiswerk  (Zeitscbr.  f.  prakt.  Geol.  1904) 
studiert  wurde,  findet  man  sowohl  Diabas,  Diorit  wie  Quarzporphyr  und 

Granit.  Es  läßt  sich  schwer  entscheiden,  wer  eigentlich  in  dieser  Gegend 

der  Erzbringer  gewesen  ist.  Man  findet  Pyrit  als  Gesteinsmineral  haupt- 

sächlich in  Granit  und  Porphyr.  Da  der  Granit  eine  sehr  große  Fläche 
einnimmt,  ist  es  möglich,  daß  seine  thermale  Lösungen  nach  seiner  Er- 
starrung in  die  Schiefer  eingedrungen  und  das  Erz  gebracht  haben.  Merk- 
würdig wäre  dann  immerhin,  daß  die  Erzlinsen  von  Rio  Tinto,  die  horizontal 
weit  vom  Granit  wegliegen,  am  mächtigsten  sind.  Mit  den  norwegischen 
Intrusivlagern  von  Pyrit  etc.  haben  die  Rio  Tinto-Kiese  wenig  Ähnlichkeit. 
Vielmehr  spricht  alles  eher  für  eine  niedrigere  Entstehungstemperatur. 


Notiz  über  kristalline  Schiefer  in  Spanien. 


645 


Schiefer  auf  der  Karte  viel  zu  groß  angegeben.  Man  findet  auf  der 
Strecke  zwischen  Fuentovejuno  und  Penarroyo  aufgeschlossen  nur 
einige  Quarzporphyrhügel  und  erst  am  Fuß  des  Dorfhügels  von 
Fuentovejuno  pegmatitische  und  basische  Injektionen1,  sowie  Linsen 
von  hornblendereichen  parallelstruierten  Schiefern  in  Gesteinen. 

Auf  der  Nordseite  der  Carbonmulde  von  Belmez  ist  auf  der 
Karte  Silur  und  Cambrium  angegeben.  Doch  ist,  wie  die  neuen 
Aufschlüsse  durch  die  Bahnlinie  nach  Alcaracejos  zeigen,  die  Tek- 
tonik sehr  kompliziert  und  die  Auffassung  eines  Teiles  dieser 
Schiefer  als  Cambrium  willkürlich.  Die  Schiefer  sind  hier  als 
wenig  verändert  zu  bezeichnen;  nur  der  Granit  hat  sie  vielfach 
kontaktmetamorph  in  der  bekannten  von  H.  Rosenbusch  beschrie- 
benen Weise  verändert.  — Die  Schiefer,  w'elche  bei  Almaden2 
anstehen  und  die  teilweise  sicher  zum  Silur  gehören,  sind  auch 
da,  wo  die  Zinnober  führenden  Lösungen  sie  nicht  imprägnierten 
(Schwärzung,  die  nach  Ansicht  der  Geologen  von  Almaden  durch 
Kohlenwasserstoffe  bewirkt  ist),  sehr  schwach  regional  metamorph. 

Echte  kristalline  Schiefer  vom  Typus  der  Injektions-Sclnvarz- 
wmldgneise  und  z.  T.  noch  besser  erhalten,  vom  Typus  des  schwe- 
dischen Archäicums,  sind  erst  in  der  Nähe  von  Toledo,  an  dem 
Burghügel  von  San  Cervantes  schön  aufgeschlossen.  Dort  zeigt 
auch  der  Granit,  der  bei  den  gewaltigen  Bauten  von  Toledo  viel 
verwendet  wurde,  eine  basische  und  eine  pegmatitische  Randfacies 
und  Injektionsgrenze.  — Der  freundlichen  Erlaubnis  der  Herren 
der  Comission  del  mapa  geologico  in  Madrid  verdanke  ich  ferner 
die  Möglichkeit,  die  Sammlung  der  Gesteine  in  Madrid  gesehen  zu 
haben.  Echte  kristalline  Schiefer,  wie  wir  sie  in  Mitteleuropa  und 
Nordeuropa  kennen,  sind  nur  in  den  Suiten  der  Provinzen  Segovia, 
Avila  i;nd  Madrid  aus  Gegenden  an  den  Abhängen  der  Sierra 
Guadarrama  und  aus  der  Provinz  Toledo  enthalten.  Aus  der 
Literatur  der  geologischen  Beschreibung  der  Provinz  Madrid  von 

1 Es  ist  zu  bemerken,  daß  die  Differentiation  der  Randfazies  des 
Granits  in  Spanien  häufiger  als  anderwärts  eine  basische  hornblendereiche 
und  eine  saure  pegmatitische  ist. 

2 Die  Direktion  der  Mine  in  Almaden  hat  mir  in  freundlicher 
Weise  den  Zutritt  gestattet.  Man  sieht  die  drei  Zinnobergänge  ziemlich 
scharf  begrenzt.  In  den  Schiefer  sind  die  Lösungen  kaum  eingedrungen 
oder  haben  doch  dort  keinen  Zinnober  abgeschieden.  Im  Quarz  dagegen 
findet  man  Adern  und  kleine  Drusen  mit  schön  kristallisiertem  Zinnober, 
Baryt,  Quarz.  Meiner  Ansicht  nach  hat  der  Zinnober  in  thermaler  Lösung 
längs  der  Spalten  den  Quarz  mehr  oder  minder  vervollständigt  durch 
chemische  Wechselwirkung  verdrängt.  Nach  Angabe  des  Herrn  Direktors 
der  Bergwerkschule  durchsetzt  ein  Porphyrgang  die  Zinnobererzgänge, 
wäre  also  später  als  diese.  Ich  habe  das  allerdings  nicht  klar  sehen  können, 
ob  nicht  eine  Verwerfung  vorliegt;  doch  schien  mir  diese  Deutung  auch 
wahrscheinlich.  — Zinnober  findet  sich  in  der  ganzen  Umgebung  von 
Almaden  auf  viele  Kilometer  weit  als  Imprägnation  der  Quarzite. 


646 


W.  Freudenberg,  Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich 


Cassiano  de  Prado  1 und  aus  dem  Text  zur  geologischen  Karte 
von  Mallada1 2  läßt  sich  über  die  Lagerungs  Verhältnisse  dieser 
echten  kristallinen  Schiefer  wenig  entnehmen. 

Nach  meinen  Beobachtungen  scheint  mir,  obgleich  ich  wegen 
der  großen  tektonischen  Störungen  nirgends  einen  direkten  Beweis 
fand,  wie  man  ihn  z.  B.  für  das  Fichtelgebirge,  das  Sächsische 
Granulitgebirge  etc.  erbringen  kann,  folgendes  wahrscheinlich : Die 
kristallinen  Schiefer  in  Süd-  und  Mittelspanien  sind  von  den  paläo- 
zoischen Schiefern  mefst  nicht  durch  eine  Diskordanz  oder  ein  kla- 
stisches Gestein 3 getrennt ; beide  gehen  vielfach  wohl  allmählich 
ineinander  über.  Die  Aufschmelzungszone  in  Südspanien  war  aber 
jedenfalls  recht  tief  gelegen,  so  daß  Silur  und  stellenweise  auch 
das  allerdings  nur  an  wenigen  Orten  Spaniens  durch  Fossilien 
sichergestellte  Cambrium  fast  unverändert  blieben.  Die  Zeit  der 
Aufschmelzung  ist  sicher  praemesozoisch,  möglicherweise  paläozoisch 
(vom  Silur  bis  Culm) ; wahrscheinlich  schließt  auch  sie  wie  in  Mittel- 
europa mit  der  Intrusion  von  Graniten  ab,  die  sicher  jünger  als 
Alt-Paläozoicum 4 und  vielleicht  älter  als  Trias  5 sind. 


Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  und  die  schwäbische 

Hochterrasse. 

Von  W.  Freudenberg. 

(Schluß.) 

Zur  diluvialen  Wirbeltierfauna  von  Steinheim-Murr  (Ober- 
amt Marbach)  schrieb  mir  Herr  Dr.  Dietrich: 

Neue  bemerkenswerte  Funde  in  Steinheim-Murr  lassen  einige  ergänzende 
Worte  zu  dem  früher  über  die  Steinheimer  Schotterablagerung  Gesagten  gerecht- 
fertigt erscheinen.  Es  fanden  sich  in  ein  und  derselben  Sandgrube  auf  einer 
Fläche  von  ca.  60  m2: 

1.  Ein  völlig  unversehrter  Unterkiefer  von  Elephas  antiquus,  2,5  m unter 
der  Unterkante  des  Lößlehmes,  der  den  Schotter  deckt. 

2.  Ein  bis  auf  den  letzten  Schwanzwirbel  vollständiges  Skelett  von  Boi 
primigenius  (vermutlich  <j>),  das  in  natürlicher,  ruhender  Stellung  3 m 
unter  der  Unterkante  des  Lößlehms  lag. 

1 Cassiano  de  Prado,  Boletin  delmapageolog.  5.  1878  (Karte  von  1864). 

2 L.  Mallada,  Explicacion  mapa  geol.  Espana.  1895.  Bd.  1.  Madrid. 

3 Vergl.  dagegen  das  Profil  von  Macpherson  (wiedergegeben  Hand- 
buch der  regionalen  Geologie.  B.  Doüville.  III.  3.  Espagne.  Heidelberg. 
1911).  Die  Beobachtung  von  Macpherson  würde  zeigen,  daß  im  Süden 
der  Provinz  Sevilla  kristalline  Schiefer  und  Granit  durch  eine  Diskordanz 
vom  Cambrium  getrennt  und  also  älter  als  dieses  sind.  Kristalline  Schiefer 
wie  Granite  können  aus  verschiedenen  geologischen  Zeiten  herstammen, 
und  das  würde  in  keinem  Widerspruch  zur  obigen  Auffassung  stehen. 

4 Z.  B.  Kontakt  bei  Hinojosa  del  Duque  und  bei  Barcelona. 

5 Rio  de  las  Yeguas  bei  Andujar. 


und  die  schwäbische  Hochterrasse. 


647 


3.  Ein  fast  vollständiges  Elefantenskelett,  das  unter  4 — 5 m Schotter  und 
in  der  Wirbelsäule  gestört  gelagert  war.  Die  Störungen  rühren  aber 
sicher  nicht  von  Umlagerungen  des  Schotters  oder  von  Dislokationen 
her.  Das  Skelett  zeichnet  sich  durch  ungemein  hohen  und  schlanken 
Bau  der  Extremitäten  aus  (Femurlänge  141  cm)  und  gehört  in  den 
Formenkreis  des  Elephas  primigenius  trogontherii  Pohl.  Man  wird 
dafür  wegen  der  Eigentümlichkeiten  und  der  Vollständigkeit  zweifellos 
eine  neue  Rassebezeichnung  wählen  müssen. 

Im  Bereich  des  Elefantenskeletts,  das  eine  Fläche  von  25  m2  ein- 
nahm, fanden  sich  ferner: 

4.  Ein  Astragalus  und  ein  Naviculare,  die  ich  zu  E.  antiquus  stelle. 

5.  Zwei  verschiedene  Stoßzahntorsen  von  Elephas  sp. 

6.  Ein  oberer  Molar  von E.  primigenius  trogontherii  Pohl,  (nach  Soergel,  s.  u.) 

7.  Ein  Mandibelzahn  von  Rhinoceros  sp.  [Rh.  Merckii.  Ref.]. 

8.  Ein  Metatarsus  von  Equus  sp.  (groß). 

9.  Ein  Metatarsus  von  Bison  priscus. 

Diese  Knochen  fanden  sich  in  Gesellschaft  mit  vereinzelten  Ge- 
häusen von  Lymnaea  ovata  und  Unio  bat  am?.  Dazu  kommen  aus  der 
dicht  benachbarten  Grube: 

10.  Mehrere  Molaren  von  Elephas  (meridionalis)  trogontherii  Pohl. 

Aus  dem  Lößlehm  im  Hangenden  des  Schotters: 

11.  Ein  oberer  Molar  von  E.  primigeniuz. 

Die  Elefantenmolaren  sind  Gegenstand  einer  umfangreichen  Abhandlung 
des  Herrn  W.  Soergel  in  Freiburg  i.  Br.,  die  in  nächster  Zeit  erscheinen  wird. 
Ohne  den  Resultaten,  zu  denen  Herr  Soergel  kommt,  vorgreifen  zu  wollen, 
möchte  ich  hier  darauf  hinweisen,  daß  das  Zusammenvorkommen  der  genannten 
Reste  in  ein  und  demselben  fluviatilen  Medium  zunächst  ganz  zweifellos  fest- 
steht. Besonders  verdient  der  Erwähnung,  daß  in  Steinheim  erstmals  einwand- 
frei das  Zusammenvorkommen  von  Bos  primigenius  mit  Elephas  antiquus  kon- 
statiert wurde  und  dieser  beiden  mit  den  Trogontherii- Elefanten.  Wie  mir 
Herr  Soergel  mitteilt,  kommen  E.  meridionalis  trogontherii  und  E.  primi- 
genius trogontherii  auch  in  Süßenborn  zusammen  vor,  ohne  daß  Niveauunter- 
schiede in  den  Fundstellen  definitiv  nachgewiesen  sind.  Die  Lösung  dieser 
E.  trogontherii- Frage  wird  Herr  Soergel  in  seiner  Arbeit  unternehmen.  Auch 
für  Steinheim  erhebt  sich  die  Frage,  ob  dieses  Zusammenvorkommen  nun  auch 
wirklich  Gleichzeitigkeit  bezw.  Gleichalterigkeit  der  Fauna  und  der  Schotter 
bedingt.  Besteht  die  Ablagerung  trotz  ihrem  einheitlichen  Gepräge  aus  ver- 
schieden alten  Schotterpartien?  Es  ist  bisher  nicht  gelungen,  die  faunistischen 
und  phylogenetischen  Besonderheiten,  ja  Widersprüche,  die  Steinheim  abseits 
von  allen  anderen  diluvialen  Fundstätten  rücken,  aus  der  stratigraphischen 
Entwicklung  der  Schotter  aufzuklären.  Am  Rande  der  Ablagerung  deuten 
nach  dem  heutigen  Tal  hin  einfallende  Schotterbänke,  worauf  Herr  Soergel 
aufmerksam  machte,  auf  Anlagerung  bezw.  Umlagerung  oder  Verschüttung 
jüngerer  Schotter  hin.  Unter  den  Aufsammlungen,  die  bei  Eröffnung  der 
Gruben  im  Jahre  1893  und  im  folgenden  gemacht  wurden,  befinden  sich  im 
K.  Naturalienkabinett  Molaren,  die  nach  Soergel  zum  E.  primigenius- Typus 


648  W.  Freudenberg,  Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich 

gehören.  Diese  Zähne  stammen  sicher  aus  dem  Schotter  der  höchstgelegenen 
Gruben,  aus  welchen  Partien  ist  nicht  mehr  feststellbar.  Das  Vorhandensein 
jüngerer  Schotter  soll  also  nicht  geleugnet  werden.  Was  aber  seit  1909  an 
Knochen  zutage  gefördert  wurde,  stammt  aus  Schottermassen,  die  irgendwelche 
nachträgliche  Verschüttung  oder  Dislokation  sicher  niemals  erfahren  haben. 
Ich  habe  auch  für  eine  Einlagerung  eines  jüngeren  Schotters  in  einen  älteren 
in  den  heutigen  Gruben  keine  Anhaltspunkte  finden  können.  Starke  Schräg- 
schiclitung,  unruhiger  Wechsel  von  Schotter-  und  Sandmassen  (bei  gleich- 
bleibendem Material)  charakterisieren  die  tieferen  und  mittleren  Partien  der 
Terrasse.  Nach  oben  stellt  sich  ruhigere  Sedimentation  ein,  mit  gelegentlichen 
Übergriffen  der  ersteren.  Darauf  legen  sich  bunte  Kiesbänkchen  mit  viel 
Keupermergelmaterial,  die  weit  zu  verfolgen  sind ; es  folgen  an-  und  abschwellende 
graue  lettige  Sande  bezw.  grauer  Ton,  der  Absatz  von  Schlammgewässer  in 
einem  weiten  Wasserbecken.  Dann  stellt  sich  noch  ein  feiner  roter  Sand  ein, 
der  streifig  und  wolkig  die  basalen  Partien  des  Lößlehms  durchzieht,  so  daß 
die  Grenze  zwischen  Sand  und  Lehm  unscharf  ist.  So  stellen  sich  die  Prolile 
zurzeit  dar.  Es  ist  möglich,  daß  sie,  in  dem  Maße  wie  die  Gruben  tiefer  berg- 
wärts vorrücken,  Aufschluß  geben  werden  über  den  komplizierten  Gang  von 
Akkumulation  und  Erosion,  der  hier  stattgefunden  hat,  so  daß  sich  vielleicht 
die  bis  jetzt  noch  unentwirrbare  Verquickung  von  verschiedenalterigen  Schottern 
tatsächlich  feststellen  läßt.“ 

Lim  meine  Ansicht  über  das  Alter  der  Schotter  von  Steinheim  zusammen- 
zufassen, behaupte  ich,  daß  der  Beginn  der  Steinheimer  Schotterbildung  in 
einer  Zeit  nach  Ablagerung  der  Neckarschotter  von  Mauer  ( Etruscus-Stuie ) 
erfolgt  ist  und  trotz  einiger  Molaren  von  Elephas  (meridionalis)  Tro- 
gontherii,  die  auf  gelegentliche  südöstliche  Einwanderer  deuten,  nicht  vom 
ersten  Interglazial  datiert,  wie  Soergel  und  ich  das  früher  annahmen.  Die 
Kasse  des  E.  primigenius  Trogontherii  erscheint  Ende  der  Mindeleiszeit  in 
Süddeutschland,  hat  aber  sichere  Vorläufer  schon  im  Elefant  bed  der  Cromer- 
Forest  bed-Serie.  Die  Folgezeit1  ist  weniger  kontinental.  E.  anliquus  wandert 
wieder  ein  — mittlere  Schotterpartien  — , daneben  Rhinoceros  Merckii  und  ein 
mittelgroßes  Equus  cf.  germanicus  ■ — W.  Soergel’s  jüngere  Form.  Das  ist 
die  erste  Zeit  des  Auftretens  der  MercLü-Fauna  in  Süddeutschland.  Die  Fauna 
wird  universell;  sie  erscheint  in  Frankenbach,  im  Heppenloch,  in  Lauffen  a,  N., 
ferner2  in  Achenheim  bei  Straßburg,  in  tiefen  Lehmzonen  des  älteren  Löß,  und 
in  Weinheim  a,  d.  Bergstraße,  unter  gleichen  Verhältnissen.  Diese  warme 
Zeit  geht  allmählich,  durch  Hebung  der  europäischen  Gebirge,  in  eine  Zeit  mit 
feuchtem,  kühlem  Klima  über  (Riß  I).  Es  fangen  die  nordischen  Gletscher  an, 
ihren  größten  Stand  zu  erreichen.  Wieder  erscheint  Elephas  primigenius  in 

1 Das  Mindel-Riß  I Interglazial. 

2 Das  Rhinoceros  Mercki  var.  hrachycephala  Schröder  ist  vielleicht  der 
Ahne  der  Achenheimer  Mercki- Form  (aus  älterem  Löß),  es  lebte  in  Mosbach 
wohl  gleichzeitig  mit  Elephas  primigenius  Fraasi  und  einem  sehr  großen 
glazialen  Elaphinen.  Die  große  Edelhirschrasse  ist  für  die  Zeit  des  E.  primi- 
genius Fraasi  besonders  wichtig.  Bei  Bammenthal  (Mauer)  erscheint  sie  in 
der  hängendsten  Tonbank  über  den  höchsten  EfrascMS-Schottern. 


und  die  schwäbische  Hochterrasse. 


649 


Steinheim  und  Murr,  unten  vergesellschaftet  mit  Rhinoceros  hemitoechus1,  ein 
an  kaltes  Klima  gewöhntes  Rh.  Merckii  von  tichorhinus-lihnlichem  Habitus, 
oben  mit  Rh.  tichorhinus  vergesellschaftet,  besonders  während  des  Kältesturzes 
im  Gefolge  der  Riß  I-Periode.  Die  nächste  Phase  ist  die  Taubach-La  Mi- 
coque-Zeit. 

In  Steinheim,  wie  im  ganzen  deutschen  Zwischengebiet,  die  alpinen 
Gletscher  im  Süden,  die  skandinavischen  im  Norden,  erscheint  Elephas  anti- 
quus  von  neuem,  zugleich  zum  letzten  Male.  Der  erneute  Kältesturz  führt 
nur  noch  Primigenius- Fauna  ins  Murrtal,  die  auch  bei  Steinheim  im  Lößlehm 
(nach  Dietrich)  gefunden  wird.  So  bleibt  es  während  der  Riß  II-  und 
Würm-Periode. 

Im  zweiten  Teil  der  Arbeit  behandelt  Verf.  die  osteologischen  Besonder- 
heiten des  Elephas  primigenius  Fraasi. 

Die  Körpergröße  übertrifft  alle  anderen  lebenden  und  fossilen  Elefanten. 
Nur  der  E.  Imperator  Nordamerikas  wurde  etwa  ebenso  hoch  (4  m).  Die  Ab- 
messungen des  Stuttgarter  Skelettes  sind : Vom  Scheitel  bis  zur  Sohle  mindestens 
4 m,  Rückenhöhe  über  dem  Schulterblatt  3,7  m,  desgleichen  an  der  Kruppe 
ca.  3,5  m,  Länge  von  den  Stoßzahnspitzen  bis  zum  ersten  Schwanzwirbel  5,1  m. 
Das  Skelett  überrascht  durch  die  Höhe  seiner  Gliedmaßen,  die  nicht  einmal, 
wie  sonst  häufig,  senkrecht  gestellt  wurden,  sondern  in  leicht  gebogenem  Zu- 
stande das  Bild  eines  gemächlich  vorwärtsschreitenden  alten  Bullen  geben. 
Der  Schädel  zeigt  einige  altertümliche  Merkmale,  die  im  Zusammenhang 
stehen  mit  relativ  kurzen,  gedrungenen  Incisoren.  Hierdurch  wird  eine  gewisse 
Erinnerung  an  den  E.  meridionalis  und  an  Mastodon  wachgerufen. 

„Er  ist  noch  nicht  so  extrem  entwickelt  und  weist  noch  nicht  jene  Auf- 
türmung zum  Spitzschädel  der  sibirischen  spiralstoßzahnigen  oder  der  ungari- 
schen Alföld-Rasse  auf:  er  ist  fast  so  breit  wie  hoch.“  Besonders  interessant 
ist  auch  die  Verschiedenheit  von  dem  Hford-Mammut,  welchen  Leith  Adams 
— British  Fossil  Elefants  PI.  VI  — abbildet.  In  beiden  Schädeln  ist  M3  allein 
noch  in  Funktion.  Während  er  dort  durch  die  gewaltigen  Incisiven  geradezu 
in  einen  Hebeapparat  mit  breiter  konvexer  Hinterseite  und  gebuckelter  Stirn, 
gewaltigen  Muskelwülsten  im  Scliläfenfeld  für  einen  hohen  Unterkiefer,  um- 
geformt ist,  so  hat  die  Deformation  an  dem  Steinheimer  Schädel  noch  lange 
nicht  dies  Ausmaß  erreicht.  Die  Punkte  des  Schädelprofils:  Apex,  Processus 
nasales,  Alveolenvorderende  hegen  bei  E primigenius  Fraasi  fast  in  einer  Ebene, 
während  sonst  der  pränasale  Teil  des  Gesichtsschädels  zur  Stirnfläche  mehr 
oder  weniger  stark  abgeknickt  ist.  Dementsprechend  kann  auch  der  Unter- 
kiefer noch  nicht  die  abgestutzte  Symphyse  und  weiterhin  die  Verkürzung 
und  bedeutende  Höhe  der  Kieferäste  besessen  haben,  wie  es  z.  B'.  ein  Unter- 
kiefer von  Rixdorf  zeigt2. 

Die  Stoßzähne  sind  in  situ  erhalten.  Im  Pulpateil  liegt  der  größte 

1 Auf  das  Vorkommen  dieser  Form  im  Kalktuff  von  Cannstatt  machte 
mich  Herr  Prof.  Wüst  vor  einigen  Jahren  aufmerksam. 

- Den  ausführlichen  Vergleich  des  E.  primigenius  Fraasi  mit  E.  primi- 
genius Typus  (Borna)  hat  J.  Felix  geführt.  Vergl.  das  Referat  im  N.  Jahrb. 
f.  Min.  etc. 


650  W.  Fleudenberg,  Elephas  pi-imigenius  Fraasi  Dietrich 

Durchmesser  nicht  parallel  zur  Sagittalebene,  sondern  von  außen  oben  nach 
innen  unten.  Die  Spitzen  zeigen  keine  bestimmt  gelagerten  Schlifflächen, 
sondern  eine  gleichmäßige  Abnützung.  Wie  diese  Abnützung  geschah,  weiß 
Verf.  nicht  anzugeben;  sicher  ist,  daß  sie  intensiv  gewesen  sein  muß,  die  Zähne 
sind,  verglichen  mit  anderen  gleich  starken,  um  mindestens  die  Hälfte  ihrer 
jetzigen  Länge  abgearbeitet.  Die  Bullen  gebrauchten  ihre  Zähne  stärker  als 
die  Weibchen,  bei  denen  die  Stoßzähne,  besonders  bei  den  jungdiluvialen  Tieren, 
„ins  Unsinnige“  wuchsen.  Aber  junge  Sibirier  hatten  gelegentlich  genau  die- 
selbe Zahnstellung  und  relative  Länge  wie  das  alte  Tier  von  Steinheim.  Das 
stimmt  mit  dem  biogenetischen  Grundgesetz. 

„Da  die  Krümm ungs Verhältnisse  der  Stoßzähne  bei  den  Elefanten  im 
allgemeinen  und  bei  den  Mammuten  im  besonderen  nach  Alter,  Geschlecht 
und  Herkunft  schwankend  sind,  so  läßt  sich  daran  die  Fraasi- Rasse  als  geo- 
graphische Rasse  nicht  durch  ein  ihr  eigentümliches  Merkmal  charakterisieren. 
Als  Mutation  gewertet  zeigt  sie  sich  dagegen  in  den  Stoßzähnen  (auch  in  den 
Backenzähnen)  deutlich  als  eine  frühe  Mammutform.  Demi  imgezwungen 
lassen  sich  die  Elefantenstoßzähne  in  eine  phvletische  Reihe  gruppieren,  die 
mit  flach  geschwungenen,  wenig  einwärts  gedrehten  Formen  beginnt  (E  meri- 
dionalis  N estj ) und  mit  fast  korkzieherartigen  endigt  (E.  primigenius  sibiricus 
Blainville).  Von  den  schwäbischen  Primigen fus-Stoßzähnen  läßt  sich  im 
großen  ganzen  sagen,  daß  sie  den  spiraligen  Krümmungsgrad  der  sibirischen 
noch  nicht  erreicht  haben.“  In  Textfig.  9 bildet  Verf.  einen  1881  von  0.  Fraas 
in  Stuttgart  ausgegrabenen  Stoßzahn  ab,  der  extrem  nach  unten  gewachsen 
ist  und  „eine  volle  Umdrehung  um  sich  selbst“  ausführt.  Die  Spitze  neigt 
nicht  nur  einwärts,  sondern  dreht  sich  wieder  nach  außen  mit  ilirem  äußersten 
Ende.  Das  Merkmal  der  Pulpaachsenstellung  ermöglicht  es  dem  Verf.,  die 
PFiTZENMEYER  sche  Aufstellung  des  Mammutstoßzahns  zu  korrigieren. 

Die  Backenzähne  sind  auf  den  beiderseitig  erhaltenen  M3  beschränkt. 

Die  Cementintervalle  sind  fast  bis  aufs  Niveau  des  Dentins  der  Schmelz- 
büchsen erniedrigt,  was  nach  Verf.  auf  eine  weiche  Äsung  hindeutet,  aber  auch 
eine  nachträgliche  Abätzung  des  Cements  durch  C Oä-haltiges  Wasser  als 
Ursache  haben  kann.  Auch  die  Zähne  des  Rhinoceros  hemitoechus  Falconek 
von  Murr  haben  stark  korrodierten  Gement  an  ihren  Flanken. 

Der  M3  zeigt  X 22  X in  27  cm  Länge,  22  cm  Höhe,  10,4  cm  Breite.  Die 
Formel  lehrt,  daß  er  bereits  zum  Formenkreis  des  E.  primigenius  gehört. 
Ordnet  man  die  Primigenius- Molaren  nach  ihr  in  eine  aufsteigende  Reihe,  so 
kommen  die  Fraasi- Zähne  an  die  Basis;  am  oberen  Ende  stehen  die  „Lößmolaren" 
E.  primigenius  Typus  (mit  X 24—26  X in  26—28  cm  Länge).  Ist  bei  diesen 
der  Schmelz  sehr  dünn,  und  sind  die  Schmelzbüchsen  sehr  eng  und  engstehend, 
so  ist  bei  jenen  der  Schmelz  stärker,  die  Lamellen  sind  weiter  und  weiter  von- 
einander abstehend;  daher  sind  es  dort  der  Zahl  nach  mehr,  hier  weniger. 
Zwischen  den  beiden  angegebenen  Werten  erhalten  sich  natürlich  Mittelwerte; 
so  besitzt  z.  B.  ein  M3  (r.)  aus  den  oberen  Lagen  des  Steinheimer  Schotters 
— 23  X in  26  : 17  : 10  und  diesen  Stand  haben  auch  die  großen  Molaren  aus 
dem  „Stuttgarter  Diluvium“  und  dem  Mammutlehm. 

Die  Wirbelsäule  ist  zu  kurz  geraten,  da  bei  der  Montierung  3 statt  5 Lenden- 


und  die  schwäbische  Hochterrasse. 


651 


wirbel  angenommen  wurden.  Vorhanden  ist  nur  der  7 — 19  Rumpf-  und  alle 
4 Sakralwirbel,  alles  Übrige  fehlt.  Trotz  dieses  Fehlers,  einer  um  2 Wirbel  zu 
kurzen  Säule,  läßt  sich  feststellen,  daß  das  Steinheimer  Mammut  in  der  Rücken- 
linie weder  dem  indischen  noch  dem  afrikanischen  Elefanten  gleich  war;  sein 
Rücken  senkte  sich  vielmehr  vom  höchsten  Punkte  über  der  Schulter  gleich- 
mäßig bis  ans  Ende  ab.  Das  Schulterblatt  bietet  nichts  Besonderes,  es  ist 
wie  das  sibirische  von  der  breiten  Indicus-Form,  während  das  M/ricanns-Schulter- 
blatt  primitiver,  langgestreckter  ist.  Der  Humerus  ist  127  cm  lang  während 
Elephas  antiquus  135  (Paris) — 140  (Taubach)  cm  hier  mißt.“ 

Ulna  und  Radius  bieten  keine  Besonderheiten  außer  ihrer  Stärke  und 
ihren  scharfen  Kanten. 

Die  Hand  ist  äußerst  vollständig  und  vom  sibirischen  Mammut  ver- 
schieden in  der  größeren  Vollständigkeit  der  Zehen  und  der  mehr  serialen  An- 
ordnung. „Skaphoid  und  Cuneiforme  sind  von  der  Artikulation  mit  dem 
Magnum  ausgeschlossen.  Die  Carpalia  der  Außenseite  liegen  streng  serial 
übereinander,  die  der  Innenseite  aserial,  wobei  das  Lunare  nur  in  ganz  geringem 
Maß  das  Trapezoid  überlagert.  Dieses  wird  zum  größten  Teil  vom  Skaphoid 
überdeckt.  Die  Carpalia  des  ersten  und  zweiten  Strahls  sind  klein  und  kom- 
primiert gegen  die  großen  und  breiten  des  3. — 5.  Strahls;  sie  erscheinen  durch 
Expansion  der  letzteren  reduziert  und  medianwärts  gedrängt,  das  Trapezium 
in  die  Reihe  der  Metacarpalien  hinein,  das  Skaphoid  radialwärts;  dement- 
sprechend ist  auch  der  Daumen  reduziert. 

Nur  das  Trapezoid  hat  seinen  Platz  einigermaßen  behauptet;  es  artikuliert 
mit  dem  Magnum  vorn  mit  einer  stark  konvexen  Fläche.  Die  Anordnung 
der  proximalen  Reihe  ist  gelockert  gegen  die  zyklopenmauersteinähnlich  an- 
einandergefügten Knochen  der  distalen  Reihe.“ 

Die  Handwurzel  des  Beresowka-Mammuts  erscheint  gegenüber  dem 
geologisch  älteren  Elephas  primigenius  Fraasi  auffallend  primitiv,  da  der  Sibirier 
alternierende  Capalia  besitzt,  was  „bei  allen  fossilen  Elefanten  wahrscheinlich, 
bei  den  Mastodonten  und  ihren  Vorläufern  sicher  ist“. 

Die  Phalangenformel  des  Steinheimer  Mammuts  lautet:  12  2(3)  22.  Es 
handelt  sich  also  um  ein  fünfzehiges  Tier,  wie  es  der  indische  und  afrikanische 
Elefant  ist.  Hingegen  ist  nach  S alensky,  der  7 Vorder-  und  Hinterfüße  daraufhin 
untersucht  hat,  das  sibirische  Mammut  tetradaktyl,  der  Daumen  und  die  große 
Zehe  sind  aller  Phalangen  verlustig  gegangen,  nur  der  mittlere  Strahl  ist  voll 
entwickelt,  am  zweiten  und  vierten  beschränkt  sich  die  Reduktion  auf  den 
Hinterfuß,  der  fünfte  ist  vorn  und  hinten  auf  2 Glieder  reduziert.  Die 
Phalangenzahl  eines  erwachsenen  sibirischen  Mammuts  ist  somit  an  der  Hand: 
03332,  am  Fuß:  02322. 

Numerisch  gewertet  hat  das  sibirische  Mammut  zweifellos  ein  progressiveres 
Stadium  erreicht  als  das  Steinheimer,  was  mit  den  geologischen  Alters- 
beziehungen gut  im  Einklang  steht. 

Ob  auch  funktionell  ein  Fortschritt  besteht,  das  ist  besonders  auch  im 
Hinblick  auf  das  exzeptionelle  Verhalten  des  Carpus  an  dem  Beresowka-Mammut 
nicht  ohne  weiteres  einleuchtend.  Hier  sind  auch  die  Hufe  von  Bedeutung, 
und  deren  Zahl  ist  jedenfalls  bei  den  pentadaktylen  Elefanten,  z.  B.  beim  afri- 


652 


CI.  Leidhold. 


kanischen,  stärker  reduziert  als  bei  dem  nordischen  Mammut.  Nach  der  Auf- 
fassung von  Salensky  handelt  es  sich  um  adaptive  Reduktion ; wäre  das  richtig, 
dann  könnte  das  sibirische  Mammut  nicht  von  solchen  älteren  Formen  ab- 
stammen, die  schon  wie  unsere  vorliegende  nahezu  taxeopod  sind. 

Als  Resultat  ergibt  sich,  daß  die  Hand  des  Elephas  primigenius  Fraasi 
einen  modernen  Typ  einer  Proboscidierhand  darsteUt.“ 

Das  Becken  zeigt  das  Rium  ventralwärts  nicht  in  den  spitzen  Knorren 
der  rezenten  Elefantenbecken  ausgezogen,  sondern  die  Spina  anterior  ist  stumpf, 
wie  es  Pohi.ig  auch  von  E.  primigenius  in  Darmstadt  angibt. 

Das  Femur  übertrifft  alle  bekannten  Mammutfemora  an  Länge.  E.  anti- 
quus  marschiert  an  der  Spitze  mit  150  cm.  Die  nächstgrößten  zwischen  140 
und  150.  Dinotherium,  Mastodon  longirostris  und  .1/.  arvemensis,  Elephas  meri- 
dionalis,  E.  trogontherii , E.  imperator  mul  von  Mammuten  die  ungarische  Theiss- 
und  die  schwäbische  Fraasi- Rasse.  E.  primigenius  Sibiriae  und  die  mitteldeutschen 
Löß-Mammute  haben  nur  130  (130,  119,  104). 

Tibia  und  Fibula,  namentlich  erstere  ist  ein  sehr  gedrungener,  stämmiger 
Knochen  [nach  dem  Reciprocitätsgesetz  von  Cuvier.  Ref.]. 

Wichtig  ist  das  über  die  Markhöhlen  Gesagte:  „Die  Ausbildung  von  großen 
Markräumen  ist  für  holocäne  Säuger  charakteristisch;  sie  ist  bei  den  rezenten 
Proboscidiern  ausgesprochener  als  bei  den  diluvialen.  Bei  den  tertiären  Dino- 
ceraten  sind  nach  Zittel  sämtliche  Skelettknochen  massiv.“ 

Im  Tarsus  ergeben  sich  gegen  E.  africanus  und  indicus  keine  nennens- 
werten Unterschiede;  die  Anordnung  der  Tarsalknochen  ist  die  eines  rezenten 
Proboscidierfußes.  Abweichend  verhält  sich  Cuneiforme  III,  das  viel  schmaler 
als  bei  E.  africanus  ist;  die  Facette  für-  Metatarsale  IV  ist  sehr  klein,  so  daß 
Metatarsale  IV  so  gut  wie  ganz  auf  das  Cuboid  beschränkt  ist.  Maße  sind 
jeweils  beigegeben  und  einige  Textfiguren  nebst  Taf.  I und  II. 

Den  Schluß  bildet  die  folgende  Diagnose:  „Große,  hochbeinige,  fünfzehige 
Mammutrasse  mit  kurzem  und  schlankem  Rumpf.  Im  Schädel  und  den  Molaren 
mit  primitiven  Merkmalen.  Schädel  verhältnismäßig  niedrig,  Molaren  weit- 
lamelliger  als  bei  den  jüngsten  Mammuten.  Carpus  und  Tarsus  hochentwickelt, 
der  erste  außen  rein  serial,  innen  nahezu  serial.  Die  Männchen  gehören  zu  den 
Riesenformen;  sie  tragen  starke,  gebogene,  aber  nur  wenig  spiralgedrehte 
Stoßzähne,  deren  Wachstum  einer  Hemmung  unterhegt.  Die  Stoßzähne  werden 
gebraucht.“ 


Ueber  ein  Vorkommen  von  Fossilien  in  den  Hunsrück- 
schiefern der  Gegend  nördlich  von  Oberstein. 

Von  CI.  Leidhold  in  Straßburg  i.  E.  » 

Vor  einiger  Zeit  erhielt  das  geologische  Institut  der  Universität 
Straßbnrg  durch  Vermittlung  von  Herrn  Prof.  Holzapfel  eine 
Reihe  Versteinerungen  aus  dem  Hunsrückschiefer  der  Gegend 
nördlich  von  Oberstein  a.  d.  Nahe,  die  von  Herrn  Postverwalter 
Rkichakdt  in  Herrstein  gesammelt  waren.  Bekanntlich  sind 
Fossilien  im  Hunsrückschiefer  relativ  selten ; außer  Seesternen, 


lieber  ein  Vorkommen  von  Fossilien  etc. 


653 


Trilobiten,  dünnschaligen  Lamellibrancliiaten  und  einigen  Brachio- 
poden  ist  nicht  viel  aus  dem  Hunsrück  bekannt  geworden.  Auch 
bei  den  Kartierungsarbeiten  von  Grebe  und  Leppla  in  dem  ge- 
nannten Gebiet  wurden  nur  vereinzelt  andere  Versteinerungen  wie 
Brachiopoden-  und  Crinoidenreste  gefunden.  Am  Mittelrhein  sind 
in  den  letzten  Jahren  Brachiopoden-  und  Zweischalerbänke  in  den 
Hunsrückschiefern  durch  A.  Fuchs  1 nachgewiesen  und  zur  Gliederung 
der  Hunsrückschiefer  in  der  dortigen  Gegend  verwertet  worden. 

Bei  der  vorliegenden  Fauna  handelt  es  sich  um  eine  typische 
Brachiopodenfauna,  die  unvermittelt  in  den  Hunsrückschiefern  auf- 
tritt.  Die  genaue  Fundstelle  liegt  nordöstlich  von  Mörscheid1 2  auf 
dem  linken  Ufer  des  Fischbaches  etwa  60  m über  der  Talsohle ; 
150  m weiter  südlich  werden  in  einem  Schieferbruch,  der  auch 
auf  der  Karte  eingezeichnet  ist,  nach  Norden  einfallende  Dach- 
schiefer gewonnen,  in  denen  Reste  von  Seesternen  gefunden  wurden. 
Nach  Nordwesten  stehen  ebenfalls  Dachschiefer  an  auf  dem  linken 
Ufer  des  Fischbaches;  die  Schichten  fallen  an  dieser  Stelle  nach 
Süden  ein.  Westlich  von  Mörscheid  tritt  in  der  Mörscheider  Burr 
der  Taunusquarzit  heraus,  der  gelegentlich  Versteinerungen  führt. 

Im  petrographischen  Habitus  gleichen  die  fossilführenden 
Hunsrückschiefer  von  Mörscheid  den  grauen,  seidenglänzenden, 
dünnschieferigen  Tonschiefern,  wie  man  sie  sonst  im  Hunsrück 
antrifft.  Manche  Stücke  zeigen  mehr  phyllitisches  Aussehen : echte 
Grauwacken  und  Grauwackenschiefer  sind  ebenfalls  vorhanden. 
Bei  der  Verwitterung  nehmen  die  Schichten  infolge  Oxydation 
rostbraune  Farbe  an.  Die  Versteinerungen  sind  meist  stark  ver- 
drückt und  fast  ausschließlich  als  Steinkerne  erhalten.  Nur  an 
einem  Stück  konnte  ich  Reste  der  Schale  beobachten.  Ich  konnte 
hauptsächlich  folgende  Formen  feststellen: 

Homalonotus  cf.  planus  Sandb.  Chonetes  sarcinulata  Schl. 

Orthoceras  sp. 


Spirifer  primaevus  Stein. 

— parvejugatus  Maur.3 

— hystericus  Schloth. 

— excavatus  Kats. 

— Hercyniae  Gieb. 

— cf.  arduennensis  Stein. 
Stropheodonta  cf.  gigas  M’Coy. 
Leptagonia  rhomboidales  Wahl. 


— dilatata  F.  Roem. 

— plebeja  Schnur. 

Meganteris  Archiaci  Suess. 
HhynchoneUa  sp.  cf.  daleidensis 

F.  Roem. 

Pleurodictyum  cf.  Petrii  Mahr. 

— problematicum  Goldf. 
Zaphrentis  sp. 

Crinoidea  indeterm. 


1 A.  Fuchs,  Die  Stratigraphie  des  Hunsrückschiefers  und  der  Unter- 
coblenzschichten  am  Mittelrhein  etc.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Gesellschaft. 
1907.  Heft  1.  p.  96  ff. 

2 Blatt  Oberstein  d.  geol.  Spezialaufnahme  von  Preußen.  Geognostisch 
bearbeitet  durch  A.  Leppla  1891 — 1894. 

3 Auf  die  Selbständigkeit  dieser  Art  hat  A.  Fuchs  hingewiesen.  Fauna, 
der  Remscheider  Schichten.  Abh  d.  preuß.  geol.  Landesanst.  N.  F.  58.  p.  66. 


654 


CI.  Leidhold, 


Sowohl  an  Zahl  der  Arten  als  auch  der  Individuen  über- 
wiegen die  Brachiopoden  weitaus  vor  den  anderen  Formen.  Häufig 
sind  Beste  von  Crinoiden.  Zweischaler  konnte  ich  nicht  beobachten. 
Die  Fauna  ist  also  zweifelsohne  eine  ausgesprochene  Brachiopoden- 
fauna.  Die  Paläoconchenfazies  der  Hunsrückschiefer  mit  den  See- 
sternen, wie  wir  sie  in  dem  Schieferbruch  weiter  südlich  am 
Fischbach  vorfinden,  ist  verschwunden  und  hat  der  Brachiopoden- 
fazies  mit  Spiriferen  und  Choneten  Platz  gemacht.  Für  die  strati- 
graphisclie  Stellung  der  Fauna  von  Mörscheid  ist  von  Wichtigkeit 
das  Vorkommen  von  Spirifer  primaevus,  Sp.  hystericus,  Sp.  excavatas. 
Es  sind  dies  leitende  Formen  der  Siegener  Stufe.  Mit  diesen  Formen 
zusammen  tritt  Sp.  Hercyniae  Dieb.  auf.  Diese  Art  ist  im  allge- 
meinen auf  die  Unteren  Coblenzschichten  beschränkt.  Indessen 
kommt  nach  Angaben  von  A.  Fuchs  Sp.  Hercyniae  am  Mittelrhein 
bereits  in  den  Hunsrückschiefern  vor.  Es  mag  auch  erwähnt  sein, 
daß  nach  E.  Maillieux  *,  der  die  Spiriferen  Belgiens  einer  er- 
neuten kritischen  Untersuchung  unterzogen  hat,  Sp.  Hercyniae  oder 
Sp.  paradoxus  var.  Hercyniae , wie  Maillieux  die  Form  aufgefaßt 
wissen  möchte,  bereits  im  Hunsruckien  (unseren  Hunsrückschiefern) 
gelegentlich  gefunden  worden  ist.  Von  negativen  Merkmalen,  auf 
die  ich  indessen  nicht  allzu  großen  Wert  legen  möchte,  sei  auf 
das  völlige  Fehlen  von  Rensellaerieu  bei  der  kleinen  Mörscheider 
Fauna  hingewiesen.  Pleurodictyum  problematicum  Golde,  ist  relativ 
häufig  vertreten  und  unterscheidet  sich  in  nichts  von  den  Unter- 
coblenz-Formen  im  Rheinischen  Gebirge.  Nach  ihrem  fossilen 
Inhalt  dürften  also  die  Mörscheider  Schichten  an  die  obere  Grenze 
der  „Stufe  des  Spirifer  primaevus  Stein“  zu  setzen  sein. 

Aus  dem  Mittelrheingebiet  sind  in  letzter  Zeit  über  die 
Gliederung  und  den  fossilen  Inhalt  der  Hunsrückschiefer  ein- 
gehende Untersuchungen  von  A.  Fuchs  angestellt,  die  gezeigt 
haben,  daß  eine  beträchtliche  Anzahl  Formen,  die  nur  aus  den 
Unteren  Coblenzschichten  bekannt  waren , auch  tiefer  in  die 
Hunsrückschiefer  hinuntergehen.  Später1 2  hat  der  genannte  Autor 
seine  Angaben  noch  genauer  präzisiert  und  sich  dahin  ausge- 
sprochen, „daß  es  bisher  nirgends  gelungen  sei,  auch  nur  ein 
einziges  der  bezeichnenden  Siegener  Fossilien  im  Hunsrückschiefer 
wiederzufinden.“  Demgemäß  wird  als  wirkliches  faunistisches 
Äquivalent  der  Siegener  Stufe  nur  der  Taunusquarzit  angesehen, 
während  die  „Äquivalenz  der  Hunsrückschiefer  mit  irgend  einem 
Teil  der  Siegener  Schichten“  geleugnet  wird.  A.  Fuchs  hat  zwar 
ursprünglich  auch  echte  Siegener  Formen  aus  dem  Hunsrückschiefer 

1 Contribution  ä l'Etude  de  la  faune  du  Devonien  de  Belgique. 
Premiöre  Note  sur  les  spiriferes.  Bull,  de  la  soc.  Beige  de  Geologie. 
23.  p.  823—376. 

2 Über  eine  Untercoblenzfauna  bei  Daaden  und  ihre  Beziehungen 
zu  einigen  rheinischen  Unterdevonstufen.  Dies.  Centralbl.  1911.  p.  705 — 717. 


Ueber  ein  Vorkommen  von  Fossilien  etc. 


655 


aufgezählt,  seine  Angaben  aber  später  dahin  geändert,  daß  es 
sich  um  neue  Arten  handeln  soll.  Leider  vermißt  man  von  den 
verschiedenen  neuen  Formen,  die  in  den  einzelnen  Arbeiten  an- 
gegeben werden,  eingehende  Beschreibungen  und  Abbildungen. 
Wenn  nun  auch  die  Angaben  von  A.  Fuchs  über  die  faunistische 
Stellung  der  Hunsrückschiefer  in  dem  von  ihm  untersuchten  Gebiet 
zutreffend  sein  dürften,  so  möchte  ich  doch  für  die  Fauna  von 
Mörscheid  im  Hunsrück  einstweilen  an  der  Stellung  der 
Hunsrückschiefer  als  Äquivalent  der  oberen  Siegener 
Stufe  fest  halten. 

Zu  derselben  Auffassung  gelangt  man,  wenn  man  die  Äqui- 
valente der  Hunsrückschiefer  im  belgischen  Unterdevongebiet  in 
Betracht  zieht.  Die  paläontologisch-stratigraphischen  Unter- 
suchungen im  Unterdevon  Belgiens,  wie  sie  in  den  letzten  Jahren 
besonders  von  E.  Maillieux  angestellt  sind  ',  haben  gezeigt,  daß 
die  zwischen  dem  Gres  d’Anor  (=  Taunusquarzit)  und  dem  Gres 
de  Vireux  oder  Almen  (=  Untere  Coblenzschichten)  gelegenen 
versteinerungsreichen  Schichten,  die  sogen.  Assise  d'Houffalize 1  2 oder 
das  Hunsruckien  (also  das  Äquivalent  unserer  Hunsrückschiefer) 
faunistisch  ebenfalls  der  Stufe  des  Sp.  primaevus  angehören  In 
dem  bekannten  Devon-Profil  von  Couvin  z.  B.  sind  die  Verhält- 
nisse besonders  gut  zu  beobachten 3,  da  hier  die  ganze  Schichten- 
folge vom  Gres  d’Anor  an  sehr  reich  an  Fossilien  ist.  Während 
das  „ Hunsruckien“  in  seiner  unteren  Abteilung  (Sg  2a  bei 
Maillieux)  ausschließlich  Arten  der  Siegener  Stufe  führt,  stellen 
sich  in  der  oberen  Hälfte  (Sg  2 b)  auch  bereits  Formen  der  Unteren 
Coblenzschichten,  so  daß  allmählich  ein  faunistischer  Übergang 
zwischen  „ Hunsruckien“  und  „Ahrien“  stattfindet.  Ebenso  wie 
bei  der  Fauna  von  Mörscheid  im  Hunsrück  treten  also  auch  in 
Belgien  in  der  oberen  Abteilung  der  „Stufe  des  Sp.  primaevus “ 
Formen  der  „Stufe  des  Sp.  Uerciyniae “ auf. 

1 E.  Maillieux,  Les  gites  fossiliferes  de  la  bande  dite  „coblencienne“ 
entre  Pesche  et  Nismes.  Bull.  soc.  beige  de  Geol.  etc.  22.  1908.  Proc.  verb. 
— Remarques  sur  la  faune  et  l’horizon  stratigraphique  de  quelques  gites 
fossiliferes  infradevoniens.  Bull.  soc.  beige  de  Geol.  etc.  24.  1910. 
Memoires.  p.  189. 

2 In  der  Abgrenzung  der  Assise  d’Houffalize  habe  ich  mich  der  Auf- 
fassung von  E.  Maillieux  angeschlossen.  Demzufolge  gehört  die  oberste 
Abteilung  der  Assise  d’Houffalize  der  belgischen  geologischen  Karte  (sornmet 
du  Cb  2)  faunistisch  bereits  durchaus  zum  Gres  de  Vireux. 

* Vergl.  Texte  explicativ  du  leve  geologique  de  la  planchette  de 
Couvin;  par  E.  Maillieux.  Brüssel  1912. 


656 


Besprechungen. 


Besprechungen. 


Louis  Duparc  et  Alfred  Mounier:  Tratte  de  technique 
m i n e r a 1 o gi q u e et  petrographique.  Deuxieme  Partie. 
Tome  I.  Les  methodes  chimiques  qualitatives.  Leipzig  bei 
Veit  & Comp.  1913.  372  p.  Mit  einer  farbigen  Spektraltafel 

und  117  Textfiguren. 

Dem  vor  fünf  Jahren  erschienenen,  von  L.  Dupakc  und 
Francis  Pearce  bearbeiteten,  die  physikalischen  Methoden  ent- 
haltenden ersten  Band  folgt  nunmehr  der  Beginn  des  zweiten,  der 
chemischen  Untersuchung  der  Mineralien  und  Gesteine  gewidmeten 
Bandes,  zunächst  die  qualitativen  chemischen  Methoden  enthaltend. 
Es  wird  die  Kenntnis  der  Lehren  der  Chemie  vorausgesetzt  und 
daher  die  Entwicklung  chemischer  Formeln  vermieden.  Diese 
speziell  für  die  Bedürfnisse  des  Mineralogen  und  Petrographeu 
zugeschnittene  Einführung  in  die  qualitative  Chemie  enthält  in 
ihrem  ersten  Teil  eine  Anweisung  zur  Trennung  und  Reinigung 
der  Mineralien  nach  den  bekannten  Methoden.  Es  folgt  ein  Ab- 
schnitt über  die  mikrochemische  Analyse,  angewandt  auf  Dünn- 
schliffe und  auf  isolierte  Mineralien,  und  ein  solcher  über  das 
Lötrohrverhalten  und  andere  trockene  Versuche  bei  hoher  Temperatur. 
Hieran  schließen  sich  Mitteilungen  über  die  Löslichkeit  der  Mineralien, 
wobei  besonders  auf  die  bei  Lösungsversuchen  häufig  unvermutet 
auftretenden  Schwierigkeiten  aufmerksam  gemacht  wird.  Den 
Hauptteil  des  Buches  bilden  die  beiden  Kapitel  über  die  Reaktionen 
und  über  die  Analyse  auf  wässerigem  Wege.  Hierbei  hat  eine 
Beschränkung  auf  die  wichtigsten  und  verbreitetsten  Elemente 
stattgefunden ; die  selteneren  sind  in  der  Hauptsache  nur  so  weit 
berücksichtigt,  als  sie  jene  häufig  begleiten.  Von  den  bekannten 
Methoden  sind  nur  die  berücksichtigt,  die  sich  den  Verfassern  als 
die  besten  bewährt  haben.  Anschließend  wird  die  Spektroskopie 
eingehend  besprochen,  sowie  — als  heutzutage  unentbehrlich  — 
die  Untersuchung  der  Körper  auf  Radioaktivität.  Den  Schluß 
machen  Tabellen  zur  Bestimmung  der  Mineralien,  wobei  die 
physikalischen  Eigenschaften  und  das  chemische  Verhalten  berück- 
sichtigt sind.  Ein  ausführliches  Register  ist  vorhanden,  die  wichtigste 
Litteratur  ist  überall  angegeben.  Die  Ausstattung  des  Buches  ist 
gut  und  namentlich  die  Figuren,  schematische  sowohl  als  Ansichten 
von  Instrumenten,  klar,  und  auch  fast  durchweg  zweckmäßig  aus- 
gewählt, so  daß  sie  die  klare,  leicht  verständliche  Darstellung  im 
Text  gut  unterstützen.  Eine  Darstellung  der  quantitativen  Mineral- 
analyse in  entsprechender  Form  soll  in  Bälde  folgen. 

Max  Bauer. 


H.  Rose,  lieber  die  kristallograpbische  Orientierung  etc. 


657 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  die  kristallographische  Orientierung  von  Museovit- 
spaltungsplatten  mit  Hilfe  der  Biegungs-  und  Aetzflguren. 

Von  H.  Rose  in  Göttingen. 

Mit  2 Textfiguren. 

Zur  kristallograpliischen  Orientierung  an  Spaltungsplatten  von 
Muscovit  erzeugt  man  nach  dem  Vorgänge  von  E.  Reusch1 2  eine 
sechsstrahlige  Schlagfigur  oder  nach  M.  Bauer  2 eine  ebenfalls 
sechsstrahlige  Druckfigur.  Hat  man  mit  dem  Polarisations- 
mikroskope festgestellt,  welcher  Strahl  der  Schlagfigur  in  der 
Symmetrieebene  verläuft,  so  kann  man  mit  Hilfe  der  Biegungs- 
figur, worauf  0.  Mügge3  zuerst  hingewiesen  hat,  die  Lage  des 
spitzen  und  stumpfen  Winkels  ß in  der  Symmetrieebene  angeben. 
Da  nun  gute  Biegungsfiguren  nur  an  mehreren  Quadratzentimeter 
großen  homogenen  Platten  hergestellt,  dagegen  Ätzfiguren  auch 
noch  an  kleinen  Glimmertäfelchen  hervorgebracht  werden  können, 
so  ist  von  mir  auf  Anregung  von  Herrn  Prof.  Mügge  die 
Orientierung  der  Ätzfigur  zu  den  Strahlen  der  Biegungsfigur  sowie 
zur  Abweichung  der  Bisektrix  von  der  Normalen  auf  (001)  fest- 
gestellt worden. 

Die  Ermittlung  der  Lage  der  Plattennormale  auf  (OOl)  zur 
spitzen  Bisektrix  war  schon  aus  dem  Grunde  unerläßlich,  weil  es 
nur  so  möglich  war,  die  an  den  Spaltungsblättchen  gemachten 
Beobachtungen  mit  denen  Tschermak’s4  in  Beziehung  zu  bringen, 
der  Gelegenheit  hatte,  einen  Muscovitkristall  vom  Abühl  mit  ebenen 
Kristallflächen  zu  untersuchen.  An  diesem  Kristall  ermittelte  er, 
daß  die  spitze  Bisektrix  gegen  die  Normale  auf  (001)  im  spitzen 
Winkel  ß um  1°42'  für  Na-Licht  geneigt  ist. 

Zur  Bestimmung  der  Richtung  und  Größe  dieser  Neigung  an 
den  von  mir  untersuchten  Muscovitplatten  aus  Deutsch-Ostafrika 
und  unbekannten  Fundorten  bediente  ich  mich  teils  des  von 
Tschermak  eingeschlagenen  Verfahrens  und  maß  in  der  Symmetrie- 
ebene den  Winkel  zwischen  Plattennorraale  und  ein  und  derselben 
Kurve  gleichen  Gangunterschiedes  zu  beiden  Seiten  der  Normalen 
im  Na-Lichte,  teils  verfuhr  ich  so,  daß  ich  nach  der  Messung  des 
Achsenwinkels  mit  dem  WüLFixG’schen  Apparate  den  Winkelabstand 

1 E.  Reusch,  Ann.  d.  Phys.  136.  130,  632.  1869. 

2 M.  Bauer,  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  26.  137.  1874. 

2 0.  Mügge,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1898.  I.  p.  104. 

4 G.  Tschermak,  Zeitschr.  f.  Kristallographie.  2.  45.  1878. 

Centralhlatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  42 


658  H.  Rose,  Ueber  die  kristallographische  Orientierung 


des  gespiegelten  Horizontalfadens  von  dem  wirklichen  Faden  be- 
stimmte.  Auf  diese  Weise  erhielt  ich  folgende  Werte  für  den 
Neigungs-  und  Achsenwinkel  an  drei  Platten  : 


Platte  Fundort  Achsenwinkel  2 ENa 

Neigungswinkel  zwischen 
Plattennormale  u.  Bisektrix 

I 

Fundort  unbek. 

61°  51' 

— 2U  18' 

II 

Deutsch-Ostafrika 

65  34 

— 2 17 

III 

Fundort  unbek. 

70  59 

-fO  44 

Um  einigen  Anhalt 

über  die  Größe 

des  wahren  Achsenwinkels 

zu  bekommen,  wurden  die  Brechungsexponenten  der  Platte  II  mit 
dem  AnBE’schen  Kristallrefraktometer  für  Na-Licht  ermittelt.  Es 
ergaben  sich  folgende  bis  auf  etwa  eine  Einheit  der  dritten 
Dezimale  unsicheren  Werte : 

“Na  = 1)^68;  = 1,604;  }'Na  = 1,609. 

Mit  Hilfe  von  ß ergibt  sich  für  den  wahren  Winkel  2 Vya  = 39°  27'. 

Nach  Ermittlung  der  Lage  der  Plattennormale  gegen  die 
spitze  Bisektrix  wurden  die  Platten  zur  Erzeugung  von  Biegungs- 
figuren gespalten.  Wenn  man  nun  an  den  verbogenen  Stellen  der 
Täfelchen  eine  entfernte  Lampe  reflektieren  ließ,  so  konnte  man 
feststellen,  daß  der  von  der  Mitte  der  Biegungsfigur  ausgehende, 
nach  dem  Beobachter  in  der  Symmetrieebene  verlaufende  Strahl 
der  vou  den  verbogenen  Teilen  gelieferten  Lichtfigur  (Fig.  1 a) 
bei  den  Platten  I und  II  die  Richtung  von  der  Plattennormale 
nach  der  spitzen  Bisektrix  angibt,  bei  der  Platte  III  aber  zeigte 
sich  das  Umgekehrte.  Es  folgt  hieraus,  daß  die  spitze  Bisektrix 
bald  im  spitzen  und  bald  im  stumpfen  Winkel  ß liegt.  Die  Be- 
stimmung der  Lage  der  Plattennormale  zur  spitzen  Bisektrix 
reicht  demnach  nicht  aus,  um  die  Lage  des  kristallographischen 
Achsenkreuzes  im  Spaltungsblatte  festzustellen. 

Es  fragte  sich  nun,  ob  die  Ätzfigur  auf  der  Basis,  die  nach 
H.  Baumhauer  1 deutlich  monosymmetrisch  ist,  ebenso  wie  der  in 
der  Symmetrieebene  liegende  Strahl  der  Biegungsfigur  bei  ver- 
schiedener Lage  der  spitzen  Bisektrix  eine  konstante  Orientierung 
behält.  Zu  dem  Zwecke  wurden  die  optisch  untersuchten  und  mit 
Schlag-  und  Biegungsfiguren  versehenen  Muscovitplatten  nun  auch 
noch  nach  einem  von  H.  Baumhauer1 2  angegebenen  Verfahren  mit 
Kaliumhydroxyd  geätzt,  das  iu  einem  Silbertiegel  längere  Zeit  im 
Schmelzfluß  erhalten  wurde.  Da  der  Tiegel  infolge  häufigen  Ge- 
brauchs grobkristallin  geworden  war,  drang  das  geschmolzene 
Kaliumhydroxyd  durch  die  Tiegelwände  und  bildete  allmählich 
außen  eine  weiße  Kruste.  Diese  verursachte,  daß  die  Temperatur 

1 H.  Baumhauer,  Sitzungsber.  d.  Kgl.  Bayr.  Akadem.  d.  Wiss. 
November  1874.  p.  245. 

H.  Baumhauer,  Zeitschr.  f.  Kristallographie.  3.  1879.  p.  113. 


von  Muscovitspaltungsplatten  etc. 


659 


im  Tiegel  die  des  Schmelzpunktes  des  Kaliumhydroxyds  nicht  er- 
heblich überschritt.  Infolgedessen  konnten  die  Glimmerplatten 
etwa  30  Minuten  in  der  Flüssigkeit  bleiben  und  waren  dann  mit 
schönen  Ätzeindriicken  bedeckt.  Nahm  man 
dagegen  die  Atzung  in  einem  Eisentiegel 
vor,  der  die  Schmelze  nicht  durchließ,  so 
stieg  die  Temperatur  im  Tiegel  erheblich 
über  den  Schmelzpunkt.  Die  Glimmertafeln 
wurden  dann  zwar  sehr  schnell  aufgeschlossen, 
zeigten  aber  Ätzeindrücke  (vergl.  Fig.  1 b), 
die  weit  ausgeprägter  monosymmetrisch  waren 
als  die  bei  niedriger  Temperatur  erhaltenen. 

Ein  Versuch,  mit  kalter  Flußsäure  des  Han- 
dels zu  ätzen,  wurde  aufgegeben,  als  die 
Platten  nach  3 Tagen  eine  Einwirkung  nicht 
erkennen  ließen.  An  den  mit  Kaliumhydroxyd 
geätzten  3 Platten  konnte  festgestellt  werden, 
daß  die  Ätzfiguren  ihre  Orientierung  zur 
Biegungsfigur  auch  dann  beibehalten,  wenn 

die  spitze  Bisektrix  im  stumpfen  oder  spitzen  Winkel  ß liegt.  Die 
Lage,  welche  die  Ätzfiguren  gegenüber  dem  in  der  Symmetrie- 
ebene verlaufenden  Strahl  der  Biegungsfigur  (Fig.  1 a)  einnehmen, 
ist  in  Fig.  1 dargestellt. 

Um  demnach  zu  entscheiden,  ob  die  Richtung  von  der  spitzen 
Ecke  der  Ätzfiguren  nach  der  stumpfen,  die  zugleich  die  Richtung 
des  in  der  Symmetrieebeue  verlaufenden  Strahles  der  Biegungs- 
figur ist,  nach  dem  stumpfen  oder  spitzen  Winkel  ß zeigt,  müßte 
eine  Ätzung  an  einem  mit  monoklinen  Prismen  versehenen 
Muscovitkristall  vorgenommen  werden. 

Mit  Hilfe  der  Ätzfiguren  wird  es  übrigens  möglich  sein,  die 
Gesetze  der  an  den  Glimmern  beobachteten  Zwillingsverwachsungen 
genau  festzustellen.  Tschermak  1 hat  für  die  Glimmer  folgendes 
Gesetz  aufgestellt,  das  er  Kantennormalengesetz  nennt:  Die 

Zwillingsachse  ist  in  einer  Kristallfläche  senkrecht  zu  einer  in 
dieser  liegenden  Kante.  (Oder:  Die  Zwillingsebene  ist  senkrecht 
zu  einer  Kristallfläche  und  parallel  zu  einer  in  dieser  liegenden 
Kante.)  Diese  Fassung  des  Zwillingsgesetzes  führt  im  allgemeinen 
auf  eine  irrationale  Richtung  als  zweizählige  Symmetrieachse  für 
den  Zwilling  oder  auf  eine  irrationale  Ebene  als  Symmetrieebene 
für  den  Zwilling.  In  dem  Falle  des  Muscovits  fällt  die 
TscHERMAK’sclie  Normale  auf  [HO],  wie  A.  Johnsen1 2  gezeigt  hat, 
mit  der  Kante  [310]  so  lange  zusammen,  als  es  nicht  möglich  ist, 
Abweichungen  des  Winkels  [110]:[ll0]  von  120°  festzustellen. 


1 G.  Tschermak,  Lehrbuch  der  Mineralogie.  Wien  1905.  p.  96. 

2 A.  Johnsen,  Dies.  Centralbl.  1907.  p.  403. 


42* 


660 


Fr.  Schwartz, 


Es  könnte  nun  möglich  sein,  daß  die  Verwachsung  der  Muscovit- 
zwillinge  noch  ein  anderes  Gesetz  befolgt , daß  nämlich  die 
Kante  [110]  zweizählige  Symmetrieachse  fin- 
den Zwilling  ist.  Wäre  dies  der  Fall,  so  müßten 
die  Ätztiguren  auf  der  Basis  die  in  Fig.  2 für 
die  Individuen  I und  II  gezeichnete  Lage  ein- 
nehmen. Würde  dagegen  das  von  Tschermak 
in  irrationaler  und  von  Johnsen  in  rationaler 
Fassung  aufgestellte  Zwillingsgesetz  zu  Beeilt 
bestehen,  so  würden  die  Ätzfiguren  so  zu- 
einander liegen,  wie  die  Figuren  der  Individuen  I 
und  III  Fig.  2 zeigen. 

. Leider  konnte  ich  diese  Feststellung  nicht 
ausführen,  da  mir  keine  Zwillingskristalle  zur 
Verfügung  standen.  H.  Baumhauer1 2  hat  nun 
Muscovitkristalle  einer  Stufe  von  Mitchel  Co., 
N.  Carolina,  auf  der  sich  sowohl  einfache  als 
auch  Zwillingskristalle  befanden,  des  näheren 
untersucht  und  auch  geätzt.  Es  wird  ihm  infolgedessen  möglich 
sein,  sowohl  die  Lage  der  stumpfen  und  spitzen  Ecke  der  Ätz- 
figur zu  dem  kristallographischen  Achsenkreuz  unschwer  festzustellen, 
als  auch  möglicherweise  über  das  Zwilliugsgesetz  eine  Entschei- 
dung zu  fällen. 

Götti ngen,  Mineralogisches  Institut,  Juli  1913. 


Ueber  das  Auftreten  des  Geruches  beim  Reiben  von 
Mineralien. 

Von  Friedrich  Schwartz  in  Darmstadt. 

Wenn  zwei  Feuersteine  oder  Feldspatstücke  stark  aneinander 
gerieben  oder  mit  einem  Hammer  zerschlagen  werden,  kann  oft 
ein  eigentümlicher  brenzlicher  Geruch  wahrgenommen  werden. 
Der  Geruch  erinnert  an  den,  der  bei  der  Erhitzung  mancher 
stickstoffhaltiger,  organischer  Verbindungen  auftritt.  Der  hier 
zu  besprechende  Geruch  hat  nichts  zu  tun  mit  dem , welcher 
beim  Reiben  von  solchen  Gesteinen  und  Mineralien  auftritt,  welche 
nachweislich  organische  Substanzen  als  Bitumen  in  Form  von  Ein- 
schlüssen enthalten.  Das  Auftreten  dieser  Erscheinung  ist  seit 
alters  her  bekannt.  Frühere  Beobachtungen  von  L.  Wühler  und 
Kkaatz-Koschlau  2 beziehen  sich  auf  das  Auftreten  des  Geruches 
beim  Erhitzen  von  manchen  Mineralien.  Daß  diese  Erscheinung 
mit  meiner  Beobachtung  nichts  Gemeinsames  hat,  dafür  sprechen 

1 H.  Baumhauer,  Zeitschr.  f.  Kristallographie.  32.  1900.  p.  170. 

2 Chemiker-Zeitung.  22.  38.  1898. 


Ueber  das  Auftreten  des  Geruches  beim  Reiben  von  Mineralien,  ßßl 


die  folgenden  Tatsachen:  1.  Bei  vielen  Mineralien  ist  der  Geruch 
wahrnehmbar,  obwohl  organische  Einschlüsse  ausgeschlossen  sind, 
z.  B.  bei  farblosem  Quarz,  auch  beim  Glas  usw.;  2.  der  Geruch 
fehlt  oft  beim  Reiben  von  solchen  Mineralien,  die  organische  Sub- 
stanzen enthalten  wie  gewisse  Flußspate  1 ; 3.  frische  Bruchflächen 
von  Mineralien  bleiben  beim  Reiben  geruchlos. 

Der  Geruch  wird  am  besten  wahrgenommen,  wenn  die  Minera- 
lien aufeinandergelegt , stark  zusammengepreßt  und  dann  fest  und 
schnell  gerieben  werden.  Es  empfiehlt  sich,  größere  Flächen  des 
Minerals  zu  reiben.  Es  brauchen  nicht  zwei  Stücke  eines  und 
desselben  Minerals  angewandt  zu  werden.  Man  kann  das  auf  den 
Geruch  zu  prüfende  Mineral  mit  dem  gleichen  Erfolg  mit  Korund 
reiben,  da  zwei  Korundstücke,  aneinandergerieben , geruchlos 
bleiben.  Oft  wird  beim  Reiben  von  Mineralien  eine  Feuer- 
erscheinung als  Funkenbildung  oder  ein  kurzes  Aufleuchten  der 
geriebenen  Flächen,  besonders  im  Dunkeln,  beobachtet.  Diese  Er- 
scheinung steht  jedoch  in  keiner  Beziehung  mit  dem  Auftreten  des 
Geruches,  wie  durch  besondere  Versuche  festgestellt  wurde.  Der 
Geruch  wurde  bei  vielen  Silikaten  beobachtet,  seltener  bei  Nicht- 
silikaten. Bei  allen  halbharten  und  harten  Silikaten  tritt  der 
Geruch  beim  Reiben  auf.  Silikate,  deren  Härte  kleiner  wie  3,5 — 4 
ist,  liefern  beim  Reiben  keinen  Geruch.  So  bleiben  z.  B.  Silikate 
wie  Talk,  Speckstein,  Meerschaum,  Serpentin,  Ton,  Desmin,  Heu- 
landit,  Asbest,  Glimmer,  Muscovit,  Biotit  usw.  beim  Reiben  geruchlos. 
Dagegen  lieferten  alle  mir  zugänglichen  Silikate,  alle  Modifikationen 
der  Kieselsäure  und  Varietäten  des  Quarzes  aus  der  Mineralogischen 
Sammlung  der  Großli.  Techn.  Hochschule  zu  Darmstadt,  deren 
Härte  größer  wie  3,0  — -4  ist,  beim  Reiben  ohne  Ausnahme  diesen 
Geruch.  Künstliche  Silikate,  Kieselsäure,  wie  alle  Glassorten, 
Porzellan,  Steingut,  Quarzglas  usw.  lieferten  beim  Reiben  ebenfalls 
den  Geruch.  Bei  den  Siliciden,  wie  Eisensilicid,  Calciumsilicid  und 
Carborund  war  der  Geruch  nicht  wahrnehmbar,  obwohl  die  Härte 
innerhalb  der  für  Silikate  günstigen  Grenze  liegt.  Bei  Nicht- 
silikaten war  der  Geruch  selten  zu  beobachten.  Negatives  Ergebnis 
lieferten  z.  B.  Arsenkies , Bleiglanz,  Buntkupfererz,  Eisenglanz, 
Flußspat,  Gips,  Kalkspat,  Steinsalz,  Korund,  Kreide,  Kryolith, 
Malachit,  Pyrit,  Schwefel,  Zinkspat  usw.  Ein  positives  Resultat 
lieferten:  Baryt,  manche  Apatite,  manche  Spinelle,  Magnesit,  Rutil, 
Brauneisenerz  usw.  Der  Geruch  hält  bei  verschiedenen  Spezies 
verschieden  lang  an,  im  allgemeinen  zwischen  30  Sek.  und  3 Min. 

Der  Geruch  war  bei  den  verschiedenen  Silikaten  von  ver- 
schiedener Intensität.  Es  wurden  Versuche  angestellt,  bei  welchen 
die  Intensität  des  Geruches  bei  verschiedenen  Spezies  verglichen 
wurde.  Für  die  Intensität  des  Geruches  unterschied  ich  drei  Stufen. 


1 Tschermak’s  Min.  Mitt.  18.  p.  4.  5. 


662 


Fr.  Schwartz, 


Beim  Reiben  der  Mineralien  wurde  annähernd  gleicher  Druck  und 
Geschwindigkeit  angewandt.  Die  Ergebnisse  sind  das  Mittel  einiger 
iibei’einstimmender  Versuche. 

Intensität  I bedeutet  schwaches  Auftreten  des  Geruches,  Intensi- 
tät II  deutliches  Auftreten  und  Intensität  III  sehr  starkes  Auftreten 
des  Geruches.  Nachstehende  Tabelle  zeigt  die  beobachteten  Intensi- 
täten des  Geruches  bei  verschiedenen  Mineralien,  ferner  sind  die 
Härten,  der  Gehalt  an  Kieselsäure  und  das  Wärmeleitungsvermögen 
angegeben.  Wie  leicht  zu  sehen  ist,  steht  der  Kieselsäuregehalt 
in  keiner  Beziehung  mit  der  Intensität  des  Geruches.  Dagegen 
scheint  die  Intensität  des  Geruches  Funktion  der  Härte  und  des 
Wärmeleitungsvermögens  des  Minerals  zu  sein.  Die  größte  Intensi- 
tät wurde  bei  Mineralien  beobachtet,  deren  Härte  zwischen  5,5 
und  7 liegt.  Mineralien  von  anderen  Härten  lieferten  Geruch  von 
schwächerer  Intensität.  Bei  manchen  aluminiumhaltigen  Silikaten 
wurde  neben  den  normalen  auch  ein  schwacher  toniger  Neben- 
geruch wahrgenommen.  Fluorhaltige  Mineralien  wie  Topas  und 
Vesuvian,  lieferten  einen  deutlich  süßlichen  Nebengeruch.  Künst- 
liche Silikate  wie  Glas,  Porzellau,  Steingut  usw.  lieferten  beim 
Reiben  einen  Geruch,  der  ganz  identisch  mit  dem  der  natürlichen 
Silikate  ist.  Bei  Nichtsilikaten  ist  das  Auftreten  des  Geruches  bei 
solchen  beobachtet  worden,  die  Härte  und  Wärmeleitungsvermögen 
analog  den  der  Silikate  hatten.  Das  Fehlen  des  Geruches  bei 
Flußspat  ist  auf  seine  Oberflächenbeschaifenheit,  beim  Korund  auf 
dessen  hohe  Härte  zurückzuführen,  wie  noch  unten  erwähnt  werden 
wird.  Da  die  physikalischen  und  chemischen  Eigenschaften  des 
Glases  denen  der  Silikate  ähneln,  so  wurden  zu  weiteren  Unter- 
suchungen über  die  Entstehung  des  Geruches  Glasstäbe  angewandt. 
Folgende  Versuche  wurden  ausgeführt: 

1.  Zwei  Glasstäbe,  die  beim  Reiben  den  normalen  Geruch 
deutlich  lieferten,  wurden  mit  Alkohol,  Äther  und  Schwefelkohlen- 
stoff gereinigt  und  entfettet.  Beim  Reiben  war  der  Geruch  mit 
ursprünglicher  Intensität  wahrnehmbar. 

2.  Zwei  Glasstäbe,  die  über  der  Bunsenflamme  kurz  erhitzt 
wurden,  lieferten  vor  und  nach  dem  Abkühlen  beim  Reiben  keinen 
Geruch.  Um  die  nötige  Temperatur  zur  Zerstörung  der  den  Geruch 
liefernden  Substanzen,  die  auf  der  Glasoberfläche  offenbar  adsorbiert 
sind,  festzustellen,  wurden 

3.  Glasstäbe,  die  den  normalen  Geruch  beim  Reiben  lieferten, 
in  einem  Trockenschrank  verschlossen  und  erhitzt.  Die  Glasstäbe 
wurden  in  dieser  Weise  verschiedenen  Temperaturen  verschieden 
lang  ausgesetzt.  Der  sonst  beim  Reiben  beobachtete  Geruch  tritt 
nicht  mehr  auf,  wenn  die  Glasstäbe  10  Min.  der  Temperatur  von 
260°  oder  während  5 Min.  300°  usw.  ausgesetzt  waren.  Glas- 
stäbe, die  den  Temperaturen  250°  10  Min.  oder  270°  5 Min. 
ausgesetzt  waren,  ergaben  beim  Reiben  noch  den  Geruch. 


lieber  das  Auftreten  des  Geruches  beim  Reiben  von  Mineralien.  663 


4.  Es  wurden  zur  Kontrolle  natürliche  Silikate  mit  demselben 
Erfolg  in  gleicher  Weise  behandelt. 

5.  Zwei  Glasstäbe,  die  den  normalen  Geruch  beim  Reiben 
lieferten,  wurden  an  einer  Stelle  so  lange  gerieben,  bis  die  Ober- 
flächenschicht in  weißes  Pulver  sich  umgewandelt  hatte.  Dieses 
wurde  durch  Wegblasen  entfernt.  Die  so  hergestellten  frischen 
Oberflächen  der  beiden  Glasstäbe  blieben  beim  Reiben  geruchlos. 

6.  Es  wurden  verschiedene  Silikate  und  Gesteine,  die  den 
Geruch  beim  Reiben  lieferten,  mit  einem  Hammer  zerschlagen. 
Die  frischen  Bruchflächen  lieferten  beim  Reiben  keinen  Geruch.  Das 
gleiche  zeigten  Mineralien  mit  submikroskopischen  Beimengungen 
wie  Quarze1  und  Feldspäte1. 

7.  Die  künstlich  geruchlos  gemachten  Silikate  wurden  längere 
Zeit  hindurch  der  Wirkung  der  Luft  ausgesetzt.  Der  Geruch  beim 
Reiben  war  oft  nach  zwei  Wochen  langem  Stehen  erst  wieder 
wahrnehmbar. 

8.  Die  künstlich  durch  Glühen  geruchlos  gemachten  Silikate 
wurden  mit  verschiedenen  reinen  anorganischen  und  organischen, 
festen  und  flüssigen  Körpern  in  Berührung  gebracht.  Die  anorga- 
nischen Substanzen  haben  keine  Veränderungen  hervorgerufen.  Von 
den  organischen  Substanzen  bewirken  manche  Kohlenhydrate  und 
stickstoffhaltige  chemische  Verbindungen  an  den  vorher  erhitzten 
Oberflächen  beim  Reiben  ein  Wiederauftreten  eines  Geruches,  der 
jedoch  mit  dem  sonst  wahrgenommenen  nicht  identisch  ist.  Die 
größte  Ähnlichkeit  mit  dem  normalen  Geruch  haben  unter  diesen 
Versuchsbedingungen  Eiweiß  und  eiweißähnliche  Stoffe 
beim  Reiben  geliefert.  Auch  das  Berühren  der  künstlich  geruchlos 
gemachten  Flächen  mit  den  Fingern  genügt,  um  das  Auftreten  des 
Geruches  beim  Reiben  hervorzurufen,  weshalb  Vorsicht  und  größte 
Sorgfalt  bei  Ausführung  der  Versuche  anzuwenden  war.  Die 
kleinsten  Spuren  von  Eiweisstoffen  genügen  zur  Erzeugung  dieser 
merkwürdigen  Erscheinung. 

Aus  diesen  Versuchen  kann  einzig  und  allein  gefolgert  werden, 
daß  manche  Mineralien  aus  der  Luft  oder  durch  direkte  Über- 
tragung feste  eiweißähnliche  Stoffe  adsorbieren.  Die  durch  Reibung 
der  Mineralien  an  der  Oberfläche  sich  entwickelnde  Wärme  zersetzt 
die  absorbierten  Stoffe,  und  die  Zerfallsprodukte  werden  durch  den 
Geruch  wahrgenommen.  Daß  die  Intensität  des  Geruches  Funktion 
des  Wärmeleitungsvermögens  ist,  erklärt  sicli  in  folgender  Weise : 
Die  durch  Reiben  entwickelte  Wärme  wird  bei  Mineralien  von 
gutem  Wärmeleitungsvermögen  so  schnell  abgeführt,  daß  die  Tem- 
peratur der  geriebenen  Stellen  nicht  so  hoch  werden  kann,  daß 
die  absorbierten  Eiweißstoffe  zersetzt  werden.  Ebenso  haben  die 
Härte  und  die  Oberflächenbeschaffenheit  des  Minerals  großen  Ein- 


1 Tschermak’s  Min.  Mitt.  18.  p.  4,  5. 


664 


Fr.  Schwartz, 


iiuß  auf  die  gebildete  Wärmemenge  und  dadurch  auch  auf  die 
Intensität  des  Geruches.  Wenn  zwei  Pappdeckel  oder  Holzstücke 
oder  polierte  Stahlflächen  gerieben  werden,  so  ist  die  lokal  ge- 
bildete Wärmemenge  nicht  gleich  derjenigen,  die  sich  beim  Reiben 
von  zwei  harten  und  rauhen  Ziegelsteinen  entwickeln  wird.  Die 
Reibung,  die  von  der  physikalischen  Beschaffenheit  des  Stoffes  ab- 
hängig ist,  ist  in  den  ersten  drei  Fällen  lokal  kleiu,  im  letzten 
groß.  Die  Reibung  ist  beim  Talk,  Meerschaum  usw.  zu  gering, 
um  eine  ausreichende  Menge  Wärme  an  einzelnen  Stellen  zu 
erzeugen,  die  zur  Zersetzung  der  absorbierten  Substanzen  ausreichend 
wäre.  Groß  ist  sie  beim  Glas  und  Feldspat  usw.  Die  größte 
Intensität  des  Geruches  wird  in  solchen  Fällen  wahrgenommen, 
bei  denen  die  verschiedenen  physikalischen  Bedingungen  am  gün- 
stigsten sind. 

Das  häufige  Auftreten  des  Geruches  bei  den  Silikaten  und 
das  seltene  Auftreten  bei  Nichtsilikaten  ist  dadurch  erklärlich,  daß 
die  physikalischen  Eigenschaften  der  ersteren,  Härte  und  Wärme- 
leitung, geeignetere  sind  als  bei  den  letzteren.  Diejenigen  der 
Nichtsilikate,  die  den  erforderlichen  Bedingungen  entsprechen,  liefern, 
wie  oben  gezeigt  wurde,  den  normalen  Geruch.  Daß  beim  Fluß- 
spat, obwohl  er  organische  stickstoffhaltige  Einschlüsse  enthält, 
und  auch  beim  Korund  das  Auftreten  des  Geruches  nicht  beobachtet 
wird,  kann  nur  auf  Grund  unserer  Auffassungen  über  die  zum  Auf- 
treten der  fraglichen  Erscheinung  nötigen  Bedingungen  erklärt 
werden. 


Zusammenfassung. 

1.  Es  wurde  festgestellt,  daß  Mineralien,  meistens  Silikate, 
deren  Härte  größer  wie  3,5 — 4 und  kleiner  wie  9 ist,  beim  Reiben 
einen  brenzlichen  Geruch  liefern,  der  an  die  Zerfallsprodukte  stick- 
stoffhaltiger organischer  Verbindungen  erinnert,  und  der  verursacht 
ist  durch  Zersetzung  infolge  der  beim  Reiben  entstehenden  Wärme 
gewisser  organischer,  wahrscheinlich  eiweißähnlicher  Verbindungen, 
die  durch  die  Oberflächen  der  Mineralien  von  der  Umgebung  auf- 
genommen und  adsorbiert  wurden. 

2.  Die  früheren  Annahmen,  daß  der  Geruch  durch  Einschlüsse 
verursacht  ist,  ist  somit  für  diese  Erscheinung  hinfällig,  bleibt  aber 
für  bekannte  bitumenhaltige  Gesteine  richtig.  Hier  haudelt  es 
sich  um  die  rein  oberflächlich  aufgenommenen  eiweiß- 
ähnlichen Stoffe. 

Zum  Schluß  sei  es  mir  erlaubt,  meinen  ergebensten  Dank  den 
Herren:  Geh.  Oberbergrat  Prof.  Dr.  Lepsius,  Prof.  Dr.  L.  Wühler 
und  insbesondere  Privatdozent  Dr.  d’Aks  für  ihr  liebenswürdiges 
Entgegenkommen  und  ihre  Hilfe  bei  der  Ausführung  dieser  Arbeit 
zum  Ausdruck  zu  bringen. 


Ueber  das  Auftreten  des  Geruches  beim  Reiben  von  Mineralien.  ßß5 


Silikate. 


Mineral 

Härte 

Si  02- 
Ge- 
halt1 
0/0 

Intensität  des  Geruches 

Wärme- 

leitungs- 

vermögen 

Topas  

8 

36 

I (süßlichen  Nebengeruch) 

klein 

Beryll 

7,5—8 

66 

II 

7) 

Turmalin 

7,5 

36 

II 

n 

Granat  ....... 

7.5 

38 

II 

n 

Zirkon 

7 — 7,5 

33 

11 

Staurolith  .... 

7—7,5 

28—51 

II 

n 

Rauchquarz  .... 

7 

99 

III 

•n 

Feuerstein  .... 

7 

99 

III 

7) 

Rosenquarz  .... 

6,5-7 

99 

III 

n 

Vesuvian 

6,5 

37 

II  (süßlichen  Nebengeruch) 

7) 

Feldspat 

6 

64 

III 

r 

Amazonenstein  . . 

6 

64 

III 

7) 

Orthoklas  ..... 

0,5 — 6 

64 

III  (tonigen  Nebengeruch) 

7) 

Augit 

5 — 6 

48 

III 

7} 

Kieselschiefer  . 

5,5 

97 

II 

55 

Harmotom  .... 

4,5 

47 

I 

? 1 

Disthen 

4,5—5 

37 

I (tonigen  Nebengeruch) 

Desmin  

3—3,5 

57 

geruchlos 

„ 

Heulandit.  .... 

3-3,5 

59 

geruchlos 

7) 

N 

ichtsilikate. 

Korund  

9 



geruchlos 

klein 

Eisensilicid  . . . , 

Calciumsilicid  . . [ 

5—9 

— 

geruchlos 

groß 

Carborund  . . . > 

Ceylanit  (Spinell)  . 

7,5  — 8 

— 

II 

klein 

Rutil 

6,5—6 

— 

II 

7 5 

Apatit 

5 

— 

II 

n 

Magnesit  ..... 

4,5 

— 

I 

n 

Flußspat  

4 

— 

geruchlos 

7) 

Brauneisenerz  . . . 

3,5— 4.5 

— 

1 

r> 

Baryt 

3,0 

— 

I 

7) 

Kryolith 

3 

— 

geruchlos 

r> 

Anhydrit 

3 

— 

geruchlos 

7) 

1 Naumann,  Zirkel;  Roth,  Allg.  und  chemische  Geologie. 


666 


Al.  Sigmund. 


Anatas  in  den  Niederen  Tauern. 

Von  AI.  Sigmund  in  Graz. 

Auf  Kluftflächen  des  Chloritschiefers  am  Gatschberg  im 
Vorderen  Sölktal  (Steiermark)  entdeckte  ich  im  heurigen  Sommer 
kleine  Kristalle  mit  metallartigem  Diamantglanz,  die  sich  nach 
näherer  Untersuchung  als  Anatase  erwiesen. 

Die  Fundstätte  liegt  in  einer  schwer  zugänglichen  Felsschlucht, 
durch  die  ein  Wildbach  herabstürzt,  in  einer  Seehöhe  von  ca.  900  m, 
20  m über  der  Straße,  die  von  Stein  a.  d.  Enns  nach  Gi’oß- 
Sölk  führt. 

Die  Anataskristalle  sind  honiggelb,  durchscheinend,  nur  0,3 
bis  0,5  mm  groß  und  zeigen  jene  einfachen,  scharf  ausgeprägten 
Formen,  die  der  Mehrzahl  der  alpinen  Anatase,  z.  B.  aus  der 
Kauris,  dem  Tavetsch  eigentümlich  sind:  entweder  p (111)  allein, 
oder  p in  Kombination  mit  c (001).  Die  erstgenannte  Form  findet 
sich  bei  den  wenigen  Kristallen,  die  Prismenflächen  grünlichblauer, 
etwa  1 cm  langer,  flach  und  meist  reihenweise  auf  der  Kluftfläche 
liegender  Quarzkristalle  in  orientierter  Stellung  — die  Hauptachsen 
beider  Kristalle  sind  parallel  — derart  aufgewachsen  sind,  daß 
eine  Hälfte  des  Anatas  in  den  Quarz  eingebettet  ist.  Die  andere 
Form  trifft  man  bei  den  teils  einzeln,  teils  in  Gruppen  bis  zu  drei 
Individuen  der  Kluftfläche  des  Chloritschiefers  unmittelbar  auf- 
gewachsenen Anatasen.  (111)  ist  häutig  wagrecht  gestreift,  in 
einzelnen  Fällen  mit  dreieckigen  Ätzgrübchen  dicht  besetzt. 

An  Splittern  und  Spaltblättchen,  die  beim  Zerschlagen  eines 
Kristalls  erhalten  wurden,  konnte  u.  d.  M.  die  hohe  Licht-  und 
Doppelbrechung  des  farblos  erscheinenden  Minerals,  ein  deutlicher, 
durch  das  Auftreten  eines  himmelblauen  Farbentones  merkwürdiger 
Pleochroismus,  i.  k.  p.  L.  das  Achsenkreuz,  ein  Öffnen  desselben 
beim  Drehen  des  Tisches  beobachtet  und  der  optisch  negative 
Charakter  festgestellt  werden. 

Die  Anatase  sind  fast  ganz  von  ockerigem  Brauneisenerz 
eingehüllt,  das  die  Kluftfläche  in  Form  einer  ununterbrochenen, 
lockeren  Schichte  überzieht.  Der  Ocker  ist  hier  das  Verwitterungs- 
produkt des  Eisenkieses,  der  in  bis  3 mm  großen  Würfeln  reich- 
lich dem  Chloritschiefer  beigemengt  ist ; oft  stecken  im  Ocker  noch 
Pyritkörnchen,  die  Reste  früherer  Kristalle.  Noch  reicher  ist  der 
Schiefer  au  Magnetit,  der  sowohl  in  1 — 3 mm  großen,  teilweise 
mürben  und  dann  stahlblau  angelaufenen  Oktaedern  als  auch  in 
mikroskopischen  Körnchen  auftritt.  Er  ist,  wie  die  Untersuchung 
ergab,  nicht  titanhaltig.  Dem  mikroskopischen  Magnetit  ist  jedoch 
in  gleicher  Menge  Titaneisenglimmer  beigemengt;  von  diesem 
Erze  könnten  die  Anatase  abstammen.  Au  eine  Bildung  derselben 
aus  titanhaltigen  Biotiten  ist  hier  nicht  zu  denken : in  Dünnschliffen 


Anatas  in  den  Niederen  Tauern. 


667 


frischer  Schieferstücke  ist  u.  d.  M.  in  den  Chloriten  nirgends  ein 
noch  so  geringer  Rest  eines  Biotits  zu  sehen. 

Bis  auf  die  Adulare,  die  hier  fehlen,  und  die  bedeutendere 
Größe  der  Anatase  sehen  die  Anatase  tragenden  Stufen  von  der 
Felsschlucht  am  Gatschberg  jenen  vom  Hochnarr  in  der  Rauris 
auffallend  ähnlich.  Es  soll  hier  bemerkt  werden,  daß  Orthoklas, 
der  in  jenen  Stufen  schon  teilweise  kaolinisiert  ist,  neben  Klino- 
chlor und  Talk  einen  wesentlichen  Gemengteil  des  Chloritschiefers 
bildet. 

Auf  anderen  Stufen,  die  ebenfalls  von  Kluftwänden  geschlagen 
wurden,  aber  keine  Anatase  tragen,  die  an  der  neuen  Fundstätte 
überhaupt  eine  Seltenheit  sind,  finden  sich,  umgeben  von  Ocker, 
kleine,  kurzsäulenförmige  R u t i 1 kristalle,  1 mm  große,  nur  zur 
Hälfte  ausgebildete,  zweifarbige,  fettartig  glänzende,  speerförmige 
S p h e n kristalle,  Kontaktzwillinge  mit  farbloser  Spitze  und  rot- 
brauner Mitte.  Auch  zur  Bildung  der  Rutile  und  Sphene  wird 
wohl,  wie  bei  den  Anatasen,  der  Hmenit  des  Chloritschiefers  bei- 
getragen haben. 

Die  Wände  anderer  Klüfte  sind  mit  einer  oft  bis  6 mm  dicken, 
unten  noch  dichten,  gegen  oben  zu  lockeren  Limonitschichte  über- 
zogen, die  jedoch  eine  Pseudomorphose  nach  Braunspat  dar- 
stellte. Oft  sind  noch  die  Rhomboederformen  — 2 R erhalten,  die 
auf  Bruchflächen  deutlich  die  Spaltbarkeit  des  Braunspates  erkennen 
lassen  und  eine  zellige  Textur  besitzen.  Fingerdicke  Adern  hell- 
gelben, noch  frischen  Braunspats  durchziehen  häufig  die  Quarz- 
linsen im  Chloritschiefer.  Auf  dem  Limonit  sitzen  oder  sind  in 
diesem  eingeschlossen  geätzte  Kalkspatrhomboeder,  mit  einer 
Kantenlänge  bis  17  mm,  offenbar  eine  Neubildung.  Ursprünglich 
linsenförmige  Einlagerungen  weißen,  körnigen  Kalksteins  mit  Bän- 
dern frischen  Pyrits  sind  im  Chloritschiefer  nicht  selten,  sie  haben 
an  allen  Faltungen  des  Muttergesteins  teilgenommen. 

Außer  den  genannten,  etwa  fingerdicken  Klüften,  die  den 
Schiefer  senkrecht  zur  Schieferung  durchsetzen,  sind  noch  saigere, 
stellenweise  mehrere  dem  mächtige,  dann  wieder  sich  auskeilende 
Quarzgänge  vorhanden.  Wo  sich  der  Verband  mit  dem  Neben- 
gestein gelockert  hat,  finden  sich  nette  Quarz-  und  Bergkristall- 
stöcke mit  den  gewöhnlichen  Formen  a,  p,  z,  zu  denen  bei  den 
Bergkristallen  noch  s tritt.  Manchmal  sitzen  auf  den  Quarzen 
vollkommen  ausgebildete  Kalkspatrhomboeder. 

Die  Anatase  vom  Gatschberg  im  Sölktal  sind  die 
ersten,  die  in  den  Niederen  Tauern  gefunden  wurden. 

Zwei  Stufen,  von  denen  eine  ziemlich  reich  ist,  befinden  sich 
in  der  mineralogischen  Abteilung  des  st.  Landesmuseums  Joanneum 
in  Graz. 


668 


Fr.  Tucan, 


Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  auf 
der  Insel  Brac  in  Dalmatien  mit  besonderer  Berücksichtigung 
der  Bauxitfrage. 

Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram,  Kroatien). 

Mit  3 Textfiguren. 

I. 

Von  den  mehligen  Siliciumdioxyd  von  Milna  war  in  diesem 
Centralblatt  schon  die  Rede.  Ich  habe  seinerzeit  eine  Notiz1  ver- 
öffentlicht, in  welcher  ich  betonte,  daß  dieses  Si02  „nach  seinen 
Eigenschaften  und  der  Art  seines  Vorkommens  bemerkenswert 
erscheint“.  Was  seine  Löslichkeit  betrifft,  erwähnte  ich,  daß 
dieser  feine  Staub  nicht  nur  in  verdünnter,  sondern  auch  in  kon- 
zentrierter Alkalilauge  gekocht  wurde.  Das  Kochen  dauerte 
20  Stunden,  das  Silicium  dioxydpulver  blieb  aber  un- 
verändert. Ob  etwas  von  diesem  Si  02 -Pulver  aufgelöst  wurde, 
konnte  ich  nicht  konstatieren,  da  das  Filtrieren  unmöglich  ist; 
durch  das  Filtrierpapier  geht  die  milchige  Lösung  hindurch  und 
im  Filtrate  findet  man  wieder  Si02-P  ulver.  Ebenso 
geht  es  auch  bei  dem  Auflösen  im  Alkalicarbonate.  Nach  20stiindigem 
Kochen  in  20°/oiger  Sodalösung  wurde  nur  4o/0  Si02  gelöst; 
alles  übrige  blieb  im  staubigen  Zustande  unverändert,  und  wenn 
man  mit  dem  Auswaschen  beginnt,  geht  die  milchige  Lösung  durch 
das  Filter.  Bei  mehrstündigem  Kochen  in  konzentrierter  Salzsäure 
bleibt  das  Siliciumdioxyd  unverändert,  Schwefelsäure  aber  ist  nicht 
ohne  Wirkung:  bei  mehrstündigem  Kochen  in  konzentrierter  H2S04 
geht  das  Pulver  in  einen  flockigen  (voluminösen)  Zustand  über“. 
Genau  dieselben  Resultate  erzielte  P.  P.  von  Weimarn,  welcher 
diese  von  mir  entdeckte  Kieselsäure  untersuchte.  Er  schreibt  mir 
unter  anderem:  „Meine  Untersuchungen  über  ihre  Löslichkeit  in 
Na  (0  H)  und  in  Na,  C 03  ergaben  dieselben  Resultate,  vollkommen 
mit  den  Ihrigen  übereinstimmend“. 

H.  Leitmeier,  der  sich  schon  seit  Jahren  mit  Kieselsäure- 
Versuchen  beschäftigt,  ersuchte  mich,  ihm  etwas  von  diesem  mehligen 
Siliciumdioxyd  zu  senden,  da  er  natürliche  Kieselsäure  für  das 
Handbuch  der  Mineralchemie,  herausgegeben  von  C.Doelter,  bearbeite 
und  auch  über  diese  mehlige  Kieselsäure  einige  Löslichkeitsversuche 
gerne  machen  möchte.  In  einem  Briefe  an  mich  teilt  er  mir  mit, 
seine  Löslichkeitsversuche  zeigten,  daß  dieses  mehlige  Si02  in 
konzentrierter  Kalilauge  völlig  löslich  sei.  Er  stellte  eine  Lösung 
von  ca.  3 Teilen  Wasser  und  1 Teil  K(OH)  oder  noch  weniger 
konzentriert  her,  gab  wenig  von  der  Probe  hinein  und  kochte 
langsam.  Dadurch  wurde  die  Lösung  allmählig  konzentrierter ; 
die  trübe  Lösung  ward  plötzlich  klar.  Nun  konnte  man  noch  eine 

‘Fr.  Tucan,  Ein  mtdiliges  Siliciumdioxyd.  Dies.  Centralbl.  1912.  p.  296. 


Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  etc.  669 

ziemliche  Menge  der  Si02  hineingeben,  die  in  kurzer  Zeit  sich 
auflöste.  Der  Konzentrationsgrad  ist  dabei  ein  so  hoher,  daß  beim 
Erkalten  Erstarrung  eintritt. 

Ich  ersuchte  meinen  Kollegen  Vladimir  Njegovan,  auch  diese 
Versuche  durchzuführen.  Er  nahm  100  g K(OH)  und  löste  in 
300  cc  Wasser.  50  cc  dieser  Lösung  gab  er  nach  dem  Erkalten 
in  eine  Silberschale  und  schüttete  0,05  g des  mehligen  Silicium- 
dioxyds hinein.  Dies  kochte  langsam  auf  einem  Asbestdrahtnetz 
40  Minuten,  bis  eine  Erstarrung  eintrat.  Jetzt  fügte  er  der  heißen 
Lösung  25  cc  Wasser  bei.  Es  spritzte  ein  wenig  und  es  begann 
zu  sieden.  Als  die  Lösung  ruhig  wurde,  war  sie  beinahe  klar. 

Derselbe  Versuch  wurde  auch  mit  0,1  o g mit  demselben 
Resultat  ausgeführt.  Mit  0,30  g 40  Minuten  gekocht,  22  cc 
H2  0 dazu  (es  siedete  und  spritzte  ein  wenig) ; es  blieb  nur  ein 
etwas  brauner  Niederschlag.  Diese  so  (mit  25  cc  H20)  verdünnte 
Lösung  kochte  noch  etwa  20  Minuten,  bis  sich  eine  Kruste  bildete. 
Dazu  kam  25  cc  H2  0,  es  siedete  und  als  es  ruhig  wurde,  war 
die  Lösung  fast  ganz  klar.  0,50  g gekocht  35  Minuten,  bis  es 
sich  nicht  ganz  konzentrierte.  Dazu  2 5 cc  H2  0 und  die  Lösung 
wurde  vollkommen  klar  zum  Unterschied  der  bisherigen 
Lösungen,  welche  doch  ein  wenig  trüb  waren.  Diese 
Trübung  legte  sich  auch  nach  mehrstündigem  Stehen  nicht. 

Ich  machte  dieselben  Versuche  mit  Na  (O  H)  und  bekam  die- 
selben Resultate,  die  mit  denen  Leitmeier’s  übereinstimmten. 

Was  ist  also  die  Ursache,  daß  ich  bei  meinen  ersten  Versuchen 
nicht  zu  diesem  Resultate  gelangen  konnte?  Wie  kam  es,  daß 
das  mehlige  Si02  bei  meinen  (wie  auch  Weimarn’s)  Versuchen 
durch  Kochen  in  der  Alkalilauge  nicht  in  Lösung  ging?  Ich 
vermute,  daß  die  Ursache  in  der  Arbeitsmethode  liegt.  Ich  nahm 
niemals  eine  so  konzentrierte  Alkalilauge1,  daß  sie  beim  Kochen 
hätte  erstarren  können.  Während  der  ganzen  Operation  blieb  die 
Konzentration  dieselbe,  denn  die  Menge  des  verdampften  Wassers 
wurde  durch  die  gleiche  Menge  frischen  Wassers  wieder  ersetzt. 
Bei  einer  solchen  Operation  ist  die  Alkalilaugelösung  nach  mehr- 
stündigem Kochen  tatsächlich  trüb,  was  dafür  spricht,  daß  das 
Si02-Pulver  uocli  nicht  gelöst  ist. 

Unterdessen  habe  ich  bei  der  Untersuchung  des  mehligen 
Si02  einige  Eigenschaften  und  Eigentümlichkeiten  bemerkt,  durch 
welche  ich  auf  seine  kolloidale  Natur  liinweisen  konnte,  trotzdem 
ich  auf  mikroskopischen  Wege  konstatierte,  daß  dies  eine  anisotrope 
Substanz  sei.  In  dieser  Hinsicht  wollte  ich  ein  sicheres  Resultat 
haben  und  sandte  von  diesem  Si02-Pulver  etwas  an  den  russischen 
Kolloidchemiker  P.  P.  von  Weimarn  mit  der  Bitte,  er  möge  dieses 
Pulver  vom  Standpunkte  der  Kolloidchemie  untersuchen.  P.  P.  von 


1 Auch  die  Menge  des  mehligen  Si02  war  beträchtlich. 


670 


Fr.  Tucan, 


Weimarn  erfüllte  bereitwilligst  mein  Ansuchen  und  unterwarf  das 
Si  02-Pulver  der  Untersuchung.  Seine  Resultate  teilte  er  mir 
brieflich  mit  und  ich  bringe  mit  seiner  Erlaubnis  das  Resultat  zur 
Kenntnis,  indem  ich  es  aus  dem  Russischen  wörtlich  übersetze  : 

„Die  ultramikroskopische  Untersuchung  der  Suspension  im 
Wasser  des  mir  von  Ihnen  zugesandten  Niederschlages,  ebenso  wie 
auch  die  Untersuchung  desselben  mit  den  stärksten  Vergrößerungen 
der  besten  gegenwärtigen  mikroskopischen  Objektive,  zeigt  deutlich, 
daß  der  von  Ihnen  entdeckte  Niederschlag  SiO,  der  Teilchengröße 
und  den  anderen  Eigenschaften  (die  Brownsche  Bewegung  usw.) 
nach  den  Kolloidniederschlägen,  wenn  auch  nicht  von  großem 
Dispersitätsgrad,  eingereiht  werden  muß.  Es  ist  interessant  (da 
dies  ein  Beweis  der  Kolloidität  ist),  daß  Ihr  Niederschlag  von  Si  02 
keine  anderen  Suspensionen  in  0,5  normaler  Na(0  H)-Lösung  gibt1“. 

Also  trotz  seiner  Löslichkeit  in  Alkalilauge  (und  trotz  seines 
spez.  Gew.2,  welches  dasselbe  ist  wie  bei  Quarz)  zeigt  dieses 
mehlige  Siliciumdioxyd  die  Eigenschaften  einer  Kolloidsubstanz. 

Der  Nachweis  der  Löslichkeit  dieses  mehligen  Si02  durch 
Leitmeier  gab  ihm  Anlaß,  mir  folgendes  brieflich  mitzuteilen: 
„Damit  fällt  alles,  was  Sie  in  der  Untersuchung  der  Bauxite  des 
Karstes  auf  Grund  dieser  Si  02  theoretisch  aufgebaut  haben " . Ich 
glaube,  daß  diese  Schlußfolgerung  nicht  gerechtfertigt  ist.  Die 
Frage  ist  folgende : Befindet  sich  im  Sporogelit  Si  02  als  Tonerde- 
kieselsäuregel oder  als  mechanisch  beigemengte  Si  02  ? Ich  be- 
haupte, Sporogelit  ist  ein  Hydroxyd  (Al2  03  • H2  0),  in  welchem  sich 
mechanisch  beigemengt  die  Kieselsäure  befindet,  da  dies  alle  meine 
Untersuchungen  beweisen.  Ob  diese  Kieselsäure  Quarz,  Chalcedon, 
oder  Opal  oder  eine  andere  (kristalline  oder  kolloide)  Varietät  ist, 
das  ist  nebensächlich,  gerade  so  wie  es  bedeutungslos  ist,  ob  dieses 
mehlige  Si  02  in  K (0  H)  löslich  ist  oder  nicht.  Und  ist  es  allein 
für  sich  in  Alkalilauge  löslich,  so  ist  es  auch  als  Sporogelitbei- 
mischung,  und  umgekehrt.  Es  besteht  aber  die  Tatsache,  daß 
dieses  SiO„-Pulver  so  fein  ist,  daß  wir  es  in  keinem  Falle  u.  d.  M. 
bemerken  können,  nur  wenn  es  als  Beimischung  einer  anderen 
Substanz  vorkommt.  Verfertigt  man  ein  Präparat  von  jenem 
Kalkstein,  in  welchem  sich  dieses  mehlige  Si  02  befindet,  so  bemerkt3 

1 In  einem  anderen  Briefe  teilt  mirP.  P.  v.  Weimarn  auch  folgendes 
mit:  „Jedenfalls  besteht  nicht  der  allergeringste  Zweifel,  daß  das  mehlige 
Si02  einen  kolloiden  Niederschlag,  aber  nicht  vom  großen  Dispersitätsgrad, 
darstellt“. 

2 Das  spez.  Gew.  (sr  _ 990=  2,643  + 0.005)  wurde  von  K.  Endell 
bestimmt,  der  mich  ersuchte,  ihm  etwas  vom  mehligen  Si02  zur  Unter- 
suchung zu  senden. 

3 Hie  und  da  findet  man  im  Präparate  auch  einzelne  Quarzkörner, 
dann  Turmalin-,  Zirkon-  und  Rutilkriställchen ; dies  sind  aber  die- 
jenigen Minerale,  die  wir  gewöhnlich  in  den  Carbonatgesteinen  des 
kroatischen  Karstes  finden,  und  deren  Quantum  kaum  0,3  °/o  überschreitet. 


Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  etc.  671 

man  u.  d.  M.  nur  winzige  Calcitkörner,  und  doch  enthält  dieser 
Kalkstein  ca.  20°/o  solchen  Si02.  Bei  den  Bauxiten  befindet  sich 
noch  eine  größere  Schwierigkeit  betreffs  dieses  Si02,  da  das 
Hauptmineral  der  Bauxite,  Sporogelit,  meistenteils  rot  gefärbt  und 
vollkommen  isotrop  ist,  und  es  gibt  auch  kein  Mittel,  um  dieses 
SiO„  im  Sporogelit  mikroskopisch  nachzuweisen.  Obgleich  der 
Sporogelit  auch  wreiß  sein  kann,  wie  dies  der  Fall  beim  Bauxit 
von  Skocaj  ist,  können  wir  das  mehlige  Si02  nicht  einmal  unter 
der  stärksten  Vergrößerung  konstatieren;  wir  sehen  nur  lappige 
Gebilde  von  Sporogelit.  Ich  stellte  auch  solche  Präparate  her, 
zu  welchen  ich  ein  überwiegendes  Quantum  dieses  Si02  und  eine 
kleinere  Menge  Bauxitpulver  nahm,  aber  auch  in  diesen  Präparaten 
konnte  man  außer  Sporogelit  und  einigen  akzessorischen  Mineralen 
gar  keine  Spur  von  Si02  bemerken.  Durch  das  Lösen  in  Alkali- 
lauge können  wir  zu  keinem  Resultate  gelangen,  da  dieses  Si02, 
wie  dies  Leitmeier  bewies,  in  Alkalilauge  löslich  ist.  Bloß  die 
Schwefelsäure  gibt  uns  einen  deutlichen  Beweis  vom  Vorhandensein 
dieses  Si02  im  Bauxit.  Wenn  wir  weißen  Bauxit  von  Skocaj 
(er  enthält  44,48  °/o  Si02)  in  konzentrierter  H2S04  kochen,  so 
erscheint  dieses  Si02  als  ein  flockiger  Niederschlag,  es  ändert 
seine  Beschaffenheit  gerade  so,  wie  mehliges  Siliciumdioxyd  selbst, 
indem  es  aus  dem  staubigen  in  einen  flockigen  Zustand  übergeht. 
Die  Existenz  dieses  mehligen  Si02  im  Sporogelit  ist  also  nicht 
problematisch,  wie  dies  Lazarevic  1 meint. 

II. 

Geradeso  wie  dieses  mehlige  Si  02  verhalten  sich  auch  die- 
jenigen Minerale,  die  im  Bauxit  Vorkommen  und  von  denen  ich 
behaupte,  daß  von  ihnen  S 03,  CaO,  P2Oä  usw.  herrührt.  Es 
sind  dies  Gips,  Anhydrit,  Apatit  etc.  Lazarevic1 2  behauptet,  daß 
S 03,  Ca  0,  P2  05  usw.  im  Sporogelit  (Bauxit)  adsorbiert  seien  und 
bekämpft  meine  Anschauung,  indem  er  alle  meine  Untersuchungen 
über  die  Terra  rossa  und  den  Bauxit  als  unzuverlässig  darzustellen 
versucht.  Ich  werde  jedoch  für  meine  Ansichten  Beweise  bringen 
und  zeigen,  daß  Lazarevic’s  Einwände  unbegründet  sind.  Lazarevic 
sagt,  er  habe  seinerzeit  die  Bauxite  vom  Tollingraben  bei  Leoben 
untersucht  und  behauptet,  „in  der  Substanz  ließ  sich  nach  kurzem 
Umrühren  mit  warmem  Wasser  im  Filtrate  freie  Schwefelsäure 
nackweisen“.  Ich  beschäftige  mich  schon  seit  1905  mit  dem 
Studium  der  Carbonatgesteine  des  kroatischen  Karstgebietes,  sowie 
mit  der  Terra  rossa  und  dem  Bauxit,  welche  im  engsten  Zusammen- 
hang mit  den  erwähnten  Carbonatgesteinen  stehen.  Schon  Ende 
des  Jahres  1905  kam  ich  zu  einem  ähnlichen  Resultat  wie 


1 M.  Lazareviö,  Zu Tuöans  „Bauxitfrage“.  Dies.Centralbl.  1913.  p.258. 

* 1.  c.  p.  258. 


672 


Fr.  Tucan, 


Lazarevic,  aber  mit  Hilfe  dieses  Resultates  kam  ich  zur  Folgerung, 
daß  ich  den  S03-Gehalt  nicht  als  vom  Sporogelit  adsorbierte  freie 
Schwefelsäure  betrachten  dürfe,  sondern  als  Bestandteil  des  Anhydrits 
bezvv.  des  Gipses,  welche  Minerale  im  Kalkstein  und  Dolomit, 
bezw.  im  unlöslichen  Rückstand1 2,  d er  Terrarossa  (Bauxit) 
Vorkommen.  Ich  habe  diese  meine  Beobachtungen  erst  im  Jahre  1908 
publiziert  (also  ein  Jahr  früher  als  die  Untersuchungen  Cornu- 
Lazarevic  erschienen),  und  zwar  gerade  in  diesem  Centralblatt  L 
Unter  anderem  schreibe  ich  in  dieser  Notiz:  „Bei  den  mikroskopischen 
Untersuchungen  der  Kalksteine  und  Dolomite 3 des  kroatischen 
Karstgebietes  fand  ich  oft  winzige  Kriställchen  oder  unregelmäßige 
Körnchen  eines  optisch  zweiachsigen  Minerals,  welches  Gips  bezw. 
Anhydrit  sein  könnte.  Um  zu  einem  sicheren  Ergebnis  zu  gelangen, 
bediente  ich  mich  der  mikrochemischen  Reaktionen  und  das  Resultat 
war  zufriedenstellend.  Ich  ging  folgendermaßen  vor : Der  Kalk- 
stein bezw.  Dolomit  wird  fein  gepulvert,  einige  Stunden  im  Becher- 
glase mit  reinem  Wasser  gekocht  und  dann  abliltriert.  Das  Filtrat 
wird  konzentriert  und  spektroskopisch  auf  Calcium  und  mit  Chlor- 
barium auf  Schwefelsäure  geprüft.  Von  dieser  konzentrierten 
Lösung  wurde  ein  Präparat  verfertigt.  „IT.  d.  M.  sieht  man,  daß 
in  diesem  Präparat  sehr  schöne  Sphärokristalle  erscheinen;  welche 
aber  nicht  aus  Gips,  sondern  aus  Anhydrit  bestehen.  Die  einzelnen 
Kristallnadeln  dieser  Sphärokristalle  löschen  gerade  aus;  die 
Richtung  ihrer  Verlängerung  ist  zugleich  die  Richtung  ihrer 
kleinsten  Elastizität,  es  sind  demnach  diese  Kristallnadeln  nach  a 
gestreckt“.  In  meiner  Abhandlung  „Die  Kalksteine  und  Dolo- 

1 In  meiner  Abhandlung  „Die  Kalksteine  etc.“  p.  614  schrieb  ich 
folgendes:  „Um  die  akzessorischen  Mineralien  nachzuweisen,  war  es  not- 
wendig, von  jedem  Kalke  und  Dolomite  Dünnschliffe  anzufertigen.  Weil 
aber  in  der  Mehrzahl  der  Dünnschliffe  diese  akzessorischen  Mineralien 
nicht  zu  sehen  waren,  so  Avurden  diese  Carbonatgesteine  in  verdünnter 
und  etwas  angewärmter  Essigsäure  gelöst  und  von  dem  unlöslichen 
Rückstände  Präparate  für  die  mikroskopischen  Untersuchungen  angefertigt. 
Die  Dolomite  hingegen,  welche  von  Essigsäure  nur  sehr  schwer  und  lang- 
sam gelöst  werden,  löste  ich  zum  selben  Zwecke  in  verdünnter  Salzsäure, 
welche  man  etwas  anwärmen  mußte“.  Da  aber  der  Zweck  dieser  Lösungs- 
versuche nur  der  Avar,  daß  der  überflüssige  Calcit  entfernt  wird,  die 
akzessorischen  Minerale  jedoch  bleiben,  und  zAvar  auch  diejenigen,  Avelche 
sich  möglicherweise  nach  einer  längeren  Behandlung  hätten  auflösen  können, 
so  hat  man  eben  diese  Versuche  nie  bis  zu  Ende  durchgeführt.  Auf  diese 
Weise  sind  auch  leichtlösliche  Minerale  (z.  ß.  Brucit  etc.)  im  unlöslichen 
Rückstand  geblieben. 

2 F.  Tucan  : Mikrochemische  Reaktionen  des  Gipses  und  Anhydrites. 
Dies.  Centralbl.  1908.  p.  134. 

:i  Die  mikroskopischen  Untersuchungen  beziehen  sich  größtenteils 
auf  den  unlöslichen  Rückstand  (siebe  hierüber  die  zitierte  Abhandlung 
„Die  Kalksteine  etc.“  p.  614). 


Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  etc.  673 

mite  etc.“  1 sage  ich  über  die  Schwefelsäure  folgendes:  „In  den  Car- 
bonatgesteinen kommt  außerdem  noch  an  Calcium  gebundene 
Schwefelsäure  vor.  Wenn  man  das  Gestein  in  fein  gepulvertem 
Zustande  längere  Zeit  in  destilliertem  Wasser  kocht,  so  kann  man 
in  der  abfiltrierten  Flüssigkeit  Schwefelsäure  nachweisen“.  „Schwefel- 
säure kommt  nicht  nur  in  Carbonatgesteinen,  in  welchen  man 
Gips  oder  Anhydrit  mikroskopisch  nachweisen  kann,  sondern  auch 
in  solchen  Gesteinen  vor,  in  denen  mau  die  erwähnten  Minerale 
nicht  beobachten  kann.  So  ergibt  z.  B.  ein  Kalkstein  von  Petrovo 
selo  in  Wasser  gekocht  eine  sehr  deutliche  Reaktion  auf  Anhy  drit 
r e s p.  Schwefelsäure“. 

Man  könnte  mir  zwar  vorwerfen,  daß  sich  diese  Untersuchungen 
auf  Kalksteine  (und  Dolmite)  und  nicht  auf  Bauxite  beziehen. 
Dieser  Einwand  wäre  jedoch  unbegründet.  Das  Hauptaugenmerk 
meiner  Carbonatuntersuchungen  richtete  sich  auf  den  unlöslichen 
Rückstand  (also  jenes,  was  die  Terra  rossa  und  den  Bauxit 
bildet).  In  diesem  unlöslichen  Rückstand  mußte  ich  oft  Anhydrit 
oder  Gips  mittels  der  mikrochemischen  Reaktionen  aufsuchen.  So 
fand  ich  in  einem  Kalkstein  von  Benkovac  bei  Fuzine  eine  be- 
deutende Menge  von  Anhydrit,  von  dessen  Indentität  ich  mich 
auch  durch  mikrochemische  Reaktion  überzeugen  konnte.  Die 
Ausführuugsart  dieser  Reaktion  habe  ich  in  meiner  oben  zitierten 
Arbeit  „Die  Kalksteine  etc. “ beschrieben,  und  zwar  folgendermaßen: 
„Zu  diesem  Zwecke  löste  ich  ein  Stück  des  Kalksteins  in  Essig- 
säure, sammelte  den  unlöslichen  Rückstand  auf  dem  Filter  und 
wusch  denselben  so  lange  mit  Wasser,  bis  keine  Reaktion  auf 
Calcium  mehr  zu  beobachten  war  (wovon  ich  mich  spektroskopisch 
überzeugte).  Diesen  unlöslichen  Rückstand  kochte  ich  längere 
Zeit  im  Wasser  (beiläufig  24  Stunden);  dann  wurde  abfiltriert  und 
das  Filtrat  konzentriert.  Einige  Tropfen  dieses  Filtrates  wurden 
auf  ein  Objektgläschen  gebracht,  auf  dem  bei  dem  Eintrocknen  der 
Flüssigkeit  Anhydrit  in  Form  winziger  Sphärokriställchen  und 
säulenförmiger,  gestreckter  Ki-iställchen  entstand.  Im  Filtrate 
wurden  außerdem  noch  spektroskopisch  Calcium  und  mittels  Chlor- 
baryum  Schwefelsäure  nachgewiesen“  (p.  677).  Also  auch  hier 
wurde  der  unlösliche  Rückstand  untersucht. 

Der  Grund,  warum  ich  annehme,  daß  der  S 03-Gehalt  im 
Sporogelit  nicht  als  eine  adsorbierte  Substanz  vorhanden,  sondern 
an  Calcium  gebunden  ist,  ist  folgender:  ich  konnte  in  vielen 
Fällen  im  unlöslichen  Rückstand  mikroskopisch  Anhydrit  konstatieren. 
So  fand  ich  z.  B.  im  unlöslichen  Rückstände  eines  Kalksteines  von 
Bakarac  im  kroatischen  Küstenlande  Anhydrittäfelchen.  Ein  solches 
Anhydrittäfelchen  zeigt  Fig.  1. 

Was  die  Phosphorsäure  betrifft,  so  glaube  ich,  daß  sie  von 


1 Annales  geol.  d.  1.  Penins.  balcanique.  6.  H.  2.  p.  615. 
Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  43 


674 


Fr.  Tucan, 


Apatit  lierrührt,  welchen  ich  öfter  im  unlöslichen  Rückstand  und 
in  der  Terra  rossa  fand.  Fig  2 gibt  uns  ein  Apatitkriställchen 
aus  der  Terra  rossa  von  Grobnicko  polje  (kroat.  Küstenland). 


Fig.  1.  Ein  Anhydrittäfelchen  aus 
dem  unlöslichen  Rückstände  eines 
Kalksteines  von  Bakarac  im  kroa- 
tischen Küstenlande.  Vergr.  127. 


Fig.  2.  Ein  Apatitkriställchen  aus 
der  Terra  rossa  von  Grobniöko 
polje  im  kroatischen  Küstenlande. 
Vergr.  127. 


Daß  die  Titansäure  von  Titanmineralien,  hauptsächlich  vom 
Rutil,  stammt,  brauche  ich  nicht  zu  beweisen,  da  diese  Minerale 
regelmäßig  im  Bauxit  Vorkommen.  Man  braucht  nur  Bauxit  in 


Fig.  3.  Zirkonkriställchen  im  unlöslichen  Rückstände  eines  Bauxits  von 
Grgin  brijeg  im  Velebit.  Bauxit  gelöst  in  Fluorwasserstoffsäure  (und 
Schwefelsäure).  Vergr.  133. 

HF  aufzulösen,  um  zu  sehen,  daß  der  Rutil  ein  regelmäßiger  Bestand- 
teil dieses  in  HF  unlöslichen  Rückstandes  ist. 

Daß  die  Meinung,  Bauxit  sei  „eine  homogene  und  isotrope 
Masse“,  unberechtigt  ist,  zeigt  uns  schon  Fig.  3.  Ich  verfertigte 


Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna  etc.  675 

von  einem  Bauxit  von  Grgin  brijeg  (im  Velebit)  einen  Dünnschliff, 
u.  d.  M.  jedoch  sah  ich  nur  eine  gänzlich  „homogene“  und  isotrope 
Masse.  Auch  als  ich  etwas  von  diesem  Bauxit  pulverte  und  davon 
ein  Präparat  für  die  mikroskopische  Untersuchung  herstellte,  sah 
ich  u.  d.  M.  nur  „homogenen“  und  isotropen  Sporogelit.  Von 
anderen  Mineralen  keine  Spur ! Und  doch  blieb  mir,  als  ich  dieses 
Pulver  in  HF  (mit  H2S04)  löste,  eine  beträchtliche  Menge  von 
Zirkon  (siehe  Fig.  3).  Auch  die  chemische  Analyse  zeigt,  daß 
in  diesem  Bauxit  Zirkonsäure  vorkommt.  Wäre  denn  die  Behauptung, 
daß  diese  Zirkonsäure  im  Bauxit  adsorbiert  sei,  nur  deshalb 
begründet,  weil  sich  u.  d.  M.  „eisenreiche  Bauxite  als  eine  voll- 
kommen homogene  und  isotrope  Masse  erweisen?“  Nein,  denn 
wir  können  auf  optischem  Wege,  ich  betone  es  noch- 
mals, nicht  immer  konstatieren,  ob  eine  Substanz 
homogen  ist  oder  nicht1. 

Was  die  Identität  der  Terra  rossa  und  des  Bauxits  betrifft, 
an  welcher  Identität  Lazarevic  zweifelt,  behaupte  ich,  daß  nach 
solch  deutlichen  Beweisen,  wie  ich  sie  in  meiner  Arbeit  über 
Terra  rossa  und  Kispatie  in  seiner  Arbeit  über  Bauxite  veröffentlichte, 
es  nicht  nötig  ist  noch  weiter  darüber  zu  verhandeln. 

Zagreb  (Agram)  Min.-petrogr.  Institut,  1913. 


1 Etwas  Analoges  erwähnt  A.  G.  Miele  (Über  die  Halit-  und  Sylvin- 
mischungen der  vesuvischen  Fnmarolen.  Rendiconte  R.  Accad.  Szienze 
Fis.  Mat.  die  Napoli  1910.  p.  235.),  welcher  fand,  daß  von  acht  sein- 
schönen,  wasserhellen,  anscheinend  vollkommen  homogenen  Sylvinkristallen, 
fünf  Kristalle  nur  nicht  mit  Sicherheit  bestimmbare  Na  Cl-Spuren,  während 
die  drei  anderen  3,1  °/o,  4,3  °/o  und  selbst  8,1  °/o  Na  CI  enthielten.  Um  fest- 
zustellen, ob  das  Natriumchlorid  in  den  erwähnten  Kristallen  gelöst  oder 
nur  sehr  fein  beigemengt  war,  bereitete  Miele  eine  Mischung  von  Bromoform 
und  Toluol  mit  dem  spez.  Gewicht  2,10,  welches  zwischen  dem  des  Na  CI  (2,17) 
und  des  K CI  (1,99)  liegt.  Das  Pulver  der  drei  Kristalle  wurde  in  der 
Flüssigkeit  eingetragen  und  immer  fiel  eine  kleine  Menge  Pulver  zu 
Boden.  Ihre  Prüfung  zeigte,  daß  es  aus  reinem  Natriumchlorid  bestand. 
Es  zeigte  sich  also,  daß  die  untersuchten  Kristalle,  trotz 
ihres  homogenen  Aussehens,  das  Natriumchlorid  nur  als 
sehr  feine  mechanische  Beimischung  enthielten.  (Aus  dem 
Referat  Zambonini’s  in  Zeitschrift  für  Kristallographie  und  Mineralogie. 
52.  p.  317.) 


43* 


676 


E.  Geinitz.  — K.  Endeil. 


Zur  Verdeutschung  des  Wortes  „Drumlin“. 

Von  E.  Geinitz  in  Rostock. 

In  der  norddeutschen  Diluviallandschaft  sind  besonders  in  der 
Nähe  der  Endmoränen  Drumlins  häutig.  Ihr  Auftreten  hatte  auch, 
ehe  man  ihre  Natur  erkannt  hatte,  bereits  zu  der  Bezeichnung 
„bucklige  Welt“  Veranlassung  gegeben.  Ich  hatte  sie  (dies.  Central- 
blatt 1912.  p.  165)  unter  dem  2.  Januar  1912  als  „Rückenberge“ 
bezeichnet,  während  J.  Korn  (Jalirb.  preuß.  geol.  Laudesanst.  34.  I. 
p.  191)  unter  dem  8.  März  1913  die  Bezeichnung  „Schildrücken“ 
vorschlägt.  Von  Interesse  war  mir  kürzlich,  als  ich  derartige  Hügel 
mit  dem  plattdeutschen  Ausdruck  „Drüminel“  bezeichnen  hörte. 
Man  nennt  mit  dem  Worte  Drümmel  hierzulande  einen  „Haufen“, 
der  sich  abhobt  (ein  Drümmel  von  Buschwerk,  auch  ein  Drümmel 
tierischer  Exkremente).  Offenbar  liegt  hier  eine  sprachliche  Ver- 
wandtschaft des  niederdeutschen  Wortes  mit  dem  englischen  vor 
und  es  würde  sich  hiernach  rechtfertigen,  wenn  wir  das  deutsche 
Urwort  „Drümmel“  als  Bezeichnung  für  unsere  „drumlins“  an- 
wenden würden.  Eiickenberg  (im  Gegensatz  zu  Wallberg,  Os) 
und  Schildrücken  sind  zwar  auch  treffende  Bezeichnungen,  wenn 
man  aber  wünscht,  den  bereits  eingebürgerten  Terminus  Drumlin 
beizubehalten,  so  würde  unser  „Driimmel“  einen  glücklichen  Kom- 
promiß darstellen. 

Rostock,  15.  September  1913. 


üeber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  bei  Herschbach  im 

Westerwald. 

Von  K.  Endell  in  Berlin. 

Die  geologische  Lagerung  und  mineralogische  Konstitution 
tertiärer  Quarzite  wurden  von  A.  Plank  1 für  hessische  und  rheinische, 
von  W.  Schübel1 2  für  sächsische  Vorkommen  beschrieben.  Da  diese 
Quarzite  meist  in  ihrer  Lagerung  gestört  und  in  lose  Blöcke  auf- 
gelöst sind,  kann  über  die  Art  ihrer  Entstehung  nichts  Sicheres 
ausgesagt  werden.  In  Westdeutschland  heißen  sie  daher  auch 
Findlingsquarzite,  in  Sachsen  Knollensteine  In  den  seltenen  Fällen, 
wo  sie  als  feste  Bänke  anstehen,  werden  sie  gewöhnlich  von  Ton 
überlagert  und  gehen  im  Liegenden  in  Sand  über.  In  Sachsen 
befinden  sich  häufig  Braunkohlenflöze  über  den  Tonen  bezw.  Quar- 
ziten. Auf  Grund  dieser  Lagerungsverhältnisse  wird  von  den  ge- 

1 A.  Plank,  Petrographisclie  Studien  über  tertiäre  Sandsteine  und 
Quarzite.  Diss.  Gießen.  1910.  p.  1—43. 

2 W.  Schübel,  Über  Knollensteine  und  verwandte  tertiäre  Verkiese- 
lungen. Zeitschr.  f.  Naturw.  83.  1911.  p.  161  — 196. 


K.  Endell.  lieber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  etc.  677 


nannten  Forschern  angenommen,  daß  aus  überlagernden  Silikat- 
gesteinen infolge  von  Zersetzung  freiwerdende  Alkalisilikatlösungen 
von  oben  her  in  Sand  infiltriert  wären  nnd  diesen  verfestigt  hätten. 
Wenn  auch  der  analytisch-chemische  Nachweis  an  einem  geeigneten 
Profil  bisher  nicht  erbracht  wurde,  so  hat  doch  diese  Bildungsart 
sehr  viel  Wahrscheinlichkeit  für  sich.  Daß  kohlensäurehaltige 
Wässer  aus  feldspatführenden  Gesteinen  Kieselsäure  und  Alkalien 
herauslösen,  ist  durch  die  Versuche  von  G.  Forchhammer  (1835), 
J.  J.  Ebelmen  (1845),  W.  B.  und  R.  E.  Rogers  (1848),  G.  Bischof 
(1854),  D.  H.  Rogers  (1858),  R.  Müller  (1877),  G.  P.  Merrill 
(1897)  und  vielen  anderen1  bewiesen  und  mit  Ton-  bezw.  Kaolin- 
entstehung in  Zusammenhang  gebracht  worden2.  Die  zur  Zer- 
setzung der  Silikatgesteine  notwendige  Kohlensäure  ist  sowohl  in 
den  Atmosphärilien  als  auch  in  möglichen  Moorwässern  vorhanden. 

Unter  der  liebenswürdigen  Führung  von  Herrn  Dr.  Fuchs- 
Bendorf  konnte  ich  die  tertiären  Quarzite  bei  Herschbach  im 
Westerwald  studieren,  die  dort  an  primärer  Lagerstätte 
liegen.  Da  die  an  günstigen  Profilen  gewonnenen  Schlüsse,  die 
durch  chemische  Analysen  wirksam  unterstützt  wurden,  die  Ver- 
mutungen Plaxk’s  und  Schubel’s  bezüglich  der  Entstehungsart 
tertiärer  Quarzite  rechtfertigen,  so  seien  sie  kurz  mitgeteilt.  Die 


1 G.  Forchhammer,  Pogg.  Ann.  35.  1835.  p.  331 ; J.  J Ebelmen,  Ann. 
d.  Mines.  4.  Ser.  7.  1845.  p.  45  und  ebenda  12.  1847.  p.  627 ; W.  B.  und 
R.  E.  Rogers,  Am.  Journ.  Sei.  2.  Ser.  5.  1848.  p.  401 ; G.  Bischof,  Chem. 
u.  Phys.  Geol.  1.  1854.  p.  61;  D.  H.  Rogers,  Geol.  Surv.  of  Penns.  Rept. 
1858.  p.  700;  R.  Müller,  Min.  Mitt.  1877.  p.  31;  G.  P.  Merrill,  Rocks, 
Rock  Weathering  and  Soils.  1897.  p.  234,  neue  Ausg.  1906,  worin  sich 
weitere  Literatur  findet. 

2 Eine  Durchsicht  der  sehr  zahlreichen  Literatur  und  der  Analysen 
frischer  und  tonig  zersetzter  Gesteine  desselben  Fundortes  zeigt,  daß 
bereits  seit  mehr  als  20  Jahren  die  Tonentstehung  aus  Sili- 
katgesteinen, auch  rein  analytisch,  ziemlich  genau  unter- 
sucht ist.  Diese  in  großer  Anzahl  vorliegenden  älteren  Arbeiten  wurden 
von  H.  Stremme,  der  1908  (Zeitschr.  f.  prakt.  Geol.  16.  1908.  p.  251 — 254) 
die  etwas  in  Vergessenheit  geratene  Kohlensäuretheorie  der  Kaolinisierung 
wieder  aufgriff,  (wohl  aus  Unkenntnis)  nicht  erwähnt.  Auch  auf  den  von 
H.  Stremme  oft  betonten  genetischen  Zusammenhang  von  Kaolinen  mit 
Mooren  (der  nebenbei  bemerkt  für  die  meisten,  z.  T.  recht  ausgedehnten 
nordamerikanischen  Kaoliulagerstätten  nicht  zutrifft,  vergl.  H.  Ries,  N.  C. 
Geol.  Surv.  Bull.  13.  1897.  p.  60.  undWisc.  Geol.  Surv.  Bull.  15.  1 9061  ist 
bereits  von  E.  Mitscherlich  (Lehrb.  d.  Chem.  I.  1.  1835.  p.  140),  F.  Hoch- 
stetter  (Sitzber.  d.  Akad.  Wiss.  Wien.  20.  1856.  p.  13),  A Julien  (Am. 
Assn.  Adv.  Sei.  Proc.  28.  1879.  p.  311 — 410)  und  besonders  von  E.  Ramann 
(Bodenkunde.  1905)  hingewiesen  worden.  Hinsichtlich  des  nach  dem  eben 
Gesagten  abzulehnenden  Prioritätsanspruches  des  Herrn  Stremme  vergl. 
auch  die  scharfe  Zurückweisung,  die  A.  Himmelbauer  (Fortschr.  d.  Min.  3. 
1913.  p.  38)  veröffentlicht  hat. 


678 


K.  Endeil, 


hier  angenommene  Dynamik  der  Quarzitentstehung  ist  voraus- 
sichtlich von  allgemeinerer  Bedeutung. 

Die  untersuchten  Quarzitbrüche  liegen  etwa  1 km  westlich 
des  Ortes  Herschbach.  An  verschiedenen  Stellen  aufgenommene 
Profile  lassen  sich  folgendermaßen  schematisch  wiedergeben. 

Schematisches  Profil  des  Quarzits  bei  Herschbach. 

a)  2,3  m diluvialer  Sand. 

b)  1 „ braunrotes,  tonig  zersetztes  Eruptivgestein. 

e)  0,1 — 0,4  „ grünlicher  Ton. 

d)  0,05  „ brauner  Streifen. 

e)  0,2— 0,3  „ bröckliger  Quarzit,  übergehend  in 

f)  0,5 — 4,0  „ Quarzit,  feste  Bank,  iikergehend  in 

g)  Liegendes  reiner  Sand. 


Herr  Dr.  Fuchs 

war  so 

liebenswürdig,  Proben 

von  b),  c), 

e),  f)  analysieren  zu 

lassen. 

Die  Analysen  ergaben 

folgendes : 

b 

c 

e 

f 

Si02 

56,73 

63,14 

95,01 

98,36 

AI2O3 

23,32 

23,16 

4,60 

1,06 

Fes03. 

16,22 

8,70 

0,55 

0,36 

CaO 

1,29 

1,19 

— 

— 

Mg  0 -(-  Alkalien  \ 
als  Differenz  / 

2,44 

3.81 

— 

— 

Summe  .... 

100,00 

100,00 

100,16 

99,78 

Glühverlust  . . 

18,56 

15,90 

1,70 

0,22 

Die  Mächtigkeiten  des  Profils  wechseln  stark,  einzelne  Schichten 

fehlen  manchmal  auch 

ganz. 

b)  und  c) 

entsprechen 

wohl  einem 

der  in  der  Umgegend  zahlreich  vorhandenen  Eruptivgesteine,  die 

unter  dem  Einfluß  von  kohlensäurehaltigen  Wässern,  vielleicht 
Braunkohlenwässern,  in  roten  bezw.  grünlichen  Ton  umgewandelt 
sind.  Die  vom  Verf.1  früher  untersuchten,  unter  Braunkohlen  zer- 
setzten Basalte  des  Vogelsberges  haben  ein  analoges  Aussehen  und 
ähnliche  chemische  Zusammensetzung.  Bemerkenswert  ist  besonders 
die  Fortführung  der  Alkalien  als  Silikatlösung,  die  in  den  an- 
stehenden frischen  Eruptivgesteinen  leicht  8 — 1 0 °,/o  ausmachen2. 
Einzelne  stark  zersetzte  Mineralien  des  ursprünglichen  Gesteins 
wie  Augit  und  Feldspäte  sind  im  Ton  noch  zu  erkennen.  Braun- 
kohlen finden  sich  allenthalben  im  Westerwald  und  sind  an  dieser 
Stelle  möglicherweise  bereits  erodiert.  Von  anderen  Stellen  wird 
öfters  das  Zusammenvorkommen  von  Findlingsquarziten  bezw. 
Knollensteinen  mit  Braunkohlen  beschrieben.  Da  infolge  der  redu- 

1 K.  Endell,  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXI.  1910.  p.  1 — 54. 

2 Vergl.  die  Analysenzusammenstellung  von  Eruptivgesteinen  aus 
dem  Westerwald  bei  H.  Schneiderhöhn,  Jahrb.  K.  preuß.  geol.  Landes- 
anstalt 1909.  II.  p.  307. 


Ueber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  etc. 


679 


zierenden  Wirkung  der  Kolilensäurewässer  die  Eisenverbindungen 
des  zersetzten  liegenden  Gesteins  stets  in  der  Oxydulform  auf- 
treten  und  daher  grün  sind,  so  wird  die  rote  Farbe  des  darüber 
lagernden  Tones  auf  nachträgliche  Oxydation  zurückzuführen  sein. 
Der  erheblich  höhere  Eisengehalt  des  braunen  Tones  dürfte  mit 
der  geringeren  Löslichkeit  der  Eisenoxydverbindungen  Zusammen- 
hängen. 

Darunter  findet  sich  ein  stark  bröckliger  Quarzit,  der  stetig 
in  stahlharten  Quarzit  mit  muschligem  Bruch  übergeht.  Dieser 
muß  hier  häufig  mit  Dynamit  gesprengt  werden.  Der  feste  Quarzit 
geht  wieder  stetig  in  reinen  Sand  über.  An  einer  Stelle  war  über 
dem  liegenden  Saud  noch  eine  etwa  0,1  m dicke  Braunsteinschicht 
vorhanden.  Analoge  Profile  konnte  ich  an  mehreren  Stellen  be- 
obachten, während  an  anderen  die  festen  Quarzite  in  loses  Block- 
werk aufgelöst  waren. 

Über  die  Art  der  Entstehung  dieser  Quarzite  lassen 
sich  ans  der  geologischen  Lagerung  und  den  chemischen  Analysen 
folgende  Schlüsse  ziehen.  Die  Verkieselung  der  Sande  zu  Quarzit 
hat  von  oben  nach  unten  stattgefunden.  Die  zur  Verkieselung 
notwendigen  Mengen  Kieselsäure  wurden  als  Alkalisilikatlösungen 
zngeführt,  die  durch  Kohlensäurewässer  aus  den  überlagernden 
Eruptivgesteinen  herausgelöst  waren.  Die  Eruptivgesteine  wurden 
dabei  gleichzeitig  in  fast  alkalifreie  Tone  umgewandelt.  Die 
Alkalisilikatlösungen  drangen  in  den  liegenden  Sand  ein.  Nach- 
diffundierende  Kohlensäure  füllte  die  Kieselsäure  als  Gel  und  ent- 
führte die  Alkalien  in  Form  von  Alkalicarbonaten.  Die  zurück- 
bleibende Kieselsäure  hat  sich  dann  im  Lauf  der  Zeit  infolge  von 
Innenschrumpfung1  und  Kristallisation  verfestigt  und  als  Zement 
die  Sandkörner  eingebettet.  Die  Mächtigkeit  der  Quarzite 
würde  dann  der  Reichweite  der  Infiltration  der 
Alkalisilikatlösungen  entsprechen. 

Einen  ähnlichen  Gedankengang  bezüglich  der  Entstehung  der 
Braunkohlenquarzite  verfolgte  bereits  1889  C.  Simon2,  der  folgendes 
lehrreiche  Experiment  anstellte.  „Pulverisiert  man  .Kasseler  Braun1, 
d.  i.  braunkohlige  Humusstoffe  zusammen  mit  Quarzsand  und  über- 
gießt das  Gemenge  auf  einem  Filter  mit  reinem  Wasser,  so  tropft 
dieses  kristallhell  und  ohne  die  mindeste  Färbung  durch,  fügt  man 
aber  dem  AVasser  etwas  kieselsaures  Alkali , z.  B.  aufgelöstes 
Wasserglas  hinzu,  so  färbt  sich  das  Filtrat  sofort  intensiv  braun 
unter  gleichzeitiger  Ausscheidung  von  amorpher  Kieselsäure  (wohl 
infolge  der  sich  entwickelnden  stärkeren  Kohlensäure.  K.  E.), 

1 Dieser  von  R.  E.  Liesegang  (Kolloid-Zeitschr.  VII.  1910.  p.  307) 
geprägte  Ausdruck  ist  in  seinem  Buch : Geologische  Diffusionen,  1913. 
p.  101  und  132,  näher  erläutert. 

2 C.  Simon,  Entstehung  von  Quarziten  der  Braunkohlen formation. 
Bericht  d.  Vereins  f.  Xaturk.  zu  Kassel.  1889.  p.  86 — 88. 


680  K.  Endeil,  Ueber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  etc. 


welche  an  Stelle  des  sich  auflösenden  Kasseler  Brauns  tritt  und 
zwischen  den  Sandkörnern  zurückbleibt,  diese  verkittet  und  so 
Quarzit  bildet.“  Simon  nimmt  an,  daß  die  zur  Quarzitbildung 
notwendigen  Alkalisilikatlösungen  aus  zersetzten  feldspatreichen 
Gesteinen  stammen,  in  bituminöse  Sande  einsickern  und  die  obigen 
Wirkungen  hervorbringen.  Ob  die  zur  Ausfüllung  der  Kieselsäure 
aus  den  Alkalisilikatlösungen  erforderliche  Kohlensäure  liinzn- 
diffundiert  ist  oder  aus  bereits  vorhandenen  Humusstoffen  frei- 
gemacht wurde,  läßt  sich  jetzt  schwerlich  entscheiden. 

Die  Quarzite  von  Herschbach  entsprechen  u.  d.  M.  vollkommen 
den  von  A.  Plank  beschriebenen  Zementquarziten.  Z.  T.  korrodierte 
Quarzkörner  lagern  in  einem  sehr  feinen  kieseligen  Zement,  dessen 
mineralogische  Natur  mikroskopisch  nicht  aufgelöst  werden  kann. 
Färbt  man  uneingedeckte  Schliffe  mit  wässeriger  Fuchsinlösung, 
so  nimmt  nur  der  Zement,  gerade  so  wie  Chalcedon,  den  Farb- 
stoff an  und  behält  ihn  auch  nach  zwölfstündigem  Auswässern. 
Aus  dem  zwischen  den  Sandkörnern  ursprünglich  vorhandenen 
Kieselsäuregel  ist  vermutlich  im  Laufe  der  Zeit  auf  dem  Wege 
über  Opal  Chalcedon  oder  faseriger  Quarz  entstanden.  Die 
mineralogische  Konstitution  steht  also  mit  der  ange- 
nommenen geologischen  Bildungsart  in  Einklang. 

Diese  tertiären  Zementquarzite  von  Herschbach  sind  für 
die  feuerfeste  Industrie  von  großer  Bedeutung.  Aus  ihnen 
werden  die  besten  ca.  96 — 97°/o  Si02  enthaltenden  Silikasteine 
angefertigt,  die  zur  Auskleidung  der  heißesten  Stellen  der  Siemens- 
Martin-Stahlöfen  dienen.  Die  körnigen,  devonischen  Coblenzquarzite 
eignen  sich  trotz  gleicher  chemischer  Zusammensetzung  dafür  nicht, 
da  bei  ihnen  die  Umwandlungsgeschwindigkeit  des  Quarzes  in  Cri- 
stobalit  und  Tridymit  oberhalb  1000°  zu  gering  ist.  Auf  diese 
Verhältnisse  bin  ich  an  anderer  Stelle  ausführlich  eingegangen1. 
Dort  wird  auch  auf  Grund  der  neuesten  Untersuchungen 2 ein  Zu- 
standsdiagramm des  Kieselsäureanhydrids  gegeben,  dessen  stabiles 
575°  ca.  900°  ca.  1470° 

Schema:  a- Quarz Quarz ^ ^^-Tridymit^  ^ /J-Cristobalit  >- 
1685  0 

>- Si02-amorph  gerade  in  den  monatelang  hohen  Temperaturen 
ausgesetzten  Silikasteinen  realisiert  wird3. 

Berlin,  Eisenhüttenmännisches  Laboratorium  der  Technischen 
Hochschule,  Juli  1913. 

1 Stahl  und  Eisen  1913. 

2 Iv.  Enijell  und  R.  Rieke,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem.  79.  1912. 
p.  239 — 259  und  C.  N.  Fenner,  Journ.  Washington  Acad.  1912.  p.  471—480. 

3 Vergl.  dazu  die  Abbildung  7 meines  Aufsatzes  in  Stahl  und  Eisen. 
1912.  p.  392—397. 


Fr.  Noetling,  Die  Packung  losen  Sandes. 


681 


Die  Packung  losen  Sandes. 

Von  Fritz  Noetling  in  Hobart  (Tas ). 

Im  8.  Hefte  dieser  Zeitschrift  linden  sich  zwei  Aufsätze,  deren 
einer  eine  merkwürdige  Illustration  des  andern  ist.  Ich  meine 
Herrn  Monsen’s  Mitteilung  „Über  die  Packung  tertiärer,  diluvialer 
und  rezenter  Sande“,  und  Herrn  Semper’s  Aufsatz:  „Zur  eocänen 
Geographie  des  nordatlandischen  Gebietes“.  Mit  den  vergleichenden 
Details  will  ich  mich  hier  nicht  befassen,  das  überlasse  ich  dem 
Leser,  wohl  aber  möchte  icli  Herrn  Monsen’s  Ansichten  etwas 
näher  betrachten.  Herrn  Monsen’s  Aufsatz  ist  wohl  als  eine  „vor- 
läufige“ Mitteilung  zu  betrachten;  obschon  der  Verf.  dies  nicht 
direkt  sagt,  so  geht  dies  doch  aus  dem  Sinne  hervor.  Mit  einer 
vorläufigen  Mitteilung  soll  man  zwar  nicht  allzuscharf  ins  Gericht 
gehen,  denn  der  Verf.  reserviert  sich  das  Hecht,  seine  Ansichten 
vor  Abschluß  der  endgültigen  Arbeit  noch  erheblich  zu  modifizieren. 
Immerhin  wenn  die  auf  Seite  245  ausgedrückten  Ansichten  als 
das  Endresultat  der  Untersuchungen  anzusehen  sind,  so  muß  man 
noch  viel  eingehendere  Begründungen  abwarten,  als  die  Mittelwerte 
des  Porenvolumes,  bevor  man  dieselben  endgültig  akzeptieren  kann1. 

Ich  habe  mich  Ende  der  achtziger  Jahre  bereits  mit  der 
Packung  losen  Sandes  beschäftigt,  als  ich  gelegentlich  meiner 
Untersuchung  des  Petroleumvorkommens  in  Birma  die  Quantität 
Petroleum  zu  bestimmen  suchte,  die  sich  theoretisch  in  einem  ge- 
gebenen Volum  losen  Sandes  befinden  kann.  Hierbei  wurde  von 
etwaiger  Absorption  abgesehen  und  nur  die  Quantität,  welche  sich 
zwischen  den  einzelnen  festen  Mineralkörnern  finden  könnte,  zu 
bestimmen  gesucht.  Leider  sind  andere  Arbeiten  dazwischen  ge- 
kommen und  die  Arbeit  blieb  liegen.  Ich  kam  nur  so  weit,  als 
ich  feststellte,  daß  theoretisch  bei  losester  Packung  die  Zwischen- 
räume oder  Poren  47,5  °/o,  bei  denkbar  festester  Packung  25,9  °/0 
des  Gesamtvolumens  betrugen,  wobei,  und  das  ist  der  wichtigste 
Punkt,  das  prozentuale  Gesamtvolum  der  Zwischenräume  sich  immer 
gleich  blieb,  von  welcher  Größe  auch  die  einzelnen  Körner  waren, 
vorausgesetzt,  daß  alle  regelmäßig  und  von  gleicher  Größe  waren. 
Theoretisch  ist  also  das  Gesamtvolum  der  Zwischenräume  (Porosität) 
einer  Volumeinheit  ufernahen  groben  Gerölles  von,  sagen  wir  2 cm 
Durchmesser,  die  gleiche  wie  die  eines  uferfernen  Sandes  von 
0,2  mm.  Aus  der  Packung,  d.  h.  aus  der  Bestimmung  des  Poren- 
volumens, wäre  demnach  nicht  so  ohne  weiteres  zu  schließen,  ob 
die  betreifende  Ablagerung  der  ufernahen  Litoralzone  angehört 
oder  nicht. 

Nun  liegt  zwischen  den  beiden  theoretischen  Grenzen  von 
25,9  ° o und  47,5  °/o  ein  weiter  Spielraum,  und  selbst  der  Mittel- 
wert 36,2  °/o  ist  wenig  zufriedenstellend  (das  Gesamtmittel  aus 


1 Die  „uferferne“  Litoralzone  ist  wohl  ein  Druckfehler. 


682 


Fr.  Noetling,  Die  Packung  losen  Sandes. 


Monsen’s  17  Beobachtungen  ergibt  39,1  °/0 , eine  Zahl,  die  dem 
theoretisch  errechnten  Mittelwerte  allgemein  sehr  nahe  kommt). 
Allein  in  der  Natur  haben  wir  es  wohl  schwerlich  irgendwo  mit 
Körnern  zu  tun,  die  alle  von  genau  gleicher  Größe  sind.  Wie 
die  mechanischen  Bodenanalysen  hinlänglich  genug  beweisen,  so 
sind  Körner  oft  von  recht  verschiedener  Größe  in  einem 
scheinbar  sehr  homogenen  Sande  vorhanden. 

Nun  hat  in  der  Zwischenzeit  Warrington  1 weitere  Unter- 
suchungen ausgeführt  und  bewiesen , daß , wenn  bei  theoretisch 
engster  Packung  die  Zwischenräume  durch  eine  andere  Anzahl 
Kugeln  von  geringerem  Durchmesser  als  die  primären  ausgefiillt 
würden,  diese  auf  6,7  °/o  des  Gesamtvolumens  reduziert  würden, 
und  wenn  dieser  Prozeß  nur  noch  einmal  wiederholt  würde,  so 
würden  die  Zwischenräume  auf  1 , 7 °/0  reduziert.  Mit  andern 
Worten,  1000  ccm  eines  derartigen  Sandes  würden  theoretisch 
nur  17  ccm  Wasser  enthalten,  während  dieselben  475  cbm 
enthalten  würden,  wenn  sie  aus  durchaus  gleichartigem  Material 
beständen.  Da  wir  es  aber  in  der  Natur  sicherlich  mehr  mit 

Material,  das  nach  erstem-  als  nach  letzterer  Art  zusammengesetzt 
ist,  zu  tun  haben,  so  ist  das  ein  Faktor,  der  sehr  zu  berück- 
sichtigen ist.  Namentlich  bei  theoretischen  Untersuchungen.  Ferner 
hat  Warrington  nachgewiesen,  daß  die  Quantität  Wasser,  die 
im  Boden  zurückgehalten  wird,  von  der  Größe  der 
einzelnen  Partikelchen  abhängt,  aber  nicht  von  der 
Größe  der  Zwischenräume.  Also  je  kleiner  die  Partikelchen, 
um  so  mehr  Wasser  vermag  der  Boden  aufzusaugen  und  zurück- 
zuhalten. Diese  Beobachtung  ist  übrigens  nicht  neu  und 

bereits  im  Jahre  1840  durch  den  Rev.  W.  L.  Rham  of  Winklield 
gemacht  wurden1 2.  Ob  dies  tatsächlich  die  älteste  Beobachtung 
ist,  vermag  ich  mangels  einschlägiger  deutscher  Litteratur  nicht 
zu  sagen.  Ich  erwähne  dies  nur  deswegen,  damit  mir  nicht  irgend 
jemand  triumphierend  Litteraturunkenntnis  vorwirft.  An  sich  ist 
es  ja  auch  unwichtig,  wer  zuerst  auf  diese  Eigenschaft  des  Bodens 
aufmerksam  gemacht  hat , es  genügt . daß  diese  seit  nahezu 
75  Jahren  bekannt  ist. 

Daraus  kann  man  schließen,  daß,  wenn  Monsen  bei  frisch 
aufgewelitem  Dünensand  ein  Poreuvolum  von  46  °/o  findet,  das  also 
dem  theoretischen  Maximum  ungemein  nahekommt,  daß  entweder 
alle  Sandkörner  fast  genau  gleich  groß  sind,  oder  daß  der  Dünen- 
sand aus  ungemein  feinen  Partikeln  besteht,  die  eine  große 
Quantität  Wasser  zurückhalten.  Eine  gewisse  Bestätigung  dieser 
Tatsache  findet  man  in  Monsen’s  Zahlen  selbst ; die  groben  Sande 
haben,  mit  Ausnahme  des  vom  Zipfelberge,  ein  geringeres  Poren- 

1 Lectures  on  Some  of  the  Phjrsical  Properties  of  Soil.  1900. 

2 An  Essay  on  the  Simplest  and  Easiest  Mode  of  Analysing  Soils. 
Roy.  Agric.  Soc.  1840.  I.  p.  46 


G.  Thiel,  Ueber  das  Vorkommen  von  Kohlensäure  in  Kohlenflözen.  683 


volum,  als  die  feinen  Diinensande,  und  selbst  bei  den  letzteren  wird 
man  bemerken,  daß  am  Fuß  der  Düne,  wo  naturgemäß  das  gröbere 
Material  liegt,  das  Porenvolum  geringer  ist,  als  höher  hinauf,  wo 
sich  der  feinere  Sand  flndet. 

Herr  Monsen  muß  noch  weitere  gewichtigere  Beweise  bei- 
bringen,  bevor  seine  Angabe,  daß  marine  Sande,  die  nicht  der 
(uferfernen)  Litoralzone  angehören,  fester  gepackt  sind,  als  solche 
der  Litoralzone.  Das  gleiche  gilt  für  die  Süßwasserablagerungen. 
Zum  allermindesten  müssen  seine  Untersuchungen  des  Porenvolumens 
durch  eine  mechanische  Analyse  des  betreffenden  Materiales  unter- 
stützt werden,  denn  nur  so  lassen  sich  die  einzelnen  Sandarten 
miteinander  vergleichen. 

Einen  Schluß  aus  dem  ursprünglichen  Porenvolum  von  Sand- 
steinen, über  deren  Entstehung  als  küstennahe  oder  küstenferne 
Ablagerungen  machen  zu  wollen,  halte  ich  für  durchaus  verfehlt. 
Wenn  der  Lablatus- Quader  ein  Porenvolum  von  38,6  °/0  besitzt, 
und  der  Quader  von  Dohna  nur  32,7  °/0,  so  beweist  das  doch  nur, 
daß  ersterem  wahrscheinlich  eine  größere  Zahl  von  kleineren 
Körnern  beigemengt  sind  als  letzterem.  Durch  diese  wird  bei 
ersterem  die  Fähigkeit,  eine  größere  Quantität  von  Wasser,  als 
bei  letztem  zurückzuerhalten,  hervorgerufen. 

Herrn  Monsen’s  mühevollen  Untersuchungen  scheinen  mir  nichts 
weiter  als  ein  anderer  Beweis  des  alten  Erfahrungssatzes , daß 
küstenferne  Ablagerungen  feinkörniger  sind  als  küstennahe,  zu  sein. 

Eines  endgültigen  Urteiles  über  dieselben  will  ich  mich  vor- 
läufig enthalten,  namentlich  da  mir  die  Methode,  nach  welcher  er 
die  Porosität  bestimmt  hat,  nicht  bekannt  ist.  Verdienstlich  sind 
ja  solche  Untersuchungen  immerhin,  aber  um  mit  Semper  zu  reden : 
Tatsachen  einerseits  und  Schlüsse,  die  zur  Hälfte  Hypothesen  als 
Prämissen  haben,  erfordern  wissenschaftlich  eine  ganz  verschiedene 
Behandlungsweise. 


Ueber  das  Vorkommen  von  Kohlensäure  in  Kohlenflözen. 

Von  Bergassessor  Dr.-Ing.  6.  Thiel. 

Im  Anschluß  an  die  Besprechung  der  Arbeit  des  Herrn  Dr. 
Bruno  Müller  „Die  Kohlenflözbildung  als  natürlicher  Konser- 
vierungsvorgang“ (N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  1913.  II.  p.  315)  möchte 
ich  noch  einige  Bemerkungen  vom  bergmännischen  und  geologischen 
Standpunkte  beifügen  : 

Verf.  berichtet  von  der  irrigen  Ansicht  Gintl’s,  der  die 
Kohlensäure  des  berühmten  Biliner  Sauerbrunnens  von  Kohlen- 
flözen ableitet.  Obgleich  ich  dieser  Ansicht,  die  übrigens  schon 
früher  in  ähnlichen  Fällen  vertreten  wurde  (Liebig  leitet  die 
Kohlensäure  der  Kohlensäurequellen  der  Wetterau  ebenfalls  aus 
Kohlen  — Braunkohlen  — her,  siehe  Organ.  Chem.  1841.  p.  300), 


684 


G.  Thiel, 


ebenfalls  scharf  entgegentrete,  möchte  ich  anderseits  davor  warnen, 
alle  Kohlensäure,  die  man  in  Stein-  und  Braunkohlengruben  findet, 
als  aus  dem  Erdinnern  stammend  anzusehen.  Die  Kohlensäure 
enthaltenden  schweren  Wetter  der  Steinkohlenbergwerke  bilden 
sich  teilweise  durch  Oxydation  der  Steinkohle  in  alten  Bauen ; 
teilweise  mag  auch  die  Ausdünstung  der  gewöhnlich  nur  geringe 
Mengen  von  Kohlensäure  (2—20  ccm  in  1 00  g)  enthaltenden  Kohle  zur 
Verschlechterung  der  Wetter  beitragen.  Nur  örtlich  und  da,  wo  man 
einen  Zusammenhang  von  Kohlensänre-Exhalationen  mit  den  Flözen 
feststellen  kann,  sollte  man  von  einem  ursächlichen  Zusammenhang 
von  Kohlensäuregehalt  der  Flöze  und  Kohlensäure-Exhalationen 
reden.  Natürlicherweise  wird  die  nötige  Feststellung  durch  Vor- 
handensein von  Säuerlingen  und  Kohlensäurebläsern  in  Bergwerken 
sehr  erleichtert.  Hier  ist  dann  eben  eine  Identität  der  Orte  der 
Exhalationen  mit  den  Stätten  der  Kohlenbildung  erwiesen.  Jedoch 
bleibt  dann  wieder  die  Zeitfrage,  die  von  Dr.  Bruno  Müller  an- 
geregte Frage  nach  der  Einwirkung  der  exhalierten  Kohlensäure 
auf  die  Kohlenbildung  offen.  Es  ist  auch  keineswegs  nötig,  daß 
es  die  exhalierte  Kohlensäure  ist,  welche  die  Kohlenbildung  ge- 
fördert hat.  Kohlensäure  bildet  sich  beim  Koblungsvorgange  des 
Zellstoffs,  also  bei  der  Entstellung  der  Flöze  selbst,  nach  der 
Formel : C6  H10  05  -f  H,  0 = 3 C H4  -j-  3 C 02.  Diese  Kohlensäure 
allein  könnte,  indem  sie  auf  den  Mooren  lagerte,  den  Kohlungs- 
vorgang zu  begünstigen  leicht  genügt  haben.  Jedenfalls  steht 
die  Voraussetzung,  daß  überall  Kohlensäure-Exhalationen  an  den 
Orten  und  während  der  Bildung  der  Steinkohlenflöze  stattgefunden 
haben,  mit  den  im  Kohlenbergbau  gemachten  Beobachtungen  in 
entschiedenem  Widerspruche.  Weiterhin  ist  die  vierte  von  Dr. 
Bruno  Müller  in  seiner  Arbeit  aufgeworfene  Frage , ob  auch 
andere  Anzeichen  vorhanden  sind,  daß  die  Zeiten  der  Kohlenbildung 
auch  Zeiten  starker  Exhalationen  juveniler  Kohlensäure  gewesen 
sind  und  die  Beantwortung  dieser  Frage  von  Interesse.  Verf. 
schreibt  es  dem  starken  Kohlensäuregehalt  der  Lagunen  und  Ge- 
birgsbecken  der  Kohlenzeifen  und  ihrer  Zuflüsse,  sowie  der  starken 
lösenden  Wirkung  des  kohlensäurehaltigen  Wassers  zu,  daß  die 
an  den  Gebirgsrändern  aufgelösten  und  abgeschwemmten  und  so- 
dann den  Kohlenbecken  zugeführten  Materialien,  soweit  es  Kalke  usw. 
waren,  in  Lösung  blieben,  während  nur  die  unlösbaren  Reste,  Tone 
und  Silikate,  zu  Boden  sanken.  Daher  beständen  die  Zwischen- 
schichten der  Flöze  meist  aus  Ton  und  Sandstein,  während  die 
gelösten  Kalke  (als  Bicarbonate)  in  den  Abflüssen  dem  Meere  zu- 
geführt wurden.  In  dem  offenen  Meere,  das  mit  Kalk  angereichert 
wurde,  habe  sich  daher  eine  überaus  üppige  Meeresfauna  entwickeln 
können.  Daher  sei  auch  zeitweise  die  Entstehung  der  orgauogenen 
Meereskalke  beschleunigt  worden.  So  finde  man  im  Carbon  die 
Familie  der  Fusuliniden  mit  ihren  verhältnismäßig  großen  Formen, 


lieber  das  Vorkommen  von  Kohlensäure  in  Kohlenflözen.  685 


so  im  Tertiär  (in  der  entsprechenden  Zeit  der  Braunkohlenbildung) 
die  Nummuliten.  So  seien  zu  den  Zeiten  der  Kohlenbildung,  also 
im  Carbon  und  Tertiär,  die  Bildung  der  großen  mächtigen  Kalk- 
ablagerungen des  offenen  Meeres  zu  erklären. 

Wenn  Verf.  der  Meinung  ist,  daß  die  Flöze  meist  in  Tone 
eingebettet  seien  und  höchstens  Sandsteine  enthalten,  so  sei,  nm 
die  Verallgemeinerung  der  in  Teilen  von  Europa  gemachten  Be- 
obachtungen zu  verhindern,  auf  die  großen  Kohlenbecken  des  Donez 
und  des  Innern  Nordamerikas  verwiesen,  deren  Mittel  mächtige 
and  ausgedehnte  Kalkbänke  (Fusulinenkalk)  bilden.  Ferner  ist  zu 
erwidern,  daß  die  Kiesen fusuliniden  nicht  carbonisch,  sondern  post- 
carbonisch  sind,  und  daß  die  Nummuliten  als  Leitfossilien  des 
Eocäns  lange  vor  der  Zeit  der  großen  miocänen  Braunkohlen- 
bildungen auftreten  und  ihr  Wachstum  wohl  anderen  als  den  an- 
geführten Ursachen,  vor  allem  wohl  einem  sehr  geeigneten  warmen 
Klima,  verdanken.  Ferner  hat  der  Verf.  übersehen,  daß  die  der 
Kreidegrenze  angehörige  Laramie-Liburnische-Garumnische  Stufe 
der  Vornummulitenzeit  und  die  oligocän-miocäne  Braunkohlenzeit 
der  Nachnummulitenzeit  zuzurechnen  ist.  Hiernach  hängt  die  Num- 
mulitenzeit  und  die  Braunkohlenbildung  überhaupt  nicht  zusammen. 
Auf  die  Unzulässigkeit,  die  Rolle  von  Nummuliten  und  Fusulinen 
gleichzusetzen,  sei  hier  schon  deshalb  hingewiesen,  weil  auch  bei 
der  Erörterung  des  paläoklimatischen  Problems  die  Verwechslung 
der  Rollen  der  Nummuliten  und  Fusulinen  zu  irrigen  Schluß- 
folgerungen Veranlassung  gegeben  hat.  M.  E.  wird  man  durch 
die  Ausführungen  des  Verf.’s  veranlaßt,  eine  kohlensäurereiche  Zeit 
in  geologische  Abschnitte  teils  vor  teils  nach  der  Bildung  der 
Kohlenlager  zu  verlegen,  so  daß  die  erwähnten  Zeitabschnitte  be- 
nachbart wären,  keinesfalls  aber  zusammenfielen.  Für  den  Walden- 
burger  Steinkohlenbezirk  glaube  ich  bestimmt  annehmen  zu  müssen, 
daß  der  Austritt  der  Kohlensäure  aus  dem  Erdinnern  zur  Zeit  der 
tertiären  Gebirgsbewegung  und  vielleicht  auch  der  mittelrotliegenden 
Porphyrausbrüche  oder  im  Anschluß  daran  begonnen  hat.  Tertiäres 
Alter  ist  auch  den  in  dem  Steinkohlengebirge  festgestellten  viel- 
fachen Verwerfungen  zuzusprechen,  deren  einige  den  exhalierenden 
Kohlensäuregasen  zum  Austritt  dienten  und  noch  heute  dienen  und 
die  Ursache  für  die  in  einigen  der  dortigen  Bergwerke  vorkommen- 
den Kohlensäuregasausbrüche  bilden.  Hierüber  wird,  wie  schon 
in  der  Besprechung  bemerkt,  demnächst  in  der  Litteratur  berichtet 
werden.  Wenn  der  Verf.  somit  auch  in  den  einzelnen  Punkten 
m.  E.  nicht  zu  einwandsfreien  Ergebnissen  gelangt  ist,  so  haben 
doch  seine  Ausführungen  das  Verdienst,  auf  das  behandelte  Problem 
hingewiesen  zu  haben , und  sie  werden  auch  weiterhin  zu  Er- 
hebungen über  die  behandelten  Fragen  anregen. 

Breslau,  im  Juni  1913. 


686 


J.  Simionescu. 


Megalosaurus  aus  der  Unterkreide  der  Dobrogea  (Rumänien). 

Von  J.  Simionescu  in  Jassy. 

Mit  1 Textfigur. 

Die  geologischen  Verhältnisse  der  südlichen  Dobrogea  sind 
ganz  verschieden  von  denjenigen  des  nördlichen  Teiles  dieser  trans- 
danubischen  Provinz  Rumäniens  '.  Während  in  der  nördlichen 
Gegend  (Distrikt  Tulcea)  die  paläozoischen  (teilweise  Devon) 
und  triadischen  Schichten  vorherrschen  und  stark  gefaltet  sind, 
ist  die  südliche  Gegend  (Distrikt  Constantza)  eine  alte,  aus  sibi- 
rischen grünen  Schiefern  gebildete  Abrasionsfläche , auf  welcher 
schwach  gefaltete,  oberjurassische  Schichten  und  kaum  gestörte, 
transgredierende , cretacische  und  tertiäre  Ablagerungen  ruhen. 
Alle  diese  haben  eine  neritische  Fazies. 

An  dem  rechten  Donauufer,  bei  Cernawoda  und  Cochirleni, 
kommen  ansehnliche,  fast  horizontal  geschichtete  Bänke  von  Unter- 
kreide zum  Vorschein.  Die  ganze  sehr  reiche  Fauna  dieser  Schichten 
besteht  nur  aus  Steiukernen  von  Bivalven  ( Diceras , Monopleura, 
Ichthyosarcölithes ),  Gastropoden  ( Pterocera , Natica,  Ncrinea),  Bryozoen 
und  Korallen  ; Brachiopoden  und  Echiniden  sind  spärlich  vertreten, 
während  Cephalopoden  (außer  Nautilus  pseudoelegans  Okb.)  ganz 
fehlen.  Nach  Macovei1 2  gehört  die  ganze  Schichtenserie,  die  mehr 
als  100  m dick  ist,  der  Valendis-  und  Barreme-Stufe  an. 

In  den  gelblichweißen  mergeligen  Kalksteinen  der  oberen 
Schichten  von  Cochirleni,  in  der  südlichen  Nähe  von  Cernawoda, 
welche  dem  Barrennen  zuzuzählen  wäre,  wurden  bis  jetzt  die 
einzigen  Wirbeltierreste  g'efunden,  und  zwar  ein  Unterkieferfragment 
von  Coclodus  und  der  hier  beschriebene  Zahn  von  Megalosaurus. 

Die  mit  Schmelz  bedeckte  Zahnkrone  erreicht  eine  Länge  von 
0,09  m und  eine  Breite  von  0,029  m.  Von  der  Zahnwurzel  ist 
nur  ein  kleines  Stück  erhalten.  Die  Form  des  Zahnes  ist  der- 
jenigen einer  Kopuliermesserklinge  sehr  ähnlich,  weil  nur  die  vordere 
Seite  stärker  gekrümmt  ist,  während  die  hintere  geradlinig  und 
nur  unten  wenig  konkav  ist.  Der  Zahn  ist  seitlich  gedrückt  mit 
scharfer  Vorder-  und  Hinterseite.  In  der  Halsregion  ist  aber  die 
Vorderseite  mehr  abgeflacht,  so  daß  hier  der  Querschnitt  oval 
erscheint.  Die  Oberfläche  ist  glänzend,  ohne  bemerkbaren  Längs- 
streifen ; längs  der  hinteren  Kante  sieht  man  aber  zahlreiche  sichel- 
förmige, schwache  Querfalten.  Nur  in  der  Halsregion  durchzieht 
eine  solche  Falte  die  ganze  Breite  des  Zahnes.  Die  Vorder-  und 

1 J.  Simionescu,  Le  neocretace  de  Babadag  in  Bull.  d.  1.  section  scient. 
de  lAcadömie  Roumaine.  2.  No.  2.  1913. 

* G.  Macovei,  La  göologie  de  la  Dobrogea  meridionale  in  C.  R.  de 
l'Institut  geologique  de  la  Roumanie.  2.  1913. 


Megalosaurus  aus  der  Unterkreide  der  Dobrogea  (Rumänien).  687 


Hinterseite  sind  sein-  fein  gezähnt.  Die  Zacken  sind  vorne  zahl- 
reicher (30  auf  1 cm)  als  hinten  (24  auf  1 cm),  wo  sie  aber 
gröber  sind.  Sie  steigen  bis  zum  Zahnhalse  ab. 

Es  ist  natürlich  sehr  schwer,  nach  einem  einzigen  Zahne  die 
Artbestimmung  durchzuführen.  Megalosaurus  Bucklandi,  die  ver- 
breitetste Art  in  Europa,  besitzt  Zähne,  die  in  ihrer  vollen  Ent- 
wicklung viel  gekrümmt  gegen  die  Spitze  und  kleiner  sind.  Nach 
den  Angaben  von  Huxi.ey  und  Owen  (Quaterly  Journal.  25.  p.  313 
und  39.  p.  338)  hat  der  größte  Zahn  eine  Krone  von  nur  0,068  m 
Länge.  Pictet  und  nach  ihm  Sauvage  nehmen  als  ein  spezifisches 
Kennzeichen  an,  daß  die  Zacken  der  Vorderseite  nicht  weit  von 
der  Spitze  endigen  (vergl.  auch  Zittel,  Paläontologie.  1911. 
p.  282.  Fig.  426). 


Fig.  1. 

Megalosaurus  cf.  superbus  Sauv.  Unterkreide  von  Cochirleni  (Rumänien) 
(Regional-Museum  von  Harschowa). 


Viel  größere  Ähnlichkeit  besitzt  der  hier  beschriebene  Zahn 
mit  demjenigen,  welchen  Sauvage  1,  als  dem  Megalosaurus  superbus 
Sauv.  angehörend,  abbildete.  Beide  haben  dieselbe  Form,  Länge 
und  feine  Zacken,  die  bis  in  die  Halsregion  absteigen. 

Im  allgemeinen  stimmt  die  hier  angegebene  Figur  vollkommen 
überein  mit  Fig.  3 (PI.  II)  aus  der  erwähnten  Arbeit,  mit  dem 
einzigen  Unterschied,  daß  der  Zahn  von  Louppy  schlanker,  während 
der  von  Cochirleni  etwas  breiter  — bei  derselben  Länge  — ist. 
Interessant  ist  aber  nicht  die  Artbestimmung,  sondern  das  Vor- 
handensein von  einem  Vertreter  der  Dinosauriergruppe  in  der  Unter- 
kreide Rumäniens,  und  daß  der  Verbreitungsraum  des  Megalosaurus 
dadurch  um  eine  neue  Lokalität  größer  wird. 

1 II.  Sauvage,  Recherches  sur  les  Reptiles  trouvees  dans  le  Gault 
de  Test  du  bassin  de  Paris.  Mem.  soc.  geol.  France.  3.  Ser.  2.  p.  10. 
PI.  II  Fisr.  3. 


688 


Besprechungen.  — Personalia. 


Besprechungen. 

C.  Doelter:  Handbuch  der  .Mineralchemie.  2. 

2.  Lieferung.  Dresden  bei  Theodor  Steinkopff.  1913.  p.  161 — 320. 
Mit  1 Tafel  und  zahlreichen  Textfiguren,  Tabellen  und  Diagrammen. 

Diese  Lieferung  enthält:  Chemisch-Technisches  über  Quarz- 
glas von  M.  Herschkowitsch;  für  weitere  Ergänzungen  wird 
auf  die  Nachträge  am  Schluß  des  2.  Bandes  verwiesen.  Chalcedon 
von  H.  Leitmeier;  Achate  von  R.  E.  Liesegaxg;  Tridymit 
und  Cristobalit  von  C.  Doelter ; Kieselsäuren,  All- 
gemeines, von  A.  Himmelbauer;  Kieselsäuren,  künstlich  dar- 
gestellt von  Gf.  Tschermak;  Opal  nebst  zwei  Anhängen  über 
Tripelerde  und  Tabaschir,  sowie  Melanophlogit  von 
H.  Leitmeier;  Silikate,  Einteilung  von  C.  Doelter;  Analysen- 
methoden der  Be-Silikate  von  f M.  Dittrich:;  Lithium-, 
Natrium-  und  KaliumsiliKate,  Beryllium-  und 
Magnesium  Silikate  von  C.  Doelter;  Analysenmethoden  von 
Olivin  und  Hu  mit  von  f M.  Dittrich;  Olivin  von  C.  Doelter 
und  Humit  gruppe  von  Hj.  Sjögrex.  Der  zweite  Band  wird 
die  sämtlichen  Silikate  behandeln.  Vom  dritten  Band  ist  bereits 
die  erste  Lieferung  erschienen.  Max  Bauer. 


E.  Weinschenk:  Petrograpliisches  Vademecum. 
2.  verbesserte  Auflage.  Freiburg  i.  Br. , Herder’sche  Verlags- 
handlung. 1913.  210  p.  Mit  1 Tafel  und  101  Textfiguren. 

Die  erste  im  Jahre  1907  erschienene  Auflage  ist  in  diesem 
Centralblatt  1908,  p.  20,  besprochen  worden.  Die  Einteilung  ist 
genau  die  gleiche  geblieben,  doch  sind  im  einzelnen  vielfach  Ver- 
besserungen nach  dem  neuesten  Standpunkt  der  Wissenschaft  zu 
konstatieren.  Dabei  hat  nur  eine  geringe  Zunahme  der  Seiten- 
zahl (um  2)  stattgefunden,  damit  die  Handlichkeit  und  der  Ge- 
brauch auf  Exkursionen  nicht  gefährdet  werde.  Auch  die  Figuren- 
zahl ist  nur  um  3 gewachsen.  Erreicht  wurde  dies  dadurch,  daß 
Zusätze  durch  Abstriche  weniger  wichtiger  Stellen  kompensiert 
wurden.  Das  kleine  Buch  hat  dadurch  jedenfalls  an  Brauchbarkeit 
gewonnen.  Max  Bauer. 


Personalia. 

Berufung:  Prof.  Dr.  Franz  Kossmat  in  Graz  nach  Leipzig 
als  Nachfolger  von  Prof.  Stille. 


F.  W.  Rüsberg,  Ueber  Augit  und  Wollastonit  etc. 


689 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Ueber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochofenschlacken. 

Von  F.  W.  Rüsberg  in  Münster  i.  W. 

Bei  Gelegenheit  der  Untersuchung  einer  größeren  Zahl  von 
olivin-  und  melilithführenden  Schlackenstufen  1 fand  ich  auch  einige 
augit-  und  wollastonitführende  Stufen , über  deren  Untersuchung 
ich  im  folgenden  bei’ichte. 

I.  Augit. 

• Die  nachstehend  beschriebenen  Stufen  von  künstlichem  Augit 
verdanke  ich  Herrn  Prof.  Dr.  Aulich  in  Duisburg.  Sie  entstammen 
einem  Siemens-Martin-Ofenbruch  eines  Duisburger  Hüttenwerkes. 
Die  Stufen  stammen  von  den  verschiedensten  Stellen  des  Ofen- 
bruches und  zeigen  in  ihrem  äußeren  Aussehen  einige  Verschieden- 
heit voneinander.  Aus  diesem  Grunde  wurde  auch  eine  gesonderte 
Beschreibung  der  einzelnen  Stufen  vorgenommen. 

Stufe  1.  (No.  41  meiner  Sammlung,  No.  R41  der  Duis- 
burger Hüttenschule.) 

In  einem  Hohlraume  sitzen  eine  Anzahl  frei  entwickelter, 
glänzender  Kristalle,  welche  eine  Größe  bis  zu  4 mm  erreichen. 
Die  Farbe  der  Kristalle  ist  braunrot  mit  einem  violetten  Schimmer. 
Nur  wenige,  ganz  dünne  Kriställchen  sind  mit  braunroter  Farbe 
durchscheinend.  Die  auftretenden  Formen  sind  ooP(llO),  ocPoo 
(100),  ooPco(OlO),  P(Ill)  und  2P(221).  Alle  Kristalle  sind 
nach  der  c-Achse  gestreckt.  Der  Habitus  der  Kristalle  ist  teils 
säulig,  teils  diinntafelig  nach  dem  Klinopinakoid.  Manche  Säulen 
zeigen  infolge  des  Auftretens  von  ocP,  ocPoc  und  ocPoo  einen 
scheinbar  ditetragonalen  Querschnitt.  P und  2 P sind  in  manchen 
Fällen  gleichmäßig  entwickelt,  in  den  meisten  Fällen  dagegen  ist 
2 P stärker  ausgebildet.  Die  Endflächen  liefern  im  Goniometer 
wenig  gute  Reflexe.  Zwillingsbildung  nach  ocPoo  ist  sehr  häufig. 

Die  Ebene  der  optischen  Achsen  ist  die  Symmetrieebene.  Die 
Auslöschungsschiefe  auf  dem  Klinopinakoid  beträgt  ca.  50°  im 
stumpfen  Winkel  ß.  In  Schliffen  nach  dem  Klinopinakoid  war 
Pleochroismus  nicht  wahrzunehmen.  Prismatische  Spaltbarkeit 
tritt  genau  wie  bei  dem  natürlichen  Augit  auf.  Die  Grundmasse, 
aus  der  die  Kristalle  sich  ausgeschieden  haben,  besteht  zum  größten 
Teile  aus  Augit  mit  zahllosen  Einschlüssen  von  Magneteisen,  welches 
in  sehr  schönen  und  scharfbegrenzten  Oktaedern  auftritt.  Der 

1 F.  W.  Rüsberg,  Mineralog. -ehern.  Untersuchungen  an  Olivin-  und 
Melilithkristallen  in  Hochofenschlacken.  Diss.  Münster  1912, 

Central  hl  att  f.  Mineraloge  etc.  1913  44 


690 


F.  W.  Riisberg, 


Augit  der  Grundmasse  ist  mit  lichtgelblichbrauner  Farbe  durch- 
sichtig. An  einzelnen  Stellen  finden  sich  Partien  von  saftgrünem 
Augit. 

Eine  chemische  Analyse  ließ  sich  aus  Mangel  an  Material 
nicht  ausführen.  Soviel  ließ  sich  aber  qualitativ  nachweisen,  daß 
wir  es  hier  mit  einem  sehr  eisenreichen,  MnO  führenden  Augit  zu 
tun  haben.  Bereits  beim  Behandeln  des  Pulvers  mit  konz.  Salz- 
säure in  der  Kälte  wurden  bedeutende  Mengen  Eisen  in  Lösung 
gebracht.  Das  spezifische  Gewicht  ist  sehr  hoch.  Ein  an  Ein- 
schlüssen ziemlich  freies  Kristallsplitterchen  sank  in  Methylenjodid 
bei  5°  C sehr  rasch  zu  Boden. 

Die  Messungen  im  Reflexionsgoniometer  ergaben  die  in  der 
Tabelle  auf  p.  691  verzeichneten  Werte  (die  Größe  der  gemessenen 
Kristalle  betrug  ca.  ^ — 1 mm). 

Stufe  2.  (No.  66  meiner  Sammlung,  No.  R 42  der  Duis- 
burger Hüttenschule.) 

Die  Stufe  führt  eine  große  Zahl  von  frei  entwickelten  Kri- 
stallen von  rostbrauner  Farbe,  welche  eine  Größe  bis  zu  1 cm 
erreichen.  An  Begrenzungen  treten  in  der  Prismenzone  ocP  ( 1 10), 
ooPco(lüO)  und  ooPoo  (010)  auf.  Die  Kristalle  sind  teils  säulen- 
förmig, teils  tafelig,  aber  nicht  wie  die  Kristalle  der  vorigen  Stufe 
nach  dem  Kliuo-,  sondern  nach  dem  Orthopinakoid.  An  Endigungen 
finden  sich  an  einigen  sehr  winzigen  Kristallen  P und  2 P,  aber 
fast  stets  skelettartig  ausgebildet.  Die  einzelnen  Kristallindividuen 
sind  vielfach  palissadenförmig  aneinandergelagert.  Nur  wenige, 
ganz  dünne  Kriställclien  zeigen  Glasglanz  und  sind  an  den  Kanten 
durchscheinend.  Die  Ebene  der  optischen  Achsen  ist  auch  hier 
die  Symmetrieebene.  Ein  Kristall,  nach  der  Tafelfläche  an- 
geschliffen, zeigt  gerade  Auslöschung.  Im  konvergenten  polari- 
sierten Lichte  erhält  man  bei  gekreuzter  Stellung  der  Nicols  den 
Austritt  eines  Achsenpoles  am  Rande  des  Gesichtsfeldes.  Pleo- 
chroismus ist  deutlich  wahrnehmcar,  und  zwar  ist  b = rötlichbraun, 
c = a = rötlichgelb. 

An  manchen  Stellen  hat  eine  Zersetzung  des  Augites  be- 
gonnen, denn  man  beobachtet  vielfach  eine  Absonderung  von  Fe203 
auf  unregelmäßig  die  Kristalle  durchziehenden  Sprüngen.  Pris- 
matische Spaltbarkeit  ist  deutlich  wahrnehmbar.  Die  Grundmasse 
besteht  aus  meist  grasgrün  gefärbtem  Augit  mit  zahllosen  Magnet.it- 
einschlüssen.  An  einigen  Stellen  treten  in  der  Grundmasse  neben 
reichlichen  Mengen  Glas  kleine  leistenförmige  Individuen  eines 
Minerals  auf.  Nach  der  stets  auftretenden  Zwillingsbildung  und 
dem  optischen  Verhalten  scheint  Plagioklas  vorzuliegen. 

Auch  hier  haben  wir  es  mit  einem  außerordentlich  eisenreichen 
Augit  zu  tun.  Qualitativ  wurde  ein  bedeutender  Eisengehalt  nach- 
gewiesen. In  Methylenjodid  sinken  die  Kriställchen  bei  5°  C rasch 
zu  Boden. 


ooPoo,  1)  = 00P00, 


l’eber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochofenschlacken. 


691 


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Pyroxen  (nach  G.  vom  Rath)  : 
a : b : c = 1,09213:1  : 0,58931 
fl  = 74°  10'. 


692 


F.  W.  Rüsberg, 


Nur  ein  einziger  meßbarer  Kristall  von  der  Kombination 
coP(llO),  a2Poo(010),  2P  (221)  wurde  gefunden.  Er  war  durch 
die  starke  Entwicklung  einer  Pinakoidfläche  so  stark  verzerrt,  daß 
er  hemimorph  nach  der  b-Achse  erschien. 


b : m 

m : m ! 

m : b 

b : m 

m : m 

m : b 

O 

s 

o 

& 

o 

44'  15'  l'J 

ca.  91° 

ca.  44° 

44°  18.2'  13'j 

91°32,5'  10' 

44°  34,2'  15' 

47°31,5'  5'  36° 32,5'  4'  ca.  8. 

Stufe  3.  (No.  51  meiner  Sammlung,  Geschenk  von  Herrn 
Prof.  Dr.  Aulich.) 

Der  Augit  dieser  Stufe  besteht  aus  langen  strahligen  Aggre- 
gaten von  rostbrauner  Farbe.  Die  Ausbildungsweise  der  Kristalle 
ist  dieselbe  wie  bei  dem  vorbeschriebenen  Augit.  An  zwei  Kri- 
stallen ließen  sich  angenäherte  Messungen  ausführen. 

Kristall  m:m  m:a  s:s  o:o  s:o  s:b  o:m 

I.  • • — — ca.  60°  ca.  85°  ca.24§°  60° 27' (33')  ca.36°40' 

II. .  . 91°34,7(P)  45° 47,5'  (9')  — — — — 

Stufe  4.  (No.  44  meiner  Sammlung,  Geschenk  von  Herrn 
Prof.  Dr.  Aulich.) 

Die  Stufe  führt  frei  entwickelte  Kristalle,  welche  sich  viel- 
fach zu  strahligen  Aggregaten  vereinigt  haben.  In  kleinen  Hohl- 
räumen sitzen  wohlausgebildete,  bis  zu  1 mm  große  Kristalle, 
welche  charakteristischen  Metallglanz  zeigen.  An  diesen  Kriställ- 
chen  sind  ganz  deutlich  die  Formen  ccP,  ooPoo,  ooPoo,  P und  2 P 
zu  beobachten.  Die  Grundmasse  erweist  sich  im  Schliff  als  fast 
völlig  farbloser  Augit  mit  vielen  Einschlüssen  von  Magneteisen. 


Kristall  m : b 

m : b m : a 

s : s 

b : s 

I.  . . 91°50,7'  (4') 

— — 

59°47'  (1') 

59°59,2'(7') 

II.  . . — 

— — 

59°  48, 5 (8') 

60°  0,7' (5') 

III..  . 91°  49,2' (11') 

44°  5'  (4') 

— 

— 

IV.  . . 

45°  24' 

ca.  60° 

ca.  60° 

Zum  Schlüsse 

stelle  ich  die  von 

mir  gefundenen  Messungs- 

Resultate  mit  den  in  der  Literatur  bekannten,  an  Schlackenaugiten 

derselben  Kombination  ausgeführten  Messungen  in  einer  Tabelle 
(p.  693)  zusammen. 

Auffallend  ist,  daß  in  den  vorliegenden  Schlackenaugiten  der 
Winkel  des  Grundprismas  um  ca.  1 — 1|°  von  dem  Prismenwinkel 
des  natürlichen  Augites  und  den  in  der  Tabelle  angegebenen,  aus 
der  Literatur  bekannten  Schlackenaugite  abweicht.  Wahrschein- 
lich übt  der  hohe  Eisengehalt  einen  derartig  morphotropen  Ein- 
fluß aus. 


Maskelyne1  . . 1192° 43'  — — — 50° 58'  — — 35° 39,5' 


Ueber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochofenschlacken. 


693 


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5 


Siehe  Hintze,  Handbuch  der  Mineralogie,  p.  1095.  Leipzig  1897. 
J.  H.  L.  Vogt,  Studier  over  Slagger.  Stockholm  1884.  p.  4 ff. 
Siehe  Hintze,  Handbuch,  p.  1017. 


694 


F.  W.  Rüsberg, 


II.  Wollastonit. 

Wollastonit  ist  selten  in  Schlacken  beobachtet  und  nach- 
gewiesen worden.  Es  liegt  dieses  daran,  daß  Wollastonit  nur 
unter  ganz  besonderen  Bedingungen  zur  Ausscheidung  gelangt. 
In  den  meisten  Fällen,  in  denen  man  Wollastonit  erwarten  sollte, 
scheidet  sich  statt  dessen  ein  hexagonales  Kalksilikat  aus,  welches, 
wie  Bourgeois1,  Doelter2 3  und  Vogt  3 nachgewiesen  haben,  mit 
dem  Wollastonit  dimorph  ist.  Sicherer  Wollastonit  in  Schlacken 
ist  zuerst  von  Vogt4  in  einer  Hochofenschlacke  von  Högfors  nach- 
gewiesen worden.  Kristallographische  Messungen  hat  zuerst  Heber- 
dey  5 an  Wollastonitkristallen  von  Pribi’am  ausgeführt. 

Stufe  1.  (No.  104  meiner  Sammlung,  aus  der  Sammlung 
des  Herrn  Direktor  W.  Schilling  in  Oberhausen.) 

Die  Stufe  besteht  aus  einem  strahligen  Aggregat  von  regellos 
durcheinandergewachsenen,  stark  glänzenden,  teils  wasserklar  durch- 
sichtigen, teils  durch  FeS  schwarz  gefärbten  Kristallen,  welche 
eine  Größe  bis  zu  2 cm  erreichen.  Die  auftretenden  Formen  sind 
ccPoo  (a)  (100),  — Poo(v)(101),  Poo  (t)  (101)  und  0P(c)(001). 
In  der  Prismenzone  waren  Endigungen  nicht  zu  erkennen.  Die 
Ausbildungsweise  der  Kristalle  ist  diinntafelig  nach  ooPoo.  Sie 
sind  spröde,  von  faserigem  Bruche  und  zeigen  auf  den  Bruch- 
flächen perlmutterartigen  Glanz.  Oft  sind  eine  Anzahl  von  Indi- 
viduen nach  der  Fläche  des  vorderen  Pinakoids  parallel  miteinander 
verwachsen. 

Ein  Schliff  nach  der  Tafelfläche  zeigt  gerade  Auslöschung. 
Im  konvergenten  polarisierten  Lichte  erhält  man  bei  gekreuzter 
Stellung  der  Nicols  den  Austritt  eines  Achsenpoles  am  Rande  des 
Gesichtsfeldes.  Die  Ebene  der  optischen  Achsen  ist  die  Symmetrie- 
ebene. Die  Auslöschungsschiefe  auf  ooPco  beträgt  ca.  32  0 im 
spitzen  Winkel  ß.  Ein  Schliff  der  ganzen  Schlackenmasse  zeigt, 
daß  diese  nur  aus  Wollastonit  und  aus  schwarz  gefärbter  Glas- 
masse (durch  FeS)  besteht.  Spaltbarkeit  nach  ooPoo  ist  sehr 
deutlich,  weniger  deutlich  eine  Spaltbarkeit  nach  der  Basis. 

Bemerkenswert  ist,  daß  die  Kristalle  eine  große  Zahl  mit 
Luft  oder  Gas  gefüllter  Poren  führen.  Es  läßt  sicli  daraus  der 
Schluß  ziehen,  daß  dieselben  unter  Einwirkung  von  Gasen  oder 
Dämpfen  sich  gebildet  haben. 

Zur  Analyse  konnte  ich  leider  nicht  genügend  reines  Material 

1 L.  Bourgeois,  Reproduction  par  voie  ignöe  d’un  certain  nombre 
d’especes  minerales.  1883. 

2 C.  Doelter,  Über  das  künstl.  Kalisilikat  CaSi03.  Neues  Jahrb.  f. 
Min.  etc.  1886.  I. 

3 J.  H.  L.  Vogt:  Studies  over  Slagger.  Stockholm  1884.  p.  27 — 29, 
86—105. 

4 Siehe  ebenda  p.  27 — 29. 

6 Heberdey,  Zeitschr.  f.  Krist.  26.  1896.  p.  19 — 27. 


Ueber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochotenschlacken. 


695 


isolieren.  Doch  wurden  einige  an  Einschlüssen  vollständig  freie 
Splitterchen  isoliert  und  qualitativ  geprüft.  Es  ergab  sich  die 
Gegenwart  von  hauptsächlich  Ivalk  neben  geringeren  Mengen  Eisen. 
Der  vorliegende  Wollastonit  besteht  also  vorwiegend  aus  Ca  Si  03 
mit  geringeren  Mengen  FeSiOs.  Das  spezifische  Gewicht  wurde 
mit  Hilfe  von  Methylenjodid  an  einem  vollständig  von  Einschlüssen 
freien  Kristallsplitter  bestimmt. 

G = 2,912  bei  20°  C. 

Keiner  der  gemessenen  Kristalle  war  ringsum  ausgebildet.  In 
vielen  Fällen  waren  die  Flächen  mit  einer  dünnen  Schmelzhaut 
überzogen.  ooPoü  lieferte  in  allen  Fällen  die  besten  Keflexe. 

a = ocPoo,  v = — Poo,  t = Poe,  c = 0 P. 


Kristall  a : v c : v a : c c : t 

I — 40°  12'  (5‘)  — — schlecht 

II.  . . . . . 44u33'(l')  39° 58,8'  (1')  84°31'  (2')  — sehr  gut 

III  44“ 35'  (0')  39° 59'  (P)  84°33'  (1')  — sehr  gut 

IV  — 39° 50'  (10')  84°52'(10')  45u10'(5')  schlecht 

V — — 84°  49'  (15')  — schlecht 

Mittel  I u.  II  44°  34'  39°  59'  84°  32'  45°  10' (aus  IV) 

Grosser  . . 44° 33'  - 84° 35'  44°  58,5' 

vom  Rath  . . 44°  27'  40°  3'  84°  30'  45°  5' 


Durch  Vergleich  der  von  mir  gefundenen  Werte  mit  den  von 
G.  vom  Rath  und  Grosser  durch  Messungen  an  natürlichem  Wolla- 
stonit erhaltenen  Werten  ergibt  sich,  daß  der  vorliegende  künst- 
liche Wollastonit  mit  dem  natürlichen  Wollastonit  identisch  ist. 

Von  Interesse  ist  vorliegende  Stufe,  weil  so  große,  verhältnis- 
mäßig gut  ausgebildete  Wollastonitkristalle,  sowohl  natürliche  als 
auch  künstliche,  zu  den  Seltenheiten  gehören. 

Stufe  2.  (No.  2 meiner  Sammlung,  Geschenk  von  Herrn 
Prof.  Dr.  K.  Busz,  Schlacke  von  der  Guten-Hoffnungshütte  zu  Ober- 
hausen.) 

Die  Stufe  stellt  ein  faseriges  Aggregat  mit  starkem  Perl- 
mutterglanz dar,  wie  wir  es  häufig  beim  natürlichen  Wollastonit 
finden.  Sie  ist  vollständig  schwarz  gefärbt  durch  massenhafte 
Einschlüsse  von  durch  FeS  schwarz  gefärbtem  Glase.  Im  Schliffe 
erblickt  man  eine  Unzahl  langgestreckter  Kristalle  mit  ziemlich 
lebhaften  Interferenzfarben.  Die  Auslöschungsschiefe  wurde  zu 
ca.  30° — 32°  im  spitzen  Winkel  ß bestimmt.  Es  gelang  mir, 
ein  einziges  Kriställchen , welches  in  einem  Hohlraume  saß,  zu 
isolieren.  Es  ist  genau  so  ausgebildet  wie  die  Kristalle  der  vor- 
beschriebenen Stufe,  also  tafelig  nach  ocPoo.  Im  Schliff  nach  der 
Tafelfläche  erhält  man  auch  hier  gerade  Auslöschung,  im  konver- 
genten polarisierten  Lichte  bei  -(--Stellung  der  Nicols  den  Austritt 
eines  Achsenpoles  am  Rande  des  Gesichtsfeldes.  In  der  ganzen 
Masse  erblickt  man  eine  Unzahl  von  mit  Luft  oder  Gas  gefüllten 


696 


K.  Andröe, 


Poren,  so  daß  ich  auch  hier  zu  der  Annahme  komme,  daß  der 
vorliegende  Wollastonit  unter  Einwirkung  von  Gasen  oder  Dämpfen 
entstanden  ist. 

Die  mineralogischen  Untersuchungen  sind  im  Mineralog.  In- 
stitut , die  chemischen  im  Chem.  Institut  der  Universität  Münster 
ausgeführt  worden.  Den  Direktoren  der  genannten  Institute,  Herrn 
Prof.  Dr.  K.  Busz  und  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Salkowski, 
spreche  ich  für  ihr  liebenswürdiges  Entgegenkommen  meinen  ver- 
bindlichsten Dank  aus. 


Reine  Translation  oder  abnorme  Knickung  beim  Steinsalz? 

(Bemerkungen  zum  Referat  von  Herrn  M.  Naumann  im  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc. 

1913.  I.  p.  -195-  über  meine  Mitteilung  „Über  ein  blaues  Steinsalz“.) 

Von  K.  Andree  in  Marburg  i.  H. 

In  seinem  Referate  über  die  im  Titel  genannte  Mitteilung 
(in  „Kali“.  20.  1912.  p.  497—501.  Mit  1 Taf.)  hat  Herr  M.  Naumann 
zum  ersten  meine  Anschauung  über  die  fraglichen  Erscheinungen 
unrichtig  angegeben,  zum  zweiten  aber  auch  ohne  Autopsie  des 
betreffenden  Stückes  eine  Meinung  geäußert , die  wohl  für  die 
von  ihm  auf  vielen  Grubenfährten  beobachteten  Fälle  zutreffeu 
mag,  nicht  aber  für  das  meiner  Mitteilung  zugrunde  liegende 
Original  — beides  Dinge,  die  ich  nicht  ohne  Richtigstellung  hin- 
gehen lassen  kann. 

Zum  ersten  habe  ich  folgendes  zu  bemerken : Ich  schrieb 
auf  p.  500:  „Dieses  Resultat  bestätigt, daß  . . . nur  ein- 

fache Knickung  vorliegt  und  keine  echte  Zwillingsbildung;  sie 
macht  aber  sodann  wahrscheinlich,  daß  auch  die  BitAUNs’scben 
Zwillinge  keine  Zwillinge  im  gewöhnlichen  Sinne  waren,  sondern 
daß  es  sich  hierbei  in  allen  Fällen  um  die  Wirkung  eines  Druckes 
handelt,  welcher  infolge  seiner  Richtung  gleichsam  nicht  korrekt 
genug  arbeiten  konnte,  um  eine  Translation  nach  der  Granatoeder- 
fläche  hervorzurufen,  dafür  aber  abnorme  Knickungen  nach  einer 
nur  wenig  von  der  Granatoederfläche  abweichenden  Vizinalfläclie 
oder  mehreren  solchen  hervorrief.“  Herr  Naumann  schreibt  in 

seinem  Referat:  „Nach  Meinung  des  Verf.’s  liegt  dabei 

polysynthetische  Zwillingsbildung  nach  einer  Vizinalfläclie  von  (110) 
vor.“  Das  Resultat  meiner  Mitteilung  ist  also  von  dem  Herrn 
Referenten  gerade  auf  den  Kopf  gestellt  worden. 

Zum  zweiten  hat  Herr  Naumann  diesem  meinen  deutlich  und 
nicht  mißverständlich  angegebenen  Resultat  seine  eigene  Anschauung 
gegenübergestellt,  indem  er  schrieb:  „Translation  nach  (110)  er- 
zeugt  häufig  an  Steinsalz  Streifung  auf  (100)  und  auch  hier  dürfte 
es  sich  nur  darum  handeln ; die  nur  auf  Grund  einer  unsicheren 


Reine  Translation  oder  abnorme  Knickung  beim  Steinsalz?  697 


Wiukelmessung  festgestellte  sehr  geringe  Neigung  der  Lamellen 
zu  den  vertikalen  Würfelkanten  erscheint  nicht  geeignet,  reine 
Translation  in  Abrede  zu  stellen.“  Ich  sehe  ganz  davon  ab,  daß 
die  von  mir  angegebene  Winkelmessung  nicht  auf  den  „vertikalen“ 
Würfelflächen  — man  vergleiche  hierzu  die  Abbildung , welche 
Brauns  im  Jahre  1889  von  der  fraglichen  Erscheinung  gegeben 
hat  (Literatur  auf  p.  500  meiner  Mitteilung)  — , sondern  auf  den 
„horizontalen“  gemessen  worden  ist.  Zugegeben  auch,  daß  durch 
reine  Translation  Diagonalstreifung  auf  den  Würfelflächen  erzeugt 
werden  kann,  — wo,  wie  in  dem  von  mir  beschriebenen  Falle  eine 
deutliche  Knickung  der  Würfelflächen  hinzutritt,  ist  aus  kristallo- 
graphischen  Gründen  eine  reine  Translation  ausgeschlossen;  denn 
es  widerspricht  den  einfachsten  Symmetrie  Verhält- 
nissen des  regulären  System  es,  daß  durch  eine 
reine  Translation  nach  der  G r an atoeder fläche  die 
Würfelfläche  aus  ihrer  Ebene  herausgedreht  werden 
könnte. 

Eine  andere  Frage  ist  die  nach  dem  Zusammenhänge  der  von 
mir  festgestellten  unregelmäßigen  Knickungen  mit  wirklichen 
Translationen.  In  der  Tat  ist  ein  solcher  Zusammenhang  keines- 
wegs von  mir  bestritten  worden,  bleibt  vielmehr  sehr  wahrscheinlich; 
und  es  entspricht  durchaus  meinen  Anschauungen,  wenn  ich  bei 
A.  Johnsen  (Fortschritte  der  Mineralogie,  Kristallographie  und 
Petrographie.  3.  1913.  p.  102)  lese:  Die  Translation  „führt  zu- 
weilen zu  einer  regelmäßigen,  aber  inhomogenen  Deformation  der 
unmittelbar  an  die  Translationsebene  grenzenden  Partien,  so  daß 
z.  B.  an  Steinsalz,  Sylvin  und  Salmiak  doppelbrechende  Schichten 
entstehen  (Spannuugsdoppelbrechung)  “ . 

Geologisches  Institut  der  Universität  Marburg,  17.  Juni  1913. 

Nachtrag:  Erst  nach  Fertigstellung  vorstehender  Zeilen 
erhalte  ich  durch  die  Liebenswürdigkeit  des  Autors  Kenntnis  von 
„A.  Ritzel,  Translation  und  anomale  Doppelbrechung  bei  Stein- 
salz und  Sylvin“.  (Zeitschr.  f.  Kristallographie  etc.  52.  1913. 

p.  238 — 276.)  Gleichwohl  habe  ich  dem  Vorhergehenden  nichts 
hinzuzufügen,  kann  nur  die  Übereinstimmung  der  RiTZEL’schen 
Resultate  mit  meiner  besonders  im  letzten  Absatz  des  Obigen  fest- 
gelegten Meinung  betonen. 

Southampton,  den  2.  Juli  1913. 


098  M.  Naumann,  Knickung  der  Würfelfläche  bei  Steinsalz  etc. 


Knickung  der  Würfelfiäche  bei  Steinsalz  als  eine  Folge 
„reiner“  Translation. 

Erwiderung  an  Herrn  K.  Andree. 

Von  M.  Naumann  in  Halle  a.  S. 

Mit  1 Textfigur. 

Zu  den  Ausführungen  des  Herrn  Dr.  K.  AndriSe  1 habe  ich 
in  bezug  auf  die  Richtigkeit  meiner  in  dem  betr.  Referat  gemachten 
Angaben  zu  bemerken,  daß  Herr  Andree  in  der  Zusammenfassung 
auf  p.  500  schreibt:  „Sie  (d.  li.  die  Orientierung  der  Blaufärbung) 
zeigt  in  dem  vorliegenden  Fall  eine  auffallende  Unterbrechung  nach 
einer  senkrecht  verlaufenden  Rhombendodekaederfläche  und  ist  an 
eine  mechanische  Inanspruchnahme  des  Minerals  gebunden,  welche 
keine  reine  Translation  ist,  sondern  nach  einer  polysynthetischen 
Zwillingsbildung1 2  nach  einem  von  der  Rhombendodekaeder- 
fläche nur  wenig  abweichenden  Pyramidenoktaeder  (sog.  „Brauns- 
sches  Gesetz“)  hin  tendiert.“  Wenn  der  vom  Autor  benutzte  Aus- 
druck „tendiert“  auch  eine  gewisse  Unklarheit  enthält,  so  geht 
doch  aus  dem  zitierten  Satze  ohne  Zweifel  hervor,  daß  Herr  Andree 
die  fragliche  Erscheinung  eher  durch  Zwillingsbildung  als  durch 
Translation  erklären  will,  und  nur  diese  seine  Ansicht  habe  ich 
in  meinem  Referat  wiedergegeben.  Im  übrigen  lassen  die  Dar- 
legungen des  Autors  gerade  über  diesen  Gegenstand  an  Klarheit 
und  Übersichtlichkeit  viel  vermissen,  was  wohl  seinen  Grund  darin 
hat,  daß  Herrn  Andree  diese  „kristallographischen  Dinge“,  wie  er 
selbst  schreibt,  etwas  fern  liegen. 

Die  große  Unwahrscheinlichkeit  der  Angaben  des  Herrn  Andree, 
daß  der  gemessenen  Knickung  wegen  „reine“  Translation  aus- 
geschlossen sei,  gab  mir  im  Interesse  der  Sache  Veranlassung  zu 
der  meinem  Referat  eingeschalteten  Bemerkung.  Daß  diese  voll 
berechtigt  war,  bestätigen  auch  die  schon  von  Herrn  Andrüe  in 
seinem  „Nachtrag“  angeführten  Untersuchungen  von  A.  Ritzel. 
Letzterer  stellte  fest,  daß  Translation  beim  Steinsalz 
stets  scharf  nach  {11 0}  erfolgt.  Translation  nach 
einer  Vizinalfläche  ist  also  ausgeschlossen,  und  ist 
mit  Sicherheit  anzunehmen,  daß  die  von  Herrn  Andrüe  beobachtete 
Streifung  der  Würfelfläche  nur  durch  (nach  ihm  „reine“)  Trans- 
lation nach  {110}  zu  erklären  ist,  zumal  der  Autor  selbst  die  Er- 
scheinung als  ein  Druckphänomen  an  spricht. 

Die  beobachtete  und  von  Herrn  Dr.  A.  Schwantke  für  Herrn 
Andree  gemessene  Knickung  ist  vermutlich  durch  eine  Art  „Schein- 
fläche“ herbeigeführt,  die  zustande  kommt,  wenn  viele  dünne  Platten 
durch  Translation  nebeneinander  auf  der  Würfelfläche  austreten, 
wie  in  nebenstehender  Figur  schematisch  angedeutet  ist.  Dieselbe 

1 Dies.  Centralbl.  1913.  p.  696. 

2 Sperrdruck  von  mir. 


K.  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  etc.  099 

ist  als  Vertikalschnitt  durch  den  Würfel  nach  (110)  gedacht,  Trans- 
lation hat  also  nach  (110)  stattgefunden.  Die  horizontalen  Linien 
sind  die  Trace  der  Fläche  (00  1),  ab  ist  die  der  „Scheinfläche“; 
a ist  der  Knickungswinkel.  Das  Auftreten  einer  solchen  „Schein- 
fläche“ geschieht  bei  leicht  löslichen  Substanzen  wie  Steinsalz  um 
so  eher  durch  Abtragung  der  scharfen  Kanten,  z.  B.  an  feuchter 


Luft,  die  mit  der  Länge  der  Zeit  selbst  auf  sorgfältig  aufbewahrte 
Stücke  einwirkt.  Die  aus  der  Figur  ersichtliche  „Treppe“  wird 
dabei  in  eine  schiefe  Ebene  verwandelt.  Auf  diese  Weise  können 
alle  möglichen  Knickungswinkel  entstehen  und  bedeutet  deren  Maß 
keine  Gesetzmäßigkeit.  Ähnliche  Erscheinungen  konnte  ich  an 
vielen  unter  meinem  Untersuchungsmaterial  befindlichen  (z.  T.  auch 
blauen)  Steinsalzkristallen  wahrnehmen. 

Der  von  Herrn  Andrhe  im  letzten  Abschnitt  seiner  obigen 
„Bemerkungen“  zitierte  Passus  von  A.  Johnsen  ist  zum  Belege 
seiner  Ansicht  ungeeignet.  Jene  Ausführungen  über  „inhomogene 
Deformationen“  beziehen  sich  nicht  auf  die  äußere  Gestalt,  sondern 
auf  die  Kristallmaterie  selbst.  Sie  sollen  das  Auftreten  der  Span- 
nungsdoppelbrechung erklären,  haben  aber  mit  der  „abnormen 
Knickung“  des  Herrn  Andr£e  nichts  zu  tun. 


Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  der  kolloidalen 
wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 

Von  R.  Gans  in  Berlin. 

Wasserhaltige  Tonerdesilikate  und  deren  Zersetzungsprodukte 
finden  wir  besonders  im  Ackerboden,  in  welchem  sie  für  die  Er- 
nährung der  Pflanzen  von  höchster  Wichtigkeit  sind.  Sind  sie 
es  doch,  welche  die  pflanzenphysiologisch  wichtigen  Nährstoffbasen 
binden  und  vor  dem  Auswaschen  aus  dem  Boden  schützen. 

Es  ist  daher  von  größtem  Werte,  zu  erfahren,  wie  diese 
Tonerdesilikate  zusammengesetzt  sind  und  durch  welche  Art  der 
Bindung  sie  die  Nährstoffbasen  zurückzuhalten  vermögen. 


700  R.  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


Da  nun  in  letzter  Zeit  von  verschiedenen  Seiten  festgestellt 
ist,  daß  die  künstlich  hergestellten,  kolloidalen  wasserhaltigen 
Aluminatsilikate  (Pernmtite)  mit  den  „zeolithischen“  Silikaten  des 
Ackerbodens  die  größte  Ähnlichkeit 1 haben,  so  erscheint  es  dringend 
geboten,  das  Verhalten  der  ersteren,  die  man  leicht  in  reinerer 
Form  erhalten  kann,  zu  studieren,  um  wichtige  Rückschlüsse  auf 
die  Konstitution  und  das  Verhalten  der  Bodensilikate  machen  zu 
können. 

Die  Ansichten  des  Verf.’s  über  diese  Silikate  sind  in  einem 
Aufsatze  niedergelegt,  der  demnächst  im  Jahrb.  d.  Kgl.  Geol. 
Landesanst.  erscheinen  wird.  Von  diesem  Aufsatze  sei  es  ge- 

stattet, hier  einen  teils  mehr,  teils  minder  ausführlichen  Auszug 
zu  geben,  um  so  mehr,  als  die  im  Centralbl.  vertretenen  An- 
schauungen anderer  Forscher  über  diesen  Gegenstand  sich  mit 
denen  des  Verf.’s  in  keiner  Weise  decken. 

I.  Teil. 

Alkalische  Lösungen  der  Tonerde  und  der  Kieselsäure  geben 
ebenso  wie  alkalische  Schmelzen  von  Si  02  und  Al2  03  beim  Be- 
handeln mit  Wasser  kolloidale  wasserhaltige  Tonerde- 
Silikate  von  der  Zusammensetzung: 

3+  Mol.  SiO„,  1 Mol.  Alj Oa  und  1 Mol.  Base. 

Dieselbe  Zusammensetzung  besitzen  die  zeolithischen  Silikate  des 
Ackerbodens  und  die  liydratisierten  glasigen  Eruptivgesteine,  falls 
sie  vor  dem  zersetzenden  Einfluß  der  Atmosphärilien  geschützt 
waren.  Unter  Basen  verstehe  ich  in  diesem  besonderen  Falle  die 
Alkalien  und  alkalischen  Erden  wie  CaO,  MgO,  K20,  Na,  0. 
Die  Bezeichnung  3+  bei  der  Kieselsäure  soll  andeuten,  daß  der 
Kieselsäuregehalt  bei  diesen  Silikaten  zwar  stark  schwanken  kann, 
wie  es  selbst  bei  den  kristallisierten  Zeolithen  festgestellt  wurde, 
daß  er  aber  für  gewöhnlich  nicht  unter  3 Mol.  Si  02  auf 
1 Mol.  Al2  03  sinkt. 

Die  Basen  sind  in  diesen  kolloidalen  Silikaten,  die  der  Verf. 
Aluminatsilikate  genannt  hat,  hauptsächlich  an  die  Tonerde 
gebunden  und  zwar  aus  folgenden  Gründen: 

1.  Man  kann  diese  Aluminatsilikate  wohl  herstellen,  wenn 
man  a)  in  dem  Molekularverhältnis  von 

3-4  Mol.  Si  02 : 1 Mol.  Al2  0., : 1 Mol.  Na,  0 

1 G.  Wiegner  (Journ.  f.  Landw.  1912.  60.  p.  111 — 150.  197—222); 
S.  Graf  Rostworowski  und  G.  Wiegner  (ebenda,  p.  223 — 235)  und 
D.  J.  Hissink  (Landw.  Versuchsst.  81.  1913.  p.  377 — 432).  — Diese  Forscher 
erkannten  das  übereinstimmende  Verhalten  bei  Versuchen,  die  sich  auf 
Austauschprozesse  und  auf  Zersetzungen  durch  destilliertes  und  C02-hal- 
tiges  Wasser  stützten.  Sie  sehen  jedoch  in  beiden  Silikaten  nicht  chemische 
Verbindungen,  sondern  mechanische  Gemenge  von  Gelen,  resp.  Absorptions- 
verbindungen (nach  J.  M.  van  Bemmelen)  oder  feste  Lösungen. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


701 


Natriumaluminat  auf  Kieselsäurehydrat  einwirken  läßt,  aber  nicht 
wenn  man  b)  in  demselben  Molekularverhältnis  Natriumsilikat  mit 
Tonerdehydrat  in  Reaktion  bringt.  Erhöht  man  den  Gehalt 
an  Na2  0 im  zweiten  Falle,  so  führt  man  auch  hier  das  Tonerde- 
hydrat in  Natriumaluminat  über  und  man  erhält  nun  selbstver- 
ständlich dieselben  Verbindungen  wie  unter  a),  nämlich  Aluminat- 
silikate. 

a)  Die  Aluminatsilikate  sind  von  den  nach  b)  hergestellten 
Silikaten  leicht  zu  unterscheiden  durch  die  schnelle  und  große 
Austauschfähigkeit  ihrer  Basen  bei  Berührung  mit  neutralen  Salz- 
lösungen und  dadurch,  daß  sie  nur  in  sehr  geringem  Grade  bei 
dem  Auswaschen  ihre  Basen  infolge  Dissoziation  an  das  destillierte 
Wasser  abgebeu.  Die  Dissoziation  verschwindet  fast  gänzlich, 
wenn  in  dem  umgebeuden  Wasser  neutrale  Salze  gelöst  sind. 

b)  Die  nach  b)  entstandenen  Silikate,  vom  Verf.  die  Tonerde- 
doppelsilikate genannt,  tauschen  ihre  Basen  in  bedeutend 
geringerem  Grade  als  die  Aluminatsilikate  aus ; sie  können  aber 
durch  Einwirkung  von  überschüssigem  Natriumhydrat  (infolge  der 
Umwandlung  ihres  Tonerdehydrats  in  Natriumaluminat)  in  Aluminat- 
silikate mit  mehrfach  stärkerem  Austauschvermögen  als  zuvor  um- 
gewandelt werden.  Bei  Berührung  mit  destilliertem  Wasser  geben 
die  Tonerdedoppelsilikate  erhebliche  Mengen  ihres  Basengehaltes 
an  das  Wasser  ab,  das  dadurch  stark  alkalische  Reaktion  erhält. 
Die  Abgabe  von  Basen  an  das  Wasser  verschwindet  auch  bei  der 
Berührung  mit  neutralen  Salzlösungen  nicht. 

2.  Die  Aluminatsilikate  können  bezüglich  ihres  Molekular- 
verhältuisses  von  Si02:Al203  innerhalb  weiter  Grenzen,  z.  B.  von 
3 : 1 bis  8 : 1,  schwanken,  das  Molekularverhältnis  von  Al.,  03  : Base 
bleibt  trotzdem  immer  dasselbe,  wie  1:1.  Das  deutet  ebenfalls 
mit  Entschiedenheit  auf  die  Bindung  der  Base  an  die  Tonerde  hin. 
Denn  wäre  die  Base  an  die  Kieselsäure  gebunden,  so  ist  nicht 
einzusehen,  weshalb  durch  eine  größere  oder  geringere  Schwankung 
im  Si  02-Gehalt  nicht  auch  der  Gehalt  an  Base  steigen  oder  fallen 
sollte;  das  ist  aber  nicht  der  Fall.  Der  Basengehalt  richtet 
sich  einzig  und  allein  nach  dem  Gehalt  an  Tonerde; 
die  Höhe  des  Tonerdegehalts  ist  bestimmend  für  die 
Höhe  des  Basengehaltes.  — Das  ist  chemisch  nur 
durch  eine  engere  Bindung  der  Basen  an  die  Ton- 
erde erklärlich. 

Ebenso  wie  a)  die  durch  Einwirkung  von  Natriumaluminat 
auf  Kieselsäurehydrat  oder  auf  wasserhaltige  künstliche  und  natür- 
liche Silikate  oder  auf  Natriumsilikatlösung  und  b)  die  durch  Ein- 
wirkung von  überschüssigem  Natriumhydrat  resp.  Natrium- 
silikat auf  wasserhaltige  Tonerde  oder  Tonerdesilikat  entstandenen 
kolloidalen  Aluminatsilikate 

3+  Si  02,  1 Al2  03,  1 Base 


702  ß-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


zeigen  auch  c)  die  Silikate,  die  durch  Hydratation  von  schnell 
gekühlten  alkalischen  Tonerdesilikatschmelzen  entstehen,  konstante 
Äquivalentverhältnisse  (besonders  in  Bezug  auf  Al,  03  : Base).  Diese 
Konstanz  finden  wir  d)  auch  bei  den  durch  H CI  zersetzlichen 
hydratisierteu  Tonerdesilikaten  von  basischen  Gesteinen,  sofern 
letztere  dem  zersetzenden  Einfluß  der  Atmosphärilien 
entzogen  waren,  und  e)  bei  den  „zeolithischen“  Bestandteilen 
des  Bodens  wieder,  wenn  die  Verwitterung  infolge  der 
Anwesenheit  basiscli  wirkender  Verbindungen  z.  B. 
von  C a C 03  noch  nicht  auf  sie  ii  b e r g e g a n g e n war 
(s.  p.  708).  Folglich  muß  man  annehmen,  daß  auch  diese  Silikate 
aus  Aluminatsilikaten  bestehen,  um  so  mehr,  als  auch  ihr  sonstiges 
Verhalten  das  gleiche  ist. 

Auf  die  konstanten  Molekularverhältnisse  von  Al2  03 : Base 
wie  1 : 1 bei  der  Herstellung  künstlicher  Aluminatsilikate  hat  Verf.1 
schon  früher  hingewiesen.  Diese  Konstanz  zeigt  sich  auch  bei 
allen  Versuchen  früherer  Forscher,  bei  welchen  mit  alkalischen 
Lösungen  von  Al,  03  und  Si02  resp.  mit  Alkaliüberschuß  gearbeitet 
wurde.  Es  sind  hier  die  Versuche  von  J.  Lemberg2,  Deville3, 
Haushofer4,  Sieber5 6,  v.  Ammon0  und  H.  P.  Armsby7  zu  erwähnen. 

Die  Alkalität  muß  aus  freien  fixen  Alkali hydraten 
bestehen  und  auch  nach  Beendigung  der  Reaktion 
noch  vorhanden  sein.  Das  Auswaschen  der  Verbindungen 
ist  mit  kohlensäurefreiem  W asser  vorzunehmen. 

Die  Konstanz  zwischen  Al2  03  und  Base  =1:1  ist  schon  bei 
Versuchen  mit  geringerer  überschüssiger  Alkalität  vorhanden, 
wenn  die  Tonerde  schon  in  der  Form  von  Alkalialu minat 
vorhanden  ist,  wie  aus  der  Herstellung  des  Aluminatsilikats  durch 
Einwirkung  von  Xatriumaluminat  auf  Kieselsäurehydrat  im  Verhältnis 
der  Komponenten  wie  3 — 4 Mol.  Si02:  1 Mol.  Al2  03:  1 Mol.  Na2  0 
hervorgeht. 

So  erhält  Lemberg  durch  fitägige  Digestion  bei  100°  von 
Tonerdehydrat  mit  wässrigem  Kaliumsilikat  ein  Silikat  von  der 
Zusammensetzung 

4.30  Mol.  Si02.  1 Mol.  Al.03,  0,99  Mol.  K20; 

Deville  durch  Kochen  der  gemischten  Lösungen  von  Kalium- 
aluminat  und  -Silikat  ein  Silikat: 

1 R.  Gans.  Jahrb.  d.  Kgl.  Geol.  Landesanst.  1906.  27.  (1.)  p.  73. 

2 J.  Lemberg,  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  35.  p.  577,  579  u.  28. 
p.  5G9,  570. 

3 Deville.  Compt.  rend.  53.  p.  324. 

4 Haushofer,  Journ.  f.  prakt.  Chem.  99.  p.  241. 

5 Silber,  Ber.  d.  deutsch,  chem.  Ges.  14.  p.  941. 

6 v.  Ammon,  Silikate  der  Alkalien  u.  Erden.  Köln  1862.  p.  37,  zitiert 
nach  Gmelin-  Kraut,  Anorg.  Chemie.  2.  1.  p.  843. 

7 H.  P.  Armsby,  Landw.  Versuchsst.  21.  p.  402. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


703 


2,67  Mol.  Si  02,  1 Mol.  Al,  03,  0.94  Mol.  (K,  0 + Na2  0), 

v.  Ammon  durch  Einwirkung  von  kristallisiertem  Natriumsilikat 
auf  Alaun,  wobei  die  Tonerde  zuvor  durch  überschüssiges  Na2  0 
in  Natriumaluminat  verwandelt  wurde,  zwei  Silikate : 


Armsby  ein  Silikat: 

3,54  Mol.  SiO,,  1 Mol.  AlaOs,  1,01  Mol.  Na20  usw. 

Lemberg  führte  einen  Allophan  (von  AVoolwich),  ein  natür- 
liches kolloidales  Silikat  von  der  Zusammensetzung 

1,18  Mol.  Si 02,  1 Mol.  A1203  und  0,12  Mol.  CaO, 
durch  Einwirkung  von  Natriumsilikat  bei  100°  C in  ein  Silikat  mit 
4,35  Mol.  Si02,  1 Mol.  A1203,  0,95  Mol.  Base 

über;  desgleichen  bei  Erhöhung  der  Temperatur  auf  185°  C und 
bei  Einwirkung  von  Natriumhydrat  oder  Natriumsilikat  sogar  zwei 
durch  Salzsäure  nicht  zersetzliche  Kaoline  von  Karlsbad  (a)  und 
von  Cornwall  (b),  die  zuvor  folgende  Zusammensetzung  hatten: 
a)  Kaolin  von  Karlsbad  b)  Kaolin  von  Cornwall 


in  zwei  wasserhaltige  Silikate: 

a)  1,95  Mol.  Si02,  1 Mol.  A1203,  0,97  Mol.  Base  und 

b)  3,25  Mol.  Si  02,  1 Mol.  Al2  03,  0,95  Mol.  Base 

resp.  8,25  Mol.  Si02,  1 Mol.  Al2Os,  1,07  Mol.  Base  über. 

R.  Gans  1 erhielt  dimch  Hydratation  einer  alkalischen  Schmelze 

von  3 Gewichtsteilen  Kaolin,  6 Gewichtsteilen  Quarz  und  1 2 Ge- 
wichtsteilen Natriumcarbonat  ein  Silikat: 


Damit  dürfte  bewiesen  sein,  daß  die  Konstanz  des  Molekular- 
verhältnisses bei  Al,  0,  : Base  wie  1 : 1 tatsächlich  immer  eintritt, 
wenn  die  Alkalität  auch  nach  der  Beendigung  der  Reaktion  noch 
vorwaltet. 

Eine  Konstanz  zwischen  Si  02  und  Al,  03  besteht  bei  diesen 
A'ersuclien  nicht.  Das  erklärt  sich  daraus,  daß  die  restierende 
Alkalität  nicht  genügend  groß  war,  um  die  über  die  stöchiometrischen 
Arerhältnisse  hinaus  vorhandene  Kieselsäure  in  kristalloider  Lösung 
zu  erhalten.  Die  überschüssige  Kieselsäure  bleibt  dann  in  kolloidaler 
Form  im  Reaktionsgemisch  und  ist  als  Verunreinigung  des  Aluminat- 
silikates  aufzufassen. 


a)  2,04  Mol.  SiO,,  1 Mol.  Al,  03,  1.00  Mol.  Xa;0, 

b)  4.10  Mol.  Si  0}.  1 Mol.  A1203,  1,04  Mol.  Na20, 


SiO,  . .2,13  Mol 
A12Ö3.  .1,00  „ 

Base  . . 0,04  „ 


SiO,  . . 2,07  Mol. 
A1203.  .1,00  „ 
Base  . . 0,01  „ 


4 Mol.  Si  02,  1 Mol.  A1203  und  1 Mul.  Na20. 


1 R.  Gans,  Jahrb.  d.  Kgl.  Geol.  Landesanst.  1906.  27.  (1.)  p 78. 


704  R.  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


Arbeitet  man  jedoch  mit  größeren  Überschüssen  freier  fixer 
Alkalien,  so  erhält  man  auch  eine  Konstanz  des  Verhältnisses 
Si  02  : Al2  03  K 

So  resultiert  bei  Anwendung  gewisser  Mengen  Natriumsilikat 
und  Natriumaluminat  immer  auf 

3 Mol.  Si02  je  1 Mol.  A1203  und  1 Mol.  Base; 

erhöht  man  aber  den  Gehalt  an  Natriumsilikat,  so  ergab  sich  die 
Zusammensetzung 

4 Mol.  Si  02,  1 Mol.  A12Os,  1 Mol.  Base. 

Den  Gehalt  an  Mol.  Si  02  wird  man  vermutlich  durch  weiteren 
Zusatz  von  Natriumsilikat  noch  erhöhen  können.  Jedenfalls  erhält 
man  unter  Inuehaltung  derselben  Bedingungen  immer  die  gleichen 
Molekularverhältnisse.  Grundbedingung  für  das  Zustandekommen 
dieser  Konstanz  der  Si  0,  ist,  daß  im  Reaktionsgemisch  eine  ge- 
nügende Menge  freien  Alkalihydrats  verbleibt,  welches  die  über- 
schüssige Kieselsäure  in  kristalloider  Lösung  erhält,  die  sonst  als 
Kolloid  durch  die  kolloidale  Si  02-Al2  03-Verbindung  mit  zur  Aus- 
fällung gelangt  und  die  letztere  verunreinigt. 

Auf  Grund  der  konstanten  Molekular  Verhält- 
nisse ist  man  jedenfalls  berechtigt,  die  kolloidalen 
Aluminatsilikate  als  chemische  Verbindungen  zu 
betrachten. 

Zu  den  Absorptionsverbindungen  van  Bemmelen’s  wird  man 
sie  nicht  rechnen  können,  da  diese  sich  aus  ihren  Komponenten 
nach  inkonstanten  Molekularverhältnissen  bilden,  und  „sich  von 
den  chemischen  Verbindungen,  die  nach  einfachen  Äquivaleut- 
verhältnissen  zusammengesetzt  sind  und  kristallinisch  auftreten 
können,  unterscheiden“. 

Die  Aluminatsilikate  treten  allerdings  unter  allen,  oben  an- 
gegebenen Versuchsbedingungen  nicht  in  kristallinischer,  sondern 
in  kolloidaler  Form  auf ; das  beweist  aber  lediglich  nur,  daß  sie 
unter  diesen  Bedingungen  nicht  kristallinische  Form  annehmen. 
Unter  anderen  Bedingungen,  wie  sie  z.  B.  Doelter1 2  wählte,  konnten 
sie  tatsächlich  kristallisiert  erhalten  werden.  Doelter  erhielt  aus 
Lösungen  bei  niederer  Temperatur  Tonerdesilikatgele,  bei  höherer 
Temperatur  dagegen  kristallisierte  Zeolithe. 

Die  kolloidale  Natur  der  Aluminatsilikate  spricht 
somit  nicht  gegen  die  Annahme  einer  chemischen 
V erbindung. 

1 In  der  Natur  ist  der  Überschuß  an  freiem  Alkali  ein  ständig 
wechselnder  und  niemals  gleichmäßiger,  so  daß  ein  konstantes  Verhältnis 
von  Si02:Al203  nicht  zu  erwarten  ist;  die  natürlichen  Aluminatsilikate 
zeigen  dementsprechend  auch  nicht  das  konstante  Verhältnis  von 
Si  02 : Al2  03. 

2 C.  Doelter,  Allgem.  chem.  Mineralogie.  Leipzig  1890. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


705 


Van  Bemmelen,  der  den  Ausdruck  „ Absorptionsverbindungen“ 
prägte,  hielt  die  Zeolithe  für  chemische  Verbindungen1. 

Er  glaubte,  für  wasserhaltige  Verbindungen  durch  Messung 
des  Dampfdruckes  bei  verschiedenen  Temperaturen  eine  Unter- 
scheidungsmüglichkeit  zwischen  chemischen  und  Absorptionsverbin- 
dungen gefunden  zu  haben.  So  konstatierte  er  z.  B.  bei  dem 
kolloidalen  Tonerde-  und  Eisenoxydhydrat  die  kontinuierliche  Dampf- 
spannuugsänderung,  welche  die  kristallisierten  Hydrate  von  A1203 
und  Fe2  03  nicht  zeigten.  Die  kristallisierten  Zeolithe  untersuchte 
er  daraufhin  nicht.  Aber  auch  diese  führen  den  variablen  Dampf- 
druck. 

Inzwischen  ist  der  variable  Dampfdruck  durch  E.  Löwenstein2 
auch  bei  anderen  chemischen  Verbindungen  (bei  den  Oxalaten  von 
Cer,  Thor,  Erbium,  Lanthan,  bei  Strychninsulfat,  basischem  Zirkon- 
oxalat usvv.)  entdeckt  worden,  so  daß  er  nicht  mehr  als  ein 
Beweis  gegen  die  chemische  Natur  einer  Verbindung 
angesehen  werden  kann. 

Auch  ist  hervorzuheben,  daß  van  Bemmelen  den  Ausdruck 
„Absorptionsverbindung“  niemals  auf  die  Komponenten  z.  B.  von 
Al2  03  oder  von  Fe203  ausgedehnt  hat,  sondern  nur  auf  ihre 
Verbindung  mit  Wasser  bezieht.  A1203  oder  Fe2  03  sieht 
er  als  chemische  Verbindungen  an.  Logischerweise  dürften  somit 
auch  infolge  ihrer  konstanten  Äquivalent  Verhältnisse  die  Verbin- 
dung von 

3+  Mol.  Si02.  1 Mol.  A1203,  1 Mol.  Base 

als  chemische  Verbindung  und  nur  ihre  Vereinigung  mit  Wasser 
als  Absorptionsverbindung  betrachtet  werden. 

Die  kolloidalen  wasserhaltigen  Aluminatsilikate  haben  mit  den 
Zeolithen  somit  chemische  Zusammensetzung  und  variablen  Dampf- 
druck gemeinsam,  desgleichen  zeigen  sie  beide  den  leichten  schnellen 
Austausch  gegen  neutrale  Salzlösungen,  die  leichte  Zersetzbarkeit 
durch  Säure  und  gleiches  sonstiges  Verhalten.  Es  scheint  mir  daher 
berechtigter,  diesen  Silikaten  die  Bezeichnung  „zeolithisclie“  oder 
„zeolithartige“  zu  geben,  als  die  der  „ Allophantone“,  wie  H.  Stremme3 
es  vorschlägt.  Der  Ausdruck  „zeolithisch“  oder  „zeolithartig“ 
läßt  nach  Ansicht  des  Verf.’s  erkennen,  daß  diese  Verbindungen 
den  Zeolithen  zwar  ähnlich  sind,  daß  jedoch  irgend  eine  Eigen- 
schaft fehlt,  um  ihnen  das  Recht  auf  die  Bezeichnung  „Zeolith“ 
zu  bewilligen;  die  nicht  vorhandene  Kristallform  verhindert  es. 
Gegen  die  Benennung  „zeolithisch“  oder  „zeolithartig“  dürfte  auch 


1 J.  M.  van  Bemmelen,  Die  Absorption.  Gesammelte  Abh.  über  Kolloide 
und  Absorption.  Herausg.  von  W.  Ostwald,  Dresden.  1910.  p.  112. 

2 E.  Löwenstein,  Zeitschr.  f.  anorg.  Chem.  63.  p.  69.  1909. 

3 H.  Stremme,  Über  Feldspatresttone  und  Allophantone.  Zeitschr.  d. 
deutsch,  geol.  Ges.  62.  1910.  p.  127 — 128. 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


45 


706  R.  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


vom  mineralogischen  Standpunkt  nichts  einzuwenden  sein,  da  ihre 
sonstigen  Eigenschaften  den  charakteristischen  der  Zeolithe  durch- 
aus gleichen. 

Allophane  können  als  Zersetzungsprodukte  aus  diesen  zeo- 
lithischen  Verbindungen  entstehen.  Ihre  Zusammensetzung  ent- 
spricht aber  nicht  der  Formel 

3^  Mol.  SiOa,  1 Mol.  A1203,  1 Mol.  Base, 

vielmehr  ist  der  größte  Teil  der  Base  und  auch  ein  erheblicher 
Teil  der  Si02  weggeführt,  wie  aus  den  von  Strkmme  1 selbst  an- 
geführten Analysen  von  Allophanen  deutlich  hervorgeht. 

Stremme  spricht  in  dieser  letzten  Abhandlung  die  Verbin- 
dungen von  kolloidalen  Tonerdesilikaten  künstlichen  sowohl  als 
auch  natürlichen  Vorkommens  als  mechanische  Gemenge  von  Ton- 
erde- und  Kieselsäuregelen  an.  Er  kann  bei  den  Versuchen  mit 
Kieselsäure-  und  Tonerdelösungen  keine  konstanten  Äquivalent- 
verhältnisse erhalten.  Das  hat  einen  leicht  erklärlichen  Grund. 
Es  ist  vorhin  hervorgehoben,  daß  man,  um  die  Aluminatsilikate  zu 
erhalten,  so  operieren  muß,  daß  das  Reaktionsgemisch  auch  nach 
der  Bildung  der  Silikate  noch  alkalisch  reagiert.  Die  Versuchs- 
bedingungen1 2 bei  Stremme  sind  jedoch  derartig,  daß  das  Reaktions- 
gemisch nachher  schwach  alkalisch,  neutral  oder  sauer  war.  Es 
war  somit  ungenügend  oder  gar  kein  freies  Alkalihydrat  vorhanden, 
um  die  über  die  stöchiometrischen  Verhältnisse  hinaus  vorhandene 
Si  02  in  kristalloider  Lösung  zu  halten.  Die  letztere  ging  viel- 
mehr in  kolloidale  Lösung  über,  resp.  war  schon  in  solcher  vor- 
handen und  wurde  durch  den  aus  Si  02  und  Al2  03  bestehenden 
kolloidalen  Niederschlag  mit  ausgefällt. 

Es  ist  klar,  daß  wir  unter  diesen  Versuchsbedingungen  mit 
völlig  inkonstanten  Äquivalentverhältnissen  rechnen  müssen,  erstens 
zwischen  Si  02  und  Al2  03  und  zweitens  auch  zwischen  Al2  03  und 
Base,  weil  bei  vorhandener  freier  Säure  im  Reaktionsgenüsch  die 
letztere  einen  größeren  oder  kleineren  Teil  des  Na2  0 an  sich 
reißt,  bis  der  Gleichgewichtszustand  zwischen  der  Säure  und  der 
Si  02-Äl0  Og-Verbindung,  die  man  nach  ihrem  Verhalten  ebenfalls 
als  eine  Säure  betrachten  kann,  eingetreten  ist. 

Die  Versuche  von  H.  Stremme  beweisen  somit  in 
bezug  auf  die  Aluminatsilikate  keineswegs,  daß  die- 
selben nicht  aus  chemischen  Verbindungen  bestehen. 
Das  von  ihm  gefundene  inkonstante  Verhältnis  ist 
auf  die  von  ihm  gewählten  Versuchsbedingungen 

1 H.  Stremme,  Über  Fällungen  der  gemengten  Gels  von  Tonerde  und 
Kieselsäure  usw.  Dies.  Centralbl.  1908.  p.  622 — 632,  661 — 669. 

i H.  Stremme  verwendet  z.  T.  Aluminiumacetat  resp.  -sulfatlösung  und 
auch  kolloidale  Kieselsäurelösung.  Dies.  Centralbl.  1908.  a.  a.  0. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


707 


zurückzu  führen,  die  die  Bildung  eines  einheitlich 
zusammengesetzten  chemischen  Körpers  mit  kon- 
stanten Verhältnissen,  der  Aluminatsilikate,  nicht 
gestatteten. 

Ein  mechanisches  Gemenge  von  Si02-  und  Al2  03- Gelen  (anstatt 
Aluminatsilikate)  nimmt  Stremme  auch  im  Boden  an,  welcher  An- 
sicht sich  Verf.  auf  Grund  folgender  Beobachtung  nicht  anzuschließen 
vermag : 

Ein  inniges  mechanisches  Gemenge  von  Tonerde-  und  Kiesel- 
säurehydraten, welche  einzeln  dargestellt  und  erst  nach  ihrer 
intensiven  Beinigung  mitei nander  verrieben  wurden , absor- 
biert aus  einer  neutralen  Salzlösung,  z.  B.  N H4  Cl-Lösung,  die 
Base  nur  in  geringem  Grade.  Die  Absorption  kann  aber  um  das 
Vielfache  (zirka  Tfache)  vermehrt  werden,  wenn  man  das  Gemenge 
mit  überschüssigem  Natriumhydrat  erwärmt,  weil  man  es  dadurch 
in  Aluminatsilikat,  das  stark  absorbiert  resp.  austauscht,  überführt. 

Ja  selbst  ein  mechanisches  Gemenge  von  der  Zusammensetzung 
3 + Mol.  Kieselsäurehydrat,  1 Mol.  Tonerdeh\rdrat  und  1 Mol.  Base, 
wie  sie  die  durch  H CI  zersetzlichen  Silikate  des  Bodens  annähernd 
führen,  zeigt  nur  zirka  der  Absorption,  als  wenn  die  obigen 
Bestandteile  in  Form  von  Aluminatsilikat  chemisch  aneinander  ge- 
bunden sind. 

Wäre  nun  im  Ackerboden  ebenfalls  nur  ein  mechanisches 
Gemenge  von  Si  02-  und  Al2  03-Hydrat  vorhanden,  so  müßte  auch 
hier  die  Absorption  zuerst  geringer  sein  und  durch  die  Einwirkung 
von  Natriumhydrat  vervielfacht  werden  können.  Das  trifft  jedoch 
nicht  zu.  Die  Absorption  der  Ackerböden  nimmt  vielmehr  nach 
einer  solchen  Behandlung  im  allgemeinen  nur  in  schwachem  Grade, 
um  zirka  20°/o,  zu.  Folglich  kann  im  Ackerboden  ein 
mechanisches  Gemenge  von  A1203-  und  Si02-Hydraten 
nur  in  geringem  Grade  vorhanden  sein. 

Behandelt  man  einen  Boden  nacheinander  mit  Salzsäure  und 
verdünntem  Natriumhydrat,  so  kann  man  Silikate  auszielien,  welche 
mehr  oder  weniger  der  Zusammensetzung  3+  Si02,  1 A1203,  1 Base 
entsprechen.  Aus  diesem  Grunde  kann,  wie  schon  bemerkt,  der 
Vorschlag  H.  Stremme’s ',  die  „Bodenzeolithe,  die  kolloidale  Modi- 
fikation der  kristallisierten  Zeolithe“  als  „Allophantone“  zu  be- 
zeichnen, nicht  geeignet  erscheinen,  weil  die  Allophane  einen  be- 
deutend geringeren  Gehalt  an  Si02  und  Base  enthalten.  Bei  den 
Böden  Deutschlands  dürften  allophanartige  Bildungen  zu  den  größten 
Seltenheiten  gehören  , besonders  bei  den  fruchtbaren,  in  Kultur  be- 
findlichen Böden,  bei  welchen  durch  rationelle  Düngung  und  Zufuhr 
von  Kalk  ein  Ersatz  der  durch  Wasser,  Kohlensäure  und  Pflanzen 
fortgeführten  Basen  eiutritt. 


1 H.  Stremme,  Monatsber.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  62.  1910.  p.  128. 

45* 


708  K-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


Das  Verhältnis  von  Al2  03  zu  den  Basen  ist  am  höchsten  bei 
den  Silikaten  der  Mergelböden.  Es  ist  das  ein  Beweis,  daß  die 
zeolithischen  Verbindungen  unter  gewissen  Umständen  nicht  der 
Verwitterung  unterliegen,  wenn  sie  nämlich  durch  die  Anwesenheit 
der  Carbonate  der  Erdalkalien  vor  dem  zersetzenden  Einfluß  der 
Atmosphärilien,  insbesondere  der  C02,  geschützt  werden.  Erst 
nach  der  Auslaugung  der  Carbonate  geht  der  Verwitterungsprozeß 
auch  auf  die  zeolithischen  Silikate  des  Bodens  über. 

Der  Boden  würde  dadurch  allmählich  in  einen  ungünstigen 
physikalischen  Zustand  übergehen,  der  nun  vielleicht  durch  die 
Bildung  eines  mechanischen  Gemenges  von  Si  02-  und  Al,  03-Gelen 
erklärt  werden  könnte,  die  zuvor  in  Form  von  zeolithischen  Silikaten 
aneinander  gebunden  waren,  wenn  die  Landwirte  dagegen  nicht 
geeignete  Maßnahmen  träfen.  Die  zeolithischen  Silikate  sind  ihrer 
Entstehung  nach  unzweifelhaft  auch  Hydrogele.  Sie  unterscheiden 
sich  aber  von  den  Hydrogelen  der  Si  02  und  Al2  03  durch  ihr  be- 
deutend geringeres  Aufquellungsvermögen  mit  Wasser,  und  zwar 
um  so  mehr,  je  mehr  ihr  Basengehalt  sich  dem  Verhältnis  1 Mol. 
A1203  : 1 Mol.  Base  nähert  und  in  je  höherem  Prozentsatz  die 
Basen  des  Silikates  aus  CaO  und  MgO  bestehen.  Hisslvk1  hat 
dieses  Verhalten  bei  den  Aluminatsilikaten  des  Bodens  — den 
zeolithischen  Silikaten  — bestätigt  gefunden.  Er  führte  diese 
Bodensilikate  durch  neutrale  Salzlösungen  in  die  Kalium-,  Natrium-, 
Ammonium-  und  Calcium-Aluininatsilikate  über  und  prüfte  sodann 
ihre  Durchlässigkeit  gegen  Wasser.  Die  letztere,  welche  im  hohen 
Grade  von  dem  Aufquellungsvermögen  abhängig  ist,  war  bei  den 
Calciumsalzen  bedeutend  stärker  als  bei  den  Alkalisalzen  der 
Aluminatsilikate. 

Die  Landwirte  aber  sehen  sich  gezwungen,  diesem  ungünstigen 
Zustande  besonders  durch  Düngung  mit  Kalk  vorzubeugen,  welcher 
die  Gelgemenge  von  Si02  und  A1203  wieder  in  engere  chemische 
Verbindung  — in  zeolithische  Silikate  — überführt.  Also  auch 
die  durch  die  B earb  eitu  ngs  ar  t der  Böden  bedingten 
Umsetzungen  sprechen  gegen  die  Anwesenheit  von 
mechanischen  Gemengen  der  Gele  von  A12  03  undSiO,; 
dieses  Gemenge  kann  bei  den  in  Kultur  befindlichen 
Böden  nur  in  geringem  Grade  vorhanden  sein,  die 
H auptmenge  der  durch  Zersetzung  der  Silikate  mit 
H CI  erhaltene n Si  02  und  Al2  03  i s t i n z e o 1 i t h i s c h e n Sili- 
kat e n im  Boden  gebunden. 

Die  wasserhaltigen  Aluminatsilikate,  sowohl  die  künstlichen 
als  auch  die  natürlichen,  die  kristallisierten  wie  die  kolloidalen, 
unterliegen  bei  der  Berührung  mit  Wasser  der  Dissoziation2,  wie 

1 D.  J.  Hissink,  Die  Einwirkung  verschiedener  Salzlösungen  auf  die 
Durchlässigkeit  des  Bodens.  Ausstellung  ’s  Gravenhage  (1907). 

'J  E.  Ramann,  Bodenkunde,  p 22,  24. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


709 


sie  E.  Hamann  bei  Silikaten,  auch  den  wasserfreien,  annimmt,  und 
bei  Berührung  mit  Säuren,  auch  schon  mit  der  Kohlensäure,  der 
Zersetzung.  Es  entstehen  dann  allophanartige  Produkte. 

Der  Einfluß  kohlensäurehaltigen  Wassers  ist  von  J.  Lemberg  1 
studiert  worden.  Ein  durch  Einwirkung  von  Kaliumaluminat  auf 
Kaliumsilikat  entstandenes  Produkt  von  der  Zusammensetzung 
2,67  Mol.  Si  0,.  1 Mol.  Al2  0„  0,95  Mol.  (K2  0 + Na2  0) 
wurde  durch  dreiwöchentliche  Behandlung  mit  oft  erneuertem,  C02- 
haltigem  Wasser  in  einen  allophanartigen  Körper  mit 
2,30  Mol.  Si  02,  1 Mol.  Al2Os,  0,15  Mol.  K.,0 
übergeführt.  Wir  sehen  deutlich  den  Einfluß  der  CO.,,  die  fast 
die  gesamten  Alkalien  und  einen  Teil  der  Si02  fortgeführt  hat. 

Die  leichte  Zersetzbarkeit  durch  salzfreies  (destilliertes)  und 
durch  kohlensäurehaltiges  Wasser  kann  doch  aber  nicht  gegen  die 
chemische  Natur  der  Verbindung  sprechen.  Denn  wir  kennen  viele 
chemische  Verbindungen,  welche  durch  C02  zersetzt  werden  und 
mit  Wasser  dissoziieren. 

Wenn  wir  solche  durch  Säuren  ganz  oder  teilweise  zersetzten 
Aluminatsilikate  mit  neutralen  Salzlösungen  in  Berührung  bringen, 
so  können  zweierlei  Reaktionen  ausgelöst  werden:  es  kann  erstens 
ein  Austausch  der  Basen  von  noch  unzersetztem  Silikat,  und  zwar 
in  äquivalentem  Verhältnis,  erfolgen,  und  zweitens  eine  Zersetzung 
des  neutralen  Salzes  (Chloriden,  Sulfaten,  Nitraten  der  Alkalien 
und  alkalischen  Erden)  unter  Absorption  der  Base  und  unter  Sauer- 
werden des  Reaktionsgemisches;  die  saure  Reaktion  verschwindet 
auch  nicht  beim  Erwärmen. 

Die  Zersetzung  des  Neutralsalzes  erfolgt  natürlich  nicht  im 
äquivalenten  Austausch  gegen  die  Basen  des  Silikates  und  daran 
werden  wir  leicht  erkennen  können,  ob  ein  zeolithisches,  in  Äqui- 
valenten austauschendes,  oder  ein  alloplianartiges  Produkt  vorliegt. 

Liegen  jedoch  stark  gealterte  Gele  vor,  so  wird  diese  Unter- 
scheidungsmöglichkeit, wenn  auch  nicht  versagen,  so  doch  weniger 
scharf  sein.  Dann  können  wir  aber  immer  noch  durch  Erhitzen 
mit  überschüssigem  Natriumhydrat  oder  in  diesem  Falle  besser  mit 
Natriumsilikat  auf  Vergrößerung  der  Absorptionen  prüfen.  Tritt 
eine  solche  in  erheblichem  Maße  ein,  so  liegt  ein  größtenteils  aus 
allophanartigen  Verbindungen  bestehendes  Produkt  vor. 

Versuche,  die  Natur  der  Bindung  im  kolloidalen  Allophan  zu 
ergründen,  unternahm  R.  van  der  Leeden  2,  indem  er  die  Löslich- 
keit eines  kristallisierten  Zeoliths  (Desmin)  mit  der  eines  Allophans 
in  destilliertem  Wasser  resp.  in  Essigsäure  verglich,  obwohl  er 
selbst  konstatierte,  daß  die  Silikate  „schon  durch  Wasser 
zersetzt  werden“. 

1 J.  Lembero,  Zeitschr.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1876.  28.  p.  318. 

2 R.  van  der  Leeden,  Dies.  Centralbl.  1911.  p.  139—145,  173  — 179. 


710  R.  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


Die  Zusammensetzung  des  Desmins  und  Allophans  war  folgende: 


Desmin  Allophan 


Si02  54,55  21,37 

Al,  0, 17,81  32.89 

Fe4Og 0,24  0,81 

CaO 8,71  1,91 

Mg  0 1.10  0,91 

Alkalien 1,57  1,77 

Glühverlust 16,93  39,67 

Cu  0 — 0,69 


Das  gewiclitsprozentische  Verhältnis  von  Si  02 : Al„  03  : Alka- 
lische Erden  ist  bei  beiden  Silikaten  ein  völlig  verschiedenes.  Da 
nun  bekannt  ist,  wie  sich  besonders  diese  3 Bestandteile  in  ihrer 
Löslichkeit  durch  gegenseitige  Ausfüllungen  beeinflussen,  so  folgt, 
daß  die  Resultate  dieser  Versuche  unmöglich  einen  Einblick  in  die 
Art  der  Bindung  der  kolloidalen  Silikate  gewähren  können. 

Aus  ähnlichen  Gründen  untersuchte  H.  Stremme  1 die  Lös- 
lichkeit einzeln  dargestellter  Gele  von  Si  02  und  A1.203  und  der 
durch  Mischung  von  Si02-  und  Al2  03-haltigen  Lösungen  erhaltenen 
Fällungsgele  („Doppelgels“).  Die  Löslichkeit  der  einzelnen  Gele 
muß  naturgemäß  eine  andere  sein  wie  die  der  gemeinschaftlich 
gefällten  Doppelgele,  da  sich  auch  A1203  und  Si02  in  ihren  Lösungen 
ganz  oder  teilweise  ausfällen. 

Man  hätte  vielleicht  einen  Schluß  ziehen  können,  wenn  nicht 
die  Löslichkeit  der  Einzelgele,  sondern  die  Löslichkeit  der  einzelnen 
dargestellten  und  dann  (in  demselben  Gewichtsverhältnis,  wie  es 
die  gemeinsam  gefällten  Doppelgele  zeigen)  miteinander  gemischten 
Gele  untersucht  worden  wäre.  Aber  nur  in  dem  Falle  wäre  der 
Schluß  einwandfrei  gewesen,  daß  eine  verschiedene  Löslichkeit 
beobachtet  wurde.  Denn  die  Löslichkeit  wird  nur  dann  ver- 
schieden sein,  wenn  die  Si09-Al203- Verbindung  als  solche  in 
Lösung  geht  und  somit  die  Bindung  zwischen  Si02  und  A1203 
auch  nach  der  Lösung  noch  weiter  besteht,  nicht  aber  dann,  wenn 
die  Bindung  zwischen  Si0o  und  Al2  03  bei  dem  Lösungsvorgang 
gesprengt  wird. 

Ein  zwingender  Grund,  die  Absorption  resp.  den  Austausch 
der  kolloidalen  Aluminatsilikate  auf  die  infolge  der  kolloidalen 
Natur  ungemein  vergrößerte  Oberfläche  zurückzuführen, 
liegt  um  so  weniger  vor,  als  ja  auch  die  kristallisierten  Zeolithe, 
welche  nach  der  Anschauung  der  Kolloidtheorie  eine  solche  stark 
entwickelte  Oberfläche  nicht  führen,  annähernd  dieselbe  Absorption 
resp.  denselben  Austausch  zeigen. 

Wollte  man  die  konstanten  Äquivalentverliältnisse  bei  den 
künstlichen  und  natürlichen  Aluminatsilikaten  auf  eine  Wirkung 


1 H.  Stremme,  Dies.  Centralbl.  1908.  p.  622—632,  661 — 669. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Toneidesilikate. 


711 


der  Oberfläche  zurückführen,  so  ist  man  gezwungen,  anzunehmen, 
daß  die  Struktur  ihrer  Oberfläche  immer  die  gleiche  ist,  gleich- 
gültig, ob  die  Aluminatsilikate  aus  Lösungen  niedergeschlagen  werden 
oder  durch  Einwirkung  von  Lösungen  auf  kolloidale  oder  kristal- 
line Silikate  oder  durch  Hydratation  von  Silikatgläsern  entstehen, 
gleichgültig,  ob  frische  oder  gealterte  Gele,  z.  B.  künstlich  her- 
gestelltes Aluminatsilikat  oder  hydratisiertes  Traßgestein  oder  die 
hydratisierten  Silikate  des  Bodens,  vorliegen.  Denn  sie  alle  zeigen 
das  Verhältnis  von  1 Mol.  Al2  03  : 1 Mol.  Base,  sofern  sie  vor 
dem  zersetzenden  Einfluß  der  Atmosphärilien  geschützt 
vv  a r e n. 

In  bezug  auf  die  Bindung  des  Wassers  ist  bei  gealterten 
Kolloiden  eine  verminderte  Bindungsfähigkeit  — Hygroskopizität  — 
festgestellt  worden,  analog  müßte  sie  auch  in  bezug  auf  die  Bindung 
der  Basen  vorhanden  sein.  Das  ist  aber  nicht  der  Fall,  wie  wir 
gesehen  haben. 

Der  Versuch,  die  Gesetze  der  Kolloidabsorption  auch  auf  die 
Bindung  in  diesen  Aluminatsilikaten  auszudehnen,  muß  als  ver- 
fehlt bezeichnet  werden. 

Bahnbrechend  in  bezug  auf  die  Anschauung  über  die  Art  der 
Bindung  in  den  Kolloiden  sind  die  umfassenden  Versuche  von 
P.  P.  v.  Weimarn  \ über  welche  G.  v.  Tschermak:  2 in  folgender 
Weise  treffend  urteilt:  „Die  Ansicht,  nach  welcher  die  Kolloide, 
also  auch  die  Hydrogele  eine  eigene  Welt  bilden,  in  der  die  stöchio- 
metrischen Gesetze  keine  Geltung  haben,  wird  durch  die  Tat- 
sachen, welche  von  P.  P.  v.  Weimarn  beobachtet  oder  zusammen- 
gefaßt werden,  beseitigt.  Aus  vielen  Versuchen  geht  hervor,  daß 
jede  chemische  Verbindung,  die  sonst  kristallinisch  erscheint,  unter 
bestimmten  Umständen  auch  als  Kolloid  erhalten  werden  kann, 
wonach  kolloid  und  kristallinisch  nur  verschiedene  Zustände  des- 
selben Körpers  darstellen.  Auch  kristallisierte  einfache  HjMrate 
ließen  sich  in  Kolloide  verwandeln,  wenn  die  Bedingung  erfüllt 
wurde,  daß  das  Hydrat  bei  der  Entstehung  in  dem  angegebenen 

Medium  schwerer  löslich  ist Nach  diesen  Erfahrungen 

befinden  sich  die  Teilchen  eines  Kolloids  in  einem  dynamisch- 
kristallinen Zustande,  wobei  selbstverständlich  die  stöchiometrischen 
Gesetze  nicht  aufgehoben  sein  können.“ 

Die  große  Wahrscheinlichkeit,  daß  sich  auch  die  Kolloide 
in  einem  kristallinen  Zustande  — dem  dynamisch-kristallinen  Zu- 
stande nach  G.  v.  Tschekmak  — befinden,  ließ  den  Verfasser  die 
schon  durch  ihr  sonstiges  Verhalten  berechtigte  Forderung  auf- 
rechterhalten, alle  austauschenden,  wasserhaltigen,  kolloidalen, 

1 P.  P.  v.  Weinarn,  Zeitschr.  f.  Chem.  u.  Indust.  d.  Kolloide.  1909.  5. 
p.  119. 

2 G.  v.  Tschermak.  im  Handbuch  d.  Mineralchemie  v.  C.  Doelter.  2,  2. 
p.  234—235.  1913. 


712 


A.  Born,  Ueber  neuere  Gliederungsversuche 


Tonerde,  Kieselsäure  und  Basen  führenden  Silikate  von  der  gleichen 
Zusammensetzung  und  mit  dem  gleichen  konstanten  Äquivalentver- 
hältnis, also  sowohl  die  künstlichen  als  die  natürlichen,  als  „zeo- 
1 ithische  resp.  zeolithartige“  zu  bezeichnen.  Verfasser  wurde  in 
dieser  Forderung  durch  das  übereinstimmende  Verhalten  bestärkt, 
das  bei  den  Silikaten  des  Ackerbodens  und  den  künstlichen  Alu- 
minatsilikaten  (Permutiten)  besteht,  wie  aus  den  nun  in  der  Be- 
sprechung folgenden  Versuchsresultaten  von  G.  Wiegner  und 
D.  J.  Hissink  hervorgeht.  (Schluß  folgt.) 


Ueber  neuere  Gliederungsversuche  im  estländischen  höheren 

Untersilur. 

Von  Axel  Born  in  Frankfurt  a.  M. 

1911  erschien  R.  S.  Basseer’s  Werk:  „The  early  palaeozoic 
bryozoa  of  the  baltic  provinces“  (Smithonian  Institution,  U.  S.  Kat. 
Mus.  Bull.  77.  Washington  1911).  Basseer,  der  nie  in  Estland 
war,  verarbeitet  in  diesem  Werk  mit  großem  Fleiß  das  umfang- 
reiche Material  untersilurischer  estländisclier,  auch  einiger  schwedi- 
scher, Bryozoen,  ein  Material,  das  ihm  durch  Schuchert,  Fr.  Schmidt, 
Mickwitz,  Michailowsky  und  vom  Britischen  Museum  teils  end- 
gültig, teils  leihweise  überlassen  worden  war.  Es  liegt  mir  völlig 
fern,  an  dem  rein  beschreibend  paläontologischen  Teil  des  Werkes, 
der  von  346  Seiten  allein  3UU  umfaßt,  irgendwelche  Kritik  zu 
iiben.  Kritik  möchte  ich  ebenfalls  nicht  üben  an  dem  paläogeo- 
graphischen  Teil  (p.  40).  Was  allein  meinen  Widerspruch  hervor- 
gerufen hat , ist  der  den  beiden  anderen  vorausgehende  strati- 
graphisch-faunistische  Teil  (p.  1 — 38).  Da  außer  mir  augenblicklich 
kaum  jemand  mit  den  geologischen  Verhältnissen  des  estländischen 
Untersilurs  eingehender  vertraut  ist1,  wird  wohl  auch  niemand 
auf  das  Irrtümliche  und  Falsche  in  der  Darstellung  Bassler’s  auf- 
merksam geworden  sein.  Ich  halte  es  daher  für  meine  Pflicht, 
die  von  Bassi.er  geäußerten  Tatsachenentstellungen  und  daraus 
resultierenden  Schlüsse  in  das  rechte  Licht  zu  rücken,  um  so  mehr, 
als  schon  ein  Teil  der  BASSLEit’schen  Anschauungen  in  die  Literatur 
übergegangen  ist2.  Stellt  doch  Basseer’s  Werk  das  Neueste  dar, 
was  über  estländisches  Untersilur  geschrieben  worden  ist. 

Basseer  hat  auf  Grund  des  ihm  zur  Verfügung  stehenden 
Materials,  d.  h.  des  ihm  von  oben  genannten  Herren  überlassenen 

1 Ich  habe  mich  im  Sommer  1912  drei  Monate  im  Gebiet  des  est- 
ländischen Untersilurs  aufgehalten , um  die  faunistisch-stratigraphischen 
Verhältnisse  des  höheren  Untersilurs  zu  studieren. 

2 Sowohl  E.  0.  Uerich  (Bull.  Geol.  Soc.  Am.  22.  1911.  p.  488)  wie 
F.  F.  Hahn  (N.  Jahrb.  f.  Min.  Beil.-Bd.  XXXVI.  p.  39)  haben  die  von 
Basseer  angeblich  festgestellte  Lücke  für  ihre  Zwecke  verwendet. 


im  estländisclien  höheren  Untersilur. 


713 


und  der  im  Nationalnmseum  zu  Washington  vorhandenen  An- 
sammlungen aus  Estland,  und  auf  Grund  einiger  Arbeiten  von 
Fr.  Schmidt  (p.  8)  einmal  eine  neue  Charakterisierung 
der  untersilurischen  Zonen  Estlauds  sowohl  in  petrographisclier 
wie  auch  faunistischer  Hinsicht  vorgenommen , dann  aber  ver- 
gleichende Betrachtungen  zwischen  baltischem  und  nordaraerika- 
niscliem  Untersilur  angestellt,  die  ihn  dazu  geführt  haben,  eine 
größere  zeitliche  Lücke  zwischen  der  Unteren-  (Fj  a)  und 
der  Oberen  L ü c kh o 1 m scheu  Schicht  (F,  ß)  anzunehmen. 

Was  den  ersten  Punkt  betrifft,  so  ist  zu  bedauern,  daß 
R.  S.  Basslek  von  dem  ersten  Teil  des  ScHMiDT’schen  Trilobiten- 
vverkes1,  der  eine  kurze  Darstellung  der  stratigi’aphischen  Verhält- 
nisse enthält,  nicht  mehr  Gebrauch  gemacht  hat.  Sicher  ist  heute 
den  Beobachtungen  Fr.  Schmidt’s  einiges  hinzuzufügen,  wie  ich 
später  zeigen  werde,  aber  nur  durch  genaue  Kenntnis  der  von 
Fr.  Schmidt  gewonnenen  Resultate  und  durch  weitere  exakte 
Untersuchungen. 

Ich  beginne  mit  der  Zone  D, , der  ältesten  der  Zonen,  die 
icli  einem  genaueren  Studium  unterzogen  habe : 

D,,  Jewesche  Schicht,  als  „siliceous  limestone  and  shale“  von 
Bassler  charakterisiert  (p.  9).  Daran  ist  allein  richtig  das 
Wort  „limestone“  und  auch  das  nur  bedingt,  denn  es  handelt  sich 
fast  stets  um  Mergel,  da  der  Gehalt  an  Ton  50  % oft  weit 
übersteigt,  und  in  den  seltensten  Fällen  um  Kalk.  Von  kiese- 
ligem  Kalk  kann  schon  gar  nicht  die  Rede  sein,  da  es  sich 
um  ein  ganz  lockeres,  weiches,  leicht  zerfallendes  Gestein 
handelt,  das  Kieselsäure  als  solche  kaum , d.  h.  nicht  mehr 
als  andere  Kalke  enthält.  Daß  in  diesem  Gestein  die  Fos- 
silien häufig  verkieselt  sind , darf  den  Schluß,  daß  auch  der 
Kalk  es  ist,  nicht  zulassen.  Schiefer  fehlen  in  der  Jewe- 
schen  Schicht  gänzlich,  sowohl  Tonschiefer,  als  geschieferte 
Kalke  und  geschieferte  Mergel. 

Nach  meinen  Beobachtungen  ist  das  Gestein  der  Jewe- 
schen  Schicht  folgendermaßen  zu  charakterisieren : Mehr  oder 
weniger  dünnplattige  Kalke  und  Mergel,  die  niemals  schieferig, 
dagegen  aber  oft  dickbankig  werden.  Verkieselt,  wie  Fr.  Schmidt 
es  angibt,  sind  die  Kalke  nur  ganz  lokal. 

D,  Kegelsche  Schicht,  nach  Bassler  (p.  9)  „shaly  fossiliferous 
limestone“.  Die  Kegel’sche  Schicht  ist  als  mehr  oder 
weniger  diinnbankiger  Kalk  ausgebildet,  dessen  einzelne  Bänke 
durch  dünne  Tonlagen  getrennt  sind.  Geschiefert  sind  die 
Kalke  niemals. 

D3  Wassalemsche  Schicht,  nach  Bassler  (p.  9)  als  „very 
fossiliferous  tliin  bedded  blue  limestone  and  shale“  ausgebildet. 

1 Fr.  Schmidt,  Revision  der  ostbaltischen  sibirischen  Trilobiten. 
Teil  I.  (Mem.  de  l'Acad.  d.  sc.  d.  St.-Petersbourg.)  VII  Serie.  30.  p.  9 — 41. 


714 


A.  Born,  Ueber  neuere  Gliederungsversuche 


In  Wirklichkeit  ist  der  Wassalemsche  Kalk  außerordentlich 
dickbankig,  was  gerade  sein  Charakteristikum  bildet  und 
seine  große  technische  Verwendung  ermöglicht.  Die  un- 
geheuren einheitlichen  Blöcke  des  kristallinen  Kalkes  im  großen 
Wassalemschen  Steinbruch  werden  jedem,  der  sie  gesehen 
hat,  in  Erinnerung  bleiben.  Daß  dazwischen,  besonders  oben, 
auch  dünnere  Lagen  sich  einschalten,  und  ebenso  tonige,  aber 
plastisch-tonige  Zwischenlagen,  berechtigt  nicht  zu  den  Bezeich- 
nungen „tliiu  bedded“  und  „shale“.  Man  kann  die  Wassalem- 
sche Schicht  als  sehr  dickbankigen,  grobkristallinen  organogenen 
Kalk  bezeichnen , der  nach  obenhin  und  auch  sonst  etwas 
diinnbankigen  Charakter  zeigen  kann  und  dessen  Bänke  durch 
dünne  plastische  Tonlagen  getrennt  werden. 

E.  Wesenbergsche  Schicht,  von  Bassler  (p.  9)  als  „fossili- 

t'erous  yellow  shale  and  tliiu  limestone  interbedded“  bezeichnet. 
Fr.  Schmidt  schreibt  (1.  c.  p.  35):  „das  Gestein  pflegt  ein 
dichter,  gelblicher  oder  bläulicher  Kalk  zu  sein,  der  in  einige 
Zoll  mächtige  Schichten  bricht,  die  durch  dünne  Mergellagen 
getrennt  sind“.  Dieser  Charakteristik  wäre  höchstens  noch 
hinzuzufügen , daß  die  dünnen  Zwischenlagen  oft  nicht  aus 
Mergel,  sondern  aus  plastischem  Ton  bestehen.  Im  übrigen 
zeigt  sie  die  völlige  Sinnlosigkeit  der  BAssLER’schen  Angaben 
und  die  dadurch  bedingte  Entstellung  der  Tatsachen. 

Fj  a Untere  Lückholm sehe  Schicht  wird  von  Bassler  (p.  9) 
als  „magnesian  limestone  holding  Maclurea , Subulites  and 
other  gastropods  closely  related  to  American  Trenton  species“. 
Fr.  Schmidt  schreibt  (p.  37)  von  dieser  Zone:  „ein  weißer, 
dichter,  kieselreicher  Kalk,  ähnlich  dem  Wesenberger,  mit 
wenig  Korallen“.  Dieser  Kalk  ist  nach  einer  chemischen 
Analyse  sehr  wenig  Mg-haltig.  Wie  weit  der  Kalk  dieser 
Zone  tatsächlich  im  Osten  in  echte  Dolomite,  nicht  dolomi- 
tischen Kalk,  übergeht,  hat  weder  Fr.  Schmidt  erkannt,  noch 
lassen  meine  Untersuchungen  bis  jetzt  einen  Schluß  zur  Lösung 
dieser  Frage  zu.  Eigenartig  berührt  es,  wenn  Bassler 
gerade  Gastropoden  im  allgemeinen  wie  im  speziellen  Maclurea 
und  Subulites  als  für  diese  Zone  charakteristisch  hält,  während 
nach  Fr.  Schmidt,  Koken  und  nach  meinen  Beobachtungen 
Maclurea  auf  die  Obere  Lückholmsche  Schicht  (F,  ß)  beschränkt 
ist,  und  Subnlites  wie  überhaupt  Gastropoden  hier  in  großer 
Fülle  auftreten.  Bassler  ist  hier  die  unangenehme  Verwechs- 
lung untergelaufen , daß  er  die  Zonen  Ft  a und  F,  ß ver- 
wechselt und  der  ersteren  den  Gastropodenreichtum  zuschreibt, 
während  dieser  gerade  der  letzteren  eignet. 

F,  ß Obere  Lückholmsche  Schicht,  nach  Bassler  (p.  9) 

als  „gray  to  yellow  argillaceous  limestone  with  many  corals, 
Halysites,  Calopoecia,  Hcliolites  etc.“  bezeichnet.  Diese  Charak- 


im  estländischen  höheren  Untersilur.  715 

teristik  ist  richtig  bis  auf  die  Bezeichnung  „yellow“.  Es 
können  allerdings  lokal  infolge  der  Verwitterung  gelbliche 
Färbungen  entstehen,  das  frische  Gestein  ist  jedoch  stets 
grau  bis  dunkelblau  oder  schwärzlich.  Fr.  Schmidt  schreibt 
(1.  c.  p.  37):  rEin  grauer  mergeliger  Kalk,  der  stellenweise 
voller  Korallen  ist.“  Die  paläontologisclie  Charakterisierung 
Basslf.r's  läßt , wie  unten  hervorgehoben , das  Betonen  des 
Ungeheuern  Gastropodenreichtums  vermissen;  dann  wäre  es 
auch  angebracht  gewesen,  der  Fülle  der  Favositiden,  der 
Einzelkorallen  wie  Strcptelas»ia  und  Petraia  u.  a.  zu  gedenken, 
die  hier  eine  größere  Rolle  spielen  als  die  von  Basslkr 
genannten  Formen. 

F,  Borkhol  m sc  he  Schicht  von  Bassler  (p.  9)  als  .massive 
siliceons  white  limestone“  bezeichnet.  Von  den  einzelnen  Ab- 
teilungen der  Borkholmschen  Schicht  weiß  Bassler  nichts. 
Fr.  Schmidt  schreibt  darüber  (1.  c.  p.  39):  .Zu  oberst  liegen 
feste,  zum  Teil  dichte,  kristallinische  weißgraue  Kalksteine 
von  splittrigem  Bruch  . ; darüber  kieselige  oder  mergelige, 

etwas  bituminöse  rötlichbraune  Plattenkalke  mit  Mergellagen 
wechselnd.  Dann  ziemlich  lockere , grobkörnige , bisweilen 

etwas  dolomitische  Kalke Zu  unterst  folgt  eine  Bank 

von  Encrinitenstielen.“  Es  ist  nicht  zu  verstehen,  warum 
B.  an  dieser  Stelle  nicht  auf  die  ScHMiirrsche  Definition 
zurückgreift,  wo  er  doch  sehen  mußte,  daß  sein  Material  mü- 
der einen  der  ScHMiDT’schen  Unterabteilungen  von  F2  ent- 
stammen konnte. 

Vielleicht  hat  Bassler  in  seiner  Tabelle  (p.  9)  nur  eine  Dar- 
stellung der  Verhältnisse  geben  wollen,  wie  er  sie  aus  seinen 
Handstücken  kennen  gelernt  hat.  Das  hätte  aber  betont  werden 
müssen.  Im  übrigen  müssen  es,  wenigsten  zum  Teil,  recht  eigen- 
artige Handstücke  gewesen  sein,  die  ihn  derartiges  lehren  konnten. 

Der  zweite  Punkt  betrifft  die  zeitliche  Lücke,  die 
Bassler  zwischen  F,  a und  F,  ß konstruiert.  Dargestellt  werden 
die  Verhältnisse  auf  einer  TabeUe  (p.  3S),  deren  wesentlichen  Teil 
ich  auf  p.  7 16  wiedergebe.  Die  Rubrik  rechts  bringt  die  Gleichsetzung 
der  Schichten  zum  Ausdruck,  wie  ich  sie  vorläufig  für  wahrscheinlich 
halte.  Ich  halte  die  Gleichsetzung  jedoch  nicht  für  endgültig,  da 
meine  Studien  darüber  noch  nicht  zum  Abschluß  gelangt  sind. 
Das  hindert  jedoch  nicht,  zu  zeigen,  wie  irrtümlich  die  Auffassung 
Bassler’s  von  der  Lücke  zwischen  F,  a und  F,  ß und  wie  unzu- 
reichend die  von  ihm  herangezogenen  Beweismittel  sind. 

Bassler  schreibt  p.  5 : „Thus  the  entire  Middle  Cambrium  is 
wanting  and,  according  to  the  present  results,  the  greater  portion 
of  the  Xortli- American  Ordovician  section  is  absent“,  und  p.  17: 
„Without  the  evidence  of  the  fanna,  the  presence  of  a great  time 
break  in  this  formation  (Lückholm)  miglit  not  be  suspected.“ 


716 


A.  Born,  Ueber  neuere  Gliederungsversuche 


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Nordamerika  i.  a.  Upper  Mississippi  Baltic  Russia  Baltic  Russia 

(„General  time  scale“)  j valley  | (n.  Bassler)  (n.  Born.) 


im  estländischen  höheren  Untersilur. 


717 


Bassler  beginnt  den  Beweis  seiner  Behauptung  damit,  daß 
er  für  die  W es en b er gs ch e Schicht  (E)  ein  „early  Trenton“ 
Alter  wahrscheinlich  zu  machen  sucht.  Seine  Vermutung  wird 
jedoch  in  keiner  Weise  bewiesen.  Von  den  in  beiden  Zonen 
(E  — early  Trenton)  gemeinsam  auftretenden  Brachiopoden  (p.  16) 
ist  Dabnanella  testudinaria  sowohl  nach  Beobachtungen  von  Wvso- 
gorsky  1 wie  nach  den  meinigen , durchaus  nicht  mehr  auf  E 
beschränkt,  sondern  kommt  auch  in  D2  (Kegelsche  Schicht)  vor. 
ebenso  wie  in  C„  bei  Kuckers.  Ähnlich  verhält  es  sich  mit  Plect- 
ambonites  sericeus,  die  fast  durch  das  ganze  estländische  Unter- 
silur hindurchgeht.  Beide  Formen  kommen  daher  für  die  Gleich- 
setzung im  Sinne  Bassler’s  nicht  in  Betracht.  Orthis  plicatella 
ist  allerdings  nach  Wysogorsky1 2  auf  E beschränkt. 

Bezüglich  zweier  weiteren  Formen  hat  Bassler  seine  Zweifel  selbst 
zum  Ausdruck  gebracht:  Strophomena  cf.  scofieldi  und  Eaßnesquina 
cf.  deltoidea.  Letztere  ist  in  Estland  ebenfalls  nicht  auf  E beschränkt, 
sondern  kommt  auch  in  F,  ß vor.  — „The  gastropods  of  both 
areas  are  well  known  and  show  some  similarity“  (p.  16).  Pleuro- 
tomaria  (=  Murchisonia)  insii/nis  Eichw.  soll  die  gleiche  sein,  wie 
Hormotoma  major  Hall  aus  dem  „earliest  Trenton"  von  Missouri 
und  Minnesota.  Und  Maclurea  neritoides  Goldf.  soll  den  ameri- 
kanischen Formen  sehr  nahe  stehen.  Das  mag  alles  richtig  sein, 
aber  Murchisoniu  insi/piis  ist  in  E sehr  selten,  kommt  dagegen  in 
F,  ß sehr  häufig  vor,  und  Maclurea  neritoides  kommt  in  E über- 
haupt nicht  vor.  auch  nicht  in  F,  a.  wie  Bassler  es  in  seiner  Tabelle 
angibt,  sondern  ausschließlich,  und  zwar  recht  häufig,  in  F,  ß, 
wo  sie  einer  der  wesentlichsten  Leitformen  darstellt  (siehe  auch 
Koken,  Bull,  de  l’Acad.  d.  sc.  d.  St.-Petersbourg.  V.  ser.  tome  VII. 
1897.  p.  107  u.  a.).  — Daß  eine  Protarea  beiden  Zonen  gemeinsam 
ist,  sagt  in  dieser  Form  gar  nichts  und  ebensowenig  die  Tatsache, 
daß  eine  Streptelasma  ähnlich  S.  profundum  Hall  Vorkommen  soll. 
Solche  Formen  kommen  schon  in  D, , aber  auch  in  F, , vor.  — Für 
eine  Identifizierung  der  Wesenbergschen  Schicht  (E)  mit  dem 
„early  Treuton“  spräche  also  nur  die  Bryozoenfauna.  Von  24  est- 
ländischen Arten  finden  sich  10,  also  41  °/0  im  nordamerikanischen 
„early  Trenton“  wfieder.  Im  übrigen  scheint  es  mir  nicht  an- 
gängig, nur  eine  einzige  Tiergruppe  für  stratigraphische  Gleich- 
setzungen zu  verwerten. 

Ein  ähnliches  Alter  wie  der  Wesenbergschen  Schicht  (E) 
kommt  nun  nach  Bassler  (p.  17,36,  37)  auch  der  UnterenLück- 
liolm sehen  Schicht  (F,  a)  zu,  nämlich  das  des  Galena-Trenton 
des  Mississippi  valley.  Auf  Grund  der  Bryozoen  und  der  fälsch- 
lichen Annahmen,  Maclurea  neritoides  käme  in  F,  a in  Estland 


1 Z.  d.  deutsch,  geol.  Ges.  1900.  p.  227. 

2 1.  c.  p.  231. 


718 


A.  Born,  Ueber  neuere  Gliederungsversuche 


vor  (p.  9 und  38)  wird  diese  Zone  dem  Galena-Trenton  gleich- 
gesetzt,  und  zwar  dem  Madurea  bed  (siehe  Tabelle).  In  Nord- 
amerika liegt  nun  über  dem  Galena-Trenton  im  allgemeinen  noch 
die  Serie  des  Cincinnatian  (Tab.  linke  Spalte) ; im  Mississippi 
valley  folgt  jedoch  über  den  Galena-Trenton  sofort  das  Rich- 
mondian  mit  seinem  Korallenreichtum.  Hier  liegt  also  nach  Bassler 
eine  große  zeitliche  Lücke  vor.  Die  Verhältnisse  im  Mississippi 
valley  überträgt  er  auf  Estland.  Dem  Galena-Trenton  (Stewarts- 
ville  dolomite)  mit  dem  Maclurea  bed  entspricht,  wie  gesagt,  das 
Unterlückholm  (F,  a)  mit  dem  hier  fälschlich  vermuteten  Maclurea 
bed;  und  dem  Korallenhorizont  des  nach  B.  obersilurischen  Rich- 
mondian  (Fernvale  limestone  etc.)  entsprechen  das  Oberlückholm 
(Fj  ß)  und  das  Borkholm  (F2).  Also  auch  hier  dieselbe  Lücke 
wie  im  Mississippi  valley.  Dabei  macht  nun  Bassler  den  einen  großen 
Fehler,  daß  er  das  Maclurea  bed  in  Fx  a vermutet , während  es 
tatsächlich  in  F,  ß liegt.  Infolgedessen  tritt  eine  erhebliche  Ände- 
rung der  Darstellung  ein.  Da  ich,  ebenso  wie  Bassler,  wenigstens 
vorläufig , glaube , daß  dem  Maclurea  bed  ein  gewisser  strati- 
graphischer Wert  zukommt,  so  muß  in  der  Tabelle  F,  ß herunter- 
rücken an  die  Stelle  von  F,  a und  würde  diesem  dicht  folgen 
(siehe  Tabelle  rechte  Spalte).  Infolgedessen  schließt  sich  die 
Lücke  zwischen  F,  a und  F,  ß zwanglos.  — Bassler  zieht  nun  aller- 
dings für  seine  Gleichstellung  von  Fj  a und  F,  ß mit  den  nord- 
amerikanischen Zonen  außer  dem  Maclurea  bed  einmal  die  Bryozoen 
heran,  dann  aber  auch  die  nur  in  seiner  Vorstellung  vorhandene 
große  faunistische  Übereinstimmung  zwischen  E und  Fx  a einer- 
seits und  Fj  ß und  F,  andererseits,  und  den  großen  Unterschied 
zwischen  F,  a und  F(  ß heran.  Was  die  Bryozoen  anbelangt,  so 
hat  er  leider  gerade  für  die  Zone  Fx  a in  seiner  Tabelle  (p.  18) 
nicht  angegeben,  wieviel  Arten  sie  mit  seinem  nordamerikanischen 
Äquivalent,  dem  Stewartsville  dolomite  gemeinsam  hat.  Die  ver- 
muteten Unterschiede  wie  Übereinstimmungen  existieren  im  übrigen 
nicht.  Petrographisch  besteht  eine  gewisse  Übereinstimmung 
zwischen  E und  Fx  a,  aber  faunistisch  sind  recht  erhebliche  Unter- 
schiede vorhanden.  Es  sind  die  gleichen  Unterschiede,  wie  sie 
ganz  allgemein  zwischen  den  estläudischen  untersilurischen  Stufen 
bestehen : Eine  gewisse  Zahl  von  Arten  geht  durch  eine  Reihe 
von  Stufen  hindurch  (z.  B.  Orthisina  Verncuili,  Porambonites  tere- 
tior,  Platystroplüa  biforata , Leptaena  rhomboidalis , Plectamboniies 
sericeus,  Streptelasma  cf.  corniculum).  Daneben  kommen  dann  die 
Variationen  dieser  Arten  vor,  die  immer  nur  auf  die  einzelnen 
Stufen  beschränkt  sind;  ebenso  beschränkt  sind  meist  eine  Reihe 
von  Trilobiten,  auf  E z.  B.  Ohasmops  wesenbergensis,  Lichas  Eicli- 
tvaldi , Encrinuras  Seebaclii  , und  Gastropoden  wie  Carinariopsis 
rosfrata,  Worthenia  Mickwitzi,  Pleurotomaria  elliptica,  P.  lenticularis, 
P.  baltica,  liaph  istoma  ivesenbergense , Subülites  wesenbergensis. 


im  estländischen  höheren  Untersilur. 


719 


Diese  Formen  geben  der  Zone  dann  ihr  charakteristisches  Gepräge. 
Und  ein  solch  eigenes  Gepräge  besitzt  die  Zone  E gegenüber  Fx  a in 
sehr  starkem  Maße , da  vor  allem  in  E eine  große  Zahl  von 
Formen,  besonders  Trilobiten  und  Gastropoden,  aber  auch  Brachio- 
poden  erlischt,  andererseits  auch  in  F,  a neue  Formen  einsetzen. 

Ganz  anders  liegen  die  Verhältnisse  zwischen  F,  a 
und  F]  ß , wo  Basslek  einen  großen  faunistischen  Unterschied  sehen 
will.  Fast  sämtliche  Formen,  die  in  Fx  a auftreten , finden  sich 
auch  in  Fx  ß.  Durch  keinen  Trilobiten,  kein  Bracliiopod,  keine 
Koralle,  keinen  Zweischaler  wird  der  Zone  F,  a gegenüber  F,  ß 
ein  eigenes  Gepräge  verliehen.  Keine  einzige  Art  dieser  Gruppen 
eignet  ihr,  alle  linden  sich  im  Oberen  Lückholm  wieder,  und  nur 
wenige  Gastropoden , wie  Subidites  infiatus,  Euomphalus  laminosus, 
Pleurotomaria  numismalis  u.  a.  linden  hier  ihr  Ende.  Das  ist  der  große 
Unterschied  gegenüber  E und  Fx  a,  daß  der  Gegensatz  zwischen 
Fa  a und  F,  ß nicht  bedingt  ist  durch  das  Erlöschen  einer  größeren 
Zahl  charakteristischer  Formen  in  der  älteren  Zone,  sondern  nur 
das  neue  Hinzutreten  einer  Fülle  von  Formen  zu  einer  fast  voll- 
ständig weiter  bestehenden  Formengemeinschaft.  Im  ersten  Falle 
(E — F,  a)  mußten  die  chemisch-physikalischen  Verhältnisse  des 
Meeres  eine  Änderung  erfahren  haben , um  das  Erlöschen  eines 
ziemlich  hohen  Prozentsatzes  einer  Faunengemeinschaft  zu  bedingen; 
im  Falle  F,  a — F,  ß trat  eine  derartige  Veränderung  nicht  ein  — 
wenigstens  machte  sich  irgend  ein  Einfluß  in  der  Fauna  nicht 
bemerkbar,  und  das  ist  ja  das  wesentlichste  Kriterium,  was  wir 
dafür  besitzen.  Ich  sehe  daher  im  Gegensatz  zu  Bassler  trotz  des 
Hinzutretens  der  Fülle  der  Korallen  in  Fj  ß den  engsten  Zu- 
sammenhang zwischen  Ft  a und  Fx  ß,  einen  derartig  engen  Zu- 
sammenhang, daß  vom  faunistischen  Standpunkt  aus  eine  große 
Lücke,  wie  Bassler  sie  annimmt,  völlig  unmöglich  ist.  Ähnlich  wie 
mit  E und  F,  a verhält  es  sich  auch  mit  den  faunistischen  Be- 
ziehungen zwischen  Fx  ß und  F2.  Es  ist  hier  nicht  der  Ort,  auch 
diesen  Punkt  noch  einmal  näher  auseinanderzusetzen,  meine  Arbeiten 
werden  darüber  noch  eingehend  Aufschluß  gebeu.  — Kurz  möchte 
ich  noch  auf  die  Berechtigung  eingehen,  mit  der  Bassler  Fx  ß und  F, 
dem  Obersilur  zuzurechnet.  Wer  nicht  genau  darüber  orientiert 
ist,  könnte  der  Tabelle  p.  38  entnehmen,  es  wäre  in  Nordamerika 
allgemein  üblich,  das  Richmondian  zum  Obersilur  zu  stellen.  Das 
ist  jedoch  keineswegs  der  Fall,  in  der  neueren  Literatur  scheinen 
alle  Silurforscher  (z.  B.  Foerste,  Cumings,  Gordox,  Hayes,  Mickels, 
Rüdemaxn,  Sardesox,  Ulrich,  Wixchell  u.  a.)  das  Bichmondian 
zum  Cincinnatian  und  das  wieder  ins  oberste  Untersilur  (Ordovician) 
zu  stellen.  Fx  ß und  F»  würden  also , wenn  sie  wirklich  beide 
dem  Richmondian  entsprechen  sollten , doch  untersilurisch  sein. 
Daß  in  beiden,  im  Bichmondian  wie  in  Fx  ß — F2,  eine  Atrypa , 
Leptaena  rhomboidalis  und  je  eine  Streptis  und  StricMandinia  auf- 


720 


Miscellanea.  — Personalia. 


treten,  kann  unmöglich  einmal  ihre  Gleichalterigkeit,  anderseits  ihr 
ohersilurisches  Alter  beweisen,  denn  Alri/pa- Arten  sind  seit  langem 
aus  verschiedenen  untersilurischen  Zonen  Böhmens  wie  Englands 
bekannt,  Leptaena  rhomboidalis  tritt  in  Estland  schon  seit  C2 
{Kuckerssche  Sch.)  in  allen  Zonen  in  typischer  Form  auf,  kann 
also  nicht  im  geringsten  mehr  als  typisch-obersilurische  Form 
angesehen  werden;  und  schließlich  sagen  je  eine  unbestimmbare 
Streptis  und  Stricklandinia  nichts  über  das  Alter  aus.  Im  übrigen 
ist  es  selbstverständlich  und  längst  bekannt,  daß  das  Untersilur 
bereits  typische  Vertreter  der  obersilurischen  Faunen  birgt.  Die 
Gleichalterigkeit  des  Richmondian  mit  F,  und  F2  stützt  sich  also 
schließlich  auf  drei  Bryozoenspezies  (p.  17)  und  das  ist  m.  E. 
etwas  wenig.  Ein  Versuch,  auch  andere  Tiergruppen  für  die  Alters- 
deutung heranzuziehen,  ist  gar  nicht  gemacht  worden.  Wohl 
könnte  F2  dem  Richmondian  entsprechen  — von  F,  halte  ich  es 
für  unwahrscheinlich  — aber  der  von  Basslek  eingeschlagene  Weg 
ist  nicht  im  geringsten  geeignet,  es  wahrscheinlich  zu  machen. 
Verhält  es  sich  wirklich  so , dann  läge  irgendwo  zwischen  F,  (J 
und  F2  eine  Lücke,  aber  das  hat  Basslek  nicht  behauptet  und  ich 
bestreite  es  nicht.  Wohl  gäbe  es  aber  noch  eine  zweite  Möglich- 
keit, daß  nämlich  die  J/ac/»rai-Horizonte  nicht  gleichaltrig  und 
daß  die  Biyozoen  nicht  leitend  wären.  Dann  würden  Unter-  und 
Ober-Lückholm  einem  Teil  des  Ciucinnatian  entsprechen,  und  das 
scheint  mir  das  wahrscheinlichere.  Wo  dann  die  Lücke  liegt, 
falls  überhaupt  noch  eine  vorhanden,  das  zu  untersuchen,  ist  nicht 
Zweck  dieser  Zeilen ; Zweck  allein  war  es,  die  von  Bassler  ent- 
stellten Tatsachen  zu  berichtigen  und  die  daraus  gezogenen  Schlüsse 
in  das  rechte  Licht  zu  rücken. 

Frankfurt  a.  M.,  Senckenberg-Museum,  Oktober  1913. 


Miscellanea. 

Die  akademischen  Behörden  der  schwedischen  Universität 
Lund  haben  beschlossen,  beim  schwedischen  Reichstag  die  Be- 
willigung von  ein  Drittel  Millionen  Kronen  zur  Erbauung  eines 
neuen  geologisch  - meteorologischen  Instituts  in  Lund 
nachzusuchen. 


Personalia. 

Gestorben:  Prof.  Dr.  A.  Baltzer  in  Bern. 


Adolf  Hofmann  +. 


721 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Adolf  Hofmann  f. 

Am  9.  September  d.  J.  starb  in  Prag  Hofrat  Adolf  Hofmann, 
Professor  der  Pfibramer  Montan-Hochschule  i.  R.,  in  seinem 
61.  Lebensjahre. 

Hofmann  wurde  am  17.  Jänner  1853  zu  Zebräk  in  Böhmen 
geboren,  war  nacli  der  Absolvierung  der  Bergakademie  in  Leoben 
dortselbst  als  Assistent,  in  den  Jahren  1880 — 1888  als  Dozent 
tätig,  supplierte  1888/9  die  Professur  der  Lagerstättenlehre, 
Mineralogie  und  Geologie  in  Pfibram,  wo  er  1889  zum  außer- 
ordentlichen, 1893  zum  ordentlichen  Professor  ernannt  wurde  und 
bis  1909  wirkte;  in  diesem  Jahre  übersiedelte  er  nach  Prag  und 
setzte  im  mineralogischen  Institut  der  böhmischen  Universität  seine, 
vor  allem  Pfibram  und  die  böhmischen  Goldvorkommen  behan- 
delnden Arbeiten  fort. 

Hofmann’s  wissenschaftliches  Wirken  war  den  verschiedensten 
Zweigen  der  Geologie  gewidmet , besonders  aber  einerseits  der 
Vertebratenpaläontologie,  andererseits  der  Lagerstättenlehre.  Über 
vierzig  Publikationen  in  deutscher  und  böhmischer  Sprache  teilen 
die  Resultate  seiner  Untersuchungen  mit ; dieselben  sind  zumeist 
im  Jahrbuch,  Verhandlungen  und  Abhandlungen  der  geologischen 
Reichsanstalt  in  Wien,  Sitzungsberichten  der  königl.  böhmischen 
Gesellschaft  der  Wissenschaften  und  Abhandlungen  resp.  Bulletin 
international  der  böhmischen  Akademie  in  Prag  veröffentlicht 
worden. 

Die  paläontologischen  Arbeiten  Hofmann’s  datieren  zumeist 
aus  seiner  Leobener  Zeit,  wo  er  durch  eifrige  Sammlertätigkeit 
ein  umfangreiches  Studienmaterial  aus  den  Braunkohlenablagerungen 
des  steiermärkischen  Miocäns  zusammenbrachte.  Seine  Haupt- 
arbeiten sind  da  eine  Bearbeitung  der  miocänen  Krokodiliden  Steier- 
marks,  1885  in  den  Mojsisovics-NEUMAYER’schen  Beiträgen  zur 
Paläontologie  Österreich-Ungarns  und  des  Orients,  und  Monographie 
der  Fauna  von  Göriach,  1893  in  den  Abhandlungen  der  Wiener 
geologischen  Reichsanstalt  erschienen.  Außer  den  steirischen  be- 
arbeitete Hofmann  auch  einzelne  böhmische,  mährische  und  bos- 
nische Funde  von  fossilen  Vertebraten. 

1899  veröffentlichte  Hofmann  gemeinsam  mit  F.  Ryba  einen 
großen  „ Atlas  der  Leitpflanzen  paläozoischer  Steiukohlenablagerungen 
in  Mitteleuropa“,  und  in  der  letzten  Zeit  kehrte  er  nochmals  zu 
den  Fragen  der  Kohlengeologie  zurück  und  publizierte  einige 
Mitteilungen  über  dynamische  Phänomene  derselben  (Kreis-  oder 
Augenkohle  usw.). 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


46 


722 


P.  M.  Hopmann,  Einige  Bemerkungen 


Wie  die  paläontologische  Arbeit  Hofmann’s  vorzugsweise  der 
Steiermark  gewidmet  war,  so  galten  seine  Untersuchungen  auf  dem 
Gebiete  der  Lagerstättenlehre  vor  allem  den  böhmischen  Vor- 
kommen. Das  Pfibramer  Ganggebiet  bewachte  er  jahrelang  und 
berichtete  in  zahlreichen  Mitteilungen  über  neue  Funde  von  Mine- 
ralien (Berthierit,  Witherit,  Scheelit),  über  Orte  mit  abweichender 
Erzführung  (St.febsko,  Narysov),  gab  aus  Anlaß  des  Wiener 
Geologenkongresses  1903  eine  gedrängte  zusammenfassende  Dar- 
stellung der  Pfibramer  Erzgänge  und  noch  in  Prag  bearbeitete 
er  (im  Verein  mit  dem  Schreiber  dieser  Zeilen)  die  Pfibramer 
„Dürrerze“.  In  den  Goldquarzgängen  von  Kasejovic  entdeckte  er 
ein  Tellurmineral  (Nagjragit?)  und  beschrieb  dieses  goldführende 
Gebiet,  sowie  einige  kleinere  Vorkommen,  z.  T.  mit  Sehr.  d.  Z., 
in  einer  Reihe  von  Publikationen  (1906 — 1913). 

Hofmann  führte  auch  die  Untersuchung  der  Antimonitgänge 
von  Pficov  durch,  und  von  außerböhmischen  Lagerstätten  brachte 
er  wichtige  Beiträge  zur  Kenntnis  der  Hohen  Tauern,  von  Kraubat, 
Monte  Mulatto  und  Veitsch. 

Der  praktische  Sinn  und  die  Gründlichkeit  Hofmann’s  äußert 
sich  in  allen  seinen  Publikationen , nicht  weniger  aber  auch  in 
seiner  Tätigkeit  als  Hochschullehrer  und  praktischer  Bergmann ; 
die  Ausstattung  seines  Pfibramer  Institutes  mit  reichhaltigen  und 
instruktiven  Sammlungen  war  zur  Gänze  sein  Werk.  Alle  Fach- 
genossen, die  in  den  Jahren  seines  Wirkens  Pfibram  besucht 
haben,  werden  das  unbegrenzte  Entgegenkommen  in  Erinnerung 
behalten,  welches  Hofmann  den  wissenschaftlichen  Interessen  Anderer 
entgegenbrachte,  und  die  Bereitwilligkeit,  mit  welcher  er  jeden 
mit  Pfibramer  und  anderem  Arbeits-  und  Sammlungsmaterial  aus- 
seinen  reichen  Vorräten  versah. 

Ehre  dem  Andenken  des  gediegenen  Forschers,  vorzüglichen 
Lehrers  und  edlen  Mannes!  F.  Slavik. 


Mitteilungen  aus  dem  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Bonn. 

20.  Einige  Bemerkungen  über  die  Einschlüsse  im  Leucit-Tuff 
der  Kappiger-Ley. 

Von  P.  Michael  Hopmann,  0.  S.  B. 

Die  Kappiger-Ley  nordwestlich  vom  Laacher  See  ist  bisher 
als  Fundstelle  vulkanischer  Auswürflinge  wenig  bekannt.  In  älteren 
Sammlungen  linden  sich  Bruchstücke  großer  Sauidinkristalle  von 
dort,  sowie  Staurolith  führende  kristalline  Schiefer.  Letztere  hat 
R.  Brauns  aus  der  REiTEß’schen  Sammlung  zu  Neuwied  kurz  er- 
wähnt *.  Da  in  der  großen  jAcoß’schen  Sammlung  Staurolith-  und 

1 R.  Brauns,  Die  kristallinen  Schiefer  aus  dem  Laacher  Seegebiet 
und  ihre  Umbildung  zu  Sanidinit.  Stuttgart  1911. 


über  die  Einschlüsse  im  Leucit-Tnff  der  Kappiger-Lev. 


723 


Disthen-Glimmerscliiefer  nur  vom  Hüttenberg  bei  Niederzissen  vor- 
handen sind,  machte  ich  den  Versuch,  die  Umgebung  der  Kappiger- 
Ley  auf  solche  Auswürflinge  hin  abzusuchen , wobei  ein  über- 
raschendes Ergebnis  zutage  trat.  Während  Dr.  Halfmann  bei 
seinen  Aufsammlungen  im  Gebiete  der  Eiedener  Leucittuffe,  deren 
Ergebnisse  seine  demnächst  erscheinende  Dissertation  mitteilt,  kein 
einziges  Stück  eines  kristallinen  Schiefers  gefunden  hat,  wurden 
hier  am  NO. -Abhange  der  Eiedener  Umwallung  zahlreiche  kristal- 
line Schiefer  verschiedener  Art  gefunden.  Der  Tuff  des  abgesuchten 
Gebietes  muß  also  einem  kleinen,  gesonderten  Ausbruche  entstammen ; 
von  dem  Tuff  in  der  Umgebung  des  Dachsbusches  und  des  Hütten- 
berges, nördlich  vom  Wehrer  Kessel,  aus  dem  die  von  E.  Brauns 
vorzugsweise  untersuchten  kristallinen  Schiefer  stammen , unter- 
scheidet er  sich  durch  seinen  Leucitgehalt,  und  gehört  demnach 
zur  Gruppe  der  Leucitphonolithe. 

Von  den  aufgesammelten  kristallinen  Schiefern,  die  mit  den 
1910  von  mir  beschriebenen  Staurolith-  und  Disthen-Glimmerschiefer 
vom  Hüttenberge1  ziemlich  übereinstimmen,  enthalten  11  Staurolith, 
2 Disthen  und  7 Staurolith  und  Disthen.  Andere  Glimmerschiefer 
und  Phjdlite  führen  als  charakteristische  Mineralien  Granat, 
Andalusit  und  Korund;  unter  ihnen  sind  einige  auffallend  reich 
an  Granat  oder  Korund. 

Vollständige  Keihen  von  Umwandlungen,  wie  sie  E.  Brauns 
mitteilen  konnte,  lassen  sich  an  dem  Material  von  der  Kappiger- 
Ley  einstweilen  nicht  aufstellen.  Pyrometamorphose  tritt  nur 
schwach  hervor.  Die  Umwandlung  von  Staurolith  und  Disthen 
in  Sillimanitaggregate , von  Andalusit  in  Korund  unter  Bil- 
dung von  Alkalifeldspat,  kann  wohl  nur  auf  Pyrometamorphose 
zurückgeführt  werden;  dabei  ist  es  nicht  zur  Bildung  von  Glas 
gekommen.  Meist  finden  sich  Aggregate  von  Korund,  Spinell, 
Biotit,  Magnetit  und  zuweilen  etwas  Feldspat  an  Stelle  der  ver- 
änderten Idioblasten  (Staurolith,  Granat).  Selten  tritt  Cordierit  auf. 

Deutlicher  ist  die  Einwirkung  erhöhter  Temperatur  an  solchen 
Auswürflingen  kristalliner  Schiefer,  die  sich  in  Mineralbestand  und 
Textur  von  den  bisher  genannten  gut  unterscheiden.  Staurolith 
und  Andalusit  sind  nicht  vorhanden ; Korund,  Granat  und  heller 
Glimmer  nur  ganz  vereinzelt.  Letzterer  ist  immer  von  einem 
Kranz  kleiner  Biotitschüppchen  umgeben.  Bei  den  hellen  Be- 
standteilen vermißt  man  vielfach  eine  deutliche  Längserstreckung; 
sie  zeigen  hornfelsähnliche  Pflasterstruktur.  Quarz  bildet  nur 
selten  die  Hauptmasse  der  hellen  Komponenten ; alsdann  sind  die 
einzelnen  Körner  von  schmalen  Glassäumen  umzogen.  Meist  tritt 
Quarz  gegen  Feldspat  zurück;  die  gerundeten  Körner  sind  oftmals 
von  kleinen  Feldspatkörnern  umsäumt.  Feldspäte  verschiedener 

1 Verhandlungen  des  Naturhistoriseben  Vereins.  67.  Jahrgang.  1910. 
p.  193—236. 


46* 


724 


P.  M.  Hopmann,  Einige  Bemerkungen 


Zusammensetzung  zeigen  außer  der  erwähnten  Pflasterstruktur  viel- 
fache Durchwachsungen  und  eigentümliche  Verzahnungen;  größere 
Körner,  wie  sie  in  den  vorhin  genannten  kristallinen  Schiefern 
vorhanden  sind,  die  zahlreiche  Quarz-  und  Glimmerreste  in  par- 
allelen Reihen  einschließen,  fehlen  in  diesen  Auswürflingen. 

In  diese  an  sich  körnigen  Aggregate  der  hellen  Gemeng- 
teile wird  eine  oft  feine  Schichtung  durch  parallel  einge- 
lagerte Biotitblättchen  gebracht.  Sie  haben  die  gewöhnliche 
braune  Farbe,  während  der  dunkle  Glimmer  in  den  zuerst  genannten 
Schiefern  einen  grünlichen  Ton  zeigt.  Pyroxen-  und  Amphibol- 
mineralien treten  stärker  hervor.  In  diesen  Schiefern  fehlt 
Glas  nie.  Bei  reichlicher  Ausbildung  des  Feldspates  findet  sich 
nur  wenig  Glas,  und  zwar  in  eigenartig  zersetzten  Biotitstreifen. 
Während  die  Biotitblättchen,  die  die  Schieferung  des  Gesteins 
bedingen , im  allgemeinen  unangegriffen  oder  nur  von  feinen 
Magnetitoktaedern  besetzt,  gelegentlich  auch  von  größeren  Epidot- 
körnern durchbrochen  sind,  finden  sich  in  einer  Anzahl  von  Schliffen 
mehr  oder  weniger  schmale  Streifen,  in  denen  kleine,  hellgelbe, 
meist  rechteckige  Biotitblättchen  mit  gerundeten  Ecken  dicht  ge- 
drängt in  einer  hellen  Grundmasse  liegen,  die  wohl  Feldspat  sein 
dürfte.  Die  vielen  kleinen  Glimmerblättchen  liegen  in  der  Mehr- 
zahl untereinander  parallel  und  lassen  öfters  aus  ihrer  Anordnung 
auf  die  Umrisse  der  Biotitleisten  schließen,  aus  denen  sie  durch 
Zerfall  hervorgegangen  sein  mögen.  Die  Mitte  der  Streifen  ist 
trübgelblich , wie  mit  einem  feinen  Pigment  erfüllt.  Auch 
dieses  erweist  sich  durch  starken  Dichroismus  und  kräftige  Doppel- 
brechung als  Biotitsubstanz.  Eine  derartige  Zersetzung  des  Biotits 
findet  sich  in  geringen  Spuren  in  allen  Auswürflingen  dieser  Gruppe. 

Eine  weitere  Gruppe  der  Lesesteine  von  der  Kappiger-Ley 
ist  durch  das  Vorherrschen  von  Pyroxen-  und  Amphibolmineralien 
gekennzeichnet.  Einige  weisen  durch  die  feinschichtige  Lagerung 
der  gestreckten  dunklen  Gemengteile  in  einer  richtungslos  körnigen 
Feldspatmasse,  und  mehr  noch  durch  ihre  quer  zu  dieser  Schichtung 
verlaufenden  geradlinigen  und  parallelen  Risse,  die  den  durch 
Transversalschieferung  entstandenen  entsprechen,  deutlich  auf  ihre 
ursprüngliche  Natur  als  sedimentäre  Schiefer  hin,  während  es  jetzt 
eigenartige  Augit-Feldspatgesteine  sind,  die  keinem  bekannten  Ge- 
stein direkt  zugewiesen  werden  können. 

Andere  setzen  sich  aus  der  Hauptsache  nach  richtungslos 
körnigen  Massen  zusammen,  die  zahlreiche  Reste  weniger  um- 
gewandelter Biotit-Feldspatschiefer  umschließen,  oder  selber  gang- 
artig in  solche  Schiefergesteine  eingeschaltet  sind.  Das  Pyroxen- 
mineral  ist  zum  Teil  ein  grüner  Augit,  der  dem  optischen  Ver- 
halten nach  als  Ägirinaugit  bestimmt  werden  kann , z.  T.  ein 
braungelblicher,  der  mit  gerader  Auslöschung  die  Licht-  und 
Doppelbrechung  und  den  Pleochroismus  des  gemeinen  Augits  ver- 


über  die  Einschlüsse  im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley.  725 

einigt.  Er  ist  teils  stark  mit  Magnetitausscheidungen  durchsetzt, 
teils  mit  Hornblende  so  innig  verwachsen , daß  diese  aus  ihm 
hervorgegangen  zu  sein  scheint;  darum  ist  eine  genaue  Bestimmung 
nicht  möglich.  Augit  und  Hornblende  bilden  auch  die  Ausfüllung 
der  Risse  der  Transversalschieferung. 

In  dieser  Gesteinsgruppe  findet  sich  Glas  von  geringen  Spuren 
bis  zu  größeren  Mengen.  Man  findet  Gesteine,  die  stark  kavernös 
sind;  gelbliches  Glas  ist  makroskopisch  sichtbar,  die  Schichtung 
wird  verwischt.  Schließlich  unterscheiden  nur  noch  die  grünen 
Klüfte  der  Transversalschieferung  das  Gestein  von  einem  richtungslos 
struierten  Sanidinit. 

Die  Art  der  Umwandlung  der  kristallinen  Schiefer  in  diese 
Augit-Feldspatgesteine  dürfte  sich  bei  weiterer  Untersuchung  noch 
näher  verfolgen  lassen.  Jedenfalls  kann  man  schon  sagen,  daß 
die  Umwandlungen  durch  heiße  Gase  und  die  von  diesen  zuge- 
führten Stoffe  bewirkt  worden  sein  müssen. 

Außer  diesen  zweifellos  metamorphen  Gesteinen  kommen  unter 
den  Auswürflingen  der  Kappiger-Ley  helle  und  dunkle  körnige 
Gesteine  vor ; die  ersteren  haben  den  Charakter  von  Nephelinsyenit, 
sind  aber  im  ganzen  selten ; die  anderen  gleichen  z.  T.  in  ihrem 
Mineralbestand  (Augit,  Ägirinaugit,  Biotit.  Olivin  und  einem  völlig 
umgewandelten  Mineral , wohl  Leucit)  und  Aussehen  den  Aus- 
scheidungen oder  Einschlüssen  im  Noseanphonolith  von  Kempenich. 
Über  ihre  Natur  wird  sich  erst  genaueres  aussagen  lassen,  wenn 
die  Untersuchung  jener  Ausscheidungen  im  Noseanphonolith,  die 
im  hiesigen  Institut  bereits  im  Gang  ist,  abgeschlossen  ist.  Andere 
bestehen  fast  nur  aus  Augit  und  Nosean  und  dürften  vielleicht 
dem  Tawit  zu  vergleichen  sein,  wieder  andere  bestehen  aus  Augit 
und  Magnetit;  derartige  sind  von  Halfmann  in  seiner  Dissertation 
genauer  beschrieben  worden.  Wenn  diese  dunklen  Auswürflinge 
auch  vielfach  den  Eindruck  von  Tiefengesteinen  machen,  so  ist  es 
doch  auch  sehr  gut  möglich,  daß  es  basische  Ausscheidungen  der 
Alkali-Eruptivgesteine  sind. 

Der  Tuff,  dem  alle  diese  Auswürflinge  entstammen,  ist  nur 
im  Wasserriß  an  der  von  der  Kappiger-Ley  nach  Laach  führenden 
Straße  aufgeschlossen.  Die  in  ihm  enthaltenen , verwitterten 
Leucite,  die  sich  auch  in  den  zuweilen  sehr  großen  Bimsteinen  des 
Tuffes  reichlich  finden,  reihen  ihn  unter  die  Leucit-Phonolithtuffe  ein. 

Noch  unmittelbarer  wird  die  Beziehung  der  Auswürflinge  zu 
den  Phonolithausbrüchen  erwiesen  durch  die  zahlreichen  Bomben 
eines  Eruptivgesteines,  das  als  einziges  in  nennenswerter  Menge 
in  diesem  Tuffe  auftritt.  Seine  graugelbe  Grundmasse  ist  äußerst 
feinkörnig.  Durch  Verwitterungsprodukte  und  feine  Poren  erscheint 
sie  fein  gesprenkelt.  Unregelmäßig  gestaltete  Hohlräume  durch- 
setzen das  Gestein  in  parallelen  Ebenen  und  lassen  auf  plötzliche 
Erstarrung  schließen. 


726 


P.  M.  Hopmann,  Einige  Bemerkungen 


Einsprenglinge  treten  nur  vereinzelt  auf:  Sanidinleisteu, 

Augitkörner,  Biotittafeln,  Schieferscliiilferchen  und  zuweilen  weiße 
Noseankristalle  mit  guter  Kristallbegrenzung,  jedoch  nicht  über 
1 mm  Durchmesser.  U.  d.  M.  glaubt  man  auf  den  ersten  Blick 
ein  durch  Mikrolithe  oder  Verwitterungsprodukte  feingetüpfeltes, 
stellenweise  auch  gelblich  trübes  Glas  zu  sehen,  in  welchem  nur 
vereinzelt  Mineralkörner  zu  erblicken  sind.  Bei  starker  Ver- 
größerung löst  sich  dieses  „Glas“  unter  gekreuzten  Nikols  in 
schwach  polarisierende  Flecken  auf,  die  meist  unregelmäßig 
konturiert,  zuweilen  auch  rundlich  oder  undeutlich  viereckig  sind. 
Wird  der  Schliff  mit  HCl  behandelt,  so  verschwinden  diese  Flecken 
und  es  bilden  sich  reichlich  Kochsalz würfelchen.  Dies  deutet  auf 
Nephelin  hin.  Deutliche  Nephelinlängsschnitte  mit  kastenartigen 
Einlagerungen  feinster  Stäbchen  linden  sich  nur  selten.  Glasbasis 
tritt  zwischen  den  polarisierenden  Flecken  nur  stellenweise  etwas 
mehr  hervor,  ist  aber  wohl  stets  vorhanden.  Als  nächst  häufiger 
Bestandteil  der  Grundmasse  sind  kleine,  äußerst  feine,  hellgrau 
polarisierende  Nadeln  zu  nennen,  die  als  Feldspatmikrolithe  an- 
gesprochen werden  müssen.  Diese  werden  durch  H CI  nicht  ver- 
ändert. Augitmikrolithe  finden  sich  sehr  spärlich.  Man  erkennt 
sie  an  der  mehr  gedrungenen  Form  und  an  der  höheren  Licht- 
und  Doppelbrechung.  Meist  kann  man  auch  eine  schwach  grün- 
liche Eigenfarbo  beobachten.  Ein  sehr  wechselnder  Bestandteil 
der  Grundmasse  ist  der  Leucit.  In  einem  Stücke  findet  er  sich 
reichlich,  im  anderen  sehr  spärlich.  Nur  einmal  wurde  er  mit  den 
charakteristischen  Mikrolithkränzchen  beobachtet;  meist  sind  die 
Durchschnitte  weiß,  isotrop,  und  haben  gerundeten  Umriß.  Ihre 
Größe  hält  sich  im  allgemeinen  um  0,04  mm,  selten  wurden  solche 
von  0,02  oder  0,07 — 0,1  mm  Größe  beobachtet.  Rotbraune  und 
gelbe  Limonitflecken  sind  durch  die  ganze  Grundmasse  verbreitet. 
Streifen  eines  schwarzen  Pigmentes  durchziehen  sie  zuweilen. 

Unter  den  Einsprenglingen  sind  besonders  Nosean  und  Augit 
hervorzuheben.  Die  großen  Noseane  sind  fast  immer  gerundet. 
Der  Augit  tritt  in  größeren  und  kleineren  Bruchstücken  auf.  Selten 
gewahrt  man  vollständige  Durchschnitte.  Farbe,  Pleochroismus 
und  Auslöschungsschiefe  lassen  ihn  dem  Agirin-Augit  genähert 
erscheinen.  Jedoch  sind  die  Töne  meist  etwas  dunkler  als  für 
Agirin- Augit  angegeben  wird;  z.  B.  statt  grasgrün  ein  oliven 
graugrün.  Zonarstruktur  findet  sich  bei  diesen  Augiten  fast  gar 
nicht.  Einsprenglinge  von  untergeordneter  Bedeutung  sind : seltene, 
breite  Sanidinleisten;  Apatit,  der  keinem  Stücke  fehlt,  in  kleinen 
Prismen  und  größeren  Körnern,  auch  mit  Glaseinschlüssen ; sodann 
Biotitleistchen.  Magnetit  tritt  nur  in  vereinzelten  größeren  Partien 
auf.  Einige  Male  stehen  diese  mit  Gebilden  in  Verbindung,  die 
entweder  als  basische  Schlieren  des  Magmas  oder  als  Reste  eines 
in  der  Tiefe  eingeschmolzenen  massigen  Gesteines  gedeutet  werden 


über  die  Einschlüsse  im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley. 


727 


müssen.  In  einem  farblosen  Glase  mit  nur  wenigen  schwach  grau 
polarisierenden  Flecken  liegt  ein  dichtes  Netzwerk  von  Augit- 
nadeln,  zuweilen  auch  Magnetit-Oktaeder.  Porphyrisch  sind  darin 
eingeschlossen  große  Augitdurchschnitte,  die  mannichfache  Zonar- 
struktur um  unregelmäßige  Korrosionskerne,  komplizierte  Sanduhr- 
struktur und  die  Farben  von  Titanaugit  aufweisen.  Apatit  tritt 
in  größeren  Körnern  auf,  vereinzelt  gerundeter  Nosean  und  Sanidin 
und  reichlich  Biotit.  Auffallend  ist  das  Vorkommen  von  brauner 
Hornblende.  Einige  ihrer  Kristalle  sind  zertrümmert  und  randlich 
in  eine  feinkörnige  Masse  zersetzt,  die  wohl  Augit  sein  könnte. 

Einschlüsse  von  Quarzit-  und  Tonschieferbröckchen  sind  von 
einem  Saum  klaren  Glases  umgeben,  in  dem  bald  Augit-  und 
Feldspatmikrolithe,  bald  kleine  Leucite  angereichert  sind.  Diese 
Schieferstückchen  weisen  keinerlei  Spuren  von  kaustischer  oder 
chemischer  Veränderung  auf. 

Der  Struktur  nach  können  diese  Bomben  kaum  etwas  anderes 
darstellen,  als  ein  Eruptivgestein ; dem  Mineralbestande  nach  muß 
man  sie  zu  den  Leucit-Phonolitlien  zählen.  Von  den  anderen  im 
Laacher  Seegebiete  (im  weiteren  Sinne)  vorkommenden  Leueit- 
Phonolithen  weichen  sie  freilich  bedeutend  ab.  Die  anderen 
Phonolithe,  auch  die  an  der  Nordseite  des  Wehrer  Kessels  am 
Dachsbusch  und  Hüttenberg  in  losen  Blöcken  vorkommende  grüne 
Abart,  führen  in  der  Grundmasse  reichlich  Augitmikrolithe,  sowie 
deutlich  erkennbare  Leucit-  und  Nephelinkristalle.  Vielleicht  läßt 
«ich  die  Armut  an  diesen  Kristallen  in  den  Bomben  der  Kappiger- 
Ley  auf  schnelle  Erstarrung  zurückführen.  Das  einzige  Stück 

Leucit-Phonolith  in  den  Sammlungen  des  Instituts , das  diesen 
Bomben  einigermaßen  gleicht,  wurde  von  Dr.  Martius  nördlich 
von  Obermendig  gefunden.  Makroskopisch  sieht  man  in  einer 
hellgelben,  mürben  Grundmasse,  die  ebenso  wie  die  Bomben  der 
Kappiger-Ley  von  der  gewöhnlichen  Phonolithgrundmasse  ab  weicht, 
große  und  kleine  graue  Noseaneinsprenglinge,  sowie  zahlreiche, 
bis  0,3  mm  große  Leucite,  deren  reichliches  Auftreten  der  Dünn- 
schliff bestätigt.  Die  bis  0,1  mm  großen  Durchschnitte  von 
Nephelin,  die  an  ihren  kastenartigen  Einlagerungen  deutlich  zu 
erkennen  sind,  sind  ganz  isotrop,  was  eine  Folge  der  Verwitterung 
sein  muß.  Augit  fehlt  auch  unter  den  Einsprenglingen. 

Seltene  Auswürflinge  eines  anderen  Eruptivgesteines,  das  sich 
mehr  trachytoiden  Phonolithen  nähert,  seien  hier  nur  erwähnt. 

Wenn  auch  alle  diese  Untersuchungen  noch  nicht  abgeschlossen 
sind,  so  glaubte  ich  doch  die  vorstehenden  Beobachtungen  bereits 
mitteilen  zu  sollen  als  einen  neuen  Beleg  für  die  große  Mannig- 
faltigkeit der  Auswürflinge  im  Laacher  Gebiet  und  für  die  große 
Zahl  der  Ausbruchsstellen ; eine  solche  dürfte  auch  an  der  Kappiger- 
Ley  zu  suchen  sein. 

Bonn,  Mineralogisches  Institut,  September  1913. 


728  R-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  der  kolloidalen 
wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 

Von  R.  Gans  in  Berlin. 

(Schluß.) 

II.  Teil. 

a)  Die  Versuche  von  G.  Wiegner1. 

Um  sich  über  die  Natur  der  Bindung  in  einem  technisch  her- 
gestellten kolloidalen  wasserhaltigen  Aluminatsilikat  — dem  Per- 
mutit  des  Handels  — Klarheit  zu  verschaffen,  unternahm  Wiegner 
umfangreiche  Versuche. 

Das  Aluminatsilikat  — Permutit  — wird  hergestellt  durch 
Hydratation  von  schnell  gekühlten,  daher  glasig  erstarrten  alkali- 
schen Tonerdesilikatschmelzen.  Es  besitzt  nicht  kristalline  Struktur, 
seine  Oberflächenentwicklung  ist  eine  sehr  starke , und  es  wird 
seiner  Herstellung  nach  als  ein  Hydrogel  zu  betrachten  sein. 
Seine  molekulare  Zusammensetzung  ist  nach  der  Analyse  Wiegner’s 
3,65  Mol.  Si02,  1 Mol.  AI203,  1,05  Mol.  Base. 

wenn  wir  die  geringe  Menge  an  Calciumcarbonat,  die  es  als  Ver- 
unreinigung enthält,  in  Abzug  bringen.  Wir  sehen  auch  hier  das 
geforderte  Verhältnis  von  Al203:Base  wie.  1 : 1 nahezu  erfüllt. 

Aber  dieses  technische  Produkt  enthält  nicht  nur  Aluminat- 
silikate , sondern  noch  andere  durch  H CI  zersetzliche  Silikate, 
weil  die  Materialien,  die  zur  Herstellung  der  Schmelze  dienten, 
nicht  frei  von  alkalischen  Erden  sind.  Nur  bei  Verwendung  von 
Alkalien  als  Basen  bei  den  Schmelzen  erhält  man  ein  reines  Alu- 
minatsilikat. Die  alkalischen  Erden  lassen  zwar  auch  ein  durch 
HCl  zersetzliches  Silikat  entstehen.  Diese  Silikate  müssen  jedoch 
eine  andere  Bindung  besitzen,  weil  ihre  Basen  nicht  dem  Aus- 
tausch innerhalb  kurzer  Zeit  unterliegen.  Die  Anwesenheit  dieser 
Silikate  ist  somit  an  diesem  Verhalten  zu  erkennen. 

Das  Wiegner  zur  Verfügung  stehende  Präparat  hatte  die 
chemische  Zusammensetzung: 


Si  02  42,66  •/ o 

C02 0,35  „ 

A1203 19,95  , 

CaO 8,68  „ 

K20  5,47  „ 

H20  22.86  „ 


In  5 g des  Silikates  sind  somit  enthalten  (diese  Menge 
benutzte  Wiegner  im  Durchschnitt  zu  seinen  Versuchen): 


1 G.  Wiegner,  Journ.  f.  Landw.  1912.  p.  111 — 150,  197 — 222. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


729 


in  Milli- 
äquivalenten 

Molekularverhältnis 

in  Grammen 

nach  Abzug  der  COj- 
Äquivalente 

Si02  • 

. . . 2.1330 

71,11 

3,65 

ai2  0, 

. . . 0,9975 

19,50 

1 

CaO  . 

. . . 0,4340 

15,50  | 

1,05 

K,0  . 

. . . 0,2735 

5,82  { 

c'o2  . 

. . . 0,0175 

0,80 

— 

Behandelt  man  nun  nach  Wiegner  5 g dieses  Silikats  mit 
konzentrierter  NH,  Cl-Lösung,  so  erhält  man  durch  Austausch  gegen 

Ca 

N H4  die  Gesamtzahl  der  Milliäquivalente  an  - und  K,  die  im  Sili- 
kat in  Form  von  Aluminatsilikat  gebunden  sind,  oder,  da 
Ca 

1 Milliäquivalent  9 oder  K an  1 Milliäquivalent  der  Atomgruppe 

von  der  molekularen  Zusammensetzung  3,65  Si02  • 1 A1203  im 
Aluminatsilikat  gebunden  ist,  zu  gleicher  Zeit  auch  die  Gesamt- 
zahl der  in  5 g Permutit  vorhandenen  Milliäquivalente  Aluminat- 
silikat. 

Die  Gesamtzahl  der  durch  5 g Silikat  ausgetauschten  Milli- 
äquivalente und  K stellte  Wiegner  zu  16,788  Milliäquivalenten 

fest;  folglich  betrug  auch  die  Anzahl  der  in  5 g Silikat  vorhan- 
denen Milliäquivalente  Aluminatsilikat  = 16,788. 

Ca 

Die  ausgetauschten  Milliäquivalente  und  K,  die  infolge  des 

äquivalenten  Austausches  gleich  den  aufgenommenen  Milli- 
mol NH4  sein  sollen,  zeigen  gegen  letztere  nur  eine  geringe  Differenz. 

Rechnerisch  nach  der  Analyse  sollten  in  5 g Silikat  nach 
Abzug  der  C 02-Äquivalente  20,52  Milliäquivalente  des  Aluminat- 
silikates  vorhanden  sein.  Der  Versuch  ergab  aber  nur  16,788  Milli- 
äquivalente;  folglich  besteht  das  Silikat  nur  zu  81,82  °/o  aus 
Aluminatsilikat,  der  Rest  dürfte  den  oben  beschriebenen,  nicht 
austauschfähigen  Tonerdesilikaten  angehören. 

Wiegner  betrachtet  aber  den  Permutit  nicht  als  chemische 
Verbindung,  sondern  als  ein  mechanisches  Gelgemenge  von  Si02 
und  A1203. 

Eine  Bestätigung  dieser  Ansicht  glaubt  er  aus  den  Resultaten 
der  umfangreichen  Versuche  erhalten  zu  haben.  Er  kommt  zu 
dem  Schluß,  daß  bei  den  Permutiten  eine  physikalische  Ad- 
sorption von  Ionen  vorliege,  die  aus  elektrostatischen  Griindeu 
einem  äquivalenten  Austausch  mit  neutralen  Salzlösungen 
unterliegen. 

Wiegner  führte  zahlreiche  Versuche  aus,  bei  denen  er  teils 
die  Menge  des  verwendeten  Kalium-Calcium-Permutits,  teils  die 
Konzentrationen  der  einwirkenden  Salzlösungen  (N  H4  CI)  vari- 
ieren ließ. 


730  R-  Gans,  lieber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 

Betreffs  der  von  Wiegner  veröffentlichten  Versuchsresultate 
und  der  von  ihm  verfochtenen  Ansichten  muß  auf  die  Original- 
abhandlung Wiegner’s  im  Journal  für  Landwirtschaft  und  auf  die 
ausführlichen  Mitteilungen  des  Verf.’s  im  Jahrb.  d.  Kgl.  Geol. 
Landesanst.  verwiesen  wei’den. 

Hier  sei  nur  die  dem  Verf.  am  wichtigsten  erscheinende  Be- 
weisführung herausgegriffen. 

Wiegner  führt  in  seiner  Abhandlung  die  von  van  Bemmelen 
vertretenen  Merkmale  der  Absorptionsverbindungen  an,  zu  denen 
er  den  Permutit  zählt: 

1.  „Die  Zusammensetzung  variiert  mit  der  Struktur  der  ab- 
sorbierenden Substanz  und  mit  allen  Modifikationen,  welche  letztere 
durch  die  Art  ihrer  Bereitung,  durch  Alter  (zeitliche 
molekulare  Umsetzungen),  Erhitzung,  Einwirkung  von  anderen 
Stoffen  usw.  bleibend  erfährt.“ 

Hierzu  ist  zu  bemerken : 

a)  daß,  wie  wir  bereits  gesehen,  die  verschie- 
denste Art  der  Herstellung  derAluminatsilikate  auf 
das  konstante  Aqui  valentverhältnis  von  1 Mol.  Al2  03  : 
1 Mol.  Base  keinen  Einfluß  hat,  auch  nicht  das  Alter, 
wenn  die  Aluminatsilikate  vor  den  zerstörenden 
Agentien  der  Verwitterung  geschützt  werden; 

b)  daß  Wiegner  zwar  nach  längerem  Erhitzen  der  Permutite 
bei  höherer  Temperatur  ein  starkes  Zurückgehen  des  Austausches 
beobachtete;  dasselbe  kann  jedoch  ebensogut  durch  Veränderung 
der  Oberfläche  wie  auch  durch  Zerstörung  des  Aluminatsilikats  im 
Permutit  herbeigeführt  sein.  Im  Aluminatsilikat  sind  die  Tonerde 
sowohl  wie  die  Kieselsäure  als  in  Verbindung  mit  Wasser  zu 
denken.  Zerstören  wir  diese  Verbindung,  indem  wir  das  Wasser 
durch  Erhitzen  austreiben,  so  zerstören  wir  damit  das  Aluminat- 
silikat, und  es  muß  selbstverständlich  die  Höhe  des  Austausches 
einen  Rückgang  erfahren. 

2.  „Die  Zusammensetzung  variiert  mit  der  Temperatur.“ 

Die  von  Wiegner  konstatierte  Änderung  mit  der  Temperatur 

ist  gering.  Ebenfalls  nur  im  geringen  Grade  von  der  Temperatur 
abhängig  ist  die  elektrolytische  Dissoziation.  Da  nun  auf  Grund 
neuerer  Forschungen  der  Grad  der  Dissoziation  die  Adsorption 
beeinflußt,  so  wäre  auch  für  den  geringen  Einfluß  der  Temperatur 
eine  Erklärung  gefunden. 

3.  „Die  Konzentration  der  Absorptionsverbindungen  variiert 
mit  der  Konzentration  der  umgebenden  Dampfphase  oder  mit  der 
Konzentration  der  Lösung,  im  Falle  Stoffe  aus  einer  Lösung  ab- 
sorbiert werden,  und  zwar  derart,  daß  der  Absorptionsfaktor  K 
in  der  Formel 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


731 


(») 


(C"  = Konzentration  des  absorbierenden  Körpers  an  absorbierter 
Substanz,  C'  = Konzentration  des  Gases  (Dampfes)  oder  der  Flüssig- 
keit an  gelöster  Substanz,  F = unbekannte  Funktion) 

keine  Konstante  ist,  sondern  von  der  Konzentration  der  Lösung 
abhängig  ist  nach  einer  unbekannten  Funktion.  C"  nimmt  im  all- 
gemeinen viel  schwächer  zu  als  C'.“ 


x = Anzahl  der  absorbierten  Millimol  (im  Falle  Wiegner 
=S  Millimol.  NHJ  und 

m = Anzahl  der  angewandten  Gramm  Permutit. 

C'  ist  nach  Wiegner  = Anzahl  der  Millimol  NH,  in  der 
Lösung  nach  der  Absorption  (=  a)  dividiert  durch  die 
Anzahl  der  angewandten  cm3  der  Lösung  (=  S), 

_.  . , a 

C ist  also  -g. 

Die  Formel  (a)  soll  die  Gleichgewichtslage  darstellen. 
Wenn  wir  aber  für  C"  und  C'  die  WiEüNER'schen  Werte  verwenden, 
wie  er  sie  in  die  von  ihm  benutzte  Freund  Licn’sche  Formel 


einsetzte,  so  übergehen  wir  vollständig  die  vom 
Permutit  ausgetauschten  Basen,  welche  sich  in  der 
Lösung  befinden  und  auf  die  Gleichgewichtslage 
einen  bestimmenden  Einfluß  ausüben.  Wir  geben  somit 
die  Gleichgewichtslage  rechnerisch  nicht  genau  wieder,  die  so 
erhaltenen  Werte  für  K sind  folglich  falsch. 

Wir  können  wohl  Wiegner’s  Werte  für  C"  und  C'  dann  in 
obige  Formel  einsetzen,  wenn  nur  Stoffe  aus  der  Lösung  physi- 
kalisch  adsorbiert  werden,  aber  nicht,  wenn  gleichzeitig  dafür 
andere  Stoffe  aus  dem  absorbierenden  Körper  in  die  Lösung 
übergehen. 

Durch  eine  andere  Überlegung  kommen  wir  zu  demselben 
Resultat : 

Alle  absorbierenden  Körper,  also  auch  der  Permutit  (nach 
den  WiEGNER’schen  Versuchen)  besitzen  nach  G.  C.  Schmidt’s  Unter- 
suchungen ein  Maximum  der  Absorption.  Dieses  Maximum  der 
Absorption,  möge  sich  die  letztere  auf  chemische  oder  physi- 
kalische Kräfte  stützen,  ist  proportional  der  Anzahl  der 
Gramme.  Durch  die  Angabe  der  Gramme  Silikat  im 

Wert  für  C"  = -*  geben  wir  folglich  nicht  allein  die 
physikalische  Konzentration  (— \ , sondern  auch  die 


x 

C"  ist  nach  Wiegner  = — . 


m ' 


(«*) 


732  R-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


molekulare“  Konzentration  wieder,  nämlich  das 
Verhältnis  von  den  absorbierten  zu  den  maximal 
absorbierbaren  Millimol  NH4. 

Da  die  maximale  Absorption  proportional  ist  der  Anzahl  der 
Gramme  des  Silikates,  so  werden  wir  bei  vergleichenden  Versuchen 
mit  demselben  Permutitmaterial  selbst  bei  wechselnden  Mengen 
Silikat,  aber  bei  konstanten  Lösungskonzentrationen  von  NH4C1 
eine  Konstante  erhalten,  die  bei  einer  Versuchsreihe  mit  einer 

maximalen  Absorption  von  n Millimol  nur  * mal  größer  sein  wird, 

als  bei  einer  Versuchsreihe  mit  einer  maximalen  Absorption  von 
1 Millimol.  Unter  sich  wird  aber  jede  Versuchsreihe  konstante 
Zahlen  liefern.  Wir  haben  bezüglich  der  Konstanz  des  Absorptions- 

x 

faktors  somit  in  dem  Ausdrucke  — neben  der  physikalischen  auch 

die  molekulare  Konzentration,  selbst  wenn  wir  die  Angabe  der 
maximalen  Absorption  dabei  vernachlässigen. 

Für  C'  ist  aber  nur  die  physikalische  Konzentration  angegeben, 
die  molekulare  fehlt.  Wir  müssen  aber  auch  diese  zum  Ausdruck 
bringen,  weil  in  eine  Gleichung  nur  gleichsinnige  Werte  einge- 
setzt werden  dürfen.  Wir  haben  dann  statt  das  Verhältnis  der 

nichtabsorbierten  Millimol  NH4  in  der  Lösung  zu  der  gesamten 
Anzahl  Millimol  (g)  Salz  in  der  Lösung  einzuführen 

a g _ a 
s • S g‘ 

Die’  Formel  für  den  Absorptionsfaktor  bei  Austauschprozessen 
würde  somit  lauten 

x 


g 

Ein  Beweis  für  die  Richtigkeit  dieser  Berechnung  wird  durch 
die  Versuche  von  Wiegner  selbst  gegeben: 

1.  Bei  wechselnden  Permutitmengen,  aber  konstanten  NH4  Cl- 
Konzentrationen  erhalten  wir  beim  Einsetzen  der  WiEGNER’schen 
Werte  für  C"  und  C'  in  die  Formel  (a)  eine  Konstante,  weil  die 
gesamte  Anzahl  der  Millimol  Salz  nach  der  Absorption  die  gleiche 
bleibt  und  somit  bezüglich  der  Konstanz  des  Absorptionsfaktors 
nicht  berücksichtigt  zu  werden  braucht.  Die  Zahlen  für  die 
Konstante  sind 

13,80—14,38—13,64—13,87. 

2.  Bei  gleichen  Permutitmengen  aber  und  wechselnden  NH4C1- 
Konzentrationen  erhalten  wir  jedoch  unter  Verwendung  der 

C" 

WiEGNER’sclien  Werte  für  7^7-  keine  Konstante,  weil  die  Kon- 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


733 


zentrationen  an  Gesamtsalz  in  der  Lösung  ständig  wechseln,  diese 
veränderten  Konzentrationen  aber  nicht  berücksichtigt  werden. 
Die  Zahlen  fiir  die  Konstante  sind  z.  B.  8,23 — 14,16 — 21,64 — 
29,45—58,52. 

x 

Setzen  wir  jedoch  für  C"  und  C'  die  Werte  C"  = — und 

C'  = — ein,  so  erhalten  wir  eine  Konstante  bei  allen  Versuchen 
g 

mit  Ausnahme  der  großen  Konzentrationen,  bei  denen  die  Fehler 
bei  der  Bestimmung  zu  hohe  werden,  wie  auch  Wiegneii  hervorhebt. 

Die  Zahlen  für  die  Konstante  K2  sind  bei  einer  Reihe : 
2,22 — 2,32 — 2,20 — 2,23,  bei  einer  anderen  Reihe : 2,54 — 2,30 — 
2,16  — 1,97 — 2,02,  bei  einer  dritten  Reihe:  2,02  — 1,97 — 2,16 — 
2,26—2,30—2,54—2,51  — 2,77—3,03—3,78  — 3,55. 

Bei  der  dritten  Reihe  wechselte  der  Gehalt  an  NH4C1  in 
ca.  100  cm3  der  Lösung  von  3,4  67  bis  540,59  Millimol. 

Nach  Th.  0.  G.  Wolff1  und  auch  nach  J.  M.  van  Bemmelen2 
sollen  jedoch  in  den  Gleichungen  nicht  die  Anfangskonzentrationen, 
sondern  die  End-  resp.  Gleichgewichtskonzentrationen  zum  Aus- 
druck kommen. 

Der  (oben  vernachlässigte)  Wert  für  die  Anfangskonzentration 
in  1 g Silikat  = n,  welcher  gleich  der  maximalen  Absorption  pro  1 g 
Silikat  ist,  und  der  Wert  für  die  Gesamtkonzentration  von  Salz 
in  der  Lösung  nach  der  Absorption,  welche  bei  diesen  Prozessen 
des  äquivalenten  Austausches  die  Größe  der  Anfangskonzentration 
der  Millimol  NH4  in  der  Lösung  darstellt,  müssen  somit  in  die 
Werte  für  die  Gleichgewichtskonzentrationen  umgewandelt  werden. 

Dann  lautet  die  Formel 


K,  = 


m . n — x 


g — a 

oder,  da  in  diesem  Falle  des  äquivalenten  Austausches  g 
und  folglich  a = g — x ist, 
x 

in  .ii  — x x'“ 


K,  = 


g- 


(m  . n — x)  (g  — x) 


(2) 


Das  ist  aber  die  Konstante  des  chemischen  Massenwirkungsgesetzes 
(die  Gleichgewichtskonstante),  welche  besagt,  daß  das  Produkt  der 
neugebildeten  Verbindungen  zu  dem  der  unverändert  gebliebenen 
in  einem  konstanten  Verhältnis  steht. 

Passen  sich  die  WiEGNER’schen  Versuchsresultate  auch  dieser 


1 Th.  0.  G.  Wolff,  Landw.  Ztg.  f.  Nord-  u.  Mittel-Deutschland  von 
Dr.  C.  Schneitler.  5.  p.  250—258.  1859. 

4 J.  M.  van  Bemmelen,  Die  Absorption  usw.  p.  110,  Anmerkung. 


734  R-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 

Gleichung  an,  so  ist  damit  bewiesen,  daß  sich  die  sog.  „Absorptions- 
verbindungen“ der  Permutite  (Aluminatsilikate)  wie  chemische 
Verbindungen  verhalten. 

Die  Werte  für  die  so  erhaltenen  Konstanten  sind  nun  in 
der  Tat  gut  übereinstimmend,  beispielsweise  sind  sie  bei  einer 
Versuchsreihe:  0,290 — 0,393 — 0,395 — 0,441,  bei  einer  anderen: 
0,458—0,467 — 0,481 — 0,457 — 0,466  und  bei  einer  dritten: 
0,525—0,457  — 0,481—0,451—0,468—0,459—0,443—0,442— 
0,477  \ 

Da  die  Aluminatsilikate  im  Permutit,  sich  somit  dem  chemischen 
Massenwirkungsgesetze  anpassen,  so  können  sie  berechtigterweise 
als  chemische  Verbindungen  angesehen  werden. 

Wiegner  hat  dann  auch  andere  künstliche  und  natürliche 
Silikate  einer  Untersuchung  unterworfen,  resp.  zum  Vergleich 
herangezogen : 

1.  Von  den  bei  verschieden  langer  Zeit  auf  über 
100  — 190°  C erhitzten  Permutiten  sind  keine  vergleichenden 
Untersuchungen  mit  Silikaten  von  gleicher  Dauer  der  Erhitzung 
von  Wiegner  ausgeführt  worden. 

2.  Diese  vergleichenden  Untersuchungen  liegen  bei  den  Sili- 
katen von  Armsby1 2,  die  zweimal  bei  ihrer  Herstellung  auf  100° 
erhitzt  wurden,  vor.  Die  Werte  für  K2  zeigen  nur  annähernde 
Konstanz  (4,56 — 1,96—1,36 — 1,18 — 1,08 — 0,99 — 0,96).  Es  war 
das  nicht  anders  zu  erwarten,  da  beim  Erhitzen  ein  Teil  des 
Aluminatsilikats  (s.  oben)  zerstört  wird,  und  nun  neben  dem  auf 
chemischer  Grundlage  beruhenden  Austauschprozeß  seitens  des 
nicht  zerstörten  Aluminatsilikats  auch  physikalische  Adsorptionen 
zum  Ausdruck  kommen,  welche  durch  die  stark  entwickelte  Ober- 
fläche der  zerstörten  Aluminatsilikatsubstanz  bedingt  werden. 

3.  Die  Versuche  von  F.  H.  Campbell3  wurden  mit  Silikaten 
ausgeführt,  welche  durch  Einwirkung  von  Natriumsilikat  auf 
Aluminiumchlorid  (anstatt  auf  Natriumaluminat)  erhalten  wurden; 
aber  nur  durch  Verwendung  mit  Natriumaluminat  wird  die  Her- 
stellung eines  neutralen  Aluminatsilikates  gewährleistet.  Im 
anderen  Falle  können  saure  Silikate  entstehen,  die  neben  dem 
Austauschprozeß  auch  noch  eine  Zersetzung  des  Neutralsalzes  her- 
vorrufen.  Das  scheint  auch  bei  den  Silikaten  Campbell’s  der  Fall 
zu  sein.  Die  Werte  für  K2  sind:  1,74 — 2,40 — 3,13  — 3,75 — 
4,06—4,33—4,66. 

4.  Die  Versuche  früherer  Forscher  mit  Bodenproben  sind 
aus  dem  Grunde  nicht  ohne  weiteres  heranzuziehen,  weil  bei  ihnen 


1 R.  Gans,  Ausführliche  Tabellen  siehe  demnächst  im  Jahrb.  d. 
Kgl.  Geol.  Landesanstalt. 

‘‘  Armsby,  Landw.  Versuchsst.  21.  p.  402.  1878. 

3 F.  H.  Campbell,  Landw.  Versuchsst.  65.  p.  247.  1907. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


735 


nicht  nur  die  Alnminatsilikate  das  Verschwinden  der  in  Form  von 
Neutralsalzen  in  der  Lösung  vorhandenen  Basen  verursachen 
können,  sondern  auch  andere  Verbindungen: 

a)  Die  kaolinischen  Silikate,  welche  physikalische  Adsorptionen, 
wenn  auch  in  geringem  Grad,  hervorrnfen, 

b)  der  Humus,  der  in  der  Hauptsache  wohl  physikalische 
Adsorptionen  auslöst, 

c)  die  Zersetzungsprodukte  der  Aluminatsilikate,  die  säure- 
artigen Charakter  tragen  und  deswegen  eine  Zersetzung  des 
Neutralsalzes  unter  Aufnahme  der  Base  bewirken. 

Es  ist  zu  bedenken,  daß  diese  Verbindungen  wohl  die  Base 
der  Lösung  aufnehmen,  dafür  aber  nicht  eine  andere, 
ihnen  gehörige  Base  in  äquivalenter  Menge  in 
Lösung  gehen  lassen. 

Auch  der  Gehalt  an  Ammoniak,  von  welchem  keine  der  ver- 
wendeten Bodenproben  wohl  frei  war,  wirkt  auf  den  Gleichgewichts- 
zustand des  Austauschprozesses  ein ; er  ist  aber  niemals  berück- 
sichtigt worden. 

Alle  diese  Umstände  lassen  eine  Konstante  bei  der  Formel  (1) 
nicht  in  der  Form  hervorgehen,  wie  sie  bei  reineren  Aluminat- 
silikaten  eintritt;  sie  bewirken  bei  den  verschiedenen  Konzentrationen 
der  Lösungen  verschieden  starke  Abweichungen,  am  stärksten  bei 
den  geringen  Konzentrationen. 

Die  Versuche  mit  Gartenerde  von  W.  Henneberg1 2  und 
F.  Stohmann,  welche  nach  Wiegner  außerdem  unter  verhältnis- 
mäßig großen  Versuchsfehlern  leiden,  wurden  wegen  des  Humus- 
gehaltes nicht  berücksichtigt;  ebenso  die  Versuche  von  Brustlein 
weil  sie  nicht  mit  neutralen  Salzlösungen,  sondern  mit  Ammo- 
niumhydrat ausgeführt  wurden , die  Alkalihydrate  aber  vom 
Humus  und  kaolinischen  Silikaten  stark  physikalisch  adsorbiert 
werden. 

Die  ausführlichen  Versuche  von  H.  P.  Abmsby3  mit  Nilabsatz 
und  einem  Lehm  aus  der  Umgebung  von  Leipzig  ergaben,  auf  die 
Konstante  K,  berechnet,  eine  verhältnismäßig  gute  Konstanz ; hier 
scheinen  also  die  oben  besprochenen  Störungen  durch  Humus, 
kaolinische  Silikate  usw.  nur  in  geringem  Grade  vorhanden  zu  sein. 

x 

Die  Werte  für  K,  = — sind : 

- a 

g 

1 W.  Henneberg,  Journ.  f.  Landw.  3.  p.  34.  1859. 

2 Brüstlein,  Ann.  de  Chim.  et  de  Phys.  56.  p.  157 — 190,  zitiert  nach 
E.  Heiden,  Lehrb.  d.  Düngerlehre.  1879.  p.  295. 

3 H.  P.  Armsby,  Landw.  Versuchsst.  21.  p.  397,  1878. 


736  ß-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


An- 

gewandte 

Menge 

Erde 

g 

Werte  für  K2 

bei  einfacher 
Konzentration 
der  NH4C1- 
Lösung  (1cm1 * 3 
enthielt 
1 cm3  N) 

bei 

doppelter 

bei 

dreifacher 

bei 

vierfacher 

Konzentration 

50 

3,63 

4,65 

4,80 

4,87 

25 

3,68 

4,86 

4,61 

4,81 

Bei  Nilabsatz 

12,5 

3,56 

5,51 

4,60 

5,00 

6,25 

6, ob 

6,26 

5,70 

o,i4 

50 

1.56 

1,96 

fehlt 

2,21 

Bei  Lehmboden 

25 

1.54 

1,86 

r> 

2,53 

von  Leipzig 

12,5 

1,53 

1,79 

n 

3,17 

6,25 

1,73 

2,16 

7> 

4,23 

Die  Werte  für  K2  wurden  gewonnen  unter  der  Annahme  des 
äquivalenten  Austausches *,  der  jedoch  aus  oben  erklärten  Ursachen 
nicht  in  reiner  Form  vorhanden  ist,  indem  die  Werte  für  die  von 
den  Silikaten  eingetauschten  Basen  gleich  den  Werten  für  die  aus- 
getauschten Basen  gesetzt  wurde.  Da  jedoch  diese  Werte  in 
Wirklichkeit  nicht  vollkommen  gleich  sind , so  konnte  auch  die 
Konstanz  nicht  eine  vollständige  sein. 

Immerhin  sind  die  Werte  von  Iv2  für  diese  Böden  nur  in  sehr 
geringem  Grade  von  denen  für  die  künstlichen  Aluminatsilikate 
(nach  R.  Gans)  verschieden,  so  daß  der  Schluß  auch  hier  berechtigt 
ist,  daß  die  zeolithischen  Silikate  des  Bodens  aus  Aluminatsilikaten 
bestehen. 

Die  Anpassungsfähigkeit  auf  die  Gleichgewichtskonstante  K3 
(vergl.  p.  733)  konnte  nicht  geprüft  werden,  da  weder  die  maximale 
Absorption,  noch  die  Anzahl  der  Milliäquivalente  Aluminatsilikat 
von  den  Forschern  festgestellt  war. 

Wenn  wir  bei  der  Gleichung 


x 


S 


infolge  der  Berücksichtigung  der  molekularen  Konzentration  bei 
C'  die  Erweiterung  durch  Einfügen  der  gesamten  in  der  Flüssig- 

er 

keit  vorhandenen  Millimol  Salz  -g-  vornehmen,  so  fällt  S aus  der 

1 Siehe  R.  Gans,  Jabrb.  d.  Kgl.  Geol.  Landesanst.  1905.  2(5.  p.  191. 

Gans  konnte  dort  allerdings  nachweisen,  daß  bei  den  untersuchten  Boden- 

proben (2  Schlicken)  der  Austausch  in  äquivalentem  Verhältnis  stattfand. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate.  737 

Gleichung  durch  Division  aus.  Das  heißt : es  kommt  bei  den 
Austauschvorgängen  auf  die  Menge  des  Salzes,  nicht 
aber  auf  die  zur  Lösung  verwendete  Flüssigkeits- 
menge an.  Es  muß  also  die  gleiche  Höhe  des  Austausches  er- 
zielt werden,  gleichgültig,  ob  dieselbe  Menge  Salz  z.  B.  in  50  cm3 
oder  in  200  cm3  Wasser  gelöst  ist1. 

Ein  Versuch  nach  dieser  Richtung  ergab  die  Bestätigung 
dieser  Ansicht.  5 g Permutit  absorbierte  aus  einer  Lösung  von 
0,25  g NH4C1  in  50  cm3  Wasser  dieselbe  Menge  Stickstoff  (0,0561  g) 
wie  aus  einer  Lösung  aus  0,25  g NH4C1  in  200  cm3  (0,0558  g). 

Es  wurden  bei  Ausführung  der  Bestimmung  des  Stickstoffs 
die  50  cm3  resp.  200  cm3  vom  Silikat  abfiltriert  und  nicht  etwa 
die  50  cm3  vor  der  Filtration  auf  200  cm3  verdünnt,  weil  durch  die 
Verdünnung  in  Gegenwart  des  Silikates  eine  Änderung  des  Gleich- 
gewichts noch  möglich  gewesen  wäre,  falls  der  Austausch  nicht  auf 
chemischer,  sondern  auf  physikalischer  Grundlage  beruht.  Das 
Resultat  dieses  Versuches  weist  ebenfalls  auf  die  chemische  Natur 
des  Austauschprozesses  hin,  denn  bei  einer  physikalischen  Adsorption 
mußte  die  verschiedene  Konzentration  der  gleichen  Menge  Neutral- 
salz durch  eine  verschiedene  Adsorption  zum  Ausdruck  kommen. 
Das  ist  aber  nicht  der  Fall. 

Die  verschiedene  Abgabe  des  NH4-  und  Ca-Permutits  an 
NH4OH  und  Ca  (0  H)„  hat  scheinbar  Wiegner  veranlaßt,  eine 
verschiedene  Löslichkeit  der  Permutitsalze  anzunehmen;  bei  einer 
verschiedenen  Löslichkeit  der  Permutitsalze  würde  man  kaum  fest- 
stellen können,  daß  der  Austausch  in  äquivalenten  Verhältnissen 
vor  sich  geht.  Dieser  Nachweis  gelang  aber  Wiegner  innerhalb 
geringer  Grenzen. 

Die  Abgabe  von  verschiedenen  Mengen  N H4  0 H und  Ca  (0  H)2 
ist  vielmehr  auf  die  verschiedene  Dissoziation  dieser  Salze  zurück- 
zuführen, welche  aber  bei  Gegenwart  von  Neutralsalzen,  also  auch 
bei  den  vorliegenden  Versuchen,  fast  vollständig  verschwindet.  Die 
Löslichkeit  aller  neutralen  Permutitsalze  ist  gering. 

Wiegner  hat  bei  allen  vorher  besprochenen  Versuchen  die 
Anpassungsfähigkeit  auf  die  FREUNDLiCH'sche  Formel  (b)  studiert. 
Er  sagt  dann  wörtlich2:  „Ferner  gilt  der  Wert  von  ß nur  für 
ein  einziges  Kation,  das  verdrängend  wirkt.  Die  Adsorption  aus 
Gemischen  von  Kationen  muß  besonders  studiert  werden.“ 

Nun  wirken  aber  in  der  Gleichgewi  chtslage,  die  allein 
bestimmend  für  die  Werte  ß ist,  nicht  ein  Kation,  sondern  mehrere 
Kationen,  nämlich  nicht  nur  das  anfänglich  in  Lösung  befindliche 

1 Anm. : Wenn  jedoch  die  Absorption  auch  von  dem  Dissoziations- 
grade des  gelösten  Salzes  beinflußt  wird,  so  erscheint  es  fraglich,  ob  sich 
die  gleiche  Höhe  der  Absorption  bei  derselben  Salzmenge  auf  alle 
Konzentrationen  erstreckt. 

s G.  Wiegner,  Journ.  f.  Landw.  60.  Heft  III.  p.  216. 

Centra’.blatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


47 


738  ß-  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 

Kation  NH4,  sondern  auch  die  aus  dem  Silikat  ausgetretenen  Ka- 
tionen Ca  und  K,  auf  die  Kationen  des  Silikates  ein.  Es  ist  da 
ein  Widerspruch  in  Wiegner's  Ansichten  zu  konstatieren! 

Bei  dieser  Prüfung  fand  nun  Wiegheb,  daß  sich  die  Resultate 
der  Absorptionen  des  Perniutits,  der  anderen  künstlichen  Silikate 
und  der  Bodenproben  der  FREuxDLiCH'schen  Gleichung  anpaßten, 
und  er  schließt  aus  diesem  Verhalten,  daß  eine  physikalische 
Adsorption  von  Ionen  durch  die  Gele  der  künstlichen  und  natür- 
lichen Silikate  vorliegen,  die  sich  aus  elektrostatischen  Gründen 
in  äquivalenten  Verhältnissen  austauschten. 

Die  FBEüNDLiCH’sche  Gleichung  ist  aber  von  G.  C.  Schmidt  \ 
bei  rein  physikalischen  Adsorptionsprozessen  nicht  als  zuverlässig 
erkannt  worden.  Sie  ist,  wie  Hjssink1 2  hervorhebt,  eine  schmieg- 
same Interpolationsformel,  die  sich  den  beobachteten  Resultaten 
über  gewisse,  allerdings  verhältnismäßig  große  Intervalle  anpaßt. 
Sv.  Abbhexius3  macht  mit  Recht  darauf  aufmerksam,  daß  die 
Ergebnisse  der  Arbeiten  von  G.  C.  Schmidt,  nach  welcher  die 
von  der  Kohle  adsorbierte  Menge  Essigsäure  nur 
bis  zu  einem  gewissen  Maximum  zunimmt,  möge  die 
Konzentration  der  umgebenden  Essigsäure  noch  so 
hoch  gesteigert  werden,  im  lebhaftesten  Wider- 
spruch mit  der  FKEUXDLicH’schen  Gleichung  stehen; 
letztere  besagt,  daß  die  adsorbierte  Menge  keine  be- 
stimmte, nicht  überschreitbare  Grenze  haben  sollte. 

Die  von  Wiegnek  angenommene  physikalische  Adsorption  von 
Ionen  seitens  des  Perniutits  erfolgt  aber  in  solcher  Höhe,  daß  bei 
der  Herstellung  des  Permutits  ganzzahlige  Äquivalent- 
Verhältnisse  (1  Mol.  A1203:  1 Mol.  Base)  entstehen.  Eine  der- 
artige in  Äquivalentverhältnissen  auftretende  Adsorption  kann  nur 
als  eine  chemische  Bindung  aufgefaßt  werden,  um  so  mehr,  als  sich 
die  Permutite  auch  in  ihrem  sonstigen  Verhalten  dem  der 
chemischen  Verbindungen  anschließen. 

Die  HissixK'sclien  Versuche. 

In  letzter  Zeit  hat  sich  Hissixk  mit  dem  Verhalten  des 
NH4-Permutits  z.  B.  in  dem  System  NH4-Permutit — Wasser  be- 
schäftigt, indem  er  verschiedene  Mengen  des  Permutits  (5 — 2 — 1 — 
0,4 — 0,2 — 0,1  g)  mit  2 Litern  destillierten  Wassers  schüttelte  und 
das  vom  NH4-Permutit  an  das  Wasser  abgegebene  Ammonium- 
hydrat bestimmte.  Er  fand  ebenfalls  seine  Resultate  in  Überein- 
stimmung mit  der  FBEUNDLiCH’schen  Gleichung,  also  mit  den  bei 
Absorptionsreaktionen  gefundenen  Werten.  Trotzdem  schließt  er 

1 G.  (J.  Schmidt,  Zeitschr.  f.  phys.  Chem.  74.  p.  716.  1910. 

2 D.  J.  Hissink,  Landw.  Versuchsst.  1913  81.  p.  377 — 432. 

3 Sv.  Arrhenius,  Hauptgesetz  der  Adsorptionserscheiuuugeu.  Meddel. 
fr&n  Vet.-Akads.  Nobelinstitut.  2.  Nr.  6. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


739 


aus  unten  hervorgehobenen  Gründen,  daß  beim  Permutit  keine 
reine  Oberflächenverdichtung  wie  bei  einer  Adsorptionsverbindung 
vorliegt,  sondern  „wenigstens  hauptsächlich  eine  feste  Lösung, 
wobei  die  gelöste  Substanz  (NH3)  auch  zum  Teil  chemisch  im 
Permutit  gebunden  sein  kann.  Das  Zutreffen  der  FnEUNDLiCH'schen 
Gleichung  1 

X n 

— = a • c 
m 

ist  also  kein  Kriterium  einer  reinen  Obei  flächen  Verdichtung 
(Adsorption).“ 

Betrachten  wir  den  NH4-Permutit  als  chemische  Verbindung, 
so  wird  er  bei  Berührung  mit  destilliertem  Wasser  der  Dissoziation 
unterliegen.  In  der  Tat  hat  der  von  Hissink  hergestellte  NH4- 
Permutit  schon  bei  dem  Auswaschen  mit  Wasser  einen  Teil  seines 
Ammoniumhydrats  verloren. 

Die  Analyse  Hissink’s  lautet: 


Berechnet 
auf  Milli- 
äqui- 
valente 1 

Molekulare  Zusammensetzung  nach  Abzug 
der  nicht  ausgetauschten  und  daher  nicht 
dem  Aluminatsilikat  angehörigen 
Ca  O-Äquivalente 

Si  02  = 45,60  °/0 

760,0 

3,290 

Al*  03  - 23,56  „ 

231,0 

1 

NHS  = 6,21  , 

182,5 

0,836 

Wasser  = 24,03  „ 

— 

— 

CaO  = 0,70  „ 

12,5 

— 

Der  Permutit  hat  also  durch  Dissoziation  schon  0,164  Mol. 
(NH4)20  verloren. 

Es  entfallen  in  100  g Permutit  somit  182,5  Milliäquiv.  (NH4)20 
auf  218,5  Milliäquiv.  der  Atomgruppe  (3,29  Si02,  1 Al2  03). 

Hissink  glaubt  nun,  deswegen  beim  Permutit  nicht  allgemein 
eine  chemische  Verbindung  (und  auch  Absorptionsverbindung)  an- 
nehmen zu  können,  weil  ein  durch  C02  vom  N H3  fast  befreiter 
Permutit  selbst  nach  5-wöchentlicher  Berührung  mit  wässerigem 
Ammoniumhydrat  den  ursprünglichen  NH4-Permutit  nicht  voll- 
ständig zurückbildet.  Dieses  Verhalten  ist  aber  leicht  erklärlich: 

1.  weil  bei  der  Einwirkung  der  C02  außer  dem  Ammonium- 
hydrat auch  ein  Teil  der  Si02  und  A1203  aus  dem  Permutit  heraus- 
gelöst wird,  wie  Hissink  selbst  anführt.  Diese  herausgelösten 
Teile  sind  doch  aber  zur  Rückbildung  des  NH4-Pervnutits  ebenso 
notwendig  wie  das  Ammoniumhydrat,  und  ohne  sie  kann  die  voll- 
ständige Rückbildung  nicht  stattflnden, 

2.  weil  bei  der  Zersetzung  durch  C02  auch  die  Bindung 
zwischen  Si  02  und  Al2  03  teilweise  gesprengt  sein  kann.  Die 

1 Der  einfacheren  Schreibweise  wegen  in  Wirklichkeit  als  Doppelmilli- 
äquivalente berechnet. 


47* 


740  R.  Gans,  Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur 


Rückbildung  dieser  Bindung  kann  aber  nur,  wie  wir  anfangs  ge- 
sehen haben,  durch  die  Überführung  der  Tonerde  in  Aluminatform 
vor  sich  gehen.  Ammoniumhydrat  vermag  aber  die  Tonerde  nicht 
in  Aluminatform  überzuführen,  dazu  sind  nur  die  fixen  Alkali- 
hydrate resp.  unter  gewissen  Bedingungen  z.  B.  bei  Gegenwart 
von  Alkalihydraten  und  von  geringen  Mengen  von  Erdalkalihydraten 
auch  die  Erdalkalihydrate  befähigt. 

Der  obige,  durch  Dissoziation  schon  etwas  zersetzte  N H4- 
Permutit  wird  nun  bei  der  Berührung  mit  Wasser  einer  weiteren 
Dissoziation  unterliegen. 

Diese  von  D.  J.  Hissink  untersuchten  Dissoziationen  können 
wir  nach  dem  Beispiel  von  W.  Nernst1  und  Hohmann  auf  die 
Anpassungsfähigkeit  an  die  durch  das  Gesetz  der  Massenwirkung 
bedingten  Gleichung 

Ja  — x)  (1  — x)  _ K 

prüfen.  x ' v 

Nernst  hat  die  Gleichung  auf  die  Dissoziation  tertiärer 
Alkohole  angewandt,  die  D.  Konowalow2  studierte: 

0H3  COO  (C6  Hn)  = CH3  COOH  + C5  Hl0. 


In  der  Gleichung  bedeutet: 
x = den  gebildeten  Ester, 

1 — Mol.  Essigsäure 
a = Mol.  Amylen 


oder  in  unserem  Falle: 
= die  gebildeten  Milliäquiv. 

NH4-Permutit 
= Milliäquiv.  (NH4)20 
= Milliäquiv.  (3,29  SiO„ 

1 A1203). 


v = das  Volumen  des  Reaktionsgemisclies 
K = den  Gleichgewichtskoeffizienten. 


Wenn  wir  nun  die  von  Hissink  bei  den  verschiedensten 
Konzentrationen  gefundenen  Werte  in  die  Dissoziationsgleichung 
einsetzen,  so  erhalten  wir  eine  gute  Konstanz: 

0.00005739  - 0,000065 1 2-0,00007394-0,00007626-0,00007052  - 0,00006947. 

Mithin  schließt  sich  auch  das  Verhalten  des  Alnminatsili- 
kates  im  System  Ammoniumpermutit — Wasser  dem  Verhalten 
chemischer  Verbindungen  an. 


Schlußfolgerungen. 

1.  Die  aus  alkalischen  Lösungen  resp.  durch  Hydratation 
alkalischer  Schmelzen  hergestellten  kolloidalen  wasserhaltigen  Alu- 
minatsilikate , ebenso  wie  die  zeolithischen  Silikate  des  Bodens, 
welche  wohl  durch  Dissoziation  mit  Wasser  oder  bei  der  Beriih- 


1 W.  Nernst,  Theoret.  Chemie.  1913.  p.  491 — 492. 

2 D.  Konowalow,  Zeitschr.  f.  phys.  Chem.  1.  p.  63.  1887.  2.  p.  6. 
380.  1888. 


der  kolloidalen  wasserhaltigen  Tonerdesilikate. 


741 


rung  mit  Säuren  (selbst  Kohlensäure)  der  Zersetzung  anheim- 
fallen, sind  als  chemische  Verbindungen  zu  betrachten, 

a)  weil  sie,  selbst  nach  den  verschiedensten  Methoden  her- 
gestellt, die  gleichen  konstanten  Äquivalentverhältnisse  führen, 

b)  weil  sie  sich  (nach  den  Versuchsresultaten  von  D.  J.  Hissink 
und  G.  Wiegnek)  bei  der  Dissoziation  mit  Wasser  und  bei  dem 
Austausch  gegen  neutrale  Sazllösungen  wie  chemische  Verbin- 
dungen verhalten. 

2.  Das  gleiche  Verhalten  spricht  dafür,  daß  die  zeolithischen 
Silikate  des  Bodens  ebenfalls  im  allgemeinen  aus  Aluminatsilikaten 
bestehen,  welche  bei  einem  in  guter  Kultur  belindlichen,  sach- 
gemäß gedüngten  Ackerboden  nur  im  geringen  Grade  in  mechanische 
Gemenge  der  Gele  von  Si02  und  A1203  zerfallen  sein  können. 

3.  Die  von  Hissink  resp.  von  Wiegner  festgestellte  An- 
passung ihrer  Versuchsresultate  an  die  FREUNDLiCH’sche  Gleichung 
besagt  durchaus  nicht,  daß  die  kolloidalen  Aluminatsilikate  Ab- 
sorptionsverbindungen sind,  weil  nach  G.  C.  Schmidt  diese  Gleichung 
sich  nicht  immer  mit  den  Versuchsresultaten  im  Einklang  befindet, 
weil  nach  Sv.  Arrhenius  sich  die  Fassung  der  Gleichung  im 
schärfsten  Widerspruch  mit  dem  von  Schmidt  festgestellten  Ab- 
sorptionsmaximum  befindet  und  weil  bei  den  vorliegenden  Aus- 
tauschprozessen Wiegner’s  die  für  die  Gleichgewichtskon- 
zentrationen der  Lösung  eingesetzten  Werte  nicht  Rücksicht  auf 
die  außer  der  nichtabsorbierten  Substanz  noch  in  Lösung  befind- 
lichen ausgetauschten  Stoffe  des  Silikates  nehmen , wie  es  die 
genaue  rechnerische  Wiedergabe  der  Gleichgewichtslage  erfordert. 

4.  Berücksichtigt  man  aber  diese  ausgetauschten  Stoffe  auch 
bei  der  Formel 


x 


8 


welche  Formel  nur  bei  Absorptionsverbindungen  keine  Konstante 
liefert,  so  erhält  man  eine  Konstante ; ebenfalls  ein  Beweis  dafür, 
daß  keine  Absorptionsverbindung  in  den  künstlichen  Aluminatsili- 
katen  und  den  natürlichen  zeolithischen  Silikaten  des  Bodens  vor- 
liegen und  daß  bei  ihnen  die  Absorption  (Austausch)  nicht  auf 
physikalischer  Oberflächenverdichtung  beruht. 

Berlin,  Juli  1913.  Laboratorium  für  Bodenkunde  an  der 
Kgl.  Geol.  Landesanstalt. 


742 


H.  L.  E.  Meyer, 


Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald. 

Eine  vorläufige  Mitteilung. 

Von  Hermann  L.  F.  Meyer  in  Gießen. 

Mit  einer  Kartenskizze. 

Zweck  der  Mitteilung  ist,  die  vorläufigen  Ergebnisse  von  Aufnahmen 
dieses  Sommers  zu  zeigen.  Da  eine  eingehende  Bearbeitung  des  Gebietes 
erst  später  in  größerem  Rahmen  erfolgen  wird,  verzichte  ich  an  dieser 
Stelle  fast  ganz  auf  die  Angabe  der  Literatur 

Während  in  der  Wetterau  die  Schichtenfolge  des  Zechsteins 
noch  eine  ziemlich  mannigfaltige  ist  und  gute  Unterabteilungen 
zu  erkennen  sind1 2,  weist  der  weiter  südlich  auftretende  Zechstein 
ein  recht  einförmiges  Bild  auf.  Der  größte  Teil  der  Formation 
wird  durch  gut  geschichtete  graue,  mehr  oder  weniger  bituminöse, 
dichte  Dolomite  vertreten.  Nur  über  und  unter  ihnen  lassen  sich 
Horizonte  feststellen,  die  wir  mit  denen  der  Wetterau  in  Be- 
ziehung bringen  können. 

Die  Schichtenfolge. 

Unter  den  Dolomiten  liegen  die  beiden  bekannten  tiefsten 
Glieder  des  Zechsteins,  Konglomerat  und  Kupferletten,  die 
mir  bei  . meinen  Aufnahmen  keine  neuen  Beobachtungen  geliefert 
haben.  Ich  kanu  darum  auf  die  Beschreibungen  Bücking’s  (Nord- 
westl.  Spessart.  1892.  p.  132  — 140)  verweisen. 

Über  den  Dolomiten  liegt  eine  bis  8 m mächtige  Folge 
von  roten  Letten  mit  Dolomitbänken,  die  bisher  in  ihrer 
Bedeutung  noch  nicht  erkannt  worden  ist.  Es  handelt  sich  um 
einen  durchgehenden  Horizont,  der  sich  von  den  nördlichsten  Auf- 
schlüssen in  der  Wetterau  bis  an  das  Südende  des  Odenwaldes 
verfolgen  läßt.  Ich  habe  ihn  in  der  Wetterau  den  Oberen  Letten 
(Zo3)  gleichgestellt.  An  den  dichten,  gut  gebankten,  rötlichen 
Dolomiten , die  häufig  wie  Steinmergel  aussehen , und  den  bunten 
(roten  und  grünen)  Schieferletten,  die  beide  eine  mehr  oder  weniger 
lebhafte  Wechsellagerung  aufweisen,  ist  die  kleine  Schichtenfolge 
immer  gut  zu  erkennen. 

Im  Spessart  sind  mir  diese  Schichten  von  vielen  Stellen  be- 
kannt. Im  Odenwald  sah  ich  sie  besonders  in  der  Gegend  von 

1 Es  handelt  sich  um  eine  zusammenfassende  Bearbeitung  des 
deutschen  Zechsteins.  Dem  Verband  zur  wissenschaftlichen  Erforschung 
der  deutschen  Kalisalzlagerstätten,  insbesondere  seinem  Vorsitzenden  Herrn 
Geheimrat  Rinne  möchte  ich  schon  an  dieser  Stelle  für  die  gewährte  weit- 
gehende Unterstützung  meinen  verbindlichsten  Dank  aussprechen. 

2 Vergl.  Der  Zechstein  in  der  Wetterau  etc.  Ber.  Oberh.  Ges.  f. 
Nat.  u.  Heilk.  N.  F.  Naturw.  Abt.  5.  (1912.)  p.  49—106. 


Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald. 


743 


Hummetrotli  und  Oberkinzig,  wo  sie  mit  den  Bröckelschiefern  ver- 
wechselt worden  sind.  Der  oberste  Teil  des  bekannten  Proliles 
von  Eberbach  gehört  ebenfalls  hierher. 

Daß  diese  Wechsellagerung  zum  Zechstein  und  nicht  etwa 
zum  Buntsandstein  gehört,  ließ  sich  schon  in  der  Wetterau  be- 
weisen. Hier  finden  sich  in  den  Dolomitbänken  noch  zahlreiche 
Fossilien,  wie  sie  ja  auch  von  Eberbach  bekannt  sind.  Von  den 
Bröckelschiefern  lassen  sich  die  roten  Schieferletten  fast  immer 
sicher  abtreunen.  In  den  Bröckelschiefern  treten  nämlich  zahl- 
reiche feinkörnige  Sandsteinbänkchen  auf,  die  immer  durch  gut 
ausgebildete  Kreuzschichtung  gekennzeichnet  sind.  Außerdem  finden 
sich  hier  rote  feinsandige  oder  tonige  Dolomitbänkchen. 

Die  Hauptmasse  des  süddeutschen  Zech steins  wird 
aber  von  Dolomiten  gebildet.  Es  sind  dichte,  graue,  meist  fossil- 
leere Gesteine , die  immer  gut  geschichtet  sind.  Die  Schicht- 
fiächen  sind  nie  gleichmäßig  eben , sondern  zeigen  immer  kleine 
wellige  Unregelmäßigkeiten,  die  auf  eine  stete  Unterbrechung  im 
Absatz  hinweisen.  Die  Schichtfugen  werden  dementsprechend  durch 
feine  Lettenlagen  gekennzeichnet.  An  der  Basis  liegen  zumeist 
sehr  dünnplattige  Gesteine , die  nach  oben  dickbankiger  werden. 
In  der  Mitte  der  Abteilung  finden  sich  bis  40  cm  mächtige  Bänke. 
Nach  oben  nimmt  die  Mächtigkeit  wieder  ab.  Ein  Bitumengehalt 
findet  sich  besonders  an  der  Basis ; er  geht  aber  durch  die  ganze 
Schichtenfolge  hindurch,  wir  können  also  von  Sapropeldolomiten 
sprechen.  Irgendwelche  stratigraphischen  Unterschiede  lassen  sich 
in  der  ganzen  Dolomitfolge  nicht  wahrnehmen. 

Die  Beurteilung  der  Dolomite  wird  dadurch  erschwert,  daß 
sie  starken  sekundären  Umwandlungserscheinungen 
ausgesetzt  sind.  Sehr  häufig  sind  sie  umkristallisiert  und  zeigen 
ein  kristallines  Gefüge.  Sie  gehen  in  lockere,  poröse,  manchmal 
rauchwackige  Gesteine  über  und  verwittern  schließlich  in  einen 
Dolomitsand.  Diese  Umwandlung  greift  unregelmäßig  nach  unten. 
In  vielen  Steinbrüchen  kann  man  beobachten,  wie  auf  diese  Weise 
die  primäre  Struktur  und  Schichtung  vollkommen  verwischt  wird. 
Da  dieser  Vorgang  sich  in  den  hangenden  Schichten  am  meisten 
ausprägt,  konnte  die  Meinung  entstehen,  als  ob  die  höheren  Teile 
des  Zechsteins  von  ungeschichteten  Dolomiten  oder  Kauchwacken 
zusammengesetzt  würden.  Echte,  grobluckige,  durch  Auslaugung 
entstandene  Rauchwacken  finden  sich  nur  an  wenigen  Stellen. 

Die  Grenze  der  Dolomite  gegen  die  überlagernden  bunten 
Letten  zeigt  an  vielen  Stellen  sehr  auffällige  Erscheinungen.  Teils 
finden  sich  starke  Faltungen  und  Stauchungen  (vergl.  z.  B.  die 
Abbildung  aus  der  Wetterau,  Ber.  Niederrhein.  Geol.  Ver.  1913. 
1.  Hälfte,  Taf.  10,  Fig.  23),  teils  aber  ganz  wirr  verrutschte  und 
breeciöse  Partien,  in  denen  auch  grobe  Rauchwacken  und  Zellen- 
dolomite sichtbar  werden.  Ich  glaube  wegen  der  großen  Horizont- 


744 


H.  L.  F.  Meyer, 


Beständigkeit  nicht,  daß  es  sich  hier  um  lokale  Verrutschungen 
handelt,  sondern  daß  Auslaugungen  vorliegen,  die  nicht  nur  Gips,, 
sondern  vor  allem  leichtlösliche  Salze  betreffen.  Die  Möglichkeit 
des  Vorkommens  von  Salzen  wird  durch  die  Mineralwasser  von 
Sodental  bei  Aschaffenburg  und  Eberbach  (Steuer,  Notizbl.  Ver. 
f.  Erdk.  Darmstadt.  IV.  F.  27.  Heft.  1906.  p.  35)  bestätigt.  Es 
würde  sich  also  hier  um  einen  Salzhorizont  handeln,  der  an 
der  unteren  Grenze  der  Oberen  Letten  liegt.  Der  Salzhorizont 
der  Wetterau  liegt  in  den  Unteren  Letten. 

Die  ganze  Schichten  folge  des  Zechsteins  läßt 
sich  in  folgender  Weise  kurz  zusammen  fassen: 

Hangendes: 

Unterer  Buntsandstein,  Bröckelschiefer 

Rote,  bröckelige,  rauhe  Letten  mit  feinen  Sandstein-  und  Dolomit- 
bänken. Auch  Dolomitknollen.  Bis  70  m mächtig. 

Zechstein 

Rote  und  grüne  Schiefer  letten  mit  mehr  oder  weniger  zahlreichen 
bunten,  dichten,  häufig  steinmergelartigen  Dolomitbänkchen, 
häufig  mit  Fossilien.  An  der  unteren  Grenze  vermutlich  Gips  und 
Salze.  Bis  8 m mächtig. 

Graue,  gutgeschichtete  S ap pr  op e ld  olom i te.  Unten  dünnbankig 
beginnend,  in  der  Mitte  Bänke  von  größter  Mächtigkeit.  Zwischen 
den  einzelnen  Schichten  graue,  manchmal  sandige  'Lettenlagen  bis 
1 cm  Mächtigkeit.  Die  Schichtflächen  sind  unregelmäßig.  Stellen- 
weise flaserig  wie  Wellenkalk.  Bis  40  m mächtig. 

Kupfer  letten 

Grauer  und  dunkler,  gut  geschichteter  Letten. 

Meist  | m mächtig. 

Konglomerat 

Grauer  oder  gelblicher  Sandstein  oder  Konglomerat  mit  Quarzitgeröllen 
bis  Faustgroße.  Bis  3 m mächtig. 

Liegendes: 

Rotliegendes,  bezw.  kristalline  Gesteine. 


Abnahme  der  Schichtenfolge  nach  Süden. 

Die  völlig  ausgebildete  Schichten  folge  findet  sich 
nur  im  nördlichen  Spessart  bis  in  die  Gegend  von  Schöll- 
krippen. Aber  selbst  bis  dahin  ist  sie  nicht  ganz  gleichmäßig 
vorhanden.  Das  Grundgebirge  ragt  schon  mehrmals  hoch  auf, 
so  daß  Transgressionen  der  höheren  Zechsteinglieder  stattfinden. 
Weiter  südlich  wird  dies  dann  zur  Regel.  In  unregelmäßigen 
Kuppen  und  Hügeln  greift  das  kristalline  Gestein  nach  oben , so 
daß  an  diesen  nebeneinanderliegenden  Stellen  die  Unterkante 


lieber  den  Zeclistein  im  Spessart  und  Odenwald. 


745 


des  Zechsteins  stark  wechselt.  Konglomerat  und  Kupfer- 
letten bilden  dann  nicht  mehr  die  Basis ; sie  liegen  nur  an  den 
tiefsten  Stellen  der  Eintiefungen , die  vielfach  dem  Streichen  des 
Grundgebirges  folgen.  Sehr  schön  sind  diese  Verhältnisse  zur- 
zeit in  dem  großen  Steinbruch  am  Gräfenberg  und  in  einem 
Bruche  westlich  Eichenberg  zu  übersehen.  ’ Ohne  die  Aufschlüsse 
würde  man  sehr  leicht  zu  der  Vermutung  kommen , daß  hier 
Störungen  vorlägen. 


Zechstein  im  Spessart  uud  in  den  angrenzenden  Gebieten. 

Infolge  des  A ufragens  des  Grundgebirges  ver- 
ringert sich  die  Mächtigkeit  des  Zechsteins  nach  Süden 
immer  mehr,  doch  ist  die  Abnahme  keine  gleichmäßige.  Schon 
bei  Aschaffenburg  liegen  Bröckelschiefer  auf  den  kristallinen  Ge- 
steinen und  doch  wird  im  Odenwald  der  Zechstein  noch  12 — 13  m 
mächtig.  Die  unregelmäßige  Reduktion  und  das  gelegentliche 
Fehlen  des  Zechsteins  erklären  sich  durch  das  Relief  des  Unter- 
grundes. Der  Untergrund  steigt  im  ganzen  langsam  nach  Süden 
auf,  dadurch  erklärt  sich  das  Verschwinden  der  Formation.  Für 
eine  Zerstörung  vou  Zeclisteinschichten  vor  Absatz  des  Buntsand- 
steins ergibt  sich  nirgends  der  geringste  Anhaltspunkt. 

Fazielle  Änderungen  treten  trotz  der  Schichtenabnahme 
nach  Süden  nicht  ein.  An  vielen  Stellen  (aber  nicht  immer) 


Gesteine 

\ Störungen 


746 


H.  L.  F.  Meyer, 


haben  die  jeweils  tiefsten  Schichten  eine  klastische  Beimengung, 
z.  B.  der  Zechstein  bei  Schweinheim  bei  Aschaffenburg  oder  bei 
Frau  Nauses  unweit  Groß-Umstadt,  oder  der  Bröckelschiefer  bei 
Gailbach  südöstlich  Aschaffenburg  und  am  Breuberg  bei  Neustadt. 
Es  handelt  sich  aber  immer  nur  um  geringmächtige  klastische 
Massen,  die  die  eigentlichen  Gesteine  nicht  verändern.  Allerdings 
scheint  es  mir  (meine  Beobachtungen  sind  aber  noch  nicht  ab- 
geschlossen), als  ob  Vorkommen  von  Oberrotliegendem  im  mitt- 
leren Odenwald  ebenfalls  zum  Zechstein  zu  ziehen  wären.  Die 
Grenze  zwischen  den  schwach  entwickelten  Arkosen  an  der  Basis 
des  Zechsteins  und  den  mächtigeren  Arkosen  und  Arkosesand- 
steinen , die  bisher  zum  Rotliegenden  gestellt  wurden , ist  kaum 
mit  Sicherheit  zu  finden.  Es  ist  auch  auffallend , daß  hier  das 
höchste  Rotliegende  ganz  anders  entwickelt  ist,  als  an  sicher  be- 
stimmbaren Stellen , z.  B.  bei  Heidelberg.  (In  der  Gegend  von 
Bokkenrod,  die  ich  besonders  im  Auge  habe,  befinden  sich  übrigens 
die  auffälligen  grauen  Sandsteine  an  mehreren  Punkten,  wo  die 
Spezialkarte  Zechstein  anzeigt.) 


Unruhige  Fazies  im  westlichen  Spessart. 

Aus  den  gut  gebankten  Dolomiten  ohne  Faziesänderung,  die 
bis  zum  äußersten  Vorkommen  im  Süden  auftreten,  ergibt  sich, 
daß  das  Meer  in  dieser  Gegend  völlig  ruhig  gewesen  sein  muß. 
Im  westlichen  Spessart  scheint  dies  aber  nicht  der  Fall  gewesen 
zu  sein , denn  hier  prägt  sich  im  tieferen  Niveau  der  Dolomite 
offenbar  eine  andere  Fazies  aus.  Bei  Rückingen  und  Niederroden- 
bach und  außerdem  bei  Geiselbach  finden  sich  auffällig  unruhig 
geschichtete  Dolomite;  die  Schichtflächen  sind  sehr  unregelmäßig 
und  machen  den  Eindruck,  als  ob  ständige  Unterbrechungen  im 
Absatz  stattgefunden  hätten.  Dazu  finden  sich  vor  allem  flase- 
r i g e Dolomite,  die  durchaus  an  bestimmte  Bänke  im  Wellen- 
kalk erinnern  und  damit  einen  mir  im  Zechstein  noch  nicht 
bekannten  Typus  darstellen  (vergl.  die  Karte).  Offenbar  war 
hier  der  Meeresboden  unruhiger,  häufige  Trockenlegungen 
unterbrachen  die  Sedimentation  und  es  fanden  wohl  lokale  Ab- 
tragungen statt,  deren  Produkte  jetzt  in  den  Flaserbänken  vor- 
liegen. Es  ist  wohl  kein  Zufall,  daß  gerade  in  diesen  Gegenden 
größere  Organismenreste  häufiger  sind  als  anderswo.  Das  leb- 
haftere Meer  bot  ihnen  hier  bessere  Existenzbedingungen , als 
weiter  draußen , wo  nur  noch  kleinere  planktonische  Reste  vor- 
kamen, die  uns  im  wesentlichen  den  Bitumengehalt  der  Dolomite 
geliefert  haben  werden.  Daß  die  Sedimentationsverhältnisse  hier 
andere  waren , ergibt  sich  vielleicht  schon  aus  dem  Zechstein- 
konglomerat, dessen  Korngröße  offenbar  nach  Westen  zunimmt. 


Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald. 


747 


Vergleich  mit  der  Schichtenfolge  in  der  Wetterau. 

Von  der  beschriebenen  Schichtenfolge  sind  die  hangenden  und 
liegenden  Glieder  ohne  weiteres  in  ihrer  stratigraphischen  Stellung 
klar.  Konglomerat  und  Kupferletten  und  die  hangenden  roten 
Letten  mit  den  bunten  Dolomitbänken  stimmen  genau  mit  denen 
der  Wetterau  überein.  Tiefster  Unterer  Zechstein  (Ziij)  und  oberster 
Oberer  Zechstein  (Zo3)  finden  damit  ihre  Vertretung.  Zwischen 
ihnen  liegen  die  grauen  Sapropeldolomite.  Bei  ihnen  können  wir 
feststellen , daß  sowohl  ihr  liegendster  wie  ihr  hängendster  Teil 
noch  mit  Schichten  der  Wetterau  iibereinstimmt.  Die  Basis  des 
Zechsteinkalkes  (Zu2)  und  die  obersten  Lager  des  Plattendolomites 
(Zo,)  sind  also  ebenfalls  nachweisbar.  Es  handelt  sich  nun  um 
die  Stellung  des  mittleren  Teiles  der  Dolomite,  der  mit  Schichten 
der  Wetterau  nicht  mehr  verglichen  werden  kann.  Irgendwelche 
stratigraphisch  verwertbaren  Grenzen  finden  sich  in  ihnen  nicht, 
wie  ja  schon  Bücking  hervorgehoben  hat.  Fossilien  ermöglichen 
ebenfalls  wegen  ihres  sporadischen  Vorkommens  keine  Abtrennung. 
Bücking  selbst  wollte  Zechsteinkalk  und  Mittleren  Zechstein  darin 
erkennen.  (Sein  ganzer  Oberer  Zechstein  entspricht  nur  meinen 
Oberen  Letten.)  Ich  selbst  glaubte  früher,  daß  nur  der  Platten- 
dolomit mit  sporadischer  Vertretung  des  Unteren  Zechsteins  vor- 
handen wäre  (Ber.  Oberh.  Ges.  f.  Nat.  u.  Heilk.  N.  F.  Naturw. 
Abt.  5.  1913.  p.  101/102).  Es  kann  nun  aber  keinem  Zweifel  unter- 
liegen, daß  bei  dem  Fehlen  jeglicher  Diskordanzen  eine  partielle 
Vertretung  des  Zechsteins  durch  die  Dolomite  nicht  angenommen 
werden  darf.  Die  grauen  Dolomite  müssen  also  den  Teil  des 
Zechsteins  vertreten , der  zwischen  den  Oberen  Letten  und  den 
Kupferletten  liegt.  Die  Mächtigkeit  der  Dolomite  ist  zwar  ge- 
ringer als  in  den  entsprechenden  Schichten  der  Wetterau.  Dort 
handelt  es  sich  aber  um  fein-klastische , hier  um  vorwiegend 
chemische  Sedimente.  Außerdem  ergibt  sich  offenbar,  daß  die 
Schichtung  der  Sapropeldolomite  nicht  nur  durch  Wechsel,  son- 
dern auch  durch  Stillstand  in  dem  Absatz  zustande  gekommen 
ist.  Der  höhere  Untere,  der  Mittlere  und  fast  der  ganze 
Obere  Zechstein  des  Spessarts  wird  durch  graue  Dolo- 
mite ohne  alle  stratigraphischen  Grenzen  gebildet.  Diese 
dolomitische  Fazies  tritt  in  Gegensatz  zu  allen  bisher  be- 
kannten und  ist  das  Produkt  der  besonderen  Sedimentations- 
verhältnisse im  Südwesten  des  deutschen  Zechsteins. 

Entstehung  der  Dolomitfazies. 

Der  deutsche  Zechstein  ist  in  einem  Flachmeer  abgesetzt, 
das  zwar  selbst  vom  Ozean  abgeschnitten  war,  aber  in  sich  ein 
offenes  Becken  darstellte.  Trennende  Bücken  waren  darin  bis  jetzt 
nicht  bekannt.  Die  rote  Frankenberger  Fazies  ist  entstanden  als 


748 


H.  L.  F.  Meyer, 


Absatz  auf  dem  Festlande  unter  aridem  Klima,  die  tonige  Fazies 
der  Wetterau  in  einem  küstennahen  Zipfel  im  Süd  westen,  wo  die 
Festlandsnähe  sich  in  feinklastischen  Sedimenten  und  reichhaltigerer 
und  höherer  Fossilienführung  kenntlich  macht.  Beide  Fazies  sind 
also  nur  als  besondere  randliche  Ausbildungen  der  Normalfazies 
zu  betrachten , sie  haben  in  ungestörter  Verbindung  mit  ihr  ge- 
standen. Mit  der  süddeutschen  Fazies  verhält  es  sich  aber  anders. 
Sie  muß  von  dem  Meere  der  Wetterau  durch  einen  Rücken  ge- 
trennt gewesen  sein,  die  Flüsse  und  Strömungen,  die  dorthin  so  viel 
terrestres  Material  trugen,  haben  die  Spessartgegend  nicht  berührt. 
Zwischen  Haingriindau  und  Lieblos  nähern  sich  die  Wetterauer 
und  süddeutsche  Ausbildung  auf  wenige  Kilometer,  ohne  daß  ein  Über- 
gang zu  erkennen  wäre  Hier  muß  der  trennende  Rücken  durch- 
gegaugen  sein;  er  erstreckt  sich  weiter  nach  SO  in  die  Gegend 
zwischen  Orb  und  Bieber.  (Vergl.  die  Karte.)  In  der  Wetterau 
war  der  Meeresboden  ein  ebener,  auf  dem  sich  die  Formation 
gleichmäßig  absetzen  konnte.  Ganz  anders  war  es  damals  in 
Süddeutschland.  Ein  Archipel  mit  großen  und  kleinen  Inseln  be- 
fand sich  hier,  die  nach  Süden  langsam  an  relativer  Höhe  ab- 
nahmen , während  das  ganze  Niveau  anstieg.  Nur  im  untersten 
und  obersten  Zechstein  war  mit  der  Wetterau  eine  freie  Ver- 
bindung vorhanden.  Im  übrigen  handelte  es  sich  um  ein  ab- 
geschlossenes Gebiet.  Detritusmassen  konnten  nicht  viel  in  das 
Meer  transportiert  werden,  da  kein  zusammenhängendes  Festland 
vorhanden  war.  Nur  feine  Tone  wurden  in  regelmäßigem  Wechsel 
eingeschwemmt.  Das  stellenweise  sehr  flache  Meer  war  von  zahl- 
reichen kleineren  Organismen  erfüllt. 

Alle  diese  Umstände  machen  es  uns  verständlich , wie  sich 
hier  im  ruhigen  Meerwasser  ohne  Strömungen  anhaltendes  Gleich- 
gewicht ausbilden  konnte,  so  daß  die  Dolomite  in  ununterbrochener 
Folge  als  primäre  Gesteine  entstanden.  Es  handelt  sich  um  ganz 
ähnliche  Bedingungen  wie  bei  dem  süddeutschen  Unteren  Muschel- 
kalk1 2, der  mit  seinen  AVellendolomiten  ebenfalls  eine  ausgesprochene 
Seichtwasserfazies  darstellt.  Die  Einschwemmungen  tonigen  Materials 
unterbrachen  den  Prozeß  der  Ausfällung  auf  kurze  Zeit.  Die  Reste 
der  Organismen  werden  bei  ihrer  Verwesung  die  wichtige  freie 
Kohlensäure  geliefert  haben,  so  daß  sich  die  einförmige  Folge  der 
Sapropeldolomite  immer  wieder  ausscheiden  konnte.  (Vergl.  Potonie, 
Naturw.  Wochenschrift.  1910.  p.  784,  und  Linck  in  Doelter,  Hand- 

1 Dieser  schroffe  Fazieswechsel  in  einem  Flachmeer  zeigt  uns,  wor- 
auf gerade  in  neuerer  Zeit  wiederholt  hingewiesen  wurde,  daß  derartige 
Faziesdifferenzen  in  Überschiebungsgebirgen  mit  großer  Vorsicht  bei  der 
Konstruktion  tektonischer  und  paläogeographischer  Bilder  zu  verwenden  sind. 

a Während  der  Drucklegung  erscheint  die  Arbeit  von  G.  Wagner 
(dies.  Centralbl.  1913.  No.  17.  p.  551  ff.),  in  der  für  den  Oberen  Muschel- 
kalk die  randliche  Dolomitfazies  sehr  schön  auf  einer  Karte  dargestellt  wird. 


lieber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald. 


749 


blich  der  Mineralchemie.  1.  p.  133/134.)  Gegen  Ende  des  Zech- 
steins wurde  das  Gebiet  mit  dem  Hauptbecken  wieder  in  Ver- 
bindung gebracht  und  Gips  und  Steinsalz  schlugen  sich  nieder, 
■die  schließlich  von  den  Oberen  Letten  eingedeckt  wurden. 

Entgegen  meiner  früheren  Angabe  (Ber.  Oberh.  Ges.  f.  Nat.  u.  Heilk. 
N.  F.  Naturw.  Abt.  5.  1913.  p.  97  ff.)  war  also  der  Spessart  im  Mittleren 
Zechstein  kein  völliges  Festland.  Als  Archipelgebiet  aber,  das  gegen  die 
Wetterau  durch  einen  Rücken  abgetrennt  war,  konnte  er  dennoch  nach 
dieser  Gegend  terrigenes  Material  liefern.  Der  Odenwald  ist  aber  wohl 
im  Mittleren  Zechstein  noch  als  Festland  zu  betrachten.  Nach  den  Mächtig- 
keiten zu  urteilen , wird  er  erst  vom  Meere  des  Oberen  Zechsteins  über- 
deckt worden  sein. 

Zur  Entstehung  der  Manganerze. 

Über  die  Hauganerze  finden  sich  zahlreiche  Angaben  in  der 
Literatur.  Aus  den  stratigraphischen  Verhältnissen  ergibt  sich 
mit  Sicherheit , daß  die  Manganverbindnngen  nicht , wie  es  nach 
bestimmten  Theorien  sein  soll,  durch  eine  Auslaugung  entstanden 
sein  können.  Es  muß  sich  um  metas  oma  tische  Prozesse  ge- 
handelt haben.  Dies  läßt  sich  zurzeit  sehr  schön  in  Brüchen  bei 
Hummetroth  im  Odenwalde  oder  Feldkahl  im  Spessart  zeigen,  wo 
die  Manganmulrae  in  unregelmäßigen  Taschen  nach  unten  greifen. 
Die  Grenze  gegen  den  Dolomit  ist  eine  scharfe.  Trotzdem  sieht 
man  aber,  daß  die  Lettenlagen  des  normalen  Dolomites  sich  ungestört 
in  den  Mulm  weiter  fortsetzen.  Diese  Beobachtung  ist  auch  schon 
durch  Salomos  an  anderen  Stellen  des  Odenwaldes  gemacht  worden. 

Für  die  Erklärung  des  Vorkommens  der  Manganerze  müssen 
wir  uns  besonders  vor  Augen  halten , daß  es  sich  nicht  um  eine 
lokale  Erscheinung  handelt.  Im  Odenwald  sind  die  Erze 
am  meisten  verbreitet,  aber  auch  im  Spessart  kommen  sie  vor, 
nach  Norden  allerdings  an  Mächtigkeit  stark  abnehmend.  Es 
scheint  fast,  als  ob  sie  mit  den  Sapropeldolomiten  eng  verknüpft 
wären,  denn  sofort  mit  deren  erstem  Auftreten  bei  Lieblos  finden 
sich  die  Mauganmulme,  die  ich  weiter  nördlich  nicht  gesehen  habe. 
Es  scheint  mir  wegen  der  weiten  Erstreckung  etwas  gewagt,  zur 
Entstehung  ohne  weiteres  Thermen  heranziehen  zu  wollen.  Ich 
glaube , daß  wir  die  Erze  genau  so  erklären  können , wie  dies 
jetzt  auch  bei  den  Manganmassen  auf  den  mitteldevonischen  Kalken 
am  Taunusrande  geschieht , daß  die  Carbonate  auf  die  in  den 
Bodenlösungen  vorhandenen  Manganverbindungen  ausfällend  ge- 
wirkt haben.  Der  Bitumengehalt  wird  dabei  wohl  eine  besondere 
Rolle  spielen. 

Mit  der  Entstehung  der  Manganerze  dürfen  wir  das  Problem 
der  nicht  seltenen  Verkieselung  der  Dolomite  nicht  ohne 
weiteres  verknüpfen.  Es  scheint  sich  dabei  um  völlig  getrennte 


750 


H.  L.  F.  Meyer, 


Prozesse  zu  handeln.  Die  stärksten  Verkieselungen  finden  sich 
derart  angeordnet,  daß  ihre  Verbindung  mit  Spalten  sichergestellt 
zu  sein  scheint.  Die  Herkunft  der  Kieselsäure  ist  vielleicht 
eine  thermale.  — (Vergl.  die  Karte.) 

Die  Auflagerungsfläche  des  Zechsteins  in  ihrer  morpho- 
logischen Bedeutung. 

Die  Fläche , mit  der  der  Zechstein  und  der  Bröckelschiefer 
den  älteren  Gesteinen  auflagern , ist  keine  Ebene , sondern  ein 
flachwelliges  Bergland , wie  ich  es  oben  geschildert  habe.  Die 
Bezeichnung  „Fastebene“  ist  darum  hier  nicht  am  Platze, 
höchstens  könnte  man  von  „Abtragungs  fläche“  sprechen.  Aber 
auch  diese  Bezeichnung  ist  nicht  richtig,  wenn  wir  uns  auf  den 
Zechstein  beziehen  wollen.  Die  Fläche  wird  durch  den  Zechstein 
überdeckt,  aber  sie  ist  nicht  in  dieser  Zeit  geschaffen  worden. 
Wir  finden  ja  nur  geringmächtige  Basaltkonglomerate  uud  auch 
diese  von  durchaus  lokaler  Bedeutung,  so  daß  eine  marine  Abrasion 
kaum  gewirkt  haben  kann.  Wir  dürfen  daher  nur  von  einer 
Auflagerungsfläche  sprechen,  Zechstein  und  mit  ihm 
Buntsandstein  haben  ein  Relief  überdeckt,  das  unter 
den  herrschenden  Bedingungen  beider  Formationen 
nicht  entstanden  ist.  (Bei  den  Diskussionen  über  die  Ent- 
stehung des  Buntsandsteins  ist  gerade  diese  Tatsache  nie  berück- 
sichtigt worden.  Ich  werde  bald  an  anderer  Stelle  auf  diesen 
Gegenstand  genauer  eingehen.) 

Durch  spätere  Abtragungen  ist  die  Auflagerungsfläche  von 
den  verhüllenden  Sedimenten  wieder  entblößt  worden  und  tritt 
nun  an  der  Steilstufe  des  hinteren  Odenwaldes  und  Spessarts  zu- 
tage. Für  die  Morphologie  beider  kristallinen  Gebirge  wird  ihr 
ziemlich  große  Bedeutung  beigelegt.  Immerhin  muß  man  sich  vor 
einer  Überschätzung  sehr  hüten.  Allein  die  große  Unregelmäßig- 
keit der  Fläche  zeigt , daß  die  Verebnungen  an  der  Oberfläche, 
besonders  des  Spessarts,  nicht  ohne  weiteres  mit  ihr  in  Beziehung 
gebracht  werden  dürfen.  Es  ist  z.  B.  außei'ordentlich  auffällig, 
daß  im  Spessart  gerade  nahe  den  unregelmäßigsten  Stellen  am  Gräfen- 
berg  und  Umgegend  die  Abtragungsfläche  bei  Johannisberg  und 
Sternberg  völlig  eben  ausgebildet  sein  soll.  Für  den  Odenwald 
werden  ja  starke  Erhebungen  in  der  Fläche  zugegeben.  (Für  die 
Abtragungsfläche  im  Odenwalde  vergl.  Strigel,  Verb.  Naturhist.- 
Med.  Ver.  Heidelberg.  N.  F.  12.  1.  H.  1912.) 

Vor  allen  Dingen  müssen  aber  die  späteren  Verwerfungen 
berücksichtigt  werden,  die  uns  das  Bild  sehr  verwischen.  So  läßt 
sich  z.  B.  in  der  Gegend  von  Geiselbach  und  Horbach  im  Spessart 
mit  Sicherheit  zeigen,  daß  die  heutige  Oberfläche  von  der  per- 
mischen Fläche  ganz  unabhängig  ist.  Der  Zeclistein  bei  Geisel- 


Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und  Odenwald. 


751 


bach  ist  an  Störungen  gegenüber  dem  Osten  abgesunken,  so  daß 
die  Abtragungsfläche  schräg  nach  Osten  einfällt.  Man  sieht  sehr 
schön , wie  die  schräggestellte  Fläche  die  heutige  Oberfläche 
schneidet  und  mit  ihr  nichts  zu  tun  hat.  Nordöstlich  von  Geisel- 
bach liegt  dann  in  höherem  Niveau  der  stehengebliebene  Zech- 
stein, dessen  Fläche  sich  höher  ebenfalls  morphologisch  gut  heraus- 
hebt. Die  jüngere  Fläche,  die  bei  Geiselbach  die  permische 
schneidet,  setzt  sich  aber  im  Südwesten  nach  dem  Hahnenkamm 
fort  und  scheint  zu  beweisen,  daß  auch  hier  jüngere  Abtragungen 
wirksam  gewesen  sind. 

Aus  einer  anderen  Überlegung  ergibt  sich  ja  auch  ein  ähn- 
liches Resultat.  Die  Schrägstellung,  die  die  Schichten  des  hinteren 
Spessarts  erfahren  haben,  ist  keine  primäre,  sondern  wohl  erst 
im  Tertiär  erfolgt.  Im  jüngeren  Tertiär  ist  aber  eine  Verebnung 
der  ganzen  Gegend  eingetreten,  die  sich  jetzt  auf  den  Höhen  des 
hinteren  Spessarts  und  Odenwaldes  sehr  schön  bemerkbar  macht. 
Infolge  der  Schrägstellung,  die  vor  dieser  Einebnung  schon  vor- 
handen war,  muß  die  tertiäre  Abtragungsfläche  im  westlichen  Teil 
der  Gebirge  schon  mehr  oder  weniger  große  Teile  der  kristallinen 
Gesteine  freigelegt  haben,  so  daß  die  permische  Fläche  verwischt 
wurde. 


Zusammenfassung  der  vorläufigen  Ergebnisse. 

Im  Spessart  und  Odenwald  besteht  der  gesamte  Zechstein 
bis  auf  das  Zechsteinkonglomerat,  den  Kupferschiefer  und  die 
Oberen  Letten  aus  grauen,  gutgeschichteten  Sapropeldolomiten  mit 
geringen  Lettenzwischenlagen.  An  der  Basis  der  Oberen  Letten 
befand  sich  ein  jetzt  nur  durch  Auslaugungen  kenntlicher  Salz- 
horizont. Der  Zechstein  setzte  sich  in  einem  Archipele  ab , der 
von  dem  offenen  Meere  abgeschlossen  war.  Die  Wassertiefe  war 
gering.  Daraus  erklärt  sich  die  auffällige  Dolomitfazies.  Das 
Gebiet  stieg  langsam  und  unregelmäßig  nach  Süden  an.  so  daß 
die  Mächtigkeit  der  Formation  bis  zum  völligen  Auskeilen  ab- 
nehmen muß.  Nach  Süden  verlief  die  Sedimentation  ganz  ruhig 
ohne  Faziesänderung,  Nach  Westen  findet  sich  aber  eine  un- 
ruhigere, fossilreichere  „Wellendolomit“ -Fazies.  — Die  unebene 
Auflagerungsfläche  des  Zechsteins  stimmt  nur  au  manchen  Stellen 
mit  der  heutigen  Oberfläche  sicher  überein.  Teils  ist  sie  schon 
im  Tertiär  in  den  westlichsten  Teilen  freigelegt  worden , teils 
schneidet  sie  die  heutige  Fläche  infolge  Schrägstellung  durch  Ver- 
werfungen. 

Gießen,  Mineralogisches  Institut,  den  18.  Sept.  1913. 


752 


R.  Löffler,  Ergänzende  Beiträge  etc.  — Personalia. 


Ergänzende  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Grundgebirges  im  Ries. 

(Vergl.  „Jahreshefte  des  Vereins  für  vaterl.  Naturk,  in  Württemberg.“ 
68.  Jahrg.  1912.  p.  107—154.) 

Von  Richard  Löffler  in  Saulgau. 

Bei  der  Untersuchung  des  Grundgebirges  im  Ries  ist  es  mir 
gelungen,  im  Nordwesten  des  Rieskessels  eine  Gruppe  von  meta- 
morplien  Gneisen  und  kristallinen  Schiefern  festzustellen,  deren 
Einheitlichkeit  und  deren  Zusammenhang  mit  den  übrigen  Gesteinen 
sie  als  ursprünglichen  Gebirgszug  charakterisieren.  Es  sind  haupt- 
sächlich granat-  und  graphitführende  Gneise,  daneben  noch  Silli- 
manitcordieritschiefer,  denen  ich  den  Namen  „Vindelizit“  beigelegt 
habe.  Diese  ganze  Zone  reicht  von  Zipplingen  im  Nordwesten 
bis  nach  Jtzing  im  Osten  hinüber.  Wenn  wir  die  Entstehungs- 
geschichte des  Rieskessels  und  seiner  Umgebung  in  Betracht  ziehen, 
wie  sie  von  Branca  und  Fraas  wahrscheinlich  gemacht  worden 
ist , so  brauchen  wir  im  Zentrum  des  Rieskessels  keine  so  großen 
Transportationen  anzunehmen  wie  an  der  Peripherie,  wenn  auch 
alles  disloziert,  d.  h.  in  die  Höhe  gehoben  worden  ist.  So  beweist 
auch  der  Wenneberg,  daß  hier  nur  eine  Pressung  an  Ort  und 
Stelle  erfolgt  ist,  ebenso  wie  auch  das  Vorkommen  von  Grund- 
gebirge amLehberg  bei  Munzingen  und  am  Albuch  gegen  Sclnnähingen 
zu.  Hier  im  Innern  des  Rieskessels  sind  es  größere  Komplexe, 
die  gehoben  und  gepreßt  wurden,  ohne  weit  verschoben  worden 
zu  sein.  So  gewinnt  die  Hjrpothese  an  Wahrscheinlichkeit,  daß 
wir  es  in  den  oben  erwähnten  kristallinen  Schiefern  mit  einer 
ursprünglichen  Gebirgszone  zu  tun  haben,  deren  Streich richtung 
noch  heute  erkennbar  ist.  Daß  diese  von  Nordwest  nach  Südost 
verläuft,  also  her  zynisch  ist,  dürfte  einen  weiteren  Stützpunkt 
für  die  Existenz  des  ehemaligen  vindelizischen  Gebirges  abgeben. 

Anhangsweise  sei  hier  das  bis  jetzt  unbekannte  Vorkommen 
von  Graphit  quarz  it  erwähnt,  der  sich  in  der  Gegend  von 
Wilflingen — Munzigen — Marktofüngen  am  Ostabhang  des  Lehbergs 
ündet.  Es  ist  durch  Übergänge  mit  einem  pegmatitischen , roten 
Feldspat  führenden  Granit  verknüpft  und  fügt  sich  somit  sehr  gut  in 
die  bereits  bekannte  dortige  Gesteinsgruppe  ein.  Der  Graphit  ist  in 
kleinen,  metallglänzenden  Schüppchen  und  Blättchen  in  den  Quarzit 
eingestreut.  Dieser  ist  gewöhnlich  — makroskopisch  betrachtet  — 
reiner  Quarz.  Die  mikroskopische  Untersuchung  steht  noch  aus. 


Personalia. 

Habilitiert:  Dr.  G.  Dyhrenfurth  als  Privatdozent  für 
Geologie  und  Paläontologie  an  der  Universität  Breslau. 


W.  Volz,  Oberer  Jura  in  West-Sumatra. 


753 


Original-Mitteilungen  an  die  Redaktion. 

Oberer  Jura  in  West-Sumatra. 

Von  Prof.  Dr.  Volz  in  Erlangen,  Geographisches  Institut. 

Mit  5 Textfiguren. 

Jüngst  erhielt  ich  von  Herrn  Prof.  Dr.  Yabe  eine  Reihe  von 
Arbeiten,  zum  Teil  auch  älteren  Datums,  liebenswürdigst  zugesandt. 
Unter  ihnen  befand  sich  ein  nur  wenige  Seiten  umfassender  Auf- 
satz aus  dem  Journ.  Geol.  Soc.  Tokyo  1903,  betitelt:  ,On  a 

Mesozoic  Stromatopora“.  Die  an  so  entlegenem  Orte  veröffent- 
lichte kleine  Arbeit  war  mir  bisher  unbekannt  geblieben.  Es  wird 
in  ihr  eine  neue  Stromatopora  japonica  sp.  n.  aus  dem 
Torinosukalk  bei  Itsukaielii  im  Nordwesten  von  Tokyo  beschrieben. 
Diese  Kalke  haben  nach  gütiger  Mitteilung  des  Herrn  Kollegen 
Krumbeck  ein  Alter,  das  auf  der  Grenze  von  Jura  und  Kreide 
steht,  mit  größter  Wahrscheinlichkeit  aber  noch  dem  oberen  Jura 
zugehört. 

Beim  Betrachten  der  beigegebenen  Tafel  sah  ich  mit  dem 
größten  Erstaunen,  daß  diese  neue  japanische  Form  zweifellos  mit 
der  seinerzeit  von  mir  beschriebenen  Mt/riopora 1 aus  West- 
Sumatra  übereinstimmt.  Ein  genauer  Vergleich  der  Abbildungen 
und  Beschreibungen  läßt  die  generische  Übereinstimmung  voll- 
ständig erscheinen.  Der  einzige  Unterschied  besteht  darin , daß 
Yabe  von  seiner  Form  keine  zyklischen  Porensysteme  beschreibt; 
doch  scheint  mir  seine  Abbildung  (s.  Fig.  1)  an  zwei  Stellen  (oben 
sowie  fast  genau  Mittelpunkt)  recht  deutliche  zyklische  Anordnung 
zu  zeigen,  so  daß  ich  an  der  generischen  Übereinstimmung  beider 
Formen  nicht  zweifle.  Der  Querschnitt  durch  die  stratogenen 
Lagen  bei  Mt/riopora  Verbeeki  Vor.z  (s.  Fig.  2)  zeigt  gleichfalls 
keine  zyklischen  Porensysteme.  Allerdings  handelt  es  sich  um 
zwei  verschiedene  Arten.  Die  Skelett-Elemente  der  japanischen  Art 
sind  erheblich  gröber  als  diejenigen  der  sumatranischen;  neben  der 
von  mir  beschriebenen  Mt/riopora  Verbeeki  fand  ich  am  gleichen 
Fundpnnkt  noch  eine  andere  Art  mit  gröberen  Skelett-Elementen, 
welche  ich  aber  nicht  beschrieb,  da  sie  damals  neben  der  anderen, 
häufigeren  und  besser  erhaltenen  Form  kein  neues  Interesse  mehr 
bot.  Möglich,  daß  sie  mit  der  japanischen  Art  nun  auch  spezifisch 
übereinstimmt. 

Die  YABE’sche  Arbeit  und  die  meinige  sind  fast  gleichzeitig 

1 W.  Volz,  Zur  Geologie  von  Sumatra.  (Geologische  und  paläonto- 
logiscbe  Abhandlungen,  herausgegeben  von  E.  Koken.  1904.  p.  186  ff.) 

Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913.  48 


754 


W.  Volz, 


Fig.  1.  Myriopora  japonica  Yabe  aus  dem  japanischen  oberen  Jura. 
Querschliff.  10x. 


Fig.  2.  My  riopora  Verbeeki 
Volz. 

Querschnitt  durch  eine  stratogene 
Lage  des  Gewebes.  Das  Gewebe  ist 
wurmförmig,  die  Cönosarkröhren 
zeigen  z.  T.  stark  verdickte  Böden. 
Keine  zyklischen  Porensysteme. 
Das  Gewebe  weist  größere  Löcher 
auf,  die  aber  mit  den  Gastropoden 
nichts  zu  tun  haben.  12  x. 


Fig.  3.  Myriopora  Verbeeki  Volz. 

Querschnitt  aus  dem  Übergänge  der  acrogenen 
und  stratogenen  Lagen  des  Gewebes.  Die 
Randröhrchen  der  zyklischen  Systeme  (bei  A) 
sind  zu  hoiizontalen  Schläuchen  aufgelöst. 
Das  Gewebe  ist  im  ganzen  noch  ziemlich  ge- 
schlossen. 20  x. 


Oberer  Jura  iu  West-Sumatra. 


755 


erschienen,  indem  erstere  vom  Dezember  1903  datiert  ist,  während 
das  meine  Arbeit  enthaltende  Heft  der  Abhandlungen  in  den  ersten 
Januartagen  1904  erschienen  ist.  Aber  das  ist  schließlich  gleich- 
gültig und  würde  auch  bei  der  zweifellosen  spezifischen  Ver- 
schiedenheit für  die  Benennung  nichts  zu  bedeuten  haben.  Da 
Yabr  seine  Form  ganz  allgemein  mit  dem  paläozoischen  Gattungs- 
namen Stromatopora  bezeichnet,  die  Form  aber  zweifellos  gegen 
die  echte  Stromatopora  eine  ganze  Reihe  charakteristischer  Unter- 
schiede aufweist,  so  schlage  ich  vor,  den  Namen  Myriopora  auf 
sie  auszudehnen  ; es  würde  demnach  die  nunmehr  .jungmesozoische 
Gattung  Myriopora  in  zwei  Formen  bekannt  sein: 

1 . Myriopora  Verbeeki  Volz  von  West-Sumatra, 

2.  Myriopora  japonica  Yabe  von  Japan  und  wahrscheinlich 
auch  von  West-Sumatra. 


Fig.  4.  Myriopora  japonica  Yabe 
aus  dem  japanischen  oberen  Jura. 
Längsschliff.  10  x. 


Fig.  5.  Myriopora  Ve  r beeid  Volz. 
Längsschnitt  durch  eine  Lage  gestreckten 
(acrogenen)  und  wurmförmigen  (strato- 
genen)  Cönenchymgewebes ; die  Böden  in 
den  Cönosarkrührchen  sind  deutlich  sicht- 
bar. 12  x. 


Wie  sind  die  strati graphischen  Verhältnisse  des 
Sumatraner  Vorkommens?  Ein  Kalkriff  taucht  im  Südosten  des 
Vulkans  Merapi  im  Padanger  Hochland  in  den  Vulkanmantel  ein; 
ein  petrographisch  äußerst  gleichartiges  Kalkriff  taucht  bei  gleichem 
Streichen  im  Nordwesten  desselben  Vulkans  aus  dem  Vulkanmantel 
heraus.  Das  erstere  ist  durch  reichliches  Vorkommen  permo- 
carboner  Fossilien  ausgezeichnet;  im  letzteren  fand  ich  die  Myrio- 
poren,  außerdem  nur  Bryozoen,  undeutliche  Muscheldurchschnitte, 
sowie  eine  schlecht  erhaltene  konfluente  Koralle.  Bei  dem  schein- 

48* 


756 


W.  Volz, 


baren  Durchstreichen  des  Riffes  durch  den  Vulkanraantel  nahm 
ich  für  den  Myrioporenkalk  gleichfalls  permocarbones  Alter  an. 
Es  zeigt  sich  aber  jetzt,  daß  diese  Annahme  irrtümlich  ist,  daß 
wir  es  zweifellos  mit  einem  oberjurassischen  Kalk  zu  tun  haben. 
Dafür  spricht  die  Myriopora,  während  dagegen  kein  stich- 
haltiger Grund  angeführt  werden  kann. 

Außerordentlich  interessant  ist  es,  daß  diese  Altersbestimmung 
als  mesozoisch  in  ganz  auffallender  Weise  mit  den  paläonto- 
logischen  Beziehungen  harmoniert,  welche  ich  seinerzeit  für  Myrio- 
pora (1.  c.  p.  193  f.)  hervorhob. 

Ich  fand  für  Myriopora  außerordentlich  enge  Beziehungen  zu 
den  damals  bekannten  mesozoischen  Formen  Millestroma  Gre- 
gory aus  dem  Turon,  Milleporidium  Steinmann  aus  dem  Ober- 
jura und  faßte  Myriopora  als  eine  phylogenetisch  ebenso  interessante 
wie  wichtige  Zwischenform  zwischen  ihneu  und  den  paläozoischen 
Stromatoporiden  auf;  dementsprechend  wählte  ich  auch  den  Namen 
in  möglichster  Anlehnung  an  die  mesozoischen  Formen  (Mille 
= 1000,  myrios  = 10  000).  Ich  lasse  die  bezeichnendsten  Sätze 
hier  wörtlich  folgen : 

„ Myriopora  steht  der  Millestroma  aus  dem  Turon  sehr  nahe; 
„der  Skelettaufbau  ist  außerordentlich  ähnlich  und  ebenso  hat  auch 
„ Millestroma  ganz  ähnliche  Zooidröhren“  ; . . . . „ Hermatostroma 

„ist  noch  eine  echte  Stromatoporide,  Myriopora  bereits  eine  typische 
„Milleporide“;  ....  „Andererseits  ist  auch  die  Ähnlichkeit  von 
., Myriopora  und  dem  oberjurassischen  Milleporidium  sehr  groß.  Der 
„Skelettbau  ist  so  übereinstimmend,  daß  z.  B.  Steinmann  1.  c. 
„Taf.  2 Fig.  2 fast  ebensogut  von  Myriopora  stammen  könnte.“ 

Diese  von  mir  bei  Aufstellung  der  Gattung  geschriebenen 
Sätze  zeigen  deutlich,  wie  vorzüglich  ein  oberjurassisches  Alter 
für  Myriopora  paßt.  Daß  es  tatsächlich  besser  und  ungekünstelter 
paßt  als  ein  jungpaläozoisches  Alter,  zeigt  aber  nichts  deutlicher 
als  der  Schlußsatz  meiner  damaligen  Arbeit  über  Myriopora , in 
dem  ich  die  Bedeutung  der  Form  zusammenfaßte : 

„Aber  wie  dem  auch  sei,  der  Nachweis  einer  paläozoischen 
typischen  Milleporide  ist  schon  an  sich  von  hohem  wissen- 
schaftlichem Interesse;  ist  doch  dadurch  ein  neuer  Faden  zur  . 
grauen  Vorzeit  gesponnen;  fällt  doch  durch  sie  und  durch  ihre 
nahe  Verbindung  mit  den  Stromatoporiden  helleres  Licht  auf  diesen 
in  seiner  zoologischen  Stellung  zweifelhaften  Stamm“  (1.  c.  p.  194). 

Allerdings  muß  ich  jetzt  mich  selbst  berichtigen;  Myriopora  hat 
diese  interessante  Mittelstellung  nicht,  sondern  gehört  in  die 
jungmesozoische  Milleporidengruppe;  und  der  Hiatus,  welchen 
Myriopora  zu  überbrücken  schien,  klafft  weiter. 

Was  hat  nun  aber  die  Tatsache,  daß  die  Myrioporenkalke  ein 
oberjurassisches  Alter  haben,  für  Konsequenzen  für  unsere  geologische 


Oberer  Jura  in  West-Sumatra. 


757 


Auffassung  des  Baues  von  Sumatra?  Recht  einschneidende!  Man 
war  bisher  gewöhnt,  die  zahlreichen  lang  durchstreichenden  grauen 
Kalkziige,  welche  Sumatra,  von  Djambi  angefangen,  bis  zur  Nord- 
spitze durchsetzen,  als  permocarbonisch  zu  betrachten ; man  hatte 
zwar  nur  ziemlich  selten  in. ihnen  Fossilien  gefunden,  aber  die 
waren  allemal  typische  Permocarbon-Fossilien  gewesen.  Jetzt  ist 
für  einen  dieser  grauen  Kalkziige  erwiesen,  daß  er  jungmeso- 
zoisch ist.  Aber  auch  in  Nord-Sumatra  habe  icli  Mvrioporen  des 
öfteren  gefunden ; es  zeigt  sich  also , daß  die  oberjurassischen 
Myrioporenkalke  recht  weit  verbreitet  zu  sein  scheinen,  und  ehe 
wir  nunmehr  einen  Kalk  irgend  einer  Formation  zuteilen , ist  es 
erforderlich,  sein  Alter  durch  Fossilfunde  nachzuweisen;  denn  die 
Bildung  der  Kalkgräte  scheint  in  wesentlicher  Gleichartigkeit  vom 
Carbon  an  durch  die  Flucht  der  Zeiten  sich  fortgesetzt  zu  haben. 

Diese  ganz  veränderte  Auffassung  im  Alter  der  Kalke  muß 
große  Auswirkung  haben  auch  für  die  Auffassung  des  Alters  der 
sumatranischen  Granite.  J.  B.  Scrivenor1  hat  gezeigt,  daß  auf 
der  malaiischen  Halbinsel  ein  wesentlicher  Teil  der  Granite  meso- 
zoisch ist,  vermutlich  jurassisch.  Das  Alter  der  sumatranischen 
Granite  als  präcarbonisch  ward  im  wesentlichen  dadurch  bestimmt, 
daß  öfters  Permocarbonkalke  ohne  Spur  von  Metamorphose  ihnen 
auflagern  ; wenn  nun  ein  Teil  dieser  Kalke  nicht  permocarbonisch, 
sondern  oberjurassisch  oder  gar  untercretaciscli  ist,  so  ist  es  sehr 
wohl  möglich , daß  auch  in  Sumatra  mesozoische  Granite  Vor- 
kommen, und  ich  bin  sogar  überzeugt,  daß  dem  so  ist.  Ob  die 
Zinnführung  für  die  mesozoischen  Granite  charakteristisch  ist,  wie 
es  auf  der  malaiischen  Halbinsel  zu  sein  scheint , müssen  spätere 
Untersuchungen  lehren.  Ein  derartiger  Granit,  der  mir  zweifellos 
jung  zu  sein  scheint,  ist  z.  B.  das  Granitvorkommen  am  Südostfuß 
des  Vulkans  Surungan  im  östlichen  Batakland2.  Als  ich  es  1906 
entdeckte,  war  ich  erstaunt  über  das  Eigenartige  des  Auftretens. 
Quarzite  bilden  die  Hülle;  es  folgen  fossilleere  Schiefertone,  welche 
den  triadischen  Tonen  von  Kwalu  fast  bis  zur  Identität  ähnlich  sind, 
so  daß  ich  schon  damals  glaubte,  sie  zur  Trias  stellen  zu  müssen. 
Wir  haben  also  hier  genau  dieselben  Verhältnisse  wie  auf  der 
malaiischen  Halbinsel,  wo  triadische  Quarzite  etc.  die  Schieferhülle 
der  jungmesozoischen  Granite  bilden;  das  Gebiet  von  Kwalu  liegt 
ja  auch  in  der  Fortsetzung  der  Vorkommen  der  malaiischen 
Halbinsel 

Es  würde  zu  weit  führen,  hier  alle  Konsequenzen  im  einzelnen 
aufzuführen.  So  wie  wir  hier  ein  mesozoisches  Granitvorkommen 
zweifellos  vor  uns  haben , dürfte  es  noch  mehr  geben.  Diese  in 
Erscheinung  tretenden  Übereinstimmungen  mit  dem  Bau  der  ma- 

1 Quarterly  Journal  of  the  Geol.  Soc.  69.  1913.  p.  351. 

2 W.  Volz,  Nord-Sumatra.  Bd.  I.  Berlin  1909;  besonders  p.  187. 


758 


A.  Beutelt 


laiischen  Halbinsel  schlagen  ebensoviel  Brücken  für  das  bessere 
Verständnis  der  geologischen  Geschichte  Sumatras. 

Es  ist  ja  bisher  bereits  verschiedentlich  Mesozoicum  durch 
Fossilfunde  in  Sumatra  nachgewiesen,  Trias  und  Kreide, 
aber  es  waren  stets  neu  entdeckte,  randliche  Vorkommen;  dieser 
ueue  Nachweis  von  oberstem  Jura  in  Sumatra  ist  deshalb 
so  wichtig,  weil  er  auf  bekanntem  Gebiet  gemacht  ist  und  u.  a. 
überaus  wichtige  Konsequenzen  für  die  Altersbestimmung  der 
morphologisch  so  ungeheuer  bedeutungsvollen  Granite 
nach  sich  zieht. 


Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  und  die  dadurch 

hervorgerufene  Einwirkung  auf  Silber  und  Kupfer. 

Von  A Beutell  in  Breslau. 

Mit  3 Textfiguren. 

J.  Strüver  (dies.  Centralbl.  1901.  2.  p.  257  und  401)  hatte 
beobachtet,  daß  Hauerit,  S2Mn,  auf  Silber  gelegt,  in  einiger  Zeit 
einen  schwarzen  Fleck  hervorbringt.  Er  konnte  ferner  nachweisen, 
daß  Pyrit,  Markasit  und  Magnetkies  dieselbe  Eigenschaft,  wenn 
auch  in  geringerem  Grade,  besitzen.  Noch  schneller  wirkte  nach 
seinen  Angaben  Schwefel.  An  Stelle  des  Silbers  konnte  Kupfer 
dienen,  nur  war  dasselbe  etwas  weniger  empfindlich.  Strüver 
schließt  aus  seinen  interessanten  Beobachtungen,  „daß  chemische 
Reaktionen  auch  zwischen  festen  Körpern  bei  gewöhnlicher  Tempe- 
ratur und  in  trockener  Luft  stattfinden  können“  und  sagt  weiter, 
„daß  diese  Tatsache  nicht  ohne  Bedeutung  für  die  Bildung  und 
Umbildung  nicht  weniger  Mineralspezies  in  der  Natur  sei“. 

Bei  dem  großen  Interesse,  welches  die  erwähnten  Beobach- 
tungen verdienen,  auch  wenn  man  sich  nicht  alle  Schlußfolgerungen 
zu  eigen  macht,  habe  ich  es  unternommen,  die  Erscheinungen  einer 
erneuten  experimentellen  Prüfung  zu  unterziehen.  Da  sich  Silber 
als  empfindlicher  erwies  als  Kupfer,  habe  ich  in  der  Folge  nur 
mit  reinem,  von  Ivahebaum  bezogenem  Silberblech  experimentiert. 
Es  ist  nötig,  dasselbe  vor  dem  Gebrauch  abzuschmirgeln;  mit 
Salpetersäure  gereinigtes  Silberblech  erweist  sich  als  viel  unwirk- 
samer, woran  auch  nichts  geändert  wird,  wenn  man  es  noch  mit 
Ammoniak  putzt. 

Legt  man  einen  Haueritkristall  mit  einer  Oktaederfläche  auf 
ein  frisch  abgeschmirgeltes  Silberblech,  so  sieht  man  schon  nach 
einer  halben  Stunde  einen  deutlichen  gelbbraunen  Abdruck  der 
Fläche,  doch  erweisen  sich  nicht  alle  Kristalle  gleich  wirksam. 
Von  5 Kristallen  der  hiesigen  Hauptsammlung  zeigten  sich  zwei 
und  ein  Spaltstückchen,  welches  bereits  seit  Monaten  an  der  Luft 
lag,  sehr  aktiv,  während  2 andere  Kristalle  in  einer  halben  Stunde 


Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  etc. 


759 


nur  eine  ganz  schwache  Anfärbung  des  Silbers  hervorriefen.  Ein 
Haueritkristall  mit  rauher,  wie  angeätzt  aussehender  Oberfläche 
ließ  auch  nach  4 Stunden  noch  keine  sichtbare  Einwirkung  er- 
kennen. Da  es  nicht  ausgeschlossen  schien , daß  die  Kristalle 
(um  sie  vor  Oxydation  zu  schützen)  mit  einem  feinen  Lacküberzug 
versehen  worden  waren,  wurden  sie  24  Stunden  in  absoluten 
Alkohol  und  darauf  noch  die  gleiche  Zeit  in  Äther  gelegt,  wo- 
durch sich  der  Lack  lösen  mußte.  Nach  dieser  Behandlung  auf 
frisch  abgeschmirgeltes  Silberblech  gelegt,  brachten  die  beiden 
großen  Kristalle  in  48  Stunden  nur  einen  schwachen  bräunlichen 
Abdruck  hervor,  während  der  dritte  keine  Einwirkung  erkennen 
ließ.  Die  Aktivität  gegen  Silber  hatte  sich  hiernach  bei  den 
beiden  größeren  Kristallen  noch  mehr  verringert,  während  der 
kleinere  nach  wie  vor  unwirksam  blieb.  Nach  den  Erfahrungen, 
die  ich  bei  meinen  Arbeiten  über  Arsenkies,  Glaukodot  und  Glanz- 
kobalt gemacht  hatte,  traf  mich  dieses  Ergebnis  nicht  unerwartet, 
denn  der  durch  die  Oxydation  an  der  Luft  gebildete  freie  Schwefel, 
der  nach  meiner  Meinung  die  Ursache  der  Silberanfärbung  war, 
hatte  sich  im  Alkohol  und  Äther  gelöst.  Nachdem  die  Kristalle 
48  Stunden  an  der  Luft  gelegen  hatten,  riefen  die  beiden  größeren 
schon  nach  3 Stunden  einen  gelbbraunen  Abdruck  hervor,  sie 
waren  also  viel  wirksamer  geworden.  Nur  der  kleine  mit  der 
rauhen , möglicherweise  durch  einen  künstlichen  Eingriff  ver- 
änderten Oberfläche  hatte  sich  nicht  gebessert  und  mußte  als  un- 
brauchbar beiseite  gelegt  werden.  Die  Aktivität  lackierter  Hauerit- 
kristalle , deren  Lacküberzug  durch  Behandeln  mit  Alkohol  und 
Äther  entfernt  wird,  kommt  somit  erst  nach  mehreren  Tagen  zum 
Vorschein. 

Die  Färbung,  welche  das  Silber  durch  einen  aufgelegten 
Hauerit  annimmt,  hängt  von  der  Länge  der  Zeit  ab  und  durch- 
läuft, mit  bräunlichgelb  beginnend,  je  nach  der  Dicke  des  Häut- 
chens, sämtliche  Regenbogenfarben.  Erst  nach  einigen  Tagen  wird 
der  Fleck  grauschwarz.  Auffallend  ist  hierbei,  daß  die  Anfärbung 
des  Silberbleches  nicht  nur  an  der  Berührungsstelle  selbst  statt- 
findet, sondern  daß  sie  sich  weiter  verbreitet.  Zwar  nimmt  die 
Wirkung  mit  der  Entfernung  schnell  ab , doch  ist  sie  bis  auf 
1 cm  und  mehr  im  Umkreise  zu  verfolgen.  An  diese  interessanten 
Erscheinungen  knüpft  Strüver  die  Bemerkung,  „daß,  wenn  die 
Reaktion  in  den  Berührungspunkten  beginnt,  sie  sich  dann  alsbald 
auf  verhältnismäßig  bedeutende  Entfernung  von  diesen  ausdelmt, 
eutweder  durch  das  Metall  hindurch  oder  auch  durch  die  Luft“ 
(dies.  Centralbl.  1901.  2.  p.  257). 

Seine  Ansicht , daß  die  Reaktion  zwischen  dem  Hauerit  und 
dem  Silber  von  der  Berührungsstelle  ausgeht , und  daß  die  Be- 
rührung unbedingt  nötig  sei,  stützt  sich  auf  einen  Versuch,  bei 
welchem  er  zwischen  den  Hauerit  und  das  Metall  eine  Schicht 


760 


A.  Beutell. 


Watte  eingeschaltet  hatte.  Es  zeigte  sich  nach  zwei  Monaten 
noch  keine  Spur  von  Einwirkung. 

Wenn  es  sicli  hierbei  um  eine  Reaktion  zwischen  zwei  festen 
Körpern  handelt,  wie  Strüvek  annimmt,  so  könnte  eine  Einwirkung- 
an  der  Berührungsstelle,  nicht  aber  an  räumlich  entfernten  Punkten 
stattfinden.  Für  die  Tatsache,  daß  die  Anfärbung  des  Metalls 
bis  auf  1 cm  entfernte  Stellen  eintritt,  fehlt  eine  plausible  Er- 
klärung. Die  einzig  mögliche  Deutung,  wenn  man  den  STRüvEit’schen 
Gedankengang  als  richtig  annimmt,  wäre  meiner  Meinung  nach 
die,  daß  bei  der  Reaktion  ein  gasförmiges  Produkt  entsteht,  welches 
dann  seinerseits  die  Einwirkung  auf  die  Umgebung  weiterträgt. 
Es  müßte  zu  den  beiden  festen  Phasen  noch  eine  gasförmige  treten, 
welche  sich  an  der  Berührungsstelle  bilden  würde. 

Es  war,  um  Klarheit  in  die  Verhältnisse  zu  bringen,  in  erster 
Linie  festzustellen,  ob  die  Berührung  zwischen  Metall  und  Hauerit 
für  die  Reaktion  unerläßlich  sei.  Ich  wiederholte  zunächst  den 
Versuch,  zwischen  Metall  und  Hauerit  eine  Schicht  Watte  zu  legen, 
doch  modifizierte  ich  ihn  dadurch,  daß  ich  einen  langsamen  Luft- 
strom vom  Hauerit  nach  dem  Silberblech  hin  saugte;  nach  mehreren 
Tagen  zeigte  sich  noch  keine  Einwirkung.  Da  es  nicht  aus- 
geschlossen war.  daß  die  Watte  absorbierend  wirkte,  oder  daß 
der  Luftstrom  das  wirksame  Gas  zu  sehr  verdünnt  hatte,  legte  ich 
nun  zwischen  den  Haueritkristall  und  das  Silberblech  eine  durch- 
lochte Visitenkarte  von  0,4  mm  Dicke.  Schon  nach  6 Stunden 
war  ein  scharf  umrandeter  Abdruck  des  Loches  vorhanden,  welcher 
bräunlichgelbe  Farbe  zeigte.  Auch  wenn  ein  1,6  mm  dicker 

durchlochter  Karton  zwischen  den  Hauerit  und  das  Silberblech 
gelegt  wurde,  trat  Anfärbung  ein,  doch  verlief  der  Prozeß  lang- 
samer. Um  zu  untersuchen,  ob  vielleicht  infolge  der  Schwere  des 
Gases  Unterschiede  in  der  Schnelligkeit  der  Einwirkung  sichtbar 
würden,  je  nachdem  das  Silberblech  unter  oder  über  den  Hauerit 
gelegt  wurde,  schob  ich  einen  etwa  2 cm  großen  Kristall  zwischen 
2 Silberbleche,  die  durch  1,6  mm  starke  durchlochte  Kartons  vor 
direkter  Berührung  geschützt  waren.  Nach  4 Tagen  war  auf 
beiden  Blechen  ein  scharf  begrenzter  bräunlichgelber  Fleck  vor- 
handen, doch  zeigte  sich  kein  sicherer  Unterschied  zwischen  dem 
oberen  und  unteren  Bleche.  Eine  Wiederholung  des  Versuches 
bei  lOtägiger  Dauer  führte  ebenfalls  kein  Resultat  herbei. 

Ein  dünnes , nicht  durchlöchertes  Papier  zwischen  Hauerit 
und  Silberblech  gelegt  verhindert  die  Einwirkung.  Daß  es  sich 
bei  den  angeführten  Erscheinungen  nicht  um  eine  Strahlung  handelt, 
welche  vom  Hauerit  ausgeht,  beweist  der  folgende  Versuch.  Der 
mit  einem  runden,  6 mm  großen  Loch  versehene,  1,6  mm  dicke 
Karton  wurde  zwischen  das  Silberblech  und  den  Hauerit  gelegt, 
doch  war  über  das  Loch  ein  schmaler  Papierstreifen  geklebt 
worden,  der  dasselbe  in  zwei  halbrunde  Felder  teilte.  Nach 


Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  etc. 


761 


4 Tagen  zeigte  das  Silberblech  einen  runden  bräunlichgelben  Fleck 
ohne  Teilung;  das  Gas  war  um  den  Papiersteg  herumgegangen. 

Die  beschriebenen  Versuche  beweisen  zwar,  daß  die  Be- 
rührung zwischen  Metall  und  Hauerit  nicht  erforderlich  ist,  doch 
war  der  Mißerfolg  des  Versuches  mit  zwischengeschalteter  Watte 
noch  nicht  völlig  geklärt.  In  erster  Linie  ist  hierfür  die  starke 
Verdünnung  verantwortlich  zu  machen,  welche  das  wirksame  Gas 
durch  den  Luftstrom  erfährt,  ein  Teil  der  Schuld  aber  fällt  auf 
die  rasch  abnehmende  Empfindlichkeit  eines  geputzten  Silberblechs 
in  der  Luft.  Legt  man  in  einem  weiten  Glasrohr  einen  Hauerit- 
kristall  auf  ein  frisch  abgeschmirgeltes  Silber  blech  und  saugt 
Luft  darüber,  so  tritt  an  der  Berührungsstelle  normale  Anfärbung 
ein , ein  vollständiger  Abdruck  des  Kristalls  kommt  jedoch  nicht 
zustande,  weil  die  Fernwirkung  infolge  des  Luftstromes  eine  äußerst 
geringe  ist.  Nach  17  Stunden  wurde  der  Luftstrom  unterbrochen 
und  der  Kristall  auf  den  nicht  angefärbten  Teil  des  Silberbleches 
gelegt.  Nach  1 Stunde  ist  das  Blech  an  den  wenigen  Berührungs- 
punkten gelbbraun  angelaufen,  doch  zeichnet  sich  nicht  die  ganze 
Oktaederfläche  ab , wie  bei  frisch  abgeschmirgeltem  Silber.  Um 
mich  davon  zu  überzeugen,  ob  nicht  etwa  der  Hauerit  an  Aktivität 
verloren  hatte,  wurde  der  Kristall  zur  Hälfte  auf  das  dem  Luft- 
strom ausgesetzte  Silberblech  gelegt  und  zur  Hälfte  auf  ein  frisch 
abgeschmirgeltes.  Während  sich  auf  dem  frisch  gereinigten  Silber- 
blech normalerweise  ein  naturgetreuer  Abdruck  bildete,  erschienen 
auf  dem  im  Luftstrom  gelegenen  nur  ganz  schwach  die  Berührungs- 
punkte. Es  hatte  mithin  das  Silber  seine  Empfindlichkeit  ein- 
gebüßt, aber  nicht  der  Hauerit. 

Legt  man  ein  Haueritoktaeder  mit  Verwitterungsrinde  und 
ein  auf  Schmirgelleinwand  davon  befreites  gleichzeitig  auf  Silber- 
blecli,  so  ergeben  sich  in  der  Art  der  Anfärbung  wesentliche 
Unterschiede.  Während  der  oxydierte  Kristall  einen  naturgetreuen 
Abdruck  liefert,  der  alle  Unebenheiten  der  aufliegendeu  Fläche 
zur  Anschauung  bringt,  weil  die  Stellen,  an  denen  Berührung 
stattfindet,  am  stärksten  angefärbt  werden,  erscheint  bei  dem  ab- 
geschmirgelten Kristall  ein  scharf  umgrenztes  Dreieck  mit  intensiv 
gefärbten  Umrissen , doch  nimmt  die  Anfärbung  nach  der  Mitte 
hin  rasch  ab.  Wenn,  wie  ich  auf  Grund  meiner  Arbeiten  über 
andere  Mineralien  derselben  Gruppe  anzunehmen  Grund  hatte,  der 
bei  der  Oxydation  in  Freiheit  gesetzte  Schwefel  die  Ursache  der 
Reaktion  ist,  so  erklärt  sich  die  abnehmende  Intensität  der  An- 
färbung nach  der  Mitte  zu  ohne  weiteres  durch  den  unzureichenden 
Luftzutritt. 

Etwas  anders  verlief  ein  Versuch , der  mit  einem  frischen 
Spaltungsstückchen  von  Hauerit  ausgeführt  wurde.  Die  Konturen 
zeichneten  sich  auf  dem  Silberblech  deutlich  ab,  doch  fanden  sich 
nach  der  Mitte  zu  einige  dunkler  angefärbte  Stellen.  Die  Prüfung 


762 


A.  Beutell. 


des  Stückchens  mit  der  Lupe  ergab,  daß  an  diesen  Punkten  Spalt- 
risse einsetzten , auf  denen  die  Oxydation  bereits  bis  ins  Innere 
eingedrungen  war.  Wegen  der  Unebenheiten  des  Spaltungs- 
stückchens war  die  Anfärbung  nicht  so  gleichmäßig  wie  bei  dem 
auf  Schmirgelleinwand  eben  geschliffenen  Kristall. 

Parallel  mit  der  Anfärbung  des  Silbers  verläuft  die  Anfärbung 
des  abgeschmirgelten  Hauerits  und  der  Spaltfläche.  In  dieser 

Beziehung  ist  der  folgende  Versuch  von  Interesse,  der  durch  die 
drei  beistehenden  Abbildungen  veranschaulicht  wird.  Dieselben 

sind  auf  photographischem  Wege  erhalten  und  geben  die  Er- 
scheinungen in  natürlicher  Größe  wieder.  Die  auf  Schmirgel- 
leinwand abgeschliffene  Oktaederfläche  hatte  zwei  Monate  auf  dem 
Silberblech  gelegen,  welches  um  den  Kristall  herum  schwarzgrau 
angelaufen  war.  Nach  dem  Abheben  des  Kristalls  zeigte  sich 
wiederum , daß  nicht  das  ganze  Dreieck  gleichmäßig  angefärbt 

Fig.  1.  Fig.  2.  Fig.  3. 

war,  sondern  es  hob  sich  eine  schmale,  nach  innen  etwas  ver- 
waschene Umgrenzung  von  dein  mittleren  noch  silberweißen  Teil 
des  Bleches  ab.  Merkwürdigerweise  war  die  Schwärzung  unter 
dem  Haueritkristall,  wie  Fig.  2 zeigt,  weniger  intensiv  als  außer- 
halb, was  durch  den  gehinderten  Luftzutritt  zu  erklären  ist  (Fig.  2). 
Daß  bei  diesem  Versuch  die  Berührung  zwischen  Kristall  und 
Blech  zufällig  eine  vorzügliche  gewesen  ist,  muß  daraus  geschlossen 
werden,  daß  nach  zwei  Monaten  die  Mitte  noch  die  ursprüngliche 
Silberfarbe  zeigte,  während  bei  andern  Versuchen  schon  nach 
einem  Tage  die  ganze  bedeckte  Fläche  bunt  angelaufen  war. 

Die  abgeschmirgelte  Kristallfläche  zeigte  nach  dem  zwei 
Monate  langen  Liegen  auf  dem  Silber  eine  fast  kongruente  Zeich- 
nung, die  das  photographische  Bild  in  Fig.  1 deutlich  erkennen 
läßt.  Doch  war  nicht  der  Rand  allein  angelaufen , sondern  die 
ganze  Fläche  hatte  ihre  ursprünglich  eisengraue,  metallische  Farbe 
verloren  und  war  leicht  gebräunt.  Um  diesen  Unterschied  in  der 
Photographie  zum  Ausdruck  zu  bringen,  habe  ich  die  Hälfte  der 
Fläche  abgeschmirgelt  und  dann  den  Kristall  nochmals  photo- 
graphiert. Den  Unterschied  der  beiden  Hälften  veranschaulicht 
Fig.  3 ; leider  tritt  der  Rand  auf  der  linken  Seite  wegen  der 


Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  etc. 


763 


raschen  Oxydation  an  der  Luft  schon  etwas  weniger  scharf  hervor. 
Aus  diesem  Grunde  hatte  ich  den  Kristall  bis  zum  Photographieren 
in  ein  evakuiertes  Rohr  eingeschmolzen. 

Noch  schneller  als  ein  verwitterter  Kristall  wirkt  übrigens 
Haueritpulver  auf  Silber,  welches  sich  schon  nach  10  Minuten 
deutlich  angefärbt  zeigt. 

Um  die  Mitwirkung  der  Luft  bei  der  Anfärbung  des  Silbers 
durch  Hauerit  sicherzustellen,  wurde  ein  allseitig  abgeschmirgelter 
Haueritkristall  sowie  ein  Silberblech  in  ein  Glasrohr  gebracht, 
ohne  daß  Berührung  stattfand.  An  der  einen  Seite  war  das  Rohr 
mit  einer  Verengung  versehen  und  an  einen  Schliff  einer  BßUTELL’schen 
Quecksilberluftpumpe  angeschmolzen  (dies.  Centralbl.  1911.  p.  491; 
Jahresber.  Schles.  Ges.  1910.  p.  1;  Chemiker-Ztg.  1910.  No.  150). 
Das  andere  Ende  wurde  nach  dem  Einführen  des  Kristalls  zn- 
geschmolzen,  das  Rohr  rasch  auf  höchstes  Vakuum  ausgepumpt 
und  dann  an  der  Verengung  abgeschmolzen.  Erst  nach  dem  Aus- 
pumpen wurde  der  Hauerit  durch  Schütteln  auf  das  Silberblech 
gebracht.  Nach  3 Stunden  war  noch  keine  Einwirkung  zu  er- 
kennen; nach  20  Stunden  war  das  Blech  auf  beiden  Seiten  bräunlich 
mit  einem  Stich  ins  Violette  angelaufen.  Als  durch  Schütteln  der 
Hauerit  vom  Silberblech  entfernt  wurde,  markierte  sich  der  Kristall 
als  heller  Fleck.  Dunklere  Stellen  an  den  direkten  Berührungs- 
punkten waren  nicht  sichtbar.  Auffallend  ist,  daß  die  Einwirkung 
an  den  nicht  vom  Hauerit  bedeckten  Teilen  stärker  war  als  an 
den  bedeckten.  Es  erklärt  sich  dies  daraus,  daß  die  aus  den 
7 übrigen  Oktaederflächen  entweichende  Gasmenge  im  Vergleich 
zu  der  angefärbten  Oberfläche  des  Silberbleches  größer  ist , als 
die  auf  die  bedeckte  Stelle  einwirkende.  Daß  es  sich  bei  den 
Versuchen  nicht  um  eine  Strahlung  handelt,  sondern  um  ein  gas- 
förmiges Reagens,  geht  daraus  hervor,  daß  sich  das  Blech  auf 
beiden  Seiten  gleichmäßig  anfärbt.  Auch  tritt  deutlich  hervor, 
daß  bei  Luftabsschluß  die  Einwirkung  an  Berührungspunkten  nicht 
stärker  ist  als  an  räumlich  getrennten. 

Meine  Hoffnung,  daß  der  von  der  Verwitterungsschicht  befreite 
Hauerit  sich  gegen  Silber  als  unwirksam  erweisen  würde,  hatte 
sich  zwar  nicht  erfüllt,  doch  lag  dies  höchstwahrscheinlich  daran, 
daß  auf  Sprüngen  die  Oxydation  bis  ins  Innere  vorgedrungen  war, 
daß  der  hierbei  gebildete  Schwefel  im  hohen  Vakuum  verdampfte. 

Es  wurde  zunächst  durch  Vorversuche  festgestellt,  daß  der 
Schwefel  im  hohen  Vakuum  schon  bei  50 0 ziemlich  schnell  sub- 
limiert, und  daß  sich  der  Hauerit  erst  bei  Temperaturen  über 
200°  zu  zersetzen  beginnt.  Daß  der  Schwefel  im  Vakuum  auch 
bei  Zimmertemperatur  bereits  flüchtig  ist,  konnte  des  öfteren 
beobachtet  werden , da  schwache  Anflüge  von  Schwefel , welche 
sich  in  Röhren  gebildet  hatten,  die  mit  der  Quecksilberluftpumpe 
verbunden  waren,  über  Nacht  verschwanden.  Die  Schwärzung 


764 


A.  Beutell, 


des  Quecksilbers  ließ  keinen  Zweifel  darüber,  daß  der  Schwefel 
zu  diesem  gewandert  war. 

Der  Weg  für  die  weitere  Untersuchung  war  nunmehr  vor- 
gezeichnet. War  der  im  Hauerit  vorhandene  freie  Schwefel  die 
Ursache  der  Aktivität,  so  müßte  sich  diese  beseitigen  lassen,  wenn 
man  das  Mineral  im  hohen  Vakuum  auf  50°  erwärmte,  da  bei 
dieser  Temperatur  der  Schwefel  bereits  verdampft. 

Ich  benutzte  zu  denVersuchen  zunächst  Haueritpulver,  welches 
ich  im  elektrischen  Ofen  auf  50°  erwärmte.  Schon  nach  wenigen 
Minuten  bildete  sich  ein  fast  weißes,  schwaches  Destillat  von 
Schwefel  genau  wie  bei  Arsenkies,  Glaukodot,  Glanzkobalt,  Markasit 
und  Pyrit.  Nach  dem  Erkalten  wurde  der  Teil  des  Glasi-ohres, 
welcher  das  Destillat  enthielt,  herausgeschnitten  und  in  ein  etwas 
weiteres  Glasrohr  gesteckt,  welches  hinter  einer  Einschnürung  ein 
kleines  Silberblech  enthielt.  In  der  üblichen  Weise  evakuiert  und 
zugeschmolzen,  ließ  ich  das  Rohr  bei  Zimmertemperatur  liegen. 
Nach  17  Stunden  war  das  Blech  blauviolett  angelaufen;  nach 
9 Tagen  zeigte  es  einen  schwarzen  dicken  Überzug  von  Schwefelsilber, 
während  das  Destillat  verschwunden  ist.  Der  aus  dem  Hauerit- 
pulver abdestillierte  Schwefel  hatte  genau  dieselbe  Wirkung  wie 
der  Hauerit  selbst.  Durch  weitere  Versuche  wurde  hierauf  fest- 
gestellt, daß  das  Haueritpulver  durch  genügend  langes  Erwärmen 
im  Vakuum  inaktiv  gegen  Silber  gemacht  werden  konnte.  Ich 
schüttete  zu  diesem  Zwecke  das  Pulver  zusammen  mit  Silberblech 
in  ein  Glasrohr,  welches  mit  einer  Verengung  zum  Abschmelzen 
versehen  und  dann  an  einen  Schliff  der  Quecksilberpumpe  an- 
geschmolzen wurde.  Nach  dem  Evakuieren  wurde  das  Rohr  zu- 
geschmolzen und  dann  im  elektrischen  Ofen  weiter  erwärmt.  Das 
Silberblech  bemächtigte  sich  des  freien  Schwefels  und  bedeckte 
sich  mit  einer  dicken  Schicht  von  Schwefelsilber.  Nach  24  Stunden 
wurde  der  Versuch  unterbrochen,  das  Pulver  rasch  in  ein  bereits 
vorbereitetes  gleiches  Rohr  mit  Silberblech  eingeführt  und  dann 
ebenso  behandelt.  Erst  nach  htägigem  Erwärmen  im  Vakuum 
wurde  das  erwartete  Resultat  erhalten.  Selbst  nach  stundenlangem 
Erwärmen  auf  50°  zeigte  ein  frisch  eingeführtes  Silberblech  auch 
nicht  die  geringste  Anfärbung;  das  Haueritpulver  war  inaktiv 
geworden. 

Nach  völligem  Erkalten  wurde  das  Rohr  aufgeschnitten,  das 
Pulver  auf  ein  Silberblech  geschüttet  und  an  der  Luft  bei  Zimmer- 
temperatur liegen  gelassen.  Nach  24  Stunden  zeigte  sich  bereits 
eine  schwache  Anfärbung,  und  nach  3 Tagen  ist  das  Blech  mit 
einem  dicken  Überzug  von  SAg2  bedeckt.  Die  Oxydation  durch 
den  Luftsauerstoff  hat  somit  durch  neue  Schwefelabscheidung  dem 
inaktiv  gemachten  Haueritpulver  seine  Aktivität  wieder  gegeben. 

In  gleicher  Weise  wurde  ein  würfelförmiges,  5 mm  großes 
Haueritspaltungsstückchen  behandelt,  wobei  es  schon  nach  2tägigem 


Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  etc. 


765 


Erhitzen  auf  50°  gelang,  Inaktivität  gegen  Silber  zu  erzielen.  Das 
so  behandelte  Spaltungsstückchen  befindet  sich  jetzt  bereits 
7 Monate  in  einem  evakuierten  zugeschmolzenen  Röhrchen  in 
Berührung  mit  einem  Silberblech,  ohne  daß  es  im  geringsten  an- 
gefärbt wäre. 

Die  Fernwirkung  des  Hauerits  auf  Silber  im  hohen  Vakuum 
erklärt  sich  ohne  weiteres  aus  der  Flüchtigkeit  des  Schwefels  bei 
Zimmertemperatur,  die  unzweifelhaft  nachgewiesen  werden  konnte. 
Ob  aber  diese  Erklärung  auch  für  die  Einwirkung  des  Hauerits 
und  des  Schwefels  in  der  Luft  bei  Atmosphärendruck  ausreichte, 
erschien  fraglich,  da  eine  merkliche  Flüchtigkeit  des  Schwefels 
unter  diesen  Verhältnissen  bisher  nicht  bekannt  war,  und  da  es 
nicht  ausgeschlossen  war,  daß  sich  bei  der  schwachen  Oxydation 
des  Schwefels  in  der  Luft  Ozon  oder  Wasserstoffsuperoxyd  bildete, 
welche  ihrerseits  die  Anfärbung  des  Silbers  hervorrufen  konnten. 
In  diesem  Falle  mußte  die  Reaktion  ausbleiben,  wenn  der  Versuch 
in  einem  Gase  ausgeführt  wurde,  welches  keinen  freien  Sauerstoff 
enthielt.  Ich  brachte  daher  ein  Silberblech  und  einen  Schwefel- 
kristall von  Girgenti  in  ein  Glasrohr  und  leitete , ohne  daß  sicti 
beide  berührten,  während  einer  halben  Stunde  einen  langsamen 
Strom  von  trockenem  C 02  darüber.  An  beiden  Enden  des  Rohres 
waren  kapillare  Verengungen  angebracht,  welche  bei  schwachem 
Gasstrome  zugeschmolzen  wurden.  Nach  dem  Abkühlen  wurde  der 
Schwefel  auf  das  Silberblech  geschüttelt  und  das  Rohr  dann  ruhig 
liegen  gelassen.  Während  sich  ein  frisch  abgeputztes  Silberblech 
in  der  Luft  rasch  schwärzte,  zeigt  das  im  Kohlendioxyd  mit 
Schwefel  zusammenliegende  nach  28  Stunden  nur  eine  ganz 
schwache,  an  den  Rändern  verwaschene  Anfärbung.  Die  verlang- 
samte Einwirkung  auf  das  Silber  kann  an  dem  Ausschluß  der 
Luft  liegen,  doch  kann  sie  auch  dadurch  hervorgerufen  sein,  daß 
das  Blech  schon  etwas  oxydiert  war.  Da  nämlich  die  eine  Verengung 
des  Rohres  erst  nach  der  Einführung  des  Schwefels  und  des 
Silbers  angebracht  werden  kann,  und  da  das  Verdrängen  der  Luft 
durch  Kohlendioxyd  einige  Zeit  in  Anspruch  nimmt,  so  ist  die 
Möglichkeit  einer  oberflächlichen  Oxydation  des  Silbers  nicht  von 
der  Hand  zu  weisen. 

Das  Rohr  wurde  nach  28stündiger  Einwirkung  zerschnitten 
und  der  Schwefel  auf  die  andere  Seite  des  Bleches  gelegt  und 
zwar  ohne  dasselbe  zu  putzen.  Nach  16  Stunden  zeigt  sich  auch 
in  der  Luft  nur  ganz  schwacher  Anlauf  an  den  Berührungspunkten ; 
die  Einwirkung  war  also  ebenso  schwach  als  im  Kohlendioxyd, 
wofür  die  verminderte  Empfindlichkeit  des  Silbers  verantwortlich 
zu  machen  ist.  Um  einen  direkten  Beweis  hierfür  zu  erbringen, 
schmirgelte  ich  die  eine  Hälfte  des  Silberbleches  ab  und  legte 
ein  Stück  Schwefel  z.  T.  auf  die  frisch  gesäuberte,  z.  T.  auf  die 
oxydierte  Fläche.  Nach  24  Stunden  war  die  geputzte  Hälfte  stark 


766  A.  Beutell,  Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  etc. 


geschwärzt,  die  ungeputzte  nur  ganz  schwach  augelaufen,  d.  h. 
das  Silber  hatte  seine  Empfindlichkeit  während  des  Versuches 
verloren. 

Da  sich  Silberoxyd  ebenso  wie  Silbercarbonat  schon  bei 
relativ  geringer  Temperatur  zersetzt,  so  mußte  die  Anfärbung 
des  Silbers  durch  Schwefel  auch  in  einer  Atmosphäre  von  Kohlen- 
dioxyd gelingen,  wenn  durch  Erhitzen  das  Silberoxyd  beziehentlich 
Carbonat  entfernt  wurde.  Ich  erhitzte  daher  das  Silberblech, 
nachdem  bereits  Schwefel  in  das  Rohr  eingeführt  war,  in  einem 
Strome  von  Kohlendioxyd  und  schmolz  dann  beide  Enden  zu.  Nach 
dem  Erkalten  wurde  das  Schwefelstückchen  auf  das  Silberblech 
geschüttelt.  Wie  zu  erwarten  war,  zeigte  dasselbe  nach  24  Stunden 
eine  ganz  normale  Anfärbung,  welche  sich  von  der  in  Luft  er- 
haltenen nicht  merklich  unterschied. 

Die  angeführten  Versuche  beweisen,  daß  bei  der  Anfärbung 
des  Silbers  durch  Schwefel  oder  Hauerit  die  Luft  keine  Rolle 
spielt.  Sie  bringen  ferner  den  Beweis  dafür,  daß  der  Schwefel 
bei  Zimmertemperatur  und  Atmosphärendruck  schon  merklich 
flüchtig  ist,  denn  nur  durch  die  Bildung  von  Schwefeldämpfen  läßt 
sich  die  Einwirkung  auf  entferntere  Punkte  des  Silberbleches 
erklären. 

Nachdem  festgestellt  war , daß  die  Reaktionsfähigkeit  des 
Silbers  gegen  Schwefel  und  schwefelhaltige  Mineralien  in  der  Luft 
schnell  abnimmt,  erschien  es  wahrscheinlich,  daß  dieselbe  durch 
Verhütung  der  Oxydation  gesteigert  werden  konnte.  Zu  diesem 
Zwecke  evakuierte  ich  ein  Rohr,  welches  einen  Haueritkristall  und 
ein  frisch  geputztes  Silberblech  enthielt  und  erhitzte  das  letztere 
während  des  Auspumpens.  Hierdurch  wurde  das  oberflächlich 
gebildete  Silberoxyd  zersetzt  und  das  Silberblech  färbte  sich  schon 
während  des  Erkaltens,  d.  h.  in  1 bis  2 Minuten  intensiv  an.  Es 
waren  zum  Anfärben  weniger  Minuten  als  sonst  Stunden  erforderlich. 
Das  oxydfreie  Silber  erweist  sich  als  ein  außerordentlich  empfind- 
liches Reagens  auf  die  Anwesenheit  von  freiem  Schwefel.  Diese 
Reaktion  dürfte  noch  für  die  Untersuchung  vieler  Mineralien  von 
Nutzen  sein,  weil  sie  Aufschlüsse  liefert  über  die  Art  der  Zer- 
setzung, welche  dieselben  bei  der  Oxydation  an  der  Luft  erfahren. 
Daß  außer  den  von  Strüver  (a.  a.  0.)  aufgefundenen  Mineralien 
(Schwefel,  Hauerit,  Pyrit,  Markasit  und  Magnetkies)  auch  noch 
andere  auf  Silber  wirksam  sein  werden,  beweist  ein  Versuch  mit 
Arsenkies,  der  von  Strüver  als  unwirksam  erwähnt  wird,  der 
jedoch  nach  den  Beobachtungen  des  Verf.’s  (dies.  Ceutralbl.  1911. 
p.  316 — 320)  freien  Schwefel  enthalten  mußte.  Ein  Stück  Arsen- 
kies von  Altenberg  in  Schlesien  färbt  im  Vakuum  ein  durch 
Erhitzen  oxydfrei  gemachtes  Silberblech  schon  während  des  Er- 
kaltens stark  an . wodurch  die  Anwesenheit  von  freiem  Schwefel 
sichtbar  wird. 


H.  Michel,  Urausscheidungen  und  Einschlüsse  im  Sodalithsyenit.  767 


Ergebnisse: 

1 . Der  Hauerit  zersetzt  sich  durch  die  Oxydation  an  der 
Luft  unter  Abscheidung  von  freiem  Schwefel,  ähnlich  wie 
Arsenkies,  Glaukodot,  Glanzkobalt,  Pyrit  und  Markasit 
(dies.  Centralbl.  1911.  p.  310  — 3:20,  411  — 41  5,  6G3 — 673 
und  E.  Arbeiter,  Iuaugural-Dissert.  Breslau  1913). 

2.  Die  Einwirkung  des  Hauerits  auf  Silber  wird  durch  den 
freien  Schwefel  verursacht. 

3.  Durch  Abdestillieren  des  freien  Schwefels  im  Vakuum  bei 
5« > — 60°  wird  der  Hauerit  inaktiv  gegen  Silber,  doch  er- 
wirbt er  seine  Aktivität  schon  durch  24stündiges  Liegen 
an  der  Luft  wieder. 

4.  Die  Anfärbung  des  Silbers  bis  auf  1 cm  im  Umkreise 
beweist,  daß  der  Schwefel  bei  gewöhnlicher  Temperatur 
und  gewöhnlichem  Druck  merklich  flüchtig  ist. 

Breslau,  Mineral.  Institut  der  Universität,  September  1913. 


Urausscheidungen  und  Einschlüsse  im  Sodalithsyenit  von 
der  Hradlischka  westlich  Grosspriesen  a.  d.  Elbe. 

Von  H.  Miohel  in  Wien. 

In  dem  Sodalithsyenit  vom  obengenannten  Orte  sind  in  den 
letzten  Jahren  eine  größere  Reihe  von  Einschlüssen  und  Uraus- 
scheidungen gefunden  worden,  die  über  das  Material  des  Unter- 
grundes sowie  über  Spaltungsvorgänge  und  Schlierenbildungen  im 
Innern  des  Eruptivstockes  Auskunft  geben.  Als  Einschlüsse  treten 
Gneisbrocken  .auf,  sowie  eckige  Bruchstücke  eines  stark  bituminösen 
Gesteines;  die  Urausscheidungen  sind  bedeutend  reichhaltiger  uud 
durchlaufen  alle  Stadien  von  einem  sauren  bis  zu  einem  stark 
basischen  Pol.  Es  sind  sowohl  Schlieren  zu  beobachten,  die  über- 
wiegend aus  sauren  Feldspaten  und  aus  Eläolith  bestehen  und 
stellenweise  in  größerer  Menge  auftreten,  als  auch  stark  basische 
Schlieren,  aus  Hornblende,  Plagioklas  und  Titanit  bestehend. 
Zwischen  den  saueren  und  basischen  Schlieren  gibt  es  alle  Über- 
gänge ; an  manchen  Stellen  sind  außei’ordentlich  grobkörnige  Aus- 
scheidungen vorhanden. 

Das  reichhaltige  Material  wird  in  der  nächsten  Zeit  ein- 
gehend beschrieben  werden. 


768 


Fr.  Tucan,  Zu  Wherry's  Nomenklatur.  — Fr.  Tudan. 


Zu  Wherry's  Nomenklatur. 


Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram),  Kroatien. 


Es  gibt  keinen  Zweifel,  daß  die  Ausführungen  E.  T.  Wherky’s1 
über  die  Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und  Kolloidmineralien 
vollkommen  berechtigt  sind.  Speziell  was  die  Mineralvarietäten 
anbelangt.  Jedoch  in  Hinsicht  der  Kolloidmineralien  möchte  ich 
von  Wherry’s  Vorschlag  um  einiges  abweichen  und  andere  Be- 
nennungsweise für  die  erwähnten  Minerale  vorschlagen.  Im  wesent- 
lichen ist  diese  Bezeichnungsart  jener  Wherry’s  ähnlich,  ich  glaube 
aber,  daß  mit  derselben  die  Kolloidnatnr  eines  Minerals  noch  stärker 
ausgedrückt  wird.  Der  bisherige  Name  der  Kristalloidform  würde 
beibelialten  werden,  jedoch  würde  man  die  Endung  gelit  zu- 
fügen müsseu,  womit  man  sogleich  bezeichnen  würde,  daß  man 
es  mit  einem  Gel  zu  tun  hat.  So  haben  wir  zum  Beispiel 
für  die  kristalline  Modifikation  des  Fe  S,  die  Benennung  Pyrit, 
für  die  kolloide  dagegen  Pyrito  gelit.  Auf  diese  Weise  wurde 
auch  die  kolloide  Modifikation  des  Al2  03  H„  0 Sporogelit  benannt 
(richtiger  wäre  Diasporogelit).  Zwischen  den  Namen  für  die 
Kristalloidform  und  die  Endung  gelit  würde  man  den  Vokal  o des 
Wohllautes  halber  einschieben. 

Des  Beispieles  wegen  führe  ich  folgende  Tabelle  an : 


Namen  der  Kristalloidmodi- 
fikationen 

Pyrit 

Limonit 

Hämatit 

Gibbsit 


Vorgeschlagene  Namen  für 
die  Kolloidmodifikationen 

Pyritogelit 
Limonitogelit 
Hämatitogelit 
Gibbsitogelit  usw. 


Jedenfalls  ist  es  aber  an  der  Zeit  — schließe  ich  mit  Werry’s 
Worten—,  der  unerquicklichen,  unnötigen  Vermehrung  der  Mineralien- 
namen Einhalt  zu  tun! 


Wieder  „Zu  Tucans  Bauxitfrage1'. 

Von  Fran  Tucan  in  Zagreb  (Agram,  Kroatien). 

Auf  die  Lazarevic’s  Notiz  „Nochmals  zu  Tucan’s  Bauxit- 
frage“2 zitiere  ich  (als  Antwort  dem  Herrn  Lazarevic)  aus 
meiner  Abhandlung  „Terra  rossa  etc.“3  nur  folgendes: 

„In  den  Kalksteinen  und  Dolomiten  des  kroatischen  Karst- 
gebietes fand  ich  folgende  Minerale : Quarz,  Glimmer,  Pyrit, 

1 Dies.  Oentralbl.  1913.  p.  518. 

2 Dies.  Oentralbl.  1913.  p.  60Ü. 

■’  N.  Jahrb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXIV.  p.  401. 


E.  Kayser.  Ueber  die  Arrhenius'sche  Theorie  der  Eiszeiten.  769 


Hämatit,  Gips,  Anhydrit,  Flußspat,  Amphibol,  Epi- 
dot, Z o i s i t , Chlorit,  C h 1 o r i t o i d , I)  i s t li  e n , Granat, 
Staurolith,  Feldspat,  Turmalin,  Zirkon.  Rutil,  Ko- 
rund, ton  artige  Substanz,  Periklas,  Brucit,  Apatit, 
Titanit  und  Koppit*  (p.  4U7).  Und  weiter:  .In  betreff  der  mi- 
kroskopischen Untersuchungen  besteht  der  unlösliche  Rückstand 
der  Kalke  und  Dolomite  aus  den  oben  erwähnten  Mineralen“  (p.  408)1. 


Ueber  die  Arrhenius'sche  Theorie  der  Eiszeiten. 

Von  E.  Kayser  in  Marburg  (Hessen). 

In  einer  Besprechung 2 meiner  ablehnenden  Kritik :i  seiner 
Erklärung  der  Eiszeiten , die  er  bekanntlich  auf  Schwankungen 
im  Kohlensäuregehalt  der  Atmosphäre  zurnckführen  will , erklärt 
Herr  Arrhenius  (a.  a.  0.  p.  491),  auf  künftige  Äußerungen  von  mir 
über  diesen  Gegenstand  nicht  weiter  eingehen  zu  wollen.  Er  hatte 
damals  eine  historische  Darstellung  der  Arbeiten  über  die  Frage 
der  Absorption  durch  C02  gegeben,  die  ganz  schief  uud  einseitig 
war  und  die  neuesten  Arbeitsergebnisse  von  Erl.  v.  Bahr  in  bezug 
auf  seine  Theorie  vollständig  verschwieg.  Ich  habe  daraufhin  in 
einer  kurzen  Notiz4 5  das  Urteil  der  genannten  Forscherin  wieder- 
gegeben und  gleichzeitig  ausgesprochen , daß  ohue  neue  experi- 
mentelle Untersuchungen  die  Frage  nicht  weiter  zu  diskutieren  sei. 

Nun  hat  Herr  Arrhenius  sich  trotzdem  von  neuem  gegen 
mich  gewandt 3,  indem  er  wieder  eine  unvollständige  und  irre- 
leitende  Darstellung  der  experimentellen  Ergebnisse  gibt  und  aber- 
mals inzwischen  erschienene  Arbeiten  völlig  verschweigt.  Dies 
veranlaßt  mich,  ihm  mit  einigen  Worten  zu  erwidern. 

Die  geschichtliche  Entwicklung  der  Frage  ist  die  folgende6: 
Nachdem  Arrhenius  seine  Theorie  auf  Grund  falscher  Berechnungen 
nach  Versuchen  von  Langlev  anfgestellt  und  das  Ergebnis  erhalten 
hatte,  daß  ein  Sinken  des  atmosphärischen  Kohlensäuregehaltes 


1 Die  Leser  sind  über  diesen  Gegenstand  wohl  nunmehr  so  voll- 
ständig unterrichtet,  daß  hiemit  die  Diskussion  geschlossen  werden  kann. 

Die  Eed. 

2 Sv.  Arrhenius,  Die  physikalischen  Grundlagen  der  Kohlensäure- 
theorie der  Klimaveränderungen.  Dies.  Centralbl.  1909.  p.  481. 

3 E.  Kayser,  Zur  ARRHEXirs-FRECH'schen  Kohlensäure-Hypothese. 
Ebenda  1908.  p.  553. 

4 E.  Kayser.  Entgegnung  an  Herrn  Arrhenius.  Ebenda  1909.  p.  660. 

5 Sv.  Arrhenius  , Widerlegung  der  physikalischen  Einwände  gegen 
die  Kohlensäuretheorie.  Ebenda  1913.  p.  582. 

6 Die  nachstehenden  Ausführungen  beruhen  auf  Mitteilungen,  die  ich 
der  Freundlichkeit  meines  Bruders.  Prof.  Heinr.  Kayser  in  Bonn,  verdanke. 

49 


Centralblatt  f.  Mineralogie  etc.  1913. 


770 


E.  Kayser, 


auf  etwa  50%  eine  Eiszeit  hervorrufen  würde,  zeigte  Ängstköm1, 
daß  man  die  Dicke  der  C 02-Schicht  auf  etwa  20  % verringern 
könne , ehe  die  Schicht  merklich  weniger  absorbiere.  Darauf 
machte  Arrhenius  2 seinerseits  Versuche,  bei  denen  er  aber  nicht 
die  Schichtdicke , sondern  den  Druck  vermehrte , indem  er  ohne 
weiteres  das  BEER’sclie  Gesetz  als  gültig  annalnn.  Angstköm  3 und 
J.  Koch  4 wiesen  aber  dann  nach , daß  dieses  Gesetz  hier  nicht 
gilt,  daß  vermehrter  Druck  in  der  Tat  die  Absorption  vermehrt, 
wo  vermehrte  Dicke  der  Schicht  wirkungslos  ist.  Auch  Schäfer  5 6 
erhielt  dies  Ergebnis.  Dann  fanden  Ängström  und  Frl.  v.  Bahr  i:, 
daß  es  nicht  auf  den  Partialdruck,  sondern  auf  den  Gesamtdruck 
aukomme.  In  der  Atmosphäre  aber  bleibt  der  Gesamtdruck  an 
jeder  Stelle  unverändert,  die  Versuche  von  Arrhenius  mit  vermehr- 
tem Druck  kommen  also  für  die  atmosphärischen  Erscheinungen  nicht 
in  Betracht.  Alle  bisher  genannten  experimentell  arbeitenden  Phy- 
siker haben  daher  die  ARRHExuis’sche  Eiszeithypothese  abgelehnt. 

Des  weiteren  haben  dann  Kubens  und  Ladenburg  7 mit  Recht 
auf  ein  Versehen  in  den  bisherigen  Überlegungen  hingewiesen:  es 
sind  immer  die  kurzwelligen  Absorptionsbanden  bei  2 und  4 ft 
untersucht  worden.  Für  die  Strahlung  der  Erde  aber  kommen  bei 
ihrer  niedrigen  Temperatur  nicht  diese  kurzen  Wellen  in  Betracht, 
sondern  solche  von  14,7  it.  wo  die  C02  auch  ein  Absorptionsbaud 
besitzt.  Das  Verhalten  dieses  Bandes  gegen  Druck  ist  also  zu 
untersuchen.  Rubens  glaubte  zu  linden,  daß  es  sich  etwas  anders 
verhalte  als  die  übrigen,  und  sagt,  daß  zwar  auch  nach  seinen 
und  Ladenburg’s  Versuchen  die  0 02-Theorie  unhaltbar  sei,  daß 
aber  ihre  Ergebnisse  immerhin  für  diese  Theorie  etwas  günstiger 
seien  (dies  gibt  Herr  Arrhenius  in  seiner  neuesten  Veröffentlichung 
als  Widerlegung  von  Schäfer  durch  Rubens  aus !). 

Es  folgte  dann  die  ausführliche  schon  erwähnte  Arbeit  von 
E.  v.  Bahr,  in  der  diese  Forscherin  den  Einfluß  von  Partial-  und 
Gesamtdruck  genauer  untersuchte  und  die  Vermutung  aussprach, 
daß  sicli  die  Bande  14,7  genau  so  verhalte  wie  die  kurzwelligen, 
und  daß  dadurch  die  Arrhenius’scIic  Theorie  noch  weiter  an 
Wahrscheinlichkeit  verliere.  Diese  Vermutung  ist  inzwischen  durch 
eine  Arbeit  von  Hertz  8 , die  bei  Rubens  ausgeführt  worden  ist, 

1 Ängström,  Ann.  d.  Pliys.  (4.)  3.  p.  720.  1900. 

- Sv.  Arrhenius,  Ann.  d.  Phys.  (4.)  4.  p.  690.  1901. 

3 Ängström,  Öfvers.  K.  Vet.  Ak.  Förh.  1901.  p.  371,  381.  — Ann.  d. 
Phys.  (4.)  6.  p.  163.  1901. 

4 Koch,  (ifvers.  K.  Vet.  Ak.  Förh.  1901.  p.  475. 

s Cl.  Schäfer,  Habil. -Sehr.  Breslau  1903. 

6 E.  v.  Bahr,  Dissert.  Upsala  1908.  Im  Auszug  Ann.  d.  Phys.  (9.) 
29.  p.  617.  1911. 

7 Rubens  und  Ladenburg,  Verh.  physik.  Ges.  7.  p.  170.  1905. 

s Hertz,  Dissert.  Berlin  1911.  Verh.  physik.  Ges.  13.  p.  617.  1911. 


Ueber  die  Arrlienius'sche  Theorie  der  Eiszeiten. 


771 


vollkommen  bestätigt  worden,  so  daß  auch  Hertz  schließt:  „Diese 
Tatsache  ist  für  die  ARiniENius’sche  Theorie  sehr  ungünstig,  wie 
schon  E.  v.  Bahk  bemerkt  hat“.  In  der  Tat  ist  durch  diese  Arbeit 
die  letzte  Möglichkeit  zur  Verteidigung  der  ARRHENius’schen 
Theorie  gefallen. 

Nun  führt  Herr  Arrhenius  zwei  Arbeiten  als  günstig  für 
sich  au : von  Eckholm  und  von  Angström.  Die  Veröffentlichung 
von  Eckholm  1 enthält  keinerlei  Versuche,  sondern  nur  Rechnungen, 
und  sagt  bei  der  Unsicherheit  derartiger  Rechnungen,  für  welche 
eine  Menge  von  Grundlagen  fehlen , gar  nichts  aus , zumal  sie 
vor  all  den  neueren  Arbeiten  geschrieben  ist.  Die  Arbeit  von 
Angström  2 aber  ist  eine  Anzeige  der  von  E.  v.  Bahr  weiter  aus- 
gearbeiteten Entdeckung,  daß  nicht  der  Partialdruck,  sondern  der 
Gesamtdruck  für  die  Absorption  maßgebend  sei.  Durch  sie  wird 
also  der  Widerspruch  gegen  Arrhenius  bedeutend  verschärft,  und 
es  ist,  gelinde  gesagt,  unverständlich,  wie  Herr  Arrhenius  diese 
Arbeit  als  Widerlegung  Koch’s  und  als  Stütze  für  sich  anführen  kann. 

Damit  sind  alle  auf  diese  Frage  bezüglichen  Arbeiten  er- 
wähnt, und  ich  kann  nur  wiederholen,  daß  alle  diejenigen,  die 
sich  experimentell  mit  der  Absorption  durch  CO.,  beschäftigt  haben, 
die  Theorie  von  Arrhenius  für  gänzlich  unzureichend  erklären. 
Wenn  daher  Herr  Arrhenius  seinen  letzten  Aufsatz  mit  den  Worten 
schließt:  „die  Streitfrage  dürfte  wohl  damit  erledigt  sein“,  so  kann 
ich  ihm  nur  zustimmen;  aber  sie  ist  gegen  ihn  erledigt,  nicht  für  ihn. 

Um  allen  etwaigen  Mißdeutungen  zuvorzukommen,  möchte  ich 
noch  bemerken,  daß  natürlich  nie  bestritten  worden  ist,  daß  eine 
sehr  erhebliche  Abnahme  des  C02  in  der  Atmosphäre  einen  Ein- 
fluß  auf  die  Temperatur  der  Erde  ausüben  müßte;  aber  eine 
Halbierung  oder  Verdoppelung  des  jetzt  vorhandenen  Betrages 
würden  wirkungslos  bleiben.  Eine  Abnahme  auf  10  oder  20%, 
wie  sie  zu  einer  für  die  Eiszeiten  nötigen  Abkühlung  erforderlich 
wäre,  ist  aber  so  außerordentlich  unwahrscheinlich,  daß  damit  die 
Hypothese  von  Arrhenius  eben  zusammenfällt. 

Wenn  Herr  Arrhenius  in  seinem  Aufsatz  bemerkt,  ich  hätte 
„offenbar  gemeint“,  daß  seine  Theorie  ganz  ausgezeichnet  mit  den 
geologischen  Ergebnissen  übereinstimme,  so  hat  er  entweder  meine 
Bücher  nicht  gelesen  oder  er  erlaubt  sich  einen  schlecht  an- 
gebrachten Scherz.  Habe  ich  doch  gerade  umgekehrt  — ähnlich 
wie  die  Herren  Gregory,  Koken,  E.  Philipui  u.  a.  — eingehend 
ausgeführt,  daß  die  geologischen  Erfahrungen  der  C 02- Hypothese 
ebensowenig  das  Wort  reden  wie  die  physikalischen  Tatsachen 3. 

Marburg,  Ende  September  1913. 

1 Eckholm,  Meteorol.  Zeitschr.  19.  1.  p.  189.  1902. 

2 Angström,  Ark.  f.  Mat.  Astron.  och  Fys.  4.  No.  30.  1908. 

3 E.  Kayser,  Lehrb.  d.  allgem.  Geol.  4.  Aufl.  p.  81.  1912. 


49* 


772 


M.  Weber, 


Beispiele  von  Primärschieferung  innerhalb  der  böhmischen 

Masse. 

Von  Maximilian  Weber  in  München. 

Mit  2 Textfiguren. 

Auf  zweifache  Weise  wird  bekanntlich  die  Entstehung  der 
Schieferung  und  der  oftmals  damit  zusammenfallenden  Bankung  oder 
Tafelstruktur  bei  den  Eruptivgesteinen  erklärt:  einmal  auf  sekun- 
därem Wege  durch  einseitigen  Gebirgsdruck  iufolge  Auflagerung 
jüngerer  Sedimente  oder  von  überschobenen  Schollen.  Diese  Art  der 
Schieferung  muß  natürlich  unbekümmert  um  die  wechselnde  petro- 
graphische  Beschaffenheit  und  die  Grenzen  der  einzelnen  Gesteins- 
bezirke gleichsinnig  durch  das  gepreßte  Areal  hindurchsetzen,  solange 
die  Druckrichtung  sich  nicht  ändert.  So  zeigte  Baltzer  (Vierteljahrs- 
Sehr.  Naturforsch. -Ges.  Zürich  1900),  daß  die  Plattung  mancher  al- 
piner Gneismassive  sich  als  Schieferung  auch  in  angrenzende  Sedi- 
meutzonen  fortsetze  und  dann  deren  Schichtung  unter  großem  Winkel 
durchschneide.  A.  Heim  hat  im  Tessinmassiv  bei  Dazio  grande 
ein  Zusammenfällen  der  Plattenfngen  des  Gneises  mit  weithin 
verfolgbaren  Schubflächen  des  Gebirges  beobachtet,  so  daß  die 
Tafelstruktur  sich  dort  in  aller  Deutlichkeit  als  ein  Ergebnis  späterer 
dynamischer  Vorgänge  zu  erkennen  gibt  (cit.  n.  E.  Kayser, 
Geologie  II). 

In  anderen  Fällen,  wie  bei  den  laurentischen  Gneisen  des 
Eainy  lake  in  Canada , den  von  Högbom  beschriebenen  (Bull. 
Geol.  Inst.  Upsala.  Vol.  X)  Dioriten  von  Ornö  und  zahlreichen 
Anorthositen,  pflegen  bei  einiger  Dicke  nur  die  inneren  Teile  solcher 
Gueiskerne  aus  richtungslos  körnigem  Gesteine  zu  bestehen;  nach 
den  Rändern  zu  entwickelt  sich  eine  allmählich  immer  stärker 
werdende  plaue  Parallelstruktur  und  Schieferung,  deren  Fallen  und 
Streichen  überall  der  äußeren  Umgrenzung  der  Intrusivmasse, 
d.  h.  der  Berührungsfläche  des  Gneises  mit  dem  Sedimentmantel 
entspricht.  Dieses  Verhalten  scheint  nur  die  Deutung  zuzulassen, 
daß  bei  diesen  r Gneisen“  Parallelstruktur,  Schieferung  und  Bankung 
sich  schon  während  der  Erstarrung  ausgebildet  haben,  wahrscheinlich 
unter  dem  Einflüsse  des  von  der  Intrusivmasse  selbst  ausgehenden 
Druckes.  Hier  also  würde  die  Schieferung  etwas  Ursprüngliches  — 
Primärschieferung  — sein. 

Ob  in  letzterem  Falle  stets  die  von  Weinschenk  als  Piezo- 
kristallisation  zusammengefaßten  Begleiterscheinungen  eintreten 
müssen,  die  er,  wohl  in  Anlehnung  an  L.  v.  Bitch’s  Anschauungen, 
als  primäre,  statt  wie  die  meisten  übrigen  Petrographen  als  sekundäre 
Phänomene  erklärt,  ist  eine  sehr  zweifelhafte  Sache. 

Unter  dem  vielfach  herrschenden  Einflüsse  der  Lehre  von  der 
Dynamometamorphose  hat  man  nun.  scheint  mir,  die  primäre  Schiefe- 
rung ziemlich  in  den  Hintergrund  gestellt  zugunsten  der  sekundären. 


Beispiele  von  Primärscbieferung  etc. 


773 


Rosenbusch  erklärt  alle  untersuchten  Gneise  als  dynamoinetamorph 
veränderte  Eruptivgesteine  oder  Sedimente.  Sauer  hegte  früher 
die  gleiche  Ansicht,  bis  er  durch  das  Studium  des  Durbachgranites 
sich  von  dessen  primär  fluidaler  Natur  überzeugte  und  diese  Über- 
zeugung dann  auch  auf  die  ganzen  Schapbachgneise  des  Schwarz- 
waldes übertrug,  welche  auch  Schwenkel  so  auffaßt  (Min.-petr. 
Mitt.  1912).  Van  Hise,  Becke  und  Grubenmann  haben  teilweise 
in  Gegensatz  zu  anderen  Geologen,  welche  die  kristallinen  Schiefer 
einfach  als  umgewandelte  Eruptiv-  oder  Sedimentärgesteine  auffassen 
und  damit  gewissermaßen  diese  Gruppe  aufteilen,  wie  Joh.  Walter 
(Kongr.  Petersburg  1897),  neuerdings  ihre  Selbständigkeit  betont 
und  auf  Grund  der  chemischen  und  mineralogischen  Zusammen- 
setzung sowie  der  eigentümlichen  Struktur  eine  detaillierte  Syste- 
matik der  kristallinen  Schiefer  aufgestellt , die  in  ihre  Tiefen- 
stufe auch  alles  mit  hineinbezog,  was  man  bis  dahin  ausschließlich 
als  Produkt  der  Tiefengesteinskontakte  angesehen  hatte. 

So  kamen  die  Ansichten  über  größere  Verbreitung  von  primärer 
Schieferung,  wenn  mau  von  der  gegenwärtig  stark  herangezogenen 
Injektionsaderung  absieht,  immer  mehr  ins  Hintertreffen,  und  wo 
man  solche  zu  finden  glaubte,  ergaben  meist  die  weiteren  Unter- 
suchungen, daß  die  Deutungen  nicht  einwandfrei  waren.  So  ging 
es  mit  den  schieferigen  Ganggraniten  von  Großgerau  im  Odenwald: 
Futterer  sah  sie  als  kataklastisch  an,  Sauer  und  Klemm  betrachten 
sie  als  protoklastisch  (Rosenbusch  Phys.  II.  1). 

Ähnlich  steht  es  mit  gewissen  gneisartigeu  Gängen  im  Böhmer- 
walde  : die  Parallelstruktur  längs  des  Salbandes  sieht  primär  aus, 
ist  aber  meist  sicher  sekundär,  z.  B.  an  der  Eisenbahnbrücke  bei 
Penting  in  der  Oberpfalz,  im  Bereiche  der  Pfahlverwerfung. 

Derartige  Vorkommen  lassen  ihre  Entstehung  oft  nicht  ein- 
deutig erkennen , weil  sie  gewissermassen  nur  Narbensubstanz 
innerhalb  der  Gesteinsklüfte  darstellen,  die  gelegentlich  wieder 
nachträglich  verändert  werden  konnte,  wenn  auf  den  alten  Kluft- 
flächen neuerlich  tektonische  Bewegungen  einsetzten.  Die  sich 
dann  herausbildende  Kataklase  ist  schwer  von  während  der  Er- 
starrung eingetretener  Protoklase  zu  unterscheiden,  und  so  kommt 
es,  daß  letztere  von  manchen  Petrographen  (Rosenbusch,  Berg) 
überhaupt  geleugnet  wird.  Erfolgte  etwa  auch  noch  Ausheilung 
durch  Kristallisationsschieferung,  so  ist  die  Unterscheidung  meistens 
erst  recht  unmöglich. 

Günstiger  liegen  die  Verhältnisse  an  den,  wie  es  scheint, 
wenigen  Stellen,  wo  es  nicht  zur  Verwischung  der  ursprünglichen 
Struktur  gekommen  ist,  oder  wo  der  geologische  Zusammenhang 
nur  eine  Möglichkeit  der  Deutung  offen  läßt. 

Hier  wären  zu  erwähnen  die  von  Gäbert  (Zeitschr.  d.  deutsch, 
geol.  Ges.  1908)  geschilderten  gewundenen  Granitaplitgänge  von  der 
Riesenburg  im  Erzgebirge  und  die  von  Klemm  (Notizbl.  Ver.  für 


774 


M.  Weber, 


Erdk.  1909)  beschriebenen  Gänge  im  gleichfalls  nicht  gefalteten 
Hornfelse  im  Odenwalde.  Hielier  gehören  auch  die  von  Sauek  (Compt. 
rend.  1903)  besprochenen  und  abgebildeten  gewundenen  Granitgänge 
im  nicht  gefalteten  Sedimeutgneise  des  Schwarzwaldes,  die  Sauer  als 
ein  Strukturproblem  bezeichnet.  Schon  an  der  Riesenburg  kam  ich 
gelegentlich  der  damaligen  Exkursion  der  Deutschen  Geologischen 
Gesellschaft  zu  der  Ansicht,  mit  welcher  ich  allerdings  gar  keine 
Beachtung  fand,  daß  es  sich  hier  um  nichts  anderes  handeln  könne,  als 
um  ausgefüllte,  durch  Zerrung  entstandene  Risse  im  Nebengesteine, 
wenn  dieses  dünnbankig  und  zähe  ist,  wobei  die  Rißflächen 
natürlich  nicht  eben,  sondern  stark  aus  und  eingebuchtet  sein  müssen  ; 
jeder  Einbuchtung  auf  einem  Flügel  muß  eine  Ausbuchtung  auf 
dem  gegenüberliegenden  entsprechen.  In  diese  gewundenen  Klüfte 
drang  dann  das  eruptive  Material,  vielleicht  weniger  von  unten 
als  von  der  Seite  her  und  veranlagte  so  die  Bildung  stark 
gewundener,  oft  primär  schieferiger  Eruptivgänge  im  nicht  gefalteten 
Sedimente.  Die  im  Schwarzwald  beobachteten  Anhäufungen  von 
Glimmer  und  das  Zurücktreten  des  Feldspates  an  den  Berührungs- 
flächen sind  reine  Kontakterscheinungen,  wie  sie  in  ganz  ähnlicher 
Ausbildung  von  Erdmaxnsdörffer  (Jalirb.  pr.  geol.  L.-A.  1911. 32) 
vom  Ramberg  im  Harz  beschrieben  wurden. 

Auch  S.  Sederholm  tritt  in  einer  eben  erschienenen  Notiz 
(Über  ptygmatische Faltungen , N.  Jalirb.  f.  Min.  etc.  Beil.-Bd.  XXXVI) 
dafür  ein,  daß  derartige  Adern  im  Magmazustande  vor  der  Erstarrung 
gefaltet  wurden.  Bei  größerer  Kompliziertheit  der  Aderwindungen 
reicht  allerdings  die  Erklärung  durch  Eindringen  des  Schmelz* 
flusses  in  zackige  Risse  allein  nicht  hin,  daher  nimmt  Sederholm 
weitere  Bewegungen  des  Nebengesteins  an,  wobei  dieses  eine  starke 
Plastizität  in  unmittelbarer  Umgebung  der  Adern  gehabt  haben 
müsse. 

Gelegentlich  eiuer  zu  Pfingsten  1912  im  südlichen  Teil  des 
böhmischen  Urgebirgsmassives  ausgeführten  Orientierungstour  be- 
suchte ich  auch  das  durch  Becke’s  Beschreibung  (Min.  u.  petr. 
Mitt.  IV,  ferner  Exkurs.-Fiihrer-1903)  bekannt  gewordene  Kamp- 
tal und  darin  auch  den  sogenannten  T-Gang  gegenüber  der 
Ortschaft  Stallegg.  Becke  schreibt  von  diesem  Granitgang:  „er 
steigt  in  den  Amphiboliten  als  Quergang  auf  und  drängt  sich  in 
Gestalt  eines  schiefen  T nahezu , aber  nicht  völlig  konkordant 
zwischen  die  Amphibolitplatten.  Der  aufsteigende  Teil  hat  ein 
deutlich  pegmatitisches  Salband , der  lagerartige  zeigt  eine 
schlierige  Struktur.  Das  Gestein  unterscheidet  sich  mineralogisch 
nur  wenig  von  den  in  großen  Massen  auftretenden  Granitgneisen 
und  gleicht  ihnen  vollkommen  in  der  kristalloblastischen  Struktur ; 
namentlich  fehlt  jede  Andeutung  einer  Erstarrungsfolge. K 

Daraus  scheint  mir  Becke's  Auffassung  dahin  zu  gehen,  daß 


Beispiele  von  Primärschieferung  etc. 


775 

der  Granitgang  natürlich  jünger  ist  als  die  umgebenden  Amphi- 
bolite,  daß  er  aber  gleichfalls  später,  d.  h.  nach  der  Erstarrung, 
in  Gneis  umgewandelt  wurde,  worauf  besonders  die  kristalloblastische 
Ausbildung  und  das  Fehlen  jeder  Andeutung  einer  Erstarrungsfolge 
hindeuten  sollen. 

Ich  fand  die  Verhältnisse  ungefähr  so,  wie  die  beifolgende 
Skizze  zeigt  (Fig.  1). 


Das  auffallendste  dabei  ist  die  mangelnde  Konkordanz  mit 
den  Amphibolitplatten.  Vielmehr  geht  die  Schieferung  oder  die 
schlierige  Struktur,  wie  Becke  sie  nennt,  im  oberen  Teile  der 
T-Figur  genau  parallel  der  Begrenzung  des  Risses,  in  welchen  das 
aufdringende  Magma  einzog. 

Es  kann  daher  unmöglich  die  infolge  Verwitterung  sehr  deutlich 
hervortretende  parallele  Anordnung  im  Granite  und  damit  die  von 
Becke  so  sehr  betonte  kristalloblastische  Struktur  hier  dem  gleichen 
Vorgänge  ihre  Entstehung  verdanken , wie  die  Ausbildung  der 
Amphibolitsckiefer  selbst,  weil  ein  großer  auswalzender  Druck 
unbeirrt  durch  die  Umgrenzung  des  Granitganges  auch  durch 
diesen  hätte  gleichsinnig  und  gleichgerichtet  hindnrcligehen  müssen. 
Also  ist  der  T-förmige  Granitgang  jünger  nicht  bloß  als  das 
Sediment  (oder  auch  Eruptivgestein),  das  sich  nachträglich  in 
Amphibolit  umwandelte,  sondern  unbedingt  jünger  auch  als  dieser 
Umwandlnngsprozeß  selbst.  Denn  abgesehen  von  der  mangelnden 
Konkordanz  hätte  dann  auch  der  .Stil  des  Ganges  infolge  der  all- 
gemeinen Druckverkürzung  von  obenlier  eine  parallele  Struktur 
annehmen  müssen,  ähnlich  wie  die  Aplite  am  Gotthard  (Grubenmann, 
Krist.  Schiefer,  p.  17),  wovon  aber  nichts  zu  sehen  ist.  Auch 
kann  die  Schieferung  des  oberen  mehr  wagerechten  Teiles  der 
Granitmasse  unmöglich  etwa  einem  späteren  Drucke  mit  etwas 
veränderter  Richtung  zugeschriebeu  werden,  weil  die  umgebenden 
Amphibolite  keine  Spur  einer  derartigen  zweiten  transversalen 
Schieferung  erkennen  lassen. 


776 


M.  Weber, 


Es  müssen  liier  also  die  lagenförmige  Anordnung  der  Gemeng- 
teile und  die  kristalloblastische  Struktur  gleich  schon  beim  Auf- 
dringen des  Granites  entstanden  sein  durch  Anpressen  des  oberen 
Teiles,  der  die  Querspalte  ausfiillte,  an  die  Ränder  des  Neben- 
gesteines, während  der  senkrechte  Teil  des  Granitganges,  der  nicht 
geschiefert  ist  und  seitlich  deutlich  pegmatitische  Salbänder  hat, 
der  Übermittler  des  Druckes  von  unten  her  war,  in  welchem  aber 
der  einseitige  bereits  in  den  allgemeinen  hydrostatischen  Druck 
sich  umsetzte1. 

Die  Struktur  ist  echt  kristalloblastisch,  wie  ein  so  kom- 
petenter Forscher  wie  Becke  scharf  betont ; also  erhellt  aus  den 
geologischen  Verbands  Verhältnissen  auch  hier,  wie  beim  Ornöit, 
daß  echt  primärschieferige  Eruptivgesteine  gleichfalls 
die  typische  kristalloblastische  Struktur  auf  weisen 
können,  die  man  bisher  nur  für  Gesteine  kannte,  welche  eine  nach- 
trägliche Umbildung  zu  kristallinen  Schiefern  erfahren  haben. 

So  liefert  der  T-Gang  im  Kamptale  des  Niederösterreichischen 
Wald  Viertels  wiederum  eine  bejah  ende  Lösung  auf  die  Frage,  der, 
wie  Milch  (Die  heut.  Ans.  üb.  Wesen  u.  Entstehg.  d.  krist.  Schiefer. 
Geol.  Rundscli.  Bd.  l)  mit  Recht  hervorhebt,  grundsätzliche 
Bedeutung  für  die  Auffassung  der  kristallinen  Schiefer  zukommt, 
nämlich  ob  Gesteine  mit  der  als  kristalloblastisch 
bezeichneten  Struktur  der  kristallinen  Schiefer 
direkt  aus  Schmelzfluß  auskristallisieren  können. 

Es  ist  das  wirklich  eine  Art  abgeschlossener  Piezokristallisation, 
aber  ohne  die  weiteren  Extravaganzen  der  WErascHENK’schen 
Theorie,  besonders  daß  der  größere  Wassergehalt  zur  Bildung 
hydroxylreicher  Mineralien  schon  bei  der  Erstarrung  führen  müsse. 
Letzteres  betrachte  ich  mit  Becke  als  nachträgliche  Bildung 
diaphthoritischeu  Charakters. 

Becke  hat  sich  nun  aus  den  Verhältnissen,  die  er  am  zen- 
tralen Tauerngneis  fand,  die  Ansicht  gebildet,  daß  dort  die  kristallo- 
blastische Struktur  entstanden  sei  durch  den  Gehalt  an  juvenilem 
Wasser  und  Mineralisatoren  ohne  zwischenliegende  dynamische 
Phänomene,  wenn  in  der  Entwicklung  des  Intrusivgesteins  die 
Kristallisationsmetamorphose  unmittelbar  auf  die  magmatische  Er- 
starrungsphase folge. 

1 Fr.  Reinhold  (Pegmatit-  und  Aplitadern  aus  den  Liegendschiefern 
des  Gföhlergneises  etc.  Min.-petr.  Mitt.  29.  1910)  hat,  wie  ich  sehe,  sich 
gleichfalls  mit  dem  T-Gang  beschäftigt.  Er  nennt  das  Gestein  einen 
Üuidalen  Aplit;  seine  Struktur  sei  die  der  Aplite,  also  „von  der  grano- 
blastischen  der  kristallinen  Schiefer  nicht  zu  unterscheiden“. 
Somit  wird  ohne  weiteres  der  primäre  Charakter  der  Textur  und  Struktur 
zugegeben;  die  ßECKE’sche  Benennung  „kristalloblastisch“  wäre  dann  über- 
flüssig und  sogar  irreführend.  Die  structure  granulitique  der  Aplite  zeigt 
allerdings  keine  normale  Ausscheidungsfolge. 


Beispiele  von  Primärschieferung  etc. 


777 


Am  T-Gang  ist  nun  nirgends  eine  Spur  von  einer  Einwirkung 
zu  erkennen,  welche  etwa  eine  Druckumkristallisation  nach  statt- 
gehabter Erstarrung  hätte  hervorbringen  können.  Zunächst  könnte 
sicli  ja  wohl  die  offene  Kluft  in  den  Amphiboliten  nach  der  Intrusion 
etwas  zusammengezogen  und  so  den  Gang  gepreßt  haben.  Das 
ist  aber  sehr  unwahrscheinlich,  weil  der  untere  Teil  mit  seinen 
pegmatitischen  Salbändern  keine  Andeutung  einer  Spaltenkontraktion 
erkennen  läßt,  die  sich  bei  den  geringen  Ausmaßen  der  Spalte 
doch  sicher  wenigstens  bis  dahin  erstrecken  mußte.  Aber  es  trägt 
sich,  ob  eine  derartige  Ursache  nicht  in  der  Intrusivmasse  selbst 
gefunden  werden  könne,  etwa  in  der  Fortdauer  des  Intrusions- 
druckes während  oder  nacli  der  Erstarrung  der  äußeren  Teile, 
ähnlich  wie  Högbom  und  Becke  annehmen.  Auch  diese  Ansicht 
ist  nicht  stichhaltig,  weil  der  Übergang  des  schieferigen  Teiles 
in  den  körnigen  Stiel  ganz  unmerklich  erfolgt,  ja  die  Schieferung 
noch  bis  in  den  Stiel  etwas  herabreicht.  Hätte  ferner  die  Kristalli- 
sationsmetamorphose durch  späteren  Intrusionsdruck  erst  nach  der 
Erstarrung  der  älteren  mehr  rundlichen  Partien  eingesetzt , so 
wäre  bei  der  reichlich  langen  Zeit,  die  ein  Tiefengestein  zu  seiner 
Abkühlung  und  Erstarrung  brauchen  muß,  kaum  denkbar,  daß  eine 
spätere  pressende  Nachschubmasse  sich  nicht  durch  anderes  Korn 
oder  andere  Farbe  mit  deutlicher  Grenze  von  dem  ersten  Körper 
abheben  würde,  wie  man  das  bei  derlei  Nachschüben  doch  immer 
beobachtet.  In  der  uiiaufgeschlossenen  Tiefe  kann  ein  derartiger 
späterer  Intrusionspfropf  ebensowenig  verborgen  liegen,  denn  die 
pegmatitischen  Salbänder  des  Stieles  mit  dem  grobkristallinen  Gefüge 
und  der  bekannten  Neigung  zu  miarolitischer  Ausbildung  hätten 
sicherlich  sofort  empfindlich  darauf  reagiert. 

Daher  kann  die  Bildung  des  T-Ganges  mit  seiner  kristallo- 
blastischen  Struktur  nur  als  zeitlich  ein  heitlicherVor  gang 
aufgefaßt  werden,  und  die  eigentümliche  Struktur  muß  sofort 
bei  der  Erstarrung  sich  herausgebildet  haben. 

Darin  stimme  ich  also  Weinschenk  und  Högbom  bei,  während 
für  Becke’s  Annahme  sich  hier  gar  kein  Symptom  finden  läßt. 

Solche  primär  druckschieferige  und  kristalloblastisch  struierte 
Gesteine  wird  man  am  besten  besonders  bezeichnen ; nachdem  der 
Name  piezokristallin  etwas  anderes  besagt,  wäre  etwa  „protero- 
blas tisch“  zu  wählen,  ein  Ausdruck,  der  mir  bestimmter  scheint 
als  Högbom’s  Bezeichnung  protomorph.  weil  er  das  zeitliche  und 
genetische  Moment  dieser  Struktur  sofort  erkennen  läßt. 

Die  Ursache  aber  der  Ausbildung  von  Proteroblastese  muß 
eine  eigentümliche  sein.  Erhöhter  Druck,  wie  er  für  die  Dynamo- 
metamorphose klastischer  Gesteine  eine  so  große  Rolle  spielt,  und 
wie  ihn  Weinschenk  für  seine  Piezokristallisation  so  stark  heran- 
zieht, kann  nur  für  die  Schieferung,  schwerlich  für  die  Struktur 
als  Hauptfaktor  in  Frage  kommen , weil,  wie  Vogt  (Min.-petr. 


778 


51.  Weber, 


Mitt.  27)  betont  hat,  steigender  Druck  die  Ausscheidungsfolge  in 
einem  Schmelzflüsse  nicht  wesentlich  zu  ändern  vermag.  Die 
primärschieferigen  Schapbachgneise  des  Schwavzwaldes , die  nach 
Schwenkei.  (1.  c.)  trotz  der  Paralleltextur  eine  Eruptivgesteins- 
struktur mit  der  normalen  Ausscheidungsfolge  der  granitischen 
Gesteine  aufweisen,  liefern  dafür  ein  neues  Beispiel  aus  dem  Felde. 
Es  muß  also  ein  anderer  Grund  existieren,  und  auch  hiefiir  scheint 
mir  der  T-Gang  eine  Lösung  zu  bieten.  Wenn  man  nämlich  dessen 
ganzen  Habitus  ins  Auge  faßt,  so  kann  man  schwerlich  im 
Zweifel  sein,  daß  das  Aufdringen  des  Schmelzflusses  nicht  zur  Zeit 
seiner  größten  Hitze  und  Beweglichkeit,  sondern  schon  in  einem 
mehr  abgekühlten  Stadium  mit  teigartiger  Konsistenz  erfolgte ; die 
vergrößerte  innere  Reibung  mußte  aber  dann  die 
normale  Zirkulation  der  i u e i n a n d e r g e 1 ö s t e n Silikat- 
teilchen erschweren,  und  so  konnte  leicht  ein  Zu- 
stand ein  treten  ähnlich  wie  bei  der  Dynamometa- 
morphose, wo  ja  die  starren  Mineralien  in  ihrer 
Reaktionsfähigkeit  aufeinander  äußerst  behindert 
sind.  Außerdem  werden  bei  sehr  rascher  Abkühlung 
wahrscheinlich  die  viskoseren  Mineralien  Quarz  und 
Feld  späte  vor  der  Zeit  aus  kristallisieren. 

Darin  also  würde  sich  diese  Ansicht  von  der  Bildung  der 
Proteroblastese  von  allen  übrigen  unterscheiden , daß  der  Druck, 
zumal  ein  vermehrter  Druck,  hier  höchstens  insoferne  eine  Rolle 
spielt,  als  er  außer  der  Schieferung  noch  die  Viskosität  des  Magmas 
etwas  erhöht.  Schwerlich  kann  er,  wie  Högbom  meinte,  in  neu 
aufdringenden  Massen  konzentriert , die  früher  emporgekommenen 
Teile  wörtlich  genommen  an  die  Wand  drücken  und  so  die  Aus- 
scheidungsfolge stören.  Aber  auch  die  Ansichten  von  Becke  und 
von  Weinschenk  wären,  weil  ebenfalls  wesentlich  auf  Druckwirkung 
basiert,  aufzugeben;  speziell  der  Name  Piezokristallisation  hätte 
dann  keinen  Sinn  mehr.  Natürlich  müßte  die  Proteroblastese  vor- 
herrschend auch  an  den  Rand  der  großen  Massive  gedrängt  werden, 
wenn  nicht  mehr  der  Gegendruck  von  der  fremden  Umgebung  her, 
sondern  die  zu  frühe  Abkühlung  das  ursächliche 
Moment  ausmachen  würde.  Da  aber  dann  ein  viskoses  Magma 
von  granitischer  Zusammensetzung  nur  wenig  Mineralisatoren  mehr 
enthalten  kann,  so  wären  die  Agenzien  nicht  mehr  vorhanden, 
welche  Becke  als  notwendig  zur  sekundären  Umbildung  in  An- 
spruch nimmt;  andererseits  würde  ein  Licht  darauf  geworfen, 
warum  bei  den  zentralalpinen  Graniten  die  Erscheinungen  der 
Kontaktmetamorphose  so  gering  sind,  daß  sie  von  den  Produkten 
der  regionalen  Dynamometamorphose  ganz  in  den  Hintergrund 
gedrängt  und  überdeckt  werden.  Man  sieht,  auch  der  Begriff  der 
Piezokontaktmetaraorpliose  würde  dann  hinfällig. 

Es  kann  daher  nicht  richtig  sein,  granulitische  Gesteine,  wie  ich  sie  aus 


Beispiele  von  Primärschieferung  etc. 


779 


dem  Böhmerwalde  beschrieben  habe  (Metam.  Fremdl.  Sitz.-Ber.  Ale.  Wiss. 
Miinchenl910),  zu  den  Paragneisen  zu  stellen  (Becke,  Fortschr.  Min. etc.  1911. 
p.  240)  allein  deswegen,  weil  sie  genau  die  Struktur  der  Perlgneise  wieder- 
holen sollen.  Zunächst  sind  nach  meinen  Erfahrungen  die  Perlgneise  absolut 
nicht  schlechtweg  zu  den  Paragneisen  zu  rechnen ; denn  noch  niemals  ist 
meiner  Ansicht  nach  die  Entstehung  von  Feldspäten  auf  dem  Wege  der 
Dynamometamorphose  einwandfrei  nachgewiesen  worden,  wenn  man  absieht 
von  gewissen  Albiten  im  Kalke  der  Pyrenäen  und  des  St.  Bernhard,  sowie 
von  den  albitführenden  Chloritschiefern,  die  sich  nach  Koenigxberger 
(Compt.  rend.  1910)  aus  dem  Eisenoolith  des  Doggers  im  Aarmassiv 
gebildet  haben.  Ich  stehe  da  ganz  auf  dem  Standpunkte  von  Termier, 
Barrois  und  Koenigsberger  (Compt.  rend.  1910),  daß  die  Tiefenver- 
lagerung allein  nicht  genügt,  sondern  daß  die  Nähe  von  schmelzfiiissigen 
Massen  notwendig  ist.  Die  Feldspatsubstanz,  resp.  die  Alkalien  und  Kiesel- 
säure werden  dann  dem  Sediment  als  Schmelzfluß,  in  größerer  Ent- 
fernung wohl  mehr  gasförmig  zugeführt,  und  aus  der  dadurch  erhöhten 
Reaktionsfähigkeit,  die  den  Austausch  mit  dem  Nebengestein  erleichtert, 
erklärt  sich  wohl,  daß  an  Stelle  von  Orthoklas  in  den  injizierenden  Granit- 
adern allmählich  Oligoklas  und  Andesin  treten,  wie  das  Rejnhold  (1.  c.) 
so  schön  nachgewiesen  hat.  Man  kann  sich  übrigens  hundertmal  über- 
zeugen, wie  von  einer  Eruptivmasse  erst  Gänge  und  Schlieren  und  in 
weiterer  Entfernung  schließlich  nur  mehr  einzelne  Fehlspäte  augenförmig 
in  das  metamorphe  Gestein  oder  ein  älteres  basisches  Eruptivgestein  hinein 
sich  verfolgen  lassen  (wie  auch  auf  der  Schäreninsel  Bondeskär,  Exk.  Geol. 
Kongr.  1910).  Es  liegt  meiner  Ansicht  nach  nicht  der  mindeste  Grund 
vor,  diese  Annahme  nicht  auch  auf  die  mikroskopischen  Feldspäte  der 
kristallinen  Schiefer  auszudehnen.  Das  Gegenteil  wäre  erstaunlich.  Ja, 
der  Schnitt,  den  man  willkürlich  machen  möchte,  indem  man  trotz  aller 
chemischen  Annäherung  einen  Teil  der  Feldspäte  noch  dem  Eruptivgestein) 
einen  anderen  dem  metamorphen  Sedimente,  worin  er  doch  auf  ganz 
anderem  Wege  gebildet  wäre,  zuteilen  möchte,  scheint  mir  unlogisch  und 
durch  nichts  gerechtfertigt.  In  größerer  Entfernung  dürfte  dann  auch  unter 
Mitwirkung  juvenilen  Wassers  im  infiltrierten  Nebengestein  leicht  die  von 
Becke  (Sitz  -Ber.  Lotos  1897)  nachgewiesene  gesetzmäßige  Umkehrung  in 
der  Zonenfolge  der  Plagioklase  sich  herausbilden,  wozu  ja  nach  Gruben- 
mann (Krist.  Sch.  II.  Aufl.  p.  95)  wahrscheinlich  die  spezifische  Wasser- 
löslichkeit sehr  viel,  wenn  nicht  alles,  beiträgt. 

Becke  hat  aber  auch  mein  anderes  wichtiges  Beweismittel  vollständig 
ignoriert,  daß  nämlich  dieser  „Paragneis^  nicht  nur  rundliche  Putzen, 
sondern  auch  bis  40  cm  lange  eckige  Schollen  von  dunklem  Diorit  und 
Gabbro  einschließt,  ja  gegen  einen  etwa  10  cm  dicken  Gabbroputzen 
sogar  einen  deutlichen  Biotithof  als  endogenes  Kontaktprodukt  aus- 
geschieden hat.  Das  läßt  sich  doch  nicht  einfach  so  erklären,  wie  wenn 
plastischer  Marmor  Bruchstücke  voneinander  getrennt  und  unter  Neu- 
bildung von  Mineralien  umflossen  hätte,  wie  das  F.  Süess  gefunden 
hat  (Beisp.  plast.  u.  kristallobl.  Gest.-Umformg.  Mitt.  geol.  Ges.  Wien  1909). 


780 


M.  Weber, 


Für  einen  „Gneis“  bat  das  sicher  noch  niemand  behauptet  und  so  bleibt 
nur  die  Möglichkeit  eines  eruptiven  Charakters  für  meine  Granulite  übrig.  — 
„Umkehrung  der  Ausscheidungsfolge“  möchte  Becke  bei  diesen  Granuliteu 
anscheinend  auf  kristalloblastische  Struktur  zurückführen.  Feldspat  vor 
Biotit  entwickelt  stimmt  aber  absolut  nicht  mit  der  von  ihm  selbst 
(Compt.  rend.  1903)  aufgestellten  kristalloblastischen  Reihe,  ist  darum 
auf  anderem  Wege  entstanden,  hier  hervorgerufen  durch  die  Mischung 
von  eruptivem  und  sedimentärem  Material , wobei  ersteres , weil  heißer 
oder  gasförmig,  erst  die  Kristallisation  im  Sediment  anregen  mußte,  und 
daher  auch  selbst  eher  zur  Abscheidung  gelangte.  Übrigens  fand  Sauer 
(Compt.  rend.  1903)  an  einem  Gneise  von  Annaberg  im  wesentlichen  das 
gleiche  mikroskopische  Bild,  wie  ich  an  den  Granuliten  von  Spitzberg; 
auch  er  findet,  daß  der  Feldspat  mindestensgleichzeitig  (also  wahr- 
scheinlich sogar  früher!  Verf.)  mit  den  übrigen  Gesteinsgemengteilen 
keinesfalls  später  entstanden  ist;  der  Folgerung  allerdings,  die  er  daraus 
zieht,  daß  die  so  „bequeme  Hypothese  der  Feldspatisation“  dort  aus- 
geschlossen sei,  kann  ich  mich  nicht  anschließen ; ich  finde  im  Gegenteil 
hier  eine  kräftige  Stütze  für  diese  Annahme,  weil  diese  Feldspäte  sich 
ganz  wie  Einsprenglinge  verhalten,  die  doch  immer  früher  ausgeschieden 
wurden 1.  — Es  ist  ferner  nach  dem  oben  Gesagten  nicht  einzusehen,  warum 
außer  den  Ortliogneisen  gegebenenfalls  nicht  auch  Mischgesteine  primäre 
Paralleltextur  oder  kristalloblastische  Struktur  aufweisen  können  sollten, 
wenn  im  Mengenverhältnis  das  Eruptivmaterial  genügend  Übergewicht 
hat;  zeigen  sie  doch  auch  gelegentlich  prachtvoll  die  kugelige  Absonderungs- 
form der  echten  Eruptivgesteine. 

Derartige  eindeutige,  d.  h.  genetisch  restlos  erklärbare  Auf- 
schlüsse sind  leider  sehr  selten.  Aber  sie  legen  die  Vermutung 
nahe,  daß  noch  mehr  „Orthogneise“  als  bis  jetzt  bekannt,  gleich- 
falls primär  und  nicht  sekundär  kristalloblastisch  struiert  seien. 

In  erster  Linie  wäre  hier  zu  denken  an  die  Gföhlergneise 
im  niederösterreichischen  Wald  viertel,  von  denen  Becke  sagt  (Compt. 
rend.  Stockholm  1910),  daß  ihre  Parallelstruktur  parallel  zur 
Grenzfläche  verlaufe;  es  könnte  sich  hier  ganz  gut  auch  um  um- 
laufende Parallelstruktur  handeln , wie  bei  den  Laurentischen 
Gneisen  von  Kanada.  Die  kristalloblastische  Mikrostruktur  würde 
nach  den  am  Ornöit  und  am  T-Gange  gesammelten  Erfahrungen  gar 
nichts  gegen  diese  Auffassung  beweisen. 

Ferner  wären  hier  zu  nennen  die  Granulite  von  Mähren  und 
Böhmen.  Auch  deren  Deutung  macht  den  reinen  Dynamometa- 
morphikern  Schwierigkeiten  wegen  ihrer  Auflagerung  auf  Kalken, 
Amphiboliten  und  Glimmerschiefern : liegt  ja  doch  dabei  stets  das 


1 Die  von  Klemm  (1.  c.)  abgebildeten  Mischgesteine  und  viele  mir 
bekannte  Vorkommen  aus  dem  Böhmerwalde  zeigen  das  gleiche  Verhalten 
der  Feldspäte  schon  makroskopisch  sehr  deutlich. 


Beispiele  von  Primärschieferung  etc. 


781 


höhere  Metamorphe  auf  dem  weniger  Metamorplien , also  in  um- 
gekehrter Reihenfolge. 

Gewiß  können  diese  eingelagerten  Orthögneise  auch  zusammen 
mit  den  hangenden  und  liegenden  Sedimenten  erst  nachträglich 
dem  Umdruck  in  kristalline  Schiefer  unterlegen  sein,  allein  manche 
Tatsachen  scheinen  auf  eine  primäre  Druckkristallisation  und 
Schieferung  gleich  bei  der  mise  en  place  hinzuweisen.  So  deckt 
sich  z.  B.  bei  den  Granuliten  des  Planskergebirges  die  Parallel- 
struktur nicht  mit  der  Absonderung,  worauf  schon  Hochstettek 


Fig.  2.  Granulit  vom  Schöninger berge. 

Die  Bankung  geht  horizontal,  die  Primärschieferung  mit  den  ihr  parallel 
eingelagerten  Kugeln  von  links  oben  nach  rechts  unten.  (Nat.  Größe.) 


hingewiesen  hat  (Geogu.  Stud.  üb.  d.  Böhmerwald.  Jahrb.  k.  k. 
geol.  R.-A.  1854).  Am  Leiterstein  haben  die  Absonderungs- 
spalten Streichen  0 1 5 0 S , Fallen  1 5 0 N,  dagegen  die  Parallel- 
struktur Streichen  X 15°  0 mit  Fallen  30  — 40  °W.  Hochstettek 
faßt  die  plattenförmige  Absonderung  wohl  mit  Recht  als  Andeutung 
des  Gebirgsbaues  auf,  also  als  später  gebildet  im  Verhältnis  zur 
primären,  weil  diskordant  gegen  die  Schieferung  der  umgebenden 
kristallinen  Paragesteine  abschneidenden  Parallelstruktur. 

Nun  scheint  mir  noch  e i n Umstand  ganz  besonders  für  die  primäre 
Kristallisationsschieferung  auch  dieser  Granulite  zu  sprechen.  Ich 
fand  in  der  Gegend  von  Si'in  bei  Krumau  vom  Schöningerberge 
herabgespülte  Granulitbrocken  mit  rundlichen  Kugeln  darin,  die 
längs  der  Parallelstruktur  des  Gesteines  angeordnet  liegen  (Fig.  2). 


782 


M.  Weber, 


Hochstetter  schreibt  darüber,  es  handle  sich  um  ein  pyromerid- 
artiges  Vorkommen  von  haselnuß-  bis  walnußgroßen  Kugeln 
innerhalb  des  feinkörnigen  und  streifigen  Granulites;  die  Kugeln 
bestünden  entweder  aus  reinem  Granulit  oder  aus  Quarz  oder 
Orthoklas;  in  den  Hohlwegen  nach  Kugelwaid  fänden  sich  sogar 
faustgroße  Kugeln  von  Quarz  darin. 

Lehmann  (Krist.  Schief.  1884)  hat  derartige  Kugeln  nicht 
gefunden,  wohl  aber  später  Cameri.ander  (Jahrb.  k.  k.  R.-A.  1887), 
nach  welchem  sie  aus  Sillimanit  bestehen  sollen. 

Nach  meinen  Untersuchungen  bestehen  diese  von  einer  schwachen 
Biotithülle  umgebenen  Kugeln  aus  Quarz  und  ganz  frischem  Cor- 
dierit  in  pflasterartigein  Gemenge,  die  eingeschlossen  und  besonders 
an  den  Rändern  angereichert  Sillimanitnadeln  in  Masse  führen, 
daneben  kommt  etwas  Apatit  und  Biotit  vor.  Entsprechend  einer 
schwachen  Streckung  der  Kugeln  parallel  zur  Flaserung  des  Granu- 
lites  sind  auch  die  Quarze  und  Cordierite  mit  den  Sillimaniten  in 
die  Länge  gezogen.  — Daneben  finden  sich  aber  auch  Bruchstücke 
bei  Sl'in.  in  welchen  diese  kugeligen  bis  elliptischen  Gebilde  in 
gerade  Streifen  parallel  wiederum  mit  der  Textur  des  Granulites 
ausgewalzt  sind.  Das  Mikroskop  läßt  erkennen , daß  die  näm- 
lichen Gemengteile  wie  oben  stark  in  dieser  Richtung  verlängert 
sind  und  in  einzelne  Stücke  zerbrochen,  die  mit  gezackten  Rändern 
aneinander  stoßen  und  ebenso  wie  der  umgebende  Granulit  stark 
undulöse  Auslöschung  auf  weisen,  ohne  Bildung  einer  Mörtelstruktur. 

Ob  die  letzteren  gestreckten  Partien  rein  kristalloblastischen  oder 
möglicherweise  auch  proteroblastischen  Ursprunges  sind,  läßt  sich 
nicht  entscheiden,  zumal  in  dem  mir  vorliegenden  Haudstlicke  die 
Schieferung  mit  der  Absonderung  zusammenzufallen  scheint.  Auf- 
fallend ist  und  bleibt  aber , daß  ii  b e r h a u p t kugelige  oder 
schwach  elliptische  Gebilde  in  dem  schieferigen  Granu- 
lite  an  gewissen  Stellen  erhalten  geblieben  sind,  was  doch 
unmöglich  wäre,  wenn  der  ganze  Granulit  erst  nachträglichen 
Vorgängen  seine  Schieferung  verdanken  sollte. 

Auch  diese  Erscheinung  wird  man  also  nur  zugunsten  einer 
p rimären  Schiefe r u n g w ä h r end  des  Eindringens  des 
Schmelzflusses  deuten  können1. 

1 Sauer  (üompt.  rend.  Wien  1903)  nimmt  anscheinend  für  die 
sächsischen  Granulite  nicht  reine  primäre  Parallelstruktur  an,  weil  sie 
hervorgerufen  sei  durch  Mitwirkung  intensiver  dynamischer  Kräfte  bei 
der  Aufpressung  des  Schmelzflusses ; auch  die  Schieferhülle  vereinige  dabei 
die  Kontakt-  und  Druckmetamorphose.  Das  wäre  also  fast  ganz  die 
W EiNscHENK’sche  Piezo-Kontaktmetamorphose.  Ich  bin  der  Ansicht,  daß 
sich  Kontakt-  und  Druckumwandlung  immer  zeitlich  unterschieden  haben, 
wofür  es  verschiedene  Beispiele  gibt,  wenn  auch  nicht  immer  gleich  die 
Aufeinanderfolge  festgestellt  werden  kann.  Denn  Pressung  und  gleich- 
zeitige Bildung  offener  Spalten  für  aufdringendes  Magma  halte  ich  mit 
Heim,  Rothpletz,  Branca  und  Lepsius  für  unmöglich. 


Beispiele  von  Primärschieferung  etc 


783 


Die  Pilitrinden  um  die  Oliviuknollen  von  Dürnstein  bei  Krems 
ebenso  wie  die  von  Schrauf  (Zeitschr.  f.  Krist.  6.  1882)  genau 
beschriebenen  Kelyphitrinden  um  die  Granate  im  Serpentin  der 
Hollubauer  Mühle  im  Planskergebirge  dürften  ebensowenig  erst 
durch  spätere  Umkristallisation  entstanden  sein,  sondern  viel  wahr- 
scheinlicher als  „reaction  rim“,  wobei  nachträglich  aus  Augit 
Hornblende  und  aus  Serpentin  oder  z.  T.  Olivin  Talk  geworden 
ist,  in  biotitreichen  schriesheimitähnlichen  Gesteinen  (Kersantite 
kommen  in  der  Umgebung  von  Krems  nach  Becke  nicht  selten  vor), 
resp.  in  Olivingesteinen  im  Planskergebirge.  Denn  die  Art  der 
einschließenden  Mineralien  widerspricht  nach  Mrha  (Min.-petr. 
Mitt.  19)  und  Schrauf  dem  Volumgesetze,  kann  also  wohl  nur  ein 
Tiefenprodukt  sein , wo  nicht  der  Druck , sondern  die  Hitze  den 
Ausschlag  gibt.  Was  Doelter  (Üb.  einige  petrogenetische  Fragen. 
Dies.  Centralbl.  1902)  aus  der  größeren  Viskosität  der  Effusiv- 
magmas  erklärt,  scheint  auch  hier  zuzutreffen,  nämlich  daß  die 
Olivine  sich  als  scheinbare  Einschlüsse  präsentieren,  da  sie  nicht 
wandern  und  sich  zu  Grenzmassen  oder  Randfazies  konzentrieren 
könnten. 

So  glaube  ich  auch  aus  dem  böhmischen  Massive  einige  Punkte 
nachgewiesen  zu  haben,  an  denen  die  geologischen  Verhältnisse 
beweisen , daß  das  Aufdringen  und  die  seitliche  Intrusion  von 
Eruptivmassen  erst  erfolgt  ist  nach  der  infolge  Gebirgsdruckes 
eingetretenen  Umwandlung  der  dortigen  Sedimente  und  alten 
Eruptiva  in  kristalline  Schiefer,  weshalb  ihre  Paralleltextur 
und  ihre  oft  deutliche  kr  is  tallob  las  tische  Struktur 
sich  schon  primär  bei  der  Erstarrung  herausgebildet  haben 
müssen,  also  als  proteroblastisch  zu  bezeichnen  wären.  Der- 
artige Gesteine  sind  demnach  aus  der  Reihe  der  kristallinen 
Schiefer  auszuscheiden,  wie  Minen  betonte  (Ref.  Geol.  Rundsch.  I). 

Eine  sichere  Zuteilung  wird  zwar  mauchmal  sehr  schwer  sein. 
Immerhin  kann  oft  die  z.  B.  auch  von  Becke  an  der  Berührungs- 
stelle der  Amphibolitschiefer  gegen  Kalk  im  Kamptale  nacli- 
gewiesene  Kontaktmetamorpliose  einen  Fingerzeig  geben , wenn 
man  sie  für  sich  betrachtet  und  ihr  zeitliches  Verhältnis  zu  den 
dynamisch  umwandelnden  Vorgängen  mehr  als  bisher  herauszuschälen 
sucht,  wie  das  z.  B.  E.  Zimmermann  (Zeitschr.  deutsch,  geol. 
Ges.  1902.  p.  375)  bei  Rudolphstein  in  Südthüringen  durchführen 
konnte;  er  wies  dort  nach,  daß  die  Kontaktmetamorphose  erst 
nach  der  Schieferung  und  Streckung  der  Gesteine  eingetreten 
sein  könne.  Nach  Sauer  scheinen  ja  auch  die  Kinzigite  des 
Schwarzwaldes  als  Umwandlungsprodukte  aus  Renchgneisen  für  eine 
gleiche  Aufeinanderfolge  zu  sprechen1.  Vogt  (D.  Marmor.  Zeitschr. 

1 Man  vergleiche  Becke’s  Referat  in  Fortschr.  d.  Mineralogie.  1. 
p.  233  ff. 


784 


Besprechungen.  — Personalia. 


f.  prakt.  Geol.  1898)  konnte  nachweisen,  daß  die  Marmore  von 
Vefsen  und  Velfj orden  erst  regional-  und  später  kontaktmetamorplio- 
siert  wurden. 

Allerdings  tritt  liier  wieder  die  bekannte  Schwierigkeit  ein, 
die  Produkte  der  Kontaktmetamorphose  einerseits  von  denen  der 
Dynamometamorphose  andererseits  mit  Sicherheit  zu  unterscheiden. 
Aber  es  gibt  doch  einzelne  Mineralien , welche  für  magmatische 
Einwirkung  als  ausschließlich  charakteristisch  gelten  können,  wie 
z.  B.  Cordierit,  Turmalin  und  Skapolith  (vergl.  Vogt  1.  c.).  Den 
Chlorgehalt  des  letzteren  wird  man  nur  aus  Emanationen  des  Schmelz- 
flusses herleiten  können  und  nicht  wohl  aus  dem  geringen  Kochsalz- 
gehalt der  marinen  Sedimente.  Darum  hat  auch  Fr.  Suess  (Beisp. 
plast.  und  kristallobl.  Gest. -Umform.  Mitt.  geol.  Ges.  Wien  1909) 
unter  den  sekundären  Druckneubildungen  an  der  Berührungsfläche 
zwischen  Amphibolitscliollen  und  Kalk  den  Skapolith  nicht  nach- 
weisen können,  obwohl  er  im  Kalk  selbst  auftritt. 

M ii  n c li  e n , Technische  Hochschule. 


Besprechungen. 

C.  Doelter:  Handbuch  der  Mineral  Chemie.  2.  3.  Liefe- 
rung. 1913.  Dresden  und  Leipzig  bei  Theodor  Steinkopff.  p.  32 1 — 480. 
Mit  einer  Tafel  nebst  vielen  Textttguren,  Tabellen  und  Diagrammen. 

Die  vorliegende  Lieferung  enthält  den  Schluß  der  Humit- 
gruppe  (Prolektit)  von  H.t.  Sjögren,  sodann  vom  Herausgeber: 
Das  Magnesiummetasilikat  (MgSi03),  Bronzit  und  Hypersthen, 
Anthophyllit,  Talk  (Steatit) , Meerschaum  (Sepiolith) ; von  A.  v. 
Fersmann:  (Zermattit  und  Schweizerit) ; von  H.  Leitmeier:  Ser- 
pentin, Kerolith,  Deweylith  und  Pseudodeweylitli  (Gymnit),  Melopsit 
und  Saponit;  vom  Herausgeber:  Calciumsilikate,  Wollastonit 
und  Calciumhydrosilikate ; von  A.  Himmei, rauer  : Zeophyllit,  Gyro- 
litli  und  Calciumfluoro-Hydrosilikate  (Apophyllit,  Anfang).  Im 
folgenden  wird  dieser  Band  die  sämtlichen  übrigen  Silikate  behandeln. 

Max  Bauer. 


Personalia. 

Gestorben:  Dr.  Heinrich  Potonie,  Geh.  Bergrat,  Professor 
für  Pflanzenpaläontologie  an  der  Geologischen  Landesanstalt,  Privat- 
dozent an  der  Universität  Berlin. 

Ernannt:  Dr.  Ferruccio  Zambonini.  ord.  Professor  an  der 
k.  Universität  Palermo,  zum  ord.  Professor  der  Mineralogie  und  Di- 
rektor des  mineralogischen  Museums  an  der  k.  Universität  Turin.  — 
Dr.  Ernst  Fleury  aus  Delemont  zum  Professor  der  allgemeinen  Geo- 
logie und  Paläontologie  am  Instituto  technico  superior  in  Lissabon. 

Dr.  Paul  Cüoffat  vom  Instituto  technico  superior  in  Lissabon 
hat  um  seine  Entlassung  als  Professor  der  angewandten  Geologie  ge- 
beten, um  sich  ganz  der  Geol.  Landesanstalt  widmen  zu  können. 


1.  Januar  1913. 


Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

heniusgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  1. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1912. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 
Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Seit« 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc. 

Kessler,  P.:  Zur  jüngeren  geologischen  Geschichte  der  Bithynischen 

Halbinsel  1 

Kor  mos,  Th.:  Kleinere  Mitteilungen  aus  dem  ungarischen  Pleistocän  13 
Kaemmerer,  Paul:  Versuch  zu  einer  neuen  Deutung  der  Struktur 

des  Meteoreisens  von  Carthage  (Tennessee).  Mit  6 Textfiguren  17 
Koenigsberger,  J. : Nachtrag  zur  Notiz  über  einen  anorthositi- 


schen  Gneis  von  Norwegen 25 

Bauer,  Max:  Berichtigung 25 

Maier,  W. : Berichtigung  über  die  korundhaltigen  Hornfelse  der 

Kontaktzone  des  Mt.  Tibidabo  bei  Barcelona 26 

Semper,  Max:  Berichtigung 27 

Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmetliodeu. 

Wülfing,  E.  A. : Demonstrationsmodell  für  sogen,  einfache  Schie- 
bungen. Mit  6 Textfiguren 28 


Solider,  ganz  selbständiger 

Präparator  für  Paläontologie, 

der  schon  große  Säugetiere  restauriert  und  montiert  hat,  sucht 
Stelle  zu  verändern.  Derselbe  ist  auch  gut  bewandert  in 
der  Anfertigung  von  Gipsabgüssen  und  stehen  ihm  prima  Re- 
ferenzen zur  Verfügung. 

Gef.  Offerten  unter  Chiffre  J.  B.  12  erbittet  an  den  Ver- 
lag dieses  Centralblattes. 


Chemisches  Laboratorium 

von 

Professor  Dr.  M.  Dittrich. 

Heidelberg  Brunnengasse  14 

Mineral-,  Erz-  und  Gesteinsuntersuchungen.  — Quell-  imd 
Mineralwasseranalysen.  — Untersuchungen  auf  Radioaktivität. 
— Chemische  Praktica , unter  besonderer  Berücksichtigung 
der  Mineralogen  und  Geologen,  auch  in  den  Universitätsferien. 

Prospekte  auf  Verlangen.  


15.  Januar  1913. 


P 3 : 3 

Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindang  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegebeu  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  2. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1913 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 
Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Inhalt. 

Original-Mitteilnngen  etc.  g 

Miigge.  0.:  lieber  die  Größenordnung  der  Gravitations-Anisotropie 

in  Kristallen.  Mit  1 Textfigur 33 

Goldschmidt.  V. : Ueber  Indikatoren  zur  mechanischen  Gesteins- 
analyse und  spezifischen  Gewichtsbestimmung  . • 39 

Heeger,  W. : Ueber  die  mikrochemische  Untersuchung  fein  ver- 
teilter Carbonate  im  Gesteinsschliff 44 

0 1 b r i c h t , K. : Neue  Beobachtungen  im  Diluvium  der  Umgebung 

von  Hannover.  Mit  6 Textfiguren 51 

Jooss.  Carlo  H. : Ueber  Limnaea  ( Limnuea  s.  str.)  turrita  Klein 

emend.  Jooss.  Mit  8 Textfiguren 58 

Personalia 64 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw.  Centralblatt  für 
Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie  bestimmten 
Abhandlungen , Referate  und  Originalmitteilungen  etc.  aus  den 
Gebieten:  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  bitten  wir  in  Zukunft  an  Herrn 
Professor  Dr.  Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38 
gelangen  lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Solider,  ganz  selbständiger 

Präparator  für  Paläontologie, 

der  schon  große  Säugetiere  restauriert  und  montiert  hat,  sucht 
Stelle  zu  verändern.  Derselbe  ist  auch  gut  bewandert  in 
der  Anfertigung  von  Gipsabgüssen  und  stehen  ihm  prima  Re- 
ferenzen zur  Verfügung. 

Gef.  Offerten  unter  Chiffre  J.  B.  12  erbittet  an  den  Ver- 
lag dieses  Centralblattes. 


1.  Februar  1913. 


Centralblatt 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

hei'iiusgegebeii  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  3. 


STUTTGART. 

E.  Sch weizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser 
1913 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  de s Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Dieser  Nummer  ist  beigefiigt  ein  Prospekt  der  Verlagsbuchhandlg.  ß.  G.Teubner 
in  Leipzig  betr.  Stromer  von  Reichenbach,  Lehrbuch  der  Paläozoologie  etc. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  ete.  Se)te 

Tue  an,  Fran:  Zur  Bauxitfrage 65> 

Walther,  Karl:  Ueber  ein  Vorkommen  von  Epidotadinole  und 
gefritteten  Sedimenten  aus  dem  Süden  der  Republik  Uruguay. 

Mit  2 Textfiguren 68 

Hennig,  Edw. : Ueber  Urgon  in  Deutsch-Ostafrika 81 

Oppenheim,  Paul:  Zur  Altersfrage  des  bei  Teschen  am  Karpathen- 
rande üherschobenen  Tertiärs 85 

Sokol,  R. : Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  in  Böhmen  während 

der  Diluvial-Akkumulation.  Mit  2 Textfiguren 91 

Personalia 96 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw.  Centralblatt  für 
Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie  bestimmten’ 
Abhandlungen  , Referate  und  Originalmitteilungen  etc.  aus  den 
Gebieten:  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  bitten  wir  in  Zukunft  an  Herrn 
Professor  Dr.  Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38 
gelangen  lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  üm  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Chemisches  Laboratorium 

von 

Professor  Dr.  M.  Dittrich 

Heidelberg  Brnnnengasse  1 4 

Mineral-,  Erz-  und  Gesteinsuntersnchungen.  — Quell-  und 
Mineralwasseranalysen.  — Untersuchungen  auf  Radium  und 
Radioaktivität.  — Chemische  Praktica,  auch  in  den  Univer- 
sitätsferien. 

Prospekte  auf  Verlangen.  ■ 


15.  Februar  1913. 


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Centralblatt 


für 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  rou 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Harbarg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  4. 


STUTTGART. 

E.  Sch weizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913 


_/\_ 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 
Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Inhalt. 

Original- Mitteil ii n gen  etc. 

Tschirwinsky,  W. : Zur  Frage  über  die  Identität  dis  Podolits 


und  Dahllits.  Mit  1 Textfigur 97 

Schneider,  Karl:  Die  vulkanischen  Erscheinungen  der  Erde  . . 102 
Kor  in  os,  T. : Zur  Kenntnis  der  Pleistocänablagerungen  in  der  Um- 
gebung von  Tata  (Ungarn) 109 

Fischer,  Herrn.:  Ein  mariner  (?)  Oolith  aus  Zentralafrika  . . 112 
Spengler,  Erich:  Zur  Systematik  der  obercretacischen  Nautiliden  115 

Diener,  0. : f Friedrich  Teller 119 

Sokol:  Nachtrag  zu  „Ueber  das  Sinken  der  Elbe-Ebene  etc.s  ...  122 

Nene  Instrumente  und  Beobachtungsinethoden. 

Mügge,  0.:  Bemerkungen  zum  Wiilling’schen  Demonstrationsmodell 

für  einfache  Schiebungen. 123 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte 12f> 

Besprechungen. 

Phillips,  Alexander  H. : Mineralogy,  an  Introduction  to  the 

Theoretical  and  Practical  Study  of  Minerals 127 

Gratacap,  L.  P. : A Populär  Guide  to  Minerals 128 

Druckfehlerberichtigung 128 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw.  Centralblatt  für 
Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie  bestimmten 
Abhandlungen  , Referate  und  Originalmitteilungen  etc.  aus  den 
Gebieten:  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  bitten  wir  in  Zukunft  an  Herrn 
Professor  Dr.  Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38 
gelangen  lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Piinne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30—1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 

DV~  Neu  erschienen: 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Pr.  F.  Pinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Piese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

= Verzeichnis  auf  Wunsch.  == 

Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

— = Preise  gering.  ===== 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Im  Februar  1912  erschienen: 

Neuer  kristallographischer  Katalog 

No.  23. 

Aus  dem  reichen  Inhalt  möge  hervorgehoben  sein : 

Modell  zur  Demonstration  der  Lage  des  rhombischen  Schnittes 
bei  den  Plagioklasen  nach  Prof.  Dr.  K.  Hintze. 

Neue  Pappkristallmodelle  nach  Prof.  Dr.  K.  Vkba. 
Kristallographische  Kaleidoskope  nach  Prof.  Dr.  E.  A.  Wülfing. 
Kristallographisches  Spiegel-Polyskop  nach  Prof.  Dr.  K.  Vrba. 
Modell  zur  Demonstration  der  stereographischen  Projektion  und 
Wandtafel  für  stereogr.  Projektion  nach  Prof.  Dr.  E.  A.  Wülfing. 
Glasmodelle  zur  Erläuterung  der  Aetzmethode  nach  Prof.  Dr. 
G.  Wulff. 

Modelle  zur  Erläuterung  der  Bildung  der  ozeanischen  Salz- 
ablagerungen nach  Dr.  E.  J anecke. 


Neue 

Mineralpräparate  und  orientierte  MineraldiinnschlilTe. 

Aus  der  neuen  (achten)  Auflage  des  mineralogischen  Haupt- 
katalogs No.  1 (Juli  1910)  empfehlen  wir: 

A.  Vorlesungssammlung  von  100  Mineralpräparaten.  Diese 
Sammlung  enthält  nur  Präparate  von  natürlichen  Mineralvorkommen 
(mit  Ausnahme  von  künstlichem  Rubin  und  Borax)  und  ist  in  der  Weise 
zusammengestellt,  daß  alle  wichtigen  optischen  Erscheinungen  daran 
demonstriert  werden  können.  Der  Preis  einer  Normalsammluug  von 
100  Mineralpräparaten  in  guter  Qualität  beträgt  einschließlich  eines  , 
zweckmäßig  eingerichteten  Kastens  Mk.  1100. — . Dieselbe  Sammlung 
in  besonders  guter  Qualität  kostet  Mk.  2000.—. 

B.  Sammlung  von  225  orientierten  Dünnschliffen  von  134 
gesteinsbildenden  Mineralien,  angeordnet  nach  H.  Rosenbusch  und 
E.  A.  Wülfing:  .Mikroskopische  Physiographie  der  petro- 
grapliisck  wichtigen  Mineralien“,  I.  Band,  2.  Teil,  1905. 
Preis  der  ganzen  Sammlung 

von  225  Mineralschliffeu,  einschließlich  Etui  = Mk.  375.—. 

, 175  „ „ •>  — r 295.  . 

„125  „ , 205.-. 

Dünnschliffe  von  eingesandtem  Material 

werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt,  und  zwar  in  der  üblichen 
Stärke  bis  zu  0.02  mm  und  darunter.  Durchschnittlich  wird  für  einen 
Schliff  auf  Vereinsformat  (28  X 48  mm)  montiert  Mk.  1. — berechnet. 
Nur  für  besonders  schwierig  zu  bearbeitende  Gesteine  wird  ein  ent- 
sprechender Aufschlag  berechnet.  Auf  Wunsch  werden  größere,  bis 
handgroße  Schliffe  angefertigt.  Spezialität:  Schliffe  fossiler  Hölzer. 

Dr.  F.  Krantz, 

Rheinisches  Mineralien-Kontor, 

Fabrik  u.  Verlag  mineralogischer  n.  geologischer  Lehrmittel. 
Gegr.  1833.  ■■  Bonn  a.  Rhein.  ■ ■■  ■ Gegr.  1833 


Verlag  der  E.  Schwelzerbart’schen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  A Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  JohanDesstr.  3. 

Druck  von  C.  Grüninger.  K.  Hofbuchdruekerel  Zu  Qutenberg  (Elett  A Hartmann),  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  « Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 

BT  Neu  erschienen:  TB 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

: Verzeichnis  auf  Wunsch.  = 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

=====  Preise  gering.  == 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ansschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an , wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

, 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51 X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

j.  6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann); 51X26X22  cm  bei  anfliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  Jl  45. — , 7 — 9 je  80. — . Die  vollständige  Samm- 

lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jt  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

DR  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  £.  Schweizerbart'schen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  0.  Örüninger,  K.  Hofbuohdruckerei  Zu  Gutenberg  (Klett  & Hartmann).  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  « Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
• aufschlag  ein. 

Unerreichte  Qualität,  Diinne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 

W Neu  erschienen:  “ÄI 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

— = Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  .jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

==========  Preise  gering.  ========= 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  G.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpen gebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  forrgefiihrt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  I.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann) ; 51X16  > 23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

,,  3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51X16X25  cm  bei  autliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbrucli-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

T 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

,,  6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
sclienkel  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann); 51X26X22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lngeon);  61X33X18  ein  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 61  X 33  X 23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  hei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  ^45. — , 7 — 9 je  Jt  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = J(,  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  ^ 


Verlag  der  E.  Sohwelzerbart’soheu  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart.  Johannesstr.  3. 

Druck  yom  0.  Grünlnger,  K.  Bofbuchdruekerel  Zu  Gutenberg  (Klett  Jt  Hartroannl,  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  # Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  U,02  nun. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30  — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


W Neu  erschienen: 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusanimeugestellt.  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

- Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  n.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zn  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

... . preise  gering.  ===== 

. Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt, 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direl^t  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinniann);  51  X 16  23  cm  bei  auf- 

liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51 X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetscliteni  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61  X 33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X38X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1—6  je  J6  45. — , 7 — 9 je  J(.  80.—.  Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Ji  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

DR  F.  KRANTZ  ■ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  8ehwelzerbart'sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  8. 

Druck  von  0.  Grönlnger.  K.  Bofbnehdruckerei  Zu  Gutenberg  (Klett  &Hartm»»n).  Stuttgart 


1.  März  1913. 


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Centralblatt 


für 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


in  Verbindung  mit  dem 


Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


herausgegeben  von 


M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  5. 


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STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sclie  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913 


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Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser.  in  Stuttgart  betreffend 
v.  Knebel-Reck,  „Island“. 


Seite* 


Inhalt. 

Origiiial-Mitteii ungen  etc. 

Endeil,  K. : Ueber  Granatamphibolite  und  Eklogite  von  Tromsö 

und  vom  Tromsdaltind.  Mit  1 Textfigur 129 

Mügge,  0.:  Zweckmäßige  Indikatoren  aus  Glas 133 

Rack,  Georg:  Beiträge  zur  Petrographie  von  Flores.  Mit  2 Text- 

fignren 134 

Leid  hold,  CI.:  Ueber  angeblich  gegenwärtige  tektonische  Be- 
wegungen in  der  Insel  Hiddensee  (Rügen) 139 

Hundt,  Rudolf:  Die  Eiszeit  im  Franken walde.  Mit  5 Textfiguren  146 
Balss,  Heinrich:  Ueber  fossile  Galatheiden.  Mit  1 Textfigur  155 

Besprechungen, 

Doelter,  C. : Handbuch  der  Mineralchemie 160 

Personalia 160 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw.  Centralblatt  für 
Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie  bestimmten 
Abhandlungen  , Referate  und  Originalmitteilungen  etc.  aus  den 
Gebieten:  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  bitten  wir  in  Zukunft  an  Herrn 
Professor  Dr.  Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38 
gelangen  lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Chemisches  Laboratorium 

von 

Professor  Dr.  M.  Dittrich. 

Heidelberg  Brunnengasse  1 4 

Mineral-,  Erz-  und  Gesteinsuntersuchungen.  — Quell-  und 
Mineralwasseranalysen.  — Untersuchungen  auf  Radioaktivität. 
— Chemische  Praktica,  unter  besonderer  Berücksichtigung 
der  Mineralogen  und  Geologen,  auch  in  den  Universitätsferien. 

Prospekte  auf  Verlangen.  = 


15.  März  1913. 


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Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  ßeologie  und  Paläontologie 

kerausgegebeu  von 


M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  ln  Berlin. 


1913.  No.  6. 


STUTTGART. 

E.  Schwaizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser 

1913. 


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Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 


Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung.  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart  betreffend 
ZitteDPompeckj-Salfeld,  Paläontologische  Wandtafeln.  II.  Serie : Fossile 

Pflanzen. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  gelte 

Michel,  H.:  Der  Klinoenstatit  der  Meteoriten 161 

Pävai-Vajna,  Franz  von:  Ueber  sarmatischen  Dacittuff  in 
der  Umgebung  von  Nagyenyed  nebst  einigen  Bemerkungen  zur 

Arbeit  des  Herrn  St.  Gaal.  Mit  3 Textfiguren 164 

Wepfer,  E.:  Ueber  das  Vorkommen  von  „ Gyprina  islandica “ im 

Postpliocän  von  Palermo  173 

Kowarzik,  Rudolf:  Ueber  zwei  neue  bisher  nicht  beschriebene 

Funde  des  Moschusochsen  aus  dem  belgischen  Diluvium  . . . 178 


Hundt,  Rudolf:  Eine  Ergänzung  zu  „Organische  Reste  aus  dem 

Untersilur  des  Hüttchenberges  bei  Wünschendorf  an  der  Elster“  180 

Neue  Instrumente  nnd  Beobachtungsinethoden. 

Berek,  M. : Mineralogischer  Demonstrationsapparat.  Mit  3 Text- 


figuren   181 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte 189 

Besprechungen. 

Brauhäuser,  M. : Die  Bodenschätze  Württembergs 191 

Berichtigung 192 

Personalia 192 


Soeben  erschien  in  zweiter  vermehrter  und  verbesserter  Auflage: 
Keilhack,  Geh.  Bergrat  Prof.  Dr. 

Geologische  Geschichte  der  Niederlausitz. 

Preis  35  Pf.  

H.  Differts,  Buchhandlung, 

Moritz  Liebe,  Kottbus. 


Am 

Provinzial-Museum  zu  Hannover 

ist  zum  1.  Mai  die  Stelle  eines  wissenschaftlichen  Hilfs- 
arbeiters durch  promovierten  Paläontologen  zu  besetzen.  Be- 
werbungen sind  zu  richten  an 

Prof.  Dr.  A.  Fritze, 

Provinzial-Museum,  Naturhistorische  Abteilung,  Hannover. 


Für  das  neuzugründende 

- Vulkan-Institut  in  Heapel 

wird  ein  gewandter  Mitarbeiter  gesucht,  der  in  petrographischen 
Untersuchungen  und  quantitativer  Gesteinsanalyse  erfahren  ist.  Gehalt 
während  eines  Probejahres  4000  Lire.  Spätere  dauernde  Anstellung 
mit  steigendem  Gehalt  Vorbehalten.  Bewerbungen  mit  Angabe  über 
Ausbildung  und  Kenntnisse  und  bisherige  Veröffentlichungen  sind  ein- 
zusenden an : Immanuel  Friedlaender,  Napoli-Vomero,  Villa  Hertha. 


1.  April  1913. 


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Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

lieransgegebeu  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marbnrg.  in  Breslan.  in  Berlin. 


1913.  No.  7. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jabr. 


Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Scliweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart  betreffend 
Jahresberichte  und  Mitteilungen  des  Oberrheinischen  Geologischen 
v”™ins  


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  8e| 

Do  eit  er,  C.  und  E.  Dittler:  Bauxit  oder  Sporogelit  ? 193 

Michel,  H. : Ueher  das  Auftreten  von  Rhönitbasalten  im  Böhmischen 

Mittelgebirge.  Mit  2 Textfiguren 195 

K i 1 1 i g , Fr.:  Ueber  eine  Umwandlung  von  Phyllit  in  ein  dichtes 
Paragonitgestein  von  der  Korundlagerstätte  am  Ochsenkopf  in 
Sachsen 203 


Pävai-Vajna,  Franz  von:  Ueber  sarmatischen  Dacittuff  in 
der  Umgebung  von  Nagyenyed  nebst  einigen  Bemerkungen  zur 
Arbeit  des  Herrn  St,  Gaäl.  Mit  3 Textfiguren.  (Schluß.)  . 209 
Gagel,  C.:  Ueber  das  Alter  der  Moräne  am  Emmerleff-Kliff  und  die 

Beweiskraft  der  .Leitgeschiebe“  für  das  Alter  der  Moränen  . 215 
Besprechungen. 

Henniger,  Karl  Anton:  Die  Metalle  nach  Vorkommen,  Gewin- 


nung, Verwendung  und  wirtschaftlicher  Bedeutung 224 

Mi  s c c 1 1 a n e a 224 

Personalia 224 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw.  Centralblatt  für 
Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie  bestimmten 
Abhandlungen  , Referate  und  Originalmitteilungen  etc.  aus  den 
Gebieten:  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  bitten  wir  in  Zukunft  an  Herrn 
Professor  Dr.  Fr.  Frech  in  Breslau  1,  Schuhbrücke  38 
gelangen  lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Chemisches  Laboratorium 

von 

Professor  Dr.  M.  Dittrich 

Heidelberg  Brunnengasse  14 

Mineral-,  Erz-  und  Gesteinsuntersuchungen.  — Quell-  und 
Mineralwasseranalysen.  — Untersuchungen  auf  Radioaktivität. 
— Chemische  Praktica,  unter  besonderer  Berücksichtigung 
der  Mineralogen  und  Geologen,  auch  in  den  Universitätsferien. 

■ • Prospekte  aut  Verlangen.  = 


15.  April  1913. 


Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  8. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  Firma  [f.  Mensser,  Buch- 
handlung. Berlin,  betreffend  Handwörterbuch  der  Naturwissenschaften. 


Seite 


In  halt. 

Original-Mitteilungen  etc. 

Grünling,  F. : Maucherit  Ni3  As2,  ein  neues  Nickelmineral  aus  den 

Kobaltrücken  des  Mansfelder  Kupferschiefers 225 

Schumoff-Deleano,  Vera:  Einige  Versuche  über  das  Zusammen- 

kristallisieren  von  Diopsid  und  Jadeit.  Mit  1 Textfigur  . . 227 
So  eil  n er,  .T. : lieber  das  Auftreten  von  Essexit  im  Kaiserstuhl  . . 230 
Semper,  Max:  Zur  eocänen  Geographie  des  nordatlantischen  Gebiets  234 
Monsen.  Astrid:  Ueber  die  Packung  tertiärer,  diluvialer  und 

rezenter  Sande  und  das  Porenvolumen  von  Sandsteinen  . . . 242 

Cornelius,  H.  P. : Geologische  Beobachtungen  im  Gebiete  des  Forno- 

gletschers  (Engadin) 246 

Mvlius,  H.:  Entgegnung  an  A.  Tornouxst.  Mit  1 Textfigur  - . . 252 
Personalia 256 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43 ; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Voigt  & Hoctigesang  $ Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1. 10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  imn. 

Kristalle:  Genau  orieutierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30  — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung 7. u angemessenen  Preisen. 


BT  Neu  erschienen:  “9K 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammeugestellt  von  Geheimrat  Prof.  Pr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

■ = Verzeichnis  auf  Wunsch.  ■ r— - 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  n.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

Preise  gering.  — 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natiirl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagernng-Diskordanz ; 51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible- Kette 
ira  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann) ; 51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

r 3.  KofTerfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51X16X25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

t 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequelschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 6DX  33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  Jt  45. — , 7 — 9 je  Jl  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jt  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwelzerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  fc  Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  0.  Grüntnger,  K.  Bofbuehdruckcref  Zu  Qutenberg  (Klett  & Hartmaunt  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 

T0B~  Neu  erschienen: 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Pinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

=====  Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

=====  Preise  gering.  ===== 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Gl*öße  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ansschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an , wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16  ' 23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  imSclrweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

, 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Querean);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender  Kappe. 

No.  1 — 6 je  Jt  45. — , 7 — 9 je  ^ 80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jt  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

DR  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verla#  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  BOI!!!  Rheill.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwelzerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  8. 

Druck  von  0.  Qrtininger,  K.  Hofbuobdruckerel  Zu  Gutenberg  (Kielt  fc  Hartmann).  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle : Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


Bi“  Neu  erschienen:  18 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 

Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

~ • - - Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

=========  Preise  gering.  ===== 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natiirl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  inan  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert/  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X116X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gertb); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann); 51X26X22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 61  X 33  X 23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

,,  9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  t/^45. — , 7 — 9 je  JC  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = 450.—.  Eine 

ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

DR  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwefzerbart’schen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  k Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  Ton  C.  Qrünlnger.  K.  Hofbuohdruckerei  Zn  Outenberg  (Elett  & Hartmann),  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  $ Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1. 10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 

IW  Neu  erschienen:  "38 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

==  Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

= Preise  gering.  = 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natüri.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  G.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des . Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an , wie  man  sieb  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
auf  liegen  der  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible- Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16 > 23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51X16X25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequeischtem  Mittel- 
sehenkel  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  anfliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61  X 3.3  X 18  .cm  bei  anfliegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X33X23  cm  hei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Uiiterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender  Kappe. 

No.  1 — 6 je  ^45.—,  7 — 9 je  M 80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jl  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeheu. 

D~  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.mi. 


Verlag  der  E.  Schweizerbart’schen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart.  Johannesstr.  3. 

Druck  von  C.  Orünlnger.  K.  Hofbnohdruokerel  Zu  GutenbeTg  (Klett  & Hartmann),  Stuttgart 


1.  Mai  1913. 


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Centralblatt 


für 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


in  Verbindung  mit  dem 


Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


herausgegebeu  von 


M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 


in  Marburg.  in  Breslau. 


in  Berlin. 


1913.  No.  9. 


S 


STUTTGART. 

E.  Sch weizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 


Lyv 


% 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  Firma  Theodor  Steinkopff. 
Verlagsbuchhandlung,  Dresden,  betreffend  Liesegang,  Geologische  Diffusionen. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  8 ,t 

van  der  Veen.  A.  L.  W.  E. : Die  Beweglichkeit  des  Silbers  in 

Zinnobererde 257 

Lazarevic,  M. : Zu  Tuöan’s  „Bauxitfrage“ 258 

Wulff,  Georg:  Grundlagen  der  Kristallri'intgenograrnmetrie.  Mit 

2 Textfiguren 260 

Kaemmerer,  Paul:  Weitere  Studien  über  die  Struktur  des  Meteor- 
eisens von  Carthage  (Tennessee).  Mit  6 Textfiguren  ....  261 

Qu  i ring,  H. : Eifeldolomit  und  alttriadische  Verebnung 269 

Spengler,  E. : Einige  Bemerkungen  zu  E.  Haug:  Les  nappes  de 
charriage  des  Alpes  calcaires  septentrionales,  3 eme  partie, 

le  Salzkammergut  272 

Ändert.  Hermann:  Inoceramm  inconstans  Woods  und  verwandte 

Arten.  Mit  2 Textfiguren.  (Schluß  folgt.) 278 

Besprechungen. 

Cohen,  Ernst:  Jacohus  Henricis  van’t  Hoff.  Sein  Leben  und 

Wirken 285 

va n t Hoff,  J.  H.:  Untersuchungen  über  die  Bildungsverhältnisse 
der  ozeanischen  Salzablagerungen,  insbesondere  des  Staßfurter 

Salzlagers 286 

Lien  au,  Detlev:  Die  Entstehung  der  Ackerböden,  erläutert  an 
den  geologisch-agronomischen  Verhältnissen  in  der  Provinz 
Sachsen , im  Herzogtum  Anhalt  und  in  den  Thüringischen 

Staaten 287 

Brauns.  R. : Mineralogie • 288 

Berichtigung 288 

Personalia 288 


E.  Schweiz  erb  art’sche  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser. 

in  Stuttgart. 


In  kurzem  erscheint  die  8.  (Schluß-) Lieferung  von: 

Die  diluviale  Vorzeit  Deutschlands 

Unter  Mitwirkung  von  E.  Koken  und  A.  Schliz,  herausgegeben 

von  R.  R.  Schmidt. 

I.  Archäologischer  Teil  von  R.  R.  Schmidt. 

Die  diluvialen  Kulturen  Deutschlands. 

II.  Geologischer  Teil  von  Ernst  Koken. 

Die  Geologie  und  Tierwelt  der  paläolithischen  Kultur- 
stätten Deutschlands. 

III.  Anthropologischer  Teil  von  A.  Schliz. 

Die  diluvialen  Menschenreste  Deutschlands. 

I V.  C h r o n o 1 o g i s c h e Z u s a m menfassu n g. 

gr.  4U.  ca.  300  Seiten  mit  47  Tafeln  und  vielen  Textfiguren. 

In  8 Lfgen.  ä Mk.  10. — . Nach  Abschluß  des  Werkes  wird  der 
Preis  erhöht. 

Ein  für  die  Erforschung  der  Knlturanfäiige  in  Deutschland 
hochbedeutsaines.  unentbehrliches  Werk.  


15.  Mai  1913. 


/~1 


Centralblatt 


für 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


in  Verbindung  mit  dem 


Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


herausgegeben  von 


M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 


in  Marburg.  in  Breslau. 


in  Berlin. 


1913.  No.  10. 


STUTTGART. 

E.  Sch  weizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 


. /\_ 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigeftigt  ein  Prospekt  der  Verlagsbuchhandlung  Gehr. 
Bornträger.  Berlin,  betreffend  Boeke.  Gnomonische  Projektion  etc. 


Seite 

289 


Inhalt. 

Original -Mitteil iingen  etc. 

Deecke,  W. : (ieorg  Böhm  f 

Ändert.  Hermann:  Inocerumus  ineoiisfims  Woods  und  verwandte 

Arten.  Mit  2 Textfiguren.  (Schluß.) 295 

Heritsch,  Franz:  jt^elongena  Dtschmatini  R.Hobrnes  — Mehnijma 

Rotkymut  .T.  Knett 303 

Baumhauer.  H.:  Ueber  die  goniometrischen  Verhältnisse,  Aetz- 

erscheinungen  und  Symmetrie  des  Natroliths,  Mit  7 Textfiguren  304 
Strem  me,  H.:  Heber  das  Verhalten  des  Cimolits  vor  dem  Lötrohr 


mit  Kobaltsolution.  Entgegnung  an  St.  J.  Thigi’tt  ....  313 

Besprechungen. 

K i n n e , F. : Elementare  Anleitung  zu  kristallographisch-optischen 
Untersuchungen  vornehmlich  mit  Hilfe  des  Polarisations- 

mikroskops - 318 

Dreher.  0.:  Das  Färben  des  Achats 319 

Lewis.  .T.  Volney:  Determinative  Mineralogy  with  Tables  for  the 
Determination  of  Minerals  by  Means  of  their  Chemical  and 

Physical  Characters 320 

Berichtigung 320 

Personalia 320 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


1.  Juni  1913. 


Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

lierausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebiach 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  11. 


STUTTGART. 

E.  Sch  weizer  bart’sche  Verlagsbuchhandlung 
, Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  fiir  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 


Abonnenten  den  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart  betreffend 
R.  R.  Schmidt,  Tafelbild  der  Schädelbestattungen  der  Ofnet. 


»eite 


Inhalt. 

Original -Mittei) ii ngen  etc. 

Boeke,  H.  E:  Bemerkung  über  die  Theorie  von  J.  Johnston  bezüg- 
lich des  Verhaltens  fester  Stoffe  unter  ungleichförmigem  Druck  321 
Goldschmidt,  V.  M.,  J.  Rekstad,  Th.  Vogt:  Zu  Herrn  Joh. 

Koenigsberger’s  geologischen  Mitteilungen  über  Norwegen  . 324 
Nacken,  R. : Vergleich  der  optischen  und  der  thermischen  Methode 

zur  Bestimmung  von  Schmelztemperaturen.  Mit  2 Textfiguren  328 

Stahl,  W. : Pisolithe.  Mit  1 Textfigur 337 

Renz,  Carl  und  Fritz  Frech:  Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas 
und  der  angrenzenden  Gebiete.  20.  Carl  Renz:  Geologische 


Studien  im  Artemisiongebirge  (Grenze  von  Arkadien  und  Argolis)  338 
Mare  es,  Friedrich  v. : Jura  und  Kreide  in  der  Umgegend  von 

Sarstedt.  Mit  einer  geologischen  Skizze 346 

Schroeder,  Henry:  Das  Vorkommen  der  Gattung  Lopliiodon  in 

der  Braunkohle  Sachsens 351 

Besprechungen. 


Farrell,  J.  H. : Practical  Field  Geology,  including  a Guide  to  the 
Sight  Recognition  of  One  Hundred  Twenty  Common  or  Important 


Minerals  by  Professor  A.  J.  Moses 352 

Günther,  C.  Godfrey:  The  Examination  of  Prospects 352 

Personalia 352 


15.  Juni  1913. 


r ^ 

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für  • 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

berausgegebeu  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg.  in  Br«s1au.  in  Berlin. 

1913.  No.  12. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 


Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser.  in  Stuttgart  betreffend 
R.  R.  Schmidt.  Die  diluviaie  Vorzeit  Deutschlands. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  8 lle 

Laub  mann,  H. : Ueber  Pseudomorphosen  von  Quarz  nach  Kalkspat 

aus  den  Flußspatgängen  am  Wülsenberg  in  der  Oberpfalz  . . 353 
Wetzel,  W.:  Untersuchungen  über  das  Verhältnis  von  Chalcedon 

und  Quarzin  zu  Quarz  . . 356 

Soellner,  J. : Ueber  Leucitnephelintinguaitporpbyr  aus  dem  Kaiser- 
stuhl ...  • 367 

Rack,  G. : Ueber  das  gegenseitige  Verhalten  des  Zinnchlorürs  und 
«der  Chloride  des  Kaliums  und  Natriums  beim  Kristallisieren 

aus  dem  Schmelzfluß.  Mit  2 Textfiguren 373 

FiQedländer,  Immanuel:  Ueber  vulkanische  Erscheinungen  am 

Aetna  und  in  Japan  . 379 

T e p p n e r , Wilfried:  Testudo  Riedli  R.  Hoernes.  Mit  1 Textfigur  381 

Miscellanea 384 

P e r s o n a 1 i a . . . 384 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


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fiivpetrographische 

Arbeiten. 

Mikroskop  IVc  dürfte 
unter  den  gleicharti- 
gen einfachen  Mikro- 
skopen das  billigste 
und  brauchbarste  auf 
dem  Markte  sein. 


Potarisafions-  und 
dchsenminkel- 
apparate. 

Refraktometer. 

Schleif-  u.  Schneide- 
maschinen. 


R.  FUESS, 


meclanisclHptisclie  Werkstätten, 

Abteilung  I, 

Steglitz-Berlin. 


Itlikroskope 

für  petrograpliische  und 
mineralogische  Studien. 

Goniometer  aller  Art. 


Nebenstehende  Abbildung 
zeigt  ein  neues  einfaches 

Mikroskop  IVc 


COMPTOIR  GEOLOGIQUE  & MINERALOGIQUE 

ALEXANDRE  STUER 

4,  RUE  DE  CASTELLANE,  PARIS. 

M.  A.  STüER  s'occupe  de  tont  ce  qni  a tralt  ä la  Geologie,  ä la  Mineralogie  et  a 
1’ Archäologie  prehistorique 

Colleotions  soignees  pour  lenseignement  foumitures  speciales  pour  mustes  et  faeultes. 
Fossiles  europeens  — Koches  typiques,  Mineraux  de  tons  pays  — Meteorites  — Pierres 
precieuses,  Achat  de  collections  et  de  bibllotheques  geologiques  et  mineralogiques  — 
Analvses  Determination»  d’echantillons  de  mineraux  et  de  fossiles  Recherehes  et  ren- 
seignements  sclentifiqaes,  Instruments  de  prospections  et  d’explorations  lointaines  — 
Appareils  portatifs  de  sondages,  Necessaires  de  mineralogie:  En  uu  1110t,  tous  in- 
strnments  ayant  trait  ä la  geologte  et  ä la  mineralogie,  au  point  de  vne  scientifiqne 
ou  industriel  ä la  recolte  des  eetaantillons  et  ä leur  rangement  en  collection  ex- 
pertise  de  pierres  precieuses 

Methode  & Instruments  pour  la  Separation  des  elements  des  roches.  Enricbissement 
des  minerais,  reconnaissance  et  determination  des  pierres  precieuses  par  les  Liqueurs 
denses.  — I.iqnenrs  denses. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
Hache  des  Reliefs.  Die- Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16  23  cm  bei  auf- 

liegender Kappe. 

,,  3.  Koffert'alte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  tierth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel 'Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

, 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

n 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  ^45. — , 7 — 9 je  J(<  80.—.  Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jl  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

DR  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Schweizerbart'schen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  C.  Grünlnger,  K.  Hofbuchdruckerei  Zu  Outenberg  (Klett  ÄHartmann),  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  21k.  1.1Ü  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  .Qualität.  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristailpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


B**  Neu  erschienen  : "Ä 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammeugestellt  von  Gelieimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

• Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Lieht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

========  Preise  gering.  ===== 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natiirl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
Hache  des  Reliefs.  Die  Seitenproiile  geben  an , wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X117  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible- Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

..  3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51 X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

. 4.  Gewölbeeinbruch- Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetscliteni  .Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

T 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  k#45. — , 7 — 9 je  ^ 80.—.  Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = </#  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

DR  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Schwelzerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  vou  C.  Orünfnger.  K.  Hofbuchdruckerei  Zu  flutenberg  (Klett  & Hartmann).  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  min. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


W"  Neu  erschienen:  "^8 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

: Verzeichnis  auf  Wunsch. 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

= Preise  gering.  ===== 

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in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an , wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgefiihrt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz  * 51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible- Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann) ; 51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51 X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbceinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  .Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  JC  45.—,  7 — 9 je  JC,  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = JC  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

■ Dünnschliffe  = 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  JC,  1.10  für  den  Schliff. 

D=  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohweizerbart'sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser. 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  0.  Grüninger,  K.  Hofbuchdruckerei  Zu  Gutenberg  IKlett  AHartroanu),  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  # Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30—1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


W Neu  erschienen:  TB 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  .Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

-=  Verzeichnis  auf  Wunsch.  ===== 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

= Preise  gering.  ====== 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr*  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann) ; 51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Ko fferfaltc  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51X16X25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfnng  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeoh):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Ibetger  Klippen  hach  Quereau) ; 61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  J(45. — , 7 — 9 je  Jt,  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jt  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

■ ■ Dünnschliffe  

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  Jt  1.10  für  den  Schliff. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sehwelzerbart’solien  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  Ton  0.  Grünlnger,  K.  Hofbuohdruckerel  Zu  Gutenberg  (Klett  & Hartmann).  Stuttgart 


1.  Juli  1913. 


> 


Centralblatt 


für 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


in  Verbindung  mit  dem 


Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


herausgegeben  von 


M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 


ln  Marburg.  in  Breslau. 


in  Berlin. 


1913.  No.  13. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 


V 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart  betreffend 
Zittel’s  Paläontologische  Wandtafeln.  II.  Serie:  Fossile  Pflanzen. 


Seit* 


Inhalt. 

Original -Mitteil linken  etc.1 

Kraus,  E.  H.  und  C.  W.  Cook:  Die  Kristallformen  des  Jodyrits 

von  Tonopah,  Nevada 385 

Tucan,  Fran:  Zu  Tccan’s  „ llauxitfrage“ 387 

B e r e k , M. : Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 
des  Polarisationsmikroskops.  Mit  7 Texttiguren.  (Fortsetzung 

folgt.) 388 

Zimmermann,  Ernst:  Die  Culmfauna  von  Hagen  i.  W.  Einige 

Bemerkungen  zu  dem  gleichlautenden  Aufsatz  des  Herrn  Nebe  397 

Meyer,  Hermann  L.  F. : Kalkalgen  im  Wellenkalk  der  Rhön  . . 402 

Gaal,  St.  v.:  Kurze  Antwort  auf  den  PÄVAfschen  (?)  Artikel  (Sar- 

matischer  Dacittuff  etc.) 405 

Neue  Instrumente  und  Beobachtungsmethoden. 
Korreng,  E.:  Ueber  die  Herstellung  von  Dünnschliffen  und  Dauer- 
präparaten aus  salzartigen,  aus  dem  Schmelzfluß  kristallisierten 

Stoffen 408 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte 412 

Besprechungen. 

Beckenkamp,  J.:  Statische  und  kinetische  Kristalltheorien.  Erster 
Teil : Geometrische  Eigenschaften  der  Kristalle  und  deren  Ver- 


anschaulichung durch  geometrische  Strukturbilder 413 

Personalia 416 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

TflBST  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


15.  Juli  1913. 


Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegebeu  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  14. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 

Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart,  betreffend 
Bräuhäuser,  Die  Bodenschätze  Württembergs. 


Seite 


Inhalt. 

Original -Mitteil ii ngen  etc. 

Uhlig,  J. : Ueber  das  Löslichkeitsschema  KCl,  MgCI2  und  Wasser 

(Carnallitsßhema)  bei  50°.  Mit  1 Textfigur  ........  417 

Rosicky,  V.  und  St.  J.  Thugutt:  Epidesmin,  ein  neuer  Zeolith  422 
B e r e k , M. : Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 

des  Polarisationsmikroskops.  Mit  7 Textfiguren.  (Fortsetzung.)  427 
Wilckens,  Otto:  Zur  Benennung  der  alpinen  Ueberschiebungs- 


decken 435 

Schöndorf,  Fr.:  Ueber  positive  Strandverschiebungen  im  Oberen 

Jura  des  südöstlichen  Deisters 438 

Miscellanea 448 

Personalia 448 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen,  Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Centralblatt 


für 


Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

berausgegebeu  tou 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg,  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  15. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr, 

Abonnenten  den  'Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser.  in  Stuttgart,  betreifend 
G.  Hoffmaun,  Stratigraphie  und  Ammonitenfauna  des  Unteren  Dogger  in 
Sehnde  bei  Hannover.  


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  gelte 

Erdmannsdörffer.  0.  H. : lieber  Koenenit  von  Sarstedt.  Mit 

1 Textfigur  449 

Kittl,  Erwin:  Beobachtungen  an  geschmolzenem  Bronzit.  Mit 

1 Textfigur 450 

Wich  mann,  Arth.:  Ueber  sogen.  Pisolithe  aus  dem  Mansfelder 

Flözgebirge 457 

Beger,  P.  J.:  Lamprophyre  im  Lausitzer  Granitmassiv 457 

B e r e k , M. : Zur  Messung  der  Doppelbrechung  hauptsächlich  mit  Hilfe 

des  Polarisationsmikroskops.  Mit  7 Textfiguren.  (Schluß.)  . . 464 
Hoffmann,  Guido:  Vergleich  des  unteren  Dogger  im  Schwäbischen 

Jura  mit  dem  von  Hannover.  Mit  1 Textfigur 470 

Freudenberg,  W. : Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  und  die 

schwäbische  Hochterrasse 475 

Huene.  Friedrich  von:  Ad  notam 480 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

jyjgT“  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


15.  August  1913. 


Centralblatt 


für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegebeu  vou 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  16. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sclie  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr, 
Abonnenten  den  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Hell« 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc. 

Osann,  A. : Petrochemische  Untersuchungen.  I.  Teil.  Mit  4 Text- 
figuren   481 

Doss,  Bruno:  Das  Vorkommen  von  freiem  Schwefel  in  Sapropelen  490 

T u 6 a n , Fr  an:  Bauxit  in  neuem  Licht 495 

Hoel,  Adolf:  Notiz  zu  K.  Schneides:  „Die  vulkanischen  Erschei- 
nungen der  Erde“ 498 

Deecke , W. : Paläontologische  Betrachtungen.  III.  Ueber  Echinoiden. 

(Schluß  folgt.) 498 

Horn,  Max:  Vorläufige  Mitteilung  über  den  ladinischen  Knollenkalk- 
komplex der  Südalpen 508 

Besprechungen. 

Sigmund,  Alois:  Die  mineralogische  Abteilung 512 

Personalia 512 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau) ; 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

HP”  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  11  k.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30—1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


X0f~  Neu  erschienen:  ~^3 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Pinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geordnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besonders  Salze. 

Verzeichnis  auf  Wunsch.  -■  - 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

im  einfachen  n.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

■ =====  Preise  gering.  = 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natiirl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzu stellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  hei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann) ; 51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  c^45. — , 7 — 9 je  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = JC  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

— — Dünnschliffe  

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  Jl  1.10  für  den  Schliff. 

DR  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Schwelzerbart’schen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

*>ruek  voa  C.  Grüninger,  K.  Hofbuohdruckerei  Zu  Gutenberg  (Klett  & Hartmann),  Stuttgart 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  o,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Px-eisen. 


T0F~  Neu  erschienen: 

Sammlung  von  124  Dünnschliffen  gesteinsbildender 
Mineralien, 

zusammengestellt  von  Geheimrat  Prof.  Dr.  F.  Rinne,  Leipzig. 
Preis  200  Mark. 

Diese  Sammlung  ist  sehr  übersichtlich  geoi’dnet  und  enthält 
manche  Neuerungen,  so  besondex*s  Salze. 

: Verzeichnis  auf  Wunsch,  : ■: 


Anfertigung  von  Mikrophotographien 

•iin  einfachen  u.  polarisiertem  Licht  in  jeder  Vergrößerung. 

Zu  unseren  Aufnahmen  verwenden  wir  nur  Objektive  erster  Firmen, 
wir  liefern  daher  vollkommen  einwandsfreie  erstklassige  Bilder. 

=====  Preise  gering.  = 

Aufnahmen  von  Naturobjekten 

in  natürl.  Größe  oder  in  jeder  Vergrößerung. 

Anfertigung  von  Diapositiven 

in  jeder  Größe. 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  G.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an , wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gcwölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann)  ; 51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überscliobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtein  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Querean);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  JC  45. — , 7 — 9 je  Jl  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Ji  450.—.  Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

— Dünnschliffe  

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  M 1.10  für  den.  Schliff. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  8ohweizerbart'sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart.  Johannesstr.  3. 

Druck  von  C.  Ornntnger,  K.  Hofbuohdruokeret  Zu  Gutenberg  (Elett  ä Hirtmann).  Stuttgart 


Voigt  & Hochgesang  « Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
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exponenten noch  seine  Härte. 

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Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  G.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  inan  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  werden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz ; 51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51  X 16  X 23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51X16X25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbrucli-Verwerfnng  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  51X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51  X 16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequoi  sclitein  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nachQnere.au);  61X  33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  Jt  45. — , 7 — 9 je  Jt  80.—.  Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  — JC  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben 

--  Dünnschliffe  

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  <4(.  1.10  für  den  Schliff. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  BOIH!  SL.  Rheill.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Schweizerbart'soben  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Bruck  von  0.  Griininger.  K.  Bofbnehdruokeret  Zu  Gutenberg  iKIett  X Hartmanm.  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  « Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


„Kollolith“ 

Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

=====  Ersatz  für  Kanadabalsam.  = 

Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
Kollolith-Chloroformlösung. 

Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechungs- 
exponenten noch  seine  Härte. 

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Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51  X 16 X 23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbrucli-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

n 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon):  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender  Kappe. 

No.  1 — 6 je  'Ji  45. — , 7 — 9 je  Jt  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = JC  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

■ — Dünnschliffe  - 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  1.10  für  den  Schliff.  : 

D5  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  BOIHl  a.  Rheill.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwelzerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  C.  Grüninger,  K.  Hofbuohdruoherai  Zu  Gutenberg*  fKlett  a Hartmann).  Stuttgart 


1.  September  1913. 


Centralblatt 

• * - . *.  t 


für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegebeu  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslan.  in  Berlin. 


1913.  No.  17. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 
Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Inhalt. 

Original-Mitteilangen  etc.  gette 

Leitmeier,  H. : Bemerkungen  über  die  Unterschiede  in  den  Angaben 

von  Schmelzpunkten  der  Silikate 513 

Westphal,  Otto:  Beitrag  zur  Kenntnis  der  optischen  Verhältnisse 

des  Periklas.  Mit  1 Textfigur 516 

Wherry,  Edgar  T. : Zur  Nomenklatur  der  Mineralvarietäten  und 

Kolloidmineralien 518 

Koenigsberger,  Joh. : Antwort  auf  die  Bemerkungen  der  Herren 

V.  M.  Goldschmidt,  J.  Rekstad,  Th.  Vogt 520 

D eecke , W. : Paläontologische  Betrachtungen.  III.  Ueber  Echinoiden. 

(Schluß.) 526 

Renz,  Carl  und  Fritz  Frech:  Beiträge  zur  Geologie  von  Hellas 
und  der  angrenzenden  Gebiete.  22.  Carl  Renz:  Geologische 

Untersuchungen  in  Epirus • 534 

Wagner,  Georg:  Beiträge  zur  Kenntnis  des  oberen  Hauptmuschel- 
kalks in  Elsaß-Lothringen.  Mit  einer  Kartenskizze.  (Schluß 
folgt.) 551 

Nene  Instrumente  und  Beobachtnngsmethoden. 

Leiss,  C. : Mineralogisches  Demonstrationsmikroskop  mit  Tischrevolver. 

Mit  2 Textfiguren 558 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43 ; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

X0T-  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


15.  September  1913. 


Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg.  in  Breslan.  in  Berlin. 


1913.  No.  18. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 

L J 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 
Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Seit« 


Inhalt. 

Original -Mitteilungen  etc. 

Meyer,  Erich:  Die  Diskordanz  diluvialer  Ablagerungen  im  Sam- 

laud  und  im  Fläming 561 

Schwarz,  M.  v. : Zwei  neue  Modelle  der  Dichtebestimmungswage. 

Mit  1 Textfigur 565 

Br on AVer,  H.  A. : Neue  Funde  von  Gesteinen  der  Alkalireihe  auf 

Timor 570 

Sch  wie  t ring,  Fr.:  Bemerkungen  zu  den  Untersuchungen  von 

C.  Viola  über  die  Totalreflexion  des  Lichtes  an  einem  Kristall  577 

Berek,  M. : Berichtigung  und  Nachtrag  zu  meiner  Mitteilung  „Zur 

Messung  der  Doppelbrechung  usw.“ 580 

Arrhenius,  Svante:  Widerlegung  der  physikalischen  Einwände 

gegen  die  Kohlensäuretheorie 582 

Wagner,  Georg:  Beiträge  zur  Kenntnis  des  oberen  Hauptmuschel- 
kalks in  Elsaß-Lotkriugen.  Mit  einer  Kartenskizze.  (Schluß.)  584 

Versammlungen  und  Sitzungsberichte 590 

Besprechungen. 

Rinne,  F. : Allgemeine  Kristallographie  und  Mineralogie 591 

Linck,  Gottlob:  Grundriß  der  Kristallographie  für  Studierende 

und  zum  Selbstunterricht 592 

Abderhalden,  Emil:  Fortschritte  der  naturwissenschaftlichen 

Forschung 592 

Personalia 592 


E.Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 

in  Stuttgart. 


Vor  kurzem  gelangte  zum  Abschluß: 

Die  diluviale  Vorzeit  Deutschlands 

Unter  Mitwirkung  von  E.  Koken  und  A.  Schliz,  herausgegeben 

von  R.  R.  Schmidt. 

I.  Archäologischer  Teil  von  R.  R.  Schmidt. 

Die  diluvialen  Kulturen  Deutschlands. 

II.  Geologischer  Teil  von  Ernst  Koken. 

Die  Geologie  und  Tierwelt  der  paläolithischen  Kultur- 
stätten Deutschlands. 

III.  Anthropologischer  Teil  von  A.  Schliz. 

Die  diluvialen  Menschenreste  Deutschlands. 

IV.  Chronologische  Zusammenfassung. 

gr.  4°.  805  S.  mit  47  Tafeln,  mehreren  Tabellen  und  vielen  Textfiguren. 
Preis  in  steifem  Umschlag  Mk.  100. — , in  künstlerischem 
Einband  Mk.  108. — . 

,Ein  für  die  Erforschung  der  Kulturanfänge  in  Deutschland 
hochbedeutsames,  unentbehrliches  Werk.  


1.  Oktober  1913. 


Centralblatt 


für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

lierausgegeben  vou 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  19. 


STUTTGART. 

E.  Sch  weizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 

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Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 
Abonnenten  des  Neuen  .Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 


Seite 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc. 

Backlund,  Helge:  Ueber  chemische  Veränderungen  in  mechanisch 

deformierten  Gesteinen.  (Schluß  folgt.) 593 

Lazarevic,  M.:  Nochmals  „Zu  Tücan's  Bauxitfrage“ 600 

Doss,  Bruno:  Ueber  die  Herkunft  des  Naturgases  auf  der  Insel 
Kokskär  im  Finnischen  Meerbusen  nebst  Bemerkungen  über 

die  Entstehung  der  Insel 601 

Heritsch,  Franz:  Zur  Geologie  des  Jesenkoberges  (Westlicher 

Bacher) • 610 

— Die  zeitliche  Trennung  der  Deckenschübe  in  den  Ostalpen . . 614 

Spengler,  E. : Der  angebliche  Hauptdolomit  bei  Gösau 616 

Huene,  Friedrich  von:  Ueber  die  reptilführenden  Sandsteine 

bei  Eigin  in  Schottland 617 

Besprechungen. 

Hogers,  Austin  F. : Introduction  to  the  Study  of  Minerals  . . . 624 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


15.  Oktober  1913. 


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4 

Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläojitologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau.  in  Berlin. 


1913.  No.  20. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 

Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Reuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  je  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart,  betreffend 
Brauhäuser,  Die  Bodenschätze  Württembergs  und  Knebel-Heck,  Island. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  s 

Busz,  K.  und  F.  W.  Rüsberg:  Mineralogisch-chemische  Unter- 
suchungen an  Olivin-  und  Melilithkristallen  in  Hochofen- 
schlacken   625 

Backlund,  Helge:  Ueber  chemische  Veränderungen  in  mechanisch 

deformierten  Gesteinen.  (Schluß.) 634 

Koenigsberger,  J. : Notiz  über  kristalline  Schiefer  in  Spanien  . 642 

F r e u d e n b e r g , W. : Elephas  primigenius  Fraasi  Dietrich  und  die 

schwäbische  Hochterrasse.  (Schluß.)  646 

Leidhold,  CI.:  Ueber  ein  Vorkommen  von  Fossilien  in  den  Huns- 
rückschiefern der  Gegend  nördlich  von  Oberstein 652 

Besprechungen. 

Duparc,  Louis  et  AlfredMou  nie  r:  Traite  de  teclmique  minera- 

logique  et  petrographique 656 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen,  Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

fffgT“  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


„Kollolith“ 

Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

=====  Ersatz  für  Kanadabalsam.  = 

Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
Kollolith-Chloroformlösung. 

Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechungs- 
exponenten noch  seine  Härte. 

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Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  G.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  nichtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
auf  liegen  der  Kappe. 

T 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible- Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbrnch-Verwerfnng  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ausgequetsckteni  Mittel- 
sclienkel  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann); 51X26X22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  Jl  45. — , 7 — 9 je  Jl  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jl  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

■ ■ — = Dünnschliffe  •'  — 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  1.10  für  den  Schliff. 

F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sehwelzerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  &.  Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  Ton  C.  Grüninger,  K.  Hofbnohdruokerei  Zu  Gutenberg  (Klett  fc  Hartmann).  Stuttgart 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


„Kollolith“ 

Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

=====  Ersatz  für  Kanadabalsam.  ===== 

Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
Kollolith-Chloroformlösung. 

Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechungs- 
exponenten noch  seine  Härte. 

■■  ■ Prospekte  kostenlos!  - 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  ivo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  KofTerfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrihle-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überscliobene  Antiklinale  mit  ausgequetschtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51 X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau) ; 61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  JC  45.—,  7 — 9 je  <./ft  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = JC  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

■ — : Dünnschliffe  : 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  <M  1.10  für  den  Schliff. 

D£  F.  KRANTZ 

Rheinisehes  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein,  »w.» 


Verlag  der  E.  Schweizerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  0.  Qrünlnger,  K.  Hofbucbdruckerei  Zu  Guteuberg  (Klett  & Hartmann),  Stuttgarts 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Diinne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


„Kollolith“ 

Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

— . Ersatz  für  Kanadabalsam.  - — 

Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
Kollolith-Chloroformlösung. 

Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechungs- 
exponenten noch  seine  Härte. 

■■  Prospekte  kostenlos! 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  davzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X17  cm  bei 

auf  liegen  der  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51X16X25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeiubrnch-Verwerfung. (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ansgeqnetscbtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Ka  ppe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

ff  9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  ^45. — , 7 — 9 je  J(<  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Ji  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

■■■■:  Dünnschliffe  ------ 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  1.10  für  den  Schliff. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohweizerbart’scben  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johanness  tr.  8. 

Druck  Ton  0.  Grüninger,  K.  Hofbuohdruckerel  Zu  Gutenberg  (Elett  fc  Hartmann),  Stuttgart. 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angesessenen  Preisen. 


„Kollolith“ 

Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

Ersatz  für  Kanadabalsam. 

Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
Kollolith-Chloroformlösung. 

Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechnngs- 
exponenten  noch  seine  Härte. 

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Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  G.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an,  wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativen  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16XÜ7  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann);  51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißensteinkette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51 X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbruch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann) ; 51  X 16  X 20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  ansgequetschteni  Mittel- 
scbenkel  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61  X 33  X 23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1—6  je  Jt  45.—,  7—9  je  Jt  80.—.  Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jl  450.—.  Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

==  Dünnschliffe  ■ ■- 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  Jl  1.10  für  den  Schliff. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 
Gegr.  1833.  BOIHl  3,.  Rheill.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwelzerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sprcesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3. 

Druck  von  0.  Grünlnger,  K.  Hofbuohdruckerei  Zu  Gutenberg  (Elett  Hartmann),  Stuttgart. 


1.  November  1913. 


Centralblatt 


für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

heransgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marburg.  in  Breslau  in  Berlin. 

1913.  No.  21. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 


Abonnenten  des  Neuen  .Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nnmmer  ist  beigefiigt  je  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung.  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart,  betreffend 
Abel.  Paläobiologie  der  Wirbeltiere. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  8elte 

Rose,  H. : Ueber  die  kristallographische  Orientierung  von  Muscovit- 
spaltungsplatten  mit  Hilfe  der  Biegungs-  und  Aetzfiguren.  Mit 

2 Textfiguren 657 

Schwartz,  Friedrich:  Ueber  das  Auftreten  des  Geruches  beim 

Reiben  von  Mineralien 660 

Sigmund,  Al.:  Anatas  in  den  Niederen  Tauern 666 

Tue  an,  Fran:  Zur  Kenntnis  des  mehligen  Siliciumdioxyds  von  Milna 
auf.der  Insel  Braß  in  Dalmatien  mit  besonderer  Berücksichtigung 

der  Bauxitfrage.  Mit  3 Textfiguren 668 

Geinitz,  E. : Zur  Verdeutschung  des  Wortes  „Drumlin“ 676 

En  de  11,  K. : Ueber  die  Entstehung  tertiärer  Quarzite  bei  Hersch- 
bach im  Westerwald 676 

Noetling,  Fritz:  Die  Packung  losen  Sandes 681 

Thiel,  G. : Ueber  das  Vorkommen  von  Kohlensäure  in  Kohlenflözen  683 
Simionescu,  J. : Megalosaurus  aus  der  Uuterkreide  der  Dobrogea 

(Rumänien).  Mit  1 Textfigur . . 686 

Besprechungen. 

Doelter,  C. : Handbuch  der  Mineralchemie 688 

Weinschenk.  E. : Petrographisches  Vademecum 688 

Personalia -. 688 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien , Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

]ggpr“  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


15.  November  1913. 


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Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

t 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

herausgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  In  Breslau  in  Berlin. 


1913.  No.  22. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 

1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  den  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart’schen 
Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart,  betreffend 
Zittel-Pompeckj,  Paläontologische  Wandtafeln. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc.  s lte 

Rüsberg,  F.  W. : Ueber  Augit  und  Wollastonit  in  Hochofenschlacken  689 
Andree,  K. : Reine  Translation  oder  abnorme  Knickung  beim  Stein- 
salz?   696 

Naumann,  M. : Knickung  der  Würfelfläche  bei  Steinsalz  als  eine 

Folge  „reiner“  Translation.  Mit  1 Textfigur  698 

Gans,  R. : Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  der  kolloidalen 

wasserhaltigen  Tonerdesilikate.  (Schluß  folgt.) 699 

Born,  Axel:  Ueber  neuere  Gliederungsversuche  im  estländischen 

höheren  Untersilur  712 

Miscellanea • 720 

Personalia 720 


An  die  Herren  Mitarbeiter. . 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien,  Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

JB ^ST“  Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


1.  Dezember  1913. 


1 

Centralblatt 


für 

Mineralogie,  Geologie  and  Paläontologie ' 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

beransgegelien  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

ln  Marbnrg.  in  Breslau  ln  Berlin. 


1913.  No.  23. 


STUTTGART. 

E.  Sch weizerbar t’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser 

1913 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 

Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Prospekt  der  E.  Schweizerbart'schen 
Verlagsbuchhandlung.  Nägele  & Dr.  Sproesser.  in  Stuttgart,  betreffend 
Rosenbusch,  Mikroskop.  Physiographie  der  Mineralien  n.  Gesteine. 


Inhalt. 

Original-Mitteilungen  etc. 

Slavik,  F. : Adolf  Hofmann  f 721 

Mitteilungen  aus  dem  Mineralogischen  Institut  der  Universität  Bonn. 

20.  P.  Michael  Hopmann:  Einige  Bemerkungen  über  die 

Einschlüsse  im  Leucit-Tuff  der  Kappiger-Ley 722 

Gans,  R. : Ueber  die  chemische  oder  physikalische  Natur  der  kolloidalen 

wasserhaltigen  Tonerdesilikate.  (Schluß.) 728 

Mey  er,  Hermann  L.  F. : Ueber  den  Zechstein  im  Spessart  und 

Odenwald.  Mit  einer  Kartenskizze 742 

Löffler,  Richard:  Ergänzende  Beiträge  zur  Kenntnis  des  Grund- 
gebirges im  Ries 

Personalia 752  ' 


An  die  Herren  Mitarbeiter. 

Hierdurch  bitten  wir,  die  für  das  Neue  Jahrbuch  bezw. 

Centralblatt  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläonto- 
logie bestimmten  Abhandlungen , Referate  und  Original- 
mitteilungen etc.  aus  den  Gebieten: 

1.  Kristallographie,  Mineralphysik,  Mineralchemie,  Ein- 
zelne Mineralien , Vorkommen  von  Mineralien, 
Meteoriten  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Max  Bauer, 
Marburg  a.  L.  (Hessen-Nassau); 

2.  Allgemeine  Geologie,  Dynamische  Geologie,  Experi- 
mentelle Geologie,  Radioaktivität,  Gesteinsbildende 
Mineralien,  Petrographie,  Lagerstätten  nutzbarer 
Mineralien  an  Herrn  Geheimrat  Prof.  Dr.  Th.  Liebisch, 
Berlin  N.  4,  Invalidenstr.  43; 

3.  Geologische  Karten,  Topographische  Geologie, 
Stratigraphie,  Paläontologie  an  Herrn  Prof.  Dr. 
Fr.  Frech  in  Breslau  I,  Schuhbrücke  38  gelangen 
lassen  zu  wollen. 

Um  den  Herren  Redakteuren  das  Durchgehen  der  Manu- 
skripte zu  erleichtern  und  um  Korrekturkosten  tunlichst  zu 
vermeiden,  bitten  wir  die  Beiträge  in  gut  leserlicher  Beschaffen- 
heit — Maschinenschrift  würde  besonders  dankbar  begrüßt  — 
einzusenden. 

Korrekturkosten,  die  das  übliche  Maß  über- 
schreiten, sind  wir  leider  genötigt,  den  Herrn  Verfassern 
in  Anrechnung  zu  bringen. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 

Nägele  & Dr.  Sproesser  ::  Stuttgart. 


15.  Dezember  1913. 


Centralblatt 

für 

Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 

in  Verbindung  mit  dem 

Neuen  Jahrbuch  für  Mineralogie,  Geologie  und  Paläontologie 


heransgegeben  von 

M.  Bauer,  Fr.  Frech,  Th.  Liebisch 

in  Marburg.  in  Breslau  ln  Berlin. 


1913.  No.  24. 


STUTTGART. 

E.  Schweizerbart’sche  Verlagsbuchhandlung 
Nägele  & Dr.  Sproesser. 


1913. 


Monatlich  2 Nummern.  Preis  für  Nichtabonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  15  Mk.  pro  Jahr. 


Abonnenten  des  Neuen  Jahrbuchs  erhalten  das  Centralblatt  unberechnet. 

Dieser  Nummer  ist  beigefügt  ein  Verzeichnis  der  £.  Selnveizerbart'schen 
/erlagslmchhandlung , Nägele  & Dr.  Sproesser,  in  Stuttgart,  betreffend 
.Geologica”. 


Helte 


Inhalt. 

Original -Mitteilungen  etc. 

Yolz,  W. : Oberer  Jura  in  West-Sumatra.  Mit  5 Textfiguren  . . 753 
Be  «teil.  A. : Die  Zersetzung  des  Hauerits  an  der  Luft  und  die 
dadurch  hervorgerufene  Einwirkung  auf  Silber  und  Kupfer. 

Mit  3 Textfiguren 758 

Michel,  H. : Ulausscheidungen  und  Einschlüsse  im  Sodalithsyenit 

von  der  Hradlischka  westlich  Grosspriesen  a.  d.  Elbe  ....  767 

Tucan,  Frau:  Zu  Wherry’s  Nomenklatur 768 

Tue  an,  Fr  an:  Wieder  ..Zu  Tccan’s  Bauxitfrage“ 768 

Kayser,  E. : Ueber  die  ARKHENius'sche  Theorie  der  Eiszeiten  . . 769 
Weber,  Maximilian:  Beispiele  von  Primärschieferung  innerhalb 

der  böhmischen  Masse.  Mit  2 Textfiguren 772 

Besprechungen. 

Doelter  . C. : Handbuch  der  Mineralchemie 784 

Personalia 784 


An  der  Technischen  Hochschule  in  Delft  (Holland)  ist 

die  Stelle  eines 

Konservators 

der  mineralogischen,  geologischen  und  paläonto- 
logischen  Sammlungen  vakant.  Gehalt  fl.  2500. — . 
Briefe  an  Professor  Dr.  H.  G.  Jonker  in  Delft. 


Chemisches  Laboratorium 

von 

Professor  Dr.  M.  Dittrich. 

Heidelberg-  Brunnengasse  14 

Mineral-,  Erz-  und  Gesteiusuntersuclmngen.  — Quell-  und 
Mineralwasseranalysen.  — Untersuchungen  auf  Radioaktivität. 
— Chemische  Praktica,  unter  besonderer  Berücksichtigung 
der  Mineralogen  und  Geologen,  auch  in  den  Universitätsferien. 

Prospekte  auf  Verlangen.  


Voigt  & Hochgesang  # Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufsclilag  ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


„Kollolith“ 

Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

— Ersatz  für  Kanadabalsam.  ■ 

Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
Kollolith-Chloroformlösung. 

Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechungs- 
exponenten noch  seine  Härte. 

■ - ■ - Prospekte  kostenlos!  — - 


Neun  Modelle 


für  den  geologischen  Unterricht  nach 


Prof.  Dr.  6.  Steinmanns  „Geologische 
Probleme  des  Alpengebirges“ 

konstruiert  von  Dr.  K.  Stamm. 

Jedes  Modell  stellt  einen  Ausschnitt  dar  aus  einem  Gebiet,  wo 
die  darzustellende  Phase  der  Gebirgsbildung  besonders  gut  entwickelt 
ist.  Was  man  in  der  Natur  direkt  beobachten  kann,  ist  die  Ober- 
fläche des  Reliefs.  Die  Seitenprofile  geben  an , wie  man  sich  die 
Fortsetzung  der  Schichten  unterirdisch  denken  muß,  und  die  abnehm- 
bare Kappe  repräsentiert  jene  Teile,  die  nach  der  Auffaltung  des 
Gebirges  durch  Erosion  usw.  fortgeführt  worden  sind. 

Die  Modelle  sind  mit  Stativeu  versehen,  die  es  ermöglichen, 
die  beiden  Teile  übereinander  im  richtigen  Zusammenhang  auf- 
zustellen. 

No.  1.  Horizontale  Lagerung-Diskordanz;  51X16X117  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 2.  Einfache  Antiklinale  und  Synklinale  (Mt.  Terrible-Kette 
im  Schweizer  Jura,  nach  Steinmann) ; 51X16X23  cm  bei  auf- 
liegender Kappe. 

„ 3.  Kofferfalte  (Weißenstein kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Gerth); 
51  X 16  X 25  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 4.  Gewölbeeinbrnch-Verwerfung  (Val  de  Travers  im  Schweizer 
Jura,  nach  Steinmann);  61X16X24  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 5.  Liegende  Antiklinale  (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura, 
nach  Steinmann);  51X16X20  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 6.  Überschobene  Antiklinale  mit  aiisgequetscbtem  Mittel- 
schenkel (Mt.  Terrible-Kette  im  Schweizer  Jura,  nach  Stein- 
mann) ; 51  X 26  X 22  cm  bei  aufliegender  Kappe. 

„ 7.  Schema  zweier  übereinander  liegender  Decken  (nach 
Lugeon);  61X33X18  cm  bei  auf  liegender  Kappe. 

„ 8.  Klippen  (Iberger  Klippen  nach  Quereau);  61X  33X23  cm  bei 
aufliegender  Kappe. 

„ 9.  Fenster  (Unterengadin,  nach  Paulcke);  61X33X17  bei  auf- 
liegender Kappe. 

No.  1 — 6 je  Jt  45. — , 7 — 9 je  J(,  80. — . Die  vollständige  Samm- 
lung von  9 Modellen  nach  vorstehender  Aufstellung  = Jl  450. — . Eine 
ausführliche  Beschreibung  wird  jeder  Sammlung  beigegeben. 

— Dünnschliffe 

von  eingesandtem  Material  werden  sorgfältig  und  pünktlich  hergestellt 
bis  zur  üblichen  Dünne  von  0,02  mm  und  darunter  zum  durchschnitt- 
lichen Preise  von  Jl  1.10  für  den  Schliff. 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwelzerbart'sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Jobaunesstr.  3 

Drnok  von  0.  Grüninger,  K.  Hofbuohdruokerei  Zu  Gutenberg  (Klett  fc Hartmann),  Stuttgart 


Voigt  & Hochgesang  « Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

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Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
anfschlag  ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  mm. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristailpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
führung zu  angemessenen  Preisen. 


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Neues  Kitt-  und  Präpariermittel  für  mikro- 
skopische Präparate. 

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Kollolith  hart,  Kollolith-Xylollösung, 
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Preis  pro  Tube  Mk.  1,25. 
Brechungsexponent  1,5354  für  Na-Licht  bis  18°  C. 

Kollolith  ist  bei  Zimmertemperatur  schleifhart  und  ändert  selbst 
nach  wiederholtem  Umschmelzen  weder  seinen  Brechungs- 
exponenten noch  seine  Härte. 

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W"  Soeben  ist  erschienen:  KI 

Allgemeiner  mineralogisch-geologischer 

Lehrmittel  - Katalog 

für  den  Schulgebrauch. 

II.  Auflage  =====  Erster  Teil. 

Mit  über  100  Abbildungen. 

Diese  neue  Auflage  hat  im  Vergleich  sehr  bedeutend  an  Umfang 
und  Inhalt  zugenommen;  der  vorliegende  erste  Teil  allein  umfaßt 
XXII  + 240  Seiten  Text,  also  für  sich  schon  ungefähr  das  doppelte 
der  ersten  Auflage. 

Er  enthält  zunächst  die  Einzelverzeichnisse  der  Mineralien, 
Gesteine  und  Fossilien  und  die  kleineren  Schulsaramlungen : es 
folgen  die  größeren  Schulsumnilungen  für  den  Lehrbedarf  an 
höheren  Schulen,  getrennt  nach  Mineralogie . Kristallographie, 
Petrographie,  Geologie  und  Technologie,  die  so  eingerichtet  sind, 
daß  sie  sich  zugleich  auch  zu  Übungssammlnngen  für  Studierende 
und  Praktikanten  in  den  mineralogischen  und  geologischen  Instituten 
der  Universitäten  und  andern  Hochschulen  eignen. 

Der  zweite  Teil  des  Kataloges  wird  im  Anfang  des  nächsten  Jahres 
im  Druck  erscheinen. 

Im  Laufe  des  Monats  November  erscheint  das 

Petrooraphische  Semester-Verzeichnis  No.  9 

welches  einen  Überblick  über  die  neuen  Zugänge  unseres  ausgedehnten 
Gesteinslagers  während  des  letzten  Jahres  gibt. 

Unsere  fortgesetzten  Bemühungen,  von  einer  größeren  Anzahl  neu 
beschriebener  Gesteinstypen  gutes  Material  in  charakteristischen  Hand- 
stücken zu  beschaffen,  sind  nicht  ohne  Erfolg  geblieben,  wie  aus  der 
systematischen  Zusammenstellung  zu  ersehen  ist.  Desgleichen  können 
wir  mehrere  neue  und  interessante  Lokalsammlungen,  die  unter  der 
Mitwirkung  namhafter  Forscher  gesammelt  sind,  anbieten.  So  z.  B.  die 
interessanten  Gesteine  aus  dem  Nordingrä-Distrikt  in  Schweden, 
aus  dem  Manganerz-Distrikt  von  Brosteni  in  Rumänien,  von  Pan- 
telleria  und  einer  Anzahl  von  Inseln  der  Liparischen  Gruppe  u.  a.  m. 
Auch  das  neue 

Mineralogische  Semester-Verzeichnis  No.  16 

wird  in  kurzer  Zeit  erscheinen  und  eine  reichhaltige  Auswahl  pracht- 
voller Museums-Schaustücke  sowie  neue  Mineralien  und  neue  Mineral- 
vorkommen bieten;  unter  letzteren  erwähnen  wir  herrliche  Stufen  von 
Azurit  und  Malachit  von  den  Otavi-Kupfergruben,  Rubellit  und  eine 
Reihe  seltener  Mineralien  aus  Brasilien  und  Madagaskar  u.  vieles  andere 

Da  F.  KRANTZ 

Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833.  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohweizerbart’sotien  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart,  Johannesstr.  3 

Druck  von  0.  Grüntnger,  E.  Hofbuchdruckerei  Zu  Outenberg  (Klett  & Hartmann),  Stuttgart 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

von 

Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

Unerreichte  Qualität,  Dünne  0,02  nun. 

Kristalle:  Genau  orientierte  Schliffe.  Preis  Mk.  1.30 — 1.50. 

Kristallpräparate 

für  sämtliche  mineralogischen  Untersuchungen  in  tadelloser  Aus- 
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Allgemeiner  mineralogisch-geologischer 

Lehrmittel-Katalog 

für  den  Schulgebrauch. 

II.  Auflage  :-■  ■■■■  = Erster  Teil. 

Mit  über  100  Abbildungen. 

Diese  neue  Auflage  hat  im  Vergleich  sehr  bedeutend  an  Umfang 
und  Inhalt  zugenommen;  der  vorliegende  erste  Teil  allein  umfaßt 
XXII  -(-  240  Seiten  Text,  also  für  sich  schon  ungefähr  das  doppelte  , 
der  ersten  Auflage. 

Br  enthält  zunächst  die  Einzelverzeichnisse  der  Mineralien, 
Gesteine  und  Fossilien  und  die  kleineren  Schulsaminlungen:  es 
folgen  die  größeren  ScfnilshinmlungeTi  für  den  Lehrbedarf  an 
höheren  Schulen,  getrennt  nach  Mineralogie,  Kristallographie,: 
Petrographie,  Geologie  und  Technologie,  die  so  eingerichtet  sind,  i 
daß  sie  sich  zugleich  auch  zu  Übungssammlungen  für  Studierende 
und  Praktikanten  in  den  mineralogischen  und  geologischen  Instituten  i 
der  Universitäten  und  andern  Hochschulen  eignen. 

Der  zweite  Teil  des  Kataloges  wird  im  Anfang  des  nächsten  Jahres 
im  Druck  erscheinen. 

Im  Laufe  des  Monats  November  1913  erscheint  das 

Potrographische  Semester-Verzeichnis  No.  9 

welches  einen  Überblick  über  die  neuen  Zugänge  unseres  ausgedehnten 
Gesteinslagers  während  des  letzten  Jahres  gibt. 

Unsere  fortgesetzten  Bemühungen,  von  einer  größeren  Anzahl  neu , 
beschriebener  Gesteinstypen  gutes  Material  in  charakteristischen  Hand-  J 
stücken  zu  beschaffen,  sind  nicht  ohne  Erfolg  geblieben,  wie  aus  der \ 
systematischen  Zusammenstellung  zu  ersehen  ist.  Desgleichen  können 
wir  mehrere  neue  und  interessante  Lokalsammlungen,  die  unter  der  • 
Mitwirkung  namhafter  Forscher  gesammelt  sind,  anbieten.  So  z.  B.  die  . 
interessanten  Gesteine  aus  dem  Nordingrä-Distrikt  in  Schweden, 
aus  dem  Manganerz-Distrikt  von  Brosteni  in  Rumänien,  von  Pan- 
telleria  und  einer  Anzahl  von  Inseln  der  Liparischen  Gruppe  u.  a.  m. , 
Auch  das  neue 

Mineralogische  Semester-Verzeichnis  No.  16 

wird  in  kurzer  Zeit  erscheinen  und  eine  reichhaltige  Auswahl  pracht- 
voller Museums-Schaustücke  sowie  neue  Mineralien  und  neue  Mineral- 
vorkommeh  bieten;  unter  letzteren  erwähnen  wir  herrliche  Stufen  von 
Azurit  und  Malachit  von  den  Otavi-Kupfergruben.  Rnbellit  und  eine 
Iieihe  seltener  Mineralien  aus  Brasilien  und  Madagaskar  n.  vieles  andere : 

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Rheinisches  Mineralien-Kontor 

Fabrik  und  Verlag  mineralogischer  und  geologischer  Lehrmittel 

Gegr.  1833  Bonn  a.  Rhein.  Gegr.  1833. 


Verlag  der  E.  Sohwelzeibart'solien  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart.  Jobannesstr.  3 

Brno)!  von  O.  Grnnidger.  K.  Bofbtiehdruohevel  Zu  Gutenberg  (Klett  & Hartmann),  Stuttgart 


Voigt  & Hochgesang  * Göttingen 

Fabrikation  von  Dünnschliffen 

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Gesteinen:  Preis  im  Durchschnitt  Mk.  1.10.  Nur  für  besonders 
schwierig  zu  bearbeitendes  Material  tritt  ein  geringer  Preis- 
aufschlag ein. 

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Vts~  Soeben  ist  erschienen:  "9a 

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für  den  Schulgebrauch. 

II.  Auflage  =====  Erster  Teil. 

Mit  über  100  Abbildungen. 

Diese  neue  Auflage  hat  im  Vergleich  sehr  bedeutend  an  Umfang 
und  Inhalt  zugenommen ; der  vorliegende  erste  Teil  allein  umfaßt 
XXII  -(-  240  Seiten  Text,  also  für  sich  schon  ungefähr  das  doppelte 
der  ersten  Auflage. 

Er  enthält  zunächst  die  Einzelverzeiolmis.se  der  Mineralien, 
Gesteine  und  Fossilien  und  die  kleineren  Scliulsammlnngen : es 
folgen  die  größeren  Scliulsammlungen  für  den  Lehrbedarf  an 
höheren  Schulen,  getrennt  nach  Mineralogie , Kristallographie, 
Petrographie,  Geologie  und  Technologie,  die  so  eingerichtet  sind, 
daß  sie  sich  zugleich  auch  zu  Übungssammlungen  für  Studierende 
und  Praktikanten  in  den  mineralogischen  und  geologischen  Instituten 
der  Universitäten  und  andern  Hochschulen  eignen. 

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im  Druck  erscheinen. 

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Petrographische  Semester-Verzeichnis  No.  9 

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Gesteinslagers  während  des  letzten  Jahres  gibt. 

Unsere  fortgesetzten  Bemühungen,  von  einer  größeren  Anzahl  neu 
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Verlag  der  E.  Schweizerbart’sohen  Verlagsbuchhandlung,  Nägele  & Dr.  Sproesser, 
Stuttgart.  Johanuesstr.  3 

Druck  von  C.  Grnnlnger,  K.  Hofbuohdrucker«!  Zu  Gutenberg  (Klett  & Hartmann),  8tuttgarl